5. Einheit: Palästina/Israel - Friedensbildung-NRW

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5. Einheit: Palästina/Israel - Friedensbildung-NRW
Unterrichtseinheiten „Entwicklung braucht Frieden“
5. Einheit: Palästina/Israel
5. Einheit: Palästina/Israel
Der Konflikt zwischen Israel und Palästina ist sicher einer der Konflikte der Welt mit den größten Wirkungen, ein Brennpunkt des schwierigen Verhältnisses zwischen Religion und Politik. Die SchülerInnen sollen hier den Zusammenhang zwischen
lokalen und internationalen Konflikten erkennen. Es besteht das Angebot eines Treffens mit Aktiven der Friedensbewegung
aus Palästina/Israel in Deutschland (Referentinnenpool Friedensbildung NRW). In der letzten Stunde wird als Beispiel der
Friedensarbeit ein Projekt des Zivilen Friedensdienstes in Palästina/Israel genannt, bei der eine deutsche Friedensfachkraft mit
den Jahalin-Beduinen arbeitete. Diese Stunden beziehen sich oft auf Geschichte. Andere Stunden zu Religion oder Geografie
finden sich auf der Website. Auch von der Website ist das PRIME-Textbuch herunterzuladen.
Zeit
1. Stunde
5 Min.
Inhalt
15 Min.
Texte aus verschiedenen Perspektiven über gleiche
Soziales Experiment: arEreignisse in Palästina/Israel nach 1947 - ohne Wissen beitsteilige Einzelarbeit.
über Gemeinsamkeit bzw. Unterschied der Texte
Lektüre Gruppe 1: Abschnitt „Der Unabhängigkeitskrieg“; Gruppe
2: Abschnitt „Die Katastrophe (al-Naqbah) von
1948“
20 Min.
Frage: Was geschah 1948?
Verschiedene Antworten.
Problematisierung der Unterschiede,
Erkenntnis der unterschiedlichen Perspektiven auf
gleiches Ereignis, des Konflikts durch verschiedene
Perspektiven, der Bearbeitung des Konflikts durch den
Wechsel der Perspektive
LehrerInnenimpuls
Thematisierung historischer Ereignisse des Konflikts
Verteilung von Materialien für die ganze
Unterrichtsreihe,
ggf. LehrerInnenantworten auf SchülerInnenfragen
Vergabe von Referatsthemen (Einzel-, Partneroder Gruppenarbeit)
5 Min.
Methode
Einführung und Zusammenfassung des Palästina/Israel- Filmpräsentation.
Konflikts
Medium
YouTube-Film: http://
www.youtube.com/
watch?v=TjrGyWa4AQ0
PRIME-Text: Das Historische Narrativ des
Anderen kennen lernen
- Palästinenser und
Israelis, S.23-36. http://
friedenspaedagogik.
de/blog/wp-content/uploads/2010/03/primetextbuch.pdf
Tafel
SchülerInnenpräsentationen
Gruppe 1 und 2
Diskussion
PRIME-Text: Das Historische Narrativ des
Anderen kennen lernen Palästinenser und Israelis
Arbeitsblatt „Fact Sheet“
www.friedensbildung-nrw.de
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5. Einheit: Palästina/Israel
2./3. Stunde
90 Min.
Einführung in den geschichtlichen Verlauf des Palästina/Israel-Konflikts
1. bis 1945: Herzl und Zionismus/Balfour-Erklärung
2. 1948: Krieg/UN-Resolution 181/ UN-Resolution 194
3. 1956: Suezkrise
4. 1967-70: 6-Tage-Krieg/UN-Resolution 242
5. 1973-78: Jom-Kippur-Krieg/UN-Resolution 338/
Camp-David-Abkommen I
6. 1978-82: 1. Libanon-Krieg
7. 1987-90: 1. Intifada
8. 1993-2000: Oslo-Abkommen I und II / Camp-David-Abkommen II
9. 2000: 2. Intifada
10.2002: Road Map
11.ab 2002: Westbank/Mauerbau
12.ab 2002: Gaza-Krieg/Goldstone-Bericht
13.ab 2002: 2. Libanon-Krieg
14.Palästina und UNO
4. Stunde
5 Min.
25 Min.
15 Min.
5. Stunde
20 Min.
25 Min.
Unterrichtseinheiten „Entwicklung braucht Frieden“
Kurze SchülerInnenreferate (ca. 5 Min. pro
Referat)
Handouts zu Referaten
von SchülerInnen
Landkarten zu Referaggf. anschl. Diskussionen ten mit jeweils selbst
eingetragenen beidseits anerkannten, von
Israel besetzten und von
Palästina beanspruchten
Gebieten
Problematisierung der kollektiven Identitäten: Was sind
Israelis, Palästinenser, Juden, Muslime? Was sind Unterschiede und Gemeinsamkeiten? Sind Israelis Juden
und Juden Israelis? Sind Palästinenser Muslime und
Muslime Palästinenser?
