country joe and the fish

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country joe and the fish
POLITISCHE BILDUNG
Nachrichtensendungen analysieren
Die meistgesehene politische Informationssendung des ORF
(Österreichischer Rundfunk) ist „Zeit im Bild“. Sie wurde erstmals im Herbst 1955 ausgestrahlt. Derzeit werden neben „Zeit
im Bild“, die täglich um 19.30 Uhr in ORF 2 zu sehen ist, auch
andere Nachrichtensendungen wie ZIB 2 gesendet.
In autoritären1 Staaten dürfen meistens nur jene Nachrichten
gesendet werden, welche die Regierung genehmigt. Die TV-Sender unterliegen einer sogenannten Zensur (› G) . Nachrichtensendungen wollen in der Regel sachlich informieren.
Ziel der „Zeit im Bild“ ist es, die Zuschauerinnen und Zuschauer über das aktuelle Geschehen zu informieren. Aber
auch in einer Demokratie (› G) haben es z. B. Redakteurinnen und Redakteure in der Hand, durch die Auswahl oder
das Weglassen bestimmter Beiträge und durch bestimmte
Präsentationsformen Inhalte zu lenken oder zu beeinflussen.
Überdies wird auch immer wieder berichtet, dass Politikerinnen und Politiker über Telefonate und Beschwerden Einfluss auf die Berichterstattung nehmen wollen.
Das Moderatorenteam der ZIB 1, Tarek Leitner und Marie-Claire Zimmermann.
Im Internet findet ihr auf der Homepage des ORF (http://tv.orf.at/zeitimbild) unter „ZIB on demand“ aktuelle Sendungen, die ihr
über den PC in der Klasse anschauen könnt. Wählt eine aktuelle Sendung aus und analysiert diese mithilfe der unten angeführten
Aufgaben. Bildet 6 Gruppen, jede Gruppe erhält eine andere Aufgabe.
Gruppe 1: Achtet auf die einzelnen Nachrichtenbeiträge und schreibt in Stichworten auf: Worum geht es im ersten, zweiten,
dritten usw. Beitrag?
Gruppe 2: Achtet auf die einzelnen Nachrichtenbeiträge und ordnet sie in Stichworten den folgenden Bereichen zu:
Weltpolitik
Politik Inland
Wirtschaft
Unglücksfälle
Sport
Kultur
Klatsch u. Tratsch
Gruppe 3: Ihr braucht eine Stoppuhr!
Stellt fest, wie lange die einzelnen Beiträge dauern, schreibt die Zeiten auf.
Gruppe 4: Stellt fest: Welche Themen werden nur durch die Nachrichtensprecherin / den Nachrichtensprecher (ohne Filmbeitrag)
behandelt? Notiert die Themen in Stichworten.
Gruppe 5: Welche Nachrichtenbeiträge sind eher „gute (positive) Nachrichten“, welche eher „schlechte (negative) Nachrichten“?
Woran merkt man das? Macht euch Notizen.
Gruppe 6: Achtet auf die Sprache: Wird eher nüchtern2 und sachlich berichtet oder eher locker und unterhaltsam?
Notiert euch einige Beispiele.
t Tauscht nun zuerst die Ergebnisse eurer Beobachtungen aus!
t Was wird durch die Reihung der Beiträge hinsichtlich ihrer Wichtigkeit ausgedrückt?
t Warum werden bestimmte Themen (welche?) länger behandelt und andere nur ganz kurz?
t Ist die Nachrichtensendung eurer Meinung nach eher sachlich-seriös oder eher unterhaltungsorientiert?
1
autoritärBMMFJOIFSSTDIFOEt2 nüchtern: ohne Gefühlsregung
7
NATIONALSOZIALISMUS
Gedenkstätte Mauthausen als Erinnerungsort
Als 1949 am Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers
(› G) Mauthausen eine Gedenkstätte eingerichtet wurde, gab
es verschiedene Ansichten, wie mit dem Ort umzugehen sei.
Unter anderem entstand die Idee, das Lager zu „schleifen1“ und
an seiner Stelle ein riesengroßes Kreuz zu errichten. Schließlich
entschied man sich doch für die teilweise Erhaltung.
Rund 200 000 Menschen kommen jährlich zur Gedenkstätte.
