Kol 2 - Katholisches Bibelwerk

Commentaren

Transcriptie

Kol 2 - Katholisches Bibelwerk
Katholisches Bibelwerk
Lektorenhilfe
17. Sonntag im Jahreskreis C
2. Lesung
17. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
2. Lesung: Kol 2,12-14
1. Hinführungstext zum Vortragen vor der Lesung
Der Brief an die Kolosser gehört zu den kürzeren Briefen im Neuen Testament. Er ist von
einem Verfasser, der sich in der geistigen Nachfolge des Paulus weiß, im Namen und mit der
Autorität des Paulus geschrieben. Anlass war die in der Gemeinde auftretende Irrlehre, die
den Glauben an Christus mit heidnischen Elementen verband. Im heutigen Lesungsabschnitt
geht es um das, was Gott in Jesus Christus für uns getan hat. Sein Tod sühnt all unsere
Sünden, und durch das Kreuz wird dies wie an einem durchgestrichenen Schuldschein
sichtbar.
Kurzer Alternativtext
Sünde und Tod sind Vergangenheit, Auferweckung und Leben Gegenwart – die
Verkündigung dieser Botschaft ist ein wichtiges Anliegen des Kolosserbriefes. Aus dem Text
spricht eine nicht alltägliche Zuversicht des Glaubenden, der sich „bereits jetzt“ in Jesus
Christus erlöst weiß.
(Heidi Rosenstock, Gottes Volk 6/1998, 74f.)
2. Praktische Tipps zum Vorlesen
a. Textumfang
Die Lesung ist mit drei Versen sehr knapp gehalten. Das deutet auf eine große inhaltliche
Dichte hin. Im Kolosserbrief stehen die Verse innerhalb eines größeren Abschnittes, in dem
vor Irrlehrern gewarnt wird. Unsere Verse versinnbildlichen die Essenz des christlichen
Glaubens, die alle anderen Geheimnisse und Sonderlehren überflüssig machen.
b. Betonen
Lesung
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser
[(Meine) Schwestern und (meine)] Brüder!
12 Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben,
mit ihm auch auferweckt,
durch den Glauben an die Kraft Gottes,
der ihn von den Toten auferweckt hat.
13 Ihr wart tot infolge eurer Sünden,
und euer Leib war unbeschnitten;
Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht
und uns alle Sünden vergeben.
1
 Kath. Bibelwerk e.V. www.bibelwerk.de
Katholisches Bibelwerk
Lektorenhilfe
17. Sonntag im Jahreskreis C
2. Lesung
14 Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach,
durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten,
aufgehoben.
Er hat ihn dadurch getilgt,
dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.
c. Stimmung, Modulation
Die einzelnen Sätze sind in sich sehr bildstark. Im Vortrag kommen diese Bilder am besten
zum Ausdruck, wenn man besonders die Verben betont und nach jedem Vers eine längere
Pause macht, um die Bilder in sich nachklingen zu lassen.
3. Textauslegung aus der Reihe „Gottes Volk“
Eine Irrlehre, die sich unter den Christen in Kolossä festzusetzen droht, ist der Anlass für den
Schreiber des Briefes an die Kolosser, sich an die Gemeinde zu wenden. Die „Philosophie“
will die Menschen davon überzeugen, dass zusätzlich zum Erlösungshandeln Gottes in
Christus das Einhalten bestimmter Regeln und Vorschriften unabdingbar sei für die Rettung
der Menschen. Dagegen setzt der Brief, dass in Christus den Menschen im Grunde schon alles
geschenkt ist. In der Taufe sind wir bereits hineingenommen in das Heilshandeln Gottes an
uns. Voraussetzung ist allein der Glaube an die Macht Gottes, der uns mit einbezieht in den
Tod und die Auferweckung Christi – schon jetzt.
Denn schon jetzt, mitten im Leben, machen wir die Erfahrung des Todes, die Erfahrung
dessen, was Leben bedroht. Nicht selten sind wir selbst es, die uns durch unser Tun und
Lassen eigenhändig vom Leben abschneiden.
Durch die Taufe aber ist uns Christen ein neues Leben geschenkt. Der Autor des Briefes
nimmt in diesem Zusammenhang das Bild von der Beschneidung auf. Die Anhänger der
Irrlehre scheinen eine Beschneidung als unabdingbares Zeichen der Zugehörigkeit zum
Heilsbereich Gottes gefordert zu haben. Der Kolosserbrief umschreibt aber den
Herrschaftswechsel in der Taufe als eine „Beschneidung …. die man nicht mit Händen
vornimmt, nämlich eine Beschneidung, die Christus gegeben hat.“ (V. 11).
Als Getaufte sind wir befreit, Schuldbriefe sind ganz und gar getilgt, ohne Bedingung und
rein aus Gnade. Auch wenn wir als Getaufte noch nicht das Ziel erreicht haben: Ein radikaler
Neuanfang ist gesetzt im Tod Christi, der auch uns heraus reißt aus der Welt mit ihren
Spielregeln, und in seiner Auferweckung, die auch für uns Leben unter neuen Vorzeichen
bedeutet.
Die Lesung aus dem Kolosserbrief stellt uns vor Augen, dass es darauf ankommt, was Gott an
uns tut und ob wir glauben, dass er uns vom Tod zum Leben führen kann. Es sind nicht wir,
die durch unser Handeln die Erlösung herbeiführen, sondern umgekehrt gilt: Weil wir Erlöste
sind, kann das auch in unserem Handeln sichtbar werde . Wir sind befreit zum Leben. Gehen
wir auf Spurensuche: Wo in unserem Leben zeigt es sich, dass wir die Fesseln schon
abgeworfen haben? Wo wird es spürbar, dass wir nach neuen Spielregeln spielen? Leben wir
aus dem Vertrauen heraus, dass wir bereits Erlöste sind (wohl wissend, dass wir noch lange
nicht am Ziel sind)?
(Gaby Hüben-Rösch, Gottes Volk 6/2004, 55f.)
Dipl.-Theol. Joachim Lauer
2
 Kath. Bibelwerk e.V. www.bibelwerk.de