TEIL 4

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TEIL 4
U . S . S . C O M M U N I T Y R P G
D
I E
P
A U S E
TEIL 4
Charaktere
First Officer:
Commander Selina Kyle / Hoshi_Sato
Counselor:
Ensign Dorian Gray / idic_vulcan
Lt. Solak / idic_vulcan
Verwaltungsoffizier
Lt. JG Jeremiah Esteban / Alexander McLean
Chief Engineer
Lt. Carden M. LeBrodie / M1Labbe
Lt. Commander George Sheridan / Cpt.Jones
First Science Officer
Lt. Commander Vinara Shral / Tolayon
Science Officer
Ensign Bjørn Niels van Richthoven
Chief of Security
Lt. Lucas Bishop / Ultimate_Enforcer
Security Officer
Sogh H'Qar Sohn von Gar'Tok / ShaneGooseman
Doctor
Lt. Commander Dr. Assjima / Brynhild
Pilot
Ensign Milseya Anquenar / Inanchfe
Engineer
Master Chief PO O’Tra / Vajont
Spielleiter
Hoshi_Sato
Geschrieben von: Hoshi_Sato am Jun 14 2005, 21:48
Der Rest der Community erreichte ihr Ziel: den Mars.
Wenig später fand sich das Schiff in der Utopia Planetia-Werft ein um die
ersten Reparaturen zu erhalten.
Das Oberkommando entschied, daß eine neue Primärsektion gebaut
werden musste. Zusätzlich mussten die restlichen beiden Sektionen
generalüberholt und verbessert werden.
Sämtliche Besatzungsmitglieder erhielten Landurlaub oder bekamen die
Möglichkeit auf einem anderen Schiff eine Stellung anzunehmen.
Captain Stewart sowie auch Ensign Tenland wurden aus dem Dienst der
Community verabschiedet.
Die mitgebrachten Geretteten und Gefangenen wurden in entsprechende
Krankenhäuser und Gefängnisanlagen verfrachtet.
Das Oberkommando hatte sämtliche Berichte über die vergangene Mission
angefordert und wertete diese nun aus.
Keiner wusste, was oder für wen dies Konsequenzen haben würde ....
Geschrieben von: Dorian Gray am Jun 15 2005, 12:23
Dorian war noch immer verwirrt darüber, wie schnell plötzlich alles
gegangen war. Er hätte SCHWÖREN können, dass da noch etwas auf sie
gewartet hatte. Sein Bauch hatte ihn vor irgendetwas gewarnt... Nun ja, das
bewies dann wohl, dass er nur dann auf seinen Bauch hören sollte, wenn es
um's Essen ging!
So oder so: Es war vorbei. Sie waren in Sicherheit. Doch die Veränderungen
an Bord nahmen kein Ende. Schon wartete die nächste Hürde auf die Crew:
Der Captain hatte überraschend das Schiff verlassen. Niemand schien
davon gewusst zu haben, niemand kannte seine Beweggründe. Es gab
einige Gerüchte - von einer Tochter, die die ganze Zeit heimlich auf dem
Schiff gewesen sein sollte, einem an den Captain's Chair gepinnten
Abschiedsbrief, dem Rauswurf aus der Flotte als Strafe für die Zerstörung
der Primärsektion, eine Affäre mit einer hochrangigen Diplomatin,
Panikattacken nach dem Mordanschlag durch den aktuellen Councelor
Gray, ein gebrochenes Herz nach einer unglücklichen Liebe zu einer Person
hier an Bord, zwielichtige Beziehungen zum Orion-Syndikat, eine Entführung
durch Außerirdische, Burn-out-Syndrom, Erpressung durch den beurlaubten
Councelor Solak, Krankheit - eigentlich war alles dabei.
Dorian wusste nicht so recht, was er davon glauben sollte. Jedes Gerücht
klang unglaubwürdiger als das vorherige. Der einzige, der die Fragen hätte
beantworten können, war gegangen.
Die Stimmung der Crew war gedrückt - mittlerweile hatte es auf diesem
Schiff schon mehr Kommandaten als Wissenschaftliche Leiter gegeben.
Und bald würde es wieder einen neuen geben...
Und auch Dorian würde bald gehen. Kaum hatte er die nötigen Unterlagen
und Zusagen zusammen, informierte er die Crew. Nur noch wenige Tage,
dann würde er mit Milseya ihren gemeisamen Urlaub genießen (es gab da
noch ein Versprechen einzulösen...) und danach erneut die Schulbank
drücken.
Seine Zeit auf der Community neigte sich dem Ende zu.
Er machte einen Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen und
verabschiedete sich schon einmal von diversen Crewmitgliedern. Schließlich
kam er auch in den Maschinenraum und ging ohne Umwege auf den
bolianischen Techniker zu, der gerade an einer der Konsolen saß.
"Chief O'tra? Ich möchte mich von Ihnen verabschieden. Ich werde das
Schiff bald verlassen und zurück an die Akademie gehen. Es tut mir sehr
leid, dass wir nie die Gelegenheit hatten, unsere Verabredung zum Essen
einzulösen. Ich hätte Sie wirklich gerne näher kennengelernt. Aber vielleicht
haben wir ja später noch einmal die Gelegenheit dazu?"
Lächelnd streckte er dem blauen Mann die Hand entgegen.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jun 15 2005, 18:37
Vinara hatte sich ein wenig gewundert weshalb Commander Kyle nicht
einmal während des doch recht kurzen Nachhauseflugs (irgendwie hatte der
Hinflug deutlich länger gedauert) ihren Posten hatte einnehmen dürfen.
Irgendetwas musste auf dem Planeten vorgefallen sein, etwas in dem die
Erste Offizierin verwickelt gewesen war.
Doch diese Verwunderung war nichts gewesen gegen den Schock, den das
Ausscheiden des Captains nun der Besatzung versetzte. Dazu kam noch
dass während der Generalüberholung niemand mehr sich an Bord aufhalten
durfte, alte Kameraden und solche die es einander werden wollten wurden
auseinandergerissen, selbst die zuvor so besonnene Andorianerin fiel in ein
Loch, auch wenn es ein vergleichsweise kleines war. Nur nebenbei hatte sie
mitbekommen dass Fähnrich Tenland ebenfalls den Dienst quittiert hatte,
zusammen mit einigen anderen, meist Personen, die während der letzten
Mission einen persönlichen Verlust hatten mitnehmen müssen. Doch am
rätselhaftesten blieb nach wie vor das Verhalten Captain Stewarts. Was war
nur vorgefallen dass er mit seiner Tochter nicht länger auf dem Schiff
verweilen konnte? So viele offene Fragen, auch das weitere Schicksal des
Schiffs (auch wenn nun feststand dass eine neue Primärsektion gebaut
wurde), all das verwirrte Vinaras logisch geschulten Verstand und
beunruhigte ihr nach wie vor zu Paranoia neigendes andorianisches Gemüt.
Es gab nur eine Abhilfe: Ein Urlaub, diesmal auf Vulkan, die
Wissenschaftlerin packte all ihre persönlichen Sachen zusammen, es wirkte
fast so als würde sie für immer gehen, doch das hatte sie keineswegs vor.
Sie schickte Assjima, Bishop und Fähnrich van Richthoven jeweils eine
Nachricht mit ihren Reiseplänen und versprach dass man sich bald wieder
sehen würde, egal was nun bei den sicher anstehenden Untersuchungen
herauskommen würde. Jedes weitere Mitglied ihrer Abteilung erhielt
ebenfalls eine Kopie der Nachricht; zusätzlich schickte sie einen offiziellen
Antrag an das Oberkommando der Sternenflotte, in welchen sie um die
offizielle Zuweisung van Richthovens zu ihrer Abteilung bat.
Vinaras Zieheltern wurden schnell informiert und "freuten" sich beide auf
den anstehenden Besuch ihrer Adoptivtochter, soweit Vulkanier sich
überhaupt freuen können. T'Vok und T'Alik begleiteten ihre Vorgesetzte
nach Vulkan. Wie es aussah würde T'Vok heiraten; ihre Rückkehr zur
Community schien damit auf dem Spiel zu stehen, denn ihr Mann würde sie
wahrscheinlich nicht auf ein Schiff lassen auf dem soviel Unlogik herrschte...
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Jun 16 2005, 17:14
Auch Jeremiah und Hanni hatten ihre Habseligkeiten entweder eingelagert
oder in großen Taschen verstaut. Sie machten sich auf den Weg zum
Transporterraum und unterhielten sich dabei: „Ich wusste gar nicht, dass der
Captain seine Tochter an Bord hatte. Und als dessen Adjutant hätte ich es
eigentlich wissen müssen.“ „Es scheint als hätte Captain Stewart ein großes
Geheimnis um sie gemacht. Aber jemand hat kurz nach dem Absturz
erzählt, dass er oft eine junge Frau gesehen hat, die Commander Kyle
begleitete. Das könnte sie gewesen sein, denn jemand aus der Crew soll es
nicht gewesen sein und dich habe das Gerücht gehört bevor wir die
Überlebenden der Risian Sun fanden.“
Jerry nickte nur und wechselte dann das Thema: „Und du bist dir sicher,
dass du nicht mit nach San Fransisco kommst?“ „Kann man um diese
Jahreszeit dort schon baden?“, fragte Hanni lachend. Das war natürlich eine
rhetorische Frage. „Außerdem ist Hawaii ja nicht außer der Welt. Mit einen
Shuttle brauchst du eine Stunde, mit dem Gleiter vier. Aber ich brauche
auch etwas Zeit für mich. Du hast selbst festgestellt, dass ich die Erlebnisse
nach dem Absturz der Primärsektion verarbeiten muss. Und mit Palmen,
Sonne Sand und Meer geht das am Besten.“ Hanni gab ihren Freund einen
Kuss und versprach: „Wenn ich denke, dass es mir gut geht, komme ich
nach San Fransisco.“
Mittlerweile hatten die beiden den Transporterraum erreicht. Hanni stellte
sich auf die Plattform und ließ sich zur Station beamen, von wo sie einen
Shuttleflug zur Erde nahm. Leider konnte Jeremiah sich ihrr nicht
anschließen, denn das Oberkommando wollte von jedem Führungsoffizier
einen ausführlichen Bericht über die Vorfälle im Doramesssystem. Und dann
musste er noch einige Nachrichten an die Hinterbliebenen der getöteten
Crewmitgliederverfassen, den abgesehen von Lt. Bishop, hatte sich noch
kein Abteilungsleiter dazu aufgerafft.
Geschrieben von: Selina Kyle am Jun 16 2005, 19:16
Selina hatte sich nach dem „Gespräch“ mit dem Captain auf ihr Quartier
zurückgezogen und war dort bis zum Ende der Reise geblieben.
Immer wieder ging ihr die Ansprache und das Benehmen des Captains
durch den Kopf. Was war nur in ihn gefahren? War er der Typ Mensch die
sich feige hinter ihren Rang und der damit verbundenen Macht versteckten
um so jemanden eines auszuwischen? Selina hatte schon beim ersten
Gespräch mit ihm gemerkt, daß er nicht sehr erfreut über ihre Schilderungen
war. Wäre er Enders gewesen, dann hätte sie ihm alles erzählt aber sie
hatte Stewart kaum gekannt, zu sehr hatte er sich immer von allem
abgekapselt und war mehr Einzelspieler als Teamspieler gewesen.
Selina zuckte mit den Schultern. Ganz gleich was Stewart auch meinte zu
wissen oder zu vermuten, er hatte sich ihr gegenüber komplett falsch
verhalten. Er hatte kein Recht gehabt sie so abzufertigen. Normalerweise
hätte sie die Sache abgehakt, da er das Schiff ja doch verließ aber sie
konnte das Ganze so einfach nicht stehen lassen. Sie setzte sich an das
Terminal und verfasste eine offizielle Beschwerde wegen Stewart an das
Oberkommando. Zusätzlich teilte sie ihren Aufenthaltsort auf der Erde mit.
Schließlich war es sehr wahrscheinlich, daß sich das Oberkommando noch
mit ihr unterhalten wollte.
Selina sah zu Yasmin, die auf einer der gepackten Taschen saß. Urlaub!
Endlich hatte sie genug Zeit sich intensiv mit ihrer Kleinen zu befassen.
Sträflichst hatte sie ihren kleinen Engel vernachlässigt. Sie schwor sich, daß
das nicht noch einmal geschehen würde.
Selina erhob sich und schulterte sich die Taschen. „Komm Engelchen, wir
gehen nach Hause!“ Yasmin strahlte ihre Mutter an, konnte aber nicht
zuordnen, was ihre Mutter mit „nach Hause“ meinte.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------John Gilmore hatte seine Tasche gepackt. Viel hatte er eh nicht zum
Einpacken gehabt. Sein Blick schweifte nochmal durch das Quartier und
blieb auf einer Pflanze hängen. „Verdammt! Die hätte ich doch fast
vergessen!“ Vorsichtig nahm der Arzt das zarte Pflänzchen in die Hand. Sie
war die einzigste Pflanze, die er aus dem Aboretum hatte retten können. Er
wusste, daß es sich um eine vulkanische Pflanze handelte aber er konnte
sich einfach nicht mehr an den Namen erinnern.
John selbst wusste noch nicht, wo er in Zukunft arbeiten würde. Sehr gerne
würde er auf der Community bleiben aber dann auch nur, wenn Milseya
auch bleiben würde. Er dachte an seine Freundin. Wie es ihr wohl gerade
ging? Er hatte ihr eine Nachricht zu kommen lassen, in der er ihr mitteilte,
daß er sich für die nächsten Tage auf dem Mond im Hause seiner Eltern
aufhalten würde. Er war also jederzeit für sie erreichbar, wenn sie ihn
brauchen würde.
Mit der Pflanze in der Hand und der geschulterten Tasche verließ auch er
das Schiff und ließ sich nach New Berlin transferieren.
Geschrieben von: Bjørn Niels van Richthoven am Jun 16 2005, 22:03
Niels hatte seine Reisetasche auf sein Bett gelegt. Viel einzupacken hatte er
nicht, da waren zwei Uniformen und ein bischen Leibwäsche, die er sich
repliziert hatte. Nach Monaten auf dem Planeten war das seine erste Aktion
gewesen, als sie durch das Wurmloch zurückgekehrt waren.
Er sah auf. Sein Mitbewohner war auch sehr beschäftigt mit seinen Sachen.
Da erblickte er die Anzeige auf dem Monitor. Zwei Nachrichten waren in
seinem Postfach.
Commander Shral informierte ihn, dass sie einen Antrag bei Starfleet
Command eingereicht hatte, und über ihre Urlaubspläne.
Die zweite Nachricht war von eben diesem Starfleet Command. Man teilte
ihm mit, dass er zunächst Urlaub erhielt. Bei Stardate 58485.0 hatte er sich
bei Utopia Planetia auf dem Mars einzufinden um bei der Überholung der
Community zu helfen. Nach der Fertigstellung des Schiffes würde der
Anfrage Lieutenant Commander Shrals entsprochen. Darüber würde sie
auch informiert.
Als er die Nachrichten sah, erinnerte sich Niels, dass er sich bei seinen
Eltern hatte melden wollen, sobald die Kommunikation wieder funktionierte.
Irgendwie war der Rückflug viel schneller vergangen als er dachte. Er würde
so schnell wie möglich nach Hause fahren.
Da hörte er plötzlich ein Fluchen hinter sich. "Nick, was ist denn?" fragte
Niels den Fluchenden. "Mist, jetzt ist sie Kaputt!" ärgerte sich Crewman
DiNozzo. Niels ging zu ihm hinüber und sah sich das Dilemma an. In seinen
Händen hielt Nick ein Modell der Enterprise, es bestand aber mittlerweile
aus 3 Teilen. Noch ein Opfer des Absturzes. "Das bekommen wir wieder
hin!" meinte Niels und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. Dann zog
er den Reißverschluß seiner Tasche zu und hängte sie sich um. "Bis bald,
Nick," verabschiedete er sich, "wir sehen uns, ich werde bald offiziel zur
Crew gehören." "Ich freue mich darauf, Niels." meinte er aufrichtig. Dann
verließ Niels das Quartier.
Auf dem Hangardeck stand das Transportshuttle zur Erde bereit. Niels war
anscheinend der Letzte gewesen und kurz nach seiner Ankunft startete der
Pilot und setzte einen Kurs auf die Erde.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------"Sie haben Post!" erklang es aus dem Lautsprecher. Eine Frau Mitte Fünfzig
ging zu dem Terminal hinüber und rief die Nachricht auf.
Sehr geehrte Mr. und Mrs. van Richthoven,
ich habe die Freude ihnen mitteilen zu dürfen, dass man während einer
schwierigen Mission ihren Sohn Bjørn Niels lebend aufgefunden hat. Er
befindet sich bereits auf dem Weg zurück zur Erde.
Admiral Kathryn Janeway, Starfleet Command.
Die Frau erstarrte. Nach einigen Sekunden fand sie die Sprache wieder.
"Peeeeeer!!!!!" rief sie mit zittriger Stimme. "Ja, Lena?" kam die Antwort aus
dem Arbeitszimmer. "Komm, schnell her. Es geht um Niels!" schrie sie
zurück. Als er den Namen seines jüngeren Sohnes hörte, eilte er ins
Wohnzimmer. Er nahm seine Frau in den Arm als er das Schreiben las. "Es
wird alles wieder gut!" flüsterte er ihr beruhigend zu.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jun 17 2005, 00:55
Es war alles so schnell gegangen.
Kaum war das Verhör mit dem Sicherheitschef vorüber gewesen, da hatten
sie schon Utopia Planetia erreicht – so schien es zumindest Milseya. Oder
lag es womöglich an den Schlafmitteln, die ihr John in schöner
Regelmäßigkeit verabreichte, damit sie seiner Meinung nach endlich
ausreichend Schlaf erhielt? Sie wusste es nicht. Sie war gefangen in dem
mittlerweile schon ewig erscheinenden Rhythmus zwischen Schlafen und
Wachsein und doch begannen auch hier bereits die Grenzen zu
verschwimmen.
Nur recht wenig hatte sie mitbekommen von den Gerüchten an Bord und nur
eines davon schien kein Gerücht zu sein: Captain Stewart hatte seinen
Dienst quittiert. Unfähig sich darüber aufzuregen oder sich darüber
Gedanken zu machen, war sie bereits in die nächste Ruhephase
übergetreten, da John ihr wieder ein Schlafmittel verabreicht hatte. Sie
konnte sich nur an ihr Bedauern erinnern, bevor sie wieder in tiefen
Schlummer fiel: Schade! Sie hätte diesen Captain, der ihr sein Schiff so
anvertraut hatte, gerne noch ein wenig näher kennen gelernt!
Und dann eines Tages war plötzlich Dorian an ihrem Bett aufgetaucht und
hatte von einem Versprechen geredet, das er nun einlösen wolle. Völlig
benommen hatte sie nur noch eine erregte Diskussion zwischen John und
Dorian wahr genommen, bei der anscheinend der Arzt den Kürzeren
gezogen hatte, denn das nächste woran sie sich mit Bestimmtheit erinnern
konnte, war ein Flug in einem Shuttle und die Landung in einem von Nebel
umhüllten London...
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Jun 17 2005, 11:08
Nach einigen Stunden war Jeremiah mit seinen Aufgaben fertig. Auf den
kleinen Schreibtisch stappelten sich die Padds, alle enthielten eine Variation
von:
"Sehr geehrte/r Mr./Mrs ...,
ich bedauere ihnen mitteilen zu müssen dass ihr Sohn/Tochter/Ehepartner
... in
Ausübung seiner Pflicht gestorben ist. Er/Sie hinterlässt an Bord der USS
Community eine große Lücke, die nur schwer zu schließen sein wird.Bitte
verstehen sie, dass ich aus Geheimhaltungsgründen, keine genaueren
Angaben zum
Tode von ... machen kann.Hochachtungsvoll
i.V. Lt. j.G. Jeremiah Esteban"
Fertig adressiert musste der Lieutnant auf seinen Deskviewer nur noch ein
kleines Programm starten, dass die Nachrichten verschickte. Als dann das
auch erledigt war, schnappte er sich seine Tasche und machte sich auf den
Weg zum Transporterraum. Er musste saich beeilen, denn sein Flug zur
Erde sollte in
knapp vier Minuten starten. Aber Salome Jakarnis war so nett und beamte
ihn direkt in die Nähe der Abfertigungshalle. Doch der Flug startete mit einer
Verspätung von fast 45 Minuten, das eigentlich für den Flug vorgesehene
Shuttle hatte eine Panne und ein Ersatz musste von der Erde geschickt
werden. Und zu
allen Überfluss, gehörte zu den Passagieren ein geschwätziger Bolianer,
der alle anderen mit Erzählungen seiner bisherigen Besuche auf der Erde
"unterhielt".
Deshalb war es verständlich, dass Jeremiah erleichtert war, als das Shuttle
endlich sein Ziel erreichte. Von dem terminal ließ sich der Lieutnant wegen
seines recht umfangreiches Gepäck beamen. Doch als er er vor der
Haustüre materialisierte, war, wie schon bei seinen letzten Besuch, keiner
da.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jun 17 2005, 16:12
Vulkan war endlich erreicht und die Wege der drei Reisenden trennten sich
vorerst - T'Alik ging zu ihrem Ehemann, T'Vok zu ihrem Verlobten und
Vinara zu ihren Eltern. Das wollte sie zumindest, doch noch auf dem
Raumhafen wurde sie von einer Vulkanierin aufgehalten, die für ihr Volk
ungewöhnlich lange und noch dazu mittelblonde Haare (aber zu einem
strengen Knoten gebunden) hatte. "Commander, ich bin Colonel T'Sunn
vom vulkanischen Geheimdienst. Wenn Sie mir bitte folgen wollen, ich hätte
Ihnen da einige Mitteilungen Ihre Eltern betreffend zu machen..."
Vinara ahnte schon worauf es hinauslief. Sie folgte der spitzohrigen Frau in
ein angrenzendes Bürogebäude, wo diese sogleich fortfuhr: "Wir haben Ihre
Zieheltern, Serik und T'Sel, in den letzten Jahren genauer beobachtet, weil
uns Unregelmäßigkeiten aufgefallen sind. Keiner von ihnen hat sich seit der
Jahrhundertwende einer Untersuchung unterzogen, was an sich schon
ungewöhnlich ist... Wir haben einen bestimmten Verdacht, aber möchten
zuerst hören was Sie dazu zu sagen haben."
Vinara wusste dass Lügen sie nicht weiterbringen würden. Einen Moment
lang dachte sie darüber nach dass einer der Ärzte auf der Community, der
während der vorangegangenen Mission sogar die ganze Zeit auf der
Sekundärsektion gewesen war, genau wie ihr Ziehvater hieß... Dann
konzentrierte sie sich auf das Wesentliche. "Vor über zwei Jahren erhielt ich
einen anonymen Hinweis mit Bilddateien, welche mich zu privaten
Nachforschungen veranlassten. Lange Zeit ergab sich nichts, doch als ich
schon kaum noch noch an die Angelegenheit dachte erhielt ich von einer
cardassianischen Quelle brisante Daten... Als Gegenleistung wollte man
mich als Geheimagentin anwerben." Dass die Sache mit der
cardassianischen Verschwörung damals weitaus komplizierter war
verschwieg die Andorianerin, doch die wahre Identität ihrer Eltern deckte sie
restlos auf. Sie fühlte sich dabei wie eine Verräterin...
"Commander, dass Sie diese gefährliche Tatsache vergessen haben dürfte
Sie womöglich Ihre Mitgliedschaft in der Vulkanischen Akademie der
Wissenschaften kosten. Wenn Sie irgendwelche Beweise für Ihre
Behauptungen haben, händigen Sie sie mir umgehend aus."
Vinara gab ihr die Daten, mit denen sie ihre Eltern eigentlich unter sechs
Augen hatte konfrontieren wollen. "Glauben Sie mir, ich hätte sie schon
längst angezeigt wenn ich nicht absolut von ihrer Harmlosigkeit überzeugt
wäre. Sie haben sich gut auf Vulkan eingelebt und die romulanische
Regierung die sie damals als Agenten einschleuste wurde schon längst
wieder gestürzt; wahrscheinlich hat man sie in ihrer ursprünglichen Heimat
vollkommen vergessen."
"Davon werde ich mich persönlich überzeugen, außerdem lässt es sich nicht
leugnen dass sie die echten Vulkanier, deren Identität sie nun innehaben
damals getötet haben."
T'Sunn begleitete Vinara zu deren Elternhaus; erstaunlicherweise leugneten
T'Sel und Serik nichts, sie bereuten inzwischen was sie getan hatten und
waren bereit die Konsequenzen dafür zu tragen. "Vinara, warum hast du uns
nie etwas davon gesagt?", fragte ihr Ziehvater sie mit beinahe
vorwurfsvollem Unterton.
"Ich maß dem einfach keine allzu große Bedeutung bei, da ich von eurer
Aufrichtigkeit überzeugt war und es immer noch bin."
T'Sunn hatte sich derweil mit dem Geheimdienst in Verbindung gesetzt und
kehrte nun zu den dreien zurück. "Es wird eine ausführliche Anhörung
stattfinden; wir wissen noch nicht wie wir mit Ihnen verfahren werden, aber
Sie beide werden Ihre ursprüngliche Identität wieder annehmen und wenn
es möglich sein sollte können Sie offiziellen Antrag auf Asyl stellen. Der
Föderationsrat und die Sternenflotte werden vorerst nicht informiert werden,
dies wird zumindest im Augenblick als rein interne vulkanische
Angelegenheit gehandelt. Ich werde mich, falls Sie nichts dagegen haben
als Ihre Fürsprecherin anbieten, da meine Großmutter ebenfalls
Romulanerin war."
Nachdem die Agentin wieder gegangen war hatte die ungewöhnliche
Familie zumindest für ein paar Stunden Zeit für sich. Doch rechte
Entspannung wollte nicht aufkommen, sofern sie bei vulkanisch erzogenen
Personen (zu denen auch Vinaras Zieheltern zählten) überhaupt
aufkommen konnte. Schon bald aber würde sich die Ungewissheit legen,
vulkanische Behörden waren bekannt für ihre Schnelligkeit und Effizienz.
Geschrieben von: Solak am Jun 18 2005, 09:41
Sta’el nahm einen Schluck von dem romulanischen Äquivalent zu Tee. Ein
schwarzes, bitteres Getränk aus verschiedenen Kräutern, die mit
kochendem Wasser aufgegossenen wurden, um dann abzukühlen und zwei
Tage zu ziehen. Anschließend wurde das Gemisch wieder erhitzt. Das
Ergebnis trank man unverdünnt und ohne irgendeine Form der Süßung – für
nicht-romulanische Gaumen eine Zumutung ob der durchdringenden
Bitterkeit. Sta’el sah es als Herforderung an seine Selbstbeherrschung,
dieses Gesöff zu trinken. Seine ersten Versuche waren von starkem Würgen
und Übelkeit begleitet gewesen, doch mittlerweile gelang es ihm, einen
Schluck das ‚Tees’ für einige Sekunden im Mund zu behalten und zu
schmecken bevor er ihn schluckte.
Er sah vom Balkon ihres Hotels auf das Treiben in den Straßen unter ihm.
Seit wie vielen Wochen waren sie nun hier auf Romulus? Sta'el dachte
nach. Zumindest noch nicht lange genug als dass er sich mit dem (im
Vergleich zu Vulkan) kühlem Klima hätte anfreunden können. Und in all
dieser Zeit war dies das erste Mal, dass er ganz alleine war. Sein Mann und
ihr Sohn waren auf einer ihrer unzähligen Besichtigungstouren. Die beiden
genossen ihre Tarnung als harmlose Touristen aus dem T’Met-System in
vollen Zügen. Bisher hatte er sich von ihrer Begeisterung mitreißen lassen,
doch heute hatte er Ruhe gebraucht. Zeit zur Meditation. Zeit, um seinen
Wunden ein wenig Muse zu gönnen.
Sta’el atmete tief ein. Noch immer schmerzte seine Seite, wenn er sich zu
hastig bewegte oder seinen Brustkorb stark dehnte. Zwar war es ihm
gelungen, die oberflächlichen Narben zu entfernen, doch Solaks
mangelndes medizinisches Können hatten dazu geführt, dass im Inneren
einige Verwachsungen zurückgeblieben waren.
Er nahm einen weiteren Schluck von seinem Getränk.
Seine Verletzungen… Er hatte kaum eine Erinnerung an diesen Tag.
Orlando und Robbie hatten sie noch nicht verlassen. Die beiden hatten
gerade erst von Robbies Schwangerschaft erfahren und beschlossen, sie
noch bis zur Grenze zu begleiten bevor sie zur Erde zurückkehrten. Noch
flogen sie in dem Shuttle, das sie sich von der Community „geliehen“ hatten.
Noch waren sie im Föderationsraum. Bald sollten sie die treffen, die sie über
Grenze bringen sollte. Irgendein Geschäftspartner eines Geschäftspartners
von Solaks Freund Jerome. Ein Schmuggler und Kopfgeldjäger.
Solak hatte sich gerade erst um alle Formalitäten gekümmert, so dass
niemand in der Föderation bemerken würde, was sie vorhatten. Es hatte sie
einiges gekostet, doch nun flog eine dreiköpfige Familie mit spitzen Ohren
die verschiedenen Sehenswürdigkeiten des Quadranten ab und machte sich
eine schöne Zeit unter ihrem Namen und ihrer Physiognomie. Sta’el wollte
gar nicht wissen, wo und wie Solak diese Drei aufgetrieben hatte…
Der Schmuggler sollte sie über die Grenze ins T’Met-System fliegen. Von
dort aus würden sie als Touristen getarnt (eine Tante beim Tal’Shiar hatte
sich bei der Planung dieses Abschnitts der Reise als sehr nützlich erwiesen)
offiziell nach Romulus reisen.
Der Plan war gut. Doch wie es immer mit guten Plänen war: Er ging schief.
Die Schmuggler hatten sich als Sklavenhändler entpuppt. Robbie und Niklan
erschienen ihrem Anführer als wertvoll genug um die drei erwachsenen
Männer in ihrer Begleitung zu töten. Es wäre ihnen fast gelungen. Aber
Orlando und Solak hatten es geschafft, sie zu retten. Allerdings war Sta’el
bei diesem Kampf schwer verletzt worden. Seine gesamte rechte Seite war
durch einen klingonischen Dolch (ein Glücksbringer einer der
Sklavenhändler) aufgerissen worden. Über zwei Wochen hatte er danach in
Heiltrance zugebracht, fast wäre er gestorben.
Noch ein Schluck aus der Tasse vertrieb die Erinnerungen an das Koma
und die Schmerzen. Er war offensichtlich nicht gestorben. Orlando und
Robbie hatten sich von ihnen getrennt. Auf verschlungenen Pfaden waren
sie doch noch ins Reich gelangt. Seit T’Met war ihre Reise ruhig verlaufen.
Und nun waren sie hier.
Sie waren hier auf Romulus unter der Tarnung eines kleinen Beamten,
seines Bruders und dessen Sohnes. Entfernte Verwandte von Latta, so dass
sie Solaks Tante treffen konnten ohne Verdacht zu erregen. Latta hatte
ihnen einen Fremdenführer organisiert, einen alten, halbblinden Mann –
Solaks leiblicher Onkel S’Talon, der viel Spaß an seiner Rolle und der
Verkleidung zu haben schien.
Ihre Rolle als Touristen war einfach zu spielen. Immerhin waren sie
tatsächlich genau das. Ihre „Oohs“ und „Aahs“ beim Anblick der Feuerfälle
von Gal'gathong waren genauso wenig gespielt wie die all der anderen, ihre
Begeisterung für folkloristische Aufführungen aufrichtig und ihre
Bewunderung bei der Betrachtung von Kunstwerken aus den
verschiedensten Reichsepochen echt.
Die beste Tarnung war keine Tarnung.
Und so waren die Wochen verstrichen.
Anfangs war Solak aufgeblüht. Er hatte die Heimat seines Vaters erreicht.
Das gelobte Land. Er hatte alles in sich aufgesogen, schien Romulus atmen
zu wollen. Wie glücklich er gewesen war, als er das erste Mal in aller
Öffentlichkeit Romulanisch hatte sprechen dürfen.
Und erst das Zusammentreffen mit seinen Verwandten! Sein Onkel, der im
Untergrund lebte und offiziell als tot galt. Der seinem Vater und Solak selber
so verblüffend ähnlich sah, dass es Sta’el beinahe einen kleinen Schock
versetzt hatte. Latta, die die ersten Tage vor Glück kaum hatte aufhören
können zu weinen. Vrih, ein alter Freund von Solaks Vater, der sie
behandelte wie seine eigenen Kinder.
Doch langsam hatte sich bei Solak Ernüchterung breit gemacht. Wie sehr
hatte er gehofft, hier auf Romulus Antworten zu finden. Eine Heimat zu
finden. Die Widersprüche in sich auflösen zu können.
Aber er hatte feststellen müssen, dass das unmöglich war.
Sta’el empfand Mitleid für seinen Mann. Solak hatte Romulus nur aus den
Erzählungen seines Vaters gekannt. Selar war ein Mann gewesen, der fest
an das Prinzip des Mnhei'Sahe geglaubt hatte. Ein Mann, der das Reich
über alles geliebt hatte. Der die Aufgaben, die das Reich ihm gestellt hatte
nie angezweifelt und ihre Erfüllung als seine Pflicht angesehen hatte (eine
Tatsache, die Sta'el nur schwer respektieren konnte. Immerhin war er durch
Solak mit den Forschungen seines toten Schweigervaters vertraut). Der
durch die Liebe zu einem Verräter und Exilanten geworden war, dessen
Sehnsucht nach seiner Heimat aber nie gestorben war.
Und so war das Bild, das er seinem Sohn von Romulus vermittelt hatte, ein
Bild voller Schönheit.
Was jedoch Selar seinem Sohn nicht hatte vermitteln können, war, wie
widersprüchlich die Bewohner dieses Planeten waren. Und wie zerrissen
ihre Kultur.
Sta’el war überrascht, wie ähnlich die Romulaner den Vulkaniern waren
wenn man hinter ihre martialische Maske blickte. Wie die Vulkanier waren
auch die Romulaner Emotionen von einer derartigen Intensität ausgeliefert,
dass sie für viele andere Rassen im Universum vermutlich unerträglich
wären. Emotionen, die unkontrolliert ausgelebt, dazu geeignet waren, ganze
Welten in Krieg und Chaos zu stürzen. Die Vulkanier hatten sich der Logik
verschrieben, um sich selber und ihre Welt vor diesem Chaos zu schützen.
Sie hatten die innere Kontrolle gewählt. Die Romulaner hingegen hatten auf
diese Form der Kontrolle verzichten wollen. Doch hatten sie im Laufe der
Jahrhunderte ein System aus Hierarchien, Kasten und Regeln entworfen,
das im Prinzip nur dazu diente, die Beziehungen untereinander zu
formalisieren und Emotionen so zu kontrollieren.
Erst war es der Glaube an das Reich und den Schutz vor äußeren
Bedrohungen, den es bot, der die Romulaner zusammengeschweißt hatte.
Später wurde daraus die Angst vor dem Reich und die Furcht, ohne es noch
schlimmer dran zu sein.
Die Furcht vor dem Chaos hatte die Vulkanier zu Pazifisten werden lassen.
Aus den Romulanern hatte sie Paranoiker gemacht.
Solak hätte dieser Einschätzung seines Ehemannes nie zugestimmt. Sie
hatten den Unterschied zwischen Vulkaniern und Romulanern in den letzten
Wochen intensiv diskutiert. Untereinander, mit Latta, mit S’Talon.
Jeder hatte seine eigenen Antworten.
Solak glaubte daran, dass eine Annäherung an die Föderation und das
damit verbundene Verschwinden einer äußeren Bedrohung auch für
internen Frieden sorgen könnte.
Latta – die Frau, die wie ihr Schwager an das Reich glaubte und wie er
durch Liebe zur Verräterin geworden war – glaubte an die alten Prinzipien,
daran, dass nur eine Wiederentdeckung der Ehre Romulus retten könne.
S’Talon schließlich wollte die Revolution. Demokratie. Die vollkommene
Zerstörung der herrschenden Ordnung und allem, an das seine Frau und
sein Neffe glaubten.
Sta’el konnte keinem von ihnen zustimmen. Sie alle übersahen den
entscheidenden Faktor: Die Romulaner selbst. Die Zerrissenheit, die jeden
einzelnen von ihnen allen auszeichnete.
So stritten sie ein ums andere Mal, bewarfen sich mit ihrem Thesen und
bauten spitzohrige Utopien.
Der einzige, der vollkommen unbeeindruckt von diesen ganzen
Diskussionen blieb, war Niklan. Der Junge nahm diese für ihn so neue Welt
als das, was sie war: Einfach eine neue Welt. Mit großen Augen des
Staunens wanderte er durch die Straßen Romulus und lernte die Sprache
so schnell, wie es nur ein Kind konnte.
Gleichzeitig aber veränderte ihn diese Reise auch. Seine romulovulkanische
Seite wurde von Tag zu Tag stärker. Auf der einen Seite wurde er dadurch
noch fröhlicher, noch ausgelassener. Auf der anderen Seite lag seine Wut
und Leidenschaft nur noch knapp unter der Oberfläche. Das Feuer, das
beide Rassen in sich trugen, ergriff nun von ihm Besitz. Und auch sein
betazoides Erbe schlug immer stärker durch. Eigentlich entwickelten
betazoide Kinder erst in der Pubertät ihre telepathischen Fähigkeiten, doch
durch den genetischen Mix hatte diese Entwicklung bei Niklan schon im
Kleinkindalter eingesetzt.
Das kleine, unschuldige Kind, das er noch auf der Community gewesen war,
wuchs hier auf Romulus zu einem kleinen Rabauken heran, der seine
Umwelt mit derben Späßen und telepathischen Ausbrüchen an die Grenzen
ihrer Geduld brachte.
Der auf dem Balkon sitzende Vulkanier trank den letzten Schluck seines
Getränks und erhob sich. Er ging hinein in das etwas wärmere Hotelzimmer
und wäre beinahe über Niklans Spielzeug gestolpert. Es wurde wirklich Zeit,
dass sie das emotionale Kontrolltraining verstärkten. Solak scheute davor
noch zurück. Er hatte Angst, dass die frische Beziehung, die er gerade zu
seinem Sohn entwickelte, davon wieder zerstört werden könnte. Sein Gatte
war anderer Meinung. Und er war sich sicher, dass er Solak würde zur
Vernunft bringen können. Bald.
In diesem Moment klopfte es an der Tür und riss den Vulkanier aus seinen
Betrachtungen.
Sta’el zögerte. Wer konnte das sein? Solak und Niklan würden erst in
einigen Stunden zurückkommen. S’Talon war bei ihnen. Latta war im
Hauptquartier des Tal’Shiar.
Sollte er die Tür öffnen? Die Tür nicht zu öffnen mochte noch verdächtiger
wirken, immerhin war der Rezeption bekannt, dass er sich im Zimmer
aufhielt.
Schließlich entschloss Sta’el sich für das Öffnen. N’Chala stand vor ihm –
Lattas rechte Hand und Vertraute. N’Chala war in alles eingeweiht und
ihnen in den letzten Wochen zu einer guten Freundin geworden. Doch nun
sah ihr sonst heiteres Gesicht besorgt aus.
„Wir müssen reden.“
Sie betrat das Hotelzimmer und aktivierte einen versteckten Störsender, so
dass sie ungestört waren. Ohne weitere Umschweife kam die junge
Romulanerin zur Sache:
„Wir müssen befürchten, dass Lattas Feinde von Euch erfahren haben.“
Sta’el brauchte einige Sekunden um zu begreifen, was sie mit diesem Satz
meinte. Die romulanische Art zu denken und überall Feinde zu sehen, war
ihm fremd. Die Einstellung, dass jeder Fremde – und noch mehr jeder
Freund – eine potentielle Gefahr war, verstand er einfach nicht.
„Wie konnte das passieren?“
„Wir wissen es nicht. Aber zwei Zimmermädchen des Hotels sind seit zwei
Tagen verschwunden. Wir müssen davon ausgehen, dass sie sie haben.
Und wenn sie sie foltern…“ Die junge Frau beendete den Satz nicht.
„… dann werden sie viel über die Gäste des Hotels erfahren. Viele Dinge,
die in misstrauischen Geistern einen Verdacht erregen könnten.“ Der
Vulkanier nickte mit ruhiger Miene. „Ich verstehe. Was sollen wir nun tun?“
N’Chala stand stramm vor ihn. So, als besuche sie nicht einen Freund,
sondern als erstatte sie ihrer Vorgesetzten Bericht. „Der Colonel bereitet
Ihre Flucht vor. Wir wissen allerdings noch nicht, wem wir vertrauen können.
Sagen Sie Ihrem Mann und seinem Onkel, dass sie sich ruhig verhalten und
in den nächsten Tagen nicht das Hotel verlassen sollen. Tun Sie so, als sei
der kleine Niklan krank geworden. Nun muss ich wieder gehen. Bitte seien
Sie vorsichtig.“
Nachdem sie ihn verlassen hatte, setzte Sta’el sich langsam in einen
Sessel. Auch, wenn die Gefahr einer Entdeckung immer bestanden hatte,
so hatte er die Wahrscheinlichkeit dafür immer als sehr gering eingeschätzt.
Anscheinend hatten seine Berechnungen einen Fehler. Hatte er der
romulanischen Natur tatsächlich genügend Beachtung geschenkt?
Alles war schwieriger geworden, nachdem Latta vor einigen Tagen befördert
worden war. Bei den üblichen Überwachungen - wie sie jeder höhergestellte
Romulaner gegenüber allen anderen ihn umgebenden Romulanern anstellte
– war sie über eine Verschwörung gestolpert, die den Rat stürzen wollte.
Monatelang hatte sie Beweise gesammelt und sie schließlich dem Rat
präsentiert. Die Verschwörung war zerschlagen, Latta zum Dank befördert
worden. Seitdem hatten sie noch vorsichtiger sein müssen. Ein
angeheirateter Neffe in der Sternenflotte. Ein angeblicher toter Ehemann,
der aktiv im Widerstand arbeitete. Genügend Material, um Latta nicht nur
das Genick zu brechen.
Ihre Geheimhaltung war perfektioniert worden. Latta hatte sich seit ihrer
Beförderung nicht mehr bei ihnen blicken lassen. Schließlich hatte die neue
Chefin der MindWar-Division keine Zeit mehr für entfernte Verwandte aus
dem T’Mer-System. Die Rückreise-Tickets waren gebucht.
Und nun… Zwei Zimmermädchen verschwanden. Zimmermädchen, die in
dem Hotel arbeiteten, in dem sie alle sich regelmäßig getroffen hatten. Eine
verschwundene Bedienstete hätte Zufall sein können. Zwei gaben Anlass
zur Sorge.
Sta’el schüttelte den Kopf. Solak war so brav gewesen! Keine
größenwahnsinnigen Spionageaktionen. Keine Besuche des Tal’Shiar. Kein
Herumspielen mit irgendwelchen Sicherheitssystemen. Er hatte sich
verhalten wie ein lieber, kleiner Tourist. Und trotzdem wurden sie nun
hineingezogen in dieses Gespinst aus romulanischen Verschwörungen. Die
Menschen hätten das wohl als gerechte Strafe für seine sonstigen
Verfehlungen angesehen.
Der Vulkanier stand auf und bereitete sich noch einen 'Tee'. Irgendwann
sollte er noch einmal seine eigene Logik überprüfen, die ihn zu der Bindung
mit Solak bewogen hatte. So logisch ihm die Entscheidung damals
erschienen war, so sehr hatte er sich mittlerweile im Verdacht, dass er sein
Urteil durch Leidenschaft hatte beeinflussen lassen…
Ein Lächeln huschte über das unbeobachtete Gesicht des Mannes. Wie
würden die Romulaner jetzt sagen? Fvadt!
Geschrieben von: Selina Kyle am Jun 19 2005, 18:22
Selina öffnete die Türe und sah in die Wohnung hinein. Alles war
abgedunkelt. Sie stellte ihre Taschen ab und betrat mit ihrer Tochter den
Flur.
Vorsichtig betrat sie Yasmins Zimmer und ließ die Rolläden hochfahren.
Sofort drangen Sonnenstrahlen durch das Fenster und erhellten den Raum
mit Licht und Wärme. Selina ging in jeden einzelnen Raum um Licht in die
Wohnung zu lassen. Es war einige Zeit vergangen seit sie das letzte Mal
hier gewesen war. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht machte sie sich
daran, die Taschen auszupacken. Yasmin half ihr dabei so gut sie konnte
mit.
Die Auspackaktion wurde durch das Piepen des Nachrichtenterminals
unterbrochen. Selina zwinkerte ihrer Tochter zu und begab sich ins
Wohnzimmer. Sie aktivierte den Schirm und war mehr als überrascht über
das Gesicht das sie dort sehen konnte.
„Endlich erreiche ich dich!“
„Matt ....“ Selina brachte es nicht zustande irgendeine Art von Begeisterung
zu zeigen.
„Wie geht es dir? Und Yasmin? Ich habe da so einiges von eurer letzten
Mission gehört. War es sehr gefährlich?“ Matt Price schien tatsächlich sehr
besorgt zu sein. Dies überraschte Selina ein wenig. So war sie doch von
ihrem Ex-Freund in der letzten Zeit eher eine kaltschnäuzige und arrogante
Art gewohnt gewesen.
„Danke, es geht uns gut. Uns ist nichts geschehen.“ Der Halbbetazoid wirkte
erleichtert.
„Da bin ich froh. Ich habe ständig versucht dich zu erreichen und erst jetzt
habe ich eine Verbindung bekommen. Ich war sehr in Sorge.“
Selina musste lächeln. „Ich denke, das lag daran, daß die Primärsektion
zerstört wurde. Ich habe es erst vor 3 Stunden bewerkstelligen lassen, daß
sämtliche Nachrichten hierhergeleitet werden.“
„Wo hälst du dich überhaupt auf? Auf der Erde?“
„Ja, auf der Erde. Mehr brauchst du nicht zu wissen.“ Matt’s
Gesichtsausdruck wurde ein wenig grimmig, hellte sich aber dann gleich
wieder auf.
„In Ordnung. Hör mal, ich habe da eine Bitte an dich.“ Selinas Augenbrauen
wölbten sich ein wenig nach oben.
„So? Was möchtest du?“ Matt räusperte sich. Es fiel ihm sichtlich schwer die
richtigen Worte zu finden.
„Nun .... also ..... ich und Elizabeth treten morgen unseren Urlaub an und ich
.... wir würden gerne Yasmin dabei haben.“
Selinas Gesichtszüge entgleisten komplett als sie das zu hören bekam.
„Was? Das kann doch nicht dein Ernst sein?“
„Doch, das ist mein Ernst. Ich habe dir gesagt, daß ich so viel Zeit wie
möglich mit Yasmin verbringen möchte und dieser Urlaub ist die ideale
Chance dafür.“
Selina schüttelte entrüstet den Kopf.
„Nein, das kann ich nicht zulassen!“
„Und wieso nicht?“ Matt wirkte sichtlich enttäuscht.
„Ich kenne SIE doch nicht einmal. Glaubst du wirklich, ich überlasse einem
fremden Menschen mein Kind?“
„Aber du kennst mich! Und glaube mir, Elisabeth ist eine wundervolle
Person. Sie würde Yasmin niemals etwas antun.“
Selina wusste nicht, was sie tun sollte. Auf der einen Seite war sie froh, daß
Matt nun endlich Interesse an seiner Tochter zeigte. Auf der anderen Seite
war aber seine neue Freundin. Eine Person die Selina nicht kannte und
schon gar nicht vertraute. Selina spürte die Angst ihre Tochter an diese
beiden Menschen zu verlieren, doch ihre Vernunft übermannte ihre Sorgen,
diesesmal.
„Okay, ich werde darüber nachdenken.“
Matt wirkte erleichtert.
„Danke, ich schicke dir eine Datei, wo unser Aufenthaltsort markiert ist und
wie das Hotel heißt.“
Selina nickte. „In Ordnung. Sollte ich mich dafür entscheiden, bringe ich
Yasmin dann dort vorbei.“
Matt lächelte. „Danke, Selina.“
Die Verbindung wurde unterbrochen und Selina ließ sich auf das Sofa
zurückfallen. Fragend und ratsuchend sah sie zur Decke.
Was würde noch alles geschehen?
Geschrieben von: O'Tra am Jun 20 2005, 00:14
O’Tra ergriff die ausgestreckte Hand von Ens. Grey. „Tut mir sehr leid, dass
Sie uns schon wieder verlassen“, meinte er ehrlich. Der junge Counsellor
war dem Bolianer sehr sympathisch gewesen. Ein Schauer lief dem Bolianer
über den Rücken, als er daran dachte, was die Sternenflotte als nächstes
für einen Seelenklempner auf die Community abkommandieren würde…
„Und wegen der Einladung zum Essen: Ich denke, es wird sich sicher eine
Gelegenheit ergeben, da wir noch eine Zeitlang im Erdorbit verbringen
werden. Sie wissen ja, wo sie mich finden.“
Dann blickt sich O’Tra prüfend um und trat etwas näher an den Menschen
heran. „Dorian, vielleicht können sie mir ja noch einen kleinen Gefallen tun
und mir einige psychologische Sitzungen bescheinigen, bevor sie gehen?“
fragte er verschwörerisch. „Das würde mir den Aufenthalt hier sehr
erleichtern…“
„Chief, am Terminal im Nebenraum ist ein Gespräch für Sie eingegangen“,
wurde er von McNeill unterbrochen. Der Counsellor verabschiedete sich
auch von der Ingenieurin und ging zur Tür. O’Tra wusste nicht, ob er das
Grinsen von Dorian als Zustimmung deuten sollte, als dieser den
Maschinenraum verließ…
--Der Anrufer war Cmdr. DeFromage, Leiter der Jupiter-Schiffswerften. O’Tra
hatte sich nach langem Überlegen entschieden, dem Rat von Mike nicht zu
folgen und auf der Community zu bleiben, um abzuwarten was passieren
würde. Wo sollte er sich auch verstecken?
Der Bolianer hatte einen Antrag auf temporäre Versetzung auf die JupiterSchiffswerften gestellt, wo die Community gebaut worden war und wo auch
die neue Primärsektion entstehen sollte. Die Schäden an den beiden
anderen Sektionen waren überschaubar. Da sie vor der letzten Mission erst
modernisiert worden waren, würden sie bald wieder einsatzbereit sein.
Chief O’Tra hatte ein Gerücht gehört, dass die Sekundär- und die
Tertiärsektion bis zur Fertigstellung der neuen Primärsektion der
Sternenflottenakademie zugeteilt und unter dem Kommando von Esteban
und Bishop von den Kadetten für Übungsflüge genutzt werden sollten. Der
Bolianer hoffte inständig, dass das wirklich nur ein Gerücht war… Kadetten
im Maschinenraum und auf der Brücke, da war der nächste Werftaufenthalt
vorprogrammiert….
--„Was soll das heißen, ich darf nicht beim Bau der der neuen Primärsektion
mitwirken?“ fragte O’Tra ungläubig, nachdem Cmdr. DeFromage den Grund
seines Anrufes mitgeteilt hatte.
„Ich kann es doch auch nicht ändern, Chief. Anweisung von oben. Wenn
Bedarf besteht, können Sie ja eventuell nach der Fertigstellung bei der
Feinabstimmung der Systeme mitwirken. DeFromage Ende.“
Wütend beschloss O’Tra Feierabend zu machen…
Geschrieben von: Vinara Shral am Jun 20 2005, 10:49
Mit Logik schien sich die Entscheidung der vulkanischen Behörden nicht
erklären zu lassen, doch Vinaras Zieheltern, die wieder ihre alten
romulanischen Namen Torin und Senna angenommen hatten wurden mehr
oder weniger offiziell als Flüchtlinge anerkannt. Da sie sich in den
vergangenen Jahrzehnten nichts mehr zu Schulden hatten kommen lassen
und ihnen sogar ein aufrichtiges Bemühen um vulkanische Werte attestiert
werden konnte, welche sie sogar an ihre andorianische Adoptivtochter
vermitteln hatten können, schien eine weitere strafrechtliche Verfolgung
nicht länger nötig. Botschafter Spock wurde über die üblichen geheimen
Kanäle informiert, das Schicksal der einstigen Spione konnte vielleicht
weiteren Romulanern ein Ansporn sein sich mit der vulkanischen Kultur zu
befassen.
Für Vinara konnte der Urlaub nun richtig beginnen, doch gerade als sie es
sich auf einer Liege im Garten besonders gemütlich gemacht hatte fiel es ihr
siedend heiß ein: Sie hatte der cardassianischen Regierung noch gar nicht
ihr Beileid für die Zerstörung der beiden Schiffe im Doramess-System
zukommen lassen. Eigentlich wäre es Aufgabe des Captains gewesen
dieses Schreiben zu verfassen, doch es schien eher unwahrscheinlich dass
Stewart sich vor seiner Abreise noch darum gekümmert hatte. Also setzte
sie kurzerhand den Brief auf; die genauen Aufzeichnungen hatte sie bei sich
und hängte sie sogleich an den Brief an, welchen sie nach zwei Stunden
endlich fertig hatte. Doch sie konnte ihn nicht gleich so an Cardassia
abschicken, zuerst musste er noch an das Sternenflottenkommando, an
welches sie gleich auch noch einen Bericht bezüglich der tragischen Vorfälle
beifügte. Hoffentlich würde man die Andorianerin nicht auch noch vor einen
Untersuchungsausschuss zitieren... Doch eigentlich war der Bericht
ausführlich genug. Das Kommando würde den Brief dann hoffentlich schnell
genug an die cardassianische Botschaft weiterleiten.
Nun konnte sie endlich...
Doch von wegen. Ihre Mutter kündigte einen Anruf von der Sternenflotte an.
Hatten sie schon so schnell reagiert? Vinara ging in das Haus und trat vor
das Terminal.
Ein Mann Mitte 60 in Kommandouniform begrüßte sie. "Commander, ich bin
Captain Charles Pratchett. Nein, ich werde nicht Ihr neuer Vorgesetzter sein,
diese Frage ist längst noch nicht geklärt. Am aktiven Dienst kann ich aus
medizinischen Gründen ohnehin nicht mehr teilnehmen, stattdessen
kümmere ich mich um die Beurteilung und Förderung von
Kommandofähigkeiten bei führenden Offizieren der Sternenflotte. Bei Ihnen
bestanden da noch vor Kurzem erhebliche Zweifel, doch in der letzten Zeit
scheinen Sie sich deutlich gebessert zu haben. Ich möchte Ihnen daher ein
Schulungsprogramm anbieten, dass Ihnen eine weiterführende Karriere in
der Kommandolaufbahn ermöglichen wird. Zunächst einmal werden Sie auf
jeden Fall zum offiziellen Zweiten Offizier der Community ernannt; wenn Sie
noch mehr Kommandoeinsätze fliegen und auch der einen oder anderen
Versetzung nicht abgeneigt wären, könnten Sie schon in ein, zwei Jahren
vollwertiger Commander sein und in weiteren drei bis fünf Captain. Nun, was
halten Sie davon?"
"Ich fühle mich geehrt, aber ich hätte nicht mehr damit gerechnet dass..."
"Bei uns erhält jeder eine Chance der geeignet erscheint. Sollten Sie sich
schon jetzt für eine Versetzung entscheiden könnten Sie als Erster Offizier
auf der U.S.S. Schweizer dienen, einem Forschungsschiff der MirandaKlasse. Die Ausrüstung ist auf dem Stand der letzten Generation, nicht ganz
mit dem vergleichbar was Sie auf der Community haben, aber Sie könnten
dort nach nur wenigen Monaten befördert werden."
"Wie gesagt, ich fühle mich geehrt, aber ich habe Verpflichtungen die mich
als leitenden Wissenschaftlichen Offizier weiterhin an die Community
binden. Allerdings... Haben Sie vielleicht schon darüber nachgedacht
Commander Kyle zum Captain zu befördern? Ich könnte dann Erste
Offizierin werden und nach wie vor auch meinen Verpflichtungen als
Wissenschaftlerin nachkommen."
Captain Pratchett stand der Mund offen. "Potzblitz, darüber habe ich
tatsächlich noch nicht... " Er nahm ein PADD zur Hand. "Nun, in gewisser
Hinsicht erscheint Ihr Vorschlag sogar logisch, die Besatzung müsste sich
so nicht mehr an ein vollkommen neues Gesicht gewöhnen. Dennoch
erscheint mir Commander Kyle nicht gerade als geeignetste Kandidatin, sie
ist noch sehr jung und obendrein Mutter... Ich finde man sollte sogar ein
Gesetz verabschieden nach dem keiner unter 40 zum Captain befördert
werden darf. Immer wieder werden Leute zu schnell befördert und dann gibt
es nicht selten Ärger. Ich werde mich auf jeden Fall dafür einsetzen dass der
neue Captain der Community in erster Linie Wissenschaftler und Diplomat
ist und erst an zweiter Stelle Soldat. Die Sternenflotte sollte wieder zu ihren
Ursprüngen zurückkehren, das ganze militärische Gerassel ist doch nicht
mehr zum Aushalten. Denken Sie über meine Vorschläge nach! Pratchett
Ende."
Geschrieben von: Assjima am Jun 20 2005, 19:56
Und ewig singen die Wälder Teil 1
Seyann Draschu … Hier war sie geboren. Doch aus den wenigen Jahren
ihrer Kindheit auf diesem Mond hatte Assjima nur noch wenige
Erinnerungen. Heute bedeutet dieser Ort für sie in erster Linie Abreise und
Ankunft - und ein paar Freunde, die sie gelegentlich besuchte.
Langsam ließ sie sich mit dem Strom durch die Straßen der unterirdischen
Hafenstadt treiben. Die bunten Fassaden, die einladenden Schaufenster,
die kleinen Cafés … alles war so vertraut und gleichzeitig fremd und
unwirklich. Vor allen Dingen die vielen freundlichen, oft lachenden Gesichter
um sie herum. Wie sehr hatte sie sich danach gesehnt und wie verwirrend
war es nun, da sie endlich wieder hier war. Der letzte kurze Urlaub lag erst
wenige Wochen zurück, doch schien es unendlich lang her zu sein, dass sie
ihren Dienst auf der Community antrat. Zuviel war inzwischen passiert.
Da war es! „Merkalms“ - das kleine Café, welches Assjima immer aufsuchte,
wenn sie auf einen Transfer wartete oder anderweitig ein paar Stunden Zeit
totzuschlagen hatte. Ein ruhiger Tisch mit gutem Blick auf das bunte Treiben
auf der Strasse war auch frei. Assjima ließ sich nieder und musste
schmerzlich feststellen, dass es hier immer noch keinen terrestrischen
Kaffee gab. So langsam sollte sie sich doch ernsthaft Gedanken über
gewisse neue Angewohnheiten machen.
Der Wirt brachte unaufgefordert einen Muselbeerensaft und reichte ihr breit
grinsend ein Zeitungs- Pad. „Frau Sternenflotten-Offizierin sehen aus, als ob
Sie dringend ein Update in Sachen Tratsch auf Delta IV benötigen. Ich habe
alle wichtigen Neuigkeiten eigens für dich gesammelt!“ Assjima nahm das
Pad lachend entgegen. „Danke Merkalm – wie immer schaffst du es, meine
geheimsten Wünsche zu erahnen“ „Deine Wünsche sind sehr leicht zu
durchschauen, Assjima. Kann ich dir noch was anderes bringen?“ „Einen
irdischen Kaffee kannst du nicht zufällig organisieren? Ich glaube, ich bin
inzwischen abhängig geworden.“ „Du meinst dieses braune bittere Gesöff,
das die Terraner immer trinken? Bist du wahnsinnig? Ich will doch meine
Gäste nicht vergiften. Wer hier so was zu sich nehmen will, der muss zu
„Mikes Corner“ rüber gehen. Da gibt es sogar Bier!“ Merkalm schüttelte sich
und Assjima gab ihm einen aufmunternden Klaps auf die Schulter. „Keine
Sorge, so weit ist es mit mir doch noch nicht gekommen. Ich werde dir treu
bleiben, auch ohne Kaffee.“ „Ich danke dir! Und ich verspreche im
Gegenzug, nur dann krank zu werden, wenn du im Lande bist – du meine
Lieblingsärztin!“ Der Wirt entfernte sich lachend und Assjima vertiefte sich in
das Pad.
Es war viel passiert in diesen wenigen Wochen, doch nichts von Bedeutung.
Was war von Bedeutung? Die Deltanerin betrachtete nachdenklich die
Passanten auf der Straße. Gab es etwas von wirklicher Bedeutung …?
Plötzlich legten sich von hinten zwei kräftige Arme um sie und eine dunkle
Stimme flüsterte ihr ins Ohr: „Che Assjima minsa – warum starrst du hier
Löcher in die Luft?“ Die Ärztin fuhr erschrocken herum und starrte in das
verblüffte Gesicht eines gutaussehenden Deltaners mittleren Alters. „Setak –
du? Was machst du hier?“ „Ja, ich bin’s … und ich wohne immer noch hier.
Wundert dich das? Habe eben im Spaceport erfahren, dass du gelandet
seiest und dachte mir, dass ich dich hier finden würde ...“ Er ließ sich ihr
gegenüber nieder und schaute sie fragend an. „Ich wollte dich wirklich nicht
erschrecken … Was ist mit dir? Du bist ganz blass …“ Assjima schüttelte
sachte den Kopf „Es geht schon. Ich war nur nicht darauf vorbereitet, dich so
plötzlich zu treffen. Ich war nicht darauf vorbereitet, überhaupt jemanden
hier zu treffen.“ „Warum nicht? Du kennst massenhaft Leute in der Stadt.
Und du hast keinem deiner Freunde gesagt, dass du kommen würdest.
Nicht einmal mir …“ Setak sah ein wenig beleidigt aus und die zögerliche
Antwort Assjimas ließ sein Gesicht. noch etwas länger werden „Ich weiß
nicht – ich habe wohl einfach nicht daran gedacht ... Nein, um ehrlich zu
sein glaube ich, dass ich niemanden treffen wollte.“ Setak machte
Anstallten, sich zu erheben „Ich kann wieder gehen, wenn du lieber allein
sein möchtest.“ „Nein, entschuldige bitte! So war das nicht gemeint. Ich
freue mich wirklich, dich zu sehen. Ich bin nur etwas … durcheinander. Bitte
bleib!“ Am liebsten hätte sie sich unsichtbar gemacht. Der Deltaner griff
nach ihrer Hand „Was ist los mit dir, Schatz?“ Bei diesem Wort zuckte sie
unwillkürlich zusammen. Hatte er ein Recht, sie so zu nennen? Hatte
überhaupt jemand das Recht dazu? Jemand außer Sikarii und … „Assjima –
hörst du mich überhaupt? Komm, lass uns ein paar Schritte gehen.“ Er zog
sie vom Stuhl hoch, gab dem Wirt ein Zeichen und führte sie an der Hand
durch den Trubel der Hauptstraße in einen ruhigen kleinen Park um die
Ecke.
„Und jetzt erzähle – was ist passiert? Du bist kaum wieder zu erkennen.“
„Ich weiß es nicht, Setak. Ich kann es nicht erklären – noch nicht. Ich habe
eine Erfahrung gemacht, die womöglich unser aller Weltbild verändern
könnte. Aber wenn ich mich zu früh darüber äußere, wird man mich nicht
ernst nehmen. Ich muss ein paar Versuche machen, empirische Daten
ermitteln, fundamentierte Überlegungen anstellen. Ich bin Wissenschaftlerin
und will es auch bleiben. Ich will nicht als mystische Spinnerin abgestempelt
werden. Und ich brauche dazu vielleicht deine Hilfe als Physiker – deine
unvoreingenommene Unterstützung als Ratgeber und Experimentator.
Deswegen kann ich dir noch nicht erzählen worum es geht.“ „Gut, wenn du
es so willst – du kannst dich auf mich verlassen. Ich werde kommen, sobald
du mich rufst.“ Er nahm Assjima in den Arm und drückte sie fest an sich.
Unwillkürlich spannte sich ihr Körper an und erneut machte sich Verwirrung
in seinem Gesicht breit. „Geht es soweit, dass unser Verhältnis zueinander
davon beeinflusst wird? Brauchst du mich jetzt nur noch als
Wissenschaftler?“ „Nein, nein! Es ist nur …“ Assjima schluckte „Ich glaube
ich werde es niemals schaffen. Ich werde nie von ihm loskommen.“ Setak
ließ sich auf einer Bank nieder, zog sie zu sich hinunter und legte den Arm
nun sehr sanft um ihre Schultern. “Ich weiß, ich bin nicht der Mann, der dich
vergessen lässt. Aber Sikarii ist nun schon so viele Jahre tot. Warum gerade
jetzt wieder?“ Er sah sie prüfend an und Assjima spürte, wie er ihre Bilder
durchforstete. Plötzlich verdunkelte sich seine Mine. „Sag, dass es nicht
wahr ist!“ „Was soll nicht wahr sein?“ Sie konnte ihm nicht folgen. „Was
siehst du?“ „Was ich sehe? Ich sehe … jedenfalls nicht Sikarii, sondern
einen verd … einen Terraner! Du hast doch nicht etwa …?“ Sein Blick
bekam fast etwas Drohendes. „Nein, ich habe nicht. Und ich werde auch
nicht. Ich halte mich an meine Gelöbnisse.“ Assjima Stimme war kaum noch
hörbar. „So kannst du es tatsächlich sehen? Ich wusste es selber nicht ...bis
eben.“ Sofort war Setak wieder etwas versöhnlicher gestimmt. „Ich verstehe
dich wirklich nicht, Assjima. Ich habe mit deiner eigenartigen, monogamen
Einstellung nie sehr viel anfangen können. Erst hängst du dein Herz
jahrelang an einen Toten und dann ist der Mann, der die wunderbare
Chance erhält, erneut ein Fenster zu deiner Seele zu öffnen, ausgerechnet
ein Mensch. Warum wählst du immer das Unerreichbare?“ „Ich wähle nicht,
Setak. Aber ich werde es nicht zulassen. Es darf nicht sein.“ Sie lehnte sich
an ihn und er spürte, dass ihre Wange feucht wurde. Er drückte ihr sanft
einen Kuss auf den Kopf und wartete. Er wartete, bis sie sich beruhigt hatte.
Er wartete, bis das Transfershuttle seinen Weg zum Planeten antrat und er
würde warten, bis sie den Terraner vergessen hatte. Er würde wohl immer
nur die Nummer Zwei bleiben – aber eine erreichbare Nummer Zwei.[B][/B]
Geschrieben von: Bjørn Niels van Richthoven am Jun 20 2005, 21:55
Schon aus der Luft konnte man den Tiergarten erkennen. Die Sonne schien
vom Himmel und es waren bestimmt 35°C im Schatten. Der Pilot nahm
diesen als Anhaltspunkt und steuerte das Shuttle an der Siegessäule vorbei
die Straße des 17. Juni entlang. Bald hatten sie das Ziel erreicht. Schon
kam das Brandenburger Tor in Sicht. Dieser Teil der Metropole hatte nichts
von seinem Charm verloren. Das Tor und der Reichstag, der Sitz der
ehemaligen deutschen Regierung, waren immer wieder saniert worden,
nachdem sie als Weltkulturerbe erklärt worden waren. Noch ein kleiner
Schwenker nach rechts und da war er, der Potsdamer Platz.
Auf dem Dach neben dem "Sony-Center" konnte Niels seine Eltern
erkennen. Er hob die Hand und winkte ihnen, doch sie konnten es natürlich
nicht sehen. Der Pilot landete in der Mitte der Anordnung, von der aus die
Straßen sternförmig ausgingen. Niels bedankte sich und kletterte aus dem
Shuttle. Endlich war er wieder zu Hause. Noch ein paar Schritte und
Stockwerke und er würde seine Eltern wiedersehen. Ein Kribbeln durchfuhr
ihn. Doch dann ging mit schnellen Schritten auf den Eingang des Hauses
zu. Er wurde immer schneller, bis er schließlich rannte. Es dauerte ihm zu
lange auf den Fahrstuhl zu warten und so rannte er die Stufen hinauf bis in
das oberste Stockwerk. Niels war so aufgeregt, dass er drei Versuche
brauchte, bis er es schaffte den richtigen Code in das Türschloss
einzugeben. So wie ein kleines Kind stürmte er auf die Dachterasse.
"Mama, Papa!!" rief er.
Lena schaute in die Richtung des Ausrufs. Sie fühlte sich, als hätte sie
gerade einen Geist gesehen. Obwohl schon vor einigen Tagen die Nachricht
des Admirals eingetroffen war, konnte sie es nicht glauben, bis zu diesem
Augenblick. Zu tief saß die Angst, dass alles doch nicht stimmte. Sie nahm
Niels in den Arm und drückte ihn so sehr, dass ihm die Luft wegblieb.
Peer hielt sich zunächst zurück. Er wusste, wie viel die Geschichte seiner
Frau zugesetzt hatte. Er hatte sich auch sehr hilflos gefühlt, doch er hatte
Lena in der schweren Zeit gestützt.
Es schien so, als ob sie ihn gar nicht wieder los lassen wollte. Schließlcih
trennte sie sich doch von ihm. Mit der rechten Hand strich sie ihnm durch
das Gesicht. Sie musste ihn fühlen um zu glauben, dass er wirklich wieder
da war, ihr Niels. Eine Träne lief ihr über die Wange, eine Träne der Freude.
Nachdem Lena sich zumindest ein wenig von ihrem Sohn getrennt hatte,
umarmte Peer ihn. "Es ist schön dich wiederzuhaben!" flüsterte er ihm ins
Ohr.
"Komm, Niels setzt dich zu uns!" forderte Peer ihn auf und führte ihn zu der
Sitzgruppe unter einem großen Sonnenschirm, "und erzähl uns wie es dir
ergangen ist. Das Flottenkommando war leider nicht sehr mitteilsam." So
erzählte die Geschichte, wobei er die Geheimen Aspekte ausließ und etwas
Härte hinaus nahm um seine Eltern nicht zu beunruhigen. Seine Mutter
hatte sich die ganze Zeit an ihn geschmiegt.
Der Tag näherte sich langsam seinem Ende, als man Schritte in der
Wohnung hören konnte. Niels Halbbruder Frank war von der Arbeit
zurückgekehrt und betrat die Terasse. Niels und Frank standen sich sehr
nahe, obwohl Frank 5 Jahre älter war und eine andere Mutter hatte. Niels
hatte in seiner Kindheit immer ein Vorbild in ihm gesehen, außer bei seiner
Jobwahl.
Niels war aufgestanden und ging ein paar Schritte auf ihn zu. Die beiden
jungen Männer fielen sich in die Arme. Nachdem sie sich wieder gelöst
hatten, sah er Niels tief in die Augen und meinte: "Ich hab' dich vermisst,
Kleiner!" Dabei wuschelte er ihm durch die Haare.
Lena und Peer entschieden nach dem aufregenden Tag früh zu Bett zu
gehen. Die Jungs hingegen wollte noch eine kleine Runde durch die Stadt
drehen...
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Jun 21 2005, 15:43
Jeremiah drehte sich gerade in seinen Bett herum und wurde von einen
Lichtstrahl geblendet. Er wollte schon den Knopf drücken, der das
Zimmerfenster polarisierte, als sein Blick auf den Wecker fiel. „Verdammt,
schon zehn vor halb elf.“, dachte er noch verschlafen, bevor er sich
aufsetzte. Danach suchte er sich ein paar Sachen zusammen und
verschwand im Bad. Eine gute viertel Stunde später betrat der Lieutnant
frisch geduscht auch schon die Küche. Um Zeit zu sparen, benutzte er den
Replikator und bestellte sich bei dem Gerät einen Kaffee und ein großes
belegtes Brötchen.
Elizabeth hatte von dem Wohnzimmer aus den jungen Mann rumoren hören.
Daher stellte sie sich in den Türrahmen und bemerkte: „Na ausgeschlafen?“
Jeremiah drehte sich herum, verschüttete dabei etwas Kaffee und erwiderte:
„Ja, denk schon.“ Er musterte die Verlobte seines Vaters und bemerkte: „Du
siehst aber nicht so aus, als hättest du letzte Nacht viel geschlafen.“
Elizabeth lachte kurz auf: „Das ist ja auch kein Wunder. Samuel ist die
Nacht dreimal wach geworden. und bis er wieder schläft, muss man ihn
meist eine Stunde lang in den Armen wiegen.“
Jerry setzte sich an den Tisch und bemerkte: „Ich habe nichts gehört,
obwohl mein Zimmer gleich neben euren liegt.“ „Samuel schreit nachts auch
nicht laut. Es ist mehr eine Art Wimmern. Aber als seine Mutter bin ich meist
nur im Halbschlaf und bin dann sofort wach, wenn ich es höre.“ Jeremiah bis
kurz in sein Brötchen, kaute und spülte die Masse dann mit einen Schluck
Kaffee runter. „Das klingt plausibel. Aber mal etwas anderes. Wann hat Dad
dir den einen Heiratsantrag gemacht.“
Elizabeth pruststete kurz bevor sie erwiderte: „Wieso hast du gestern Abend
nicht gefragt? Aber es ist vielleicht besser so, denn eigentlich habe ich ihn
gefragt. Zwar mehr so beiläufig und durch die Blume, aber dein Vater hat es
verstanden.“ Verschwörerisch fügte sie hinzu: „Erzähl es deinen Vater aber
bloß nicht, dass du es weißt. Das wurde seinen Stolz verletzten.“
Jerry nickte und widmete sich weiter seinen Frühstück.
Nach dem Frühstück beschloss Jerry, nach Hawaii zu fliegen. Selbst nach
der kurzen Zeit die er von Hanni getrennt war, vermisste er sie. Elizabeth
verstand das, bemerkte aber nur spitz: „Dann werde ich dich vor morgen
Mittag nicht sehen.“ Jeremiah nickte nur und ging ins ein Zimmer um ein
paar Kleidungsstücke zusammenzusuchen, die er mitnehmen wollte. Als er
fertig war verabschiedete sich Jerry von der zukünftigen Ehefrau seines
Vaters, strich seinen Halbbruder leicht über den Kopf und verließ das Haus.
Nachdem er sich durch den morgendlichen Verkehr von San Fransisco
gekämpft hatte, konnte er über den Pazifik endlich mal wieder die
Höchstgeschwindigkeit seines Gleiters ausreizen. Deshalb verwundert es
nicht, dass schon nach drei Stunden die Inselgruppe in Sicht kam. Jerry
entschied sich für die nördliche Route um die Inseln herum, um schneller zu
der Insel Molokai zu kommen, wo das Haus der Stevensons stand.
Hanni wollte saß gerade in der Küche beim Frühstück, als sie das Summen
eines Gleitertriebwerkes vernahm. Zuerst dachte sie, dass sich jemand
verfahren hätte, aber als sie das Kennzeichen erkannte, lächelte sie sich
und lief sofort zur Tür. Jeremiah wurde von ihr fast umgerannt, als er aus
dem Gleiter ausgestiegen war. Nach einen langen Kuss schnappte sich
Jerry seine Tasche und die beiden gingen Hand in Hand ins Haus.
Geschrieben von: Dorian Gray am Jun 21 2005, 19:50
Dorian tippte auf den Monitor vor sich und schloß die Akte. Selbstzufrieden
grinste er: Seine letzte Amtshandlung als Councelor.
Es würde Chief O'Tra sicherlich freuen, dass er nun einige Pflichtstunden
Therapie weniger zu absolvieren hatte. Nicht viele, aber auch dieses kleine
Geschenk würde einen Unterschied machen.
Dann stand der ab-jetzt-Ex-Councelor auf. Vor ihm auf dem Bett lag die
zerschlissene und verdreckte Uniform, die er während ihres Planeten'Abenteuers' getragen hatte. Er wusste nicht genau warum, doch er brachte
es nicht über's Herz, dieses Stück Stoff in den Recycler zu geben. Irgendwie
war sie ein Symbol für seine Zeit auf diesem Schiff. Wie er war auch sie
durch die Hölle gegangen.
Vorsichtig faltete er die Fetzen zusammen und steckte sie in seine Tasche.
Viel gab es nicht, das er mitnehmen konnte. Seine wenigen Habseligkeiten
waren mit der Primärsektion zerstört worden. Dies würde ein völliger
Neuanfang werden.
Just, als er als letzte Habseligkeit die kleine Pflanze von Lt. Solak in die
Tasche bettete, fiel sein Blick auf seine rechte Hand.
Seltsam... Bei all den Ereignissen in den letzten Tagen... Er hatte sich gar
nicht darum gekümmert, einen Termin bei Dr. Assjima zu bekommen um
seine Hand wiederherstellen zu lassen.
Langsam bog er die noch verbliebenen Finger einen nach dem anderen.
Als Linkshänder brauchte er seine rechte Hand nicht so häufig. Und
irgendwie hatte er sich darauf eingestellt, sich damit arrangiert, dass er nicht
mehr 'vollständig' war.
Und jetzt....
Natürlich gab es mehr als genügend Ärzte an der Akademie, die ihn
operieren könnten. Doch wollte er das wirklich?
Wie war es gewesen, als er noch alle zehn Finger hatte? Er konnte sich
nicht einmal mehr daran erinnern. Dieser Teil von ihm war in der Wüste
begraben worden.
Sich neue Gliedmaßen einpflanzen zu lassen... Die Wunden verschwinden
zu lassen....
Vielleicht würde er sich irgendwann entscheiden. Doch nicht heute.
Mit einem entschlossen Ruck klappte er den Deckel der Tasche zu. Fertig.
Er schulterte das Gepäck und sah noch einmal zurück in die Besenkammer,
die er in den letzten Nächten mit Milseya geteilt hatte. Bald würde auch der
Abschied von ihr kommen. Doch für sie hatte er sich etwas besonderes
einfallen lassen.
Sein Abschied von dem Schiff würde unprosaischer sein.
Zusammen mit drei anderen Crewmen bestieg er die Plattform des
Transporters. Einer nach dem anderen lösten sich die anderen auf und
verschwanden.
Dorian war der letzte. Er nickte dem Techniker hinter der Konsole zu. Noch
ein Blick....
Die U.S.S. Community versank vor ihm in silbrigem Transporternebel.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jun 21 2005, 22:02
Unwillkürlich seufzte Dorian auf. Das Ganze erschien zunächst wie eine
nicht zu erfüllende Geheimmissionen und beinahe wäre er daran verzweifelt,
doch dann schließlich ..
Die letzten Tage waren wie ein Rausch gewesen. Erst hatte er sein
Versprechen einlösen wollen: Ein Mahl auf dem Schloss (oder vielmehr der
Burg) seiner Väter. Doch wie es die Heimstätten der Väter so an sich hatten:
Seine halbe Familie war anwesend gewesen. Natürlich seine Eltern, aber
auch Grenny und Virginia nebst Ehegatten und Kindern. Das romantische
Abendessen, das er eigentlich geplant hatte, war so zu einem Beäugen der
Frau neben ihm geworden. Seine Mutter hatte Milseya mit Glückstränen in
den Augen angestrahlt, sein Vater ihm fortwährend auf die Schulter geklopft
und sein ältester Bruder war aus dem Grinsen nicht mehr herausgekommen.
Selbst seine sonst so stille Schwester Virginia war ihm nicht zu Hilfe geeilt.
All seine Beteuerungen, dass Milseya nur eine Freundin und beim besten
Willen nicht die zukünftige Mrs. Gray (bzw. Mrs. Wodehouse, Lady of Gray
and Warksworth) war, hatte nur zu wissendem Nicken seiner Geschwister
(Hatten sie das nicht auch einmal von ihren jetzigen Gatten gesagt?) und
noch mehr Schluchzen seiner Mutter geführt.
Gott, er liebte seine Familie, doch an diesem Abend hätte er gerne eine
Bombe zur Hand gehabt! Wäre doch nur Agatha als Stimme der Vernunft
zur Stelle gewesen!
Direkt am nächsten Morgen hatte Dorian Milseya aus der Burg gescheucht.
Er konnte immer noch später hierher zurückkehren, doch diese letzten Tage
wollte er mit ihr alleine und nicht mit Hochzeitsvorbereitungen verbringen.
Über einen Freund hatte er für sie ein Haus am Lago Maggiore gemietet.
Ein wunderschönes altes Haus, leicht baufällig, doch von einer derartigen
Romantik, dass es ihm den Atem verschlagen hatte. Viel hatten sie von dem
Haus und seiner Umgebung noch nicht erkundet - bis auf das Schlafzimmer.
Aber ihre Zeit hier war wunderschön gewesen…
Doch der Abschied rückte unaufhaltsam näher. Bald musste Milseya gehen
und sich bei der Anhörung einfinden, die über ihren weiteren Weg
entschied. Er würde sie nicht begleiten können, die Akademie begann bald.
Und so hatte er einen Plan geschmiedet: Ihr letzter Abend sollte
unvergesslich werden.
Es hatte sehr lange gedauert, bis er die wenigen Freunde Milseyas
aufspüren konnte und selbst die wussten über das Wesen mit dem er die
vergangenen Tage und Nächte verbracht hatte, so gut wie nichts.
Sprichwörtlich in letzter Sekunde hatte sich dann Milseyas Zimmernachbarin
von der Akademie gemeldet und ihm endlich einen entscheidenden Hinweis
geben können: „La traviata“ - eine alte italienische Oper von einem
gewissen Verdi. Scheinbar war Milseya völlig verrückt nach dieser Oper und
hatte sie sich zig Male angehört. Perfekt! Es würde ihren letzten
gemeinsamen Abend zu etwas Besonderem machen...
Dorian hatte eine Weile lang darüber nachdenken müssen, welche Farbe
seiner kleinen dunkelhäutigen Geliebten am besten stand, bis eines
Morgens ein Blick in ihre Augen ihm die Entscheidung abnahm – blau!
Nachdem er sich mehrere Modelle hatte zeigen lassen, fiel seine Wahl auf
ein schlichtes, stahlblaues Abendkleid aus fließender Seide. Für sich selbst
hatte er selbstverständlich seinen besten Smoking ausgewählt...
„Das war meine!“
Milseya sah Dorian mit schmollenden Lippen an, was ihn zu einem
spöttischen Lächeln verleitete.
„Nur, wenn du sie auch bekommen hättest“, erwiderte er grinsend. Er lehnte
sich zurück, fischte eine neue Erdbeere vom Teller auf dem Tisch und
schwenkte sie vor Milseyas Nase hin und her. „Na?“, forderte er sie heraus.
Milseya verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust. „Ich spiel nicht mehr mit!“,
erklärte sie immer noch schmollend. „Du spielst nicht fair.“
„Ooooch, sag bloss! Kann ich was dafür, dass du nicht schnell genug bist!“,
zog er sie auf, während er mit die Erdbeere sanft über ihren Mund strich. Sie
war einfach zu niedlich, wenn sie schmollte und der restliche Anblick von ihr
war .. nun ja, bezaubernd!
Milseya schenkte ihm einen bitterbösen Blick, während ihr das köstliche
Aroma der Erdbeere in die Nase stieg. Dorian grinste sie immer noch
herausfordernd an. Blitzschnell schnappte sie mit dem Mund nach der
Frucht .. und war wieder zu langsam. ARGH!!!
Dorian lachte sie laut aus und streckte ihr die Zunge heraus. „Nun dann will
ich mal nicht so sein“, meinte er schließlich versöhnlich. Er nahm die
Erdbeere zwischen die Zähne und beugte sich über sie.
Milseya drückte sich kichernd zurück ins Kissen. „Nein! Geh weg“, lachte sie
unter Dorians Erdbeerkuss auf und gab schließlich den Widerstand auf – sie
wollte diese Erdbeere haben!
Lachend erhob sich Dorian wieder und betrachtete wie sie genüßlich an der
Erdbeere sog und sie schließlich verspeiste...
Plötzlich wurde er ernst. "Bitte schließe deine Augen."
Verdutzt sah Milseya ihn an. „Wieso sollte ich?“
"Tu es einfach"
Skeptisch schloss sie ihre Augen und war gespannt, was sie nun erwarten
würde.
Dorian glitt von den Liegestuhl, auf dem sie beide sich tollten. Dann huschte
er zurück in die Villa und kam mit einem Paket zurück. Er legte es auf
Milseyas Bauch. "In Ordnung, du darfst wieder gucken."
Verduzt sah sie auf das Paket. „Was ist das? Und vor allem wofür?“ Sie
tastete das Paket ab. Es war nachgiebig, weich. „Ich will keine Geschenke
von dir, Dorian.“ Aber sie fühlte, wie die Neugier in ihr zu wachsen begann.
Er griente. "Zier dich nicht. Das ist weniger ein Geschenk an dich, als ein
Geschenk an mich. Heute ist mein letzter Tag in Freiheit, morgen geht es
zurück an die Akademie. Und diesen letzten Abend möchte ich genießen!"
Sie lachte „Das klingt, als ob du ab morgen keinen Spaß mehr haben
würdest!“ Welch absurde Idee! Dorian und keinen Spaß mehr haben! Allein
die Vorstellung brachte sie zum Lachen! „Na gut! Dann wollen wir mal
schauen..“ Sie öffnete vorsichtig das Paket. Als sie den Inhalt sah, verschlug
es ihr den Atem. „Ich verstehe nicht..“, sagte Milseya, als sie das Abendkleid
vor sich liegen sah. Es war atemberaubend schön.
Ihre Sprachlosigkeit freute ihn. "Und das ist nur der Anfang! Warte ab, bis du
den Rest siehst!"
„Ist da etwa noch mehr drin?“ Milseya wühlte in den Paket – nein, nur das
Kleid.
Spitzbübisch zwinkerte ihr Geliebter ihr zu. "Du wirst es nicht in dem Paket
finden. Wir haben noch etwa eine Stunde, dann müssen wir los. Willst du
dich nicht fertigmachen?"
„Fertig machen? Weshalb? Wohin müssen wir? Dorian! Was soll das
werden?“, rief sie überrascht.
"Ich werde nichts verraten! Warte es einfach ab und vertrau mir." Mit
plötzlichem Ernst sah er sie an. "Mili, ich weiß, wir haben vorher schon
darüber gesprochen, aber trotzdem...."
„Es hat sich nichts geändert, Dorian“, erwiderte sie ruhig. „Unsere
'Vereinbarung' gilt nach wie vor“, fügte sie an und spürte den kleinen, aber
deutlichen Stich in ihrem Herzen.“Das heißt aber nicht, dass ich dich nicht
vermissen werde“, hauchte sie ihm ins Ohr.
Erleichtert gab Dorian ihr einen Kuss auf die Wange. "Ich werde dich auch
vermissen. Aber ich schreibe dir, versprochen!" Er fischte die vorletzte
Erdbeere vom Teller neben sich. "Nach unserer Begegnung mit meiner
Mutter habe ich mir einfach ein wenig Sorgen gemacht, dass du einen
falschen Eindruck bekommen könntest." Kaum hatte er diesen Satz zu Ende
gesprochen, da fiel ihm auf, wie herzlos er klang. "Ich meine... Äh.. Ich
wollte sagen..."
„Oh, du unverschämter Brite“, entrüstete sich Milseya zum Schein und
schubste ihn lachend von der Liege.
Von der Liege geschubst, verlor Dorian das Gleichgewicht und plumpste
nebst Erdbeere in den Pool. Prustend tauchte er wieder auf und bespritzte
Milseya mit einer vollen Ladung Wasser. "Warte ab, bis ich hier wieder
rauskomme! Wenn du bis dahin nicht umgezogen bist, wirst du ein
Donnerwetter erleben!"
Sie streckte ihm die Zunge raus, bevor sie aus vollem Halse lachend ins
Haus rannte. Der Kerl würde seine Drohung wahr machen. Daran bestand
absolut kein Zweifel!
Dorian sah ihr lächelnd hinterher. Gott, wie er sie vermissen würde...
Der Spiegel zeigte ein ungewohntes Bild. Milseya konnte sich nicht daran
erinnern, jemals ein Abendkleid angezogen, geschweige denn, je eines
besessen zu haben. Umso ungläubiger betrachtete sie sich jetzt. War sie
das wirklich? Welch ein Unterschied zu der Person von vor noch ein paar
Wochen! Sie erinnerte sich daran, wie vollkommen ausgelaugt und
erschöpft ihr Körper sich angefühlt hatte, als sie die Community erreicht
hatte. Wie sie mit blauen Flecken übersät und zerrissener Uniform vor
Captain Stewart gestanden hatte. Und nun? Die Spuren des Sandplaneten
und der Kämpfe waren so gut wie verschwunden. Alle Verletzungen waren
gut verheilt. Ihre Haltung war aufrecht, ihre Muskeln hatten sich wieder
gestrafft. Nur ein trauriger, vielleicht auch harter Ausdruck in ihren Augen,
erinnerte Milseya an das, was geschehen war. Dennoch - Milseya war
erstaunt darüber, was ein paar Tage mit viel Schlaf, gutem Essen und einem
wieder aufgenommenem, regelmäßigem Training bewirken konnten.
An einem Morgen war Milseya früher aufgewacht als üblich. Dorian hatte
noch selig geschlummert und sie hatte ihn nicht wecken wollen - er sah
einfach zu friedlich, zu niedlich aus, wie er da lag. Vorsichtig war sie
aufgestanden, um ihn nicht doch noch zu wecken, hatte ihren Morgenmantel
genommen und war durch das Haus gewandert. Dabei hatte sie festgestellt,
dass sie nicht das Geringste von dem Haus wusste, indem sie sich seit nicht
ganz einer Woche aufhielt. Nicht weiter verwunderlich eigentlich, wenn sie
bedachte, dass sie sich eigentlich die ganze Zeit nur im Schlafzimmer
aufgehalten hatten...
Milseya öffnete die vielen Türen zu den unbekannten Räumen - ein großer
Salon, eine Küche, ein Speisezimmer, weitere Schlafzimmer... Dann hatte
sie eine weitere Türe geöffnet und sah perplex in den Raum. Es war ein
Tanzzimmer! Wie magisch angezogen hatte sie den Raum betreten und
plötzlich das unerklärliche Verlangen gespürt, auf der Stelle wieder mit dem
Training zu beginnen.
Nachdem sie sich einen Trainingsanzug repliziert hatte, begann sie
zunächst behutsam mit Dehnübungen und war schnell ins Schwitzen
gekommen. Milseya wusste, es würde eine Zeit lang dauern, bis sich ihr
Körper wieder daran erinnern würde, bis er ihr wieder gehorchen würde.
Doch sie ließ sich davon nicht entmutigen - alles würde zurückkehren. Zum
Schluss drehte sie die Musik laut auf und tanzte ausgelassen zu den
verschiedenen Rhythmen, bevor sie zu Dorian zurückkehrte. Nach einer
heißen Dusche hatte sie sich wieder zu ihm ins Bett gelegt und war
eingedöst, bis er sie zärtlich weckte.
Danach hatte sich das Ganze jeden Morgen wiederholt, bis sie dann vor
kurzem einen Zuschauer bekommen hatte: Dorian war aufgewacht und
hatte verwundert festgestellt, dass Milseya nicht neben ihm lag. Er hatte sich
auf die Suche nach ihr gemacht und sie schließlich im Tanzzimmer
entdeckt, während sie gerade mit geschlossenen Augen ihr Training mit
einem polynesischen Kalamela beendete. Entzückt hatte er ihr zugesehen,
während sie sich vollkommen in die Musik versunken, auf die traditionellen
Schritte, die grazilen Gesten und die typischen Hüftbewegungen
konzentrierte. Lautlos hatte er sich ihr genähert und dann seine Hände um
ihre Hüften gelegt, sie sanft weiter auf ihren Bauch geschoben. Milseya
hatte erschrocken inne gehalten. „Mach weiter“, hatte er ihr ins Ohr
geflüstert, bevor seine Lippen begannen ihren zu Hals liebkosen ....
Ihr Spiegelbild grinste, während sich das Ganze nochmals in Milseyas Kopf
abspielte. Die Tage hier waren so wundervoll gewesen. Sie würde es
vermissen, sie würde Dorian vermissen - auch wenn sie wusste, dass er
nicht wie sie empfand. Traurig senkte sie ihren Kopf und seufzte leicht. Sie
waren sich einig gewesen und Milseya hatte nicht die Absicht diese
Vereinbarung zu brechen - aber hatte sie das nicht schon? Erst seit kurzer
Zeit wusste sie, dass dies für sie mehr als nur eine Freundschaft war.. Aber
das konnte sie ihm nicht sagen - nicht heute. Als sie ihren Kopf hob, sah sie
Dorian im Spiegel hinter ihr stehen. Sie schob alle dunklen Gedanken fort
und drehte sich mit einem strahlenden Lächeln zu ihm um.
Jetzt war es an Dorian, sprachlos zu sein. "Wow!"
„Ich nehme mal an, das sollte so etwas Ähnliches wie ein Kompliment sein“,
erwiderte Milseya ironisch. „Du siehst auch - nun ja - nett aus“. Sie
schmunzelte.
Dorian streckte ihr die Zunge raus. "Wenn du weiterhin so frech bist, dann
nehme ich jemand anderes mit! Der Obstverkäufer hat mich eben so nett
angelächelt..."
„Oh, dann sollte ich wohl ganz brav sein?“, neckte sie zurück. Sie trat einen
Schritt auf ihn zu. „Ein Friseur, eine Pilotin, ein Obstverkäufer..“, flüsterte sie
spitzbübisch. „Und du tust gerade so, als ob du morgen in eine Mönchszelle
eingeschlossen wirst..“
Der Blick des jungen Mannes verklärte sich als er an seine (erste)
Akademiezeit zurückdachte. Wohlig seufzte er. "Ja, ich werde bei trocken
Brot und Wasser darben müssen...."
Milseya lachte laut auf. „Und du denkst, dass ich das glaube?“ Sie ging
langsam auf ihn zu, bis sie ganz nah vor dem ehemaligen Councelor stand.
„Ich kann mich zu gut an meine Akademiezeit erinnern“, flüsterte sie ihn sein
Ohr und biss dann zärtlich in sein Ohrläppchen.
Genießerisch schloss Dorian die Augen. "Erzähl mir die schmutzigen
Details..."
„Kenne ich denn deine?“
Er lachte. "Du kennst dieses verfluchte Tattoo! Reicht das noch nicht an
schmutzigen Details?!"
„Nicht, solange ich weiß, wie es dazu kam“, grinste sie. „Und glaub ja nicht,
ich würde dir die Geschichte abnehmen, du könntest dich nicht erinnern.“
Sie schmiegte sich an ihn und begann seinen Hals mit Küssen zu bedecken.
„Erzähls mir!“
"Ich weiß es ehrlich nicht. Mein Cousin und bester Freund Arthur war mit mir
auf Tour in Edinburgh. Eine tolle Nacht, das muss ich sagen. Ich weiß noch,
dass ich in einer Kneipe von dieser unglaublich gutaussehenden Frau
angesprochen worden bin. Sie hat mir einen Drink spendiert. Und das
nächste, an das ich mich erinnern kann.... waren ein dreckiges
Stundenhotelzimmer, meine Unterschrift auf einer Sternenflotteneinberufung
und... naja, das Tattoo. Ich habe alles versucht, um diese Frau
wiederzufinden. Arthur sagt, er hätte uns beiden eng umschlungen aus der
Kneipe gehen sehen. Und die Offiziere im Rekrutierungsbüro haben gesagt,
sie wäre bei mir gewesen. Genauso beim Tätowierer. Doch sie hat
niemandem ihren Namen gesagt, mich nur immer wieder darin bestärkt, ich
würde das Richtige tun..."
„Armer Dorian!“, heuchelte Milseya Mitleid und glitt mit ihrer Hand zu der
Stelle, wo das Tatoo in seine Haut geritzt war. „Man sollte schönen Frauen
eben nie vertrauen! Du siehst, wohin dich das geführt hat“, schmunzelte sie.
"Ja, zu einer Pilotin... Welcher Teufel mich da nur geritten hat..." Er sah auf
seine antike Taschenuhr. "Apropos geritten: Wenn wir nicht bald
aufbrechen, dann wird nichts mehr aus der Überraschung."
„Ach, muss das wirklich sein?“ Mit einem großen Hundeblick, mit einem
eindeutigen, vielversprechenden Blick sah Milseya Dorian an.
Er grinste. "Du willst doch wohl nicht Flecken auf das neue Kleid machen,
oder?"
Sie lachte. „Das Kleid ist schneller weg, als du Barrel sagen kannst, Dorian.
Aber gut, ich bin zu neugierig, was du dir ausgedacht hast.“
Nun gut, wenn sie so bettelte... Langsam sagte Dorian: "Baaarrrrree...."
Das Kleid war schon lange zu Boden gefallen, bevor Dorian das e
überhaupt ausgesprochen hatte...
Dorian strich Milseya zart über die Haut über ihrem Schlüsselbein und sah
zu, wie sich die kleinen Härchen dort aufrichteten. Er hauchte ihr einen
kleinen Kuss auf das Schlüsselbein und freute sich über ihre Reaktion. Er
kannte diesen Körper beinahe auswendig, doch wurde er nicht müde, die
Besitzerin des Körpers zu berühren.
Milseya schloss die Augen und genoss jede Berührung. Was hatte dieser
Mensch nur an sich, dass sie sich in seiner Gegenwart, in seiner
unmittelbaren Nähe so unbeschreiblich wohl fühlte, dass sie jede einzelne
Berührung, jede Zärtlichkeit unsagbar genoss. Sie sah ihn fragend an.
„Hier?“, stöhnte sie erregt auf.
"Mein Schatz, wir haben keine Zeit, jetzt auch noch den Ort zu wechseln!"
Sie sah ihn verschmitzt an. „Mir egal“, hauchte sie, während sie zunächst
mit einer Hand seine Hose öffnete und sich anschließend so an ihn presste,
dass er sie nur hochheben musste.
Ihre Körper waren perfekt aufeinander eingestellt. Wie im Tanz bewegten
sie sich miteinander, bis sich die Anspannung in ihnen beiden zeitgleich
löste. Atemlos hielten sie einander im Arm bis Dorian siedendheiß einfiel,
was er noch geplant hatte. Schnell trug er Milseya in das Bad, wo sie sich
beide frisch machten. Milseya brach sämtliche Geschwindigkeitsrekorde, bis
sie erneut in perfektem Styling vor Dorian stand.
„Wollen wir gehen?“ Galant reichte er ihr den Arm. Schmunzelnd hakte sie
sich bei ihm ein und sie verließen das Haus. Als sie die Transportereinheit
erreicht hatten, sah sie ihn fragend von der Seite an. „Arena di Verona“, gab
er als Zielort an und bevor sie sich im Transporterstrahl entmaterialisierten,
konnte er Milseyas ungläubiges Gesicht sehen.
Es war eine warme Nacht in Verona. Milseya genoss die kühle Glätte der
Seide auf ihrer Haut, als sie gemeinsam die Arena betraten. Wie oft hatte
sie es gewünscht einmal hier zu sein, einmal in dieser einzigartigen Kulisse
eine italienische Oper zu hören. Begierig sog sie alle Eindrücke auf, drückte
immer wieder unbewusst Dorians Arm, wenn etwas Neues ihre
Aufmerksamkeit auf sich zog. Dorian musste darüber lächeln, wie aufgeregt
Milseya alles um sich herum wahr nahm. Diese Überraschung war ihm also
wirklich gelungen. Er genoss ihre Freude an diesem Erlebnis in vollen
Zügen, ließ sich von ihr mitreissen. Als die Lichter gelöscht wurden,
leuchtete der Sternenhimmel über dem Publikum in der Arena...
Gebannt hatten sie die ersten beiden Akte der Oper verfolgt. Dabei hatte
Dorian Milseya immer wieder heimlich von der Seite betrachtet, wie sie mit
großen Augen dem Geschehen auf der Bühne folgte, wie sie mit Violetta litt,
wie sie der Musik andächtig lauschte. Er hatte während des 2. Aktes ihre
Hand genommen und spürte, wie Milseya ab und an diese vor Erregung
drückte – als Violetta Alfredos Vater nachgab und ihm versprach seinen
Sohn zu verlassen, um dessen Zukunft nicht zu gefährden. Oder als Alfredo
blind vor Eifersucht Violetta das beim Glücksspiel gewonnene Geld als
Bezahlung für ihre angeblich geleisteten Dienste vor die Füße warf. Milseya
seufzte leise auf.
Als sich der „Vorhang“ zum 3. Akt hob, hatten sich ihre Finger ineinander
verschränkt. Milseyas Gesichtsausdruck änderte sich im Laufe des letzten
Aktes - sie kannte das Ende dieser Geschichte. Tief bewegt lauschte
Milseya dem letzten Aufbäumen Violettas gegen das Unvermeidliche.
Dorian sah die Tränen, die langsam über Milseyas Wange glitten. Vorsichtig
hob er seine Hand an ihr Gesicht und strich die Tränen weg. Als Milseya
sich ihm zuwandte, erkannte er, dass es die Musik, die Geschichte war, die
sie zu Tränen rührte. Er lächelte sie an und erhielt als Antwort ein
wundervolles Lächeln zurück.
Und in genau diesem Moment durchzuckte ihn der Gedanke - für die
Ewigkeit eines Wimpernschlags gestand er es sich ein - das hier war mehr
als nur eine wunderbare Freundschaft. Es war mehr als das sich Wohlfühlen
in ihrer Gegenwart. Es war ... Er konnte den Gedanken nicht zu Ende
denken, hatte Angst vor dieser Erkenntnis, aber etwas hatte sich verändert.
Dorian drückte unbewusst Milseyas Hand, um so ein wenig von der
Anspannung dieses Moments loszuwerden, was sie wiederum mit einem
verwunderten Blick quittierte. Als der tosende Applaus aufbrandete, sahen
die Beiden sich immer noch an. Die Menschen um sie herum erhoben sich,
verließen die Arena. „Wollen wir gehen?“, fragte schließlich Milseya leise. Er
nickte stumm. Ihre Hände ließen sich keinen Augenblick los, als sie beinahe
als letzte die Arena verließen.
Sie hatten während ihrer Rückkehr kein Wort gesprochen. Als Dorian und
Milseya das Haus wieder betraten, standen sie sich für einen langen
Moment wortlos in der Eingangshalle gegenüber. „Warte hier kurz“, bat
Dorian sie schließlich mit leiser Stimme. Sie nickte und sah ihm nach, als er
im Schlafzimmer verschwand.
Was war gerade passiert? Milseya konnte sich keinen Reim auf die Stille
zwischen ihnen beiden machen. Natürlich hatten sie in den vergangenen
Tagen auch miteinander geschwiegen - aber das hier war etwas völlig
anderes. Sie setzte sich auf einen Stuhl, zog ihre Schuhe aus und massierte
ihre Füße. Was wenn da auf seiner Seite das Gleiche geschehen war, wie
bei ihr vor ein paar Tagen? Was, wenn er entdeckt hatte, das sie mehr
verband als nur die viel zitierten und beschworenen freundschaftlichen
Gefühle? Was, wenn .. Schluss damit! Wie sollte es denn funktionieren?
Sie wusste nicht, was bei ihrer Anhörung herauskommen würde. Vielleicht
würde man sie hochkant rauswerfen. Das wäre nicht das Ende der Welt,
aber dann würde sie die Erde verlassen, um bei einer anderen Flotte
anzuheuern .. und dann?
Und wenn nicht, dann wären sie dennoch getrennt, denn sie würde auf
jeden Fall als Pilotin auf einem Schiff anheuern - soviel stand fest - während
er sich auf der Erde seinen Studien widmen würde. Sie würden sich so gut
wie nie sehen. So etwas konnte einfach nicht gut gehen!
Und zudem würde es nicht immer so sein, wie jetzt. Wer sagte denn, dass
sie sich, wenn der Alltag einmal zurückgekehrt wäre, nicht wie die Pest
hassen würden?
Milseya seufzte. Trotz allem waren sie wie für einander geschaffen. Nur
hatten sie sich zu einem völlig falschen Zeitpunkt kennen gelernt. Sie
beugte sich vor, schloss die Augen, während sie den Kopf leicht schüttelte.
Warum konnte es nicht einmal einfach sein, dachte sie sich, als sie Dorians
Hand auf ihrem Kopf spürte. Sie blickte auf und ergriff dann seine
ausgestreckte Hand. Es wird sich alles finden! dachte sie, als er sie ins
Schlafzimmer führte.
Der Anblick war schlicht - umwerfend romantisch. Sprachlos stand Milseya
an der Schwelle und betrachte das Lichtermeer, das aus unzähligen Kerzen
den Raum erleuchtete. Dorian war vollkommen verrückt! Und sie liebte es!
Sie schlug wie ein kleines Kind vor Begeisterung die Hände zusammen. Er
führte sie in das Zimmer, nahm zwei Gläser Champagner und reichte ihr
eins. „Worauf sollen wir trinken?“, fragte er. Sie sah ihn nachdenklich an.
„Auf ein Wiedersehen“, meinte sie schließlich. Er nickte. „Auf ein
Wiedersehen!“ Die Gläser klirrten harmonisch, als sie anstießen.
Er nahm die beiden Gläser, die sie in einem Zug ausgetrunken hatten, und
stellte sie ab. Dann ergriff er ihre Hand .. „Computer! Musik!“, befahl er,
während er den Körper der kleinen Frau an seinen zog. Sie begannen sich
langsam zu der Musik zu bewegen. Irgendwann fanden ihre Lippen
zueinander ...und dieser Kuss war der Beginn der letzten wunderbaren
Nacht, in der sie einander nicht einen Moment losließen ..
Milseya war wieder früh aufgewacht. Als sie ihre Augen öffnete, lag Dorian
immer noch so dicht an sie gepresst wie er eingeschlafen war. Für einen
kleinen Moment schloss sie ihre Augen und genoß zum - wie sie glaubte allerletzten Mal dieses einzigartige, dieses besondere Gefühl ihn an ihr zu
spüren. Sie konnte ihn riechen, noch schmecken, fühlen - sie nahm dies
alles bewusst wahr, um sich immer wieder daran erinnern zu können. Sacht
löste sie seine Umarmung und erhob sich still. Während sie sich ankleidete,
betrachtete sie immer wieder den Menschen, der ihr Herz wenn gleich nicht
im Sturm, so doch rasch durch seine außergewöhnliche Art erobert hatte.
Immer wieder musste sie gegen ihre aufsteigenden Tränen ankämpfen – sie
hatten sich beide dafür entschlossen. Sie hatte zugestimmt - es war ..
vorbei.
Sie nahm das Padd aus der Tasche, bevor sie sie umschulterte, und legte
es auf ihr Kopfkissen. Dann hauchte sie ihm einen Luftkuss zu. Leb wohl,
Dorian verabschiedete sie sich in Gedanken und verließ dann schweren
Herzens das Haus.
Als Dorian später erwachte, war sie bereits weit weg. Müde griff er nach
dem Padd und las die letzten Zeilen, die ihm Milseya hinterlassen hatte.
Dorian,
Vergib mir, dass ich auf diese Art und Weise gehe! Ich wollte keine große
Abschiedsszene und ich denke, dies ist auch in deinem Sinne.
Ich danke dir für die außergewöhnlichen Tage und wundervollen Nächte, die
wir beide gemeinsam verbracht haben. Du hast mir das Gefühl gegeben
wieder am Leben zu sein, lachen und lieben zu können, ohne mich dabei
schuldig zu fühlen. Ich stehe dafür tief in deiner Schuld.
Ich danke Dir für die vielen, langen Gespräche - du magst dich nicht für
einen guten Councelor halten, aber dein tiefes Verständnis, deine Hingabe
an die Menschen und dein Wunsch ihnen helfen zu wollen, sind
außergewöhnlich. Sie werden deinen weiteren Weg bestimmen - auch als
Arzt. Ich wünsche dir aus ganzem Herzen, dass dies der richtige Weg für
dich ist, dass du darin deine Bestimmung findest, dass sich die Leere in dir
füllt.
Dorian, ich werde dich vermissen. Bereits der Gedanke heute Nacht ohne
dich an meiner Seite einschlafen zu müssen, schmerzt zutiefst. Ich weiß, wir
beide waren uns einig, dennoch kann ich nicht gehen, ohne es dir gesagt zu
haben. Ich habe mich nur mit wenigen Menschen so verbunden gefühlt, wie
mit dir. Nur selten habe ich den tiefen Wunsch gehegt, meine Gedanken,
meine Erinnerungen - mein Leben - mit jemanden zu teilen, wie mit dir. Du
wirst immer ein Teil von mir sein. Du wirst immer einen besonderen Platz in
meinem Herzen haben.
Ich liebe dich, Dorian.
Leb wohl
Milseya
[idic und inanchfe in "time to say good-bye ...]
Geschrieben von: Selina Kyle am Jun 23 2005, 19:10
Selina füllte die kleine Sternchenform mit Sand, strich die Oberfläche glatt
und stülpte das Förmchen um. Vorsichtig hob sie das Förmchen an und ein
kleiner Stern aus Sand kam zum Vorschein. Vergnügt klatschte Yasmin in
die Hände und eiferte ihrer Mutter nach. Es überraschte wenig, daß es bei
dem kleinen Mädchen nicht so gut klappte wie bei der Mutter. Selina
befürchtete in den nächsten Sekunden einen Heulkrampf ihrer Tochter wartete darauf aber vergebens. Yasmin probierte es immer und immer
wieder. Ihr schien die Sache kein wenig langweilig zu werden und mit jedem
Mal wurde ihr Eifer größer.
Die Sonne stand schon sehr tief und ein lauer Wind strich über den
Spielplatz. „So kleine Maus, für heute haben wir genug gesandelt.“ Selina
packte sämtliche Förmchen und Schaufeln zusammen und steckte sie in
eine Tüte. Yasmin wirkte ein wenig enttäuscht, war aber zu müde um zu
protestieren. Selina nahm ihre Tochter auf den Arm und begab sich
Richtung heimwärts.
Lange hatte sie über die Bitte ihres Ex-Freundes nachgedacht. Jede Zelle in
ihrem Körper sträubte sich dagegen Yasmin bei ihm abzuliefern aber so
durfte sie nicht denken. Yasmin hatte ein Recht auf ihren Vater und wer war
sie, daß sie ihr dieses Recht verwehren könnte? Nach einem ausgiebigen
Bad brachte Selina Yasmin zu Bett. Sie las ihr noch eine Geschichte vor und
küsste sie auf die Wange. „Gute Nacht, Engelchen. Schlaf gut und träum
was Schönes!“ Selina schloß die Türe zum Kinderzimmer und setzte sich
auf das Sofa. Gedankenverloren rührte sie ihren Eiskaffee um als plötzlich
das Nachrichtenterminal piepte. Selina aktivierte den Sichtschirm und stellte
fest, daß es sich um eine Textnachricht des Oberflottenkommandos
handelte. Selina stellte die Tasse auf den Stubentisch und öffnete die
Nachricht. Selina lehnte sich zurück und dachte über den Inhalt der
Nachricht nach. Eine Anhörung würde stattfinden zu der sie und auch
Fähnrich Anquenar geladen waren und das ganze schon in 2 Tagen. Selina
seufzte. So ganz wohl war ihr bei der Sache nicht. Was würde sie erwarten?
Der nächste Morgen begann mit strahlendem Sonnenschein und einem
opulentem Frühstück. Selina war schon früh aufgestanden und hatte
begonnen eine Tasche für Yasmin zu packen. Nach wie vor wollte Selina sie
nicht zu Matt bringen aber die momentane Situation zwang sie auch ganz
einfach dazu. Sie musste zu dieser Anhörung und niemand wusste, wie
lange so etwas dauern könnte. Mitnehmen würde sie ihre Tochter nicht
können und allein lassen schon dreimal nicht. Die Übergabe an Matt kam da
(leider) wie gerufen.
Zwei Stunden später standen Selina und Yasmin an einem
Transporterterminal. Es herrschte viel Andrang und der Geräuschpegel war
entsprechend hoch. Mit großen Augen bestaunte Yasmin das rege Treiben,
zeigte dabei aber keinerlei Angst, sondern großes Interesse. Endlich waren
die beiden dran und wurden an ihr Zielort gebeamt.
Die Sonne schien vom blauen klaren Himmel und man konnte deutlich das
Rauschen des Meeres hören. „Welch wunderschöner Ort! Wieso hat er mit
mir hier nie Urlaub gemacht?“ fragte sich Selina selbst. Mit einem
Schulterzucken setzte sie ihren Weg fort und gelangte kurze Zeit später zu
dem Hotel in dem Matt und Freundin residierten. In der Lobby traf Selina
dann auch die beiden an. Matt erhob sich sofort und ging seiner ExFreundin entgegen.
„Selina! Ich freue mich, daß du gekommen bist!“ Sein Blick wanderte runter
zu Yasmin, die neben ihrer Mutter stand.
„Hi, Yasmin.“ Matt ging in die Hocke und sah seiner Tochter in die Augen.
Für einen Moment herrschte Stille. Dann löste sich Yasmin von der Hand
ihrer Mutter und ging auf Matt zu. Ungläubig patschte sie ihm im Gesicht
herum und drehte sich freudestrahlend zu ihrer Mutter um.
„Ja Süße, das ist Papi. In Farbe und bunt.“ Matt nahm Yasmin in die Arme
und drückte sie an sich. Elisabeth Frasier hatte sich ebenfalls erhoben und
ging auf Selina zu. Sie streckte ihr zur Begrüßung die Hand entgegen.
„Hallo, ich bin Elisabeth. Ich freue mich Sie endlich kennenzulernen.“ Kurz
schweigend musterte Selina die neue Frau an Matts Seite. Sie war ganz und
gar völlig anders als sie es sich vorgestellt hatte. Elisabeth war ein ganzes
Stück kleiner als sie selbst, trug blondes kurzes Haar und hatte blaue
Augen. Zu Selinas Verwunderung stellte sie fest, daß Elisabeth Frasier gut
und gerne zwischen 7 und 10 Jahren älter war als sie selbst. Das ganze
erschien ihr paradox. Verließen Männer ihre Partnerinnen doch meistens für
eine jüngere Frau. Hier war es andersrum.
„Hallo, ich freue mich auch Sie kennenzulernen.“ Selina hatte endlich ihr
Schweigen gebrochen und schüttelte der Ärztin kräftig die Hand. Matt hatte
Yasmin auf den Arm genommen und strahlte über das ganze Gesicht.
„Kommt, setzen wir uns. Es gibt hier wirklich sehr leckere Saftkreationen.“
Eine Stunde voller sinnlosem Geplänkel und Smalltalk später hatte Selina
endgültig genug. Sie ertrug es schlichtweg einfach nicht mehr mit Matt in
einem Raum zu sein.
„Ich sollte jetzt gehen. Hier ist ein PADD. Ich habe alles Wichtige was
Yasmin betrifft aufgeschrieben. Bitte halte dich an den Ernährungsplan und
an die Tagesstruktur. Yasmin braucht vor allem aber das Zubettgehenritual.
Lies ihr bitte jeden Abend eine Geschichte vor. So schläft sie am besten
ein.“ Selina überreichte Matt das PADD. „Und bitte halte dich auch wirklich
daran!“ Selinas Blick fiel auf Elisabeth. „Ich hoffe, Sie werden darauf achten,
daß Matt sich daran hält?“ Elisabeth nickte. „Selbstverständlich!“
„Danke.“ Selina erhob sich und nahm Yasmin noch einmal auf den Arm.
Vorsichtig drückte sie sie nochmal an sich und gab ihr mehrere Küsse. „Ich
liebe dich und vermisse dich jetzt schon!“ Selina benötigte all ihre Kraft um
nicht die Fassung zu verlieren. Leicht feuchte Augen bekam sie aber
dennoch. Vorsichtig übergab sie Matt ihre Tochter.
„Danke Selina, daß du mir diese Chance gibst.“ Selina nickte. „Pass gut auf
sie auf, hörst du? Wehe, mir kommen irgendwelche Beschwerden zu
Ohren!“
„Ich werde alles für sie tun.“ Selina seufzte. Der Abschied fiel ihr immens
schwer. Mit einem kräftigen Händedruck verabschiedete sie sich von
Elisabeth Frasier und winkte Matt und Yasmin im Gehen noch einmal zu.
Selinas Beine trugen sie schnell aus der Lobby, herunter vom Hotelgelände
und blieben erst wieder im Transporterteminal stehen. Der Beamvorgang
dauerte nur wenige Augenblicke und noch vor dem Sonnenuntergang
befand sich Selina wieder in ihrer Wohnung. Alleine.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jun 23 2005, 23:10
Nach dem Anruf Captain Pratchetts war glücklicherweise nichts weiter
geschehen das Vinaras Urlaub hätte stören können. Zumindest nicht die
folgenden zwei Tage...
Am dritten stand auf einmal ein ihr bislang unbekannter Captain der
Sternenflotte vor der Tür. Er stellte sich als Frederic Barnhelm vor,
Kommandant der U.S.S. Schweizer. "Commander, ich weiß natürlich dass
mein Schiff nicht mit der Community mithalten kann, Captain Pratchett hat
mich bereits über Ihre Entscheidung informiert. Nichtsdestotrotz brauchen
wir einen Ersten Offizier, wir haben auch schon einen Kandidaten, doch der
steht erst in zwei Monaten zur Verfügung. Mindestens so lange dürfte auch
der Bau der neuen Primärsektion dauern, von daher wäre es mir eine
Ehre..."
Vinara seufzte. "Haben Sie eine Ahnung was auf der letzten Mission alles
geschehen ist? Selbst ich brauche ab und zu mal Urlaub, gerade wenn ich
tagelang nicht geschlafen habe."
"Oh, Schlaf werden Sie genügend bekommen, wir begeben uns nicht in
solch gefährliche Situationen wie die neuen, großen Schiffe der
Sternenflotte. Rein wissenschaftlich gesehen wäre unsere Mission während
der kommenden acht Wochen auch alles andere als spektakulär, doch Sie
könnten immerhin unter ruhigen Umständen den Alltag als Erster Offizier
austesten. Ich habe eine feine Crew, nicht ganz so... ausgeflippt wie die der
Community, aber auch keineswegs langweilig. Da der Posten nur
vorübergehend wäre würden Sie auch nicht befördert werden, Sie können
auch ruhig Ihre blaue Uniform anbehalten, schließlich sind wir ein
Forschungsschiff."
Vinara überlegte ein paar Augenblicke lang und sagte dann zu. "Sollte ich
aber vor Ablauf der zwei Monate wieder auf meinem alten Posten oder
sonstwie anderweitig gebraucht werden, erwarte ich jederzeit von meinen
neuen Pflichten entbunden zu werden."
"Selbstverständlich, Commander. Nehmen Sie sich ruhig Zeit Ihre Sachen
zu packen, Nummer Eins... Ach ja, das ist Lieutenant Madrik, mein
Sicherheitsoffizier." Barnhelm deutete auf einen leicht dickbäuchigen Trill
der viel zu freundlich für einen Mann seines Postens wirkte. Er hatte sich
während des Gesprächs dezent im Hintergrund gehalten, doch nun als er
näher herantrat sah Vinara durch eine Lücke zwischen den beiden
Sternenflottenoffizieren eine Gestalt hin- und herhuschen, die sich immer
wieder hinkniete und Töne von sich gab wie ein kleines Kind, allerdings mit
der Stimme eines Erwachsenen.
"Was tun Sie hier, junger Mann?", fragte Vinaras Ziehvater, welcher ihn
durch ein Fenster neben der Tür beobachtete.
"Sand, so viel Sand, ich konnte bisher mindestens fünf verschiedene Arten
allein auf diesem Grundstück finden! - Ich korrigiere, sechs!"
Barnhelm und Madrik waren beiseite getreten und Vinara sah nun dass der
dritte Mann eine blaue Sternenflottenuniform trug, zu welcher der altmodisch
wirkende Tropenhelm einen schon anachronistisch wirkenden Kontrast bot.
"Sie sind der Wissenschaftsoffizier, nehme ich an?", fragte die Andorianerin
höflich, während ihr der peinlich berührte Gesichtsausdruck seiner beiden
Kollegen nicht entgangen war.
"Ja, Ma'am, Friedhelm Gabler, Lieutenant Friedhelm Gabler, oh Sie können
sich glücklich schätzen auf einem Planeten aufgewachsen zu sein auf dem
es so viel Sand und Steine in so vielen Erscheinungsformen gibt!"
Vinara seufzte erneut. "Sich glücklich zu schätzen ist eine Emotion zu
welcher ich momentan nur eingeschränkt in der Lage bin", meinte sie als sie
dem Mann die Hand gab.
"Macht nichts, wenn Sie erst mal meine Sammlung sehen werden Sie
anders denken, ich habe auch ein paar Proben andorianischer Erde!"
Vinara nickte nur und bat darum allein gelassen zu werden, um ihre Sachen
zu packen. Während sie dies tat überlegte sie, mit welchem Vorwand sie
notfalls ihre Verweildauer auf der Schweizer abkürzen würde können...
Geschrieben von: Assjima am Jun 24 2005, 00:03
Und ewig singen die Wälder Teil 2
„Semil Krulak – der Spacetrain 246 endet hier! Bitte alles aussteigen!“ In
wilder Hektik packten die Mitreisenden ihre sieben Sachen zusammen und
drängelnden in einer unendlich langen Schlage aus dem Zug. Assjima hatte
es nicht eilig. Lakia würde sowieso unpünktlich sein. Das ausgeprägte
Zeitgefühl des Vaters war nur an die Jüngere der beiden Schwestern vererbt
worden. Erst als fast alle Passagiere draußen waren, nahm Assjima ihre
Tasche und den Käfig, in dem Miss Marple und Sherlock Holmes schliefen,
aus dem Gepäckfach und stieg auf den Bahnsteig hinaus.
„Da ist sie ja endlich!“ brüllte ein dreistimmiger Kinderchor quer durch die
Empfangshalle, und eh sie sich versah, wurde sie von einem lauten,
farbenfrohen Getümmel erfasst und beinahe zu Boden geworfen. „Was in
aller Welt macht ihr denn hier?“ Assjima hatte wirklich nicht damit gerechnet,
die Kinder ihres Bruders schon heute zu sehen. „Papa hat gesagt, dass du
heute kommst. Und da hatte ich keine Lust mehr auf Ferien.“ „Nein, ich hatte
keine Lust mehr!“ „Aber ich wollte zuerst nach Hause!“ Während die Jungen
stritten klammerte sich die kleine Mischka an Assjima fest und flüsterte ihr
ins Ohr „In wahr hatte Papp die Idee. Die beiden sind sooooo doof! Und ich
freu’ mich ganz dolle, dass du wieder da bist!“ „Ich mich auch, mein kleiner
Schatz. Aber wo ist denn der Papa?“ „Der hat nur vergessen, die Blumen zu
kaufen“ kreischte Dafu, der Älteste, schadenfroh. „Aber da kommt er schon!“
Und tatsächlich kam in diesem Moment ein großer Blumenstrauß auf zwei
Beinen im Laufschritt um die Ecke gebogen. Zwischen den langen Stielen
und den bunten Blüten blitzen zwei fröhliche Augen hindurch.
„Schwesterchen! Willkommen zu Hause!“ Aki versuchte, sie zu umarmen
und geriet dabei in einen blutigen Konflikt mit den Dornen der ansonsten
wunderschönen argosinischen Knallrosen. Kurzerhand drückte er den
Strauß seinem Ältesten in die Arme, der auch sofort herausfand, warum die
Blumen Knallrosen hießen. Unter lautem Getöse zogen die Fünf nun in
Richtung Ausgang.
„Ah – da kommt schon unser Taxi!“ Aki stellte Assjimas Tasche ab und
winkte einem großen Ambulanzgleiter zu, der kurz darauf mit zischenden
Düsen unmittelbar vor ihnen zum Halten kam. Eine sportliche Frau Anfang
fünfzig kletterte vom Beifahrersitz herunter. Sie war das ältere Ebenbild
Assjimas. „Lakia – hast du dir immer noch keinen eigenen Gleiter
angeschafft?“ „Warum sollte ich, wenn sich die Herren in der Klinik darum
reißen, mich kutschieren zu dürfen?“ Die Frau zwinkerte dem Sanitäter
hinter dem Steuerknüppel verschmitzt zu, bevor sie die Schwester fest an
sich drückte. „Es tut gut, dich an einem Stück zu sehen. Deine letzte
Transmission hatte mir doch einige Sorgen bereitet.“ Sie schob Assjima ein
Stück von sich weg und betrachtete sie prüfend. „Ich kann aber nicht
behaupten, dass du gut aussehen würdest. Du bist viel zu blass,
Schwesterchen. Vielleicht solltest du dir öfters eine Stunde im Solarium
gönnen. Sofern es so etwas auf eurem Blechkasten überhaupt gibt! Aber
jetzt erstmal ab nach Hause! Wir werden dich schon wieder hochpäppeln.
Es geht doch nichts über frische deltanische Luft und die unglaublichen
Kochkünste unserer Schwägerin. Siria hat das Essen bestimmt schon fertig
und dein Haus ist auch bereit. Vater und Mutter kommen erst in drei Tagen
aus dem Urlaub zurück. Die Kinder und Aki waren ja nicht zu halten, als sie
von deiner bevorstehenden Heimkehr erfuhren. Aber du kennst Vater. Er
lässt sich wie immer durch nichts von seinen Plänen abbringen.“
Und so ging es fröhlich plappernd in halsbrecherischem Tempo hinaus aus
der Stadt.
Nach einer nur zwanzigminütigen Fahrt, die erheblich verkürzt wurde, indem
der Fahrer durch den gezielten Einsatz des Martinshorns einen Stau einfach
hinwegzauberte, bremste der Gleiter auf dem Hof einer kleinen
Häuseransammlung. Ein paar große gelbe Vögel, die am ehesten mit
nordamerikanischen Truthähnen zu vergleichen waren, stoben
flügelschlagend und laut kreischend davon und eine gescheckte terranische
Katze schoss wie eine Rakete den nächst besten Baum hinauf. „Ich sehe,
Lakia, du bist immer och für schwungvolle Auftritte zu haben“ lachte
Assjima, während sie versuchte mit der kleinen Mischka am Hals hängend
aus dem Fahrzeug zu klettern. „Aber sicher doch – und das wird sich sobald
hoffentlich nicht ändern. Die Jungs wissen schon, wie sie sich bei ihrer
Chefin einschmeicheln können. Belaschk, holst du mich übermorgen früh
um acht Uhr wieder ab?“ Der Fahrer schmunzelte „Mach ich Lakia. Aber
denke daran, dass du versprochen hast, ein Stück von Sirias Kuchen für
mich zu retten. Ich wünsche euch allen einen vergnüglichen Abend!“ Und
schon stob der Gleiter wieder davon.
