Trotz Wirtschaftskrise und gegen den Trend

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Trotz Wirtschaftskrise und gegen den Trend
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Trotz Wirtschaftskrise und gegen den Trend –
Azubi View: Zum Abschluss unseres Interviews: Welchen Tipp gibt ein
Vorstandsmitglied jungen Menschen,
wie sie ihre Berufsvorstellung ähnlich
erfolgreich umzusetzen?
„Wir werden unser Ausbildungsvolumen erhalten“
Azubi View: Zum Beispiel heute: 9
Uhr Interview mit den Azubis?
Herr Echterhoff: Ganz genau und
danach dann die Vorstandssitzung:
Alle Themen müssen vorbereitet sein
und werden mit Notizen versehen.
Der Rest des Tages ist dann gespickt
mit weiteren Terminen. Egal, ob
Außenkontakt oder intern im Haus.
Es wird verhandelt, ausgetauscht
und diskutiert. Wobei der Großteil
der Arbeit darin besteht, Probleme zu
lösen, indem mit allen Beteiligten die
Sichtweisen ausgetauscht werden,
um anschließend abgewogene Entscheidungen zu trefffen.
Azubi View: Und in welchem Zeitrahmen bewegt sich so ein Tag?
Seit 2006 ist Raimund Echterhoff Mitglied des Vorstandes bei Emschergenossenschaft und Lippeverband. Für
die diesjährige Azubi View stand er
uns Rede und Antwort, darüber wie
sein Tagesablauf aussieht, welchen
beruflichen Werdegang er hat, aber
auch welchen Musikgeschmack er hat
und warum er eher mit Borussia Dortmund sympathisiert als mit dem FC
Schalke.
Azubi View: Guten Morgen, Herr
Echterhoff! Beschreiben Sie unseren
Lesern doch bitte einmal, wie ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aussieht.
Herr Echterhoff: Gerne – ich nehme
mal den heutigen Tag als Beispiel.
Im Auto überprüfe ich die Tagesübersicht: Welche Termine stehen an,
welche Themen müssen behandelt
werden?
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Herr Echterhoff: Das ist unterschiedlich, aber meist zwischen zehn
und elf Stunden. Mal mit Mittagessen, mal ohne. Aber im Großen
und Ganzen stimmen die typischen
Geschichten von 80 Arbeitstunden
in der Woche nicht, wie es so oft in
Zeitungen steht. Als Arbeitsschützer
und aus eigener Erfahrung kann ich
sagen, dass mehr als 50 Stunden
nur selten produktiv sind.
Azubi View: Sie sind jetzt seit Ende
2006 in der Position des Vorstandsmitglieds für Personelle und Soziale Services tätig. Wie ist es dazu
gekommen?
Herr Echterhoff: Wie Sie wissen, ist
der Personalvorstand eine Besonderheit in mitbestimmten Unternehmen
und in den Mitbestimmungsgesetzen geregelt. Diese besagen, dass
es die Position eines Arbeitsdirektors
geben muss, also jemanden, der auf
Vorstandsebene bei allen wichtigen
Entscheidungen die Interessen der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausdrücklich miteinbringt. Diese spezielle Position kann bei den Wasserwirtschaftsverbänden NRW nicht
gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter in
den Räten besetzt werden.
Azubi View: Welche Position hatten Sie denn, bevor sie zu EG/LV
kamen?
Herr Echterhoff: Ich war bei Ver.di,
der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft, in Nordrhein-Westfalen
Fachbereichsleiter für den Bereich
Kommunen. Also zuständig für alle
Kommunen in Nordrhein-Westfalen.
Azubi View: Kommen wir nun auf die
Ausbildung zu sprechen. Wenn Sie
sich heute noch mal für einen Ausbildungsweg entscheiden müssten,
welchen würden Sie wählen?
Herr Echterhoff: Meinen eigenen!
Ich bin Diplom-Soziologe mit dem
Schwerpunkt Arbeits- und Industriesoziologie und außerdem noch
Handelsfachwirt. Das ist so etwas
wie der Meister der Kaufleute. Diese
Kombination finde ich ideal - sie gibt
mir die Möglichkeit, meinen Beruf so
auszuüben, wie ich es mir vorstelle.
Azubi View: Wie schätzen Sie denn,
angesichts der aktuell schwierigen
Wirtschaftslage, die Perspektiven der
Auszubildenden bei den Verbänden
ein?
Herr Echterhoff: Zunächst ist es
natürlich sehr wichtig zu wissen,
dass wir kein Unternehmen sind,
was durch Konjunkturtäler gehen
muss. Abwasser muss immer entsorgt werden und vor Hochwasser
muss auch immer geschützt werden.
Uns betrifft die Finanzkrise daher
eher indirekt, über unsere Mitglieder,
die alle damit zu kämpfen haben.
