Besteuerung der Leistungen aus Schweizer Pensionskassen

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Besteuerung der Leistungen aus Schweizer Pensionskassen
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Besteuerung der Leistungen aus
Schweizer Pensionskassen
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Neue Steuersituation für deutsche
Grenzgänger bei Leistungen aus dem
Schweizer Pensionskassensystem
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Stand 2/2016
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Besteuerung von Renten und Kapitalauszahlungen aus dem Schweizer
Pensionskassensystem und von Rentenzahlungen aus der schweizerischen AHV (Altersund Hinterlassenen Versicherung)
Am 20.07.2015 teilte die Oberfinanzpräsidentin Frau Andrea Heck von der Oberfinanzdirektion Karlsruhe mit:
„Auszahlungen von einer Schweizer Pensionskasse
können demnächst günstiger besteuert werden. Das
betrifft aber nur Leistungen aus privatrechtlichen
Schweizer Pensionskassen, die aus dem Überobligatorium (über die Mindestabsicherung hinausgehende
Einzahlung in die Pensionskasse) stammen. Es ist mir
wichtig, dass betroffene Steuerbürgerinnen und
Steuerbürger wissen, dass die Bescheide derzeit noch
nach der bisherigen Rechtsprechung ergehen. Nur
durch einen recht-zeitigen Einspruch können sie von
einer künftigen, möglichen günstigeren Regelung
profitieren“, hob die Oberfinanzpräsidentin hervor.
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Was versteht man unter Obligatorium / Überobligatorium?
Obligatorium
= das, was die Pensionskasse gemäss Gesetz (BVG) leisten MUSS
Überobligatorium
= das, was die Pensionskasse darüber hinaus freiwillig leisten KANN
Koordiniertes System der Vorsorge
Das Jahressalär ist die Grundlage, auf der die Finanzierung von Obligatorium und
Überobligatorium beruht:
Das Obligatorium wird gespeist von
·
Einzahlungen in die Pensionskasse, die aufgrund gesetzlicher Vorgaben als altersprogressiv gestaffelte Pflichtbeiträge zu entrichten sind (ein Jahressalär bis zu
21'150 CHF begründet gemäß Gesetz keine Pflichtmitgliedschaft in einer betrieblichen Pensionskasse)
Zum Überobligatorium zählen
·
reglementarisch mögliche Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge in die Pensionskasse auf Lohnbestandteile oberhalb des gesetzlichen Pflichtbereichs und andere zusätzliche freiwillige Einzahlungen von Arbeitgeber und/oder Arbeitnehmern
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Zum Obligatorium zählen
-
Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge in die Pensionskasse auf ein Jahressalär
von 21'151 CHF bis maximal 84'600 CHF (Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen
gemäß Gesetz je 50% der Beiträge einzahlen, wobei der Arbeitgeber auch einen
höheren Anteil übernehmen kann)
-
1,25 % beträgt aktuell die Mindestverzinsung auf alle für das Obligatorium einbezahlten Sparbeiträge
Zum Überobligatorium zählen
-
reglementarisch mögliche zusätzliche Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-beiträge
in die Pensionskasse, auch auf Lohnbestandteile, die 84'600 CHF übersteigen,
und z.B. Abfindungen im Rahmen von Vorruhestandsvereinbarungen oder freiwillige Sparbeiträge von Arbeitnehmern
-
Zinserträge aus einer Verzinsung, die höher ist als der Mindestzins von 1,25%
-
Altersguthaben, die vor 1985 gespart worden sind
-
Beiträge auf Leistungsboni oder Gratifikationen
-
Gutschriften aus der Verteilung von freien Vorsorgemitteln oder Überschüssen
Die vorgenannten Kennzahlen entsprechen den Vorgaben der Schweizer BVG (Berufliche Vorsorge) vom 01.01.2016
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Eine neue Steuersituation bei Leistungen aus der
Schweizer Pensionskasse zeichnet sich ab
(Stand: 20.7.2015)
Was bedeutet die neue Regelung konkret?
-
Für Leistungen aus dem Obligatorium bleibt alles wie gehabt.
-
Leistungen aus dem Überobligatorium wurden bisher komplett besteuert.
NEU sind nur die Erträge aus dem Überobligatorium zu versteuern. Dies führt
insbesondere bei Kapitalauszahlungen zu erheblichen Einsparungen.
-
Liegt der Beginn der Mitgliedschaft in der Pensionskasse vor 2005, kann sogar
die gesamte Kapitalleistung aus dem Überobligatorium steuerfrei sein.