Und es wurde wirklich ein vergnüglicher Abend. Akis Frau Siria hatte sich
einmal wieder selbst übertroffen und ein traumhaftes Menü gezaubert.
Assjima wurde gründlich von allen Seiten gleichzeitig über die Neuigkeiten
der letzten Wochen aufgeklärt und die Kinder demonstrierten stolz die
akrobatischen Künste ihrer tellaritischen Springfrösche. Als Mischka dann
unter dem Tisch einschlief, steckte Siria die Rabauken ins Bett und es
wurde ein wenig ruhiger in dem großen, einfach eingerichteten Raum, der
das Herz des Hofes bildete. Assjima sah sich einmal wieder um. In der Mitte
des karg möblierten Zimmers stand ein ovaler ausziehbarer Tisch, an dem
problemlos bis zu 20 Personen Platz finden konnten. Der Boden war mit
dicken weichen Teppichen ausgelegt und im Kamin prasselte ein fröhliches
Feuer, denn die Abende auf Delta IV konnten selbst im Sommer recht kühl
sein. Nichts hatte sich in den letzten Wochen verändert. Nichts hatte sich
hier überhaupt je verändert – solange sie zurückdenken konnte. Dieser
Raum war eine der festen, unveränderlichen Konstanten in ihrem Leben. Er
bedeutete Heimat. Hier hatte Assjima als Kind ihre Geburtstage gefeiert,
hier war sie die Trauzeugin von Lakia und Malik gewesen, hier waren Akis
und Sirias Kinder getauft worden und hier wurde im letzten Jahr Maliks alte
Mutter zu Grabe getragen. Dieser Raum stand für alles, was ihr wirklich
etwas bedeutete. Hier wurde auch ihre Verlobung mit Sikarii gefeiert und
hier wurde der Gedenkgottesdienst für ihn gehalten. Dieser Raum war ihr
Leben.
„Lakia … wo ist Malik diesmal wieder hin?“ Assjima wusste, dass sie einen
wunden Punkt getroffen hatte. Die Schwester schüttelte traurig den Kopf.
„Wenn ich es nur wüsste. Ein paar Freunde haben gemeldet, dass sie ihn
vor einigen Tagen auf Seyann gesehen hätten. Er sitzt wohl in irgendeiner
Spelunke herum und philosophiert über einem Glas saurianischem Brandy.
Aber in spätestens einer Woche wird er wieder mit einem Blumenstrauß in
der Hand hier antanzen, ein neues Liebesgedicht vortragen und mir von
seinen unvergleichlichen neuen und großartigen Plänen vorschwärmen.
Und wie üblich werde ich ihm verzeihen. Das ist der Lauf der Dinge – seiner
und meiner Dinge. Daran wird sich wohl nie etwas ändern. Doch lassen wir
das … es ist eh immer dasselbe mit ihm. Erzähle endlich von deiner letzten
Mission!“
„Lasst uns das bitte auf morgen verschieben. Ich bin todmüde.“ Assjima
gähnte herzhaft. „Die Geschichte ist zu lang, als dass ich sie heute Abend
noch erzählen könnte.“ Der Bruder erhob sich „Soll ich dich rüber fahren?
Wir haben den Skooter schon vor deinem Haus geparkt. Dafu wollte ihn
unbedingt hinfahren.“ „Danke Aki, aber ich glaube, mir würde der kurze
Spaziergang jetzt gut tun. Wir sehen uns morgen wieder.“ Sie schlüpfte in
die Schuhe, schulterte ihre Tasche und nahm den Reisekäfig mit den beiden
Tribbel in die Hand. In der Tür drehte sie sich noch einmal um: „Danke für
den wunderbaren Abend. Es ist schön, wieder bei euch zu sein.“ Dann
verließ sie den Raum. Aki schaute ihr nachdenklich hinterher. „Was ist mit
ihr, Lakia? Sie war den ganzen Abend ziemlich still.“ „Sie wird es uns
erzählen. Bald.“ Lakia dachte an den letzten Brief, den sie von Assjima
bekommen und von dem sie Aki nichts erzählt hatte. „Sie wird etwas Zeit
brauchen.“
Es war eine kühle Sommernacht und Assjima fröstelte ein wenig. Dennoch
sog sie die frische Luft gierig in sich auf und genoss jeden Schritt auf dem
weichen Waldboden. Sie kannte jeden Stein, jede Wurzel. Wie oft schon war
sie diesen Pfad entlang gegangen. Er führte ein kurzes Stück durch den
Wald und schlängelte sich dann entlang des Seeufers. Nach etwa fünfzehn
Minuten sah sie die Lichter des Hauses zwischen den Bäumen blinken.
Einen Momentlang setzte sie sich auf einen großen Stein und betrachtete
ihr Zuhause auf der anderen Seite der kleinen Bucht. Es war ein ziemlich
kleines Haus und seine Fassade glitzerte perlmutfarben im Licht der drei
sichtbaren Monde. Wie die meisten deltanischen Häuser hatte es einen
ovalen Grundriss und runde Formen. Assjima hatte nie verstehen können,
warum die Menschen so gerne in viereckigen Schuhkartons wohnten. Nur
damit die Schränke besser an den Wänden stehen konnten? Warum nahm
man Rücksicht auf seelenlose Schränke, wenn es um das Wohlbefinden an
sich ging? Das Haus war doch wie das zweite Gewand seines Bewohners.
Wer zog sich schon freiwillig einen Pappkarton an? Unwillkürlich musste sie
schmunzeln, als sie sich einige ihrer Kollegen nur in bunten Schachteln
bekleidet vorstellte. Lucas und Jerry sahen mit ihrer dunklen Hautfarbe darin
besonders gut aus.
Nein, Häuser mussten rund sein. Sie durften keine Ecken und Kanten
haben, an denen man sich stoßen konnte. Sie mussten organisch sein,
damit man in ihnen frei atmen - damit nicht nur der Körper, sondern auch die
Seele in ihnen zur Ruhe kommen konnte.
Doch ihr Haus war mehr als das. Sie hatte es schon als Studentin entworfen
und mit Hilfe der Freunde und der Familie selbst gebaut. Zur Hälfte auf dem
Land und zur Hälfte auf Pfählen über die Wasseroberfläche hinausgebaut
vereinte es die vier Elemente in sich: Wasser, Erde, Luft und Feuer. In den
ersten Jahren versuchte Assjima, das unterrepräsentierte Element Feuer
durch offene Kamine und Kerzenlicht zu kompensieren doch gelang es
Setak vor einiger Zeit, einen künstlichen Kristall zu entwickeln, der in seinem
Inneren in Verbindung mit Wasser eine hochenergetische Flamme erzeugte.
Der Kristall wurde im Mittelpunkt des Hauses in einem Wasserbecken
aufgestellt und versorgte von nun an das ganze Haus mit der notwendigen
Energie. Setak hatte monatelang daran gearbeitet und Assjima war über
dieses wertvolle Geschenk sehr glücklich, denn erst jetzt war ihr Haus
perfekt. So wie der große Raum im Hause der Eltern ihre Geschichte
widerspiegelte, symbolisierte dieses kleine Haus am See all ihre Ideen, ihre
Träume. Es war fast ein Spiegelbild ihrer Seele.
Ein wenig ehrfürchtig legte Assjima die letzten Meter zurück, betrat die
hölzerne Veranda und öffnete die Tür. Siria hatte bereits am Nachmittag den
Kristall entzündet, so dass ihr nun helles Licht und wohlige Wärme
entgegenstrahlte. Von der Veranda trat man direkt in den großen Allraum
hinein, in dessen Mitte der Kristall in allen nur denkbaren Farben schillerte
und sein Licht durch die großen Fenster auf den See hinauswarf. Auf der
einen Seite befand sich eine kleine Küche, auf der anderen schwang sich
eine Wendeltreppe frei nach oben in die Kuppel des Hauses, wo sich ihr
Allerheiligstes befand: das Arbeitszimmer mit Bibliothek. Der große Allraum
im Parterre beanspruchte mehr als die Hälfte der Grundfläche für sich. Den
Rest vereinnahmten ein Gästezimmer und das Schlafzimmer.
Assjima sah sich um. Die Schwägerin hatte wahrhaftig gezaubert. Alle
waren sie erst am Vormittag aus dem Urlaub zurückgekehrt und dennoch
war kein Körnchen Staub auszumachen. Auf dem Tisch stand ein Strauß
frischer Blumen und der Vorratsschrank war voll mit Assjimas
Lieblingsspeisen. Nichts davon war aus dem Replikator. Die Kinder hatten
sogar eine Girlande aus stark duftenden Blüten gebastelt und über der Türe
aufgehängt. Assjima stellte ihr Gepäck ab und ließ sich in den Sessel fallen.
„Siria, wie immer du das geschafft hast … ich danke dir.“ Endlich war sie
zuhause!
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jun 24 2005, 07:48
„Milseya Ranar!“
Irritiert darüber, dass sie jemand mit ihrem Geburtsnamen ansprach (zu sehr
hatte sie sich schon an den Familiennamen Thovans gewöhnt), sah sich die
Haliianerin zu der Stimme um. Sie war auf so ziemlich auf alles und jeden
gefasst gewesen, nur nicht auf den älteren, großgewachsenen Mann mit
schlohweißem langem Haar: Maximilian Nerves. Ungläubig starrte sie ihren
ehemaligen Fluglehrer an.
„Sieh mich nicht so entgeistert an, junge Dame! Dachtest du wirklich, du
könntest klammheimlich nach San Francisco kommen und dich nicht bei uns
blicken lassen!“, schmunzelte er, während er ihr die Tasche abnahm.
„Max!“, flüsterte sie fassungslos, während es in ihrer Nase zu kribbeln
begann.
Die Beiden standen sich ewig erscheinende Momente im Terminal
gegenüber, bis Nerves schließlich seine Arme ausbreitete. „Komm her,
Kleines“, sagte er leise. Milseya fiel ihm überglücklich in die Arme. Der Mann
drückte sie fest an sich. „Ich bin so froh, dass du es geschafft hast!“,
flüsterte er. Milseya schluchzte leise auf.
Maximilian Nerves! Ihr ehemaliger Fluglehrer an der Akademie und zugleich
ihr Mentor, Ratgeber - und väterlicher Freund. Mit ihm hatte sie sich
während ihrer Ausbildung hitzige Wortgefechte und erbitterte Flugkämpfe
geliefert. Er war der Einzige an der Akademie gewesen, der ihrem
impulsiven, oft genug starrköpfigen Temperament hatte Paroli bieten
können und damit exzellent umzugehen gewusst hatte. Was im Nachhinein
betrachtet, eigentlich kaum verwunderlich war - schließlich war seine Frau
Nahima auch Haliianerin.
Aber so sehr sie sich oft gestritten hatten - es war auch Nerves gewesen,
der sie ständig gefördert und gefordert hatte. Recht früh hatte der Fluglehrer
ihr Talent erkannt, stets mehr verlangt von ihr verlangt, als von allen
anderen Kadetten. Er hatte sie zu Höchstleistungen angetrieben, hatte ihr all
sein Wissen vermittelt - und sie schließlich auch für das Issey-NahyartoSikkah-Flugmanöver vorgeschlagen.
Milseya hatte höchsten Respekt vor ihm - nicht nur, weil er ein
ausgezeichneter Pilot und Lehrer war, sondern auch, weil er immer für sie
da gewesen war. Sie schätzte seinen Rat (an sich war er - bis auf eine
weitere Ausnahme - der Einzige von dem sie einen Rat annahm) und hatte
diesen auch meist befolgt.
Tiefe Dankbarkeit durchströmte Milseya, als sie sich daran erinnerte, wie er
und seine Frau sich um sie gekümmert hatten, als ihre Mutter getötet
worden war... Sie liebte Nerves wie den Vater, den sie nie kennen gelernt
hatte...
„Scht... Schon gut, Kleines“, beruhigte Nerves sie, während er sie weiter fest
hielt. „Es ist alles wieder gut!“ Er spürte, wie das Schluchzen nach wenigen
Momenten nachließ. Dann drückte er die kleine Frau ein wenig von sich weg
und sah in das verheulte Gesicht Milseyas. Er seufzte.
„Nahima wird mich umbringen, wenn sie sieht, dass ich dich zum Weinen
gebracht habe“, grinste er.
Milseya lachte kurz auf. „Dann sollten wir es ihr nicht sagen“, erwiderte sie,
während sie die Tränen wegwischte.
Er lachte ebenfalls auf. „Als ob man irgendetwas vor Nahima verbergen
könnte!“
Dann wurde er ernst und sah seine ehemalige Musterschülerin traurig an.
„Milseya .. es tut mir sehr leid um Thovan und das Baby“, sagte er
mitfühlend. Sie nickte. „Er hätte dir gefallen“, sagte sie leise nach ein paar
Momenten. „Da bin ich mir sicher“, antwortete Nerves.
Milseya hatte sich wieder im Griff, aber ... „Woher weißt du? Ich meine, dass
ich.. von Thovan .. oder dass ich heute hier ankommen würde?“ Sie hatte
niemanden kontaktiert. Keiner (so dachte sie jedenfalls bis jetzt) wusste von
ihrer Rückkehr. Nerves grinste sie an.
Milseya verstand. „Gibt es eigentlich irgend jemand, der dir keinen Gefallen
schuldet?“, fragte sie spöttisch.
„Nicht, wenn er irgendwas mit Fliegerei zu tun hat!“ erklärte er schmunzelnd.
Sie senkte ein wenig schuldbewusst den Kopf. „Max? Ich wäre wirklich nicht
zu euch gekommen“. Sie hob wieder ihren Kopf und sah ihrem Mentor in die
Augen. „Ich wollte euch nicht in Schwierigkeiten bringen.“
„Das dachten wir uns bereits - deshalb bin ich ja hier. Wir wissen, was
vorgefallen ist, Kleines. Aber wie konntest du nur glauben, dass wir dich
nicht unterstützen würden!“ Er sah auf seine Uhr. „Doch lass uns das
morgen besprechen“, erklärte er. „Wir sollten gehen. Wir sollten gerade
heute nicht zu spät kommen“, fügte er an.
Verständnislos sah ihn Milseya an. „Ich verstehe nicht ganz.“
Der ältere Mann hob verwundert eine Augenbraue. „Welcher Tag ist heute,
Mili?“
„Dienstag.“
Er seufzte laut auf. „Du hast es vergessen, nicht wahr? Heute ist Batarael!“
Heute? Milseya schüttelte den Kopf. Das hatte sie tatsächlich vergessen! So
weit der Sandplaneten weg lag, ihr Zeitgefühl hatte sie einfach noch nicht
wieder erlangt. Schleunigst machten sich die Beiden auf den Weg - sie
wussten, dass Nahima es ihnen nie verzeihen würde, wenn sie
ausgerechnet heute zu spät kämen und keiner wollte das Opfer einer ihrer
berühmt-berüchtigten Wutanfälle werden.
Als sie vor dem Haus ankamen, dass Maximilian und Nahima seit
mittlerweile über 40 Jahren bewohnten, hatte Milseya zum ersten Mal seit
sie auf der Erde war, das Gefühl wieder wirklich daheim zu sein. Das Haus
barg so viele Erinnerungen, so viele vertraute Eindrücke. Sie hatten kaum
die Türe geöffnet, als sie Nahimas Stimme hörten, die jemanden
gebieterisch anwies, auf keinen Fall die Bowle auf dem Weg in den Garten
fallen zu lassen, denn sonst ..
Verwundert sah Milseya Nerves an. „Wer ist denn noch hier?“ Noch bevor er
antworten konnte, rauschte Nahima bereits in das Zimmer. „Milseya!“ Sie
breitete ihre Arme aus und drückte die jüngere Frau fest an sich, bevor sie
Milseyas Kopf in ihre Hände nahm und ihre Stirn an die ihrige drückte.
„Jomiael Batarael!“, begrüßte Nahima sie. Milseya schluckte die
aufsteigenden Tränen herunter. „Jomiael Batarael, Nahima“, flüsterte sie.
„Mein Gott, wie du nur ausschaust!“, empörte sich Nahima, als sie Milseya
eingehender betrachtete und warf einen vorwurfsvollen Blick zu Maximilian.
„Eure Sternenflotte macht aus dem schönsten Gesicht eine Fratze.“ Nerves
zuckte nur mit den Schultern, da er wusste, dass seine Frau gerade erst mit
ihrer Tirade begonnen hatte. „Sieh dir nur deine Haltung an..“, wetterte
Nahima weiter, als sie um Milseya herum schritt. „Wie lange hast du nicht
mehr trainiert? Und komm mir nicht mit dem Argument, du hättest keine Zeit
dazu gehabt... es gibt keine Ausreden! Und dann diese Haare! Mein Gott,
ich mag mir nicht einmal vorstellen, wie dein Körper unter der Kleidung
aussieht. Du siehst entsetzlich aus!“ Dann trat die resolute Frau vor Milseya
und sah ihr in die Augen. „Aber du lebst“, flüsterte sie glücklich lächelnd,
bevor sie Milseyas Hand ergriff und mit ihr in Richtung Garten ging.
Fassungslos schlug Milseya die Hände vors Gesicht. In dem traditionell
dekorierten Garten tummelten sich Personen, die sie seit Jahren nicht mehr
gesehen hatte - ihre Freunde von der Akademie, die Fliegerstaffel ihres
Jahrganges, Freunde aus ihrer Kindheit .. sie waren beinahe so gut wie alle
da. Ungläubig schüttelte Milseya ihren Kopf und sah zu Maximilian. „Das
war nicht meine Idee gewesen“, erklärte er. „Als einige erfuhren, dass du
wieder da bist, haben sie die anderen kontaktiert und beschlossen, dich
willkommen zu heißen. Den Rest hat Nahima arrangiert.“
Für eine Antwort blieb ihr keine Zeit, denn einige hatten bereits regelrecht
den Balkon gestürmt und das große Hallo mit vielen Umarmungen, Tränen
und Lachen begann. Sie zogen Milseya in den Garten und brachten sie zu
den anderen Gästen, wo sich das Ganze immer wieder wiederholte.
Endlich fand Milseya Zeit sich mit ihren engsten Freunden zu unterhalten.
Sie zogen sich in einen Winkel des Gartens zurück. Immer noch überwältigt
von dem Empfang, sah sie in die kleine, vertraute Runde. „Ihr seid
vollkommen verrückt!“, erklärte sie, was bei ihren Freunden nur ein lautes
Lachen auslöste. „Aber wie? Ich meine, woher wusstet ihr es?“
Marcus grinste sie an. „Du meinst, abgesehen davon, dass wir deinen
Namen auf der Mannschaftsliste der Community gelesen haben? Nun ja, vor
ein paar Tagen hat sich jemand nach dir erkundigt.. ein Dray.. May ..“
„Gray. Dorian Gray“, warf Milseya ein. Erstaunte Blicke aus der Runde baten
um eine Erklärung, die sie ihnen nicht gab.
„Jedenfalls haben wir ihm nichts gesagt“, erzählte Timothy weiter.
„Und habt ihn damit wahrscheinlich an den Rand der Verzweiflung
getrieben“, schmunzelte Milseya.
„Gut möglich!“, erwiderte Timothy. „Nur Bethany konnte natürlich nicht ihren
Mund halten!“
„Das ist gar nicht wahr!“, verteidigte sich diese aufgebracht. „Ich habe ihm
lediglich gesagt, dass du Opern magst. Besonders diese eine. Der Kerl hat
wirklich nicht locker gelassen, da ist mir nichts anderes eingefallen.“
„Dann verdanke ich dir also diesen wundervollen Abend in Verona“, erklärte
Milseya und seufzte laut, als die Erinnerungen hoch stiegen.
„Das klingt nach einer sehr interessanten Geschichte“, meinte T'Sik und hob
neugierig eine Augenbraue.
„Nicht für Vulkanier!“, lachte Milseya.
„Ich hab Hunger“, maulte Bethany und sah vorwurfsvoll Marcus an.
Dieser verdrehte die Augen und seufzte. „Schon gut! Na, kommt. Ich bin mir
sicher, Nahima hat sich wieder einmal selbst übertroffen!“
Die Gruppe setzte sich in Bewegung, als Timothy Milseya am Arm packte.
„Lass uns reden!“, bat er sie und deutete mit einem Kopfnicken in den
hintersten Teil des Gartens, wo „ihre“ Bank stand.
„Die beiden Pins stehen dir gut!“, erklärte Milseya lächelnd, als sie sich
setzte.
„Wärst du nicht fortgegangen, dann hättest du vermutlich schon lange auch
zwei“, gab Timothy zurück.
Sie seufzte. „Und vielleicht habe ich bald keinen mehr.“
Er schüttelte den Kopf. „Wie konnte das nur geschehen, Mili? Was ist mit dir
passiert? Ich hätte jeden anderen von uns eher vor einem
Sternenflottengericht vermutet - aber dich? Bei all deinem Temperament
warst du dennoch immer die gewesen, die ihre Angelegenheiten stets auf
die korrekte Art gelöst hat.“ Er nahm ihre Hand und drückte sie.
„Ich weiß es nicht, Tim. Im Nachhinein kann ich es mir selber nicht erklären.
Ich weiß nur, dass es mir damals als das einzig Richtige erschienen ist. Du
weißt nicht, wie es dort war...“ Sie stockte.
„Ich verurteile dich nicht, Mili. Du weißt, dass ich das nie könnte .. Max hat
mir einiges erzählt. Ich verstehe deine Wut, deinen Wunsch nach Vergeltung
.. Wäre ich dort gewesen, dann hätte ich ihn ..“
Sie unterbrach ihn scharf, da sie wusste, was er sagen wollte. „Das war nie
eine Option, Timothy. NIEMALS!“
Der Mann erschrak über den harten Tonfall, den er noch nie bei seiner
engsten Vertrauten gehört hatte. Plötzlich wurde ihm klar, wie sehr sie sich
verändert hatte. Sie war nicht mehr nur die lebenslustige, impulsive Frau
von früher, mit der er mehr als nur 'Pferde gestohlen' hatte. Zum ersten Mal
entdeckte er einen bislang unbekannten Teil ihrer Persönlichkeit. War das
die bajoranische Hälfte? Er betrachtete Milseya aufmerksam. Das war etwas
Hartes, Unnahbares an ihr.. Wie tief muss sie verletzt worden sein? fragte er
sich. Wie viel kannte er noch nicht an ihr - trotz des Gefühls sie in- und
auswendig zu kennen?
„Entschuldige!“, erwiderte er. „Ich hatte es vergessen.“
„Nein, es tut mir leid, Tim. Ich hätte dich nicht so anfahren sollen“,
entschuldigte sich Milseya. „Es hat sich einiges verändert... ich habe mich
verändert.“ Sie seufzte.
„Möglich. Vielleicht hast du aber auch nur eine Seite an dir entdeckt, die du
bislang nicht kanntest.. oder nicht akzeptiert hast“, sprach Timothy seine
Gedanken laut aus.
Verwundert sah sie an. „Du denkst, dass ich mein bajoranisches Erbe
entdeckt habe?“ Er nickte.
Milseya dachte nach. „Ich habe diesen Teil in mir nie verleugnet, Tim. Aber
das bajoranische Denken, ihr Glaube - damit habe ich nie etwas anfangen
können. Es war mir immer fremd. Daher weiß ich es einfach nicht. Doch
wenn du Recht hast, wenn dies ein Teil meiner Selbst ist, dann bedeutet es
auch, dass ich es es jederzeit wieder tun würde.“
„Das hoffe ich nicht“, erwiderte der Mann. „Um deinetwegen - und um
unsertwegen!“
„Euretwegen?“
Er seufzte auf. „Als wir - Marcus, Bethany, T'Sik, Antoine, Kathlin und all die
anderen, ja selbst Max - erfahren hatten, dass du vor Gericht gestellt wirst,
da haben sie dem Oberkommando Mitteilungen geschickt, in denen sie ein
gutes Wort für dich einlegen. Wir alle haben für dich die Hand ins Feuer
gelegt und beschworen, dass dein Verhalten nur mit den extremen
Umständen und mit der schweren psychischen Belastung durch den Tod
deines ..“ Er hielt inne. Der Gedanke war noch so neu für ihn. Sie war
verheiratet gewesen. Mit einem anderen Mann. Ein seltsames Gefühl!
„..Mannes und deines Kindes zu erklären sei.“
„Ihr habt was getan?!“ Entsetzt war Milseya von der Bank aufgesprungen.
„Habt ihr denn alle den Verstand verloren? Wir haben uns zwei, wenn nicht
drei Jahre lang nicht gesehen! Wie könnt ihr mich beurteilen? Wie konntet
ihr nur für mich Zeugnis ablegen?“, erregte sie sich.
„Das spielte für uns keine Rolle.“, versuchte Timothy sie wieder zu
beruhigen. „Vergiss nicht, wir alle stehen mehr oder weniger in deiner
Schuld.“
Milseya schüttelte den Kopf. „Ihr schuldet mir gar nichts! Nicht das
Geringste! Ihr hättet das nicht tun sollen. Verdammt, was habt ihr euch
dabei gedacht?“
„Seyanan..“
„Nenn mich nicht so!“, fuhr sie ihm über den Mund und bedauerte es im
gleichen Augenblick. Er hatte sie früher so genannt, aber mittlerweile (so
empfand sie es) hatte nur noch Thovan (und Dorian?) das Recht, sie so zu
rufen. „Bitte verzeih! Es ist nur so, dass .. dass .. ach, ich weiß auch nicht.
Das alles ist irgendwie einfach zuviel.“ Milseya ließ sich auf die Bank fallen
und rieb mit ihrer linken Hand ihre Stirn.
Timothy rutschte zu ihr hin, drehte ihren Oberkörper zu sich hin und legte
seine Stirn auf ihre. „Schon gut“, flüsterte er, während er in ihre Augen sah.
„Ach, Oumriel“, seufzte sie leise.
„Bin ich das noch?“, fragte Timothy
„Du warst der Erste“, lautete die unerwartete Antwort.
„Gibt es jetzt noch einen?“ Zögern.
„Ja. Auch er hat überlebt.“
Er schloss die Augen, hob zu einer Antwort an, aber es kam kein Ton über
seine Lippen.
„Er ist anderes.“, sagte Milseya
„Ward ihr..? Habt ihr..?“
„Nein. Diese Grenze haben wir nie überschritten.“
Timothy wusste nicht, ob er darüber erleichtert sein sollte. Er wusste nicht,
was er empfinden sollte. Die Verbindung zu Milseya bedeutete ihm
unendlich viel. Sie hatte nie aufgehört - auch nicht nachdem ihre Beziehung
in Freundschaft beendet worden war. Dennoch versetzte es ihm einen Stich,
dass es nun jemand anderen gab, der ebenfalls so mit ihr verbunden war,
selbst wenn er wusste, dass er keinerlei alleinige Rechte darauf hatte. „Ich
würde ihn gerne kennen lernen“, meinte er schließlich.
Sie lachte leise auf. „Damit ihr über mich tratschen könnt?“
Er grinste. „Ich könnte mir schlimmere Gesprächsthemen vorstellen.“
„Es ist soweit, Milseya!“, rief Nahima. Die Beiden sahen sich einen
Augenblick an – so, wie sie sich schon sehr oft angesehen hatten. Timothy
hauchte Milseya einen Kuss auf die Stirn, bevor sie sich erhoben und zurück
gingen.
Die Gäste hatten es sich bereits auf den vielen Decken auf dem Boden
bequem gemacht und sahen erwartungsvoll zu Milseya, die zu der großen
Kerze, die in der Mitte des Gartens aufgestellt war, ging. Nahima reichte ihr
einen Span, an dem eine kleine Flamme loderte, mit dem sie schließlich die
Kerze anzündete und dann begann mit geschlossenen Augen den
traditionellen Horath zu singen ....
.... Jomiael hahnalia ma marou natalia ... Rumael tavariel fatra di va
Jomiael...
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Jun 24 2005, 13:23
Hanni hatte Jeremiah dazu überredet, mit ihr Surfen zugehen. Obwohl er
eigentlich nicht surfen konnte, hatte Jerry ihr zugestimmt, da er dachte, dass
das recht einfach sei. Doch die Wellen, die bis zu sieben Meter hoch werden
konnten, brachten ihn schnell wieder zurück auf den Boden der Tatsachen
oder besser gesagt ins Wasser. Nachdem schon zehnmal hintereinander ins
Wasser gefallen war, paddelte Jerry frustriert wieder in Richtung Strand.
Hanni folgte ihm und fragte: „He, was ist denn los?“ „Mein Bedarf an
Meerwasser ist für heute gedeckt. Ich bin ja schließlich keine Nudel.“,
bemerkte Jeremiah leicht angesäuert. Hanni verstand sofort, worum es ging.
„Ich dachte du kannst surfen, sonst hätte ich es dir beigebracht.“ „Und ich
habe gedacht, dass ich Surfen schnell per Learning by doing meistern kann.
Aber es ist schwerer als es aussieht.“ Hanni gab ihren Freund einen Kuss,
grinste dann und erwiderte: „Das hättest du dir doch denken können, mein
Lieber.“
Um das Thema zu wechseln, bemerkte Jerry: „Was hältst du davon, wenn
wir eine Kleinigkeit essen.“ Seine Freundin nickte: „Gute Idee. Räumst die
Surfbretter weg, ich muss noch was holen.“ Schelmisch fügte sie noch
hinzu: „Oder willst du heute doch noch ein paar Mal im Wasser landen.“ Das
Jeremiah wortlos sich ein Surfbrett schnappte und in Richtung des
Strandhauses lief, war für Hanni Antwort genug.
Wenig später war auch Hanni wieder zurück, bewaffnet mit einen
mittelgroßen Picknickkorb. Es gab Sandwichs und Chicken Wings, zum
Trinken gab es Apfelschorle. Doch die größte Leckerei war das Dessert,
Vanilleeis mit etwas Rum übergossen und mit Schlagsahne,
Annanasstücken und Schokostreuseln garniert. Nach den Mittagessen
ruhten sich die beiden Turteltäubchen erst ein wenig im Schatten aus, bevor
sie schwimmen gingen, da Hanni die zusätzlichen Kalorien abtrainieren
wollte.
Gegen Abend waren dann die beiden zum Haus der Stevensons
zurückgekehrt und saßen nun aneinander gekuschelt auf der Veranda und
beobachteten den Sonnenuntergang. Nachdenklich strich Jerry seiner
Freundin übers Haar und fragte: „Und wie geht es dir.“ „Ganz gut. Weißt du,
ich brauche eigentlich nur Sonne, Sand und Meerwasser. Gestern habe ich
auch meine Erlebnisse auf diesen Höllenplaneten, wie ich ihn nenne,
aufgeschrieben Nicht in einen nüchternen Bericht fürs Oberkommando,
sondern in meinen Tagebuch.“ Jeremiah nickte nur: „So richtig
handschriftlich?“ „Natürlich handschriftlich. Was dachtest du denn?“ „Meine
Schwester malt Bilder bzw. zeichnet Grafiken.“
Jerry lächelte kurz und fragte dann: „Kann ich es lesen?“ „Was willst du
denn lesen?“ „Dein Tagebuch.“ Halb entrüstet, halb amüsiert, löste sich die
junge Frau von ihren Freund, nahm ein Sitzkissen von einen Stuhl und warf
es ihm ins Gesicht. „Neugierig bist du wohl gar nicht, Hase.“
Jerry versuchte sein unschuldigstes Grinsen aufzusetzen, was aber nach
dem Kissentreffer sehr schwer fiel. „Nein, natürlich nicht.“ Aber schnell hatte
er sich das Kissen geschnappt und zurückgeworfen. Sekunden später fand
auf der Veranda eine Kissenschlacht statt. Doch schon nach einigen
Minuten war der „Kampf“ auch schon wieder vorbei, denn Jeremiah hatte
sich todesmutig ins „feindliche Lager“ gewagt und der dortigen
Kommandantin einen Friedensvertrag angeboten, der angenommen und mit
einen Kuss besiegelt wurde.
Geschrieben von: Lucas Bishop am Jun 25 2005, 13:54
Schuld und Sühne – Teil 1
Hotel Egrimo – Betazed City – Betazed
Lt. Bishop stand auf dem Balkon seines Hotelzimmers und beobachtete das
bunte Treiben auf den Straßen. Betazed war ein schöner Planet, er wirkte
so friedlich und idyllisch – man konnte kaum glauben, dass das Dominion
beinahe alles ausgelöscht hätte. Doch trotz der beruhigenden Umgebung
mit den großen Seen, den vielfältigen Pflanzen und dem angenehmen
Klima, fühlte sich Lucas unwohl. Den Grund hierfür kannte er nicht, vielleicht
lag es an dem Wiedersehen mit seiner Mutter oder an den telepathisch
begabten Betazoiden. Gedankenleser waren dem Sicherheitschef nicht so
ganz geheuer, wer konnte denn wissen, dass sie keine privaten Gedanken
lesen. Lucas hatte die Überzeugung, dass seine Gedanken keinen Anderen
etwas anzugehen hatten. Seine Gedanken waren eh uninteressant, er hatte
eine Schuld auf sich geladen und musste nun versuchen eine Beziehung zu
retten. Eine ganz besondere Beziehung, die von Mutter und Sohn!
Neugierig beobachtete Lucas die belebten Straßen, auf denen sich viele
fremde Lebewesen tummelten. Hauptsächlich waren Betazoiden unterwegs,
zwischendurch konnte man ein paar bolianische Touristen erkennen.
Dickliche blaue Glatzköpfe mit Badelatschen, kurzen Hosen und
Holokameras waren einfach nicht zu übersehen. Bishop musste lachen und
tat es so laut, dass er beinahe die Nachbarn geweckt hätte. „Was ist denn
los, mein Bärchen?“ hörte er die sanfte Stimme von Nanni aus dem
Innenraum des Zimmers rufen. „Alles in Ordnung, meine Süße…“ antwortete
Lucas behutsam und hoffte, dass er seine Freundin nicht geweckt hatte.
Aber Nanni war leider durch seinen kleinen Lachanfall wach geworden,
doch sie verzieh ihrem Freund. Lucas hatte schon länger nicht so herzlich
gelacht und die momentane Situation war alles Andere als komisch. Nanni
rollte sich auf die Seite und schaute in Richtung Balkon, dann rief sie
süffisant: „Lucas komm wieder ins Bett, ich warte auf Runde 2!“ Lt. Bishop
antwortete unabsichtlich mit einem Grienen seinerseits. „Nanni hast du nicht
genug? Denk doch an die anderen Hotelgäste“ entgegnete Lucas und
erinnerte sich an die letzte Nacht. Sein linkes Ohr hallte immer noch von
dem lauten Organ seiner Freundin, dass sich zu verstärken schien während
eines ….
In diesem Moment aktivierte sich das Terminal in der Nähe des Bettes und
die Schrift „Incoming Message“ blinkte rot auf. Nanni schaute das
Nachrichtenterminal böse an, am liebsten hätte sie es mit der Kraft ihrer
Gedanken zerstört. Diese eingehende Nachricht hatte ihr Verlangen nach
der körperlichen Nähe ihres Freundes gestört, nein sogar dreist verhindert.
Lucas war sofort hereingestürmt, hatte zuerst Nanni angesehen sich dann
aber für das blinkende Ding entschieden. Es war eine Nachricht von Larson,
dem neuen Ehemann von Lucas Mutter. Aber was in der Nachricht stand,
gefiel dem Sicherheitschef gar nicht. Seine Mutter wollte Larson zum ersten
Treffen mit Lucas schicken, weil sie mental noch nicht bereit war ihren Sohn
zu sehen. Zu sehr war sie enttäuscht gewesen. Larson war ein sehr direkter
Vertreter seiner Spezies, den Betazoiden, dass schlug sich auch in den
Worten und Zeilen seiner Nachricht nieder.
Wütend drückte Lucas die Buchstabenketten weg und am liebsten hätte er
den ganzen Monitor über den Balkon fliegen lassen. Nanni kannte diese
Geste von Lucas, als er das Terminal ausschaltete. Langsam rutschte sie
zum Fußende des Bettes, um ihr Schlafgewand zu holen, damit sie nicht
nackt aufstehen musste. Lucas saß immer noch regungslos vor dem
Bildschirm und starrte auf die schwarze Fläche. Nanni näherte sich
behutsam von hinten und legte ihrem Geliebten ihre Hände auf die
Schultern und drückte sanft zu. Lucas spürte die liebevolle Geste von Nanni,
aber konnte sie im Moment nicht erwidern. Die Worte von Larson hatten ihn
schwer getroffen, sie hatten sich in seine Seele gebrannt wie ein Brandeisen
in die Haut eines Rindes. Bishop hatte viel erwartet, aber das er erst den
neuen Mann seiner Mutter überzeugen musste ihm zur Verzeihen, damit
hatte er nicht gerechnet.
„Lucas, was ist denn mit dir?“ hauchte ihm Nanni mitfühlend ins Ohr und
umarmte ihn von hinten. Schlagartig drehte sich Lucas auf dem Stuhl
herum, blickte Nanni ins Gesicht und sah sie mit feuchten Augen an. Die
Biologin schaute ihren Freund erschrocken an, was war bloß los mit ihm?
Sie wollte gerade etwas sagen, als ihr Bishop zuvorkam und Nanni eine
ganz schlimme Frage stellte. „Bin ich ein Monster?“ fragte Lucas und sah
emotionslos zu seiner Freundin. Nanni war entsetzt und vor lauter Schreck
entfernte sie sich ein paar Schritte von ihm. „Du bist doch kein Monster…
Wie kommst du denn nur auf so was?“ antwortete Nanni traurig, weil ihr
Lucas leid tat. „Monster sind schlecht und werden stets bestraft“ war die
ernüchternde Antwort. Nanni fing an zu weinen, ging auf den
Sicherheitschef ihres Herzens zu und küsste ihn. Anders wusste sie sich in
diesem Moment nicht zu helfen. Doch diesmal erwiderte Lucas ihren Kuss
nicht, stattdessen stieß er sie weg. Diese Geste versetzte Nanni einen
Schrecken und eine seelische Wunde. „Da siehst du, dass ich ein Monster
bin…“ brüllte ihr Bishop entgegen, rannte aus dem Hotelzimmer und schlug
die Tür hinter sich zu. Nanni stand fassungslos da und schaute ihrem
Freund verdutzt hinterher, erst nach einer Weile fiel sie weinend aufs Bett.
- wird fortgesetzt –
Geschrieben von: Selina Kyle am Jun 25 2005, 15:59
Das Gebäude war immer noch genauso beeindruckend wie damals, als sie
zum ersten Mal davor gestanden hatte. Wie lange war das jetzt her? Fünf
Jahre? Sechs? Und wie überglücklich hatte sie sich damals als frisch
gebackener Kadett gefühlt! Wie stolz war sie an diesem Tag gewesen zur
Sternenflotte dazu zu gehören!
Und heute? Das Gebäude strahlte immer noch die Erhabenheit und die
Stärke eines Machtzentrums aus. Aber SIE hatte sich inzwischen verändert.
Nachdenklich betrachtete Milseya das Gebäude, in dem sich heute ihr
Schicksal entscheiden würde. Waren diese Gefühle des Glücks und des
Stolz von damals noch da?
Maximilian Nerves betrachtete die junge Frau von der Seite. Was mochte
wohl gerade in ihrem Kopf vorgehen? Er konnte keinerlei Gefühlsregung auf
ihrem Gesicht erkennen. In den letzten zwei Tagen hatten sich die Beiden
intensiv mit allem was auf dem Sandplaneten und danach geschehen war,
auseinandergesetzt. Er hatte ihr zugehört, sie zurecht gewiesen, sie
angeschrien, sie im Arm gehalten, sie getröstet, sie verstanden. Und
dennoch, jetzt wo sie hier standen, wusste er nicht was in Milseya vorging.
Er hatte nicht die geringste Ahnung, ob sie sich verteidigen würde, ob sie
kämpfen würde, ob sie dafür gerade stehen würde oder ob sie einfach
aufgeben würde.
„Lass uns rein gehen“, forderte Nerves sie auf.
Milseya nickte stumm, während sie begann trotz der sommerlichen
Temperaturen zu frösteln.
Selina saß auf ihrem Balkon und nippte an der dampfenden Tasse Kaffee.
Die Sonne ging langsam auf und erhellte die gesamte Umgebung mit ihren
Sonnenstrahlen. Selina hatte wenig geschlafen. Zu sehr fehlte ihr ihre
Tochter und zu sehr beschäftigten sich ihre Gedanken mit der
bevorstehenden Anhörung. Was würde sie erwarten? Und vor allem, wie
würde es ausgehen?
Selina schüttelte den Kopf. Es brachte einfach nichts sich verrückt zu
machen. In wenigen Stunden begann die Show. Mit einem Ruck erhob sie
sich und nahm erstmal eine ausgiebige Dusche.
Die Sonne strahlte kräftig vom Himmel und verwöhnte die Bevölkerung von
San Francisco mit ihrer Wärme. Selina betrat das Hauptquartier um sich in
die Höhle des Löwen zu begeben. Zu ihrer Überraschung stand an einem
Wegweiser, auf dem sämtliche Büros und Abteilungen verzeichnet waren,
eine ihr bekannte Person. Es war John Gilmore. Selina fragte sich, was er
hier wollte und ging auf ihn zu.
„Dr. Gilmore! Was machen Sie denn hier?“ John war in seinen Gedanken
vertieft gewesen. Fieberhaft suchte er nach dem richtigen Büro. Er hatte von
der Anhörung gehört zu der Milseya musste und er wollte sie unbedingt
begleiten und für sie da sein. Immer noch leicht abwesend drehte er sich zu
der Person um, die ihn angesprochen hatte. Ungläubig starrte er in Selinas
Gesicht. Was machte sie nur hier? Seine Augen tasteten jeden Zentimeter
der 1. Offizierin ab und er spürte, wie sein Herz ein wenig schneller schlug.
Mein Gott! War dieser Frau eigentlich bewusst, wie schön sie war? John
fühlte sich nicht in der Lage seinen Blick von ihr abzuwenden oder sich
wieder auf den eigentlichen Grund seines Hierseins zu konzentrieren. Nach
einer halben Ewigkeit fand er endlich seine Sprache wieder.
„Nun .... also ..... ich habe von der Anhörung gehört und wollte Milseya
eigentlich unterstützen.“ Selina lächelte. „Das ist sehr schön, daß Sie Ihre
Freundin so sehr unterstützen.“ Johns Gedanken rasten. Hatte sie das Wort
„Freundin“ eben speziell betont? Oder bildete er sich das nur ein? Ganz
gleich, wie sie es gemeint hatte, er fühlte sich genötigt das richtig zu stellen.
„Ja genau. Mili ist meine Freundin .... eigentlich viel mehr ... sie ist meine
kleine Schwester. Wissen Sie, ich muss ständig den großen Bruder für sie
spielen, sonst ist sie verloren.“
Selina verkniff sich ein Lachen. „Ich verstehe. Dann sollten wir uns beeilen.
Die Anhörung wird bald beginnen.“ Selina deutete John an ihm zu folgen.
Immer wieder sah sie ihn aus ihren Augenwinkeln heraus an. Der Arzt trug
keine Uniform sondern ein schwarzes enganliegendes Shirt und dazu
perfekt sitzende Jeans. Selina mochte es kaum glauben, daß da absolut
nichts sexuelles zwischen ihm und Milseya lief. Entweder war Milseya blind
oder hatte einen komplett anderen Männergeschmack als sie ....
„Die Anhörung ist im 1. Stock“, erklärte Nerves und drehte sich um zu
Milseya.
Jeder Schritt fiel der Hallianierin unendlich schwer. Immer wieder musste sie
den Impuls auf der Stelle kehrt zu machen und davon zu laufen,
überwinden. Und das Frösteln hatte zugenommen, seit sie das kühle
Gebäude betreten hatten.
„Komm endlich, Kleines. Es wird keinen guten Eindruck machen, wenn du
zu spät kommst“, wurde er ungeduldig. Dann fiel ihm ihr Gesichtsausdruck
auf – sie hatte Angst! Nein, das war regelrechte Panik! Er hatte das noch nie
bei ihr gesehen! Er ging zu ihr, nahm sie in den Arm. „Ganz ruhig, Milseya!“,
flüsterte er, während er den regelrecht erstarrten, kalten Körper fest hielt.
„Ich kann nicht“, presste Milseya hervor.
„Du kannst und du wirst! Ich erwarte, dass du dich dem stellst!“, befahl er mit
leiser Stimme. Dann löste er die Umarmung. „Beweg dich!“
Milseya stolperte vor, die Beine gehorchen dem Befehl, überwanden ihren
eigenen Willen. Immer sicherer, immer schneller, bis sie um eine Ecke bog
und mit voller Wucht in einen Körper rannte.
Auf dem Weg zum Büro hatte Selina noch einen alten Bekannten getroffen.
John wartete geduldig einige Schritte entfernt. Selina beendete das
Gespräch und deutete John an, weiter geradeaus zu gehen. Sie lief ihm
hinterher und nutzte die Gelegenheit ihm auf seinen Hintern zu starren. "Da
vorne rechts rum." John drehte sich zu ihr um, lächelte sie kurz an und stieß
mit jemanden zusammen. "Auaaaaa!" Ein wenig verärgert sah John auf die
Person die ihn angerempelt hatte. "Milseya! Da bist du ja!" Sein Ärger
verschwand sofort aus seinem Gesicht und leicht besorgte Gesichtszüge
machten sich breit. Selina schloß zu der kleinen Gruppe auf und schaffte es
endlich ihren Blick von Johns Hinterteil zu lösen.
„John?“ Milseya war verwirrt. „Was machst du hier?“ Da fiel ihr Blick auf die
Frau, die sich ihnen näherte. Commander Kyle! Was tat sie denn hier? Und
starrte sie etwa gerade auf Johns Hintern? Milseya war völlig irritiert. Was
war hier los? „Commander!“
John wollte Milseya gerade antworten als ihm Selina zuvorkam. "Fähnrich
Anquenar! Schön, das Sie auch schon da sind. Ich wurde ebenfalls zu
dieser Anhörung vorgeladen. Ich muss mich dafür verantworten weil ich Sie
nicht an Ihrem Handeln gehindert habe ...... und Dr. Gilmore ist hier, weil er
Ihnen seine Unterstützung anbieten wollte aber wie ich sehe, haben Sie
bereits welche dabei." Selina streckte dem Begleiter von Milseya zur
Begrüßung die Hand hin.
„Es tut mir leid, Commander, dass ich Ihnen Umstände bereite. Darf ich
vorstellen? Commodore Maximilian Nerves, mein ehemaliger Fluglehrer an
der Akademie. Commodore, dies sind Commander Selina Kyle und Dr. John
Gilmore.“, stellte sie die Anwesenden vor.
Nerves ergriff Selinas Hand und schüttelte sie, während er sie eindringlich
ansah. „Commander Kyle. “ Dann reichte er sie John. „Sie sind also
Milseyas Oumriel“, begrüßte er ihn.
John erwiderte den festen Händedruck. "Hallo. Ja das bin ich." In seiner
Stimme schwang so etwas wie Stolz mit. John bedeutete die Verbindung mit
Milseya sehr viel.
Selinas Blick fiel auf Milseya. Man konnte der Pilotin ansehen, daß es ihr
nicht gut ging. Selina versuchte aufmunternd zu lächeln. "Keine Sorge, es
wird schon nicht so schlimm werden ....... es ist Zeit, wir sollten jetzt gehen."
Milseya nickte dem Commander zu. Sie drehte sich zu Nerves um und
reichte ihm ihre Tasche. Er nahm sie und gab sie gleich an John weiter. „Ich
werde der Sitzung beiwohnen, Milseya“, erklärte er ruhig. Überrascht sah sie
ihn an. „Kein Sorge, ich bin kein Mitglied des Komitees. Mir wurde nur
erlaubt, der Sitzung beizuwohnen. Dr. Gilmore, wünschen Sie ebenfalls bei
der Anhörung zu gegen zu sein? Ich könnte das arrangieren?“
John machte ein überraschtes Gesicht genauso wie Selina. "Ja aber
natürlich möchte ich dabei sein!" Selina verzog nicht das Gesicht, zuckte
noch nicht einmal mit der Wimper aber innerlich war sie aufgewühlt. Sie hielt
es für keine gute Idee, daß John bei der Anhörung dabei war. So wusste er
doch zu viel. Was war, wenn er nicht seine Klappe halten würde? Aber
vielleicht machte er es davon abhängig, wie sehr sich Selina für Milseya
einsetzte? Selina schwieg.
Nerves sah Kyle an. Irgendetwas sagte ihm, dass etwas nicht stimmte.
„Commander, ist es Ihnen recht?“
Selina rang sich ein Lächeln ab. "Aber sicher doch. Wir sollten jetzt endlich
gehen. Ich möchte nicht zu spät kommen." Die kleine Gruppe setzte sich in
Bewegung. Sie wurden bereits erwartet und die Gruppe betrat den
Anhörungsraum. Drei Personen erwarteten sie. Selina erkannte eine von
ihnen: Admiral Samantha Jones. Die Frau nickte ihr kurz zu. Milseya und
Selina mussten sich direkt vor das Komitee setzen. John und Commodore
Nerves setzten sich auf zwei Stühle die seitlich angeordnet waren.
Milseya wandte ihren Blick zu John, der nervös zu ihr hin sah. Dann sah sie
Max eindringlich an. Der Commodore nickte. Er wandte sich zu John. „Egal,
was hier passiert, egal, was Sie auch hören, Sie werden schweigen! Sie
werden nicht die geringste Gefühlsregung zeigen, Doktor. Ansonsten
werden Sie in dem Krankenhaus ihres Vaters Nachtschichten schieben. Und
glauben Sie mir, das ist ein Leichtes für mich!“, flüsterte er John ins Ohr.
John wusste nicht so recht, wie er mit dieser Drohung umgehen sollte. Er
nickte kurz und richtete sein Blick wieder auf das Geschehen. Admiral Jones
stellte die anderen beiden Komitee-Leiter vor. Der Mann an ihrer rechten
Seite war Commodore Lorek. Ein Vulkanier der schon sehr lange in der
Sternenflotte diente. Links neben ihr saß Admiral Ross, ebenfalls ein
Veteran der Sternenflotte. Admiral Jones eröffnete die Anhörung. "Fähnrich
Anquenar, Sie wissen, weshalb Sie heute vor dem Komitee sitzen?"
„Ja, Ma‘am.“, erwiderte die Haliianerin ruhig. „Weil geklärt werden soll, ob
ich als Offizier der Sternenflotte einen Gefangenen wissentlich gefoltert und
ihn einer sogenannten haliianischen Bestrafung unterzogen haben soll.“
Jones nickte und sah zu Selina. "Commander Kyle, auch Ihnen ist bewusst,
warum Sie heute hier sind?" Selina nickte. "Ja Admiral. Es soll heute geklärt
werden, ob ich Fähnrich Anquenar hätte aufhalten sollen in meiner Funktion
als Führungsoffizier und Kommandantin," Admiral Jones nickte abermals.
Ihr Blick fiel wieder auf Milseya. "Fähnrich Anquenar, bitte schildern Sie die
Situation die Sie zu Ihrer Tat bewegt hat."
Milseya atmete tief durch. Dann begann sie dem Komitee (wie oft hatte sie
diese Geschichte eigentlich schon erzählt?) in ruhigen Worten von dem
Absturz der „Risian Sun“, von den Überlebenden, dem Hauptquartier der
Fremden und deren Anführer zu erzählen. Sie berichtete von den Zuständen
im Lager, wie Lt. Commander Brien starb. Sie holte tief Luft, bevor sie
äußerlich ruhig, aber innerlich zum Zerreißen gespannt, von der
Vergewaltigung, Thovans Tod und der Fehlgeburt erzählte. Sie schilderte
dem Komitee die Umstände ihrer Rettung, ihren selbst gewollten
Gedächtnisverlust, wie die Primärsektion von den Fremden angegriffen
wurde, wie sie das Nebenlager und später das Hauptquartier angegriffen
hatten. Dabei erwähnte, wie bereits zuvor auch, nicht den Zwischenfall
zwischen Commander Kyle und ihr im Nebenlager, auch das, was John ihr
erzählt hatte, kam mit keiner Silbe über ihre Lippen. Sie beendete ihre
Ausführungen mit der Bestrafung des Anführers und der später erfolgten
Aufhebung dieser.
Als sie geendet hatte, erhob Commodore Lorek das Wort. „Fähnrich.
Wusste Commander Kyle, was Sie vorhatten?“
Milseya schüttelte den Kopf. „Ich habe es ihr nicht gesagt.“
„Gemäß den vorliegenden Berichten hatte der Commander einen Lieutenant
angewiesen, Ihnen den Gefangenen zu übergeben, wenn Sie es
wünschten.“
„Das ist korrekt, Commodore, auf meine Bitte hin. Aber sie wusste nicht,
was ich vorhabe. Das konnte sie auch nicht, da ich meine Entscheidung die
Bestrafung durchzuführen erst endgültig getroffen hatte, als ich mit dem
Anführer alleine war.“
„Soll das bedeuten, Sie sind nicht mit der Absicht den Anführer zu bestrafen
in das Hauptlager gegangen, Fähnrich?“, fragte Admiral Ross.
„Ja, Sir“,antwortete Milseya ruhig. „Ich weiß, das klingt merkwürdig,
insbesondere hinsichtlich meines Schwures ihn dafür büssen zu lassen.
Aber das war bevor die Primärsektion auf den Planeten abstürzte und damit
bevor die Hoffnung auf Rettung wieder da war. Ich war mir meines
Schwures nicht mehr sicher. Eigentlich wollte ich dies mit Commander Kyle
besprechen, aber ich konnte sie nicht finden. Und dann sah ich den
Gefangenen..“
„Wann trafen Sie die Entscheidung, ihn zu bestrafen, Fähnrich?“
„Als ich ihm gegenüber saß und er nicht das geringste Bedauern über seine
'Taten' zeigte, Sir“, erwiderte Milseya nach einem kurzen Zögern.
„Hatten Sie damals vor die Strafe gemäß der haliianischen Gesetze wieder
zurück zu nehmen?“
Nerves hielt die Luft an. Dies war entscheidend. Sie hatten sich die letzten
Tage darüber gestritten, was Milseya darauf antworten sollte. Während die
junge Frau erklärt hatte, sie würde die Wahrheit sagen, hatte er immer
wieder auf sie eingeredet, es nicht zu tun. Es würde ein schlechtes Bild auf
ihren Charakter werfen, sie würde wie eine Rachegöttin da stehen. Milseya
hatte den Kopf geschüttelt – sie würde nicht lügen, es sei so gewesen und
damit fertig!
„Diese Entscheidung traf ich erst, als die beiden Sektionen wieder zurück im
Föderationsraum waren, Sir“, antwortete Milseya ruhig.
„In dem Bericht des Sicherheitsoffiziers der Community, Lucas Bishop,
steht, dass Sie die Bestrafung nicht zurückgenommen hätten, wenn die
Sekundärsektion nicht gekommen wäre.“
„Das ist korrekt, Sir.“
Der Vulkanier hob eine Augenbraue. „Bedeutet das nicht, dass sie nicht die
Absicht hatten, die Bestrafung zurückzunehmen, Fähnrich?“
„Zu dem damaligen Zeitpunkt, in dem Moment der Bestrafung nicht. Das ist
richtig. Aber dann kamen mir Zweifel, Sir.“
„Weshalb?“, verlangte Admiral Jones eine Erklärung.
„Ich kannte die Zeitspanne von fünf Tagen, Ma'am. In diesen fünf Tagen
geschah soviel - die Ankunft der anderen Sektion, unsere Rettung, der Flug
durch das Wurmloch. Und auf einmal war alles wieder anders. Es hatte alles
wieder seine Ordnung. Es gab auf einmal wieder ein Gesetz. Etwas, an das
man sich halten, auf dass man vertrauen konnte. Auf das ich vertrauen
konnte. Und ich hatte mich verändert. Ich war wieder Teil einer Crew. Ich tat
wieder Dienst – ich flog ein Schiff. Ich litt nicht mehr darunter, was mir
angetan worden war. Ich verspürte nicht mehr den geringsten Wunsch
danach, ihn länger büssen zu lassen. Ich erkannte, dass die Bestrafung es
nicht wieder rückgängig machen würde, das es nichts ändern würde. Im
Gegenteil, es nicht zu beenden, hätte bedeutet, wie er zu sein.“
„Kam Ihnen eigentlich zu keinem Zeitpunkt der Gedanke, dass das was Sie
taten, Unrecht war?“, hakte Jones nach.
„Immer wieder, Ma'am. Aber auf dem Planeten verdrängte ich den
Gedanken immer wieder, weil ich es nicht hören wollte. Ich redete mir ein,
dass ich im Recht wäre, auch wenn ich wusste, dass dem nicht so war. Aber
als wir zurück waren, ließ es nicht mehr verdrängen und ich beschloss die
Bestrafung aufzuheben und mich den Konsequenzen für mein Handeln zu
stellen.“
„Eine letzte Frage, Fähnrich, bevor wir Commander Kyle befragen werden.
Würden Sie es wieder tun?“
Milseya senkte ein wenig den Kopf und dachte darüber nach. Wie oft hatte
sie sich das selber gefragt in den letzten Tagen – und keine Antwort darauf
gewusst! Sie hob den Blick und sah alle drei auf der anderen Seite an.
„Ich wusste nicht einmal, dass ich dazu fähig bin, bis ich es getan habe, Sir.
Ich war niemals zuvor in einer solchen Lage, ich habe nie soviel Wut
empfunden, nie so stark den Wunsch nach Vergeltung gespürt. Wäre ich
wieder in genau der gleichen Situation .. ich weiß es nicht. Ich glaube es
nicht, aber ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. Es tut mir leid.“
Admiral Jones nickte und alle drei machten sich Notizen. "Danke Fähnrich
Anquenar. Das wäre erstmal alles."
Der Blick des Admirals fiel nun auf Selina. "Commander Kyle, hatten Sie
Fähnrich Anquenar zum damaligen Zeitpunkt schon in die offizielle Crewliste
aufgenommen?" Selina schüttelte leicht den Kopf. "Nein, Ma'am. Mir war
damals nur bekannt, daß sie Mitglied der Sternenflotte war, mehr nicht. Ich
wusste zum damaligen Zeitpunkt nicht, welchen Posten sie bekleidet hatte
und ich kannte die genaueren Umstände ihres Daseins auf dem Planeten
nicht. Ich hielt es für unklug, eine fast fremde Person in die Crewliste
mitaufzunehmen." Jones musterte Selina kurz und sah zu dem Vulkanier.
Commodore Lorek nickte und stellte die nächste Frage. "Wussten Sie von
dem Vorhaben des Fähnrichs?" Selina dachte an die Zeit zurück. Damals
war es noch Fähnrich Gray gewesen, der sie "offiziell" von Milseyas
Vorhaben unterrichtet hatte. "Nein Sir. Ich habe erst davon erfahren, als sie
sich schon auf dem Weg zum Anführer gemacht hatte." Eine Augenbraue
des Vulkaniers wölbte sich nach oben. "Was haben Sie dann getan?"
Selina spürte den eisigen Blick von Commodore Nerves auf sich ruhen. Am
liebsten hätten sie ihn genauso angesehen aber für solche Machtspielchen
war jetzt keine Zeit. "Ich bin zum Lager gelaufen, um das Schlimmste zu
verhindern. Allerdings war ich davon ausgegangen, dass Fähnrich
Anquenar den Anführer töten wollte. Als ich dann das Lager erreichte suchte
ich nach den Beiden. Ich fand sie dann auch, im einzigen Gebäude des
Lagers." Lorek machte sich einige Notizen. "Wieso haben Sie sie nicht
aufgehalten?"
Selina räusperte sich. "Wie ich schon sagte, ich ging davon aus, dass sie
ihn töten wollte. Aber die Situation stellte sich anders dar. Ich sah durch ein
Fenster, wie sie sich gegenüber saßen und Fähnrich Anquenar dann mit
dem Ritual begann. Ich hatte soetwas zuvor noch nie gesehen. Ich sah nur,
dass sie den Mann nicht tötete, sondern nur das sie ihm einen Kristall an
den Kopf hielt. Erst als alles vorbei war und ich den wimmernden Anführer
auf dem Boden liegen sah, wurde mir klar, was wirklich geschehen war. Ich
weiß, dass ich es niemals soweit hätte kommen lassen dürfen, ganz gleich
ob ich nun wusste was da vorging oder nicht. Mir war klar, dass sich
Fähnrich Anquenar rächen wollte. Ich hätte es verhindern müssen." Selina
holte unmerklich Luft. "Ich übernehme die komplette Verantwortung dafür,
was geschehen ist."
Admiral Ross ließ seine Blicke zwischen Milseya und Selina hin und her
gleiten. "Danke, Commander Kyle. Möchten Sie oder Fähnrich Anquenar
noch etwas hinzufügen?" Beide Frauen antworteten gleichzeitig "Nein, Sir!"
Die drei Komitteemitglieder sahen sich kurz an. "Gut, warten Sie bitte
draussen. Wir werden uns nun beraten." Milseya und Selina erhoben sich,
genauso wie John und Nerves. Alle vier verließen den Raum um das
Ergebnis der Anhörung abzuwarten.
„Danke Commander“, sagte Milsey, als die vier einige Momente lang
schweigend vor dem Raum standen. „Aber sie hätten nicht dafür die
Verantwortung übernehmen sollen. Sie hätten mich nicht davon abbringen
können.“
"Ich weiß, Milseya. Trotzdem verlangt mein Rang den ich bekleide genau
das von mir. Sie kennen meine Meinung zu der ganzen Sache aber ich bin
nunmal Sternenflottenoffizier und ich muss die Verantwortung dafür
übernehmen."
„Dennoch..“ Hilfesuchend blickte sie zu Nerves, der jedoch mit dem Kopf
schüttelte. „Sie hat Recht, Mili.“ Er blickte Kyle an. „Was denken Sie? Wie
wird es ausgehen?“
"Ich weiß es nicht aber ich bin zuversichtlich. Das Gespräch war, wie soll ich
sagen? Ruhig? Ich denke, dass man uns bestrafen wird aber es werden
leichte Strafen sein, also keine die uns ins Gefängnis bringen oder unsere
Karrieren beenden." Selinas Blick fiel auf John der sie leicht fasziniert
ansah.
John war tatsächlich überrascht und fasziniert von Selina. Nie hätte er es für
möglich gehalten, dass sie die volle Verantwortung übernehmen würde.
Nicht nachdem was sie auf dem Planeten getan hatte. Ihm fielen wieder
Milseyas Worte ein. Jetzt war er sich sicher, daß Selina Kyle keine
kaltblütige Killerin war. Sie hatte ihre Gründe gehabt, für diese Bluttat. Es
stand ihm einfach nicht mehr zu, darüber zu urteilen.
Sein Blick fiel auf Milseya. "Wie fühlst du dich? Hast du Angst?"
„Nein..“ Nerves lachte auf. „.. nicht mehr!“, fügte sie hinzu und warf dem
Commodore einen bösen Blick zu - den sie jedoch gleich mit einem Lächeln
wieder aufhob. „Es ist vorüber.“ „Nicht ganz“, warf Nerves ein. „Ich denke,
das Schwerste liegt noch vor dir, Kleines. Aber er wird dir eine große Hilfe
sein. Ich denke, deine Entscheidung zu ihm zu gehen, ist richtig.“
Die Türe des Büros öffnete sich und Admiral Jones kam zum Vorschein.
"Wir haben uns beraten. ich darf Sie bitten wieder hereinzukommen." Alle
Beteiligten sahen sich stumm an und folgten dem Admiral. Selina spürte wie
sich ihr Magen zuschnürte. War sie zu weit gegangen? War es wirklich klug
gewesen die volle Verantworung zu übernehmen? Ihre eigenen Worte fielen
ihr wieder ein. Sie war Sternenflottenoffizier. Dafür die Verantwortung zu
übernehmen, war Ehrensache. Jeder hatte wieder auf seinem Stuhl Platz
genommen und Admiral Ross ergriff das Wort. Er sah zu Milseya. "Fähnrich
Anquenar, dieses Komitee ist folgendem Beschluss gekommen." Ross
nahm ein PADD zur Hand, auf dem das Urteil stand.
„Fähnrich Milseya Anquenar,
dieses Komitee ist zu dem Schluss gekommen, dass die Ihnen
vorgeworfenen Handlungen als Privatperson und nicht als Offizier der
Sternenflotte durchgeführt wurden. Daher kann dieses Komitee kein Urteil
nach den Gesetzen der Sternenflotte über sie fällen. Sie sind demnach als
unschuldig zu betrachten.
Zur Begründung:
Laut Ihrer Akte waren Sie zu dem Zeitpunkt, als Sie die Bestrafung des
Anführers der Fremden durchgeführt haben, kein aktives Mitglied der
Sternenflotte. Sie waren kein offizielles Mitglied der Crew der U.S.S.
Community, auch wenn Sie zum damaligen Zeitpunkt als aktives Mitglied
betrachtet wurden.
Laut den Angaben der haliiansichen Regierung haben Sie in voller
Übereinstimmung mit den dort gültigen Gesetzen und der dort praktizierten
Strafmethoden gehandelt - wenn auch, so betont die Regierung, die
Bestrafung stets nur von ausgebildeten Vollstrecker durchgeführt werden
sollte. Den Grund dafür haben sie am eigenen Leib erfahren.
Uns beunruhigt aber die Tatsache, dass Sie bei der Bestrafung eine
Sternenflottenuniform trugen und auch, wie bereits erwähnt, sowohl von
Außenstehenden wie auch von der Crew selbst, als Mitglied der U.S.S
Community und damit der Sternenflotte betrachtet wurden. Wir können dies
weder gut heißen noch akzeptieren.
Dieses Komitee führt ihr Verhalten auf Ihre Unerfahrenheit sowie Ihre lange
Abwesenheit von der Sternenflotte zurück. Ebenso auf die enorme
psychische Belastung, die durch den Absturz, die Vergewaltigung, den Tod
ihres Mannes und ihre Fehlgeburt verursacht wurde.
Dies wird auch durch die vielen Fürsprachen ihrer Kameraden sowie einigen
ihrer ehemaligen Ausbilder belegt.
Zu ihren Gunsten spricht, dass Sie die Bestrafung noch innerhalb der
vorgegebenen Frist von 5 Tagen zurückgenommen haben und bei dem
Fremden, wie uns ein haliianischer Experte auf diesem Gebiet in einem
Gutachten erklärte, keinerlei physische noch psychische Schäden
zurückgeblieben sind.
Auch die Tatsache, das Sie ihre Tat freiwillig und einmütig gestanden haben
und sich einer Befragung durch den Sicherheitsoffizier Lt. Lucas Bishop
nicht entzogen haben, spricht für Sie.
Dennoch - die Sternenflotte kann ein solches Verhalten nicht tolerieren.
Daher verlangt die Sternenflotte innerhalb von vier Wochen eine
Entscheidung von Ihnen, ob Sie in den aktiven Dienst treten oder nicht.
Sollten Sie sich dafür entscheiden, dann werden Ihnen folgende Auflagen
erteilt:
- Die Ereignisse auf dem Planeten, die Bestrafung des Fremden werden
ohne Wertung in ihrer Akte aufgenommen. Ebenso die heute gefällte
Entscheidung des Komitees.
- Sämtliche Privilegien, soweit Sie Ihnen gewährt worden, werden ihnen
entzogen und für die Dauer von mindestens einem Jahr werden Ihnen
keinerlei neue gewährt.
- Die Benutzung Ihres Canars, mit Ausnahme zu Meditationszwecken und
selbst dann nur unter Aufsicht, wird Ihnen untersagt.
- Ihnen wird auferlegt, regelmäßig einen Councelor aufzusuchen, solange
wie dieser oder das Oberkommando es für sinnvoll erachtet.“
Admiral Ross nahm ein anderes PADD zur Hand und diesmal fiel sein Blick
auf Selina. "Commander Kyle,
dieses Komitee ist zu dem Schluss gekommen, dass Sie das Vorhaben von
Fähnrich Anquenar hätten verhindern müssen. Es hätte niemals so weit
kommen dürfen.
Da Sie aber die volle Verantwortung dafür übernehmen und Sie Ihr
Versäumnis eingestanden haben, werden wir von einer unehrenhaften
Entlassung aus der Sternenflotte absehen.
Stattdessen bleiben Ihre Auflagen von damals bestehen. Zusätzlich wird ein
von uns ernannter Beobachter Ihr Verhalten als Offizier dokumentieren und
uns monatlich Bericht erstatten. Wer dieser Beobachter sein wird, teilen wir
Ihnen nach Fertigbau der Primärsektion mit."
Admiral Ross, Commodore Lorek und Admiral Jones erhoben sich. "Hiermit
ist die Anhörung geschlossen. Wegtreten!"
Milseya ließ sich in den Stuhl zurück fallen. Sie schloss ihre Augen.
Versuchte die Gedanken, die durch ihr Gehirn rasten, zum Anhalten zu
bewegen. Sie war frei – wenn auch nicht unschuldig! Sie konnte in die
Sternenflotte zurückkehren! Milseya atmete durch. Eine zweite Chance!
Sie spürte Nerves Hand auf ihrer Schulter. Milseya nickte. Sie erhob sich
und verließ den Raum. Als sich die Tür geschlossen hatte, drehte sich
Nerves um und nahm Milseya in den Arm.
Selina atmete aus. Endlich war es vorbei. Über ihre Bestrafung war sie
natürlich nicht besonders glücklich. Ganz besonders, da sie auch in Zukunft
einen Beobachter an der Backe hatte. Sie freute sich für Milseya. Auch die
junge Frau durfte zurück in den Dienst. Sie ging nach draussen und sah wie
Commodore Nerves Milseya in den Arm nahm. Genau das, wünschte sie
sich jetzt auch. John freute sich für beide Frauen, kam sich aber ein wenig
verloren vor. Eigentlich sollte er doch jetzt Milseya in den Arm nehmen und
nicht dieser Commodore! Sein Blick fiel auf Selina die genauso ein wenig
verloren dastand. Er ging auf sie zu, sah sie mit festem Blick an und nahm
sie in den Arm. Selina wusste gar nicht wie ihr geschah. Zuerst wollte sie
sich aus der Umarmung befreien, ließ es aber dann doch sein. Zu
angenehm war dieses Gefühl von jemanden in diesem Moment gehalten zu
werden.
Milseya musste unwillkürlich grinsen, als sie die Beiden so da stehen sah.
Sie waren ein wunderschönes Paar! Nerves löste seine Umarmung, sah sie
lange an, dann gab er Milseya ihre Tasche. „Leb wohl, Kleines. Ich wünsche
dir, dass du dort das findest, was du suchst.“ Die junge Frau atmete tief
durch – sie wusste, dass er Abschiedsszenen hasste. „Ich danke dir von
ganzem Herzen, Max. Er wird dir berichten.“ „Ja, das wird er. Mach mir
keine Schande, Kleines“, antwortete, strich ihr übers Haar und drehte sich
dann um. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ging er . Sie drehte sich um zu
John und Selina, die den seltsamen Abschied beobachtet hatten.
„Ich danke ihnen, Commander“, begann sich Milseya von den beiden zu
verabschieden. „Ich bedauere es sehr, dass Sie für meine Handlungen
bestraft wurden. Wenn ich mich irgendwann dafür revanchieren kann,
lassen Sie es mich wissen.“
Selina schüttelte den Kopf. "Sie brauchen nichts zu bedauern und sich auch
nicht revanchieren. Es ist Recht so. Das wissen wir beide."
John löste sich von Selina und sein Blick fiel auf Milseyas Tasche. "Wieso
habe ich das Gefühl, dass du verschwinden wirst?"
„Weil du mich schon zu gut kennst“, erwiderte Milseya lächelnd. „Ich werde
die nächsten Wochen nicht zu erreichen sein, John. Die Sternenflotte weiß,
wo ich bin, ebenso Commodore Nerves.“ Sie sah ihren Freund ruhig an.
„Mach dir keine Sorgen, John. Es wird mir gut gehen. Ich werde zur Ruhe
kommen.“ Sie umarmte ihn. „Leb wohl, Oumriel.“
"Aber ...." John wollte sie festhalten, hielt sich aber dann doch zurück. "Pass
auf dich auf. Wir sehen uns." Milseya nickte dem Commander zu und ließ
Selina und John zurück. Selina durchbrach das kurze Schweigen. "Ich
werde dann auch mal gehen." John drehte sich zu ihr um und sah ihr in die
Augen. "Warten Sie! Wie wärs noch mit einer Tasse Kaffee? Ich lad Sie ein."
Selina lächelte zaghaft. "In Ordnung. Lassen Sie uns gehen."
inanchfe und Hoshi in "Eine Frage der Ehre"
Geschrieben von: Assjima am Jun 26 2005, 10:10
Und ewig singen die Wälder Teil 3
Welch ein Morgen! Die über dem See schwebenden Nebelschwaden
schoben sich hin und her, versuchten, der immer stärker werdenden Kraft
der Sonne entgegenzutreten, ein andauerndes Auflehnen gegen die
bevorstehende Auflösung.
Fasziniert beobachtete Assjima diesen lautlosen Tanz. „Lasst los! Ihr könnt
diesen Kampf nicht gewinnen – nicht heute … Doch ihr werdet
wiederkehren, vielleicht morgen, oder auch erst nächste Woche. Spart eure
Kräfte für den Tag, an dem ihr die Oberhand gewinnen werdet …“
„Mit wem redest du, Schwesterchen?“
Ohne den Blick vom See zu wenden, streckte Assjima die Hand in die
Richtung, aus der die Stimme kam. „Lakia – komm und schau! Ist das nicht
wunderschön?“
„Ja, es ist wunderschön kalt! Du wirst dir einen Schnupfen holen, wenn du
so ganz ohne Jacke und Schuhe hier im Nebel herumsitzt.“ Lakia holte ein
Tuch aus dem Haus und legte es der Jüngeren über die Schulter, bevor sie
sich dicht neben sie auf die Bank setzte und ihre Hand ergriff. Schweigend
beobachteten die beiden Schwestern, wie die Sonne langsam höher stieg
und die Nebelschwaden sich lichteten.
„Du hast Recht, Assjima – es ist herrlich. Ich sollte wirklich viel öfter hier
heraus kommen.“ Lakia lachte leise vor sich hin. „Aber die Stadt hat auch
ihre Reize. Hast du dir jemals darüber Gedanken gemacht, wieder wie
früher in Semil Krulak zu leben?“
Assjima schüttelte den Kopf. „Nein, das könnte ich nicht mehr. Nicht,
nachdem ich Wochen und Monate auf einem Raumschiff zubringen muss,
auf dem viele Leute dicht an dicht leben. Wenigstens hier brauche ich Platz
um mich herum.“
Lakia betrachtete die Schwester einen Moment lang nachdenklich von der
Seite. „Hast du es jemals bereut?“
„Was? Dass ich zur Sternenflotte gegangen bin? Ich weiß nicht … Es gibt
Zeiten, in denen jeder Tag ein großes Abenteuer ist, aber oft genug …“
Assjima zog leicht die Schultern nach oben und kuschelte sich an die
Schwester. „Es ist einsam dort draußen.“
„Einsam? Auf einem Raumschiff?“ Lakia zögerte „Ach ja, die Menschen …
ich verstehe. Warum kommst du nicht einfach wieder zurück, wenn du dort
unglücklich bist? Du könntest die Praxis wieder aufnehmen oder bei mir in
der Klinik arbeiten. Man braucht dich und deine Hände auch hier. Wie oft
hätte ich mir komplizierte, sogar unglücklich verlaufende Operationen
sparen können, wenn ich dich an meiner Seite gehabt hätte …“
Assjima stand auf, trat ans Geländer der Veranda. Einen Augenblick lang
starrte sie in die letzten Nebelschwaden hinaus, dann drehte sie sich fast
ruckartig um und schaute der Schwester fest in die Augen. „Du weißt, dass
ich noch nicht wieder zurück kann.“
Lakia hielt dem Blick Assjimas stand und entgegnete: „Wie lange willst du
diese selbstauferlegte Buße noch mit dir herum schleppen? Wozu soll das
jetzt noch gut sein? Du hilfst niemandem damit. Sei endlich wieder du selbst
und komm zurück. Wir brauchen dich hier … dich und deine Magie!“
„Meine Magie! BAH!“ Assjima schlug mit der Faust auf das Geländer. „Meine
Magie … wer braucht die schon. Ich jedenfalls nicht! “
Lakia erhob sich und legte dem Arm um die Schultern der Schwester.
„Doch, gerade du brauchst sie. Du brauchst sie, um zu dir selbst zurück zu
finden. Sie ist ein Teil von dir.“
„Was soll ich damit? Es ist sowieso alles nur Humbug. Ich muss es den
Menschen ständig erklären – und glaube mir, es lässt sich erklären! Es lässt
sich alles erklären. Das hat nichts mit Zauberei zu tun!“
„Da erzählst du mir nichts Neues, Assjima. Ich weiß genau, wie die meisten
deiner Methoden funktionieren. Aber sie funktionieren, weil du die Gabe
besitzt, ihnen etwas Magisches zu verleihen. Und was den Humbug angeht ich weiß auch, dass du dich selbst belügst, wenn du behauptest, du
könntest alles erklären. Du hast es selbst ausprobiert. Erinnere dich! Du
hast die Grenze mehr als einmal überschritten und Dinge getan, die selbst
ich als Wissenschaftlerin nicht mehr erklären kann.“
„Lakia … das ist lange her, ich will damit nichts mehr zu tun haben. Es … es
tötet!“
Die ältere Schwester spürte wie das Zittern, welches durch Assjimas Körper
ging, immer stärker wurde. Sie nahm sie in den Arm, drückte sie fest an sich
und flüsterte ihr ins Ohr: „Die Erinnerung tut weh, ich weiß … Aber jede
Wunde schmerzt, während sie heilt. Höre auf, vor dir selbst zu fliehen,
indem du dich in Arbeit vergräbst. Du hast in Rekordzeit die Akademie
absolviert, springst seitdem von einem Sondereinsatz zum nächsten und wie
ich dich kenne, nimmst du auch keine Rücksicht auf deine Arbeitszeit. Du
bist kaum zuhause gewesen, hast deinen dir zustehenden Urlaub nur zu
einem Bruchteil genutzt. Du willst immer zu 150% für andere da sein. Aber
wie lange soll das gut gehen? Auch du hast Grenzen … Schau, jetzt weinst
du schon wieder. Die Assjima vor 10 Jahren hat nie geweint. Sie war die
Ausgeglichenheit in Person. Nimm dir endlich die Zeit, dich zu erinnern.
Lerne, ohne Sikarii zu leben und gebe dir selber wieder eine Chance …
nicht nur der Sternenflotten-Offizierin, sondern der Heilerin … und vor allen
Dingen der Deltanerin.“
„Und … und wie soll ich das machen?“ schluchzte Assjima. „Soll ich hier
sitzen und mich in meiner Vergangenheit vergraben? Du meinst, das hilft?“
„Nein, so wird das nicht funktionieren. Du würdest in spätestens drei Tagen
gänzlich in Tränen aufgelöst sein. Ein wenig Sitzen und Grübeln kann
sicherlich nicht schaden. Aber das darfst du morgen machen, wenn ich
Dienst habe. Für heute habe ich etwas anderes geplant. Schau!“
Lakia hielt ihr einen großen Rucksack vor die Nase. „Siria hat Unmengen
von Leckereien hier hineingepackt. Ich dachte mir, wir beginnen deinen
Urlaub mit einer Wanderung nach Eschkarabu. Die Schwingungen in den
Ruinen des alten Heiligtums werden dir gut tun. Und unterwegs erzählst du
mir alles von der letzten Mission!“
Assjima war Feuer und Flamme. Der Berg Eschkarabu war schon immer
einer ihrer Lieblingsplätze gewesen. „Wunderbar – aber den Rucksack
trägst du! Ich habe Urlaub!“
„Einverstanden!“ lachte Lakia. “Aber nur, wenn du Schuhe anziehst, bevor
wir losgehen.“
Wenige Augenblicke später machten sich die beiden Schwestern Arm in
Arm auf den Weg – einem wunderbaren Tag entgegen.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jun 26 2005, 16:58
Das Ende aller Sehnsucht bedeutet Erwachen.
Vollkommen regungslos hörte der Mann mit dem kahlgeschorenen Kopf der
Erzählung der jungen Frau zu. Nicht die geringste Gefühlsregung zeichnete
sich auf dem alten, wettergegerbten Gesicht ab. Keine Bewegung seines
Körpers verriet, was er dachte oder empfand. Der nien-chu lag unbewegt in
seiner rechten Hand, als wäre er mit dieser verwachsen.
Doch so starr sein Körper und seine Miene auch zu sein schienen, seine
Augen waren hellwach und verrieten höchste Konzentration. Jede noch so
kleine Geste, jeder Atemzug, jede Veränderung im Tonfall, jeder Lidschlag
wurde von dem buddhistischen Abt auf das Genaueste registriert und
analysiert.
Als die Haliianerin zu Ende gesprochen hatte, sah er ihr mit seinen
ungewöhnlichen grauen Augen direkt in die Augen. Sie hielt dem Blick
stand. Verweigerte sich ihm nicht. Ließ den Mann, der Bewahrer ihres
Friedens war, in ihre 'Seele' blicken.
Nach einer Weile senkte der Abt gelassen den Blick. Er hatte genug gehört,
gesehen, erfahren. Mit dem Zeigefinger seiner linken Hand zeichnete er
zwei Zeichen in den Sand vor ihm, bevor er sich wortlos erhob und durch die
große Pforte ins Kloster zurückkehrte.
Die dunkelhäutige Frau blieb an Ort und Stelle sitzen - ihre erste Prüfung in
Geduld und Demut hatte begonnen.
Meister Ming San Ho, Abt des buddhistischen Klosters, schritt durch den
gepflegten Garten, zu dem nur die Mitglieder des Ordens Zutritt hatten. Sein
Blick richtete sich auf eine in diesem Idyll unwirklich wirkende Stelle. Dorthin
hatte sie sich während ihrer vielen Aufenthalte stets zur Meditation
zurückgezogen. Dies war ihre Mitte.
Er hatte schon längst eine Entscheidung getroffen.
Als das Oberkommando ihn kontaktiert und über die Rückkehr seines
Zöglings informiert hatte, wusste er, dass sie hier her kommen würde - noch
bevor sie selbst es überhaupt in Erwägung gezogen hatte.
Bereits damals hatte er über ihre Aufnahme entschieden.
Der Abt ging in sein Büro und aktivierte das Kommunikationsterminal auf
dem Tisch, zu dem nur er Zugang hatte. Auf dem Schirm erschienen zwei
Gesichter. „Fähnrich Anquenar ist hier eingetroffen“, erklärte er den Beiden
ohne jegliche Begrüßung. „Das Kloster wird sie solange aufnehmen, bis die
Sternenflotte sie für eine neue Aufgabe bestimmt.“ „Wird sie in den aktiven
Dienst treten?“, fragte die Frau. „Ohne Zweifel“, erklärte der Meister. „Genau
wie ich. Für die Dauer ihres Aufenthalt werde ich in meiner Funktion als
Councelor wieder in den Dienst der Sternenflotte treten und sie betreuen.“
„Aber Meister Ming ..“, entgegnete die Frau. Er hob die Hand. „Die
Entscheidung ist gefallen!“, erklärte er sanft, aber bestimmt. Dann
deaktivierte er die Comm-Leitungen.
Geduldig hatte die junge Frau ausgeharrt. Sich nicht bewegt. Den Blick, wie
es verlangt wurde, stets auf die große Pforte gerichtet. Die Neugier auf die
in den Sand geschriebenen Zeichen - ihren neuen Namen - gebändigt.
Nach drei Stunden öffnete sich die Pforte. Langsam erhob sie sich, nahm
ihre Tasche und ging darauf zu. Aus den Augenwinkeln - ein Halten wäre
als Zögern verstanden worden und die Pforte hätte sich augenblicklich
wieder geschlossen - las sie ihren Namen : Jen Pao.
Milseya schritt durch das Tor, das sich hinter ihr leise schloss.
Geschrieben von: Selina Kyle am Jun 26 2005, 18:56
Selina sog die frische Luft in ihre Lungen. Stundenlang hatte sie mit John in
einem Cafe gesessen und mit ihm über alles mögliche gesprochen. Nun
gingen sie hier im Stadtpark von San Franzisko spazieren.
„Wollen wir uns dort auf die Bank setzen?“ John zeigte auf die kleine
Parkbank die direkt vor einem Teich stand.
„Ja gerne.“ Selina setzte sich auf die Bank und sah in den Teich.
Verschiedene Fischarten tummelten sich im Wasser und eine ausgewählte
Vegetation rundete den Anblick des Teiches perfekt ab. John führte seine
Erzählung wie sein Leben vor dem Absturz ausgesehen hatte, fort. Selina
hörte ihm aufmerksam zu. Ihr kam das alles sehr merkwürdig vor. Vor
einiger Zeit hatten sich beide nicht ausstehen können und nun lachten sie
miteinander und erzählten sich Geschichten aus ihren vergangenen Leben.
Selina störte dies nicht, ganz im Gegenteil, sie fühlte sich so wohl wie schon
lange nicht mehr. Sie spürte die Wärme seines Körpers auf ihrer Haut, verlor
sich in seinen grünen Augen und der Klang seiner Stimme wirkte angenehm
und beruhigend auf sie, fast schon benebelnd. Was zum Teufel geschah
hier?
„John, was geschieht hier eigentlich?“ Der Mediziner stoppte augenblicklich
seine Erzählung und sah sich um. Alles war ruhig, nichts deutete auf eine
Unregelmäßigkeit in der Umgebung hin.
„Ich verstehe nicht?“ Selina lächelte und suchte nach den richtigen Worten.
„Ich meine ... du flirtest mit mir.“ John sah sie nachdenklich an. Sie hatte
Recht aber sie flirtete doch genauso mit ihm, oder hatte er sich das
eingebildet?
„Ich ..... äh .... DU hast mit mir geflirtet, zumindest kommt das so rüber aber
wenn du dich dabei unwohl fühlst .....“
„Nein! Keineswegs. Es kommt mir nur so .... so merkwürdig vor.“
„Wieso merkwürdig?“
„Versteh mich nicht falsch aber vor einiger Zeit konntest du mich kein
bißchen Leiden. Das war deutlich zu sehen und zu spüren.“
John nickte. „Ja das ist korrekt aber wie du schon sagtest, das war vor
einiger Zeit. Ich habe dich besser kennengelernt und musste das Bild das
ich von dir hatte komplett korrigieren. Ich habe mich geirrt und ich bin
dankbar für die Chance dich besser kennengelernt zu haben. Du
beeindruckst mich immer wieder aufs neue.“
Selina sah ihm lange in die Augen. Seine Worte fühlten sich gut an, doch
was bedeuteten sie wirklich? Entwickelte er Gefühle für sie? Oder sah er in
ihr eine gute Freundin? Aber was fühlte sie selbst?
„Selina, sag doch was!“ Selina sah ihm immer noch in die Augen. „Nun, ich
... wenn ich es recht überdenke, geht es mir genauso wie dir. Ich konnte
dich am Anfang nicht besonders leiden aber das hat sich heute stark
geändert. Ich fühle mich sehr wohl in deiner Nähe ...... aber ich weiß nicht,
was es bedeutet.“
John machte ein übertrieben nachdenkliches und ernstes Gesicht. Es wirkte
mehr als nur komisch und Selina unterdrückte ein Kichern.
„Okay, also lass uns sehen was wir hier haben .... du findest mich
sympathisch und ich finde dich sympathisch, wir beide fühlen uns in der
Gegenwart des anderen wohl .....“ Johns Augen fingen an zu funkeln und
ein spitzbübisches Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit.
„Ich würde sagen, wir sollten das vertiefen. Am besten bei einem
Abendessen? Schließlich schulde ich dir noch was und ich kann richtig gut
kochen! Außer du kannst besser kochen .... oder wir kochen ge.....“ Selina
drückte ihm ihre Hand auf den Mund um seinen Redeschwall Einhalt zu
gebieten.
„In Ordnung. Abendessen klingt sehr gut. Und du kochst, das klingt noch
besser.“
„Wann hast du Zeit?“
„Heute Abend, 20 Uhr, in meiner Wohnung.“
„Okay, und wo wohnst du? Hier in San Franzisko?“
Selina schüttelte den Kopf und lehnte sich zu ihm vor. Ihre Lippen näherten
sich seinem Ohr und sie flüsterte ihm die Adresse zu.
„Oh, du wohnst also .....“
„Ja! Es ist wirklich sehr nett dort und so schön ruhig. Dir wird es gefallen.“
John erhob sich. „Gut, ich werde dann mal noch die nötigen Zutaten
besorgen gehen. Wir sehen uns später.“ Mit einem Lächeln auf dem Gesicht
verließ er den Park. War das eben alles zu schnell gegangen? Aber musste
man nicht die Chance nutzen, die sich einem bot? Ihr schien es nicht anders
zu gehen aber sie war sich im Gegensatz zu ihm noch unsicher. Der heutige
Tag hatte sämtliche Mauern um ihn herum eingerissen.
John war sich sicher: bei ihm hatte es ordentlich gefunkt und heute Abend
war die Chance für ihn das Herz dieser Frau für sich zu gewinnen!
Selina blieb noch eine Weile auf der Bank sitzen. Sie dachte über die
vergangenen Stunden nach und musste Lachen. Sie kam sich vor wie ein
kleines Schulmädchen. Selina war sich sicher, ganz gleich was an diesem
Abend auch geschehen würde, sie würde es zulassen!
Geschrieben von: Bjørn Niels van Richthoven am Jun 27 2005, 20:47
Montag. Niels saß im Shuttle Richtung Mars. Sein Urlaub war vorbei.
Eigentlich wäre er heute morgen lieber im Bett liegen geblieben, aber es half
nichts, er musste seinen Dienst wieder aufnehmen. Wie kurz war im die Zeit
vorgekommen. Zu kurz um alle zu besuchen, die ihm wichtig waren.
Nachdem er 3 Tage zu Hause bei seinen Eltern gewesen war und ihre Nähe
genossen hatte, waren seine Großeltern an der Reihe. Eigentlich hatte er
mit der Schnellbahn nach Bergen fahren, doch als er in der Teifgarage
seinen 911 Turbo sah konnte er nicht wiederstehen. Zu lange war der
Wagen jetzt schon unter einer Plane begraben gewesen. Er war Niels
ganzer Stolz. Monate hatte er damit verbracht die Baupläne zu studierten.
Dann hatte er ihn an den Wochenenden während seiner Akademiezeit
selbst zusammengebaut. Nur ein Detail unterschied ihn vom Orginal, der
Motor. Statt des Verbrennungsmotors hatte Niels einen Elektromotor
eingebaut, der von einem Mikrofusionsgenerator betrieben wurde und
ungefähr die gleiche Leistung hatte. So hatte er sich bei seinen Eltern
verabschiedet und war in sein Auto gestiegen. Niels hätte seinen Bruder
sehr gerne mitgenommen, doch der hatte zu viel im Büro zu tun. So war er
losgefahen. Berlin - Hamburg - Flensburg - Kopenhagen - Göteburg - Oslo Bergen. Die Strecke kannte er, oft war er sie mit dem Gleiter seiner Eltern
gefahren, doch Niels war fasziniert von den Fahrzeugen des frühen 21.
Jahrhundert und so zog er seinen 911er einem Gleiter vor.
Bei Grete und Ole hatte er zwei erholsame Tage verbracht. Er hatte die
hausgemachte Kost seiner Großmutter genossen. Das Haus lag nahe der
Küste, ein wenig abseits. Einen Nachmittag war er zum Lachsfischen
draußen gewesen und hatte sogar ein schönes Exemplar gefangen und das
Abendessen gerettet. An diesem Nachmittag war es um ihn herrum still
gewesen, nur er und die Natur. Er konnte jetzt ganz loslassen und ihm
schossen die Ereignisse der letzten Zeit noch einmal durch den Kopf. Er
überlegte, was Milseya wohl machen würde. Er hatte Gerüchte über eine
Untersuchung gehört, war aber mit seinen Gedanken davon weit entfernt
gewesen. Beim Abendessen hatte sich Grete mal wieder übertroffen und
Niels sich fast "überfressen". Nach dem Essen diskutierte er mit seinem
Großvater über die neusten technischen Entwicklungen und konnte sich so
auf den neusten Stand bringen. Der "Commander" hatte immer noch gute
Kontakte zu seinen ehemaligen Kollegen bei den San Francisco Ship Yards.
Am Ende waren sie traurig, dass die Tage so schnell vergangen waren und
gaben Niels viele gute Ratschläge, Verpflegung für die Fahrt und liebe
Grüße an die Familie mit.
Sein nächstes Ziel war Noordwijk in den Niederlanden. Der Parkplatz vor
dem kleinen Hotel von Antje und Edwin quoll über. Es war Sommer und das
Haus war ausgebucht. Es war ein kleiner Betrieb mit 15 Doppelzimmern. Für
die Familie gab es natürlich ein kleines Extrazimmer, dass immer
freigehalten wurde. Die beiden waren leider sehr im Stress und hatten nur
wenig Zeit für Niels. Daher verbrachte Niels viel Zeit am Strand, sonnte sich
und dachte viel nach. Eigentlich wollte er keinen Sand mehr sehen, aber
das schöne Wetter und der Strand änderten seine Meinung. Nachdem die
Gäste versorgt waren, hatte er die Abende mit seinen Großeltern von der
Seite seines Vaters verbracht. Antje und Edwin waren wie immer neugirig
und so erzählte Niels zu dritten mal seine Geschichte. Einen Morgen fuhr er
nach Amsterdam auf dem Markt und holte zwei Leiber echten Holländischen
Gouda. Am Abend des dritten Tages machte er sich wieder auf den Weg
nach Hause.
Die letzten Tage gingen waren dann auch wie im Flug vergangen. Am
Samstag war Christopher-Street-Day, der sich von einem Tag der
Demonstration für die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare zu einem Tag
des Andenkens an die Unterdrückten dieser gewandelt hatte. Längst
nahmen auch Leute anderer Orientierungen am Umzug teil. Niels hatte das
Spektakel von der Dachterasse aus verfolgt, bei der Hitze war er zu träge
gewesen um am Umzug teilzunehmen. Am Sonntag hatte sein Bruder Frank
als Überrachschung Niels alte Freunde eingeladen und eine Party am
Wannseestrand organisiert. Niels hatte sich sehr darüber gefreut. Bis spät in
die Nacht wurde ausgelassen gefeiert. Er hatte schon fast vergessen, was
seine Freunde ihm bedeutet hatten, doch jetzt konnte er seine
Freundschaften neu entdecken und fühlte sich wieder richtig gut.
Der Wecker gab schrille Laute von sich und Niels vergrub seinen Kopf unter
einem Kissen. Noch schlaftrunken wankte er ins Bad und machte sich fertig.
Mit dem Transportshuttle ging es in Richtung Mars und hier war er nun und
sah die Erde immer kleiner werden. Niels krammte ein PADD mit den
genauen Anordnungen aus seiner Tasche, er wollte noch einmal
nachsehen, wo genau er sich melden sollte. Langsam kam der "Rote
Planet" in Sicht. Im Orbit konnte man die vielen Werftanlagen erkennen. Das
Shuttle dockte an einer der Orbitalkomplexe an und Niels betrat seinen
neuen Arbeitsplatz, "Utopia Planetia". Niels machte sich auf zum Büro
seines neuen Abteilungsleiters. Nach Aufforderung betrat er dieses: "Ensign
van Richthoven meldet sich zum Dienst, Sir!" meldete er.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jun 27 2005, 21:12
Vinaras Erwartungen (oder vielmehr Befürchtungen?) hatten sich derweil
fast alle bestätigt: Sie und Lieutenant Madrik waren die einzigen
Nichtmenschen an Bord der Schweizer und von den Menschen schienen die
meisten deutscher, österreichischer oder schweizerischer Herkunft zu sein wenn man noch nach der alten Einteilung in Nationalstaaten ging. Neben
Gabler, mit welchem die Andorianerin bereits Bekanntschaft gemacht hatte
war der Schiffsarzt die wohl exzentrischste Persönlichkeit: Dr. Hans-Jacob
Mückner, etwa um die 50, vom Rang her Lieutenant-Commander, trug einen
enormen Backenbart und hielt "Preußische Tugenden" (was auch immer
das sein mochte) für das A und O des guten Benehmens. Auf jeden Fall
salutierte er mit zackig zusammengeschlagenen Schuhen vor jedem
ranghöreren Offizier und hatte obendrein noch die Angewohnheit, jede Frau
bei der ersten Begegnung mit einem Handkuss zu bedenken. Gleich danach
kam der folgende Satz: "Meine Dame, ich bin untröstlich dass die Türen auf
unseren Schiffen alle automatisiert sind. Wie gerne würde ich mal eine für
Sie aufhalten, aber der Fortschritt scheint es nun mal vorzuziehen die
Kavaliere an den Rand des Aussterbens zu drängen."
Das war aber noch längst nicht alles; Mückner hatte es sich zum
Steckenpferd gemacht bei wichtigen Persönlichkeiten, welche vor
Jahrhunderten gelebt hatten Krankheits- und Todesgeschichte peinlich
detailiert zu kennen... "Oh, Sie lesen Kafka, Commander, wie interessant,
ich wusste nicht dass es von ihm auch andorianische Übersetzungen gibt...
Ich kann Ihnen sagen, was der gelitten hat, der gute Mann, andererseits
kann man auch wieder froh sein über sein verfrühtes Ableben, denn wenn er
den Nazis in die Hände gefallen wäre..."
Kurzum: Vinara war genervt und fasziniert zugleich. Bei einer
Gesamtbesatzung von 60 Mann (davon nur sieben Frauen einschließlich
Vinaras Wenigkeit) hatte das Schiff keinen Councellor; wie im 23.
Jahrhundert üblich übernahm der Arzt innerhalb gewisser Grenzen auch
diese Funktion - ein wahrlich beruhigender Gedanke.
Die Andorianerin hätte ihren Dienst wahrscheinlich gar nicht erst angetreten
wenn nicht die Chefingenieurin, Lieutenant Angela Briceburry, erfrischend
normal gewesen wäre, nun, so "normal" wie eine Britin eben sein konnte.
Sie zeigte Vinara eine im Frachtraum stehende Vorrichtung, deren zentrales
Element ein ramponiert wirkender Stuhl bildete. "Das stammt noch von
meinem Vorgänger, einem Haliianer. Er wollte mit diesem Stuhl
telepathische Kontakte auch über weite Entfernungen ermöglichen; wenn es
überhaupt funktionierte dann nur mit seinem Canar, welcher in diese
Öffnung eingepasst wurde. Natürlich hat er ihn mitgenommen als er das
Schiff verließ; seitdem steht die Apparatur hier nutzlos rum, zumindest
solange bis ein neuer Haliianer zu uns stoßen sollte."
"Wenn ich mich recht entsinne ist unsere wahrscheinlich neue Navigatorin
Haliianerin, ich meine die welche die Community durch das Wurmloch nach
Hause flog."
"Tatsächlich? Dann dürfte sie derzeit nichts zu tun haben, wenn Sie
vielleicht wüssten wie man mit ihr Kontakt aufnehmen kann..."
Vinara überlegte kurz. "Ich bin mir nicht sicher, es war die Rede von einer
Anhörung, irgendetwas das auf dem fremden Planeten vorgefallen sein
musste. Hatte wenn ich mich nicht irre auch mit ihrem Canar zu tun..."
"Klingt ja ziemlich gefährlich und ist es wohl auch, telepathische Fähigkeiten
sind mir generell nicht ganz geheuer, Sie sind doch nicht zufällig
Telepathin?"
"Nicht dass ich wüsste, Lieutenant."
Keine halbe Stunde nach diesem Gespräch brach die Schweizer mit ihrer
vorübergehenden Ersten Offizierin auch schon auf, irgendeine Staubwolke
in der Nähe des andorianischen Systems untersuchen an der partout nichts
Außergewöhnliches war, doch Gabler war ganz in seinem Element: "Staub,
Commander, galaktischer Sand! Ich werde ein paar Proben davon meiner
privaten Sammlung hinzufügen, oder nein, das habe ich ja schon vor drei
Jahren..."
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Jun 28 2005, 18:32
Hanni und Jeremiah verbrachten noch zwei schöne Tage auf Molokai. Am
dritten Morgen fragte Jerry wie üblich: "Und was machen wir heute?", Hanni
tat so als würde sie überlegen und erwiderte: "Packen und nach dem
Mittagessen nach San Fransisco fliegen.", woraufhin sich Jerry fast an
seinen Ananassaft verschluckte. "Ich wusste, dass du dich darüber freust.",
war der amüsierte Kommentar von Hanni dazu.
Jerry nickt nur. "Aber ich habe eine kleine Planänderung. Wir beeilen uns
mit dem Packen und Starten in spätestens einer Stunde." "Wieso den das?
Außerdem brauche ich wesentlich länger als eine Stunde.", beschwerte sich
Hanni. Ihr Freund hob die Augenbrauen und erklärte: "Wenn wir mittags erst
losfliegen sind wir erst beim Dunkelwerden da." "Es wird doch erst gegen
zehn dunkel und wir werden doch keine neun Stunden brauchen. Oder willst
einen Umweg über die Osterinseln fliegen."
Jerry schüttelte mit dem Kopf. *Das hatte ich eigentlich nicht vor. Aber was
ist mir der Zeitverschiebung?"
Man könnte förmlich die Lampe über Hannis Kopf angehen sehen, als sie
erwiderte: Stimmt ja. Das habe ich gar nicht bedacht. Aber ich kann doch
gar nicht so schnell packen." Provokativ, denn diese Beschwerden kannte er
schon von seiner Schwester, fragte Jerry: "Soll ich dir helfen?" "Das letzte
Mal, habe ich mir von einer männlichen Person, genauer gesagt meinen
Vater, helfen lassen, als ich zehn war und ins Sommercamp an die
Victoriafälle fuhr.", grummelte Hanni und lief in Richtung ihres
Schlafzimmers.
Eine gute Stunde später hatte Jeremiah nicht nur seine Sachen gepackt,
sondern auch ein kleines Lunchpaket für Unterwegs zusammengestellt und
in der Küche aufgeräumt. Vorsichtig wagte er sich die Treppe hoch, um zu
sehen, wie weit Hanni mit dem Packen war. In ihren Zimmer lagen zwei
große Koffer und eine Tasche nebeneinander. Und einige Kleidungstücke
die in diese Transportbehältnisse sollten, lagen auf dem Bett ausgebreitet.
Jerry stellte sich in den Türrahmen und bemerkte zu seiner
umherwuselenden Freundin: "Schatz, ich finde es ja schön, dass du dich
anscheinend auf einen mehrwöchigen Besuch einstellst, aber ich wir können
die Sachen auch waschen."
"Du hast gar keine Ahnung, Hase. Man muss eben auf alles vorbereitet sein.
Oder möchtest du bei einen Kälteeinbruch ohne Pullover dastehen.",
erwiderte Hanni.
Ihr Freund konnte sich ein Kichern nicht verkneifen: "Ein Kälteeinbruch? Im
Juni? Jetzt übertriebst du aber. Außerdem geht es ja nicht in ein Gebiet fern
ab jeder Zivilisation. Ich denke meine Schwester würde gerne mal mit dir
shoppen gehen."
Jerry machte eine Pause. "Apropos Schwester. Wo steckt eigentlich Nanni."
Hanni ließ gerade eine zusammengelegte Dreiviertelhose in einen der Koffer
fallen. "Die ist mit Lucas nach Betazed geflogen." "Nach Betazed.",
wiederholte Jerry besorgt.
Er erinnerte sich noch gut daran, was passiert war, als sie Anfang des
Jahres dem Sicherheitschef der Community nach Betazed gefolgt waren.
"Ich glaube nicht, dass sie zusammen mit Lucas nach dessen Vater sucht.",
bemerkte Hanni, die sofort verstand, worauf ihr Freund hinauswollte. "Es
klang eher so, als wollte er sich mit seiner Mutter aussЖhnen. Aber
genaueres weiъ ich nicht."
Nach einer Weile schloss die junge Frau die beiden Koffer und meinte: "Du
kannst die zwei Koffer schon mal runter schaffen. Ich suche noch zwei Paar
Schuhe zusammen und dann komme ich auch." Jeremiah verkniff sich einen
Kommentar über das Thema Frauen und Schuhe und griff nach den Koffern.
Doch da diese recht schwer waren, bemerkte er: "Sag mal, hast du
Photonentorpedos eingepackt?" Hanni streckte ihren Kopf aus den
begehbaren Kleiderschrank und erwiderte trocken: "Wieso? Brauchst du
welche?" Dann entdeckte sie, was Jerry damit meinte und bemerkte: "Sei
vorsichtig, wenn du die Treppe heruntergehst, Liebling."
Aber die Warnung war überflüssig. Der junge Offizier hatte beschlossen,
jeden der Koffer einzeln ins Erdgeschoss zu befördern. Wenig später waren
sowohl er, als auch die beiden Gepäckstücke heil am Gleiter angekommen.
Nun stand aber Jerry vor einen schwierigeren Problem. Wohin mit dem
ganzen. Sein Zweisitzer war zwar mit das schnellste, was auf dem Markt zu
haben war, aber das Transportvermögen war, sagen wir mal überaus
schlecht. Bis zu dem Zeitpunkt war das Jerry nicht aufgefallen, denn in den
Urlaub war er noch nie damit gefahren und wenn er mal eine größere Tour
gemacht hatte, war er meist allein gewesen und die Tasche bzw. der
Rucksack konnte auf dem Beifahrersitz liegen. Aber Not macht bekanntlich
erfinderisch. In das GepДckfach passten wenigstens ein Koffer von Hanni,
sowie Jerrys Tasche. Der zweite Koffer fand hinter den Sitzen Platz und das
Lunchpaket wurde zwischen beide Sitze verstaut.
Gerade als Jerry fertig war, kam auch Hanni aus dem Haus gelaufen. Und
sie schaffte es tatsДchlich, ihre Tasche neben die anderen beiden ins
Gepäckfach zu quetschen. Sie schloss die Klappe mit einen satten Klacken
und bemerkte zu Jerry, der sie ansah, als wäre sie das erste Auto: "Los,
nicht rumstehen wir müssen los, Hase, wenn wir es noch bis zum Abend bei
deiner Familie sein wollen."
Jeremiah gab seiner Freundin einen Kuss, bevor er einstieg und die
Systeme des Gleiters checkte. Da alles in Ordnung war und auch Hanni auf
dem Beifahrersitz Platz genommen hatte, startete Jerry die Triebwerke und
nahm Kurs auf seine Heimat.
Geschrieben von: Solak am Jun 28 2005, 20:46
Selina ließ jeden Bissen auf ihrer Zunge zergehen. John Gilmore war nicht
nur äußerst sympathisch, nein, er konnte auch unglaublich gut kochen! Vor
einer halben Stunde hatten beide den Hauptgang beendet und begannen
nun mit dem Dessert. Es gab Mocca-Mousse mit Vanillesauce,
Schattenmorellen und Mocca-Bohnen. "Das sieht sehr köstlich aus!" John
grinste. "Es sieht nicht nur so aus, es schmeckt auch so!" Er nahm einen
Löffel, befüllte ihn mit dem Mousse und kam Selinas Mund damit sehr nahe.
"Schließ deine Augen und Mund auf!" Selina tat wie ihr geheißen und
wartete ab. Vorsichtig schob John Selina den Löffel in den Mund. Selinas
Geschmacksknopsen vollführten einen Hula-Tanz als sie mit dem Mousse in
Berührung kamen. "Mmmmhh, das ist ja ..... wow!" Beide sahen sich tief in
die Augen. Stille machte sich breit und John kam mit seinem Gesicht immer
näher an Selinas heran.
Sie wollte es nicht tun. Sie verabscheute diese Frau. Diese hochnäsige,
egomane Person, die sich weiß die Elemente wieviel auf ihre Zuchtvorteile
einbildete. Für das Reich wären diese Züchtung unbezahlbar. Unvorstellbar,
was man alles mit dieser Frau machen könnte! Aber Jade war wie jeder
Mensch - auf sich selber fixiert und nicht bereit, über den eigenen Schatten
zu springen.
Latta seufzte. Aber welche Wahl hatte sie schon? Sie brauchte Hilfe. Sie
musste ihren Neffen und dessen Familie schnellst möglich aus dem Reich
schmuggeln - die Schlinge zog sich immer enger um sie alle. Doch dafür
brauchte sie Hilfe von Aussen...
Es war nicht einfach gewesen, den Aufenthaltsort von Jade ausfindig zu
machen. Diese Kommunikationsverbindung hatte die Romulanerin einiges
gekostet. Gefallen, die sie sich für schlechte Zeiten hatte aufsparen wollen.
Verschwendet an diese Menschenfrau! Andererseits... Waren es nicht
schlechte Zeiten, wenn das Leben ihrer Lieben bedroht wurde? Und
immerhin schuldete Jade ihr auch etwas - immerhin hatte sie die Frau
damals auf Solaks Bitte hin laufen lassen anstatt sie dem Reich zu
übergeben.
Nun war es zu spät über die Vergangenheit nachzugrübeln. Die Verbindung
baute sich auf. Latta räusperte sich noch einmal und zog ihre Uniform mit
den neuen Rangabzeichen zurecht. Dann begann ein Terminal in Cmdr.
Kyles Wohnung zu piepsen.
Fast hätten sich ihre Lippen berührt. Selinas Kopf drehte sich in Richtung
Balkontüre. Deutlich konnte sie das Piepen des Nachrichtenterminals hören
und diesesmal erschien es ihr besonders aufdringlich. Mit einem Seufzen
sah sie John ins Gesicht. "Tut mir Leid! Ich glaube, ich muss da ran gehen."
John nickte lächelnd und Selina ging ins Wohnzimmer um das Gespräch
anzunehmen. Sie befürchtete schon, daß mit Yasmin etwas passiert war
und Matt nun versuchte, sie dringend zu erreichen. Selina aktivierte den
Sichtschirm und war sichtlich irritiert in das Gesicht von Latta zu sehen.
"Was wollen denn Sie von mir?" Selina spürte leichten Zorn in sich
aufkeimen. Wie konnte es diese Person nur wagen sie beim Abendessen
mit diesen wundervollen Mann zu stören?
Gut, es war in Etwa die Begrüssung, die Latta erwartet hatte. Wie
durchschaubar diese Menschen doch waren. Die Romulanerin schluckte die
Abscheu hinunter, die in ihr aufstieg. Der nächste Satz schmeckte so bitter
wie aldeberanische Galle. "Ich brauche Ihre Hilfe."
Mit offenem Mund musterte Selina das Konterfei der Romulanerin. Sie
suchte nach einem Zucken, nach einem Funkeln aber da war nichts. Das
konnte doch nicht Lattas Ernst sein? Womöglich hatte sie sich verhört? "Soll
das ein schlechter Scherz sein?"
"Ich wünschte, es wäre so." Das Gesicht der Romulanerin blieb unbewegt.
"Sind Sie alleine? Können wir reden?"
Selina sah zum Balkon wo John immer noch wartete. Da es sich nicht um
einen Scherz handelte, konnte das Gespräch mit Latta auch länger dauern,
auch wenn Selina überhaupt keinen Bock hatte ihre Zeit mit dieser Person
zu verschwenden. Aber wann wurde man denn schon von einem Romulaner
um Hilfe gebeten? Ja, es schien halbwegs wichtig zu sein. "Warten Sie
einen Moment." Selina klappte den Schirm herunter und ging zu John. "Es
tut mir Leid. Das wird ein längeres Gespräch. Eine ...... alte Freundin
braucht meine Hilfe." John war sichtlich enttäuscht. "Kein Problem. Ich
gehe." Selina begleitete ihn zur Türe. "John, es tut mir wirklich Leid .... ich
rufe dich später an." John nickte. "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen.
Wir holen das nach und ich bestehe auf deinen Anruf!" Mit diesen Worten
verabschiedete er sich. Selina sah ihm seufzend hinterher. Dieser Abend
hätte so schön werden können und eine noch schönere Nacht hätte folgen
können ..... Selina ging wieder zum Nachrichtenterminal und klappte den
Bildschirm wieder hoch. "Sprechen Sie!"
Jade kam und kam nicht zurück. Was glaubte sie eigentlich? Dass eine
geheime Verbindung Romulus - Föderation mal eben so aus dem Ärmel
geschüttelt werden konnte?! Doch dann endlich kehrte das Gesicht der
anderen auf den Bildschirm zurück.
Latta entschied sich, nicht noch mehr Zeit mit Smalltalk zu vergeuden. "Es
geht um Solak. Er und seine Familie befinden sich hier auf Romulus.
Allerdings haben sich die Umstände seit ihrer Ankunft hier drastisch
geändert. Sie müssen das Reich so schnell wie möglich verlassen. Dafür
brauche ich Ihre Hilfe."
Selina konnte sich an ihr letztes Gespräch mit Solak erinnern. Sta'el lag im
Koma und von Niklan wusste sie gar nichts. Aber was sollte sie schon tun
können? Wenn selbst Latta, die Super-Romulanerin schon nicht mehr weiter
wusste? Sicher, das ganze klang plausibel aber was war wenn dahinter eine
Falle steckte? "Sie wissen ganz genau, wie nahe ich Solak stehe und ehrlich
gesagt überrascht es mich, daß eine Frau wie Sie mich um Hilfe bittet. Ich
glaube, Sie können nachvollziehen, das sich das für mich wie nach einer
Falle anhört. Sie müssen mir schon mehr erzählen oder mir glaubhaft klar
machen, wie ernst es Ihnen ist."
"Wie ernst es mir ist? Entschuldigen Sie, aber was glauben Sie, was mich
allein diese Kommunikationsverbindung gekostet hat?! Natürlich ist es mir
ernst! Aber ich kann Ihnen nicht mehr erzählen, solange ich mir nicht sicher
sein kann, dass Sie vertrauenswürdig sind." Latte funkelte die andere mit
kaum verhohlener Wut an.
Selinas linke Augenbraue wölbte sich nach oben. Endlich zeigte dieser
kantige Eisberg eine Reaktion. Es schien also tatsächlich etwas Wahres an
ihren Worten dran zu sein. "Wie gesagt, Sie wissen, wie nahe ich Solak
stehe. Das macht mich mehr als nur vertrauenswürdig." Zu gerne hätte
Selina mit der alten Romulanerin noch ein wenig gespielt aber die Lage
schien tatsächlich ernst zu sein. "Sagen Sie mir, wie meine Hilfe aussehen
soll?"
Wie hochmütig Jade sie anblickte! Oh, wie gerne würde sie diese Frau in
den Laboren der Mind War Division untersuchen... Latta rief sich zur
Ordnung. Nein, das kam nicht in Frage. Nicht, solange die anderen nicht in
Sicherheit waren.
"Solak und seine Familie müssen - wie bereits gesagt - Romulus so bald wie
möglich verlassen. Wobei der Weg, über den sie gekommen sind, nun nicht
mehr gangbar ist. Meine Möglichkeiten, sie auf anderem Wege
herauszuschmuggeln, sind leider momentan begrenzt. Ich stehe unter
Beobachtung von...." Sie schluckte hart. "... meinen Feinden. Wenn diese
von Solak erfahren, sind er und seine Familie so gut wie tot. Ich brauche
nun also einen Aussenstehenden, der sie hier heraus holen kann.
Jemanden von der Sternenflotte, jemanden, der unkonventionelle Wege zu
gehen weiß. Jemanden..." Latte schluckte noch härter. ".... wie Sie."
Hätte Selina ihren leichten Größenwahn nicht unter Kontrolle, dann hätte sie
von Latta jetzt einen Kniefall verlangt. Selina zeigte keinerlei Ausdruck von
Spott oder ähnlichem, sondern wirkte ernst und auch besorgt. "Ich verstehe.
Können Sie mir genauere Koordinaten nennen?" Selina schloß kurz die
Augen und dachte wieder an Sta'el. "Was ist mit Sta'el? Nach meinen
letzten Informationen lag er im Koma. Wird er transportfähig sein?"
Latta war vollkommen überrascht. So einfach?! Sie misstraute dem Frieden.
"Ja, Sta'el hat sich erholt. Er ist absolut transportfähig." Sie entschloss sich,
ebenfalls ein wenig guten Willen zu zeigen. "Niklan ebenso. Der Junge
erkundigt sich immer wieder nach Ihrer Tochter." Dann räusperte sich die
Romulanerin. "Koordinaten kann ich Ihnen keine nennen. Das wäre zu
gefährlich. Aber ich werde wissen, wenn Sie Romulus betreten. Soweit
reicht mein Einfluß auch jetzt noch. Eine Mitarbeiterin von mir wird sich dann
mit Ihnen in Verbindung setzen."
Selina war erleichtert. Es tat so gut zu hören, daß es Sta'el wieder gut ging,
auch das der kleine Niklan unbeschadet war, erfreute sie. "In Ordnung. In
Ordnung, ich werde mich so schnell wie möglich auf den Weg machen."
Eine Frage hatte Selina dann doch noch. "Mit welcher Art von Widerstand
bzw. mit welchem Begrü0ungskomitee ist zu rechnen?"
"Ich weiß es nicht. Vielleicht geschieht nichts. Bisher gab es keine offenen
Drohungen. Noch wurde niemanden von meinen engsten Vertrauten
entführt oder getötet. Meine Feinde halten sich bedeckt. Ich bin mir
allerdings sicher, dass sie nichts von diesem Gespräch wissen. Das heißt,
dass niemand von Ihnen ahnt. Nicht einmal Solak weiß, dass ich Sie
kontaktiert habe. Das macht Sie zu meinem Trumpf."
Selina stellte sich Solaks überraschtes Gesicht vor und musste lächeln.
"Das sind natürlich beste Voraussetzungen aber ich werde trotzdem auf der
Hut sein. Gibt es sonst noch irgendetwas das Sie mir sagen wollen?"
Latta biss sich auf die Zunge. "Nein. Ausser: Seien Sie vorsichtig und viel
Glück!"
"Danke." Selina nickte der Romulanerin zu und die Verbindung wurde
unterbrochen. Nachdenklich ließ sich Selina in das Sofa zurückfallen. So
hatte sie sich ihren Urlaub nicht vorgestellt. Die Lage hatte sich komplett
geändert. War sie bereit für ein solches Abenteuer? Was wurde derweil aus
John? Was sollte sie ihm nur sagen? Selina wusste nur eines: Sie musste
hochkonzentriert an die Sache rangehen, schließlich ging es um Solaks und
dessen Familie Leben!
[Hoshi und idic überraschend zahm - die Hitze fordert ihre Opfer....]
Geschrieben von: O'Tra am Jun 29 2005, 00:39
„Die Tarnu ist ein cardassianischer Müllfrachter der nichtverwertbare Abfälle
von der Cardassia Prime zu einer in der Nähe der Badlands liegenden
Sonne schippert und diese dort verklappt? Auf dem Kahn soll ich als
Austauschtechniker arbeiten? Commander, das ist nicht Ihr ernst!“
Fassungslos blickte O’Tra sein Gegenüber an. Darum durfte er also nicht
beim Bau der neuen Primärsektion helfen…
„Aus Sicherheitsgründen lassen die Cardassianer – wie die Sternenflotte
übrigens auch - Austauschtechniker nur auf Schiffen mit untergeordneter
Funktion zu“, erläuterte Commander Egger, der zuständige Offizier für das
interstellare Austauschprogramm von Sternenflottenoffizieren und –
unteroffizieren. „Sehen Sie es doch positiv Chief: Sie lernen während des
Austausches viel über die cardassianische Kultur.“
O’Tras Stirn runzelte sich. „Ihre Kultur? Indem ich in ihrem Abfall wühle?
Commander, ich habe noch jede Menge Urlaub zu bekommen. Den werde
ich jetzt besser nehmen…“ O’Tra erhob sich und wollte zur Tür gehen.
„Tut mir leid, dass geht nicht.“ Die freundliche Stimme des Offiziers war
einem rauen Befehlston gewichen. „Sie haben bereits die cardassianische
Sicherheitsüberprüfung durchlaufen und die Genehmigung zur Mitarbeit auf
der Tarnu erhalten. Einen geeigneten Ersatz zu finden, dauert ewig.
Verstehen Sie doch Mr. O’Tra, die Völkerverständigung und das
Austauschprogramm sind wichtig…besonders nach den letzten
Zwischenfällen, an denen ja auch die Community beteiligt war.“
Der Bolianer seufzte. „Und wie lange soll das dauern? Drei Wochen?“ „Es
sind nur 20 Tage, Chief. Danach können Sie immer noch Urlaub machen.“
„Den werde ich dann auch umso mehr brauchen“, meinte O’Tra deprimiert
und fand sich mit seinem Schicksal ab.
„Gut Chief, melden Sie sich morgen Früh an Bord des cardassianischen
Kreuzers Merok, er hat den neuen cardassianischen Botschafter zur Erde
gebracht und befindet sich noch im Erdorbit. Das Schiff wird sie mit nach
Cardassia Prime nehmen, damit sie dort ihren Dienst auf dem Müllfrachter
aufehmen können. Das war’s. Sie können wegtreten.“
--Nach dem frustrierenden Termin bei Cmdr. Egger stattete Chief O’Tra der
Mutter von Chief Petty Officer Sephiroth Schmidt einen Besuch ab. O’Tra
hatte völlig verdrängt, dass der Mensch, mit dem ihn seit der turbulenten
Hochzeitsmission (fast) so etwas wie eine Freundschaft verband, während
der letzten Mission ums Leben gekommen war.
Haarklein musste Chief O'Tra von jeder noch so kleinen Feldspule
berichten, die er und Sephiroth zusammen gewechselt hatten. Im Gegenzug
erzählte Mrs. Schmidt von Sephiroths aufgeschlagenen Knien und dessen
erster Freundin. Der Bolianer war sich nicht ganz sicher, worüber die Frau
trauriger war: Über den Verlust ihres einzigen Sohnes oder darüber, dass ihr
die Nachricht von seinem Tod nur von einen kleinen Verwaltungsoffizier
übermittelt worden war…
Als O’Tra Stunden später das Haus verließ, kam ihm Ens. Luke Solo
entgegen. Auch er wollte Schmidts Mutter sein Beileid aussprechen. Dem
aus dem Alderaan-System stammenden Solo war der Verlust von Chief
Schmidt sehr nahe gegangen. Schmidt hatte jungen Piloten unter seine
Fittiche genommen und war fast so etwas wie ein Vaterersatz ihn für
gewesen.
--Am nächsten Morgen fand sich O’Tra pünktlich in dem Transporterraum ein,
von dem aus er auf die Merok beamen sollte. Neben ein paar Kleinigkeiten
für den täglichen Bedarf, hatte der Bolianer zwei gefütterte Uniformen
eingepackt, schließlich hatte er keine Ahnung, wie eng die
Wartungsschächte und Verbindungsröhren auf cardassianischen
Müllfrachtern waren…
„Fertig zum Beamen“, meldete der Transporterchief. O’Tra nickte ihm zu….
„Energie!“
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jun 30 2005, 12:02
Tao - oder wie ein alter, schwarzer Kater alles zum Fließen brachte
(Part I)
Träge öffnete er ein Auge und beobachtete die Welt um ihn herum. Nichts
hatte sich an diesem Ort verändert - nichts bis auf das neue Wesen, das seit
ein paar Tagen hier wohnte. Es war anders, es ging anders, es roch anders
.. und es passte eigentlich überhaupt nicht hier her. Die anderen Wesen
waren so ruhig, so gelassen glücklich, voller Frieden und Harmonie. Sie
ließen ihn tun, was er wollte, sie respektierten ihn. Doch das neue Wesen
war so verschiedenartig .. Unter ruhigen Oberfläche spürte er, wie
aufgewühlt es war, wie weit von den anderen entfernt. Und es hatte ihn
noch überhaupt nicht beachtet! Er öffnete sein zweites Auge. Warum war
dieses Wesen überhaupt hier? Irgendwie störte es seine Ruhe - oder doch
nicht? Und warum hatte es der Natur der vielen anderen Wesen, die so
waren wie es, nicht dem scheinbar zwanghaften Impuls gefolgt, ihn zu
streicheln. War er über diese Tatsache erfreut? Er war sich darüber im
Unklaren. Es war Zeit das neue Wesen einmal genauer zu betrachten und
wenn ihm nicht passen würde, was er sah, dann würde er es klar machen.
Natürlich, er hätte dem neuen Wesen aus dem Weg gehen können, aber
warum sollte er? Er war länger hier, das hier war sein Revier.
Er erhob sich langsam, gähnte einmal ausgiebig, bevor er begann sich zu
strecken ...
Die anderen Mönche - vor allem die älteren, die sie kannten - hatten Milseya
freudig lächelnd begrüßt. Für sie war die Haliianerin ein Teil dieser Familie,
ungeachtet ihres Geschlechts oder ihrer Rasse. Bereits am ersten Tag, an
dem sie sich das Privileg erkämpfte, diesen Ort betreten zu dürfen, hatten
die meisten sie in ihr Herz geschlossen - soweit dies eben für einen
buddhistischen Mönch möglich ist.
Als der Abt die älteren Mitglieder über ihre Rückkehr informierte und um
ihren Rat bat, ob sie nach all dem was geschehen war und was sie getan
hatte, wieder aufgenommen werden sollte, hatten sie dem ohne Bedenken
zugestimmt. Ein Mitglied der Familie hatte den Weg aus den Augen
verloren, welchen Sinn hätte ihre Überzeugung, ihr Glauben, wenn sie ihr
nicht dabei helfen würden, ins Leben zurückzukehren.
Milseya hatte ihre alte Zelle zugewiesen bekommen. Als sie sie zum ersten
Mal nach dieser langen Zeit betrat, kribbelte es verdächtig heftig in ihre
Nase. Sie war so erleichtert, dass man ihr auch hier eine zweite Chance
gewährte, dass man sie nicht vergessen hatte, sie immer noch ein Teil
dieser Gemeinschaft war, die ihr so unendlich viel bedeutete.
