Just News - Justifiers

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Just News - Justifiers
Ausgabe 9
Oktober 2011
Bounty Hunter
Exklusive Kurzgeschichte
von Nicole Schuhmacher
Vom Himmel hoch
Ein Intermezzo für Justifiers
As time goes by und die Zeit verfliegt.
Schon ist es Herbst, und damit rücken die Buchmesse Frankfurt und Spielemesse Essen näher.
Deswegen ein kleines Resümee, denn JUSTIFIERS
feiert diesen Monat seinen einjährigen Geburtstag:
Auf der Spielmesse in Essen erblickte das Regelbuch
in seiner neuen Form 2010 das Licht der Welt.
Seitdem ist ein bisschen was passiert, überwiegend Positives.
Nicole Schuhmacher hat ihren Roman vorgelegt, und damit ist der vierte der JUSTIFIERS-Serie
erschienen. Die nächsten Roman von Boris Koch und Daniela Knor stehen in den
Startlöchern, die Autorinnen und Autoren für die vier Romane danach sind bereits
verpflichtet, und ich muss ein großes Geheimnis drum machen. Aber die Namen sind
durchaus bekannt - im besten Sinn, wie ich finde.
Dazu gab es regelmäßige Updates via JustNews, wir haben die Mystery-Erweiterung gebaut, in dem sich die PDF-Files plus zusätzliches Material finden. André Wiesler gibt stets sein Bestes, um euch auf dem Laufenden zu halten, Hintergrund und
Abenteuer zu bieten, Autorinnen und Autoren liefen dazu noch unterhaltsame Kurzgeschichten. Nach einer Verzögerung ist der zweite Collector-Comicband gezeichnet
und wird gerade mit Text und Farbe versehen.
Kurzum: Das JUSTIFIERS-Universum füllt sich mehr und mehr mit Leben.
Nicht geklappt hat der Sprung über den Teich, in die USA, um die Justifiers zurück in ihr Ursprungsland zu hieven. Der Kontakt, den ich aufgetan hatte, erwies sich
als problematisch. Nun ja, Chancen kommen und gehen. Auch das Computerspiel
ist noch nicht richtig vorangekommen, aber ich bleibe mal optimistisch, dass sich im
nächsten Jahr mehr tut. Ansonsten gilt wieder der Spruch von den Chancen.
Ich möchte mich ausdrücklich bei allen Autorinnen und Autoren, bei André Wiesler und dem ULISSES-Team bedanken, für das erste Jahr JUSTIFIERS. Wir haben
der Rollenspielwelt eine neue Facette gegeben und den Romanlesenden eine weitere
SF-Welt gezeigt.
Gerade den Fans, ihr, die ihr die JustNews lest, gebührt ein nicht weniger dickes
Lob und Dankeschön! Für euch machen wir das alles und haben Spaß dabei. Mögen
noch viele Jahre folgen!
Es grüßt
Markus Heitz
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Photo: Bernd Schuhmacher - www.anhur.d
Geschätzte Justifiers und
Sympathisanten!
Schweben
Gerade ( JN8) waren wir noch in Afrika, jetzt schweben
wir schon wieder durchs All, denn in dieser Ausgabe der
Just News heißt das Thema Zero Gravity. Nicole Schuhmacher, die Autorin des vierten Justifiers-Romans, hat
uns nämlich eine exklusive Kurzgeschichte zur Verfügung gestellt, in der es amtlich zur Sache geht. Beinahe
so ordentlich wie in ihrem Roman. Außerdem dürfen
sich die Justifiers in einem Intermezzo mit den bösen
Jungs (und Mädels) von United Industries anlegen
Darum viel Spaß mit Füchsen und Suprasoldaten!
Ihr
André Wiesler
Impressum
Herausgeber: Ulisses Spiele GmbH,
Industriestrasse 11, 65529 Waldems
Redaktion: André Wiesler
Cover: Che Rossié
Zeichnungen: Che Rossié, Karsten Schreurs
Grafiken: Christian Lonsing
Mitarbeiter dieser Ausgabe: Markus Heitz,
Markus Plötz, André Wiesler
Satz & Layout: Christian Lonsing
Lektorat: Christian Lonsing
Die JUST-News kann unter www.justifiersspiele.de abonniert oder einzeln heruntergeladen werden.
© 2011 by Markus Heitz vertreten durch AVA
international GmbH
www.ava-international.de
Justifiers® ist ein eingetragenes Warenzeichen von Markus Heitz. Verwendung durch
Ulisses Spiele GmbH erfolgt mit freundlicher
Genehmigung.
Zero Gravity
Auf das Team der Justifiers wartet einer ihrer
bis dahin gefährlichsten Aufträge. Sie sollen
auf einem einsamen Vorposten eines Konzerns
nach dem Rechten sehen, denn die Station hat
jeden Kontakt eingestellt. Zwar sind sie bereits
auf einiges gefasst – aber was den Justifiers auf
Holloway II tatsächlich begegnet, übertrifft ihre
schlimmsten Alpträume.
Das Markus Heitz´ Justifiers Abenteuerspiel
© 2011 by Ulisses Spiele GmbH unter Lizenz
von Markus Heitz.
Die Ulisses Universalregeln und die nicht
auf Justifiers basierenden Konzepte und
Texte sowie Illustrationen und Layout
© 2011 by Ulisses Spiele GmbH.
Alle Rechte vorbehalten. Jede Wiedergabe
des Materials, vollständig oder in Auszügen,
ohne schriftliche Genehmigung des Verlages
ist strikt untersagt. Alle Charaktere und Fakten in diesem Spiel sind rein fiktiv. Jeder Bezug zu lebenden oder toten Personen oder zu
realen Ereignissen ist rein zufällig.
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Bounty Hunter
23. April 3042 a. D. (Erdzeit)
System: DEF-563-UI, Planet: DEF IV (United Industries)
Utini Raumstation, R&D-Verwaltung
„Es handelt sich um Dr. A. Montgomery de Castro Cruz“, sagte Ayline Gantt, der bei United Industries R&D nicht nur mehrere Forschungsprojekte unterstanden, sondern auch fünf
Justifier-Teams.
Kit Lacroze riss die goldgesprenkelten Augen weit auf. Als Recon-Spezialistin und Verbandspäckchenträgerin von Team 2 war sie ja einiges gewohnt, aber ‚A. Montgomery de Castro Cruz’ klang so sehr nach einem der Schurken aus den Chip-Books von Loucinda Garmelle,
dass vor ihrem geistigem Auge prompt 160 Zentimeter geballter Bosheit erschienen – komplett mit lackschwarzen Haaren, unbequemen, aber blank geputzten Stiefeln und dem Vorhaben, durch Mord und Intrigen die Herrschaft über die ganze Galaxis zu erringen. Am Ende
von Garmelles Geschichten wurden Männer dieses Schlages üblicherweise vom heldenhaften
Protagonisten mit einem Tritt aus der Luftschleuse befördert ...
„Bist du in hypnotische Starre verfallen, Lacroze?“
„Was?“ Kits Unterkiefer klappte auf und gewährte Ayline Gantt einen Panoramablick auf ihr
Fuchsgebiss. „Ich? Nein, Ma’am, natürlich nicht. Aber ...“
Sie überlegte fieberhaft, weswegen ihr die Erfüllung der neuen Aufgabe unmöglich war,
aber die letzte Nacht war rau gewesen. Der Restalkohol machte ihr das Denken schwer.
„Das ist eigentlich ein Job für IA, Ma’am“, stieß sie schließlich hervor.
Gantt zog eine plasmablau gefärbte Augenbraue nach oben.
„Die Innenrevision? Hätte unser Mann Forschungsgelder abgezweigt, wäre dein Einwand
angebracht. Aber das hat er nicht.“
„Ich meinte auch nicht Internal Audit, sondern Internal Affairs. Interne Angelegenheiten.“
Gantts hübsches, dunkles Menschengesichtchen nahm einen gräulichen Farbton an. „Es ist
schon schlimm genug, dass die Marshals nach den Anschlägen hier alles durcheinanderbringen. Die Spionageabwehr einzuschalten wäre so ähnlich, wie ...“
„ ...einen Vampir einzuladen, Ma’am?“
„Einen was?“ Die blauen Brauen trafen sich in der Mitte, als Ayline Gantt die Stirn runzelte. Dann erinnerte sich die Managerin daran, dass Kit Lacroze eine Schwäche für romantische Schauergeschichten hatte. „Ach ja, Blutsauger. Kein schlechter Vergleich, Lacroze: Selbst
wenn man die Kreatur los wird, bleiben Bissspuren zurück, von der üblen Reputation ganz zu
schweigen. – Nein, wir werden IA nicht informieren, und du hast vierzig Minuten, um dich auf
deinen neuen Auftrag vorzubereiten.“
Mit einem tiefen Seufzer senkte Kit den Kopf, und auch ihr Schwanz sank zuckend an der
Seite des Stuhls herab.