Definition und Differenzierung der Identitäten: Wie ist
die Beziehung einer Identität zu den anderen? Gibt es
nicht-muslimische (ethnische) Palästinenser? Ja, Christen, Drusen! Gibt es nicht-(ethnisch-) palästinensische
Muslime? Ja, Beduinen! Gibt es nicht-(religiös-)jüdische
Israelis? Ja, Muslime, Drusen! Gibt es nicht-israelische
(religiöse) Juden? Ja, Europäer, Amerikaner! Gibt es
muslimische Israelis? Ja, (ethnische) Palästinenser,
Beduinen! Gibt es jüdische (ethnische) Palästinenser?
Ja, Sabre!
Wie ist die Beziehung zwischen den Identitäten? Probleme mit ethnischer, religiöser und/oder juristischer
Identität, Probleme zwischen Mehrheits- und Minderheits-Identitäten! Probleme durch zu simple kollektive
Identitäten statt komplexere individuelle Identitäten,
Lösung von Problemen durch Individualrechte statt
durch Kollektivrechte!
LehrerInnenimpuls
SchülerInnenreaktionen
Tafel
Lektüre in Einzelarbeit,
Diskussion und Formulierung von Resultaten
in Gruppenarbeit (ca.
4 - 5 SchülerInnen pro
Gruppe)
Fact Sheet,
fiktive Steckbriefe von
„Israeli“, „Palästinenser“, „Jude“, „Muslim“
Präsentation und Diskussion der Resultate im
Klassenunterricht
Steckbriefe
Tafel
Akteure auf globaler Ebene: Welche Rolle für den Nahost-Konflikt spielt die Politik von:
1. UNO
2. EU
3. AL
4. USA
5. Israel
6. Palästina
Welche Beziehungen haben die Akteure? Wem kommt
eine Schlüsselrolle in dem Konflikt zu?
stichpunktartiges
Schreibgespräch von
SchülerInnen auf Plakaten
Fact Sheet,
Handouts der Referate,
je Akteur ein Plakat
Gelenktes Unterrichtsge- Plakate
spräch bzw. Diskussion: Tafel: Schaubild
Bewertung
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Unterrichtseinheiten „Entwicklung braucht Frieden“
6. Stunde
15 Min.
30 Min.
7. Stunde
5 Min.
20 Min.
20 Min.
Spezielle Themen des Konflikts: Sperranlage - Verlauf,
Gründe, Folgen
kurze Film-Präsentation
Generelle Themen des Konflikts:
Grenzverlauf zwischen Israel und Palästina
Sicherheit vor Militär, Paramilitär und Terrorismus
israelische Siedlungen im Westjordanland
Jerusalem als Hauptstadt von Israel und Palästina
palästinensische Flüchtlinge in Israel?
Verfügung, Verteilung und Verbrauch von Wasser??
Partnerarbeit: Karten/
Themen schreiben
Abfrage: Karten sammeln
Cluster: Karten ordnen
ggf. Punkte: Karten
bewerten
gelenktes Unterrichtsgespräch: Karten/Themen
zusammenfassen
Kurze Zusammenfassung der wichtigsten Themen des
Konfliktes, Verweis auf Geschichtsbuch: Frage nach
Rolle für die Bearbeitung des Konflikts?
LehrerInnenimpuls
Nicht nur Konflikt-Bearbeitung als Thema von Bildung,
sondern auch Bildung als Thema von Konflikt-Bearbeitung!
Effekt auf LehrerInnen, die das Buch erstellen, auf
LehrerInnen und SchülerInnen, die das verwenden, auf
andere LehrerInnen und Schule, auf Gesellschaft!
Wechsel der Perspektive, Abbau von Stereotypen, Aufbau von Empathie, Möglichkeit zu Kooperation
Verweis auf andere Projekte mit ähnlichen Effekten:
1. PRIME-Geschichtsbuch
http://www.berghof-conflictresearch.org/de/news/imgedenken-an-dan-baron-Das-Historische-Narrativ-desAnderen-kennen-lernen
2. Orchester des West-Östlichen Divans
http://www.west-eastern-divan.org/
3. Breaking Barriers
http://www.soziale-verteidigung.de/nc/internationalgewaltfrei/israel-palaestina-irak/vergangene-projekte/
schultour/
4. Willy Brandt Center
http://www.willybrandtcenter.org/
5. israelische Kriegsdienstverweigerer
http://www.soziale-verteidigung.de/nc/internationalgewaltfrei/israel-palaestina-irak/israelische-kdver/
6. Jahalin-Projekt
http://www.soziale-verteidigung.de/international-gewaltfrei/israel-palaestina-irak/vergangene-projekte/jahalin-projekt/
Frage nach eigener Rolle, nach eigener Befassung mit
Nahost-Konflikt, mit eigenen Konflikten?
teils freies,
teils gelenktes Unterrichtsgespräch
LehrerInnenimpuls bzw.