Auf ihrem 'Bett' lag die traditionelle gelbe Kutte, ihr nien-chu, ein
beschriftetes Papier sowie ein Bastkorb. Milseya hatte ohne zu zögern ihre
Tasche in den Korb gelegt, bevor sie in den Waschraum gegangen war und
ihren Körper mit einem Bad gereinigt hatte. Nachdem sie ihre Haare
hochgesteckt und die Kutte angelegt hatte, hatte sie ihre Kleidung
säuberlich zusammengelegt ebenfalls in den Korb getan. Dann hatte sie
sich dem Papier zugewandt. Hier waren ihre Aufgaben und ihr Tagesablauf
aufgelistet. Man hatte sie, entsprechend ihrem ersten Element, der Erde
(das zweite war Feuer), der Gartenarbeit zugewiesen. Sie sollte gemeinsam
mit dem ältesten Mönch des Klosters den hinteren Bereich des Klosters
herrichten. Der Tagesablauf hatte sich nicht geändert: Aufwachen,
Meditation, Frühstück, Körperübungen, Arbeit, Mittagessen, Meditation,
Arbeit, Councelor (das war neu), Meditation, Schlafen.
Die Haliianerin legte das Papier mit in den Korb und trug diesen dann
anschließend vor ihre Tür, wo sie ihn abstellte. Dann begab sie sich in den
hinteren Teil des Klosters. Es war Zeit zum Arbeiten.
Das war kein Garten - nicht einmal im entferntesten Sinne des Wortes! Dies
war Wildnis! Es würde Jahre dauern, daraus so etwas wie einen Garten zu
machen.
Hsiung T'ien saß im Schatten und hatte auf die dunkelhäutige Frau
gewartet. Er lächelte sanft, als er ihr ungläubiges Gesicht sah, als sie den
'Garten' betrachtete. Sie hatte es nicht begriffen, noch nicht. Sie war immer
noch verhaftet in der Welt außerhalb dieser Mauer.
Er erhob sich langsam und trat auf sie zu. Milseya begrüßte ehrfurchtsvoll
den Mönch, dem man seine 78 Jahre wirklich nicht ansah. Hsiung T'ien
bewegte sich mit der Schnelligkeit und Geschmeidigkeit einer Katze. Sein
Gesicht war bis auf einige Falten um seine Augen, die weniger vom Alter als
vielmehr vom vielen Lachen herrührten, glatt.
Er nahm einen Stock und zeichnete das zukünftige Aussehen des Garten in
den Boden. Dann sah er in Milseyas entgeistertes Gesicht. Das war
vollkommen unmöglich! Sie beide würden aus diesem Chaos nie das
machen können, was ihm vorschwebte. Niemals! Nicht in zehn Jahren! Er
sah sie wissend lächelnd an. „Lass uns beginnen, Jen Pao“, erklärte er.
Es war ein unglaubliches Gefühl mit den Händen in die kühle, schwere Erde
zu greifen. Den torfigen Geruch einzuatmen. Milseya schloss die Augen, um
dieses Gefühl der Verbundenheit, dass das wohltuende Gefühl des Friedens
mit sich brachte, tief in sich aufzusaugen - als Hsiung T'ien ihre Hand ergriff.
Überrascht öffnete sie ihre Augen. „Lass los, löse dich davon“, sagte der alte
Mönch mit leiser Stimme und öffnete sanft ihre zur Faust geballten Hand,
die mit Erde gefüllt war. Er führte ihre Hand wieder in die Erde, hob mit ihr
ein wenig Erde aus. Er hob ihre flache Hand in die Höhe und drehte sie
leicht, so dass die Erde wieder zu Boden fiel. „Halte nichts fest, was nicht dir
gehört, Jen Pao“, erklärte er. „Und was gehört mir?“, fragte sie. Er lächelte
still, bevor er sich erhob und einfach ging.
DA begriff sie es.
Deshalb war sie hier.
Dieses Chaos hier...
das war SIE.
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Jun 30 2005, 16:23
Traumhochzeit - Teil 1
Dank des Drängelns von Jeremiah und auch der Tatsache, dass er seinen
Gleiter den ganzen Weg zurück nach San Fransisco mit
Maximalgeschwindigkeit geflogen war, erreichten Hanni und er ihr Ziel
gegen Viertel Neun Ortszeit. Sie wurden ganz herzlich empfangen. Da aber
im Hause Esteban schon recht früh zu Abend gegessen wurde, brachten
Hanni und Jerry ihr Gepäck in das alte Zimmer des Letzteren und verließen
das Haus um einen nahegelegenen Restaurant eine Pizza zu essen.
Als sie wieder zurückkamen, nahm David seines Sohn kurz beiseite: „Jerry,
ich habe eine oder besser gesagt zwei Bitten an dich.“ Neugierig geworden
erwiderte Jerry: „Schieß los.“ „Erstens möchte ich dich bitten, mein
Trauzeuge zu sein.“ Da musste Jerry lächeln. „Natürlich bin ich gerne dein
Trauzeuge.“
Sein Vater entspannte sich sichtlich und äußerte seinen zweiten Wunsch.
„Würdest du morgen mit mir die Trauringe kaufen.“ Erst schaute der nun
frischgebackene Trauzeuge verdutzt, dann entfuhr ihm ein herzhaftes
Lachen. „Du hast noch keine Ringe. Die Hochzeit ist in gut zweieinhalb
Wochen.“ David nickte schuldbewusst: „Bei der Hochzeit mit deiner Mutter
hat sich Onkel Greg um alles gekümmert.“
Jeremiah nickte verständnisvoll. Gregory Donkaster, der ältere Bruder
seiner Mutter war ein Organisationstalent. Das musste man vermutlich auch
sein, wenn man quasi aus dem nichts innerhalb von nur 5 Jahren ein gut
gehendes über die Föderationsgrenzen hinaus operierendes
Transportunternehmen aus dem Boden stampfte.
Vorsichtig fragte er noch nach: „Sollten wie noch etwas einkaufen? Einen
Anzug? Blumen?“ Amüsiert erwiderte David: „Nun werde jetzt nicht frech.
Ich werde in meiner Galauniform heiraten. So alt und vergesslich bin ich nun
doch nicht. Um Blumen und sonstige Vorbereitungen kümmert sich Becky.“
„Dann ist ja alles gut. Ich werde ich morgen gegen 17 Uhr abholen.“
Schelmisch fügte Jerry noch hinzu: „Ich hoffe du hast wenigstens die
Flitterwochen geplant?“, bevor er die Treppe hinauflief.
In seinen Zimmer wurde Jerry von seiner Freundin mit einen: „Endlich
allein.“ und einen Kuss empfangen. Doch die Idylle währte nur kurz, denn
schon nach einigen Sekunden klopfte jemand an die Zimmertüre. Jeremiah
ließ seufzend von seiner Freundin ab und rief: „Herein.“ Seine Schwester
öffnete die Tür, grinste kurz anzüglich und fragte dann süffisant: „Störe ich
euch.“
Bei jeden anderen hätte der Lieutnant natürlich höflich reagiert, aber seiner
Schwester sagte: „Ja du störst.“ Rebecca betrat den Raum und schloss die
Türe hinter sich. „Das tut mir aber leid.“, erwiderte sie mit einen leicht
sarkastischen Unterton. Dann setzte sich in den Stuhl der am Schreibtisch
stand und bemerkte: „Jerry, ich brauche deine Hilfe.“ „Bei den
Vorbereitungen für die Hochzeit?“, vermutete ihr Bruder. Überrascht nickte
Rebecca, woraufhin Jerry fragend zu Hanni blickte, die daraufhin
zustimmend nickte.„Okay, wir helfen dir. Gehen wir alle Punkte durch.“,
entschied Jerry und griff sich ein altes Padd, dass noch aus seiner Zeit an
der Akademie im Zimmer herumlag.
Er legte ein neues Dokument an und begann mit einer Art Checkliste. „Wie
viele Gäste werden erwartet?“ Rebecca überlegte: „Mit der Verwandtschaft,
einigen Freunden und Kollegen sind wir 37, bis auf Vrad und Lieutnant
Mergos sowie deren Mann, alles Menschen.“
Jerry nickte trug die Daten ein und vermerkte einen Andorianer und zwei
Risaner. „Wo feiern wir denn?“ „Im Garten .“ „Sitzgelegenheiten und Tische.“
„Ähm die wollte Tante Audrey mitbringen.“ Jerry nickte bestätigend. Seine,
auf dem Lande wohnende, Tante, war für ihre großen Barbecues bekannt.
Er wollte schon mit dem nächsten Punkt weitermachen, als Hanni
nachfragte: „Was machen wir, wenn es regnet?“ Und damit hatte sie die
Schwester ihres Freundes auf einen völlig falschen Fuß erwischt. Aber Jerry
verstand sofort. „Dann brauchen wir Partyzelte.“
Er machte eine kurze Pause: „Wie sie es mit Speisen und Getränken aus.“
„Getränke wollte ich replizieren. Die Speisen sollten ähm echt sein. Eine
große Hochzeitstorte ist bestellt und sowohl Grandma als auch Elizabeth
Mutter und einige anderen bringen Kuchen mit. Und ich dachte du bäckst
auch einen oder zwei. Und vielleicht eine Menge Muffins.“ Schelmisch fügte
Rebecca hinzu: „Dad hat die Zucker- bzw. Salzdose nun beschriftet.“
„Und Abends?“, hakte ihr Bruder nach. „Da kommt ein Partyservice.“ „Ob
der auch Partyzelte verleiht?“, überlegte Hanni laut. „Gute Idee Schatz.“,
bestätigte Jerry. „Becky du fragst da mal nach.“
Als die Angesprochene nickte und Jerry fuhr fort: „Gut. Die Party fällt schon
mal nicht komplett ins Wasser. Nun Details wo man viel Falsch machen
kann.“ Hanni nickte wissend, als er fragte: „Was ist mit der Dekoration?“
„Blumen sind bestellt, Grandma bringt noch paar Sachen mit, die wir
brauchen.“
Damit war auch der Teil geklärt weswegen Jerry ausführte: „Kommen wir
zum wichtigsten, der Trauung. Hat Liz schon ein Brautkleid.“ „Ja und es
sieht um werfend aus. Aber es fehlen noch ein paar Accessoires, wie
Ohrringe. Sie wollte mit mir deswegen irgendwann einkaufen gehen..“
„Macht das morgen. Dad ich gehen morgen Ringe kaufen. Und nehmt Hanni
mit.“
Die beiden Frauen nickten bestätigend. „Wer führt die Zeremonie eigentlich
durch?“
Rebecca erschreckte und ihr entfuhr ein kleines: „Nein.“ Ihr Bruder seufzte:
„Sag nicht, dass du noch niemanden gefragt hast.“ Doch sie schüttelte mit
dem Kopf.
Jerry überlegte kurz.. „Traditionsgemäß käme Dads CO infrage.“ Er machte
eine kurze Pause und entschied dann: „Wenn ich morgen Dad abhole, frage
ich Admiral Nechajew.“, was Hanni mit einen: „Du bist verrückt.“,
kommentierte. Er gab ihr einen Kuss und erwiderte: „Das höre ich letzter
Zeit häufiger von dir.“
Rebecca grinste, bemerkte aber: „So verrückt ist die Idee gar nicht.
Schließlich steht die Admiralin auf der Gästeliste.“ Jerry warf seiner
Freundin einen Blick zu der soviel wie: „Siehst du!“, bedeuten sollte. „Dann
hätten wir ja alles. Oder fällt dir noch ein Punkt ein, Schatz.“
Hanni überlegte und fand noch einen: „Was ist mit Musik?“ Etwas irritiert
fragte Rebecca: „Für was brauchen wir Musik?“ „Der sogenannte
Hochzeitmarsch. Den Gästen die Zeit vertrieben, während sie auf die Braut
warten. Zur Untermalung der Feier.“, erklärte ihr Bruder etwas genervt,
verärgert darüber, dass er nicht selbst daran gedacht hatte. „Wir könnten ein
paar von meinen Freunden fragen.“, schlug Rebecca Esteban vor. „Denise
und Caroline sind im Akademieorchester.“
„Das klingt doch gut.“, meinte Hanni. Etwas entnervt wollte Rebecca dann
noch wissen: “War das jetzt alles, Jerry?“ „Ja, war es. Kannst jetzt schlafen
gehen.“ Erleichtert verließ die junge Frau das Zimmer und auch Jerry und
Hanni entschieden schlafen zu gehen.
Geschrieben von: Lucas Bishop am Jun 30 2005, 22:23
Schuld und Sühne – Teil 2
Zyphcoon Park – Betazed
Ein Mensch rannte und rannte, wie ein Jogger auf einem Laufband, doch tat
es Lucas nicht der Fitness wegen. Er wollte einfach weg von dem Terminal,
weg von der Nachricht einfach weg von allem. Leider gehörte Nanni im
Moment auch dazu und das bedauerte Lucas zutiefst. Doch das lange
Rennen forderte seinen Tribut und Lt. Bishop musste sich auf die nächste
Parkbank setzen. Er war sehr verschwitzt und seine Lungen brannten von
dem langen Sprint. Nun saß Lucas völlig fertig auf der Parkbank und
beobachtete Raubvögel die sich Fische aus dem großen See fischten.
Waren diese Vögel Monster, weil sie die kleinen Fische fingen, töteten und
verspeisten? Nein, das war der Lauf der Dinge und die Vögel folgten ihrem
Instinkt.
Hatte er damals auch nach Instinkt gehandelt? Lucas konnte sich nicht mehr
erinnern, aber eines wusste er ganz genau, er hatte wegen einer Mission an
der Hochzeit nicht teilnehmen können. Dieser Larson hatte doch keine
Ahnung welchen Charakter er hatte. Dieser Betazoid kannte ihn aus
Erzählungen einer enttäuschten Mutter und von einem flüchtigen Treffen, an
dass sich Lucas nicht gerne erinnerte. Welcher Sohn erinnert sich gern
daran seine Mutter beim Liebesakt mit ihrem neuen Mann gestört zu haben,
bestimmt keiner! Doch diese Erinnerung schob der Sicherheitschef in die
hinterste Ecke seiner Gedanken, aber am liebsten hätte er das Erlebnis für
immer aus seinem Kopf verbannt. Wieder starrte er auf den See und
schaute den wellenförmigen Kreisen hinterher, die immer entstanden, wenn
ein Vogel in das Wasser geflogen war. In der Natur war alles so einfach,
jedes Lebewesen folgte dem einfachsten Schema, dem Instinkt. Langsam
erklangen die Worte Larsons in seinem Kopf wieder und Lucas wurde etwas
wütend als er über den Sinn nachdachte. Was bildete sich dieser Larson
eigentlich ein? Wie konnte er Lucas nur als karrieregeil bezeichnen, typisch
Wissenschaftler aber bei Gefahr jammern und Hilfe von der Sicherheit
ordern. Aber im Bezug zu den anderen Beschimpfungen war das Wort
„karrieregeil“ noch ganz annehmbar.
Es folgten Worte wie „grausam“, „zerstörerisch“ und „egoistisch“… Starke
Worte für das Versäumnis einer Hochzeit, aber irgendwie gab Larson Lucas
die Schuld für die Vergewaltigung seiner Tochter. Es ging nicht nur um die
verpasste Hochzeit und um eine enttäuschte Miriam Bishop, nein es ging
um einen Vater der einen Schuldigen sucht. Das ganze Spektakel diente nur
einem Zweck, Lucas sollte sich schuldig fühlen. Larson hatte ihn auf privater
Ebene angeklagt, aber ohne Anwalt, Richter und Geschworenen die seine
Unschuld hätten beweisen können. Larson verkörperte alle Personen und
die hatten sich schon einstimmig für Schuldig entschieden. Was konnte
Lucas noch dagegen ausrichten, was konnte ein Sträfling der zum Tode
verurteilt war gegen die Hinrichtung tun?
Lt. Bishop war von der Bank aufgestanden und zum Ufer des Sees
gegangen, immer wieder fixierte er die Raubvögel und beobachtete deren
Raubzüge. Aber zum ersten Mal konnte er einen Fisch sehen, der gen
Himmel blickte und auf den Tod wartete. Dieser kleine Fisch stellte sich dem
Monster, einem Ungeheuer das nur seinen Instinkten folgte. Lucas musste
sich seinen Monstern stellen, sonst würde er nie mehr eine Familie haben.
Jetzt hatte er verstanden, dass nicht er das Monster war sondern seine
Ängste und Probleme die kleinen Ungeheuer waren, die bekämpft werden
mussten. Die Reise in die Natur hatte wieder Früchte getragen. Gestärkt mit
neuem Mut machte sich Bishop auf den Rückweg und er hoffte das Nanni
auf ihn warten würde.
Geschrieben von: Bjørn Niels van Richthoven am Jun 30 2005, 23:31
Auf der Community herschte reges Treiben. Auch wenn die Sekundär- und
Tertiärsektion relativ unbeschädigt waren, war auch hier viel zu tun. Da die
neue Primärsektion dem neusten Stand der Technik entsprechen würde,
musste der Rest des Schiffes angepasst werden.
Niels war einer Gruppe zugeteilt worden, die sich um die Energiesysteme
und Netzwerke kümmern sollte, andere waren für Ausstattung,
Softwareupdates usw. zuständig. In der letzten Woche waren schon neue
Warpreaktoren eingebaut worden, wodurch sich die Leistung des Schiffes
um ca. 7% erhöhen würde. Jetzt mussten alle Energieleitungen angepasst
werden. Außerdem musste an den Andockklemmen ein neues Interface
installiert werden und die Energieleitungsverbinder erneuert werden. Niels
und ein Kollege von der Werft sollten sich zunächst um die Klemmen
zwischen den beiden "alten" Sektionen kümmern, an den anderen Klemmen
mussten die Gerate durch erfahrene Ingenieure in Raumanzügen getauscht
werden.
Der erste Schritt bestand darin die neuen Teile bei den "Jupiter Ship Yards",
wo die Schiffe der Prometheus Klasse gebaut wurden, mit dem
Frachtshuttle abzuholen. Niels war ein Shuttle des Argo-Typs mit
Frachtmodulausbau zugeteilt worden und so machte er sich bei
Schichtbeginn zusammen mit seinem Teampartner, einem jungen Crewman
napeanischer Abstammung, auf den Weg zum Juppiter. Sein Name war
Naswan und Niels fand ihn sympatisch. Nach dem Beladen war das Shuttle
voll bis unter die Decke, kein Wunder bei 16 Interfacepaaren und 12
Unterteilen sammt Verpackung. Trotz der Beladung ließ sich das Shuttle gut
fliegen und Niels könnte sich an den Typ gewöhnen. Schade, dass der
Community keines dieser Art zugeteilt ist.
Die orbitalen Anlagen der Werft kamen wieder in Sicht. In einem der
Trockendocks lag die Community. Obwohl sie nicht komplett war, strahlte
sie doch eine gewisse Grazie aus. Eigentlich konnte man sich gar nicht
vorstellen, das dieses Schiff so ein großes Zerstörungspotenzial hatte. Niels
steuerte das Shuttle in einem Bogen um das Dock, bis das Heck des
Schiffes mit der Shuttlerampe vor ihnen lag. Nachdem er die Landefreigabe
erhalten hatte, landete er das Shuttle sanft auf der markierten Stelle und
öffnete die Ladeluke. Als Niels aus dem Shuttle kletterte, waren einige
Crewmitglieder schon dabei die Fracht auszuladen. Ein Techniker im
Raumanzug, den Helm unter den Arm geklemmt, überwachte das Treiben
mit der freien Hand wedelnd.
Zunächst wurden die neuen Komponenten in einem der Frachträume
untergebracht, denn die Shuttlerampe musste für die nächsten
Anlieferungen wieder geräumt werden. Während Niels das Shuttle
zurückbrachte, kümmerte sich Crewman Naswan um die Einlagerung. Er
hätte gerne noch eine Runde gedreht, doch die Arbeit wartete. So wurde
Niels wieder von Shuttledepot zurück zur Community gebeamt. Als er den
Frachtraum erreichte, hielt ihm der Crewman ein PADD mit der
Bestandsliste zum abzeichnen hin. Nach einem kurzen Blick darauf, legte er
das PADD auf die Kiste mit den Teilen für die erste Klemme. Die
Komponenten an sich waren nicht alzu groß und Niels wunderte sich immer
wieder, wie man es schaffen konnte mit der Verpackung so viel Platz zu
verschwenden. Die Kiste war nicht schwer und so konnten die beiden
Ingenieure sie gut tragen, in den Wartungsschächten war auch kein Platz für
eine Antigravitationseinheit.
Da das Schiff noch vom Dock mit Energie versorgt wurde, war es kein
Problem die Energieleitung zu unterbrechen. Der Austausch der
Leitungsendstücke war auch kein schwerwiegender Eingriff und diese
konnten leicht an die fließende Energie angepasst werden. Nachdem die
Klemme so wieder mit Energie versorgt wurde, konnte der schwierigere Teil
beginnen. Das Interface musste mit einer Toleranz von 0,0001 mm eigebaut
werden, damit beim Verbinden der beiden Sektionen die Kontakte in den
Schnittstellen genau zusammenpassten. Den ersten Teil der Aufgabe
konnte der Ingenieur von Utopia Planetia übernehmen, doch beim 2. Teil
wurden Niels Kenntnisse über bioneurale Systeme benötigt, da im Interface
ein neues Sicherheitssystem intregriert war. Das System bestand aus einem
einem internen Sensor, einer Rechnereinheit und einem Biospeicher. Es
wurden zahlreiche Funktionsstörungen in die Einheit einprogrammiert, die
das System von selbst erkennen kann und sofort Gegenmaßnahmen
ergreift. Hier war es sehr wichtig das neue Interface richtig mit dem
Schiffsnetzwerk und der Energieleitung zu verbinden. Das brauchte
Fingerspitzengefühl, sonst würde eine Rückkopplung entstehen und das
System blockieren.
Nach dem physischen Einbau folgte die Anpassung der Software. Zunächst
ließ Niels eine Testsequenz laufen. Bei positivem Ergebnis setzte er sich mit
dem Maschinenraum in Verbindung, damit ein Teststörsignal über das
Netzwerk gesendet wurde um die Funktion zu testen. Es ertöhnte kurz ein
Piepsen und es wurde angezeigt, dass die Leitung unterbrochen worden
war, das Gerät funktionierte also. Zuletzt kuppelte Niels die Klemme aus um
das automatische Ankuppeln zu testen, da die Komponenten im Paket
geliefert worden waren. Auch hier gab es keine Schwierigkeiten. Niels füllte
nun noch die Papiere aus. Crewman Naswan hatte bereits die alten Teile in
der Transportkiste verstaut. Da diese noch voll funktionstüchtig waren,
sollen sie in das Ersatzteillager der Werft verbracht werden, jedoch zunächst
in den Frachtraum. Dort schnappten sich die Beiden die nächste Kiste.
An diesem Tag ersetzten Crewman Naswan und Ensign van Richthoven
insgesammt 4 Verbindungen. Es würden noch 2 anstrengende Tage mit
dieser Arbeit vergehen, bis alle Klemmen umgebaut waren. Zum Glück hatte
Niels als Offizier das Privileg ein Einzelquartier zu bewohnen, da er doch
recht erschöpft war nach diesem harten Arbeitstag und sich zeitig schlafen
legte.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jul 1 2005, 08:16
Tao - oder wie ein alter, schwarzer Kater alles zum Fließen brachte
(Part II)
„Wie kommt ihr mit dem Garten voran?“
Milseya seufzte.
Seit Tagen begannen die Councelorsitzungen bei Meister Ming San Ho
immer mit der gleichen Frage. Und immer Tagen bekam er stets die selbe
Antwort von ihr „Nur sehr langsam.“ Und jedes Mal schien es ihr, als ob der
Abt darüber enttäuscht war.
Von der Mauer aus hatte er dem neuen Wesen zugesehen. Sein erster
Eindruck hatte sich bestätigt. Es war anders. Interessiert (auch wenn es
nach außen hin nicht so schien) hatte er den Bewegungen des Wesens
zugesehen. Sie waren schneller als die der anderen – es erinnerte ihn an
sich selbst, als er noch jünger gewesen war. Bedeutete dies, dass es jünger
war als die anderen?
Aber da war noch etwas anderes. Es wirkte gehetzt, beinahe wie in die
Enge gedrängt. Er hatte dies schon so oft gesehen, der Anblick faszinierte
ihn stets auf neueste. Doch 'es' war keine Beute. Es war ihm unbegreiflich,
warum das Wesen so empfand – es drohte ihm doch kein Gefahr! Es war
unter seines gleichen. Keiner machte ihm das Revier streitig, keiner neidete
ihm das Futter.
Sein Blick glitt zu den anderen Wesen, die wie sein Objekt seiner Neugierde
auf dem Boden saßen. Welch ein Unterschied! So viel Ruhe und Gleichmut.
Unendlicher Friede umhüllte diese Wesen. Warum duldeten sie das andere
Wesen in ihrer Mitte? Es musste sie doch stören!
Er war alt. Er hatte eine Menge gesehen und doch – seit er hier an diesem
seltsamen Ort war, entdeckte er immer wieder etwas Neues an diesen
Zweibeinern. Es musste etwas Besonderes an diesem neuen Wesen sein.
Aber was? In seinen Augen begann es zu funkeln. Er richtete sich auf. Er
würde es herausfinden. Dies würde sein letztes großes Abenteuer werden ..
„Ich bemühe mich, Meister.“ Ihre Stimme klang entschuldigend.
„Nicht genug“, kam es (wie gelang ihm dies nur?) ohne jeglichen Vorwurf
zurück.
Was sollte sie nur tun? Sie war ständig müde und schlief beinahe überall
ein. Auch jetzt würde sie sich am liebsten auf den Boden legen und die
Augen schließen. Warum hatte der Abt die Councelorsitzungen nur auf den
Abend gelegt. Wie konnte sie ihm folgen, verstehen, was er ihr riet, wenn sie
gegen ihre Erschöpfung ankämpfte?
Ming San Ho betrachtete die Haliianerin aufmerksam. Er sah die deutlichen
Zeichen der Erschöpfung und war zufrieden. Ihr Körper begann zu brechen.
Doch ihr Geist? Immer noch kämpfte sie, versuchte aus der Wildnis ein
Paradies zu schaffen. Noch trieb ihr eigener Wille sie an, noch war sie
gefangen in der sogenannten Realität. Irgendwann würde er aufgeben, dem
Körper nachgeben müssen. Dann würde er einen anderen Weg suchen, um
das Problem zu lösen. Der Abt hoffte, dass sie den richtigen Weg erkennen
würde - zumal er von einer völlig unerwarteten Seite Hilfe erhalten hatte.
Äußerst vorsichtig - und für 'es' unsichtbar - war er dem neuen Wesen
gefolgt und hatte eine Menge erfahren. Er wusste nun, wo es schlief, wo es
hin ging und hatte erkannt, warum die anderen es nicht nur duldeten,
sondern sich sogar um es kümmerten. Es musste verletzt sein. Entgegen
seiner Natur pflegten diese Zweibeiner andere verletzte Wesen. Eine
Eigenschaft, die er noch nie bei diesen Wesen verstanden hatte. Verletzte
sich einer seiner Artgenossen, dann zog es sich zurück, entweder heilten
seine Wunden oder es starb. Es war einfach so. Welchen Sinn hatte es
einem Verletzten zu helfen, er schwächte doch nur die Gruppe? Fragen
über Fragen .. und er war einer Antwort nicht näher gerückt. Er legte sich
von einem Strauch gut verdeckt hin, rollte die Pforten ein und sah
aufmerksam dem Gespräch zwischen dem Neuen und dem Wesen, der die
anderen führte, zu.
„Wer ist Dorian Gray?“, fragte Ming San Ho, bevor er einen Schluck Tee
trank.
„Er war Councelor auf der Community“, antwortete Milseya. „Nun ja,
eigentlich nur Councelor-Assistent.“
„Das ist alles?“
„Er ist ein Freund“, erwiderte sie ihm.
Schweigen.
„Ein guter Freund.“ fügte sie schließlich hinzu.
„Ich glaube dir nicht!“ Die Antwort kam urplötzlich donnernd aus der Stille.
Milseya erschrak. Seit wann glaubte sie eigentlich dem Mann, der ihr
gegenüber saß, etwas vormachen zu können? Hatte sie vergessen, dass er
Dinge über sie wusste, die niemand jemals über sie erfahren würde? Dass
er sie besser kannte, als sie sich selber?
Sie riss sich zusammen. Es hatte keinen Zweck, ihm etwas vorzuspielen. Er
würde jede Täuschung sofort erkennen und sie schonungslos aufdecken.
„Er war da, als ich jemand brauchte, der mich rettet. Jemand, der mich
festhält, der mir Wärme gibt. Er war mir nah, als ich keinen anderen in
meiner Nähe ertragen konnte.“
„Liebst du ihn?“
Milseya senkte den Kopf. „Ja“, antwortete sie leise.
Der Abt blieb ungerührt.
„Und Thovan?“
„Es ist nicht wie bei Thovan.“ Wie könnte es? Milseya schüttelte den Kopf.
„Sie sind beiden so verschieden.“
„Liebe bleibt davon unberührt“, entgegnete Ming ihr, als er sich und ihr
frischen Tee nach schenkte.
„Aber es fühlt sich anders an“, widersprach die Haliianerin.
Er lächelte milde. „Liebe ist immer gleich, Jen Pao. Wir empfinden sie
anders, weil wir die Menschen, denen sie gilt, als verschiedenartig
betrachten. Unsere Sinne, unser Verstand gaukeln uns das vor. Erkläre mir,
was deine Liebe zu Dorian so andersartig macht als deine Liebe zu
Thovan.“
Sie dachte nach. Im Grunde genommen nichts. Sie hatte Thovan gesehen,
sich augenblicklich in ihn verliebt, hatte sich mit ihm verbunden und ihn
dann wieder verloren. Sie hatte Dorian gesehen, ihn weder gemocht, noch
nicht gemocht, sich mit ihm verbunden, sich in ihn verliebt und ihn dann
wieder verloren. Auch wenn die Wege verschieden gewesen waren, sie
hatten beide zum selben Ziel geführt - und zum gleichen Ende.
„Siehst du? Es gibt keinen Unterschied, in der Art wie wir lieben. Es scheint
uns nur so, weil wir glauben, dass die Menschen unterschiedlich sind“,
erklärte der Abt, als ob jeden ihrer Gedanken mitgehört hätte. „Erzähl mir
von Thovan“, bat er.
Milseya hatte sich vor diesem Moment gefürchtet. Über ihn in dieser Art zu
sprechen, wie Ming es wollte, hatte sie noch nicht gewagt. Diese Wunden
waren nur leicht verschorft, schon der Flügelschlag eines Schmetterlings
konnte sie wieder aufreissen.
„Er war ruhig. Er dachte immer nach, bevor er etwas tat oder sagte. Selbst
wenn er lauthals lachte, schien er diese Ruhe auszustrahlen. Es war .. es
schien.. Thovan lebte stets in seiner Mitte. Er war die Stimme der
Besonnenheit. Er war meine Mitte. Wenn wir zusammen waren, wenn wir
uns nahe waren, dann fühlte ich mich so ruhig. Sein Herzschlag wurde zu
meinem, seine Art bestimmte mein Handeln mit.“ Milseya wischte sich
verstohlen eine Träne vom Gesicht. „Er hat mich wie kein anderer berührt.
Alles an ihm war zärtlich. Jede Bewegung war Liebe .. und Schutz. Er ist
gestorben, weil er mich beschützen wollte .. weil er mich geliebt hat.“
„Was siehst du, wenn du deine Augen schließt und an Thovan denkst?“
Milseya wandte den Blick ab vom Abt und blickte umher. Sie wollte nicht ihre
Augen schließen, wohl wissend, was sie sehen würde.
„Was siehst du?“, verlangte er eine Antwort.
Sie schloss ihre Augen und sah den Anblick wieder.
„Tod!“, flüsterte sie. „Ein zerfetzter Körper.“
„Ist dies das einzige Bild von ihm, dass du in dir trägst?“
Sie nickte stumm, bedauernd.
„Du lebst in der Vergangenheit, Jen Pao. Du klammerst dich an die falschen
Bilder. Wahre Liebe bedeutet Weisheit. Man liebt einen anderen, aber am
Ende geht oder stirbt der geliebte Mensch. Dann wehzuklagen und voller
Sehnsucht an den Gegangenen zu denken, nach dem zu greifen, was sich
verändert hat, ist nicht Liebe, sondern Leid.“ Der Abt hielt inne.
„Du wirst von deinem Verlangen beherrscht, ihn wieder an deiner Seite
haben zu wollen. All dein Handeln, all dein Streben wird einzig von diesem
Gedanken beherrscht. Zurückzukehren in diese Zeit. Das bedeutet Leid,
weil es nicht möglich ist. Dies ist die erste Wahrheit vom Leiden. Alter,
Krankheit und Tod sind unvermeidbar. Hier ist der Ursprung. Du bist
gefangen im Samsara und alles was du getan hat, ist letzten Endes nur die
Konsequenz daraus.“
Ming San Ho erhob sich.
„Gute Nacht, Jen Pao.“
"Aber wie kann ich das Leid beenden?", fragte Milseya leise.
"Erkenne es."
Geschrieben von: Selina Kyle am Jul 2 2005, 18:48
Selina starrte leicht fassungslos auf den dunklen Bildschirm des
Nachrichtenterminals. In ihrem Kopf ließ sie das geführte Gespräch immer
wieder ablaufen. Nach wie vor konnte sie das Ganze immer noch nicht so
recht glauben. Aber ihr blieb keine Wahl für Zweifel. Sie hatte zugesagt
Tantchen Latta zu helfen!
Doch bevor sie sich Solaks Rettung widmen konnte, musste noch etwas
anderes erledigt werden. Sie aktivierte das Nachrichtenterminal und
versuchte eine Verbindung mit John Gilmore aufzubauen. Kurze
Augenblicke erschien sein Gesicht auf dem Bildschirm.
„Hey, ist alles in Ordnung?“ wollte John wissen.
„Nun, nicht wirklich. Ich muss los. Meine Freundin braucht meine Hilfe und
ich muss mich gleich auf den Weg machen.“ Selina spürte, wie sich ihr
Magen verkrampfte als sie das Wort „Freundin“ für Latta genutzt hatte.
John wirkte sichtlich enttäuscht. So hatte er doch gehofft, das Abendessen
am nächsten Tag zu Ende zu bringen.
„Ich verstehe.“
Selina zerriss es fast das Herz als sie die Enttäuschung in Johns Gesicht
sah. Zu gerne hätte sie ihm das nicht angetan aber sie hatte ihre Wahl
getroffen.
„Es tut mir wirklich Leid, John. Ich verspreche, ich mache es wieder gut
sobald ich zurück bin.“
John nickte. „Okay, pass auf dich auf.“
„Bis bald!“
Die Verbindung wurde unterbrochen und John starrte noch eine Weile auf
den Bildschirm. Er kehrte ins Wohnzimmer zurück und öffnete eine Flasche
Rotwein. Er war so sehr in seinen Gedanken versunken, daß er das
Hereinkommen seines Vaters nicht bemerkte.
„John! Was tust du denn hier?“ Der junge Arzt blickte von seinem Weinglas
auf.
„Hi Dad, meine Pläne haben sich geändert. Wenn du willst, kann ich dir ab
morgen in der Klinik helfen.“
Frank Gilmore setzte sich zu seinem Sohn und goß sich auch ein Glas Wein
ein.
„Nein, John.“
„Was? Wieso nicht?“ John hatte sein Glas auf den Tisch abgestellt und sah
fragend seinen Vater an.
„Weil ich glaube, daß du ....Hilfe brauchst.“
John sprang auf. „Wie bitte? Wie kommst du darauf?“
Frank blieb völlig ruhig, so wie er es immer tat. Bedachte seinen Sohn aber
mit einem strengen Blick.
„John, beruhige dich! Sieh mal, du hast ne Menge durchgemacht. Du hast
dir keine Ruhepause gegönnt. Auch jetzt nicht, wo du offiziell Urlaub hast.
Du sprichst weder mit mir oder deiner Mutter über deine Erlebnisse und
willst so weitermachen als sei nie etwas geschehen. Das ist nicht gut und
das weißt du. Ich habe mit Dr. Rento Nares auf Betazed gesprochen. Du
kennst seine Klinik und seinen ausgezeichneten Ruf. Ich möchte das du
dich zu ihm begibst.“
John ließ sich auf das Sofa fallen. Mit funkelnden Augen durchbohrte er
seinen Vater.
„Ich bin nicht krank! Ich bin keiner dieser Psychos!“
„Nein das bist du nicht aber du könntest krank werden. Ich appeliere an
deine Vernunft und dein Verantwortungsgefühl als Arzt! Du hast erzählt, du
willst zurück auf die Community. Glaubst du wirklich, daß die einen
depressiven Arzt aufnehmen werden? Jetzt kannst du noch was tun, wenn
du nichts unternimmst, kann es dich alles kosten.“
Tief in seinem Innersten spürte John, daß sein Vater Recht hatte. John hatte
Alpträume, die ihn jede Nacht plagten. Er hatte mit Arbeit und der Sache mit
Selina versucht, das Ganze zu ignorieren und wegzuschließen. Aber wie
lange würde das noch gutgehen?
„In Ordnung. Ich weiß das du Recht hast, auch wenn es mir schwer fällt,
dies einzugestehen. Ich fliege morgen nach Betazed.“
Frank Gilmore war sichtlich erleichtert und nahm seinen Sohn nach sehr
langer Zeit mal wieder in den Arm.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------Selina hatte sich auf den Weg gemacht. Sie hatte sich die wichtigsten Dinge
schon zusammengepackt aber einige Dinge fehlten noch. Dinge die
unbedingt von Nöten waren wenn man sich in die Höhle des Löwen begab.
Mr. Jinx saß wie immer an seinem Schreibtisch und ging Einsatzberichte
und Inventarlisten durch. Die Türen glitten auf und mit Erstaunen stellte er
fest, wer da zu Besuch gekommen war.
„Jade! Was tust du hier?“ Selina wollte ihn eigentlich gar nicht beachten. Sie
hatte keine Zeit für Smalltalk oder anderes.
„Ich benötige einige Dinge.“
„Du weißt, das du hier eigentlich gar nicht mehr auftauchen dürftest?“
„Oh, ich bin also kein gerngesehener Gast mehr hier?“
Mr. Jinx schüttelte den Kopf. Selina zuckte mit den Schultern und lief den
Korridor entlang, bis sie den gewünschten Raum erreicht hatte. In diesem
Raum befanden sich allerlei Geräte die das Leben sehr erleichterten. Selina
packte sich einige Dinge ein, suchte aber noch nach etwas ganz
bestimmten.
„Das ist das letzte Mal, das du dich bedienen kannst.“ Mr. Jinx hatte
ebenfalls den Raum betreten
„Jaja, ich suche dieses Tarngerät ..... das das wir dem Dominion geklaut und
für unsere Zwecke angepasst haben.“
Mr. Jinx seufzte. Aber er konnte nicht anders und half bei der Suche. Kurze
Zeit später fand er das kleine Gerät dann auch. „Hier ist es und nun geh! Du
darfst nie wieder kommen, hörst du?“
Selina sah den kleinen glatzköpfigen Mann eine Weile schweigend an.
„Es ist wegen Nathan?“
Mr. Jinx schüttelte den Kopf. „Nein, du weißt, er würde dir nie etwas von sich
aus tun aber sollte er je den Auftrag bekommen dich zu ....“
Selina nickte. „Ich verstehe. Ich sollte denen keinen Grund geben ihn auf
mich zu hetzen?“
„Ja. Ich werde niemanden sagen, daß du hier warst aber du musst mir
versprechen, daß du nie wieder her kommst!“
„Ich verspreche es.“ Selina legte Mr. Jinx die Hand auf die Schulter. „Danke
für alles.“ Für einen Moment genoss Mr. Jinx die Berührung der Schöpfung
bis er sich wieder zusammenriß.
„Geh jetzt.“
Selina blickte sich nicht um. Mit leisen Schritten verließ sie diesen Ort, für
immer.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jul 2 2005, 19:26
Vinara war mit den Aufgaben eines Ersten Offiziers bereits hinreichend
vertraut, und die Schweizer hatte so wenig Personal und es geschah noch
weniger Neues dass die täglichen Berichte sich wie von selbst schrieben.
Überhaupt hätte sie nur jedesmal den Wortlaut vom vorangegangenen
kopieren müssen, doch die Andorianerin versuchte es mit immer wieder
neuem Wortlaut um der Eintönigkeit wenigstens etwas entgegenzusetzen.
Immerhin konnte sie den überwiegenden Teil ihrer Zeit mit Nachdenken
verbringen. Ihre Gedanken schweiften zu der doch recht seltsamen
Terranerin Tusnelda Brinkhoff, welche als Chief in der Wissenschaftlichen
Abteilung tätig war. Kurz vor Vinaras Abreise hatte die Schweizerin um eine
Versetzung in die Nachtschicht gebeten, einer Bitte der Vinara ohne weitere
Emotionen nachgekommen war, denn Brinkhoffs Beitrag zur
wissenschaftlichen Abteilung hatte sich auf dienstlicher Ebene in Grenzen
gehalten.
Des Weiteren beschäftigte sie sich mit der Frage, wer denn nun Captain
Stewarts Nachfolge auf der Community antreten sollte. Sie wusste sie hatte
keinen Einfluss auf die Wahl, doch in Gedanken versuchte sie die idealen
Eigenschaften zu formulieren und hoffte das Sternenflottenkommando
würde ebenso denken. Zunächst einmal sollte der Captain wenn möglich
alleinstehend sein, dann war eine gefestigte Persönlichkeit vonnöten,
streng, aber auch aufgeschlossen für unkonventionelle Ideen. Wenn man
dann noch die speziellen Eigenschaften der Prometheusklasse in Betracht
zog, welche alle zu der primären Deklaration als Kriegsschiff passten
mussten stragegische Kenntnisse eine nicht unwesentliche Rolle spielen.
Unwillkürlich formte sich vor dem geistigen Auge der Wissenschaftlerin das
Bild eines Zakdorns. Warum nicht? Diese Leute galten immerhin als gute
Denker, keine die in wilder Kirk-Manier hier und da einen Feuerbefehl
gaben. In der Griechischen Mythologie der Menschen gab es eine Gestalt
die exakt für das stand was die Zakdorn ausmachte: Pallas Athene, Göttin
der Weisheit und des strategisch absolut durchdachten Krieges. Der
eigentlich als Kriegsgott verehrte Ares repräsentierte mehr den primitiven,
sinnlosen Krieg voll planloser Gewalt, in etwa - auch wenn dies etwas
rassistisch klingen mochte - wie die Klingonen. Schon faszinierend wozu die
irdische Mythologie taugte...
Eine Weile noch saß Vinara an ihrem Schreibtisch, bis ein Besuch Dr.
Mückners sie in die Wirklichkeit zurückholte. Er schien im Meteroidenstaub
eine neue Art von Mikrobe entdeckt zu haben und fragte nun voller
Begeisterung nach der Meinung der Andorianerin. Diese wünschte sich
beinahe dieser einzellige Organismus würde sich als irgendwie gefährlich
erweisen, aber nur beinahe.
Geschrieben von: Solak am Jul 3 2005, 02:05
In den Augen vieler Menschen war ein Vulkanier wie der andere.
Emotionslose Granitblöcke auf zwei Beinen, humanoide Roboter, humorlose
Spitzohren, Mephisto ohne Leidenschaft. Die Menschen waren durchaus
einfallsreich in der Wahl ihrer Spitznamen und Schimpfworte.
Doch hatten die meisten von ihnen nie gelernt, tiefer als bis zur Oberfläche
zu sehen.
Für Vulkanier war der Umgang mit ihrem eigenen Volk ungleich schwieriger.
Auf der einen Seite konnte nur ein anderer Vulkanier nachvollziehen, was
Logik und emotionale Kontrolle für das Selbst bedeuteten. Auf der anderen
Seite aber war der persönliche Umgang mit diesen Aspekten bei jedem
unterschiedlich. Manche hatten Talent zur Logik, andere mehr zur Kontrolle.
Wieder andere zu keinem von beidem. Logik und Kontrolle stellten das
vulkanische Ideal da. Symbolisierten die angestrebte Ordnung im Chaos.
Doch kein Vulkanier kam diesem Ideal nahe - nicht einmal die Adepten des
Kolinahr - und nur ein anderer Vulkanier konnte die Imperfektion seines
Gegenübers durchschauen.
Und nirgends konnte man sich vor den prüfenden Augen eines anderen
Vulkaniers weniger verstecken als in einer romulanischen Ehe...
Sta'el erlaubte seinen Gedanken, in diese Richtung weiter zu treiben. Solak
und er fahren jetzt seit über zwei Jahren gebunden. So langsam kannten sie
die Eigenarten und Abgründe des anderen. Es hatte seine Zeit gedauert,
sich derart tief kennenzulernen - trotz und gerade wegen der mentalen
Verbindung zwischen ihnen. Es war nicht so wie viele Nicht-Telepathen sich
eine solche Verbindung vorstellten. Man verschmolz nicht miteinander. Man
wurde nicht eins. Sondern zwei voneinander unabhängige Geister
errichteten einen Standleitung zueinander. Die oberflächliche Gedanken und
Erinnerungen des jeweils anderen lernte man dadurch als erstes kennen.
Sah, was man sehen durfte. Nach und nach ging man tiefer, entdeckte die
Ecke und Kanten, die der andere verborgen gehalten hatte oder gar selber
nicht kannte.
Und genauso hatte Sta'el nach und nach seinen Mann kennengelernt. Auf
der Oberfläche wüste Emotionen und ungeordnete Gedanken. Die volle
Wucht dieses Chaos hatte ihn in der Anfangszeit ihrer Bindung beinahe um
seine eigene Kontrolle gebracht. Doch darunter lag eine Logik verborgen,
derer Solak sich vermutlich selber nicht im mindesten bewusst war.
Der Vulkanier ließ sich tiefer in die Meditation gleiten. Sich selber sah er
darin wie einen Binnensee. Ein seltsames Gleichnis für jemanden aus einem
wasserlosen Volk, doch hatte er so etwas auf der Erde gesehen und war
fasziniert von davon gewesen. Die Natur eines Sees war Ruhe. Auch, wenn
seine Oberfläche durch Wind, Tiere, hineingeworfene Steine immer wieder
in Unruhe geriet, auch wenn in seinen Tiefen ein buntes Treiben herrschte ein See kehrte doch immer zur Ruhe zurück. So sah sich Sta'el. Logik
hingegen war ihm immer schwer gefallen. Er übte sich bis heute in dieser
Disziplin und seine Ehe zu Solak war der schlagenste Beweis für seine
Sprunghaftigkeit. Allerdings machte ihn gerade diese Eigenschaft zu einem
guten Mediziner.
Solak hingegen fiel die emotionale Kontrolle schwer. Er war im
sprichwörtlichen Sinne wie ein schlafender Vulkan. Nach außen ruhig, doch
in seinem Innern brannte das Magma. Seine Logik hingegen war meist
bestechend. Er war sehr gut darin, vorliegende Informationen zu sichten, sie
zu ordnen und daraus notwendige Schlüsse und Schritte zu ziehen. Was ihn
wiederum zu einem guten Councelor machte. Seine Verlobung mit Orlando
Talbot, seine Heirat mit einem Vulkanier, ja selbst der Aufbruch nach
Romulus - scheinbar alles spontane Schritte, doch waren sie bei genauerer
Betrachtung alle zwingend gewesen. Unvermeidlich. Logisch.
Sta'el hatte einige Zeit gebraucht, das zu erkennen. Und noch länger hatte
es gedauert, bis er sich der Logik seines Mannes hatte anvertrauen können.
Sich selber dieses Schrittes nicht bewust streckte Sta'el seine mentalen
Fühler aus der Mediation heraus nach Solak aus. Ein kurzes Tasten, ein
Fühlen, Vergewissern, ob der andere noch da war.
Solak bemerkte im Nebenzimmer den 'Blick' seines Mannes. Sta'el tat das,
seitdem sie auf Romulus waren, häufiger. Noch häufiger, seitdem sie hatten
untertauchen müssen.
Er tat das nicht aus Angst um sich selber. Selbst, als er mit aufgerissener
Seite blutend vor ihm gelegen hatte, war Sta'el vollkommen ruhig gewesen.
Solak hatte keine Angst vor dem Tod in seinem Mann gespürt. Sta'el war
vollkommen bereit gewesen, alles Kommende zu akzeptieren. Nein,
vielmehr war die einzige spürbare Emotion Sorge um seine Familie
gewesen. Seine letzten Gedanken vor dem Koma waren Aufträge, die
Niklans Erziehung betrafen. Und genau so überprüfte er nun von Zeit zu
Zeit, was seine Familie trieb. Wie eine Glucke, die sich vergewisserte, dass
ihre Kücken keinen Unsinn trieben.
Solak schmunzelte in sich hinein. Und während er dem spitzohrigen
Vierjährigen vor sich half, die zusammengestürzten Bauklötze wieder
einzusammeln, ließ er seine Gedanken weiter treiben.
Seit zwei Tagen lebten sie nun hier in diesem Keller. Offiziel hatten sie - der
kleine Beamte aus dem T'Met-System, seine Bruder und dessen Sohn gestern Romulus verlassen. Bald würden sich ihre Spuren in der
Reichsadminstration verlieren.
Inoffiziel waren sie untergetaucht. Vor den Augen der Welt versteckt in
einem geheimen Bunker des Untergrundes.
Zwei Tage erst, doch Solak begann, diesen Keller zu hassen. Er und Niklan
hatte bereits tiefe Furchen in den Boden gelaufen. Der Junge war beinahe
noch unruhiger als sein Vater. Er konnte nicht verstehen, was hier vorging.
Gerade hatte er einen ganzen Planeten als Spielplatz gehabt, hatte mit
anderem Kindern im Park gespielt - und dann waren sie in ihr Hotelzimmer
zurückgekehrt und mit einem Schlag war das alles vorbei gewesen. Er
hasste das Universum dafür.
Solak hingegen wusste nur zu genau, was vorging. Seine Alpträume
begannen, sich zu erfüllen. Er hatte Romulus sehen wollen und seine
Familie musste nun womöglich dafür bezahlen. Und er selber war zur
Untätigkeit verdammt. Weder durfte er nach seinen Feinden suchen und sie
stellen, noch durfte er ihre Flucht in die Hand nehmen. Latta hatte ihn hier
eingesperrt wie einen Hund und nur kryptisch angedeutet, dass sie alles in
die Wege leitete. Er selber solle einfach warten und sich entspannen. Alles
würde gut werden.
Alles würde gut werden... Ha! Wie sollte irgendetwas gut werden, wenn
andere für ihn alle Entscheidungen trafen?! Wenn er selber nur in Spielball
war?! Passiv, untätig, erduldend?!
Die Zähne des Romulovulkaniers knirrschten, in seinen Wangen zuckte es.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jul 3 2005, 18:31
Tao – oder wie ein alter schwarzer Kater alles zum Fließen brachte
(Part III )
DAS gefiel ihm überhaupt nicht! Wie konnten sie es nur wagen,
ausgerechnet hier etwas zu verändern! Warum musste man hier überhaupt
etwas verändern? Es war doch perfekt, so wie es war! Er wurde wütend.
Warum mussten diese Wesen immer etwas verändern? Begriffen sie denn
nicht, dass manches gut war, so wie es ist. Dass es richtig war. Dass es
einen Sinn ergab. Wieso konnten sie nicht akzeptieren, das manches
einfach so sein musste? Seine Haare sträubten sich. ER musste sie
aufhalten! Er würde sie aufhalten!
In Gedanken versunken lichtete Milseya das Unterholz aus. Automatisch
schnitt sie das Gestrüpp weg und sammelte den Schnitt in dem Korb neben
sich, während die Worte des Abts ihr nicht aus dem Kopf gingen. Gefangen
im Samsara ... Leid, weil es nicht möglich ist ... Liebe bleibt davon unberührt
... Alter, Krankheit und Tod sind unvermeidbar ... Wahre Liebe bedeutet
Weisheit ... Erkenne es ...
In ihrem Kopf drehte sich alles. War der Tod Thovans Auslöser von allem
gewesen? Stimmte es, dass ihr Handeln einzig von dem Aspekt beherrscht
wurde zu der Zeit davor zurückzukehren? Und wehrte sich ihr Verstand zu
akzeptieren, dass dies nicht möglich war? Konnte sie nicht akzeptieren, was
geschehen war? Oder wollte sie es schlichtweg nicht? Würde sich
irgendwas an der Liebe zu ihm ändern, wenn sie anerkennen würde, dass
er nicht mehr an ihrer Seite war, es nie mehr sein würde? Doch stimmte das
so? Sie sah ihn in ihren Träumen (seit sie mit hier war, träumte sie so gut
wie jede Nacht von ihm), hörte seine Stimme, fühlte seinen Herzschlag - und
jeden Morgen, wenn sie erkannte, dass es nur ein Traum gewesen war,
zerriss es ihr schier das Herz. War es das, was Ming mit „Erkenne es“
meinte? Erkennen, dass es ihre Sehnsucht, ihr Verlangen nach Thovan war,
das sie leiden ließ. Schmerz, der sie dazu gezwungen hatte, den
Verantwortlichen dafür ebenfalls leiden zu lassen. Gefangen im Rad des
Lebens - Leid bewirkt Leid. War das so einfach? War es so einfach es zu
beenden? Indem sie einfach das Verlangen danach ablegte ..
Er war dem Wesen nun ganz nah. Lautlos hatte er sich durch das Unterholz
geschlichen, gut versteckt von den wilden Sträuchern - praktisch unsichtbar
für die Welt. Er würde das hier ein für alle Mal beenden! Es würde sich ihm
fügen – wie alle anderen hier auch. Und wenn nicht, dann würde er es dem
Wesen schmerzhaft begreiflich machen!
Wie aus dem Nichts schoss der schwarze Kater auf Milseya zu.
Erschrocken wich sie zurück und starrte auf das riesige Tier, das bösartig
fauchend seine Pfote erhoben hatte und dessen scharfe Krallen durch die
Luft fuhren. Wieder und wieder. Milseya war starr vor Schreck, bis sich ihr
Blick in den bedrohlich funkelnden Augen des Tieres verlor ...
„Jen Pao?“ Hsiung T'ien war beunruhigt. Seit etwa fünf Minuten saßen sich
die Haliianerin und dieser alte, schwarze Kater gegenüber und starrten sich
an. Und immer noch drohte das Tier dem Menschen .. Der alte Mönch war
nahe daran, den alten Kater zu verscheuchen, doch irgendetwas sagte ihm,
dass es falsch wäre. Sein Gefühl sagte ihm, dass gerade etwas Wichtiges
geschah. Er setzte sich neben Milseya und wartete einfach ab.
„Warum tust du das?“
„Was tue ich denn?“
„Du veränderst. Du akzeptierst nicht das, was ist.“
„Du meinst den Garten?“
„Was sonst sollte ich meinen?“
„Er soll schöner werden.“
„Schöner für wen? Ist er denn nicht schön, so wie er ist? Warum denkt du
stets, dass man etwas verbessern muss? Warum siehst du nicht, dass es
gut ist, so wie es ist? Dass es einen Sinn hat? Wieso zwingst du allem
deinen Willen auf?“
„Hat das, was ich tue, denn keinen Sinn?“
„Nicht für mich! Welchen Sinn hat es für dich?“
„Ich glaube, dieser Garten ist ein Abbild meines Innersten. Wenn ich ihn
herrichte, dann stelle ich damit auch wieder die Ordnung in mir selber
wieder her.“
„Das ist der größte Blödsinn, den ich je gehört habe! Aber irgendwie habe
ich nichts anders erwartet.“
„Du kannst das nicht verstehen..“
„In welcher Verbindung soll denn dieser Ort mit deinem Innersten stehen?
Wenn du den Garten veränderst, dann veränderst du nur den Garten. Wenn
du in deinem Inneren Ordnung schaffen willst, dann kannst du das auch nur
dort. Wenn dich eine Mücke am Bein sticht, rennst du dann zu einen Baum
und kratzt an seiner Rinde? Sicher nicht. Dieser Ort hat absolut keine
Verbindung zu dir - und du auch nicht zu ihm, denn sonst würdest du ihn
nicht verändern, sondern ihn so belassen, wie er ist.“
„Die Unordnung einfach akzeptieren? Das Chaos sich selber überlassen?“
„Wer entscheidet denn darüber, dass dies hier ein Chaos ist? Du etwa? Für
mich ist hier alles an seinem Platz. Alles hier geht seinen Gang. Jedes weiß
um seine Bestimmung. Nur du nicht! Du störst hier! Du bringst Unordnung in
alles.“
„Das ist nicht wahr!“
„Warum fällt es dir dann schwer zu akzeptieren, dass die Dinge, so wie sie
sind, einen Sinn haben? Dass man daran nicht rütteln sollte, sie nicht
verändern sollte? Warum hälst du dich an den Vorstellungen von schön und
häßlich, an gut und böse fest? Warum kannst du nicht loslassen?“
„Weil es schmerzt“
„Es tut nur solange weh, bis du dich davon löst! Erkennst du das nicht? Es
ist nur das Anhängen, das den Schmerz verursacht. Es bedeutet nicht, dass
du vergessen sollst. Nur, dass du dich davon trennst. Öffne deine Faust und
lass los! Erst dann gibt es unendlich viel Raum.“
„Raum wofür?“
„Für alles, was wirklich wichtig ist. Lass einfach los, Milseya.“
„Woher weißt Du meinen Namen?“
„Wenn du glaubst, dass du mit einer Katze sprichst, solltest du nicht in ein
Kloster, sondern in eine Irrenanstalt! Und jetzt: LASS ENDLICH LOS!“
Die kleinen Äste, die Milseya mit ihrer Hand umschlossen hatte, fielen zu
Boden. Langsam senkte der schwarze Kater seine Pfote ohne den Blick von
ihr zu lassen. Dann drehte er sich gemächlich um und ging mit stolz
erhobenen Schwanz von dannen.
„Jen Pao?“ Verwundert sah Hsiung T'ien dem Kater nach. Doch die
Haliianerin starrte immer noch an die selbe Stelle, an der dieser gestanden
hatte. „Alles in Ordnung?“
Sekunden später schloss sie ihre Augen und nickte. „Ja.“
Der Mönch atmete erleichtert auf. „Gut. Dann sollten wir weiter machen. Wir
haben noch eine Stunde Zeit bis zum Essen.“
„Nein!“, antwortete Milseya ruhig.
„Nein?“
„Wir sind fertig, Hsiung T'ien“, erklärte sie.
Der Mönch erhob sich lächelnd. „Lass uns einen Tee trinken, Jen Pao“, lud
er sie ein.
Geschrieben von: Assjima am Jul 3 2005, 22:05
Und ewig singen die Wälder Teil 4:
Endlich wieder Sonne! Sieben Tage hatte Assjima auf Seyann Draschu
verbracht - sieben Tage in dieser großen unterirdischen Hafenstadt, davon
den größten Teil der Zeit in einem Labor der wissenschaftlichen Akademie.
Gemeinsam mit Setak hatte sie eine Versuchsreihe nach der anderen
durchgeführt. Es waren anstrengende, aber auch schöne Tage gewesen.
Assjima hatte die Kuppel ihres kleinen Büros in der ersten Etage geöffnet
und ließ sich die Sonne auf die Glatze scheinen. Eigentlich sollte sie
überglücklich sein, denn nachdem sie die optimalen Einstellungen gefunden
hatten, bekamen sie immer und immer wieder dasselbe Ergebnis. Wenn ihre
Ergebnisse korrekt waren, dann hatten sie beide so etwas wie den heiligen
Gral der deltanischen Medizin gefunden. Doch konnte man den überhaupt
finden? War der Wunsch nach dem richtigen Ergebnis vielleicht zu stark und
beeinflusste den Versuchsablauf?
Entschlossen öffnete die Ärztin einen Kanal zum Oberkommando auf der
Erde. Nach wenigen Minuten hatte sie in Erfahrung gebracht, wo Vinara sich
zurzeit aufhielt: auf diesem seltsamen kleinen Forschungsschiff namens
„Schweizer“. Warum war die Andorianerin nicht auf Vulkan und las Kafka?
Assjima schüttelte schmunzelnd den Kopf. Das war so typisch für die blaue
Kollegin. Immer nach dem Motto: wer rastet, der rostet. Doch was immer
Vinara dort auch trieb, möglicherweise würde sie ein wenig Zeit und
Interesse für Assjimas Untersuchungen erübrigen können, denn sie war
einfach die perfekte Person, um die Ergebnisse zu überprüfen.
Assjima packte den Bericht und alle Daten bezüglich der Versuchsreihe
zusammen und setzte ein Begleitschreiben an ihre Kollegin auf.
Chelama Vinara!
Wo in aller Welt sind Sie nun wieder hineingeraten? Was ist aus dem
geplanten Urlaub voller wilder vulkanischer Partys geworden? Und dann
noch ausgerechnet die „Schweizer“! Bitte grüßen Sie meinen ehrenwerten
Kollegen Dr. Mückner. Trägt er immer noch diese eigenartigen Haarbüschel
im Gesicht? Er erinnert mich immer wieder an unsere deltanischen
Pinseläffchen. Nur eben etwas größer. Und vielleicht könnten Sie ihm
ausrichten, dass ich die komplette Krankengeschichte Tycho Brahes für ihn
auftreiben konnte. Der Verlauf dessen akuter Urämie wird ihn sicherlich
interessieren.
Doch ich habe heute ein ganz anderes Anliegen an Sie: Aufgrund der
Erkenntnisse auf unserer letzten Mission habe ich gemeinsam mit einem
Freund und Kollegen der physikalischen Zunft einige Versuchsreihen
durchgeführt. Wir stellten uns die Fragen, ob es tatsächlich möglich sein
könnte, dass mit Hilfe einer Supernova Erbmaterial über das Universum
verteilt werden könnte, welche Voraussetzungen dazu gegeben sein
müssten und welche Formen von Leben überhaupt entstehen könnten.
Professor Setak und ich verwendeten als Ausgangsmaterial
unterschiedliche Kombinationen organischer und anorganischer Materie, die
wir Emissionen aussetzten, die denen von uns im Doramessystem
ermittelten Werten entsprachen. Es entstanden kurz vor dem Ende dieses
Prozesses freie Zellkerne, die wir dann durch eine im Labor erzeugte
Mininova vaporisierten. Die Rückstände bildeten nun - durch ein Vakuum
gejagt - jedes Mal ein und dieselbe bislang noch unbekannte und noch nicht
genauer analysierte Substanz, aus der sich anschließend in einer künstlich
geschaffenen Atmosphäre im Verlauf weniger Stunden erneut organische
und anorganische Materie entwickelte. Je nach Zusammensetzung der
Atmosphäre entstanden hierbei unterschiedlichste Nukleinsäuren – teilweise
in bislang vollständig unbekannten Zusammenstellungen. Zum jetzigen
Zeitpunkt bilden die Moleküle erste Zellen und zeigen bereits Ansätze zur
Teilung. Sie scheinen tatsächlich zu leben, obwohl wir als Ausgangsmaterial
aus ethischen Gründen bislang nur tote Materie verwendeten.
Vinara – bevor wir hier weiter Gott spielen, möchte ich Sie bitten, diese
Versuchsreihe erneut durchzuführen, sie womöglich sogar mit einer ihrer
hervorragenden Computersimulationen zu vervollständigen, da ich den
Verdacht hege, dass wir aufgrund eines typisch deltanischen Problems zu
verfälschten Ergebnissen gekommen sein könnten. Deltanische
Versuchsleiter können als Experimentator leider ihre telepatischen Kräfte
nicht aussetzten. So besteht immer die Gefahr, dass während des
laufenden Versuches die ablaufenden Prozesse von Seiten des
Beobachters im quantenphysikalischen Bereich unbewusst beeinflusst
werden. Unser eigenes Wunschdenken könnte die Prozesse derartig
steuern, dass genau das gewünschte Ergebnis erzielt wird.
Bevor wir uns in die aufwendigen, aber eben doch notwendigen Blind- und
Kontrollversuche stürzen, wäre eine Analyse von Seiten einer neutralen
Person angebracht. Sie sind eine der fähigsten Wissenschaftlerinnen
überhaupt und gleichzeitig die neutralste und analytischste Person, die ich
kenne. Für Ihre Unterstützung und Ihren Ratschlag wäre ich Ihnen sehr
verbunden. Den Versuchsaufbau und unsere Messergebnisse habe ich
Ihnen beigefügt.
Es grüßt herzlichst von Delta IV
Assjima
Ach wenn Setak ihr widersprochen hatte, auch wenn er der Ansicht war,
dass sie beide diese Untersuchungen alleine vervollständigen könnten …
Assjima war sich sicher, dass sie allein aufgrund ihrer deltanischen
Eigenarten in der Welt außerhalb ihres Heimatplaneten auf harte Kritik
stoßen würden. Der Experimentatoreffekt durfte bei solchen umwälzenden
Dingen nicht außer Acht gelassen werden. Sie mussten einfach auf Nummer
sicher gehen. Denn erst wenn ihre Versuche tatsächlich beliebig
wiederholbar wären und immer wieder die gleichen Ergebnisse erzielen
würden – erst dann galt es in der Welt der Wissenschaft als belegt und
konnte als Tatsache anerkannt werden. Als wenn etwas nicht existent wäre,
nur weil man es nicht unendlich oft wiederholen konnte! Diese Einstellung
vieler Förderationswissenschaftler hatte sie schon immer irritiert, aber sie
hatte gelernt, es zu akzeptieren und damit umzugehen. Wissenschaftliche
Arbeit in der Förderation bedeutete, nach den Regeln der Förderation zu
forschen.
Nur Setak konnte und wollte das nicht verstehen. Er hatte nie längere Zeit
außerhalb des deltanischen Raumes gearbeitet. Für ihn spielte es keine
Rolle, ob er auf den Versuchsverlauf mit seinem Wunschdenken Einfluss
nehmen konnte oder nicht. Nur das Ergebnis zählte. Der Gedanke, Leben
schaffen zu können faszinierte ihn … und die Vorstellung, das er womöglich
direkt eingreifen konnte, berauschte ihn regelrecht. Assjima gefiel diese
Vorstellung überhaupt nicht – nicht mehr …
Sollte sie überhaupt weiter machen? Sie hatte es einmal versucht und sie
war damals zu weit gegangen. Nachdenklich starrte sie auf den vor ihr auf
dem Bildschirm flimmernden Text. Diesmal war es anders. Nichts von
alldem hier hatte sich in der Heimlichkeit abgespielt. Für einen großen Teil
dessen, was sie auf dem Sandplaneten erlebt hatte gab es Zeugen. Es
existierten offizielle Berichte, die ersten Fragen vom Oberkommando waren
bereits bei ihr eingegangen. Zu viele Menschen hatten neugierig
nachgefragt, warteten auf eine Antwort … und sie war ihnen eine Antwort
schuldig … Sie hatte es versprochen … Lucas, Andrew … Vinara hatte sie
nur etwas skeptisch angeschaut aber auch sie wartete auf weitere
Erläuterungen. Dessen war Assjima sich sicher.
Nein, sie konnte und durfte nichts von dem, was sie vom Steinwesen
erfahren hatte einfach vergessen. Und wenn Sie die notwendigen Antworten
nicht selber hier vor Ort finden konnte, so würde sie sich auf den Weg
machen müssen und die Antworten suchen – wenn es sein müsste, dann
auch in der Nähe der nächst besten Supernova.
Aber zuerst galt es, den konventionellen Weg bis zum Ende zu gehen.
Assjima drückte auf den Knopf und das Datenpaket machte sich auf die
Suche nach dem kleinen Forschungsschiff, dessen Bordarzt ein großes
Pinseläffchen war.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jul 3 2005, 23:43
Wieder einmal gab Vinara einen ihrer langweiligen Berichte ab und fragte
bei der Gelegenheit auch gleich, ob es denn nicht ausreichen würde nur alle
zwei Tage einen solchen zu schreiben.
"Sie haben Recht, Commander, tun Sie das ruhig", entgegente Captain
Barnhelm, "ich weiß wie langweilig Ihnen die Arbeit auf diesem Schiff
vorkommen mag... Hin und wieder fungieren wir auch als Frachter oder
helfen bei irgendwelchen kleineren medizinischen Notfällen auf einer
Kolonie, aber wie es aussieht steht in der nächsten Zeit nichts dergleichen
an... Erlauben Sie mir dass ich Sie heute Abend zum Essen einlade? In
meinem Quartier, nur zu zweit..."
Die Andorianerin war etwas erstaunt, vor allem über die Tatsache dass
Barnhelm bei den letzten Worten ihre Hand geradezu zärtlich in die seine
genommen hatte. Sofort kamen Erinnerungen an Leblanc in ihr hoch. "Äh,
Captain, ich fühle mich geehrt, aber ich denke diese Art von Abwechslung
würde nun doch zu weit gehen, sofern ich Ihr Anliegen dahingehend
interpretieren darf dass Sie irgendeine Art von romantischem Interesse an
mir hegen?"
Der Captain seufzte. "Ja ja, die Vorschriften, manchmal sind sie schon
unmenschlich... Aber warum sich immer sklavisch daran halten wenn man
die eine oder andere Beugung der Regeln einfach diskret für sich behalten
kann? Ich bin alleinstehend, habe keine Familie, Ihnen geht es genauso,
was wäre da verwerflich daran dass zwei einsame Seelen sich gegenseitig
etwas Gesellschaft leisten?"
Vinara war sprachlos. Handelte es sich hier nur um einen primitiven
Annäherungsversuch oder schien dieser Mann tatsächlich aufrichtig
gemeinte Gefühle für Sie zu hegen? "Einmal angenommen ich würde mich
auf Ihr Angebot einlassen, würde es nur bei dem Essen bleiben? Und wenn
dann doch mehr daraus werden sollte, müsste Ihnen klar sein dass ich
dieses Schiff in einigen Wochen wieder verlassen werde; nichts was Sie mir
anbieten können könnte mich hier halten."
"Commander, ich meine Vinara, wenn ich Sie so nennen darf, beim ersten
Rendezvous gehe ich generell nie aufs Ganze! Es wäre tatsächlich nur ein
Essen und sogar ein ganz Hervorragendes, ich bin nämlich gar kein so übler
Koch! Sofern Sie die italienische Küche zu schätzen wissen..."
Vinara dachte eine Weile lang nach. "In Ordnung, ich werde dann um halb
acht heute Abend bei Ihnen sein. In Uniform."
"Aber warum denn so förmlich? Ziehen Sie ruhig ein Kleid an, ich werde
Ihnen schon nicht zu nahe treten!"
So kam es dass Vinara punkt sieben Uhr dreißig in Zivil (sie hatte sich für
ein einfaches schwarzes Kleid entschieden das nur wenig von ihrem Körper
preisgab) vor Captain Barnhelms Quartier stand. Ihr Gastgeber trug noch
seine Uniform, hatte aber eine große weiße Schürze um seinen Bauch
gebunden. "Dr. Mückner hat mir ausdrücklich versichert dass das Menü
dieses Abends auch für Andorianer leicht zu verdauen ist. Ich hoffe natürlich
dass es Ihnen obendrein auch noch munden wird. Und nebenbei gesagt,
Sie sehen fabelhaft aus!"
Das Essen war wirklich nicht schlecht und es bewies dass die italienische
Küche auch jenseits von Pizza und Pasta kulinarische Schätze zu bieten
hatte. Sie sprachen nur wenig, doch während des Nachtisch traditionellerweise Tiramisu, diesmal komplett aus dem Replikator - fing
Barnhelm jedoch an von Sternennebeln zu sprechen, deren Anblick einem
jedem empfindungsfähigen Wesen den Atem zu rauben vermochte, dass
aber selbst diese Nebel zu verblassen drohten im Vergleich zu Vinaras
hinreißenden Augen. Eben die Standardnummer, aber dargeboten auf eine
irgendwie liebenswerte Art, nicht so plump wie einst bei Captain Leblanc
(mit dem hatte sich wirklich keine Frau auf der Community einlassen
wollen). Frederic Barnhelm sah obendrein nicht allzu übel aus, auch wenn
sein Schnurrbart etwas irritierte und er einen unübersehbaren Bauchansatz
hatte.
Vinara bedankte sich für Essen und Komplimente mit einem leichten Kuss
auf die Wange und ging dann wieder zurück in ihr eigenes Quartier. Es war
schon elf Uhr abends, sie hätte nicht gedacht dass es so spät werden
würde.
Doch noch konnte sie nicht gleich ins Bett gehen. Eine Nachricht war für sie
angekommen und sie war einigermaßen überrascht dass sie von Dr.
Assjima stammte. Der echte Rotwein in ihrem Blut veranlasste sie bei der
Erwähnung Mückners und dem Vergleich mit einem Pinseläffchen
verstohlen zu kichern. Sie kontaktierte kurz den Bordarzt und fing dann an
eine Antwort zu schreiben:
Werte Assjima,
Auf Vulkan werden keine wilden Parties gefeiert und wenn doch, dann
nimmt dort kaum ein Vulkanier daran teil. Mein Aufenthalt auf der Schweizer
scheint sich zum großen Teil gleichermaßen als Urlaub zu erweisen, auf
jeden Fall fällt dort für einen Ersten Offizier nicht viel Arbeit an. Dafür habe
ich heute beim Captain in dessen Quartier zu Abend gegessen, ich weiß
noch nicht in welche Richtung sich unser Verhältnis auf privater Ebene
entwickeln wird.
Ja, Dr. Mückner trägt immer noch seinen Bart. Er freut sich über die
Nachricht und bittet um eine schnellstmögliche Zusendung der besagten
Krankengeschichte.
Was nun Ihre wissenschaftliche Frage betrifft: Die Schweizer hat bei Weitem
nicht die Ressourcen der Community, aber ich werde sehen was ich tun
kann. Der hiesige Wissenschaftsoffizier hat eine beinahe groteske
Schwäche für Sand und Steine aller Art, er dürfte daher leicht für Ihre
Geschichte und Experimente zu begeistern sein, auch wenn ich über seine
Sachlichkeit und Neutralität keine definitive Auskunft geben kann. Ich werde
daher auf jeden Fall die Leitung bei den Versuchsreihen übernehmen und
falls sich tatsächlich Leben aus der toten Materie formen sollte, dürfte auch
unser hochgeschätzter Bordarzt etwas zu tun bekommen.
Viele Grüße von der U.S.S. Schweizer
Vinara Shral
Sie schickte die Nachricht noch schnell ab und fiel dann ins Bett, doch
einschlafen konnte sie noch lange nicht, zu viele Dinge gingen ihr durch den
Kopf.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jul 4 2005, 07:46
Nach dem Tee mit Hsiung T'ien hatte sich Milseya in ihre Zelle
zurückgezogen - und die Meditation geschwänzt. Sie hatte das dringende
Bedürfnis nach einem langen Bad gehabt und der Mönch hatte, als sie ihm
davon erzählte, augenzwinkernd gemeint, meditieren könne man überall. Er
hatte Recht gehabt - man sollte eben nie die Weisheit des Alters
unterschätzen.
Nun saß sie auf dem Boden neben ihrem Schlaflager und kämmte vorsichtig
ihre nassen Haare, als es an ihrer Tür klopfte. Verwundert hob sie ihren
Kopf und rief „Herein“. Ming San Ho steckte seinen Kopf durch die Tür. „Bist
du bekleidet?“, fragte er mit geschlossenen Augen. „Ja“, antwortete sie ihm
schmunzelnd. Manche Dinge ändern sich eben nie! Der Abt trat erleichtert
ein und winkte ab, als sie sich erheben wollte. „Bleib sitzen, bitte!“ Er kam
näher und setzte sich ihr gegenüber.
„Du hast die Meditation verpasst.“
„Ich weiß. Entschuldige. Ich habe hier meditiert.“
„In der Badewanne?“
Hsiung T'ien war eine alte Petze, schmunzelte Milseya in sich hinein. „Ja.
Ich hatte das dringende Bedürfnis danach.“
„Man kann überall meditieren“, erwiderte der Abt lächelnd.
„Hat er es dir erzählt?“
„Natürlich. Dazu ist er verpflichtet.“ Ming San Ho sah die junge Frau
aufmerksam an. Hsiung T'ien hatte nicht übertrieben. Sie war verändert.
„Was ist geschehen?“
„Ich habe mit einer Katze geredet“, grinste Milseya.
Der Abt hob zweifelnd eine Augenbraue.
Sie lachte laut auf. „ Nein! Das habe ich nicht! Aber zunächst kam es mir so
vor!“
Er lächelte. Es war lange her, dass er sie so fröhlich gesehen hatte. „Das
klingt danach, als ob du dich dringend mit einem Councelor unterhalten
solltest.“
„Das sollte ich wohl wirklich“, schmunzelte die Haliianerin.
„Ich möchte, dass du mir einen Gefallen tust.“
„Jeden.“
Er nahm ein Padd aus seinem Ärmel und reichte es ihr. „Ich möchte, dass
du auf die Sendetaste drückst.“
Überrascht nahm Milseya das Padd und las die dort gespeicherte Nachricht:
„An das Oberkommando der Sternenflotte,
hiermit erkläre ich, dass ich in den aktiven Dienst der Sternenflotte
zurückkehre.
gez.
Fähnrich Milseya Anquenar“
Erstaunt sah sie auf.
„Es ist Zeit, dass du zurückkehrst“, erklärte der Abt.
„Jetzt schon?“
„Es ist der nächste Schritt. Was du hier erkennen solltest, hast du erkannt.
Nun gilt es, dies zu vertiefen und anzuwenden. Hier ist das einfach. Zu
einfach. Korrekte Bemühung bedeutet die Trägheit und den inneren Zwang
zu überwinden, jede Aktivität des Tages in eine Meditation zu verwandeln.
Doch das hier ist nicht dein Leben, Milseya. Konzentration und Meditation
erfährst du in dem Moment, wenn du ein Raumschiff fliegst. Dort gehörst du
hin. Und nur dort kannst du den nächsten Schritt gehen.“
Nachdenklich starrte Milseya auf das Padd. „Was, wenn ich es nicht
schaffe?“
„Dann kehre zurück und unterhalte dich noch einmal mit dem Kater“, grinste
der Abt. „Aber verlasse dich auf dich selbst. Wenn dich Leute kritisieren,
untersuche dich einfach: Wenn sie unrecht haben, lasse sie unbeachtet.
Doch wenn sie recht haben, lerne von ihnen. Wenn du die Dinge so sehen
kannst, wirst du in Frieden leben. Dann wirst du unabhängig sein - fähig,
dich selbst zu tragen. Auch wenn dieser Weg der beschwerlichere ist.“
Sie atmete tief durch. Dann drückte sie die Sende-Taste.
Geschrieben von: Lucas Bishop am Jul 4 2005, 22:35
Schuld und Sühne – Teil 3
wieder im Hotel Egrimo - Betazed City - Betazed
Mit neuem Mut und Hoffnung war Lt. Bishop zum Hotel zurückgekehrt. Er
hoffte inständig, dass Nanni ihm seinen Ausraster verzeihen würde. Wieso
musste er immer seine Wut unkontrolliert aus den Abgründen seiner Seele
emporsteigen lassen. Völlig in Gedanken versunken war Lucas an der
Rezeption vorbeigegangen, als er plötzlich seinen Namen hörte.
"Mr. Bishop, hier wurde eine Karte für sie abgegeben. Von einem gewissem
Larson." berichtete der Portier und händigte Lucas eine kleine blaue
Papierkarte aus. Lt. Bishop nahm die Karte entgegen und musste sich
beherrschen nicht auszurasten. Dieser Larson war ein guter Stratege, er
hatte bis jetzt kluge Schachzüge getätigt. Er hatte seine Anwesenheit
demonstriert ohne dabei selbst in Erscheinung zu treten. Lucas durfte sein
Handeln nicht von der Wut lenken lassen, würde er das zulassen, wäre
seine Mission zum Scheitern verurteilt. Das sollte er noch früh genug
erkennen, aber im Moment brauchte eine andere Frau seine volle
Aufmerksamkeit - Nanni!
Schnell steckte er die Karte in seine Hosentasche und rannte die Treppe zu
seinem Hotelzimmer hinauf. Langsam näherte er sich der Tür und lauschte
ob Nanni noch am Weinen war. Aber er konnte nichts hören, nicht einmal
das kleinste Wimmern. Behutsam öffnete Lucas die Zimmertüre und wartete
kurz ab - da nichts passierte, schob er langsam seinen Kopf durch den
Türspalt. Seine Augen suchten sofort instinktiv nach Nanni, aber sie war
nirgends zu entdecken. Sehr erstaunt betrat Lucas nun das Zimmer und
schloss hinter sich die Tür. Vorsichtig betrat er den angrenzenden Raum
und endlich hatte er Nanni gefunden. Sie saß in der Mitte des Raumes auf
einem großen Meditationskissen und versuchte zu meditieren. Ihre Augen
waren von den Tränen rot unterlaufen, ihre Haare hingen strähnig in ihr
Gesicht, ihr Kopf war traurig gesenkt. Lucas tat dieser Anblick in der Seele
weh, Nanni sah schrecklich aus und es war allein seine Schuld. Langsam
schlich er um sie herum und nahm auf ihrer gegenüberliegenden Seite
Platz. Seine Beine im Schneidersitz verschlungen saß er seiner Freundin
gegenüber und schaute sie an. Nach einer Weile verlor Nanni die
Konzentration, öffnete ihre Augen und erschrak. Sie schaute Lucas kurz an
und senkte dann enttäuscht ihren Blick.
"Nanni, mein Schatz, verzeih mir bitte!" bat Lt. Bishop und schaute seine
Freundin liebevoll an. Keine Reaktion. "Es tut mir wirklich Leid…" startete
Lucas einen neuen Versuch. Wieder kam keine Reaktion. Langsam
krabbelte Bishop nun auf Nanni zu und versuchte ihr einen Kuss zu geben,
doch in diesem Moment stand sie auf und verließ das Zimmer. Vor lauter
Ärger über sich selbst, lag Lucas nun auf dem Boden und schaute finster die
Decke an. Nach einer Weile stand Bishop auch auf und folgte Nanni in den
anderen Raum. "Bitte glaub mir, es tut mir wirklich Leid. Ich wollte dich nicht
wegstoßen - Bitte verzeih mir" versuchte Lucas die Situation zu erklären.
Aber seine Freundin schaute ihn nur finster an und sagte keinen Ton.
"Ich habe Abstand gebraucht von dieser Nachricht, von dem Terminal,
einfach von allem. Ich habe gedacht, ich wäre ein Monster, das wollte mir
Larson einreden. Aber ich habe erkannt, dass Schuld und Schuldigkeit die
wahren Monster sind. Glaub mir bitte, du bist sehr wichtig für mich und ich
liebe dich wie die Sonne und die Sterne." sprach Lucas von seiner Seele
und meinte jedes Wort, wie er es sagte. Nanni zögerte und man konnte
sehen dass sie überlegte, ob seine Worte für eine Verzeihung genügten.
"Ja, ich verzeihe meinem Bärchen!" meinte Nanni und umarmte Lucas
liebevoll. Diesmal erwiderte er die liebevolle Geste und küsste seine
Freundin ebenso innig, wie sie ihn umarmte. "Aber wieso dachtest du, du
wärst ein Monster? Was hat Larson denn geschrieben?" fragte Nanni
neugierig, während sie Lucas noch immer umarmte. "Glaub mir, das willst
du nicht wissen - Es ist nicht schön…" war die ernüchternde Antwort des
Australiers. Um von der Tragik abzulenken, küsste er Nanni wieder zärtlich.
Während des langen Kusses kramte Lucas die kleine Karte von Larson
hervor und schaute sie an.
Treffen uns morgen
Zeitpunkt: 15:00 Uhr
Ort: Selebo Cafe - Innenstadt
Gezeichnet LARSON
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Jul 5 2005, 13:05
Die Traumhochzeit - Teil 2
Am nächsten Tag machte sich Jerry wie verabredet auf den Weg zum
Hauptquartier der Sternenflotte um seinen Vater abzuholen. Vorher wollte er
aber noch zu dessen Vorgesetzten wegen dem speziellen Anliegen. Bis ins
Vorzimmer von Admiral Nechajew zukommen, war für den Lieutnant kein
Problem. Bei den an den Turboliften stationierten Sicherheitswachen musste
er nur sein Ausweis vorzeigen um zu passieren. Dass er von den internen
Sensoren nach Waffen und Sprengstoff gescannt wurde, bekam er gar nicht
mit.
Doch im Vorzimmer der Admiralin saß eine, ihm unbekannte junge Frau, im
Range eines Ensigns, hinter dem Schreintisch. Sie blickte zu dem
Erdenhünen auf und fragte: „Sie wünschen?“
Jeremiah war etwas verwirrt, denn die Kollegen seines Vaters kannten ihn
im Allgemeinen. Also stellte er sich: „Mein Name ist Jeremiah Esteban. ich
möchte gerne zu Admiral Nechajew.“ „Haben sie einen Termin?“ „Ähm, nein
habe ich nicht.“ Jerry konnte sich aber einen spitzen Kommentar gerade so
noch verkneifen.. „Könnten sie mir einen Termin geben?“, fragte er daher so
freundlich wie möglich. Der Ensign drückte ein paar Tasten und erwiderte:
„Ich könnte ihnen einen Termin in vier Wochen geben.“ „Das wäre ein
bisschen spät.“, ließ sich Jeremiah dazu vernehmen.
Gerade in diesen Moment betrat die Admiralin ihr Vorzimmer. Sie entdeckte
den Lieutnant sofort und reichte ihm die Hand: „Schön sie zu sehen,
Lieutnant. Sie wollen bestimmt zu ihren Vater.“ „Die Freude ist ganz auf
meiner Seite; Ma’am.“ Jerry machte eine kurze Pause und erklärte kurz den
Grund für sein Erscheinen: „Mein Vater und ich wollen nachher noch etwas
einkaufen. Aber eigentlich wollte ich kurz zu ihnen.“ „Zu mir. Das wird leider
heute etwas schwierig.“ Die altgediente Sternenflottenoffizierin seufzte kurz
auf: „Es ist bei uns immer etwas stressig. Aber wenn die Prüfungen der
Kadetten anstehen ist es besonders schlimm. Vielleicht könnten sie Morgen
gegen 8.00 vorbeikommen.“ „Das werde ich machen, Admiral. Bis morgen.“,
verabschiedete sich Jerry.
Auf den Weg zur Tür, hörte er noch, die Admiralin ihre Ordonanz fragte:
„Irgendwelche Nachrichten für mich, Ensign.“ „Admiral Kwaal möchte gerne
die Besprechung um eine halbe Stunde verschieben. ich habe
vorsichtshalber den Termin mit Commander Mendez auf Freitag gelegt.“ Die
Admiralin drehte sich um und entdeckte das Jeremiah noch nicht komplett
gegangen war. „Lieutnant, wenn sie möchten können sie auch jetzt ihr
Anliegen vorbringen.“ Erfreut drehte sich Jerry rum und folgte der älteren
Frau in ihr Büro.
Kurz nachdem er verschwunden war, kam David Esteban herein und fragte:
„Haben sie meinen Sohn gesehen, Ensign?“ Elena Katzopakis, die
Ordonanz von Admiral Nechajew, wollte erst mit dem Kopf schütteln. Aber
dann machte es in ihre Kopf Klick und sie fragte zur Vergewisserung: „Heißt
ihr Sohn Jeremiah und ist etwa zwei Meter groß, Commander?“ Der
Angesprochene nickte: „Ja das stimmt.“ „Der ist beim Admiral.“
In den recht großen Büro fragte Admiral Nechajew ihren Besucher: „Was
haben sie denn auf den Herzen.“ „Es geht um die Hochzeit meines Vaters.“
Die blondhaarige Frau lächelte: „Brauchen sie einen Rat, was sie ihren
Vater schenken sollen.“ Jeremiah erwiderte das lächeln: „Das nun nicht
Admiral. Ich habe zwar noch kein Geschenk, aber eine Idee, was ich die
beiden von mir bekommen.“, gab er freimütig zu.
„Es geht um etwas anderes. Ich bin gestern Abend mit meiner Schwester
ihre Vorbereitungen für die Hochzeit durchgegangen um eventuelle Lücken
zu finden, welche die Feier beeinträchtigen könnte.“ Die Admiralin lächelte
und bemerkte: „Darin haben sie ja schon etwas Erfahrung gesammelt.“
Der Lieutnant nickte: „Es ist aber etwas anderes, eine Hochzeit zu planen
die gleichzeitig ein Staatsakt ist, als eine kleine Feier, die nur im engsten
Freundes- und Familienkreis abgehalten wird.“ Er seufzte und erzählte
weiter: „Leider gibt es in der Planung eine Lücke, welche die ganze Feier ad
absurdum führen könnte – wir haben niemanden, der die Trauung
vornimmt.“
Admiral Nechjew sah den jungen Offizier kurz nachdenklich an und ergänzte
dann: „Und sie wollten mich fragen, ob ich die Trauung vornehmen werde?“
Jerry nickte: „Das stimmt, Ma’am. Wie sind sie darauf gekommen.“
„Einfachste Logik ist oft die Beste.“, erinnerte die Frau ihn. „Es war der
einzige Schluss, der aus ihrer Erzählung richtig schien. Wie sind sie denn
eigentlich darauf gekommen, dass ich das machen würde?“
„Als Admiral sind sie ja berechtigt, eine Eheschließung vorzunehmen und
als die direkte Vorgesetzte meines Vaters, waren sie die logischste Wahl.“,
erläuterte der Trauzeuge in spe seine Entscheidung. Die Admiralin dachte
kurz über das Anliegen nach und erklärte dann: „Es wäre mir eine Freude
die Trauung vornehmen zu dürfen.“
„Vielen Dank, Admiral. Mir fällt ein Stein vom Herzen.“ Jeremiah überlegte:
„Eine kleine Bitte hätte ich dann noch: Sagen sie meinen Vater nichts
davon. Es soll eine Überraschung werden.“ Admiral Nechjew hob erst
überrascht ihre Augenbrauen, erklärte sich dann doch dazu bereit. Die
beiden Sternenflottenoffizier verabschiedeten sich voneinander und
Jeremiah verließ das Büro, vor dem schon sein Vater wartete.
Der fragte auch sofort: „Was wolltest du denn vom Admiral.“ „Nichts weiter.
Ich habe auf dich gewartet und da dachte ich mir, ich schaue mal bei ihr
rein.“, erwiderte Jerry und versuchte dabei, möglichst unschuldig
auszusehen. „Da hat mir aber Ensign Katzopakis was anderes erzählt.“ Und
Elena fügte vorwurfsvoll hinzu: „Sie hätten mir erzählen sollen, dass sie der
älteste Sohn des Commanders sind, Lieutnant“ Da er von allen Seiten unter
„Beschuss“ stand, erwiderte Jerry: „Mich kennen alle hier, weswegen ich
überrascht war, ein neues Gesicht zu sehen, Ensign. Außerdem dachte ich,
sie kommen selber darauf, denn der Familienname Esteban kommt nicht
gerade häufig vor.“ Und zu seinen Vater gewandt: „Ich hatte noch was mit
dem Admiral zu besprechen. Und wage es ja nicht, sie zu fragen. Ich habe
sie gebeten zu schweigen.“
Da David auf dem Thema nicht weiter beharrte, verabschiedeten sich die
beiden Männer von dem Ensign und verließen das Büro. An der Stelle
angekommen, wo Jerry seinen Gleiter geparkt hatte, wollte dessen Vater
schon zur Fahrerseite gehen. „Das ist die falsche Seite, Dad. Der
Beifahrersitz ist rechts.“ Grummelnd nahm der Commander auf dem
Beifahrersitz Platz. Hätte Jerry doch bloß seinen Vater fahren lassen, da
dieser den ganzen Weg kritisch kommentierte, wie sein Sohn den Gleiter
fuhr.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jul 5 2005, 21:39
Vinara machte sich derweil am Morgen nach dem Abendessen mit ihrem
derzeitigen Captain gleich daran, eine Wiederholung der Experimente
Assjimas und ihres Kollegen zu planen. Gleich von Anfang an weihte sie
Lieutenant Gabler ein der sich wie erwartet gar nicht mehr einkriegte.
"Lebende Stein- und Sandwesen, sagten Sie? Das ist ja geradezu
phantastisch! Und aus ihren Bestandteilen, zusammen mit organischen
Komponenten soll unter Bedingungen, wie sie bei einer Supernova
herrschen Leben entstehen?"
"Indirekt ja, vorerst entsteht laut Assjimas Bericht eine bislang unbekannte
Substanz aus der unter atmosphärischen Bedingungen zu teils völlig
neuartigen organischen Verbindungen hervorgehen."
"Das ist ja... Wahnsinn! Sagte ich das schon? Nur schade dass wir an Bord
der Schweizer nicht die Mittel haben diese Experimente in all ihren Stadien
nachzustellen. Ein Grund weshalb ich immer wieder gerne auf große
stationäre Labors ausweiche. Sie dürften doch sicher auch das eine oder
andere kennen?"
"In der Tat ist gerade die vulkanische Akademie der Wissenschaften
hervorragend ausgestattet. Aber auch wir dürften einiges tun können; soviel
ich weiß sind die Computersysteme auf dem neuesten Stand?", erkundigte
sich die Andorianerin.
"Fast, Bioschaltkreise sucht man bei uns immer noch vergeblich, obwohl
Hans-Jacob und ich immer wieder darum gebeten haben, und natürlich
Briceburry. Die Antwort ist leider stets die gleiche: Es lohnt sich nicht, unser
Schiff ist zu alt."
"Aber die Rechenkapazität dürfte wohl trotzdem ausreichen... Ich werde
eine Simulation vorbereiten, wobei wir ohne entsprechende reale
Ergebnisse auch dort nicht weiterkommen werden."
"Dann sprechen Sie am besten schnell mit Vulkan, ich werde sehen ob wir
wenigstens eine künstliche Mini-Nova hinkriegen können. Eine sehr winzige
Mini-Nova."
Vinara kontaktierte sogleich ihren alten Mentor, Professor Sotek, welcher
inzwischen zum stellvertretenden Leiter der Akademie befördert worden
war. Der alte Vulkanier hörte sich Vinaras Schilderungen mit der für einen
Wissenschaftler üblichen Skepsis an. "Ihre Kollegin hat Recht, bei
deltanischen Wissenschaftlern spielt der Experimentator-Effekt stets eine
größere Rolle als bei Vertretern anderer Spezies; es wäre sehr gut möglich,
wenn nicht sogar wahrscheinlich dass die Fähigkeiten der Deltaner das
Ergebnis beeinflusst haben. Ich habe bereits Ihre Berichte bezüglich des
Doramess-Systems erhalten und finde sie sehr interessant. Wir haben
derzeit ausreichend Kapazitäten frei um die Experimente zu wiederholen
und wir werden uns durch nichts anders als durch unsere Neugier und Logik
leiten lassen."
"Ich danke Ihnen, Professor. Aber ist Neugier eigentlich nicht eine
Emotion?"
Soteks rechte Augenbraue kroch nach oben. "So könnte man es in der Tat
sehen... Ich hoffe Sie verzeihen mir alten Mann einen derart
unangemessenen Ausbruch an Emotionalität, aber ich muss auch gestehen
dass dies ein Thema ist das mich persönlich fasziniert. Ich werde die
Durchführung anderen überlassen und alles nur aus gebührender
Entfernung beobachten."
"Ich danke Ihnen, Professor. Ich bedaure es dass ich bei meinem letzten
Aufenthalt auf Vulkan nicht auch bei Ihnen vorbeischauen konnte... Ich
verspreche Ihnen es so bald wie möglich nachzuholen."
"In der Tat würde ich Ihren Besuch sehr begrüßen. Ich sehe mit einiger
Besorgnis dass Ihre emotionale Selbstbeherrschung nachgelassen hat."
Vinara senkte leicht den Kopf. "Ich habe mich entschieden eine Balance
zwischen meiner Erziehung und meiner angeborenen Natur anzustreben.
Das Kolinahr hätte ich ohnehin nie erreichen können, ich verspreche Ihnen
aber auch meine Fähigkeiten niemals für irgendwelche kriegerischen
Zwecke zu missbrauchen."
"Das hoffe ich, denn Wissenschaft sollte sich, wenn nicht gerade äußere
Umstände das Gegenteil nötig machen, immer dem Frieden widmen. Sotek
Ende."
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jul 6 2005, 00:03
Die Antwort der Sternenflotte ließ nicht lange auf sich warten.
Das Training war gerade vorüber und Milseya war in ihre Zelle
zurückgekehrt, um zu duschen. Als sie die Türe öffnete, blieb sie wie
angewurzelt stehen. Auf dem sonst leeren Bett lagen zahlreiche
Gegenstände, die zuvor nicht dort gelegen hatten - und die eigentlich dort
nichts zu suchen hatten. Zögerlich trat sie ein und ging zu ihrer Schlafstätte.
Sie griff nach dem Padd, das oben auflag, und las die Nachricht. Darin teilte
ihr die Sternenflotte mit, dass sie sich innerhalb von drei Tagen auf Utopia
Planitia einzufinden habe. Dort solle sie zunächst auf der Sekundär- und
Tertiärsektion der Community als Testpilotin die Reparaturen und
Neuerungen im Antrieb sowie der Flugkontrollen überprüfen. Daran
anschließend habe sie die Aufgabe die bis dahin fertig gestellte, neue
Primärsektion einzufliegen und auf die Anforderungen der Sternenflotte hin
zu überprüfen.
Testpilotin! Allein das Wort verursachte zunächst einen bitteren
Nachgeschmack! Doch auf der anderen Seite .. Testpiloten durften ein
Schiff bis an die Schmerzgrenze belasten. Manöver fliegen, die sonst so gut
wie nie geflogen wurden. Und sie würde die nagelneue Primärsektion
einfliegen! Der bittere Geschmack wandelte sich zu dem köstlichen
Geschmack eines petit fours um.
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht betrachtete Milseya die Gegenstände,
die fein säuberlich auf ihrem Bett ausgebreitet waren. Ming San Ho war
äußerst gewissenhaft gewesen: Neben der Tasche, die sie mitgebracht
hatte, lagen zwei Sternenflottenuniformen, Schuhe, Wäsche und ein
Standardkoffer auf ihrem Bett.
Doch da waren auch noch andere Dinge, die sie nicht kannte und die nicht
ihr gehörten. Sie nahm einen äußerst edel geschliffenen Glasflakon mit
einer weißen Flüssigkeit. Als sie den Stöpsel entfernte, entwich der
betörende Duft von Lotos. Milseya ließ beinahe vor Schreck den Flakon
fallen - um eine solche Menge herzustellen (die Mönche würden ihr niemals
etwas Repliziertes schenken) benötigte man eine ungeheure Menge an
Blüten und es war eine schwierige, anstrengende Arbeit das Öl zu
extrahieren. Sehr vorsichtig stellte sie das äußerst wertvolle Geschenk
zurück auf das Bett. Dann griff sie nach den beiden in Leder gebundenen
Büchern. Sie öffnete das erste und erkannte sofort die Handschrift von Ming
San Ho. Als sie die ersten Sätze las, war sie überrascht. Es war sein
Tagebuch! Er hatte begonnen es zu schreiben, als er als junger Novize in
dieses Kloster eingetreten war. Sie schloss es, öffnete das zweite Buch und
blickte auf leere Seiten. Sie verstand zu deutlich den Wink mit dem
Zaunpfahl - insbesondere als ihr Blick auf ein Holzschatulle fiel, die wie sie
feststellte, eine Feder und ein Tintenfässchen enthielt.
Ihr Finger glitten über die vielen Kleinigkeiten - Räucherstäbchen, Kerzen,
eine handgefertigte Haarspange, Radierungen 'ihres' Gartens, eine kleine,
schwarze Plüschkatze (diese Mönche waren eindeutig allesamt die
schlimmsten Klatschtanten, die sie kannte), kleine Beutel mit Jasmintee,
eine Pergamentrolle auf der kunstfertig ihr Name mit kalligraphischer
Perfektion gezeichnet war. Als sie den Samtbeutel sah, stockte für einen
kleinen Moment ihr Herz. Ihre Hände begannen zu zittern, als sie den Beutel
abtastete. Sachte öffnete sie den Beutel. Leuchtendes Saphirblau! Milseya
fiel keuchend auf die Knie. Wie war es ihnen nur möglich gewesen, einen
solchen Canar zu bekommen? Blau war eine sehr seltene Farbe für die
haliianischen Kristalle. Der Canar ihrer Mutter, den die beim Absturz
verloren hatte, war blau gewesen ...
Milseya wusste nicht, ob sie weinen oder lachen sollte über die
Großzügigkeit der Mönche. Sie war tief berührt. Doch zugleich war das
einfach viel zu viel. Doch sie würde sie beleidigen, wenn sie die Geschenke
zurückweisen würde. Langsam erhob sich Milseya. Sie steckte den Canar
wieder zurück in den Beutel und legte ihn wieder auf das Bett. Dann griff sie
nach einer der Uniformen und ging ins Badezimmer ..
Der Koffer war gepackt - erstaunlicherweise hatte alles exakt hinein gepasst,
gerade so als ob sie es gewusst (oder vielleicht sogar ausprobiert?) hatten.
Milseya hatte bereits den Türknopf in der Hand, als sie einem Impuls
folgend noch einmal zum Bett zurückkehrte. Sie griff nach ihrer kleinen
Gürteltasche und holte ihren alten Canar heraus. Für einen kurzen Moment
betrachtete sie den ständigen 'Begleiter' seit ihrer Jugend, bewunderte zum
letzten Mal die strahlenden Farben als sie ihn gegen das Licht hielt. Dann
legte sie ihn ohne Bedauern, ohne Wehmut auf die Mitte des Bettes.
Als die Haliianerin aus der Tür trat, sah sie die lächelnden Mönche, die sich
an beiden Seiten des Ganges zum Abschied aufgestellt hatten. Sie legte
ihre Hände zusammen und verbeugte sich leicht vor jedem Einzelnen. .Als
sie schließlich vor den beiden letzten stand, füllten sich die Augen Milseyas
mit Tränen. Sie verneigte sich vor Hsiung T'ien, der sie mit einem
strahlenden Lächeln ansah. „Halte dich nicht bedauernd mit Vergangenem
auf. Brüte nicht über Künftiges. Bleibe fest in der Gegenwart. Strahle, Jen
Pao“, verabschiedete er sich leise von ihr, bevor er ging.
Nachdenklich betrachtete Ming Sa Ho die Frau, die er als seine Ziehtochter
ansah, und fragte sich - wenn auch nur für einen kurzen Augenblick - ob es
noch nicht zu früh war. Dann schob er jeden Zweifel beiseite. Sie würde ihre
Aufgaben meistern, sie würde die Prüfungen bestehen. Das hatte sie immer.
Er trat auf sie zu und umarmte Milseya liebevoll. „Gib Nachricht von dir,
Milseya“, bat er leise. „Leb wohl“ Dann löste er die Umarmung und trat
wieder einen Schritt zurück.
Milseya verbeugte tief vor ihm. Er tat es ihr gleich. Dann gingen beide in
getrennten Richtungen auseinander.
Geschrieben von: O'Tra am Jul 6 2005, 00:44
In einem blauen Leuchten materialisierte O’Tra auf einer
Transporterplattform in einem spärlich beleuchteten Raum. Überrascht
blickte sich der Bolianer um. Dies war definitiv kein cardassianischer
Transporterraum, in den er da gerade gebeamt worden war…
In diesem Moment trat ein Mensch aus dem Schatten. „Willkommen an Bord
der USS Monitor. Mein Name ist Danny Bird, ich bin zurzeit
kommandierender Offizier dieses Schiffes. Wenn Sie mir bitte ins Casino
folgen wollen.“ begrüßte der Offizier im Rang eines Lieutenant Chief O’Tra
und ging zum Ausgang, ehe der immer noch verdutzte Bolianer auch nur
eine Frage loswerden konnte. Doch Lt. Bird schien Gedanken lesen zu
können: Defiant-Klasse...dem Geheimdienst unterstellt…Tarnmodus –
knapp erläuterte er auf dem kurzen Weg zum kleinen Casino des Schiffes
alle wesentlichen Fakten, so dass der Bolianer wusste, wo er sich befand
und mit wem er es zu tun hatte.
O’Tra fühlte sich auf dem Schiff gar nicht wohl. Obwohl die Defiant-Klasse in
der Größenordnung in etwa der Nova-Klasse entsprach, war hier alles viel
enger und kompakter. Außerdem hatte die Monitor anscheinend einen
ähnlich gefährlichen Einsatz wie die Community hinter sich, denn an etlichen
Stellen waren noch provisorisch geflickte Schäden zu sehen.
O’Tra war überrascht, neben einer Terellianerin namens Tellom und einem
Andorianer namens Ardev, die zu den Führungsoffizieren der Monitor
gehörten, auch Lt. Cmdr. Ijoula und T’Andorla, zwei Offiziere der USS
Incursion, im Casino anzutreffen.
„Hallo O’Tra. Willkommen an Bord“, begrüßte Brexen Ijoula den Bollianer
und wies auf einen der Stühle. „Ich hoffe, Du kannst mir sagen, was ich hier
soll“, fragte der Bolianer die Trill, nachdem er sich gesetzt hatte. „Wir hätten
auch gerne gewusst, warum man die Monitor trotz dringender
Wartungsarbeiten aus dem Raumdock und uns aus dem wohlverdienten
Urlaub geholt hat“, bemerkte Lt. Bird daraufhin, wobei ein leicht gereizter
Unterton in seiner Stimme nicht zu überhören war.
Ijoula rief auf dem Wandmonitor des Casinos eine Datei auf. Mit
Erschrecken stellte O’Tra fest, dass es sich dabei um seine Dienstakte –
inklusive der unter Verschluss stehenden Teile – handelte. „Grund unserer
Mission ist Mr. O’Tra oder besser seine Vergangenheit. Wie Sie sehen
können, war er als erster Offizier auf der USS Emil von Behring A, einem
Schiff der Nova-Klasse eingesetzt“, begann die Chefingenieurin der
Incursion das Briefing, was Lt. Ardev gleich dazu veranlasste, auf O’Tras
Rangabzeichen zu schielen…
„Im Sektor B3034 traf die von Behring auf einen Borg-Kubus und erhielt den
Auftrag ihn zu untersuchen. Ein aus drei Personen bestehendes Außenteam
wurde an Bord des Würfels gebeamt, um taktische Informationen zu
sammeln...“ Die Trill blickte zu O’Tra, der einen nicht sehr erfreuten Eindruck
machte. „...Leider wurden die Borg auf die Eindringlinge aufmerksam. Mr.
O’Tra war der Einzige des Außenteams, der zurück auf die Behring gebeamt
werden konnte. Die Beiden anderen Offiziere wurden von den Borg
assimiliert. Bevor sich die ‚von Behring’ in einen Nebel zurückziehen konnte,
starb außerdem noch Captain Narric durch eine Explosion auf der Brücke.
Der erste Offizier übernahm das Kommando und erstattete der Sternenflotte
Bericht. Diese befahl einen sofortigen Rückzug des Schiffes, bzw den
sicheren Verbleib im Nebel. Entgegen dieser Befehle wurde ein
Rettungsversuch von der Besatzung der 'von Behring' durchgeführt, um die
beiden assimilierten Offiziere zurückzuholen. Das Schiff begab sich dabei
erneut in Reichweite des Kubus. – Mit verhängnisvollen Folgen. Die ‚von
Behring’ wurde vollständig zerstört. Fast zwei Wochen später fand man
Commander O’Tra in einem manövrierunfähigen Shuttle, das nur über
minimale Lebenserhaltung verfügte, am Rand des Nebels treibend.
Aufgrund der Befehlsmissachtung kam es zu einen Prozess, in dessen
Folge Mr. O’Tra sein Offizierspatent abgeben musste. Momentan ist er
Ingenieur an Bord der USS Community."
„Können wir jetzt zur Sache kommen?“ meldete sich Chief O’Tra gereizt zu
Wort. Dem Bolianer passte es gar nicht, dass seine Vergangenheit hier
vorgetragen wurde, auch wenn Brexen die Ereignisse zum Glück recht grob
zusammenfasste.
„Vor einiger Zeit begleitete uns Mr. O’Tra auf einem Einsatz innerhalb eines
Borgwürfels", fuhr die Ingenieurin fort. "Ziel war es, Statusdaten aus den
Datenbanken der Borg zu extrahieren. Mr. O’Tra hat dabei den
Suchalgorithmus eigenmächtig um die Daten seines Schiffes und der
Besatzung erweitert. Die Auswertung der Daten sowie weitere Erkenntnisse
aus andern Quellen brachte überraschende Ergebnisse. Daher hat sich der
Geheimdienst entschlossen, die Monitor trotz dringender Wartungsarbeiten
aus dem Raumdock und die Crew aus dem Urlaub zu holen, um T’Andorla,
O’Tra und mich zum Einsatzort zu bringen. Die USS Incursion operiert
bereits verdeckt mit einer anderen Aufgabenstellung im Einsatzgebiet. "
"Was für neue Erkenntnisse?" fragte O'Tra nervös. Der Bolianer platzte fast
vor Neugier.
"Es tut mir Leid, mehr Informationen kann ich momentan nicht geben. Ich
bin nur autorisiert höherrangigen Kommandooffizieren die exakten
Einsatzbefehle und das Ziel unserer Reise offen zu legen. Die sind
momentan noch nicht an Bord. Lt. Bird, bitte weisen sie Chief O’Tra ein
Quartier zu. Wir treffen uns wieder hier, wenn wir vollzählig sind.“
„Brexen, ich hätte da noch eine Frage…“ bemerkte O’Tra vorsichtig. Ijoula
schaute den Bolianer streng an. "Versteh doch! Ich darf dir nichts sagen!"
O'Tra schüttelte den Kopf. „Nein es geht um was anderes... Werde ich nicht
auf dem cardassianischen Kreuzer erwartet?“
Ein breites Grinsen huschte über Ijoulas Gesicht. „Da haben wir für Ersatz
gesorgt…“
Inzwischen auf dem cardassianischen Kreuzer…
„Ist das der Austausch-Techniker?“ fragte Dumat, der zweite Steuermann
des Schiffes seinen Tischnachbarn. Die beiden blickten zu dem dicklichen
Bolinarer der auf dem Boden krabbelnd gerade die Reste eines Tellers
zusammensuchte. Der andere Cardassianer nickte. „Wie weit ist es mit der
Förderation gekommen, dass sie solche Leute als Techniker einsetzen?“
Dumat zuckte mit den Schultern. „Es ist schon der zweite Teller, den er
heute fallengelassen hat und eben hat er sich zwei Finger in der
automatischen Tür zum Lift geklemmt.“ „Einen so tollpatschigen Blauhäuter
habe ich noch nie gesehen und wie der eben gejammert hat, als ihm der
Arzt die Finger verbinden wollte…“
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jul 6 2005, 20:36
Sie war jedes Mal aufs Neues von diesem sagenhaften Blick fasziniert.
Milseya stand auf dem Balkon ihrer Wohnung im 24. Stock des Gebäudes in
Semarang und sah hinaus auf das Meer. Ihre Wohnung? Seit dem Tod ihrer
Mutter, mit der sie gemeinsam das großzügige Appartement bewohnt hatte,
konnte man ihre Aufenthalte hier an einer Hand abzählen. Doch als sie in
Jakarta angekommen war, hatte sie sich auf einmal nach ihrem Heim
gesehnt - und nach diesem einzigartigen Blick auf das Meer, den sie früher
oft stundenlang genossen hatte.
Ihr Flug zur Marsstation würde in 10 Stunden von Jakarta aus starten. Zeit
genug also, um noch ein paar persönliche Dinge zu erledigen. Milseya
kehrte zurück in die Wohnung und blieb in der Mitte des großen
Wohnzimmers unschlüssig stehen. Gut! Nur was? Sie ging zu dem großen
Wandregal und zog einige Bücher heraus. Dann ging sie in die Knie und
holte einige kleine Schachteln heraus. Schwer bepackt trug sie alles zum
Tisch. Sie ging in die Küche und ließ sich einen Krug Eiswasser replizieren,
kehrte zurück und machte es sich auf dem großen Sitzkissen gemütlich.
Als sie nach dem ersten Buch griff, fiel ihr Blick auf das Nachrichtenterminal.
Wie lange war es eigentlich her, dass sie ihre persönlichen Nachrichten
abgerufen hatte? Wochen? Monate? Milseya stöhnte auf. Aber es half
nichts. Sie aktivierte das Terminal und wartete ab. 639 Nachrichten!! Sie
würde Wochen brauchen, um die alle zu lesen! Von darauf antworten mal
ganz abgesehen. Sie sortierte die Post zunächst nach den Absendern und
dem Datum - und musste heftig schmunzeln, als sie die Reihenfolge
betrachtete. Dorian hatte ihr sieben (war denn so viel passiert, seit sie sich
nicht mehr gesehen hatten?) Nachrichten zukommen lassen.
Doch der absolute Spitzenreiter war John. 42 Nachrichten in sage und
schreibe drei Wochen! Hatte der denn wirklich nichts anders zu tun? Sie las
die Betreffszeilen und musste laut auflachen - in rund 15 davon stand nur
ein Wort: Selina. Das würde eine interessante Bettlektüre werden! Sie
öffnete die neueste Nachricht von John und erfuhr, dass er nach Betazed
gehen würde, um sich dort psychologisch behandeln zu lassen. Milseya
atmete auf. Es würde ihm gut tun, einmal mit jemanden zu reden, der das
Ganze nicht erlebt hatte. Sie beschloss ihm während ihres Fluges eine
Antwort zu schreiben.
Sie scrollte weiter - als sie erschrocken bei einer Nachricht hängen blieb.
Die Absender waren Linan und Michandran .... Anquenar! Thovans Eltern!
Milseya schluckte schwer. Sie hatte völlig vergessen, dass Thovan im
Gegensatz zu ihr keine Waise gewesen war. Plötzlich schämte sich Milseya
furchtbar. Sie hatte die letzten Wochen nur an sich gedacht. War nur auf ihr
Wohlergehen bedacht gewesen. Und dabei gab es doch eine neue Familie
in ihrem Leben! Die Haliianerin erinnerte sich an die überschwänglichen
Glückwünsche, die seine Familie ihnen zu ihrer Hochzeit geschickt hatte, an
die Freudentränen in Linans Augen, als sie Milseya als ihre neue Tochter in
der Familie begrüßte.
Milseya verfluchte sich. Sie hätte zu allererst zu ihnen gehen sollen! Sie
hätte mit ihnen reden müssen, mit ihnen um Thovan trauern sollen. Sie war
ein egoistisches Miststück!
Milseya öffnete die Nachricht und las die Worte ihrer Schwiegereltern...
dann stellte sie eine Verbindung nach Antananarivo her.
„Ja? .. Mein Gott!“ Ungläubig starrte Linan auf den Bildschirm. „Milseya!
Geht es dir gut, mein Kind?“ Milseya hatte einen dicken Kloß in ihrem Hals,
konnte nicht sprechen. Sie nickte nur, während sie gegen die aufsteigenden
Tränen kämpfte. „Schon gut“, beruhigte Linan die Haliianerin mit zittriger
Stimme. „Michandran!“, Ihre Stimme brach, als sie nach ihrem Mann rief.
„Was ist?“, antwortete dieser zuerst unwilig, als er in den Raum kam. Doch
dann sah er die Tränen im Gesicht seiner Frau, eilte er zu ihr und nahm ihre
Hand. „Mon coeur, quest tas?“ Sie sah zum Bildschirm. Er folgte ihrem Blick
und sah seine mittlerweile in Tränen aufgelöste Schwiegertochter.
Michandran schluckte schwer und ließ sich in den Stuhl fallen. Nachdem er
ein paar Mal tief durch geatmet hatte, nahm er seine Frau in den Arm.
„Calmen, Linan, calmen.“ Dann blickte er wieder zum Bildschirm. „Was ist
geschehen, ma fille?“, fragte er mit leiser Stimme. Milseya begann unter
Tränen zu erzählen, was mit Thovan und ihr geschehen war, nachdem sie
sich das letzte Mal gesprochen hatten. Als sie von dem Baby sprach, lachte
Linan kurz unter ihren Tränen auf, um ein paar Momente später verzweifelt
aufzuschluchzen, als sie von Thovans Tod und der Fehlgeburt hörte.
Michandran drückte sie an seine Schulter und strich ihr sanft übers Haar.
Eine Geste, die Milseya wie ein tiefer Messerstich ins Herz traf - Thovan
hatte sie stets auf die gleiche Weise getröstet. Sie fuhr fort mit ihrer
Geschichte. Als Milseya von der Aufhebung der Bestrafung erzählte, sprang
Linan empört auf. „Wie konntest du nur?“, schrie sie die Haliianerin an. „Er
hätte ewig in dieser Hölle schmoren sollen! Er hat es nicht anders verdient!“
„Calmen“, beruhigte Michandran seine Frau. „Racontem, ma fille“, forderte
er Milseya auf, weiter zu berichten. Sie beendete die Geschichte mit der
Anhörung und ihrem Aufenthalt im Kloster. „Wirst du hierher kommen?“,
fragte er sie nach ein paar Momenten der Stille. Milseya schüttelte den Kopf
und erzählte von dem Befehl der Sternenflotte. Er nickte ruhig. „Ich
verstehe. Wenn du zurückkehrst, dann möchte ich, dass du uns besuchst.
Du bist Teil dieser Familie. Du wirst es immer sein, ganz gleich, was
passiert.“ „Michandran, es tut mir leid, dass ich nicht früher..“ Er hob seine
Hand und unterbrach sie. „Nein. Keine Entschuldigungen. Du hast deinen
Mann verloren. Wir haben unseren Sohn verloren. Jeder von uns hat Zeit
gebraucht. Das bedarf keiner Erklärung - nicht in einer Familie. Aber du bist
und bleibst unsere Tochter - vergiss das nicht. Kehre wohlbehalten zurück,
ma fille!“ Dann deaktivierte er die Kommverbindung und drückte seine Frau
fest an sich.
Milseya starrte minutenlang auf den schwarzen Bildschirm. Er war nicht
verärgert gewesen. Auch nicht enttäuscht darüber, dass sie sich nicht
gemeldet hatte. Sie beide hatten sich Sorgen um sie gemacht, aber
dennoch ihre Trauer respektiert und ihr daher Abstand gewährt. Thovan
hatte Recht gehabt in Bezug auf sie. Sie waren liebevolle Menschen, die
aber jedem ihrer Kinder (zu denen sie Milseya von Anfang an mitgezählt
hatten) unendlich viel Raum gaben. Um zu wachsen, um zu lernen - und um
Fehler zu machen. In Gedanken versprach sie sich beim ihrem nächsten
Aufenthalt auf der Erde die Beiden zu besuchen.
Die Haliianerin beugte sich vor und rief die Sternenflottendaten ihres
Mannes ab. Als sie sein Bild auf dem Schirm sah, strich sie mit den
Fingerspitzen darüber. Sie hatte nicht einmal mehr ein Bild von ihm - alles
war bei dem Absturz vernichtet worden. Das war das einzige Bild, von
dessen Existenz sie wusste. Möglicherweise gab es noch andere - Thovans
und Johns Kollegen hatten eine Menge fotografiert. Wenn John von Betazed
zurückkehrte, würde sie ihn danach fragen.
Sie nahm ein Padd und überspielte die Nachrichten auf dieses. Dann griff
sie nach einem weiteren und legte beiden neben ihren Koffer. Anschließend
räumte sie die Bücher und Schachteln wieder an ihren Platz. Für heute
waren genug Wunden aufgerissen worden! Diese hier würden warten
müssen, bis sie zurückgekehrt war. Milseya verschloss alle Fenster und
Türen und ließ die Sonnenblenden herunter, bevor sie und ihr Koffer die
Wohnung verließen.
Geschrieben von: Lucas Bishop am Jul 6 2005, 22:03
Schuld und Sühne - Teil 4
Nächster Tag - Selebo Cafe - Betazed City - Betazed
Lt. Bishop saß nun schon eine halbe Stunde in dem Café und wartete auf
Larson. Das Warten war wohl wieder ein Test von diesem Betazoiden,
eigentlich hätte sich Lucas aufregen können, aber das würde sicher ein
Triumph für Larson darstellen. Diese Freude wollte der Sicherheitschef dem
neuen Mann seiner Mutter nicht machen. Lucas nahm ein Schluck von
seinem jamaikanischen Kaffee, doppelgeröstet, dreifachsüß und extrastark.
Die ganze Nacht hatte er wach gelegen und sich Strategien für den heutigen
Tag überlegt. Doch am Morgen hatte er beschlossen, einfach er selbst zu
sein. Dass mit dem "Er-Selbst-Sein" sollte keine schwere Aufgabe
darstellen. Aber Larson klar zu machen, dass die Schuld ein Monster und er
kein Monster war, sollte um einiges schwieriger werden.
Wieder näherte sich jemand dem Tisch, an dem Lucas saß, aber es war nur
eine Betazoidin, die vorbeiging, um die Toiletten zu erreichen. Langsam war
es nicht mehr lustig und die Laune von Lt. Bishop näherte sich dem
Gefrierpunkt. Er nahm den nächsten Schluck Kaffee und versuchte
krampfhaft seine Mundwinkel zu einem Lächeln zu formen. Im nächsten
Moment näherte sich ein älterer Mann dem Tisch. Er hatte kurze schwarze
Haare mit graumelierten Schläfen, sehr dunkle Augen und er trug eine Art
von Kimono in weiß. Er fixierte Lucas mit seinen schwarzen Augen und
nahm ihm gegenüber Platz. "Larson?" fragte Lt. Bishop mit leicht zittriger
Stimme. Der Mann antwortete nicht, stattdessen starrte er den Australier an.
Lucas war verwirrt, er hatte einen schimpfenden Vater erwartet, der den
Schuldigen in die Mangel nahm. Oh nein! Das hatte er eben gedacht,
Larson musste seine Gedanken lesen… Schnell konzentrierte sich Bishop
auf die Sache mit der Schuld und dem Monster. "Ja, ich bin Larson Ral, ich
entstamme dem Achten Haus von Betazed, ich bin der Erbe der goldenen
Feder von Ral und der Hüter des heiligen Schwertes von Betazed." sprach
der alte Mann und es klang wie ein Donnern. Dass die Betazoiden immer
auf ihre langen Titel bestanden, hatte Lucas noch nie verstehen können.
Wieder trafen sich die entschlossenen Blicke der beiden Männer. "Wie Sie
wissen, bin ich Lucas Bishop, ich bitte sie nur darum meine Mutter sehen zu
dürfen - mehr nicht" erklärte der junge Australier sein Anliegen. Kurz und
präzise!
Stille! Larson antwortete mit einem Schweigen und schaute wieder in die
Augen seines Kontrahenten. Lucas unterdrückte seine Wut und
konzentrierte sich wieder auf die Schuld, die das eigentliche Monster
darstellte. Dann tat Larson den ersten Schritt und meinte: "Ich blicke in
deine Seele und ich sehe ein Ungeheuer." "Ja, das ist ein Ungeheuer
namens Schuld und es droht mich zu verschlingen…" konterte Lucas und er
meinte es todernst. Mit so einer Erkenntnis hatte Larson nicht gerechnet.
Der Sohn seiner neuen Frau steckte voller Überraschungen. Der alte
Betazoide war beeindruckt, aber er prüfte den Sicherheitschef noch immer.
"Kannst du verstehen, was du Kaoi angetan hast?" Mit diesen Worten
schoss Larson eine gewaltige Kanonenkugel in Richtung Lucas Seele. Doch
dieser war gewappnet, denn er hatte verstanden. "Kaoi hat mich aus freiem
Willen begleitet. Sie wusste, dass die Suche gefährlich werden würde. Doch
sie ging mit mir und wurde leider gefangen genommen. Aber mit der
brutalen Sache, die Kaoi angetan wurde, habe ich nichts zu tun. Aber
glauben Sie mir, wenn ich es ungeschehen machen könnte, ich würde es
tun." entgegnete Lucas und so langsam fühlte er sich erleichtert. "Wie wagst
du es von meiner Tochter zu sprechen?" brüllte ihn Larson vor den ganzen
Leuten an. Die anderen Gäste schauten alle entsetzt den jungen Mann an.
"Ein guter Schachzug, Mr. Ral - aber meine Seele ist rein und wenn sie
wollen, dann schauen sie in meine Seele" antwortete Lucas ruhig und
schaute lächelnd in Larsons Gesicht.
Hatte der junge Fuchs den alten Fuchs überlistet? Für eine Weile schien es
so, doch Larson schaute in den Geist und in die Seele des jungen Fuchses
und erstarrte. Denn er sah das Monster und es hatte sein Gesicht, es war
fast so, als würde er in den Spiegel schauen. "Hallo du, es ist schön ein
Monster zu sein" sagte das Spiegelbild und grinste diabolisch. Vor lauter
Schreck beendete der alte Betazoid die telepathische Verbindung und seine
Poren brachen in Schweiß aus. Die schnelle Beendigung hatte in Kraft
gekostet, deswegen lehnte er sich in den Stuhl zurück und schnappte nach
Luft. "Lucas, du hast die Prüfung bestanden. Willkommen in meinem Haus"
fügte Larson ächzend hinzu und lächelte freundlich. "Sie haben es mir nicht
einfach gemacht, aber ich bin froh es geschafft zu haben." antwortete der
Sternenflottenoffizier und war ebenfalls sehr erleichtert. "Ach bitte, nenn
mich Larson und du kannst mich ruhig duzen, wir gehören nun zu einer
Familie. Obwohl du noch deine Mutter überzeugen musst" sprach der alte
Fuchs und seine Worte klangen sehr weise. "Gut Larson, wann kann ich
meine Mutter sehen?" hakte Lucas ohne Umschweife nach. "Ich werde ihr
von unserem Treffen berichten und morgen einen Wagen zu deinem Hotel
schicken, der dich und deinen Gast abholt und zu unserem Anwesen bringt."
beantwortete Larson die Frage aller Fragen. "Wieso nicht jetzt gleich?"
fragte Lucas barsch und schien leicht verärgert zu sein. "Glaub mir, es
würde mehr zerstören als nützen. Ruhe dich aus, habe Spaß und morgen
treffen sich Mutter und Sohn." erklangen die Worte der Vernunft. Lucas
nickte, verabschiedete sich und verließ das Cafe. Larson saß noch eine
Weile im Selebo und versuchte sein Erlebnis mit dem bösen Spiegelbild zu
verarbeiten.