Scheiß Lavalampen. Wieso muss das Zeug aber auch so gut schmecken? Und wieso musste ich
gestern Abend so viele davon trinken ...?
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„Ma’am, ich ... ich bin gerade erst von einer sehr anstrengenden Mission zurückgekommen“,
startete sie einen neuen Überredungsversuch. „Wir haben über die Hälfte des Teams verloren,
und ich brauche meine R&R–Zeit dringend, um mich zu erholen!“
Einen Mann hätte Kits tränenumflorter Furry-Blick möglicherweise umgestimmt, aber bei
der zähen kleinen Forschungs- und Entwicklungs-Managerin zog die Mitleidsmasche nicht.
„Lacroze“, sagte sie bestimmt, „für eine körperlich und emotional schwer gestresste Justifierin sollten ein paar Tage als ‚For­schungsassistentin’ so erholsam wie Urlaub sein. Und das,
obwohl Beta-Humanoiden keinen Anspruch auf Urlaub haben.“
„Aber-“
„Keine Sorge, Lacroze. Du wirst lediglich Notizen machen, Kaffee holen und Sprühverbände aufbringen müssen. Du weißt doch, was ein Sprühverband ist?“
„Ich bin Medic. Sozusagen“, murmelte Kit verärgert.
„Mehr Qualifikationen brauchst du nicht, um Castro zu täuschen. Und dass du Blut sehen
kannst, hast du schon oft genug bewiesen.“
„Aber Chief Corrigan-“
„Er wird ein paar Tage lang ohne dich zurechtkommen.“
„Aber mein eigentlicher Job ist doch-“
„Der, den ich dir zuweise.“ Ayline Gantt sah auf die superflache und mit Sicherheit kostspielige Multibox an ihrem linken Handge­lenk. „Melde dich in fünfunddreißig Minuten bei Castro.
Viel Er­folg.“
Damit wandte Gantt ihre Aufmerksamkeit dem in der Schreibtisch-oberfläche eingelassenen Monitor zu.
„Ma’am?“
„Was gibt’s denn noch, Lacroze?“
„Ist da noch irgendetwas, das ich wissen müsste, um den Job erfolgreich zu Ende bringen zu
können? Haben Sie einen Ratschlag für mich?“
Gantts glatteisschwarze Augen richteten sich auf Kits Fuchsgesicht.
„Sei nett zu Castro.“
„Nett?“ Kit riss die Augen so weit auf, dass das Weiße in ihnen zu sehen war. „Wie ... wie
meinen Sie das, Ma’am?“
„Ich verlange nichts Unsittliches von dir, Lacroze. Ich will lediglich, dass unser Mann keinen
Grund hat, dich vor Erfüllung deines Auftrags wegzuschicken. Und dass du ihm solange ich
ihn noch brauche nicht das Genick brichst, wenn er gerade im Arschloch-Modus ist“, ergänzte
die Managerin und lehnte sich bequem in ihrem teuren Chefsessel zurück. „Und das ist er fast
immer. Wüsste ich es nicht besser, würde ich glatt annehmen, das ,A.‘ in seinem Namen stünde
für ,Arroganz‘. Bisher hat ihn einzig die Tatsache am Leben gehalten, dass ich zu klein bin, um
ihm den Hals umzudrehen.“ Sie lächelte kühl und deutete auf ihre Beine, die den Boden des
Büros nicht erreichten, dann streifte ihr Blick wieder die Multibox. „Wenn du dich beeilst, hast
du sogar noch genügend Zeit, dich umzuziehen, bevor deine Schicht beginnt.“
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23. April 3042 a. D. (Erdzeit)
System: DEF-563-UI, Planet: DEF IV (United Industries)
Utini Raumstation, R&D-Laboratorien
Der braun lackierte Kerberos-Secbot, der den Durchgang zu den Laboratorien überwachte,
hatte Kits Swipecard wegen einer fehlenden Zutrittsberechtigung eingezogen. Erst ein Anruf
in Gantts Büro hatte dafür gesorgt, dass er sie wieder ausspuckte, aber die ganze Aktion hatte
wertvolle Zeit gekostet.
Fluchend versuchte Kit nun einen Blick auf ihre Spiegelung in den glatten Kunststoffkacheln der Korridor-Wand zu erhaschen und rümpfte die Schnauze. Der pastellig-violette Farbton der medizinischen Laborkombination passte weder zur Farbe ihres kurzen Fuchsfells noch
zu ihrem genicklangen, roten Haar, aber im Augenblick war ihre Erscheinung das Geringste
ihrer Probleme. Viel schlimmer war, dass im Display ihres JUST ein wütendes ‚16:37 Stationszeit‘ aufblitzte.
Sie nickte dem verschüchterten Mann vom Empfang zu, der sie von der Umkleide zu den
Behandlungsräumen eskortiert hatte, klopfte auf die überdimensionierte Tasche des etwas zu
weiten Overalls, rückte das Namensschild zurecht, presste das neue Note-Pad gegen die Brust
und berührte mit der freien Pfote den Türöffner.
Mit einem Swoosh glitt die Kunststofftür zur Seite und gab den Blick auf einen Raum frei,
dessen Wände fast nur aus blinkenden Statuslämpchen zu bestehen schienen.
Swoosh machte die Tür, als sie sich hinter ihr wieder schloss.
Der wirr-bunte Hintergrund hatte mit Sicherheit schon den einen oder anderen Krampfanfall ausgelöst; davor wirkte die Person im weißen Laborkittel, die sich Kit jetzt zuwandte,
erschreckend langweilig.
Mensch, männlich, Mitte bis Ende Zwanzig, straßenköterblond und größer als mein Chief Corrigan. Nicht frisiert und nicht aus­geschlafen, machte Kit automatisch Inventur. Davon kann nicht
einmal das Datenvisier ablenken, das seine Augen verdeckt.
So hatte sie sich Castro nun wirklich nicht vorgestellt ... nicht so jung und nicht so müde.
Er sah überhaupt nicht nach einem Schurken mit Allmachtsfantasien aus – nicht einmal dann,
wenn sie ihn sich mit einem gezwirbelten Schnurrbart vorstellte.
Gefahrenlevel 2 von 5, dachte sie und war irgendwie ein bisschen enttäuscht.
„Dr. Castro? Sir? Ich bin-“
„Eine halbe Stunde zu spät dran.“
Castro schob das Datendisplay über die Stirn nach oben, so dass es die langen Haare bändigte. Dunkle Augen funkelten sie verärgert an.
„Sie kommen über eine halbe Stunde zu spät, halten es aber nicht für nötig, mir vorher Bescheid zu geben? Haben Ihnen Ihre Eltern denn keinen Anstand beigebracht?“
„Meine Eltern waren ein Natus-Tank“, schlüpfte zwischen Kits Fang­zähnen hervor.
„Das ist keine Entschuldigung - es sei denn, Sie wurden direkt nach Ihrer Emission auf einer
unbewohnten Welt ausgesetzt!“
„Äh, nein, Sir, das wurde ich nicht“, antwortete Kit vorsichtig. „Hören Sie, Dr. Castro, es tut
mir leid, dass ich zu spät dran bin, aber Ms. Gantt-“
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„Gantt hat das zu verantworten? Dann vergessen Sie alles, was ich zu Ihnen gesagt habe“,
unterbrach er sie knapp. Jetzt wirkte er mehr angespannt als müde. „Wie heißen Sie?“
„Lacroze, Sir. Kit Lacroze.“
Castro schielte auf ihr Namensschild.
„Kit? Bausatz? Das ist doch kein Vorname!“
„Äh-“
„Ich weiß, das sagt ausgerechnet jemand, der sich den Namen mit einem Universalreiniger
von Sternenreich teilen muss“, unterbrach er ihre Argumentation, bevor sie überhaupt begonnen hatte. „Sie heißen wirklich Kit?“
„Kristina. Aber-“
„Also dann, Kristina ... auf gute Zusammenarbeit.“ Dr. Castro er­griff Kits Pfote, um sie kurz,
aber energisch zu schütteln. „Auch wenn ich mich frage, wieso Gantt mir einen Justifier schickt,
ob­wohl ich Unterstützung im Labor angefragt habe.“
Verdammt. Mein JUST!