-referat
5. Einheit: Palästina/Israel
YouTube-Film:
Mit offenen Karten Palästina/Israel-Konflikt
http://www.youtube.
com/watch?v=
uo24GAOHKng
Wand
Karten
Punkte
alle bis jetzt verwendeten Medien: Fact Sheet,
Handouts, Landkarten,
Steckbriefe, Plakate, v.a.
PRIME-Geschichtsbuch
ggf. Tafel
Websites über
PRIME
West Eastern Divan
Breaking Barriers
Willy Brandt Center
Israelische Kriegsdienstverweigerer
Jahalin-Projekt
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5. Einheit: Palästina/Israel
Unterrichtseinheiten „Entwicklung braucht Frieden“
Fact Sheet
Basisdaten zu Palästina/Israel
•
Das Gebiet ist unterteilt in den heutigen Staat Israel sowie die Palästinensischen Gebiete (Gaza und Westjordanland)
• Palästina/Israel hat Grenzen zu folgende Ländern: Jordanien, Ägypten, Libanon und Syrien, sowie einer langen Küste am
Mittelmeer und einer kurzen am Roten Meer (Golf von Akaba);
• Bevölkerung: Auf dem israelisches Staatsgebiet leben 7.933.200 Einwohner (Stand: September 2012). 75,4 % der
israelischen Bevölkerung (5.978.600) sind Juden und 20,6 % (1.636.000) Araber. Die verbliebenen 4 % (318.000) setzen sich
aus Neueinwanderern und deren Angehörigen zusammen, die im Innenministerium nicht als Juden registriert sind. (Quelle:
http://www.israelnet.de/zahlen_fakten.htm). Die palästinensische Gebiete haben 4.108.631 Einwohner, davon Westjordanland (2.546.7253, 62 %): 83 % palästinensische Araber, 17 % Juden; Gazastreifen (1.561.906, 38 %): 99 % palästinensische
Araber; Flüchtlinge: ca. 5 Millionen (Quelle: http://www.filastin.at/geo.shtml).
•
Fläche: 22 145 km²; insgesamt (israelische und palästinensische Gebiete) etwa so groß wie Hessen.
•
Sprache: hauptsächlich Arabisch (in Palästina) und Hebräisch (in Israel).
•
Religion: Juden, Muslime, Christen, Drusen, sonstige.
Israelisches Staatsgebiet: Juden ca. 76 %, Muslime ca. 16,5 %, Drusen ca. 1,5 %, arabische Christen ca. 1,5 %, nicht-arabische Christen ca. 0,5 %, sonstige ca. 4 %
Palästinensische Gebiete insgesamt: Muslime ca. 84,2 %, Juden ca. 10,5 %, Christen ca. 5,3 %
West Bank: Muslime ca. 75 % Juden ca. 17 % Christen ca. 8 %
Gaza: Muslime ca. 99,3 % Christen ca. 0,7 %
Zeittafel des Palästina-Israel-Konflikts
1517: Palästina wird Teil des Osmanischen Reiches
1914-1918: Erster Weltkrieg; Entstehung der zionistischen Bewegung mit Theodor Herzl als „Initiator“; erste Einwanderungswellen jüdischer Siedler nach Palästina.
1917: Die britische Regierung unter Balfour verspricht der jüdischen Gemeinschaft und den Palästinensern gleichzeitig Unabhängigkeit.
1922: Untergang des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg; Palästina wird zum britischen Mandats-Gebiet.
1933: Machtübernahme Hitlers in Deutschland führt zu Einwanderungswellen jüdischer Siedler nach Palästina. Die Kontrolle
Großbritanniens über Palästina wird immer schwächer.
1947: UN übernimmt die Administration Palästinas von Großbritannien. UN-Sicherheitsrat beschließt Resolution 181: Auf dem
Gebiet Palästinas sollen der palästinensische und der israelische bzw. jüdische Staat gegründet werden. Durch den Teilungsbeschluss wurden den Juden 56 % des Landes zugeteilt, den Palästinensern, zwei Dritteln der Bevölkerung, blieben 43 %.