Geschrieben von: Bjørn Niels van Richthoven am Jul 6 2005, 22:59
Niels hatte sich für seinen freien Tag viel vorgenommen. Schon früh am
Morgen hatte er die Werft verlassen und das Transportshuttle zur Erde
genommen. Es war ein wichtiger Tag für ihn, denn er würde gleich das
Thema seiner Doktorarbeit an der Akademie einreichen.
Durch das große Sichtfenster des Shuttles konnte man einen Blick auf San
Francisco werfen. Die Golgen Gate Bridge kam in Sicht und gleich daneben
das Starfleet Hauptquartier und die Akademie.
Das Shuttle landete in dem großen Garten zwischen den Gebäuden. Niels
war aufgeregt, doch der Gang durch den Park beruhigte ihn. Dann betrat er
das Akademiegebäude, hier herschte reges Treiben. Niels wusste noch
genau, wo er hingehen musste, oft hatte er Vorlesungen an dem Lehrstuhl
gehört.
Da war die Eingangstür zum Lehrstuhl für Biodynamik und Molekulare
Bioanalyse. Als sich die Türen geöffnet hatten trat Niels ein. Die Sekretärin
hatte ihn bereits erwartet und winkte ihn direkt zum Professor durch.
"Hallo, Niels! Schön, sie mal wieder zu sehen. Ich freue mich sehr, dass sie
sich entschlossen haben an meinem Lehrstuhl ihre Doktorarbeit zu
schreiben." begrüßte ihn Professor Colby. Der Professor war ein hoch
gewachsener Mann im Alter von ungefähr 65 Jahren. Er hatte graues, noch
relativ dichtes Haar und ein schmales Gesicht. "Ich freue mich auch sie zu
sehen," entgegnete Niels. "Setzen sie sich, dann können wir die
Formalitäten erledigen," forderte ihn der Prof auf und deutete auf einen
Stuhl vor seinem Schreibtisch. Nachdem sie sich gesetzt hatten, fuhr er fort:
"Ihre persönlichen Daten habe ich noch, aber ich brauche noch einige
Angaben zu ihrer jetzigen Position und zum Thema." Niels nickte. "So, ihre
Position bei der Sternenflotte?" fragte er. "Demnächst Wissenschaftsoffizier
auf der U.S.S. Community NCC-89503," beantwortete Niels die Frage.
Colby zog die rechte Augenbraue ein wenig hoch. Er war doch ein wenig
überrascht, da die Community kein "Einsteigerschiff" war und Niels erst vor
1 1/2 Jahren die Akademie beendet hatte. "Ihr vorgesetzter Offizier bzw.
Abteilungsleiter?" ging er zur nächsten Frage über und erklärte: "wir müssen
auch ihre Vorgesetzten über ihren Antrag informieren." "Lieutenant
Commander Vinara Shral ist meine Abteilungsleiterin und ich habe sie
bereits über meine Pläne informiert." meinte Niels. "Gut, dann als nächstes,
wer ist der Captain der Schiffes?" "Zur Zeit hat Commander Kyle das
Kommando, bis sich ein neuer Captain gefunden hat, da Captain Stewart
nach der letzten Mission die Sternenflotte verlassen hat." erklärte Niels die
Situation, "bis das Schiff das Dock verlässt sollte der neue Captain
ausgewählt sein." "Ok, das muss dann später nachgetragen werden."
meinte der Prof. "Kommen wir nun zum Thema der Arbeit. Welche
Vorstellungen haben sie sich diesbezüglich gemacht?" "Ich habe auf dem
Schiff letzte Woche neue Interfacemodule eingebaut und möchte diese als
Aufhänger für die Arbeit nehmen. Ich hatte an eine Analyse der bioneuralen
Komponenten bei fortlaufender Zeit im Bezug auf Strahlungseinwirkungen
und Verschleiß gedacht." formulierte Niels seine Gedanken. "Das ist ja
schon sehr konkret. Ich nehme an, dass sie die Arbeit während ihres
Dienstes auf dem Shiff schreiben wollen. Commander Shral hat einen guten
Ruf als Wissenschaftlerin, sie wird sie sicher gut unterstützen können. Ich
brauche dann noch die genaue Bezeichnung der Komponente," führte der
Prof aus. "Das ist das CYR-37 Energieleiter-Verbindungs-interface,"
benannte Niels das Gerät. "Dann hätten wir den Papierkram soweit erledigt,"
meinte Colby, "sie müssen nur zu gegebener Zeit den Namen des Captains
nachreichen. Ich werde ihren Antrag dem Wissenschaftsrat vorlegen und
gehe mal davon aus, dass alles funktionieren wird. Sie werden dann in ca.
einer Woche Bescheid bekommen, ob ihr Antrag angenommen wurde." Der
Prof erhob sich und deutete zur Tür. "Ich habe leider noch einen Termin und
kann nicht länger mit ihnen plaudern, aber ich freue mich schon sehr auf die
Ergebnisse ihrer Arbeit." leitete er die Verabschiedung ein. "Danke, Sir! Ich
hoffe, ich kann ihren Ansprüchen genügen." entgegnete Niels. Langsam
gingen sie auf die Tür zu. "Auf wiedersehen, Mr. van Richthoven."
verabschiedete sich der Prof. "Wiedersehen, Professor Colby," antwortete
Niels und verließ den Raum. Die Türen schlossen sich hinter ihm. Er
verabschiedere sich noch bei der Sekrektärin des Professors und war schon
wieder auf dem Gang.
Es war mittlerweile Mittag geworden und in Niels Magen befand sich ein
großes Loch. Daher entschloss er sich dazu der Mensa auf dem Campus
der Akademie einen Besuch abzustatten. Hier fühlte er sich schon fast
wieder als Kadett, als er die Kadetten mit ihren Tabletts an der
Essensausgabe sah. Es hatte sich hier nichts verändert seit er vor mehr als
einem Jahr die Akademie abgeschlossen hatte. Er hatte Glück und bekam
einen Platz am Fenster, von wo aus man über den Park bis hin zur Golden
Gate Bridge sehen konnte. Aber auch das Essen hatte sich nicht verändert,
Mens-Essen halt. So verbrachte er den Rest des Tages in San Francisco,
ein guter Tag.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jul 7 2005, 11:43
Der Flug nach Planetia Utopia war ereignislos gewesen. Milseya hatte sich
recht ungestört ihrer Post widmen können. Sie hatte beschlossen, zunächst
die ältesten Nachrichten zu lesen - meist von ihren Freunden von der
Sternenflottenakademie: Timothy erzählte von seiner Beförderung...
Bethany davon, dass sie sich in Marcus verliebt habe ... Marcus davon, dass
er sich in Bethany verliebt habe ... Bethany und Marcus verkündeten ihre
Verlobung (Oh, sie musste ein Geschenk besorgen!) ... T'Sik erzählte von
seinem Dienst an Bord der Amazonas ... Nahima schickte ihr ein neues
Rezept für Karottenkuchen (lecker!) .. und so weiter. Dann die vielen
Glückwünsche zu ihrer Hochzeit. Gerührt las Milseya jede einzelne
Nachricht durch. Die meisten wünschten (spaßeshalber, so hoffte sie es
zumindest!) vor allem Thovan viel Glück. Sie schmunzelte. Die meisten
Absender hatten schon das Vergnügen gehabt eine kräftige Portion
haliinanisches Temperament abzukommen...
Die Zeit war wirklich wie im Fluge vergangen. Milseya war gerade dabei die
letzten Glückwünsche zu lesen, als die Mars-Werft in dem Fenster beinahe
zum Greifen nah erschien. Sie speicherte ihre Notizen und deaktivierte dann
das Padd.
Auf der Tertiärsektion der Community herrschte reges Treiben. Milseya
hatte den Befehl bekommen, sich im Hauptmaschinenraum beim leitenden
Techniker zu melden. Dieser würde ihr dann weitere Anweisungen geben.
Sie machte sich gerade auf den Weg zum Turbolift als eine Hand sie an der
Schulter festhielt. „Darf ich fragen, wer Sie sind?“
Sie drehte sich überrascht um und blickte in zwei verschmitzte Augen, die
sich bemühten ernst dreinzuschauen. „Fähnrich Milseya Anquenar. Ich
wurde als Testpilotin auf die Community befohlen, Sir.“ Der Mann ihr
gegenüber sah auf ein Padd. „Ah ja, richtig. Sie sind zu früh hier, Fähnrich
Anquenar. Wir haben erst morgen mit ihrer Ankunft gerechnet.“ „Es hieß
innerhalb von drei Tagen, Lieutenant. Ich hatte nichts Besseres vorgehabt.“
Er grinste. „So, so. Nun gut. Lt. Cmdr. Orsen ist der Leiter der
Reparaturteams. Er befindet im Hauptmaschinenraum auf...“ „Deck 12. Ich
weiß, Lieutenant. Danke. Ich war schon auf diesem Schiff“, fiel ihm Milseya
ins Wort. Er hob verwundert eine Augenbraue. „In Ordnung. Dann wissen
Sie wohl auch, wo ihr Quartier ist“, erwiderte er. „Ehrlich gesagt, Sir.
Darüber habe ich mir keinerlei Gedanken gemacht“, sagte Milseya. Für
einen winzigen Moment dachte sie an die Besenkammer und musste sich
schwer beherrschen nicht laut in Lachen auszubrechen. Nein, darin würde
sie nur dann wieder übernachten, wenn auch Dorian dort nächtigen würde!
„Vorerst wurde Ihnen ein Quartier auf dieser Sektion zugewiesen“, erklärte
er ihr und nannte ihr die Raumnummer. „Aber machen Sie es sich dort nicht
allzu gemütlich. Sie werden ihr Quartier nämlich ständig wechseln, je
nachdem welche Sektion Sie gerade testen, Fähnrich.“ „Danke für den
Hinweis, Sir.“ Es war logisch. Damit hatte sie gerechnet. „Wäre das dann
alles, Lieutenant?“ „Wegtreten.“ Milseya drehte sich um und ging. Lt. jg
Nathanel McNaughton sah ihr nach. Verdammt, hatte die Kleine strahlend
blaue Augen!
„Fähnrich Anquenar meldet sich wie befohlen, Sir“. Orsen sah irritiert von
einem Padd auf, von denen ein Haufen verstreut auf dem Tisch herum
lagen. „Sie sind zu früh, Fähnrich!“, lautete sein erster Kommentar. „Ich
weiß, Sir.“ Der Mann lehnte sich in seinem Stuhl zurück und betrachtete
eingehend die Haliianerin. Er hatte eine Menge von der Pilotin gehört. Als er
ihren Namen auf der Liste der freien Piloten gesehen hatte, war er der erste
- und bislang einzige - gewesen, der sie sofort angefordert hatte. Ihm war es
schnurz, was sie irgendwo mit irgend jemanden gemacht hatte. Er brauchte
einen fähigen Piloten. Der Rest interessierte ihn ebenso wenig wie die
Farbe der Tischdecken bei der bevorstehenden Hochzeit seiner ältesten
Tochter.
„Erklären Sie mir eines, Fähnrich. Wie kommt es, dass jemand, der zu den
'Zwölf' gehört, nur als Testpilot auf der Liste der Sternenflotte steht?“, fragte
er sie herausfordernd. Milseya schloss kurz die Augen und seufzte innerlich.
Das würde sie wohl immer verfolgen. Hätte sie damals nur nein gesagt! „Ich
war lange weg, Sir. Und dann habe ich aus Rache ein Individuum
eigenmächtig bestraft. Ich denke, ich kann froh sein, überhaupt auf
irgendeiner Liste der Sternenflotte zu stehen, Commander.“ Er nickte.
„Damit keine Missverständnisse aufkommen, Fähnrich. Ich habe Sie
angefordert, weil ich davon weiß. Aus ihrer Akte wurde es entfernt, was aber
nicht bedeutet, dass es niemand weiß. Jeder, der zu den 'Zwölf' gehört, ist
an der Akademie bekannt wie ein bunter Hund. Selbst mein Sohn, der erst
im 1. Jahr an der Akademie ist, kennt bereits deren Namen. Mir ist es
vollkommen gleichgültig, was Sie getan haben. Ich brauche einen Piloten,
die das fliegt, was ich will. Der meine Befehle, gleichgültig wie gewagt oder
abstrus sie sein mögen, widerspruchslos durchführt. Haben Sie damit ein
Problem?“ „Nein, Sir.“ „Ausgezeichnet. Dann kommen wir zu einem weiteren
Punkt. In Ihrer Akte steht, dass Sie regelmäßig einen Councelor aufsuchen
müssen. Bislang ist keiner an Bord. Mit Genehmigung der Sternenflotte
wurde diese Auflage bis auf weiteres aufgehoben. Sobald jedoch ein
Councelor wieder an Bord befindet, treten sie wieder in Kraft.“ „Darf ich
einen Vorschlag machen?“ „Lassen Sie hören!“ „Es ist zwar kein adäquater
Ersatz. Aber ich könnte die Sitzungen über eine Commverbindung mit
meinem bisherigen Councelor weiterführen.“ Orsen dachte kurz nach und
nickte dann. „Einverstanden. Legen Sie die Sitzungen in ihre Freizeit. Die
Dienstpläne sind bereits erstellt. Ich werde nichts mehr daran ändern. Und
wenn wir schon dabei sind, Sie gehören dem Team Alpha, meinem Team,
an. Und entgegen den normalen Dienstplänen, fahren wir hier 12-Stunden
Schichten.“ Er reichte ihr zwei Padds. „Hier sind Ihre Aufgaben und die
Flugpläne verzeichnet. Bereiten Sie sich vor.“ „ Verstanden, Sir“. „Noch
etwas. Übergeben Sie mir ihren Canar, Fähnrich.“ Milseya stutzte gerade so
lange, dass es Orsen mitbekam. „Entweder der Canar oder Sie verlassen
augenblicklich dieses Schiff, Fähnrich!“ Die Haliianerin löste ohne weiteres
Zögern den Gürtel mit der Tasche, in der sich der Canar befand, und
überreichte ihn dem Commander.
„Wegtreten!“
Geschrieben von: Selina Kyle am Jul 7 2005, 19:13
Der Mantel der Nacht hing über Johannesburg. Malcolm McDowell schloß
seine sehr gut laufende Bar ab. Mit schweren Schritten schleppte sich der
übermüdete Mann zu seiner Wohnung die sich nur wenige Meter neben der
Bar befand. Stöhnend zog er sich seine Jacke aus und verharrte
augenblicklich in seiner Bewegung. Ein Schatten stand in seinem
Wohnzimmer. Nur der Mond spendete ein wenig Licht und umrandete den
Schatten mit fahlem Licht. Auch wenn Malcolm kein Gesicht erkennen
konnte, so wusste er doch ganz genau wer dieser Schatten war. Er war ihr
etwas schuldig. Er wusste, daß sie eines Tages zurückkehren würde um
einen Gefallen einzufordern.
„Es ist sehr lange her. Was möchtest du?“
Selina hatte sich kein Stück bewegt, noch nicht einmal gezuckt. Für eine
ganze Weile sah sie stumm zu Malcolm, der nach wie vor ihr Gesicht nicht
sehen konnte.
„Ich benötige einen Transport nach Romulus und genau du bist derjenige,
der mir einen Transport ermöglichen kann.“
„Nach Romulus? Was zum Teufel willst du da?“
„Keine Fragen. Tu es einfach.“
„Schon gut, schon gut. Warte einen Moment.“ Malcolm setzte sich an sein
Nachrichtenterminal und führte einige Gespräche. Nach 15 Minuten hatte er
alles Notwendige organisiert. Er warf Selina ein PADD zu.
„Hier findest du die Koordinaten. Es ist ein Mülltransporter. Mische dich
unter die Crew und du wirst niemanden auffallen. Der Mülltransporter fliegt
direkt ohne Umwege nach Romulus .... in einer Stunde.“
Selina fing das PADD mit der rechten Hand und sah sich die Informationen
an.
„Deine Schuld ist beglichen. Wir haben uns nie gesehen.“
Malcolm wollte ihr antworten, doch der Schatten war bereits verschwunden.
Selina begab sich zu den angegebenen Koordinaten und besorgte sich
einen der Anzüge, die von der Crew getragen wurden. Ihre Sachen
versteckte sie in einer kleinen Niesche. Der Mülltransporter zündete seinen
Antrieb und die lange und stinkende Reise nach Romulus begann .....
------------------------------------------------------------------------------------------------------------Nachricht Nr. 42
Absender: John Gilmore
Empfänger: Milseya Anquenar
Hallo, du treulose Tomate!
Ich hab ja echt keine Ahnung wo du die ganze Zeit steckst. Auf meine
vorherigen Nachrichten hast du zumindest nicht geantwortet. Hast du sie
überhaupt gelesen?
Wie auch immer, das wird erstmal meine letzte Nachricht an dich sein. Ich
werde morgenfrüh nach Betazed aufbrechen um mich in der Trauma-Klinik
von Dr.Rento Nares behandeln zu lassen. Vater hat mir eine Behandlung
mehr als nur ans Herz gelegt. Du kannst dir sicher vorstellen wie ich
anfangs „begeistert“ war aber tief im Innersten weiß ich, daß er Recht hat.
Ich träume fast jede Nacht von unseren Erlebnissen und ich muss zugeben,
daß ich mich nicht ohne Grund in die Arbeit gestürzt habe. Nach unserer
Rettung habe ich (wie du ja weißt) gleich auf der Krankenstation der
Community weitergearbeitet. Ich konnte so meinen Erinnerungen und
Träumen bestens entkommen. Aber das kann auf Dauer keine Lösung sein.
Das habe ich eingesehen.
Aber weißt du wovor ich am meisten Angst habe? Was ist, wenn die Gefühle
die ich für Selina habe, keine echten Gefühle sind? Was ist, wenn sich
herausstellt, daß auch das nur eine Art Zuflucht für mich war? Ich glaube
das würde mich wirklich zerreissen. Ich habe dir ja schon in den anderen
Nachrichten geschrieben, wie ich über Selina mittlerweile denke und vor
allem fühle. Wenn diese Gefühle nicht echt sind, mein Gott, was soll dann
nur werden? Dieses Kribbeln im Bauch wenn ich sie sehe und mit ihr
spreche, mein Herzschlag der schneller und schneller schlägt wenn sie mit
mir spricht – all das wäre dann nur eine Lüge gewesen.
Drück mir die Daumen, daß diese Gefühle echt sind! Ich habe auch das
Gefühl, daß sich was bei Selina wegen mir tut. Ich würde es nicht ertragen,
wenn ich sie enttäuschen müsste ...
Ich könnte noch stundenlang darüber weiterschreiben aber eine Gewissheit
oder eine Antwort würde ich ja doch nicht erhalten. Gewissheit bekomme ich
nur wirklich dann, wenn ich mich in die Hände von Dr. Nares begebe.
Ich hoffe dir geht es gut und du hast gefunden, wonach du gesucht hast.
John
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Jul 8 2005, 15:58
Die Traumhochzeit - Teil 3
Als Jeremiah und sein Vater das Juweliergeschäft betraten, fanden sich in
einer glitzernden Welt voller Halsketten, Ringe, Ohrringe und ähnlichen
Geschmeide wieder, von denen einige nicht von der Erde stammten. Gold,
Silber und andere Edelmetalle hatten zwar innerhalb der Föderation Wert
verloren, aber was man aus ihnen herstellen konnte, erfreute immer noch
die Herzen vieler, besonders die von Frauen. Und natürlich war
goldgepresstes Latinum, eigentlich die Währung der Ferengi, zu dem wohl
wichtigsten Zahlungsmittel im Handel zwischen den einzelnen größeren und
auch kleineren Mächten des Alpha- und Betaquadranten geworden.
Der Besitzer des Geschäfts, ein Rigellaner, hatte die beiden entdeckt und
kam auf sie zu. „Commander, schön sie wiederzusehen.“, begrüßte er David
Esteban, da dieser schon den Verlobungsring für seine Freundin in dem
Geschäft gekauft hatte. Die beiden Männer reichten sich die Hand und
David erklärte: „Mr. Gredokk, das ist mein Sohn Jeremiah. Er hilft mir bei der
Auswahl der Eheringe.“ Jerry lächelte und reichte dem Rigellaner ebenfalls
die Hand.
Dieser forderte die beiden Estebans auf, ihm zu folgen und führte seine
Kunden zu einen Verkaufstisch. Dort zog er eine Palette mit, seiner Meinung
nach, geeigneten Stücken aus einen Unterschrank und stellte sie auf den
Tisch. David sah sich jedes Paar genau an, aber seinen Sohn wurde ganz
schnell langweilig. „Ich schaue mich mal ein bisschen um.“
Jeremiah näherte sich zögerlich einen Ständer von denen einige Halsketten
herunterhingen, als er von der Seite angesprochen: „Kann ich ihnen helfen.“
Der Lieutnant sah in die Richtung, aus der Stimme kam und entdeckte eine
ältere Frau, die anscheinend zum Personal gehörte. „Ähm ja. Ich suche ein
Geschenk für meine Freundin.“ Die Frau lächelte: „Das sagen viele Männer
in ihren Alter. Suchen sie etwas bestimmtes.“ Jerry überlegte: „Eine
Halskette, vielleicht mit einen Anhänger.“ „Das grenzt die Suche etwas ein.
Können sie mir vielleicht etwas über die Interessen ihrer Freundin sagen?“
„Sie mag fast alle Arten von Sportarten die man im und am Wasser
betreibt.“, erwiderte der junge Offizier wie aus der Pistole geschossen.
Die Angestellte nickte: „Da habe ich was. Wie wäre es mit einer Kette mit
einen Delphinanhänger?“ Jeremiah schaute skeptisch: „Das wäre eher was
für die Schwester meiner Freundin, denn die ist Biologin. Was Schickes für
eine Quantenphysikerin haben sie nicht.“
Die Frau holte tief Luft und dachte nach: „Physiker sind solche nüchterne
Leute. Wie wäre es mit einen herzförmigen Edelstein als Anhänger?“
Aber der Lieutnant war immer noch nicht zufrieden. „Das schenkt doch
heutzutage jeder. Ich möchte etwas einzigartiges.“ „Sie sind ein schwieriger
Kunde, Mr ... ?“ „Esteban, Jeremiah Esteban.“ „Okay Mr. Esteban, wir
werden schon noch etwas passendes für ihre Freundin finden.“
Sie führte Jeremiah zu einen Glasschrank. Dort erregte etwas seine
Aufmerksamkeit, denn ein Art Amulett änderte plötzlich seine Farbe von
grün auf blau. „Was ist denn das?“. wollte er wissen. Estelle Mendez, die
Angestellte des Schmuckgeschäft, runzelte die Stirn: „Wir haben das vor
etwa einen Monat von einen Geschäftsfreund bekommen. Und er hat es
wiederum von einen yridiansichen Händler. Wir haben es gescannt und es
scheint für Menschen ungefährlich zu sein. Aber wir wissen nicht, wieso es
die Farbe ändert.“ Jeremiah lächelte: „Das ist perfekt. meine Freundin wird
das bestimmt gerne herausfinden wollen.“
Er kehrte mit seinen Schatz zu seinen Vater zurück, der immer noch keine
Eheringe ausgewählt hatte. „Gut das du kommst, Jerry.“, bemerkte David
Esteban. „Ich habe hier drei Paar Ringe zwischen den ich mich nicht
entscheiden kann.“ Sein Sohn besah sich die drei Paar. Die Ringe für
seinen Vater waren mehr oder weniger identisch. Alle drei waren aus Gold,
ohne irgendwelche Steine und unterschieden sich nur in der Gravur.
Dafür sah jeder der drei Gegenparte unterschiedlich aus. Der erste war reich
verzirrt und erinnerte den Lieutnant irgendwie an Nenya, einen der drei
Elbenringe aus „Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien. In den zweiten war ein
kleiner Diamant eingefasst und im dritten fand sich ein Rubin.
Leider konnte sich Jerry auch nicht sofort entscheiden. Also testete er, wie
die Ringe auf einen seiner Finger aussahen. Nur passten die auf den
kleinen Fingern seiner linken Hand. Aber nach ausgiebiger Betrachtung
hatte er sich für den Ring mit dem Diamanten entschieden.
Wenig später verließen die beiden Männer zufrieden das Geschäft. David
drückte seinen Sohn das Kästchen mit den Trauringen in die Hand und
mahnte dazu: „Verliere sie bloß nicht.“ „Das werde ich nicht.“
Beim Gleiter angekommen, warf Jerry seinen Vater die Codekarte zum
Öffnen und Starten des flugfähigen Gefährtes zu. „Hast du eingesehen,
dass ich der bessere Gleiterpilot von uns beiden bin.“, bemerkte dieser und
öffnete das Fahrzeug. „Nein, Dad. Aber es ist besser wenn du fährst. Deine
Kritik an meinen Fahrstil stört einfach.“ Da konnte das Oberhaupt der
Familie Esteban nichts entgegnen.
***************************************************************************
Zur selben Zeit waren auch Elizabeth, Hanni, Rebecca und Samuel
unterwegs. Rebecca schob den Kinderwagen mit dem schlafenden Samuel
und bemerkte: „So sind mir die Männer am liebsten. Einfach einschlafen,
wenn es länger dauert.“ Sie deute mit dem Kopf auf die Schachtel mit
Elizabeths Schuhen, die sie gerade gekauft hatten und fügte hinzu: „Jerry
hätte nach spätestens einer halben Stunde darüber gemeckert, dass wir
Frauen uns nicht entscheiden können.“ „Aber wie kämen wir nur manchmal
ohne sie aus?“, bemerkte Hanni. „Außerdem brauchen sie, wenn sie so alt
sind wie Sam, auch viel Fürsorge.“ fügte Elizabeth hinzu.
„Männer sind eben nicht perfekt.“, erklärte Hanni. „Und das ist auch gut so.
Sonst könnten wir nicht über sie lästern.“
Gerade kam die Gruppe an einen Geschäft vorbei, in dessen Schaufenster
einige Kleider hingen. „Da müssen wir unbedingt reingehen.“, entschied
Hanni. „Wieso?“, wollte Rebecca daraufhin wissen. „Weil ich ein neues Kleid
brauche.“ Als sie die fragenden Blicke bemerkte, fügte Hanni ein: „Für die
Hochzeit.“, hinzu.
„Ich brauche kein Kleid.“. bemerkte Rebecca bestimmt. Etwas verwundert
wurde sie von der Freundin ihres älteren Bruders angesehen: „Sag bloß, du
willst in Galauniform auftreten.“ „Wieso denn nicht. Dad und Jerry werden
das doch sicher auch tun.“ „Bei den beiden sieht das ja noch ganz ordentlich
aus, aber bei einer Hochzeit ist die Galauniform für uns Frauen ganz
unpassend. Glaub mir, ich weiß wovon ich rede.“ Sie seufzte kurz: „Wann
wird endlich mal eine vernünftige Galauniform für Frauen entworfen. Es
muss ja kein Kleid sein, aber in einen Rock würden sich bestimmt viele
weibliche Offiziere wohler fühlen.“
Jedenfalls hatte sich auch Rebecca mit dem Gedanken angefreundet und
so betraten alle das Geschäft. Hanni entdeckte sofort ein Kleid das ihr sehr
gut gefiel. Nur gab es das leider nicht in ihrer Größe. Rebecca hingegen
musste dagegen etwas länger suchen.
Eine dreiviertel Stunde und zwei Kleider, die Hanni in der Zwischenzeit
anprobiert hatte, später, tauchte das noch einzige weibliche Familienmitglied
der Estebans wieder auf und erwartete einen Kommentar zu dem von ihr
ausgewählten Kleid. Elizabeth war regelrecht schockiert und Hanni
bemerkte, nachdem sie Rebecca umrundet hatte: „Von hinten sieht es ja
noch halbwegs ordentlich aus, abgesehen davon das es etwas zu kurz ist.
Aber von vorne wirkt es, als würdest du an einen Dabotisch arbeiten.“ Und
Elizabeth fügte, nachdem sie ich von dem Schock erholt hatte: „So lässt dich
den Vater bestimmt nicht auf der Hochzeit erscheinen.“
Mit einen grummelnden: „Danke. Sehr nett.“, verkrümelte sich Rebecca
wieder. Elizabeth seufzte: „Solche Anfälle hat sie in letzter Zeit öfters. Vor
ein paar Wochen hatte sie sich zu einen Date mit Vrad so sehr geschminkt,
dass sie wie ein Clown aussah. Und dabei ist sie doch mit ihren 19 Jahren
fast aus dem schwierigen Teenageralter raus.“
„Ich werde mal schauen, ob ich noch woanders in dem Laden ein hübsches
Kleid finde. Vielleicht läuft mir Rebecca über den Weg.“, bemerkte Hanni,
die einen Verdacht hatte. Sie verließ Elizabeth und Samuel und bahnte sich
einen Weg durch das Labyrinth aus Kleiderständern.
Wenig später hatte sie die Vermisste gefunden, welche schmollend an einer
Wand lehnte. Hanni tat so, als würde sie ein Kleid suchen und bemerkte
beiläufig: „Hier steckst du also. Na, noch eingeschnappt.“ „Na was denkst du
denn.“, grummelte Rebecca. Hanni nahm ein pinkfarbenes Kleid vom
Kleiderständer und bemerkte: „Komm sei ehrlich. Diese grüne Etwas hat dir
wohl nicht wirklich gefallen.“
Sie hängte das Kleid wieder zurück da es ihr zu groß war, als Rebecca
wütend erwiderte: „Du glaubst wirklich, mich so gut zu kennen, um zu
wissen, was mir gefällt und was nicht?“ Hanni nickte und erklärte ungerührt:
„Erstens kann ich andere Menschen gut einschätzen. Zweitens hat mir Jerry
einiges über dich erzählt und drittens habe ich auch eine kleine Schwester.“
Rebecca zählte langsam in Gedanken bis zehn um sich wieder zu
beruhigen. „Du hast doch nur eine Zwillingsschwester?“ „Und die ist 20
Minuten jünger als ich.“, ergänzte Hanni lachend.
Plötzlich wechselte Jeremiahs Freundin das Thema: „Sag mal, Vrad kommt
doch zur Hochzeit?“ Als Rebecca nickte, war für Hanni alles klar. Doch sie
sagte nichts und wartete ab.
„Du hast recht, dass das Kleid nicht unbedingt meinen Geschmack. Aber ich
wollte Vrad damit becircen.“ Rebecca seufzte: „Vrad und ich sind fast neun
Monate zusammen, aber nach jedem Date, verabschiedet er mich vor der
Haustüre und lässt sich zurück zur Unterkunft der Kadetten auf dem
Campus der Akademie beamen. Wir sind übers küssen noch nicht hinaus
gekommen und das frustriert mich.“
Hanni grinste in sich hinein, da sie wieder einmal recht gehabt hatte. „Sag
mal, wie viel weißt du denn über Andorianer.“ Rebecca überlegte und
erwiderte: „Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern der Föderation und
sind eine kriegerische Spezies. Ihre Fühler sind eine Art
Multifunktionssinnesorgane, mit denen sie auch farblich sehen.“ Sie kicherte
und bemerkte: „Vrad ist türkis-gelb farbenblind.“
„Das sind zum größten Teil Allgemeinplätze die man in der Schule lernt.
Was ist mit ihrer Sozialstruktur?“, kritisierte Hanni. „Sie sind in Häusern
organisiert, die vom ältesten Mann der Familie geleitet werden.“ „Mehr
nicht?“ Rebecca grinste schuldbewusst und erwiderte: „Ich will Pilotin
werden und kein Experte für Interspezieskonflikte.“ „Trotzdem solltest du
dich für den kulturellen Hintergrund deines Freundes interessieren.“
Rebecca nickte nachdenklich: „Weißt du denn etwas über Andorianer, was
Vrads Verhalten erklären könnte?“ Hanni lächelte: „Und ob. Bei den
Andorianern ist nämlich Sex vor der Ehe verpönt.“ „In welchen Jahrhundert
leben die denn?“ „Dafür besteht aber eine andorianische Ehe auch aus vier
Personen.“, fügt Hanni grinsend hinzu.
Rebecca schaute die Freundin ihre Bruders an, als ob sie Witze machen
würde. Doch das war nicht der Fall. „Woher weißt du soviel über die
Blauhäuter.“ „Meine direkte Vorgesetzte auf der Community, Lt. Cmdr.
Shral, ist Andorianerin. Als sie an Bord kam, habe ich mich natürlich sofort
über ihre Spezies informiert. Was glaubst du wie überrascht ich war, als sie
uns eröffnete, dass sie auf Vulkan aufgewachsen ist.“
Die beiden jungen Frauen kicherten leise. „Ich glaube, wir sollten uns nun
endlich jeweils ein Kleid aussuchen, dass wir zu der Hochzeit tragen
werden.“, bemerkte Hanni. „Da hast du recht.“, erwiderte Rebecca.
Nach einer halben Stunde hatten die beiden etwas passendes gefunden.
Hanni hatte sich für weites hellblaues Kleid mit Spaghettiträgern
entschieden, zu welchen auch noch ein farblich passendes Bolerojäckchen
gehörte. Rebecca war von einen türkisfarbenen Kleid mit kurzen Ärmeln und
einen Reifrock angetan gewesen.
Auch Elizabeth an der Wahl der beiden nichts auszusetzen gehabt. Nur der
mittlerweile wieder muntere Samuel hatte scheinbar kritisch geguckt. Aber
was verstand ein Kleinkind schon von Mode. Jetzt fehlten nur noch
Accessoires wie farblich passende Schuhe und Ohrringe.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jul 8 2005, 22:22
Selbst die Computersimulation der Experimente erwies sich als schwerfällig,
der Schiffscomputer weigerte sich zuerst sogar Vinaras Programme
auszuführen.
"Da sehen Sie's, selbst unser Betriebssystem ist noch auf dem Stand der
letzten Generation", meinte die Chefingenieurin, "ich sag es Ihnen mal ganz
ehrlich: Wenn ich die Chance hätte auf der Community zu arbeiten würde
ich sofort zuschlagen."
"Das dürfte sich womöglich sogar einrichten lassen, ich weiß gar nicht was
unser derzeitiger Chefingenieur im Moment so treibt, schlimmstenfalls hat
auch er den Dienst quittiert... Aber andererseits dürfte die Arbeit auf solch
einem alten Schiff auch eine gewisse Herausforderung darstellen. Wenn ich
meine Beziehungen spielen ließe könnten Sie vielleicht sogar schon bald
bioneurale Relais kriegen", entgegnete Vinara.
Briceburry lachte. "Schön wär's ja, aber was nützt uns die neueste
Biotechnologie wenn der Rest schon kurz vor dem Auseinanderbrechen
steht? Nein, nur noch ein Jahr, allerhöchstens zwei und die Schweizer wird
endgültig ausgemustert."
"So schlimm kann es doch nicht sein, die letzte Generalüberholung liegt
gerade mal fünf Jahre zurück soweit ich mich informiert habe."
"Ach, so general war die gar nicht. Ansonsten hätten wir schon damals
Gelpacks gekriegt. - Ach ja, ich habe Ihre Programme angepasst so dass
sie auch unter dem alten LCARS laufen. Allerdings dürfte die Durchführung
Ihrer Simulationen mindestens doppelt so lange dauern wie an Bord der
Community und das auch nur nachdem ich die Zentralprozessoren alles
andere als vorschriftsgemäß übertaktet habe. Ich habe zwar auch noch zwei
große Platinen mit multitronischen Schaltkreisen auf Lager, aber von deren
Einsatz würde ich dringend abraten."
"Sind diese Objekte nicht illegal?"
Wieder lachte die Ingenieurin. "Wenn man sie in die Bordsysteme eines
Sternenflottenschiffs integriert schon, aber als Sammlerobjekte haben sie
allemal einen gewissen Wert und lose sind sie auch vollkommen harmlos. Also dann, ich verkrümel mich wieder in den Maschinenraum, wenn Sie was
brauchen rufen Sie mich einfach. Und passen Sie auf die Prozessorkühlung
auf, wenn die nur für ein paar Sekunden ausfällt brennt uns womöglich das
gesamte Bordsystem durch."
"Ihnen dürfte doch klar sein dass ich als Erster Offizier diese alles andere
als harmlosen Veränderungen eigentlich melden müsste?" Vinara machte
diese Bemerkung ohne die Miene zu verziehen oder den Tonfall ihrer
Stimme zu ändern.
Entsprechend gereizt klang die Antwort der Erdenfrau: "Tun Sie das und Sie
werden Ihre Berechnungen hier an Bord nur noch mit einem duotronischen
PDA durchführen."
"Keine Sorge, ich wollte nur humorvoll sein, selbst mit dem Kopf könnte ich
schneller rechnen als ein duotronischer Handcomputer."
"Alles Klar, Chefin!", grinste Briceburry und verließ das Wissenschaftslabor.
Stunden waren seitdem vergangen und noch immer war nichts Konkretes
herausgekommen. Die Taktrate der modifizierten Prozessoren hatte
mehrmals reduziert werden müssen um das Kühlsystem nicht zu überlasten;
die Programme in ihrer Struktur zu vereinfachen kam Vinara nicht in den
Sinn, da für Assjimas Experimente nur höchste algorithmische Effizienz in
Frage kamen. So konnte es aber noch Tage dauern bis da was rauskam,
selbst mit den Bordrechnern der Community wären die Simulationen wohl
kaum kürzer gewesen als ein real durchgeführtes Experiment.
Ihre Aufgaben als Erste Offizierin vernachlässigte die Andorianerin
deswegen aber keineswegs, sie konnte sie leicht nebenbei erledigen.
Nur Captain Barnhelm schien enttäuscht darüber zu sein dass sie sich so in
ihre Arbeit als Wissenschaftlerin stürzte. Zwei Tage nach dem Start der
Simulationen kam er zu ihr ins wissenschaftliche Labor. "Ich weiß,
Commander, Vinara, dass dies ein Forschungsschiff ist, aber ich hätte da
einen interessanten rom... altmodischen Film den ich Ihnen auf dem
Holodeck zeigen wollte, in einer authentischen Atmosphäre..."
"Selbst wenn ich Zeit hätte befürchte ich die Berechnung der holografischen
Bilder würde dem Hauptkomputerkern den Rest geben."
"Ach deshalb ist das Holodeck außer Betrieb? Commander, warum
vereinfachen Sie nicht Ihre Algorithmen oder senden die Daten an eine
Einrichtung mit mehr Kapazität?"
"Es reicht schon wenn ich die reale Durchführung der Experimente der
vulkanischen Akademie der Wissenschaften überlasse, wenigstens die
Simulation muss ich selbst durchführen, das bin ich Assjima schuldig. Denn
sie wollte dass ich mich um die Sache kümmere."
Barnhelm seufzte. "Aber Sie können doch ohnehin nicht viel tun solange der
Computer am Rechnen ist. Wie wär's, soll ich Kurs auf Risa setzen lassen?"
"Wenn Sie es für richtig erachten, warum nicht? Aber lassen Sie mich bei
meiner Arbeit, ich muss immer wieder eine Datenabgleichung und
gegebenenfalls eine Korrektur vornehmen."
"Dann sehen Sie aber wenigstens regelmäßig in Ihrem Postfach nach, es ist
eine neue Nachricht für Sie eingetroffen."
"Tatsächlich?" Vinara ging an ein freies Terminal und rief die besagte
Nachricht von dort auf. "Interessant, mein neuer Schützling scheint also
Ernst zu machen. Sie wissen schon, der Bioingenieur von dem ich Ihnen
erzählt habe, Fähnrich van Richthoven. Er hat ein Thema für seine
Doktorarbeit eingereicht und ich als seine Abteilungsleiterin werde
routinemäßig darüber informiert. Wenn er so weitermacht hat er bald
vielleicht mehr Doktortitel als ich! - Ja, ich könnte eigentlich auch mal wieder
promovieren, wenn ich nur wüsste worüber... Die Sache hier ist zwar
überaus interessant, dürfte aber noch Jahre weiterer Forschung benötigen."
Der Captain seufzte. "Was kann ich nur tun um Ihnen das Leben ein wenig
angenehmer zu gestalten, immer nur arbeiten, das hält doch kein Mensch
aus, auch kein Andorianer!"
"Nur noch ein paar Tage, dann dürften auch die ersten Ergebnisse von
Vulkan vorliegen."
Geschrieben von: Bjørn Niels van Richthoven am Jul 9 2005, 18:30
„VERFLUCHT!“
Die Teammitglieder zuckten wie unter einem Peitschenschlag zusammen.
„Computer! Simulation beenden!“ Orsen war vom Kommandostuhl
aufgesprungen. Er kochte vor Wut. Sein Gesicht war tiefrot angelaufen,
während seine Augen bedrohlich jedes Mitglied des Team Alpha
anfunkelten.
„WAS ZUR HÖLLE IST MIT IHNEN ALLES LOS?“ polterte er ungehalten
los. „Das hier ist eine einfache Simulation. Jeder Frachter besteht diese im
ersten Anlauf! Aber wir hängen hier schon seit Stunden fest! VERDAMMT!
KONZENTRIEREN SIE SICH ENDLICH MAL! “, brüllte Orsen zornig sein
Team an. „Was ist mit Ihnen?“, fragte er ungehalten, als er sah, wie
Fähnrich Myers sich krampfhaft an der OPS-Konsole festhielt. „Sir, mir ist
irgendwie schwindelig.“, antwortete dieser schüchtern. „Dann hauen Sie ab.
Melden Sie sich auf der Krankenstation. Vorher sorgen Sie gefälligst für
einen Ersatzmann. Na los, Bewegung, Fähnrich!“
Orsen drehte sich um zum Sichtschirm. „Also, Herrschaften!Woran lags
diesmal? CONN?“
Milseya zählte in Gedanken gerade langsam bis zwölf. Angeblich sollte das
dabei helfen, wenn man wütend war, nicht gleich das Erstbeste zu sagen ..
zehn, elf, zwölf - es half nicht! „Keine Fehlermeldungen von der CONN!“,
zischte Milseya wütend. Orsen sah auf den verkrampft wirkenden Rücken
des Fähnrichs. „Irgendwelche Probleme, Fähnrich?“, herrschte er sie an.
Milseya atmete einmal tief durch, bevor sie sich zornig umdrehte. „Bei allem
Respekt, Sir. Wir alle sind erschöpft! Wie Sie schon sagten - wir hängen hier
schon seit Stunden. War es denn wirklich nötig, den Fähnrich so von der
Brücke zu jagen?“
„Wollen Sie mir etwa sagen, wie ich meine Leute zu behandeln habe?“,
brüllte er. Ging das schon wieder los? Für wen hielt sich die Kleine
eigentlich?
„Nein, Sir. Aber wir wiederholen das Ganze immer und immer wieder, ohne
richtig nach dem Fehler zu suchen. Wir verändern, passen an und dennoch
sind wir jedes Mal am Ende der Simulation tot!“, gab sie gereizt zurück.
„Womöglich liegt es am Piloten? Vielleicht sind sie nicht so gut, wie Sie
glauben, Fähnrich!“, gab Orsen zurück, während er sich wutentbrannt ihrer
Station näherte.
„Dann tauschen Sie mich aus, Commander!“, fauchte Milseya. „Aber das
wird nichts ändern! Der Fehler liegt im System“, fuhr sie fort, als sie sich
demonstrativ von ihrem Stuhl erhob.
Orsen schnaubte auf. „Wie können Sie es wagen! Das System ist perfekt!
Ich werde mir doch von jemanden wie Ihnen, der von Technik nicht die
geringste Ahnung hat, sagen lassen, dass ich Mist gebaut habe!“ schrie er
sie an.
Das wars. Jeglicher Rest von Selbstbeherrschung bei Milseya war dahin wieder einmal. „Jetzt reichts!“ brüllte sie zurück. „Es gibt kein perfektes
System! Das Schiff kann das Manöver nicht fliegen, weil das System Mist
baut - finden Sie sich damit ab. Mir ist es sowas von egal, ob Sie das waren
oder jemand anders. Es funktioniert nicht. Und das liegt nicht am Team und
nicht am Piloten, sondern daran, dass irgendeine ihrer ach so tollen
Änderungen oder Neuerungen einfach alles blockiert! Schluss! Aus!“,
herrschte sie ihn an.
Ja, es war wieder soweit! Zum x-ten Mal an diesem Tag gerieten sie sich die
Beiden nun bereits in die Haare. Standen sich wie zwei Kampfhähne
gegenüber und blafften sich an. Immer wieder hatte die Pilotin etwas zum
Aussetzen gehabt. Sei es nun die Flugpläne, die Kontrollen oder die
Sensoren. Jedes Mal stritten sich die Beiden erbittert bis aufs Blut - und
fanden dabei Lösungen, an sie nie gedacht hätten. Orsen war beeindruckt,
aber Widerspruch nicht gewohnt. Seine Teammitglieder duckten sich und
ertrugen seine häufigen Wutanfälle - insbesondere wenn etwas nicht
klappte. Sie sprachen nie laut aus, was sie dachten. Sie machten ihren Job.
Mehr verlangte er auch nicht von ihnen. Mögliche Lösungen wurden nie
besprochen, sondern immer gleich umgesetzt. Doch Anquenar duckte sich
nicht. Sie bot ihm die Stirn, sie sprach laut aus, was sie dachte, widersprach
ihn ständig, wenn ihr etwas nicht passte. Damit war sie die perfekte
Besetzung für diesen Job! Sie erkannte die Probleme von der anderen Seite
- von der des Piloten - noch bevor die Sektion überhaupt richtig flog ... nur
an ihrem Tonfall und der Lautstärke musste sie noch arbeiten, daran
bestand überhaupt kein Zweifel!
Der Commander setzte gerade dazu an, die zweite Wutwelle auf den
Fähnrich herab donnern zu lassen, als er das deutliche Räuspern hörte.
Verärgert darüber, dass ihn jemand bei seiner neuen und äußerst effektiven
Lieblingsbeschäftigung störte, drehte er sich um und blaffte den jungen
Mann an.
„Was wollen Sie?“
"Fähnrich van Richthoven, melden sie sich sofort auf dem Holodeck auf der
Tertiärsektion! Es wird Ersatz bei der Simulation benötigt." wurde
durchgegeben. Niels sah seinen Kollegen Naswan an und zuckte mit den
Schultern. Was sie jetzt wieder von ihm wollten? "Hier van Richthoven, ich
bin auf dem Weg." bestätigte er den Befehl. "Bis später!" verabschiedete er
sich von dem Ingenieurskollegen und ging zum Turbolift. Holodeck 3 war
das Ziel. Der Computer lies ihn eintreten. Zunächst war er erstaunt. Er
konnte ein lautes Gebrüll aus dem Raum hören. Um so überraschter war er,
dass Milseya im Raum war. Er nahm Haltung an und räusperte sich. Der
Mann drehte sich um und sah ihn an. Niels hatte eigentlich keine Lust auf
einen stressreichen Tag. "Was wollen sie?" schallte ihm entgegen. "Ensign
van Richthoven meldet sich zur Stelle, Sir. Sie brauchen Ersatz bei der
Simulation!" antwortete er.
Milseya fuhr überrascht herum, als sie Niels Stimme hörte. Mit offenem
Mund starrte sie ihn. Niels! Was tat er denn hier? Orsen war die Reaktion
des Fähnrichs nicht entgangen - scheinbar kannte sie diesen van
Richthoven. Na um so besser, dann würde sie vielleicht nicht gleich wieder
so ausrasten. „An die OPS, van Richthoven. Wir wiederholen die Simulation
Alpha Strich 3. Stationen Bereitschaft melden! Das gilt auch für Sie,
Anquenar!“, herrschte er Milseya an, die immer noch wie versteinert
dastand.
Milseya schien noch überraschter zu sein, als er selbst. Und anscheinend
hatte sie schon ein besonderes Verhältnis zum Leiter erreicht. An die OPS
sollte er gehen, also stieg er die drei Stufen hinab. "Aye, Sir!" bestätigte er.
Er setzte sich und blickte Milseya an. Er hatte viele Fragen an sie, über das
was nach der Rückkehr zur Erde geschehen war. Aber jetzt hieß es erst mal
arbeiten.
Die Haliianerin fing sich langsam und setzte sich auf ihren Stuhl.
„Willkommen in der Hölle!“, flüsterte sie Niels zu und lächelte ihn strahlend
an. Dann wandte sie sich ihrem Display zu und gab das Flugmanöver ein:
Deadeye, Barrel, Immelmann und anschließend Zoom mit Warp. „CONN,
bereit!“
Niels konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Dann folgte er ihrem Beispiel.
Er verschaffte sich kurz einen Überblick über die Simulation und die
Einstellungen an seiner Konsole, soweit sah auf den ersten Blick alles ganz
gut aus. "OPS, bereit!" meldete er. Die anderen Stationen folgten:"Technik,
bereit!" "Taktisch, bereit!" "Wissenschaft, bereit!" Dann konnte es losgehen.
„Beschleunigen!“ Orsen saß auf dem Kommandostuhl und verfolgte die
einzelnen Manöver. Der Deadeye-Angriff war äußerst exakt (wie die Male
zuvor auch), Barrel sauber geflogen, der Immelmann beinahe schon perfekt
- und nun der Knackpunkt: der Zoom bei Warp. Er beobachtete, wie
Milseyas Finger über ihre Konsole flogen, um das Trägheitsdämpfungsfeld
aufrecht zu erhalten. Die Daten auf seinem Display zeigten ihm an, dass sie
wirklich ganze Arbeit leistete - aber es reichte nicht! Nur Sekunden später
ertönte zum inzwischen 19. Male der Alarm, dass die Sektion zerstört
worden war. „Bericht!“, brüllte Orsen zornig.
Der Commander sah zu Niels hinunter. Wenn er sich doch mal beruhigen
würde. "Sir, bis zum Zoom läuf alles perfekt. Der Impulsantrieb ist genau auf
die Steuerdüsen abgestimmt und funktioniert effizient. Aber bei Warp gibts
eine Diskrepanz, das Schiff scheint zu zittern, was es eigentlich nicht sollte.
Das könnte an den Feineinstellungen am Warpreaktor liegen oder an der
Konfigurationssoftware." erstattete er Bericht. Die Antwort schien dem
Commander nicht unbedingt zu gefallen. "Das bei Impuls alles funktioniert
sehe ich selbst!" fuhr er Niels an.
Milseya sah grinsend zu Niels und verdrehte die Augen, bevor sie ihren
Bericht erstattete. „Manöver 1 bis 3 korrekt durchgeführt, Impuls und
Steuerdüsen online und in Funktion, Warpantrieb online und in Funktion,
Trägheitsdämpfungsfeld versagt bei 40 Zoom. Fehler nicht erkennbar, Sir!“
Der Commander war immer noch außer sich. Er wandte sich jetzt dem
Ingenieur an der technischen Station zu. "Was ist mit den Einstellungen am
Warpantrieb?!" Der Techniker zuckte. Dann meinte er: "Das Warpantrieb
funktioniert innerhalb der errechneten Toleranz, die Einstellungen sind
korrekt geladen."
Milseya seufzte lautlos und betrachtete ihr Display. Irgendwo war der Fehler
- nur sie alle sahen ihn nicht! So langsam hatte sie gehörig die Schnauze
voll! Sie starrte auf die Anzeigen, alles war korrekt. Was machten sie falsch?
Sie schloss ihre Augen, versuchte die wutentbrannte Stimme Orsens, der
hinter ihr tobte, auszublenden. Impuls und Steuerdüsen online und in
Funktion .. die Manöver waren sauber. Erst beim Zoom in Warp, brach alles
zusammen. Sie stutzte. Sie rief die letzte Simulation auf ihrer Konsole auf
und zuckte zusammen. „Seit wann sind die Steuerdüsen und der
Warpantrieb gleichzeitig online?“ fragte sie überrascht.
Der Commander sah zurück zu Milseya. Hatte sie die Spezifikationen der
Simulation nicht richtig studiert? "Das ist schon in Ordnung, das ist eine der
Neuerungen bei diesem Upgrade. Das ist aber kein Problem. Die
Steuerdüsen behindern den Warpantrieb bei den neuen Spezifikationen
nicht und sollen den Übergang von Warp auf Impuls sanfter gestalten."
führte er stolz seine Konfiguration aus und sah sie streng an. Niels dachte
über die Worte Orsens nach. Könnte das die Ursache sein? Er wandte sich
wieder der Konsole zu und startete einige Berechnungen.
Milseya schüttelte unwillig den Kopf. „Sanfter? So wie eben? Die
Steuerdüsen sind nicht nur nutzlos beim Warpantrieb, Sir, sie behindern ihn
regelrecht!“ „Das alles wurde beachtet, Fähnrich. Halten Sie uns alle für
Idioten? Unsere Berechnungen zeigen, dass die Effizienz nicht
beeinträchtigt wird“, fuhr er sie an. Was für ein Dickkopf! Milseya straffte ihre
Schultern. „Und die Sicherheitsbackups?“, fragte sie aufbrausend. Orson
blieb die Spucke weg.
Niels dachte nach. Konnte Milseya recht haben? Ja, das konnte es sein. Er
rief auf seiner Konsole die Sicherheitsbackups auf und sah sich die
Programmierung an. Das war nicht unbedingt sein Spezialgebiet, aber er
fand eine Stelle, die ihm komisch vorkam. Er blickte sie an und meinte:
"Milseya, hier die Stelle könnte es sein. Was meinen sie?"
Die Haliianerin sah sich die Daten an und begann zu grinsen. Dann sah sie
zu Orsen. „Ihre Berechnungen sind alle korrekt, Commander! Ihr Team und
der Pilot haben hervorragend gearbeitet, Sir. Aber das Schiff ist schlauer,
als wir alle zusammen!“ Orsen trat zu der Konsole und sah sich die Backups
an. Seine Augen wurden zu kleinen Schlitzen, während er begann
dämonisch zu grinsen. Er sah die Haliianerin an, dann den Menschen.
„Alle an ihre Stationen! Simulation Alpha Strich 3. Computer!
Sicherheitsbackups außer Kraft!“, brüllte er, während er sich entspannt auf
den Kommandostuhl setzte. „Beschleunigen!“
„Aye, Sir“, bestätigte Milseya und nickte Niels zu.
Niels nahm ihr Nicken zur Kenntnis und zwinkerte ihr zu. Sie waren ein
gutes Team, fand Niels. Er machte sich bereit und verfolgte die Daten auf
seiner Konsole, als das Manöver erneut ausgeführt wurde.
Die Simulation begann wie zuvor. Deadeye, Barrel und Immelmann - keine
Probleme. Dann stieg das Schiff in den Zoom... Alle Teammitglieder hielten
den Atem an. Bis auf die simulierten Schiffsgeräusche war nichts zu hören.
Milseya spürte die Anspannung bei allen Mitgliedern - inklusive Niels, der
neben ihr saß. Sie beobachtete die Daten des Trägheitsdämpfungsfeld und
begann zu lächeln. Sie erhöhte die Warpgeschwindigkeit bis ... „Zoom
durchgeführt, Sir. Das Schiff hat die vorgegebenen Endkoordinaten
erreicht“, meldete die Pilotin ruhig und drehte sich grinsend zu Orsen um.
Langsam entspannte sich Niels. Diesmal war alles glatt gegangen. Dann
drehte auch er sich zum Commander um. Auf seinem Gesicht konnte man
Freude erkennen. Freude darüber, dass seine Spezifikationen
funktionierten. Er sah jetzt viel freundlicher aus. Niels erstattete Bericht:
"Commander, alle Systeme haben innerhalb der vorgegebenen Parameter
funktioniert." "Danke, Ensigns!" meinte er.
Das erleichterte Aufatmen der restlichen Teammitglieder war allerdings
verfrüht. „Wer zum Teufel ist für die Sicherheitsbackups zuständig?“ Orsen
hatte sich erhoben und zu diesen umgedreht. Betretenes Schweigen. Er
kniff die Lippen zusammen. „Gut! Das werde ich schon herausfinden. Und
dann Gnade ihm Gott!“, zischte er. „Eine Stunde Pause für alle! Raus hier,
bevor ich mich vergesse!“
Milseya erhob sich langsam von ihrem Platz und wandte sich an Niels.
„Schnell, bevor er es sich noch anders überlegt. Ich sterbe vor Hunger!“
Niels folgte ihr. Auch er konnte einen Bissen vertragen. Er bemitleitdete
denjenigen, der den Fehler gemacht hatte, er würde noch mächtig Ärger
bekommen. Niels und Milseya waren mitlerweile auf dem Korridor in
Richtung Casino unterwegs. Die Pause würde ihnen gut tun. Während des
Essens könnten sie in Ruhe plaudern.
„Computer, eine heiße Tomatensuppe!“ bestellte Milseya ihre erste Mahlzeit
des Tages. Zum Frühstück war sie nicht gekommen . Sie hatte verschlafen,
weil sie noch bis spät in die Nacht die Briefe von John gelesen hatte.
Irgendwie hatte sie sich nicht davon losreißen können. „Wollen wir uns ans
Fenster sitzen?“, fragte sie Niels.
"Eine gute Idee." entgegnete er und bestellte beim Replikator ein Sandwich
mit Käse, Salat und Ei belegt. Sie nahmen an dem Tisch platz. Niels blickte
aus dem Fenster auf das Raumdock. Balb würde man wieder einen freien
Blick auf die Sterne haben. Darauf freute er sich, doch jetzt war er hier mit
Milseya beim Essen. Er nahm einen Bissen.
Milseya seufzte, als sie den ersten Löffel Suppe zu sich nahm. „Oh, das tut
gut!“ Als Niels sie verwundert ansah, grinste sie. „Du hattest Glück! Du hast
nur die letzte halbe Stunde mit Orsen verbracht. Wir ertragen ihn jetzt schon
seit mindestens fünf Stunden!“ Sie legte den Kopf zur Seite und betrachtete
ihn. „Wie geht es dir, Niels? Und was machst du hier?“
"Mir geht's soweit gut. Ich wurde hierher versetzt nach meinem Urlaub."
antwortete er ihr. "Ich arbeitet zur Zeit bei der Werft bis die Community
fertiggestellt ist. Aber wie kommst du hier her?" Er nahm noch einen Bissen.
"Ich habe Gerüchte über dich gehört, über ein Verfahren gegen dich und
dass du dann verschwunden wärst." Niels konnte sich vor Neugierde nicht
zurückhalten.
Sie sah ruhig an. „Ja, stimmt. Es gab eine Anhörung.“ Sie stockte und nahm
einen weiteren Löffel Suppe. „Die Anklage wurde allerdings fallen gelassen,
wenn man so möchte. Danach bin ich nicht wirklich verschwunden. Die
Sternenflotte wusste immer, wo ich bin, wenn auch sonst niemand. Tut mir
leid, dass ich mich nicht gemeldet habe, aber das war notwendig. Tja, und
hier? Ich wurde als Testpilotin auf die Community befohlen. Hätte ich
allerdings gewusst, dass mich hier einer wie Orsen erwartet ..“, grinste sie
frech.
Niels war sehr erleichtert, dass ihr in der Zwischenzeit nichts geschehen
war. Er lächelte sie an. Orsen war wirklich einer. Das Halbe Sandwich hatte
er geschafft, aber es war ihm so ein bischen trocken. "Möchtest du auch
etwas zu trinken?" fragte er, während er zum Replikator hinüberging.
Sie lachte. „Kalten, frischgepressten Mangosaft, bitte!“
"Einen, frischgepressten Mangosaft und einem Pfirsichsaft!" trug er dem
Replikator auf. Er nahm die Getränke aus dem Ausgabefach und brachte
die zum Tisch. "So frisch, wie es der Replikator zulässt." scherzte er und
stellte ihr den Saft hin. Nachdem er sich wieder gesetzt hatte nahm er einen
großen Schluck. "Magst du gerne Käse?" fragte er. "Wenn du etwas ganz
Frisches möchtest, dann kannst du von mir einen viertel Laib Holländischen,
jungen Gouda von mir bekommen, den habe ich aus dem Urlaub bei meinen
Großeltern mitgebracht."
„Keinen replizierten? Da sage ich nicht nein!“, lachte Milseya. „Wie wäre es
mit einer Käseschlacht nach der Schicht? Du bringst den Käse mit und ich
besorge den Wein!“, lud sie ihn ein und nannte ihm ihre Raumnummer.
„Dann kann ich dir alles ganz genau erzählen. Hier gibt es mir einfach zu
viele Ohren!“
"Ja, das ist Echter." bestätigete Niels. "Ich bringe dann den Käse mit und
noch ein paar Trauben. Im Quartier ist es auch viel privater. Hast du auch so
ein Übergangsquartier bekommen? Ich muss nächste Woche umziehen,
weil dann renoviert wird." So jetzt war das Essen verzehrt, aber noch etwas
Saft im Glas.
Milseya lachte. „Ich werde die nächsten Wochen ständig umziehen, je
nachdem, welche Sektion ich gerade teste. Ist nicht ungewöhnlich.
Testpiloten sind eh Nomaden. Aber wenn du mich das nächste Mal
besuchst, dann solltest vorher fragen, ob ich noch da wohne“, grinste sie ihn
an und trank ihren Saft mit einem Zug aus. „Wir sollten zurück“, erklärte sie.
„Du weißt nicht, wie ungemütlich Orsen erst wird, wenn man zu spät
kommt!“
Niels nickte und tat es ihr gleich. Dann nahm er die Teller und die Gläser
und stellte sie zurück in den Replikator. An der Tür wartete er auf sie und
dann gingen sie wieder zurück.
„Auf in den Kampf!“, grinste Milseya Niels an. Dann straffte sie ihre Haltung
und betrat mit Niels das Holodeck.
[Phanan und inanchfe in „The Return of the Dreamteam“]
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jul 10 2005, 19:08
Nathanel McNaughton wälzte sich hin und her. Vor zwei Stunden war er aus
dem Schlaf aufgeschreckt und seitdem versuchte er wieder einzuschlafen.
Ohne Erfolg. Immer wenn er seine Augen schloss, sah er das Traumbild
wieder, das ihn geweckt hatte. Tabethas Augen, wie sie ihn anflehten. Hilf
mir, Nat! Blaue Augen..
Es hatte keinen Zweck! Er würde nicht mehr einschlafen, das wusste er. Nat
setzte sich auf und rieb müde sein Gesicht. Er drehte sich um zu seinem
Wecker. 4.52 Uhr. Er seufzte. Nun gut, dann würde er heute eben ein wenig
früher mit dem Training beginnen und sich dann ein ausgedehntes
Frühstück gönnen. Vollmundig gähnend stand er auf und ging ins Bad...
Die Sektion war wie ausgestorben. Kein Wunder, denn an Bord befanden
sich gerade einmal 35 Personen - und die lagen um diese Uhrzeit sicher
noch selig träumend in den Federn, beneidete sie Nat auf dem Weg zum
Trainingsraum.
In genau vier Stunden startete der erste von fünf realen Testflügen der
Tertiärsektion und aus Sicherheitsgründen hatte man die Besatzung auf das
absolute Minimum reduziert. Bei den Simulationen hatte es anfangs zwar
Probleme gegeben, doch mittlerweile waren die Ergebnisse beinahe zu 100
Prozent perfekt. Dennoch - Nat fühlte sich äußerst unwohl bei dem
Gedanken in ein paar Stunden an Bord dieser Sektion zu sein. Vor allem
deshalb, weil die Gerüchteküche ihm einiges Interessantes über diesen
Orsen und diese Anquenar berichtet hatte. Die Beiden lagen wohl ständig
im Clinch, brüllten sich ständig wie die Berseker an, hassten sich wie die
Pest, angeblich hätten sie sich auch schon mal regelrecht geprügelt (von
der angeblichen recht intensiven Versöhnung mal gar nicht zu reden!) Was
wenn die Pilotin bei einem Streit mit Orsen das Schiff vor Wut in einen
Asteroidengürtel flog oder gar abstürzen ließ. Denn laut Gerüchteküche war
der Haliianerin alles zuzutrauen. Er gab zwar nicht viel auf solches Gerede,
aber er wusste auch, dass an jedem Gerücht stets ein Körnchen Wahrheit
war. Dennoch musste er wieder den Kopf schütteln, wenn er sich erinnerte,
was man ihm von der kleinen Haliianerin alles erzählt hatte - davon, dass sie
wegen Mord vor einem Kriegsgericht gestanden haben soll und von Orsen
aus dem Knast geholt worden war, weil sie dessen uneheliche Tochter sein
soll (wie sollte das mit der Versöhnungsgeschichte zusammen passen? mal
ganz von den deutlichen biologischen Unterschieden zwischen den beiden
abgesehen!); davon, dass sie zu den 'Zwölf' gehören soll (aber wäre sie
dann nur Testpilotin?); davon, dass der vorherige Councelor sich aus
unerwiderten Liebe zu ihr drei Finger abgehackt haben soll (das war mehr
als krank!); dass sie Menschen mit Hilfe eines Kristalls verfluchen konnte
(Blödsinn!) oder so verführen konnte, dass man ihr vollkommen verfiel
(höchst interessant!)...
Wie dem auch sei, er würde die nächsten Tage sicherlich die Gelegenheit
haben, sich den Fähnrich genauer anzusehen. Und er würde ihr auf der
Brücke verdammt genau auf die Finger sehen: Er war noch zu jung, um
irgendwo auf einem Asteroiden zu sterben!
Gähnend betrat er den Trainingsraum und ging schnurstracks auf den
Sandsack zu. Nach ein paar Dehnungen fing er an mit gezielten Punches
auf den Sandsack einzuschlagen.
„Nervös?“ Die Stimme kam wie aus dem Nichts. Verblüfft drehte sich Nat um
und entdeckte auf der Turnmatte ein zunächst undefinierbares Knäuel aus
dem ein Gesicht herauslugte. Wie war es einem Wesen möglich sich so zu
verbiegen, fragte er sich perplex.
Milseya löste die Übung langsam auf. Vorsichtig ließ sie den einen Fuß los
und atmete aus, als sich das gesamte Bein langsam wieder nach hinten
bewegte. Gleichzeitig ließ sie den anderen Fuß los. Und auch dieses Bein
bewegte sich sachte nach hinten. Als die Anspannung in ihrer unteren
Körperhälfte weniger wurde, drehte sie sich auf die Seite und richtete ihren
Oberkörper auf. „Sind Sie nervös, Lieutenant?“, wiederholte sie ihre Frage.
Mit offenem Mund hatte er ihr zugesehen und fragte sich immer noch, wie
sie das gemacht hatte.
„Lieutenant? Alles in Ordnung?“
„Ähhh ... ja ...“. Nat riss sich los von dem Bild in seinem Kopf. Grundgütiger,
wenn sie bei allem so beweglich war ... „Entschuldigung, ich war nur so
verblüfft.“
Fragend sah Milseya den Mann an. „Worüber denn?“
„Die Übung gerade eben“, gab er immer noch verdutzt zurück.
„Ach so. Die gehört zum Aufwärmen“, winkte Milseya ab.
„Wenn das Ihr Aufwärmprogramm ist, dann möchte ich nicht wissen, wie Ihr
restliches Trainingsprogram aufsieht“, erwiderte der Lieutenant jg grinsend.
Sie lachte. „Wenn Sie noch eine Weile hier sind, dann werden Sie es ja
sehen! Aber warum sind Sie um diese Uhrzeit hier? Normalerweise habe ich
keine Zuschauer“, gab sie zurück.
Das würde vermutlich einen Massenauflauf provozieren, dachte sich Nat.
„Ich konnte nicht mehr schlafen. Vermutlich bin ich ein wenig nervös wegen
des Testflugs.“
Milseya grinste. Typisch Nicht-Piloten! „Machen Sie sich keine Sorgen,
Lieutenant. Ich werde die Sektion schon nicht zu Schrott fliegen. Ich habe
nicht die geringste Lust, dass Orsen mich teert, federt und anschließend
vierteilt. Mir reicht schon sein ständiges Gebrüll!“
Irgendwie beruhigte Nat das nicht im Geringsten. Er beobachtete, wie die
Haliianerin aufstand und zu der langen Turnbahn ging. Sie atmete kurz tief
durch, bevor sie Anlauf nahm, mehrere Salti gemischt mit Schrauben
hintereinander sprang und präzise auf den letzten 30 Zentimetern der Bahn
in den Stand kam. Himmel, wenn die Kleine so exakt fliegt, wie sie hier
Kunststückchen vollführt, dann muss ich mir wirklich keine Sorgen machen,
sagte sich Nat, während er begann zu klatschen. Verärgert sah ihn Milseya
an. „Was soll das?“ „Das war hervorragend!“ „Blödsinn! Das war eine der
schlechtesten Kombinationen, die ich je gesprungen habe!“ Verdutzt hörte
er auf zu klatschen. „Eine der schlechtesten? Jetzt übertreiben Sie aber
maßlos! Haben Sie eine Ahnung, wieviele Menschen zu gerne das können
wollen?“, erklärte er ihr. „Sie bewerten mich nach menschlichen Maßstäben,
Lieutenant, ich mich nach haliianischen. Und nach diesen, wäre ich mit
dieser Kombination nicht einmal in einem Kindergarten aufgenommen
worden“, erwiderte Milseya lächelnd. „Was ist? Wollen Sie nicht weiter
trainieren, Lieutenant?“, fragte sie ihn augenzwinkernd.
Nein, eigentlich nicht, dachte sich Nat, doch er nickte und machte sich daran
wieder den Sandsack zu bearbeiten. Dabei veränderte er schrittweise seine
Position so, bis er die Haliianerin in seinem Sichtfeld hatte. Immer wieder
nahm sie Anlauf und sprang die abenteuerlichsten Kombinationen - so lange
bis sie scheinbar damit zufrieden war und eine neue in Angriff nahm. Er war
beeindruckt - nicht nur von ihrer artistischen Körperbeherrschung. Ihm
imponierte vor allem ihre Zähigkeit und Beharrlichkeit. Als sie das erste Mal
stürzte, war er drauf und dran gewesen zu ihr zu eilen, doch bevor er den
ersten Schritt machen konnte, war sie schon wieder auf den Beinen
gewesen und hatte die Kombination aus dem Stand zu Ende gesprungen.
Die Kleine war verdammt hart im Nehmen! Er traktierte weiter den
Sandsack, doch seine volle Aufmerksamkeit hatte die dunkelhäutige Frau.
Sein Blick glitt immer wieder über ihren trainierten Körper und in Gedanken
stellte er sich diesen an dem Ort vor, den er erst vor kurzem verlassen hatte.
Himmel, was sollte das! Er rief seine Gedanken zur Ordnung, doch das war
ein unmögliches Unterfangen - sobald er wieder zu ihr hinsah, waren sie
wieder da! Er boxte voller Wut in den Sandsack, was aber nur kurzfristig
half. Aus den Augenwinkel beobachte er, wie sie sich an der Turnbahn
aufstellte, ihre Augen schloss, um sich zu konzentrieren und sich nicht
rührte. Er hielt inne. Sie nahm Anlauf und sprang eine unglaubliche
Kombination an deren Schluss sich ein hoch gesprungener Doppelsalto
reihte. Er pfiff anerkennend und völlig unbewußt durch die Zähne. Sie drehte
sich um zu ihm. Er zuckte entschuldigend mit den Schultern, bevor er hinter
dem Sandsack in Deckung ging und ihr lautes Lachen hörte. Er lugte hinter
dem Sandsack vor und sah, wie sie ein Handtuch schnappte. „Wir sehen
uns auf der Brücke, Lieutenant“, verabschiedete sich Milseya lächelnd von
Nat, der sichtlich enttäuscht darüber schien, dass das
Unterhaltungsprogramm schon zu Ende war.
Geschrieben von: Assjima am Jul 11 2005, 00:38
Und ewig singen die Wälder Teil 5
In dem großen Lummabaum vor dem offenen Fenster zwitscherten einige
Vögel und begrüßten lauthals den noch jungen Tag. Assjima zog vorsichtig
den Arm unter Setaks Nacken hervor und erhob sich. Er reagierte nur mit
einem leisen Grunzen, drehte sich zur Seite und schlief tief und fest weiter.
Um ihn nicht zu wecken, ging sie sehr leise in den großen Raum hinüber.
Der Morgen sollte wie immer ihr alleine gehören. Sie liebte diese
frühmorgendliche Stimmung, wenn die Natur und das Haus langsam zum
Leben erwachten.
Assjima stand mit einer Tasse Tee draußen auf der Veranda und
beobachtete einen Schwarm Gaschujavögel, die sich zum Abflug
sammelten. Sie waren vor einigen Tagen hier eingetroffen und machten sich
allmorgendlich auf, um in den umliegenden Wäldern nach Futter zu suchen.
Es war immer wieder ein wunderbares Schauspiel, wenn die großen, golden
schimmernden Vögel leise schnatternd und regelmäßig mit den Schwingen
schlagend über das Wasser eilten, um für den Start genügend Luft unter die
Flügel zu bekommen. Ein Sausen erfüllte die Luft, als sie endlich von der
Wasseroberfläche abhoben und in absolut korrekter Formation in den
Himmel hinauf schwebten.
„Du wirst dich erkälten… “ Setak legte ihr von hinten einen Morgenmantel
um die Schultern und drückte ihr einen sanften Kuss auf den Nacken.
Dankbar kuschelte Assjima sich in den seidigen Stoff, ohne jedoch die
Vögel aus den Augen zu lassen. „Es wäre schön, wenn sie den Sommer
über hier am See bleiben würden. Ich mag sie.“ „Ja, sie sind wunderschön –
fast so schön wie du …“ Assjima lachte leise „Ja ja, du alter Charmeur. Wie
vielen Frauen hast du das wohl schon gesagt?“ Setak betrachtete sie mit
gespielter Empörung „Wenn du da bist, gibt es für mich keine andere! Ich
wünschte mir nur, dass du immer hier wärest.“ „Da hast du ja unheimliches
Glück, dass dies nicht geht. Sonst würdest du dich bestimmt bald zu Tode
langweilen. Komm, lass uns frühstücken!“ Sie nahm ihn an der Hand und
versuchte, ihn ins Haus zu ziehen. Doch Setak blieb stehen. „Chemaschu –
warum nimmst du mich nicht ernst? Ich könnte mir kein aufregenderes
Leben als das an deiner Seite vorstellen. Bitte glaube mir!“ Einen Moment
lang verharrte Assjima in der Tür, dann drehte sie sich um und betrachtete
ihn nachdenklich. „Setak – Bitte! Wir haben das schon so oft durchdiskutiert.
Wir kennen uns jetzt schon fast ein ganzes Leben lang. Ich weiß genau,
dass du ein Dasein hier auf Dauer nicht ertragen könntest und ich würde
niemals in deiner unterirdischen Stadt leben wollen. Und noch weniger
könnte ich es aushalten, zu wissen, dass du dich langweilst. Glaube mir – es
ist gut so wie es ist.“
Nein, es war nicht gut so! Wollte sie es nicht wahrhaben oder bemerkte sie
tatsächlich nicht, dass es ihn innerlich auffraß? Er hatte sich verändert. Er
war älter und ruhiger geworden. Dies war ihm in den letzten Tagen während
der gemeinsamen Arbeit klar geworden. Er war bereit dazu, seine
Vorstellung von Leben der ihren anpassen, aber Assjima versuchte nicht
einmal, diese Veränderung in ihm zu erkennen. Auch wenn er in ihr lesen
konnte wie in einem offenen Buch, so konnte er doch nicht begreifen, wohin
ihre Gedanken führten - er sah ihre Bilder deutlich vor sich, aber er verstand
ihre tiefere Bedeutung nicht mehr. Es war sehr befremdlich.
Sie stand vor ihm und ihre blauen Augen schienen alles in ihm zu
durchdringen. Ob es den Menschen auf diesem verdammten Raumschiff
jemals aufgefallen war, dass diese Augen je nach Lichteinfall klar wie der
Himmel oder blaugrün wie ein dunkler, grundloser See schimmern konnten?
Einmal wieder begannen seine Knie zu zittern und er schluckte trocken.
Assjima trat einen Schritt auf ihn zu, legte die Arme um seinen Nacken und
flüsterte ihm leise ins Ohr: „Setak, mach es mir doch nicht so schwer.
Betrachte mich so, wie du die Gaschujavögel siehst. Ich werde den Sommer
über hier sein um dann irgendwann im Herbst sehr plötzlich zu
verschwinden. Lass uns die Zeit der Wärme genießen und den Winter
überstehen, indem wir uns auf den nächsten Sommer freuen. Mehr kann ich
dir momentan nicht bieten. Ich kann nicht hier bleiben.“
Setak löste sich aus Assjimas Umarmung. „Warum kannst du mir nicht
erklären, was dir diese Sternenflotte gibt, das du nicht auch hier bekommen
kannst? Ich verstehe dich nicht mehr. Du wolltest eine Familie. Du wolltest in
Frieden leben. Deshalb hast du dieses Haus hier gebaut. Du wolltest … ach
Chemaschu! Stattdessen führst du ein Leben, das all deinen Vorstellungen
widerspricht! Ich habe deinen Entschluss schon damals nicht verstanden.
Und heute begreife ich es noch weniger.“ Das Geländer der Veranda knarrte
leise, als er sich darauf stützte und den goldenen, hoch über dem Horizont
schwebenden Vögeln nachschaute.
„Warum ich nicht hier bleiben kann? Warum ich mein Leben so führen will,
wie ich es momentan tue? Es ist so ein Gefühl … ich weiß nicht, ob ich es
dir erklären kann.“ Assjima lehnte sich gegen die Hauswand und betrachtete
seinen Rücken. Warum eigentlich nicht hier bleiben? Waren fast 10 Jahre
Sternenflotte nicht genug? War es jetzt vielleicht an der Zeit, sich den
Dingen zuzuwenden, von denen sie ein halbes Leben lang geglaubt hatte,
sie seien ihre Berufung? Setak war durchaus ein Mann, mit dem man sein
Leben verbringen konnte. Er war klug, er war einfühlsam, er hatte Humor
und er sah auch noch recht passabel aus. Wahrlich kein Adonis, aber er
hatte eine lustige Himmelfahrtsnase, kluge Augen und einen schönen Mund.
Sie kannten sich seit ihrer Kindheit. Und möglicherweise war genau das der
Punkt: Sie kannte ihn zu gut. Er konnte sie nicht mehr überraschen.
Vielleicht hatte sie einfach nur Angst, dass sie sich an seiner Seite
langweilen würde? Vielleicht hatte sie Angst, dass das Leben hier auf Dauer
überhaupt uninteressant sein könnte?
Als ob Setak ihre Gedanken hätte lesen können fuhr er fort: „Die
Sternenflotte muss ja ungemein faszinierend sein, wenn du nicht einmal
weißt, warum du kreuz und quer durch das All fliegen musst. Du hast hier
deine Familie, deine Freunde, dein Haus … Du würdest jederzeit überall
arbeiten können. Ich weiß genau, dass du auf diesem Raumschiff nicht
glücklich bist – nicht auf einem Raumschiff voller Terraner! Es kann nicht
funktionieren! Wir sind einfach nicht dazu geschaffen, einsam unter vielen
zu sein.“
Er spürte, wie sich der auf seinem Rücken ruhende Blick veränderte. Und
ohne sich umzudrehen wusste Setak, dass sich Assjimas Augenbrauen
zusammen zogen und sich ihre Nase leicht kräuselte, als sie mit fester, fast
trotziger Stimme antwortete: „Doch, es geht! Ich bin dabei, es zu lernen. Und
viele meiner Mitarbeiter und Kollegen haben die anfängliche Scheu vor mir
bereits abgelegt. Manche benehmen sich inzwischen regelrecht respektlos.
Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“
Setak fuhr herum und starrte sie finster an. „Spaß? Du machst dir doch was
vor! Militärische Hierarchie kann keinen Spaß machen! Und deine Arbeit als
Ärztin … Jedes Mal, wenn du deine Patienten berührst, bekommen sie
weiche Knie, laufen rot an und fangen zumindest innerlich an zu stottern.
Die haben doch alle Angst vor dir! Angst davor, dass du sie dazu bringst, die
Kontrolle über sich zu verlieren, dass ihre unkontrollierten körperlichen
Reaktionen sie in eine peinliche Situation bringen könnten. Wie soll sich da
ein normales, freundschaftliches Verhältnis entwickeln?“
Assjima richtete sich auf. „Du übertreibst einmal wieder. Die Menschen sind
nicht so einfach gestrickt, wie man es uns hier immer glauben lassen will.
Sie sind phantasievoll, flexibel, spontan, lernfähig und ziemlich amüsant.
Und sie können sich an die Gegenwart von uns Deltanern gewöhnen. Auch
wenn ich immer einen gewissen Abstand waren muss … ich mag sie!“ Der
in ihr aufsteigende Ärger verflüchtigte sich sofort, als sie an James dachte,
der mindestens einmal pro Tag mit dem Kommentar vorbeikam: „Doc, bin im
Stress – bitte einmal Handauflegen!“
„An wen denkst du, Assjima?“ Setaks graue Augen schienen sich regelrecht
in sie hineinzuschrauben. Sie spürte, wie er ihre Bilder von allen Seiten her
begutachtete. James, Sydney, Lucas, Jerry, O’Tra, Serik, Dorian, Andrew …
ja sogar Miauz. Die Gesichter der männlichen Freunde und Kollegen wurden
hin und her gedreht. Und ganz langsam ging Assjima ein Licht auf. „Sag
dass es nicht wahr ist!“ Sie nahm ihn an beiden Händen und betrachtete ihn
mit gespieltem Ernst. „Was soll nicht wahr sein?“ Setak war sichtlich
verwirrt. „Du bist eifersüchtig!“ Der Schalk blitzte in ihren Augen. „Nein! Bin
ich nicht … auf wen denn … Verdammt!“ Er drehte sich ruckartig um und
starrte wieder auf das Wasser hinaus. Assjima war verwundert. Ihr alter
Casanova Setak war wirklich eifersüchtig! Sie umfasste seinen Oberkörper
von hinten, drückte einen sanften Kuss auf die warme, nach Sommer
duftende Haut und lehnte die Wange an seinen Nacken. „Du hast keinen
Grund zur Eifersucht. Es sind Kollegen, einige sind Freunde … und es sind
fast alles Menschen!“ „Eben das ist es ja – schwache, dumme Menschen
und du als einzige Deltanerin unter ihnen! Wie lange kann das gut gehen?
Wann werden sie dir nicht mehr widerstehen können?“ „Wann sie mir nicht
mehr widerstehen können?“ Assjima spürte Empörung in ihr aufsteigen.
„Was denkst du eigentlich von mir? Das ich den ganzen Tag nichts anderes
zu tun hätte, als meinen Kollegen weiche Knie zu verpassen um dann
irgendwann nachts mit ihnen wilde Orgien zu feiern? Du Spinner hast
offensichtlich gar nichts verstanden!“ Wütend gab sie ihm einen kräftigen
Stoß in die Rippen und rannte ins Haus. Setak blieb alleine auf der Veranda
zurück.
Aus dem Arbeitszimmer war ein monotones Piepen zu hören. Schon seit
Stunden versuchte eine Transmission von der USS Schweizer auf sich
aufmerksam zu machen, doch bislang hatte sich niemand für ihr Eintreffen
interessiert. Endlich wurde sie erhört, denn nun eilte Assjima die Treppe
hinauf, warf sich auf den Stuhl vor dem Terminal, öffnete die Nachricht und
starrte mit vor Wut und Endtäuschung fast blinden Augen minutenlang auf
Vinaras Brief ohne seinen Inhalt wirklich aufzunehmen.
Die Stufen knarrten leise unter Setaks nackten Füßen. Schüchtern blieb er
in der offenen Tür zum Arbeitszimmer stehen. „Bitte Chemaschu … verzeihe
mir! Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Es ist nur … ich … Verstehst
du denn nicht? Du warst so lange weg. Dann landest du auf Seyann
Draschu und meldest dich nicht bei mir. Ich erfahre nur durch Zufall, dass du
wieder da bist. Du lässt daraufhin Tage lang nichts von dir hören um dann
einfach so hereinzuschneien und so zu tun, als sei alles in bester Ordnung.
Doch du kommst eigentlich nicht wegen mir, sondern weil du meine Hilfe
und mein Labor für eine Versuchsreihe brauchst. Eine Woche lang arbeiten,
reden, lachen und schlafen wir miteinander, aber du lässt nicht wirklich
etwas aus dir heraus. Und dann sehe ich nur Bilder von anderen in dir.
Allerdings kann ich mich da nirgends entdecken. Was soll ich denn denken?
Bitte sag es mir! Ich verstehe dich nicht mehr und das macht mich
wahnsinnig!“
Er wartete. Doch aus dem Raum strömte ihm nur Schweigen entgegen. So
drehte er sich um und schickte sich an, die Treppe wieder hinunter zu
gehen.
„Setak, warte …“ Assjimas leise Stimme klang rau und etwas brüchig. „Es
war dumm von mir zu erwarten, dass du es verstehen würdest. Ich kann es
dir nicht erklären, weil ich mich selber nicht verstehe. Bitte … Chemaschar!
Sie biss sich bei diesem Wort fast die Zunge ab. Es war lange her, dass sie
einen Mann so bezeichnet hatte. Der letzte war Sikarii gewesen. Setak hatte
sich abrupt umgedreht und sie mit großen Augen angestarrt. Dann huschte
ein Lächeln über sein Gesicht. Mit drei großen Schritten stand er neben ihr
und zog sie zu sich hinauf. „Komm, lass uns frühstücken und gemeinsam
versuchen herauszufinden, was in deinem eigenwilligen Kopf so vor sich
geht.“
Wenige Augenblicke später saß Assjima vor einer dampfenden Tasse Tee
am Tisch während Setak mit schwerem Küchengerät herum hantierte,
redlich bemüht, ein Traumfrühstück zu fabrizieren, was im allerdings nur
bedingt gelang.
„Setak – du sagst, du könntest dich nicht in mir sehen … ist das wahr?“ Vor
Überraschung ließ Setak eine große Kaskufrucht fallen. Sie zerplatzte auf
dem Boden und ihr rötlicher, dickflüssiger Inhalt floss über die Holzdielen.
„Verdammt Assjima, musst du immer so direkt sein? Ja, es ist wahr – ich
sehe mich nicht. Und ich weiß nicht, was für Schlussfolgerungen ich daraus
ziehen soll.“ „Hast du denn Sikarii gesehen? Oder Aki, Lakia und meine
Eltern?“ Mit einem Teller in der Hand drehte er sich um und betrachte die
blasse Frau am Tisch nachdenklich. „Hm … also wenn ich so darüber
nachdenke … nein, ich habe sie auch nicht gesehen?“ „Und daraus folgerst
du, dass ich auch nicht an sie denke?“ „Natürlich nicht – das wäre ja ganz
unmöglich …“ Plötzlich schien ihm ein Licht aufzugehen. „Du meinst, sie
sind in dir ohne dass ihre Bilder in deinen Gedanken sind?“ „Ja, genau. Das
meine ich. Und wo bist du?“ „Äh … das wollte ich eigentlich von dir erfahren
… du meinst, ich bin bei Lakia, Aki und Sikarii? Wo immer die auch sein
mögen …?“ Assjima lächelte. „Ich denke tatsächlich, dass du dort bei ihnen
bist. Nicht mehr in meinem Kopf, sonder vielleicht mehr hier ...“ Sie legte die
Hand auf ihr Herz. „Ihr seit … du bist … ein Teil von mir. Ich muss nicht
ständig an euch denken. Trotzdem seid ihr alle immer bei mir. Ich habe euch
nur ein wenig vor den Blicken anderer versteckt. In der Sternenflotte hat
man es sehr oft mit Telepaten zu tun. Die müssen aber nicht alles wissen.“
Setak sah sie zweifelnd an. „Das meinst du nicht im Ernst, oder?“ „Wer
weiß?“ Assjima stand auf, nahm ein Tuch und wischte die kläglichen
Überreste der Kaskufrucht auf. „Nein, im Ernst – du bist für mich genauso
wichtig wie meine Familie. Und wenn ich mich irgendwann entscheiden
sollte, wieder auf Delta IV leben zu wollen, dann womöglich an deiner Seite.
Denn ich liebe dich … ich weiß nur noch nicht, ob ich dich mehr als Freund,
als Liebhaber oder als Partner liebe.“ Setak ließ den Bratwender sinken
„Aber du hast mich eben ’Chemaschar’ genannt. Hatte das nichts zu
bedeuten?“ „Doch, es bedeutet bestimmt etwas. Vielleicht bin ich - weil auch
du dich irgendwie verändert hast - einen Schritt weiter gegangen. In all den
Jahren nach Sikariis Tod habe ich nicht herausfinden können, was genau du
für mich bedeutest. Bitte verlange auch heute noch keine Entscheidung von
mir.“ Sie nahm ihm den Bratwender aus der Hand und küsste ihn auf den
Mund.
Setak schlang seine kräftigen Arme um sie und flüsterte: „Ich habe ein
Leben lang auf dich gewartet. Und ich werde weiter warten …“ Assjima
stemmte ihn ein wenig von sich weg und sah ihm prüfend in die Augen:
„War es so schlimm? Ich wusste das nicht. Du hattest doch immer
irgendwelche Affären und Liaisons am laufen. Warum hast du nie etwas
gesagt?“ Setak zuckt mit den Schultern und wendete sich erneut seinem
Kasku-Omelette zu. „Du warst immer meine beste Freundin. Ich wollte das
nicht zerstören. Und dann kam Sikarii … Auch er war mein Freund. Lieber
wollte ich nur der Dritte im Bunde sein als alles zu zerstören. Und dann …
nach seinem Tod hatte ich nur noch einen Wunsch: Ich wollte dich wieder
lachen sehen … so wie früher. Doch du … du hast dein Leben lieber selber
in die Hände genommen. Du bist abgehauen … weg von Delta … weg von
mir!“ Er malträtierte das arme Omelette kräftig mit dem Bratwender.
„Setak …“ Assjima entwendete ihm erneut das Werkzeug. “Warum habe ich
davon nie etwas bemerkt?” “Warum? Du kamst immer nur ein paar Tage auf
Urlaub. Und du warst nur körperlich hier, nie mit deiner ganzen Seele. In
Gedanken warst du bereits wieder bei deinem nächsten Einsatz. Was weiß
ich! Ist es dir wirklich nie aufgefallen, dass ich immer alles habe stehen und
liegen lassen, wenn du einmal wieder unangemeldet in der Türe standst?
Dass ich wegen dir Verabredungen abgesagt habe, nicht zur Arbeit
gegangen bin … mich einfach krank gemeldet habe …? So blind kannst du
nicht gewesen sein – nicht du!“
Mit Tränen in den Augen stand Assjima fassungslos vor ihm. Ihre Hände
schlossen sich fest um die seinen, so dass die Knöchel weiß wurden. „Mein
Gott, was habe ich getan …?“
Als er das kleine Häufchen Elend so vor sich stehen sah, beruhigte Setak
sich augenblicklich wieder. „Du hast gar nichts getan. Das war die
pflichtversessene Sternenflotten-Offizierin Lt. Commander Dr. Assjima.
Meine Assjima … die aus meiner Kindheit … sie hätte es gesehen, wenn sie
da gewesen wäre. Und ich würde alles dafür geben, wenn sie wieder käme.
Bitte Chemaschu … komme wieder zurück zu uns!“
Es gab kein Halten mehr, so sehr sie auch dagegen ankämpfte. Laut
schluchzend stammelte sie: „Ich kann nicht, Chemaschar … es geht wirklich
nicht …“ Setak nahm ihr tränenüberströmtes Gesicht zwischen seine Hände.
„Warum nicht? Bist du vertraglich so fest gebunden? Oder hat Lakia Recht?“
„Lakia?“ Assjima sah ihn mit großen Augen an. „Was hat sie zu dir gesagt?“
„Sie ist der Ansicht, dass du nur zur Sternenflotte gegangen bist, um
irgendwie Buße zu tun. Sie glaubt, es hätte etwas mit Sikariis Unfall zu tun.“
„Ach das! Das will sie mir schon seit Jahren einreden. Mit meiner Schwester
geht da mal wieder die Phantasie durch. Natürlich hat es mit seinem Tod zu
tun. Ich habe es ganz einfach hier nicht mehr ausgehalten. Alles hier hat
mich an ihn erinnert. Ich musste dem Ganzen hier irgendwie entfliehen.
Aber das weißt du doch.“ Es war ihr anzusehen, dass dies nur die halbe
Wahrheit war. Doch Setak wollte in dieser Hinsicht nicht weiter nachbohren.
Sie würde ihm irgendwann einmal alles erzählen. Aber nicht jetzt, nicht
heute. „Du bist jetzt fast zehn Jahre lang entflohen. Wann wirst du das
Geschehene geschehen sein lassen? Wäre es nicht langsam an der Zeit,
sich all dem zu stellen, um das Leben wieder aufzunehmen, das du dir
immer gewünscht hast?“
Assjima nickte fast unmerklich. Er hatte ja Recht. Aber noch war sie nicht so
weit. „Ich will nicht … noch nicht. Das Leben da draußen ist aufregend. Es
gibt mir täglich neue Impulse und neue Erkenntnisse. Ich habe noch nicht
ausgelernt. Noch gibt es zu viele Fragen, auf die ich eine Antwort finden will,
bevor ich mich hier zur Ruhe setzen kann. Außerdem … ich glaube, ich
habe Angst davor, dass ein Leben hier zu gleichförmig werden könnte, zu
alltäglich … und das will ich nicht. Es soll immer etwas Besonderes bleiben.
Und du bist ein Teil dieses besonderen Lebens. Abenteuer, Aufregung aber
eben auch Alltag und Routine – das ist die Sternenflotte. Ruhe,
Geborgenheit … und Liebe … das ist hier. Oh mein Gott, ich rede schon wie
eine Rosamunde-Pilcher-Figur!“ Sie gluckste leise vor sich hin.
„Wie eine was?“ Setak legte fragend die Stirn in Falten, was Assjima noch
mehr amüsierte. „Ach, nur so eine irdische Trivialautorin des 21.
Jahrhunderts. Und du schaust gerade wie ein Dackel!“ „Was ist denn nun
schon wieder ein Dackel? Du bist zuviel unter Menschen! Wie soll ich dich
begreifen können, wenn ich nicht einmal mehr deine Sprache verstehe?“
Sein Blick ähnelte nun noch mehr dem eines kleinen irdischen Jagdhundes
mit kurzen krummen Beinen und Assjimas Stimmung hob sich immer mehr.
„Lass uns einen Handel machen. Ich kann und will noch nicht
zurückkommen. Aber ich werde von nun an auf keinen mir zustehenden
Urlaubstag verzichten. Keine freiwilligen Sondereinsätze mehr aufkosten
des Urlaubs! Und wenn ich hier bin, dann versuche ich mit der Uniform auch
das Pflichtbewusstsein vorübergehend an den Nagel zu hängen. Aber wenn
die USS Community einen Auftrag zu erfüllen hat, dann lässt du mich ohne
Debatte gehen. Und du kommst in diesen Zeiten wann immer es dir möglich
ist, aus deinem unterirdischen Labor gekrochen. Dann werden wir sehen, ob
wir Chemaschu und Chemaschar sein können, oder ob wir einfach weiter
Freunde bleiben. Bist du einverstanden?“ Setak lachte leise. „Ja! Solange
es eine deltanische Freundschaft bleibt und nicht so eine oberflächliche
Sache wie es die Terraner pflegen. Du musst aber auch versprechen, nicht
allzu viele terranische Unsitten anzunehmen!“ „Versprochen – aber Kaffee
darf ich weiterhin trinken?“ Er schüttelte sich. „Wie kannst du nur! Aber wenn
es denn unbedingt sein muss … Doch da fällt mir gerade ein: War da nicht
eine Nachricht von Lt. Commander Shral auf deinem Terminal! Was schreibt
sie? Wird sie die Versuche begutachten?“ „Oh je … ich habe keine Ahnung,
was sie geschrieben hat. Ich werde gleich noch einmal nachschauen. Auf
dem Herd brennt übrigens etwas!“
Geschrieben von: Solak am Jul 12 2005, 19:29
"Wag es nie wieder!"
Solaks Augen sprühten vor Wut, seine Hand hielt den Dolch so fest umfasst,
dass seine Fingerknöchel weiß schienen.
"Rühr meinen Sohn nie wieder an, sonst vergesse ich, dass Du mein Onkel
bist!"
S'Talon starrte nicht minder wutentbrannt zurück. Auch in seiner Hand ein
Dolch.
"Dein werter Herr Sohn hätte uns beinahe verraten!"
N’Chala blickte nervös vom einen zum anderen. "Bitte, beruhigen Sie sich!
Der Junge hat doch nicht mit Absicht geweint. Er hat sich nun einmal
erschrocken. Und es ist doch nichts passiert. Aber jetzt müssen wir weiter
gehen! Sie sind uns dicht auf den Fersen!"
Sta'el wischte seinem ängstlich dreinblickenden Stiefsohn die Tränen aus
den Augen. "Ich stimme N’Chala zu. Es ist unlogisch, hier noch weiter zu
debatieren."
Solak ließ schließlich die Hand mit dem Dolch sinken, doch die Wut
verschwand nicht aus seinen Augen. "Onkel hin oder her: Schlag meinen
Sohn nie wieder!"
S'Talon musterte seinen Neffen verächtlich. Solak mochte noch so große
Töne schwingen, aber wie er sein Kind verhätschelte bewies, dass die
Vulkanier ihn verzärtelt hatten.
Endlich machte sich die kleine Gruppe wieder auf den Weg durch die
dunklen Gassen einer Gegend, in die normalerweise nicht einmal der
Tal'Shiar zu kommen wagte. Doch sie hatten eine andere Wahl gehabt als
diese Route einzuschlagen.
Irgendjemand hatte sie verraten. Sie wussten nicht wer. Sie wussten nicht,
was der Feind wusste. Sie wussten nur, dass das alte Ehepaar, in dessen
Keller sie sich versteckt hatten, plötzlich verschwunden war. Dass es in der
Strasse vor dem Haus seit einer Stunde totenstill gewesen war. Dass dunkle
Schatten um das Haus geschlichen waren.
Ihnen war nur die Flucht geblieben. Und nicht eine Minute zu früh - der
Feind war ihnen auf dem Fersen, schien jede ihrer Bewegungen
vorauszuahnen. Ihr Vorsprung war nur knapp, aber noch war es ein
Vorsprung.
In dieser Atmosphäre der Angst und Anspannungen hatte Niklan sich
erschrocken, als ein Tier aus einer Mülltonne heraus auf ihn zugesprungen
war. Lauthals war er angefangen zu schluchzen und wurde dafür mit einem
harten Schlag ins Gesicht zum Schweigen gebracht bevor seine Väter
reagieren konnten. Ein Schlag, der beinahe die Stimmung in der kleine
Gruppe zur Explosion gebracht hatte...
N'Chala rieb sich den Nacken. Sie war in diesen Gassen aufgewachsen und
hatte damit einen Vorteil vor ihren Verfolgern. Aber wie lange noch?
Sie mussten den Verräter finden. Und vor allem musste bald die Hilfe
eintreffen, von der der Colonel gesprochen hatte!
*********************************************
Latta schickte die Nachricht ab. Eigentlich hatte sie Jade erst wieder
kontaktieren wollen wenn diese Romulus erreichte, aber die aktuellen
Geschehnisse hatten es notwendig gemacht, der Menschenfrau eine
Botschaft zukommen zu lassen. Sie konnte nur hoffen, dass die Botschaft
Jade noch erreichte...
Jade,
Die Situation hat sich seit unserem Gespräch verschlimmert. Jemand - ich
weiß noch nicht wer, aber er wird bald sterben - hat uns verraten. Solak und
seine Familie mussten aus ihrem Versteck fliehen. Ich weiß nicht, wieviel
meine Gegner über Solak wissen oder ob sie nur wissen, dass ich etwas
bzw. jemand wertvolles verstecke. Auch weiß ich nicht, ob Sie - meine
Geheimwaffe - noch geheim sind.
Seien Sie darum auf der Hut. Vertrauen Sie niemandem. Meine Gegner
haben viel Macht im Reich. Und lassen Sie sich nicht erwischen - SIE
werden mit Ihnen nicht so freundlich umgehen wie ich.
Es ist darum notwenig, dass Sie sich auf Romulus tarnen. Ich bin nicht in
der Lage, für Ihre Sicherheit als Mensch zu garantieren. Sie müssen zu
einer Romulanerin werden. Finden Sie einen Weg.
Ich erwarte Sie in fünf Tagen um 13 Uhr Ortszeit auf dem Platz des Sieges
in unserer Hauptstadt. Dort steht ein Snackwagen, an dem ich mir wie
gewöhnlich eine Wurst am Spieß kaufen werde. Tuen Sie es mir gleich. Ich
werde Sie in ein Gespräch verwickeln und Ihnen weitere Informationen
zukommen lassen.
Seien Sie pünktlich. Und kommen Sie alleine.
Ich werde nicht auf Sie warten können. Solak muß Romulus verlassen.
Wenn Sie nicht kommen, wird er auf sich alleine gestellt sein.
L.
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Jul 12 2005, 20:42
Jeremiah war gerade auf den Weg, um sich mit seiner Schwester deren
Freunden zu treffen, die sich bereit erklärt hatten auf der Hochzeit seines
Vaters, für die musikalische Untermalung zu sorgen. Vorher wollte er sich
jedoch eine Kostprobe ihres Könnens anhören.
Da er etwas gedankenverloren über die Wege der Akademie lief, verwundert
es nicht, dass er plötzlich durch eine Kollision mit einer anderen Person
unsanft gebremst wurde. Jeremiah war es zudem unsäglich peinlich, als er
bemerkte, mit wem er da zusammengestoßen war.
Denn Vize-Admiral Peter Schreiber,sein alter Mentor von der
Kommandoschule, versuchte, die durch die Kollision heruntergefallenen
Padds wieder aufzuheben. Nachdem er das geschafft hatte, sah seinen
Unfallgegener von oben bis unten an.
Der Lieutnant erwartete, regelrecht zusammengefaltet zu werden und
stammelte eine Entschuldigung.
Doch er war überrascht, als der Admiral ausrief: "Lieutnant Esteban, sie
schickt der Himmel." "Sir?", war das Einzige was Jerry rausbrachte.
"Lieutnant, sie dienen doch auf einen Raumschiff der Prometheusklasse.",
wurde er von dem ranghöheren Offizier gefragt, was seine Verwunderung
nur noch weiter wachsen ließ. "Ja, Sir."
Peter Schreiber lächelte: "Wusste ich es doch. Sehen sie, das
Oberkommando will in den nächsten fünf Jahren mindestens drei Schiffe der
Prometheusklasse in Dienst stellen. Ich möchte ganz einfach die Kadetten
auf den Dienst auf einen solchen Schiff vorbereiten. Sie könnten von ihren
praktischen Erfahrungen berichten."
Jeremiah brauchte erst eine Weile um zu begreifen, was der Admiral von
ihm wollte: "Sie möchten, dass ich als Gastdozent an der Akademie einen
Vortrag halte." "Das stimmt. Ich hätte natürlich auch jemanden direkt Fragen
könen, jemanden von den Konstrukteuren. Aber da sie mir über den Weg
gelaufen sind ..."
Der Admiral sah auf seinen Terminkalender der glücklicherweise oben auf
dem Paddstapel lag und bemerkte: "Passt ihnen der 28., das ist ein Montag,
sagen wir 09.00 Uhr."
Jerry lächelte: "Ich habe derzeit nichts vor, Sir." "Dann ist ja gut. Seien sie
aber bitte schon um acht in meinen Büro. Aber Galauniform brauchen sie
nicht zu tragen."
Jerry nickte und die beiden Männer verabschiedeten sich voneinander.
Seine Schwester und ihre Freunde erwarteten ihn bereits ungeduldig: "Wo
bleibst dui denn so lange.", wurde Jerry von Rebecca angeblafft. Der
reagierte jedoch gar nicht und ließ sichh vonder Band ihr können vorführen.
Da das Reportoire recht umfangreich war und die Gruppe sich fast nei
verspielte, war Jeremiah einverstanden, dass die vier Freunde vom
Rebecca auf der Hochzeit seines Vaters auftreten durften.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jul 12 2005, 21:01
Auf der Schweizer kamen indessen die Computersimulationen immer weiter
voran, dank Lieutenant Gablers Unterstützung musste Vinara auch nicht
mehr die ganze Zeit anwesend sein. Das hieß aber auch dass sie nun
verstärkt den Avancen des Captains ausgesetzt war, welche sich im
Vergleich zu Leblancs Verhalten aber deutlich in Grenzen hielten. "Ich
verspreche Ihnen, sobald die Ergebnisse vorliegen werde ich mit Ihnen noch
einmal zu Abend essen", versuchte sie das sanfte, aber bestimmte Drängen
abzuwehren.
"Und wann wird das sein?"
"Schon heute, wenn nicht alles schief geht. Wobei ich auf der Basis der auf
Vulkan generierten Daten eigentlich noch einmal eine Simulationsreihe
starten müsste und die würde dann noch einmal so lange dauern..."
Barnhelm seufzte. "Ich weiß, als Kommandant eines Forschungsschiffes
müsste ich eigentlich mehr Begeisterung für Ihr Tun an den Tag legen, aber
irgendwie kann ich im Moment nichts dagegen tun dass die
Wissenschaftlerin meine Aufmerksamkeit mehr erregt als die Wissenschaft
selbst!"
Vinara küsste ihn erneut auf die Wange (es war der zweite Kuss, den nach
dem ersten Essen mit eingerechnet) und ging dann in ihr Quartier.
Lange musste sie nicht warten bis das Terminal ein eingehendes Gespräch
anzeigte und kurz darauf Soteks Gesicht auf dem Bildschirm erschien.
"Vinara, wir haben innerhalb kürzest möglicher Zeit drei Versuchsreihen
durchgeführt, alle unter möglichst absolut identischen Bedingungen. Bei den
ersten beiden erhielten wir in der Tat eine bislang unbekannte Substanz die
wir immer noch untersuchen, doch im weiteren Verlauf erhielten wir nur
instabile anorganische Matierie. Erst beim dritten bildeten sich auch
einfache Amonisäuren welche aber gleich darauf wieder zerfielen."
"Und was schließen Sie daraus?"
"Genau das möchte ich zunächst von Ihnen wissen."
"Nun, organische Materie kann bei einer Supernova durchaus entstehen.
Nur die Wahrscheinlichkeit dass sie stabil bleibt und sich zu lebensfähigen
Organismen weiterentwickelt dürfte 1 : 10 hoch 59 betragen. Mit den
Simulationen habe ich übrigens nichts Eindeutiges erreicht, dafür waren die
bisherigen Daten zu vage."
"Ich werde Ihnen die unseren zusenden, wobei mir die Angelegenheit
eigentlich zu heikel erscheint um die normalen Kommunikationskanäle dafür
zu verwenden."
"Dann versuchen Sie es eben über die Geheimdienstkanäle. - Wie
interpretieren Sie eigentlich die Ergebnisse der ersten Versuche?"
"Es war abzusehen dass es Diskrepanzen zu unseren Experimenten geben
würde. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben Ihre deltanischen Kollegen den
Ausgang unterbewusst zu Gunsten der Bildung einfacher Lebensformen
beeinflusst. Das ist umso weniger überraschend wenn man bedenkt, dass
sich unter den Versuchsteilnehmern auch eine hochbegabte Telekinetin mit
einem ausgeprägten Hang zu Mystik und Spiritualität befindet. Ich möchte
Dr. Assjimas Wert dadurch keineswegs schmälern, aber ich befürchte sie
müsste erst einmal lernen ihre Fähigkeiten vollkommen zu beherrschen
bevor sie wirklich objektiv an derartige Experimente herangehen kann.
Wenn Sie wieder mit ihr Kontakt aufnehmen laden Sie sie vielleicht auch in
meinem Namen zu einem Besuch auf Vulkan ein."
"Das werde ich. Aber eines ist mir noch unklar. Sofern mir die Worte des
Steinwesens richtig übermittelt wurden scheint es bei jeder Supernova zur
Bildung von Leben zu kommen, was der statistischen Wahrscheinlichkeit
doch radikal widerspricht. Wäre es daher nicht denkbar dass eine weitere
Kraft auch hier unerstützend eingreift? Herrschten am Ende beim Urknall
dieselben Bedingungen?"
Zuerst wölbte sich Soteks linke Augenbraue, dann die rechte. "Vinara,
ausschließen können wir es nicht, aber wir dringen hier in Dimensionen vor
die man eher Theologen als Wissenschaftlern überlassen sollte. Tatsache
ist, es gibt genug Wesen die mächtig genug sind um auch in größerem
Umfang in die natürliche Entwicklung eingreifen zu können. Ob man sie
deshalb gleich als 'göttlich' bezeichnen kann, diese Frage wage ich nicht zu
beantworten. - Ich werde Ihnen die Daten auf einem abgesicherten Kanal
zukommen lassen."
Vinara bedankte sich noch einmal und beendete die Verbindung. Zu
aufgewühlt war ihr Inneres um sich jetzt gleich wieder mit Captain Barnhelm
treffen zu können, auch Assjima vermochte sie zu diesem Zeitpunkt noch
nicht wieder zu kontaktieren. Die Andorianerin 'verriegelte' die Tür, dunkelte
ihr Quartier ab, rückte alle rückbaren Möbel zur Seite und stellte ihre
vulkanische Meditationslampe in die Mitte auf dem Boden. Sie selbst nahm
ihm Schneidersitz vor ihr Platz, zündete sie an und versuchte ihre Gedanken
zu ordnen.
Eine Deltanerin als göttliches Wesen? Nein, das konnte sie einfach nicht
glauben!
Geschrieben von: Assjima am Jul 13 2005, 02:32
Und ewig singen die Wälder Teil 6
„Gib mir! Will auch tragen!“ „Nein, du bist zu klein dazu!“ „Und du bist doof,
Dafu!“ Mischka hüpfte aufgeregt um ihren großen Bruder herum und
versuchte, ihm das Packet abzunehmen. „Ihr beide spinnt! Setak hat doch
gesagt, dass wir mit dem Packet sehr vorsichtig sein müssen.“ Farik nahm
seinem Bruder die Schachtel aus der Hand uns marschierte zielstrebig auf
das Haus am See zu. Mischka stupste Dafu in die Rippen und flüsterte ihm
verschmitzt zu „Und Farik ist sooooooo langweilig. Immer will er alles genau
so machen, wie die Großen sagen.“ Im selben Augenblick sah sie ihre Tante
die Terrasse betreten und stürmte laut kreischend los: „Assssjiiiiiiiima – wir
haben Post für dich! Von Onkel Setak!“ „Hallo meine kleinen Freunde. Was
schickt er denn?“ Farik reichte ihr stolz das Packet. „Das hat er nicht gesagt.
Onkel Setak sagte nur, wir sollen damit sehr vorsichtig sein. Ich habe ganz
arg aufgepasst. Aber die beiden hier …“ Er schüttelte verächtlich den Kopf,
was Assjima unwillkürlich schmunzeln ließ. Farik war immer so vernünftig.
Vorsichtig öffnete sie das Packet. Neben einem handschriftlichen Brief
fanden sich darin nur ein paar gut verschlossene Petrischalen mit kaum
sichtbaren Substanzen und ein Padd.
„Kinder – geht ihr ein wenig baden? Ich muss mir das hier kurz in Ruhe
anschauen. Wir können dann später Balukkekse backen.“ Jubelnd stürmten
die drei zum Wasser hinunter und Assjima verschwand mit dem Päckchen
im Haus.
Im Arbeitszimmer schob sie die Schalen zuerst in eine kleine Analyseeinheit
um dann, während der Computer arbeitete, Setaks Brief zu lesen.
Augenblicklich entwich alle Farbe aus ihrem Gesicht. Als der Computer
piepsend signalisierte, dass die Analyse beendet sei, entnahm sie mit
zitternden Händen die Petrischalen und schob sie eine nach der anderen
unter das Elektronenmikroskop.
Etwa eine Stunde später tapsten zwei nackte Kinderfüße die Treppe hinauf.
Farik schob vorsichtig die angelehnte Tür auf und steckte den Kopf ins
Zimmer. „Tante, wann backen wir Kekse?“ Als er keine Antwort bekam, trat
er leise ein und hinterließ eine Spur nasser Fußabdrücke auf dem
Fußboden. „Schläfst du?“ Assjima zuckte zusammen, als er kichernd seine
vom Baden noch nasskalte Hand in ihren Kragen schob. „Nein, ich schlafe
nicht … ich denke.“ Er kletterte auf ihren Schoß und schaute sie mit seinen
ernsten dunklen Augen an. „Worüber denkst du nach?“ „Über alles ...“ „Wie
kann man über alles nachdenken? Soviel passt nicht in einen Kopf hinein.
Ich kann immer nur über eine Sache gleichzeitig nachdenken.“ Assjima
drückte den Sechsjährigen lachend an sich. „Keine Sorge, ich auch!“ „Aber
wie kannst du dann über alles nachdenken, wenn du doch nur für eine
Sache Platz im Kopf hast?“ „Es gibt Fragen, die nur Eines sind, aber
gleichzeitig alles bedeuten können.“
„Hm …“ Der Kleine legte nachdenklich die Stirn in Falten. „Wie wenn ich mit
meinen Bausteinen ein großes Haus baue … Es ist aus vielen Steinen, aber
ich sehe nicht die Steine, sondern immer nur das ganze große Haus?“ Sie
schob ihn ein wenig von sich weg und betrachtete ihn. Farik hatte nicht nur
die ernsten Augen seiner Großmutter geerbt, sondern auch den klaren,
analytischen Verstand der männlichen Linie ihrer Familie. „Aber was war
denn in Onkel Setaks Packet drin, das du auf einmal an Alles denken
musst?“
Assjima nahm ihn auf den Arm, ging mit ihm hinüber zum Mikroskop und
ließ ihn durch das Okular schauen. „Was siehst du, Farik?“ „Hmmm …
komische durchsichtige runde Dinger. Die sehen aber lustig aus!“ „Kannst
du erkennen, was die machen?“ Der Kleine starrte angestrengt in das
Mikroskop. „Ich glaube, die lernen gerade schwimmen. Mischka bewegt sich
auch immer so ulkig, wenn sie so tut, als ob sie richtig schwimmen könnte.
Und wegen den Dingern tust du an alles denken?“ „Ja, weil sie sich
eigentlich nicht bewegen dürften. Sie sollten tot sein. Onkel Setak und ich
haben sie aus toter Materie geschaffen.“
Farik betrachtete die Einzeller schweigend während es hinter seiner Stirn
arbeitete. Nach einem Weilchen lachte er laut auf: „Aber das ist doch toll. Du
kannst tote Sachen lebendig machen. Kannst du meinen Springfrosch auch
wieder lebendig machen? Aber ich habe ihn schon begraben – letzte
Woche.“ Der Junge hüpfte aufgeregt auf und ab. Assjima winkte
beschwichtigend ab. „Nein Farik, das kann ich leider nicht. Vielleicht könnte
ich etwas ganz Neues aus ihm schaffen. Ein Mumpurumpumpa oder so …“
„Ein Mumpuru … was? Was ist das für ein Tier?“ Er machte große Augen.
„Es ist ein Tier, das es gar nicht gibt. Aber ich könnte es vielleicht machen.“
„Das ist ja irre! Mach mir eins! Bitte! Wie wird es aussehen?“ „Das ist ja das
Problem, Farik. Ich weiß es nämlich nicht. Vielleicht wird es riesig groß und
fängt an, alle deine anderen Springfrösche aufzufressen?“ Der Junge wurde
plötzlich sehr still. „Und du kannst es nicht lieb machen? Ich will nicht, dass
es meine Frösche frisst. Ich will gar nicht, dass es Tiere aufisst.“ „Ich habe
keine Ahnung, was aus diesen Einzellern hier wird. Und ich weiß auch nicht,
was aus deinem toten Springfrosch werden würde … oder was bereits aus
ihm geworden ist …“ Nachdenklich drehte Assjima das Padd mit Setaks
Analysen in den Händen hin und her. Farik betrachtete seine Tante
neugierig. „Du kannst also neue Tiere zaubern, weißt aber nicht, ob die
nachher lieb oder böse sind?“ Seine Augenbrauen zogen sich zusammen,
als Assjima kaum sichtbar nickte. „Wenn du nicht sicher bist, dass sie lieb
sind, dann tu es nicht. Ich mag kein Mumpuruding, das meine Frösche frisst.
So ein Monster mag keiner! Lieber soll mein Frosch tot bleiben.“ Er drehte
sich um und ging zur Türe „Und jetzt komme bitte zum Kekse backen. Du
hast es versprochen! Und sperre die komischen Dinger da ein, damit kein
Mumpurmonster draus wird!“ Erhobenen Hauptes stakste Farik die Treppe
hinunter in die Küche, wo sich die beiden anderen bereits über die
Vorratsschränke hergemacht hatten.
„Er hat so recht … so verdammt recht!“ Vorsichtig stellte Assjima die
Petrischalen zurück in die Kiste. Einen Moment lang war sie sogar versucht,
sie in den farbigen Lichtkristall unten im Wohnzimmer zu werfen. Doch wer
weiß, was dann daraus werden könnte? Hatten sie womöglich eine
schlafende Bestie geweckt oder waren sie dem göttlichen Geheimnis des
Lebens auf der Spur? Und sie war sich nicht sicher, was von beidem
schlimmer werden könnte. Was würde passieren, wenn urplötzlich die
Suche nach dem heiligen Gral beendet wäre? Apokalypse? Paradies? Oder
alles war nur ein einziger großer Irrtum …
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jul 13 2005, 11:46
Sanft glitt die Tertiärsektion in die Werft und dockte beinahe unmerklich an
die Station an.
„Tertiärsektion angedockt“, meldete die haliianische Pilotin mit ruhiger
Stimme und verriegelte die Andockklammern. „Danke, Fähnrich“ Orsen war
von vom Kommandostuhl aufgestanden und ging in die Mitte der Brücke.
„Das war gute Arbeit, Herrschaften! Ich bin sehr zufrieden mit ihren
Leistungen. Ich denke, wir können hiermit die Arbeiten an der Tertiärsektion
als erfolgreich beendet ansehen.“ Er grinste über die Erleichterung, die sich
auf den Gesichtern mancher Teammitglieder abzeichnete. Freut euch nur
nicht zu früh, dachte er sich. „Morgen werden wir mit den Simulationen der
Sekundärsektion beginnen. Bis dahin sind sie entlassen. Wegtreten!“
Überrascht sahen die Teammitglieder den Lt. Commander an und rührten
sich nicht. Freizeit bis morgen? Seit wann gab es denn das? Orsen musste
wirklich guter Laune sein. Rasch legten sie ihre Verwunderung ab und
begannen die Brücke zu verlassen - bevor er sich womöglich noch anders
überlegte. Auch Niels und Milseya hatten ihre Arbeit schnell abgeschlossen
und waren gerade im Begriff die Brücke zu verlassen, als „Einen Moment
noch, Anquenar!“
Was war jetzt wieder? Die letzten drei Tage waren sie nicht ein einziges Mal
aneinander gerasselt - zumindest nicht öffentlich. Und zum ersten Mal seit
sie in Orsens Team war, würde Milseya die Zusammenarbeit sogar als
halbwegs harmonisch bezeichnen. Natürlich hatten sie ihre Differenzen
gehabt, aber der Tonfall und auch die Lautstärke hatten sich verändert,
nachdem sie Orsen darauf hingewiesen hatte, dass kaum ein Kommandant
ihr Verhalten tolerieren würde. Seitdem brüllten sie sich nur noch unter vier
Augen an.
Sie nickte Niels zu. „Wir sehen uns später!“ Er erwiderte das Nicken und
verließ die Brücke.
„Sir?“ Sie nahm Haltung vor Orsen an, der wieder Platz auf dem
Kommandostuhl genommen hatte.
„Stehen Sie bequem. Sie wissen, dass ich auf solchen Firlefanz keinen Wert
lege, Anquenar.“ Milseya grinste und entspannte sich. „Aye, Commander.“
Er lehnte sich zurück und sah die Haliianerin gelassen an. „Das war
verdammt gute Arbeit da draußen, Fähnrich. Sie haben wirklich nichts
verlernt.“ Milseya wurde ein wenig rot über das Lob und hoffte, dass Orsen
es nicht bemerken würde. „Danke, Sir. Aber das Lob gebührt dem ganzen
Team.“ „Ohne Zweifel, Anquenar. Aber bei einem Testflug ist nun mal der
Pilot die Hauptperson. Und van Richthoven und Sie sind da vorne ein gut
eingespieltes Team.“ Das stimmte. Milseya schätzte die Zusammenarbeit
mit Niels außerordentlich. Er war ruhig und besonnen, handelte schnell und
überlegt. Bereits seit dem ersten Tag ergänzten sie sich beinahe perfekt.
Ohne viele Worte zu wechseln. „Danke Sir. Er wird sich freuen, das zu
hören“, erwiderte Milseya.
„Ich möchte über etwas anders mit Ihnen reden, Fähnrich.“ Unwillkürlich
versteifte sich Milseya. Sie hasste solche Sätze. Meist bedeuteten sie nichts
Gutes.
„Der Bau der Primärsektion schreitet gut voran. Wenn nichts dazwischen
kommt, werden wir diese in wenigen Wochen testen können.“ Er sah sie
nachdenklich an. „Haben Sie sich schon überlegt, was Sie danach tun
werden, Anquenar?“, fragte er. Milseya seufzte leicht. Sicher hatte sie das,
aber noch war alles offen. „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht, Sir.“ antwortete
sie ihm. Er musterte sie und fragte sich, wann sie es ihm sagen würde, doch
zuvor... „Fähnrich, was würden Sie davon halten, wenn Sie in meinem Team
als feste Testpilotin arbeiten würden. Wir werden die nächsten Monate ein
paar Schiffe der neuesten Generation testen. Ich könnte dabei jemanden mit
ihren Fähigkeiten gut gebrauchen.“ Er wartete ab.
Überrascht starrte Milseya Orsen an. Was für ein Angebot! Schiffe der
neuesten Generation! Und sie würde sie als erste fliegen. Ihnen ihren
Stempel aufdrücken können. Milseya wurde allein beim Gedanken daran ein
wenig schwindelig. Damit hätte sie nie gerechnet. Schon gar nicht nach all
den Reibereien und hitzigen 'Debatten' zwischen ihr und Orsen. Was für
eine Chance! Aber auf der anderen Seite .. sie wäre ständig unterwegs,
hätte nie ein richtiges, eigenes Quartier. Ob ein solches Nomadenleben ihrer
Seele gut tun würde? Hatte sie in ihrer Jugend am Ende nicht das ständige
Reisen gründlich satt gehabt? Ganz davon abgesehen, dass sie sich
niemals lange genug irgendwo aufhalten würde, um Freundschaften zu
schließen. Was wäre mit John? Mit Niels? Sie wusste, dass die beiden um
ihre Versetzung auf die Community ersucht hatten. Genauso wie sie vor
kurzem.
„Commander, ich .. ich bin .. dankbar für Ihr Angebot“, begann Milseya
zaghaft. „Aber ich habe einen Antrag bei der Sternenflotte eingereicht, doch
bislang keine Antwort erhalten.“ „So? Interessant. Verraten Sie mir, wohin
sie wollen, Fähnrich?“, fragte Orsen, während ein undefinierbares Lächeln
seine Lippen umspielten. Na, endlich! Das wurde aber auch Zeit! „Auf die
Community, Sir“, gab Milseya offen zu. „Eine gute Wahl, Fähnrich. Zudem
noch logisch. Sie haben das Schiff getestet, kennen also alle neuen
Funktionen und wissen, wie das Schiff reagiert. Dennoch, die Community ist
kein Schiff für Anfänger, Fähnrich“, entgegnete er ein Spur zu hart, wie
Milseya empfand. Sie senkte den Blick. „Ich weiß, Commander. Trotzdem
...“
Orsen hatte ein wenig Mitleid mit der Pilotin. Sie wusste nichts von den
Plänen der Sternenflotte. Sie hatte nicht die geringste Ahnung davon, dass
das Oberkommando ihn aufgrund ihres Ersuchens um eine Einschätzung
gebeten hatte. Ausgerechnet ihn, der sie unbedingt in seinem Team haben
wollte! Orsen war strenger Herrscher über seine Teams, aber er war fair. Er
hatte die Sternenflotte darüber informiert, dass er nicht der Geeignete dafür
war, da die Pilotin gerne selber in seinem Team haben wolle. Das hatte das
Oberkommando jedoch nicht im Geringsten interessiert. Er hatte seine
Befehle erhalten und er würde sie ausführen. Und das schmeckte ihm
absolut nicht. Es war nicht fair, den Fähnrich bis zum letzten Moment im
Unklaren darüber zu lassen und sie zudem die nächsten Wochen zu testen,
ohne dass sie davon wusste. Er hasste solche Spielchen.
„Nun, das Angebot steht, Fähnrich. Denken Sie darüber nach. Sollte Ihrer
Bitte nicht entsprochen werden, haben Sie jedenfalls eine Alternative. Ich
werde vorerst keinen anderen Testpiloten für die nächsten Projekte
anfordern, bis Sie eine Antwort erhalten haben“, erklärte er ihr. Milseya
nickte dankbar. Orsen grinste „Und jetzt, raus hier!“
Geschrieben von: Vinara Shral am Jul 13 2005, 22:23
Auf Delta IV war es Nacht. Draußen spiegelten sich die drei Monde auf dem
See und im Haus warf der Kristall einen warmen Schimmer durch die
Räume. Es herrschte Stille. Nein, nicht ganz – aus dem Arbeitszimmer war
ein monotones Piepsen zu hören. Es dauerte einen Moment, bis Assjima
wach wurde und realisierte, dass da jemand mit ihr sprechen wollte.
Verschlafen tapste sie die Treppe hinauf und aktivierte das Terminal. Das
blaue Gesicht Lt. Commander Shrals erschien auf dem Monitor. Assjima
rieb sich den Schlaf aus den Augen: „Vinara! Welch eine Überraschung! Wie
geht es Ihnen?“
"Ich bin beim Meditieren eingeschlafen. Sie hatten Recht, Deltaner scheinen
sich nur bedingt als objektive Experimentatoren zu eignen."
