11 Empfehlungen zum Brandschutz, Grenzwerte, Empfehlungen

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11 Empfehlungen zum Brandschutz, Grenzwerte, Empfehlungen
Ministerium für Ländliche Entwicklung,
Umwelt und Verbraucherschutz
des Landes Brandenburg
Referat 22
Mai 2007
Produktorientierte Empfehlungen zum Brandschutz in der Landwirtschaft
11 Empfehlungen zu:
„Die wichtigsten Grenzwerte, Empfehlungen und Hinweise zum
landwirtschaftlichen Brandschutz sowie zur qualitätsgerechten Lagerung
landwirtschaftlicher Schütt- und Stapelgüter auf einen Blick“
1. Bei Heu und Stroh ist die volle Lagerfähigkeit nur gewährleistet, wenn die Gutfeuchte
durchgängig bei 16 % und darunter liegt.
2. Bei heißluftgetrockneten Futter-Pellets und –Cobs ist die volle Lagerfähigkeit nur
gewährleistet, wenn die Gutfeuchte durchgängig bei 13, 0 % und darunter liegt.
3. Heu- und Strohstapel sollen im Lagerraum eine Stapelhöhe von 4 m nach Möglichkeit
nicht überschreiten. Bei heißluftgetrockneten Futter-Pellets und –Cobs sollte nicht höher
als 5 m aufgeschüttet werden.
4. Auf der Grundlage neuer Erkenntnisse gelten seit dem Jahre 2004 für Heu, Stroh und
heißluftgetrocknete Futter-Pellets bzw. –Cobs folgende Temperaturgrenzwertbereiche:
Unter 35 0 C, 35 bis 40 0 C, 41 bis 50 0 C, 51 bis 60 0 C, 61 bis 65 0 C sowie 66 0 C
und darüber.
- Temperaturen unter 35 0 C sind unbedenklich.
- Temperaturmesswerte bis 40 0 C sind in Registrierlisten für Stapeltemperaturen
einzutragen.
- Temperaturen ab 41 0 C und darüber werden in Temperaturregistrier- und
Überwachungslisten für Erhitzungsherde eingeschrieben.
- Der Temperaturbereich zwischen 61 und 65 0 C wird als kritische Phase
bezeichnet.
An der erhitzten Stelle sind alle 3 Stunden (rund um die Uhr) die Stapeltemperaturen
zu messen. Außerdem ist die Feuerwehr zu benachrichtigen und ein Vor-Ort-Termin zu
vereinbaren.
- Bei 66 0 C und darüber ist ohne Zögern die Feuerwehr zu alarmieren.
5. Bei Heu- und Strohstapeln beginnt die Temperaturkontrolle am Tage des Aufstapelns.
Die Kontrolle wird mindestens 14 Wochen lang durchgeführt.
6. Jeder Heu- und Strohstapel sowie jeder Futterpellet- und Cobsstapel ist in
Temperaturmessbereiche einzuteilen. Jeder Temperaturmessbereich sollte eine
Grundfläche von 20 m2 bzw. ein Volumen von 80 m3 nicht überschreiten.
7. Die optimale Lagergutfeuchte für Getreide liegt bei etwa 13,5 %. Je nach Getreideart
und Verwendungszweck (z. B. Saatgut, Verarbeitung für Nahrungsmittel, Verfütterung an
Tiere) werden Gutfeuchtegrenzwerte angestrebt, die etwas über oder unter 13,5 Prozent
liegen. Ein Wert von 15,0 % darf aber nicht überschritten werden.
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8. Bei Rapssaat liegt die optimale Lagergutfeuchte bei 7,0 %. Der alleroberste Grenzwert
für die Gutfeuchte von Rapssaat liegt bei 9,0 Prozent.
9. Für die Temperaturkontrolle der Weizen-, Roggen-, Gerste- Hafer-, Körnermais- und
Rapssaatlager werden die nachfolgend aufgeführten Kontrollrhythmen nach HUMPISCH
empfohlen:
Bei einer Lagertemperatur von 12 0 C und darunter wird 1 x pro Woche gemessen.