(Landkarte)
1948: Staatsgründung und Unabhängigkeit für das jüdische Volk bzw. Katastrophe, Vertreibung und Heimatverlust für das
palästinensische Volk (Nakba). (Landkarte) Erster arabisch-israelischer Krieg (Ägypten, Libanon, Syrien, Irak und Jordanien
gegen Israel). 1949 Waffenstillstand: Israel kontrolliert nun etwa 80 % des ehemals britischen Mandatsgebiete.
1956: Suezkrise; Zweiter arabisch-israelischer Krieg (Landkarte).
1964: Gründung der PLO (Palestinian Liberation Organisation).
1967: Dritter Israelisch-Arabischer Krieg (Sechstagekrieg). UN-Resolution 242.
1973: Vierter Israelisch-Arabischer Krieg (Jom-Kippur-Krieg). UN-Resolution 338.
1978: Camp-David-Abkommens zwischen Israel und Ägypten.
1982: Fünfter Israelisch-Arabischer Krieg (Erster Libanonkrieg).
1987: Erste Intifada.
1993: Beginn des Oslo-Friedensprozesses und Ende der Ersten Intifada.
2000: Verhandlungen um einen Palästinenserstaat scheitern in Camp David II. Beginn der Zweiten Intifada.
2002: „Nahostquartett“ (USA, Russland, EU, UN) legt einen Fahrplan (Road Map) zur Beilegung des Nahost-Konflikts vor.
2003: Wiederbesetzung weiter Teile des Westjordanlands durch Israel. Zerschlagung der zivilen Infrastruktur der palästinen38 www.friedensbildung-nrw.de
Unterrichtseinheiten „Entwicklung braucht Frieden“
5. Einheit: Palästina/Israel
sischen Autonomie-Behörde. Errichtung einer Mauer.
2005: Ende der Zweiten Intifada.
2007: Faktische Aufteilung des palästinensischen Autonomie-Gebietes. Der Gazastreifen wird von der Hamas, das Westjordanland von der Fatah regiert.
2008: Ausbruch des Gaza-Krieges.
2009: Veröffentlichung des Goldstone-Berichts.
2011: “Versöhnung” zwischen Hamas und Fatah nach ägyptischer Vermittlung in Kairo. Bildung einer gemeinsamen Übergangsregierung mit dem Ziel, Neuwahlen zu organisieren und die Anerkennung Palästinas bei den UN zu erreichen. Aufnahme Palästinas als Vollmitglied in die UNESCO. Erfolgloser Antrag Palästinas um Aufnahme als Mitgliedsstaat bei den UN.
2012: Erfolgreiche Anerkennung Palästinas als Beobachterstaat bei den UN, als Antwort darauf verstärkt Israel den Siedlungsbau auf palästinensischem Gebiet.
Hauptakteure im Palästina-Israel-Konflikt
Akteure auf individueller Ebene:
Die Identität des Individuums ergibt sich u.a. aus der Zugehörigkeit zu Gruppen. Es gibt hier verschiedene Arten von Kollektiven: juristische (staatsrechtliche), religiöse oder ethnische Kollektiv-Identitäten. Die wichtigsten Gruppenbezeichnungen
im Nahen Osten sind diese:
Israeli ist eine - häufiger - juristische oder – seltener - ethnische Bezeichnung. Juristisch ist ein Israeli ein Angehöriger des
Staates Israel. Ethnisch meint Israeli einen Angehörigen des Volkes Israel. Das Volk Israel entspricht eigentlich dem geschichtlichen Volk der Juden in der ganzen Welt, ein Israeli wird jedoch tatsächlich häufig mit einem Juden im gegenwärtigen Staat
Israel gleichgesetzt. Im Staat Israel leben neben der jüdischen Mehrheit auch muslimische, christliche und drusische religiöse
Minderheiten sowie palästinensische und andere arabische ethnische Minderheiten (z.B. Beduinen).
Palästinenser sind juristisch verstanden alle BürgerInnen bzw. BewohnerInnen Palästinas, d.h. oft der jetzigen palästinensischen „Autonomie-Gebiete“ (Gazastreifen und Teile des Westjordanlandes). Diese BürgerInnen sind zum größten Teil ethnische Palästinenser, aber auch wenige andere arabische BürgerInnen, z.B. Beduinen. Beansprucht werden die Bezeichnungen
palästinensischer BürgerIn bzw. Staat auch für das ganze Westjordanland. 1946-48 umfasste das damalige „Mandats-Gebiet“ Palästina zusätzlich das Gebiet des Staates Israel, 1920-46 sogar noch das Gebiet des Staates Jordanien. Selten wird
der Begriff auch für Juden („Sabre“) aus diesen Gebieten (und diesen Zeiten) benutzt. Ethnisch betrachtet meint der Begriff
die Angehörigen des Volks der Palästinenser, eines arabischen Volkes, das aus dem Nahen Osten stammt und in vielen Teilen
der Welt lebt. Zwar ist ein großer Teil der palästinensischen Volks- bzw. Staatsangehörigen Muslime, doch gibt es auch viele
Christen.