„War der Inhalt Ihrer Meditation so langweilig?“ Assjima zog ihren Kimono
fester um sich, da er doch für ein Gespräch mit einer vulkanischen
Andorianerin ein wenig zu freizügig wirken könnte. „Und was die
Tauglichkeit als unparteiische Versuchsleiter angeht – da erzählen Sie mir
nichts Neues. Genau deshalb habe ich Sie ja um Ihre Hilfe gebeten. Haben
Ihre Untersuchungen etwas ergeben?“
"Ja, und deshalb wollte ich so bald wie möglich mit Ihnen sprechen. Ich weiß
es ist mitten in der Nacht bei Ihnen, aber die Angelegenheit verwirrt mich
doch mehr als ich erwartet hatte. Ich selbst konnte Ihre Experimente nicht
an Bord der Schweizer nachstellen, ich habe den Auftrag an die vulkanische
Adademie der Wissenschaften weitergeleitet. Bei drei Durchläufen brachte
lediglich der dritte ein paar instabile Aminosäuren hervor; neues Leben kann
bei der Explosion einer Supernova also prinzipiell entstehen. Sie scheinen
mit Ihren Kräften lediglich die Wahrscheinlichkeit ausgetrickst zu haben.
Was mich jetzt verwirrt und auch zur Meditation gebracht hat war die
Aussage des Steinwesens, dass bei jeder Supernova neues Leben entsteht.
Oder haben Sie da etwas falsch verstanden?"
Die Deltanerin zupfte sich nachdenklich an der Nase. „Ihre Kollegen haben
nur instabile Aminosäuren hervorbringen können? Eigenartig ... Unsere
Versuchskulturen sind zwischenzeitlich zu Einzellern herangewachsen.
Einen Moment bitte.“ Sie erhob sich und holte das Padd mit Setaks Daten.
„Ich überspiele Ihnen schnell die Daten von Professor Setak.“ Wenige
Augenblicke später waren die Daten unterwegs zu der Schweizer. „Was die
Aussage des Steinwesens angeht – ich habe das so verstanden, dass sie
Supernovae suchen würden, damit neues Leben entstünde. Daraus folgere
ich, dass erst dann Leben durch eine Sternenexplosion entsteht, wenn diese
Wesen anwesend sind.“
Vinara begutachtete die Daten. "Wenn das wirklich so ist ... Ich habe mich
nie besonders mit Religion befasst, aber selbst mein Mentor sagte dass wir
uns hier in Dimensionen begeben die man eher Theologen überlassen
sollte. Und Philosophen. Der Gedanke dass bei der Enstehung des
Universums ganz ähnliche Verhältnisse geherrscht haben könnten wie bei
einer Supernova, ist mir auch schon gekommen aber die Steinwesen
können unmöglich schon beim Urknall existiert haben. Außerdem, wenn
dies die einzige Art sein sollte neues Leben zu erschaffen käme mir das
schon irgendwie seltsam vor."
„Das Universum ist unermesslich ...“ Assjima fröstelte ein wenig. Die Nächte
auf ihrem Heimatplaneten konnten sehr kühl sein. „Ich denke, wir haben es
hier nur mit einer von vielen ... von sehr vielen Möglichkeiten zu tun. Und
dass sie bereits vor dem Urknall existiert haben können halte auch ich für
sehr unwahrscheinlich. Er sagte auch, dass sie nur Diener seien ... ’Diener
des Lebens’ ... ja, so sage er!“ Sie machte eine kleine Pause. „Vinara, ich
weiß, es ist schwer für eine Logikerin wie Sie es sind, in metaphysischen
Bahnen zu denken. Aber Sie lieben Kafka - und der hat nicht viel Logisches
an sich. Wenn wir versuchen, die traditionellen Grenzen zwischen den
’logischen’ Disziplinen und der Theologie und der Philosophie aufzuheben ...
immerhin ist es die Philosophie, die den Begriff der Logik überhaupt erst
geprägt hat ... Wenn wir diese Grenzen aufheben, was stehen uns dann für
Möglichkeiten zur Verfügung?“
"Ich liebe Kafka nicht, ich finde ihn nur faszinierend. Und was die Aufhebung
von Grenzen anbelangt, ich finde zumindest einige Dinge sollten da bleiben
wo sie sind, sonst versinkt alles im Chaos." Vinara sah wie die Deltanerin
zitterte. "Ich möchte Sie wirklich nicht länger aufhalten, wir könnten
stundenlang weiterreden und doch zu keinem Ende kommen. Ich soll Ihnen
noch eine Einladung nach Vulkan im Namen meines früheren Mentors,
Professor Sotek aussprechen. Und ich denke das gilt auch für Ihren
Kollegen, dessen Name überraschend vulkanisch klingt."
„Setak heißt er... Professor Dr. Dr. Setak ... Er hat einen Lehrstuhl für
organische Physik an der deltanischen Akademie der Wissenschaften. Und
auch wenn sein Name etwas vulkanisch klingt – er kann so unglaublich
unlogisch sein. Dagegen bin ich ein Waisenkind!“ Assjima lachte leise in
sich hinein, als sie an seine regelmäßig wiederkehrenden
Temperamentausbrüche bei der gemeinsamen Arbeit der letzten Tage
dachte. „Ich werde die Einladung an ihn weiter geben.“ Sie schaute
nachdenklich auf den Monitor. „Vinara, wie weit wären wir, wenn wir stets
die Grenzen einhalten würden? Ich stehe hier vor einem moralischen
Dilemma. Wir haben hier einige lebende Zellen geschaffen. Auf Vulkan hat
man nur instabile Aminosäuren erhalten. Es scheint so, das wir hier auf
Delta die fehlenden Komponenten zur Schaffung von Leben zur Verfügung
haben. Doch was werden wir schaffen? Ich weiß nicht richtig, wie ich damit
umgehen soll ... Haben Sie einen Rat für mich?"
"Beobachten Sie die Einzeller und sobald sie anfangen sich zu komplexeren
Lebensformen zu entwickeln, erstellen Sie zur Sicherheit eine Abschirmung.
Es gibt doch auch bei Ihnen so etwas wie Hochsicherheitslabore?"
Für wie rückständig hielt Vinara eigentlich die Wissenschaftler auf Delta IV?
Assjima war ein wenig verwirrt. Nun, die deltanischen Methoden mussten
auf Vinara durchaus ein wenig seltsam wirken. „Natürlich haben wir so
etwas hier! Man sagt, wir hätten die am modernsten ausgestatteten Labore
des Quadranten. Sie sollten mal vorbeikommen. Professor Setak wird Ihnen
bestimmt gerne alles zeigen ... Sie meinen also, wir sollen weitermachen?“
Vinara nickte bestätigend. "Alles andere wäre unlogisch. Aber jetzt sollten
Sie wirklich wieder ins Bett, informieren Sie mich sobald sich wieder etwas
Neues ergibt."
„Ja, das werde ich machen! Und bitte grüßen Sie Ihren Mentor Professor
Sotek von mir. Sie beide waren mir eine große Hilfe. Ich werde Sie auf dem
Laufenden halten. Und Ihnen noch viel Spaß beim nächsten Abendessen
mit dem Captain.“ Sie zwinkerte der Andorianerin zu und erhob sich.
Vinara erwiderte den Abschiedsgruß mit einem weiteren Nicken und
wünschte Assjima noch eine gute Nacht, ehe Sie die Verbindung beendete.
Die Deltanerin blieb noch einen Moment vor der Schachtel mit den Proben
stehen. „So, ihr kleinen Kerlchen – ihr sollt also in ein Hochsicherheitslabor?
Besser ist besser.“ Sie nahm die Kiste und schloss sie erst einmal in den
Schrank ein. Sie würde sie die nächsten Tage wieder mit hinauf zu Setak ins
Labor schaffen. „Wer weiß, welchen Golem wir hier geschaffen haben ...“
[ Tolayon und Brynhild auf der Suche nach dem Geheimnis des Lebens ]
Geschrieben von: Bjørn Niels van Richthoven am Jul 13 2005, 23:06
Nach den Tests saß Niels im Maschinenraum und wertete einige
Sensorendaten aus, die er bei den Testflügen aufgenommen hatte. Es war
keine besonders anspruchsvolle Arbeit, doch sie machte Niels dennoch
Spass. Jetzt konnte man sich der Sekundärsektion widmen und später dem
Verbund der beiden Sektionen. Die bisherigen Ergebnisse waren schon
sehr gut und gaben Hoffnung. Das Potenzial des Schiffes schien gewaltig
und Niels freute sich darauf, den normalen Dienst auf der Community
aufzunehmen.
Von Hinten näherten sich Schritte. "Mr. van Richthoven, schön sie
wiederzusehn." Niels kannte die Stimme. Er drehte sich um um zu sehen,
wer da gesprochen hatte. Er blickte in das vertraute Gesicht seinens
ehemaligen Captains. "Hallo, Captain!" erwiederte Niels.
Captain Keslik war ein aboraler Xindi von gemütlicher Statur, wobei er
kleiner war als Niels. Sein Deckhaar und Bart waren mitlerweile grau und
zeugten von seinem stolzen Alter von 58 Jahren. Freundlich blickte der
Kommandant der Solstice Niels an: "Ich hörte was ihnen zugestoßen ist, wir
haben uns große Sorgen um sie gemacht. Ich bin sehr erleichtert sie hier
wohlauf anzutreffen. Leider kehrten wir erst heute morgen zur Erde zurück."
"Sir, ich wollte ihnen keine Unannehmlichkeiten bereiten und bin sehr
gerührt, dass sie sich um mich gesorgt haben." erwiederte Niels. "Mr. van
Richthoven, ich kümmere mich um jedes mitglied meiner Besatzung, das
wissen sie doch genau. Ich habe mich auch stark für eine Suchaktion
ausgesprochen, leider gab es keine Ergebnisse und ich war gezwungen ihre
Stelle neu zu besetzen. Aber ich sehe, sie haben sich ja einen guten Job an
Land gezogen." erklärte Keslik.
Niels nickte verständnisvoll. Es war eine schöne Zeit für ihn gewesen auf
der Solstice. Er erinnerte sich, wie harmonisch die Zusammenarbeit mit den
Kollegen gewesen war, eine ruhige, längst nicht so verückte Crew wie die
der Community. Er hatte Raum sich zu entfalten und der Captain hatte ihn
dabei unterstützt. Niels war ihm zu großem Dank verpflichtet. "Danke!"
meinte er, " kann ich ihnen wenigstens eine Führung durch das Schiff
geben?" "Das wäre sehr freundlich," nahm er das Angebot an. Jetzt war
Niels froh, dass Commander Orsen für heute den Dienst beendet hatte. "Wir
haben einen neuen Warpkern bekommen, der auf einem Modell basiert,
dass wir kurz vor meinem Urlaub erfolgreich getestet hatten." erklärte Niels.
Der Captain ging einmal um den Reaktor herum und schaute an ihm hinauf
und herunter. "Beeindruckend," meinte er. "Danke," entgegnete Niels, "als
nächstes möchte ich ihnen die Brücke zeigen.
Er forderte Keslik mit einer Geste auf ihm zu folgen. "Lieder ist noch nicht
Alles fertig, daher sind auch noch nicht alle Verkleidungen wieder
angebracht worden." erklärte Niels die Panele, die och in den Korridoren
herumlagen. Hier und da waren Techniker mit ein paar Feinheiten
beschäftigt.
Als sie auf ihrem Rundgang die Brücke der Tertiärsektion erreichten, war
Orsen mitlerweile nicht mehr dort, nur an der technischen Station
diskutierten zwei Ingenieure. Niels und Keslik traten hinüber zum Stuhl des
Captains. "Setzen sie sich!" forderte Niels ihn auf. Er folgte der Aufforderung
und nahm Platz. "Und, wie fühlt es sich an, Sir? Genau so wie auf der
Solstice?" fragte Niels. " Nun," meinte der Captain, " nicht exakt genau so.
Man merkt schon von diesem Stuhl aus, dass das Schiff für den Kampf
gebaut wurde. Es wirkt alles kälter, heller und nicht so gemütlich." Dann
fügte er grinsend hinzu: "Außerdem ist mein Stuhl besser gepolstert." Niels
konnte sich ein Lachen kaum verkneifen. Captain Keslik war immer noch
genau so cool, wie eh und je. "Ensign, wo ist denn ihre Station?" fragte er.
"Hier," Niels zeigte zur OPS, "oder dort," deutete er zur
Wissenschaftsstation. "Ich arbeite aber auch im Wissenschaftslabor und bei
der Wartung." führte er weiter aus.
"Wie wäre es nun mit der Krankenstation?" fragte er etwas später. Keslik
erhob sich und deutete Niels an vorrauszugehen. Mit dem Turbolift ging es
einige Decks nach unten. Im Krankenrevier war niemand anwesend, was im
Dock auch nicht notwendig war. Zentral in der Krankenstation war ein
Diagnosebett aufgebaut. An einer Seite des Raums war ein großer
Diagnosebildschirm und ein Schreibtisch angeordnet. Keslik sah sich genau
um. Viel zu sehen gab es nicht, er interessierte sich besonders für Details,
Bedienelemente, Monitore usw. "Da wären noch der Transporterraum und
die Messe. Astrometrie, Wissenschaftslabor und Councelorbüro sind leider
auf den anderen Sektionen, die würde ich ihnen zeigen, wenn sie das Schiff
nach der Vollendung noch einmal besuchen." fuhr Niels fort. "Dann lassen
sie uns noch etwas in der Messe trinken," schlug der Captain vor. "den
Transporterraum habe ich schon bei meiner Ankunft besichtigen können."
Niels nickte und die beiden Männer verließen die Krankenstation.
In der kleinen Messe angekommen, geleitete Niels den Xindi-Captain zu
einem Tisch und fragte dann: "Wie immer?" "Daran hat sich nichts
geändert." beantwortete er die Frage. Niels ging hinüber zum Replikator.
"Ein Wasser, 5°C, und einen Pfirsichsaft." bestellte er und entnahm die
Getränke aus dem Ausgabefach. Er reichte ihm das Wasser und hob das
Glas. "Auf die Solstice und die Community, zwei Schönheiten im All!"
brachte er einen Trinkspruch aus. Keslik erwiederte den Tost und nahm
einen Schluck. "Kommen sie gut aus mit ihren neuen Kollegen?" wollte er
wissen. "Viele habe ich noch nicht kennengelernt," meinte Niels, "aber mit
den wenigen läuft es bis jetzt ganz gut. Wie stellt sich mein Nachfolger an?"
Der Captain schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Erinnern sie
mich nicht an den, das ist vielleicht eine Nervensäge. Wenn sie wieder
zurückkehren wollten, hätte ich einen Grund ihn loszuwerden." scherzte er.
Niels lachte herzhaft. "Nein, im Moment bin ich hier ganz gut aufgehoben,
Captain. Vielleicht komme ich zu einem späteren Zeitpunkt auf ihr Schiff
zurück." "Wie gehts ihrer Familie, ihre Eltern sind so liebenswürdige Leute."
fragte Keslik. Er hatte sie letztes Jahr im Sommer kennengelernt, als sie zu
Besuch auf dem Schiff waren. "Das Ganze war ein großer Schock für sie,
besonders für meine Mutter. Mitlerweile geht es ihnen wieder ziemlich gut.
Vor allem sind sie erleichtert, dass mmir nichts passiert ist." erzählte Niels.
"Das freut mich zu hören," fuhr er fort, "so langsam muss ich wieder
aufbrechen, das Shuttle zur Erde startet in einer halben Stunde." Niels
stellte die beiden Gläser zurück in den Replikator und begleitete den
Captain noch bis in den Transporterraum. "Es hat mich sehr gefreut sie
wiederzusehen, Mr. van Richthoven," meinte er, während er auf die
Transporterplattform hinaufstieg. "Die Freude war ganz auf meiner Seite,
Captain!" erwiederte Niels und nahm Haltung an. Captain Keslik nickte dem
Chief zu und dieser aktivierte die Transportvorrichtung.
Nachdem der Captain weg war, kehrte Niels in sein provisorisches Quartier
zurück, jetzt hatte er keine Lust mehr die Analysen. Sein Terminal zeigte
eine neue Nachricht an. Der Wissenschaftsrat teilte ihm mit, dass seinem
Antrag stattgegeben wurde. Jetzt würde er mit den Vorbereitungen
anfangen. In etwa einem halben Jahr würde die Arbeit fertig sein, doch
Priorität hatte erst mal das Schiff.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jul 15 2005, 23:48
Absender: Milseya Anquenar
Empfänger: Dr. John Gilmore – Traumaklinik Dr. Dr. Rento Nares - Betazed
Lieber John,
ja, ich weiß, dass ich mich lange nicht mehr gemeldet habe. Aber wie ich dir
schon gesagt hatte, ich war eine Zeit lang nicht zu erreichen. Für
niemanden. Verzeih mir bitte, dass dies auch dich eingeschlossen hat. Ich
hatte meine Gründe. Und ja, ich habe das gefunden, was ich gesucht habe.
Antworten, Erkenntnis und vielleicht auch ein wenig Frieden. Letzteres wird
sich allerdings noch zeigen müssen.
Oh John, es ist so viel passiert in den letzten Wochen und insbesondere die
letzten Tagen waren recht anstrengend. Gestern sind wir vom ersten
Testflug mit der Tertiärsektion der Community zurückgekehrt. Ich hatte
beinahe schon vergessen, wie es ist ein Schiff unter normalen Umständen
(wenn man bei einem Testflug davon sprechen kann) zu fliegen. Ich hatte
vergessen, wie sehr ich das Fliegen liebe...
Ja, du hast richtig gelesen. Ich fliege wieder ein Schiff - ich teste die neu
gewarteten Sektionen der Community und wenn die Primärsektion fertig
gestellt sein wird, dann werde ich zum ersten Mal erfahren, was dieses
Schiff wirklich in der Lage ist, zu vollbringen.
Verrückt, oder? Ich hätte nie geglaubt, dass ich nach all dem, was
geschehen ist, wieder auf dieses Schiff zurückkehren würde. Auch wenn es
vorerst nur als Testpilotin ist, das Gefühl wieder an der Conn zu sitzen, ist
unbeschreiblich. Ich schreibe vorerst, denn was danach sein wird, weiß ich
nicht. Genau wie du und Niels habe auch ich, um meine Versetzung auf die
Community gebeten. Doch bislang habe ich keine Antwort erhalten. Ich
vermute, sie wollen erst mal sehen, ob ich mich nach meiner langen
Abwesenheit wieder in eine Crew integrieren kann und vor allem, ob ich
nicht wieder irgend jemanden „verfluche“. Kein Scherz! Niels erzählte mir,
dass einige ihn gefragt hätten, ob er keine Angst davor hätte, dass ich ihn
verfluchen könnte. Himmel, die Gerüchteküche hier ist schon unglaublich.
Im Übrigen ist mir das „Verfluchen“ ohne meinen Canar unmöglich. Denn
den hat mir Orsen gleich am ersten Tag abgenommen. Keine Ahnung, was
er damit angestellt hat. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich schon seit
Tagen nicht mehr an den Canar gedacht.
Wahrscheinlich, weil ich vor lauter Arbeit keine Zeit dazu hatte, denn Orsen
ist ein Tyrann wie er im Buche steht. Er treibt mich zum Wahnsinn!!! Ich
glaube, es ist kein Tag vergangen, an dem wir uns nicht angebrüllt,
gestritten oder sonst wie in die Haare bekommen haben. Aber - du hast es
wahrscheinlich schon längst erraten - ich habe mich schon lange nicht mehr
so wohl gefühlt. Und scheinbar gefallen ihm unsere „Diskussionen“ auch,
denn er hat gefragt, ob ich nicht in sein Team wechseln möchte - als feste
Testpilotin. Und John? Ich denke tatsächlich darüber nach. Was, wenn ich
nicht auf die Community versetzt werde? Irgendwohin versetzt zu werden,
wo ich niemand kenne, ist nicht unbedingt verlockend. Bei Orsen weiß ich,
woran ich bin. Mittlerweile kenne ich einige Teammitglieder und komme gut
mit ihnen aus. Nur wäre ein solch unbeständiges Leben wirklich etwas für
mich? Ich bezweifle es, zumal ich mich so langsam wirklich in dieses Schiff
hier „verliebe“. Dennoch ist die Aussicht - wenn es nicht mit der Versetzung
klappen sollte - weiterhin das tun zu können, was ich liebe, beruhigend. Wir
werden sehen, was die Zukunft bringt ...
Doch nun zu Dir: Könntest du mir mal verraten, wie man innerhalb von drei
Wochen 42 Nachrichten schreiben kann? Hattest du wirklich nichts anders
zu tun? Weißt du eigentlich, wie lange ich gebraucht habe, die alle zu
lesen? Und dass ich wegen deinen Briefen verschlafen habe und es nur
verdammt knapp pünktlich zum Dienst geschafft habe?
Ach John!! Was ist nur mit dir los? Da begegnet dir diese unglaubliche Frau,
scheint deine Gefühle zu erwidern und du verkriechst dich hinter Ausreden
und Ausflüchten. Was soll das?
Dein Herz schlägt schneller, wenn sie mit dir spricht? Es kribbelt in deinem
Bauch, wenn du sie siehst? Und du glaubst, es könnte eine Lüge sein? Es
würde dir das Herz zerreissen, wenn es so wäre? John, du bist verliebt! Und
es hat dich heftig erwischt!
Meiner Meinung nach warst du das bereits seit dem Moment, als du Selina
zum ersten Mal gesehen hast. Du magst es geleugnet haben - vor ihr, vor
mir, vor dir selbst. Aber ich kenne dich nun mal viel zu gut, vergiss das bitte
nicht! Ich habe dich schon lange nicht mehr so fasziniert von jemanden
gesehen. Wann haben sich das letzte Mal deine Gedanken so sehr nur um
einen Menschen gedreht? Wann hattest du das letzte Mal Herzklopfen und
Kribbeln im Bauch? Wenn dein Körper so empfindet, dann ist das
schlichtweg eine Reaktion deiner Seele. Du bist bis über beide Ohren
verliebt! Und ich finde es einfach wunderbar!
Warum glaubst du nur, dass deine Gefühle nicht echt sein könnten? Willst
du das womöglich gar nicht? Suchst du wieder nach einem Ausweg, nach
einer Ausrede? Hör auf dich zu verstecken! Vor ihr, vor deinen Gefühlen, vor
dem was, geschehen ist. Lass es, John. Lass es einfach geschehen.
Akzeptiere es einfach. Dann wirst du es auch verstehen. Ich muss dir nicht
die Daumen drücken. Deine Gefühle sind echt. Das waren sie immer.
Nur weil du vor unseren Erlebnissen davon gelaufen bist, weil du dich in die
Arbeit vergraben hast, weil du nicht akzeptieren wolltest, was geschehen ist,
bedeutet das nicht, dass alles was danach passiert ist, ebenso irreal ist. Du
hast keine Zuflucht bei Selina gesucht. Möglicherweise hast du Vergessen
gesucht. Was aber nicht gleichbedeutend ist mit falschen Gefühlen, wie ich
aus eigener Erfahrung weiß. Auch du musstest dich an etwas, an jemanden
festhalten, um nicht verloren zu gehen - genau wie ich. Liebe entsteht an
den seltsamsten Orten und zu den unmöglichsten Zeiten. Das ist ja gerade
das Wunderbare an ihr.
Und wie viel wunderbarer ist es, wenn sie auch noch erwidert wird. Hör auf
davon zu rennen. Als ihr euch nach der Anhörung umarmt habt, da habe ich
ein wundervolles Paar gesehen. Lass nicht zu, dass Zweifel dieses Bild
zerstören. Warte einfach ab, was geschieht. Vertrau mir, Oumriel.
In Liebe
Milseya
Geschrieben von: Vinara Shral am Jul 16 2005, 00:18
Vinara schämte sich ein wenig für die Art in der sie teilweise mit Assjima
geredet hatte. Sie musste den Eindruck gemacht haben dass sie den
Deltanern nicht zutraute auf dem Gebiet der konventionellen Wissenschaft
Bedeutsames hervorzubringen. Die Angelegenheit war aber auch zu
verwirrend, ein kleiner Teil im Innern der Andorianerin fürchtete sich sogar
vor den Kräften der ungewöhnlichen Medizinerin. Was wenn Assjima einmal
die Kontrolle verlieren sollte? Es stand zwar noch nicht eindeutig fest dass
sie es war die die Lebensformen bei dem Experiment erschaffen hatte,
vielleicht hatte Professor Setak oder sonst ein Anwesender zumindest einen
Teil dazu beigetragen...
Wie dem auch sei, es half nichts. Vinara bereitete zwar ein paar weitere
Simulationen auf der Basis der neu erhaltenen Daten von Vulkan wie Delta
IV vor, doch sie verzichtete vorerst darauf sie zu starten. Stattdessen nahm
sie Captain Barnhelms Einladung zum Kinobesuch auf dem Holodeck an.
Man musste sich das einmal vorstellen: Man hatte die modernste
Technologie mit der Fähigkeit, dreidimensionale Objekte und Umgebungen
lebensecht nachbilden zu können und verwendete sie um sich - in diesem
Fall zumindest - eine primitive zweidimensionale Projektion auf einer
Leinwand anzusehen! Es war ein uralter Klassiker von der Erde, "Dr.
Schiwago". Vinara fand die zur Schau gestellten Emotionen irritierend, ihren
Begleiter schienen sie jedenfalls dazu zu animieren seinen Arm um den
ihren zu legen.
"Ähm, Captain, gehe ich recht in der Annahme dass früher auf diese Weise
Paarungsrituale initiiert wurden?"
Barnhelm nahm seinen Arm ruckartig von ihr und starrte sie an. "Vinara,
Commander, was denken Sie von mir? - Gut, ich gebe zu dass es damals
vielleicht oft so abgelaufen sein mag. Aber alles was ich jetzt will ist dass Sie
sich wohlfühlen. Sie wirken immer so förmlich, fast schon verkrampft, ich
dachte ein wenig Romantik..."
"Aber soll Romantik nicht gerade dazu dienen sich auf intime Weise
näherzukommen? Falls Sie das beabsichtigen muss ich sagen, dieser Film
ist nicht gerade das ideale Mittel. Auf mich wirkt er eher... kitschig. Es tut mir
leid wenn ich damit Ihre Gefühle verletze, aber ich brauche so etwas nicht
um in eine geeignete Stimmung zu kommen. Wollten wir nicht noch zu
Abend essen?"
"Äh, ja, der Film ist sowieso etwas lang, dann werde ich jetzt mit Ihrem
Einverständnis... Computer, Programm Barnhelm 34!"
Sogleich wich der dunkle Kinosaal einem kaum mehr erleuchteten
Restaurant aus der wie die Andorianerin vermutete selben Epoche; auf
jeden Fall harmonierte sie mit der Zivilkleidung die beide trugen.
"Die Umgebung und der Kellner sind holografisch, aber die Speisen werden
dank Replikatortechnoloige echt sein. Suchen Sie sich etwas aus!"
Vinara starrte auf die Speisekarte, welche fast nur französische Wörter
enthielt. "Ich weiß zwar nicht genau was das alles bedeuten soll, aber wenn
es möglich ist nehme ich eine Gemüsesuppe und ein Glas Wasser."
"Wie denn, wollen Sie abnehmen? Sie sind doch schon so dünn genug, fast
sogar zu dünn, bestellen Sie doch wenigstens noch einen ordentlichan
Hauptgang! Und Wasser, nein, hier trinkt man Wein, selbstverständlich auf
unschädlicher Syntheolbasis. Mein Gott, Vinara! Wenn man Ihnen alles
erklären muss geht die ganze Romantik flöten."
Vinara entschloss sich schließlich neben der Gemüsesuppe ein kleines
Steak mit Kartoffeln und Salat zu nehmen. Sie fühlte sich schon sehr satt
nach dieser Mahlzeit, zu welcher Barnhelm ihnen beiden eine große Flasche
Rotwein bestellte (er selbst aß Austern), doch da tischte der Kellner noch
zwei große Portionen Pudding auf.
"Oh nein, dann passe ich doch unmöglich in meine Uniform! Auf jeden Fall
nicht mehr in die Galaversion", seufzte die Wissenschaftlerin.
Barnhelm kicherte leise. "Sehen Sie, jetzt reden Sie wie eine wirkliche Frau.
Und als echter Gentleman kann ich Ihnen nur sagen: Sie können sich noch
mindestens zwei Mahle wie dieses hier leisten und wären immer noch weit
davon entfernt als dick bezeichnet zu werden."
Nach dem üppigen Dinner - es war schon nach Mitternacht - kamen sie am
Quartier des Captains vorbei.
"Ups, jetzt sind wir zu weit. Ich wollte Sie eigentlich zu Ihrem Quartier
begleiten..."
"Das wollten Sie nicht. Sie planten schon den ganzen Abend mich zu Ihnen
mitzunehmen. Na los, gehen wir schon rein ehe uns noch jemand sieht!"
Barnhelm starrte sie verwundert an. "Nun, wollte ich das wirklich..."
Sie gingen hinein und er bot ihr noch einen Drink an. "Diesmal ist der
Alkohol echt, also vorsicht, Vinara!"
Der Cognac zeigte in der Tat Wirkung, die Andorianerin glaubte die
Attraktivität ihres Gegenübers steigerte sich oder war es weil sie das so
wollte?
"Vinara, bevor ich jetzt die Beherrschung verliere möchte ich Ihnen anbieten
Sie doch noch in Ihr Quartier zu begleiten..."
"Ach, wir sind schon so weit gekommen, da wäre es nur unlogisch
ausgerechnet dann einen Rückzieher zu machen wenn der Abend sich
seinem eigentlichen Höhepunkt nähert."
"Sie meinen?"
"Ja sind Sie denn so schwer von Begriff?"
Langsam näherten sich ihre Gesichter einander, während des nun
folgenden innigen Kusses standen sie auf und näherten sich mit
traumwandlerischer Gewandtheit seinem Bett...
Am nächsten Morgen wachten sie erst auf als Dr. Mückner vor ihnen stand.
"Verzeihen Sie, Captain, aber Sie hätten eigentlich schon vor einer Stunde
auf der Brücke sein sollen! - Ma'am, ich habe in Erwartung der Dinge die
geschehen sind bereits Ihre Uniform mitgenommen. Möchten Sie zur
Abwechslung vielleicht mal ein rotes Hemd probieren, damit man Sie auch
als Kommandooffizierin erkennt?"
"Nein, Doc, vielen Dank, aber Blau steht mir doch besser." Sie hatte sich
aufgesetzt und gähnte nun mit ausgestreckten Armen, so dass ihre nackten
Brüste sich vollkommen unbedeckt dem Schiffsarzt entgegenreckten.
"Ja, das sehe ich, Madam. Sie können selbstverständlich auf meine
Diskretion bauen. Captain, ..." Er legte die zusammengefaltete Uniform auf
einen Stuhl, verbeugte sich und verließ dann das Quartier.
Noch ehe die blauhäutige Frau aufstehen konnte drückte Frederic Barnhelm
ihr noch einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen und seufzte dann:
"Wissen Sie wie das weitergehen soll?"
"Keine Ahnung, aber ich hoffe es wird keinen Grund geben die letzte Nacht
zu bereuen." Sie stand auf und ging in Richtung Schalldusche.
Geschrieben von: Assjima am Jul 18 2005, 00:35
Und ewig singen die Wälder ... Teil 7
„Tschaschaschaschaschascha …“ schnatterte es hoch oben im Baumwipfel,
als der große Dunkelvogel aufgeschreckt davon flatterte. Ein dickes,
krötenähnliches Tier mit hellrotem Streifenmuster platsche ins Wasser und
hinterließ kreisförmige Wellen, die sich langsam über den kleinen See
ausbreiteten.
Das Haus am See schimmerte türkisblau im Sonnenlicht. Von der Veranda
führten drei Stufen zum Wasser hinab wo das festgezurrte Ruderboot
sachte in den durch die wirklich sehr dicke Kröte verursachten Wellen
dümpelte, während sich auf dem Boden der Veranda die beiden Tribbel
sonnten. Sie schienen die herannahenden Wanderer zu registrieren, rollten
unruhig herum und gurrten leise.
Doch Assjima, die in der Hängematte tief und fest schlief, bemerkte von all
dem nichts. Sie trug eine weite, tief ausgeschnittene, dunkelblau-seidig
schimmernde Bluse mit aufgestelltem Kragen und eine helle, wadenlange
Hose. Der braungebrannte, nackte Fuß hing ein wenig über den Rand der
Hängematte hinunter, ebenso der rechte Arm. Auf dem Boden lag
heruntergefallen ein aufgeklapptes Buch, in dem der Wind wieder und
wieder versuchte, die feinen Seiten umzublättern. Doch blieb er beständig
an einem Blatt hängen, dessen Buchstaben im Sonnenlicht kurz
aufleuchteten:
„Then I stood on the sand of the sea. And I saw a beast rising up out of the
sea, having seven heads an ten horns, and on his horns ten crowns, and on
his heads a blasphemous name. Now the beast which I saw was like a
leopard, his feet were like the feet of a bear, and his mouth like the mouth of
a lion. The dragon gave him his power, his trone, and great authority ...”
Die hölzernen Dielen der Veranda knarrten leise unter den Schritten der
Besucher. Fast schien es, als ob die Wälder rundum den Atem anhielten, als
sich langsam ein Schatten über das Gesicht der Schlafenden schob. Nur der
Wind zeigte sich unbeeindruckt, da es ihm endlich gelang, die störrische
Seite umzublättern:
„And I saw one of his heads, as if it had been mortally wounded, and his
deathly woundet was healed. And all the world marveled and followed the
beast.”
“Was in aller Welt liest sie denn jetzt schon wieder!” Die Frau bückte sich
und hob das Buch vorsichtig auf. „Das ist Terranisch!“
„Zeig mal her“ Der dicke große Deltaner untersuchte das Buch neugierig.
„Das ist die heilige Schrift der Terraner. Ich wusste gar nicht, dass deine
Schwester eine terranische Sprache lesen kann.“
„Also Malik – jetzt mach aber mal halblang! Sie hat doch immerhin ein paar
Jahre auf der Sternenflotten-Akademie verbracht. Da wird sie schon ein
paar von diesen unendlich vielen Erdsprachen gelernt haben. Aber schau
mal, wie erholt sie jetzt wieder aussieht. Endlich hat sie wieder eine normale
Gesichtsfarbe. Sie war so blass und dünn als sie nach Hause kam. Sirias
Essen hat einmal wieder Wunder gewirkt.“
„Na das ist bei Sirias Künsten ja auch kein Wunder.“ Er rieb sich bedächtig
den dicken Bauch. „Aber sie hat ein paar Fältchen bekommen. Schau … da
auf der Stirn und auch in den Augenwinkeln.“ Erneut beugte sich Malik über
das Gesicht seiner Schwägerin und begutachtete sie mit dem Blick des
Kenners. „Das sind aber keine Lachfalten … Sie sollte nicht immer so viel
nachdenken und sich stattdessen ein wenig mehr Spaß gönnen.“
„Komm, lass sie noch ein wenig schlafen. Wir packen erstmal Sirias
Leckereien aus und decken den Tisch.“ Lakia packte ihren Mann am Ärmel
und zog ihn in die Küche.
Minuten später schwebten die herrlichsten Gerüche durch die Luft und
kitzelnden Assjima in der Nase. Sie schnupperte vorsichtig und öffnete
langsam die Augen. Als sie die Stimme Maliks hörte war sie schlagartig
wach und sprang auf. Doch vergaß sie, dass sie in einer Hängematte lag
und landete mit einem lauten Klatscher der Länge nach auf dem Boden.
„Autsch!“ Sie rappelte sich wieder auf und humpelte so schnell es ging ins
Haus. „Malik! Endlich bist du wieder da!“
„Hallo meine Schöne! Lass dich drücken!“ Er umschlang sie mit seinen
ellenlangen Armen und drückte ihr einen dicken feuchten Schmatz auf die
Stirn.
„Malik …“ jappste Assjima „… ich bekomme keine Luft mehr!“
„Oh … Lakia, deine Schwester ist zimperlich geworden!“ Lachend ließ er sie
wieder runter und setzte sie auf einen der Stühle. „So Prinzesschen, jetzt iss
erst mal was.“ Er schob ihr einen Teller mit Gemüseauflauf hinüber und
füllte die Gläser mit einer wunderbar aromatisch duftenden und violett
schimmernden Flüssigkeit. „Ein feines Tröpfchen von Izar. Habe es letzte
Woche von einem Ferengi erstanden.“
„Der Wein schmeckt wunderbar! Aber sag, Dickerchen: Wo warst du? Ich
warte seit Wochen auf dich!“
„Ach, ein wenig hier, ein wenig da … es spielt keine Rolle. Ich habe viele
neue und interessante Leute getroffen …“
„ … und viele neue, interessante Getränke ausprobiert, viele neue und
interessante Geistesblitze bekommen …“ unterbrach Lakia ihn. „Es ist doch
immer wieder dasselbe mit dir!“
Malik beugte sich zu Assjima hinüber und zwinkerte ihr verschmitzt zu „Ist
Sie nicht wunderschön, wenn sie wütend ist?“ „Aber Malik – wenn ich ehrlich
sein soll: sie ist noch schöner, wenn sie nicht wütend ist“ flüsterte Assjima
zurück.
„Findest du? Hmmm … Ich glaube, du hast recht.“ Er angelte mit seiner
großen Pranke nach Lakias Hand und zog sie zu sich hinüber. „Was für ein
wunderbarer Tag! Zu beiden Seiten je eine schöne Frau, ein leckeres Essen
und ein feines Tröpfchen – was kann man sich noch mehr wünschen? Doch
sag, Prinzesschen: was hast du in den letzten Wochen hier gemacht? Nur
rumgelümmelt und gelesen?“ Er griff nach dem Buch, in dem Assjima
gelesen hatte. „Du ließt seltsame Dinge. Es macht nicht den Eindruck einer
vergnüglichen Lektüre …“ Langsam begann er zu übersetzen: Und ich sah
ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter
und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche
Namen. Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine
Füße wie Bärenfüße und sein Rachen wie ein Löwenrachen …“
Assjima sah ihn erstaunt an: „Du kannst Englisch lesen? Das wusste ich
nicht!“
Malik lehnte sich genüsslich zurück. Er liebte diese Augenblicke, in denen er
überraschen konnte: „Prinzesschen, man sollte immer versuchen, die
wichtigen Bücher des Universums in der Originalsprache zu lesen. Obwohl
die Offenbarung des Johannes ja eigentlich auf Griechisch geschrieben
wurde. Hast du schon Vers 18 gelesen? Den finde ich besonders
interessant: Ὧδε ἡ σοφία ἐστίν. ὁ ἔχων νοῦν ψηφισάτω τὸν ἀριθµὸν τοῦ
θηρίου, ἀριθµὸς γὰρ ἀνθρώπου ἐστίν, kaὶ ὁ ἀριθµὸς αὐτοῦ ἑξακόσιοι
ἑξήκοντα ἕξ. Das bedeutet soviel wie: Hier braucht man Kenntnis. Wer
Verstand hat, berechne den Zahlenwert des Tieres. Denn es ist die Zahl
eines Menschennamens; seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.“ Er
lachte. Sechshundertsechsundsechzig! Menschen! Es ist doch die
Zweiundvierzig!“
Die beiden Frauen sahen ihn überrascht an. „42? Wieso 42?“ Assjima
schüttelte verwundert den Kopf.
Der dicke Philosoph betrachtete sie amüsiert. „Also, wenn du dich schon
durch die wichtigen Werke terranischer Dichtkunst hindurchkämpfst, dann
darfst du das zweitwichtigste Buch der Menschheit nicht vergessen. Douglas
Adams gibt darin die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem
Universum und dem ganzen Rest. Und die ist 42! Obwohl er später
zugestanden haben soll, dass er sich verrechnet hätte. Es sei in Wirklichkeit
die 32. Doch lassen wir das dahingestellt sein. Du hast diese interessante
Urlaubslektüre gewiss nicht wegen ihrer Zahlenmystik gewählt. Was also
suchst du?“
„Wenn du so fragst: Ich suche tatsächlich die Antwort auf die Frage nach
dem Leben, dem Universum und den ganzen Rest … Aber mit
zweiundvierzig oder zweiunddreißig kann ich wirklich nichts anfangen.“
Lakia verschluckte sich an ihrem Wein und prustete vor Lachen laut los, was
Assjima noch mehr verwirrte. Da viel ihr ein, dass Captain Stewart diese
Zahl auch einmal erwähnt hatte. Langsam, sehr langsam fiel bei ihr der
Groschen. „Ach so, das ist ein Scherz …“
„Ja ein Scherz! Aber auch wenn Adams seine Zahl mehr oder weniger
zufällig gewählt haben mag - es gibt Zusammenhänge zur Zahl des
Antichristen. 666 wird aus den Zahlenwerten der hebräischen Schreibweise
des Namen Nero errechnet. Die Rückkehr jenes tyrannischen Herrschers
sagt Johannes voraus, ebenso die Dauer seiner Herrschaft, nämlich 1.260
Tage – also 42 Monate. Wenn ich es mir recht überlege – mit dem Namen
Adolf Hitler kann man auch auf 666 kommen …Und bei einigen Päpsten
klappt es auch. Und mit William Gates III., MS-DOS und Windows 95
ebenfalls! He, das ist lustig!“ Er klatschte sich vergnügt auf die Schenkel.
„Die Menschen haben schon drollige Ideen!“
„Malik, du machst mir Angst!“
„Entschuldige Prinzesschen, das war nicht meine Absicht. Aber nun sag
schon: Warum liest du die Offenbarung des Johannes?“
Assjima antwortete nicht sofort, sondern stand auf um sich ein Glas Wasser
zu holen. Die Augen der anderen folgen ihr gespannt. „Ich bin mehr oder
weniger zufällig darauf gestoßen.“ Sie machte eine kurze Pause, stemmte
die Arme auf die Arbeitsplatte in der Kochecke und schaute zum Fenster
hinaus. „Ich habe nach Endzeitmythen gesucht … und bin an dieser Stelle
mit dem Tier hängen geblieben … das ist eigentlich schon alles.“
Lakia richtete sich auf ihrem Stuhl auf. „Willst du nicht endlich erzählen, was
passiert ist? Ich kenne diese letzte Mission nur bruchstückhaft aus deinen
teilweise sehr kryptischen Briefen und Malik habe ich nicht viel erzählt – er
war ja sowieso kaum da.“ Ein vorwurfsvoller Blick wanderte hinüber zu dem
hünenhaften Deltaner, der geflissentlich so tat, als ob er weder den Blick
noch die leichte Spitze im Tonfall bemerkt hätte.
„Ich weiß nicht … es ist eine lange Geschichte … eine wirklich lange
Geschichte.“
Malik zog seine Schwägerin quer durch den Raum und drückte sie zurück
auf ihren Stuhl.
„Und wir haben sehr, sehr viel Zeit. Den ganzen Tag und die ganze Nacht –
und wenn es nötig ist auch noch morgen und übermorgen … ich liebe lange
Geschichten – wenn sie gut sind!“
Er schenke Assjima noch einmal von dem violetten Wein ein und sie begann
zu erzählen. Von den ersten emsigen Vorbereitungen auf dem Flug ins
Doramess-System, Dorians irrwirtziger Idee mit der Mikrowelle, dem
Versagen der Scanner, wie dann die Primärsektion im Wurmloch
verschwand, der Kampf mit dem cardassianischen Raumschiff, dem
vermeidbaren Tod des Crewman Varg Veum, ihre seltsamen Visionen, dann
das Verschwinden der Tertiärsektion, die mehrfachen Besuche auf dem
Sandplaneten, das skurrile Begräbnisritual und zum Schluss das gewagte
Rettungsmanöver ... Sie ließ nichts aus. Es tat gut, sich alles von der Seele
reden zu können, endlich mit jemandem sprechen zu können, der ihre
Denkweise nachvollziehen konnte, dem sie nicht alles erklären musste. Und
die beiden waren ausgesprochen gute und geduldige Zuhörer. Zu guter
Letzt berichtete sie auch von den Experimenten, welche sie mit Setak
durchgeführt hatte und von den Ergebnissen der Kollegen auf Vulkan.
„Und was willst du jetzt mit diesen Einzellern machen?“ Lakia rutschte vor
Aufregung auf ihrem Stuhl hin und her, während Malik seine Stirn in Falten
legte und die Schwägerin schweigend betrachtete.
„Ich weiß es nicht … Vinara meint, es wäre nur logisch, weiter zu forschen.
Setak will auch unbedingt weitermachen. Er sieht sich schon als den
diesjährigen Oschirma-Preisträger der Akademie, aber …“ Assjima rieb sich
mit beiden Händen die Schläfen. „Ich weiß nicht, was ich machen soll. Weil
Farik auch Recht hat!“
Malik horchte auf: „Farik? Was sagt den unser altkluger Knirps dazu?“
„Sinngemäß meint er, dass ich kein Wesen schaffen darf, von dem ich nicht
sicher sein kann, dass ich es kontrollieren kann. Und irgendwie muss ich
ihm zustimmen. Mein Verstand sagt: Weitermachen. Es könnte mit dieser
Forschung viel Gutes geschaffen werden. Mein Gefühl schreit: Halt! Hier
gibt es eine Grenze, die zu überschreiten gefährlich werden könnte.“
„Ich sehe schon – du willst kein zweiter Viktor Frankenstein werden. Dr.
Frankenstein glaubt, übernatürliche Kräfte zu besitzen und lässt aus toten
Leichenteilen Leben entstehen …“
„…doch angesichts der Größe seines Werkes schreckt er zurück, stößt das
von ihm geschaffene Monster von sich und setzt so dessen zerstörerische
Kräfte frei. Malik, auch ich habe Mary Shelley gelesen. Dieser Klassiker ist
so etwas wie eine Pflichtlektüre auf der Akademie. Aber dieser ungemeine
Glaube an die Macht der Wissenschaft, die damals noch in ihren
Kinderschuhen steckte, hat nicht nachgelassen – im Gegenteil. Heute
glauben wir, fast alles wissenschaftlich lösen zu können. Und wir halten uns
für so aufgeklärt, dass wir die damit verbundenen Risiken einschätzen und
somit auch kontrollieren könnten. Vinara schlägt vor, die Zellen in ein
Hochsicherheitslabor zu sperren. Und dann? Was, wenn sich daraus mehr
entwickelt? Eine Lebensform, womöglich sogar empfindungsfähig? Wie
lange wollen wir sie eingesperrt lassen? Und was würde passieren, wenn
wir sie irgendwann freilassen? Nur ihre Existenz – ob frei oder nicht –
könnte unsere Gesellschaft, ja unsere ganze Galaxie nachhaltig
beeinflussen. Alleine das Wissen, Leben schaffen zu können reicht aus! Es
gibt immer ein paar größenwahnsinnige Forscher, die sich für Gott halten.
Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass das Universum nicht
’wissbar’ ist. Dass das Wissen seine Grenzen hat – Grenzen, die wir nicht
überschreiten können und wenn doch, dann dürfen wir sie nicht
überschreiten. Die Machbarkeit an sich gibt uns doch noch lange keinen
Freibrief!“ Assjima hatte sich in Rage geredet. „Aber ich habe wider
besseres Wissen wieder nicht die Finger davon lassen können! Wie kann
man nur so bescheuert sein!“ Sie sprang auf und rannte hinaus auf die
Veranda.
Lakia wollte ihr folgen, doch Malik hielt sie zurück. „Lass bitte mich mit ihr
reden. Ich glaube, ich kenne den Grund für diese Reaktion.“ Er ging hinaus,
gefolgt von den fragenden Blicken seiner Frau, und setzte sich auf die
Stufen, die zum Wasser hinunter führten.
„Prinzesschen, ’Wir müssen uns alle daran gewöhnen, wenn wir etwas
sehen, zu fragen, fragen, zu verlangen, dass man es uns erklärt. Wenn wir
das nicht tun, machen wir uns schuldig.’ Das sind nicht meine Worte
sondern die von Hannah Arendt, eine der großen irdischen Denkerinnen des
21. Jahrhunderts. Du glaubst, du hättest dich vor zehn Jahren schuldig
gemacht, weil du genau dieser Denkweise gefolgt bist. Du hast Fragen
gestellt. Und weil niemand sie beantworten konnte, hast du selber nach
Antworten gesucht. Euer kleines Experiment damals hat einen tragischen
Ausgang genommen, doch kam es nicht wegen des Versuchs an sich dazu,
sondern nur durch eine Verkettung unglücklicher Umstände. Du solltest
aufhören, dir die Schuld zu geben!“
Assjima starrte ihn ungläubig an. „Woher weißt du von unserem
Experiment? Ich habe nie jemandem davon erzählt!“
„Nein, du nicht. Du schweigst seit zehn Jahren wie ein Grab. Aber Sikarii
war mein Freund. Er hat mir nicht nur von dieser Inkluse erzählt, die er da
draußen im Biolithwald gefunden hatte, sondern wir waren sogar dort. Diese
kleine Echse war wirklich unglaublich gut erhalten. Es muss ein
schrecklicher Tod gewesen sein … einfach so von einem
herunterfliessenden Tropfen Harz umhüllt zu werden. Doch an dem kleinen
Reptil schien wirklich noch alles vorhanden zu sein. Ich kann verstehen,
dass ihn der Gedanke, dieses Tier wieder zum Leben zu erwecken,
fasziniert hat. Und dann hatte er tatsächlich das perfekte Werkzeug zur
Hand, nämlich eine Partnerin mit ungewöhnlichen telekinetischen Kräften.
Wer wenn nicht du könnte das Tier unbeschadet aus seinem tödlichen
Gefängnis befreien? Wer wenn nicht du könnte die Kraft haben, es wieder
zum Leben zu erwecken? Er hat tagelang von nichts anderem gesprochen!
Und auch von deinen Einwänden. Wie glücklich war er, als du endlich deine
Einwilligung gegeben hattest!“
„Malik – ich hatte keine Ahnung, dass er dir davon erzählt hatte! Von mir
forderte er absolutes Stillschweigen. Er sagte, dass das Experiment nicht
bekannt werden dürfte, weil es nicht an uns wäre, Leben zurück zugeben.
Er wolle es nur versuchen, weil er wissen wolle, ob es überhaupt machbar
wäre. Ich bin aber inzwischen mehr und mehr zu der Erkenntnis gekommen,
dass er Angst hatte, sich in aller Öffentlichkeit lächerlich zu machen, falls es
missglücken sollte.“
„Ja, mit dieser Annahme liegst du sicherlich richtig. Sikarii war immer sehr
auf seinen Ruf bedacht gewesen. Und ich bin mir sicher – wenn das
Experiment geglückt wäre, dann wäre er der Erste gewesen, der es
öffentlich kundgetan hätte. Prinzesschen, er hätte es sich selber bestimmt
nicht eingestanden, aber ich bin der Ansicht, dass er dich missbraucht hat.
Und er hat in seinem Größenwahn seinen Tod selber verschuldet. Du warst
nur der nichtkalkulierbare Risikofaktor, den er unterschätzt hatte.“
Assjima wollte ihn unterbrechen, doch er ließ es nicht zu. „Lass mich bitte
ausreden … du willst sagen, ich könne das nicht wissen, weil ich nicht dabei
gewesen sei. Aber ich habe mir meinen Reim drauf gemacht. Ich war es
schließlich, der seinen Körper aus dem Wald herausgeschleppt hatte. Ich
habe die Reste des Harzes an seiner Hand und in seinem Gesicht gesehen.
Auch wenn du wirklich saubere Arbeit geleistet hattest. Ich glaube genau zu
wissen, was passiert ist – ich weiß es vielleicht sogar genauer als du es
wissen kannst, denn wenn du in deinem anderen Raum bist, nimmst du
nicht viel von deiner Umgebung wahr. Ihr standet da draußen, umgeben von
diesen wunderbaren, gewaltigen Formationen aus Bernstein – mittendrin
das kleine Reptil, eingeschlossen in einem gewaltigen Biolithblock … Du
konzentrierst dich darauf, das fossile Harz in der Umgebung des Tieres zu
lösen, doch Bernstein ist weich – sehr weich. Du erweichst nicht nur diese
einzige kleine Stelle, sondern die ganze Formation. Sie bricht über euch
zusammen, verflüssigt sich teilweise … Sikarii wird von den
herunterstürzenden Blöcken begraben. Doch nicht das hat ihn getötet,
sondern das verflüssigte Harz, das sich über sein Gesicht ergoss. Bis du
aus deinem anderen Raum zurückkehren konntest, war es bereits zu spät.
Er war erstickt – genauso wie das Reptil, das er wieder ins Leben
zurückholen wollte. Und um euer beider Ruf nicht zu diffamieren, hast du es
wie einen Unfall aussehen lassen – durch Steinschlag zu Tode gekommen.
Und deine Bilder hast du verdammt gut vor uns versteckt. War es nicht so,
Prinzesschen?“
Assjima stand unbeweglich am Geländer und starrte auf den See hinaus.
Die Gespenster waren zurückgekehrt. Nach all den Jahren, in denen sie sie
geflissentlich ausgesperrt hatte. Doch sie sahen anders aus – weniger
schreckeinjagend … Und diesmal wollte sie ihnen nicht mehr ausweichen.
Sie schaute ihnen direkt in die Gesichter. War sie tatsächlich nur sein
Werkzeug gewesen? Hatte er ihre Begabung ausgenutzt? War sie
tatsächlich der unkontrollierbare Risikofaktor gewesen?
Lakia hatte die ganze Zeit in der Tür gestanden und stillschweigend
zugehört. Nun legte sie den Arm um die Schwester und Assjima lehnte den
Kopf an ihre Schulter.
„Warum habt ihr nie gesagt, dass ihr die Wahrheit kennt?“
„Du wolltest dein Geheimnis nicht mit uns teilen. Das mussten wir
respektieren. Du bist lieber davon gelaufen, als dass du uns erlaubt hättest,
dir beim Tragen der Last zu helfen.“
„Aber warum jetzt, warum heute?“
„Du kennst die Antwort, Schwesterchen. Heute hast du uns danach gefragt.
Was du tun sollst? Wenn du keine Fragen stellst, machst du dich schuldig,
und wenn du sie stellst machst du dich ebenfalls schuldig, weil es mit der
Frage alleine nicht getan ist. Denn nun musst du auch die Antwort auf die
Frage suchen. Die einzige Lösung für dieses Dilemma wäre, die Augen zu
verschließen. Doch nur weil du die Fragen nicht mehr siehst, sollen sie nicht
mehr existent sein? Sei lieber eine schuldige Suchende als eine schuldige
Blinde. Nur so kannst du etwas bewegen. Doch die letztendliche Antwort
kannst du nur in dir selber finden..“
„Ihr meint also - wie auch immer ich mich entscheide - ich mache mich
trotzdem schuldig?“ Assjimas Blicke wanderten unruhig zwischen Malik und
Lakia hin und her. „Ist das gerecht?“
„Gerecht oder nicht – was spielt das schon für eine Rolle?“ Wer Malik nicht
kennt, könnte glauben, eine Spur von Resignation in seiner Stimme zu
hören. Doch das wäre nicht Malik. Er gehörte nicht zu denjenigen, die
aufgeben und einen Gedanken ungedacht lassen. „Unschuldig und rein sind
nur die Kinder …und die, die so sind wie Kinder. Doch jeder, der in der Lage
ist zu denken und dementsprechend zu handeln, kann dem nicht entrinnen.
Die Christen auf der Erde haben es sich einfach gemacht – sie haben sich
einen Gott ausgedacht, der ihnen alles abnimmt. So was Praktisches haben
wir leider nicht. Wir müssen die Konsequenzen selber tragen. Was bleibt
uns also?“
Assjima zuckte mit den Schultern. „So gesehen nicht viel. Wir können nur
möglichst verantwortungsbewusst handeln und die Verantwortung für unser
Tun übernehmen.“
„Etwas anderes wird auch dir nicht erspart bleiben. Wenn du die
Erfahrungen, die du durch die Begegnung mit dem Steinwesen gemacht
hast, einfach beiseite geschoben hättest, wärest du mitverantwortlich für all
die Dinge, die aufgrund deiner Passivität nicht geschehen würden. Du siehst
etwas, aber stellst keine Fragen – Schuldig! Du jedoch stellst die Fragen
und suchst nach einer Antwort. Dabei entsteht etwas, was du
möglicherweise nicht kontrollieren kannst. Also ebenfalls: Schuldig! Ich
weiß, das klingt ziemlich fatalistisch – fast wie aus einer antiken Tragödie
entsprungen … Aber du könntest natürlich auch zum Christentum
konvertieren. Da hättest du in gewissen Grenzen so eine Art Freibrief.“ Malik
lachte leise in sich hinein und schüttelte den Kopf „Terraner!“
„Ich will mich aber nicht ständig schuldig fühlen müssen. Malik, Lakia …
sollte es tatsächlich keinen Ausweg geben? Mal abgesehen von einer
Taufe? Diese Lösung scheint mit tatsächlich doch ein wenig zu einfach …
Sie ist wohl auch nur für Menschen gedacht.“ Assjima sah sich einen
Moment zappelnd und nach Luft ringend in einem großen Fluss. Neben ihr
ein dicker braun bekutteter Mönch, der sie kräftig und lange unter die
Wasseroberfläche drückte. Bei dieser Vorstellung musste sie tatsächlich ein
wenig lächeln. „Nein, ich sehe schon – ich muss weiter forschen. Es ist die
einzig logische Entscheidung. Sehen, Fragen, Denken, Handeln … das war
auch für Sikarii immer nur der wirklich gangbare Weg …“
Lakia unterbrach die Schwester: „… und er hat vor dem Handeln fast immer
einen weiteren, sehr wesentlichen Faktor vergessen, nämlich ’Fühlen’!“
Malik nickte zustimmend. „Es kam auch vor, dass er sich um den letzten den wichtigsten Punkt - gedrückt hat. Nicht umsonst fehlt der in seiner Liste
… Verantwortung übernehmen.“
Assjima schluckte. Nur mühsam konnte sie die Stimme unter Kontrolle
halten. „Ihr beide geht sehr hart mit ihm ins Gericht …“
„Prinzesschen, verstehe uns bitte nicht falsch. Sikarii war unser Freund. Als
Freunde konnten wir ihn kritisch betrachten. Du aber … du hast ihn geliebt.
Du hast seine Fehler nicht gesehen. Ich bin inzwischen zu der Erkenntnis
gekommen, dass er sich das Recht, dein Herz bis in alle Ewigkeit zu
besitzen, schlichtweg nicht verdient hat!“
„Assjima, Malik hat Recht. Sikarii war ein guter Mann, aber er war weit
davon entfernt, vollkommen zu sein. 15 Jahre deines Lebens, 10 davon hast
du auch noch die Verantwortung für sein Tun getragen - du hast ihm genug
gegeben. Lass es nun gut sein und besinne dich auf dein eigenes Leben!
Versuche es wenigstens … bitte!“
Assjima nickte kaum merkbar „Ich werde darüber nachdenken. Vielleicht
habt ihr wirklich recht … Dickerchen, könntest du deine Beziehungen
spielen lassen und mir ein Exemplar von Mary Shelleys ’Frankenstein’
besorgen, am besten in einer deltanischen Übersetzung? Ich würde es
gerne Setak zu lesen geben …“
Malik lachte dröhnend „Das sollte kein Problem sein. Ich werde mich gleich
morgen darum kümmern. Doch nun möchte ich gerne mit meinen beiden
Schönheiten essen. Wir können Sirias Kunst doch nicht einfach so
unbeachtet da drin herumstehen lassen.“ Er hakte sich bei beiden unter und
zog sie zielstrebig ins Haus hinein.
Geschrieben von: Solak am Jul 19 2005, 20:00
Ein neuer dunkler Keller. Bei weitem nicht so komfortabel wie der letzte. Es
war feucht, kalt, dreckig. Auf Niklans blassem Gesicht zeichneten Spuren
von Tränen ihren Weg und zeugten von Müdigkeit und Angst.
Sta'el hielt seinen Stiefsohn im Arm und wiegte ihn sanft während er den
Kopf des Jungen streichelte. Endlich schlief das Kind ein.
Seine Väter schienen nur auf diesen Moment gewartet zu haben. Sie sahen
einander die Augen und zwischen ihren Geistern entspann sich eine
Diskussion:
"Ich bin Arzt und ich bin Vulkanier. Ich werde keine Waffe tragen."
"Ich bin mir vollkommen darüber im Klaren, welche Gründe du hast, keine
Waffe tragen zu wollen. Aber wenn du dich bitte der Realität stellen
könntest?"
"Das tue ich. Und ich sehe keinen logischen Grund, der mich zum Tragen geschweige denn zum Gebrauch - einer Waffe bewegen könnte."
"Sta'el, das stimmt nicht. Der logische Grund schläft gerade in deinem Arm."
Stille.
"Das ist kein logischer, sondern ein emotionaler Grund."
"Ich bitte dich!"
"Nein, du verstehst nicht. Wie soll ich unserem Sohn die vulkanische
Philosophie näher bringen, wenn ich meine Prinzipien beim ersten
Anzeichen einer Gefahr über Bord werfe?"
"Wenn du deine Prinzipien nicht ab und zu über Bord wirfst, dann haben wir
vielleicht bald keinen Sohn mehr, den..."
Just in diesem Moment stürzte N’Chala in den Keller. Sie nickte dem
Romulaner zu, der still in der Ecke gesessen und Wache gehalten hatte. Der
Mann verstand und sprang sofort auf.
Die Romulanerin ging schnell zu dem Ehepaar, das sich schweigend
gegenüber saß. Sie warf ihnen beiden jeweils einen Disruptor zu, den sie
beide im Reflex auffingen.
"Schnell, wir müssen weiter! Ich habe draußen einige Gestalten gesehen,
die eindeutig nicht zu den üblichen finstren Gestalten dieses Viertels
gehören!"
Solak stand nun auch auf, allerdings langsamer als es der romulanische
Wächter getan hatte. "Bist du dir ganz sicher? Wir rennen seit 43 Stunden
durch die Gegend. Wir alle - du eingeschlossen - brauchen eine Pause.
Außerdem hat S'Talon gesagt, wir sollen hier auf ihn warten."
N’Chalas Augen wurden zu schmalen Schlitzen. "Was willst du mir sagen?
Ich weiß genau, was ich hier tue. Ich bin hier aufgewachsen und kenne
meinen Gegner mehr als genau. Ich weiß, was sie können. Ich weiß, zu was
sie fähig sind. Ich setze mein Leben aufs Spiel, um dich und deine Familie
zu beschützen. Ich mache hier nicht nur einen Abenteuerurlaub." Das letzte
Wort spuckte sie geradezu aus.
Nun mischte sich auch Sta'el ein. Auch er begann damit, dass er aufstand,
das Kind noch immer auf dem Arm. Dann ging er auf N’Chala zu und hielt
ihr den Disruptor entgegen. "Du hast Recht. Wir werden dir folgen. Aber
bitte, nimm die Waffe wieder an dich. Ich werde nicht...."
Sta'el kam nie dazu, diesen Satz zu beenden.
In den folgenden Sekunden schien alles auf einmal zu passieren und doch
waren die Sekunden endlos.
Es begann damit, dass ein zweiter Untergebener von N’Chala in den Raum
stürzte. Nicht wie N’Chala gestürzt war - nein, dieser Romulaner stürzte
wirklich. Wie ein gefällter Baum fiel er zu Boden und regte sich nicht mehr.
Unter seinem Körper breitete sich eine Lache grünes Blutes auf und
vermischte sich mit dem Dreck des Bodens.
Sein Kollege, der im Innern des Kellers Wache gehalten hatte, riss sein
Gewehr hoch, warf sich in den Eingang des Kellers und begann sofort zu
schießen.
Gleichzeitig zuckten grelle Energieblitze von außen in den Raum hinein.
Dunkle Gestalten stürmten voran.
N’Chala und Solak rissen ebenfalls ihre Waffen hoch. Die Frau wollte
vorwärts stürmen, doch der Romulovulkanier riss sie brutal zurück. "Nein!"
Er deutete auf seine Familie. "Bring sie hier raus! Ohne dich haben sie keine
Chance! Du kennst dich hier aus! Du haftest mit deinem Leben für sie!"
N’Chala zögerte. Unendlich lange Hunderstel Sekunden lang zögerte sie.
Währendessen zerriss ein Schuß ihrem Gefolgsmann im Eingang den Kopf.
Dennoch schoß der Tote weiter, hatte sein Gewahr so zwischen sich und
seinen bereits toten Kollegen geklemmt, dass sein lebloser Finger noch
immer den Auslöser drückte.
Zwei Feinde liefen genau in das Dauerfeuer und lösten sich mit den schrillen
Schreien von Getroffen in den Disruptorstrahlen auf.
Jetzt endlich reagierte N’Chala. Sie bellte Sta'el an, zu laufen.
Solak hingegen sprang vor die kleine Gruppe.
Während die Romulanerin Sta'el und das Kind aus einem zweiten,
versteckten Eingang hinausschubste (und zu den Elementen betete, dass
der Feind just diesen Eingang übersehen hatte), tötete Solak weitere
Eindringlinge. Jeder, der gesehen haben konnte, wie seine Familie
verschwunden war, würde nicht mehr davon berichten können. Er schoß um
sich, hortete Sekunde um Sekunde für seinen Mann und seinen Sohn. Jeder
Sekunde war ein Schritt, der sie weiter weg von hier brachte.
Doch er war alleine. Alleine gegen die, die von außen in den Raum
hineindrückten.
Ein, zwei fielen. Dann war es zu voll, um weiter den Disruptor benutzen zu
können. Sie griffen einander mit bloßen Händen an. Griffen von Solak von
allen Seiten an, kesselten ihn ein.
Wollten sie ihn lebend? Wollten sie ihn tot?
Der Romulovulkanier dachte nicht länger darüber nach. Betete, dass Sta'el
und Niklan hatten fliehen können. Jetzt lag ihr Leben in Lattas Händen. In
Lattas Händen und ihn denen ihrer angeblichen Geheimwaffe.
Jemand griff von hinten nach seinen Armen, hielt sie fest. Gleichzeitig ein
Tritt in seine Kniekehlen. Ein Schlag in sein Gesicht. Noch ein Schlag. Blut
lief über seine Schläfen.
Solak wehrte sich nicht mehr. Er lachte. So hatte er sich seinen Urlaub nicht
vorgestellt.
Ein weiterer Schlag und um ihm wurde es dunkel.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jul 19 2005, 22:21
Nach iher gemeinsamen Nacht zeigte Vinara sich betont distanziert und
auch der Captain wirkte zumindest nach außen hin sehr förmlich. Doch
kaum waren sie unter sich - was meist in Barnhelms Bereitschaftsraum der
Fall war - veränderte sich sein Verhalten schlagartig. "Vinara, ich will doch
nur wissen woran ich bei dir bin! Hat dir die Nacht denn gar nichts bedeutet?
Bedeute ich dir auch nicht mehr?"
"Fred, Captain, ich... Wir wissen beide dass mein Aufenthalt hier nur
begrenzt ist. Nur noch knapp ein Monat und ich werde dieses Schiff
verlassen."
"Aber musst und willst... wollen Sie das auch wirklich? Wenn Sie hierbleiben
befördere ich Sie zum vollwertigen Commander, werden Sie meine Nummer
Eins und das hoffe ich nicht nur in dienstlicher Hinsicht!"
Vinara schüttelte den Kopf. "Dieses Schiff mag zwar gut sein, doch sind
seine Möglichkeiten doch sichtbar beschränkt; selbst eine Aufrüstung würde
da nicht mehr viel bringen. Ich möchte nun gewiss nicht ein Kriegsschiff
verteidigen, aber immerhin habe ich es geschafft dass die Community sich
auch auf dem Gebiet der Forschung bewährt. Und ich habe einen begabten,
aufstrebenden jungen Mann zu betreuen der hoffentlich ein fester
Bestandteil meines Stabs wird."
Barnhelm senkte den Kopf und schwieg. Nach einer Minute meinte er dann:
"Ich verstehe... Aber wie ich gehört habe ist Ihr hochmodernes Kriegs- und
Forschungsschiff derzeit ohne Captain. Was wäre wenn ich mich um diesen
Posten bewerben würde? Mir ist es eigentlich zweitrangig wo ich Dienst tue,
wenn ich nur bei dir sein kann, Vinara!" Mit diesen Worten erhob er sich,
griff über den Schreibtisch hinweg nach ihrer Hand und nahm sie zärtlich in
die seine.
"Ich bezweifle dass das gut gehen würde. Ein Schiff der Prometheusklasse
zu kommandieren ist nicht dasselbe wie bei der Schweizer. Außerdem
würde eine Beziehung zwischen uns beiden dort viel weniger toleriert
werden; vor allem Commander Kyle würde etwas dagegen einzuwenden
haben."
"Oh, Sie meinen diese Frau die alle wegen ihrer Schönheit, Kompetenz und
Stärke bewundern? Ich sage Ihnen ganz offen, aus er mache ich mir privat
nichts, dazu wirkt sie mir noch zu jung und unreif. Dass sie überhaupt Erster
Offizier ist... Aber naja, ihr Temperament scheint wohl zu einem Kriegsschiff
zu passen."
"Und das Ihre?"
"Dasselbe könnte ich jetzt Sie fragen."
"Was wir bräuchten wäre eine neue Schiffsklasse, die größer und
leistungsfähiger ist als aktuelle Forschungsschiffe. Ich habe mir bereits ein
paar Gedanken zu einem grundlegenden Konzept gemacht, aber noch ist es
nicht ausgereift."
"Wenn es das aber ist, werden Sie dann an mich denken?"
"Ich könnte mir derzeit keinen besseren Captain vorstellen."
Barnhelm lächelte. "Dann besteht ja noch wenigstens ein Funken
Hoffnung... Es sei denn Sie ziehen es in Betracht aus der Sternenflotte
auszutreten."
"Auch daran habe ich schon gedacht, aber schon zu viele haben die
Community in Stich gelassen, da kann ich ihr jetzt nicht auch noch den
Rücken zukehren." Sie entzog ihm ihre Hand, nur um sie gleich darauf
sachte auf seine Wange zu legen und sich somit zu verabschieden.
Zumindest bis zum nächsten Tag.
In ihrem Quartier angekommen fand sie aber nicht die gewünschte Ruhe,
denn ein anderer Captain, Charles Pratchett, wollte sie über Com sprechen.
"Commander, ich wollte mich nur mal erkundigen wie es Ihnen so geht.
Fühlen Sie sich tauglich als Erster Offizier?"
"Generell ja, aber auf einem so kleinen Schiff fällt meist nur wenig Arbeit
an."
"Umso besser können Sie sich mit dem Berufsalltag und Bürokram vertraut
machen, auch wenn Sie letzteren schon aus Ihrer Zeit als Commander
Kyles Stellvertreterin kennen dürften. Übrigens, einer meiner Mitarbeiter ist
mir vor kurzem mit einer geradezu abenteuerlichen Idee betreffs Ihrer
Person gekommen."
"Und die wäre?"
"Werden Sie jetzt bloß nicht übermütig, er meinte doch ernsthaft dass man
Sie für Ihre verleibende Zeit auf der Schweizer vom vollständigen
Commander und anschließend zum Captain der Community befördern
könnte! Ich kann zwar eine gewisse Logik dahinter erkennen, aber nichts für
ungut, damit wären Sie erstens momentan überfordert und zweitens wären
zwei Beförderungen innerhalb kürzester Zeit gegen alle Vorschriften."
"Das sehe ich genauso, trotzdem meinen Dank unbekannterweise an Ihren
Mitarbeiter. - Wissen Sie eigentlich schon nähreres wer nun wirklich der
neue Captain wird?"
"Also, offiziell wurde noch gar nichts bestätigt, aber ich habe mir die
Kandidaten alle angesehen. Heißester Favorit ist ein männlicher,
nichtmenschlicher und nichtvulkanischer Humanoid, der zwar weniger
Forscher, aber dafür ein umso größerer Stratege ist. Und für ein Schiff wie
die Community, das muss ich zugeben keine unpassende Wahl."
"Sie reden von einem Zakdorn?"
"Nun, das wäre nicht auszuschließen. Ich möchte Ihnen keinen Vorteil
verschaffen indem ich Ihnen nun seine genaue Identität preisgebe, zumal
immer noch eine gewisse, wenn auch geringe Möglichkeit besteht dass
doch noch ein anderer, vielleicht bis dahin gar nicht in Erwägung gezogener
Kandidat das Rennen macht."
"Vielleicht Captain Barnhelm?", fragte Vinara halb scherzend.
Pratchett lachte. "Nein, Commander, er mag zwar ein fähiger Kommandant
sein, aber nur wenn die Schiffe eine gewisse Größe nicht überschreiten und
sie vor allen Dingen nicht primär für militärische Zwecke gebaut wurden.
Also, lassen Sie sich überraschen! Und noch viel Erfolg weiterhin auf der
Schweizer. Pratchett Ende."
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Jul 22 2005, 21:06
See reflections on the water
more than darkness in the depths ...
Der große, gut aussehende Mann im Anzug betrat den Raum und begrüßte
die Sekretärin, die am Computer arbeitete. "Guten Abend!" Sie sah auf.
"Guten Abend. Man will sie sofort im Besprechungsraum sehen, ich begleite
sie hin." Sie erhob sich und ging voraus. Er sah bewundernd auf das
elegante schwarze Kleid, das sie trug. "Haben Sie noch eine Verabredung?
Mit diesem Kleid können sie töten." "Ich wusste, dass es Ihnen gefallen
würde", neckte sie ihn, "aber ich sitze nicht jede Nacht zu Hause und warte
auf einen internationalen Vorfall, damit ich Sie beeindrucken kann. Ich hatte
eine Verabredung mit einem Gentleman. Wir waren im Theater." Mittlerweile
hatten sie den Fahrstuhl erreicht und sie betätigte einige Tasten. Er flirtete
weiter: "Was würde ich nur ohne sie machen." "Soweit ich mich erinnern
kann, haben wir es noch nie gemacht" konterte Moneypenny.
„Computer! Stopp!“
Milseya stand mit verschränkten Armen vor der Brust da und sah skeptisch
zu Niels, der sich die Fliege zurechtrückte. „Und das soll Spaß machen? Ist
das dein Ernst? “
Niels grinste. "Sicher macht das Spass. Diese Konversation zwischen Bond
und Moneypenny zieht sich wie ein roter Faden durch alle BondGeschichten und darf hier natürlich auch nicht fehlen." erklärte er. "Die
Menschen waren früher so!"
„Frauen liefen in solch unpraktischen Sachen herum? Entsetzliche
Vorstellung!“ Milseya schüttelte den Kopf. Dann grinste sie Niels an. „Aber
dieser Bend hat keinen schlechten Geschmack!“
"Ja, um so weiter man in der Geschichte zurück geht, um so unpraktischer
waren die Kleider." bestätigte er. "Und BOND war ein Frauenheld und das
war auch allgemein bekannt. Er hat auch kein Geheimnis daraus gemacht."
Milseya lachte laut auf. „Interessant! Nun wird mir einiges klar.“
"Gut, später wird es noch offensichtlicher, aber ich will auch nicht zu viel
verraten. Niels betrachtete Moneypenny, die wie versteinert dastand. Für ihn
persönlich war sie doch schon ein wenig alt, aber er spielte James Bond und
er wusste genau, was er zu tun hatte.
„Schon gut, Niels. Ich verrat das schon keinem!“, kicherte die Haliianerin.
Noch bevor er antworten konnte, befahl sie „Computer! Programm
fortsetzen!“
Der Fahrstuhl hielt und sie traten in den Korridor, wo sich eine weitere Tür
öffnet. "Nach Ihnen.", sagte James höflich. "Nein, nach Ihnen. Ich bestehe
darauf!" entgegnete Moneypenny. Er betrat den Konferenzraum.
Ein Satellitenfoto wurde an die Wand projiziert. Bill Tanner trat an James
heran. "Guten Abend, Mr. Bond!" begrüßte er ihn. "Mr. Tanner, was ist los?"
fragte James. "Vor 16 Minuten erreichte uns ein Notruf von einer
abgeschiedenen Radarstation in Severnaya. Dies zeichnete ein Satellit auf."
erklärte Tanner und zeigte auf einen Bildschirm. Darauf erkannte man einen
Helikopter. Nachdem das Bild vergrößert und ein Scan durchgeführt wurde,
führte Tanner weiter aus: "Wir haben eine Übereinstimmung, ihr vermisster
Tiger." "In der Mitte von Nordrussland", stellte 007 fest. "Es scheint, dass
Sie recht hatten," meinte Tanner, "Zu schade, dass die böse Königin der
Nummern Sie nicht einsetzen wird!" Bond räusperte sich, um zu
signalisieren, dass Besagte direkt hinter ihm stand. Tanner drehte sich
langsam um. Da stand M - eine Frau mit kurzgeschnittenen, grauen Haaren
und entschlossenem Gesichtsausdruck. "Was meinten Sie?" "Nichts, nur..."
versuchte er sich aus der Affäre zu ziehen. "Gut!" unterbrach ihn M, "denn
wenn ich Sarkasmus will, spreche ich mit meinen Kindern. Guten Abend,
007!" "Guten Abend, M", erwiderte dieser den Gruß. M fuhr fort: "Der
Premierminister wartet auf einen Bericht. Fahren Sie mit dem Briefing fort,
Mr. Tanner."
"Nach dem Notsignal entfernte sich der Tiger und die Russen schickten drei
MIGs um ihn abzufangen", führte Tanner aus. "Was denken Sie, wozu
benutzen die Russen diese Basis?" fragte Bond. "Wir vermuteten, dass
Severnaya die Bodenstation für eine Geheimwaffe im Weltraum namens
Goldeneye sein könnte, aber..." erklärte Tanner. "Unsere Analyse zeigte,
dass sie weder die nötigen Finanzmittel noch die Technologie haben." fiel
ihm M ins Wort. "Zahlen waren noch nie meine Stärke", warf Bond ein. M
starrte ihn an. Er überging das und fragte: "Sind die Bilder live?" Tanner
wollte etwas sagen, doch M kam ihm zuvor: "Anders als die Amerikaner
ziehen wir es vor ,unsere Nachrichten nicht von CNN zu erfahren."
„Moment mal!“ Milseya tippte Niels auf die Schulter. „Ich verstehe kein Wort
mehr! Tiger in Nordrussland? M? 007? Premierminister? Ein goldenes
Auge? Und was zur Hölle sind MIGs?“ Mit einem leicht verzweifelten
Gesichtsausdruck sah sie Niels an.
"Oh, tschuldigung. Computer, Programm anhalten!" Das war ihm etwas
peinlich, er konnte ja nicht davon ausgehen, das sie sich mit der
Erdgeschichte auskannte. "So der Reihe nach. Tiger ist die Bezeichnung
eines Helikopters, ein altes Fluggerät, das senkrecht starten kann, und
Russland ist einer der alten Nationalstaaten. M, 007, und Goldeneye sind
Codewörter. M bezeichnet den Direktor des Britischen Geheimdienstes,
auch einer der Nationalstaaten. 007 kennzeichnet einen Agenten, dabei
stehen die Nullen für den Sonderstatus. Goldeneye ist ein russisches
Geheimprojekt. Diese drei Namen hat sich der Autor der Bond-Geschichten
jedoch ausgedacht." Niels machte eine kurze Verschnaufpause. "Der
Premierminister ist der britische Regierungschef. So bleibt noch MIG, MIGs
sind russische Kampfjets", führte er aus.
„Jets? Flugzeuge?“ In Milseyas Augen begann es zu funkeln. Langsam
wurde das Ganze interessant. „Werden wir auch so einen Jet fliegen?“
"Wir werden noch viel tun. Ich glaube, es wird auch noch ein Flugzeug
vorkommen", grinste Niels. Zunächst werden wir gleich welche sehen.
Die Haliianerin schmollte ein wenig. Sehen! Pah! Fliegen! Aber sie gab
nach, schließlich war sie vorerst nur Gast. „Computer! Programm
fortsetzen!“
Der Himmel über Severnaya, Russland
MIGs fliegen über die Anlage. "Negativ, bis jetzt. Scheint alles normal zu
sein", gab einer der Piloten durch.
Im All gibt ein Satellit ein grelles Licht von sich und ein Impuls geht von ihm
aus. Überall gibt es elektrische Explosionen.
Zurück im Konferenzraum
Das Satellitenbild flackerte kurz bevor er vollständig verschwand. Nur noch
Flimmern auf der großen Projektionsfläche. "Was zur Hölle war das denn?"
rief Tanner überrascht aus.
Severnaya
Die MIGs begannen zu trudeln, geraten außer Kontrolle. Die Piloten schrien,
als die Jets abstürzten. Zwei explodierten in der Luft. Die dritte MIG steuerte
direkt in eine große Satellitenschüssel zu und krachte in sie hinein.
Konferenzraum
"Unser Satellit ist zerstört, ebenso zwei der Amerikaner. Ein anderer kommt
in Reichweite... jetzt." erklärte Tanner die Situation. In diesem Moment
erschien wieder das Satellitenbild auf dem Schirm. Tanner traute seinen
Augen nicht: "Guter Gott. Zwei der MIGs sind zerstört..." Alle drei starrten
auf den Monitor. M führte den Gedanken weiter: "Und es sieht so aus, als
wäre die dritte in die Satellitenschüssel gestürzt." Sie drehte sich zu Bond,
der immer noch das Bild betrachtete. "Was denken Sie?" wollte M wissen.
"Keine Lichter. Nicht ein einziges elektrisches Licht in einem Radius von 30
Meilen." kombinierte 007. "EMP?" "Das würde zu den MIGs und dem
Satelliten passen", stimmte Tanner zu. "Und dem Blackout", meinte Bond.
Tanner wandte sich zu M: "EMP. Erstschlag-Satelliten-Waffen, die
entwickelt wurden von..." "...den Amerikanern und der Sowjetunion im
Kalten Krieg, ich habe das Memo gelesen. Es wurde nach Hiroshima
entdeckt. Man bringt eine Atombombe in die Umlaufbahn, zündet diese und
löst damit einen Impuls aus, der alle Elektronik zerstört." brachte M den Satz
zu Ende. Tanner fuhr fort: "Die Idee ist die Kommunikationsanlagen des
Gegners auszuschalten, bevor er reagieren kann." "Also existiert
Goldeneye!" folgerte M. Bond stimmte zu. "Könnte dies ein Unfall sein?"
fragte sich M. Bond reagierte entschlossen: "Nein, der Helikopter. Wenn
jemand 'Goldeneye' stehlen will, ist er perfekt dafür. Ein Impuls ist der beste
Weg die Spuren zu verwischen."
"Die Janus Gruppe?" überlegte M. "Die könnten darin verwickelt sein,"
meinte Bond und ging zu einem Computer. "Ich kenne das russische
Sicherheitssystem. Man kann nicht einfach so reingehen und nach den
Schlüsseln fragen. Man braucht die Zugangscodes." Am Computer zoomte
er auf ein kleines weißes Objekt, das sich bewegte. Es schien eine Person
zu sein. "Es muss ein Insider gewesen sein... und mindestens eine Person
weiß, wer es ist."
"Computer, Pause!" ordnete Niels an. "Dies ist Natalia, sie hat an dem
Projekt 'Goldeneye' mitgearbeitet. Sie hat den Überfall überlebt und hilft
Bond später das Rätsel zu lösen. Ich hatte gedacht, dass du die Rolle
nachher spielst." klärte er Milseya auf.
„Ach, hattest du das?“ kam es ironisch zurück. „Wenn ich mich recht
entsinne, dann hat James Bond doch stets eine Liasion mit den Frauen, die
ihm helfen. Oder sie werden getötet. Wenn ich weiter richtig erinnere, dann
bleibt Natalia am Leben, was ja nur eines bedeuten kann..“ Sie lachte
lauthals auf, als sie Niels verdutzten Gesichtsausdruck sah. „Glaubst du
wirklich, ich gehe mit dir aufs Holodeck ohne mich vorher zu informieren?“
Jetzt hatte sie ihn kalt erwischt. "Das ist soweit alles richtig. Ich denke mal,
wir lassen diese Szenen heraus." Er errötete ein wenig. Sie hatte ihn
wirklich überrascht und auch noch in Sicherheit gewiegt durch ihre Fragen.
Innerlich lachte er.
„Wir werden sehen, ob wir diese Szenen auslassen!“, gab sie keck zurück
und streckte ihm frech die Zunge heraus. „Nun denn, dann wollen wir mal!“.
Sie war wirklich unmöglich, dachte Niels. Er grinste sie nochmal an und
deutete dem Computer dann an, mit dem Programm fortzufahren.
„Computer. Programm fortsetzen!“
Die Hölle schien um Natalia ausgebrochen zu sein. Mit Entsetzen hatte sie
auf dem Bildschirm zugesehen, wie der Puls gezündet worden war und
Sekunden danach explodierten die Computer und technische Anlagen um
sie herum. Funkenfeuer. Herabfallende Monitore. Explodierende Terminals.
Sie rannte los und mit einem Hechtsprung unter einen Treppenabsatz
brachte sie sich in Sicherheit, während der ohrenbetäubende Lärm sie
immer wieder zusammen zuckten ließ.
Die Stille danach machte ihr noch mehr Angst. Als sie vor dem vergitterten
Ausgang stand und verzweifelt dem inzwischen toten Computer ihren
Namen zurief, damit sie nach draußen gelangen konnte und das Gerät
einfach nicht reagierte, wurde sie panisch. Sie schrie, aber nichts rührte
sich. Natalia kehrte in den Kontrollraum zurück, als ein ungewöhnliches
Geräusch an der Decke sie aufblicken ließ. Doch da war nichts. Sie ging ein
paar Schritte weiter als die Funkschüssel genau an der Stelle durch die
Decke brach, wo sie kurz zuvor gestanden war. Natalia keuchte entsetzt
aus. Dann griff sie entschlossen nach der ersten Querverstrebung und
kletterte ins Freie.
Die Kälte war wie ein Schock. Doch Natalia nahm sie in Kauf, ja genoß sie
regelrecht - ein geringer Preis für die Freiheit. Da hörte sie die Hunde .. Als
sie um eine Baumgruppe ging, entdeckte sie die Schlittenhunde, die immer
noch angespannt darauf warteten, dass es wieder zurück ging...
Qs LABOR
Bond betrat das Testlabor von Q. Überall im Raum verteilt arbeiteten
Techniker an den neuesten Erfindungen. Q kam in einem Rollstuhl
angefahren, denn sein linkes Bein ist eingegipst. "Guten Morgen, Q. Was
macht ihr Bein? Waren sie wieder Skifahren?" begrüßt James ihn. An einer
Seite des Raumes explodiert etwas in einem hellen Blitz und Niels dreht sich
davon weg. "Auf der Jagd!" berichtigt Q und führt 007 hinüber zu einem
Wagen, ein BMW.
"Jetzt passen Sie auf, 007. Als erstes Ihr neues Auto: 5 Gänge, Radar,
Selbstzerstörung und die üblichen Kleinigkeiten." Während Q sprach,
öffnete Bond die Fahrertür des Wagens. Ein schöner Wagen, dachte Niels,
aber mein Porsche ist mir lieber. Es war ein blauer Z3 Roadster. Er störte
einen Techniker, der am Auto arbeitete und hörte Q nicht richtig zu. "Und
jetzt - darauf bin ich besonders stolz: Hinter den Scheinwerfern sind Stinger-
Raketen." Das erregte Bonds Aufmerksamkeit. "Phantastisch! Genau das
Richtige für eine kleine Spritztour nach einem anstengenden Tag im Büro!"
scherzte er. "Muss ich sie daran erinnern, dass Sie die Lizenz zum Töten
haben und nicht die Straßenverkehrsordnung zu missachten, 007?"
ermahnte ihn Q, worauf er nur lässig antwortete: "Daran würde ich nicht mal
im Traum denken."
"Gut. Lassen sie uns mit den praktischen Dingen fortfahren." An einem
Tisch angekommen: "Ein typischer Ledergürtel." "Ich bin mit Gürteln
vertraut." unterbrach ihn Bond. "Aber nicht mit diesem. Wenn sie diesen
Knopf drücken, schießt ein Widerhaken mit einem hochbelastbaren Kabel
aus der Schnalle. Es ist genau auf ihr Gewicht eingestellt." erklärte Q. "Und
wenn ich mal nicht allein bin?" bohrte er nach. "Es ist für einen getestet,
007!" verzweifelte Q fast, als im Hintergrund ein neuer Versuch gestartet
wurde.
Dann zeigte er Bond einen Schreiber. "Ein Kugelschreiber! Das ist eine
Klasse 4 Granate. Drei Klicks machen sie scharf, drei weitere und sie ist
wieder entschärft." Niels schnappt sich den Schreiber und klickt dreimal.
Dann fragte er: "Was sagten sie, wie lange dauert es bis zur Detonation?"
Innerlich lachte er. Q nahm ihn ihm aus der Hand und entschärfte ihn.
"Werden Sie endlich erwachsen, 007!" sagte er ärgerlich. "Wer sagte noch,
die Feder ist stärker als das Schwert?" erwiderte der Geheimagent. Im
Hintergrund wurde das misslungene Experiment entfernt. Q demonstrierte
die Sprengkraft an Fred, einem Dummy, dann zählte er: "1...2...3!" während
er den Kugelschreiber drückte und ging dann in Deckung. Bond sah nur
interessiert zu. Der Dummy explodierte.
"Nun, 007, gehen Sie und..." Q wurde unterbrochen als ein Techniker von
einer Windmaschine durch den Raum gepustet wurde. James sah ein
Sandwich und begann es zu untersuchen. Q versuchte es erneut: "Gehen
Sie und versuchen Sie etwas von der Ausrüstung heil zurückzubringen! Und
Finger weg, das ist mein Mittagessen!" Er riss Bond das Sandwich aus der
Hand.
Niels musste sich beherschen um nicht laut loszuprusten. Mit dem
obligatorischen Aktenkoffer verließ er das Labor.
„WACHEN SIE AUF!!“, brüllte Natalia aus Leibeskräften (während Milseya
sich mittlerweile königlich amüsierte) und strampelte wie wild, um sich von
den Handfesseln zu befreien. (Lächerlich! Diese Handfesseln waren
lächerlich! Mit einer leichten Drehung der Handfläche und einem
ausgerenkten Daumen konnte man sich spielend aus ihnen befreien, aber
das war nicht ihr Job. Der Mann musste sie beide retten!)
„WACHEN SIE ENDLICH AUF!““
Bond wurde von den Schreien geweckt und fand sich in einem Cockpit
wieder. Niels wusste zwar was nun passieren würde, aber der Computer
machte es ihm nicht allzu leicht. "Ich bin wieder da", rief er der Frau zu und
versuchte sich von den Fesseln zu befreien.
„Holen sie uns hier raus! Sofort!“ kam es wütend und ängstlich zugleich von
hinten. (Das wird immer besser, dachte sich Milseya grinsend. Hier konnte
man so herrlich herum brüllen!)
Vor ihm war ein Display, das einen Countdown anzeigte. Er versuchte weiter
sich von seinen Fesseln zu lösen. "Ich bin hier ein bischen kurz
angebunden!" schrie er zurück. Das Display zeigte "Time to Launch :19". Er
versuchte die Kontrollen mit seinem Kopf zu treffen, vergeblich. Dann fing
der Rotor an sich zu bewegen und es wurde "Time to Launch :00"
angezeigt. Niels suchte nach dem EJECT-Schalter. Da war er. Wieder
versuchte er es mit dem Kopf. Einmal, zweimal, dreimal, endlich klappte es.
Die Rettungseinheit erhob sich steil in die Luft während die Raketen den
Hubschrauber in dem sie eingeschlossen waren, zerstörten. Milseya juchzte
laut vor Vergnügen. Ja, das war wirklich herrlich. Als die Einheit den Boden
erreichte, versuchte Bond sich immer noch von seinen Fesseln zu befreien,
bis es ihr einfach zu bunt wurde. Sie bog ihren Daumen so lange in eine
unnatürliche Position, bis ihre Hand problemlos unter den Fesseln heraus
glitt. Dann erhob sie sich und befreite den Geheimagenten aus seiner
misslichen Lage.
"Danke!" rief Niels ihr zu und lächelte. Lange tat er dies nicht, denn es
näherten sich LKW und sie wurden von deren Scheinwerfern geblendet.
Russische Soldaten kletterten von den Ladeflächen und umstellten die
Beiden.
„Sind das die Guten oder die Bösen“, fragte Milseya leise und betrachtete
mit Argwohn die Gewehre, die die Soldaten auf sie richteten.
"Das ist das russische Militär, die waren nicht immer die besten Freunde der
Briten. Wir müssen uns festnehmen lassen, fürchte ich." flüsterte er ihr zu.
„Das verstehe ich nicht, Niels“, erwiderte sie, als sie mittlerweile mit
Handschellen aneinander gekettet auf der Tragfläche eines Transportes
saßen. „Und was sind das für Teile?“ Sie hob ihre Hand und damit auch
Niels Hand in die Höhe. „Dachten die Menschen von früher wirklich, das
wäre effektiv?“
"Man dachte wirklich, das die effektiv seien, vermutlich sind sie es auch bei
Menschen." mutmaßte er. Der Wagen setzte sich in Bewegung.
"Handschellen waren überall auf der Erde üblich um sicherzustellen, dass
Gefangene sich nicht befreien, aber nicht immer mit Erfolg." weihte er sie in
die Geschichte der Menschheit ein.
„Sehr richtig!“ In der Zwischenzeit hatte Milseya ihren Daumen so stark nach
innen gedehnt, dass sie ihre Hand problemlos aus der Handschelle
herausziehen konnte. Sie grinste Niels an. „Haliianer hassen jede
Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit.“
Niels seufzte hörbar. „Aber nachher schlüpf bitte wieder hinein, Ja?“
Bond und Natalia wurden in einen Verhörraum gebracht. Im Raum nahm der
Wärter ihnen die Handschellen ab und verließ dann den Raum, wobei er die
große Metalltür zuschlug. Bond sah sie an und fragte mit einem Zwinkern:
"Wer sind sie?" Als keine Antwort kam, bohrte er weiter: "Hören sie zu, ich
bin auf ihrer Seite. Ich bin hier, um zu helfen."
„Sie mir helfen? Sie sind Brite!“ (Milseya musste sich schwer beherrschen,
um nicht laut los zu lachen - wenn das Dorian hören könnte! - und begann
dann ihre Rolle zu spielen) Natalia trat einen Schritt von ihm zurück und sah
ihn feindselig an. Dann ging sie in den hintersten Teil der Zelle.
Niels konnte erahnen, dass sie sich kaum beherrschen konnte, und ihm ging
es ähnlich. Das würde sicherlich lustig werden mit ihr zu streiten. "Sehen
Sie, der Wärter kann jede Minute zurückkehren. Sie können entweder mit
mir zusammenarbeiten oder es ihren toten Kollegen in Severnaya gleich
tun."
„Ich war nie in Severdingens..“, rief Milseya kichernd zurück. Dann sah sie
Niels an. „Entschuldige! Mir kommt es nur so komisch vor, mich
ausgerechnet mit dir zu streiten.“ Sie holte tief Luft und versuchte sich zu
konzentrieren. „Ich war nie in Severnaya“, kam es urplötzlich ernst mit einem
leicht gereizten Tonfall zurück.
Niels griff nach ihrem Arm und stutzte. Hier sollte eigentlich eine Uhr sein.
Dann sah er seinen Fehler, er hatte nach dem falschen Arm gegriffen. Er
grinste sie an. "Ok, nochmal!" Er griff nach dem anderen Arm und hielt ihn
samt Uhr hoch. "Aber ihre Uhr war es. Stehengeblieben zum Zeitpunkt des
EMP-Impuls. Ich wette, Sie sind diejenige, die nach der Explosion aus der
Anlage gekrochen sind."
„Niels, du wirst noch mein Untergang sein!“, grinste Milseya. Dann räusperte
sie sich. „Wer sind sie? Ich weiß doch nichts! Lassen Sie mich los!“ Natalia
versuchte sich zu befreien, doch der Griff lockerte sich nicht. Natalia sah
den Mann wütend an.
"Ich arbeite für die Britische Regierung. Um so mehr Sie mir erzählen, um so
mehr kann ich helfen." erklärte Bond. Niels zog sie näher zu sich heran, so
dass ihre Gesichter ganz dicht beieinander waren. "Fangen wir doch damit
an, was Sie wissen.“
Natalia versuchte sich zu wehren, aber es gelang ihr nicht (Waren die
Frauen damals wirklich so schwach gewesen? fragte sich Milseya. Mit
einem gezielten Griff hätte sie sich locker aus der Umklammerung befreien
können und hätte diesem Bond .. nun ja, es war ein Spiel und im Moment,
so musste sie zugeben, war ihr das Ganze weniger unangenehm, als sie im
ersten Augenblick geglaubt hatte. Niels hatte warme braune Augen! Das
war ihr noch nie so richtig aufgefallen!)
„Mein Name ist Natalia Simonowa. Ich bin Stufe 2-Programmiererin. Ich war
in Severnaya stationiert, bis .. Lassen sie mich endlich los!“
Niels gab ihren Arm frei. Dann forderte er sie auf: "Fahren Sie fort. War Alec
Travelyan dabei?"
„Wer? Nein, den Namen habe ich noch nie gehört!“, entgegnete Natalia.
„Aber wer war dann der Insider?" fragte Bond. Niels musste grinsen,
natürlich kannte Milseya den Namen, konnte aber nichts sagen.
Milseya kniff die Lippen zusammen und warf Niels einen vernichtenden Blick
zu. Er wusste doch, dass sie ihm das nicht sagen durfte. Erst musste dieser
komische andere Kerl hier auftauchen und dann musste sie deren
Wortgeplänkel unterbrechen. Also stand sie da, mit vor der Brust
verschränkten Armen, kniff weiterhin die Lippen zusammen und bemerkte
dabei, dass man in dem Kleidungsstück, das man Rock nannte, ganz schön
an den Beinen fror.
"Vertrauen Sie mir!" meinte er. Niels zwinkerte ihr zu.
„Du bist fies“, zischte sie. „Ich sage kein Sterbenswörtchen, bis der andere
Kerl hier auftaucht. Und wenn es Stunden dauern sollte.“ Milseya bekräftigte
ihre Worte mit einem kurzen Nicken.
Niels verdrehte die Augen. "Mili, du musst sagen, dass du nicht weißt, wie
du mir vertrauen kannst, wenn du nicht mal meinen Namen kennst. Das ist
das Stichwort, damit der 'Typ' hereinkommt." erklärte er.
„Und das soll man wissen? Wieso ist bloß der Name des Kerls so wichtig?
Aber gut!“, empörte sich Milseya. „Ihnen vertrauen? Ich kenne ja nicht
einmal Ihren Namen“, rief Natalia aus.
Die Tür öffnete sich und der Verteidigungsminister betrat den Raum. "Guten
Morgen, Mr. Bond. Setzen sie sich." Er geht um den Tisch herum, Niels und
Milseya setzten sich. "Ich bin der Verteidigungsminister Dimitri Mishkin. Und
mit welcher Begründung sollen wir Sie exekutieren, Commander Bond?"
"Wie, kein Small Talk, keine Unterhaltung? Das ist das Problem in der Welt
heutzutage. Keiner macht sich mehr die Mühe ein ordentliches Verhör zu
veranstalten. Eine aussterbende Kunst", meinte 007 sarkastisch. "Ihre Art
von Humor gefällt mir nicht! Wo ist Goldeneye?" fragte Mishkin. "Ich dachte,
Sie hätten es." gab Niels keck zurück.
Mishkin fuhr fort: "Ich habe einen Britischen Spion, eine Programmiererin
aus Severnaya, ein Helikopter wurde gestohlen..." "Das ist zumindest das,
was der Verräter auf Ihrer Seite Sie sehen lassen will..." warf Bond ein
(Dass manche Leute sowas nie begreifen?) Doch Mishkin unterbrach ihn:
"Wer steckt hinter der Attacke auf Severnaya?" Bond hielt dagegen: "Wer
hatte die Autorisierungscodes?" Mishkin: "Russland könnte... Die Strafe für
Terroristen ist der Tod!" "Und was ist die Strafe für Verrat?" entgegnete
Bond.
Und so ging es hin und her zwischen den Beiden. Milseya sah den beiden
Männern zu und schüttelte irgendwann den Kopf. Das war wirklich nicht zum
Aushalten!
„Schluss damit“, brüllte Natalia plötzlich. „MÄNNER und ihre Spielzeuge!“
Beide sahen sie erstaunt an. „Es war Ourumov. General Ourumov hat die
Waffe gezündet.“ „Sind Sie sich sicher?“ fragte er Mishkin. „Ja. Er hat jeden
in Severnaya getötet und dann 'Goldeneye' gestohlen. „Warum sollte er das
tun?“,wunderte sich der Verteidigungsminister. „Er gibt noch einen
Satelliten“, erwiderte Natalia zögernd. „Interessant! Danke, Miss Siminova“
Mishkin erhob sich. „Nun Mister Bond, sie haben sich über die verloren
gegangene Kunst des Verhörs beklagt“, sprach er den Geheimagenten an,
als die Tür schwungvoll aufgestoßen wurde.
„Ich muss protestieren, Verteidigungsminister.“, rief General Ourumov.
"Dies sollte mein Verhör sein, sie haben ausgedient", fuhr er fort. Mishkin
fluchte etwas auf Russisch. Dann meinte er: "Von dem was ich so höre, sind
Sie es, dessen Zeit vorbei ist." Ourumov griff zu Bonds Walter PPK. „Ich
habe diese Waffe schon einmal gesehen Minister. In der Hand unseres
Feindes. Mishkin forderte ihn auf: "Legen Sie die Waffe wieder hin, General!
Legen Sie sie hin!" Ourumov ließ sich davon nicht beeindrucken und fragte
ihn im Gegenzug: "Wissen Sie wirklich, wer der Feind ist? Wissen Sies?"
"Wache!" schrie der Minister. Ourumov erschoss ohne zu zögern die Wache
und dann Mishkin.
Milseya zuckte zusammen und starrte fassungslos den General an, als Niels
sie mit sich zog und in Deckung ging. Ourumov nahm die restlichen
Patronen aus der Waffe und begann mit hämischer Stimme laut zu denken:
Der Verteidigungsminister Dimitri Mishkin ermordet vom Britischen
Geheimagenten James Bond.“ Er warf die Waffe zu Bond. „Der bei einem
Fluchtversuch erschossen wird. WACHE!!“
Immer noch am Boden liegend brachte Niels Ourumov mit einem Stuhl zu
Fall. Dann stürzte er sich auf ihn und verpasste ihm einem Schlag. Ein
Soldat kam herein und Bond streckte auch ihn nieder. Mit der Waffe des
Soldaten stürmt er zur Tür hinaus, Milseya mit sich ziehend."Kommen, Sie!"
schrie er.
Natalia und James rannten aus der Tür, die Treppe hinauf, während der
Geheimagent auf die sie verfolgenden Soldaten schoss. Sie flohen durch
eine weitere Tür und landeten in einem Archiv. Sie rannten weiter. Jeder
Schritt hallte auf den Metallgittern unter ihren Füßen. Dann drehte sich Bond
auf einmal um und stieß eine Bücherwand um, die die nächste anstieß bis
schließlich die letzte die offene Tür zum Archiv verbarrikadierte. Dann sah er
aus dem Fenster und entdeckte eine kleine Fahrzeugflotte. Beide laufen
zum Fenster. Natalia versteckte sich hinter einem Regal als ..
.. Niels sie eindringlich ansah. „Was ist?“ flüstert Milseya.
"Da sind Soldaten durch eine andere Tür hinein gekommen!" flüsterte er
zurück. Sie hörten sie unter sich in der 1. Etage laufen, sie feuerten. Niels
schoß zurück. Er lief vor ihr her und zog den Gürtel, den Q ihm gegeben
hatte, aus seiner Hose. "Vertrauen Sie mir!"
„Computer! Stopp!“ Milseya sah Niels verwundert werden. „Ähm, ist der
Zeitpunkt dafür nicht äußerst schlecht gewählt?“
Niels musste lachen. "Nein, es ist nicht so wie du denkst. Der Gürtel gehört
zu der Spezialausrüstung." erklärte er.
„Ein Gürtel? Nun da bin ich aber mal gespannt!“ grinste sie. „Computer.
Programm fortsetzen!“
Beide liefen weiter. Doch dann stürzte Natalia durch ein loses Gitter direkt in
die Arme von Ourumov.
„NIEL.... JAMES“, schrie Milseya-Natalia überrascht auf. Das war überhaupt
nicht lustig! Und dieser Ourumov hatte wirklich einen verdammt harten Griff.
Der General packte Natalia und schleppte sie mit sich aus dem Gebäude,
wo er sie dann in einen Wagen verfrachtete.
Es war zu gefährlich sie jetzt zu retten. Bond feuerte mit der Gürtelschnalle.
Es funktionierte wirklich. Er schwang durch den Raum. Dabei stieß einen
Soldaten mit den Füßen um und fiel durch ein Fenster auf einen Truck.
James sprang vom Truck hinunter und versteckte sich hinter einem Panzer.
„Fahren sie los“, brüllte Ourumov, während er die sich heftig wehrende
Natalia festhielt.
Bond betrachtete den Panzer. Jetzt wirds lustig, dachte Niels. Ourumovs
Wagen fuhr vom Hof auf die Straße. Niels schwang sich in den Panzer und
nahm die Verfolgung auf. Mit dem starken Gefährt hatte er keine Probleme,
doch Ourumovs Wagen war einfach schneller. Nach einiger Zeit schien es,
als hätte er Bond abgehängt, doch da brach neben dem Wagen die Mauer
weg und der Panzer kam durch die Lücke gefahren, aus dem Niels Kopf
oben herausragte. ..
[Phanan und inanchfe in "geschüttelt, nicht gerührt zum ersten ..]
Geschrieben von: Lucas Bishop am Jul 22 2005, 23:00
Schuld und Sühne – Teil 5
Hotel Egrimo – Betazed City – Betazed
Heute war der große Tag der Versöhnung! Lucas war sehr nervös und
deswegen schon früh aufgestanden. Er hatte geduscht, sich saubere Kleider
aus dem Schrank geholt und angezogen. Zu dieser Jahreszeit war es auf
Betazed sehr warm und so frisch geduscht fühlte sich Lucas viel wohler.
Sein Innerstes war aufgewühlt, seine Gefühle spielten verrückt: Glück,
Angst, Schuld, Trauer, Wut und Erleichterung - alles auf einmal. Überwältigt
von der Gefühlsflut stand Lucas auf dem Balkon und beobachte das
geschäftige Treiben auf den Straßen der Hauptstadt. Doch diesmal fehlten
die bolianischen Touristen. Endlich war er seinem Ziel zum Greifen nahe
gekommen, näher als er es sich je erhofft hatte. Aber dennoch - so richtig
darüber freuen konnte er sich im Moment noch nicht. Immer wieder stellte er
sich die Frage, wie würde seine Mutter auf ihn reagieren. Er überlegte und
versuchte sich daran zu erinnern, wie seine Mutter in bestimmten
Situationen reagiert hatte. Aber er hatte sie schon eine Ewigkeit nicht mehr
gesehen und konnte sie daher nicht mehr genau einschätzen.
Lucas war so in Gedanken versunken, dass er nicht mitbekam wie Nanni
aufgestanden war und ihrem Freund eine Tasse Kaffee brachte. Erst als ihm
der Duft des dunklen und heißen Getränks in die Nase stieg, drehte er sich
um.
"Guten Morgen, mein Tiger" begrüßte Nanni ihren Freund und gab ihm
einen Kuss auf den Mund, dann streckte sie ihm die Tasse entgegen und
schaute ihn lieb an. Lucas nahm die Tasse, nahm ein Schluck Kaffee und
schaute wieder in den Himmel. Nanni war verdutzt, denn ihr Freund hatte
sie anscheinend nicht beachtet.
"Lucas, was ist los mit dir?" fragte sie energisch und packte Bishop am Arm.
Es kam keine Reaktion. "Hallo! Ich rede mit dir. Ensign Stevenson an Lt.
Bishop…" versuchte es die Biologin erneut. Doch es kam wieder keine
Reaktion.
"Weißt du, du bist manchmal echt doof…" neckte Nanni ihn und versuchte
grimmig zu schauen.
"Äh, hast du was gesagt?" fragte Lucas und drehte sich zu Nanni.
"Na endlich du Nilpferd…"
"Nilpferd? Wieso bin ich ein Nilpferd?" fragte Lucas ganz verwundert und
schaute Nanni pikiert an.
"Richtig, diese Tiere sind genauso langsam wie du gerade…" erklärte Nanni
und lachte laut. Lucas schaute sie an, versuchte sich zu beherrschen, aber
er musste mitlachen. So standen die Beiden auf dem Balkon und lachten.
"Ach so, ziehst du dich mal um, der Gleiter von Larson kommt in einer
Stunde. Oder willst du meine Mutter im Schlafanzug kennen lernen?" meinte
Lucas und scheuchte Nanni vom Balkon ins Badezimmer.
Eine Stunde später standen Lucas und Nanni vor dem Hotel. Bishop wollte
erst seine Gala-Uniform anziehen, aber das konnte ihm seine Freundin
gerade noch ausreden. Er trug nun eine schwarze Stoffhose, schwarze
Schuhe und ein weißes Hemd mit roten und blauen Drachen. Nanni hatte
ein schlichtes hellblaues Sommerkleid mit dezentem Ausschnitt angezogen.
Dazu trug sie Sandalen in beige, ohne Verzierungen. Lucas ging aufgeregt
hin und her, während Nanni ganz ruhig dastand und versuchte eine
widerspenstige Haarsträhne aus ihrem Gesicht zu streichen. Dann kam
endlich die Erlösung in Form eines Gleiters, der das Familienwappen von
Larson Ral eingraviert hatte. Das Fluggefährt landete und ein Mensch
mongolischer Abstammung stieg aus und ging auf die Beiden zu. "Guten
Tag, ich bin Mr. Kahn und ich soll sie beide zu Larson Ral bringen." stellte
sich der großgewachsene Mann vor und bat die beiden
Sternenflottenoffiziere einzusteigen. Lucas und Nanni nickten und stiegen
ein. Mr. Kahn nahm vorne Platz und Minuten später hob der Gleiter ab.
Anwesen von Larson Ral - Daroon Provinz – Betazed
Nach einem kurzen, aber anstrengenden Flug, da Mr. Kahn ein sehr
gesprächiger Mensch war und von seinen Heldentaten berichten musste,
kamen sie endlich an. Beinahe hätte es noch einen Unfall gegeben. Lucas
und Nanni hatten fluchtartig das Fluggefährt verlassen und sich schnell von
dem Fahrer entfernt. "Beim Rückflug kann ich ihnen mein Familienalbum
zeigen, es ist sehr groß, denn ich habe 10 Kinder" brüllte Mr. Kahn den
Beiden hinterher und fing an den Gleiter zu putzen. "Hat er eben
Familienalbum gesagt?" fragte Nanni entsetzt und schielte zu Lucas. "Ja,
hat er, aber das ist doch egal…" entgegnete Lucas und nahm Nanni am
Arm, um mit ihr gemeinsam durch den Torbogen zu schreiten. Als das
Liebespaar hindurch gegangen war, staunten beide nicht schlecht.
Ein langer Weg mit weisen Kieselsteinen, gesäumt von grünen
Buschskulpturen und den schönsten Blumen, erstreckte sich 150 Meter bis
zur Haustür. Das Haus hinter der Tür hatte 3 Etagen und wirkte sehr
prunkvoll. "Oh" kam aus dem Mund von Nanni. Lucas war nur noch erstaunt,
dieser Larson musste sehr reich sein. Wenn man von Reichtum sprechen
konnten, denn es war innerhalb der Föderation nicht mehr so wichtig
Vermögen zu haben. Es sei denn man hatte große Ohren und gehörte zu
der Spezies namens Ferengi. "Komm Nanni, ich will endlich meine Mutter
wieder sehen…" drängelte Lucas und wirkte beinahe wie ein kleines Kind an
Weihnachten. Die beiden Sternenflottenoffiziere überquerten die
Kieselsteine und kamen einige Minuten später an der Haustüre an. Nanni
betätigte die Klingel und er ertönte ein tiefer Gong, der sehr an einen
Glockenschlag von Big Ben erinnerte. Die Tür ging auf und ein älterer Herr
im Butleranzug schaute heraus. "Sie wünschen?" fragte er freundlich mit
deutlich hörbarem britischem Akzent. "Äh ich bin Lucas Bishop und das ist
Nanni Stevenson, man erwartet uns bereits" stellte sich Bishop und sein
Begleiterin vor. "Ein Moment bitte, Sir" entgegnete der Butler und
verschwand. Fünf Minuten später öffnete sich die Tür erneut und Lucas
konnte gemeinsam mit Nanni eintreten. "Mein Name ist Edward und ich bin
der Butler der Familie Ral. Mr. Ral erwartet sie in der Lounge. Wenn sie mir
bitte folgen würden" begrüßte der Butler die beiden Gäste und wuselte
voraus.
Die Beiden folgten ihm in die Lounge. "Ah Lucas, da seid ihr ja endlich"
freute sich Larson, legte sein Buch zu Seite und erhob sich aus seinem
Sessel. Dann ging er zu seinem Stiefsohn und dessen Freundin, gab ihm
die Hand und klopfte auf seine Schulter, Nanni gab er einen Handkuss. "Ich
werde nun Miriam Bescheid sagen und euch dann alleine lassen", erklärte
Larson und verschwand mitsamt dem Butler. "Soll ich auch gehen?" fragte
Nanni verständnisvoll und nahm Lucas Hand zwischen ihre Hände. "Nein,
Nanni ich möchte das du bei mir bleibst" antwortete er und umarmte seine
Freundin liebevoll.
Dann war es endlich soweit, Lucas hatte es geschafft. Seine Bemühungen
waren erfolgreich. Er war am Ziel angekommen. Nanni schaute erschrocken
über die Schulter ihres Freundes. Lucas drehte sich um. 3 Meter von ihm
entfernt stand seine Mutter. Miriam Bishop stand im Türrahmen und schaute
ihren Sohn an. Sie trug ein rotes hochgeschlossenes Kleid mit langen
weiten Ärmeln. Ihre schwarzen, lockigen Haare lagen unbezähmbar auf den
Schultern.
Lucas war wie erstarrt, er konnte sich irgendwie nicht bewegen. Miriam
schaute ihren Sohn zunächst etwas streng an, dann aber formten sich ihre
Mundwinkel zu einem Lächeln und Tränen schossen ihr in die Augen.
"Mama!" rief Lucas und rannte auf seine Mutter zu. Dann nahmen sich beide
in die Arme. "Lucas, mein lieber Junge" flüsterte Miriam mit weinerlicher
Stimme. "Mama, es tut mir so Leid. Ich habe dich so vermisst." entgegnete
Lucas und hatte dabei einen riesigen Kloß im Hals. "Ich weiß und ich war so
enttäuscht von dir…" meinte Miriam zurück und löste die Umarmung.
Erschrocken ging Lucas einen Schritt zurück und schaute seine Mutter
irritiert an. "Aber ich kenne ja meinen Rumtreiber von Sohn nur zu gut,
deswegen verzeih ich dir" erklärte Miriam, zwinkerte und klopfte ihrem Sohn
auf die Schulter. "Danke Mama, du bist die Beste" bedankte sich Lucas und
drückte seine Mutter erneut. Dann entdeckte seine Mutter die Begleitung
ihres Sohnes und ging auf sie zu. "Hmm, wo haben sie denn ihre Trillpunkte
gelassen?" fragte Miriam neugierig und betrachtete Nanni. "Trillpunkte? Ich
bin ein Mensch…" antwortete Nanni und schaute traurig drein. Am liebsten
wäre sie wieder gegangen. "Nanni, entschuldigen sie bitte, dass ist mir ganz
peinlich" entschuldigte sich Miriam Bishop und umarmte Nanni. Dann
schauten die beiden Damen Lucas böse an. "Äh, das muss ich wohl
vergessen haben zu erwähnen." versuchte Lucas sich zu rechtfertigen.
"Lucas! Du hättest mir vorher sagen können, dass du nun mit ihr zusammen
bist. Ich sollte dir die Ohren lang ziehen." schimpfte Miriam mit ihrem Sohn.
"Entschuldigung" presste Lucas zwischen seinen Lippen hindurch.
"Entschuldige dich nicht bei mir, sondern bei deiner Freundin…" meinte
Miriam und schüttelte ihren Kopf. Lucas ging langsam auf Nanni zu,
umarmte sie und entschuldigte sich bei seiner Freundin. Nanni war schon
etwas gekränkt, aber sie liebte Lucas über alles und verzieh ihm auch
diesen Fauxpas
"Na, habt ihr euch versöhnt?" kam die direkte Frage von Larson. Er kam nun
wieder in die Lounge und holte seine Pfeife. "Denn wenn ihr euch versöhnt
habt, dann können wir nun essen" erklärte der Betazoide seine wahren
Absichten und rieb sich seinen Bauch. "Ja wir haben uns versöhnt"
antworteten Miriam und Lucas im Duett. "Gut, dann kann es ja losgehen.
Alle folgen mir bitte ins Speisezimmer" scherzte Larson und ging voraus.
Miriam folgte ihm und Lucas und Nanni taten das Gleiche. Als die Gruppe im
Speisezimmer ankam, saßen an der großen Tafel schon vier Leute. Es
waren alles Betazoiden. Eine der Personen erkannte Lucas als Kaoi wieder.
Als Larson an den großen Tisch kam, standen die 2 Männer und die 2
Frauen auf. Larson nahm am Kopfende platz, Miriam daneben, wieder
neben ihr saßen Lucas und Nanni. Die anderen Personen blieben immer
noch stehen. "Darf ich vorstellen, das sind meine älteste Tochter Mariki und
ihr Mann Salmen Bril. Sie ist Hausfrau und Mutter von 2 Kindern. Salmen ist
Beamter und arbeitet in der Botschaft." stellte Larson nun nacheinander
seine Kinder vor. Die beiden Vorgestellten setzten sich nun hin und
schwiegen. Der junge Betazoide und Kaoi, bei der man deutlich den Bauch
einer Schwangeren erkennen konnte, standen noch. Larson fuhr fort. "Das
hier ist mein Sohn Komron, er ist Physiker und als Lt. Cmdr. auf der USS
Faraday stationiert. Wir sind alle sehr stolz auf ihn und meine Tochter Kaoi
kennst du ja schon. Sie macht jetzt eine Ausbildung zur Kindergärtnerin."
„Soll ich nun den ersten Gang servieren?“ mit diesen Worten unterbrach der
Butler den ganzen Zirkus. Lucas und Nanni fühlten sich etwas unwohl.
„Miriam, willst du uns nicht deine Gäste vorstellen?“ fragte Mariki sehr
neugierig und schaute ganz interessiert in die Richtung der Beiden. „Gern,
aber ich denke mein Sohn kann sich sehr gut alleine vorstellen.“ entgegnete
Miriam und gab das Wort an Lucas. „Gut, ich bin Lucas Bishop, mein Rang
ist Lt. und ich bin Sicherheitschef an Bord der USS Community“ stellte sich
der verlorene Sohn vor. „Das ist meine Freunding Nanni Stevenson, sie ist
Exobiologin und als Ensign auch auf der Community tätig“ fuhr Lucas fort
und stellte seine Freundin vor.
Dann nahmen alle wieder Platz und es war keine Sekunde zu früh, denn
Edward servierte den ersten Gang. Es gab Karpfenmaulsuppe mit frischer
Minze. Lucas probierte voller Freude einen Löffel und stellte dann fest, dass
diese Suppe scheußlich schmeckte. Doch aus Höflichkeit würgte Lucas die
ekelhafte Brühe runter. Er wollte gerade den nächsten Löffel Suppe zu
seinem Munde führen, als ein lauter Gongschlag ertönte. Beinahe hätte
Lucas den Löffel fallen lassen. "Was soll das denn jetzt?" erkundigte sich Lt.
Bishop irritiert. "Der Gong wird jedes Mal geschlagen, wenn mein Vater
etwas Essen in seinen Mund tut. Es ist ein symbolisches Opfer für unseren
Gott und es ist Tradition." erklärte Kaoi dem Unwissenden. Und wieder
ertönte der Gong. "Hoffentlich hat das Essen nicht so viele Gänge, sonst
bekomme ich noch eine Gong-Phobie" flüsterte Lucas zu Nanni, die sich
daraufhin vor Lachen an der Suppe verschluckte und zu husten begann.
Schnell sprang Lt. Bishop auf um seiner Freundin auf den Rücken zu
klopfen. Er schaffte es rechtzeitig aber die restliche Familie Ral schaute sich
entsetzt den Rettungsversuch an. "Entschuldigung" beteuerte Nanni und
errötete leicht. Lucas stellte seinen Stuhl wieder hin und nahm wieder platz.
"Ich werde nun den 2. Gang servieren" meinte Edward und verließ seinen
Gong-Posten um den nächsten Gang zu holen. Wenige Minuten später kam
der Brite wieder und stolperte beinahe über das Bärenfell, das auf dem
Boden lag. Lucas versuchte ein Lachen zu unterdrücken, denn die Szene
erinnerte ihn an einen alten Erdenfilm. Der Butler hatte jedem einen Teller
mit Artischockensalat in Zitronendressing hingestellt und seinen GongPosten wieder eingenommen. Larson nahm den ersten Biss und es folgte
ein lautes "GONG" und die nächste Gabel landete in seinem Mund "GONG".
"Ring frei zu nächsten Runde" flüsterte Nanni zu Lucas und dieser musste
wieder lachen. "Was habt ihr denn jetzt wieder zu lachen?" fragte Miriam
Bishop etwas streng und schaute ihren Sohn samt Freundin leicht böse an.
"Sie machen sie über unsere Tradition lustig" warf Komron und war
aufgestanden. Larson unterbrach das Mahl und stand ebenfalls auf.
"Komron, es ist unhöflich die Gedanken seiner Gäste zu lesen, entschuldige
dich…" schimpfte Larson mit seinem Sohn und schaute ihn grimmig an.
"Verzeihung, dass ich eure Gedanken gelesen habe." entschuldigte sich
Komron und setzte sich wieder friedlich. "Ich bitte auch um Entschuldigung,
ich wollte mich nicht über das Ritual lustig machen. Aber bei uns Menschen
hat ein Gong eine andere Bedeutung z. B. wird ein Boxkampf mit einem
Gong eröffnet." erklärte Lucas und lächelte freundlich in die Runde. Larson
nickte und nahm lautlos die Entschuldigung an. Einige "GONG" später kam
der 3. Gang und dabei handelte es sich um andorianische Schnecken in
Knoblauchsoße.
Edward schaffte es wieder heil über das Bärenfell zu springen und Lucas
wollte ihm schon eine Medaille im Weitsprung verleihen. Schnell wie der
Wind eilte der Butler wieder zum Gong. Larson aß weiter und ihn begleitete
ein monotoner Ton beinahe synchron, wie zwei Turmspringer. So langsam
taten Lucas die Ohren weh und er musste sich beherrschen nicht an seinen
Ohren rumzudrücken. Gut, dass er kein Ferengi war, denn die Ohren der
lustigen Geschäftsmänner des Universums waren noch viel empfindlicher.
Ja, endlich war es soweit Larson steckte die letzte schleimige Schnecke in
seinen Mund und das Instrument verstummte. Lucas konnte sein Glück
kaum hören, denn er war schon halb taub. Der Brite verließ wieder seinen
Posten und holte die nächste Scheußlichkeit für den irdischen Gaumen,
denn es gab betazoidischen Tintenfisch in Bilzoksoße. Der Tintenfisch hatte
pinkfarbenes Fleisch und die Bilzoksoße war grün und schmeckte wie eine
Mischung aus Sardellen und Wackelpudding.
Der Tintenfisch hatte pinkfarbenes Fleisch und die Bilzoksoße war grün und
schmeckte wie eine Mischung aus Sardellen und Wackelpudding. Es wurde
immer schwieriger sich im Zaum zu halten, die Speisen waren widerlich, der
Gong nervte wie ein Haufen junger Kadetten und keiner sagte etwas beim
Essen. Es glich einer Beerdigung. Da hatten die "Monsters" bestimmt mehr
Spaß und die wohnten auf einem Friedhof. Komisch heute fielen Lucas eine
Menge alter Erdenserien ein, es mochte vielleicht an der beklemmenden
Umgebung liegen. "GONG" ertönte es und signalisierte, dass Larson
angefangen hatte den Tintenfisch zu essen, "GONG" und in Lucas Kopf
formten sich zwei Buchstaben MB und wieder "GONG" MB und wieder
"GONG" MB…. Ja, das war es - ein neuer Film würde in diesem Haus
gedreht werden. Der Titel würde lauten "King Gong". Lucas drehte so
langsam durch und seine Gedanken wurden immer unfreundlicher...
…So hier überspringen wir die Geschichte, ansonsten wird der Autor noch
wegen GONG-Schädigung verklagt!...
Ein zufriedener Lucas Bishop saß mit seiner Freundin im Gleiter, der
Richtung Egrimo Hotel flog und schaute in die Nacht hinaus. "Lucas, tut dein
Ohr noch weh?" fragte Nanni besorgt und hielt ihren Kopf schief. "Was?"
meinte Bishop und hielt sein Ohr fest.
"Ob-Dein-Ohr-weh-tut"
"Was?"
"Dein Ohr" brüllte Nanni und zeigt auf ihr Ohr.
"Schrei nicht so, mein Ohr tut weh" entgegnete Lucas und lachte sich kaputt.
"Du bist echt ein Nilpferd…" lachte Nanni und stupste ihren Freund zur
Seite.
"Soso ein Nilpferd… Sonst schreist du immer, mach weiter, mein Hengst."
Nanni wurde rot und grinste verlegen. "Lucas, wenn das der Fahrer hört"
ermahnte sie ihren Freund. Aber der Fahrer hörte nichts, denn Mr. Kahn
führte ein Gespräch mit dem Polizeibeamten. Zu schnell fahren, ging auch
auf Betazed nicht. Einige Minuten später musste Mr. Kahn mit aufs Revier
und die beiden Sternenflottenoffiziere durften den restlichen Weg zum Hotel
laufen.
Ende von Schuld und Sühne
Geschrieben von: Selina Kyle am Jul 23 2005, 19:33
Ohne Aufsehen zu erregen hatte sich Selina einen der Schutzanzüge
ausgeliehen und ihn angezogen. Zum Glück waren die Anzüge sehr groß
und so war es ihr möglich, ihre Mitbringsel am Körper zu tragen.
