Warm up – cool down: Wie man Hunde für Training und Wettkampf

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Warm up – cool down: Wie man Hunde für Training und Wettkampf
Warm up – cool down: Wie man Hunde für Training und Wettkampf fit macht Oberstenfeld. Aktiv-­‐Wochenende beim Boxer Klub Oberstenfeld: Nach der erfolgreichen Frühjahrsprüfung in den Sparten Begleithund, Vielseitigkeitssport und Fährtenarbeit fesselte eine Tag darauf die renommierte Hundephysiotherapeutin und Betreuerin der deutschen Nationalmannschaft der belgischen Schäferhunde, Mirjam Knauer aus Remshalden, die Aufmerksamkeit ihrer rund 20 Seminarteilnehmer. Das Thema: Warm up, cool down vor Training und Wettkampf. Die Botschaft: Seinen Hund von Null auf Hundert ins Training oder in einen Wettkampf zu jagen, ist Gift für den Körper – und den Geist. Für Fußballer, Tennisspieler oder Leichtathleten ist es ganz selbstverständlich: Kein Sportler würde seinem Körper Höchstleistungen abverlangen ohne Muskelaufbau und ohne Aufwärmtraining. Doch bei unseren Hunden führt die Vorbereitung auf physisch – und auch psychisch – anstrengende Arbeit noch immer ein stiefmütterliches Dasein. Dabei reduziert richtiges Warm up das Verletzungsrisiko und die Gefahr langfristiger Verschleißerscheinungen wie die Arthrose enorm. Der Hund hat 321 Knochen, mit sieben Lendenwirbeln zwei mehr als der Mensch und drei Schichten Muskulatur. Das kann man wissen, muss es aber nicht. Was indes laut Mirjam Knauer jeder Hundehalter wissen sollte: Die Verbesserung der Kondition, die Stärkung des Herz-­‐Kreislauf-­‐Systems, die Erhöhung von Kraft und Stabilität sowie die Steigerung der Beweglichkeit sind die beste Gesundheitsvorsorge für einen sportlich aktiven Hund. Denn eines lässt sich weder beim Spiel, im Training oder Wettkampf völlig vermeiden – dass sich der Hund einmal die Wirbelsäule staucht, die Muskeln zerrt, sich die Knochen anschlägt oder nach einem Sprung unsanft auf dem Boden aufkommt. Wer dabei seinen Vierbeiner zuvor aus der Autobox gezerrt und in nur kurz mal hat Pippi machen lassen, der riskiert in solchen Situationen teils dramatische Verletzungen seines Lieblings. Ein richtig aufgewärmter Hund, den sein Besitzer zuvor etwa an der Longe-­‐Leine gut eingelaufen und gedehnt hat, dessen Muskulatur schon vor der Belastung Betriebstemperatur erreicht und bei Gefahr im Verzug blitzschnell anspringt, ein Hund dessen Gelenke durch gymnastische Übungen alle durchbewegt worden sind, ist längst nicht so verletzungsanfällig. Das hat Mirjam Knauer ihren Seminarteilnehmern durch zahlreiche Beispiele vor Augen geführt. Das Gute daran: Die Physiotherapeutin lehrte nicht nur die Theorie, sondern zeigte auch ganz praktisch, wie eine Aufwärmphase gestaltet sein sollte. An den Vorteilen ließ Mirjam Knauer keinen Zweifel: Trainierte und vorbereitete Hunde verfügen über eine höhere Herzkapazität. Durch Bewegung produziert die Gelenkkapsel vermehrt Synovia (Gelenkschmiere), die Gleitfähigkeit im Gelenkt steigt, der Knorpel als Dämpfer zwischen den Knochen ist besser versorgt und damit elastischer. Die Hunde sind geschmeidiger, aufnahmebereiter und leistungsfähiger. Und sie sind entspannter. Denn das Warm up steigert nicht nur die Motivation, die Konzentration und Reaktionsfähigkeit des Hundes. Es hilft auch bei der Stressbewältigung. Und was passiert nach dem Training oder Wettkampf? Den heftig hechelnden Hund schnurstracks zurück in die Box? Ein Riesenfehler! Nach der Belastung muss sich der Stoffwechsel zuerst wieder einpendeln, Puls-­‐ und Atemfrequenz müssen sich ebenso normalisieren wie die Muskelspannung, Schlackenstoffe wie Laktat müssen abtransportiert werden. Kurzum: Der Hund muss sich abkühlen. Cool down nennt sich deshalb die Nachbelastungsphase. Und gibt es dann noch eine Massage, geht es unserem Trainingspartner richtig gut. Auch das Mirjam Knauer am lebenden Objekt demonstriert. Wer gelernt hat, wie es geht, braucht für Warm up und Cool down nicht länger als ein paar Minuten. Wobei eine Faustregel sagt: Je höher die kommende Belastung, desto länger das Aufwärmen. Und: Im Winter dauert das Prozedere logischerweise etwas länger als im Sommer. Vollgestopft mit nützlichem Wissen aus Theorie und Praxis haben die Boxerhundefreunde aus Oberstenfeld ihren Horizont erweitert. Denn nicht nur für Hunde gilt: Wer rastet, der rostet. Ina B. Wiedmann, Erste Vorsitzende des Boxer Klubs Oberstenfeld