-
Bis heute rechnet das Finanzamt noch nach der alten Regelung. Daher ist es
wichtig, dass Sie Ihren Steuerbescheid offen halten und gegebenenfalls Einspruch einlegen.
Was zählt zu den Leistungen aus Schweizer Pensionskassen?
Leistungen, auf die sich die neue Regelung der deutschen Finanzbehörde auswirkt, sind:
-
Renten aus der Pensionskasse
-
Kapitalbezüge aus der Pensionskasse
o Kapitalvorbezug für Wohneigentum
o Auszahlungen u.a.
§ im Scheidungsfall (=Ausgleich von Pensionskassenkapital)
§ im Rahmen von Pensionierung und Vorruhestandslösungen
-
Bezug von Freizügigkeitskapital
-
Überbrückungsrenten bis zum regulären gesetzlichen Altersübertritt
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Was ändert sich bei der Besteuerung durch die neue Regelung?
Nach der neuen Rechtsprechung werden Leistungen aus dem Überobligatorium den
Bezügen aus einer privaten Kapitallebensversicherung in Deutschland gleichgesetzt.
D.h. bei Auszahlungen aus dem Überobligatorium in Form einer Rente oder als Kapital
ist nur der Ertragsanteil bzw. der Zinsertrag steuerbar, nicht der gesamte eingezahlte
Betrag.
Ausnahmen bei Auszahlungen aus dem Überobligatorium:
-
Erfolgte der Eintritt in eine Schweizer Pensionskasse vor 2005 und wird eine Kapitalleistung erst nach Ablauf von mindestens 12 Jahren bezogen, fallen keine
Steuern an.
-
Der ansonsten zu versteuernde Zinsanteil ist nur zu 50 % steuerpflichtig, wenn
die Leistung nach Ablauf von mindestens 12 Jahren ab vollendetem 60. Lebensjahr bezogen wird.
Der Wechsel der Pensionskasse oder die Übertragung der Gelder auf ein Freizügigkeitskonto haben keinen Einfluss auf die Besteuerung.
Die neue Besteuerung bei Auszahlung von Renten und Kapitalleistungen im Überblick
Obligatorium
Einzahlungen
in die Pensionskasse
Erträge
Gesamtbetrag wird besteuert.
Besteuerungsanteil steigt bis
2040 schrittweise auf 100% an.
Überobligatorium
Einzahlungen
in die Pensionskasse
Erträge
Nur Erträge werden
besteuert. Das Alter
bestimmt den Ertragsanteil.
Erträge
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Das Alterseinkünftegesetz legt die Besteuerung von Rente und Kapital fest
Zum 01.01.2005 ist das deutsche Alterseinkünftegesetz in Kraft getreten. Damit wurde
festgelegt, dass Renten aus der 1. Schicht der Altersvorsorge ab 2040 zu 100% besteuert
werden. Zur 1. Schicht der Basisvorsorge nach deutschem Steuerrecht zählen nunmehr
Leistungen aus der AHV und aus dem Obligatorium des Schweizer Pensionskassensystems.
Hinweis: Für öffentlich-rechtliche Pensionskassen ist die differenzierte Einordnung zwischen Obligatorium und Überobligatorium wegen national unterschiedlicher Interpretation der Bestimmungen des Doppelbesteuerungsabkommens Deutschland – Schweiz
noch nicht abschließend geklärt.
Während einer Übergangszeit von 2005 bis 2040 erhöht sich der Anteil der Rente oder
Kapitalleistung, die aus dem Obligatorium versteuert werden muss, gemäß folgender
Tabelle:
Das Jahr, in dem man in Rente geht oder Kapital bezieht, bestimmt den Besteuerungsanteil.
Beispiel: Jährliche Rente aus Obligatorium: 20‘000 CHF
Renteneintritt
2015
2020
Besteuerungsanteil
70%
80%
14‘000 CHF
16‘000 CHF
6‘000 CHF
4‘000 CHF
Zu versteuern
Steuerfrei
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Renten- und Kapitalauszahlungen aus dem Überobligatorium werden nach folgender
Tabelle besteuert:
Rechenbeispiel: Leistungen aus dem Überobligatorium
Das Alter bei Rentenbeginn entscheidet über den Prozentsatz (= Ertragsanteil), mit dem
die Rente, die auf dem Überobligatorium basiert, zu versteuern ist.