Als Juden bezeichnet man sowohl die Angehörigen des jüdischen Volkes als auch der jüdischen Religion. Die jüdische
Religion wird eher als Lehre denn als Glauben verstanden, ihr gehört an, wer in der Lehre bzw. Tradition des jüdischen Volkes
steht. Religiös und ethnisch beziehen sich Juden auf Abraham und Mose. Das Judentum unterscheidet sich in zwei eher kulturelle Gruppierungen, die sephardischen Juden des Mittelmeerraums und die aschkenasischen Juden aus Mittel- und Osteuropa, bzw. fünf eher religiöse Gruppierungen, ultraorthodoxe, orthodoxe, konservative, liberale und reformierte Juden. Je nach
Gruppe wird die Zugehörigkeit enger oder weiter ausgelegt und als Jude gesehen, wer von einer jüdischen Mutter abstammt,
wer von einer jüdischen Großmutter abstammt, wer von einem jüdischen Elternteil abstammt, wer formal konvertiert, wer von
anderen Juden als solcher gesehen wird oder wer sich selbst als solcher sieht. Entsprechend wird das jüdische Volk nicht als
Ethnie verstanden, ihm gehört auch an, wer zum „Volk“ der jüdischen Lehre bzw. Tradition zählt.
Ein Muslim ist ein Angehöriger der Religion des Islam, der das islamische Glaubensbekenntnis anerkennt. Dies ist völlig unabhängig von jeder Staats- oder Volkszugehörigkeit. Muslime beziehen sich auf Mohammad und breiteten sich zunächst von
Arabien aus über ganz Nordafrika und Vorderasien. Sie unterteilen sich vor allem in die beiden Gruppierungen der Schiiten
und Sunniten.
Politische Akteure auf palästinensischer Seite:
Die palästinensische Politik organisiert sich in einer verwirrenden Vielzahl von Parteien. Sie alle streben einen unabhängigen Staat Palästina an und unterscheiden sich in ihrer Haltung gegenüber den arabischen Staaten und dem Staat Israel. Mit
Ausnahme der Hamas gehören alle wichtigen Parteien der Palestinian Liberation Organisation (PLO) an. Diese wurde 1964
gegründet, sie ist säkular geprägt und ein großer Schritt Richtung palästinensische Einheit. Die wichtigste Partei in der PLO ist
die Fatah.
Fatah, Palästinensische Nationale Befreiungs-Bewegung, wurde 1958 in Kuwait von Jassir Arafat gegründet. Arafat wollte
Abstand von den arabischen Staaten und zum zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Gedanke des Panarabismus halten und
seine Bewegung auf das palästinensische Volk und den bewaffneten Kampf gründen. Erst nach 1968 erhielt Arafat die nötige
Autorität, um die kriselnde PLO in seine Hand zu bekommen.
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5. Einheit: Palästina/Israel
Unterrichtseinheiten „Entwicklung braucht Frieden“
Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP) wurde1967 von George Habash gegründet. Auch sie ist von Anfang
an im bewaffneten ‚Befreiungskampf’ aktiv und provozierte die jordanische Regierung 1970 so sehr, dass diese die PLO aus
ihrem Land warf. Sie nahm den Marxismus-Leninismus als Ideologie an, opponierte gegen Arafat und die Fatah und setzte
sich in Damaskus (Syrien) fest.
Hamas, Islamische Widerstands-Bewegung, wurde als wichtigste Partei neben der PLO erst 1987 von der Muslimischen
Bruderschaft gegründet. Diese unterhielt ein dichtes Netzwerk sozialer Einrichtungen, wurde von Saudi-Arabien unterstützt
und verweigerte sich zuerst dem bewaffneten Kampf gegen die israelische Besetzung. Doch dann verlor sie immer mehr
Einfluss und entschied, sich am Aufstand zu beteiligen - und zwar inzwischen gewalttätiger als die Parteien in der PLO und so
gewalttätig wie der Islamic Jihad, der sich an der libanesisch-schiitischen Hisbollah orientiert.
Politische Akteure auf israelischer Seite:
Das politische Spektrum der israelischen Parteien kann in vier Lager eingeteilt werden: „Tauben“, „Falken“, arabische
Parteien und ultraorthodoxe jüdische Parteien. Die Unterscheidung zwischen Tauben und Falken besteht seit dem Sechs-TageKrieg (1967). Ihre Gemeinsamkeit besteht in einem stärkeren oder schwächeren Bezug zur Ideologie des Zionismus.