„Weil ihr seit dem Anschlag auf die Laboratorien mehr Justifiers als Laborassistenten zur
Verfügung stehen“, improvisierte sie und widerstand dem Reflex, den im Handgelenk implantierten Multifunk­tions-Kommunikator in der Tasche ihres Overalls zu verbergen. Jetzt war es
sowieso egal. „Ich habe als Medic gedient, Sir, aber wenn Sie ein Problem mit mir haben, kann
ich natürlich wieder ge­hen. Ms. Gantt hat sicherlich Verständnis dafür, dass Sie lieber alleine
arbeiten wollen - und ich hatte heute sowieso etwas ande­res vor.“
„Nein, schon in Ordnung, Kristina. Morgen läuft die erste große Testreihe für IM42a–Augen an. Ich benötige Ihre Hilfe dringend. - Setzen Sie sich.“
Castro wartete, bis Kit in einem der durchscheinenden Stühle Platz genommen hatte, die
um einen schmalen Tisch herumstanden, dann ließ er sich in den benachbarten Stuhl fallen,
griff in eine Tasche des weißen Kittels und zog einen kleinen Speicherchip heraus.
„Hier.“ Mit einem Fingerschnipsen schoss er ihr den Datenträger zu. „Diese Leute haben
sich auf meine Anzeige hin freiwillig zur Teilnahme an der Versuchsreihe gemeldet.“
Kit steckte den Chip in ihr Note-Pad; gleich zuckten ihre Brauen bis zum roten Haaransatz
hoch.
„So viele Freiwillige? Ich hätte nicht gedacht, dass die R&D-Info-Seiten im Stationsweb so
beliebt sind, Sir.“
„Das sind sie auch nicht, Kristina. Zu wenig Sex und Crime.“
Die Anspannung in Castros Gesicht wich einem schiefen kleinen Lä­cheln, das überhaupt
nicht schurkisch wirkte. Es ließ ihn freundlich und ein bisschen wehmütig aussehen - so als
wünsche er sich in die Zeit vor den Terroranschlägen zurück, in der es einfacher gewesen war,
heiter zu sein. Das war der Moment, in dem Kit beschloss, dass sie ihn mochte, ganz gleich, was
Gantt von ihm hielt.
„Daher“, fuhr er fort, „habe ich einen Teil unseres Marketing-­Budgets für eine Minute Sendezeit bei USSR ausgegeben.“
„Und das hat funktioniert? Beim Gehörnten.“ Die Füchsin unter­drückte ein Stöhnen; offenbar war sie die Einzige, die bei der nervigen Dauerbeschallung der öffentlichen Räume durch
das Utini Space Station Radio abschaltete. Sie schüttelte langsam den Kopf. „All diese Leute
wollen wirklich die IM42a-Augen testen, Doc?“
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„Natürlich stehen uns nicht so viele Prothesen zur Verfügung, aber wer ausgewählt wird,
bekommt 100 C für die Teilnahme.“
„Sollte sich herausstellen, dass jemand die Prothesen nicht verträgt, ist das nicht besonders
viel Geld“, wandte Kit ein. Prompt erlosch Dr. Castros Lächeln.
„Die Verträglichkeit ist unser geringstes Problem. Ich bin zwar Neurologe und kein Werkstoffwissenschaftler, aber Projekt [Talos] steht ein verdammt gutes Team zur Verfügung. Vertrauen Sie mir einfach, wenn ich ihnen sage, dass das IM42a aus speziell gefertigten Kunststoffen besteht, die körpereigene Substanzen imi­tieren, ohne ihre Schwächen zu besitzen. Vitrean
zum Beispiel, das den Glaskörper ersetzt, trübt sich erst beim Erhitzen auf mindes­tens 600
Grad Celsius, und es ist so viskos, dass es selbst dann nicht ausläuft, wenn die Hülle mit einem
scharfen Gegenstand er­öffnet wird. Die Hülle wiederum ...“
Kit versuchte gar nicht erst, Castros Ausführungen zu folgen. Der Gedanke an die Freiwilligen ließ sie nicht los.
Wer sich für ein paar C gesunde Augen aus dem Kopf schneiden ließ, um sie durch Plastik
ersetzen zu lassen, musste entweder verrückt oder verzweifelt sein. Beides machte ihren Job
nicht gerade einfa­cher ...
„Kristina?“
„Ja, Doc?“ Erschrocken sah sie zu Castro auf.
„Ist alles in Ordnung?“
„Tut mir leid. Ich ... ich bin ziemlich fertig.“ Zur Demonstration rieb sie sich mit dem Handrücken über die pelzige und vom Lavalam­pen-Missbrauch noch immer dumpf pochende Stirn.
Den klebrig-süßen Longdrinks mit den leuchtend roten Schlieren hatte sie einfach nicht widerstehen können, obwohl sie wusste, wie schlecht es ihr am Tag danach meistens ging. „Aber das
ist meine eigene Schuld. Als ich gestern Abend gefeiert habe, wusste ich noch nicht, dass ich
heute hier sein würde.“
„Dagegen gibt es Wirkstoffe.“ Das schwache Lächeln kehrte zurück. „Also schön. Fangen
wir an. Sie studieren die Akten von A bis M, ich den Rest, dort drüben“, er gestikulierte in Richtung eines Schranks, auf dessen glatter Oberfläche sich die Statuslichter spiegelten, „finden Sie
Substanzen, die Sie wach halten – wir haben HWPs, Xtreme und sogar Kaffee im Angebot -,
wir tauschen uns über unsere Resultate aus und spätestens um 08:00 Stationszeit haben wir
uns auf die aussichtsreichsten fünf Testsubjekte geeinigt.“
„Was?“ Ungläubig starrte Kit den Wissenschaftler an, dem sie as­sistieren sollte. „Haben wir
denn kein Expertensystem, dem wir die Daten füttern können?“
„Natürlich haben wir eins, Kristina. Aber so sehr ich unsere technische Ausstattung auch
schätze – über Intuition verfügt sie nicht.“ Er tippte gegen den Datenleser, der seine Haare
zurückhielt, und lachte leise. „Sie und ich, wir können zwischen den Zeilen lesen. Sie ganz
besonders: Fuchs-Betas sollen ja sehr clever sein.“
„Oookay“, sagte Kit gedehnt. Natürlich hatte der Mann Recht: auch nicht vorhandene Informationen konnten sehr aufschlussreich sein, ganz besonders sogar für Kits eigene Zwecke.
Aber wenn Castro sie gleich für Recherchen heranzog, musste sie vielleicht morgen schon eine
Gehirntransplantation durchführen ...
Sie holte tief Luft und atmete die erste Aufregung einfach weg.
„Nach welchen Kriterien suchen wir die Leute aus, Doc?“
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„Gesundheit, Arbeitsbedingungen ... lassen Sie sich inspirieren. Ich vertraue Ihrer Eingebung.“ Mit diesen Worten schubste er das Da­tenvisier nach vorne, so dass die Augen wieder
hinter der verspie­gelten Projektionsfläche verschwanden.
Kit senkte den Kopf und starrte auf die Oberfläche ihres Note-Pads.
Aesgar ... Ahmadine ... Brennecke ... Dymar ... so viele Namen. So viele Verrückte. Oder Verzweifelte. Na los ... inspiriert mich.
Sie seufzte leise und begann, sich durch die Daten von ‚Aesgar, Dimwit’ zu arbeiten.
Nach ungefähr zehn Minuten war ihr klar, dass die Akte des Dockar­beiters nicht mit dem
Spannungsbogen ihres aktuellen Chip-Books Der König von Eta Carinae mithalten konnte; je
mehr sie sich in Aesgars beruflichen Werdegang vertiefte, desto heftiger juckte es sie in den
Fingern. Eigentlich hatte sie an diesem Abend in der virtuellen Trainingshalle noch ein paar
Schießübungen machen wollen ...
Kits Blick wanderte vom Note-Pad zu Castro, dessen konzentriertes Gesicht auch im bläulichen
Schein der Datenprojektion nichts Schurkisches an sich hatte. Die straßenköterblonden Strähnen,
die bis zu seinem Kinn hinab baumelten, ließen ihn bloß wie einen Stu­denten aussehen.
„Was ist?“
Ertappt zuckte Kit zusammen. „Nichts“, beeilte sie sich zu sagen. „Gar nichts.“
„Sie starren mich an, als sei ich ein dreiköpfiger Exo.“
Kit senkte die Lider ein wenig.
„Na ja ... Ms. Gantt hat ein paar Dinge über Sie erzählt.“
„Ach?“ Nun schob er den Datenleser wieder nach hinten, um Kit interessiert entgegenzublicken. „Was erzählt sie denn so?“
„Dass Sie, na ja, nicht besonders umgänglich seien“, beschönigte Kit Gantts Worte vorsichtig. „Bis jetzt habe ich nichts davon bemerkt.“
„Bis jetzt haben Sie mir keinen Anlass gegeben, garstig zu Ihnen zu sein, Kristina.“ Da war es
wieder, das schiefe kleine Lächeln. „Dann ist es Gantt also aufgefallen? Das ist gut.“
„Wieso? Was haben Sie denn gegen Ms. Gantt?“
Er lachte auf.