Beispiel: Jährliche Rente aus Überobligatorium: 10‘000 CHF
Renteneintritt
Alter 60
Alter 65
22%
18%
Zu versteuern
2‘200 CHF
1‘800 CHF
Steuerfrei
7‘800 CHF
8‘200 CHF
Ertragsanteil
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Rechenbeispiel: Leistungen aus Obligatorium und Überobligatorium
Es kommt am Ende also zu einer Mischkalkulation, um das zu versteuernde Einkommen
aus der Schweizer Pensionskasse zu berechnen:
Jährliche Rente aus
Obligatorium 20‘000 CHF
Jährliche Rente aus
Überobligatorium: 10‘000 CHF
Renteneintritt
2015
Rente aus Obligatorium
20‘000 CHF
Besteuerungsanteil
Zu versteuern
Rente aus Überobligatorium
70%
14‘000 CHF
Steuerfrei
Renteneintritt
6‘000 CHF
Ertragsanteil
Alter 65
10‘000 CHF
18%
Zu versteuern
1‘800 CHF
Steuerfrei
8‘200 CHF
Gesamtes zu versteuerndes Einkommen: 15‘800 CHF
Steuerfrei bleiben: 14´200 CHF
Ein Kapitalbezug aus dem Obligatorium ist wie ein Rentenjahresbetrag steuerpflichtig.
Eine aus dem Überobligatorium stammende Kapitalleistung ist ggf. mit dem rechnerisch
zu ermittelnden Zinsanteil als Kapitalertrag steuerpflichtig nach Maßgabe der steuerlichen gesetzlichen Regelungen zu Auszahlungen aus privaten Kapitallebensversicherungen.
Besteuerung in der Ansparphase
Die neue Regelung wirkt sich auch auf die Zeit aus, in der die Beiträge in die Pensionskasse einbezahlt werden:
Obligatorium
Überobligatorium
Beiträge können steuerlich in
Abzug gebracht werden
Beiträge können nicht in Abzug
gebracht werden*
*Da der Pauschbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen nur 1'900 EUR pro Person
beträgt und durch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bereits aufgebraucht wird.
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Sonderfall Überbrückungsrente:
Worauf muss man bei einer Vorruhestandsregelung
mit einer Überbrückungsrente achten?
Der Arbeitgeber kann bei einer Frühpensionierung an den Arbeitnehmer Zahlungen
leisten, um Rentenkürzungen zu kompensieren. Derartige Sonderzahlungen in die
Schweizer Pensionskasse des Arbeitnehmers können vom deutschen Finanzamt unter
Umständen steuerlich als Vorruhestandslösung begünstigt werden. Ist dies der Fall, profitiert der Arbeitnehmer von einer niedrigeren Besteuerung.
Dies gilt, wenn eine Sonderzahlung vom Arbeitgeber in die Pensionskasse des Arbeitnehmers geleistet wird, um vorruhestandsbedingte Rentenverluste auszugleichen. Abfindungen, die zur freien Verfügung an den Arbeitnehmer gezahlt werden, muss dieser
zusammen mit seinem Jahressalär versteuern.
Hinweis: Es ist im Einzelfall zu prüfen, welche der beiden oben genannten Möglichkeiten als steuerlich günstigere Variante in Frage kommt.
Die Direktversicherung für deutsche Grenzgänger
Durch eine Direktversicherung nach § 3 Nr. 63 EStG haben seit 2007 deutsche Grenzgänger die Möglichkeit zum Abschluss einer betriebliche Altersvorsorge nach deutschem Recht (zusätzlich zur AHV und Schweizer Pensionskasse).
Einzahlungen in eine deutsche Direktversicherung können bis zu einem bestimmten
Betrag pro Jahr (2016: 2'976 EUR – entspricht 4 % der Höchstbeitragsbemessungsgrenze
zur deutschen gesetzlichen Rentenversicherung – 74'400 EUR) steuerlich in Abzug gebracht werden; dies reduziert in der Ansparphase das zu versteuernde Jahreseinkommen und damit die Steuerlast. Die mit der Direktversicherung in Deutschland verbundene Sozialabgabenbegünstigung erhält ein Grenzgänger nicht. In der Realität zeigt sich,
dass die Steuervorteile in der Ansparphase durch die gesetzlichen Nachteile bei Steuern
und Sozialabgaben in der Rentenphase wieder ausgeglichen werden.
Hinweis: Wenn Sie bereits über eine gute Altersvorsorge durch Ihre Schweizer Pensionskasse verfügen, sollten Sie genau prüfen, ob eine zusätzliche deutsche Direktversicherung für Sie persönlich sinnvoll ist, um privat Kapital für das Alter anzusparen.
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