Bei einer Lagertemperatur von 12,1 bis 16,0 0 C
wird 2 x pro Woche gemessen.
Bei einer Lagertemperatur von 16,1 bis 18,0 0 C
wird 3 x pro Woche gemessen.
Bei einer Lagertemperatur von 18,1 0 C und darüber wird täglich gemessen.
Die Lagertemperatur für Getreide sollte die 20 0 C-Marke nach Möglichkeit nicht
übersteigen.
Die Lagertemperatur der Rapssaat sollte unter 15 0 C liegen. Der Optimalwert liegt bei
12 0 C.
Der Besatz in der Rapssaat muss unter 1 % liegen.
10.
Werden größere Getreide- und Rapssaatmengen in Hallen oder Silos gelagert, dann
sind die Anforderungen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) – auch
verbindlich für Interventionslager – zu berücksichtigen. Für die Flachlagerung in Hallen gilt
Folgendes:
- Zur Begehung der Getreideoberfläche sind ausreichend Laufstege anzulegen.
- Zur geforderten Temperaturüberwachung müssen für die jeweiligen Lagerstellen
geeignete Thermometer oder Temperaturmessanlagen entsprechend der eingelagerten
Warenmenge installiert werden.
- Der Abstand der Messstellen darf ein Raster von 4 x 4 m nicht überschreiten.
- Zwischen den einzelnen Thermometern ist ein Abstand von ca. 2 Höhenmetern
einzuhalten. Hierbei befindet sich die tiefste Messstelle im Abstand von ca. 50 cm von
der Bodenplatte und die oberste Messstelle ca. 50 cm von der Getreidescheibe.
- Die Messstellen sind zu nummerieren, zu beschriften und in einem entsprechenden Plan
festzulegen.
11.
Bei heißluftgetrockneten Futter-Pellets und –Cobs, sowie bei Rapssaat und allen
Getreidearten wird von der Einlagerung bis zur Auslagerung die Temperatur kontrolliert.
Gesetzliche Grundlagen, Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsvorschriften des
Landes Brandenburg:
„Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz des
Landes Brandenburg (Brandenburgisches B rand- und Katastrophenschutzgesetz –
BbgBKG-) vom 24. Mai 2004“ (GVB l. I. S. 197 ff.).
„Verwaltungsvorschrift des Ministeriums des Innern zum Brandenburgischen Brand- und
Katastrophenschutzgesetz vom 30. November 2005“.
„Verordnung über die Organisation und die Durchführung der Brandschau
(Brandschauverordnung – BrSchV) vom 3. Juni 1994“. Geändert durch die Erste
Verordnung vom 13. August 2001 (GVBl. II. / 01, [Nr. 17}, S. 546).
„Brandenburgische Bauordnung (BbgBO) vom 16. Juli 2003“. Letzte Änderung am 28.
Juni 2006. (GVBl. I. / 06, [Nr. 07}, S. 74, 75). Aus dem Inhalt: § 5
Zugänge und
Zufahrten der Grundstücke. § 12
Brandschutz. § 26
Brandwände.
„Gesetz über Aufbau und Befugnisse der Ordnungsbehörden (Ordnungsbehördengesetz
– OBG) vom 21. August 1996“. Zuletzt geändert am 19. Dezember 2000. (GVBl. I. S.
179, 182).
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Auszug aus „Vorbeugende und abwehrende Maßnahmen bei Brandgefahren in der
Landwirtschaft. Mit speziellen Hinweisen zur Qualitätssicherung bei der Lagerung von Heu,
Stroh, Futter-Pellets, Getreide und Rapssaat“.
Eine Informations- und Arbeitsbroschüre – von Dr. Arno Schrader /Christina Schrader,
Ingenieurbüro für landwirtschaftlichen Brandschutz, Philipp-Müller-Straße 10 B,
14641 Paulinenaue.
Telefon: 033237/ 88427, Fax: 033237 / 85357.