Der Flug des Mülltransporters dauerte nun schon einige Tage. Immer wieder
wurden Planeten und Werften angesteuert. Müll und Schrott wurden
abgeliefert oder aufgenommen und ständig wechselte auch die Crew. Zu
Selinas Glück nahm niemand wirklich Notiz von ihr. Sie benahm sich so gut
wie unauffällig, legte niemals den Schutzanzug ab und hielt sich in den
Pausen und zu Schlafenszeiten in den dunkelsten Ecken des
Mülltransporters auf.
Durch die lange Flugdauer hatte Selina genug Zeit gehabt über viele Dinge
nachzudenken. Am meisten beschäftigte sie natürlich ihr momentaner
„Auftrag“.
Was würde sie auf Romulus erwarten? Zwar hatte sie Lattas Nachricht noch
erhalten aber wie weit konnte sie dieser Frau trauen? Würde sie überhaupt
in der Lage sein Solak und seiner Familie zu helfen? Was war, wenn sie
einiges „verlernt“ hatte? Oder gar schon zu untrainiert war?
All dies und noch vieles mehr beschäftigten die junge Offizierin auf ihrer
langen Reise. Egal welche Zweifel sie auch hatte, es gab jetzt kein Weg
zurück mehr.
Endlich war es soweit, der Mülltransporter erreichte Romulus. Natürlich
wurde hier Müll aufgenommen und nicht abgeliefert. Selina nutzte die
Chance und mischte sich unter die Crew. Kaum hatte sie romulanischen
Boden unter ihren Füßen setzte sie sich nach einem kleinen inszenierten
Unfall mit einem Müllbehälter ab. Sämtliche Wachen hatten sich um den
umgekippten Behälter versammelt und riefen der Crew Aufforderungen zu
die Sauerei zu beseitigen. Selina nutzte den Tumult und entfernte sich auf
leisen Sohlen vom Ort des Geschehens. Erst als der Landeplatz in weiter
Ferne lag, blieb Selina stehen und zog den Schutzanzug aus. Sie befand
sich in einem kleinen Waldstück und außer ihr und der heimischen Tierwelt
hielt sich niemand anderes hier auf. Selina grub ein Loch und legte den
Schutzanzug dort hinein. Mit ihrem Phaser löste sie den Anzug in seine
Bestandteile auf. Vorsichtig schüttete sie die Erde zurück und legte Zweige
und Blätter darüber um sämtliche Spuren zu verwischen. Selina checkte ihre
mitgebrachte Ausrüstung nochmals, sah nach ob ihr Schwert noch richtig in
der Rückenlasche saß und aktivierte dann das modifizierte Tarngerät. Aus
der attraktiven Menschenfrau wurde innerhalb von wenigen Millisekunden
eine Romulanerin. Das Tarngerät sorgte auch dafür, daß man das Schwert
nicht sah und die energetischen Impulse ihres Phasers und der anderen
kleinen Geräte nicht registrieren konnte.
Der Morgen graute bereits und Selina machte sich auf den Weg zum
vereinbarten Treffpunkt mit Latta. Selina musste wieder schmunzeln, als sie
an den Treffpunkt dachte: ein Snackwagen. Was die ganze Sache noch
witziger machte war, daß Latta gerne Würstchen aß. Ob der Romulanerin
bewusst war, wie menschlich das wirkte?
Selina zuckte grinsend mit den Schultern und setzte ihren Weg fort .....
Geschrieben von: O'Tra am Jul 26 2005, 01:40
O’Tra schaute aus dem kleinen Fenster in seinem Quartier an Bord der USS
Monitor. Die letzten Tage hatten das gesamte Leben des Bolianers
durcheinander gebracht. Noch immer konnte er nicht glauben, dass vieles,
was ihm die letzten Jahre Alpträume beschert und was ihn seine Freunde
und seine Karriere gekostet hatte, dass sich dies alles völlig anders
abgespielt haben sollte…
---John Lewinski, der Captain der Monitor, nahm an einer wichtigen Tagung
teil, so dass der erste Offizier, Commander Matthew Price das Kommando
des Schiffes übernehmen musste. Er und Dr. Frasier hatten gerade einen
gemeinsamen Urlaub angetreten und waren über die Unterbrechung
sichtlich unerfreut.
Nachdem die Monitor den 1. Offizier die Schiffsärztin an Bord genommen
hatte, gab Lt. Cmdr. Ijoula die Details der Mission preis:
Der Suchalgorithmus den O’Tra bei der Mission auf dem Borgwürfel
unerlaubterweise mit verwendet hatte, hatte Erstaunliches zu Tage
gebracht: Die ‚von Behring’ hatte tatsächlich einen Zusammenstoß mit den
Borg gehabt, bei dem zwei Mitglieder eines Außenteams assimiliert worden
waren. Weiterhin war eine kurze Verfolgungsjagd zu einem Nebel
dokumentiert. Nachdem die ‚von Behring’ sich in dem Nebel versteckt hatte,
endeten die das Schiff betreffenden Eintragungen in der Borg-Datenbank
mit der Bemerkung: „Assimilierung wegen Irrelevanz abgebrochen.“
Demnach waren die Borg nicht für die Vernichtung der ‚von Behring’
verantwortlich. Doch was war dann mit dem Schiff geschehen?
Erste Anhaltspunkte lieferten die Scanns eines Spionagesatelliten. Sie
zeigten ein getarntes Flugobjekt, welches in den Orbit eines kargen
Planeten eintrat, der für die Verklappung von romulanischem Giftmüll
genutzt wurde. Die spezielle Beschaffenheit der Atmosphäre machte ein
getarntes Durchfliegen nahezu unmöglich. Kontur und Größe des erfassten
Schiffes entsprachen dabei genau der Nova-Klasse.
Die Mission ausgelöst hatten letztendlich aber drei unscharfe Bilder, die ein
Schiff der Nova-Klasse neben Scorpion-Jägern und einem romulanischen
Scout in einem Hangar zeigten und die dem Sternenflottengeheimdienst
zusammen mit den Koordinaten eben jenes Planeten anonym zugespielt
worden waren.
Der Geheimdienst vermutete einen geheimen Außenposten des
romulanischen Tal’Shiar auf dem Planeten und dort musste sich die
geborgene oder geenterte ‚von Behring’ befinden.
Den Planeten direkt anzufliegen war aufgrund der örtlichen Gegebenheiten
nicht möglich. Zu groß war die Gefahr entdeckt zu werden. Ziel der Monitor
war daher zunächst Trion 5 – ein Planet inmitten des romulanischen
Imperiums. Hier sollten Lt. Cmdr. Ijoula, T’Andorla und O’Tra inkognito an
Bord eines Müll-Frachters gehen, der den Planeten relativ unbehelligt
anfliegen konnte…
--Der Signalton der Tür riss O’Tra aus seinen Gedanken. Die Tür öffnete sich
und eine junge Romulanerin betrat den Raum. Chief O’Tra starrte die Frau
an. „Was ist?“ fragte ihn die vertraute Stimme von Brexen Ijoula. „An Dein
neues Aussehen muss ich mich erst noch gewöhnen“, meinte der Bolianer
trocken. Die Trill musste lächeln. „Das geht mir ebenso. Dr. Frasier hat
wirklich ganze Arbeit geleistet.“
O’Tra nickte und tastete mit seiner linken Hand nach einem seiner neuen
spitzen Ohren und fuhr sich durch das künstliche Haar. „Die Haare sind
wirklich ungewohnt“, stellte er fest. „Einen grünlichen Kopf hatte ich ja
bereits auf der Communty schon einmal…“
„Wie geht es Dir?“ unterbrach Brexen den Bolianer „Was meinst Du?“ „Nun,
Dein Leben ist in den letzten Tagen tüchtig durcheinander geraten. So
etwas geht nicht spurlos an einem vorüber.“ O’Tra seufzte. „In meinem Kopf
stecken die Erinnerungen an Ereignisse, von denen ich fast jede Nacht
träume; an Ereignisse von denen ich noch nie jemandem erzählt habe und
an Ereignisse, für die ich mir die Schuld gebe. Für mich war und ist das alles
real und da ist es schwer zu glauben, dass das alles niemals stattgefunden
hat. Außerdem frage ich mich, warum die Romulaner ausgerechnet mich
zurückgeschickt haben.“
„Sie brauchten einen Zeugen, der die Vernichtung der ‚von Behring’
bestätigte, so dass kein Verdacht aufkam. Wahrscheinlich haben sie die
Borg auch beobachtet, als die Behring auftauchte und als sich diese
geschwächt in den Nebel zurückziehen musste, haben sie die Gelegenheit
genutzt“, mutmaßte die Ingenieurin. „Und sie werden Dich aufgrund der
Spezies ausgewählt haben. Bolianische Gehirne sind kompliziert. Ohne
weiteres lassen sich da Manipulationen nicht nachweisen. Wir werden
sehen, was Dr. Frasier bei ihren Untersuchungen herausgefunden hat,
vielleicht lässt sich ja Dein Gedächtnis wieder herstellen.“
Genau in diesem Moment meldete sich die Ärztin der Community, um O’Tra
mitzuteilen, dass die Analysen abgeschlossen waren. Während Ijoula auf
die Brücke ging, machte sich O’Tra auf den Weg zu Dr. Frasier.
Der Boliner staunte nicht schlecht, als ihm im Korridor vor der
Krankenstation plötzlich ein kleines Kind entgegengelaufen kam…
Geschrieben von: Solak am Jul 26 2005, 20:51
Solaks Schädel fühlte sich an, als hätte er Bekanntschaft gemacht mit einem
sehr, sehr großen und schweren Felsen. Doch spürte der Romulovulkanier
den Schmerz kaum. Kaum hatte er das Bewustsein wiedererlangt,
durchzuckte ihn jähe Panik. Sta'el! Niklan! Es dauerte einige Sekunden, bis
seine Logik wieder einsetzte und ihn daran erinnerte, die telepathische
Verbindung zu seinem Mann zu nutzen. Selbstverständlich war die
Entfernung zu groß für eine Kommunikation, doch sie reichte aus, um Solak
zu vergewissern, dass es seiner Familie (den Umständen entsprechend) gut
ging.
Erleichtert öffnete Solak endlich die Augen und nahm seine Umgebung
bewust in sich auf. Erwartungsgemäß hatte man ihn an einen Stuhl
gefesselt. Der Raum, in dem er sich befand, war der Raum eines
Wohnhauses. Kein Verhörraum und auch keine Gefängniszelle. Solak
beschloß, das als ein gutes Zeichen zu werten. Mentalsonden standen
selbst in romulanischen Häusern selten als Wohnzimmerschmuck herum.
Als nächstes erforschte er seinen Kopf. Deutlich konnte er das getrocknete
Blut spüren, das in seinem Gesicht klebte. Es war bereits geronnen, er
musste also einige Zeit ohnmächtig gewesen sein. Doch verspürte er keine
Übelkeit oder Schwindel, sein Gesichtsfeld war weder verzerrt noch
eingeschränkt. Die Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung oder
Schlimmerem war also gering gut.
Nun konnte er mehr über seine Situation in Erfahrung bringen und einen
Plan zur Flucht entwickeln.
Doch bevor es soweit kam gab Solaks Magen ein lautes Knurren von sich.
Als wäre das das geheime Kommando gewesen, öffnete sich die Zimmertür.
Zwei romulanische Männer traten ein.
Der eine war groß, schlank. Sein feingeschnittenes, klassisches Gesicht
wurde von grauen Haaren umkranzt. Man konnte deutlich erkennen, dass
dies jemand war, der an Macht gewohnt war. Jemand, der mit allen
Annehmlichkeiten aufgewachsen war.
Der Zweite war ebenso groß wie der erste, doch wesentlich dünner, ja sogar
dürr. Er war von einer geradezu unheimlichen Blässe, schwere Ringe lagen
unter seinen Augen. Er lief leicht gebeugt, als wolle er der Welt seine Demut
demonstrieren. Schnell trug er einen Stuhl für seinen Herren (die
Rollenverteilung ließ sich nicht übersehen) heran, auf den sich dieser
niederließ.
Die dunkelgrauen Augen des Herren musterten Solak eingehend.
"So.... Lt. Solak, Councelor auf der U.S.S. Community. Es war nicht schwer,
herauszufinden, wer Sie sind. Aber was mir noch nicht ganz klar ist: Was
machen Sie hier?"
"Urlaub natürlich."
Das Lachen des Herren klang genauso wohlgefällig wie seine Stimme.
Solak wurde klar, dass er der prototypische Vertreter dessen war, was die
Föderation an den Romulanern so fürchtete.
"Aber, aber, Lt. Solak, für wie dumm halten Sie mich? Sie mögen Ihre
Familie als Tarnung mitgebracht haben, aber für einen Urlaub ist der Weg
nach Romulus doch ein klein wenig beschwerlich, nicht wahr?"
Die Augen des Mannes wurden mit einem Mal hart und kalt. "Aber jetzt
genug von diesem Geplänkel. Wie kommen Sie nach Romulus? Sind Sie im
Auftrag der Föderation hier? In welchem Verhältnis stehen Sie zu
khre´Rionel Latta - der Mörderin Ihres Onkels? Warum hat Latta Sie
beschützen lassen? Arbeitet sie für die Föderation? Sprechen Sie, Mann!"
Den letzten Satz bellte er befehlend heraus.
Solak blieb ruhig. Mit unbewegter Miene antwortete er. "Es tut mir leid, aber
ich bin tatsächlich privat hier. Ich wollte den Heimatplaneten meines Vaters
besuchen. Vor seinem Tod hat er mir von Latta erzählt - meiner
angeheirateten Tante, die einzige 'Verwandte', die ich hier auf Romulus
habe. Glauben Sie mir, sie war alles andere als begeistert als ich vor ihr
stand. Doch weil sie meinem Vater Mnhei'Sahe schuldete, konnte sie mich
nicht ausliefern. Sie wollte mich so schnell wie möglich loswerden. Aber
dann sagte sie plötzlich, dass sie verfolgt werde, dass ihre Feinde uns
umbringen würden, dass man uns nicht zusammen sehen dürfe. In einer
richtigen Nacht-und-Nebel-Aktion wurden wir aus unserem Hotel geschleppt
und fortgebracht. Wir dachten, sie täte das, um uns ermorden zu lassen.
Tagelange wurden wir durch irgendwelche Gassen getrieben. Bis... Naja...
Ich schätze mal, das waren Ihre Männer?"
"Von denen Sie vier getötet und drei verletzt haben, ja. Ich kaufe Ihnen
diese nette, unschuldige Geschichte nicht ab. Wussten Sie, dass der
Tal'Shiar Sie schon seit Jahren beobachtet? Sicher wussten Sie das. Und
trotzdem tauchen Sie einfach so hier auf - mit Mann und Kind im
Schlepptau. Entweder, Sie sind unglaublich dämlich. Oder Sie wussten,
dass Sie hier auf Romulus eine Verbündete haben, die Sie beschützt. Was
mag wohl die Wahrheit sein?"
Der Mann erhob sich. "Ich werde Sie eine Weile mit Solem alleine lassen. Er
hat ein Talent dafür, Fremden die Zunge zu lockern - im wahrsten Sinne des
Wortes."
Er erhob sich und wischte sich die Hände an seinem Hemd ab. "Bis später,
Lt. Solak."
Geschrieben von: Selina Kyle am Jul 26 2005, 21:20
Es war soweit. Entweder, die Menschenfrau würde da sein. Oder sie wäre
es nicht. Dann... Latta spürte, wie die Sorge um Solak ihre Kehle
zuschnürrte. Nein, davon durfte sie sich nicht beeinflussen lassen!
Scheinbar ihrer mittäglichen Routine folgend trat sie aus dem Gebäude der
Tal'Shiar-Verwaltung und trat auf den kleinen Wagen davor zu. Sie sah sich
nicht um, dasselbe zielstrebige und hungrige Gesicht wie in jeder
Mittagspause. "Ein Würstchen mit allem."
Selina schlenderte durch die Hauptstadt, hielt an einigen Geschäften und
Ständen und genoß die warmen Sonnenstrahlen. Endlich hatte sie den Platz
des Sieges oder wie auch immer dieser öffentliche Platz hieß, erreicht. Aus
ihrem Augenwinkel heraus erspähte sie den kleinen Wagen mit den
Würstchen. Der Geruch wirkte fast berauschend. Selina hatte seit ihrem
Reiseantritt nichts mehr gegessen. Zielstrebig ging sie auf den Wagen zu
und studierte die Angebote. "Eine Bratwust mit extra viel Senf und Ketchup!"
Die Tal'Shiar-Offizierin neben Selina drehte sich um und hielt ihr die Flasche
mit dem Senf hin. Dabei musterte die Fremde schnell das Gesicht ihres
Gegenübers. Die Offizierin - selbstversändlich Solaks Tante - deutete nur
mit einem kurzen Wimpernschlag an, dass sie ihr Gegenüber erkannt hatte.
Dann fiel ihr mit einer offensichtlich tolpatschigen Bewegung die Senfflasche
aus der Hand, mitten auf die Kleidung Selinas. "Oh, bitte entschuldigen Sie!
Das tut mir leid! Warten Sie, ich mache das Missgeschick gleich weg." Latta
angelte sich einige Servieten aus dem bereitstehenden Spender und
wischte den Senf von der Bluse Selinas. Dabei steckte sie einen kleinen
Zettel in den Ausschnitt der Befleckten. "So ein Pech, man sieht trotzdem
noch etwas. Bitte, bringen Sie die Reinigungsrechnung in meinem Büro
vorbei. Meine Assistentin wird sich um alles kümmern. Mein Name ist
khre´Rionel Latta, man wird sie am Empfang weiterleiten." Mit einer kleinen
Verbeugung griff die Romulanerin wieder nach ihrem Mittagessen und
verschwand dann eilig.
Selina unterdrückte ein Lachen und rümpfte gekünzelt die Nase.
"Selbstverständlich werden Sie die Reinigungsrechnung bezahlen!" Selina
biss in ihre Bratwurst und genoss den herrlichen Geschmack. Dem
Verkäufer nickte sie kurz zu und entfernte sich von dem Würstchen-Wagen.
Nachdem sie die Bratwurst verspeist hatte griff sie in ihre Bluse und blickte
auf das Zettelchen.
Auf dem Zettelchen war der der Name einer Bar, deren Adresse und eine
Uhrzeit vermerkt. Selina prägte sich alles ein und machte sich gemütlich auf
den Weg dorthin.
Einige Stunden später - es war bereits fortgeschrittener Abend - betrat Latta
in Begleitung einer ihrer Assistentinnen die Bar. Hsira war fast zwei Köpfe
kleiner als Latta, sie hatte gesund-grünlich schimmernde Wangen und
machte im ganzen den Eindruck eines freundlichen Bauerntrampels. Doch
dieser Eindruck täuschte. Hsira und ihre Vorgesetzte sahen sich kurz um das heißt, Hsira musterte die anwesenden Frauen eingehend - dann
nahmen sie an der Bar Platz und bestellten zwei Ale. Lattas Assistentin war
Stammgast in der Bar und sie hatte ihre Vorgesetzte schon des öftereren
nach Dienstschluß hierher eingeladen. Nichts ungewöhnliches also. Latta
nippte an ihrem Drink, währen Hsira sie auf eine Frau am anderen Ende der
Bar aufmerksam machte. Latta folgte dem wollüstigen Blick ihrer
Untergebenen und musste lächeln. Es war die Frau mit dem Senf von heute
Mittag.
Selina hatte sich zur angegebenen Zeit in der Bar eingefunden. Zu ihrer
Überraschung befanden sich nur weibliche Gäste in diesem Etablisment.
Erst nachdem sie einige eindeutige Angebote erhalten hatte, wusste Selina,
daß dies eine romulanische Lesben-Bar war! Niemals hatte sie damit
gerechnet, daß es solche Bars auch auf Romulus gab. Anscheinend hatte
der Planet mehr zu bieten als nur Kantenfressen. Selinas Blick fiel auf zwei
Frauen die die Bar betreten und einen Drink bestellt hatten. Eine von Ihnen
war Latta, die andere Person kannte sie nicht. Selina schnappte sich ihr
Glas und ging auf die beiden Frauen zu. "Schon Feierabend?"
"Ja. endlich. Und wie ich sehe, konnten Sie Ihre Kleidung mittlerweile
säubern. Möchten Sie sich zu mir setzen?" Sie warf ihrer Assistentin einen
Blick zu. Hsira seufzte. "Es ist eine wahre Schande, dass Sie keine
Romulanerin sind, wissen Sie das?" Dann schnappte diese sich ihr Getränk
und setzte sich einen Platz weiter, so dass der Sitz neben Latta frei wurde.
Selina nahm Platz und ließ ihren Blick durch die Bar schweifen. Sie leerte ihr
Glas und sah Latta direkt an. "Ich denke die Zeit drängt .... also welche
Informationen können Sie mir geben?"
Die Romulanerin lächelte ihre Nachbarin unverbindlich an und hielt ihre
Smalltalk-Miene aufrecht. "Ihr Menschen seid so ungeduldig! Zwar ist es
nichts Ungewöhnliches, wenn eine Witwe wie ich in eine Bar wie diese geht,
doch bin ich bekannt auf Romulus. Es sitzen gerade mindestens zwei
weitere Tal'Shiar-Angestellte hier - vielleicht aus Freizeitvergnügen,
vielleicht beruflich. Ich wäre Ihnen also sehr dankbar, wenn Sie sich
mässigen könnten. Flirten Sie mit mir - ja, mir gefällt das genauso wenig wie
Ihnen! Aber wenn Sie mich abschleppen habe ich einen Grund, Sie mit zu
mir zu nehmen. Haben Sie verstanden?!"
Selina spürte wie die am Mittag verspeiste Bratwurst wieder nach oben
kommen wollte. Mit Latta flirten? Wie widerlich war das denn? Selina wusste
jetzt schon eines: Solak würde ordentlich für seine Rettung bezahlen
müssen! Jawoll! Selina lächelte Latta an und legte ihr ihre Hand auf den
Oberschenkel. "Na? Heute Nacht schon was vor?"
Die ältere Frau wurde grün wie ein verlegenes junges Mädchen. Hsira
unterdrückte ein Kichern angesichts der Miene ihrer Chefin. Doch Latta
hatte sich schnell gefangen und offenbarte einiges schauspielerisches
Talent. "Plumper geht es wohl kaum, was?!" Scheinbar erlag sie dem
Charme ihrer Verführerin. Die geschmeidigen Finger der Romulanerin
begannen, vorsichtig mit einer Haarsträhne Selinas zu spielen. "So, bevor
wir gehen: Ist Ihnen jemand gefolgt? Sind Sie sich sicher, dass niemand von
diesem 'Ausflug' weiß?"
Selina biß sich auf die Unterlippe und leckte sie dann mit ihrer Zunge ab. Sie
erhob sich langsam und mit körperbetonten bewegungen und umschlang
Lattas Hüften von hinten. Selinas Lippen näherten sich Lattas spitzen
Ohren. "Soweit ich weiß, ist mir niemand gefolgt und niemand sonst weiß
von dem Ausflug."
Ein Schauer lief durch Lattas Körper. Wie gerne würde sie dieser
impertinenten Person jetzt das Genick brechen! "Gut. Ich werde Sie jetzt zu
mir nach Hause bringen. Dort können wir dann offen sprechen. Hsira wird
uns den Rücken freihalten." Die Romulanerin griff nach Selinas Hand,
bezahlte ihre Drinks, ertrug die zweideutigen Kommentare der sie
umgebenden Frauen mit einem stoischen Lächeln und führte ihre
Begleiterin dann hinaus. Wortlos gingen sie Hand in Hand bis zu Lattas
Gleiter. Eine kurze Fahrt später erreichten die beiden ein kleines Haus. Ein
gut gepflegter Vorgarten führte zu einer schweren Tür, die wiederum in eine
geräumige und schlichte Wohnstatt führte. Latta fummelte im Dunkeln an
einigen Schaltern an der Wand herum. Das Licht schaltete sich an und
tauchte die spärliche Einrichtung in weiches Licht. Die Fenster wurden
verdunkelt. "So, jetzt sind wir ungestört. Setzen Sie sich."
Selina war sich ganz sicher: DAS war bis jetzt der schlimmste Auftrag den
sie je durchführen musste. Romulus, die Bar und dann noch Latta. Einfach
widerlich. Selina blieb aber äußerlich völlig gelassen und folgte der
Aufforderung der älteren Romulanerin und setzte sich. "Ich bin ganz ohr."
Latta goß sich ein großes Glas Ale ein und spülte ihren Ekel herunter. Ihrem
Gast bot sie nichts an. "Gut. Wie Sie bereits wissen, schweben Solak und
seine Familie in großer Gefahr. Ich habe mich einigen mächtigen Männern
hier im Reich in den Weg gestellt und einen Putsch vereitelt. Der Senat und
das Prätoriat haben mich daraufhin befördert. Ich bin jetzt Chefin der
MindWar-Divison und eine der stellvertretenden Leiterinnen des gesamten
Tal'Shiar." Mit herausfordernder Miene setzte sie sich Selina gegenüber.
"Doch konnten nicht alle von denen, die ich verraten habe, gefasst werden.
Ich werde verfolgt. Und scheinbar haben sie nun meine Verbindung zu
Solak entdeckt. Wenn meine Feinde herausfinden, welche Beziehung Solak
und mich verbindet..." Sie nahm einen weiteren tiefen Schluck ihres Ales.
"Das darf nicht geschehen. Solak und seine Familie müssen Romulus so
schnell wie möglich verlassen. Ich brauche Sie als ihre Leibwache. Ein
ausgemusterter Warbird steht schon bereit, Sie müssen nur noch das
Versteck des Schiffes erreichen. Und, achja: Vorher Solak befreien."
Selina hörte Lattas Ausführungen konzentriert zu. Der letzte Satz brannte
sich jedoch besonders stark in ihr Gehört. "Wie bitte? Solak befreien? Was
ist passiert? Und wo sind Niklan und Sta'el?"
"In Sicherheit. Sie werden Sie bald sehen. Vorerst aber geht Solak vor."
Latta reichte Selina ein altmodisches Stück Papier, auf dem das Foto eines
Romlaners gedruckt war. "Das ist Grunnar. Er ist der Kopf des Putsches,
den ich enttarnt habe. Grunnar sitzt im Gefängnis und wartet auf seine
Hinrichtung. Wir verhören ihn, aber als ehemaliger Leiter der MindWarAbteilung kennt er natürlich all unsere Methoden. Sein Leibsklave Solem ist
auf der Flucht." Ein neues Foto wurde Selina gereicht. Der Mann auf
diesenm Bild war blaß und hatte Ähnlichkeit mit einer Spinne. "Solem, so
sein Name, war mit Sicherheit auch Teil der Verschwörung. Ein widerliches
Wesen. Finden Sie Solem - und ich bin mir sicher, dass Sie Solak finden.
Ich kann es nicht wagen, meine Leute nach ihm auszuschicken. Wenn man
merkt, dass ich nach Solak suche, dann war alles umsonst. Also liegt es an
Ihnen. Außerdem mag Solem junge Mädchen, die Schmerz mögen. Sie
dürften genau seine Kragenweite sein." Latta lächelte gehässig.
Selina nahm die Fotos entgegen und fühlte sich mal wieder in ihrer Meinung
bestätitgt: Romulaner waren schon verdammt hässliche Gesellen aber diese
beiden waren wirklich extrem hässlich. Selina bedachte Lattas letzten Satz
mit einem Wölben ihrer rechten Augenbraue. "Dann kann ich davon
ausgehen, daß Sie keinen ihrer Leute dort draussen in Solaks Nähe haben?
Falls dem doch so ist, pfeifen Sie sie zurück. Ich werde keine Rücksicht
nehmen."
"Nein, ich habe keinen meiner Leute in Solems Nähe. Wir haben ihn seit
seiner Flucht aus den Augen verloren. Natürlich sucht der Tal'shiar nach
ihm. Aber der Putsch hatte seine Gefreiten auch in den Reihen des
Geheimdienstes. Ich weiß noch, wer alles involviert war und wem ich trauen
kann. Vielleicht verzögern sie Solems Ergreifung absichtlich. Ich denke,
dass die Verschwörung bis in die obersten Reihen des Reiches geht,
vielleicht sogar bis in den Senat. Ich mache mir Sorgen um Solak." Mit
einem Mal sah Latta sehr alt aus. Aber schnell warf sie diesen Eindruck
wieder ab und strafte ihre Haltung. "Ich kann Ihnen also keinen Tip geben,
wo Sie Solem finden. Nur den: Sie müssen ganz hinunter in die
romulanische Subkultur der Prostitution, der Sklavenhändler und Sexclubs."
Selina nickte. "Ich verstehe. Wie lange wird der Warbird auf uns warten?
Wieviel Zeit habe ich?"
"Wer weiß das schon... Solange ich mir meine Feinde vom Hals halten
kann. Vielleicht eine Woche? Vielleicht zwei? Meine Leute werden Sie
beobachten. Ich werde mich mit Ihnen in Kontakt setzen sobald die Zeit um
ist."
Die Romulanerin erhob sich und verließ den Raum. Wenig später kehrte sie
mit einem kleinen Disruptor zurück. "Natürlich weiß ich um Ihre ...
Fähigkeiten, Jade, aber das hier ist Romulus. Sie sollten nicht unbewaffnet
gehen."
Selina hatte sich ebenfalls erhoben und nahm den Disruptor entgegen.
"Danke aber Ihre Sorge ist unbegründet." Selina berührte ihr Handgelenk
und ihre romulanische Erscheinung wich ihrem menschlichen Aussehen.
Selina trug ein schwarzes Oberteil und eine schwarze Hose. Auf ihren
Hüften hing locker ein schwarzer Gürtel mit vielen kleinen Taschen und zwei
Halftern. In dem einen Halfter steckte ein Phaser. Der andere Halfter war
leer. Auf ihrem Rücken war ihr Schwert in einer passenden Schnalle
befestigt. Selina steckte den Disruptor in den leeren Halfter. "Wie Sie sehen
können, habe ich vorgesorgt aber den Disruptor kann ich trotzdem gut
gebrauchen."
Latta musterte fasziniert die Tarnvorrichtung. "Wo haben Sie die her? Wir
entwickeln schon lange an so etwas, sind aber noch von der Serienreife
entfernt."
"Habe ich mir von meinen ehemaligen Arbeitgebern 'geliehen'." Selina
lächelte Latta breit an. Beide Frauen gingen zur Haustüre und Selina
aktivierte die Tarnvorrichtung wieder. Bevor sie das Haus verließ drehte sie
sich nochmals zu Latta um. "Hey, wie wärs mit 'nem Butterbrot für
unterwegs?"
Latta trank ihre Ale aus und betrachtete versonnen das Glas. "Was ist ein
Butterbrot?"
"Nagut, dann nicht. Wir sehen uns Tantchen Latta!" Grinsend und winkend
verschwand Selina in die Dunkelheit der Nacht.
idic und Hoshi in "Die Schöne und das Biest"
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Jul 27 2005, 13:56
Die Traumhochzeit - Teil 4
Der Sonnenaufgang des 19. Juli, 2380 verhieß einen schönen sonnigen
Sommertag, ein perfekter Tag für eine Hochzeit. Jeremiah saß, nur mit
Shorts bekleidet im Eingang seines Zeltes. Da es gegen 6 Uhr früh meistens
noch relativ ruhig war, konnte der junge Mann den wunderschönen
Sonnenaufgang genießen.
Plötzlich schlangen sich von hinten zwei Arme um seinen Körper. „Guten
Morgen, Schatz. Gut geschlafen.“, bemerkte Jerry ohne sich umzudrehen.
„Morgen Hase. Na ja es ging. Der Doppelschlafsack ist zwar recht weich,
aber den harten Boden spürt man trotzdem.“, erwiderte Hanni. „Und deshalb
hast du fast die ganze Nacht deinen Kopf auf meinen Arm gelegt.“, ergänzte
Jerry.
„Wenigstens haben wir besser geschlafen als Tante Audrey und Onkel
Peter. Die ausgeklappte Couch ist nämlich unbequem.“ Schon am Vortag
waren neben der Schwester des Bräutigams und ihren Mann auch die noch
lebenden Elternteile der Brautleute eingetroffen, um bei den abschließenden
Vorbreitungen der Hochzeit zu helfen. Damit es ausreichend
Schlafgelegenheiten für alle gab, waren Jerry und Hanni bereit gewesen, im
Zelt zu übernachten, damit Elizabeths Eltern in Jerrys Zimmer schlafen
konnten. Und Rebecca schlief auf einen Luftbett in ihren Zimmer, da in ihren
Bett ihre Großmutter schlief.
Während sich Jerry an seine Freundin kuschelte, dachte er an den
vorangegangen Abend. Es war zwar nicht direkt eine
Junggesellenabschiedsparty gewesen, aber da sich die Frauen im
Schlafzimmer über mögliche Stylings berieten, kam es, dass alle vier
männlichen Erwachsen, das Wohnzimmer für sich hatten. Und als Davids
Schwager eine Flasche mit echten Jack Daniels Whisky auspackte, war es
dann auch recht locker geworden.
Alle lachten als Peter Nedham einen neuen Witz zum Besten gab. Aber
Jeremiah war aufgefallen, dass sein Vater den ganzen Abend mehr oder
weniger nur höflich mitlachte, im Geiste aber weit weg zu sein schien. „Alles
in Ordnung, Dad.“, fragte er daher etwas besorgt. „Ich frage mich manchmal,
ob ich wirklich das Richtige tue.“, bemerkte der Bräutigam in spe.
Sofort wurden auch die beiden anderen Männer ruhig und Peter fragte: „Wie
meinst du das?“ „Muss man den wirklich mit der Person die man liebt,
verheiratet sein, um glücklich zu werden.“ „Die Ehe ist seit Jahrtausenden
eine wichtige Einrichtung.“, konstatierte Elizabeth Vater Richard. „Aber seit
etwa vier Jahrhunderten, kräht kein Hahn mehr danach, ob ein Paar in
sogenannter ‚wilder Ehe’ zusammenlebt.“, konterte Jeremiah.
„Vielleicht ist es einfach nur die Aufregung.“, bemerkte Peter. „Wenn ich
daran denke, wie aufgeregt David bei seiner ersten Hochzeit war. Um ihn
abzulenken haben Audrey und ich ihn durch die Bars von San Fransisco
geschleppt.“ „Und beinahe hätte ich meine eigene Hochzeit verpasst, weil
ich zu betrunken war.“, fügte David hinzu.
Sein Schwager grinste dazu nur unschuldig: „Woher konnte ich denn
wissen, dass Sternenflottenoffiziere nichts vertragen. Du hast doch immer
behauptet, dass du alle Bars von hier bis nach Betazed kennst.“ „Das
stimmte ja auch, aber du darfst nicht vergessen, dass ich nur Synthehol
getrunken habe und niemals echten Alkohol.“
David trank ein kleinen Schluck aus seinen Whiskyglas und fügt hinzu: „Was
ich aber meinte, ist die Tatsache das Liz und ich auch ohne Trauschein
glücklich sind. Wir haben einen wundervollen Sohn, meine Kinder verstehen
sich bestens mit meiner Freundin. Was will ich mehr?“
„Erst machst du meiner Tochter einen Heiratsantrag und dann willst du
kneifen. Ich verstehe dich nicht David.“, beschwerte sich Richard. Jeremiah,
der die Wahrheit kannte, musste sich auf die Zunge beißen, um sein durch
etwas Alkohol gelöstes Mundwerk im Zaum zu halten. „Ich habe ihr keinen
Heiratsantrag gemacht.“, erklärte David.
„Nicht?“, riefen Peter und David, wie aus einen Mund. David Esteban sah
sich nun genötigt die ganze Geschichte zu erzählen. „Es ging eigentlich
damit los, dass Elizabeth, nachdem sie sich von der Geburt erholt hatte, sich
für Brautkleider zu interessierte. Oder für Eheringe. Ich habe es nicht weiter
beachtet. Anscheinend dauerte es ihr dann zu lange und so sagte sie dann
eines Morgens: ‚Wie wäre es wenn wir heiraten.’ Ich habe mich dabei fast
an meinen Kaffee verschluckt.“
Allgemeines Gelächter in der Runde, auch wenn jeder der anderen drei
Männer insgeheim zugeben musste, dass es ihm ähnlich wie dem
Bräutigam ergangen wäre.
„Wieso wollen Frauen heiraten?“, fragte Peter nachdenklich in die Runde.
Doch sowohl Richard, als auch David hatten da keine Antwort. „Ich werde es
mal mit meinen wenigen Kenntnissen in Xenopsychologie versuchen.“,
begann Jeremiah nach einer Minute des Schweigens. „Bei fast allen
Spezies gibt es etwas, was mehr oder weniger unserer Ehe entspricht.
Vielleicht ist es die Sicherheit, die eine Ehe bittet.“
„Wieso Sicherheit?“, warf David ein. „Man kommt doch auch als Single gut
über die Runden. Und selbst die Unterstützung für Ein-Eltern-Familien ist
vorbildlich.“ „Nicht diese Sicherheit. Sondern die Sicherheit, dass man mit
dem Menschen, den man liebt, zusammenbleibt. Wenn beide Partner in der
Sternenflotte sind, kommt dann ja auch hinzu, dass Verheiratete fast immer
zusammen versetzt werden.“, erklärte Jerry.
Er grinste kurz: „Und als Letztes darf man nicht vergessen, dass eine Braut
an ihren Hochzeitstag, wie eine Königin hofiert wird. Das elegante
Brautkleid, der Schmuck und das alles fast nur um sie dreht. Wir Männer
sind als Bräutigame meist nur schmückendes, nervös dabeistehendes
Beiwerk.“ „Willst damit sagen, Frauen machen das bloß, wegen der Feier.“
„So habe ich das nicht gesagt. Der Wunsch zu heiraten wird zwar auch mit
von der jeweiligen Kultur bestimmt, aber es gibt auch Gründe, die wir als
Männer einfach nicht verstehen.“
Jeremiah lächelte, denn letztendlich hatte sich herausgestellt das sein Vater
einfach nur nervös war.. Er löste sich von seiner Freundin und lief über den
frisch gemähten Rasen um sein T-Shirt zu suchen. „Kannst mir ja meine
Sachen gleich mitbringen, Hase.“, rief ihm seine Freundin hinterher.
Nachdem die beiden sich angezogen hatten, mussten sie das Zelt auch
wieder abbauen und in einen Schrank verstauen.
Wenig später hatten sich alle im Wohnzimmer versammelt, der einzige
Raum, in den alle zehn Erwachsenen plus dem Kleinkind an einen Tisch
passten. Das Frühstück wurde von Samuels Schluckgeräuschen dominiert,
wenn der an seiner Flasche nuckelte. Sonst waren alle still.
Aber Jeremiah entging nicht, das sowohl sein Vater als auch Elizabeth
unausgeschlafen wirkten. Er hoffte, dass sich die beiden bis zur Feier noch
etwas entspannen würden.
Nach den Frühstück machte sich Elizabeth auf den Weg zum Frisör um ihre
Haare zu stylen, während Jeremiah zusammen mit seiner Tante und seiner
Großmutter sich ans Kuchenbaken machte, Margret auf ihren Enkelsohn
aufpasste und der Rest weitere abschließende Vorbereitungen für die Party
traf.
Elizabeth war gerade von Frisör zurückgekehrt, als es an der Haustür
klingelte. Jeremiah lief zur Tür um diese zu öffnen. Vor der Türe stand ein
junger Mann, mit einen Antigravschlitten auf dem sich eine hohe Kiste
befand. Der Lieutnant lächelte, denn das musste die Hochzeitstorte sein. Er
nahm das Padd mit dem Lieferschein entgegen und überflog ihn
routinemäßig.
Doch plötzlich hielt Jerry inne. „Ich glaube, sie sind an der falschen Adresse.
Hier ist 1243 Meadowbring Road und nicht 2143 Meadowbring Road. Und
wir hatten auch keine Geburtstagstorte bestellt, sondern eine
Hochzeitstorte.“ Jeremiah versuchte sich vorzustellen, wie die Gäste
reagieren würde, wenn auf der Torte stand: „Alles Gute zum 150.
Geburtstag Estelle.“
Der Auslieferer nahm, das Padd entgegen und kontrollierte die Angaben.
„Sie haben recht. Das tut mir leid.“ Jeremiah lächelte: „Kein Problem. Sie
machen das noch nicht lange?“ „Nein, denn eigentlich verziere ich die
Torten und liefere sie nicht aus. Außerdem kenne ich mich in dem Stadtteil
nicht aus. Ich habe fast eine halbe Stunde die Meadowbring Road gesucht.
Aber heute ist gewissermaßen die Hölle los. So viele Bestellungen, wie wir
heute ausliefern müssen, haben wir manchmal in einen Monat. Und dann
sind auch noch zwei der normalen Auslieferer im Urlaub.“ Jerry lächelte
verständnisvoll: „Klingt als hätten sie heute noch viel zu tun.“ „Das können
sie laut sagen. Und entschuldigen sie noch mal meinen Fehler.“ „Ist schon
gut.“ Der Auslieferer verschwand wieder mit der Torte und Jeremiah dachte:
„Wo ist Klaus Vendetta, wenn man ihn mal braucht.“
Doch schon eine Viertelstunde später klingelte es wieder. Diesmal war es
die richtige Torte, wie der Lieutnant nach eingehender Untersuchung des
Lieferscheins feststellte. „Sie haben viel zu tun.“, bemerkte er dabei. „Wie
man es nimmt. Die meisten Bestellungen die heute rausgehen, wurden erst
diese Woche aufgegeben.“
Jeremiah bestätigte die Lieferung mit einen Abdruck seines Daumens und
ließ die Torte mit den Statisfeld in den Garten bringen.
Jeremiah war gerade beim Teiganrühren für die Muffins, als er einen lauten
Streit hörte. Kurz darauf stürmte Elizabeth durch die Küche und knallte die
Türen hinter sich zu.. Mit ihren wütenden Gesicht sah sie nicht wie eine Frau
aus, die in wenigen Stunden heiraten würde. Auch die sorgfältig vorbereitete
Frisur, saß nicht mehr perfekt. Wenig später betrat ihre Mutter die Küche.
Sie setzte sich auf einen Stuhl, den Jerry beiseite gestellt hatte, um besser
am Tisch arbeiten zu können.
„Alles in Ordnung, Ma’am.“, fragte der amtierende Küchenchef der Estebans
nach. „Wie man es nimmt. Ich verstehe meine Tochter gerade nicht. Wir
haben uns gestritten und sie will die Hochzeit abblasen.“ „Das ist denke ich
die Aufregung. Eine Hochzeit ist eben auch mit vielen Arbeiten und
Planungen verbunden und da liegen die Nerven blank. Dann reicht schon
ein kleines Missverständnis und die Stimmung kippt.“
Jerry machte eine Pause. „Ich hoffe, ich klinge nicht allzu neugierig, wenn
ich frage, weswegen sie sich gestritten haben?“ „Es war eigentlich eine
Lappalie. Sie kennen vielleicht die Tradition, das eine Braut, was Neues,
was Altes, was Geborgtes und was Blaues tragen soll, damit die Ehe
glücklich wird.“ Als Jeremiah nickte fuhr Margret fort: „Was Neues und was
Altes hat Beth ja. Ich wollte ihr meine Perlenkette ausleihen, damit sie was
Geborgtes hat. Sie meinte dazu, aber das ihr diese Tradition egal sei.
Daraufhin war ich enttäuscht und habe nicht unbedingt taktvoll reagiert. Das
Ergebnis haben, glaube ich, alle gehört.“
Jeremiah nickte, holte sich eine Tüte und fügte der Teigmasse
Schokoladenstückchen hinzu. Nachdenklich, verteilte er diese mit einen
Löffel im Teig: „Von Rebecca weiß ich, das Liz, sehr viel Zeit und Mühe
investiert hat, sich das passende Styling für den heutigen
zusammenzustellen. Sie hat sich vermutlich wie ein kleines Mädchen
gefühlt, als sie den Vorschlag mit der Kette äußerten.“ „Aber der Vorschlag
war doch gut gemeint.“, erwiderte Margret. „Er war gut gemeint, aber
vielleicht zum falschen Zeitpunkt geäußert.“ „Ein guter Vorschlag kann doch
nie zu einen falschen Zeitpunkt geäußert werden, oder?“
Jeremiah überlegte kurz und erklärte dann: „Da muss ich ihnen
wiedersprechen. Ich erkläre es am Besten an einen Beipiel. Viele Captains
der Sternenflotte, fragen bei Entscheidungen ihre Untergebenen nach
Vorschlägen. Aber es gibt auch Momente, wie in einen Gefecht, da kann
man einen Vorschlag nicht diskutieren, weil keine Zeit dazu da ist. Dann
muss man einfach den Befehlen des Captains folgen, auch wenn man
anderer Meinung ist. Daher ist es gerade für frischgebackene Offiziere
wichtig zu erkennen, wann sie ihre Meinung äußern sollten und wann nicht.“
„Aber das hat doch nun wirklich nichts mit der Hochzeit zu tun, sondern
schlicht und ergreifend mit militärischer Kommandostruktur.“ „Finden sie?
Ich habe jedenfalls mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass man recht gut
fährt, wenn man im Privatleben die Verhaltensmaßstäbe für
Sternenflottenoffiziere anwendet. Die sind ja dafür gemacht worden das
Zusammenleben von mehreren Personen auf engsten Raum zu erleichtern.“
„Von der Warte habe ich das noch gar nicht gesehen. Sie denken also, dass
Liz so reagiert hat, weil ich einfach den falschen Zeitpunkt gewählt habe.“
Jeremiah nickte und verteilte die Teigmasse in Muffinformen. „Eigentlich
können wir uns ja auch duzen.“, bemerkte Margret nachdenklich.
„Schließlich sind wir bald eine Familie.“ Der Lieutnant schob die Formen in
die Backröhre und nickte. „Einverstanden. Aber nur, wenn du, wie alle
anderen, Jerry zu mir sagst, Margret.“ „Einverstanden Jerry.“
Zum Mittagessen gab es nur einen kleinen Imbiss, denn Jerrys Großmutter
Lois vorbereitet hatte, Kartoffelsalat und Steaks. Während Jeremiah
zufrieden an seinen doch etwas zähen Steak kaute, beobachtete er seinen
Vater und Elizabeth. Beide wirkten doch etwas entspannter als Morgen. Der
Lieutnant vermutete, dass die beiden sich noch mal richtig über die
Konsequenzen ihres Entschlusses unterhalten hatten.
Gleichzeitig flüsternd ging er aber auch mit seiner Schwester und seiner
Freundin noch mal alles durch, ob sie bei den Vorbereitungen auch an alles
gedacht hatten. Da alles klar war, dachte Jerry so für sich: „Jetzt wird es
ernst. Die Show kann steigen.“
Und als bestes Anzeichen dafür konnte man die Tatsache werten, das fast
alle in ihre Zimmer verschwanden, während Margret und Jerry sich um den
Aufwasch kümmerten.
Jeremiah hatte sich komplett umgezogen und beschloss nach seinen Vater
zu sehen. Der stand im Schlafzimmer und versuchte gerade die Jacke
seiner Galauniform zuzuknöpfen. Nachdem Jerry ein Bild von diesen Kampf
gemacht hatte, beschloss er seinen Vater zu helfen. „Lass mich das mal
versuchen.“
Doch auch der Lieutnant hatte seine Probleme. „Hast du die Jacke zu heiß
gewaschen.“ „Sehr witzig, Jerry. Die Jacke ist nämlich neu.“, erwiderte
David. „Dann ist die Jacke eine Nummer zu klein, Dad.“ „Das kann nicht
sein. Meine Galauniform hat dieselbe Größe wie meine normalen
Uniformen.“
Doch Jeremiah grinste nur: „Eben. Ich habe nämlich bei meiner die nächste
Größe genommen, weil die Galauniformen etwas zu eng geschnitten sind.
Das solltest du doch aber mit deiner über dreißigjährigen Dienstzeit bei der
Sternenflotte wissen.“
„Das Problem mit den zu engen Uniformen haben wir aber erst seit dieser
Uniformgeneration. Bei den ganz alten roten Modell gab es nämlich gar
keine Galauniformen. Die sahen auch so elegant genug aus. Und bei den
drei letzen Generationen mit den gefärbten Oberteilen, gab es noch diese
weiten kleidähnlichen Galauniformen, mit dem glänzenden Verschluss.“,
erklärte David seinen Sohn.
„Aber der Trick mit der nächsten Größe ist gut. Nur leider haben wir keine
Zeit dafür.“, bemerkte der Bräutigam nachdem er nach einigen weiteren
Versuchen, etwas Luft zum Sprechen bekam. „Nur leider reicht die Zeit nicht
für eine neue Jacke. Schließlich werden die nicht repliziert.“
Jerry nickte und gab nach weiteren Versuchen auf. „Vielleicht kann dir
Grandma helfen.“ Sein Vater nickte und ging runter ins Wohnzimmer. Dort
wandte der Commander sich an seine Fast – Schwiegermutter und bat sie
ihm, bei dem Schließen des Kragens zu helfen.
Auch Jeremiah folgte seinen Vater ins Wohnzimmer, denn er sollte die
Gäste empfangen.
In der Zwischenzeit blockierten Rebecca und Hanni das Badezimmer im
ersten Stock und versuchten die Braut – und nebenbei sich selbst - für die
Hochzeit herzurichten. Elizabeth hatte die sorgfältig hergerichtete Frisur
mittlerweile wieder zerstört. Das wusste sie auch selbst, denn sie bemerkte:
„Da hätte ich mir ja denn Gang zum Frisör sparen können.“
Hanni sagte nichts dazu, sondern versuchte mit Haarklemmen die Haare der
Braut in die richtige Lage zu bringen und murmelte dabei: „Wo ist Miauz,
wenn man ihn mal braucht.“ Das hatte Rebecca gehört, weshalb sie fragte:
„Wer ist denn Miauz.“
Hanni warf ihr einen Blick zu der ungefähr bedeuten sollte: „Habe ich das
etwa laut gesagt?“ Doch dann erklärte sie: „Miauz ist der Bordfrisör der
Community.“ „Bordfrisör klingt gut.“, bemerkte Elizabeth und fügte dann
noch schnell hinzu: „Das soll aber deine Leistung nicht schmälern, Hanni.“
„Ist schon in Ordnung. Ich würde mich auch nie mit Miauz vergleichen
wollen.“, erwiderte die Angesprochene.
Nachdenklich schob Rebecca sich eine Haarklemme hinters Ohr und
bemerkte: „Was für Eltern müssen das sein, die ihren Sohn Miauz nennen.“,
was bei Hanni einen Lachanfall hervorrief. Irritiert blickte Rebecca sie an:
„Was ist denn daran komisch?“ „Miauz ist natürlich nicht der richtige Name
unseres Bordfrisörs. Weil aber so gut wie keiner den eigentlichen Namen
von Miauz richtig aussprechen, geschweige denn merken kann, brauchten
wir einen Spitznamen. Und da Miauz ein Caitaner ist, hat irgendjemand
irgendwann diesen Namen in Umlauf gebracht. Und weil der Miauz so gut
gefiel, hat er ihn sogar offiziell als Künstlernamen in seiner Akte stehen.“
Hanni war nach einiger Zeit des Herumprobierenes fast fertig mit Elizabeths
Frisur. Nur noch einige wenige Haarsträhnen lagen nicht so wie sie sollten,
doch der jungen Frau fehlten einige Haarklemmen um diese zu befestigen.
„Rebecca, kann ich ein paar Haarklemmen bekommen.“ „Ja, klar.“ Hanni
befestigte die gereichten Klemmen, während Elizabeth leise vor sich hin
murmelte: „Jetzt also doch was Geborgtes.“
„Wie meinst du das?“, wurde sie von Hanni gefragt. „Meine Mutter meinte,
dass eine Braut zu ihrer Hochzeit, was Altes, was Neues, was Geborgtes
und was Blaues tragen sollte, damit die Ehe glücklich wird.“, erklärte die
Braut. Sie winkte ab. „Ist aber nur ein nur ein Aberglaube. Das interessiert
mich nicht.“
„Wieso nicht? Es mag nur ein Aberglaube sein, aber ich finde den sehr
schön.“, widersprach Hanni. „Oder war DAS der Grund weswegen du dich
mit deiner Mutter heute Vormittag gestritten hast.“ Die Braut nickte
bestätigend und erklärte: „Meine Mutter wollte, dass ich ihre Perlenkette als
Geborgtes trage. Ich weiß zwar, dass mein Vater sie ihr zum 25.
Hochzeitstag geschenkt hat, aber ich mag dieses monströse Ding nicht. Ich
trage auch sonst nur ungern Ketten oder auch Anhänger um den Hals.“
Über den Spiegel sah sie Jeremiahs Freundin an: „Ich merke, du hast die
seltene Gabe, alles sofort auf den Punkt zu bringen.“ Hanni prustete kurz:
„Gabe? Meine Direktheit hat mir auf der Akademie einigen Ärger
eingehandelt. Aber zurück zu der Tradition. Deine Schuhe sind was Neues,
dein Kleid ist was Altes, die Haarklemmen sind geborgt. Fehlt bloß noch was
Blaues.“
Hanni blickte schelmisch grinsend zu Rebecca und meinte: „Wir könnten ihr
Vrad als Stola über die Schultern legen.“ „Hier wird niemand über die
Schulter gelegt, besonders nicht Vrad.“, protestierte die Freundin des
Andorianers energisch.
Hanni grinste nur noch breiter: „Ach Rebecca, dich kann ich ja noch leichter
necken, als meine Schwester.“, was ihr einen freundschaftlichen Knuff
einbrachte. Elizabeth schüttelte mit dem Kopf: „Wie alt seit ihr zwei? 19 und
24? Ihr kommt mir eher vor wie fünf und zehn.“
„Aber jetzt mal ernsthaft. Wir brauchen noch was Blaues.“, versuchte Hanni
die Kurve zu kriegen. Nach kurzem Überlegen hatte Rebecca eine Idee:
„Liz, was ist mit Ohrringen?“ „Ohrringe?“, riefen die beiden anderen Frauen
wie aus eine Mund. „Ja, Ohrringe. Ich meine die, die dir Dad zu deinen
letzten Geburtstag geschenkt hatte.“ Das Gesicht von Elizabeth erhellte
sich. „Stimmt, da sind ja blaue Onyxsteine eingefasst. Holst du sie bitte,
Becky. Die liegen in der Schmuckschatulle in meinen Nachttisch.“
Rebecca verschwand sofort und machte damit Platz vorm
Badezimmerspiegel, denn Hanni musste sich noch schminken. Hanni
betrachtete gerade, wie ihr neuer rosefarbener Lippenstift bei Licht aussah,
als Rebecca zurückkam. Nur noch die Ohringe anstecken, den Schleier
aufsetzten und dann war die Braut fertig für ihre Hochzeit.
Sie waren gerade damit fertig, als es an der Badezimmertür klopfte. „Seid ihr
schon fertig? Kann ich reinkommen?“, fragte eine Stimme von draußen.
Hanni erkannte sie sofort. „Ja, Jerry, wir sind fertig. Du kannst reinkommen.“
Der Lieutnant betrat das große Badezimmer und das erstes was ihm
entfuhr, war ein von herzen kommendes: „Whow.“ Hanni trat von Fenster
weg und gab ihren Freund einen Kuss. „Wen meinst du mit ‚Whow’ , Hase?“
„Öhm, euch alle drei. Ihr seht einfach Klasse aus.“ „Danke, Bruderherz.“,
bemerkte Rebecca. „Aber du bist bestimmt nicht gekommen um
Komplimente zu verteilen.“ „Nein, ich wollte euch eigentlich sagen, dass alle
Gäste da sind. Dann ist ja gut dass ihr fertig seit, weil es dann losgehen
kann.“
Hanni nickte und ging zur Tür. Rebecca folgte ihr und die beiden verließen
das Badezimmer. „Ich schicke deinen Vater rauf, Liz.“ Die Braut nickte nur
und so folgte der Lieutnant seiner Freundin und seiner Schwester.
Im Garten angekommen, gab Jeremiah Richard ein Signal und stellte sich
dann neben seinen Vater. Nun hieß es warten, während die Band ihr Bestes
gab um den Gästen die Zeit zu vertrieben.
Endlich erschien Elizabeth zusammen mit ihren Vater, der sie zu ihren
zukünftigen Ehemann geleitete. Jeremiah gab der Band noch schnell ein
Zeichen, den Hochzeitsmarsch zu spielen.
Doch niemand hätte etwas gemerkt, denn alle Blicke richteten sich auf die
Braut.. In ihren weißen Kleid sah sie einfach hinreißend aus. Dem
sommerlichen Wetter angepasst hatte das Kleid nur kurze Ärmel, aber der
Saum strich sanft über das Gras. Ihre Frisur verbarg die Braut unter einen
Schleier. Jeremiah wusste, dass Elizabeth eine Schleppe getragen hätte,
wenn ihr Sohn schon hätte laufen können und ihr das Ende dann
hinterhergetragen hätte. Doch dieser kuschelte sich gerade in die Arme
seiner Großmutter Lois.
Allen Gästen blieb die Luft bei dem Anblick weg. Nur der Bräutigam wurde
noch nervöser. „Ist etwas, Dad?“, flüsterte sein Trauzeuge ihm zu. „Wer soll
denn die Trauung vornehmen? Hat der Betreffende sich verspätet?“
Jeremiah schaffte es, eine starke Überraschung vorzugaukeln und
gleichzeitig seiner Freundin ein Zeichen zu geben, die Holokamera
schussbereit zu machen und in Position zu gehen. „Jemanden der die
Eheschließung vornehmen soll?“ Der Lieutnant gab seiner Schwester ein
Zeichen, näher zu kommen.
Die beiden entfernten sich aber ein paar Schritte, sprachen aber laut genug,
dass ihr Vater zuhören konnte. „Becky haben, wir jemanden der die Trauung
vornimmt?“ „Öhmmmmm, nein.“ „Verdammt, ich wusste doch dass wir was
ganz wichtiges Vergessen hatten.“
David konnte nichts weiter als nur ein entsetzten Gesicht machen, welches
für die Nachwelt festgehalten wurde. Aber Rebecca musste deswegen so
sehr lachen, dass auch ihr Bruder die Scharade nicht weiterspielen konnte.
„Wir haben natürlich jemanden der die Trauung vornimmt. Was glaubst du
denn, weswegen ich bei Admiral Nechajew war.“ David schnitt eine
Grimasse: „Hier seit mir ja welche. Mir auf meiner Hochzeit einen Herzinfarkt
bescheren.“
Aber Hanni die inzwischen dazugestoßen war bemerkte: „Aber dein Gesicht
war einfach göttlich.“
Doch nun nahten Elizabeth und ihr Vater, weswegen sich die beiden jungen
Frauen auf ihre Plätze begaben. Jeremiah gab der Vorgesetzten seines
Vaters schnell noch das verabredete Zeichen, woraufhin diese aufstand.
Elizabeth stellte nun neben ihren Fast – Ehemann, womit die Zeremonie
beginnen konnte.
Admiral Nechajew trat vor das Brautpaar und zog ihre Galauniform glatt.
„Das Leben eines Sternenflottenoffiziers beinhaltet sowohl Privilegien, als
auch Pflichten. Und sowohl eine Pflicht, aber auch ein Privileg ist die
Möglichkeit zwei sich liebende Menschen in den Stand der Ehe zu vereinen.
Als mich daher der Trauzeuge gefragt hatte, ob ich diese Pflicht
übernehmen würde, habe ich, wenn ich mich recht erinnere, geantwortet:
‚Es wäre mir eine Freude die Trauung vornehmen zu dürfen.’ Und das habe
ich nicht nur so dahergesagt. David Esteban ist nicht nur einer meiner
erfahrensten Mitarbeiter, sondern auch ein guter Freund.“
Die Admiralin machte eine kurze Pause: „Und während der vergangenen
Monate, war ich auch das eine oder andere Mal als Gast im Hause und
konnte dabei auch die Braut recht gut kennen lernen. Aber genug der
Vorrede. Beginnen wir mit der Zeremonie.
Sie sah in die Runde und räusperte sich: „Wir sind hier
zusammengekommen um Elizabeth Markson und David Esteban in den
Stand der Ehe zu führen. Wenn jemand etwas gegen diese Eheschließung
vorbringen möchte, möge er jetzt sprechen oder für immer schweigen.“ Man
konnte die kurze Stille die darauf folgte nicht nur hören sondern auch fühlen.
Admiral Nechajew sah den Bräutigam fest in die Augen: „David, möchtest du
dir hier anwesende Elizabeth Markson zu deiner rechtmäßig angetrauten
Ehefrau nehmen. Sie lieben und ehren, in guten wie in schlechten Tagen,
bis dass der Tod euch scheidet.“ „Ja, ich will.“, erwiderte der Bräutigam.
Seine Vorgesetzte wandte sich nun an die Braut: „Elizabeth, möchtest du
den hier anwesenden David Esteban zu deinen rechtmäßig angetrauten
Ehemann nehmen, ihn lieben und respektieren, in guten wie in schlechten
Zeiten, bis dass der Tod euch scheide.“
Auch hier kam die prompte Antwort: „Ja, ich will.“
„Nun steckt euch zum Zeichen eurer Verbundenheit gegenseitig die
Eheringe an.“ Jeremiah reichte seinen Vater das Saffiankästchen mit den
Ringen, während sich Elizabeth den weißen Handschuh von der linken hand
zog. Zuerst steckte David Elizabeth den Ring auf und dann wurde die
Prozedur umgekehrt wiederholt.
Als auch der Punkt abgehakt war erklärte Admiral Nechajew: „Kraft des mir
von der Sternenflotte der Föderation der Vereinten Planeten verliehenen
Ranges erkläre ich sie hiermit zu Mann und Frau.“ Sie wollte schon beiseite
treten, um den amtlichen Teil zu beenden, als ihr noch etwas einfiel: „Bevor
ich es vergesse, sie dürfen die Braut jetzt küssen, Commander.“
Das ließ sich der Bräutigam nicht zweimal sagen und gab unter dem
Applaus der anwesenden seiner frisch angetrauten Ehefrau einen langen
Kuss, während Jeremiah hinter den beiden, grinsend zu seiner Schwester
und seiner Freundin blickte.
Nachdem der zeremonielle Teil mit einer amtlichen Beurkundung
abgeschlossen war, konnte nun der spaßigere Teil der Feier beginnen. Aber
es musste noch ein wenig gewartet werden, bis der Kuchen eine
Temperatur von etwa sechs Grad Celsius erreicht hatte. Erst dann konnte
man mit dem traditionellen Anschneiden der Hochzeitstorte beginnen. Und
während man darauf warteten, holten sie alle erwachsenen Gäste ein Glas
Champagner und nippten daran.
Nach rund zehn Minuten, war die Speisen genügend von der Sonne
erwärmt, dass man mit Anschneiden nun beginnen konnte. Jeremiah
drückte seinen Vater ein langes Messer in die Mann und bemerkte: „Und
jetzt müsst ihr zusammen den Kuchen anschneiden.“, bevor er sich von
seiner Freundin die Holokamera geben ließ, um diesen Teil der Feier
festzuhalten.
Verständlicherweise hatte das Brautpaar ein Problem damit, diese Aufgabe
gemeinsam durchzuführen. Denn wenn etwas für zwei Person schwierig ist,
dann die Ausführung einer Aufgabe mit nur einen Arbeitsgerät. Erschwerend
kam hinzu, dass eine dreistöckige Torte nicht unbedingt gerade über eine
gute Stabilität verfügt. Und so verwundert es nicht, dass das erste Stück
beinahe auf dem Rasen landete und nur ein schneller Reflex des
Brautvaters dies verhindert. Es landete unglücklich auf einen Teller und der
Haufen aus Buttercreme, Fruchtsirup und Schokoladenteig, garniert mit
einer Marzipanrose wurde dem kleinen Samuel vorgesetzt, der das Ganze
für einen Sandkasten hielt und hinterher dementsprechend aussah.
Aber nach den ersten verunglückten Versuch wurde schnell erkannt, dass
die dem Brautpaar nachgestalteten Puppen, die oben auf der Torte
thronten, recht störend waren. Die Entfernung dieser Puppen, machte das
Anschneiden der Torte wesentlich einfacher und danach einer guten
Viertelstunde hatte jeder Gast einen Teller mit einen Stück Hochzeitstorte.
Nun fühlte sich der Bräutigam bemüßigt, den Run auf das Kuchenbuffet mit
folgenden Worten zu eröffnen: „Liebe Verwandte und Freunde. Ich freue
mich, dass ihr alle gekommen sein um diesen wundervollen und glücklichen
tag mit mir und meiner frisch angetrauten Ehefrau zu feiern.“ David warf
Elizabeth einen liebevollen Blick zu. „Aber nun wünsche ich allen ein guten
Appetit. Es kann alles alle werden.“
Als sich der Kuchenvorrat langsam dem Ende zuneigte , klopfte Jeremiah
mit einer Kuchengabel vorsichtig gegen sein leeres Champagnerglas. Alle
drehten sich erwartungsvoll zu ihm um.
„Wie mir mein Onkel gestern noch mitteilte, ist es Tradition, dass der
Trauzeuge noch eine kleine Rede hält.“ Jerry machte in Pause und fügte
hinzu: „Das hätte mir mal jemand vorher sagen sollen. Danke Dad.“
Das unschuldige Grinsen des Commanders wurde vom Gelächter der
anderen Anwesenden begleitet.
„Als muss ich nun ein bisschen aus dem Stehgreif sprechen.“, für Jerry fort.
„Dad, obwohl du auf Grund deiner Tätigkeit als Sternenflottenoffizier, nicht
den Einfluss auf mich gehabt hattest, wie du ihn dir gewünscht hättest, warst
du mir doch immer ein Vorbild gewesen. Du hast mich all die Jahre mit
vielen wohlmeinenden Ratschlägen versorgt, wobei ich bei manchen lange
gebraucht hab, um zu bemerken, wie gut sie eigentlich waren. Auch wenn
wir unsere Differenzen hatten, bin ich froh, dass wir heute nicht nur eine
Vater-Sohn-Beziehung pflegen, sondern auch miteinander befreundet sind.
Von daher ist dein Glück auch mein Glück, da ja auch schon ein bekanntes
Sprichwort sagt: ‚Geteilte Freude ist Doppelte Freude.’
Der Lieutnant holte tief Luft: „Elizabeth, ich habe dir es lange Zeit recht
schwer gemacht. Du warst die Frau, die quasi meine Mutter ersetzt hatte.
Deswegen habe ich an dir auch sozusagen immer nach dem
sprichwörtlichen Haar in der Suppe gesucht und alle deine Versuche,
Freundschaft mit mir zu schließen, abgeblockt. Ich weiß, dass dir damit sehr
weh getan habe und mich möchte mich bei dir entschuldigen.“
Elizabeth standen die Tränen in den Augen: „Wir haben uns deswegen
schon ausgesprochen.“ Sie wollte auf ihren Stiefsohn zugehen, doch dieser
hob die Hand: „Warte, ich bin noch nicht fertig. Nachdem ich mir die Zeit
genommen habe, dich näher kennen zulernen, habe ich erkannt, dass du
das Beste bist, was meinen Vater in den letzten Jahren passiert ist. Du bist
freundlich, liebevoll und auch eine tolle Mutter.“
Jeremiah sah noch mal kurz in die Runde: „Ich habe mich lange Zeit gegen
einen Tag wie heute gesträubt. Aber jetzt ist dieser Tag, einer der
glücklichsten in meinen Leben.“ Er sah kurz zu seiner Freundin. „Außerdem
gibt mir der Tag einen positiven Anstoß für meine Zukunftspläne.“ Der
Lieutnant griff sich ein volles Champagnerglas: „Abschließend möchte ich
noch einen Toast ausbringen.“ Er hob sein Glas, was ihm alle Anwesenden
gleich taten. „Auf das Brautpaar. Möge den Beiden alles Glück des
Universums hold sein.“
„Auf das Brautpaar.“, wiederholten die anderen Gäste. Danach ging die
Braut auf ihren Stiefsohn zu, umarmte ihn und gab ihn einen Kuss auf die
Wange. „Ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich würde dir es jetzt sogar nicht
übel nehmen, wenn du kein Hochzeitsgeschenk für uns hättest.“
Aber Jeremiah lächelte geheimnisvoll: „Wer weiß. wer weiß.“
Jeremiah lief ein bisschen gedankenverloren über den Rasen, nahm die
Glückwünsche zu seiner Rede mit einen Nicken entgegen, als er plötzlich
gegen seinen Cousin Kenneth Nedham stieß. Dieser schien etwas zu
beobachten. Jerry folgte seinen Blick und entdeckte Rebecca und Hanni, die
sich unterhielten. „Wer ist denn die Kleine neben deiner Schwester?“, wurde
er kurz darauf von seine Cousin gefragt.
Auf der einen Seite ärgerte das abwertende „Kleine“ den Lieutnant, aber
andererseits saß ihm der Schalk im Nacken. „Das ist Hanni.“ Kenn seufzte
kurz: „Und wie weiter? Gehört sie zu Elizabeths Familie? Ist sie eine
Freundin von Rebecca? Sei doch nicht immer so einsilbig. Vorhin hast du
doch auch alle mit deiner Rede gelangweilt.“ „Schließe nicht immer von
deiner Meinung auf andere. Aber um deine Neugierde zu befriedigen. Die
,Kleine’ wie du sie nennst, heißt Hanni Stevenson und ist mit Rebecca
befreundet.“
Jerry machte eine Kunstpause und fügte hinzu: „Und vor allen ist sie meine
Freundin.“ Kenneth, der schon einen Schritt in Richtung der beiden jungen
Frauen getan hatte, hielt inne und drehte sich um. Überrascht wiederholte
er: „Deine Freundin.“ Süffisant grinsend nickte Jeremiah. „Alle Achtung. Wie
habt ihr euch kennen gelernt?“
Der Lieutnant erzählte kurz wie er und Hanni zusammengearbeitet hatten
und wie es dann später „gefunkt“ hatte.
„Sie hat noch eine Zwillingsschwester?“, hakte Kenneth am Ende der
Erzählung interessiert nach. „Ja, aber die ist mit dem Sicherheitschef der
Community liiert.“ Scheinbar todernst fügte Jerry hinzu: „Und er kann
meisterlich mit einen Phaser umgehen.“
„Davor fürchte ich mich nicht. War ja auch bloß ein Witz.“ Er machte eine
Pause. „Aber es ist das erste Mal, dass ich es bereue, das Angebot deines
Vaters nicht angenommen.“
Jeremiah nickte wissend. Sein Vater hatte Kenneth angeboten, ihn bei der
Bewerbung an der Sternenflottenakademie zu unterstützen. „Wieso denn
das, Ken?“
„In der Sternenflotte laufen doch ein paar hübsche Frauen rum.“ Jeremiah
verzog das Gesicht: „So ein Windei wie du? Du würdest doch jede Frau
anbaggern, die bei drei nicht auf Warp ist.“ „Windei? Was soll das den
bedeuten?“ „Wie viele Freundinnen hast du schon gehabt? Zehn?
Fünfzehn?“ Kenneth’s Augen blitzten. „Es waren 17. Was kann ich dafür
wenn du keinen Erfolg bei den Frauen hast.“
Jeremiah überlegte kurz: „Ich habe, so denke ich doch, schon Erfolg bei den
Frauen. Schließlich muss ich mir nicht alle zwei Monaten eine neue
Freundin suchen.“ „Ich habe eben nicht die Richtige gefunden. Und bis ich
sie finde, habe ich eine Menge Spaß.“
Jeremiah wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzten, als sein Vater laut
verkündete, dass er jetzt die Geschenke jetzt Auspacken wollte. Also
versammelten sich alle um den Tisch, auf denen diese stapelten und sahen
zu wie das Brautpaar ihre Geschenke öffneten.
In weiser Vorrassicht hatten David und Elizabeth eine Liste geschrieben. So
wurde zum Beispiel vermieden, dass die beide Eltern jeweils ein 38-teilliges
Kaffeeservice schenkten. So schenkte Davids Mutter das Kaffeeservice und
Elizabeths Eltern das 26-teilligen Essservice. Beide waren aus hochwertigen
Meißner Porzellan. Außerdem gehörten zu den Geschenken einige nützliche
Küchengeräte, sogar ein antiker Toaster war darunter.
Als letztes fehlte dann bloß das Geschenk von Jeremiah, Rebecca und
Hanni. Ersterer hätte beinahe vergessen, ein Geschenk zu besorgen, wenn
ihn seine Freundin nicht daran erinnert hätte. Somit musste noch Jeremiah
schnell Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um seinen Plan
umzusetzen. Und mit der Hilfe einiger Freunde und Bekannte, die ihm noch
einen Gefallen schuldeten, konnte er auch seinen Plan umsetzen.
Jerry stellte sich vor die beiden und erzählte: „Da es wenig stilvoll ist, die
Hochzeitsnacht im eigenen Bett zu verbringen, haben Becky, Hanni und ich
uns folgendes überlegt: Ihr werdet heute Abend nach dem Abendessen
abgeholt und nach Acapulco geflogen. Dort haben wir die Hochzeitssuite
des Acapulco Beach Ressort reserviert. Und da ich von Lieutnant Mergos
weiß, dass ihr für drei Wochen nach Risa fliegt, habe ich für euch einen
Hinflug auf der ‚Meteor’ und für den Rückflug auf der ‚Comet III’ reserviert.
Beide gehören zu einer andorianischen Reiseunternehmen. Da beide
Passagierliner zur sogenannten Tomahawkklasse gehören, die ja
bekanntlich zu den wenigen Zivilschiffen gehören, die
geschwindigkeitsmäßig mit Sternenflottenschiffen mithalten können, verkürzt
sich die Reisezeit auf vier Tage, wodurch ihr effektiv zwei Wochen auf Risa
verbringen könnt. Und keine Sorgen wegen, des Packens. Das haben alles
eure Mütter für euch organisiert.“
Elizabeth wusste gar nicht was sie sagen sollte, während ihr frisch
angetrauter Ehemann seiner Kollegin einen Blick zuwarf, den man als ein
freundliches: „Verräterin.“, interpretieren konnte.
Aber Jeremiah war noch nicht ganz fertig. „Ich hätte da noch einen Punkt,
den ich gerne mit euch besprechen. Aber nicht ganz so öffentlich.“ Er nahm
seinen Vater und seine Stiefmutter beiseite, winkte seine Schwester und
seine Freundin dazu und schaute in die Menge um seinen Halbbruder zu
suchen, den er nach einer kurzen Weile in den Armen von Admiral
Nechajew fand. Von diesen erhöhten Standort konnte das jüngste
Familienmitglied der Estebans fröhlich in die Weltgeschichte schauen.
Insgeheim musste Jerry schon zugeben. Nach seinen Eltern war sein kleiner
Bruder der absolute Star der Gäste.
„Es geht um Samuel. Hanni, Rebecca und ich fragen uns nämlich, was aus
ihm wird während eurer Flitterwochen.“ David Esteban seufzte: „Wir haben
uns noch nicht geeinigt. Eigentlich wollten wir ihn mitnehmen, aber da
haben Liz Eltern Einspruch erhoben. Sie würden ihn für die Zeit gerne zu
sich nehmen. Meine Mutter hat auch so einen Wunsch geäußert.“ Er
schüttelte mit den Kopf: „Egal wie ich mich entscheide, irgendjemanden
stoße ich vor den Kopf.“
„Darf ich dir eine vierte Alternative anbieten. Du lässt ihn bei uns dreien. das
kannst du ja mit der vertrauten Umgebung erklären.“ Rebecca und Hanni
waren nicht überrascht, denn den Vorschlag hatte der junge
Sternenflottenoffizier mit den beiden schon erörtert. „Ihr?“
David war offen gestanden überrascht. Aber seine Frau schien den
Vorschlag wirklich in Erwägung ziehen. „Er könnte in seinen Bett schlafen
und wir könnten sicher sein, das ihn seine Großeltern nicht verhätscheln.“
Sie lächelte ihren Stiefsohn an: „Außerdem hast du während der vergangen
Tage bewiesen, dass du ihn wickeln und füttern kannst.“
Jeremiahs Vater schein immer noch nicht hundertprozentig von der Idee
überzeugt zu sein, weswegen der Lieutnant nachsetzte: „Sollte irgendetwas
passieren, finde ich mit der Hilfe von Admiral Nechajew bestimmt eine
Lösung, wie ihr ganz schnell wieder zurück zur Erde kommen könnt. Und wir
sprechen uns doch bestimmt jeden Tag über Subraumkom.“
David Esteban hob verzweifelt die Hände: „Okay einverstanden. Aber wenn
du einen Starttermin für die Community weißt, sagst du uns sofort
Bescheid.“ „Sofern er in eure Flitterwochen fällt. Aber ich denke, dass das
noch mindestens 6 Wochen dauern wird, bis die neue Primärsektion fertig
wird.“
Es war nun mittlerweile Zeit fürs Abendessen geworden. Jeremiah stand mit
einen Teller und einer Gabel bewaffnet am Gartenzaun gelehnt und
beobachtete Gäste. In unregelmäßigen Abständen spießte er ein Chicken
Nugget an, was dann kurz darauf sein Ende im Mund des Lieutnants fand.
Plötzlich näherte sich ihn jemand. Jerry dachte erst, das es Hanni wäre,
aber stattdessen trat der andorianische Freund seiner Schwester auf ihn zu
und bemerkte: „So feiern Menschen also eine Hochzeit.“ „So ihn etwa,
Vrad.“, bestätigte Jerry.
„Wobei die hier stattgefundene Zeremonie in etwa dem Standard des
europäisch geprägten Kulturkreises entspricht.“, fügte er noch erklärend
hinzu. „Und dabei fehlen auch einige Elemente, die man zusätzlich hätte
einbringen können. Zum Beispiel war es früher bei Hochzeiten von
Offizieren üblich, dass Offizierskollegen einen sogenannten Ehrenspalier
bildeten, unter welchen das Brautpaar nach der Trauung durchschritt.“
„Ehrenspalier?“, fragte Vrad nach. „Dazu stellen sich sechs oder acht
Offiziere in zwei Reihen mit genügenden Anstand auf und halten ihre
Degen, eine alte Hieb- und Stichwaffe, so das sie eine Art Spalier bilden.“
„Das ist interessant. Was gibt es noch für Traditionen?“ „Meistens wird auch
in einen Restaurant und nicht zu Hause gefeiert. Aber bei der Gästeanzahl
erschien eine Party zu Hause einfacher.“
Jeremiah machte ein kurze Pause und fragte dann nach: „Und sieht es bei
dir und meiner Schwester in Sachen Hochzeit aus.“ Da hatte der Lieutnant
den Andorianer aber komplett auf den falschen Fuß erwischt. „Wir haben
über das Thema noch nicht gesprochen. Becky muss ja erstmal meine
Familie kennen lernen.“
Nun war es Zeit für das Brautpaar in die Flitterwochen zu verschwinden.
Alles war gepackt und nun standen alle am Gleiter um sich zu
verabschieden. Dabei hatte David noch ein paar Anweisungen für seinen
Sohn und den nun diensthabenden Familienoberhaupt der Estebans. „Du
holst den Gleiter morgen von Flugfeld ab. Und vergiss nicht uns dann wieder
abzuholen, wenn wir zurückkommen. Rebecca soll spätestens um
Mitternacht wieder zu Hause sein. Und schaut in den drei Wochen bei
deiner Großmutter vorbei. Vielleicht wäre es auch gut, wenn du mal in
London bei deinen anderen Großeltern vorbeischaust. Pass mir auf Samuel
auf und lass das Haus stehen.“ Alle Anweisungen und Hinweise wurden mit
einen von Mal zu Mal leicht genervter klingenden „Ja Dad.“ bestätigt.
Elizabeth verabschiedete sich derweil von ihren Sohn. Sie knuddelte ihn,
küsste den Kleinen überall: „Ich wird dich vermissen.“ Dann wandte sie sich
an ihre Stieftochter: „Ich möchte nichts verpassen, was er macht. Also
nehmt alles auf.“ Hanni, die neben Jerry stand bemerkte zu ihm leise: „Das
gibt mindestens 300 Stunden lang ein schlafendes Baby.“
„Schatz, du musst nicht alles wörtlich nehmen.“, flüsterte der Lieutnant
zurück. Laut fügte er hinzu: „Ihr müsst euch aber jetzt beeilen, wenn ihr
euren Flug nicht verpassen wollt.“ „Komm schon Schatz. Jerry hat Recht.“,
ergänzte dessen Vater.
Elizabeth winkte noch mal zum Abschied in die Runde, bevor sie in den
Gleiter stieg. Da David auch schnell einstieg war der Gleiter schnell startklar.
Beim Wegflug konnten alle noch das Schild „Just married“, dass die
künstlerisch begabte Rebecca gemacht hatte, im Schein einer
Straßenlaterne sehen.
Wenig später kam Kenneth, dessen Abwesenheit niemand bemerkt hatte,
aus der Türe, in der Hand ein paar, an einer Schnur aufgereihten, Dosen.
„Sind sie schon weg?“, fragte er atemlos. Jeremiah drehte sich zu seinen
Cousin um und erwiderte: „Ja sie sind schon weg.“
Der Lieutnant musterte Kenneth von oben bis unten: „Was wolltest du mit
den Dosen machen.“ „Hinten an den Gleiter binden. Mann, hätte das schön
gescheppert.“ Jerry verdrehte die Augen, aber er erwiderte nichts obwohl im
einige, teilweise sehr unschöne, Worte auf der Zunge lagen. Aber er konnte
sich beherrschen und lud die Gäste ein noch eine Runde zu feiern.
Jeremiah hatte sein Freundin ein bisschen über die Tanzfläche gewirbelt.
Um sich abzukühlen wollte sich der junge Sternenflottenoffizier ein Glas mit
Bananensaft holen. Und geriet dadurch neben Admiral Nechajew, die eine
Tasse Earl Grey trank. „Sie haben die Feier gut organisiert, Lieutnant.“,
begann die gestandene Sternenflottenoffizierin „Danke Ma’am. Ich hatte
aber auch tatkräftige Unterstützung.“, erwiderte Jerry bescheiden.
Die Admiralin deute mit ihren Kopf in Richtung Hanni und bemerkte: „Ihre
Freundin gehört auch zur Crew der Community, richtig.“ „Richtig Admiral.“,
bestätigte Jeremiah. „Ensign Hanni Stevenson. Sie gehört zur
wissenschaftlichen Abteilung.“
Er machte eine kurze Pause: „Weil wir gerade von der Community reden,
wissen sie eventuell, wer der Captain des Schiffes wird.“ Etwas überrascht
erwiderte seine Gesprächspartnerin: „Sie sind wohl überhaupt nicht
neugierig. Lieutnant.“ Jerry grinste unschuldig: „Nein überhaupt nicht Ma’am.
Aber wann kommt man schon mal dazu mit einen Admiral darüber zu
sprechen.“
Admiral Nechajew lachte kurz auf: „Das stimmt auch wieder. Aber ich muss
ihnen ganz ehrlich sagen, dass man das noch nicht entscheiden hat. Aber
es wurden drei Kommandanten in die engere Wahl gezogen. Captain Fiona
Donavan und Captain Vartik Tanrim haben sich direkt für den Posten
beworben.“ „Es haben sich zwei Captains für den Posten beworben?“,
Jeremiah konnte das gar nicht glauben. „Die müssen ja mutig sein. Wenn
man bedenkt dass auf der Community während der vergangen Jahre mehr
Führungsoffiziere ersetzt wurden, als Captain Kirk je an Ensigns verloren
hat.“
„Jetzt übertreiben sie aber.“, erwiderte die Admiralin amüsiert. „Und der
dritte Kommandant.“, hakte Jerry nach. „Kommandantin.“ verbesserte
Admiral Nechajew. „Captain T’Mort wird meist für die Kommandos
vorgeschlagen, die keiner sonst übernehmen will. Mit ihrer Erfahrung als
dreifache Mutter hat sie bis jetzt jeden noch so wilden Haufen, auf die
richtige Bahn gebracht.“
„So schlimm sind wir doch gar nicht, dass wir einen Bändiger brauchen.“,
versuchte Jerry sich und seinen Kameraden zu verteidigen.
„Es ist ja noch gar nichts entschieden. Aber Captain Tanrim dürfte
wahrscheinlich das Rennen machen. er hat ein paar einflussreiche Freunde
im Hauptquartier. Aber damit können glaube ich alle beteiligten leben. Ein
Zakdorn als passt auf den Captain’s Char eines Schiffes der
Prometheusklasse ganz gut.“
Gegen Mitternacht hatten sich alle Gäste verabschiedet, Richard, Margret,
Lois, Samuel, Peter und Audrey schliefen schon längst und so waren Hanni,
Rebecca und Jeremiah die letzten die noch wach waren. „Das Aufräumen
verschieben wir auf morgen.“, entschied Jerry und gähnte leicht.
Doch dann konnte er nicht einschlafen. Zu viel schwirrte in seien Kopf
herum. Also setzte er sich an das Fenster im Schlafzimmer seines Vaters in
einen Schaukelstuhl und beobachtete die Sterne. Hanni, die gerade Samuel
betrachtete, wie der trotz des Lichtes friedlich schlief, hörte das wippende
Geräusch und drehte sich zu ihren freund um. „Hase, was ist los mit dir.
Kannst du nicht schlafen?“ „Ich denke nach.“
Hanni zog ihren Morgenmantel aus und setzte sich aufs Bett. „Nachdenken
kannst du auch im Bett. Über was denkst du überhaupt nach?“
Jeremiah drehte sich zu seiner Freundin um und erwiderte: „Über uns und
unsere Zukunft?“ „Interessantes Thema vor dem Einschlafen.“,
kommentierte Hanni spitz. „Worüber genau machst du dir Gedanken.“
„Jetzt da Captain Stewart weg ist, ist meine weitere Zukunft auf der
Community ungewiss. Ich könnte versetzt werden und was würde dann aus
uns werden. Ich habe einfach nicht die Energie um eine Fernbeziehung zu
führen bei der man sich nur aller paar Monate trifft.“, erklärte Jeremiah
nachdenklich. „Ich offen gestanden auch nicht.“, bestätige Hanni. „Aber ich
kann nicht von Nanni weg. Und sie wird ihren Lucas auf alle Fälle nicht
verlassen. Gäbe es vielleicht noch andere Posten für die du geeignet bist?“
„Vielleicht würdet ihr eine Trennung überstehen, jetzt da ihr noch andere, ich
will sie mal Bezugspersonen nennen, habt. Was andere Posten angeht, da
käme noch einer als Einsatzoffizier in Frage.“ Hanni klatsche erfreut in die
Hände: „Das ist es doch. Wir haben doch nur vier Einsatzoffiziere. Sean
Coleman, John Connor, Patricia Mandrick und Merkin Mullfoy. Und sei mal
ganz ehrlich. Sie sind zwar gut in ihren Fachbereich, aber keine
Führungskräfte. Unser neuer Skipper würde dich bestimmt zu gerne als
Chef-Opsi nehmen.“
„Da hast du schon recht. Aber ich habe keine Praxiserfahrung.“, erwiderte
der Lieutnant. „Ach was, dass ist wie mit dem Hoverbike fahren, das verlernt
man nicht.“, wurde er von seiner Freundin beruhigt.
„Ich hoffe du hast recht.“, erwiderte Jerry. „Aber es gibt noch zwei Punkte
über die ich mir auch Gedanken gemacht habe, Heiraten und Kinder.“ Man
konnte Hanni ansehen, dass dse das absolut nicht erwartet habe. Aber sie
fasste sich schnell wieder: „In der Reihenfolge.“
Ihr Freund seufzte kurz auf: „Das war kein Witz. Ich bin eben ein
Familienmensch, wie du bestimmt schon mit bekommen hast.“
Hanni stand auf und hab Jerry einen Kuss: „Ach Hase, so war das noch
nicht gemeint. Ich finde nur, dass es doch etwas früh ist um an so etwas zu
denken. Schließlich sind wir erst seit sieben Monaten zusammen. Und du
hast noch nicht einmal meine Eltern kennen gelernt.“
Da Jerry etwas enttäuscht aussah, fügte sie hinzu: „Ich habe nichts gegen
die beiden Punkte. Ich will ja auch Kinder. Aber auch wenn wir die auf der
Community aufziehen können, so möchte ich auch meine Karriere
voranbringen. Ich bin seit fast drei Jahren Offizier der Sternenflotte und
immer noch Ensign. Klar, Wissenschaftler werden nicht so schnell befördert,
aber trotzdem hätte ich nichts dagegen, den gleichen Rang zu bekleiden wie
du.“
Jeremiah gähnte recht ausgiebig und stand aus dem Schaukelstuhl auf.
„Dagegen hätte ich auch nichts. Aber jetzt sollten wir wirklich schlafen.“ Er
legte sich in das große Doppelbett und fing an leise zu schnarchen. Hanni
schüttelte noch verwundert den Kopf bevor sie sich neben ihren Freund
legte, dass Licht löschte und ebenfalls einschlief.
Geschrieben von: Vinara Shral am Jul 27 2005, 18:10
Die Art der Beziehung zwischen Vinara und Barnhelm schien immer noch
nicht ganz geklärt. Vor den übrigen Crewmitgliedern gaben sich beide
überaus professionell, obwohl die meisten Bescheid wussten. Waren die
beiden alleine wurden zaghaft Zärtlichkeiten ausgetauscht; die Andorianerin
saß dann meist etwas steif auf dem Schoß des Captains und bedachte ihn
etwas zurückhaltend mit Küssen.
"Vinara, stört dich vielleicht mein Schnurrbart? Ich kann ich sofort
abrasieren!"
"Nein, nein, Fred, der muss dranbleiben, sonst siehst du nur noch halb so
autoritär aus, ich werde mich schon daran... was rede ich da, man könnte
glatt meinen wir hätten vor für längere Zeit zusammenzubleiben!"
"Haben wir das nicht auch?"
"Du weißt dass das nicht geht, bitte lass uns jetzt nicht darüber streiten. - Es
tut mir leid, aber ich muss mal wieder nach der Simulation sehen."
"Immer im Dienst, meine blaue Rose? Aber beeil dich bitte, so viel kann
doch in den letzten fünf stunden gar nicht passiert sein!"
Vinara hatte entgegen ihrer ursprünglichen Einwände doch eine neue
virtuelle Versuchsreihe gestartet, diesmal unter Einbeziehung der realen
Ergebnisse von Vulkan und Delta IV. Wie Barnhelm prophezeit hatte gab es
noch immer nicht viel zu sehen, dafür lagen in ihrem virtuellen Postfach
Bilder von T'Voks Flitterwochen samt einem Begleitbrief. Der Hochzeit hatte
sie kurz vor ihrem Dienstantritt auf der Schweizer noch beigewohnt; wie
erwartet berichtete die junge Vulkanierin von Differenzen zwischen ihr und
ihrem Mann, welcher sie tatsächlich nicht zurück auf die Community lassen
wollte. Sie wollte sich beiden noch einen Monat Bedenkzeit geben ehe sie
sich endgültig entschied.
Die andorianische Wissenschaftsoffizierin war nicht gerade begeistert von
der Idee dass T'Vok vielleicht aus der Sternenflotte austrat... Es gab aber
noch andere Dinge die ihr durch den Kopf gingen und spontan fiel ihr
Lieutenant Melor Nachalek ein, der trotz seiner Größe unauffällige
Datenanalytiker und Hobbytheologe. Wie nicht weiter verwunderlich hielt er
sich derzeit in einem Dominikanerkloster in der Schweiz auf; es dauerte
ganze drei Stunden bis der Abt ihr gestattete mit ihrem Untergebenen zu
sprechen.
"Commander, was verschafft mir die Ehre?"
"Lieutenant, Sie haben ja bereits die Daten aus dem Doramess-System
analysiert; inzwischen hat Dr. Assjima einige Experimente angestellt die ich
auf Vulkan nachstellen ließ; da ich weiß dass die Comverbindung zu Ihrem
Kloster einen hohen Sicherheitsstandard hat werde ich sie Ihnen gleich
überspielen. Lassen Sie sich ruhig Zeit mit der Analyse, ich habe selbst
noch eine Simulation am Laufen. Was ich dagegen im Moment hören
möchte wäre Ihre... philosophische Meinung zu diesem Thema." Sie fasste
kurz den Verlauf der Experimente und ihre jeweiligen Ausgänge zusammen.
Nachaleks Augenbraue hob sich fast wie bei einem Vulkanier. "Commander,
ich sehe keinen Widerspruch zu den mir bekannten Schöpfungsmythen,
ebensowenig wie zu den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es
mag zwar sein dass manche Theorien überdacht werden müssen, aber auf
dem ersten Blick erscheint mir ein Steinwesen wie das aus Dr. Assjimas
Berichten nicht weniger interessant oder befremdlich wie jener Erdenmann
der sich freiwillig an ein Kreuz hat nageln lassen, nur um drei Tage später
wieder von den Toten aufzuerstehen."
"Sie ziehen da interessante Parallelen... Sie haben meine Erlaubnis das
Problem zumindest grob mit Ihren derzeitigen Mitbrüdern zu disskutieren.
Für Ihre Bemühunge werde ich Sie auch offiziell zu meinem Stellvertreter
ernennen; dem Rang nach haben Sie es auf jeden Fall verdient und
Mulhouse wird es schon verkraften."
"Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, ich werde jede Ihrer Entscheidungen
meine berufliche Laufbahn an Bord der Community betreffend akzeptieren. Da fällt mir ein, Bruder Sebastian teilte mir kürzlich mit dass auf Pollux IV in
den letzten Jahren ein paar neue Ausgrabungen gemacht wurden, nichts
Spektakuläres, aber sie betreffen eine Spezies die immerhin über
höherentwickelte Fähigkeiten verfügte. Vielleicht werden Sie da fündig..."
"Vielen Dank, Lieutenant, wir fliegen sowieso gerade in die Richtung, ich
denke der Captain dürfte nichts gegen eine minimale Kursänderung
einzuwenden haben. Ihnen wünsche ich noch einen angenehmen Aufenthalt
auf der Erde." Vinara beendete die Verbindung und starrte noch einige
Minuten gedankenverloren auf den schwarzen Bildschirm.
Geschrieben von: Bjørn Niels van Richthoven am Jul 27 2005, 23:09
see him surface in every shadow
on the wind I feel his breath
„Sie bringen mir ein wundervolles Geschenk, General Ourumov. Schließlich
habe sie mich sehr unglücklich gemacht.“, begrüßte Alec Trevilian den
General. Er saß gerade beim Frühstück in einem elegant eingerichteten
Zugabteil eines Zuges. „Mishkin hatte sie befragt, bevor ich es konnte.“
erwiderte Ourumov.
„Bond lebt?“
Der General verzog verärgert das Gesicht. „ Er ist entkommen.“
„Gut für ihn. Schlecht für Sie“, kommentierte Alec die Neuigkeit. Sein Blick
fiel auf Natalia. „Setzen Sie sich doch, mein Liebe.“
Sie tat wie ihr geheißen. Der Mann mit dem halbseitig entstellten Gesicht
stellte sich hinter ihren Stuhl und strich ihr eine Haarsträhne aus dem
Gesicht. „Wissen Sie, James und ich haben alles geteilt. Wirklich alles...“
Na prima, dachte sich Milseya. Dann freue dich schon mal auf die Tracht
Prügel, die ich dir verabreichte, wenn du mir zu nahe kommst, wobei...
Milseya seufzte leise. Das durfte sie ja gar nicht – nur eine deftige Ohrfeige.
So sehr ihr das Geballere und die 'Action' gefiel, diese Darstellung des
vermeintlich schwächeren Geschlechts ging ihr gehörig gegen den Strich.
„Dem Sieger gehört die Trophäe“, flüsterte Alec in Natalias Ohr (und Milseya
wurde schier schlecht). Alec versuchte sie zu küssen, doch Natalia wehrte
sich dagegen. „Sie werden es mögen, wo wir hinfahren...“, sagte Alec
unbeeindruckt „.. Sie könnten sogar lernen, mich zu mögen.“ Er überwand
ihren Widerstand und presste seine Lippen auf die ihren. „Сволочь“,
beschimpfte ihn Natalia, als sie sich befreien konnte und verpasste ihm
einen Faustschlag (die vorgeschriebene Ohrfeige erschien ihr einfach nicht
angemessen genug! Aber sie war dem Holocomputer dankbar, dass dieser
widerliche Kerl keinen Mundgeruch hatte!).
Da schrillte der Alarm auf. „Bleiben Sie bei ihr“, schrie Alec zu Ourumov
bevor er und eine dunkelhaarige, rassige Frau, die Milseya zuvor nicht
beachtet hatte, aus dem Abteil stürmten. Als die Beiden im Kontrollraum auf
einen Monitor schauten, entdeckten sie den Grund für den Alarm ..
„Bond. Immer nur Bond!“, zischte Alec. „Er wird den Zug zum Entgleisen
bringen“, erklärte Xenia Onatopp mit einem faszinierten Grinsen. Alex griff
zum Funkgerät. „Höchstgeschwindigkeit“ brüllte er hinein und bekam die
verdutzte Antwort des Lokführers „Was?“ „Höchstgeschwindigkeit! Rammen
Sie ihn!“ wiederholte Alec den Befehl. Die Beiden hielten sich für den
bevorstehenden Aufprall an den Tischen fest.
In der Zwischenzeit hatte Bond herausgefunden, dass Ourumov Natalia in
einen Zug verschleppt hatte. Sein Plan war es den Zug mit dem Panzer
aufzuhalten. Er fuhr durch einen Tunnel und stellte ihn dann quer auf die
Gleise. Dann richtete Niels die Kanone in Richtung der Gleise aus.
Als der Zug den Panzer fast erreicht hatte, feuerte Niels und verwandelte die
Lokomotive in einen großen Feuerball. Jetzt musste Niels sich beeilen, um
nicht von dem ungebremsten Zug mitgerissen zu werden, wenn er den
Panzer rammte. Er sprang vom Panzer in ein Gebüsch in Deckung. In
diesem Moment kollidierten Panzer und Zug, der dadurch zum Stehen kam.
Der Aufprall war unglaublich heftig gewesen. Natalia hatte es von den
Beinen gerissen und war durch den Raum geschleudert worden.
Nur für einen kurzen Augenblick huschte der Gedanke durch Milseyas Kopf,
dass so etwas ein Teil ihres realen Lebens war. Sie hatte es bereits einmal
durchlebt. Es schon einmal passiert. Doch seltsamerweise berührte es sie
weniger als sie vermutet hätte. War dies ein Zeichen dafür, dass sie lernte
es zu akzeptieren? Oder konnte ihr Unterbewusstsein tatsächlich Spiel von
Realität unterscheiden?
Natalia rappelte sich auf und sah sich um. Kein Spur von ihrem Bewacher!
Sie rannte los - direkt in die Arme von Ourumov, der sie packte und festhielt.
Xenia und Alec waren noch am Boden nach der Erschütterung. Niels war in
der Zeit in den Zug geklettert. Als Alec nach seiner Pistole greifen wollte, trat
Bond darauf und richtete seine Waffe auf ihn. "Warum kannst du nicht
einfach ein guter Junge sein und sterben?" meinte Alec hämisch. "Du
zuerst! Steh auf!" rief Niels ihm zu und dann zu Xenia: "Und dann du!" Alec
redete auf ihn ein: "Deine Situation ist hoffnungslos. Du hast keine
Verstärkung, keine Fluchtmöglichkeit. Und ich habe den einzigen Trumph!"
Niels überging diese Sticheleien. "Wo ist sie?" schrie er ihn an. "Ach so,
deine fatale Schwäche," grinste Alec und gab über ein Funkgerät durch:
"Ourumov, bring sie rein!" Wieder zu Bond: "Eine besondere Frau. Sie
schmeckt nach ... Erdbeere!" Darauf erwiderte Niels: "Wusste ich gar nicht"
"Ich schon!" ärgerte ihn Alec. Dabei leckte sich Xenia ihre in
Lederhandschuhe gehüllten Finger.
Niels konnte hören, wie hinter ihm Milseya von Ourumov hereingebracht
wurde, er hatte eine Waffe auf sie gerichtet. "Jetzt sind wir wieder da, wo wir
begonnen haben, nicht wahr, James. Der Freund oder die Mission? Nimm
die Waffe runter und ich lasse sie leben!" forderte Alec.
Bond versuchte es bei Ourumov: "Was hat ihnen dieser Kosake
versprochen?" "Das ist Vergangenheit..." warf Alec ein. "Er wird sie
hintergehen! Genau so, wie er es mit jedem tut!" ließ Bond sich nicht
beirren. Ourumov begann zu zweifeln: "Ist das wahr?" "Ich sage ihnen was
wahr ist: In 48 Stunden werden sie und ich mehr Geld haben als Gott. Mr.
Bond wird tot sein und Moneypenny wird bei einer kleinen Gedenkfeier
Tränen wegen ihm vergießen. Also wofür entscheidest du dich, James?
Zwei Ziele, aber nur genug Zeit für einen Schuss. Das Mädchen oder die
Mission, was soll es sein?" Niels hasste diese Figur. "Bring sie um, sie
bedeutet mir nichts!" schrie er ihn an. "Wir sehen uns in der Hölle, James!"
erwiderte Alec besserwisserisch. Niels wusste, was zu tun war. Er wirbelte
herum und platzierte eine Kugel in Ourumovs Kopf. Dann wandte er sich
wieder zurück zu Alec, doch er war weg. Plötzlich wurden die Fenster mit
mit einer Panzerung verschlossen. Niels rannte los und kontrollierte alle
Türen und das Dach auf der Suche nach einer Lücke in der Panzerung. "2,5
cm dicke Panzerplatten!" rief er Natalia zu.
„Danke! Mir geht's auch gut“, erwiderte Natalia sarkastisch und setzte sich
an einen Computer.
Milseya stutzte als sie auf die Tastatur vor ihr schaute. DAS war ein
Problem! Was zur Hölle sollte sie damit anfangen? „Ähm Niels?“
"Was ist denn Mili?" fragte er, während er weiter das Dach begutachtete.
„Computer. Programm unterbrechen! Ich habe hier ein klitzekleines
Problem.“ antwortete sie und zeigte auf die Tastatur. „Wie funktioniert dieses
Ding?“
Niels ging zu ihr hinüber und legte seine Hand auf ihre Schulter. "Es ist nicht
so wichtig. Wenn du willst, gebe ich dir mal ein Programm, dass dir zeigt,
wie man einen antiken Computer von der Erde bedient."
„Oh je! Das muss nicht unbedingt sein“, grinste Milseya. „Computer,
modifiziere Programm so, dass es keine Rolle spielt, welche Tasten
Spielerin Siminova drückt.“ Der Computer bestätigte. „Programm fortsetzen!“
„Boris! Ja!“, grinste Natalia, nachdem sie sah, dass Besagter online war.
"Was machen Sie da," fragte Bond verwundert.
„Boris sichert gerade seine Dateien, wenn ich ins System komme, dann
kann ich vielleicht herausfinden, wo sie hin wollen.“
Natalia sah den begriffsstutzigen Mann verärgert an. „Na los! Was stehen
Sie hier so rum? Bringen Sie uns hier raus!“
Bond hatte keinen Schimmer wovon sie sprach. "Ja, Sir!" meinte er und
begann den Teppich aus dem Boden zu reißen, vielleicht konnte man so
aus dem Zug gelangen. Aus einem Lautsprecher kam Alecs Stimme: "Viel
Glück mit dem Boden, James! Ich habe den Timer auf 6 Minuten gestellt, die
selben 6 Minuten, die du mir gegeben hast!"
„Was soll das bedeuten?“, fragte Natalia überrascht.
"Das bedeutet, wir haben 3 Minuten!" erklärte Bond.
Natalia wandte sich wieder dem Computer zu. „Dann sollten Sie sich etwas
beeilen!“ Sie versuchte sich einzuklinken – Spike Sent
Niels hatte zwischenzeitlich seine Uhr abgenommen und benutzte sie nun
um mit dem eingebauten Laser den Boden aufzuschweißen. Verrückte
Ideen hatten die früher, dachte Niels.
„Hintern ..Nein. Arsch.. Nein! Wie kann man sonst noch zu Hintern sagen?“,
fragte sie James.
"Was?" rief Niels. Er musste sich auf den Laser konzentrieren.
„Das ist Boris Passwort. Es ist ein Wortspiel. Etwas, auf dem ich sitzen, was
ich aber nicht mitnehmen kann“, erklärte Natalia.
"Stuhl!" riet Bond.
„Wusste ich doch“, gab sie amüsiert zurück, gab es ein und... Starting
search Gebannt verfolgte sie die Suche .. „Er ist nicht in Russland,
Deutschland, Paris, London, Madrid ..“
Endlich hatte Niels es geschafft ein Loch in den Boden zu schneiden. Er
nahm Milseya am Arm und forderte sie auf: "Los, kommen Sie!"
„Warte! Er ist in Kuba! Havanna, nein..“
Disconnected Search Program
"Jetzt!" schrie er und zog sie zu der Öffnung. Sie kletterten hindurch und
robbten unter dem Zug hervor. Das ist ja noch enger als in einer JeffriesRöhre, dachte Niels. Dann sprinteten sie vom Zug weg, in dem die Bombe
tickte. Der Zug explodierte und die Beiden warfen sich zu Boden. Nachdem
sie sich wieder aufgesetzt hatten, betrachteten sie den brennenden Zug.
Natalia drehte sich zu James. „Zerstörst du jedes Fahrzeug, in das du
steigst?“
"Das ist das Standard-Vorgehen. Jungs und ihre Spielzeuge!" grinste Bond.
„Hmm, dann ist es sicherlich besser, wenn ich mich um eine
Transportmöglichkeit nach Kuba kümmere“, erwiderte Natalia sarkastisch.
Bond setzte seine Uhr wieder auf. "Wer sagt denn, dass Sie mitkommen?"
„Kannst du die Waffe entschärfen?“, fragte sie spöttisch.
"Nun, ich denke, dass kommt darauf an, von welcher Art von Waffe sie
sprechen." meinte Bond neckend.
Natalia-Milseya lächelte und rückte näher zu James-Niels. „Gibt es noch
mehr Standard-Verfahren, die ich kennen sollte, Commander?“
"Es gibt Tausende..." flirtete Bond. „Aber die verrate ich nur unter Folter.“
Die Beiden sahen sich lächelnd an, während sich ihre Gesichter immer
näher kamen....
Der Fahrtwind strich wild durch ihr Haar. Natalia genoß die Fahrt in dem
offenen Wagen ebenso wie die wundervolle Landschaft um sie herum: Ein
herrlicher Strand. Palmen. Und dazu dieses unglaubliche Wetter.
Zum ersten Mal fand Milseya das Kleider doch so ihren Sinn haben –
besonders das, das der Computer ihr repliziert hatte – es war so luftig.
Natalia sah lächelnd zu James. Er lächelte zurück. „Ich habe mein ganzes
Leben davon geträumt einmal in die Karibik zu fahren. Es ist so
wunderschön hier. Und keine Menschenseele weit und breit!“, rief sie ihm
zu, als plötzlich der Alarm losging. Eine GPS-Konsole öffnete sich wie von
Geisterhand und zeigte einen Verfolger an. Natalia sah nach oben und
entdeckte eine Cessna, die den Wagen gerade überflog und direkt vor dem
Wagen landete. „Was hast du nur für ein Problem mit Fahrzeugen?“,
schimpfte sie mit James.
Das Flugzeug stoppte und Niels hielt den Wagen direkt dahinter an. Wade
stieg aus dem Flugzeug, bekleidet mit einem grellen Hawaii-Hemd und trug
eine Tasche. Bond und Natalia verließen den BMW. "Hey, Jimbo! Ich habe
ihnen ein kleines Geschenk von... wie war noch sein Name? T? Z?"
begrüßte er Bond. "Q!" antwortete James schlicht. Niels betrachtete die
Tasche und fragte dann: "Was tun Sie hier, Wade?" Dieser schaute zu
einigen Bäumen hinüber. "Ich bin nicht hier. Die CIA hat keine Kenntnis
davon, sie ist nicht eingebunden. Es hat absolut nichts mit ihrem Einsatz in
Kuba zu tun - wenn sie verstehen, was ich meine?" Niels nahm seine
Sonnenbrille ab und steckte sie in seine Hemdtasche. "Ja, ich verstehe
genau!" erwiderte er. "Das Flugzeug ist von einem Freund bei der DEA
geliehen," erklärte Wade, "Jetzt drehen die Küstenwache und die FAA ihre
Runden. Ihr seid bis 06:00 Uhr nicht vom Radar zu erfassen." Er griff in das
Flugzeug und holte einen Bogen Papier hervor. "Hier ist das letzte SAT
CAM Bild aus Langley. Bleiben Sie unter 600 Fuß."
„Fünfhundert Fuß!“ korrigierte ihn Natalia, während sie die Karte studierte.
"Wer ist das denn?" fragte Wade verwundert. "Natalia Simonova." stellte
Bond sie vor.
„Natalia SIMINOVA“, verbesserte sie James und sah ihn böse an.
"Die russische Transportministerin." fügte Bond hinzu. Ob es so eine
Position überhaupt gab? Wade signalisierte mit seinem Strohhut, dass er
privat mit Bond sprechen wollte. Sie entfernten sich ein paar Schritte. "Hast
du sie überprüft?" wollte Wade wissen. Niels setzte einen
besserwisserischen Gesichtsausdruck auf und meinte: " Von Kopf bis Fuß!"
Wade grinste. "So, ihr sucht also eine Satellitenschüssel so groß wie ein
Fußballfeld? Die gibts nicht! In Kuba kann sich niemand eine Zigarre
anstecken, ohne dass wir das mitbekommen!"
„Sie muss hier sein.“, beharrte Natalia. „Sie ist eine Kopie von der in
Severnaya – ähnlich wie eure geheimen Transmitter in Neuseeland!“
"Ich war nie in Neuseeland," entgegnete Wade und wandte sich zu Bond:
"Wie kann sie davon wissen?" Bond überging diesen Kommentar und
erkundigte sich: "Und wenn sich Verstärkung brauche?" "Du erreichst mich
über Funk, ich schicke dir dann die Marines." informierte ihn Wade,
"Übrigens, zieh nach links am Ende der Startbahn, Kuba ist 7 Meilen zu
deiner Rechten." Er geht zum Auto. "Hey, Wade!" rief Niels, während er ihm
die Schlüssel zuwarf und er sie in seinem Hut auffing. "Nur eine Sache
noch..." "Ja?" antwortete Wade, beim Einsteigen. "Drück keinen der Knöpfe
im Wagen!" ermahnte er ihn. "Jo, James. Ich habe Glück. Aber sei
vorsichtig, er weiß, dass ihr kommt!" verabschiedete er sich und fuhr davon.
Niels und Milseya blieben mit dem Flugzeug zurück.
Die Szene hatte sich verändert. Es war Abend und Niels saß am Strand vor
ihrem Strandhaus, in seinen Gedanken versunken.
Natalia näherte sich langsam. Sie trug einen weißen Bikini und dazu
passend einen weißen, durchsichtig schimmernden Pareo - doch trotz ihres
äußerst reizvollen Anblickes, bemerkte James sie nicht. Sie setzte sich
neben ihn.
„Er war dein Freund .. Travelyan?“, fragte sie leise.
Niels starrte sie an, antwortete jedoch nicht. Er fand, dass ihr das Outfit gut
stand, es sah sogar sehr sexy aus.
„Und jetzt ist er dein Feind und du wirst ihn töten. Ist es wirklich so
einfach?“, fragte sie weiter.
"In einem Wort...JA!" flüsterte er, doch Niels teilte diese Meinung nicht.
„Es sei denn, er tötet dich zuerst“, erwiderte Natalia herausfordernd.
"Natalia..." versuchte er sie zu besänftigen.
„Glaubst du, ich bin beeindruckt?“, herrschte sie ihn an. „Ihr alle! Mit euren
Waffen, dem Töten .. und für was? Damit ihr Helden seid? Alle Helden, die
ich kenne, sind tot!“
"Natalia, höre mir zu..." wollte er sie beruhigen.
„Wie kannst du nur so sein? Wie kannst du nur so kalt sein?“, fragte sie
entsetzt.
„Nur deshalb bin ich noch am Leben.“, versuchte James ihr zu erklären.
„Nein! Deshalb bist du allein!“, erklärte Natalia-Milseya wütend und stand
abrupt auf. James-Niels packte sie am Arm, zog sie wieder zu sich herab,
dicht an sich und ...
Das Feuer im Kamin brannte immer noch hoch und wärmte den Raum.
„James?“ Natalia erhob sich ein wenig und sah ihn an.
Er öffnete seine braunen Augen und flüsterte: "Ja!"
Sie veränderte ein wenig ihre Position. „Im Zug, als du ihm gesagt hast, er
solle mich töten und dass ich dir nichts bedeute... Hast du es so gemeint?“
Sie strich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn.
"Ja!" entgegnete er trocken.
Überrascht und ein wenig beleidigt sah sie ihn an.
"Das ist ein Grundsatz," erklärte er, "bluffe immer!"
„OH!“ Natalia-Milseya griff rauflustig nach dem Kopfkissen und drückte es
ihm lachend aufs Gesicht
James-Niels musste laut auflachen, während er sich befreite. Dann grinsten
sich die Beiden an, während er sich langsam zu ihr hin drehte...
[inanchfe und Phanan in „Bond. James Bond.“ zum zweiten]
Geschrieben von: Lucas Bishop am Jul 27 2005, 23:28
Hotel Egrimo – Betazed City – Betazed – 5:30 Uhr
Nannis Kopf auf der trainierten Brust ihres Freundes Lucas und schlief ruhig
und tief. Ihr Freund tat es ihr gleich und immer wenn er einatmete hob sich
langsam Nannis Kopf. Das Liebespaar hatte eine aufregende Nacht gehabt
und erholte sich nun von der äußerst befriedigenden Anstrengung. Beide
schliefen seelenruhig als sich das Terminal aktivierte und anfing laut zu
piepsen.
PIEP – PIEP – PIEP
Die Augen von Lucas öffneten sich schlagartig und musterten die
Umgebung, aber sein Körper wollte sich nicht in Bewegung setzen.
PIEP – PIEP – PIEP
Jetzt öffneten sich auch die Augen von Nanni und ihr Körper rekelte sich in
der Bettdecke. Dann suchte sie nach dem störenden Ton und fand die
Quelle in Form des Terminals. Sie wusste sofort was zu tun. „Schatz, steh
bitte auf und geh ans Terminal!“ forderte sie Lucas auf und lächelte ihn
liebevoll an.
PIEP – PIEP – PIEP
Lucas fand die Idee nicht sehr angenehm und meinte: „Och Mausi, wieso
gehst du nicht? Es könnte AUCH für dich sein.“ Dann schaute er ihr
genauso liebevoll in die Augen und hauchte ihr ein Küsschen hin.
PIEP – PIEP – PIEP
„Sei bitte ein Gentleman und geh an das blöde Terminal. Ich habe, wie du
weißt, nichts an…“ konterte Nanni und hob die Decke so hoch, dass Lucas
ihren nackten Körper sehen konnte.
PIEP – PIEP – PIEP
„Also ich finde es sehr schön, wenn du nackt vor mir herumläufst!“ meinte
Lucas und grinste beinahe wie der Gott des Schelms. Dann drehte er sich
auf die Seite und hielt sich das Kopfkissen auf die Ohren.
PIEP – PIEP – PIEP
Nanni wurde langsam sauer und stupste Lucas in die Rippen. Dann riss sie
ihm das Kissen runter und brüllte ihm ins Ohr. „Geh jetzt an das verdammte
Terminal oder …“ Doch der Biologin fiel keine vernünftige Drohung ein.
Lucas hatte mit dieser Reaktion seiner Freundin nicht gerechnet und fiel
ganz erschrocken vom Bett auf den Boden. „Na großartig“ murmelte er vor
sich hin und schlurfte schlaftrunken in Richtung Tisch, wo das Terminal
stand.
PIEP – PIEP – PIEP – BLINK
Lucas hatte das Terminal erreicht und aktiviert. Auf dem Bildschirm tauchte
das Gesicht von Admiral Akagi. Lucas nahm sofort Haltung an, um dann
festzustellen dass er kein T-Shirt anhatte. „Kon ni chi wa – Lucas, San“
begrüßte ihn der Admiral, der auch ein alter Freund der Familie Bishop war.
„Admiral Akagi, mit ihnen hätte ich überhaupt nicht gerechnet. Gibt es neue
Informationen über meinen Vater?“ erkundigte sich Lucas und nahm auf
einem Stuhl vor dem Terminal platz. Der Admiral räusperte sich, rückte die
Schulterpolsterung seiner Uniform zurecht und meinte dann: „Nein, Lucas es
gibt keine neuen Informationen über deinen Vater und dann gibt es leider
noch eine Sache, die dir überhaupt nicht gefallen wird. Aber dass werde ich
offiziell tun müssen.“
„Admiral, sie sprechen mal wieder in Rätseln…“ entgegnete Lucas und in
Gedanken formte sich ein Bild, eines kleinen grünen Gnoms, der auch
immer komisch sprach. Das Bild war nun fast vor seinen inneren Augen und
Lucas musste grinsen.
Admiral Akagi räusperte sich erneut und nahm wieder Haltung an und befahl
dann: „Lt. Bishop ihr Urlaub ist hiermit beendet. Sie sind ab sofort wieder im
Dienst und ich brauche sie im HQ der Sternenflotte. Die USS Redemption
nimmt heute auf Betazed Wissenschaftsgüter an Bord. Es sind 2 Plätze an
Bord frei, für sie und Ensign Stevenson, die ab sofort auch wieder im Dienst
ist. Auf der Meeresstation Triton ist ein Biologe ausgefallen und Ensign
Stevenson soll ihn ersetzen. Melden sie sich um 8:00 Uhr im
Logistikzentrum der Sternenflotte auf Betazed bei Commander Sarah
Murray. Wenn sie auf der Erde sind, kommen sie Lt. Bishop nach San
Francisco ins Sternenflottenhauptquartier. Ensign Stevenson wird von der
Redemption direkt nach Triton gebeamt. Gute Reise!“. Und mit diesen
Worten endete die Übertragung und die gute Laune von Lucas und Nanni.
„Das darf nicht wahr sein! Die trennen uns wieder…“ heulte Nanni laut und
dicke Tränen liefen ihr über die Backen. „He meine Süße, jetzt weine doch
nicht, wir sind halt Offiziere der Sternenflotte. Wenn ich in San Francisco
fertig bin, komme ich sofort nach Triton.“ versuchte Lucas seine Freundin zu
beruhigen. „Versprochen?“ schluchzte sie und schaute mit ihren verheulten
Augen ihren Freund an. „Na klar, meine Süße. Aber hör jetzt auf zu weinen!“
meinte Lucas und drückte Nanni. Dann küssten sich beide leidenschaftlich
und fingen an ihre Sachen zu packen. Danach schrieb Lt. Bishop eine
Nachricht an seine Mutter und erklärte ihr die Umstände. Ensign Nanni
Stevenson verfasste eine Mitteilung an ihre Schwester Hanni, um ihr
mitzuteilen, dass sie kurzfristig nach Triton versetzt worden war. Nachdem
das erledigt war, mussten beide auch schon das Hotelzimmer verlassen.
Nach einer schnellen Taxifahrt meldeten sich die beiden bei Commander
Murray. Die Afrikanerin hatte auch Dreadlocks wie Lt. Bishop. Sie war sehr
freundlich und wurde sofort mit Nanni und Lucas auf die Redemption
gebeamt. Das Schiff der Miranda-Klasse hatte alle Güter an Bord gebracht
und beschleunigte auf Warp 5 Richtung Erde.
Drei Tage später erreichte die Redemption die Erde. Lt. Bishop und Ensign
Nanni Stevenson betraten gemeinsam den Transporterraum. Nanni hatte
schon wieder feuchte Augen und hielt die Hand von Lucas ganz fest. Dann
kam die Minute des Abschieds. „Viel Spaß auf der Meeresstation meine
Süße!“ wünschte Lt. Bishop seiner Freundin und umarmte sie. „Ich wünsche
dir auch viel Spaß, bei immer was du machen musst…“ entgegnete ihm
Nanni und drückte ihren Freund fest an sich. Ein letztes Mal küssten sich die
beiden Verliebten, dann bestieg Lt. Bishop die Plattform des Transporters
und wurde ins HQ der Sternenflotte gebeamt. An der Transporterkonsole
stand ein Bolianer im Rang eines Petty Officer First Class und beobachtete
das ganze Spektakel. Nun betrat Nanni schluchzend den Transporter. „Dass
Frauen immer so sentimental sein müssen…“ äußerte sich der Bolianer
abfällig.
„Ach halten sie ihre dumme Klappe und beamen sie mich nach Triton“
motzte Nanni den dicklichen Blauhäuter an. Der sagte keinen Ton und
betätigte die Beam-Taste.
Wenige Augenblicke rematerialisierte Lt. Bishop im HQ der Sternenflotte
und machte sich sofort auf den Weg zu Admiral Akagi.
Auch Nannis Moleküle wurden wieder ordnungsgemäß auf der
Meeresstation Triton zusammengesetzt. Sie wurde von einer Trill namens
Lt. cmdr. Larana Grol begrüßt und zu ihrem vorübergehenden Quartier
gebracht.
Geschrieben von: Lucas Bishop am Jul 28 2005, 23:13
Jeremiah saß auf den Teppichboden im Wohnzimmer und sah Samuel beim
Spielen zu. Seine Schwester besuchte an der Akademie noch ein paar
Zusatzkurse und Hanni hatte sich in den Garten gelegt, um sich zu bräunen.
Plötzlich piepste das Kommterminal. In Erwartung, dass sich sein Vater
melden würde, nahm der Lieutnant seinen Halbbruder auf den Arm und
aktivierte das Terminal. Auf dem Bildschirm erschien Vizeadmiral Schreiber:
"Guten Morgen Lieutnant. Schön, Sie zu sehen." "Guten Morgen Admiral.
Wollen Sie mich noch mal an meine Vorlesung am Montag erinnern?"
"Nein, das nicht. Aber ich habe mir ihre Dienstakte vorgenommen und dabei
etwas entdeckt. Sie wissen ja, dass Offiziere der Kommandolaufbahn alle
zwei Jahre ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen müssen, sofern nicht aktiv
mit Kommandoaufgaben betraut sind. Und wenn ich mich recht entsinne,
hatten sie ihren letzten Test noch unter meiner Ägide."
Jeremiah lächelte, als er an den von dem Admiral genannten Test dachte.
Damals musste er mit einen Schiff der Galaxyklasse zwei Frachtschiffen
beistehen, die unter den Beschuss dreier Schiffe der Galorklasse geraten
waren. Zum Glück für den Lieutenant hatte der Test auf den Holodeck
stattgefunden, Und der Admiral fuhr fort: "Dieses Mal werde Sie aber eine
simulierte Schlacht gegen einen anderen Sternenflottenoffizier schicken. Da
kann man nicht einfach die Selbstzerstörung aktivieren, um die letzten
beiden Gegner mit in den Tod zu reißen."
"Da gibt es ein kleines Problem, genauer gesagt halte ich es gerade im
Arm.", begann Jerry abzuwehren. Doch als er den Gesichtsausdruck des
Admirals sah, lenkte er ein. "Ich finde schon eine Möglichkeit."
Eine halbe Stunde später waren Samuel, Hanni und Jeremiah im Büro von
Admiral Schreiber, die beiden letztgenannten natürlich in Uniform. "Wenn
sie nichts dagegen haben, würde ich darum bitten, dass meine Freundin
und mein kleiner Bruder Sie begleiten und sich das Spektakel ansehen."
schlug der Lieutenant vor und fügte in Gedanken hinzu: Oder sie sehen, wie
ich mich blamiere."
"Ich habe keine Einwände.", erwiderte der Admiral. Er drehte seinen
Deskviewer so um, dass Jerry mit darauf sehen konnte und erklärte: "Sie
erhalten das Kommando über die USS Omaha, einen Schiff der
Steamrunnerklasse. Ihr Gegner erhält ein baugleiches Schiff. Beide
Besatzungen werden hauptsächlich aus Kadetten bestehen, unterstützt von
einigen Unteroffizieren."
Er lächelte kurz und fügte hinzu: "Das ganze Spektakel, wie Sie es nennen,
wird von der USS San Fransisco aus beobachtet." Der Admiral erhob sich.
"Aber jetzt sollten wir uns auf den Weg zum Mars machen." Er aktivierte
seinen Insignienkommunikator: "Schreiber an Transporterkontrolle. Vier
Personen hoch beamen." Die Gruppe rematerialisierte auf einen Shuttle der
Argoklasse. Der Admiral gab dem Piloten den Befehl sofort zur Utopia
Planetia Schiffswerft zu fliegen. Jeremiah nutzte die kurze Flugzeit, um sich
mit 'seinen' Schiff vertraut zu machen.
"Ich soll was?" fragte Lt. Bishop ungläubig und schaute Admiral Akagi
verwundert an. "Ja, Lt. Bishop, Sie übernehmen für ein Trainingsmanöver
das Kommando über die USS Pacific, einem Schiff der
Steamrunnerklasse..." wiederholte der Admiral sein Wort und ging um
seinen Schreibtisch herum. Lucas freute sich sehr einmal ein Kommando zu
haben, aber der Kurs zur Kommandoführung war schon länger her. "OK, es
war ja ein Befehl und dem werde ich mich nicht widersetzen." entgegnete Lt.
Bishop und drehte sich zu Admiral Akagi. Der Admiral holte ein Döschen
aus der ersten Schublade seines Schreibtisches und ging damit zu seinem
Aquarium, indem sich japanische Kampffische befanden. Er öffnete das
Döschen und schüttete etwas Trockenfutter in das Aquarium. Dann drehte
er sich wieder zu Lucas und meinte: "Ach so, Sie werden noch einen
Gegner haben, der ein baugleiches Schiff besitzt - die USS Omaha. Beide
Besatzungen bestehen hauptsächlich aus Kadetten unterstützt von
Unteroffizieren. Ihr erster Offizier ist Sharon Cook, ein sehr aufbrausende,
junge Frau von der Luna-Kolonie."
"Gut, und wo soll das Spektakel stattfinden?" stellte Lucas seine nächste
Frage und warte gespannt auf die Antwort. Der Admiral fütterte noch mal
seine Fische, räumte das Döschen weg und aktivierte seinen Kommunikator
"Akagi an Alphaflyer Domestic - 2 Personen hochbeamen" "Was?" wollte
Lucas noch rufen, aber im nächsten Moment saß er in einem anderen
Alphaflyer, der Richtung Utopia Planetia unterwegs war.