„Was ich gegen sie habe? Ganz einfach, sie ist eine Person, deren primäres Interesse an dem,
was wir hier tun, finanzieller Natur ist. Diese kleine Frau ist ein Alptraum, Kristina ... ein halbgebildeter, ehrgeiziger, geldgieriger, nur aus Ellbogen und Mundwerk bestehender Alptraum.“
Und da war es, das ‚A.’ für ‚Arroganz’. Kit zog eine rötliche Braue hoch.
„Aber ein Alptraum, der Sie gut bezahlt, will ich doch meinen.“
„Gantts sekundäres Interesse gilt übrigens der Frage, ob unsere Forschungsergebnisse dazu
imstande sind, Lebewesen möglichst massiven Schaden zuzufügen“, ignorierte er ihren Einwand. „Und das ist schäbig.“
Die Fuchs-Beta schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
„Sie haben bei einem Konzern der Rüstungsindustrie angeheuert, Doc. Was erwarten Sie?
Anderen Schaden zuzufügen ist unsere Kern­kompetenz!“
„Für euch Justifiers mag das ja zutreffen, Kristina, aber der Ge­danke hinter Dr. Struks Kybernetik-Projekten war, denjenigen zu helfen, die durch den Dienst bei United Industries zu
Krüppeln ge­worden sind. Ich als sein... sein Nachfolger sehe das nicht an­ders.“ Und schon war
die Anspannung wieder da; Castros Knöchel wurden so weiß wie sein Kittel.
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Kit legte den Kopf schief.
„Wissen Sie was, Doc? Sie müssen dringend Druck ablassen. Ich emp­fehle Ihnen, mich ins
VC zu begleiten.“
„Ins was?“
„VirtuaCamp, Doc. Die virtuelle Kampf-Trainingshalle. Wir ballern uns den Frust von der
Seele, danach kommen wir zurück und arbeiten weiter. Ist das ein guter Vorschlag?“
Er blinzelte verdutzt.
„Haben Sie gerade gesagt, ‚Wir ballern uns den Frust von der See­le?’“
„Na ja, Doc, ganz ehrlich - würden Sie sich nach Feierabend immer im VC austoben, wären Sie mit Sicherheit viel entspannter.“ Jetzt teilte ein breites Grinsen Kits Fuchsgesicht, und
sie musste sich stark beherrschen, um Castro nicht in die Seite zu knuffen. „Ach kommen Sie
schon, Doc. So geladen, wie Sie sind, erledigen Sie die ersten fünf Gegner in drei Minuten!“
Leider ließ sich Castro von Kits Begeisterung nicht anstecken. Aus seiner ganzen Körperhaltung sprach Fassungslosigkeit, als er frag­te: „Sie schlagen mir allen Ernstes vor, zur Entspannung auf Leute zu schießen?“
Sie rollte mit den goldgesprenkelten Augen. „Und weiter? Es sind bloß virtuelle Leute. Oder
die virtuellen Stellvertreter von Leu­ten, je nachdem, welches Szenario Sie bevorzugen!“
„Ich halte nichts von Gewalt, virtuell oder nicht.“ Der missbilli­gende Blick, der Kit traf, ließ
ihren Blutdruck augenblicklich steigen. „Für Sie mag das Blutvergießen ja ein Spaß sein-“
„Nein, Doc – es ist eine meiner Aufgaben!“ Ihr feines Nackenhaar sträubte sich, als Blut
heiß in ihren Kopf strömte. „Sie können hier nur deshalb in aller Ruhe in Ihren Plastikaugen
herumbohren, weil wir da draußen auf irgendeiner Hinterwelt im Dreck liegen und das Blut
der Hoschis vergießen, die euch Zivilisten die Hintern aufreißen wollen - und mit ‚wir’ meine
ich nicht nur uns Justi­fiers, sondern auch die Gardeure! Wir trainieren im VC, um Euch blasierte Überflieger effektiv beschützen zu können, und Sie kom­men mir mit Ihrem ‚Ich bin dir
moralisch weit überlegen’–Quatsch?“
„Die paar Hundert blasierten Überflieger, die vor Kurzem auf die­ser Raumstation getötet
wurden – wer hat die beschützt?“ lautete Castros ruhige Gegenfrage. „Unsere Justifiers? Unsere
Gardeure? UI-Sec? Wer auch immer es war, er war jedenfalls nicht sehr effek­tiv.“
„Beim Gehörnten, Doc“, bellte Kit wütend, die nun wirklich gegen den Drang ankämpfen
musste, Castro das Genick zu brechen. Jetzt wusste sie, was Gantt mit ‚Arschloch-Modus’ gemeint hatte. Ihre Krallen bohrten sich in das weiche, weiße Plastik der Note-Pad-Unterseite.
„Sie waren noch nie da draußen, um zu kämpfen ...“
„Ich habe mit ansehen müssen, wie meine Kollegin erschossen wurde. Zählt das?“
„...und Sie haben keine Ahnung, was da vor sich geht, also seien Sie einfach still!“
Wieso, fragte sie sich, während das Zornesgewitter in ihrem Schädel mit dem Kater kollidierte und ihre Schläfen klopfen ließ, rege ich mich überhaupt so auf? Ich soll nett zu ihm sein.
NETT.
„Wieso“, fragte Castro, „regen Sie sich überhaupt so auf? Ich mache doch nicht Sie persönlich für all das verantwortlich, was hier geschehen ist.“ Er lehnte sich zurück. „Und jetzt wäre
mir Recht, wenn wir uns wieder auf unsere Aufgabe konzentrieren könnten. Nicht vergessen:
ich erwarte Ihre Ergebnisse um 8:00 Uhr Bordzeit.“
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Als Castro erschrocken von seinem Kunststoffstuhl hochfuhr, sah Kit von ihrem Note-Pad auf
und grinste.
„Na, Doc, schon wach?“
„Verdammt“, entfuhr es dem Projektleiter. „Was ist passiert?“
„Als Ihr Kopf auf den Tisch geknallt ist, dachte ich zuerst, Sie seien tot, aber Sie haben bloß
geschlafen“, feixte sie. „Mich hat das Xtreme die ganze Nacht über wach gehalten, aber bei Ihnen hat es wohl nicht funktioniert. Ich schätze mal, Sie haben in letzter Zeit zu viele Aufputschmittel zu sich genommen, Doc.“
„Wie spät ist es?“ Hektisch sah sich Castro in dem blinkenden Raum um. „Schon nach
Acht?“
„Ja, aber das macht nichts. Hier sind die Resultate.“ Sie schob fünf Ausdrucke über den
Tisch. „Die erste Testperson wird in exakt sieben Minuten zum Anamnesegespräch erscheinen.“
Castros eben noch so müde Augen wurden groß und rund.
„Kristina-“
„Wie sagten Sie noch? ‚Lassen Sie sich inspirieren. Ich vertraue Ihrer Eingebung.’“ Kits buschiger Schwanz bewegte sich fröhlich hin und her. „Also war ich so frei, mir auch die Buchstaben N bis Z anzusehen, nachdem Sie sich so plötzlich ins Reich der Träume verabschiedet
hatten. Sie hatten den Schlaf wohl nötig, Doc.“
Castro wollte offenbar etwas erwidern, schüttelte dann aber bloß den Kopf und langte nach
den Sheets auf dem Tisch.
„Brennecke, Featherstonehaugh, Petrovic, Reid, Sissel“, las er vor.
„Reid ist die Erste.“
„Wieso nicht Brennecke?
„Ich habe unsere Testpersonen nicht in alphabetischer Reihenfolge hergebeten, Doc, sondern nach ihrem Kontostand“, erklärte sie; ihre Laune stieg von Minute zu Minute. „Reid benötigt die 100 C am dringendsten, also kommt sie zuerst an die Reihe.“
Castro kratzte sich am Kopf und lächelte schwach.