Das ist die generelle Situation und
zur Ausbildung Folgendes: Schauen
Sie sich einmal unsere Zahl der Auszubildenden an. Von 36 vor wenigen
Jahren auf knapp 60. Und dieses
Volumen werden wir auch halten!
Azubi View: Und nach der Ausbildung…
Herr Echterhoff: Mein Tipp ist, sich
möglichst Aufgaben zu stellen, mit
denen man sich identifizieren kann.
Die einen Beitrag geben zur Sinngestaltung im Leben. Wenn man nicht
nach Hause kommt nach dem Motto
„So, das war mein Job, jetzt beginnt
mein Leben“, sondern, wo der Beruf
Teil des Lebens ist.
Und aus eigener Erfahrung: Man
hört nie auf zu lernen! Meine Generation, also die jetzt um 50 sind,
waren die ersten, die auf einen sogenannten prekären Arbeitsmarkt gingen. Wir mussten uns darauf einstellen, nicht immer das zu machen, was
wir gelernt oder studiert haben. Das
gilt auch heute noch und ich muss
sagen, das hat auf jeden Fall auch
Vorteile, weil man immer wieder vor
neuen Herausforderungen steht.
Wer die annimmt und die Fähigkeiten hat, sie zu bewältigen, wird seinen Weg auch gehen.
Herr Echterhoff: …haben wir zumindest das zugesicherte Übernahmejahr, welches auch bleiben wird. Wer
sich bewährt, hat auch die Chance
danach zu bleiben. Wir können diesen dann, wie Sie ja wissen, eine
interessante Perspektive bieten, die
auch in den meisten Fällen wahrgenommen wird.
Azubi View: Sie sprechen die Perspektive an. Stichwort demographischer Wandel, der besagt, dass es in
Zukunft einen noch größeren Fachkräftemangel in Deutschland geben
wird als es heute schon der Fall ist.
Was tun Emschergenossenschaft
und Lippeverband dagegen?
Herr Echterhoff: Man muss sich
beide Seiten angucken. Einerseits
müssen wir sehen, dass wir genügend junge Menschen auch nach
2015, wenn dieses Problem noch
akuter wird, bekommen. Das heißt:
Wir müssen attraktiv bleiben! Das
fängt damit an, dass wir zeigen wie
abwechslungsreich und fundiert
eine Ausbildung bei uns ist. Gleichzeitig schließen wir Kooperationen
mit Schulen ab, um möglichst viele
junge Menschen für technische
Berufe zu begeistern.
Azubi View: Wie werden die Azubis
und Beschäftigten denn intern gefördert?
Herr Echterhoff: Wir machen uns
natürlich Gedanken, wie wir begabte
Kräfte halten und zu den entsprechenden Qualifikationen verhelfen.
Darum haben wir in diesem Jahr
auch das Projekt 2009-2020 ins
Leben gerufen.
Azubi View: Worum geht es da
genau?
Herr Echterhoff: Wir untersuchen
unsere Qualifikationsstruktur für das
Jahr 2020. Was ist vorhanden, was
brauchen wir, was müssen wir tun?
Denn auf der anderen Seite heißt
demographischer Wandel ja auch,
dass wir gucken müssen, dass die
Leute uns länger gesund erhalten
bleiben. Sie wissen, die Rente mit
67 – bei aller Kritik – wird umgesetzt.
Darum haben wir bei uns im letzten
Jahr das Gesundheitsmanagement
installiert.
Es geht im Kern darum, eine engere
Bindung der Beschäftigten an das
Unternehmen zu schaffen, um bei
dem Kampf um Fachkräfte vorne
dabei zu sein. Da sind wir zurzeit
sehr gut aufgestellt, aber natürlich
kann es auch noch besser werden.
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Im folgenden Teil des Interviews
beantwortet Herr Echterhoff uns
einige lustige und manchmal auch
fiese Fragen, indem er sich für
eine von uns vorgegebene Antwortalternative entscheidet… ☺
1. Ballermann oder St. Moritz?
Keins von beidem – Spiekeroog
2. Fast Food oder Feinkost?
Eindeutig Feinkost
3. Bier oder Wein?
Wein
4. Musikantenstadl oder Rock am Ring?
Natürlich Rock am Ring. Momentan am liebsten mit Peter Fox oder Pink.
5. Haustiere oder eigene Kinder?
Weder noch
6. James Bond oder Dirty Dancing
James Bond
7. Geschwister oder Einzelkind?
Drei jüngere Geschwister
8. Museumsbesuch oder Fallschirmsprung?
Museumsbesuch
9. Frühaufsteher oder Langschläfer?
Frühaufsteher
10. Eine gemeine Frage zum Abschluss: Borussia Dortmund
oder Schalke 04?
(lacht) Wirklich eine heikle Frage. Eigentlich bin ich kein großer Fußballfan,
aber da das Herz meiner Frau für Dortmund schlägt und wir eine Saison
gemeinsam dort waren, sympathisiere ich eher mit Borussia Dortmund.