“Tauben” unterstützen das Prinzip „Land für Frieden“, also die Bereitschaft zu einem dauerhaften Frieden mit den Palästinensern (in Bezug auf das Westjordanland und den Gazastreifen) und mit den Syrern (in Bezug auf die Golanhöhen). Voraussetzung dafür ist die Rückgabe der Gesamtheit oder eines großen Teils der von Israel im Sechs-Tage-Krieg besetzten Gebiete.
Die Tauben ziehen die Zwei-Staaten-Lösung also in Betracht.
“Falken” auf der anderen Seite sind gegen das Prinzip “Land für Frieden”, stattdessen vertreten sie “Frieden für Frieden”,
was bedeutet, dass sie alle oder fast alle besetzten Territorien behalten und auf lange Sicht annektieren wollen. “Gemäßigte
Falken” sind zumindest bereit einen Teil des besetzten Landes zurück zu geben, allerdings höchstens 40 % des Westjordanlandes. Diese Gruppe der Falken weiß jedoch, das dieses Angebot für die Palästinenser unannehmbar ist.
Auch was die Haltung gegenüber dem arabischen Teil der israelischen Bevölkerung (ohne die besetzten Gebiete) angeht,
unterscheidet sich die Haltung der „Falken“- und „Tauben“-Parteien. „Tauben“-Parteien favorisieren eine liberal-egalitäre
Politik mit dem Ziel, den arabischen Teil der Bevölkerung zu integrieren. Die „Falken“-Parteien verfolgen eine Politik, welche
die arabischen Israelis von der israelischen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik fernzuhalten sucht.
Quelle: http://www.bpb.de/internationales/asien/israel/45029/parteien
Name
Führung
Politische
Orientierung
Religiöse
Orientierung
Ethnische
Orientierung
Shas
national
ultraorthodox
Sephardim
United Torah Judaism
national
ultraorthodox
Aschkenasim
Aschkenasim,
Osteuropäer
Ultraorthodoxe jüdische Parteien:
„Falken“:
Likud/Jisrael Beitenu
Benjamin Netanjahu,
Avigdor Lieberman
national bis
nationalistisch
teils säkular,
teils konservativ
Jewish Home
Naftali Bennett
nationalistisch
teils orthodox
Jesh Atid
Jair Lapid
liberal
säkular
Awoda
Shelly Jachimowitsch
sozialdemokratisch
„Tauben“:
Meretz
sozialistisch
Hatnua
Tzipi Livni
sozialliberal, Abspaltung von Kadima
Kadima
Schaul Mofas
liberal, Abspaltung
von Likud
säkular
Arabische Parteien:
Balad/Chadash/
United Arab List
sozialistisch bis
kommunistisch
teils muslimisch,
teils jüdisch
Araber
Internationale Akteure:
USA: Die amerikanische Nahostpolitik hat aus übergeordneten Interessen Israel nicht nur in kritischen Phasen politisch und
militärisch beigestanden, sie war auch bereit, Israel zu zügeln, wenn es sich anschickte, die Gegenseite zu sehr zu dominieren
oder gar auszuschalten. Das gilt im Suez- und im Jom Kippur-Krieg gegenüber Ägypten und im Libanon-Krieg gegenüber
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Unterrichtseinheiten „Entwicklung braucht Frieden“
5. Einheit: Palästina/Israel
der PLO. Die USA haben sich in einem langwierigen Prozess von nahezu hundert Jahren, an dessen Beginn Rücksichten auf
die imperialistischen Interessen der europäischen Verbündeten und der eigene kulturimperialistische Diskurs die propagierten
demokratischen Werte überlagerten, zunehmend auch der Anliegen der Palästinenser angenommen und sie partiell politisch
mitvertreten. Sie haben schließlich Beziehungen zur PLO aufgenommen und die Palestinian Authority auch finanziell unterstützt, wenn auch in bescheidenem Maße; eine Unterstützung, die mit dem Wahlsieg von Hamas [2006 in Gaza] in Frage
steht.