Jeremiah war so vertieft in seine Lektüre, dass er von Hanni angetippt
werden musste. "Jerry, wir sind da." Halb erschrocken sah der Lieutnant auf.
Durch das Frontfenster konnte man die lang gestreckten Konturen der USS
Omaha sehen. Mit seinen an den Diskussegment angebrachten
Warpgondeln in dem darunter befindlichen Navigationsdeflecktor, gewann
die Omaha, ähnlich ihrer Schwesterschiff, nicht den Preis als das schönste
Schiffe der Sternenflotte. (Der nach Jeremiahs Meinung eher den eleganten
Linien einer Sovereign zustand.) Aber ähnlich wie die Defiantklasse waren
Steamrunner kleine wendige Eskortschiffe, die sich selbst mit den besten
anderer Völker, wie dem klingonischen Bird of Prey oder der
cardassianischen Hidekiklasse, messen konnte.
Jerry verabschiedete sich von seiner Freundin mit einen Kuss, bevor er mit
dem Admiral auf die Brücke der Omaha beamte. Der Lieutnant sah sich um.
Die Brücke wies sowohl Ähnlichkeiten mit der Brücke der Community auf,
als auch mit der Brücke der Defiant. Vor den großen Hauptbildschirm befand
sich die breite Konsole für Conn und Ops, dann kam der allein stehende
Captains Chair und dahinter eine taktische Station. An den seitlichen
Wänden befanden sich noch einige Hilfskonsolen für Wissenschaft und
Technik und an der Rückwand ein großes Schiffsdiagramm. Neben die
Diagramm befanden sich jeweils an beiden Seiten ein Schott, das den
Zugang zu den Turboliften freigab.
"Meine Damen und Herren, das ist Lieutnant j.G. Jeremiah Esteban. Er wird
für die folgende Trainingssimulation ihr Captain sein.", stellte der Admiral
den doch ein klein wenig unsicher in die Runde schauende Jerry vor.
Der Pilot des Alphaflyer konnte nicht gut navigieren, dem Admiral wurde auf
einmal sehr schlecht. Er holte schnell eine Tüte aus seiner Uniformtasche
und hielt sie sich vors Gesicht. "Ensign, wo haben Sie denn Fliegen
gelernt?" erkundigte sich Lucas und schaute den Piloten böse an. "Äh bei
bei...." stammelte der Ensign und lief knallrot an. Der Admiral hatte
mittlerweile seinen Mageninhalt in die Kotztüte umgelagert und es ging ihm
schlagartig wieder besser. Endlich hatte es der Flyer geschafft und kam bei
der Schiffswerft an. "So Lt. Bishop, dort drüben ist die Pacific, viel Glück und
dass Sie mir ja gewinnen..." erklärte der Admiral dem Sicherheitschef und
klopfte ihm zum Abschied auf die Schulter. "Äh, Admiral Akagi kommen Sie
nicht mit, um mich vorzustellen?" wollte Lucas vorsichtshalber wissen.
"Nein, Kadett 1 Class Sharon Cook weiß Bescheid, die Crew ebenfalls wenn ich mich wieder melde geht es los!" beantworte Akagi die Frage des
Australiers und setzte sich neben den Piloten. "Lt. Bishop an Pacific Beamen sie mich rüber" sprach Bishop in seinen Kommunikator und
entmaterialisierte.
"Vorne an der OPS haben wir Jenax Queel. Daneben ihren Piloten Tarrance
McDuff. Beide schließen in ein paar Wochen die Akademie ab", stellte
Admiral Schreiber, die Brückenoffiziere vor. "Ihr taktischer Offizier und
Stellvertreter ist Moreg." Der Klingone nickte nur unverbindlich. Als letztes
stellte der Admiral noch den Chefingenieur vor, einen brummigen Chief
namens Douglas Mendoza. "Nun muss ich aber los. Viel Erfolg. Und ich
hoffe, Sie haben nichts verlernt.", verabschiedete sich der Admiral und ließ
sich auf die San Fransico beamen. Jeremiah setzte sich in den Captains
Chair und spürte wie langsam das Lampenfieber in ihm hochstieg. Um sich
abzulenken, besah er sich sein Statusdisplay. Das informierte ihn darüber,
dass ihr Gegner die USS Pacific sein wurde. Mit mehr Zuversicht, als er
innerlich fühlte, gab er seine ersten Befehle: "Also Leute, auf geht's. Ms.
Queel, holen sie bei der Dockleitung eine Starterlaubnis ein." Die Betazoidin
nickte und bearbeite ihre Konsole. „Mr. Moreg, schalten sie die Waffen auf
Simulationsmodus." "Aye Sir. Torpedodummies werden geladen. Phaser auf
1/100 Standardlevel. Der Bordcomputer berechnet den erlittenen Schaden."
Inzwischen war die Omaha zum Start freigegeben und das Schiff verließ
vorsichtig das Dock und setzte Kurs auf den Asteroidengürtel, der sich
zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter befand. Hier sollten sie
auf ihren Gegner warten.
Lt. Bishop materialisierte genau auf der Brücke der USS Pacific und vor ihm
stand Sharon Cook. Sie hatte lange rote Haare und grüne Augen,
ansonsten schien sie irischer Abstammung zu sein. "Lt. Bishop, ich begrüße
Sie auf der Pacific, mein Name ist Sharon Cook und ich bin bei dieser
Mission ihr erster Offizier" stellte sich die junge Frau vor. Lt. Bishop nickte
freundlich und inspizierte die Brücke. Vor dem großen Hauptbildschirm
befand sie die breite Konsole für CONN und OPS, dann war da der allein
stehende Captains Chair und dahinter eine taktische Station. An den
seitlichen Wänden befanden sich noch einige Hilfskonsolen fur
Wissenschaft und Technik und an der Rückwand ein großes
Schiffsdiagramm. Neben dem Diagramm befanden sich jeweils an beiden
Seiten ein Schott das einen Zugang zu den Turboliften freigab. "Dann sitzen
an der CONN Giovanni Tripoli und an der OPS Micheal Rosenwall Taktischer Offizier ist Vrool und Chefingenieur ist Petty Oficer Second Class
Tschakar" stellte Miss Cook die restliche Führungscrew vor. Lt. Bishop
nahm im Stuhl des Captains Platz und meinte dann: "Mr. Tripoli
Starterlaubnis einholen und umgehend starten - Ziel der Asteroidengürtel 48." Der Italiener befolgte den Befehl und die Pacific setzte sich in
Bewegung. "Mr. Vrool alle Waffen auf Simulationsmodus" befahl Bishop als
nächstes und der Andorianer gehorchte ebenfalls problemlos und stellte die
Waffen um.
Die Omaha war schon angekommen und da von der Pacific weit und breit
nichts zu sehen war, beschloss Jeremiah seinen Gegner eine kleine
Überraschung zu bereiten. Alle Systeme bis auf die passiven Sensoren und
die Lebenserhaltung wurden heruntergefahren, nachdem man das Schiff
hinter einen Asteroiden 'geparkt' hatte. Dagegen erhob Moral Einspruch:
"Sir, eine solche Vorgehensweise ist nicht ehrenvoll. Wir liegen nicht wie
romulansiche P'tak auf der Lauer und warten auf Beute." "Was ist dann mit
der klingonischen Tarnvorrichtung?", konterte Jerry. Auch Chief Mendoza
hatte Einwände. "Sir, ich muss sie darin erinnern, das wir fast eine Minute
brauchen um alle System betriebsbereit zu haben. Während der Zeit sind
wir verwundbar." "Ich baue auf unseren Überraschungseffekt, Chief. Sorgen
sie nur dafür, das alles schnell geht", ignorierte Jeremiah diesen
wohlgemeinten Rat.
"Mr Rosenwall, die Sensoren auf breite Streuung und scannen Sie die
Asteroiden. Die Omaha ist früher abgeflogen als wir, wenn sie schlau sind,
verstecken sie sich. Mr Vrool machen sie mal 2 Torpedos scharf" befahl Lt.
Bishop in neutralem Ton und lehnte sich zurück. "Äh Mr. Bishop, wie können
wir dem Überraschungsmoment entkommen" fragte Sharon Cook ganz
erstaunt. "Och mit einem kleinen Trick geht alles..." meinte Lucas und
grinste.
"Sir, da scannt jemand die Asteroiden.", bemerkte Jenax nach einer endlos
scheinenden Viertelstunde. "Die Pacific.", fragte Jerry. "Kann ich nicht
genau sagen. Aber wir sind abseits jeder Hauptdurchflugsroute. Es ist daher
anzunehmen. Aber genaueres könnte ich nur durch einen aktiven Scan
herausfinden." Man merkte der jungen Frau die Anspannung an. "Aber das
würde unsere Position verraten", bemerkte der Chefingenieur der Omaha.
Jerry überlegte kurz und entschied dann: "Moreg. Schleusen sie eine Sonde
vom Typ II aus. McDuff, Manövertriebwerke achtern. Minimalen Schub. Wir
schleichen uns etwas tiefer rein. Nach 1000 Kilometer werfen wir eine
zweite Sonde ab, über die wir die erste steuern. Das sollte uns genügend
Zeit geben, um unsere System hochzufahren, sollte es wirklich die Pacific
sein."
"Lt. Bishop ich konnte eine schwache Warp-Signatur entdecken" meldete
Rosenwall und freute sich. "Da wir abseits einer normalen Flugroute sind,
muss es die Omaha sein" fasste Sharon Cook zusammen. "OK gut Mr.
Vrool, dann aktivieren sie bei den beiden Torpedos den Simulationsmodus
und zielen sie auf den Asteroid in der Nähe der Warpsignatur." befahl Lt.
Bishop und grinste. "Aber Sir, das ist unfair" widersprach der Andorianer
vorsichtig. Diese Kadetten mussten einfach immer widersprechen. Aber er
war schließlich auch mal jung und ein Grünschnabel. "Wissen sie Vrool verstecken ist auch unfair und jetzt tun Sie es bitte" meinte Lucas und zeigte
mit seinem Finger auf einen Asteroid.
Der Asteroid explodierte und zerstörte die Sonde. "Verdammt, das war
knapp", bemerkte McDuff erschrocken. "McDuff, das ist noch gar nichts. Es
ist knapp, wenn ein Torpedo haarscharf über das Schiff fliegt und explodiert.
Mendoza, Systeme hochfahren, Moreg, machen Sie eine Salve
Quantentorpdos klar. Queel, ich brauche den Taktikscreen." Jeremiah ließ
seine Brückencrew wirbeln. Nach einer guten Minute wurde das Bild auf den
Hauptschirm durch eine strategische Karte ersetzt. Die Pacific war rot
markiert.
Der Lieutnant entschied sich für etwas Einfaches: "McDuff, Angriffsmuster
Alpha fünf." Sofort erwachten die Impulsantrieb zum Leben und
beschleunigten das Schiff auf knapp einen Viertel Lichtgeschwindigkeit. Die
Omaha hatte kaum direkten Sichtkontakt zu ihrem Gegner, da ließ Jerry die
vier Torpedos abfeuern und abdrehen.
"Gut, wir haben das Huhn aufgescheucht – Tripoli, sofort Ausweichmanöver
Beta 3 und Vrool, sofort umschalten und die Waffen online bringen" rasten
die Befehle nur so aus Bishops Mund. Jeder auf der Brücke befolgte die
Befehle exakt und tat sein Bestes. "Achtung, ein Torpedo kommt auf uns zu
- Vorbereiten auf Einschlag" meldete Rosenwall. "Nein, aufpassen" meinte
Lt. Bishop und sprang zu Tripoli an die CONN. "OK, kennen sie die
Eskimorolle beim Kajak fahren?" fragte Lucas den erstaunten Piloten. "JA,
die kenne ich, aber das nennt man Barrel. Soll ich einen Barrel fliegen?" "Ist
doch egal wie das heißt, Mr. Tripoli und jetzt auf mein Kommando 3...2...1...JETZT" rief der Australier und die Pacific machte eine Rolle. Das
Schiff ächzte unter der Belastung, aber entkam dem Torpedo.
Alex und U_E in „Zu den Waffen – Teil 1“
Geschrieben von: Solak am Jul 30 2005, 13:46
"Haben Sie schon Fortschritte mit dem Aufspüren der Mitglieder aus
S’Talons Crew gemacht, die den Anschlag auf ihren Kommandaten überlebt
haben?"
"Ja und Nein - drei von ihnen haben wir finden können. Sie sagen alle drei
weiterhin aus, dass Latta das Schiff ihres Mannes zerstört hat. Wort für Wort
die Aussagen, die sie auch vor den Untersuchungsausschüssen getätigt
haben. Einer von ihnen wird übrigens so schnell mit niemandem mehr
sprechen.... Die anderen haben Familie und werden nicht wagen, unser
kleines 'Gespräch' an Latta zu melden, wenn Sie wissen, was ich meine. Die
restlichen zwei sind verschwunden. Wir konnten sie nicht finden, aber wir
suchen weiter."
"Ich heiße es nicht gut, dass Sie die Familien dieser Männer in die Sache
reinziehen!"
Solem zuckte mit den Schultern und ging auf diesen Einwand nicht weiter
ein.
Der Andere seufzte. "Ich erwarte in dieser Angelegenheit so langsam
Ergebnisse von Ihnen. Haben Sie wenigstens Informationen aus diesem
Solak herausholen können?"
"Nun ja...."
"Ja?!"
"Wissen Sie, dieser Vulkanier ist zäh. Kontrolle der Körperfunktionen,
Ertragen von Schmerzen... Diese Blutverräter wissen, wie man mit Folter
umgeht! Er scheint alles ertragen zu können. Glauben Sie mir, ich habe
alles versucht, was keine allzu großen Spuren hinterlässt. Holzspäne unter
die Fingernägel, chinesische Wasserfolter, Stromstöße... Das einzige, was
bisher wenigstens eine emotionale Reaktion hervorrufen konnte war das
Beinahe-Ertrinken." Solem lächelte beinahe glückselig bei der Erinnerung.
"Wer hätte gedacht, dass Vulkanier so wasserscheu sind..."
"Es freut mich zu sehen, dass Ihnen Ihre Arbeit so viel Freude bereitet." Die
Stimme des Anderen wurde eisig und ungeduldig. "Ihr Herr Grunnar
allerdings hätte mir mittlerweile alle Puzzlestücke geliefert, die ich für meine
Rache an Latta brauche."
"Was für ein Kunststück, wenn man Mentalsonden zur Verfügung hat!
Solange Sie mir keine Spezialisten aus dem Tal'Shiar besorgen können bin
ich eben auf die altmodischen Methoden angewiesen!"
"Seit Grunnars Verhaftung sind unsere noch verbliebenen Verbündeten im
Tal'Shiar auffällig still geworden... Ich fürchte, dass wir von dieser Seite
momentan keine Unterstützung erwarten können. Umso wichtiger ist es,
dass wir Ergebnisse vorweisen! Die, die sich aus freien Stücken unserer
Bewegung angeschlossen haben, werden unruhig. Sie fürchten um ihren
eigenen Hals. Selbst Erpressungen wirken nicht mehr. All meine wahren
Getreuen sitzen im Gefängnis oder haben ihr Leben für mich gelassen. Ich
habe momentan nur die 'Anhänger' zur Verfügung, die ich für ihre Dienste
bezahle." Das Gesicht des Anderen verzog sich in Abscheu. "Gesindel.
Ausgestossene. Söldner. Gedungene Mörder. Auf diese Weise werde ich
meinen Anspruch niemals legitimisieren können!"
Ein sinistres Lächeln schlich sich auf die spinnenhaften Züge Solems. "Ich
hätte da noch eine Idee, wie wir unseren vulkanischen Freund zum
Sprechen bringen könnten..."
"Machen Sie es nicht so spannend! Erzählen Sie!"
"Wir müssen nur die Familie dieses Solak in die Finger bekommen. Was
meinen Sie, wie schnell der alles über seine Tante, ihre Verbindungen zur
Föderation und noch viel mehr auspacken wird, sobald ich seinen Sohn...."
"EIN KIND?! SIE WOLLEN EIN KIND FOLTERN?!" Echtes Entsetzen trat in
die Augen des Anderen. "Nein, das kann ich nicht zulassen. Wenn wir
anfangen, Kinder zu foltern, dann sind wir nicht besser als Klingonen! Kinder
sind heilig!"
Solem zuckte mit den Schultern. "Es ist Ihre Entscheidung. Ich bin nur ein
unwürdiger Diener und ein unwissnder Sklave. Alles, was ich für Sie und
meinen Herren tun kann, das bin ich bereit zu tun - selbst wenn es gegen
die Moral verstösst. Es liegt alleine in Ihrer Hand, ob das Reich weiterhin in
Untätigkeit und Völlerei versinkt. Ob wir weiterhin das Schoßtier der
Föderation bleiben. Ob wir weiterhin Milde gegenüber der Klingonen und
Cardassianer walten lassen. Ich habe wirklich geglaubt, dass, wenn Sie
erstmal Cäsar sind und mein Herr Ihr Oberster Prätor...."
Bei dem Wort 'Cäsar' ging eine Veränderung in der Haltung des Anderen
vor. Seine Entschlossenheit schien sich zu wenden. Mit einer
Handbewegung schnitt er Solem das Wort ab. "Genug der Schmeicheleien!
Nur damit Sie es wissen: Ich habe von nichts, was Sie tun, Kenntnis! Nichts
davon darf jemals an die Ohren des Volkes gelangen! Haben Sie
verstanden?!"
Der Andere erhob sich und warf seine Amtstunika mit einer energischen
Geste über seine Schulter. "Und erhöhen Sie das Kopfgeld auf den Mann
und das Kind des Solak."
Solem sah seinem neuen Gebieter nach. Er rieb sich die Hände, pure Gier
stand troff aus jedem Winkel seiner Miene. Schnell wunk er einen unter ihm
stehenden Sklaven zu sich und gab Anweisungen. Bald schon würde dieses
Kind ihm gehören! Die Vorfreude begann den Romulaner unruhig zu
machen. Ob er Solak von seinen Plänen erzählen sollte? Ihn mit der Angst
quälen? Aber nein... Er musste noch Geduld üben.
Vielleicht sollte er in den Club gehen und sich ein wenig entspannen...
Geschrieben von: Vinara Shral am Jul 30 2005, 18:22
Dem Abstecher nach Pollux IV stand nichts im Wege, und das nicht nur weil
Captain Barnhelm Vinara jeden Wunsch erfüllt hätte. Die Andorianerin
beamte mit Lieutenant Madrik und Lieutenant Gabler auf die Oberfläche, wo
der Wissenschaftsoffizier beinahe einen Weinkrampf bekam.
"Friedhelm, was ist denn los mit dir? Hier gibt es doch Sand soweit das
Auge reicht!", erkundigte sich der Sicherheitsoffizier besorgt.
"Ja, aber ich habe keinen Platz mehr an Bord um meine Sammlung
aufstocken zu können!"
Sie befanden sich an der zweiten Hauptausgrabungsstätte, welche etwa
2000 Kilometer von dem Ort entfernt lag an dem Captain Kirk seinerzeit mit
Apollon aneinandergeraten war. Eine Gruppe von vier Zivilisten und zwei
Sternenflottenoffizieren in gelben Uniformen näherte sich ihnen.
"Willkommen auf Pollux IV, meine Herrschaften", begrüßte sie die Frau an
der Spitze, "ich bin Dr. Agneta Ranjal, die derzeitige Leiterin der
archäologischen Ausgrabungen. Das sind mein Chefgeologe Dr. Wilkon
Benzar, Historikerin Dr. T'Pan, Bergbauingenieurin Marina Gametti und
Fähnrich Povin sowie Crewman Hoover von der Sicherheit."
Vinara bedankte sich und stellte im Gegenzug sich und ihre beiden Begleiter
vor. "Dann werden die Ausgrabungen nicht mehr von der Sternenflotte
geleitet?"
"Nein, die stellt nur etwa die Hälfte der Sicherheit sowie einen
Verwaltungsoffizier. Noch vor einigen Jahren, speziell während des
Dominion-Kriegs sah das anders aus, einige glaubten hier irgendwelche
Waffen gegen den Feind, auch gegen die Borg zu finden. Dabei ist der
spektakulärste Fund bisher ein noch voll erhaltener etwa 6000 Jahre alter
Roboter mit duotronischem Gehirn, primitiver als das was wir heute
herstellen können. Gefunden wurde er vor 20 Jahren."
"Dann gibt es sonst nichts von größerer Bedeutung?", wollte Gabler wissen.
Sie waren inzwischen zu einem Barackenkomplex geführt worden und im
Büro Dr. Ranjals angelangt, wo die Erdenfrau indischer Abstammung nur mit
ihren Gästen und der vulkanischen Historikerin hineinging - für mehr wäre
kein Platz gewesen.
"Ich fürchte nein, Lieutenant", antwortete die Leiterin auf die vorhergehende
Frage, "es scheint nun mittlerweile sicher dass dieser Planet nicht die
ursprüngliche Heimat jener Wesen ist die unter anderem die irdische
Mythologie beeinflusst haben. Vielmehr sollten wir Pollux IV als eine Art
Brückenkopf betrachten, wenn es hier größere Einrichtungen gab wurden
sie alle vor Jahrtausenden demontiert oder sind so gut versteckt dass wir sie
bisher noch nicht gefunden haben. Lediglich der Generator der das
handförmige Energiefeld generierte, das die Enterprise damals im Orbit
festhielt konnte schwer beschädigt geborgen werden und das ist nun schon
über hundert Jahre her. Von dem Tempel selbst und damit der
Energiequelle ist gar nichts mehr übrig. Viele Forscher sind der Ansicht dass
die Polluxaner schon bei ihrer ersten Ankunft auf der Erde und anderen
Planeten in der Umgebung körperlose Energiewesen aus einer anderen
Dimension waren, die sich künstliche Körper erschaffen mussten um hier
agieren zu können."
"Und wie haben sie diese Körper erschaffen?", fragte nun Vinara.
"Entweder indem sie Besitz von primitiveren Humanoiden nahmen und so
die Grundlagen erschufen oder durch direkte Materietransformation, wobei
mir die erste These glaubwürdiger erscheint."
"Es gibt aber Beweise dafür dass eine Materietransformation durchaus
möglich ist, wenn auch am ehesten unter Bedingungen wie bei einer
Supernova."
Dr. Ranjal sah die Andorianerin erstaunt an. "Sie haben Beweise?"
"Ich werde Ihnen die entsprechenden Daten noch aushändigen, vorerst
würde mich interessieren ob Sie etwas gefunden haben das darauf
hindeuten könnte, dass auch die Polluxaner Leben aus lebloser Materie zu
erschaffen vermochten?"
"Noch nichts Konkretes, aber vielleicht konnten sie es. Einfacher wäre es für
sie aber gewesen bestehende Organismen durch Gentechnik zu verfeinern,
wahrscheinlich auch mit einigen nanotechnologischen Zusätzen die es
ihnen erlaubten Energie von externen Quellen zu absorbieren und so das zu
vollbringen was uns aus den alten Aufzeichnungen bekannt ist. - Ich werde
Ihnen mal unsere neuesten Fundstücke zeigen, aber erwarten Sie nicht
zuviel."
Auf dem Weg zur eigentlichen Ausgrabungsstätte nahm Ranjal von einer
weiteren Frau in Zivil ein überaus plumpes und riesiges PADD entgegen,
überflog kurz den Text und setzte dann ihren Fingerabdruck darunter. "Eine
Art Ehrerbietung an Captain Kirk", erklärte die Inderin, "einige unserer zivilen
Sicherheitskräfte tragen auch Phaser im Stil des 23. Jahrhunderts, wenn
auch in ihrem inneren Aufbau wie das PADD hier etwas modernisiert." Sie
gab das Monstrum zurück und die andere Frau bedankte sich.
Die Fundstücke entpuppten sich als Fragmente von Steintafeln, in einer
Schrift beschrieben die an Altgriechisch erinnerte. Dann gab es auch noch
eine Schüssel und eine Vase, alles in allem nichts was auf eine technisch
überlegene Rasse hindeutete.
"Die Inschriften enthalten eine Art von Bauernregeln, nützlich für die
Landwirtschaft, aber wir wissen nicht ob sie von den Polluxanern selbst oder
von normalsterblichen Humanoiden aufgeschrieben wurden", erläuterte
T'Pan. "Wahrscheinlich für die Siedler gedacht die sich hier niederlassen
und Apoll als ihren Gott anbeten sollten."
Vinara überreichte der Ausgrabungsleiterin nun ein - modernes - PADD mit
den zusammangefassten Ergebnissen der diveresen Untersuchungen zur
Lebenserschaffung.
"Das sieht wirklich interessant aus, Commander, aber bislang lässt sich kein
konkreter Zusammenhang zu unseren Funden hier herstellen."
"Ich habe Gerüchte gehört dass es nach Kirks Begegnung noch zu einigen
weiteren Zusammenstößen mit Polluxanern gekommen sein soll", schaltete
sich nun Madrik, der Sicherheitsoffizier der Schweizer ein.
"Meistens sind das auch nur Gerüchte, obwohl im Fall der Excalibur
durchaus einiges Wahres dran sein dürfte, aber auf solche Informationen
haben Sie eher Zugriff als ich."
Sie waren bereits wieder auf dem Rückweg als ihnen plötzlich ein dicklicher
Bolianer in schwarzer Kutte entgegengerannt kam; um seinen Hals
baumelte ein riesiges silbernes Kreuz und er hielt ein Buch mit demselben
Symbol in der Hand. "Halleluja, lobet den Herrn, die falschen Götter sind
gefallen, drum lasst uns zum einzig wahren Gott beten, dem, der Fleisch
wurde und all unsere Sünden auf sich nahm."
Dr. Ranjal seufzte. "Aber doch nicht die aller Humanoiden im Universum,
Botal, das Christentum war eigentlich nur für die Menschen gedacht!"
"Oh, wer wird denn so engstirnig sein! Leider glaubt heute kaum noch ein
Erdenmensch an den gesalbten Erlöser, aber ich werde nicht zulassen dass
sein Wort untergeht. - Hier, Commander, ich habe zufällig eine
andorianische Überesetzung der Bibel dabei, lesen Sie sie und bei näherem
Interesse wissen Sie ja wo Sie mich finden können! - Und Sie, mein Herr,
auch auf Trillianisch habe ich eine Ausgabe bei mir herumliegen, ich werde
sie wenn Sie wollen gleich zu Ihnen an Bord beamen, sobald ich wieder
zuhause bin."
"Vielen Dank, aber ich bin mit meinem Seelenleben zufrieden so wie es ist."
Vinara hielt derweil ihr Exemplar der Bibel, das der Priester (oder Mönch?)
unter seiner Kutte hervorgezogen hatte regungslos in der Hand. Der
Bolianer verabschiedete sich mit einem weiteren "Lobet den Herrn!" und war
bald darauf schon wieder verschwunden.
Ranjal wirkte peinlich berührt. "Das ist zum Teil auch meine Schuld, ich
hätte Sie vorwarnen müssen, irgendwie kriegt Referend Botal es immer mit
wenn Besucher auf Pollux IV sind und dann ist er in seinem
Missionierungseifer nicht zu bremsen... Sogar zwei romulanischen Gästen
hat er vor drei Wochen eine Bibel in ihrer Sprache aufgedrängt."
"Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, es scheint mir dass eine gewisse
Spiritualität zuweilen brauchbar sein kann wenn die Wissenschaft einmal
nicht weiter weiß", entgegnete Vinara und bedankte sich für die
Gastfreundschaft; doch gingen sie und ihre Begleiter erst nachdem sie noch
einen ausführlicheren Rundgang durch die Ausgrabungsstätte und den
meist aus einfachen Baracken bestehenden Forschungskomplex gemacht
hatten.
Geschrieben von: Lucas Bishop am Jul 31 2005, 14:34
"Verdammt." entfuhr es Jeremiah. Auch die anderen wirkten enttäuscht,
dass der Angriff keine Wirkung gezeigt hatte. "Es hat keiner gesagt, dass
unsere Gegner in der Profiliga spielen.", beschwerte sich McDuff. "Tun sie
auch nicht.", erklärte sein Vorgesetzter. "Laut Admiral Schreiber besteht die
Crew ebenfalls aus Kadetten und Unteroffizieren wie bei uns. Knackpunkt
durfte der Skipper der Pacific sein. Mich wurde es nicht wundern, wenn der
drei Rangpins hat." "Das wäre ja unfair ihnen gegenüber, Sir.", bemerkte
Jenax. "Das mag sein, Ms. Queel.", bestätigte Jeremiah. Er lächelte
diabolisch. "Das heißt aber auch, dass ich ab sofort in die Kiste mit den
etwas schmutzigen Tricks greife."
"Das Verstecken war noch kein fieser Trick, Sir." "Nein, Chief. Einen
Hinterhalt legen ist eine Standardtaktik. Und von diesen rucken wir jetzt ab."
Jeremiah wünschte sich Gregory Livingston herbei. Er war mit ihm lange
Zeit an der Akademie eng befreundet gewesen und zusammen hatten sie
einige gefahrvolle Trainingsmissionen auf dem Holodeck erfolgreich
abgeschlossen, So eine Situation war genau sein Ding. Aber leider war das
nicht möglich. abgesehen davon hatten sich die Wege der beiden jungen
Männer nach einem heftigen Streit getrennt. "McDuff, fliegen sie uns tiefer in
das Asteroidenfeld. Viertel Impuls." Wahrend de Pilot den Befehl ausführte,
sahen die anderen Crewmitglider den Skipper der Omaha fragend an. "Das
sollte uns etwas Zeit zum Nachdenken geben."
"Sir, die Omaha fliegt tiefer in den Asteroidengürtel" meldete Michael
Rosenwall von der OPS und schaute aufgeregt nach hinten. "Dann sollten
wir ihnen folgen..." schlug Sharon Cook euphorisch vor und handelte gegen
jede Vorschrift. Der Italiener an der CONN wollte schon einen Kurs setzen,
um die USS Pacific in den Gürtel zu steuern, als sich Lt. Bishop erhob. "Sie
werden keinen Kurs setzen, wir bleiben hier und das nächste Mal treffen sie
keine Entscheidung ohne mich zu fragen - Verstanden?" motzte der
amtierende Captain seine Kadetten-Brückencrew an. Sharon Cook tat dann
aber etwas Ehrenvolles. "Lt. Bishop ich habe mich ihnen widersetzt,
bestrafen sie nicht die anderen dafür." meinte die junge Frau und schaute
ihrem Vorgesetzten in die Augen. "Gut!" entgegnete Lucas und nahm wieder
platz. "Wen wir ihnen folgen würden, hätten wir keinen Platz zum
manövrieren und könnten keine effektiven Angriffsmanöver fliegen" mischte
sich der Andorianer Vrool ein und erntete ein Klatschen von Lt. Bishop. "Ja,
Mr Vrool das war absolut richtig. Was schlagen sie vor?" Der Andorianer
überlegte und meinte dann: "Hier warten und schauen wo sie wieder
rausfliegen?"
"Sir, die Pacific folgt uns nicht.", meldete Jenax ruhig. "Das ist doch gut so.",
bemerkte Jeremiah. "Dann können wir uns in Ruhe, was wir als nächstes
machen. McDuff fliegen sie uns hinter einen Asteroiden, damit uns die
Pacific nicht orten kann und dann stoppen sie."
"Die Omaha ist von den Scannern verschwunden, Sir" meldete Rosenwall
von der OPS. "Da haben sie ihre Antwort, Mr Vrool - U-Boot Taktik nennt
man dass..." meinte Lt. Bishop und grinste.
Die Omaha hatte gestoppt und Jerry improvisierte eine Konferenz. Jerry
machte eine Pause: "Wo müssen wir die Pacific treffen um deren
Kampffähigkeit einzuschränken, egal wie gut der gegnerische Kommandant
ist." "Bei den Waffen.", schlug Moreg vor. "Eine alte klingonische Weisheit
besagt: "Ein Krieger ist ohne sein Batleth kein Krieger." "Das mag sein. Aber
wie bei jedem kleineren Schiff lassen sich gerade die Waffensysteme
schwer ausschalten. Glauben sie mir, die Taktik hat schon bei dem Jem'
Hadar nicht geklappt.", erwiderte Chief Mendoza. "Außerdem wird man uns
nicht so nahe rankommen lassen.", fugte der Kommandant der Omaha
hinzu. "Was ist mit dem Antrieb. Wenn der außer Funktion ist konnten wir
die Pacific aus ihren so genannten toten Winkel heraus angreifen.",
bemerkte Tarrance McDuff. "Das haben wir doch gerade versucht. Hat nicht
geklappt.", erinnerte Jeremiah den jungen Kadetten. Jenax Queel dachte
laut nach: "Die Schilde müssen wir so oder so ausschalten. Wie wäre es mit
den Sensoren." "Kadett, gerade sie sollten wissen, dass die Sensoren gut in
der Hülle versteckt liegen. Und die werden uns wohl kaum nahe genug
rankommen lassen, dass wir darauf schießen können.", bemerkte Douglas
und dachte dabei: "Wehret den Anfängern."
"Und wenn wir die Sensoren überlasten.", fugte die junge Betazoidin hinzu.
Jeremiah stand auf und stellte sich hinter sie. "Was schlagen sie vor." Die
Einsatzoffizierin tippte ein paar Befehle. "Wenn ich das richtige verstehe
sind die Sensoren bei einer starken Energienetladung kurzzeitig gestört." Ihr
Vorgesetzter besah sich die Werte. "Dazu mussten wir aber mindestens
sechs Torpedos gleichzeitig detonieren lassen." Ein Blick auf seinen
Stellvertreter verriet ihm, dass das leider nicht möglich war. "Und wenn wir
was anderes zünden...“ versuchte sich der Pilot in die Diskussion
einzubringen. Jenax sah ihren Vorgesetzten an und gemeinsam riefen sie:
"Warpplasma!"
Jerry grinste: „Natürlich. wenn wir Plasma über die Gondeln ablassen und
es dann mit Phaserbeschuss entzünden, sollte es einen mächtigen
Energieblitz geben, der die Sensoren der Pacific kurzzeitig aus Gefecht
setzt."
Der Chefingenieur der Omaha konnte gar nicht glauben, was er da hörte.
"Sind sie von allen guten Geistern verlassen. Wenn die auf Pacific
mitkriegen, was wir vorhaben, sind wir erledigt." "Halten sie einmal ihre
verdammte Klappe.", erwiderte Jeremiah wütend. "Die Kadetten hier geben
ihr Bestes, wollen endlich beweisen, dass sie auch das anwenden können,
was sie gelernt haben. Und was machen sie, Chief. Sie kritisieren sie nur.
Ich habe von ihnen bisher noch keinen einzigen brauchbaren Vorschlag
gehört. Also behalten sie in Zukunft ihre kritischen Äußerungen für sich. Und
das ist ein Befehl."
Während sich der Chief eingeschnappt zu seiner Konsole drehte, klopfte
Jerry seiner Einsatzoffizierin auf die Schulter. "Das Risiko ist akzeptabel.
Treffen sie die Vorbereitungen für die Ausführung ihres Plans."
"Die planen was Großes, der Kommandant ist bestimmt ein erfahrender
Commander..." murmelte Lt. Bishop laut vor sich hin." Dann sollten wir auch
was planen, Sir" schlug Miss Cook vor und schaute zu Vrool. "Sir, wie wäre
es mit dem Mutter-Theresa-Manöver?"
"Mit dem was?" fragte Lt. Bishop ganz erstaunt und drehte sich zu dem
taktischen Offiziers-Kadetten um. "Na sie wissen doch, man tut so als wäre
man verwundet und wenn der Gegner hilft, dann überwältige ihn..." klärte
Vrool seinen Vorgesetzten auf und wirkte sehr stolz. "Ja das kenne ich aber
die korrekte Bezeichnung des Manöver ist Help-and-Strike." konterte Lt.
Bishop und grinste den Fühlermann an.
"Ich bin mit meinen Berechnungen fertig.", meldete nach einer Weile die
Einsatzoffizierin. Jeremiah besah sich diese über sein Statusdisplay am
Sessel des Kommandanten. Er überlegte kurz: "McDuff. Fliegen sie wieder
zurück. Sobald es möglich ist beschleunigen sie auf vollen Impuls. Jenax,
zusätzliche Energie auf die Bugschilde transferieren. Moreg, laden sie alle
Torpedorampen, ich weiß nicht, was für eine Schussposition wir haben,
wenn unser Plan hinhaut. Und denkt dran Leute wir haben nur einen
Versuch." Die drei Kadetten nickten bestätigend. Jerry wandte sich sein
Chief zu: "Mr. Mendoza bereiten sie die Abgabe von Plasma über die
Warpgondeln vor. Sichern sie so viele vitale Systeme wie möglich." Doch
der altere Mensch reagierte nicht. "Chief Mendoza, haben sie mich gehört."
Jerry wurde nun etwas lauter. "Ja, Sir.", erwiderte der Chefingenieur
förmlich. Man konnte ihn noch leise murmeln hören: "In einen richtigen
Gefecht wurden wir alle sterben."
"Also gut wir bereiten mal das Manöver Help-and-Strike vor. Miss Cook
sagen sie dem Chefingenieur er soll ein oberes Deck räumen und an einige
Hüllenplatten kleine Sprengsätze anbringen. Mr Rosenwall scannen sie
Weiter nach der Omaha und Sie Vrool bereiten Torpedos vor..." befahl Lt.
Bishop und stand nun begeistert auf. Sharon Cook nickte und verließ die
Brücke. Die beiden Herren folgten ihren Befehlen und erledigten ihre
Aufgaben. Nach 10 Minuten kam Miss Cook wieder zurück und berichtete:
"Der Chefingenieur tut es, wird aber eine Beschwerde im Logbuch
eintragen." "Zur Kenntnis genommen!" kommentierte der amtierende
Captain etwas genervt.
Auf dem Hauptbildschirm erschien die Silhouette der Pacific. "Flugschneise
frei Sir.", meldete McDuff. "Gehen sie auf vollen Impuls lassen sie unseren
Anflug wie ein Angriffsmanöver der Omegareihe aussehen." Der Pilot nickte
und das kleine Raumschiff schoss durch All direkt auf die Pacific zu.
"Sir, das ist die Omaha sie fliegen im Omega Angriffsmanöver" meldete der
OPSler und zitterte leicht. "Mr Tripoli sofort ein Ausweichmanöver der
Deltareihe ausführen und Vrool schießen sei ein Breitseite Torpedos ab,
danach die Zielscanner neu ausrichten und ein paar Phasersalven abgeben"
befahl Lt. Bishop und wirbelte nur so herum. Alle Beteiligten erfüllten erneut
ihre Aufgaben und die Pacific flog einen Delta-Ausweichkurs und schoss ein
Breitseite Torpedos auf die Omaha.
"Hach, manchmal sind Kollegen so berechenbar.", dachte Jeremiah
vergnügt. Alles lief genau nach Plan. "McDuff drehen sie nach Steuerbord
ab." Das Manöver konnte aber nicht verhindern das zwei Torpedos auf die
Backbordschilde knallten. "Schilde bei 76 Prozent.", meldete Jenax
gewissenhaft. Ihr Vorgesetzter nickte nur: "Moreg, feuern sie ein paar
Phasersalven ab. Sonst denken die noch wir meinen es nicht ernst.
Mendoza, Plasmaausstoss auf mein Zeichen."
Bange Sekunden des Wartens in denen Moregs Finger nur so über die
taktische Konsole tanzten. Der Abstand beider Schiffe betrug nur noch
wenige Kilometer." "Plasmaaustoss jetzt.", brüllte Jerry seinen
Chefingenieur an, als er den richtigen Moment für gekommen hielt. Aus der
Backbordgondel der strömte auf mehrere Millionen Grad Kelvin erhitztes
Warpplasma. Nach den längsten dreißig Sekunden seines Lebens ließ der
Kommandant des Schiffes den Strom versiege.
"Verdammt die lassen Plasma ab, die wollen unsere Sensoren überlasten."
brüllte Lt. Bishop und schlug mit der Faust auf seine Armlehne. "Sofort die
Sensoren ausschalten" ordnete Sharon an und Rosenwall gehorchte.
"Treffer auf der Hülle, leichter Phaserbeschuss - Schilde bei 95 %" meldete
Vrool von der taktischen Station und wartete ab. "OK die Sensoren sind aus,
dann öffnen sie mal die Abdeckung des Sichtschirmes, dass wir sehen
können, wenn sie das Plasma entzünden. Dann simulieren wir eine
Überladung." meinte Lt. Bishop und grinste hämisch.
"McDuff, Wendemanöver. Moreg entzünden sie das Plasma auf mein
Zeichen.", kommandierte Jerry. Doch eine kleine nagende Stimme mahnte,
dass das viel zu leicht ging. Doch der Lieutnant verbannte diese Stimme,
wahrend sich das Schiff in die Kurve legte. Als er es in der Richtigen
Position glaubte, befahl Jerry kurz und knapp: "Feuer."
Aus der oberen Steuerbordphaserbank entlud sich ein Phaserstrahl, der mit
seinem destruktiven Potenzial das Plasma entzündete. ;;;
Die Crew der Pacific konnte sehen wie sich das Plasma entzündete und
dann fing das Spektakel erst an. "Also gut dann geht’s los, Deckplatten
absprengen, das Schiff trudeln lassen und das Notsignal senden" erläuterte
Lucas seinen Plan und die Kadetten freuten sich. "Deckplatten gesprengt"
meldete Vrool und freute sich wie ein kleines Kind, dass eine Sandburg
gebaut hat. Der Pilot lies das Schiff ein bisschen trudeln und der Engländer
an der OPS sendete das Notsignal. "Sharon sie haben die Brücke, Mr Vrool
stellen sie ein Enterkommando zusammen und kommen sie damit in den
Transporterraum" befahl Lt. Bishop und marschierte von der Brücke.
Etwas überrascht und irritiert beobachte die Brückenmannschaft wie einige
Deckenplatten wegflogen und das Schiff zu trudeln. "Sie senden ein
Notsignal.", meldete die Einsatzoffizierin nach einem Piepsen, das von ihrer
Konsole stammte. "Wir müssen ihnen helfen.", ereiferte sich Tarrance. "Ich
fliege uns in Transportreichweite."
Doch sein Vorgesetzter hob die Hand: "Warten sie einen Moment. Jenax
können die Schaden von unserer Plasmaentladung stammen?" "ich weiß es
nicht, Sir.", erwiderte die Betazoidin. Sie tippte auf ihrer Konsole herum.
"Nach meinen Berechnungen durften nur die sehr fein arbeitenden Scanner
ausgefallen sein."
Das ganze wurde immer mysteriöser. "Mendoza konnte ein von den
Scannern ausgehender Energieimpuls für die Schäden verantwortlich sein."
Auch der Chief tippte auf seiner Konsole herum. "Maximal für das Trudeln.
Aber nur wenn der Impuls den Hauptrechner erreicht und beschädigt hat."
"Und die Hüllenplatten?", hakte Jerry nach. Doch der Ingenieur zuckte mit
den Schultern. "keine Ahnung. Vielleicht hatten die zuviel Energie auf dem
Strukturellen Integritätsfeld. "Ich mochte die Diskussion nicht stören, aber
die Pacific sendet weiterhin Notrufe.", bemerkte Jenax Queel. "Okay. McDuff
gehen sie auf Transporterreichweite." entschied der Skipper der Omaha.
"Moreg zielen sie mit ein paar Torpedos auf den Antrieb nur zur Sicherheit.
Jenax rufen sie die Pacific."
"Sharon die Omaha ruft uns" meldete Rosenwall von der OPS. "OK dann
spielen wir mal ein bisschen die Besiegten..." entgegnete die junge
rothaarige Frau, öffnete ihren Pferdeschwanz und zerzauste ihr Haar. "Soll
ich die Übertragung verzerren?" fragte der Engländer und schaute die
Kadettin First Class an. "Na logisch und jetzt schaut alle frustriert aus"
befahl Sharon und hockte sich vor den Captains Chair. In der Zwischenzeit
betrat Vrool mit 4 Sicherheits-Kadetten den Transporterraum in dem Lt.
Bishop bereits auf sie wartete. "Also wir werden direkt auf die Brücke
gebeamt - Phaser auf Betäubung, aber der Captain gehört mir!" wies Lucas
sein Enterkommando an und betrat mit seinem Phaser bewaffnet die
Plattform des Transporters.
Auf den Bildschirm erschien das flackernde und durch Rauschen
gezeichnete Bild der Brücke der Pacific. Vor den Kommandantensessel
hockte eine junge Frau mit roten, langen, zersausten Haaren. Jeremiah
brauchte eine Weile um ihr Rangabzeichen als das eines Kadetts First Class
zu identifizieren. Das verwunderte ihn etwas. Admiral Schreiber hatten
eindeutig von einem Offizierskollegen gesprochen, gegen den er antreten
sollte. Auch konnte er nicht glauben, dass die junge Frau ihm und der Crew
der Omaha recht gut Paroli geboten hatte. "Hier ist die Omaha. Was ist
passiert? Können wir ihnen helfen?"
"Ich bin Kadett First Class Sharon Cook, wir haben wohl verloren. Wir haben
technische Probleme, es gab Überlastungen und dann haben wir kleine
Explosionen registriert. Der amtierende Captain ist kopfüber auf dem Boden
gelandet und wird auf der Krankenstation behandelt. Er hat mir das
Kommando übergeben." versuchte Sharon glaubhaft die Situation zu
erklären.
"Was benötigen sie für Hilfe, Ms. Cook." Jeremiah irritierte es etwas, dass
es ausgerechnet den Skipper getroffen hatte, einer Person die sonst aus
jeden Gefecht mehr oder weiniger unbeschadet herauskam, aber restliche
Crew mehr oder weniger unversehrt war. So langsam machte sich das
nagende Gefühl breit, dass hier etwas falsch lief. aber der Lieutnant konnte
nicht herausfinden, was es war.
"Könnten sie uns vielleicht Ersatzteile rüberbeamen, dass wir unsere
Schäden reparieren können? Wir haben keine Replikatoren für große Teile
an Bord und ein Teil der Ausrüstung wurde durch den Sog des Vakuums
beschädigt" entgegnete Sharon schauspielerisch begabt. Nach dieser
Mission würde sie bestimmt an einer Theater-AG teilnehmen.
Jerry warf einen fragenden Blick zu seinen Chefingenieur, der nur mit den
Schultern zuckte: "Wir konnten sie auch zurück zur Werft schleppen. Dort
kriegen sie bestimmt alles, was sie brauchen."
"Bitte ersparen sie uns diese Peinlichkeit, wir haben schon verloren.
Demütigen sie uns bitte nicht auch noch. Wir wollen aus unseren Fehlern
lernen und die Schäden selbst reparieren" flehte Sharon die Sieger des
Manövers an.
Das konnte Jeremiah dann doch verstehen. Etwas zu lernen war ja der
eigentliche Sinn der ganzen Aktion. Und ein bisschen Schuldbewusstsein
war auch dabei. "Okay, schicken sie uns eine Liste, mit den Teilen, die sie
brauchen."
"Vielen Dank" bedankte sich Sharon und Rosenwall beendete die
Verbindung. Dann wurde die Ersatzteilliste übertragen.
Jeremiah besah sich die Liste kurz und befahl dann seinem Chefingenieur
das Equipment zusammenzustellen. Nachdem dieser in Richtung
Frachtraum verschwunden war, befahl Jeremiah seinen taktischen Offizier
die Waffen zu deaktivieren und die Schilde runter zu fahren.
"Die Schilde der Omaha sind unten" meldete der Transporterchief an seiner
Konsole. "Gut dann beamen sie uns direkt auf die Brücke der Omaha, mich
direkt hinter den Stuhl des Captains aber erst beamen sie Vrool und die 4
Sicherheitsleute rüber..." erklärte Lt. Bishop dem Transporterchief seinen
Plan. "Ich bin bereit, Sir" meldete Vrool und die 4 Sicherheitler nickten ihm
zu. "Energie" rief Bishop und die Fünf verschwanden und tauchten auf der
Brücke der Omaha auf. Dann wurde Lt. Bishop hinterher gebeamt.
Jeremiah schaute ganz verdattert, als fünf Personen auf der Brücke der
Omaha erschienen. Sie eröffneten das Feuer, bevor überhaupt der
Eindringlingsalarm aufheulen konnte. Tarrance McDuff wurde getroffen und
fiel betäubt zu Boden. Moreg ging hinter seiner Konsole in Deckung,
wahrend Jenax mit katzenhafter Beweglichkeit über ihre Konsole sprang.
Beide eröffneten das Kreuzfeuer auf das Enterkommando. Reflexartig griff
Jeremiah zu seinen Gürtel doch er musste feststellen, dass sich dort kein
Phaser befand. Mit einer Hechtrolle aus seinen Stuhl heraus, wollte er sich
die Waffe seines Piloten greifen und neben seiner Einsatzoffizierin Deckung
gehen. Doch er kam unsanft auf den Rucken auf.
Ein Sicherheitler des Enterkommandos wurde getroffen und sackte ebenfalls
zusammen. Die drei anderen Gelben schossen zurück, in der Zwischenzeit
sprang Vrool dem Klingonen hinterher und trat ihm den Phaser aus der
Hand. Plötzlich materialisierte noch eine weitere Person auf der Brücke. Und
dem Kommandanten verschlug es fast die Sprache als er diese Person
erkannte: "Lucas?"
"Jerry? Ergebe dich!" meinte Lt. Bishop und war genauso überrascht.
Docht aus dem Augenwinkel heraus beobachte Jeremiah wie Moreg seinen
Gegner ebenfalls die Waffe aus der Hand schlug. Nun hieß es Andorianer
gegen Klingone. "Sie sind ein feiger P'agh, Vrool. Ich habe mich schon
gefreut ihnen in ihre Antennen einen Knoten zu machen." knurrte der
Klingone. "Moreg hören sie auf.", brüllte Jerry. "Okay Lucas ich ergebe
mich, bevor hier noch wirklich Verletzte gibt."
"Ja das wollen wir mal sehen klingonischer Misthaufen..." keifte Vrool
zurück. Doch dann kam der Befehl von Esteban. "Gut Lt. JG Esteban dann
setzen sie sich wieder in ihren Stuhl und ihre Leute sollen die Waffen
abgeben und eine Nachricht an die Admiräle senden, dass die Omaha
besiegt wurde" befahl Lt. Bishop dem Adjutanten und freute sich ungemein.
"He das ist nicht fair Lucas. Deine Stellvertreterin hat sich schon mir
ergeben.", widersprach Jerry. "Wie wäre es mit einen Patt."
"Hmmm wir können euch immer noch abschießen. Mein lieber Jerry, ich
hätte es mir denken können, dass du hier am Ruder sitzt..." antwortete Lt.
Bishop und klopfte seinem Freund auf die Schulter.
"Wieso ihr uns abschießen. Bevor sich Ms. Cook ergeben hatte und ich die
Schilde runterfahren ließ, hätte ein kurzer Befehl gereicht und dein Antrieb
hätte sich verabschiedet." Wir lassen es bei einen patt und ich lade dich auf
einen Drink ein, wenn wir wieder auf der Community sind." erwiderte
Jeremiah lachend. "Na gut, aber du musst zugeben mein Plan war genial!"
meinte Lucas und setzte sich neben Jerry auf der Armlehne platz. Dann
flogen beide Steamrunner zum Treffpunkt mit den Admirälen.
Alex und U_E in "Zu den Waffen - Teil 2"
Geschrieben von: Selina Kyle am Jul 31 2005, 18:02
Selina saß auf dem Dach eines hohen Gebäudes und ließ ihren Blick über
die Stadt schweifen. Mehr und mehr machten sich Frust und Ungeduld in ihr
breit. Sie hatte bereits 6 Nachtclubs aufgesucht um diesen Solem zu finden,
doch in keinem war er zu finden gewesen. Selina dachte zurück an das
Gespräch mit Latta. Eventuell hatte sie etwas vergessen oder überhaupt.
Wort für Wort des Gesprächs ging sie nochmals durch bis ihr endlich die
zündende Idee kam.
„Aber natürlich!“ Selina holte ein PADD hervor, welches einen Stadtführer
gespeichert hatte. Selbstverständlich nicht den normalen Stadtführer,
sondern einer der gängige Clubs und schwärzesten Ecken vermerkt hatte.
„Der Bad Girls Club. Das ist es!“ Selina sprang auf und wollte sich gleich auf
den Weg dorthin machen aber sie blieb stehen und sah an sich herunter. Ihr
momentanes Outfit war absolut unpassend für den Bad Girls Club. Sicher
die Lack-, Leder und Latex-Kombination war ideal für die anderen Clubs
gewesen aber nicht für diesen!
Selina tippte auf dem kleinen Tarngerät herum und im Bruchteil einer
Sekunde stand sie in neuem Outfit da. Es handelte sich um eine
romulanische Schulmädchenuniform der Oberstufe.
Selina war so dankbar, daß sie nicht ständig einen Spiegel vor der Nase
hatte. Sie würde wahrscheinlich vor sich selbst weglaufen. Was würde wohl
Yasmin sagen wenn sie ihre Mutter in diesem Aufzug sehen würde? Oder
gar John? Selina musste kichern als sie sich die entsetzen Gesichter dieser
beiden vorstellte.
Stampfende, wabernde Bässe wechselten sich mit kreischenden
Gitarrenriffs ab. Der Bad Girls Club war eine Mischung aus Techno-Tempel
und Gruftie-Oase. Hauptsächlich junge Romulanerinnen tanzten auf der
Tanzfläche, auf den Tischen oder räkelten sich an Stangen oder in Käfigen.
Rundherum standen Männer jeden Alters die sich immer mal wieder an eine
der jungen Frauen heranmachten und versuchten sie auf ein Abenteuer
mitzuschleppen.
Hemmungslosigkeit bekam hier eine völlig neue Definition. Romulaner und
Hemmungslosigkeit. Beides schloß sich unter normalen Umständen aus,
doch hier waren die Gesetze anders. Aber trotz all der Hemmungslosigkeit,
der Perversitäten und Abartigkeiten (z. B. Romulaner und Klingonen bei
kleinen perversen Sexspielchen und Gruppensex) hatte Selina eine Sache
nicht gesehen: Kinder.
Kinder schienen den Romulanern tatsächlich heilig zu sein. Pädophilie
schien es auf Romulus nicht zu geben oder überhaupt der Mißbrauch von
Kindern. In diesem Punkt hatten die Romulaner anderen Völkern etwas
voraus.
Selina mischte sich unter die tanzenden Körper und fand sich wenig später
auf der Tanzfläche wieder. Sie wusste, wenn sie Solem nicht hier finden
würde, dann stand sie vor einem großen Problem. Denn die Zeit rannte
unbarmherzig weiter und sie hatte die Ungewissheit, ob nicht jetzt schon
alles zu spät war.
Geschrieben von: Assjima am Aug 1 2005, 13:12
Und ewig singen die Wälder - Teil 8
„Chemaschu – komm essen!“ Setak stellte den dampfenden KeramikBehälter auf den Tisch. Dann öffnete er eine Flasche und füllte die beiden
Gläser mit einer milchigblauen Flüssigkeit. Etwas ungeduldig blickte er zum
Arbeitszimmer hinüber. Die Türe war nur angelehnt. Sie musste ihn gehört
haben. „Assjima … das Reschanguma wird kalt!“ Doch aus dem
benachbarten Raum war keine Antwort zu hören. Vorsichtig schob er die
Türe auf. Überall auf dem Fußboden lagen Padds herum. Dort wo sie sich
zu großen Haufen türmten, saß Assjima im Schneidersitz auf dem
Fußboden und starrte ausdruckslos vor sich hin. Sie war weit, weit weg.
Setak wollte nicht stören und machte sich kopfschüttelnd daran, die Padds
einzusammeln. Fegefeuer, Eschatologie, Nirwana, Totentanz,
Unsterblichkeit, Zarathustra, Auferstehung … eigentlich verstand er nur die
Hälfte von dem, was er da las. Sein Blick blieb an einem Padd haften, das
ein Bild zeigte. Es war ein sehr dynamisches Bild. Irgendein altes Fresko,
auf dem hunderte von halbnackten und nackten Menschen abgebildet
waren. Ein Teil von ihnen schien im Himmel zu schweben, während andere
auf der Erde standen, lagen, kauerten … in seltsamen Verrenkungen
schienen sie um ihr Leben zu kämpfen, denn eigenartige menschenähnliche
aber gehörnte Wesen waren offensichtlich bemüht, sie dahin zu metzeln.
Einigen gelang es, in den Himmel zu entkommen, von wo aus ihnen
helfende Hände entgegen gestreckt wurden. Im Zentrum des Bildes
schwang ein kräftiger Mann seine Faust … oder war es eine Art
Willkommensgruß? Setak konnte es nicht so genau erkennen. Bei
genauerem Hinsehen jedoch konnte er sich nicht länger zurück halten und
musste laut lachen. Der Künstler war offensichtlich sehr bemüht gewesen,
mit Hilfe kleiner und kleinster Tücher seinen Figuren keine allzu deutliche
Blöße zu geben. Ein paar wenige männliche Figuren gaben seinen
neugierigen Augen etwas mehr Information.
„Mit diesen kleinen Dingern soll das funktionieren?“ brummelte er amüsiert
vor sich hin.
„Was soll womit funktionieren?“
„Ah, du bist wieder da! Na sieh mal - das hier!“ Er reichte Assjima das Padd.
Sie schaute ihn fragend an. „Ich verstehe nicht ganz … das ist
Michelangelos jüngstes Gericht … was meinst du?“
„Na schau doch – der alte bärtige Typ da links neben dem kräftigen Kerl in
der Mitte. Wie soll der mit diesem kleinen Würmchen da zwischen den
Beinen Spaß haben können?
Assjima betrachtete das Bild eingehender. „Ach das meinst du! Das geht
schon. Es ist ein Schwellkörper. Er wird wesentlich größer, wenn er in Aktion
ist.“
Setaks Augenbrauen zogen sich zusammen. „Woher weißt du das so
genau?“ Erneut schossen ihm die Bilder der Menschen durch den Kopf, die
er in ihr gesehen hatte.
„Na hör mal Setak – ich bin Ärztin! Und zu meinen Patienten zählen
überwiegend Menschen. Ich sollte also wissen, wie die menschliche
Fortpflanzung funktioniert.“ Sie spürte nur zu genau, dass Setak mit dieser
Antwort nicht zufrieden war. Aber es war ihr egal. Mit seinen regelmäßig
wiederkehrenden und für sie vollkommen unverständlichen
Eifersuchtsanwandlungen musste er alleine zu Recht kommen. Gerade er,
der es bis vor wenigen Wochen mit der Treue nie sehr genau genommen
hatte und mit Sicherheit alle seine Versprechungen in dem Moment
vergessen wird, sobald ein Raumtransporter sie wieder zur Community
zurück bringen würde.
„Gut, wenn du meinst …“ Setak legte das Bild zur Seite und griff nach dem
nächsten Stapel Padds. „Doch was soll das hier? Warum liest du all diesen
Kram? Was in aller Welt ist eine Zarathustra? Und wer ist Fegefeuer?“
Manchmal wünschte sie sich, dass er ein wenig mehr wie Malik wäre.
Assjima bewunderte ihren Schwager, auch wenn sie seinen Lebensstil nicht
immer gutheißen konnte. Malik würde sofort verstehen, was sie versuchte
herauszufinden. Und augenblicklich hatte sie denkbar wenig Lust, Setak all
diese Dinge erklären zu müssen. Dennoch war es wichtig, dass er verstand,
warum sie die bisherigen Ergebnisse ihrer Versuche nicht einfach nur als
gegeben betrachten konnte.
„Zarathustra war ein persischer Philosoph, der eine ausgesprochen
interessante Endzeitvorstellung hatte und das Fegefeuer ist die christliche
Idee eines Reinigungs- und Läuterungsprozesses vor dem Tage des
jüngsten Gerichtes. Es geht einfach nur um die Funktion des Feuers als
zerstörende aber zugleich auch reinigende Kraft. Diese Idee ist bei 472 uns
bekannten Spezies verbreitet. Solche Vorstellungen kommen nicht einfach
von ungefähr. Sie können uns helfen zu verstehen, was dort drüben in
deinem Labor passiert.“
„Was gibt es da noch zu verstehen? Wir haben ganz einfach nur
herausgefunden, welche Komponenten zusammen geschaltet werden
müssen, damit Leben entsteht!“ Setaks Augen leuchteten. Seine fast
kindliche Freude über die erfolgreichen Experimente brachte Assjima ein
wenig in Rage und sie bemerkte nicht, dass sie einen schärferen Ton
anschlug.
„Und haben wir auch herausgefunden, warum es nur in unserem Labor
funktioniert? Warum sind die Versuche der vulkanischen Kollegen
diesbezüglich weniger erfolgreich? Ja ich weiß – weil sie keine Deltaner
sind. Du bist stolz darauf, dass du als Deltaner Leben schaffen kannst. Aber
ich würde mir wünschen, dass du endlich einmal etwas über deinen
deltanischen Tellerrand hinausschauen würdest. Hast du dir jemals überlegt,
was passieren könnte, wenn das hier in der Öffentlichkeit bekannt werden
würde? Wir sind dabei, den Korken aus der Flasche zu ziehen. Aber wenn
der Geist erst einmal befreit ist, ist es zu spät. Also lass uns bitte vorher
über die Konsequenzen nachdenken.“
„Was soll denn schon passieren? Außer, dass sich die Blicke der
wissenschaftlichen Welt nach Delta IV richten würden? Unsere Akademie
der Wissenschaften würde endlich den Platz im Universum bekommen, der
ihr zusteht. Hast du dich nicht selber darüber gewundert, dass deine von dir
so hoch geachtete Kollegin Dr. Dr. Vinara Shral unsicher war, ob wir
überhaupt Hochsicherheitslabore besäßen? Hier, dieser felsige kleine Mond
beherbergt einige der am besten ausgestatteten wissenschaftlichen Institute
unserer Galaxie und wer kommt hierher um zu forschen? Vulkanier?
Terraner? Betazoiden? Andorianer? Nein, hier rennen nur deltanische
Glatzköpfe herum! Ich habe es satt, auf jeder Konferenz, die ich besuche,
erklären zu müssen, wo ich arbeite. Seyann Draschu – dieser Name soll
endlich allen Wissenschaftlern – und ich sage ALLEN - ein Begriff sein! Und
ich will, dass man endlich einmal lernt, meinen Namen richtig
auszusprechen. Setak – so wie es Nicht-Deltaner aussprechen klingt es
immer schrecklich vulkanisch. Es kann doch nicht so schwer sein zu
begreifen, dass es in unserer Sprache keine scharfen, keine harten
Konsonanten gibt. ’Schetaag, Schetaag’ … warum versteht das keiner?“
Das Gesicht des Physikers war rot angelaufen und die kindliche Freude in
seinen Augen einem Hauch von Traurigkeit gewichen.
Assjima verstand nur zu gut, was im Kopfe ihres Freundes vor sich ging.
Auch sie hatte anfangs darunter gelitten, dass in all den Jahren keiner der
Kollegen sich ernsthaft bemühte, ihren Namen korrekt auszusprechen. Doch
hatte sie sich inzwischen derart daran gewöhnt, dass sie selber gelegentlich
die terranische Aussprache verwendete. Dennoch war es ihr nicht möglich,
eine Entdeckung mit solch fundamentaler Tragweite ohne eingehende
Reflektion einfach so publik zu machen. Sie rutschte ein wenig näher an
Setak heran, nahm ihm die Padds aus der Hand und ließ nachdenklich
seine Finger durch die ihren gleiten.
„Chemaschar … bitte lass uns nichts überstürzen! Unsere Arbeit wird erst
dann anerkannt werden, wenn wir alle Aspekte beleuchten. Es geht nicht
darum, aufzuzeigen, dass wir Leben schaffen können. Es reicht einfach
nicht, wenn wir verstehen, was bei diesem Prozess geschieht. Wir müssen
es anderen verständlich machen. Sie müssen begreifen, dass wir keine
Götter sind, die einfach mit den Fingern schnippen und überall beginnt es zu
sprießen. Wir müssen unsere Fähigkeiten entmystifizieren, anderen Spezies
deutlich vor Augen führen, dass wir keine Zauberei betreiben, sondern mit
ganz normalen physikalischen Prozessen arbeiten. Wenn uns das nicht
gelingt, dann könnten wir eine Katastrophe auslösen, indem wir hunderte
von Schaffungsmythen und Endzeitvorstellung zerstören. Das müssen wir
unter allen Umständen vermeiden!“
Setak nickte „Du hast natürlich recht. Aber wie sollen wir das anstellen? Ich
bin so oft schon mit dem Kopf gegen eine Mauer von Unverständnis und
Blindheit gerannt, dass ich mir gelegentlich Haare gewünscht hätte. Die
meisten Spezies sind nicht nur blind sondern auch intolerant gegenüber
Denkweisen, die nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Wie sollen wir
dagegen ankommen?“
„Mit Logik! Wir schlagen sie mit ihren eigenen Waffen. Warum glaubst du,
lese ich all diese Dinge hier?“ Assjima deutete mit einer ausladenden
Armbewegung auf die im Raum verstreut herumliegenden Padds. „Fast jede
denkfähige Spezies in unserer Galaxie kennt Mythen, die mit Feuer oder
einer anderen Form von reinigender Energie zu tun haben. Und der
Computer konnte 753 bekannte Gesellschaftssysteme ausfindig machen, in
denen die eine oder andere Vorstellung von postmortaler Existenz eine
fundamentale Rolle spielt. Unsere Argumente liegen hier im Raum verstreut.
Wir müssen dieses riesige Puzzle nur richtig zusammensetzen.“
„Bist du wahnsinnig?“ Angesichts der ungeheuren Datenmenge wurde
Setak ganz blass um die Nase „Bis wir das alles gelesen, verstanden und
sortiert haben, können Jahre vergehen!“
„Wir? Nein, das wird deine Aufgabe sein“ Assjima lächelte, als sie Setaks
entsetzten Gesichtsausdruck sah. „Du bist der Physiker. Deinem Team und
dir sollte es ein Leichtes sein, ein geeignetes Computerprogramm zu
entwickeln, welches uns die Arbeit abnimmt. Wir brauchen nur eine gut
strukturierte Datenbank, die uns jederzeit Zugriff auf die benötigten
Informationen gewährt. Ich werde Malik bitten, uns bei der Suche nach
passenden Schlagworten behilflich zu sein. Das wäre endlich einmal ein
wirklich sinnvolles Projekt für ihn.“
„Hm … ich glaube, das könnte funktionieren. Setaks Mine hatte sich
schlagartig aufgehellt. „Ich hätte da schon eine Idee … Aber jetzt lass uns
erstmal das Reschanguma aufwärmen. Ich kann mit leerem Magen nicht
denken. Und nach dem Essen wirst du einen langen Bericht an deine blaue
Kollegin schreiben. Wenn du es ihr erklären kannst, dann kannst du es auch
dem Rest des Universums verständlich machen!“
Assjima erhob sich lachend. „Wenn es nur so einfach wäre. Vinara wird es
verstehen. Und ich hoffe, sie wird uns helfen, unser mystisches Konstrukt
mit einer Prise Logik zu würzen, so dass wir beide uns in der Welt der
Wissenschaft nur begrenzt lächerlich machen.“
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Aug 2 2005, 08:36
Kaum war die Omaha beim Treffpunkt eingetroffen, beamten sich Jeremiah
und Lucas auf die San Fransisco. Während Admiral Akagi mit Lucas in die
Beobachtungslounge verschwand, forderte Admiral Schreiber seinen alten
Schüler auf, ihn in den Bereitschaftsraum zu folgen. Jerry konnte seiner
Freundin und seinen Bruder nur einen kurzen Blick zuwerfen.
Admiral Schreiber setzte sich auf den Bürostuhl des Captains, während
Jerry auf die in dem Raum befindliche Couch, unterhalb einer ansehnlichen
Sammlung von Hieb und Stichwaffen, die alle mindestens 2000 Jahre alt
waren, setzte.
„Es war schön zu sehen, dass sie ein wenig kreativer geworden sind.“
begann Peter Schreiber. „Was mir auch gut gefallen hat, war die
Einbeziehung ihrer Brückenmannschaft in ihren Entscheidungsvorgang. In
den beiden Punkten haben sie sich stark verbessert.“ Jeremiah nickte. „Es
gibt aber einen Minuspunkt. Sie waren während eines Gefechts nicht
bewaffnet. Dann hätten sie vielleicht das Enterkommando der Pacific
ausschalten können. “ fügte der Admiral streng hinzu.
„Ich denke, ich kann ihnen ohne Probleme eine gute Kommandofähigkeit
bescheinigen. Aber sie haben noch Potenzial zur Verbesserung, Lieutnant.
Sammeln sie praktische Erfahrung. Scheuen sie sich nicht, Nachts das
Kommando zu übernehmen.“, riet er den jungen Offizier.
Jeremiah war überrascht, dass er recht gut weggekommen war. Denn nach
seiner Meinung hatte er doch Einiges falsch gemacht. „Keine Kritik, weil ich
auf die Crew der Pacific reingefallen bin? Oder weil ich Chief Mendoza
zusammengestaucht habe?“ „Auf das Help – And – Strike - Manöver sind
schon genügend andere reingefallen, ich eingeschlossen. Es wird gerne
während simulierten Gefechten verwendet, aber in einer richtigen Schlacht
funktioniert das nicht. Bei einen echten Feind wären sie vorsichtiger
gewesen.“, beruhigte der Admiral. „Außerdem hat Ms. Cook die unterlegene
Gegnerin gut dargestellt.“
Er machte eine kurze Und was Douglas Mendoza angeht, dem haben sie zu
Recht einen Rüffel verpasst. Ich verstehe jetzt langsam, warum den kein
Ingenieur in seinen Team haben will.“
Jeremiah hatte noch einen Punkt auf seiner Liste: „Was ist mit der
Bewertung der Kadetten?“ „Schreiben sie einen kleinen Bericht und bringen
sie ihn am Dienstag mit. Ich erteile zwar die Noten, aber es ist gut, wenn ich
noch eine zweite Meinung lesen kann.“, erwiderte Peter.
Der altgediente Sternenflottenoffizier erhob sich aus seinen Stuhl. „Sie
sollten jetzt zurück zur Omaha beamen und das Schiff in den Dock bringen.“
„Danke, Sir. das mache ich gerne.“, erwiderte Jeremiah erfreut. Dann stellte
er sich stramm hin: „Bitte um die Erlaubnis, Fähnrich Hanni Stevenson und
meinen Bruder Samuel mit an Bord der Omaha nehmen zu dürfen.“
„Erlaubnis erteilt.“
Die beiden Männer verließen den Bereitschaftsraum wieder. Jerry ging zu
seiner Freundin und flüsterte ihr ins Ohr: „Hast du Lust mich als Captain, live
zu erleben, Schatz.“ „Das habe ich doch, Hase. Ich konnte dich doch durch
die internen Sensoren beobachten.“
Hanni verschwieg ihren Freund, dass sie ein Backup für ihre Schwester
gemacht hatte, damit diese auch sehen konnte, wie sich Lucas und Jerry als
Captains so gemacht haben. Und die Datei schlummerte jetzt in ihren
dienstlichen Postfach.
„Das ist doch nicht dasselbe.“, widersprach Jeremiah. „Ich habe von Admiral
Schreiber die Erlaubnis, dass du und Sami mit auf die Omaha dürft, für den
restlichen Rückflug zur Werft.“ Hanni überlegte kurz. „Okay einverstanden.“
Jeremiah klopfte auf seinen Insignienkommunikator: „Esteban an Omaha,
drei Personen direkt auf die Brücke beamen.“ „Drei Personen, Sir?“, fragte
Chief Mendoza nach. „Ja, drei.“ Wenig später erschienen Hanni, Jerry und
Samuel auf der Brücke: „Das ist meine Freundin Hanni Stevenson und mein
Bruder Samuel.“, stellte der Lieutnant seine Begleiter vor. Er stellte noch
schnell die Brückenmannschaft seiner Freundin vor.
Danach setzte er sich in seinen Sessel. „McDuff, setzten sie Kurs auf die
Utopia-Planetia Werft. Vollen Impuls.“ „Aye Sir.“, ordnete der noch von
leichten Kopfschmerzen geplagte Pilot der Omaha. Hanni setzte grinsend
ihren Freund dessen kleinen Bruder in den Schoß und nahm an einer
Hilfskonsole Platz.
Nach einer Weile erschien der rote Planet mit dem großen Werftkomplex im
Vordergrund. „Soll ich bei der Werftleitung nach einen Liegeplatz fragen?“,
fragte Jenax. „Warten sie einen Moment. Ich will noch ein paar
abschließende Worte sagen.“ erwiderte ihr Vorgesetzter.
Er sah in die Runde. „Wir haben uns recht gut geschlagen und bei einen
Gegner wie Lucas Bishop kann ich mit einen Patt sehr gut leben. Ich habe
sie alle ganz schön wirbeln lassen. Ms. Queel, Mr. McDuff, sie machen in
ein paar Wochen ihren Abschluss und werden auf irgendein Schiff versetzt.
Ich warne sie schon mal, dass es in richtigen Gefechten teilweise noch
schneller zugeht und dass sie da meistens keine Zeit haben ihre Vorschläge
zu äußern. Moreg, sie haben ja noch ein Jahr an der Kommandoschule vor
sich. Lassen sie sich daher von einen Mann einen Rat geben, der diese
Zusatzausbildung schon hinter sich hat. Es wird nicht einfacher. Machen sie
es sich also nicht schwerer und zügeln sie ihr Temperament.“
Jeremiah wandte sich an seinen Chefingenieur: „Mr. Mendoza, ich hoffe sie
nehmen es mir allzu übel, dass ich sie zusammengefaltet habe. Kann sein
das ich mich etwas im Ton vergriffen habe. Aber sie werden sicher
verstehen, dass meine Sympathien bei den Kadetten lagen.“
„Sie sind nicht der erste Skipper, Lieutnant, der mit meiner doch recht
barschen Art nicht zurechtkam.“, erwiderte Douglas. Ein schiefes Grinsen
erschien auf seinen Gesicht: „Und sie werden vermutlich nicht der Letzte
sein.“
Jerry nickte und bemerkte: „Ich denke, alle von uns haben aus diesen
kleinen Schlagabtausch etwas gelernt. Mein neuer Leitsatz ist: ‚Wenn etwas
zu gut ist um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch.’“ Die anderen
Anwesenden lachten. „Ich wollte ihnen noch abschließend sagen, dass ich
gerne mit ihnen zusammengearbeitet habe. Und wer weiß, wenn ich in 20,
25 Jahren ein richtiger Captain bin, kriegen sie vielleicht Post von mir.“
Der Lieutnant holte tief Luft: „Und jetzt, Ms. Queel, bitten sie die Werftleitung
um die Zuweisung eines Liegeplatzes. McDuff, sobald wir einen haben,
bringen sie uns rein.“
Eine Stunde später saßen Jeremiah, Hanni und Samuel in einen Shuttle
Richtung Erde. Die junge Frau wandte sich an ihren Piloten, einen
bajoranischen Petty Officer 2nd Class: „Können wir einen kleinen Umweg
fliegen?“ „Kein Problem Ma’am. Ich habe bis jetzt noch keine neue Order.
Wohin soll es denn gehen? Nach Risa?“ Hanni schmunzelte: „Nicht ganz so
weit weg, aber an einen ähnlich idyllischen Ort. Ich möchte einen kleine
Abstecher nach Molokai, einer Insel der Hawaiigruppe.“
Jerry hatte zugehört und fragte verwundert: „Was ist denn los?“ „Ich möchte
bloß schnell meine Kommnachrichten kontrollieren und eine Umleitung zur
dir einrichten. Das hatte ich nämlich ganz vergessen. Ich will nämlich
wissen, wo meine Schwester steckt. Sie hat nämlich Lucas nicht begleitet.“,
erwiderte seine Freundin.
„Nach Molokai zu fliegen ist kein Problem, Ensign.“, bestätigte der Pilot.
„Okay, dann fliegen wir nach Molokai.
Eine weitere gute Stunde später, war das Shuttle auch schon an seinen
ersten Ziel angekommen. Hanni ließ die Männer mit den Worten: „Ich bin
gleich wieder zurück.“, im Shuttle warten.
Gut fünf Minuten später kam sie auch schon wieder mit einen Padd
bewaffnet zurück. „Und irgendwelche Nennenswerte Post.“, wurde die junge
Frau von ihren Freund begrüßt. „Es ging. Abgesehen von dem üblichen
Werbemüll, war noch Einladung zu einen Treffen von Quantenphysikern,
dass Ende August auf Rigel stattfindet. Dann hat mir Nanni geschrieben
dass sie zeitweilig zur Meeresforschungsstation Triton versetzt wurde.“ „Die
Station, die sich im Nordpazifik befindet, nahe des Marianengrabens?“,
wollte Jerry wissen. „Ja, genau.“, bestätigte seine Freundin.
„Und die dritte Nachricht.“ Hakte der Lieutnant nach. „Das war meine Mutter
die mich für das Wochenende einlud. Und sie schrieb, ich zitiere: ,Kleines,
ich habe nichts dagegen, wenn du deinen Freund mitbringst.’“
Doch Jeremiah runzelte die Stirn: „Diese Wochenende passt schlecht. Ich
habe am Dienst noch einen Vortrag an der Akademie zu halten.“ „Dann
solltest du sofort anfangen wenn wir wieder zurück sind.“
Geschrieben von: Lucas Bishop am Aug 2 2005, 16:39
Lt. Bishop stand nun mit Admiral Akagi in der Beobachtungslounge der
Francisco und schaute aus dem Fenster in die schwarze Kühle des
Weltraums. „Also Lucas das Manöver von dir, war nicht schlecht. Du hast
deine Brücke-Offiziere gut mit einbezogen, aber dennoch bei deine
Ansichten als Captain vertreten.“ lobte der Admiral seinen Schützling, trat
neben ihn an das Fenster und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Danke,
Admiral…“ antwortete Lucas nachdenklich und schaute weiterhin aus dem
Fenster.
„Dein Vater hat auch immer aus dem Fenster geschaut wenn er nachdachte.
Simon kann sehr gut auf sich selbst aufpassen, er hat die Gefangenschaft
bei den Romulanern überlebt. Es geht ihm bestimmt gut!“ sprach der
Admiral die wohl überlegten Worte.
„Admiral, ich denke nicht über meinen Vater nach. Ich denke viel mehr über
meine Zukunft nach…“ meinte Lucas ehrlich und schaute nun den Japaner
an. „Es gibt da noch einen Minuspunkt bei deiner Führungsbeurteilung, das
nächste Mal bleibst du auf der Brücke und überlässt das entern dem
Sicherheitschef und seinen Leuten.“ entgegnete der Admiral mit
vorwurfsvoller Stimme und machte einen Eintrag in die Beurteilung. „Aber
ich bin doch Sicherheitschef!“ warf Lucas stolz ein und schaute den Admiral
irritiert an. Der Admiral schüttelte den Kopf und ging auf Lt. Bishop zu. Dann
meinte er: "Du warst aber nicht als Sicherheitschef auf der Pacific sondern
als Captain, aber ich denke du kannst die Zusatzausbildung als taktischer
Offizier bald abschließen. Und einer Beförderung in 2-3 Jahren zum Lt.
cmdr. dürfte auch nichts im Wege stehen.“
„Danke, genau das wollte ich ja hören.“ antwortete Lt. Bishop und freute
sich.
„Gut, dann dürfen Sie wegtreten, die Pacific ins Raumdock bringen und bis
nächste Woche einen Bericht über die Führungscrew schreiben.“ Befahl
Akagi und zeigte mit seiner Hand auf die Tür. Lucas nickte und verließ die
Beobachtungslounge.
Ein paar Stunden später lag die USS Pacific deaktiviert im Raumdock. Lt.
Bishop hatte sich von Sharon Cook, Tripoli, Rosenwall und Vrool
verabschiedet und saß nun in einem Shuttle Richtung Erde.
Geschrieben von: Solak am Aug 2 2005, 20:00
Umzingelt! Der Feind hatte sie erwischt! Gerade jetzt, so kurz vor der
Stadtgrenze!
N'Chala biss sich auf die Unterlippe. Wie hatte ihr nur so ein Fehler
unterlaufen können?! Sie war sich so sicher gewesen, dass ihnen auf
diesen Weg niemand hatte folgen können. Sie war diesen Weg als Kind
ungezählte Male gegangen um von ihren Pflegeeltern wegzulaufen.
Niemand, niemand hatte diesen kleinen Gang gekannt! Wie hatten sie sie
finden können?!
Doch ihr blieb keine weitere Zeit für Schuldgefühle. Hinter ihr fiel der erste
ihrer noch verbliebenen zwei Soldaten.
Die junge Romulanerin stellte sich schützend vor Sta'el und seinen Sohn.
Latta hat ihr befohlen, Solaks Familie mit ihrem Leben zu schützen. Genau
das würde sie tun, bis zu ihrem letzten Atemzug. Sie verdankte ihrer
Kommandantin so viel....
"Ruflus, schnell, gehen Sie in Deckung!"
Ihr letzter Kämpfer hob sein Gewehr. Aber anstatt wie befohlen in Deckung
zu gehen und den Feind zu erwarten, richtete er seine Waffe auf N'Chala.
Es dauerte einige Sekunden bis diese begriff was da soeben geschah.
"Aber...."
"Für den Cäsar und das neue Reich!"
Ein grüner Lichtblitz fraß sich in den Körper N'Chalas. Mit einem Ausdruck
völliger Verwirrung glitt sie zu Boden. Verraten....
Sta'el fing N'Chala auf. Doch die junge Frau hatte bereits das Bewustsein
verloren. Das Disruptor -Gewehr war nicht auf die höchste Energiestufe
eingestellt gewesen. Zu wenig zum Töten, zu viel zum Betäuben. Doch
genug für einen langsamen Tod wenn nicht bald Hilfe kam. Der Vulkanier
sah auf und dem Verräter ruhig in die Augen.
"Noch lebt sie. Wir werden Ihnen ohne Widerstand folgen wenn Sie dafür
sorgen, dass ihr geholfen wird. Ich verspreche es Ihnen."
"Soso, Sie versprechen es? Da habe ich schlechte Nachrichten für Sie:
Solem ist nicht an Ihnen interessiert. Unser Befehl lautet, ihm den Jungen zu
bringen. Sie sind überflüssig."
Der Lauf des Phasergewehres richtete sich auf Sta'el.
Plötzlich hielt er N'Chalas Disruptor in der Hand. Wie war der in seine Hand
gekommen? Wer hatte ihn auf Töten gestellt?
Ein erneuter grüner Blitz und aus der Kehle des Verräter drang der
unverwechselbare, schrille Schrei des Getroffenen.
Der Vulkanier sah auf seine Hand, auf die Waffe darin. Wer er wirklich
derjenige gewesen, der den Mann gerade ermordetet hatte?
Er schüttelte die Waffe fort als sei sie ein Insekt, das ihn gestochen hatte.
Wie in Trance erhob er sich, wollte N'Chala aufheben. Sie mussten weg von
hier.
Aber der Feind war schneller. Noch mehr grüne Blitze stoben durch die Luft,
Sta'els ungeübte Hand tastete hektisch nach der fallengelassenen Waffe.
"Niklan, lauf! LAUF!"
Der Junge sah seinen Stiefvater verwirrt an. Wie zu Stein erstarrt versuchte
er zu verstehen, was geschah.
"LAUF!"
Seine Füsse gehorchten. Niklan drehte sich um und lief.
Geschrieben von: Assjima am Aug 3 2005, 00:08
Und ewig singen die Wälder ... Teil 9
Nacht auf Seyann Draschu. Im Labor herrschte beinahe Stille. Nur das
Summen der Lebenserhaltungssysteme und das leise, immerwährende
Pulsieren der unterirdischen Stadt waren zu hören. Irgendwo in dem großen
Dunkel warf das Licht einer einsamen Schreibtischlampe lange Schatten auf
die Wände. Assjima liebte diese späten Nachtstunden, in denen sie am
besten denken konnte. Auch wenn sie jetzt lieber in ihrem eigenen
Arbeitsraum mit Blick auf den See sitzen würde – Setaks Büro erfüllte
seinen Zweck. Obwohl ihr die kühle, spartanische Einrichtung ein wenig
befremdlich erschien. Sie ließ ihre Blicke über die leeren Wände schweifen.
Etwas Wandschmuck würde dem Ganzen hier ein wenig Wärme verleihen.
Doch Setak hatte noch nie viel Wert auf ästhetische Dinge gelegt. Für ihn
hatte etwas nur eine Existenzberechtigung, wenn es funktionell war. Hierin
waren Sikarii und er sich immer einig gewesen. Wie oft hatte sie mit den
Beiden über Sinn und Zweck von Farben und Formen debattiert. Warum
musste sie sich auch immer wieder mit Männern einlassen, denen jeglicher
Sinn für Ästhetik fehlte? Es waren aussichtslose, sinnlose Diskussionen
gewesen.
Ihre heutige Aufgabe erschien ihr fast genauso aussichtslos wie jene
stundenlangen Streitgespräche. Wie erklärt man einem Außenstehenden mit
wenigen Worten die Grundessenz deltanischer Denkweise? Eine
Philosophie, die immer noch von einem mystischen Hauch umgeben war.
Nicht dass man wirklich Geheimnisse schaffen wollte – es waren einige zum
Teil sehr dicke Bücher darüber geschrieben worden. Doch war man sich auf
ihrer Heimatwelt immer darin einig gewesen, dass jemand, der sich mit
deltanischer Mystik beschäftigen wollte, in der Lage sein sollte, diese
Schriften in der Originalsprache lesen zu können. So wurden die Werke
niemals übersetzt. Aber … welche Spezies kam denn schon nach Delta IV?
Obwohl deltanische Wissenschaftler den Ruf gewisser Genialität genossen,
wurde ihre Heimatwelt innerhalb der Förderation beinahe wie ein
Sperrgebiet behandelt. Ein Zölibatseid für Förderationsmitglieder, die sich
vorübergehend auf Delta IV aufhielten, hatte früher gute Dienste geleistet.
Warum Exodeltaner es inzwischen vorzogen, lieber gar nicht mehr hierher
zu reisen, konnte Assjima beim besten Willen nicht nachvollziehen.
Vielleicht lag es tatsächlich nur daran, dass inzwischen so viele Deltaner in
der Förderation Dienst taten und es so für Nicht-Deltaner sehr viel einfacher
war, an der unkonventionellen Methodik deltanischer Forschung teilhaben
zu können.
Mit einem leichten Seufzer aktivierte sie das Terminal und begann mit dem
langen, schwierigen Brief an Lt. Commander Shral.
Chelama Vinara
Wie geht es Ihnen auf der „Schweizer“? Ich hoffe, Sie finden trotz allem ein
wenig Zeit, sich von unserer letzten Mission zu erholen. Ich meinerseits
habe mich wieder soweit gefangen, dass ich in gewohnter Weise meiner
Arbeit nachgehen kann. Es hatte wider Erwarten Wochen gedauert, bis die
Wirkungen der Neutrinoemissionen auf meine mentale Verfassung
nachließen. Erst seit einigen Tagen habe ich das Gefühl, wieder normal
denken zu können. Ich habe sogar zugenommen - was mich mit Schaudern
an die Galauniform denken lässt, die in meinem Quartier auf der Community
hängt.
Auch was unsere Experimente betrifft habe ich Erfreuliches zu berichten.
Unmittelbar auf Ihren Rat hin habe ich die Proben in ein
Hochsicherheitslabor auf Seyann Draschu schaffen lassen. Sie gedeihen
hier unter optimalen Bedingungen. Noch ist es nicht ersichtlich, was sich aus
ihnen entwickeln wird. Etwas verwirrend ist, dass die Zellen selbst auf
geringfügigste Umweltveränderungen mit beschleunigtem Wachstum
reagieren. Wir versuchen deshalb, die Umweltbedingungen so konstant und
gleichzeitig so natürlich wie möglich zu halten, damit wir die Entwicklung der
Lebensform innerhalb ihres ’normalen’ evolutionären Prozesses beobachten
können. Anbei die aktuellen Daten.
Wir haben die Experimente inzwischen unter verschiednen Bedingungen
wiederholt. Nichteingeweihte Mitarbeiter von Prof. Dr. Setak führten die
Versuchsreihen ohne unsere Anwesenheit und zu uns unbekannten
Zeitpunkten durch. Die Ergebnisse waren jedes Mal gleich und entsprechen
voll und ganz den Ergebnissen Ihrer vulkanischen Kollegen. Sobald Setak,
ich oder ein eingeweihter Mitarbeiter während des Versuches anwesend
waren, bildeten die Säuren Moleküle und begannen mit der Zellteilung.
Unsere Anwesenheit scheint tatsächlich der ausschlaggebende Faktor zu
sein. Doch warum wirkt sich der Experimentatoreffekt bei uns so sehr viel
stärker aus als bei den vulkanischen Kollegen? Und welcher
Zusammenhang besteht zwischen unserer Gegenwart und den
Bedingungen, die während einer Supernova existieren?
Nach umfassenden Recherchen glauben Prof. Dr. Setak und ich,
verstanden zu haben, wie sowohl bei einer Supernova als auch bei unseren
Experimenten Leben entstehen könnte.
Vinara – es fällt mir nicht leicht, diesen Brief zu schreiben. Die meisten
Deltaner sprechen nicht gerne mit Exo-Deltanern über ihre Glaubenswelt.
Ich persönlich unterliege hierbei durch meine Berufung zur Heilerin ganz
besonders strengen Auflagen. Indem ich Ihnen Einblick in unsere Ideenwelt
gewähre, begehe ich in gewisser Weise ein Sakrileg. Doch glaube ich, von
einer gewissen Diskretion Ihrerseits ausgehen zu können.
Die deltanische Gesellschaft kennt keine Götter. Unsere Religion ist eine
Philosophie mit starken naturmystischen Aspekten. Es gibt gewisse
Parallelen zur irdischen Quantentheorie. Fast alle Deltaner haben
unterschiedlich stark ausgebildete telekinetische Kräfte. Diejenigen unter
uns, deren Begabung besonders hoch ist, haben die Möglichkeit, mit Hilfe
der Telekinese sogar ganz bewusst im atomaren Raum zu wirken. Ich selber
arbeite häufig mit dieser Technik. Um in diesem allerkleinsten Bereich
sinnvoll tätig sein zu können, entwickelten wir im Laufe der Generationen ein
Denkmodell, welches uns befähigt, meditativ in diesen Raum hineinschauen
zu können. Natürlich sehen wir nicht mit unseren Augen, sondern mit Hilfe
unserer Phantasie, unseres Intellekts, unseres Instinktes und unserer Sinne.
Eine Form der Wahrnehmung, die viele von uns zutiefst verinnerlicht haben,
die aber Nicht-Deltanern nur äußerst schwer vermittelbar ist. Für uns sind
auf diese Weise wahrgenommene Dinge genau so real und existent als
wenn wir sie mit Augen oder Ohren aufnehmen würden – was natürlich
Sinnestäuschungen nicht ausschließt, ganz besonders in Stresssituationen.
Sie erinnern sich sicherlich daran, dass ich Sie einmal sehr unsanft zu
Boden gerissen habe, nur weil ich meinte, die Wand hinter Ihnen sei in
Schwingung geraten. Worauf ich hinaus will: Weil wir glauben zu wissen,
wie die Dinge in ihrem Innersten funktionieren, haben wir uns niemals Götter
geschaffen, mit deren Hilfe wir uns die Welt erklärten.
Doch was glauben wir zu wissen? Ist die Welt überhaupt wissbar? Ist das
Universum wissbar? Ist die Wirklichkeit wissbar? Oder anders gefragt: Was
ist Wirklichkeit? Wenn wir etwas wissen, dann dass die Wirklichkeit nicht
aus Materie besteht. Auf der Suche nach dem, was Materie ausmacht,
haben wir uns weit in den atomaren Raum hinein gewagt und festgestellt,
dass das, was man im Allgemeinen als mehr oder wenige feste Stoffe
auffasst, keine Ansammlung unendlich kleiner und kleinster Materieteilchen
ist, sondern das Beziehungsgeflecht von Impulsen und Schwingungen eines
unsichtbaren Energiefeldes.
Genau dort, wo Atomphysiker vor Jahrzehnten … vor Jahrhunderten …
Materie pur haben wollten, stellten wir fest, dass am Schluss von dem, was
man als Materie kennt, nichts mehr übrig bleibt. Was bleibt hat nicht die
Eigenschaften unbelebter Materie, sondern solche, die man spontan dem
Lebendigen zuordnen würde. Es ist nicht determiniert – es ist spontan,
kreativ, es entsteht und vergeht. Wir nennen es ’Naschpur’ … dieses
chaotische Quäntchen Leben in Allem. Das ist an sicht nichts Neues. Schon
Heraklit von Ephesos war auf der Suche nach dem ’Urstoff’ (den er übrigens
im Feuer entdeckt haben will) und behauptete, dass sich alle Dinge
fortwährend im Fluss befänden, dass Beständigkeit eine Täuschung sei und
dass bloß die Veränderung und die Gesetze der Veränderung oder der
Logos wirklich seien. Sein berühmter Lehrsatz ’Alles fließt’ spricht
diesbezüglich Bände. Heisenberg hat dies im 20. Jahrhundert genauer
formuliert. Doch im Unterschied zu Heisenberg, der seine Ideen mangels
technischer Möglichkeiten nur theoretisch ausarbeiten konnte, nehmen
Deltaner diese Welt nicht nur auf einer theoretischen Ebene wahr, sondern
auf einer ganz praktischen, sinnlichen. Wir können sie sogar telekinetisch
beeinflussen, tatsächlich auch auf Dauer verändern.
Aber auch das, was wir wahrnehmen sind letztendlich nur Sinneseindrücke.
Wir sehen nur das Bild einer Vorstellung – unser Bild von Naschpur, unsere
eigenen deltanischen Illusionen. Auch wenn uns der illusionäre Charakter
bewusst ist … es ist dennoch eine tief in uns verankerte Vorstellung. Und ich
glaube, dass hier die Lösung auf unsere Fragen bezüglich der Experimente
zu finden ist. Möglicherweise transferieren wir unbewusst unser Bild von
Naschpur in die neu geschaffene Materie. Übertragen wir womöglich unsere
Vorstellung von Leben und ordnen das Chaos derartig, dass Leben in den
uns bekannten Formen entsteht?
Im Doramess-System waren wir unerwarteten Neutrinostürmen ausgesetzt.
Angenommen, der Glauben des Steinwesens an seine Funktion als
Übermittler des Lebens ist tatsächlich mehr als nur als ein Glauben, mehr
als eine Religion, mehr als eine irre Idee … könnten nicht diese Emissionen
dafür verantwortlich sein, dass die durch die Supernova vaporisierte Materie
neu geordnet wird? Wobei die Neutrinostürme wohl nur als ein Werkzeug zu
betrachten sind. Doch wer steuert dieses Werkzeug? An einen reinen Zufall
kann ich nicht glauben. Womöglich sind es die Wesen selber, die für die
Neuordnung verantwortlich sind. Ihr Willen, ihre Idee einer Existenz? Cogito
ergo sum - Ich denke, also bin ich? Cogito ergo fuo sum - Ich denke, also
werde ich sein? Es wäre denkbar.
Professor Setak vertritt eine andere, eher traditionell deltanische Theorie:
Für uns sind getrennte Objekte in einem Raum nichts anderes als Illusionen.
Die Bestandteile der Materie hängen alle zusammen, stehen zueinander in
Beziehung. Sie sind keine isolierten Einheiten, sondern Teil eines Ganzen.
Teil eines großen energetischen Feldes, welches sich ständig neu generiert
und die Erinnerung an sein altes Sein augenblicklich in seine neue Form mit
hinüber nimmt. Seiner Meinung nach ordnen die Neutrinoemissionen die
freigesetzten Elementarteilchen derart, dass sie in die durch die Erinnerung
des Feldes vorgegebenen Formen passen. Das würde allerdings bedeuten,
dass keine gänzlich neue Art von Leben entsteht, sondern nur eine von
vielen denkbaren Varianten. In unseren Experimenten haben wir seiner
Ansicht nach nur die Aufgabe des Feldes übernommen, indem wir unsere
Vorstellungen - unsere Erinnerung an Naschpur - als Formvorgabe
verwendeten.
Zufall, Willen, Erinnerungen … oder Gott? Vinara, ich weiß nicht, was ich
glauben soll. Glauben an sich wird uns auch nicht weiter bringen. Wir
würden doch nicht mehr als eine neue Variante eines alten
Schöpfungsmythos schaffen. Wenn wir jedoch der Essenz des Lebens
tatsächlich auf die Spur kommen wollen, darf das Ergebnis unserer Arbeit
nicht nur eine wissende Erkenntnis beinhalten, sie muss auch noch
beweisbar sein.
Doch wie das Nichtwissbare beweisen? Gedanklich befinde ich mich
momentan in einer Sackgasse. Professor Setak und sein Team sind zurzeit
damit beschäftigt, eine Datenbank zu erstellen, die uns helfen soll, die vielen
unterschiedlichen Schöpfungs- und Endzeitmythen einander entsprechend
zuzuordnen. Vielleicht hilft uns das weiter. Doch möglicherweise haben auch
Sie zwischenzeitlich neue Erkenntnisse gewonnen?
Sie werden mich in den nächsten Tagen weiterhin über die deltanische
Akademie der Wissenschaft auf Seyann Draschu erreichen. Es gibt hier
noch zuviel Arbeit, als dass ich ruhigen Gewissens nach Delta IV
zurückkehren könnte. Bitte grüßen Sie meinen ehrenwerten Kollegen Dr.
Mückner!
In hoffnungsvoller Erwartung neuer Denkanstöße
Assjima
Sie schickte den Brief ab und schaltete das Terminal aus. Im schwachen
Schein der Schreibtischlampe ging sie hinüber in das benachbarte Labor.
Hier und da blinkten ein paar Kontrolllampen. Über den gläsernen
Behältnissen lag ein leichter bläulicher Schimmer und hinter einer dicken
Aluminiumscheibe standen sechs einfache Petrischalen. Ihr Inhalt war mit
bloßem Auge kaum zu erkennen. Dennoch schaute Assjima einige Minuten
lang nachdenklich hinein. Welchen Golem hatten sie da nur geschaffen?
Der Golem … als Diener des Menschen geschaffen … doch stand nicht
irgendwo in der Sefer Jezira - dem jüdischen Buch der Schöpfung - diese
besondere Anmerkung, diese kleine Warnung "Wahrlich, man sollte diese
Dinge nur studieren, um die Kraft und Allmacht des Schöpfers dieser Welt
zu erkennen, aber nicht, um sie wirklich zu vollziehen."
Geschrieben von: Lucas Bishop am Aug 3 2005, 17:04
Rebecca war gar nicht begeistert gewesen, dass sie am Wochenende auf
ihren kleinen Bruder aufpassen sollte. Sie konnte Jeremiah den Kompromiss
abringen, dass er vor seinen Besuch bei seinen potenziellen
Schwiegereltern, Samuel zu dessen Großeltern, die in Vancouver lebten,
bringen würde. Sowohl Richard als auch Margret waren sehr erfreut, über
den Kurzbesuch ihres Enkelsohns, den Jerry am darauf folgenden Montag
wieder abholen wollte. Er machte sich schnell wieder auf den Rückweg nach
San Francisco, denn er hoffte, dass Hanni bei seiner Rückkehr fertig
umgezogen war. Und der Lieutenant hatte Glück. Hanni stand schon
gespornt und gestiefelt vor der Einfahrt der Estebans und erwartete ihn. Sie
hatte sich für einen weißen Hosenanzug, unter dem sie ein schwarzes Top
trug, entschieden. Ihre Haare hatte sie ein wenig hochgesteckt, d.h. sie
hatte einen Dutt auf den Hinterkopf, aber trotzdem fielen ihr einige
Haarsträhnen auf die Schultern. Da Jeremiah sich schon vorher umgezogen
hatte und nun eine marineblaue Baumwollhose zusammen mit einen weißen
Oberhemd trug, konnte das Paar auch sofort nach Charleston, das an der
Küste des alten US-Bundesstaates Süd-Carolina lag, aufbrechen, denn dort
lebten die Eltern der Stevenson-Zwillinge.
Lucas hatte Nanni von der Triton Station abgeholt und war nun mit ihr auf
dem Weg nach Charleston - South-Carolina. Nanni trug eine rosafarbene
Stoffhose und ein schwarzes Top. Ihre Haare trug sie offen und sie hatte
sich Locken machen lassen. Irgendwie schien Nanni nicht glücklich zu sein.
"Schatzi, was ist denn los? Du hast meine Mutter kennen gelernt und nun
lerne ich deine Eltern kennen" meinte Lucas freundlich und küsste Nanni
sanft auf die Backe. "Ich habe einfach ein komisches Gefühl..."
entschuldigte die jüngere Stevenson-Schwester ihr unglückliches Auftreten.
"Habe ich die falschen Klamotten an?" fragte Lucas mit leichter Skepsis in
seiner Stimme, dann schaute er an sich herunter. Er trug wie immer seine
schwarzen Schuhe, seine schwarze Stoffhose und ein rot-gelbes
Hawaiihemd mit einem weißen T-Shirt darunter. "Ach was, du siehst wie
immer gut aus..." antwortete Nanni und lachte laut.“Du siehst viel hübscher
aus, meine Schöne..." gab Lucas das Kompliment zurück.
Hanni und Jerry hatten Charleston erreicht und reihten sich in den Verkehr
ein. Als sie an einer Kreuzung warten mussten, bemerkte Jerry, wie seine
Freundin nervös mit ihren Haaren spielte: "Alles in Ordnung, Schatz?" "Als
ich das letzte Mal zu Hause war, haben sich mein Vater und ich gestritten.
Es ging darum, ob Nanni und ich nicht doch besser aus der Sternenflotte
austreten sollten. Und jetzt stelle ich ihnen einen Sternenoffizier als
potenziellen Schwiegersohn vor."
"Es wird schon gut gehen.", erwiderte Jerry sanft und legte seine rechte
Hand liebevoll auf die Hand seiner Freundin. "Sie werden sich schon damit
abfinden." Hanni sagte nichts, dachte aber für sich: "Da kennst du meine
Eltern schlecht, Hase." Jerry bog in eine Nebenstraße und hielt vor einer
Villa die nach seiner Schätzung aus dem 18. Jahrhundert stammte. "Warte
einen Moment. In der Nachricht meiner Mutter stand, dass Nanni auch
kommen würde. Und die bringt sicher Lucas mit. Wir sollten zusammen
reingehen."
"Lucas beeil dich, sonst kommen wir zu spät..." drängelte Nanni ihren
Freund und rutschte aufgeregt auf ihrem Sitz hin und her.“Wenn der vor uns
wie ne Eintagsfliege fliegt, dann kann ich auch nichts machen. Wieso bist du
eigentlich so nervös?" kommentierte Lucas die Flugsituation und fragte
zugleich. "Ach Hanni und ich hatten Streit mit unserem Dad und es ging um
einen Austritt aus der Sternenflotte. Und jetzt kommen Hanni und ich mit
zwei potentiellen Schwiegersöhnen, die beide Sternenflottenoffiziere sind."
erklärte Nanni ihre Nervosität. Dann bog Lucas in eine Nebengasse und
hielt vor einer alten Villa an, in der Nähe standen Hanni und Jerry und
warteten geduldig.
"Da kommen sie ja." rief Hanni erfreut. Ihre Schwester hatte kaum Zeit, aus
dem Gleiter zu steigen, da umarmten sich die Zwillinge. Grinsend blickte
Jerry zu seinen Freund. "Na Lucas, bereit für einen Besuch in der Höhle der
Löwen", bemerkte er scherzhaft.
"Jerry, ich war schon in der Höhle des Löwen und es hat gegongt..."
erwiderte Lucas den scherzhafte gemeinten Spruch seines Freundes. Dann
schaute er zu den Zwillingen und meinte "Jerry, wir sind gesegnet, mit
diesen beiden Frauen" und schaute verliebt seine Nanni an. "Gesegnet?
Selbst Q würde über die beiden sagen, dass sie einfach nur traumhaft sind.
Und er hatte ja ein paar Milliarden Jahre Zeit, sich umzusehen.", erwiderte
Jeremiah und dachte dabei: "Auch wenn mich Hanni irgendwann in den
Wahnsinn treibt."
Aber der Lieutnant hatte schon ein klein wenig von seiner Freundin gelernt,
wie man Spitzen verteilt: "He, Schatz, ich weiß, dass ihr beiden euch ein
paar Wochen nicht gesehen habt, aber eure Eltern warten." "Du hast doch
keine Ahnung, Hase.", konterte sie jedoch.
"Also mich drückt Nanni nie so lang..." beschwerte sich der Sicherheitschef
ironisch und grinste.“Dafür mache ich ganz andere Dinge mit dir." erwiderte
Nanni und umarmte weiterhin ihre Schwester. Lucas kam die Situation
spanisch vor, irgendetwas stimmte nicht. Aber er entschied sich für die
Option: Abwarten!
"Komm, wir brechen auf, bevor die Jungs sich in irgendeine Bar
verdrücken.", bemerkte Hanni grinsend und ließ ihre Schwester los. Sie
kontrollierte kurz ihre Frisur und ihr Make-up in einem Taschenspiegel.
Befriedigt über das Ergebnis, griff Hanni nach der Hand ihres Freundes und
zog ihn den Weg zur Haustüre. Der ließ es, nach einen kurzen Seufzer, über
sich ergehen. Aber als Hanni klingeln wollte, unterbrach Jerry sie kurz:
"Warte mal kurz." Dann nahm er sich ihren Handspiegel aus der
Handtasche und überprüfte den Sitz seines Hemdes.
"Möchtest du auch noch etwas Make-up. Ich denke der rosafarbene
Lippenstift passt gut zu dir." bemerkte Hanni spitz "Haha, sehr witzig,
Kleines.", erwiderte Jerry gelassen. "Aber es kommt ja nicht alle Tage vor,
dass man die Eltern seiner Freundin kennen lernt." "Ojemine..."
kommentierte Lucas die Situation und grinste. Jerry und Hanni passten so
gut zusammen. Nanni nahm ebenfalls die Hand ihres Freundes und die
Beiden stellten sich hinter Jerry und Hanni. "Lucas, kannst du bitte dein
Hemd zuknöpfen, mein Vater mag so was nicht..." bat Nanni ihren Freund.
Der überlegte kurz und folgte der Aufforderung seiner Freundin. Hanni
klingelte und kurz darauf öffnete Estelle Donavan, die Haushälterin die Tür.
Sie war schon recht lange bei den Stevensons, weshalb sie die Zwillinge mit
einen: "Hallo meine Mädchen. Wie geht es euch denn." begrüßte. "Hallo
Estelle. Uns geht es prima." erwiderter Hanni. "Und wer sind die beiden
schmucken Herrn neben euch?" "Das sind Jeremiah Esteban und Lucas
Bishop.", stellte Hanni sie vor.
Estelle musterte die beiden jungen Männer von oben bis unten. "Das ist
wieder einer Momente, wo ich mir wünsche, 30 Jahre jünger zu sein.",
bemerkte sie seufzend und fuhr durch ihr mittlerweile mit einigen grauen
Strähnen durchzogenes, schwarzes Haar. "Ich lasse euch besser rein, eure
Eltern warten im Wohnzimmer auf euch."
Lucas schaute mal komisch zu Jerry. Der zuckte nur mit den Schultern und
ging an Hannis Hand hinein. Nanni lächelte Estelle an und zog ihren Lucas
ebenfalls an ihrer Hand in die große Villa. Die Haushälterin schaute immer
noch entzückt den beiden Männern hinterher und freute sich für ihre
Mädchen.
Jeremiah holte tief Luft. Er war offen gestanden noch nie so nervös
gewesen. Und er konnte sich nicht hinter Nanni und Lucas verstecken. Auch
seine Freundin schien auch nicht weniger nervöser zu sein, also versuchte
er Zuversicht auszustrahlen und lächelte. Vorsichtig betraten die beiden das
Wohnzimmer dicht gefolgt von Nanni und Lucas.
John Stevenson, der Vater der Zwillinge, war sichtlich schockiert, als seine
Töchter mit ihren Freunden das Wohnzimmer betraten. Fast eine ganze
Minute wusste er nicht, was er sagen sollte. Als schließlich Hanni begann,
die peinliche Stille zu durchbrechen, indem sie ihren Freund vorstellte,
schnitt ihr Vater ihr eiskalt das Wort ab: "Ich will gar nicht wissen, wie die
beiden heißen. Diese beiden Neger sind in diesen Haus nicht willkommen."
Er stellte sich drohend vor Jeremiah auf: "Also verschwinden sie und neben
sie den anderen gleich mit." Er hätte vermutlich seiner Tochter eine Ohrfeige
verpasst, wenn der Lieutenant nicht eingriffen hätte. "Ich glaube, wir sind
hier nicht erwünscht", bemerkte er und zog den etwas perplexen Lucas mit
sich. Kurz vor der Hautüre warf er einen kurzen Blick auf seine Freundin und
verließ dann mit dem Sicherheitschef der Community das Haus.
"Wie hat der uns genannt? Neger?" fragte Lucas ganz irritiert seinem
Kumpel Jerry. So etwas war eine bodenlose Unverschämtheit und sie hatten
einfach aufgegeben.
"Lucas, es hätte nichts gebracht mit ihm zu streiten. Wenn dieser Kerl so
borniert ist, ist das sein Problem", erwiderte Jerry, dem es ähnlich wie
seinen Freund ging. "Manchmal ist ein taktischer Rückzug, das einzig
sinnvolle, damit eine angespannte Situation nicht eskaliert."
Er seufzte tief: "Lassen wir doch diesen Neandertaler einfach sein Ding
durchziehen. Schließlich sind wir nicht auf sein Wohlwollen angewiesen, um
mit den Zwillingen zusammen zu sein."
Jerry blickte sein Freund von der Seite an: "Ich weiß nicht wie es dir geht,
aber ich könnte jetzt gegen den Schock einen Drink vertragen. Ich habe
zwei Straßen weiter eine risianische Bar gesehen. Kommst du mit?"
"Ja, ich komme mit. Unseren Rückzug begießen..." entgegnete Lucas und
klopfte Jerry auf die Schulter. Dann ging er voraus, um so schnell wie
möglich von der Rassenhasser-Villa wegzukommen. Die beiden Freunde
kamen sich wie afrikanische Sklaven vor, die eine Baumwollplantage
verließen.
***********************************************************
Hanni brauchte erst ein paar Sekunden um die ganze Situation zu
begreifen. Ihr Vater hatte ihren Freund und den ihrer Schwester aus dem
Haus geworfen, einfach nur, weil sie eine andere Hautfarbe hatten. Sie
konnte es nicht fassen. Neben ihr begann Nanni zu schluchzen und dann
weinend in ihr altes Zimmer zu laufen. "Bist du jetzt zufrieden.", brüllte Hanni
ihren Vater wütend an. "Was fällt dir eigentlich ein?" "Schrei mich nicht an,
junges Fräulein.", brüllte John Stevenson zurück. "Ich bin immer noch dein
Vater und erwarte als solcher auch einen gewissen Respekt."
Besorgt blickte Mary Stevenson von ihren Mann zu ihrer Tochter und wieder
zurück. "Setzt euch doch erst mal wieder hin und beruhigt euch.", versuchte
sie zwischen den beiden Streithähnen zu schlichten. "Ich soll mich
beruhigen, Mom? Er hatte gerade den Mann, den ich liebe, aus dem Haus
geworfen, nur weil er eine andere Hautfarbe hat.", ereiferte sich Hanni.
"Du verstehst mal wieder absolut gar nichts.", konterte ihr Vater. "Ich habe
schließlich einen Ruf zu verlieren." Hanni lachte auf: Es klang sehr hart. "Wo
denn? In dein Rotaryclub oder wie sich das Ding nennt, bei deinen
Freunden in dieser komischen Rückbesinnungspartei?"
Hanni wusste, dass ihr Vater ein führendes Mitglied der „Vereinigung zur
Rückbesinnung auf die Erde" war, einer Organisation, die den Austritt der
Erde aus der Föderation und die Aufgabe des interstellaren Raumflugs
forderte. Glücklicherweise hatte diese Vereinigung es noch nie geschafft,
einen Platz im Planetaren Rat der Erde zu erhalten.
"Die anderen Mitglieder lästern schon hinter meinem Rücken über mich, weil
ihr Beiden bei der Sternenflotte seid." erwiderte John Stevenson bissig.
"Und jetzt verliebt ihr euch auch noch jede in einen Neger. Ihr bringt
Schande über unsere Familie. Mein Vater würde sich im Grabe umdrehen."
"Dir geht es also mal wieder nur um dein Ansehen." Hanni hatte geglaubt es
würde nicht noch schlimmer kommen. "Das ist ja mal wieder typisch für dich.
Unser ganzes Leben hast du versucht uns vorzuschreiben, was wir tun und
lassen sollen, damit wir in deine Version der heilen Welt rein passen." Sie
zog eine Grimasse: "Es geht immer nur dich."
Sie wandte sich an ihre Mutter: "Wie konntest du nur diesen egoistischen,
bornierten..." "Pass auf, was du sagst?", warnte ihr Vater. Doch Hanni fuhr
unbeirrt fort. ".. Neandertaler nur heiraten." Und fing sich damit eine
Ohrfeige von ihren Vater ein, was sie zu einen sarkastischen: "Oh ich habe
noch gewalttätig vergessen.", veranlasste. Erschrocken über sich selbst,
verließ John nachdenklich das Wohnzimmer. "Sollte seine Tochter wirklich
recht haben?", fragte er sich immer wider.
Hanni setzte sich nun neben ihre Mutter und rieb sich ihre Wange: "Dad hat
soeben die Menschheit ins 19. Jahrhundert gebeamt."
Mary war immer noch etwas erschüttert. Aber da es schien, als würde ihre
Tochter ein Antwort erwarten: "Dein Vater kann sehr charmant sein.
Außerdem sind nicht alle sein traditionellen Ansichten schlecht." "Charmant?
Das wäre ja was Neues?", Hanni hob ihre Augenbrauen soweit, dass selbst
ein Romulaner neidisch geworden wäre.
"Es geht ja nicht um seine Ansichten an sich. Aber einen anderen Menschen
nach seiner Hautfarbe zu beurteilen, ist im 24. Jahrhundert fehl am Platze."
Hanni schüttelte den Kopf: "Du musst die beiden Mal kennen lernen.
Abgesehen vom Volleyball sind die Beiden als Team unschlagbar. Und was
Jerry direkt angeht. Auf der einen Seite ist er sehr pflichtbewusst, aber auch
stark, liebevoll und zärtlich zugleich. Ich fühle mich einfach bei ihm wohl. Als
ich nach dem Absturz mit der Primärsektion, von dem ich dir geschrieben
habe, eine Schulter zum Ausweinen brauchte, war er für mich da."
"Klingt, als wäre er dein Traummann.", erwiderte Mary lächelnd. "Ist er auch.
Wir haben sogar schon ein wenig über das Thema Familienplanung
gesprochen. Jerry kann gut mit Kinder umgehen, er wäre also ein toller
Vater", erwiderte Hanni verträumt. "Und du glaubst nicht, wie süß er ist,
wenn er schmollt."
Die junge Frau stand auf: "Ich bin daher nicht bereit ihn um des lieben
Frieden Willens aufzugeben. Und Nanni geht es mit ihren Lucas bestimmt
genauso." Sie stoppte kurz: "Apropos Nanni. Ich sollte besser nach ihr
sehen."
Die junge Frau lief die Treppe hoch und klopfte an die Zimmertür ihrer
Schwester. Herein..." schluchzte Nanni und hoffte, dass es ihr Schwester
war die vor der Türe stand. Nanni hatte die ganze Zeit geweint, ihr Vater war
so gemein. Lucas war das Beste, was ihr in der letzten Zeit passiert war. Sie
liebte ihn und würde gerne ihr restliches Leben mit ihm verbringen. Es war
doch egal, was Lucas und Jerry für eine Hautfarbe hatten, Hauptsache, sie
waren lieb zu ihnen.
Hanni betrat das Zimmer. Es verursachte ihr immer einen Stich im Herzen,
wenn sie ihre Schwester weinen sah. Und dieses Mal hatte sie ja auch allen
Grund dafür. Hanni nahm ihre Schwester in den Arm und es kullerten ihr
einige Tränen über die Wangen. „Ich habe Dad vorhin so richtig die Meinung
gesagt.“, berichtete Hanni.
"Wieso tut er so was? Er ist so gemein zu den Beiden gewesen..." meinte
Nanni und musste bei dem Gedanken wieder weinen. Dann sah sie den
Handabdruck in Hannis Gesicht. Sanft streichelte Nanni die Backe ihrer
Schwester und schluchzte: "Hat er dich wieder geschlagen?"
"Ja hat er", bestätigte Hanni grimmig. Sie hatte mittlerweile beinahe die
früheren Auseinandersetzungen mit ihren Vater vergessen, bei denen er
schlussendlich handgreiflich geworden war.
"Aber das interessiert mich ehrlich gesagt gar nicht mehr. Soll er doch in
seiner antiken Welt leben, wo wir Frauen kleine blökende Schafe sind, die
nichts aus Eigeninitiative tun", wehrte Hanni ab. Sie stellte sich auf und zog
auch ihre Schwester in die Senkrechte: "Weißt du was mir jetzt machen. Wir
suchen Jerry und Lucas."
"Hanni, tut mir leid, dass ich immer gleich weinen muss. Ich sollte dich mehr
gegen unseren Vater unterstützen..." entschuldigte sich Nanni und wischte
sich die Tränen ab. Dann umarmte sie ihre Schwester und drückte sie ganz
fest. "Ja, einverstanden gehen wir Lucas und Jerry suchen. Es regnet
nämlich schon..." entgegnete Nanni, der die Idee mit dem Suchen gut gefiel.
"Dass muss dir nicht leid tun, Kleines. Du bist eben etwas näher am Wasser
gebaut." Sie schaute aus dem Fenster und fand die Aussage ihrer
Schwester bestätigt. "Okay, dann nehmen wir ein Fahrzeug. Jerry hat mir
die Codekarte für seinen Gleiter anvertraut."
Gemeinsam liefen die beiden jungen Frauen die Treppe runter. In der
Vorhalle wurden sie von Estelle erwartet, die zwei große Regenschirme in
den Händen hielt. "Sie sind ein Schatz", entfuhr es Hanni.
"Jetzt übertrieben sie aber.", erwiderte die Haushälterin lächelnd. "Richten
sie meiner Mutter aus, dass ich dieses Haus erst wieder betrete, wenn sich
mein Vater bei unseren Freunden und auch bei uns entschuldigt hat. Und
zwar schriftlich", bat Hanni.
Die ältere Frau nickte, hatte aber trotzdem Bedenken. "Glauben Sie wirklich,
Sie tun das Richtige, Miss. Sie wissen, wie stur er sein kann." "Und ob ich
das weiß. Aber das kann ich auch. Und ich will ihn zu Kreuze kriechen
sehen", erwiderte Hanni fest und verließ mit ihrer Schwester das Haus.
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"Scherry, du bist echt witzig..." lallte Lucas und kippte sein Glas mit dem
saurianischen Brandy weg. Er wusste gar nicht, wie viele Gläser er schon
getrunken hatte, aber es war ihm vollkommen egal. Er hatte Schmerz
erfahren und wollte ihn mit Alkohol wegspülen, doch es klappte nicht so
ganz. Die arme Nanni saß bestimmt heulend in ihrem Zimmer und wurde
von ihrer Schwester getröstet. Eigentlich hätte Lucas sie trösten müssen,
aber er durfte das Haus nicht betreten, weil er schwarz war.
"J-Jaa, Luc" nuschelte sein Saufkumpan. Als er seine Zunge etwas unter
Kontrolle hatte, sah Jerry in sein Stardrifterglas und meinte philosophisch
"Manchmal frage ich mich echt, für was Männer wie Martin Luther King,
Mohammed Ali oder Gabriel Bell gekämpft haben. War doch sowieso alles
für die Katz." Er trank den letzten Rest aus seinen Glas und meinte:
"Meister, noch eins."
Der Risaner, der Besitzer und Barmann in Person war, sah dem Treiben der
beiden Männer besorgt zu. Schon seit über einer Stunde saßen Jerry und
Lucas da und ließen sich vollaufen.
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Währenddessen hatten die Zwillinge die nähere Umgebung abgesucht.
Doch keine Spur von ihren beiden Freunden. Frustriert schlug Nanni auf die
Abdeckung des Handschuhfaches: "Wo können die beiden nur sein?" Sie
war den Tränen nah. Aber Hanni hatte einen Einfall. „Weißt du noch was wir
gemacht haben, als Commander Nimembeh uns nach dem verpatzten
Überlebenstraining zusammengefaltet hat?"
"Wir sind in einen Pub gegangen und haben einen hinter die Binde gekippt.
Meinst du Jerry und Lucas sind in die risianische Bar, hier in der Nähe
gegangen?" kombinierte Nanni die Gedanken ihrer Schwester weiter. Dann
sprang sie in den Gleiter und winkte Hanni aufgeregt. "Los starte, die sind
da bestimmt" freute sich Nanni und hatte Freudentränen in ihren Augen.
"Ja Scherry, du sagst es, Martin Luther King hatte einen Traum und ist dafür
gestorben. Wieso?" brummte Lucas zu seinem Saufkumpan und kippte den
nächsten Brandy nach. "Das wir und unsere Brüder und Schwestern immer
noch wegen der Hautfarbe verachtet werden..." fügte er spottend hinzu und
knallte das Glas auf den Tisch.
Plötzlich öffnete sich die Eingangstüre der Bar und die Zwillinge traten ein.
Mit dem schnellen analysierenden Blick von Sternenflottenwissenschaftlern
entdeckten sie die beiden Vermissten an der Theke. Ihnen entgingen auch
nicht die Gläser, die um die beiden herum standen. Nach Hannis Schätzung
hatte ihr Freund mindestens fünf Stardrifter intus und bei Lucas standen
sieben oder acht Brandy-Gläser.
Vorsichtig trat sie mit ihrer Schwester auf die beiden zu: "Jerry? Lucas?"
Jeremiah war es als wurde er angesprochen. Er drehte sich auf seinen
Barhocker rum, was ihm einige Kopfschmerzen einbrachte und meinte:
"Sch-Schau mal a-an wer das ist. Die vier für deren Vater wir nicht fein
genug waren.“
"Wa-wa-was? Die Damen, deren Haus wir nicht betreten dürfen mit unseren
schwarzen Ärschen..." grölte Lucas den Zwillingen entgegen und schaute
böse. "He Meister, noch einen Brandy" brummte er weiter und fuchtelte in
der Luft herum und fiel beinahe vom Barhocker. Nanni schaffte es den doch
recht schweren Sicherheitschef vor dem Absturz zu bewahren. Auch Hanni
brauchte Jeremiah nur anzutippen, damit der sich wieder setzte. "Ihr beiden
habt genug", sagte Hanni bestimmt. "Wir bringen euch jetzt nach Hause."
Und Nanni fügte hinzu: "Wir dürfen euch zwar nicht mit ins Haus unserer
Eltern nehmen, aber sonst nehmen wir euch überall hin mit."
Sie griff ihren Freund in die Hosentasche und zog die Codekarte für den
gemieteten Gleiter hervor. "So und jetzt verfrachten wir euch in eure Betten",
sagte sie, während Hanni die Rechnung der Beiden beglich.
"Ihr wollt ni-ni-nischt zu euren Eltern.", stotterte Jeremiah. „Wir können nur
dort sein, wo unsere Herzen sind, Hase." bemerkte Hanni belustigend.
"Dasch hast du aber schön gesacht." Dem Lieutenant kamen die Tränen:
"Sch-schau mal Luc, die verlassen ihre Eltern für uns."
"Haaaase... Das ist ja mal geil..." lachte Lucas und hörte nicht mehr auf...
Nanni hatte echte Probleme das Muskelpaket von Bishop zu stützen. Der
hatte jetzt erst begriffen, was Jerry gesagt hatte. "Ich sagte doch Scherry,
wir haben die besten Freundinnen im Universum" lallte Lucas und wollte
Nanni küssen, die schreckte aber wegen seiner Alkoholfahne zurück. "Hanni
hilf mir, Lucas ist so schwer" flehte Nanni ihre Schwester an, denn sie fiel
beinahe mit ihrem Freund um
"Hilf, hilf du mal deiner Schw-Schwester, Kleines. Ich kann alleine gehen."
Etwas eingeschnappt löste Jerry sich aus Hannis Griff und fügte hinzu: "Isch
bin nämlich scho schon groß." Und fiel auf seine zwei Meter der Länge nach
hin.
"Kann ich den Damen vielleicht helfen.", bot der Barkeeper freundlich an.
"Danke, das wäre sehr nett.", erwiderte Hanni. Der Risaner unterstützte
Nanni, während sich ihrer Schwester ihren Freund halb über die Schulter
warf und ihn hinter sich her schleifte. Wenig später war das Grüppchen bei
den Gleitern der vier jungen Leute angekommen. Zuerst wurde der
mittlerweile schlafende Jerry auf den Beifahrersitz seines Gleiters gesetzt
und angeschnallt. Danach verfrachteten die Zwillinge zusammen mit dem
Barmann Lucas auf die Rückbank dessen Gleiters. Der Barmann
verabschiedete sich mit einem freundlichen: "Gute Reise." und Lucas lallte
zur Erwiderung: "Schoa recht."
Danach umarmten sich die Zwillinge zum Abschied noch einmal ganz fest
und fuhren beide ihren Gedanken nachsinnend, an die Orte die sie nun
Zuhause nannten.
Alex und U_E "Baumwollplantagen und Onkel Johns Villa"
Geschrieben von: Bjørn Niels van Richthoven am Aug 4 2005, 00:12
Milseya war völlig hin und weg - sie saß am Steuer der Cessna und flog das
kleine Flugzeug über den kubanischen Dschungel. Erinnerungen an andere
alte Fluggeräte, die sie in ihrer Akademiezeit geflogen war, stiegen in ihr
hoch. Das war echtes Fliegen. Hier gab es keinen Computer, der einem
alles abnahm. Hier kam es wirklich nur auf den Piloten an. Sie schwebte
sprichwörtlich auf Wolke sieben.
Niels genoss den Flug. Hier oben in der Luft fühlte er sich frei. Jetzt musste
er die Karte lesen und ihr anzeigen, in welche Richtung sie fliegen musste.