„Sie sind ja humanitär eingestellt, Kristina. Nach unserer kleinen Diskussion gestern Abend
hätte ich das nicht erwartet.“
Zu recht, dachte Kit, aber sie sagte bloß: „Und Sie sind struppig, Doc. Kämmen Sie sich
wenigstens, bevor die Dame hier auftaucht. Für alles andere wird Ihnen leider nicht mehr genügend Zeit bleiben.“
Castro machte eine Handbewegung, als wolle er ein Huhn verscheuchen. „Wenn Ms. Reid
in sieben Minuten hier sein soll, müssen Sie jetzt loslaufen, um sie am Tor abzuholen. Also
bewegen Sie sich! Es ist schließlich Ihr Zeitplan und nicht meiner.“
***
Reid zu entdecken war einfach gewesen, denn die Frau sah genau so aus wie auf dem Holo in
ihrer Akte. Sie war nicht mehr jung, aber sehr athletisch, und sie überragte Kit um mehr als
eine Hauptes-länge. Die grimmigen, ungeschminkten Gesichtszüge, das grau melierte kurze
Haar und die abgetragene Werkskombination ließen sie zäh und maskulin wirken. Was das
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Bild nicht verraten hatte, war der schwache Geruch nach Alkohol, der die Frau umwehte und
den auch der Minzwürfel nicht übertünchen konnte, an dem sie lutschte. Ihre tätowierten Finger zitterten unentwegt.
„Keine Angst, Ms. Reid“, sagte sie gönnerhaft, als die Ex-Soldatin vor der Tür so abrupt
anhielt, dass Kit beinahe auf sie aufgelaufen wäre. „Der Doktor wird sie nicht beißen.“
Reids kantiger Schädel fuhr zu ihr herum, und ein Hauch von alkoholischer Minze streifte
Kits empfindliche Nase.
„Er ist ein verdammter Chim?“
„Nein, das ist er nicht, Ma’am. Es sollte ... es sollte bloß ein Scherz sein. Um Sie aufzulockern.“
Reid schoss ihr einen verächtlichen Blick zu, bevor sie die breiten Schultern straffte und den
Türöffner betätigte.
Swoosh.
„Ms. Reid – Dr. Castro. Dr. Castro – Ms. Reid“, eröffnete Kit die Runde und schob die Freiwillige in den blinkenden Raum. Hinter ihnen schloss sich die Tür mit einem weiteren Swoosh,
und nun erst sah Castro von dem Ausdruck auf, in den er gerade noch vertieft gewesen war. Er
erhob sich und streckte Reid eine Hand quer über den Tisch entgegen.
„Schön, dass Sie gekommen sind, Ms. Reid. Nehmen Sie Platz.“
Reid ignorierte Hand und Aufforderung; stattdessen sah sie sich mit gerunzelter Stirn um.
„Sie wollen mich in einer Disco operieren?“
„Heute will ich Sie überhaupt nicht operieren, Ms. Reid“, entgegnete Castro und rümpfte
die Nase. Offenbar hatte er ihre Fahne gerochen. „Zunächst einmal möchte ich mich nur mit
Ihnen unterhalten. Nehmen Sie Platz.“
„Was sind Sie, ein verdammter Psycho-Onkel?“
Reid verschränkte die Hände hinter dem Rücken, aber Kit, die schräg hinter ihr stand, sah,
dass die Finger der Frau jetzt noch heftiger zitterten als zuvor.
Die Fuchs-Beta holte tief Luft.
„Setzen Sie sich verdammt noch mal auf Ihren fetten Arsch, Reid“, schnauzte sie im besten
Spinova-Tonfall – und tatsächlich ließ sich die Frau anstandslos auf die transparente Sitzfläche
des nächstgelegenen Stuhls sinken und steckte die knotigen Hände in die Taschen ihrer Kombination.
„Vielen Dank, Ms. Reid“, gurrte Kit und zwinkerte dem völlig irritierten Castro zu. So sehr
sie ihre ehemalige Teamleiterin gehasst hatte, so viel hatte sie von ihr gelernt.
„Also schön.“ Castro räusperte sich. „Sie heißen Marsha Andreea Reid, Supra-Soldatin, verwitwet, keine Kinder. Sie wohnen im Calderone- Block in Sektor 2 und arbeiten seit 25 Jahren
für United Industries. Nach einem Kampfeinsatz gegen Gauss vor zwei Jahren wurden Sie als
untauglich ausgemustert. Seitdem sind Sie für Transport & Shipping in der Containerabfertigung tätig. Stimmt das bisher?“
„Richtig“, knurrte Reid und sah dann über ihre Schulter nach hinten. „Das heißt, falls Sie
mit ‚Containerabfertigung’ meinen, dass ich die Scheiße aus Viehtransportkisten herauskratze.
Bleibt diese ... sie da etwa hier?“
„Ms. Lacroze ist meine Assistentin. Natürlich bleibt sie hier.“
„Wieso setzt sie sich dann nicht auch auf ihren fetten Arsch?“
„Als Chimäre habe ich keinen Anspruch auf einen Sitzplatz, Ms. Reid“, säuselte Kit vergnügt,
was ihr erneut einen irritierten Blick des Doktors einbrachte. Offenbar zweifelte er inzwischen
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nicht mehr nur deshalb an ihrem Geisteszustand, weil sie sich eine alkoholkranke Ex-Gardeurin mit Kriegszittern als Testsubjekt ausgesucht hatte. „Aber ich stelle mich natürlich gerne
dorthin, wo Sie mich besser sehen können.“ Damit trat Kit in die Ecke hinter Castro und lehnte
sich locker gegen die kühle Wand; ihr Schwanz zuckte fröhlich.
Reid schnitt eine missmutige Grimasse, dann reckte sie das breite Kinn. Auch ihr sehniger
Hals war über und über mit kleinen bunten Bildern bedeckt.
„Also gut. Wollen Sie mich über die Mission auf Lozengue ausfragen? Ja? Den anderen
Scheißkerlen habe ich das bestimmt schon tausendmal erzählt.“
„Ich bin kein Scheißkerl, Ms. Reid“, sagte Castro friedlich, und fast meinte Kit, eine Spur
Mitleid herauszuhören, als er fortfuhr: „Was auf Lonzengue vorgefallen ist, interessiert mich
nicht. Ich muss aber wissen, weswegen Sie sich als Testsubjekt für IM42a gemeldet haben. Immerhin ist es ein größerer Eingriff, dem Sie sich ohne medizinische Not unterziehen möchten.
Also ... weswegen sind Sie hier?“
Reid rutschte unruhig auf ihrem Stuhl herum.
„100 C sind eine Menge Geld. So viel bringt mir das Scheißekratzen in einem halben Jahr
nicht ein. Ich ... ich könnte mal ein wenig ... entspannen. Krieg‘ ich was zu trinken? Ich hab
nicht damit gerechnet, hier reden zu müssen. Das strengt meine Kehle an.“
„Iso-Wasser oder Kaffee, Ms. Reid?“
Reid warf Kit einen bösen Blick zu. „Seh ich so aus? Gibt’s hier nichts anderes?“
„Ich kann Ihnen eine Lavalampe anbieten“, flötete Kit. „Leider dürften sich die Phasen inzwischen getrennt haben, weil ich sie in meiner Trinkflasche aufbewahrt habe. Aber falls Ihnen
das nichts ausmacht ...“
Während Castro sein Gesicht betreten in einer Hand verbarg, teilten sich Reids Lippen in
einem hässlichen Grinsen.
„Nur zu, Chim. Ich bin nicht kleinlich.“
„Dann bis gleich, Ma’am!“ Kit löste sich aus ihrer Zimmerecke, um an Reid vorbei in Richtung der einzigen Tür zu gehen. Ihre Pfote legte sich auf den Öffner.
Swoosh. Die Tür glitt auf. Swoosh.
Und das plötzliche Schaben von Stuhlbeinen über den blanken Boden war das Zeichen
für ihren Einsatz. Kit Lacroze, die den Raum überhaupt nicht verlassen hatte, wirbelte gerade
noch rechtzeitig herum, um zu sehen, wie sich Reid über den Tisch auf den Wissenschaftler zu
katapultierte, der zum Glück wach genug war, um sich mit einem Sprung aus ihrer Reichweite
zu retten. Dass er dabei ein Diagnosegerät rammte und gemeinsam mit diesem zu Boden ging,
war allerdings eher unglücklich.
Mit einem wütenden Bellen sprang auch Kit. Im Flug zog sie die schwere ExCess aus der
Tasche ihres Overalls, dann war sie auch schon bei Reid und packte sie am schäbigen Stoff
ihrer Werkskombi, der mit einem morschen Geräusch einriss. Kits Klauen hinterließen blutige Striemen auf dem tätowierten Rücken der Suprasoldatin, die sich nun herumwarf. Dabei
zerschnitt die schmale Kunststoffklinge, die aus ihrer zitternden Hand ragte, die transparente
Lehne von Castros Stuhl.
Kit hätte den Finger nur um den Abzug ihrer Pistole krümmen müssen, und Reid wäre Geschichte gewesen ... aber genau in diesem ungünstigsten aller Momente sprang Castro auf, sein
Gesicht so weiß wie sein Kittel, und hätte sie in diesem Augenblick gefeuert – nun, die ExCess
war für ihre Durchschlagskraft bekannt.