Sie kommen vor allem, um den Ort und seine historischen
Überreste mit eigenen Augen zu sehen. Dieser Hauch des
Authentischen2 übt eine große Anziehungskraft aus. Die Wirkung auf die Besucherinnen und Besucher ist eine sehr starke.
Oft wird dabei aber übersehen, dass sich die Gedenkstätte ganz
wesentlich vom Konzentrationslager unterscheidet. Es gibt viel
zu sehen, ebenso viel aber nicht mehr zu sehen. Bereiche wurden abgetragen oder verändert oder renoviert, andere Bereiche
neu gebaut (wie z. B. das Besucherzentrum).
Oft ist der Besuch mit ganz bestimmten Erwartungen verbunden. Besucherinnen und Besucher wollen vor allem jene
Bereiche sehen, die sie aus Spielfilmen und anderen Medien
kennen (z. B. die Gaskammer). Sie bringen ihre eigenen Bilder
im Kopf mit und geben diesen Orten deshalb manchmal eine zu große Bedeutung. Im Konzentrationslager Mauthausen
gab es etwa mehrere Bereiche, die eine zentrale Rolle im Vernichtungsprozess innehatten. Allerdings ist vieles davon heute
nicht mehr sichtbar.
Im Krankenlager bzw. „Sanitätslager“ waren durch Erkrankung oder Unterernährung arbeitsunfähig gewordene Häftlinge
untergebracht. Es gab aber kaum medizinische Versorgung
und die hygienische Situation war katastrophal. Deshalb war
die Sterblichkeit sehr hoch. Nur die wenigsten Häftlinge kamen
lebend aus dem „Sanitätslager“.
Das Krankenlager
ch hatte schrecklichen Durchfall [Ruhr] und unzählige
kleine Wunden an meinen Beinen und am Rücken, aber
ich arbeitete weiter, so gut ich irgendwie konnte, um
zu verhindern, dass ich auf die Krankenliste gesetzt und
ins „Hospital“3 überstellt wurde, wo, ob man es glaubt
oder nicht, fünf kranke Menschen in ein einziges Bett gesteckt wurden, wo die Rationen nur halb so groß waren
wie die „normalen“ und wo minimale Mengen an Medikamenten bereit gestellt wurden. Sehr wenige kehrten
jemals aus diesem „Hospital“ zurück und die tägliche Todesrate durch Verhungern war in dieser Zeit 400 bis 500.
Diese Toten wurden in ein riesiges Massengrab am Hügel
geworfen, in dem bereits 15.000 lagen.
I
(Bericht des US-Geheimagenten Jack H. Taylor über das Konzentrationslager
Mauthausen)
Friedhof auf dem ehemaligen SS-Sportplatz; im Hintergrund die
Baracken des Sanitätslagers.
Bereich des ehemaligen „Sanitätslagers“ heute. Im linken Teil des
Bildes der Ort, an dem sich der Fußballplatz der SS (Wachmannschaft) befand.
Über das Sanitätslager:
as Sanitätslager lag etwas unterhalb des Hauptlagers, (...) Noch im Sommer 1944 war es möglich gewesen, dass im Sanitätslager Häftlinge
von ihrer Krankheit geheilt werden konnten. Im Herbst
1944 änderte sich jedoch dieser Zustand radikal. Das
Sanitätslager nahm immer stärker den Charakter eines
ausgesprochenen Vernichtungslagers an. Die Essensrationen lagen niedriger als im Hauptlager, und Medikamente gab es so gut wie keine mehr. Das Schlimmste
jedoch war der Platzmangel. Es wurde zum normalen
Zustande, dass vier Personen in einem Bett lagen. (...)
Das Sanitätslager war von einem doppelten Drahtzaun
und von Wachtürmen umgeben. Zeitweilig betrug seine
Belegung bis zu 10 000 Personen, obwohl nur für etwa
2 500 Platz vorhanden war.
D
(Baum, Bruno: Die letzten Tage von Mauthausen.)
1. Überlegt in Gruppen: Welche Erwartungen habt ihr an einen Besuch der Gedenkstätte Mauthausen?