Gleichwohl lässt sich nicht übersehen, dass sich die Lage der Palästinenser im Laufe des Friedensprozesses nur unwesentlich verbessert, ja in mancher Hinsicht sogar erheblich verschlechtert hat, und zwar nicht nur wirtschaftlich. Israel hat kontinuierlich und mehr oder weniger gezielt das Grundprinzip „Land gegen Frieden“, auf das die USA seit den siebziger Jahren
ihre Politik im Friedensprozess bauen, unterlaufen. Seit Jahrzehnten fordern die USA von ihrem wichtigsten Verbündeten im
Nahen Osten: „the settlements must stop“; aber der Siedlungsprozess stoppt nicht, er geht immer weiter, auch nach dem
Rückzug aus dem Gaza-Streifen. Parallel zum Friedensprozess hat sich in den neunziger Jahren die Zahl der israelischen Siedler
in der West Bank verdoppelt. Speziell in und um Jerusalem, dem Zentrum auch der palästinensischen Ökonomie und Kultur,
hat Israel seine Position kontinuierlich ausgeweitet und damit möglicherweise den Frieden buchstäblich „verbaut“. Hier und
in der Frage der fast totalen Abhängigkeit der palästinensischen Ökonomie von Israel nicht mehr Einfluss oder sogar den
falschen Einfluss (der Siedlungsbau profitiert direkt und indirekt von offiziellen und privaten Geldern aus den USA) genommen
zu haben, liegt - jenseits der Schwierigkeiten des Konflikts, die auch eine wohlwollende Großmacht immer wieder überfordern können - das größte Versäumnis der amerikanischen Außenpolitik im Nahost-Konflikt.
Quelle: http://www.bpb.de/apuz/29821/die-usa-israel-und-der-nahost-konflikt
EU: Sowohl im europäischen Integrationsprozess als auch im Nahostkonflikt markiert das Jahr 1993 eine einschneidende
Zäsur: den Beginn der GASP [Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik] mit dem Vertrag von Maastricht und den Beginn einer neuen Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten mit den Abkommen von Oslo. Zunächst waren die Positionen sehr
unterschiedlich. Frankreich stand nach dem Sechstagekrieg Israel sehr kritisch gegenüber, Deutschland und Großbritannien
reagierten eher proisraelisch. Nach und nach fand eine Annäherung der europäischen Positionen statt. Die Grundposition der
Europäischen Union im Nahostkonflikt ist die Befürwortung einer Zwei-Staaten-Lösung.
Das diplomatische innereuropäische Debakel im Kontext des Irakkriegs ist einer der schwersten Rückschläge für die GASP
gewesen, hat aber auch eine intensive Debatte über die Zukunft der europäischen Außenpolitik, insbesondere gegenüber der
Region Nordafrika und Naher Osten, in Gang gesetzt. Die GASP stellt zunehmend einen Bezugspunkt für die Mitgliedstaaten
dar. Die Krise im Nahen Osten hat vor allem auch zu einer Weiterentwicklung des Brüsseler Ansatzes geführt. Die EU definiert
ihre Beziehungen zur arabischen Welt auf der Basis der bereits bestehenden Abkommen und Rahmen der Zusammenarbeit,
wie des Barcelona-Prozesses und der Vereinbarungen mit dem Golf-Kooperationsrat und beschließt, die Beziehungen zu allen
Staaten der Region zu intensivieren.
In den Nahostkonflikt sind zahlreiche Parteien, Staaten und nichtstaatliche Akteure verstrickt. Hier kann die EU ihre
Vermittlungskapazitäten und ihr Potenzial im „Institution Building“ noch mehr unter Beweis stellen. Auch verfügt die EU
über ökonomische Mittel, die zur Entwicklung der Region beitragen können: positive Anreize, positive Konditionalisierung
statt Sanktionen als Motivation für die Konfliktparteien. Aus europäischer Perspektive stehen die Probleme Terrorismus und
Siedlungspolitik im Vordergrund. In beiden Fällen übt die EU mehr Druck aus. Der Palästinensischen Autonomiebehörde wird
noch deutlicher gemacht, dass die taktische Anwendung von Gewalt, sei es auf direktem Wege durch die Fatah-Miliz oder auf
indirekte Weise durch die Freilassung von Terroristen, nicht akzeptabel ist. Auf Israel wird im Sinne eines Stopps der Siedlungspolitik eingewirkt. Die EU verfügt über Möglichkeiten, politischen und ökonomischen Druck auf alle am Konflikt beteiligten
Parteien auszuüben. Dies geschieht in Abstimmung mit den anderen Akteuren, USA, UNO und Russland.
Quelle: http://www.bpb.de/apuz/28336/die-europaeische-union-und-der-nahostkonflikt?p=all
Arabische Liga [Internationale Organisation arabischer Staaten in Nordafrika und Vorderasien seit 1945]: Der erste große
Härtetest für die junge Liga war der verlorene Palästinakrieg von 1948/49. Als die Briten sich am 14. Mai 1948 zurückzogen,
kam es zu einer Invasion von arabischen Staaten, nachdem noch am selben Tag Israel seine Unabhängigkeit erklärte.
Die Staaten der Arabischen Liga erwiesen sich bald als die schwächeren. Der neue starke Mann Ägyptens, Gamal Abdel
Nasser, unterlag zwar auch 1956 während der Suezkrise der israelischen Armee, konnte sich dennoch als Anführer einer nationalistischen Bewegung im arabischen Raum durchsetzen.