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Das Zaudern kostete Kit den Vorteil, den sie eben noch gehabt hatte. Reids Ellbogen traf ihr
Ohr mit voller Wucht und brachte es zum Klingeln, und im nächsten Augenblick wurde sie so
heftig gegen die Tischkante geschleudert, dass ihre Waffe in hohem Bogen davon flog. Die Luft
wich schlagartig aus Kits Lungen. Reids Kunststoffklinge verfehlte ihre Brust nur deshalb, weil
Kit auf der Stelle zusammenbrach.
Ihre Sicht verschwamm, während ihr Ohr weiter schrillte. Die Unterseite des Tischs, Castros Beine, Reids Beine, die Hand mit der Klinge ... alles flackerte. Obwohl Reid seit zwei Jahren
keinen Zugang mehr zu den Mitteln gehabt hatte, die Suprasoldaten ihre verbesserte Stärke
und Reflexe verliehen, war sie Kit im direkten Zweikampf weit überlegen –
- und durch das schrille Klingeln drang ein anderes, noch viel verstörenderes Geräusch an
das Ohr der Füchsin – ein tieffrequenziges Boom.
Meine ExCess, zuckte durch ihren Kopf. Dann fiel der Tisch um, der sie schützte, und gab
den Blick auf Castro frei – oder vielmehr auf etwas, das dem Neurologen bedingt ähnlich sah.
Sein Gesicht, die Haare und der weiße Kittel waren voller Blut. Sogar die ExCess in seiner Hand
hatte einen glänzend roten Anstrich bekommen, und während Kit ihn noch völlig verblüfft
anstarrte, glitt ein Bröckchen Hirn an seinem Kittel herab und klatschte neben ihr auf den Boden.
Das riss sie aus ihrer Trance; keuchend sprang sie auf, um einen Blick über den Tisch zu
werfen, Atemnot und Flackern ignorierend.
Sie rümpfte die kurze Schnauze.
Nun, Reid würde niemandem mehr Schwierigkeiten machen, außer vielleicht einem Schädelrekonstrukteur.
Sie sah wieder zu Castro auf, dessen Atem in hektischen Stößen ging.
„Danke, Doc. Sie hätte uns beide umgebracht. Sie hätte es beinahe geschafft.“
„Ja“, keuchte er und starrte auf die Waffe in seiner Hand. „Ja. – Sind – sind Sie verletzt?“
„Nein. Sie?“
„Ich glaube nicht.“ Erschöpft lehnte sich Castro an die blinkende Wand. „Das ist ein Alptraum. Ich habe gerade jemanden ... jemanden umgebracht. Das muss ein Alptraum sein.“
„Leider nicht, Doc.“ Kit schüttelte schwach den Kopf. „Im Stellar Web hat jemand ein Kopfgeld auf Sie ausgesetzt ... eine siebenstellige Summe. Vermutlich der 2OT. Sie wollen unsere
kybernetische Forschung sabotieren ... sagt Ms. Gantt.“
„Gantt“, wiederholte Castro bitter. Ein weiterer Hirnbrocken glitt von seinem Kittel zu Boden.
„Ms. Gantt erhielt einen Hinweis darauf, dass jemand in einem Satellitencafé dieser Station Kontakt zum 2OT aufgenommen haben soll. Und da Sie offenbar niemals da raus gehen“,
Kit deutete in Richtung der Tür, „nahm sie an, dass unser Bounty Hunter über das Freiwilligenprogramm an Sie herankommen wollte.“ Sie zuckte mit den Achseln. „Sie hatten Recht,
Doc – ich kann zwischen den Zeilen lesen, und auf meinen Instinkt ist Verlass. Reid muss seit
ihrem Rauswurf vergeblich versucht haben, an das illegale Zeug heranzukommen, das sich die
Suprasoldaten reinpfeifen, um Suprasoldaten zu bleiben. Die Preise sind astronomisch. Und
dann war da plötzlich diese ‚Rückvergütung für die Rücksendung gebrauchter Teile’ auf ihrem
Konto ... gerade mal 150 C, aber ...“
„Ja, ich verstehe“, sagte Castro tonlos und sah dabei so unglücklich aus, dass Kit ihn am
liebsten gedrückt hätte. „Sie geben sogar Vorschüsse. Wenn Gantt das alles wusste, wieso hat
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sie es mir nicht einfach gesagt? Wieso hat sie Sie unter einem Vorwand hergeschickt, Kristina?
Einen Bodyguard hätte ich unter diesen Umständen garantiert nicht abgelehnt!“
„Nun ja“, gestand die Fuchs-Beta, „Ihre Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit. Ms. Gantt
braucht Sie zwar, aber vermutlich ist ihr bei dem Gedanken daran, Sie mit einem missglückten
Attentat zu überraschen, einer flitzen gegangen.“
Castro biss die Zähne zusammen. „Eines Tages bringe ich Gantt um.“
„Aber nicht mit meiner Waffe.“ Kit nahm ihm die blutverschmierten ExCess ab, dann legte
sie den Kopf schief. „Wissen Sie was, Doc? Wir rufen jetzt UI-Sec, damit sie sich um diesen
Saustall kümmern, sagen alle restlichen Termine für heute ab und –“
„-gehen ins VC?“
„Eigentlich wollte ich ‚duschen’ sagen, Doc, denn so, wie Sie aussehen, nehme ich Sie nirgends hin mit. Aber das mit dem VC ist keine schlechte Idee.“ Kit lächelte kokett. „Sie sollten
lernen, sich zu verteidigen. Reid war so groß, dass Sie sie überhaupt nicht verfehlen konnten,
aber nicht alle Kopfgeldjäger sind arme, dumme, drogensüchtige Amateure.“
„Eine siebenstellige Summe“, seufzte Castro und wischte sich die Augen. „Bei diesem
Marktwert sollte ich eine Gehaltserhöhung verlangen.“
„Und ich erst mal. Wir beide werden bestimmt noch viel Spaß miteinander haben, Doc“,
grinste Kit und tippte die Nummer des Notrufs in ihr JUST.
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Intermezzo: Vom Himmel hoch
Vorbereitung ist alles
Was hier geschieht:
Wenn Sie bereits fest planen, dieses
Intermezzo in einer bestimmten
Mission einzusetzen, können Sie
den Justifiers im Laufe der Mission bereits zwei Hinweise darauf
geben, dass etwas nicht stimmt.
Lesen Sie einfach nach dem Ende
einer Missionsrunde den entsprechenden Text vor. Zwischen den
beiden Ereignissen sollten einige
Missionsrunden liegen.
Die Justifiers treffen auf ein Team des Konzerns United Industries (siehe JUST News 3), das eben dabei ist, ein abgestürztes Gerät zu bergen. Nachdem das Team besiegt wurde,
müssen die Justifiers erkennen, dass sie es mit einer experimentellen neuartigen Bombe zu tun haben. Dummerweise ist diese Bombe scharf und wird in Kürze explodieren,
wenn es den Justifiers nicht gelingt, sie zu entschärfen.
Der Schwerpunkt des Intermezzos liegt auf Kampf und
Technik und die Justifiers werden mit bis zu 7 MP und
Ausrüstung belohnt. Die Beschreibungen sind auf eine
Gebirgsregion ausgelegt.
Ereignis 1:
Sternschnuppe
Regionsereignis (Einmalig):
Ein gewaltiger glühender Ball zieht
seine Bahn über den nächtlichen
Himmel. Für einen Moment ist es taghell, dann verschwindet der Komet
jenseits des Horizonts. Aber es wirkt
auf jeden Fall so, als sei er irgendwo
auf dem Planeten eingeschlagen. Das
macht ihn dann wohl zu einem Meteoriten. Leider könnt ihr nicht festmachen, wo er runtergekommen ist.
Ereignis 2:
Seltsame Werte
Nanu? Für einen Augenblick hättest
du schwören können, dass die Shuttlesensoren etwas im Orbit geortet
haben. Aber ebenso schnell, wie es
aufgetaucht ist, ist es auch wieder
verschwunden. Vielleicht ein weiterer
Meteorit?
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Es ist sehr diesig hier und immer wieder treiben Nebelwolken
vorbei. Erst als es beim Sprechen zwischen den Zähnen knirscht,
wird euch bewusst: Das ist kein Nebel, das ist Steinstaub, der da
durch die Luft fliegt. Ihr beschließt den Schwaden zu ihrem Ursprungsort zu folgen.