2. Vergleiche das historische mit dem aktuellen Foto und halte die Unterschiede fest.
1
schleifen:LPNQMFUUBCUSBHFOOJFEFSSFJ•FOt2 authentisch:FDIUHMBVCXàSEJHVOWFSGÊMTDIUt3 Hospital: hier: Sanitätslager
67
POLITIK & GESELLSCHAFT NACH 1945
Vergleich Pro- und Anti-Kriegssong
Methoden
training
Während des Vietnamkriegs ging ein Riss durch die amerikanische Bevölkerung. Während ein großer Teil den Krieg als
patriotische Pflicht sah, protestierten viele – vor allem junge – Amerikaner dagegen. In diese Auseinandersetzung griffen
auch Musikerinnen und Musiker ein. Hier seht ihr die Liedtexte zu einem Pro-Kriegssong und einem Anti-Kriegssong:
Johnny Wrights Pro-Kriegssong „Hello Vietnam“ war 1965 drei Wochen lang die Nummer 1 der amerikanischen Hitparade,
Country Joe´s „I-feel-like-I´m-fixing-to-die-rag“1 aus dem selben Jahr war eine populäre Anti-Vietnamkriegshymne.
Johnny Wright: „Hello Vietnam“
[Refrain:] Kiss me goodbye and write me while I‘m gone
goodbye my sweetheart hello Vietnam
America has heard the bugle call and you know it involves
us one and all / I don‘t suppose that war will ever end
there‘s fighting that will break us up again / Goodbye
my darling hello Vietnam a hill to take a battle to be won
[Ref.]
A ship is waiting for us at the dock America has trouble
to be stopped / We must stop communism in that land or
freedom will start slipping through our hands. [Ref.]
I hope and pray someday the world will learn that fires we
don‘t put out will bigger burn / We must save freedom
now at any cost or someday our own freedom will be
lost [Ref.]”
(Autor: To.T.Hall,1964)
Deutsche Übersetzung*:
[Refrain:] Küss mich zum Abschied und schreib´ mir während ich weg bin, adieu mein Schatz, Hallo Vietnam.
Amerika hat die Kriegstrompeten gehört; weißt du, die
Sache betrifft uns alle. / Ich glaube nicht, dass dieser Krieg
je enden wird, der Kampf wird uns wohl wieder auseinander reißen. / Adieu mein Schatz, hallo Vietnam; ein Hügel
muss erobert, eine Schlacht gewonnen werden. [Ref.]
Ein Schiff wartet schon am Pier auf uns; Amerika muss bei
Schwierigkeiten aushelfen / Wir müssen den Kommunismus in diesem Land stoppen, sonst wird uns die Freiheit
durch die Finger rinnen. [Ref.]
Ich hoffe und bete, die Welt möge eines Tages verstehen,
dass Feuer, die nicht gelöscht werden, sich weiter ausbreiten. / Wir müssen die Freiheit – egal um welchen Preis –
verteidigen, sonst werden wir unsere eigene Freiheit eines
Tages verlieren. [Ref.]
* Übersetzungsvorschläge für Schülerinnen und Schüler: Heinrich Ammerer
1. Analysiere das Lied hinsichtlich seiner politischen Aussagen.
Wie viele kannst du finden? Fasse die politische Grundaussage des Liedes in einem Satz zusammen.
2. Welche politische Einstellung vertrat der Autor / Sänger?
An wen richtet er das Lied? Was hoffte der Autor / Sänger,
mit diesem Lied bewirken zu können?
3. Welche aktuellen Lieder mit politischen Inhalten kennst du?
Welche politischen Botschaften sind darin enthalten?
1
3
Country Joe and the Fish: (Ausschnitt)
„I-Feel-Like-I‘m-Fixin‘-To-Die-Rag” (1965)
Well, come on all of you, big strong men, Uncle Sam needs
your help again. / Yeah, he‘s got himself in a terrible jam,
way down yonder in Vietnam. / So put down your books
and pick up a gun, Gonna have a whole lotta fun.
[Refrain:] And it‘s one, two, three, What are we fighting for? /
Don‘t ask me, I don‘t give a damn, Next stop is Vietnam; / And
it‘s five, six, seven, Open up the pearly gates, Well there ain‘t
no time to wonder why, Whoopee! we‘re all gonna die.
Deutsche Übersetzung*: (des gesamten Liedes)
Los jetzt, all ihr großen starken Männer, Uncle Sam2 braucht
wieder mal eure Hilfe / Ja, er ist in einem fürchterlichen Schlamassel, dort unten in Vietnam / Drum legt eure Bücher weg
und schnappt euch ein Gewehr, wir werden viel Spaß haben.