Die Arabische Liga wirkte am Aufbau der PLO (Palestine Liberation Organization) 1964 mit. Ein zweiter Versuch arabischer
Staaten (Ägypten, Jordanien, Syrien), Israel zu vernichten, scheiterte im Juli 1967 im Sechstagekrieg. Im September desselben
Jahres bekräftigten die Mitglieder der Liga bei einer Resolution ihre Haltung gegenüber Israel (Three No’s: Kein Frieden mit
Israel, keine Anerkennung Israels, keine Verhandlungen mit Israel). Nach einem Überraschungsangriff Syriens und Ägyptens im
Oktober 1973 konnte die israelische Armee erneut die drohende Vernichtung abwehren.
Ein Machtkampf zwischen der PLO und dem jordanischen Königshaus Anfang der 1970er Jahre führte zur Ausweisung
der Kämpfer aus Jordanien, neue Basis wurde der Libanon. Auf dem Treffen der Arabischen Liga 1974 wurde sie dennoch als
einzige rechtmäßige Vertreterin des palästinensischen Volkes anerkannt und nimmt seitdem die Mitgliedschaft für den „Staat
Palästina“ wahr.
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5. Einheit: Palästina/Israel
Unterrichtseinheiten „Entwicklung braucht Frieden“
1979 wurde Ägypten aus der Liga ausgeschlossen, da dessen Präsident Anwar as-Sadat einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen hatte. Das Hauptquartier wurde daraufhin nach Tunis verlegt, ehe zehn Jahre später Ägypten wieder aufgenommen
wurde und der Sitz nach Kairo zurückkehrte.
Nachdem Israelis und Palästinenser Anfang der 1990er Jahre erstmals Kompromisse über den Status Palästinas fanden
(Oslo I), schlossen Israel und Jordanien 1994 einen Friedensvertrag ab. Auch die Beziehungen zu den Golfstaaten verbesserten
sich und es wurden Handelsbeziehungen aufgenommen.
2002 einigte sich die Arabische Liga auf eine gemeinsame Friedensinitiative gegenüber Israel, in der man die Aufnahme
normaler Beziehungen bei gleichzeitiger Rückgabe der besetzten Gebiete an die Palästinenser versprach. Die Reaktion der
israelischen Regierung war allerdings zurückhaltend. 2007 erneuerten die Führer der Arabischen Liga bei einem Gipfel in Riad
ihr Angebot, das von israelischer Seite aber nicht aufgegriffen wurde.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Liga
UNO: Aufgrund des Prinzips der Staatensouveränität und der Abhängigkeit in ihrer Willensbildung von den Interessen der
Mitgliedstaaten können die Maßnahmen der Vereinten Nationen nur beschränkte Wirkungen entfalten. So sind Blockaden
und vage formulierte Resolutionen im Sicherheitsrat strukturbedingt.
In der Generalversammlung bilden die arabischen und islamischen Staaten, zusammen mit vielen die Palästinenser ebenfalls unterstützenden Entwicklungsländern, eine stabile antiisraelische Mehrheit. Die teilweise harsche Wortwahl verdeutlicht
dies. Im Sicherheitsrat scheitert die Kritik an Israel aber stets am Veto der USA.
Trotz dieser schwierigen Gegebenheiten waren die Vereinten Nationen in der Lage, den „legitimen Rechten des Palästinensischen Volkes“ zur internationalen Anerkennung zu verhelfen. Sie stärkten auf diese Weise das Recht als Grundlage der
internationalen Beziehungen, das in diesem hochgradig asymmetrischen Konflikt der schwächeren Partei eine Alternative zu
Gewalt und Terror bietet. Die UN bauten das völkerrechtliche Fundament, das bis heute für alle Friedensbemühungen die
Grundlage bildet. Mit humanitärer Hilfe in großem Umfang sorgten sie überdies dafür, dass dem Palästinensischen Volk die
Lebensgrundlagen erhalten blieben, ohne die es nicht so beharrlich daran festhalten könnte, seine international anerkannten
legitimen Rechte auch zur Geltung zu bringen.
Quelle: http://www.dgvn.de/fileadmin/user_upload/.../BI34-Naher_Osten.pdf
Karte
palästinensische
Gebiete ca. 2000
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Unterrichtseinheiten „Entwicklung braucht Frieden“
5. Einheit: Palästina/Israel
1973-78
1967-70
1982
1947
1922
1949
Geschichtliche Karten Palästina/Israel
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Unterrichtseinheiten „Entwicklung braucht Frieden“
Karte Palästina/Israel
5. Einheit: Palästina/Israel
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