Einer der Justifiers muss sich der folgenden Herausforderung stellen:
Herausforderung auf
Körper + Survival [Gebirge] (3)
Erfolg:
Du berechnest Windrichtung und Ausbreitung der Wolken
und führst dein Team in die richtige Richtung, so dass ihr
oberhalb der Staubquelle herauskommt.
Alle Justifiers die sich bei der folgenden Herausforderung auf Geist + Heimlichkeit der Nebenherausforderung
stellen, dürfen bis zu zwei Würfel neu würfeln. Weiter bei
Der Krater.
Misserfolg:
Du folgst den Schwaden, bringst aber zwischendurch die Richtung durcheinander, so dass
ihr unterhalb der Staubquelle herauskommt.
Alle Justifiers die sich bei der folgenden Herausforderung auf Geist + Heimlichkeit der Nebenherausforderung stellen, müssen einen ihrer Erfolge neu würfeln.
Weiter bei Der Krater.
Der Krater
Bald schon hört ihr ein lautes Kreischen und dann seht ihr vor euch etwas, dass ihr hier nicht
erwartet hättet. Ein Shuttle von United Industries ist auf einem Felsplateau gelandet. Einige
Dutzend Meter neben dem metallisch glänzenden Raumschiff befindet sich ein riesiger Krater im Fels, aus dem das Geräusch und die Staubwolken aufsteigen. Ein Team menschlicher
UI-Justifiers steht um das Loch herum. Über dem Krater schwebt ein Antigravkran, von
dem ein dickes Kabel im Boden verschwindet.
Wollt ihr das UI-Team überraschend angreifen, euch Teamworknäher heranschleichen, um in den Krater zu schauen Herausforderung
oder euch wegschleichen?
Die Teamwork-Herausforderung ist eine
Egal welche der drei Varianten die Justifiers wählen,
sie müssen sich auf jeden Fall alle der folgenden
Teamwork-Herausforderung stellen:
im Quellenbuch „Mystery“ neu eingeführte Art von Herausforderung. Sie
wird weiter unten beschrieben.
Hauptherausforderung: Geist + Heimlichkeit (3)
Nebenherausforderung: Geist + Heimlichkeit (2)
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Erfolg:
Falls die Justifiers angreifen wollen:
Ihr nähert euch bis auf Waffenreichweite und die trotteligen UI-Justifier bemerken euch
erst, als es zu spät ist.
Die Justifiers bestimmen, auf welche Entfernung der Kampf beginnt und die UIJustifiers können sich in der ersten Runde nur verteidigen. Weiter bei Angriff.
Falls die Justifiers sich heranschleichen wollen:
Ihr schleicht euch unbemerkt näher heran und könnt einen recht guten Blick in den
Krater werfen. Darin seht ihr zwei Justifiers in schweren Antigrav-Panzeranzügen mit integrierten Sonic-Cuttern arbeiten. Sie scheinen mit großer Vorsicht ein etwa mannsgroßes
Gerät aus dem Stein zu schneiden, das sich hier bei seinem Aufprall tief eingegraben hat.
Ihr versucht noch einen etwas besseren Blick zu erhaschen, aber das war der berühmte
Zentimeter zuviel. Eine der UI-Wachen bemerkt euch und gibt Alarm.
Die Justifiers erhalten die Sonderhandlung „Lawine marsch“. Dann geht es
weiter bei Angriff.
Falls die Justifiers sich wegschleichen wollen:
Es gelingt euch, das Gebiet unbemerkt zu verlassen. Wenig später seht ihr das Shuttle
starten und das Sonnensystem mit Höchstgeschwindigkeit verlassen, vermutlich auf dem
Weg zu einem UI-Mutterschiff in der Nähe. Was die wohl hier zu suchen hatten?
Diese Feigheit vor dem Feind bringt Ihnen als Erzähler eine Erzählerkarte ein,
die Sie sofort ziehen dürfen.
Misserfolg:
Einer von euch tritt einige Steine los, die laut polternd den Hang hinabrutschen. Die UIWachen scheinen davon jedoch nichts mitbekommen zu haben. Doch dann wirbeln sie
plötzlich herum und stürmen auf euch zu.
Die Justifiers sind überrascht und dürfen in der ersten Runde des Kampfes keinerlei besondere Eigenschaften einsetzen. Der Kampf beginnt auf RW 2. Weiter bei
Angriff.
Angriff
Die UI-Wachen wirbeln herum und gehen sofort zum Angriff über. Sie machen sich nicht
mal die Mühe, den Anschein diplomatischer Beziehungen zu erwecken. Typisch United Industries. Aber diesmal beißen sie auf Granit!
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Die Justifiers bekommen es mit (Anzahl der Justifiers) UI-SupraSoldier Justifiers
zu tun. Die Entfernung auf der der Kampf beginnt, hängt von der vorangegangenen
Herausforderung ab. Sind zu Beginn einer Kampfrunde die Hälfte der UI-SupraSoldier Justifiers ausgeschaltet, erscheinen die beiden UI-Justifiers in Panzeranzügen und
dürfen sofort in den Kampf eingreifen.
UI-SupraSoldier Justifiers
Angriff 2/3/3, Schaden 1 (Sturmgewehr und Nahkampfcyberware),
Verteidigung 3, Ausdauer 2, Gefahr 2
Manöver
Die UI-SupraSoldier Justifiers verteilen sich gleichmäßig auf die Justifiers (ausgehend
vom Explorationsstartspieler).
Leichte Panzerung
Körperschutz
Die UI-SupraSoldiers tragen wie bei den meisten Justifiers üblich nur leichte Panzerung, aber
auch die kann schon eine Menge Schaden abwenden.
Alle Angriffe gegen die UI-SupraSoldier Justifiers erleiden einen Malus von -1.
Nahkampfcyberware
Cyberware
Die UI-SupraSoldiers sind mit unterschiedlichen Nahkampfcyberwaffen ausgerüstet, Unterarmsporne und Handrückenklingen sind besonders beliebt.
Die Justifiers erleiden auf ihre Verteidigungswürfe gegen einen UI-SupraSoldier Justifier im NAH-Bereich einen Malus von -1.
Sonderhandlung: Lawine marsch
„Alles Gute kommt von oben“, rufst du in den Schacht und lässt einige kopfgroße Steine auf
die Arbeiter in den Panzeranzügen herabregnen. Das wird sie eine Weile beschäftigen.
Diese Sonderhandlung kann nur eingesetzt werden, solange die UI-Justifiers in Panzeranzügen noch nicht in den Kampf eingegriffen haben. Sobald diese Sonderhandlung
einmal erfolgreich eingesetzt wurde, wird sie aus dem Spiel entfernt. Der Justifier darf
sich der folgenden Herausforderung stellen:
Herausforderung auf Körper (2), HardGrip hilft
Erfolg: Deine Geschosse treffen mitten ins Ziel. Das wird die Arbeiter ordentlich
durchschütteln.
Die Ausdauer der UI-Justifiers in Panzeranzügen sinkt um jeweils 2 Punkte.
Misserfolg: Viel Lärm um nichts. Die Steine fallen zwar ins Loch, aber es macht den
Arbeitern dort unten nichts aus. Zu gut gepanzert, verdammt!
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UI-Justifiers in Panzeranzügen
Angriff 2/-/- (Energie), Schaden 2 (SonicCutter), Verteidigung 3, Ausdauer 3,
Gefahr 3
Manöver
Die UI-Justifiers in Panzeranzügen greifen immer den Explorationsstartspieler an.
Mittlere Panzerung
Körperschutz
Die Panzeranzüge halten wirklich eine Menge aus.
Alle Angriffe gegen die UI-Justifiers in Panzeranzügen erleiden einen Malus von -2.
Resonanzeffekt
Angriff
Die SonicCutter der UI-Justifiers sind wirklich üble Waffen. Selbst ein Beinahe-Treffer kann das
Gewebe des Opfers noch zum Platzen bringen.
Die Justifiers müssen bei ihren Verteidigungswürfen gegen einen UI-Justifier in Panzeranzug einen Erfolg neu würfeln.
Niederlage
Lesen Sie das Folgende vor, wenn
die Ausdauer aller Spieler-Justifiers
während des Kampfes auf 0 sinkt:
Als ihr wieder zu euch kommt,
sind die UI-Truppen samt Shuttle verschwunden. Und mit ihnen euer Fahrzeug! Stattdessen stehen dort nun ein
paar Offroader, für die man im Shuttle wohl keinen Platz mehr hatte und
einige scheinen zudem kaputt zu sein.
Verdammt sei United Industries!
Das Fahrzeug der Justifiers wird
für den Rest der Mission durch
eine den TP-Kosten entsprechende
Anzahl an Enclave Offroader ersetzt, wobei die Hälfte (abrunden)
von diesen als beschädigt gilt. Alle
Justifiers erhalten 1 Ausdauerpunkt
zurück. Das Intermezzo ist an dieser Stelle beendet.