[Ref.] Eins, zwei, drei, wofür kämpfen wir eigentlich? Fragt nicht
mich, mir ist´s doch egal, der nächste Halt ist Vietnam. Fünf,
sechs, sieben, öffnet die Himmelstore. Keine Zeit mehr nach
dem „Warum?“ zu fragen, juhu! Wir werden alle sterben.
Komm schon, Wall Street, beeil´ dich doch; Mensch, das ist
ein toller Krieg / Man kann viel Geld verdienen, wenn man die
Armee ausrüstet / Hoff´ und bete einfach, dass sie, wenn sie
die [Atom-]bombe werfen, die Vietcong erwischen. [Ref.]
Los Generäle, schnell vorwärts, jetzt habt ihr eure Chance
Jetzt könnt ihr euch die Roten schnappen, denn nur ein
toter Kommunist ist ein guter Kommunist / Und ihr wisst
ja, dass es erst Frieden geben kann, wenn wir sie alle ins
Jenseits befördert haben. [Ref.]
Los jetzt, Mütter im ganzen Land, jagt eure Jungs nach
Vietnam. Los jetzt Väter, zögert nicht, schickt sie los, bevor
es zu spät ist. Sei der erste in deinem Viertel, dessen Sohn
in einer Kiste zurückkehrt. [Ref.]
1. Bei diesem Lied hat der Sänger bewusst Sarkasmus3 als
Stilmittel einsetzt. Welche politischen Botschaften und Anspielungen kannst du finden? Versuche, die Anspielungen
zu deuten (z. B.: „Viele Eltern sind wohl stolz darauf, wenn
ihre Söhne für die Heimat fallen.“)!
2. Fasse die politische Grundaussage des Liedes in einem Satz
zusammen.
3. Welche politische Einstellung vertrat der Sänger? An wen
richtete er das Lied? Was hoffte der Sänger, mit diesem Lied
bewirken zu können?
„I-feel-like-I´m-fixing-to-die-rag“:*DIHMBVC}JDIXFSE}CBMETUFSCFO3BHUJNFt2 Uncle Sam:1FSTPOJm[JFSVOHEFS64"t
Sarkasmus: beißender Spott, bei dem die eigentliche Bedeutung umgekehrt zum Gesagten ist
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ANTIN
MEIN LEBEN ALS MIGR
IN ÖSTERREICH
G
eschichte live sprach mit Natalia aus Polen und mit Alisa und Aida aus Bosnien über ihr Leben als Frauen mit Migrationshintergrund in Österreich. Alle
drei Frauen sind zwischen 20 und 25 Jahre alt, studieren in Österreich und
sind Beispiele für gelungene Integration.
Live Magazin: Wie erleben Sie als Frauen
mit Migrationshintergrund Österreich?
Alisa: Ich fühle mich in Österreich sehr
wohl. Ich bin mit viereinhalb Jahren hierhergekommen, bin hier in den Kindergarten gegangen und habe hier die Sprache
spielerisch gelernt.
Später hatte ich einmal ein Erlebnis, das
mich sehr erschüttert hat: Ich war auf
Wohnungssuche und habe mit der Vermieterin telefoniert und sie war sehr
freundlich und nett. Erst als ich ihr meinen
Familiennamen sagte, meinte sie: „Oh, Sie
sind keine Österreicherin, das geht dann
nicht!“ Da habe ich wirklich geweint.
Aida: Ich bin mit neun Jahren nach Österreich gekommen und bin in die 3. Klasse
Volksschule gekommen. Die Sprache habe
ich schnell gelernt. Wenn du gute Noten
gehabt hast und ein liebes Mäderl warst,
warst du sowieso gut dran. Ein Problem
gab es eher, wenn du nicht so ein liebes
Mäderl warst oder wenn du schlechte
Noten hattest. Da hat es dann schon oft
geheißen, eh klar, ein Ausländerkind. Obwohl es genug österreichische Schüler gegeben hat, die auch nicht brav waren.
Natalia: Ich bin mit dreieinhalb Jahren hergekommen. Das erste Mal hatte ich Probleme in der Pubertät. Da waren die Mitschüler mir gegenüber oft sehr gehässig.
Da kamen Polenwitze und so Äußerungen
wie: „Da musst du aufpassen, dass nicht
geklaut wird.“ Das hat mir schon oft wehgetan, weil das Klischees1 sind.
Live Magazin: Warum werden Ihrer Meinung nach Menschen mit Migrationshintergrund oft abgelehnt?
Natalia: Ich habe das Gefühl, dass es in
letzter Zeit wieder schlimmer wird. Seit
es wirtschaftlich schlechter geht, heißt
es wieder öfter: „Die Türken oder andere
nehmen uns die Arbeit weg.“ Und da es
jetzt wirtschaftlich bergab geht, haben
sie Angst um ihren Job. Außerdem zeigt
es sich jetzt, dass viele Migrantenkinder
auch Matura machen und studieren. Das
macht manchen Österreicherinnen und
Österreichern Angst.
Aida: Ich glaube, viele Probleme entstehen, weil man zu wenig miteinander redet, zu wenig Kontakte hat und weil es
eine Parallelgesellschaft2 gibt. Das fängt
z. B. in der Nachbarschaft an. Ich habe
österreichische Nachbarn und mit denen
verstehe ich mich super. Die Erika schenkt
meiner Tochter z. B. immer wieder Spielzeug. Diese Freundschaft ist so viel wert!
Live Magazin: Welche Wünsche hätten
Sie an Österreich?
Aida: Ich würde mir wünschen, dass man
anders wahrgenommen wird, dass man
den Menschen als Menschen sieht und
dass man nicht von vornherein bestimmte
negative Bilder im Kopf hat. Und ich möchte auch gern gefragt werden, wenn den
Menschen etwas komisch oder anders
vorkommt. Ich trage seit sechs Jahren ein
Kopftuch. Seither werde ich oft als „Türkin“ bezeichnet. Die Leute sind dann oft
sehr überrascht, wie gut ich Deutsch spreche und schauen dann immer zweimal
hin. Viele glauben, weil ich ein Kopftuch
trage, kann ich die Sprache nicht. Außerdem glauben viele, dass ich von meinem
Mann gezwungen werde, das Kopftuch
zu tragen.
Natalia: Ich wünsche mir, dass nicht so
oft gleich das Schlechte mit Ausländern
in Verbindung gebracht wird. Gestern
z. B. waren wir auf dem Berg. Ein Freund
meines Bruders hat bei der Wanderung
erzählt, er habe gerade sein Auto bei
einem Mechaniker richten lassen, der
aus Russland stammt. Etwas hat nicht
live
MAGAZIN
Alisa, Natalia und Aida beim Interview
gepasst. Und er hat gleich gesagt: Eh
klar, hat auch ein Russ gemacht! Das hat
mich sehr aufgeregt. So etwas mag ich
nicht mehr hören. Und ich habe ihm auch
gleich gesagt, er soll aufhören, solche Klischees zu verbreiten.
Live Magazin: Fühlen Sie sich eher als Österreicherin oder Polin / Bosnierin?
Aida: Ich fühle mich mehr als Österreicherin, weil ich hier lebe, wohne und arbeite und weil hier meine Familie wohnt.
Ich bin Österreicherin mit bosnischen
Wurzeln. Meine Wurzeln kann mir keiner
wegnehmen und sie bedeuten mir viel.
Aber Österreich ist jetzt meine Heimat.
Hier ist meine kleine Familie, auch meine
Eltern leben hier. Wenn ich nach Bosnien
fahre, sage ich, ich bin auf Urlaub.
Alisa: Ich fühle mich hier daheim, aber
meine Heimat ist Bosnien. Bevor ich nach
Bosnien fahre, kann ich vor Aufregung
nicht schlafen und freue mich wahnsinnig darauf. Aber ich könnte mir nicht
mehr vorstellen, dort immer zu leben.
Ich bin eigentlich als Österreicherin aufgewachsen, aber ich bin froh, dass ich
den Kontakt zu meinen Verwandten nie
verloren habe. Ich bin immer hin- und
hergerissen. Ich werde nie sagen können, ob ich Österreicherin oder Bosnierin
bin, ich bin einfach halb-halb.
Natalia: Der Großteil meiner Familie lebt in
Polen und ich fahre gern hin. Aber wenn
ich dort bin, möchte ich wieder heim, und
daheim ist hier.
Klischee:FJOHFGBISFOF7PSTUFMMVOHC[X%FOLTDIFNB7PSVSUFJMt2 Parallelgesellschaft: größere, nicht-integrierte Gruppe
innerhalb einer Gesellschaft, Gegenkultur, Subkultur
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