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Sieg:
Ein letzter Schuss, dann habt ihr alle UI-Justifiers besiegt. Aber
noch im Stürzen trifft einer der Schützen den Antigravkran.
Das gewaltige Ding kommt in Schieflage und segelt unter euren entsetzten Blick durch die Heckklappe in das Shuttle der
Gegner. Eine markerschütternde Explosion im Innern macht
euch klar: Da drin werdet ihr nichts mehr erbeuten können
und auch die Antigrav-Panzerungen hat es beim Kampf zerlegt. Aber immerhin könnt ihr die Leichen der UI-Leute plündern … oder militärisch korrekt gesagt: Die Ausrüstung des
Gegners requirieren.
Jeder Justifier kann sich nun Ausrüstung im Wert von 5 AP
aussuchen oder eine beliebige eigene Waffe, Körperschutz
oder einen Ausrüstungsgegenstand gegen einen um 5 AP
teureren Gegenstand eintauschen. Diese Verbesserungen
und Gegenstände gelten als Gefundene Ausrüstung und
müssen am Ende der Mission wieder abgegeben werden,
ohne dass die Justifiers dabei die zusätzlichen 5 AP erhalten. Im Falle eines Waffen- oder Ausrüstungsschrankes
dürfen diese 5 AP jedoch bis zum Ende der Mission bei
jedem Austausch eingerechnet werden.
Weiter bei Im Loch.
Im Loch
Gnade vor Recht
Ihr späht über den Rand des Kraters hinab und
seht dort ein technisches Gerät liegen, dass verbeult erscheint, aber noch funktioniert. Schneller
werdende Piepslaute lassen nichts Gutes ahnen.
Das scheint eine Art Bombe oder Rakete zu sein
und der Größe nach zu urteilen, wird sie ordentlich Schaden anrichten, wenn sie hochgeht.
Wollt ihr fliehen oder sie entschärfen?
Wenn Sie den zweiten Teil des Intermezzos
spielen möchten, obwohl die Justifier im Kampf
besiegt wurden, lesen Sie bitte den folgenden
Abschnitt vor:
Scheinbar haben eure Freunde von UI euch ein
kleines Souvenir dagelassen: Am Boden des Kraters
liegt noch immer ein mannsgroßes Gerät.
Weiter bei Im Loch.
Fliehen
Ihr besteigt euer Fahrzeug und macht
euch aus dem Staub.
Sie als Erzähler erhalten an dieser
Stelle die Missions-Erzählerkarte
„Feinstaub-Wolke“. Sie erhalten sie sofort, sie wird nicht erst
ins Erzählerdeck gemischt.
Missions-Erzählerkarte: Feinstaub-Wolke
Plötzlich legt sich ein Schatten über die Sonne und ihr werdet
in feinen Staub eingehüllt, der die Sinne stark einschränkt.
Der muss von der Explosion der UI-Bombe stammen, die ihr
nicht entschärft habt.
Während einer Herausforderungen auf Geist + Wahrnehmung gelten für alle Justifiers nur 6en als Erfolg (auch
4en gelten nicht, wenn entsprechende besondere Eigenschaften vorhanden sind). Diese Karte wird nicht wieder
ins Erzähler-Kartendeck gemischt, sondern abgelegt.
Der Pilot muss sich der folgenden
Herausforderung stellen:
Herausforderung auf Geist + Pilot (5)
Handling des Fahrzeugs hilft
Erfolg:
Du gibst Vollgas und schaffst es tatsächlich, schnell genug wegzukommen. Hinter euch
verwandelt sich der gesamte Gebirgshang in eine Staubwolke, aber ihr könnt den Trümmern entkommen.
Misserfolg:
Die Bombe explodiert und pulverisiert praktisch den gesamten Gebirgshang. Die Felsbrocken werden zu Geschossen, die nicht nur euer Fahrzeug zertrümmern, sondern auch ins
Innere eindringen und euch treffen.
Das Fahrzeug gilt als beschädigt und pro fehlendem Erfolg verliert jeder Justifier
1 Ausdauerpunkt.
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Entschärfen
Ab jetzt läuft für die Justifiers die Zeit. Sie haben 8 Runden, um die Bombe zu bergen
und zu entschärfen. Sind diese Runden aufgebraucht, geht es am Anfang der 9. Runde
bei „Tick, Tick … Boom!“ weiter.
Um die Bombe zu entschärfen, müsst ihr sie erst einmal aus dem Loch bergen. Ohne Antigravkran wird das schwierig, aber ihr habt ja noch die herumliegenden Stahlseile. Vielleicht
könnt ihr eine Art Flaschenzug improvisieren.
Alle Justifiers dürfen sich einmal pro Runde der folgenden Sammelherausforderung
stellen:
Herausforderung auf Geist + Technik [Anlagen]
(Anzahl der Justifiers x2)
Erfolg:
Ihr habt die Bombe nach oben bekommen und seht sie nun in aller beängstigenden
Pracht vor euch. Wenn das Ding hochgeht, bleibt von euch nur Molekülmüll übrig!
Weiter bei Gesichert.
Gesichert
Okay, das Ding hat keinen Ausschalter … ihr werde sie also wohl entschärfen müssen.
Dummerweise ist die verbeulte Abdeckung gegen Manipulation gesichert. Zuerst mal müsst
ihr herausfinden, wie genau.
Einer der Justifiers darf sich der folgenden Herausforderung stellen.
Herausforderung auf Seele + Wahrnehmung [Sehen] (2)
Erfolg:
Okay, hier ein Draht, da eine Zündkapsel. Gar nicht schwer. Aber dir fällt eine seltsame
Konstruktion an der Spitze der Bombe auf … sieht aus, als wäre sie früher eigentlich Teil
einer Rakete oder eines Raumgeschosses gewesen. Interessant! +2 MP
Weiter bei Der rote Draht.
Misserfolg:
Das ist alles zu verwirrend und schlecht zu sehen.
Dieser oder ein anderer Justifier darf sich in der nächsten Runde erneut dieser
Herausforderung stellen.
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Der rote Draht
Technisches Geschick ist jetzt weniger wichtig als eiserne Nerven. Es gilt nur ein paar Drähte
durchzuknippsen, aber da dürfen die Hände nicht zittern.
Einer der Justifiers darf sich der folgenden Herausforderung stellen.
Herausforderung auf Seele + Willenskraft (3)
Erfolg:
Du hast echt Eiswasser statt Blut in den Adern. Schnipp, schnipp, die Deckplatte ist ab.
Und darunter offenbart sich ein technisches Innenleben, wie ihr es sonst nur von einem
Shuttle kennt. Wie es scheint, ist die Rakete für einen TransMatt-Sprung konstruiert worden. +2 MP
Weiter bei Herunterfahren.
Misserfolg:
Deine verdammte Hand will einfach nicht aufhören, zu zittern.
Dieser oder ein anderer Justifier darf sich in der nächsten Runde erneut dieser
Herausforderung stellen. Die Schwierigkeit sinkt pro Runde um 1, bis auf ein Minimum von (1).
Herunterfahren
Der Zünder ist ein mit Sicherheitsprogrammen geschützter Computer. Wenn man ihn abklemmt oder rausreißt, geht die Bombe hoch. Man muss ihn also umprogrammieren, um
die Bombe unschädlich zu machen. Ohne den Override-Code wird das eine echte Herausforderung.
Einer der Justifiers darf sich der folgenden Herausforderung stellen:
Herausforderung auf Geist + Computer (5)
Erfolg:
Und … Zünder deaktiviert. Bitteschön, geht doch! Und die Daten beweisen dir: Ihr habt
eine neuartige Bombe vor euch, die wohl dazu gedacht ist, durch ein TransMatt-Tor geschossen zu werden und dann ihr Ziel zu suchen. Sehr nützlich, wenn man genau weiß, wo
sich der Gegner befindet oder um sie fliehenden Gegnern als böse Überraschung durch ein
Tor hinterherzuschicken. +3 MP
Das Intermezzo ist an dieser Stelle beendet.
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Misserfolg:
Diese KI ist wirklich eine harte Nuss!
Dieser oder ein anderer Justifier darf sich in der nächsten Runde erneut dieser
Herausforderung stellen. Die Schwierigkeit sinkt pro Runde um 1, bis auf ein Minimum von (2).
Tick, Tick … Boom!
Verdammt, ihr wart zu langsam! Die Zündung ist aktiviert, jetzt kann die Bombe nichts
mehr daran hindern, in die Luft zu gehen. Nichts wie weg!
Weiter bei Fliehen.
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