Wer würde sich nicht freuen, wenn er eine echte, ausgebildete Pilotin dabei
hatte. Er tippte ihr auf die Schulter und meinte: "Wir müssen 10° nach
Süden!"
„Aye, Sir“, erwiderte Natalia und lachte laut auf.
Sie flogen über einen See, das Wasser war blau und kristallklar. "Da ist
nichts, rein gar nichts!" bemerkte 007. "Los noch ein Überflug." Nach einer
Schleife waren sie wieder darüber. "Vielleicht hatte Wade doch recht und es
gibt hier gar keine Satellitenschüssel?" überlegt Bond.
„Verflucht! Was war das denn?“, brüllte Milseya, als auf einmal ein
Höllenlärm ausbrach und das Flugzeug bedrohlich ins Trudeln kam.
Niels sah sich um, einer der Flügel sah gar nicht gut aus. Eine Boden-LuftRakete war aufgestiegen und hatte den Flügel getroffen.
Milseya versuchte das Flugzeug wieder unter Kontrolle zu kriegen vergeblich. „Ich kann die Maschine nicht mehr halten“, schrie sie zu James.
Sie steuerte auf den kleinen See zu und hoffte, dass sie nichts verlernt
hatte. Die Cessna raste auf die Wasseroberfläche zu, sie fing sie ab, doch
die Geschwindigkeit war immer noch zu hoch. Sie würden den See
verfehlen, erkannte Milseya. Nun denn, dann der Urwald .. sie war heilfroh,
dass dieser Absturz keine weitere Kerbe bedeuten würde – fünf waren
wahrlich genug! "Festhalten", brüllte sie. Die Cessna streifte die
Baumkronen und krachte dann in den Dschungel, der die Maschine
langsam abbremste. Natalia knallte mit dem Kopf gegen die Armaturen und
verlor das Bewußtsein.
Bond strecke seinen Arm auf dem Flugzeug. Er lebte, diese Stelle mochte er
gar nicht. Er hasste es abzustürzen. Jetzt denk bloß nicht an den blöden
Wüstenplaneten, sagte Niels zu sich selbst. Er schüttelte den Kopf. Er
öffnete die Tür des Flugzeugs und trug Milseya vorsichtig heraus, zum
Glück war sie schlank und so war es ein Leichtes für ihn. Er legte sie
behutsam ab und flüsterte: "Natalia? Sind sie noch da?" Keine Antwort. Er
legte sich alle Viere von sich gestreckt auf den Rücken und schloss seine
Augen. Plötzlich erschien über ihnen ein Hubschrauber. Ein Seil hing von
ihm herab. Niels öffnete seine Augen und sah, wie sich jemand an dem Seil
herabließ. Er war mittlerweile aufgestanden und starrte auf die Person, es
war Xenia, wer sonst? Sie schickte ihn mit einem gezielten Schlag zu
Boden.
Natalia wachte mit einem gehörigen Brummschädel auf und das, was sie
sah, gefiel ihr auch nicht besonders. Langsam griff sie nach einem schweren
Stock und wollte damit zuschlagen, doch Xenia erahnte den Angriff, griff
nach dem Stock und entriss ihn ihr. Dann packte sie Natalia am Kopf und
zog sie zu sich. „Warte, bis du dran bist“, zischte sie. „Ich bin kein geduldiger
Mensch“, erwiderte Milseya und wich dem Kopfstoß Xenias geschickt aus.
Die Russin war überrascht, aber keineswegs überrumpelt. Ein Reihe von
Schläge prasselte auf Milseya ein, die sie abwehrte oder in Gegenschläge
umwandelte. Das Ganze hier ist eine nette kleine Übung und widerspricht
auch nicht meinem Eid, dachte sie und begann einen neuen Angriff –
diesmal härter und schneller. Die Holodeckfigur reagierte dementsprechend
darauf. Die beiden Frauen kämpften erbittert gegeneinander, bis bei Milseya
wirklich der Geduldsfaden riss. Mit einer gezielten Kombination aus Teep
und einer Ellbogenattacke knockte sie ihre Gegnerin aus. Dann drehte sie
sich um zu Niels, der auf der Seite liegend den Kampf sichtlich vergnügt
beobachtet hatte . „Muss ich hier eigentlich alles alleine machen?“, fragte sie
grinsend.
Niels war beeindruckt. "Du ziehst es aber auch magisch an!" stichelte er.
Dann schnappte er sich Xenias Maschinengewehr und schoss auf den
Hubschrauber, der Pilot durfte nicht den Alarm auslösen. Volltreffer! Der
Hubschrauber verlor schnell an Höhe und schlug in einer heftigen Explosion
auf dem Boden auf. Bond und Natalia hatten sich auf den Boden geworfen.
„Ich? Jetzt mach mal halblang!!“, gab Milseya zurück und zupfte sich ein
Blatt aus dem Haar. „Wessen Idee war das denn hier? Wobei...“ Sie grinste
Niels vielsagend an.
Er grinste zurück. Hinter ihm erhob sich eine gewaltige Satellitenschüssel
aus dem See. "Kein Wunder, dass wir sie nicht sehen konnten."
kommentierte er. "Los, komm!" Sie arbeiteten sich durch den Dschungel in
Richtung der Schüssel vor. Wasser lief aus ihr hinaus, als sie nach dem
Satelliten ausgerichtet wurde. Bond sah Natalia mit großen Augen an.
Mittlerweile waren sie an einer Straße angelangt und folgten dieser in
Richtung der Satellitenschüssel. Plötzlich bewegte sich die Schüssel.
********
Ganz in schwarz gekleidet stieg Alec Travelyan die Treppen im riesigen
Kontrollraum hinab und ging den Raum, wo Boris umgeben von Computern
saß. „Ist der der Satellit in Reichweite?“, fragte er. „In sechs Minuten“,
antworte Boris. „Bereiten Sie die Satellitenschüssel vor“, befahl ihm
Travelyan, „Es ist noch zu früh. Ich bin noch nicht fertig!“, maulte Boris
zurück. „Tun Sie es“, herrschte ihn der schwarz gekleidete Mann an.
„Die größte Kreditkarte der Welt“, erklärte Alec, als er 'Goldeneye' aus
einem Behälter nahm und Boris übergab. Der kleine Mann, dessen Brille
stets auf seiner Nasenspitze balancierte, grabschte danach. Doch Travelyan
hielt es fest. „Es ist besser, wenn sie nicht zurück gewiesen wird“, erklärte
Alec mit finsterer Miene, bevor er seine Hand zurückzog.
Der bebrillte Programmierer platzierte den bernsteinfarbenen Stein in die
dafür vorgesehene Öffnung und nahm einen Stift um seine Finger wirbelnd
vor seinem Monitor Platz. „Mischa ist online“, sagte er zu Alec, als ein
Söldner dem Angesprochenen einen Handheld-Videobildschirm überreichte.
Deutlich konnte Alec darauf erkennen, wie James und Natalia sich der
Satellitenschüssel näherten. „Tötet Sie“, befahl Alec dem Söldner.
„Zielkoordinaten?“, fragte Boris. „Das Ziel ist London“, grinste Travelyan
dämonisch.
********
„Sie bereiten das Signal für den Satelliten vor“, erklärte Natalia.
"Wie kann man das aufhalten?" fragte er.
„Mit dem Transmitter über dem ..“ wollte sie ihm gerade erklären, als
Schüsse um sie peitschten. Sie gingen in Deckung und sprangen schließlich
in die gigantische Satelittenschüssel. Die Soldaten feuerten weiter auf sie,
während sie immer schneller nach unten rutschten.
In der Mitte war eine Öffnung, durch die das Wasser abgeflossen sein
musste. Niels stoppte ihre Rutschfahrt rechtzeitig vor dem Loch und sie
sahen hinab, eine runde Tür.
Sie öffneten sie und klettern hinunter. Vor ihnen breitete sich ein riesiges
Kontrollzentrum – größer noch als das in Severnaya - aus. Sie gingen in
Deckung und sahen dem Treiben zu. Da zeigte Natalia auf eine Konsole in
einem abgegrenzten Raum. „Das ist der Zentralrechner“, flüsterte sie James
zu.
"Bleiben sie hier!" wies Bond Natalia an. Er verließ die Deckung und
erledigte zwei Wachen mit seiner Walther. Dann ging er wieder hinter einem
Pfeiler in Deckung. Er konnte sehen wie sie seine Anweisung nicht befolgte
und eine Leiter herunterkletterte. Warum können Frauen nie stillsitzen und
abwarten, fragte er sich. Manchmal retten sie aber auch sein Leben. Egal,
dachte er und wandte sich wieder den Soldaten zu und feuerte. Er nahm
zwei seltsam aussehende Sprengsätze aus einer seiner Taschen, ohne
Zweifel stammten diese von Q. Er machte sie scharf. Die Soldaten hatte in
der Zeit bessere Positionen eingenommen und zielten auf ihn. Niels kam zu
der Erkenntnis, dass er hoffnungslos unterlegen war. Er schob die PPK über
den Boden zu den Soldaten herüber und nahm die Arme über den Kopf als
Zeichen, dass er aufgab. Ein Soldat packte ihn und drückte ihn gegen die
Wand. Wie gerne hätte sich Niels jetzt gewehrt. Doch er musste sich
gefallen lassen, dass er nach weiteren Waffen abgesucht wurde. Zu seiner
Linken konnte er sehen, dass die Sprengsätze an einem Tank, der mit einer
pinken, explosiven Flüssigkeit gefüllt war, platziert waren. Jetzt wurde er von
den Soldaten die Treppe hinunter zum Kontrolldeck gebracht.
Wieso läuft bei diesem Bond nie was glatt, fragte sie Milseya, während sie
hinter einem riesigen Tank hervorlugte und beobachtete wie James sich
ergab. Das Ganze könnte doch viel einfacher laufen! Sie seufzte lautlos. In
manchen Dingen würde sie die Menschen nie verstehen. Vorsichtig schlich
sie zurück in Raum, wo der Zentralcomputer stand, und begann zu tippen....
Sie war beinahe fertig, als die Söldner sie entdeckten. Sie griffen nach ihr,
doch es gelang ihr gerade noch die Enter-Taste zu drücken, bevor sie sie
wegbrachten. Auf Natalias Gesicht spiegelte sich ein undefinierbares
Lächeln.
**********
Boris saß immer noch von Computern umrundet auf seinem Platz. „Die
Antenne ist in Position“, meldete er. Travelyan händigte ihm einen der
beiden Operationsschlüssel aus. Beide steckten sie in die dafür
vorgesehenen Öffnungen. „Auf mein Zeichen.. 3..2..1!“ zählte Alec.
Zeitgleich drehten beide die Schlüssel herum. Eine riesige Karte erschien
auf dem gigantischen Sichtschirm. Langsam veränderte sich die Flugbahn
des Satelliten bis sie über London lag. „Gott schütze die Königin“, erklärte
Alec sarkastisch als er die Waffe online schaltete.
"Was für eine unwillkommene Überraschung!" meinte Alec, als er merkte
wie Bond hereingebracht wurde. "Die Freude ist ganz auf meiner Seite!"
antwortete Niels sarkastisch. "Wo ist das Mädchen?" wollte Alec wissen.
Niels antwortete nicht. Alec konnte wohl nicht davon ausgehen, dass er es
ihm sagte und hatte wohl auch nicht damit gerechnet. "Findet sie!" wies er
seine Gehilfen an. Auf den Tisch wurden einige Sachen gelegt, die bei Bond
gefunden wurden, darunter die Walther und der Kugelschreiber. Alec nahm
diesen und betrachtete ihn. "So, wie geht es dem alten Q? Immer noch die
selben Tricks? Die Uhr zum Beispiel." Er verglich sie mit seiner eigenen.
"Ah, ein neues Modell! Ich muss immer noch hier drücken, nicht wahr?" Er
betätigte den Knopf und entschärfte die Sprengsätze.
Auf einem Bildschirm sah man einen Online Banking-Vorgang. "Interessant,
Alec." kommentierte Bond. "Du brichst in die Bank von England übers
Internet ein und transferierst enorme Summen kurz bevor GoldenEye alle
Daten löscht." "Danke, James!" meinte Alec höhnisch. "Aber am Ende bist
du nur ein gewöhnlicher Dieb, nicht mehr!" fügte Bond hinzu. Das erregte
Alecs Zorn. Er stand auf. Bond hatte eine ganz spezielle Art den Zorn
anderer Leute auf sich zu lenken.
"Du hast einen so beschränkten Verstand, James. Ich lösche nicht nur die
Bankaufzeichnungen, sondern alles im Großraum von London, einfach
alles. In sechzehn Minuten und 43...42 Sekunden wird Großbritanien in die
Steinzeit zurückgeschickt", erklärte Alec, während er um Bond um herumlief.
"Ein weltweiter finanzieller Zusammenbruch. Und der all zu böse kleine Alec
kann mit der Welt abrechnen!" entgegnete Bond. "Aber bitte, James. Wie
viele Wodka Martinis waren nötig, um all die Schreie derer, die du getötet
hast, verstummen zu lassen?" stichelte Alec und blickte auf.
„Willkommen, meine Liebe“, begrüßte Travelyan Natalia, als sie
hereingeführt wurde.
Auch Boris hob seinen Blick, um zu sehen, wen Travelyan begrüßte. Seine
Miene hellte sich auf als er die Frau erblickte. „Natalia!“, begrüßte er sie
freudig. Die Angesprochene sprang zu ihm hin und verpasste ihm einen
derben Faustschlag. Er fiel zu Boden und kauerte sich unter den Tisch. Was
Natalia aber nicht davon abhielt, weiterhin auf ihn einzuprügeln und zu
treten. Schließlich zog sie ein Söldner zurück.
Der Geprügelte erhob sich und setzte seine heruntergefallene Brille wieder
auf. Wieder wirbelte ein Stift durch seine Finger. „Tu das nie wieder!“, brüllte
er Natalia an. „Das ist nicht eines deiner Spiele, Boris!“, schrie sie zurück.
„Echte Menschen werden sterben, du durchgeknallter, erbärmlicher Wurm!“
Boris hob seinen Arm, um sie zuschlagen, doch Alec hielt ihn zurück. „Sie
war am Hauptrechner. Überprüfen Sie den Computer!“ „Sie ist ein Nichts.
Eine Stufe2-Programmiererin. Sie arbeitete am Leitsystem.“ Der Blick
Natalias sprach Bände. Am liebsten wäre sie ihm an die Gurgel gesprungen.
„Sie hatte nicht einmal Zugang zu den Abschusscodes!“, höhnte Boris
triumphierend, als der Alarm plötzlich losging. Boris rannte zurück zu seinem
Computer, während nun Natalia überlegen grinste. „Die Bremsraketen
wurden gezündet“, rief er aus.
Vor Nervosität wirbelte der Stift in seiner Hand noch schneller, während er
unbewusst immer wieder mehrere Male den Minendruckknopf drückte.
„Was zur Hölle passiert da?“, fragte Alec wütend. „ Wiedereintritt in .. 12
Minuten“, antwortete Boris entsetzt. „Der Satellit wird irgendwo über dem
Atlantik verglühen“, erklärte Natalia grinsend. „Machen Sie es rückgängig!“,
befahl Alec dem Programmierer. „Sie hat die Zugangscodes geändert“,
brüllte Boris und deutete auf Natalia. „Dann wird sie das wieder rückgängig
machen“, erklärte Alec, zog eine Pistole und hielt sie an James Gesicht. „Na
los, erschießen sie ihn. Er bedeutet mir gar nichts!“, sagte Natalia lächelnd.
James rollte mit den Augen. „Ich kann es schaffen. Ich kann ihre Codes
knacken“, rief Boris aus. „Dann tun sie es!“, herrschte ihn Alec an.
Boris tippte und spielte mit dem Schreiber. Er klickte zweimal und will ein
drittes Mal drücken. Niels beobachtet es genau, doch dann legte er den Stift
nieder. Alec kochte mittlerweile, er richtete seine Waffe auf Natalia. "Sagen
sie es ihm! Sofort!" schrie er sie an. Boris steht erregt auf und man kann ihn
drei Mal klicken hören. Jetzt vier Sekunden, dachte Niels. Boris baute sich
vor Natalia auf: "Gib mir die Codes, Natalia! Gib sie mir!" In dem Moment
schlug Niels ihm den Schreiber aus der Hand. Er flog quer durch den Raum
direkt in die pinkfarbene Flüssigkeit. Niels und Milseya duckten sich in
Erwartung, was kommen würde. Eine gewaltige Explosion erschütterte die
Anlage. In dem Moment der allgemeinen Verwirrung konnten Bond und
Natalia in einen Aufzug fliehen. "Kann Boris deine Codes knacken?" fragte
er besorgt.
„Möglich“, meinte Natalia.
"Möglich?" Niels zog eine Augenbraue hoch. "Wir müssen den Transmitter
unbedingt zerstören!"
„Ach, übrigens. Danke, es geht mir gut!“, erklärte sie ironisch.
Als der Aufzug, der zum Antennenturm führte, stoppte, sah sich die Wache
verwundert um. Die Türen öffneten sich und zu seiner Überraschung sah er
eine Frau bewusstlos am Boden liegen. Er näherte sie dem Körper als auf
einmal ..
... sich Bond von der Decke des Aufzugs schwang und und die Wache
gegen die Metallwand schleuderte. Er nahm die Pistole der Wache und
reichte sie Natalia. "Weißt du, wie man die benutzt?"
Natalia nahm das Magazin heraus, überprüfte es und setzte es mit einem
Kantenschlag wieder ein. „Ja“
"Halte dich im Hintergrund!" ordnete er an.
„Das soll wohl ein Scherz sein“, entgegnete Milseya ihm. „Wenn ich mal
anmerken darf, ich habe dir gerade ein paar Mal deinen niedlichen Hintern
gerettet.“
Niels wurde rot und sah sie dann vorwurfsvoll an. Dann lief er voran zu einer
Metallbrücke, die zur Antenne führte.
Wieso wurde er nur rot? Milseya verstand die Welt nicht mehr. Doch nicht
etwa deswegen? Sie grinste. Na gut, Retter der Menschheit! Ganz wie du
willst, dachte sie und suchte nach einem anderen Ausgang. Aber niedlich ist
dein Hintern dennoch, dachte sie.
**********
„Wie lange noch?“, fragte Alec ungeduldig. „Zwei Minuten .. eine Minute“,
antwortete Boris während er hektisch auf die Tasten einschlug. „Ich habe es
gleich.“ Ein Söldner trat neben Travelyan. „Wenn er sich bewegt, erschiess
ihn“, befahl Alec ihm und rannte los. Der Söldner zielte mit einer Pistole auf
Boris Kopf.
************
Tja, manchmal hat man Glück, dachte sich Milseya als sie den
Hubschrauber entdeckte und sich anschlich.
Alec lief zu einer Art Seilbahn, die zur Antenne führte. Niels hingegen
sprintete auf der schmalen Metallbrücke. Alec war nur knapp hinter ihm in
der Seilbahnkabine. Es folgte ein Schusswechsel, Alec feuerte mit seinem
Sturmgewehr und Niels warf sich zu Boden, von wo er das Feuer mit seiner
Waffe erwiderte. Dann waren die Magazine leer. Alec lud nach und Bond
rannte weiter die Brücke hinauf. Daraufhin nahm Alec seine Pistole zur
Hand und eröffnete erneut das Feuer auf ihn, verfehlte ihn jedoch. Er
schwang sich aus der Kabine und rannte hinter Bond her. Und wieder ein
Schuss. Niels wich geschickt aus, Alec musste wieder nachladen.
Dann hatte Niels den Eingang zum Maschinenraum des Transmitters
erreicht und kletterte hinein. Jetzt begannen die Zahnräder sich zu
bewegen, der Transmitter wurde ausgerichtet. Da stürzte sich Alec auf
Bond. Sie kämpften. Eine Zeit lang ging es hin und her, doch dann konnte
Bond ihn eine Treppe hinunter stoßen. Er nahm seine Pistole und schoß auf
ihn, doch die Kugeln verfehlten den Ex-Agenten knapp. Niels hatte eine
Idee, wie er das Ausrichten verhindern konnte, auf die altmodische Art! Er
schnappte sich eine Metallstange und schob sie zwischen zwei Zahnräder.
Dann verfolgte er Alec die Treppe hinunter. Er konnte noch hören wie die
Stange zwischen den Rädern quietschte und ihren Zweck erfüllte.
Die Bewegung stoppte. An einem Geländer entdeckte Niels frisches Blut. Er
hörte ein Geräusch, wie Metall auf Metall schlug. Er richtete seine Waffen in
diese Richtung, da war jedoch nichts. Er betrat einen weiteren Raum. Es
war so eine Art Elektrizitätsraum. Bond sah sich um, die Waffe einsatzbereit.
Auf einmal schwang sich Alec durch die Tür und traf Niels mit seinen Füßen
im Gesicht. Sie kämpften wieder und es sah so aus, als könnte Alec diesen
Kampf gewinnen. Durch die jahrelange Zusammenarbeit beim MI6 wussten
beide genau, wie sie kämpften. Sie hatten mittlerweile ihre Waffen
fallengelassen und kämpften jetzt mit bloßen Händen. Auch wenn es nur ein
Programm war, verlangte der Kampf Niels eine Menge ab. Er wurde gegen
Wände geschleudert, geschlagen und getreten. Zum Glück waren die
Sicherheitsprotokolle aktiv.
Dann konnte Niels überraschend einen Schlag blocken und ihn gegen eine
Wand von ihm weg drücken. Er griff nach einer Waffe, doch Alec trat sie ihm
aus der Hand. Dabei löste sich ein Schuß ins Leere. Nach weiterem Hin und
Her konnte Alec eine Waffe greifen und sie auf 007 richten. Beide sahen
ziemlich übel aus, Alec ein bisschen blutiger. "Du weißt, James, ich war
immer besser!" bemerkte Alec. Niels schwang herunter an der Leiter, neben
der er stand, gerade noch rechtzeitig bevor Alec auf ihn schoß. Jetzt hing er
in der Sonne hoch über der Schüssel.
Himmel, was treibt der da? fragte sich Milseya, als sie Niels auf der Leiter
beobachtete. Selbst für sie wäre diese Höhe ein tödliches Problem.
Menschen! Nicht die geringste Körperbeherrschung besitzen, sich aber
immer ungesichert in luftige Höhen rumtreiben! Und dann soll man sich still
im Hintergrund verhalten!
Niels konnte hören, wie Alec fluchte, da ihm die Munition ausgegangen war.
Er versuchte jetzt einen Helikopter über Funk zu erreichen. Bond begann
die Leiter hinauf zu klettern. Alec jedoch kletterte hinunter, doch es ging ihm
zu langsam, so rutsche er an ihr herunter und traf Bond mit den Füßen.
Dadurch konnte Niels sich nicht halten und fiel. So eben konnte er sich an
der letzten Sprosse mit einer Hand festhalten. Er sah runter. Ohoh, ist das
hoch, dachte er, zu hoch zum Springen. Alec kam zu ihm die Leiter hinunter
und trat auf seine Finger. Niels hatte keine Wahl als loszulassen. Er fiel und
landete auf einem kleinen Teil der Antenne, das von Seilen getragen wurde.
Er konnte sich kaum noch halten. Alec sprang zu ihm und griff nach Bonds
Kehle, wobei er seinen Kopf über den Rand hielt.
Dann sah Alec auf zu dem Helikopter, der sich näherte und entdeckte auf
einmal Natalia, die urplötzlich auf dem Rücksitz des Helikopters auftauchte
und dem Piloten die Pistole an den Nacken hielt. Sie sah zu James.
007 nutzte die Ablenkung und stieß Alec von sich und von der kleinen
Plattform. Im letzten Moment packte er Alecs Fuß. "Für England?" fragte
Alec dem Ende nah. Niels hatte in der Zeit eine heftige Abneigung gegen
diesen Alec entwickelt. Daher antwortete er kalt: "Nein, für mich!" Bei diesen
Worten ließ er den Fuß los und Alec fiel, bis er unten auf der Schüssel
aufschlug.
„Na los, fliegen sie näher ran“, befahl Natalia dem Hubschrauberpiloten.
Bond hielt sich an der Kufe des Helikopters fest und schon flogen sie von
der ganzen Anlage weg. Da explodierte die Antenne und die ganze
Konstruktion fiel in sich zusammen. Niels glaubte einen Schrei von Alec zu
hören, doch dann war es still. In einiger Entfernung ließ der Hubschrauber
Bond herunter.
Der Hubschrauber flog tief über die Lichtung, so dass der Geheimagent sich
fallen lassen konnte. Natalia sprang aus dem Chopper und warf sich auf
James, der kurz vor Schmerz aufstöhnte. „James! Bist du in Ordnung?“,
fragte sie besorgt und sah ihn an.
Er grinste und betrachtete sie, wie sie über ihm hockte. "Mir gehts gut,
danke!"
Er hob seinen Arm und zog ihr Gesicht näher zu seinem heran.. Dann rollte
er sich - ohne das zu unterbrechen, was er gerade tat – so, dass er nun auf
ihr lag. „Irgendwie habe ich das komische Gefühl, dass man uns
beobachtet“, unterbrach Natalia das Treiben nach einigen Minuten.
"Ach, da gibt es niemanden in einem Radius von 25 Meilen, glaub mir!"
erwiderte er. Doch da wird er von Wades bekannter Stimme unterbrochen.
"Hey, Jimbo!" Das brachte ihn auf die Palme. Plötzlich rollte er herum auf
die Knie. "Soll das deine Vorstellung davon ...mich aus einer
Umklammerung zu befreien?" "Das ist der Back-Up Plan. Hey, ich hab dir
gesagt, ich würde da sein! Yo, Marines!" entgegnete Wade und gab das
Zeichen, dass die Marines aus ihrer Deckung kommen konnten. Aus dem
Gras tauchten 35 Marines auf, wie aus dem Nichts. Helikopter landeten
überall. Bond war ein wenig verwirrt. "Vielleicht möchtet ihr beiden euer DeBriefing in Guantanamo beenden?" meinte Wade. Niels schaute zu Milseya:
"Bist du bereit?"
„Vergiss es! Ich werde auf keinen Fall in einen Helikopter mit dir steigen“,
erwiderte Natalia grinsend.
Bond warf ihr einen neckischen Blick zu "Hmmm?"
„Oh nein, auf keinen Fall! Kein Flugzeug, kein Helikopter, kein Zug, kein
Panzer, kein Auto, noch sonst irgendetwas, dass sich fortbewegt.“, lachte
Natalia auf.
Er hob sie hoch, wobei sie immer noch lachte. Er grinste breit. "Was könnte
denn noch schief gehen, Liebling?" Dann lachte er auch und trug sie zum
Hubschrauber. Der startete nachdem sie eingestiegen waren und flog
davon.
Der Raum veränderte sich - schlagartig waren die Holoemitter zu sehen, die
den ansonsten dunklen Raum erhellten. Niels trug Milseya immer noch auf
seinen Armen, während er in Richtung Ausgang und durch das Schott ging.
„Lass mich herunter, du verrückter Kerl!“, flüsterte Milseya lächelnd in Niels
Ohr, nachdem einige vorrübergehende Crewmitglieder sie verdutzt
angesehen hatten.
"Ok, ok!" lachte er und ließ sie herunter. "Ich weiß ja, wie schnell sich
Gerüchte auf diesem Schiff verbreiten."
„Glaub mir, das wird schon für die wildesten Gerüchte reichen - die Frage ist
nur, ob sie im Entferntesten an die Wahrheit heranreichen “, meinte sie
verschmitzt. Dann stieg sie auf ihre Zehenspitzen und hauchte ihm einen
Kuss auf die Wange. „Danke.“
Zum Glück war gerade niemand in der Nähe. "Ich habe zu danken!"
entgegnete Niels. "Ich hab unser kleines Abenteuer sehr genossen und
beim nächsten Mal suchst du das Programm aus!"
Milseya musste laut auflachen. "Ganz bestimmt", rief sie und ging einige
Schritte bevor sie sich umdrehte und ihn von oben bis unten musterte. "Ich
hoffe, du kannst gut tanzen!", sagte sie.
"Hm!" meinte er und legte den Kopf schief. "Ich werd mir Mühe geben!"
Dabei musste er sich zusammenreißen, nicht zu lachen. "Ich hab mal vor
Jahren einen Kurs gemacht, aber ... ich weiß nicht so recht." Jetzt war es
mit dem Zusammennehmen vorbei. "Ok, ok!" lenkte er ein, "ich kanns."
„Gut!“, erklärte Milseya und zwinkerte ihm zu „Dann machen wir da weiter,
wo wir vorher so unfreundlich gestört wurden.“ Ohne auf eine Antwort zu
warten, ging sie um die Ecke. Niels konnte sie noch laut lachen hören.
[Phanan und inanchfe in „Goldeneye“ - der Rest geht niemanden was an]
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Aug 4 2005, 09:09
Jeremiah wachte nächsten Morgen mit höllischen Kopfschmerzen auf. Noch
etwas benommen, versuchte er zu ergründen, wie er nach Hause und ins
Bett gekommen war. Plötzlich ging die Schlafzimmertür auf und seine
Freundin betrat den Raum. In den Händen hielt sie ein Tablett, auf dem sich
ein Teller mit einer Portion Spaghetti Bolognese, eine dampfende Tasse
Kaffee, ein Glas mit Orangensaft und ein weiteres Glas mit einer trüben
Flüssigkeit befand.
Hanni lächelte ihren Freund an: „Guten Morgen, Hase.“ Danach stellte sie
das Tablett auf den Nachttisch und gab Jerry einen Kuss.
„Na, noch sauer wegen gestern Abend.“, fragte er vorsichtig an. „Ich war
überhaupt nicht sauer auf dich nur auf meinen Vater.“, erwiderte Hanni.
„Aber ich habe mich zusammen mit Lucas aus dem Staube gemacht und
dann fachgerecht betrunken.“ Jeremiah war die ganze Geschichte recht
peinlich.
Doch sein Freundin winkte ab: „Ich hätte mir an deiner Stelle auch ein paar
Drinks hinter die Binde gekippt. Und was eueren Rückzug angeht.
Diplomatisch wie du eben bist, hast du eine anstehende Krise entschärft.
Die Situation hätte eskalieren können und dann stände heute Morgen im
Charleston Examiner auf der Titelseite: ‚Sternenflottenoffiziere verprügeln
örtlichen Geschäftsmann.’ Es war am Besten so.“, und gab Jerry einen
weiteren Kuss.
Nachdem er seinen Mund wieder frei hatte, besah sich Jeremiah das Tablett
und bemerkte: „Ich esse gerne italienisch. Aber Spaghetti zum Frühstück?“
Hanni lachte: „Dann schau mal auf die Uhr. Es ist nämlich schon Zeit fürs
Mittag.“
Der Lieutnant tat, wie ihm geheißen wurde. Und tatsächlich, die Uhr zeigte
13:16 an. „Wie lange habe ich geschlafen?“ „Rechnet man die anderthalbe
Stunde hinzu, die du unterwegs geschlafen hast, waren es etwa 14
Stunden. Aber jetzt solltest du das hier trinken.“ Mit den Worten reichte
Hanni ihm das Glas mit der trüben Flüssigkeit.
Misstrauisch beäugte Jerry das Glas: „Was ist da drin?“ „Vitaminpräparate,
Brausetabletten mit Magnesium und Calcium, etwas gegen deine
Kopfschmerzen und das alles mit Wasser aufgegossen.“, erklärte Hanni.
Ihr Freund nahm einen Schluck von dem Cocktail und verzog das Gesicht.
„Schmeckt ja sehr lecker.“, bemerkte er sarkastisch. „Los Austrinken. Dr.
Assjima würde dir jetzt vermutlich sagen, das Medizin nun mal nicht gut
schmeckt.“, erwiderte Hanni gelassen. „Dr. Assjima würde mir ein
Hypospray geben oder irgendwelche deltanische Heilverfahren anwenden,
aber auf alle Fälle mir nicht ein solches Gebräu vorsetzen.“, maulte Jerry.
Trotzdem trank er brav das Glas aus. Und spülte sich den ekelhaften
Geschmack mit dem Orangensaft von der Zunge. Danach begann der
Lieutnant seine Spaghetti zu verzehren, damit diese nicht kalt wurden.
Als er fertig war, nippte er nachdenklich an seine Kaffee und schaute zu
sein Freundin nachdenklich an, welche die ganze Zeit beobachtet hatte:
„Sag mal Schatz, wie kommt es, dass du und deine Schwester so offen und
tolerant sind, obwohl ihr beiden in einen, entschuldige bitte den Ausdruck,
bornierten und engstirnigen Elternhaus aufgewachsen seid.“
Hanni lächelte: „Ich habe mir gedacht, dass du dich das fragst. Aber
eigentlich kennst du die Antwort.“ „Estelle?“, vermutete Jerry. Hanni nickte:
„Richtig. Sie ist nicht nur unsere Haushälterin. Sie hat uns dazu angehalten
unsere Zimmer selbst aufzuräumen, uns bei den Hausaufgaben geholfen,
uns zum Ballettunterricht und als wir älter wurden zum Volleyballtraining
gebracht. Sie war wie eine zweite Mutter für uns.“ Sie machte eine Pause
und lächelte wehmütig: „Außerdem ist meine Mutter toleranter als du
glaubst.“
„Warum hat sie dann nichts gesagt?“, wollte Jerry wissen. „Mein Vater führt
ein recht patriarchalisches Regime und duldet keinen Widerspruch. Er wird
schnell jähzornig. Meine Mutter hat sich eben daran gewöhnt und sagt
keinen Ton.“ „Warum lässt sie sich nicht scheiden?“
Hanni seufzte: „Das habe ich sie auch schon gefragt.“ Sie versuchte zu
lächeln, was ihr nicht so gelang: „Die Erklärung dafür haben doch erst vor
kurzen bei der Hochzeit deines Vaters gehört. ‚Bis das der Tod euch
scheide.’“ Jerry nickte verstehend, dachte aber für sich: „Dann hätte ich dem
Mistkerl schon längst was ins Essen getan.“
Laut fragte er: „Und wie bist du damit klar gekommen?“ „Ich war lange Zeit
sein kleiner Liebling.“ erzählte seine Freundin. „Aber mit der Zeit habe ich
mich als pubertierende und rebellierende Teenagerin, nicht nur alle seine
Ansichten in Frage gestellt, sondern mich immer mehr und mehr für
Naturwissenschaften und auch für die Sterne interessiert. Es gab zu
anfangs nur kleinere Streits, weil sich mein Vater gefreut hat, dass sowohl
Nanni als auch ich uns wirklich anstrengten, um in der High School gute
Noten zu bekommen. Er war richtig stolz auf uns als wir in der ersten Klasse
der Senior High eine Auszeichnung als Klassenbeste erhielten. Aber als er
erfuhr, auf was für ein Ziel wir hinstrebten, begannen unsere Streitigkeiten,
besser gesagt Auseinandersetzungen.“ Hanni schnitt eine Grimasse:
„Letztendlich habe ich mich durchgesetzt.“
Jeremiah schüttelte mit dem Kopf: „Ich kenne das so gar nicht. Natürlich
hatte ich auch die eine oder andere Auseinandersetzung mit meinen Eltern.
Aber dabei ging es um triviale Dinge, wie z.B. mit wem ich meine Freizeit
verbracht habe oder wann ich abends zu Hause sein sollte. Aber wenn es
meine Zukunftspläne ging, gab es nie Diskussionen. Gut, ich entsprach
ihren Wunschvorstellungen, aber sie hätten mich auch unterstützt, wenn ich
eine Bar auf Risa hätte betreiben wollen.“
Er machte eine Pause: „Aber es geht ja um dich und deine Eltern. Wäre es
nicht besser, wenn du trotzdem irgendwie eine Umgangsform findet, mit der
ihr beide Leben könnt.“ Doch Hanni schüttelte energisch den Kopf: „Ich
habe schon zu oft den ersten Schritt zur Versöhnung gemacht, oft bis zu
einen gewissen Punkt nachgegeben, Jetzt ist mein Vater am Zug. Er soll
seinen verdammten Stolz runterschlucken. und endlich mal mir
nachgegeben. Zumindest soll er meine Meinung akzeptieren.“, Sie sah Jerry
fragend an: „Ist das zuviel verlangt?“
„Nein, natürlich nicht.“, erwiderte Jeremiah leise. „Aber ich glaube, dass es
eine lange Zeit dauert, bis dein Vater nachgibt. Es wird schwer werden, weil
du vermutlich die ganze Zeit weder deine Mutter noch Estelle sehen kannst.
Leidtragende werden vermutlich in gewisser Weise alle sein.“
Er machte eine Pause und sah seiner Freundin tief in die Augen: „Aber egal
was passiert, ich werde immer für dich da sein.“
"The Day after."
Geschrieben von: Vinara Shral am Aug 4 2005, 23:49
Vinara war gerade in ein kleines Schäferstünchen mit dem Captain in ihrem
Quartier vertieft als das Terminal eine hereinkommen Nachricht anzeigte.
"Oh, wer schreibt dir denn da?", fragte Barnhelm und sah ihr über die
Schulter.
"Dr. Assjima. Ich würde ihren Brief gerne in Ruhe lesen wenn du nichts
dagegen hättest."
"Och, ihr Frauen könnt einen manchmal ganz schön hibbelig machen... man
weiß nie ob ihr nur irgendwelche Modetipps austauscht oder gerade etwas
Hochwissenschaftliches zu besprechen habt."
Die Andorianerin musste zugeben dass sie mit dem Humor dieses Mannes
nicht viel anfangen konnte; für das Breittreten von Klischees hatte sie
ohnehin noch nie etwas gehalten. "Es ist dienstlich und in gewisser Weise
auch ein wenig privat, aber es geht nicht um Mode. Und bitte, es macht mich
nervös wenn du mir die ganze Zeit zusiehst."
"Ich bin schon weg!" Er küsste sie noch einmal kurz von hinten auf den Hals
und verließ dann das Quartier.
Vinara las den Brief dreimal hintereinander, sah sich den Anhang mit den
Daten kurz an und richtete dann die Grüße an den Schiffsarzt aus.
Schließlich setzte sie sich daran ein Antwortschreiben zu verfassen.
Verehrte Assjima,
Der Aufenthalt auf diesem Schiff ist kaum weniger erholsam als ein Urlaub
auf Risa. Unser Wissenschaftsoffizier sorgt dank seiner
Sammellleidenschaft immer für genug Sand, ich habe eine romantische
Affäre (an deren weitere Fortsetzung nach meinem Dienstende hier ich noch
gar nicht denken mag) - nur mit Meer und Sonne hapert es, das Holodeck ist
außer Betrieb solange meine neuesten Simulationen laufen, da sieht man
mal wie alt die Computer auf der Schweizer sind!
Nun zu Ihrem Anliegen. Sie sollten bei Gelegenheit mal mit Lieutenant Melor
Nachalek sprechen, er arbeitet auf der Community in meiner Abteilung als
Datenanalytiker und ist nebenbei auch noch vergleichender Theologe.
Normalerweise dürfte er nicht zu übersehen sein, aber er verbringt die meist
Zeit in seinem Quartier oder sonstwie abgeschottet, momentan hält er sich
auf der Erde in einem Schweizer Kloster auf. Ich habe mir die Freiheit
genommen ihm unsere Ergebnisse zu schicken und ihn etwas grob über
deren Entstehung informiert. Er selbst scheint keinen Widerspruch sowohl
zu allgemeineni wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie auch zu diversen
Schöpfungsmythen zu sehen, für ihn sind wenn ich ihn knapp
charakterisieren soll Wissenschaft und Spiritualität einander ergänzende
Dinge, er sieht in jeder neuen Erkenntnis eine Offenbarung des Göttlichen.
Ich selbst habe einen kurzen Abstecher nach Pollux IV gemacht, in der
Hoffnung dort irgendetwas zu finden das auf wie auch immer geartete
Schöpfungsfähigkeiten jener Wesen hindeutet, die nicht nur die irdische
Mythologie beeinflusst haben. Natürlich sind die Polluxaner keine wirklichen
Götter, aber Sie sind das auch nicht und dennoch könnten primitivere
Kulturen ohne besondere geistigen Fähigkeiten einen Deltaner durchaus für
einen Gesandten des Himmels oder der Hölle halten. Auf Pollux wurde
bislang auf jeden Fall nichts gefunden das einen Bezug zu unserem Fall
haben könnte, aber ich habe eine Zusammenfassung unserer Erkenntnisse
dagelassen, die dortige Leiterin gilt in wissenschaftlichen Kreisen als diskret
und zuverlässig. Sie können somit beruhigt sein dass nichts an die
Öffentlichkeit gelangen wird bevor wir es nicht wollen. Gerade was Ihre
Geschöpfe angeht würde ich sie noch eine Weile beobachten, bis sich
womöglich etwas Komplexeres aus ihnen entwickelt hat.
Ich wünschte ich könnte Ihnen noch mehr sagen, aber es gibt bislang noch
zuwenig Fakten. Ich glaube Ihnen, doch dürfte es einem Nicht-Deltaner
schwer fallen Ihre innere Welt nachzuvollziehen. Es gäbe zwar die
Möglichkeit einer vulkanischen Gedankenverschmelzung, an der auch eine
dritte Person - wie etwa meine Wenigkeit, rein theoretisch gesprochen teilnehmen könnte, doch weiß ich nicht ob ich mit den daraus resultierenden
Sinneseindrücken etwas anfangen könnte. Seien Sie mir nicht böse, aber
ich bevorzuge immer noch handfeste Zahlen. Ihre Befürchtung,
möglicherweise einen neuen Schöpfungsmythos zu schaffen teile ich nur
bedingt. Vielmehr erkenne ich die Gefahr dass manche denken könnten,
Gott vollständig entmystifizieren zu können, auch wenn es noch
Jahrhunderte dauern mag, und durch den Beweis wird jeder Glaube
hinfällig.
Ich hoffe dieser Brief kann Ihnen wenigstens von ein wenig Nutzen sein, wir
sollten uns auf jeden Fall gegenseitig auf dem Laufenden halten.
Ach ja, ich vergaß noch ganz, die ersten Ergebnisse der neuen
Simulationen liegen vor - im Prinzip dasselbe wie auf Vulkan und den
Vergleichsexperimenten bei Ihnen. Wobei meine Modelle bisher nur sehr
unvollständig sind, ich werde sie wenn Sie gestatten um Ihre deltanische
Mystik und die Vorstellung des 'Naschpur' erweitern.
Ansonsten sollten wir uns weiterhin gegenseitig auf dem Laufenden halten.
Mit besten Grüßen
Vinara
Sie schickte den Brief sofort ab und ging dann nach draußen.
"Sie sollen auf die Brücke kommen, Commander", meldete ein
Sicherheitsoffizier der auf dem Gang stand.
"Etwas Dringendes?"
"Der Captain möchte Sie sehen", meinte der junge Mann mit einem
spitzbübischen Grinsen.
Vinara seufzte. "Na gut, aber ich werde nicht in aller Öffentlichkeit mit ihm
Händchen halten. Schließlich muss doch das Protokoll eingehalten werden!"
Und schon war sie auf dem Weg zur Brücke.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Aug 5 2005, 21:03
„Guten Morgen!“
Morgenmuffelig hob Milseya den Kopf und blickte in das strahlende,
morgenfrische Gesicht McNaughtons. Verflucht, wie konnte man so früh am
Morgen nur so gut gelaunt sein? Und was zur Hölle trieb er denn schon
wieder hier?
„Morgen“, brummte Milseya vor sich hin.
„Schlecht geschlafen?“ Nathanel setzte sich ungefragt an ihren Tisch und
griff zu seiner Tasse mit tiefschwarzen Kaffee, in dem vier Stück Zucker
aufgelöst waren.
„Wie kommen Sie denn darauf?“ kam es unwirsch zurück. Sie hatte absolut
keine Lust auf ein Gespräch - an sich hatte sie das nie um diese Uhrzeit.
Das hatte diesen Menschen aber bislang noch kein einziges Mal davon
abgehalten, sich einfach mit zu unterhalten.
„Nun, Sie scheinen heute morgen besonders muffelig zu sein“, grinste Nat,
während er einen großen Berg Rührei auf seine Gabel lud und dann in den
Mund schob.
Milseya beobachtete, wie er genüßlich kaute und fragte sich, wie man um 5
Uhr morgens bereits solche Mengen verspeisen konnte. Wie konnte man
überhaupt soviel essen? Sie dachte nach, wann sie das letzte Mal Hunger
verspürt hatte. Das muss vor zwei, drei Tagen gewesen sein. Hatte sie
damals etwas gegessen? Sie konnte sich nicht erinnern. Vermutlich, sonst
hätte sie das mittlerweile strenge Trainingsprogramm, das ihr Nahima
geschickt hatte, nicht durchgestanden. Jede Woche kamen neue
Anweisungen von ihr. Scheinbar glaubte sie, dass Milseya sich nicht mehr
erinnern konnte, wie man trainierte. Jedes Mal, wenn eine Nachricht von
Nahima in ihrem Postfach war, stöhnte Milseya auf. Dehnungen,
Bodenübungen, Sprünge am Boden, Klettern, Sprünge von der
Trainingswand, Kampftraining, Tänze ... Das Programm war äußerst
ausgeklügelt - und mittlerweile höllisch anstrengend. Milseya konnte die
Anforderungen nicht mehr in nur zwei Trainingseinheiten pro Woche erfüllen
und hatte eine weitere angesetzt.
Drei Mal in der Woche quälte sie sich kurz vor 4 aus dem Bett und dehnte
ihren schlaftrunkenen Körper, konzentrierte sich auf ihre Sprünge, ließ sich
von der Wand fallen, drosch auf den Sandsack ein, probte die traditionellen
haliianischen Tänze - kurz: Sie erinnerte ihren Körper daran, was er im
Stande sein musste zu leisten. Und dieser erinnerte sich, denn ihre Besuche
auf der Krankenstation waren deutlich weniger geworden. Seit Tagen schon
hatte sie sich nichts mehr gebrochen, sondern nur noch ein paar Prellungen
und Verstauchungen davon getragen. Die Anzahl der blauen Flecke
allerdings blieb unverändert. Um so mehr hatte sich Milseya über das
Geschenk Nahimas gefreut. Denn diese hatte ihr wohlweislich einen
Hautregenerator geschickt...
Bei dem Gedanken musste Milseya unwillkürlich lächeln.
„Na endlich!“ Der Kommentar des Lt. jg riss sie aus ihren Gedankengängen.
Er lächelte sie an.
„Was endlich?“, fragte sie ihn verwirrt.
„Ein Lächeln! Schöner kann der Tag nicht beginnen“, erklärte er.
Milseya verschluckte sich an ihrem Tee. War das etwa ein Kompliment
gewesen? Hustend sah sie Nathanel an.
„Soll ich?“, bot er sich an ihr auf den Rücken zu klopfen. Sie schüttelte den
Kopf und nahm noch einen Schluck Tee.
„Was sollte die Bemerkung?“, krächzte sie.
Überrascht blickte er sie an. „Nichts besonderes. Ich wollte nur nett sein.“
„Sparen Sie sich das!“, herrschte sie ihn an.
„Wie ..?“
„Die Tatsache, dass wir drei Mal in der Woche gemeinsam trainieren oder
dass wir zusammen frühstücken, bedeutet nicht das Geringste. Ich habe Sie
nicht dazu eingeladen. Sie sind plötzlich dabei aufgetaucht. Sie tauchen
immer plötzlich auf. Die Tatsache, dass ich das akzeptiere, bedeutet noch
lange nicht, dass ich es schätze, geschweige denn, dass ich mich darüber
freue. Wir sind keine Freunde, noch was immer Sie sich in Ihrem Kopf sonst
so vorstellen mögen. Die Möglichkeiten sich an Bord dieses Schiffes aus
dem Weg zu gehen, sind eben noch begrenzt“, fuhr sie ihn an.
„Himmel, das war doch nur ein freundlich gemeintes Kompliment. Was
haben Sie bloß? Ich wollte Sie doch nur aufheitern. “
„Ich verzichte darauf. Ebenso auf Ihre permanente Anwesenheit in meiner
Nähe.“ erwiderte Milseya kalt.
„Ich aber nicht“, kam es prompt zurück.
„Wie bitte?“
Nat seufzte. „Ist das so schwer zu verstehen? Wir beide sind so ziemlich die
Einzigen, die so früh auf sind. Da ist es für mich natürlich, dass wir
gemeinsam trainieren und frühstücken. Und ehrlich gesagt, freue ich mich
jeden Tag darauf, auch wenn Sie jeden Morgen ziemlich mürrisch sind. Ich
kenne hier auf dem Schiff kaum jemand, außer den Leuten aus dem Team,
zu dem Sie nun mal auch gehören. Ist es da nicht auch für Sie verständlich,
dass man den anderen näher kennen lernen möchte?“
„Doch.“ erwiderte Milseya bissig. „Aber Sie sind ausschließlich daran
interessiert mich kennen zu lernen. Und dies auf eine Art und Weise, die
mehr als merkwürdig ist, Lieutenant. Sie sind neugierig. Für meinen
Geschmack zu neugierig. Sie sind wie mein Schatten. Ich kann mich
nirgends umdrehen, ohne Sie dabei zu entdecken. Und da können Sie noch
so 'nett' sein, Sie gehen mittlerweile gehörig auf die Nerven!“
„Tja“ Nat zuckte mit den Achseln. „Wie Sie schon sagten, die Möglichkeiten
sich aus dem Weg zu gehen sind momentan sehr begrenzt. Also leben Sie
damit.“ Er seufzte und sah Milseya mit einem Dackelblick an. „Ist denn so
schwer, es mit mir auszuhalten?“
Alle Alarmsirenen im Milseyas Kopf begannen gleichzeitig loszuschrillen. Er
war nicht ehrlich! Er log - war aber gleichzeitig ehrlich. Es war einfach nur
ein Gefühl. Hier stimmte etwas nicht! Was, das konnte sie allerdings nicht
sagen. Aber alles in ihr schrie geradezu, diesem Menschen nicht zu
vertrauen.
Er war gerne in ihrer Nähe, das stimmte zweifellos. Er war freundlich,
bemüht, sogar witzig. Er erzählte ihr Geschichten aus seinem Leben, von
seiner Familie, von der Akademie. Und er brachte sie zum Lachen. So sehr
es Milseya auch störte kaum einen Moment allein sein zu können, es gab
Augenblicke, wo sie seine Gegenwart schätzte. Es war schön nicht mehr
alleine zu trainieren und so mancher seiner Scherze am Morgen, das
musste sie zugeben, hatten den Tag einfach fröhlich beginnen lassen.
Dennoch ..
... da war noch etwas anderes. Seine Wahl war nicht von ihm aus auf sie
gefallen. Das spürte sie. Sie waren beide grundsätzlich verschieden. Ihre
Leben, ihre Erfahrungen, ihre Einstellungen waren so unterschiedlich.
Milseya vermutete, dass sie sich unter 'normalen Umständen' nicht einmal
auf dem Gang gegrüßt hätten. Und mit körperlicher Anziehung oder gar
einem romantischen Interesse konnte man sein Verhalten ebenfalls nicht
erklären, denn sonst hätte er wohl schon längst einen Schritt in diese
Richtung getan. Schließlich waren sie schon lange genug gemeinsam auf
dem Schiff. Es musste also etwas anderes dahinter stecken und das
beunruhigte Milseya zutiefst.
Ihr Magen krampfte sich urplötzlich zusammen. Was, wenn es noch nicht
vorbei wäre? Aber hätten sie sie dann nicht gewarnt? Was, wenn sie es
nicht konnten? Ein tiefe Sorgenfalte legte sich auf ihre Stirn. Verdammt!
Wann würde das endlich aufhören?
„Hallo? Alles in Ordnung?“ Nathanael sah die Haliianerin fragend an. Was
war heute bloß mit ihr los? Er war an ihre muffelige Art gewöhnt, aber heute
war sie vollkommen anders. Nachdenklich. Besorgt! Was mochte wohl
gerade in ihrem Kopf vorgehen?
„Nein.“ kam es für Nat überraschend ruhig zurück. „Es ist nicht schwer mit
Ihnen auszukommen, Lieutenant.“ Milseya seufzte laut. „Aber ich habe
einfach das Gefühl, dass ich regelrecht von Ihnen verfolgt werde und das
behagt mir nicht. Und wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, ich habe
eine Conceloursitzung.“
Sie erhob sich abrupt, nickte dem Sicherheitsoffizier kurz zu und verließ das
Casino.
Mit gemischten Gefühlen sah ihr Nathanel nach. Warum endeten ihre
Begegnungen stets so plötzlich?
Geschrieben von: O'Tra am Aug 8 2005, 01:22
Leise zischend glitt die Tür der Krankenstation der USS Monitor auf. „Ah,
Mr. O’Tra, da sind sie ja…“ Die Stimme der Ärztin stockte, als sie erkannte,
dass der Chief die Krankenstation in Begleitung eines kleinen Kindes
betreten hatte.
„Doktor, darf ich fragen, was die Tochter von Commander Kyle an Bord der
Monitor macht?“ fragte der Bolianer mit kühler Stimme. Konnte der
Geheimdienst das Kind nicht einfach in Ruhe lassen? Nur ungern erinnerte
sich O’Tra daran, wie er Yasmin damals den Sender verpasst hatte. Yasmin
hingegen schien die Ärztin zu kennen, denn sie löste sich von O’Tras Hand
und sauste zu Frasier, die sich hinkniete, um das Kind in Empfang zu
nehmen. „Was machst du denn für Sachen Kleines? Papa sollte doch auf
Dich aufpassen“, sagte sie mit liebevoller Stimme.
O’Tras Hirn arbeitete auf Hochtouren… Er hatte bemerkt, dass Yasmin
inzwischen schwarze Augen hatte….Betazoid… Papa… „Cmdr. Price ist der
Vater von Yasmin!?" stellte er fragend fest. "Interessant! Weiß denn
Commander Kyle, dass ihre Tochter einen Ausflug ins romulanische
Imperium macht?“
„Nein, weiß sie nicht“, antwortete Frasier schnippisch. „Wie sie sich vielleicht
erinnern, ist die Monitor ist ein Schiff des Geheimdienstes, wir erzählen nicht
jedem wo wir hin fliegen. Dieser Ausflug – wie Sie es nennen - war
außerdem nicht geplant. Wir…ähh…Matt...ich meine Cmdr. Price und war
mit seiner Tochter im Urlaub und der musste ja unterbrochen werden, um
Sie nach Trion 5 zu bringen! Wir…er hatte keine Zeit jemanden zu suchen,
der auf die Kleine aufpasst. Außerdem, nach dem was ich bisher so gehört
habe, sind die Missionen der USS Community auch alles andere als
ungefährlich.“
O'Tra rollte mit den Augen. Zwar verbanden ihn keine großen Sympathien
mit Cmdr. Kyle, aber Matt Price musste ein ziemlicher Idiot sein, wenn er
diese Zicke einer Frau wie Selina vorzog…
„Wenn ich mich recht erinnere, bin ich nicht wegen Cmdr. Kyles Tochter
hier“, wechselte der Bolianer das Thema. Dr. Frasier nickte und setzte
Yasmin auf eines der Biobetten."Sie sollten sich das hier anschauen, Chief."
Die Ärztin aktivierte einen Wandschirm. Es erschien ein dreidimensionales
Bild von O’Tras Gehirn, in dem ein kleiner Punkt gekennzeichnet wurde.
„Was ist das?“ fragte der Bolianer neugierig und zeigte auf den Punkt. „In
diesem Bereich konnte ich geringfügige Veränderungen der
Gedächtnismuster nachweisen, aber auch nur, weil ich gezielt danach
gesucht habe. Sie sind wirklich kaum zu entdecken und unterscheiden sich
fast nicht von natürlichen bolianischen Gehirndefekten.“
„Und wie geht es nun weiter? Können Sie mein ursprüngliches Gedächtnis
wieder herstellen?“ Die Ärztin schüttelte den Kopf. „Nein, ich sehe keine
Möglichkeit, wie man es rückgängig machen könnte. Die Technologie der
Romulaner ist hoch entwickelt. Ehrlich gesagt, ich kann ich nicht einmal
genau sagen, was sie genau mit ihrem Gehirn gemacht haben.
Wahrscheinlich wurde eine Art Mikro-Mentalsonde verwendet. Aufgrund der
bolianischen Hirnstruktur ist zum Glück die Gefahr gering, dass Ihnen
irgendwelche Fernsteuer- und Übernahmemechanismen einprogrammiert
wurden.“
O’Tras linke operativ hinzugefügte Augenbraue wanderte nach oben.
„Gering? Wie beruhigend!“ „Nun ja Chief, völlig ausschließen kann ich es
leider nicht. Sobald Sie von dieser Mission zurück sind, sollten sie sich
ausgiebig im medizinischen Zentrum der Sternenflotte untersuchen lassen.
Die Ärzte dort haben mehr Möglichkeiten, als ich hier auf meiner kleinen
Krankenstation.“ „Die Mission kann also wie geplant durchgeführt werden,
Doktor?“ Die blonde Ärztin nickte. „Ja Chief, da sehe ich keine Bedenken.“
"Gut, dann werde ich jetzt wieder an die Vorbereiten gehen." „In Ordnung
Chief...und vergessen Sie nicht, dass wir uns auf einer geheimen Mission
befinden. Wenn Sie Commander Kyle erzählen, dass wir…ähh…Cmdr.
Price mit ihrer Tochter eine Reise in das romulanische Imperium
unternommen hat, dann können Sie dafür bestraft werden!“
O'Tra, der sich schon auf dem Weg zur Tür befand, drehte sich langsam
um. „Sie wollen mir drohen, Doktor?“
Elisabeth Frasier lief bei dem Satz ein Schauer über den Rücken. Der
Bolianer spielte die Rolle des romulanischen Sub-Lieutenants, in die er
schlüpfen sollte, überraschend gut. Dieser kühle, verächtliche Blick. Die
punktuelle Lähmung der unteren Gesichtsmuskeln bewirkte wirklich
Wunder… Sie versuchte zu lächeln. „Nein, keine Drohung, Mr. O’Tra, nur
eine Erinnerung...“ Wieder wanderte O'Tras linke Augenbraue nach
oben...Wie lange hatte er diese Geste eigentlich vor dem Spiegel geübt?
Ohne ein weiteres Wort verließ er die Krankenstation.
Kaum hatte sich die Tür hinter O'Tra geschlossen, aktivierte Elisabeth
Frasier eine Verbindung zum Hauptcomputer. „Computer, wo befindet sich
Cmdr. Price?“ fragte sie leicht gereizt. „Cmdr. Price befindet sich im Kasino“,
kam die prompte Antwort. „Frasier an Price! Matt – wolltest Du nicht auf
Deine Tochter aufpassen...?“
--Zwei Tage später erreichte die USS Monitor Trion 5. Nachdem die für
romulanische Verhältnisse laschen Sicherheitseinrichtungen umgangen
waren, wurden Brexen Ijoula, T’Andorla und O’Tra von der getarnten
Monitor aus an verschiedene Punkte des orbitalen Raumhafens gebeamt.
Der beschwerliche und gefährliche Teil der Mission konnte beginnen…
Geschrieben von: Selina Kyle am Aug 10 2005, 21:37
"Ja, ja, ich komme schon!", brummte Milseya verschlafen, als das Piepsen
ihres Nachrichtenterminals sie weckte. Gähnend blickte sie zu ihrem
Chronometer. 5.48 Uhr! Verdammt, wer rief denn um diese Zeit an! Müde
schob sie die Decke von sich und begann schlaftrunken vom Bett zu
krabbeln, während das Piepsen des Terminals immer gellender wurde.
"Verflucht ja doch! Ich bin ja schon unterwegs!", rief sie dem Terminal
wütend zu, als ob der Anrufer sie hören könnte, und stieg über allerlei
Dinge, die sich im Laufe der vergangenen Tage auf dem Boden ihres
Quartiers angesammelt hatten.
"Wer immer Sie sind! Ich hoffe, es ist verdammt wichtig", erklärte sie
verärgert, nachdem sie sich hingesetzt und die Commverbindung geöffnet
hatte.
Mit einer heißen, dampfenden Tasse betazoidischen Kaffee bewaffnet saß
John Gilmore vor dem Nachrichtenterminal und wartete darauf, daß sich
eine Verbindung aufbaute. Er hatte sich zuvor den Sonnenaufgang im
klinikeigenen Garten angesehen und begann nun den Tag mit einem
kräftigen Kaffee. Sein Grinsen wurde breiter und breiter als er die leicht
verschlafene, mürrische Pilotin auf dem Bildschirm sah. "Einen
wunderschönen guten Morgen! Wie gehts meiner Lieblingspilotin?"
„JOHN!“ Milseya sah den verschmitzten Blick des Arztes und konnte sich ein
Grinsen nicht verkneifen. „Verdammt, heute ist Donnerstag!! Du weißt, dass
ich donnerstags nicht trainiere“, polterte sie vergnügt los.
John reckte und streckte sich ausgiebigst auf dem weißen großen Sessel
auf dem er saß. "Ach? Heute ist Donnerstag? Das ist mir doch komplett
entgangen!" Genießerisch hob er die Tasse Kaffe an die Lippen und sog
den herrlichen Duft des heißen Getränks ein. "Erzähl, wie ist es dir in der
letzten Zeit ergangen?"
Milseya lachte laut auf. „Das muss ja ein traumhafter Aufenthalt sein, wenn
du sogar die Zeit und meine Gewohnheiten vergisst! Vielleicht sollte ich
mich auch mal einweisen lassen! Warte einen Moment!“
Die Haliianerin stand auf und ging zum Replikator. „Eine Tasse heißen
Jasmintee und ein Croissant.“ Mit beidem beladen kehrte sie zu dem Stuhl
zurück, setzte sich, und zog die Beine auf den Sitz. „So!“, kommentierte sie
ihre Rückkehr und sah wieder auf den Schirm. „Mir geht es gut, eigentlich
hervorragend – wenn da nur nicht die Frage wäre, was mit mir geschieht,
wenn die Testphase vorüber ist.“
John lehnte sich entspannt in dem Sessel zurück und lauschte ihren Worten.
Die ganze Zeit umspielte ein Lächeln seine Lippen und er sah und wirkte
erholt und ausgeruht aus. Milseyas letzter Satz brachte ihn jedoch jedoch
ins Grübeln. "Wie bitte? Ist das denn immer noch nicht geklärt?"
Milseya schüttelte den Kopf. „Scheinbar nicht. Ich habe immer noch keine
Antwort erhalten. Und so langsam nähert sich der Bau und Umbau dem
Ende zu“, seufzte sie. „Orsen meint auch, meine Chancen stünden nicht
schlecht. Ich bin mir sicher, er hat ein gutes Wort für mich eingelegt. Auf der
anderen Seite könnte ich mir auch was Schlimmeres vorstellen als unter ihm
Schiffe der neuesten Generation zu testen - wenn da.. nun ja ..“ Sie griff zu
dem Croissant, riss ein Stück davon ab und schob es in den Mund.
John hatte die Schneidersitzposition eingenommen und stützte seinen Kopf
auf seinen Händen ab. Seine rechte Augenbraue wölbte sich galant nach
oben. "Wenn da was? Sprich zu Ende!" Mit aufforderndem
Gesichtsausdruck wartete der Mediziner gespannt ab.
„Muss ich es denn wirklich laut aussprechen?“, fragte Milseya lächelnd. „Du
weißt, wie sehr du mir fehlen würdest. Du fehlst mir jetzt schon ständig.
Immer wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken, wann wir heute Abend
essen werden oder bin auf dem Weg in die Krankenstation, um dich etwas
zu fragen. Ach John, wir beide sind viel zu stark miteinander verbunden. Ich
glaube nicht, dass ich das auf Dauer ertragen kann.“
Johns Grinsen wurde breiter denn je. "Ich weiß, mir geht es doch auch nicht
anders! Aber ich sehe das ganz positiv. Es gibt keinen Grund dich nicht auf
der Community zu behalten und wenn die dann doch tatsächlich rumzicken
sollten, gibts Ärger von mir!" John leerte seine Tasse und stellte sie auf den
kleinen Tisch der neben dem Sessel stand. "Mili, ich möchte unbedingt auf
der Community bleiben und du musst es auch. Alles andere ist
inakzeptabel!"
„Was wenn nicht? Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich es zulassen
würde, dass du deine Stelle aufgibst!“, erwiderte Milseya ruhig. „Sollte es so
kommen, dann werden wir eben sehen müssen, wie wir klar kommen. Es sei
denn ..“ Der Gedanke war ebenso verrückt wie abwegig, dass die
Haliianerin losprusten musste. Laut lachend hielt sie ihren Bauch. „Nein, das
wäre zu verrückt – selbst für uns beide“, japste sie.
Neugierig lächelte John ihr entgegen. "Was? Na los, ich will das auch
hören!"
Immer noch lachend hob sie ihre linke Hand und streifte einen imaginären
Ring über den Ringfinger. „Ich glaube nicht, dass Selina das gefallen
würde!“, lachte sie weiter.
Jetzt musste auch John herzhaft mitlachen. "Na, ich hoffe doch, daß ihr das
nicht gefallen würde!" John spürte, wie sein Herz wieder schneller pochte.
Er musste über sich selbst lachen. Allein schon bei der Erwähnung ihres
Names bekam er Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch.
Aufmerksam betrachtete Milseya die Veränderung in Johns Gesicht, als er
Selinas Name aussprach. .„Dich hat es heftig erwischt, oder?“, fragte sie
lächelnd.
Für einen kurzen Moment vergrub er sein Gesicht in seinen Händen. "Es ist
sehr offensichtlich, was? Du hattest mal wieder Recht. Meine Zweifel an
meinen Gefühlen für Selina waren völlig unbegründet. Ich weiß jetzt 100%ig,
dass meine Gefühle echt sind. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich
denke ständig an sie."
„Habe ich nicht immer Recht, John?“, kam es liebevoll-ironisch zurück.
„Erzähl mir davon. So sehr du sie liebst, so unglücklich erscheinst du mir
dennoch im Moment. Was ist los?“
"Ist das nicht offensichtlich?" John lehnte sich zurück und sah kurz zur
Decke. "Der Aufenthalt hier hat mir sehr gut getan ... ich konnte vieles
aufarbeiten und ich bereue diese Entscheidung nicht aber ....." Er hielt kurz
inne strich sich über das Kinn. "... ich kehre Morgen zurück und sie wird
nicht da sein. Ich habe Selina zuletzt bei einem wunderschönen Essen
gesehen. Dieser Abend, nein der ganze Tag war so wundervoll mit ihr
gewesen und wurde dann abrupt unterbrochen. Eine Freundin war wohl in
Not und sie musste schon am nächsten Tag aufbrechen. Da ich sie zu
Hause nicht erreichen kann, nehme ich an, daß sie nach wie vor nicht
zurückgekehrt ist. Ich möchte sie endlich wieder sehen, mit ihr sprechen,
ihre Nähe spüren."
„Doch. Das kann ich sehr gut verstehen, John.“, erwiderte sie. Zu gut! Sie
seufzte. „Und sie hat sich die ganze Zeit nicht bei dir gemeldet?“
John presste beide Lippen zusammen und sah kopfschüttelnd zu Boden.
"Nein. Ich weiß nicht, wie ich das deuten soll. Geht es ihr gut und sie ist
einfach zu sehr beschäftigt oder hat sie mittlerweile gar kein Interesse an
mir? Ich bin mir nicht sicher, wie sie über mich denkt und fühlt ....... Ich will
mir da auch nichts einreden ...."
„WAAAAHHHHH“ Milseya haute mehrmals mir der flachen Hand auf den
Tisch. „Nicht schon wieder das, John! Was verflucht sollen solche Sätze?
Hat man dir dort nicht ein paar Löffel Selbstbewusstsein verabreicht?
Glaubst du wirklich, Selina wäre nicht Frau genug, dir zu sagen, wenn sie
kein Interesse an dir hätte? Nach deinen Schilderungen hatte ich aber nicht
den Eindruck, dass das der Fall ist. Und zudem kenne ich keine Frau, die
deinen Desserts widerstehen kann, John! Selbst ich würde dich vom Fleck
weg nehmen – einzig nur, um jeden Tag eins davon essen zu können! Also
hör endlich damit auf!“ Sie griff zu ihrer Tasse und stellte fest, dass sie leer
war.
John hob schützend beide Arme vor seinem Kopf, um den imaginären Sturm
den Milseya verursacht hatte, Stand halten zu können. "Jaja, ich weiß, ich
weiß. Ich wollte es einfach nur nochmal hören!" Frech zwinkerte er ihr zu.
"Hey, wann hast du Zeit? Ich möchte dir endlich wieder gegenübersitzen
und zwar ohne Bildschirm! Wie wärs mit Essen?"
Hmmm“, schmunzelte sie. „Replikator oder richtiges Essen?“
"Hey, wenn ich von Essen rede, dann richtiges Essen! Und dazu ein
passender Rotwein! Na? Klingt das nicht gut?"
„Äußerst verführerisch!“, lachte Milseya auf. „Du kommst morgen zurück?
Auf die Community oder zu deinen Eltern?“
"Ich komme erst zu dir! Meine Eltern können ruhig warten! Außer du hast
noch zu viel zu tun?"
„Ich hatte irgendwie nichts anders erwartet“, zwinkerte sie ihm zu. „Warte ..
morgen sind die Flugsimulationen der Primäsektion angesetzt - was
bedeutet, dass ich danach wieder einen Haufen Berichte schreiben darf.
Sagen wir um 21 Uhr? In meinem Quartier kann man sogar kochen. Der
Hauptpilot hat eine sagenhafte Unterkunft. Ich hab sogar ne Coach für dich“,
grinste sie.
"Haha, sehr witzig! Dann bringe ich alle nötigen Zutaten mit und du
organisierst den Rotwein!"
„Französischen? Oder Australischen? Und das mit der Coach war kein Witz!
Ich erinnere mich noch zu gut daran, wie du mich das letzte Mal nach
unserem Essen mitten in der Nacht aus dem Bett geschubst hast!“, grinste
Milseya.
"Hey, ich musste das tun! Du hattest dich viel zu breit gemacht und mir nur
sooo wenig Platz gelassen!" John hielt Milseya seinen Daumen und
Zeigefinger entgegen die gerademal 3 cm auseinander waren. "Und bitte
besorge französischen Wein! Darauf freue ich mich jetzt schon."
„Ich dir wenig Platz gelassen?“, schnappte Milseya spaßeshalber nach Luft.
„Ich konnte froh sein, überhaupt eine freie Stelle gefunden zu haben,
nachdem du völlig betrunken in MEIN Bett gefallen bist!“, lachte sie laut auf.
„Ich freue mich auch darauf, dich wieder zu sehen, John. Es wird gut tun,
deine Nähe zu spüren.“ Sie legte ihre Fingerspitzen auf den Sichtschirm.
„Oumriel.“
Schäfchen: John erwiderte ihre Geste. "Ich freue mich wahnsinnig dich
wiederzusehen! Ich zähle die Stunden! Bis morgen!"
„John?“
"Ja? Was ist?"
Milseya atmete tief durch. „Sei vorsichtig!“, bat sie ihn.
John blickte übertrieben um sich. "Keine Angst! Selbst ich werde mit
Betazoiden fertig!" Zwinkernd lächelte er ihr zu.
"Nein!“ Milseya wurde ernst. “Tu was ich dir sage. Sei vorsichtig!“
Johns Lächeln verschwand und machte einem fragenden Gesichtsausdruck
Platz. Er bemerkte wie ernst Milseya geworden war. Ohne weiter
nachzufragen nickte er. "In Ordnung. Bis morgen!"
„Bis morgen, John!“ Milseya deaktivierte das Termina, sah nachdenklich auf
den dunklen Sichtschirm und hoffte inständig, dass das Essen am nächsten
Abend kein Fehler war.
inanchfe und Hoshi in "Missing you"
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Aug 11 2005, 09:25
Jeremiah löste sich vorsichtig aus dem Bett um die noch schlafende Hanni
nicht zu wecken und schlich sich ins Bad. Nach einer ausgiebigen Dusche
kehrte er zurück und nahm leise seine Uniform aus dem Schrank und zog
sich an. Danach gab Jerry seiner Freundin einen Kuss auf die Wange und
ging ins Erdgeschoss. Obwohl seine Schwester noch nicht aufgestanden
war, bereitete er das Frühstück vor.
Jerry war gerade damit fertig, als seine Schwester die Küche betrat.
„Morgen Becky.“ „Mrgen.“, knurrte die junge Frau als Antwort. Obwohl sie
schon ihre Kadettenuniform trug, hatten ihre Haare an dem Tag noch keine
Bürste gesehen. Doch ihr Bruder ignorierte ihre morgendliche Laune und
begann mit seinen ausgiebigen Frühstück, bestehend aus einer Tasse
Kaffee, einer Schüssel Cornflakes und einen Butterbrötchen mit Salz.
Abgerundet wurde das Ganze mit einen Glas Orangensaft und einen Ei.
Nach einen Schluck Kaffee, dem einzigen Bestandteil ihres Frühstücks,
schaute Rebecca ihren Bruder an und bemerkte grummelnd: „Wie kannst du
zum frühen Morgen schon so viel Essen. Und auch noch so ekelhaft munter
zu sein.“ Jeremiah lächelte: „Ich habe ganz gut geschlafen.“
„Vor einen Vortrag vor den ganzen Kadetten könnte ich nicht schlafen. Ich
wäre viel zu aufgeregt.“, bemerkte Rebecca. „Bin ich nicht. Ich habe mich
gestern gut vorbereitet. Und was meinen guten Schlaf angeht, ein
andorianisches Ale wirkt da Wunder.“, bemerkte der Lieutnant.
Dann grinste er seine Schwester süffisant an: „Außerdem wurde meine
Alptraumvorstellung abgewendet.“ „Was für ein Alptraum?“ „Das du dich
unter den Zuhörern befindest.“ Erbost wollte Rebecca ihren Bruder unter
den Tisch treten. Doch der wich geübt aus und fügte hinzu: „Aber Dank
Commodore Nerves ist diese Gefahr ja gebannt. Du kannst ihn ja schöne
Grüße bestellen.“ „Mhm, werde ich machen.“, murmelte Rebecca.
„Ausgerechnet heute muss er ein Sonderflugtraining ansetzen.“
„Trink deinen Kaffee aus und kämme deine Haare. Ich soll um Acht in
Admiral Schreibers Büro sein.“, kommandierte Jerry. „Ich frühstücke zu
Ende und räume den Tisch ab.“ Seine Schwester stürzte das koffeinhaltige
Heißgetränk herunter und verschwand in Richtung Bad. Ihr Bruder ließ sich
für die Beendigung seines Frühstückes viel Zeit, den er wusste, wie lange
seine Schwester im Badezimmer brauchen würde.
Eine knappe halbe Stunde später waren die beide aber auch schon
unterwegs. „Fahr nicht zu schnell.“, mahnte Rebecca immer wieder ihren
Bruder. „Wenn wir unterwegs einen Unfall haben, kannst du deinen Vortrag
überhaupt nicht halten.“ Jerry sah seine Schwester unwirsch an und sagte
nichts dazu.
Alle Unkenrufen zum Trotz kamen die beiden ohne Probleme an der
Akademie an. Rebecca verabschiedete sich von ihren Bruder und machte
sich auf den Weg zum Shuttlehangar der Akademie während Jerry in die
entgegengesetzte Richtung zum Büro von Admiral Schreiber lief.
Ein paar Minuten später war der Lieutnant auch dort angekommen und
betätigte den Türsummer. Da eine Stimme von drinnen ein freundliches:
„Herein.“ rief, betrat er das Büro des Admirals. Dort befand sich neben den
Admiral auch eine Trillfrau Ende dreißig. „Commander, das ist Lieutnant j.G.
Jeremiah Esteban. Er wird heute den Vortrag über die Prometheusklasse
halten.“, stellte der Admiral den Neuankömmling vor.
„Lieutnant, das ist Lieutnant Commander Melez Beecet. Sie leitet einige
Sommerkurse während der Semesterferien.“, wurde Jeremiah die ihm noch
unbekannte Frau vorgestellt.
Artig gab Jerry ihr die Hand um sie zu begrüßen. „Freut mich sie kennen
zulernen, Commander.“ „Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Lieutnant.“
erwiderte die Trill.
„Gut, fangen wir an mit den Vorbereitungen.“, begann nun der Admiral.
„Lieutnant, eigentlich hatte ich geplant, dass sie ihren Vortrag in einen von
Commander Beecets Kursen halten. Aber wir werden den kleinen
Veranstaltungssaal verwenden, weil noch andere Ausbilder angefragt
haben, ob sie ihren Vortrag wiederholen können. Sie werden daher vor etwa
250 Personen sprechen dürfen. Ich hoffe das stört sie nicht.“
Das war absolut nicht das was Jerry erwartetet hatte. Natürlich hatte er sich
Denken können, dass er ein Vortag nicht nur in einen Kurs hätte halten
sollen. Aber gleich so viele Zuhörer auf einen Mal. Jerry bemerkte plötzlich,
wie mit rasender Geschwindigkeit das Lampenfieber in ihm hoch kroch.
Trotzdem erwiderte er: „Kein Problem, Admiral.“ „Dann ist ja gut.“ erwiderte
Admiral Schreiber.
„Commander Beecet wird sie kurz einführen und dann haben sie eine
Stunde Zeit, den Kadetten etwas über die Prometheusklasse zu erzählen.“,
für der Deutsche fort. Da konnte Jerry einen leicht entsetzten
Gesichtsausdruck nicht mehr zurückhalten. Das hatte aber Melez bemerkt:
„Keine Sorge, Lieutnant. Niemand hat etwas dagegen, wenn sie nicht so
lange brauchen.“, was ihr einen erleichterten Blick einbrachte.
„Vielleicht ist es noch für ihren Vortrag interessant, die Namen der drei
Schiffe der Prometheusklasse zu erfahren, die bis Ende kommenden Jahres
in Dienst gestellt werden sollen.“, bemerkte der Admiral nach einer kurzen
Pause. „Es handelt sich dabei um die USS Alexandria, die USS Waterloo
und die USS Ticonderoga. Die Ticonderoga wird übrigens schon im Oktober
vom Stapel laufen und nach einigen Testflügen Anfang nächsten Jahres in
den aktiven Dienst gestellt. Es gibt ja gegenüber der Community doch noch
ein paar Modifikationen.“
„Ich weiß, Sir. Ich habe mich gestern mit den Ingenieuren der
Entwicklungsabteilung von Utopia Planetia in Verbindung gesetzt. Sie haben
mich mit den Modifikationen in Sachen Antrieb und auch den leicht
veränderten Aufbau von Deck eins vertraut gemacht.“
Befriedigt nickte der Admiral: „Dann haben sie ja ihre Hausaufgaben
gemacht. Aber ich glaube wir sollten jetzt gehen.“
Wenig später saß Jeremiah neben der Bühne und schaute immer nervöser
werdend in Menge. Er hatte einige Bekannte Gesichter entdeckt, Ausbilder,
die er noch aus seiner Kadettenzeit kannte, Admiräle, darunter auch die
Vorgesetzte seines Vaters und Kathryn Janeway. Und er glaubte Vrad, den
Freund seiner Schwester, ausgemacht zu haben. Und wenn der Lieutnant
sich nicht verguckt hatte, hatte der Andorianer eine Holokamera dabei, was
Jerry ein kleines: „Nein!“, entlockt hatte.
Doch nun wurde es Ernst, den Lieutnant Commander Beecet betrat die
Bühne und wandte sich den Zuhörern: „Kollegen, Mitglieder des
Oberkommandos, Kadetten und Gäste. Wie schon seit einiger Zeit
angekündigt, sei es nun in den einzelnen Kursen, oder auch am schwarzen
Brett, haben wir heute einen Gastredner, Lieutnant j.G. Jeremiah Esteban
von der USS Community. Er wird einen Überblick über die baulichen
Merkmale, die Entwicklung und die Einsatzfähigkeiten von Schiffen der
Prometheusklasse geben.“
Sie gab dem Lieutnant einen unauffälligen Wink auf die Bühne zu kommen,
einer Aufforderung, die dieser mit einen mulmigen Herzen folgte. „Begrüßen
sie nun alle mit mir Lieutnant Esteban.“, beendete Melez ihre Einleitung.
Tosender Applaus brandete auf. Jeremiah sah in die Runde und von oben
wirkte die Menge zwar nicht mehr ganz so einschüchternd, aber auch nicht
beruhigend. Er räusperte sich und begann mit seinen Vortrag. „Guten
Morgen, meine Damen und Herren und Mitglieder transgeschlechtlicher
Spezies.“
Allgemeines Lachen im Publikum. Das war genau das, was Jerry brauchte,
denn er erinnerte sich, was einer seiner Lehrer über Rhetorik gesagt hatte:
„Wichtig ist nicht was ihr sagt, sondern wie ihr es sagt. Die Fakten zu euren
Vorträgen kann jeder nachlesen. Aber niemand wird es tun, wenn er
sterbenslangweilig ist.“
„Wie Commander Beecet schon angekündigt hat, werde ich heute über
Schiffe der Prometheusklasse sprechen.“, fuhr Jerry fort. Er tippte etwas in
die im Rednerpult befindliche Konsole ein und über ihn erschien ein
holografisches Modell des genannten Schiffstyps.
„Eigentlich dachte ich mir, dass ich meinen Vortrag vor einen wesentlich
kleineren Publikum halten soll.“, setzte Jeremiah nach. „Die große Menge
der Anwesenden hat natürlich den Vorteil, dass ich nicht noch mal
wiederkommen muss.“, was von einen herzhaften Lachen der Zuhörer
quittiert wurde. Einige wenige, alles langjährige Ausbilder an der Akademie
schüttelten aber leicht mit dem Kopf. So humoristisch konnte man doch
keinen Vortrag halten.
Er blickte in die Runde seiner Zuhörer. „Sie werden sich sicher fragen,
warum gerade ich diese Vortrag halte und nicht einer der Ingenieure, die
diese Schiffe entwickeln und bauen? Ich kann ihnen keine Antwort darauf
geben. Admiral Schreiber hat mich darum gebeten, er wird die Gründe
kennen. Ich vermute aber, dass die Ingenieure einfach keine Zeit dafür
haben. dafür kann ich eine fast anderthalb jährigen Dienstzeit auf einen
Schiff der Prometheusklasse vorweisen, nämlich auf der USS Community,
was mich doch irgendwie zu einen Experten macht.“
„Aber genug der Vorrede. Widmen wir uns nun den Thema. Wer war
überhaupt Prometheus, der Namensgeber des Prototypen. Ich möchte hier
keine ausführliche Abhandlung über griechische Mythologie halten, Ich
empfehle ihnen den Kurs von Lieutnant Stopakis, es sei den, er ist wieder
auf einer archäologischen Expedition.“
Im Hintergrund hob ein älterer Mann in der Uniform der wissenschaftlichen
Abteilung die Hand und spreizte dabei den Daumen, Zeige- und Mittelfinger
ab.
„Oh sehr gut, sie sind da. Und wie sie mir signalisieren hat man sie
befördert. Meinen Glückwunsch, Sir. Entschuldigen sie aber den
Versprecher. Als ich noch Kadett war, waren sie bloß Lieutnant.“, rief Jerry
in die Richtung von Dimitri Stopakis.
Dann wandte er sich wieder an das Auditorium. „Soviel nur. Prometheus war
der Titan, der den Göttern das Feuer stahl und es den Menschen brachte
und sie lehrte, es zu benutzen, was ein neues Zeitalter der Menschheit
einleitete. Eigentlich passend ein experimentelles Schiff, mit einigen
bahnbrechenden Konstruktionskonzepten nach ihm zu benennen.“
Doch dann blickte er nachdenklich in die Runde: „Geht man aber davon aus,
dass dieser Mythos einen waren Kern hat, was angesichts der Tatsache,
dass Captain Kirk vor etwa 100 Jahren auf Pollux IV Apoll traf, nicht ganz
unwahrscheinlich ist, hat Prometheus zumindest nach unseren Maßstäben
die Oberste Direktive verletzt.“
Sein Gesichtsausdruck wurde ernst: „Wir wissen nicht, ob die Polluxaner
eine ähnliche Vorschrift hatten, was aber doch sehr wahrscheinlich ist, denn
es wird eine Bestrafung von Prometheus erwähnt. Darum also meine
Warnung an alle hier anwesenden Kadetten. In diesen Fall ist Prometheus
ein schlechtes Vorbild.“
Jerry entspannte sich merklich, Der Vortrag lief gut. „Kommen wir als
nächstes zu den technischen Daten. Es wird eine recht lange
Aneinanderreihung von Zahlen, die sie alle noch mal nachlesen können. Es
ist zwar recht trockener Stoff, aber ich habe versucht ihn ein klein wenig zu
beleben. Mit einer Länge von 415 Metern, einer Breite von 170 Meter und
einer Höhe von 113 Meter sind Schiffe der Prometheusklasse bestimmt
nicht die größten Sternenflotte. Aber soll es ja auch gar nicht sein denn ein
kleines kompaktes Schiff mit 15 Decks hat auch seine Vorzüge. Man kann
sich nicht so leicht verlaufen.“
Jeremiah drückte ein paar Tasten und der Schiffsquerschnitt erschien. „Mit
Defensiv- und Offensivsystemen will ich mich gar nicht so ausführlich
beschäftigen. Erwähnenswert wäre das insgesamt sechs Torpedowerfer,
zwei davon im gedockten Modus verdeckt, sowie 9 Mk XII Phaserbänke,
drei davon ebenfalls verdeckt, ausreichend sind um den unfreundlicheren
Bewohner der Galaxis Feuer untern Hintern zu machen. Während die
Schilde einen davor bewahren, selbst zu schnell eins auf die Mütze zu
kriegen. Und um angeschlagene befreundet Schiffe abzuschleppen, gibt es
drei Traktoremitter, von denen einer, sie können es sich sicher denken, im
gedockten Modus verdeckt ist.
Wieder amüsierte sich das Publikum köstlich. „Widmen wir uns nun als
nächsten dem Antriebssystemen. Alle drei Sektionen verfügen über jeweils
zwei Impulstriebwerken, die im gedockten Modus gemeinsam das Schiff
voranbringen. Wie jedes andere Sternenflottenraumschiff verfügen auch
Schiffe der Prometheusklasse über einen Warpantrieb, mit einer
Reisegeschwindigkeit von Warp sieben, einer dauerhaften
Maximalgeschwindigkeit von Warp 9,2 und einer für maximal 12 Stunden
erreichbaren Geschwindigkeit von Warp 9,4. Abgerundet wird das ganze
durch Sensorsysteme, mit den etwa 80 Prozent aller möglichen
Untersuchungen durchgeführt werden können.“
Der Lieutnant machte eine Pause um´, einen Schluck Wasser zu trinken und
fuhr dann fort: „ Kommen wir zur Innenausstattung. Standardmäßig verfügen
Schiffe der Prometheusklasse über eine 200 bis 250 Mann starke Crew,
wobei 150 zum dauerhaften Betrieb absolut notwendig sind. Platz wird für
bis 350 Personen geboten, ohne das es allzu eng wird. Und sollte eine
Evakuierung von Kolonien oder auch anderer Schiffe notwenig sein, können
sich bis zu 800 Personen den dann doch recht engen Platz teilen, wenn sich
jeder etwas einschränkt.
Dann kommen noch die Standardausstattung mit drei Computerkernen,
vielem lokalen Computereinheiten, die mit Bioneuralen Gelpacks arbeiten, 9
Notfall-, vier Personen und drei Frachttransporter, jeweils drei Holodecks,
Frachträume und Krankenstationen hinzu. Und weil wir gerade beim Thema
Krankenstationen sind, muss auch das MHN Mk II erwähnt werden, dass
Dank überall installierter Holoemitter sich auf den Schiff frei bewegen kann.
Der Lieutnant lächelte seine Zuhörer an: „Kommen wir zu einen Teil des
Schiffes der mir als Pilot am Besten gefällt, den Shuttlehangar.
Standardmäßig hat jedes Schiff der Prometheusklasse ein Runabout der
Danubeklasse, jeweils ein Shuttle von den Typen 6, 7 und 12, sowie eine
Shuttlekapsel von Typ 15C und drei Workbees von Typ Sphinx. Nun das
Typ 7 der Community wurde bei einer Mission zerstört. Auch dachten wir
uns, für was braucht man drei Workbees. Deshalb gibt auf der Community
nur ein Workbee, aber dafür auch noch ein Frachtshuttle des Typs 9 und
einen Alpha Flyer, welches übrigens mein Lieblingsshuttle ist.“
Eine Ansicht mit allen genannten Modellen erschien. Jerry machte eine
Pause um seinen Zuhörern Zeit zu geben, sie zu betrachten und tippte in
der Zwischenzeit auf der Konsole einen längere Befehlssequenz ein.
„Kommen wir aber nun zu dem Punkt, der die Prometheusklasse so
außergewöhnlich macht, dem Multi – Vektor – Angriffsmodus, kurz MVAM.
Diese Fähigkeit ermöglicht einen Schiff der Prometheusklasse sich in drei
warpfähige Schiffe auszuteilen.“
Und genau das machte das holografische Modellschiff über Jeremiahs Kopf.
„Einige „Oh.“ und „Ah“ Ausrufe raunten durch das Publikum. „Sie werden
sich sicherlich fragen, wieso auch de Primärsektion warpfähig ist.“
Jerry vergrößerte die Ansicht der entsprechenden Sektion und drehte sie so,
dass man es von hinten betrachtete. „Das Geheimnis sind neben der
Tasache, dass alle drei Sektionen über einen eigenen Warpkern verfügen,
die beiden ausfahrbaren Warpgondeln. Sie sind zwar nur doppelt so groß
wie bei einen Runabout, sorgen aber dafür, dass man auf bis zu Warp 5,6
für zwölf Stunden beschleunigen kann.“
Die Ansicht wechselte und zeigte nun die Sekundärsektion. „Auf den ersten
Blick ist dieser Teil mehr oder weniger der fliegende Hangar. Und es stimmt
auch, fast 30% des Volumen der Sektion werden vom Shuttlehangar
beansprucht. Gleichzeitig verfügt die Sekundärsektion über das größte
Offensivpotenzial aller drei Sektionen mit drei Torpodorampen und drei
Phaserbänken. Und mit einer Maximalgeschwindigkeit von Warp 9,5 ist die
Sektion auch recht schnell.“
Das holografische Bild wechselt wieder und zeigte der Tertiärsektion. „Dies
Sektion ist zwar die kleinste von allen dreien. Aber mit einer
Maximalgeschwindigkeit von Warp 9,7 die schnellste.“ Jerry sah in die
Runde und bemerkte: „Ich sehe Admiral Janeway gerade ein klein wenig
amüsiert lächeln. Ich weiß natürlich, dass sich ein Schiff der
Prometheusklasse niemals mit der Voyager einen Rennen liefern sollte.
Warp 9,975 ist einfach unschlagbar. Dafür weiß ich aber aus eigener
Erfahrung aus einen simulierten Gefecht zwischen einer Intrepid und einen
Warbird, dass man in diesen Falle relativ schlechte Karten für einen Sieg
hat, während man auf einer Prometheus in einen solchen Gefecht erst warm
wird.“
Mit diesen Vergleich hatte Jeremiah natürlich einen kleinen Sturm der
Belustigung ausgelöst. Auch Admiral Janeway lächelte amüsiert. „Jedenfalls
bringt mich der Vergleich zwischen der Intrepid und der Prometheusklasse
zum letzten Punkt meines Vortrages, der Entwicklungsgeschichte.“, führte
Jeremiah aus.
Das holografische Bild wechselte wieder und zeigte die Prometheus
zusammen mit jeweils einen Vertreter der Intrepid- und Yeagerklasse. „Wie
man sicher erkennen kann, haben diese drei Schiffstypen ein ähnliches
Design, besonders was die Größenabmessungen und das Kompaktheit
angeht. Das erklärt sich gut mit der Entwicklungsgeschichte der
Prometheusklasse, denn die begann eigentlich damit, dass ein junger
Ingenieur vorschlug, die Intrepidklasse mit einen Separationsmodus ähnlich
dem der Galaxyklasse zu versehen. Es wird natürlich fast jeder verstehen,
dass das nicht möglich war.“
Allgemeines Nicken unter den Zuschauern. „Gleichzeitig traf der Vorschlag
einen wunden Punkt bei den Ingenieuren. Wie wir alle wissen können
Schiffe der Galaxy-, Ambassador und Akiraklase ihr Diskusegment von der
Antriebsektion trennen.“, führte Jeremiah weiter aus. „Kernproblem dabei ist
die Tatsache das die Diskussegmente nicht warpfähig sind. das bedeutet,
sie müssen entweder abgeschleppt werden, oder warten bis sich die
Antriebssektion wieder ankoppelt. Gerade in einer Gefechtssituation, in
welcher diese Fähigkeit zur Evakuierung eines Großteils der Besatzung
genutzt werden soll, stehen beide Optionen selten zur Verfügung. Von
daher ist ein Rückzug ohne Warpantrieb nur unwesentlich besser als gar
kein Rückzug. Negativ Beispiel dafür ist der Absturz der Enterprise – D,
besser gesagt des Diskussegments der Enterprise - D, auf Veridian III.“
Das ließ Jerry mit einer kurzen Pause bei seinen Zuhörern wirken.
„Jedenfalls begann man mit der Entwicklung eines warpfähigen
Primärrumpfes. Nicht sehr schnell, aber trotzdem ausreichend um aus einen
gefährlichen Terrain zu verschwinden.“ Er lächelte: „Die Ingenieure mit
denen ich gesprochen habe, haben mir zwar die ersten
Konstruktionsentwürfe gegeben,, aber ich musste ihnen versprechen, dass
ich diese nicht zeige.“
Der Lieutnant machte eine weiter pause und trank einen Schluck Wasser
aus dem Glas das auf dem Pult stand. „Jedenfalls hatte man nach einiger
Zeit eine Konstruktion entwickelt, die entfernt an ein Schiff der Novaklasse
erinnerte. Doch gleichzeitig hatte auch der Dominionkrieg seine heiße
Phase erreicht und im Hauptquartier erkannte man schnell, dass diese neue
Entwicklung eine kriegsentscheidende Wirkung haben könnte. Aus einen
mittelgroßen Schiff zwei bis drei kleine zu machen, alle warpfähig und gut
bewaffnet, dass wäre eine effektvolle Waffe gegen die meist in
Dreiergruppen kämpfenden Jem Hadar Raider.“
Jeremiah warf einen vielsagenden Blick in Richtung einiger Admiräle und
führt weiter aus: „Unter diesen Vorgaben entstand das, was wir heute als
Prometheusklasse kennen, einschließlich den stark computergesteuerten
Multi-Vektor-Angriffsmodus. Je nach Blickwinkel kann man sagen das
glücklicher- oder auch unglücklicherweise der Prototyp erst gegen Ende des
Konflikts fertig gestellt wurde. Aber eine eher unfreiwillige Gefechtssituation
während eines Testfluges zeigte die Kapazität dieses Schiffes. Es gelang
dem Prototyp sowohl ein Schiff der Nebulaklasse, als auch einen
romulanischen Warbird schnell außer Gefecht zu setzen.“
Einige erstaunte Ausrufe erklangen aus den Reihen der Kadetten. Jeremiah
konnte sie verstehen. In Gefechtsimulationen auf dem Holodeck waren die
getarnten Kriegsschiffe der Romulaner regelrechte Angstgegner. Wenn man
sie nicht rechzeitig bemerkte, war man selbst mit einen Raumschiff der
Sovereignklasse unterlegen.
„Man hatte also ein kampfstarkes Schiff, das man auch als
Truppentransporter verwenden konnte und zudem eine Lösung für ein
schon recht altes Problem bot.“ setzte Jeremiah seinen Vortrag fort. „Nur
war der Krieg beendet und ein weitere Klasse reiner Kriegsschiffe hätte man
nie genehmigt. Aber viele Ingenieur mochten mittlerweile das Design und so
entschloss man sich kleinere Änderungen vorzunehmen, damit es mehr der
eigentlichen Grundidee mehr entsprach. Der MVAM wurde insoweit
entschärft, dass man nun alle drei Sektionsbrücken besetzen musste, um
eine Trennung durchzuführen. Der Shuttlehangar wurde vergrößert und es
kamen sowohl eine Astrometrie, als auch einige wissenschaftliche Labors
und Sensorsysteme hinzu. Zudem wurden auf der Brücke Sitzplätze für den
Ersten Offizier und den Counselor installiert.“
Jeremiah lächelte: „Dank dieser Modifikation wurde die Zukunft der
Prometheusklasse gesichert und das erste serienmäßig gebaute Schiff, die
USS Community konnte gebaut und in Dienst gestellt werden. Zu diesen
Zeitpunkt wurde die Klasse auch als taktischer Aufklärungskreuzer,
spezifiziert.
Aus den Erfahrungen die man im aktiven Dienst mit diesen Schiff sammelte
konnten einige Verbesserungen vorgenommen werden, am
offensichtlichsten in der Neugestaltung von Deck eins sowie in der
gesteigerten Antriebsleistung des Warpantriebes. Derzeit werden insgesamt
drei Schiffe mit denn neuen Modifikationen gebaut. Die USS Ticonderoga
wird übrigens als nächstes in etwa drei Monaten vom Stapel laufen und
nach einigen Test im Januar in den aktiven Dienst gestellt.“
Jeremiah blickte noch mal in die Runde der Anwesenden: „Was die Zukunft
für die Prometheusklasse bringen wird, kann niemand sagen. Aber wenn es
nach den Willen der Ingenieure geht und da stimme ich ihnen voll und ganz
zu, so wird die Prometheusklasse das zuverlässige und vor allen flexible
Arbeitspferd der Sternenflotte des 25. Jh., ähnlich den Excelsiors in diesen
Jahrhundert. Ein schnelles Schiff, das sich in vielen Situationen bewährt hat
und über ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten verfügt.
Ich hoffe ich konnte mit meinen Vortrag einen guten Überblick diesen
Schiffstyp geben und einige Fragen beantworten.“
Vorsichtig reckten sich zwei, drei Arme in die Höhe. Alles Arme von
ebenfalls anwesenden Journalisten. Innerlich seufzend erteilte Jeremiah mit
einen Handbewegung einer Frau das Wort: „Lieutnant, das war ein guter
Überblick.“, was Jerry mit einen dankbaren Nicken kommentierte. „Trotzdem
finde ich es etwas seltsam, dass die Sternenflotte aus einen Schiff, dass
meines Wissens nach eher als Experimentierplattform verwendet hat, eine
neue Schiffklasse entwickelt.“
Das war zwar eine Frage, auf die Jerry überhaupt nicht vorbereitet war, aber
hier kam ihm sein gutes geschichtliches Wissen zu Hilfe. „So etwas ist nicht
ungewöhnlich. Mehrerer Schiffsklassen, wie z.B. die Constitution-, Excelsiorund Nebulaklasse, beruhen auf Prototypen bei denen man schlicht und
ergreifend neue Technologien oder neue Konstruktionskonzepte testen
wollte. Gerade letztere ist ein besonders gutes Beispiel dafür.
Jerry schaute in die Runde und erklärte: „Eigentlich wollte man nur einen
Abtriebsschlitten für abgekoppelte Diskussegmente der Galaxyklasse
entwickeln. Aber man merkte recht schnell, wie gut das eigentlich
funktionierte, von den geringeren Materialbedarf ganz zu schweigen. Man
hat daher einige Modifikation vorgenommen, den Stabilisator und das
austauschbare Modul hinzugefügt und fertig war ein Schiffstyp, der über
ähnliche Fähigkeiten wie die Galaxyklasse verfügte, dabei aber wesentlich
kompakter war und sich auch schnell bauen ließ. Trotzdem hat man
natürlich weiter Galaxys gebaut, denn mit den etwas leistungsfähigeren
Defensiv- und Offensivsystemen und dem doch größeren Platzangebot
hatte auch dieser Schiffstyp einige Vorteile zu bieten.“
In einer der vorderen Reihen hob ein Kadett die Hand: „Warum hat es drei
Jahre gedauert, bis neue Schiffe der Prometheusklasse in den Dienst
gestellt wurden.“ „Wie ich schon erwähnte, wollte man erst mal sehen, wie
sich die Modifikation im täglichen Einsatz machen. Das erkennt man nun
Mal nicht innerhalb von Wochen. Das dauert schon Monate. Auch mussten
die entsprechenden Modifikationen entwickelt werden. Dann ist die
Herstellung von Schiffen der Prometheusklasse etwas langwieriger als bei
anderen Schiffen dieser Größe. Und letztendlich muss man auch den
Entscheidungsprozess für die neuen Schiffe mit einkalkulieren.“
Wieder gingen einige Hände nach oben. Jeremiah erteilte das Wort einer
jungen Vulkanierin, die sich schon den ganzen Vortrag lang eifrig Notizen
gemacht hatte. „Sie sprachen davon, dass alle drei Sektionen über
Warpkerne verfügen. Wie lautet die logische Vorgehensweise, wenn im
gedockten Modus der Warpkern der Primärsektion zu brechen droht.“
„Das ist ein sehr gute Frage, Kadett.“ bemerkte Jerry, und ließ das
Schiffsdiagramm wieder erscheinen und vergrößerte dann den oberen Teil.
„Wie sie sehen können liegt der Kern auf Deck zwei. Das bedeutet, er kann
auch im gedockten Modus abgeworfen werden. Natürlich besteht hier die
Frage, inwieweit das ratsam ist, da eine Kollision mit den oberen Gondeln
möglich ist. Meines Wissens nach ist ein solches Ereignis aber auch noch
nie eingetreten und ich hoffe das bleibt so.“ Im Geiste machte er sich eine
Notiz, so etwas Mal zu simulieren.
Da nun doch niemand weiter eine Frage hatte, wofür der Lieutnant sehr
dankbar war, schloss er den Vortrag mit den Worten: „Abschließend möchte
ich ihnen allen noch für ihre Zeit und ihre Aufmerksamkeit bedanken.“
Nach den Vortrag wollte Jeremiah recht schnell verschwinden. Aber
Commander Beecet hielt ihn auf: „Wohin den so eilig, Lieutnant.?“ „Nach
Hause zu meiner Freundin und meinen kleinen Bruder.“, erwiderte der
Angesprochene. Doch die Trill schüttelte nur mit dem Kopf: „Die beiden
müssen noch ein wenig ohne sie auskommen. Sie müssen noch wenigstens
ein paar Minuten bleiben und wichtigen Leuten die Hand schütteln.“
Jeremiah rollte nur mit den Augen und ergab sich seinen Schicksal. Auch
weil gerade Admiral Schreiber auf ihn zukam und bemerkte: „Ich kann ihnen
sagen, warum ich sie um den Vortrag gebeten habe und nicht einen der
Ingenieure.“ Er lächelte und erklärte: „Der Vortrag wäre dann nie so
amüsant geworden, sondern eine Aneinanderreihung von trockenen Fakten
gewesen.“
Der Lieutnant bedanke sich für das Lob, als auch schon der, besser gesagt
die Nächste kam: Admiral Kathryn Janeway. Jerry versuchte sofort eine
Schadensbegrenzung: „Ich hoffe ich habe sie nicht mit meiner kleinen
Spitze verärgert, Ma’am.“ Doch die Veteranin lächelte: „Keineswegs
Lieutnant. Es war eine elegante Überleitung, von den Antriebsdaten der
Tertiärsektion zur Entwicklungsgeschichte. Ich fand es sehr gut, dass sie ihr
Publikum einbezogen haben.“
Kathryn machte eine Pause: „Außerdem hatten sie meine Sympathie mit
Aussage gewonnen, dass sie den Alpha Flyer mögen. Wussten sie, dass
alle Flyer nahezu eins zu eins Kopien, des Delta Flyers von der Voyager
sind.“ Jeremiah nickte: „Das wusste ich. Besonders während der letzten
Mission der Community haben wir die Borgtechnologie des Flyers schätzen
gelernt.“
Deie ehemalige Kommandantin der Voyager nickte: „Ich kennen die
Berichte. Gut zu wissen, das unsere Konstruktion auch im Alphaquadranten
sehr nützlich ist.“ Jeremiah überlegte und bemerkte: „Weil wir gerade von
der Konstruktion der Flyer sprechen, wer hat den die Navigationsstation
entworfen.“ Seine Gesprächspartnerin schmunzelte: „Das war Tom Paris,
mein damaliger Hauptsteuermann. Er hat das Projekt in Gang gesetzt und
die Konstruktion des Prototypen mehr oder weniger geleitet. Als man ihn zu
der Konsole gefragt hatte , wenn ich mich recht erinnere, geantwortet, dass
er das Schiff richtig spüren möchte.“
Sie sah den Lieutnant an: „Sagen, sie bloß sie haben damit Probleme?“ „Am
Anfang war es gewöhnungsbedürftig. Sehr gewöhnungsbedürftig.“, gab
dieser zu. „Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und auch
gemerkt, dass diese antike Steuerung bei Sublichtmanöver einen kleinen
Reaktionsvorteil bietet.“
„Das kann ich nur bestätigen, Lieutnant. Aber jetzt muss ich wieder an
meine Arbeit machen.“, verabschiedete sich die derzeit wohl berühmteste
Frau der Sternenflotte und verließ schnellen Schrittes den
Veranstaltungssaal.
Jerrys Blick folgte ihr und entdeckte dabei den andorianischen Freund
seiner Schwester. „Vrad.“, brüllte er ihn hinterher. Der drehte sich um und
kam dann näher. „Ein toller Vortrag. Becky wird sich über die Aufnahme
freuen.“, bemerkte der Andorianer und hob die Kamera in seiner Hand hoch.
Jerry wollte ihn erst bitten die Aufnahme zu vernichten. Aber dann überlegte
er, warum er das eigentlich wollte. Der Vortrag war ja eigentlich ganz gut.
Also erwiderte: „Vermutlich. Ich kann mir zudem vorstellen, dass Hanni und
meine Vater die Aufnahmen auch sehen wollen.“
Er warf einen Blick auf Lieutnant Commander Beecet, die gerade mit einigen
Kadetten sprach. „Aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen eleganten
Abgang,“ Der Andorianer richtete erst verwirrt seine Antennen auf, verstand
aber dann doch die Aussage des Menschen. Gemeinsam verließen die
beiden den großen Raum.
Geschrieben von: Vinara Shral am Aug 11 2005, 22:02
Vinara befand sich in einem Labor auf Delta IV und sah vor sich einen
fettleibigen, gelbhäutigen und bis auf drei einzelne Haare glatzköpfigen
Humanoiden mit nur jeweils vier Fingern an den Händen. Er starrte die
Andorianerin mit beinahe gierigem Blick an, knurrte beinahe wie ein Hund
und kratzte sich hin und wieder im Schritt, dessen Blöße nur von einem
primitiven Lendenschurz bedeckt wurde. Die Haut des Individuums wirkte
bei näherem Hinsehen sehr grob und auch leicht feucht, fast schon wie
Lehm.
Assjima trat durch eine Tür und sah die beiden freudestrahlend an. "Ah, wie
ich sehe habt ihr schon Bekanntschaft gemacht! Wie Sie sehen, Vinara, sind
meine Zellkulturen ganz schön gewachsen! Na was sagen Sie, ist dieser
Golem nicht ein Prachtkerl? Eigentlich braucht er nur noch einen Namen, ich
habe zwar einige auf Lager, aber keiner scheint so recht zu ihm zu passen.
Wie wär's, wollen Sie ihm nicht einen geben? Sie könnten seine Taufpatin
sein!"
Das gelbe Ungetüm richtete seine riesigen Glubschaugen auf die
Deltanerin, sah dann wieder zur sprachlosen Vinara und kratzte sich erneut
im Schritt. Dann hob er beide Hände, schüttelte sich und rief: "Homer!"
Daraufhin trommelte er auf seine Brust.
"Ach sehen Sie nur, Vinara, er hat sein erstes Wort gesagt! Und das soll
auch sein Name sein, der passt zu ihm! - Ich weiß, er ist nicht gerade eine
Schönheit und auch nicht der Klügste, aber für einen ersten Versuch doch
nicht schlecht gelungen, oder was meinen Sie?"
Homer ging auf Vinara zu die einige Schritte zurückwich, brüllte erneut und
knurrte in fragendem Tonfall: "Marge?"
"Nein, Vinara! Ihr Name ist Vinara! Hier ist niemand der Marge heißt",
antwortete Assjima an Stelle der Wissenschaftsoffizierin und lachte.
Daraufhin wurde der Golem wütend, er schrie immer wieder "Marge!",
rannte dabei durch das ganze Labor, schmiss alles um was nicht befestigt
war und riss den Rest heraus. Vinara konnte sich nicht bewegen, sie stand
wie gelähmt an der Wand als der sperrige Tisch auf sie zuflog und...
Mit einem Ruck setzte die Andorianerin sich auf und öffnete die Augen.
Glücklicherweise hatte sie diese Nacht alleine verbracht - immer nur mit
Barnhelm zusammenzusein war ihr einfach zuviel - und ihre Fühler drehten
sich in Richtung Nachttisch, auf dem ein replizierter Comic nach alten
Motiven von der Erde lag: "Die Simpsons". Mückners Sohn hatte sie in
seiner Jugend immer gelesen und der Doktor hatte sie der Andorianerin
gegeben, nachdem diese das Heft auf einem Tisch in der Krankenstation
entdeckt hatte.
"Er schickt mir immer noch hin und wieder ein Exemplar, obwohl er weiß
dass ich nichts Rechtes damit anzufangen weiß. Aber vielleicht finden Sie ja
etwas daran - Sie könnten damit zum Beispiel Ihren Sinn für Humor
trainieren."
Nun, das hatte sie jetzt davon. Sie war immer noch unsicher ob sie den
Traum als Warnung vor einer realen Bedrohung oder nur als einen
Ausbruch absurden Humors auffassen sollte. Fest stand nur, sie würde
Assjima nichts davon sagen, ansonsten spielten ihre telekinethischen Kräfte
wieder verrückt und sie generierte am Ende tatsächlich die gelbhäutige
Parodie eines männlichen Homo Sapiens.
"Guten Morgen, Commander, Sie sind ja heute früh auf den Beinen! - Na,
wie hat Ihnen der Comic gefallen?", begrüßte sie Dr. Mückner als sie eine
Viertelstunde später in der Krankenstation erschien.
"Er war... interessant. - Sagen Sie, haben Sie in letzter Zeit etwas von Dr.
Assjima gehört? Sie scheinen Sie ja ebenfalls zu kennen."
"Nun ja, vielleicht nicht ganz so gut wie Sie jetzt, aber ich habe ihr gleich
einen kleinen Brief geschrieben nachdem Sie mir ihre Grüße ausgerichtet
haben. Sie hat mir immer noch nicht die Krankengeschichte Tycho Brahes
geschickt und bisher auch keine weitere Antwort erhalten. Sie etwa?"
"Nein, und langsam mache ich mir Sorgen. Was wenn ihre Kräfte stark
genug sind um unbewusst auch die weitere Entwicklung der von ihr
erschaffenen Zellen zu beeinflussen? Sie teilte mir ihre Befürchtung mit
einen Golem erschaffen zu haben, eine künstliche Lebensform aus der
irdischen Mythologie, was wäre wenn..."
Der Schiffsarzt zwirbelte nachdenklich seinen Bart. "Nun, das wäre
gewissermaßen eine Sensation... Eine solche Kreatur könnte durchaus eine
Gefahr darstellen, aber andererseits, wenn wir mit Jem'Hadarn fertig
geworden sind dürfte ein Golem auch keine allzugroße Herausforderung
sein. Wenn er sich überhaupt entwickeln sollte. - Mal eine andere Frage,
ganz im Vertrauen, wie denken Sie wird es mit Ihnen und Frederic, ich
meine dem Captain weitergehen?"
"Ich weiß es nicht, aber ihn würde ich auf jeden Fall lieber heiraten wollen
als Homer Simpson." Mit diesen Worten verließ Vinara die Krankenstation
und begab sich wieder in ihr Quartier.
Nachdem sie gefrühstückt hatte verfasste sie eine kurze Mitteilung an
Assjima, in der sie ihre Besorgnis zum Ausdruck brachte. Natürlich ohne
ihren Traum oder den alten Erdencomic auch nur ansatzweise zu erwähnen.
Wenn die Deltanerin schon die "Mutter" eines Golems sein sollte, dann
musste er nicht auch noch so aussehen wie die Karikatur eines
amerikanischen Bürgers Ende des 20. Jahrhunderts.
Kurz nachdem sie den Brief abgeschickt hatte kam eine Meldung von der
Brücke, genauer gesagt von der OPS: "Guten Morgen, Commander, ich
sehe mir gerade das externe Com-System an und da wurde angezeigt dass
Sie soeben eine Nachricht in Richtung Delta versandt haben. Keine Sorge,
der Inhalt ist mir nicht zugänglich, ich wollte Ihnen nur mitteilen dass sie
wahrscheinlich nicht ankommen wird, da wir gerade ein Gebiet mit einigen
leichten bis mittelschweren Interferenzen durchfliegen. Sie können sie sich
ja mal ansehen wenn Sie auf die Brücke kommen!"
"Interferenzen? Ich hoffe doch sie werden nicht allzu lange andauern,
obwohl ich diese Abwechslung andererseits auch als positiv bewerte,
solange sie nur temporär ist. Ich bin schon unterwegs. Shral Ende."
Geschrieben von: Jeremiah Esteban am Aug 12 2005, 07:51
Jeremiah las gerade seinen Bruder eine Geschichte von Flotter vor, als es
plötzlich an der Haustüre klingelte. „Komm Sami, wir schauen mal nach, wer
da ist.“, meinte Jerry und nahm seinen Bruder auf den Arm.
Während die durch den Flur zur Tür gingen, kam auch Hanni aus der Küche
dazu. Als Jerry die Tür öffnete, stand eine schon etwas ältere Frau in einer
Sternenflottenuniform davor. Sie hielt ein Padd in der Hand und ihre
Rangabzeichen wiesen sie als Admiral aus. „Lieutnant j. G. Jeremiah
Esteban?“, fragte sie, wie jemand der die Antwort schon kannte. „Ja,
Ma’am.“, bestätigte Jerry verblüfft.
Er wunderte sich ein wenig. Normalerweise machten Admiräle keine
Hausbesuche. Was war also eigentlich los? Marschbefehle wurden ja auch
als Komnachrichten verschickt. Jeremiah bekam plötzlich ein ungutes
Gefühl in der Magengegend.
„Ich bin Admiral Samantha Jones.“, unterbrach die Admiralin seine
Gedanken. „Darf ich eintreten?“ „Natürlich Ma’am.“, erwiderte der Lieutnant
und trat beiseite. Während die Gruppe ins Wohnzimmer ging, warf Hanni,
ihren Freund einen Blick zu der sagen sollte: „Was will die von dir?“ Doch
Jerry zuckte nur mit den Schultern.
Im Wohnzimmer angekommen nahmen die beiden Frauen Platz, während
Jerry fragte, ob sie etwas zu trinken haben wollten. Hanni wollte ein Wasser
und die Admiralin eine Tasse Earl Grey, weswegen der Lieutnant seinen
Bruder an sein Freundin reichte und die Getränke sowie für sich einen
Cappuccino holte.
Als er wieder zurückgekommen war und die Getränke verteilte hatte, setzte
er sich in eine Sessel und fragte direkt: „Was führt sie hierher, Admiral?“
Samantha trank einen Schluck Tee und erwiderte: „Ich muss mit ihnen
etwas besprechen.“ Mit einen strengen Seitenblick auf Hanni fügte sie ein:
„Allein.“
Die junge Frau verstand die unausgesprochene Botschaft „Verschwinden
sie, aber dalli.“, und bemerkte: „Ich gehe mit Samuel im Park spazieren.“ „Es
dauert nur etwa eine Stunde.“ fügte Samantha halb entschuldigend hinzu.
Sie beobachte zusammen mit Jeremiah, wie die junge Frau, Samuel andere
Schuhe anzog, ihn in den Kinderwagen setzte und dann das Haus verließ.
Kaum war die Türe hinter Hanni ins Schloss gefallen, fragte Jeremiah seine
Besucherin: „Was ist so wichtig und geheim, das sie sogar meine Freundin
wegschicken, Admiral?“ Die altgediente Sternenflottenoffizierin überlegte
und stellte dann eine Gegenfrage: „Was halten sie von den anderen
Führungsoffizieren.“
Bei Jeremiah klingelten nun regelrecht die Alarmglocken. Er betrat gerade
eine Art Minenfeld. „Nur nichts Falsches sagen.“, dachte er so für sich.
Vorsichtig fragte der Lieutnant: „Möchten sie meinen Meinung zu jemandes
ganz Bestimmtes hören?“ Ein kleines Lächeln zeichnete auf dem Gesicht
der Frau ab. „Okay Lieutnant ganz wie sie wollen, reden wir nicht um den
heißen Brei herum. Was halten sie von Commander Kyle?“
Jeremiah nahm sich doch etwas Zeit, um sein Antwort zu Formulieren. „Ich
halte sie für einen ausgezeichneten Offizier. Ich bewundere sie dafür, dass
sie es anscheinend mühelos schafft, als alleinerziehende Mutter Familie und
Beruf unter einen Hut zu bekommen.“
„Und als Kommandantin?“ hakte Admiral Jones nach. Jerry erinnerte sich an
die doch recht chaotische Hochzeitsmission: „Sie lässt Untergebenen viel
Freiraum, erwartet aber auch Leistung. Unangenehme Aufgaben erledigt sie
aber selbst. Nur denke ich, dass sie wegen ihrer Tochter zur Zeit schlicht
und ergreifend keine Zeit für ein dauerhaftes eigenes Kommando hat.“
„Ein recht positives Bild, dass sie da von ihrer Vorgesetzten zeichnen.“,
kommentierte Samantha nachdenklich und trank einen Schluck Tee. „Nur
scheint da ihr letzter Kommandant anderer Meinung zu sein.“ Die
Augenbrauen des Lieutnants schossen förmlich nach oben. „Captain
Stewart?“ Als die Admiralin nickte, fügte er fragend hinzu: „Was hat der
denn über den Commander gesagt?“
„Er hatte nichts direkt gesagt. Aber der Captain hat eine Untersuchung
gegenüber Commander Kyle angestrengt, weil sie, wie er glaubte, einige
Sachen in ihren Bericht nicht erwähnt hat.“
Jerry runzelte die Stirn: „Das kann ich mir nicht vorstellen. Zugegeben, ich
habe den Bericht von Commander Kyle nicht gelesen, aber ich kann mir
nicht vorstellen, dass sie einige Dinge absichtlich unerwähnt ließ.“ Er
versuchte zu lächeln: „Sie haben die Person, die ihnen zu den Ereignissen
nach dem Absturz der Primärsektion mehr sagen könnte wegegeschickt.
meine Freundin war nämlich an Bord.“
„Ich werde sie eventuell wieder später befragen.“, war der einzige
Kommentar der Admiralin. Sie trank einen weiteren Schluck Tee, während
Jerry fortfuhr: „Der Commander wird aber auch keine Zeit gehabt haben,
ständig über alles Buch zu führen. Ich kann mir vorstellen, das ihn das
gestört hat.“
„Möglich.“ Die Frau fixierte den Lieutnant. „Gab es eventuell langanhaltende
Unstimmigkeiten, die zu einer solchen Verdächtigung führen konnte.“ Jerry
schürzte die Unterlippe und überlegte: „Ich habe nicht bemerkt.“ Er dachte
kurz nach, fügte dann aber noch hinzu: „Ich muss aber auch zugeben, dass
es nicht immer einfach war, mit Captain Stewart zusammenzuarbeiten.“
Das machte nun Admiral Jones neugierig: „Inwiefern?“ „Es war schwer
einzuschätzen, wie er reagieren würde. Mal hat er Vorschläge in Erwägung
gezogen, andere Male einfach nur schroff abgewiesen. Es war wie ein Tanz
auf den Vulkan.“, erläuterte Jerry.
Dann wechselte er das Thema. „Was ist aus der Untersuchung geworden.“,
wollte der Lieutnant wissen. „Es gab nicht genügend Beweise, für die
Vermutung des Captains.“ erläuterte Samantha. „Aber es gab eine
Untersuchung wegen eines Vorfalles in den auch Ensign Anquenar
verwickelt gewesen ist.“
Jeremiah hätte sich beinahe an seinen Cappuccino verschluckt. „Was ist
denn passiert?“ „Mrs. Anquenar hat eigenmächtig an einen der Bewohner
Selbstjustiz verübt. Alles weitere zu den Vorfall können sie selbst
nachlesen.“ Sie reichte dem Lieutnant das mitgebrachte Padd.
Jerry überflog es und nickte dann verstehend: „Von dem Vorfall habe ich
gerüchteweise gehört. Jetzt verstehe ich auch die Hintergründe. Aber was
hat die Geschichte mit Commander Kyle zu tun?“
„Sie hätte den Ensign aufhalten müssen, was sie auch selbst zugegeben
hat. Nicht gerade ein Beweis für eine gute Kommandantin, finden sie nicht,
Lieutnant?“ „Das war eine Ausnahmesituation. da handelt man nicht immer
korrekt.“, versuchte Jeremiah seine Vorgesetzte zu verteidigen. „Gute
Kommandanten handeln immer korrekt, egal um was für eine
Ausnahmesituation es sich handelt.“, dozierte Samantha.
Jerry konnte nichts erwidern und hielt es für besser sich noch eingehender
mit dem Protokoll zu beschäftigen. Er die entscheidende Stelle beinahe
überlesen. Jerry wanderte mit dem Agen den text nach oben und las noch
mal die Entscheidung von Admiral Ross:
“Commander Kyle,
dieses Komitee ist zu dem Schluss gekommen, dass Sie das Vorhaben von
Fähnrich Anquenar hätten verhindern müssen. Es hätte niemals so weit
kommen dürfen.
Da Sie aber die volle Verantwortung dafür übernehmen und Sie Ihr
Versäumnis eingestanden haben, werden wir von einer unehrenhaften
Entlassung aus der Sternenflotte absehen.
Stattdessen bleiben Ihre Auflagen von damals bestehen. Zusätzlich wird ein
von uns ernannter Beobachter Ihr Verhalten als Offizier dokumentieren und
uns monatlich Bericht erstatten. Wer dieser Beobachter sein wird, teilen wir
Ihnen nach Fertigbau der Primärsektion mit."
Jetzt machte das ganze Theater für den Lieutnant einen Sinn. Er sah seinen
Gast durchdringend an: „Sie wollen, das ich Commander Kyle beobachte.“
Samantha nickte bestätigend: „Genau, sie sollen den Commander drei,
maximal sechs Monate beobachten und einmal im Monat einen Bericht an
mich schicken.“
Jeremiah gefiel die Sache ganz und gar nicht: „Wieso gerade ich. Es gibt
doch bestimmt Offiziere im Hauptquartier, die so etwas öfters machen.“
„Dafür gibt es drei Gründe. Erstens wird dies ein Langzeitbeobachtung. Und
keiner unserer sonstiges Beobachter hat die Zeit für so etwas. Zweitens
wurden die Kommandofähigkeiten von Commander Kyle schon vor zwei
Jahren untersucht und zwar von Commander Paul Bennet.“
Sie seufzte kurz: „Die Entscheidung, den Commander mit der Beurteilung
von Ms. Kyle zu betrauen, um zu erfahren, wie sie sich als
Interimskommandantin der Community so machte, war gelinde gesagt
unklug. Paul Bennet entpuppte sich als psychisch labil und es scheint, als
hätte er der gesamten Crew das Leben schwer gemacht. Deshalb sind wir
zu der Ansicht gelangt, das ein offizieller Beobachter negative Befühle von
Seiten der Crew erfahren würde und es deshalb besser ist, dass jemand wie
man so schön sagt, undercover arbeitet. Und das sollte drittens jemand
sein, der schon zur Führungsmannschaft der Community gehört und aus
Gründen der Fairness, den Commander schon etwas kennt.“
Jeremiah versuchte noch ein halbherzigen Gegenargument anzubringen,
wusste aber tief in seien Inneren, dass es nichts nützen würde. „Was ist mit
den anderen Führungsoffizieren?“ „Ihr neuer Captain kennt den Commander
zuwenig. Außerdem versuchen wir trotz alledem die Beschränkungen des
Commanders als Mutterschaftsschutz zu verkaufen. Eine offizielle Bitte um
eine Bewertung, würde ihn voreingenommen machen. Lt. Cmdr. Shral und
Lt. Bishop waren ja schon während der Meuterei gegen Capatain Leblanc
an Bord der Community.“
„Wenn ich mich recht an die Logbucheintragungen erinnere, war die
Entführung von Commander Shral und die Untätigkeit des Captains in
diesen Punkt, einer der Gründe für die Meuterei.“, korrigierte Jeremiah. „Wie
auch immer. Außerdem hat ihre Wissenschaftsoffizierin ihr Posten als
zeitweiligen ersten Offizier der Community ein paar Wochen vor der Ankunft
von Commander Bennet freiwillig niedergelegt. Es wird vermutet, dass es
zwischen den beiden Frauen zu Spannungen gekommen.“, erwiderte
Samantha ungerührt.
„Doktor Assjima ist als Ärztin absolut ungeeignet, einen anderen Offizier in
Sachen Kommandoführung zu bewerten.“, erklärte sie weiter. „Und was
Fähnrich Anquenar angeht werden sie sich vielleicht schon ihrer eigene
Meinung gebildet haben, Lieutnant“
Das hatte der jedoch noch nicht. Den er zollte der Hailianerin Respekt, weil
diese den Rest des Schiffes scheinbar mühelos durch das Wurmloch
geflogen hatte. „Jedenfalls sind sie der ideale Kandidat für den Job.“,
beendete die Admiralin ihre Ausführungen.
Als sie bemerkte, wie Jerry mit sich rang, fügte sie noch warnend hinzu: „Sie
können natürlich auch ablehnen. Natürlich besteht dann die
Wahrscheinlichkeit, dass wir sie mit ihren Fähigkeiten, woanders einsetzen
werden.“
Es war ein faustischer Deal, den Admiral Jones da vorschlug. Beide
Optionen kamen für Jeremiah eigentlich nicht infrage. Aber es gab auch
keinen eleganten Mittelweg. Entweder lief er Gefahr, von der Frau getrennt
zu werden, die er liebte oder er musste einen Menschen hintergehen, den er
respektierte und in gewisser Weise sogar bewunderte. Jeremiah rang
mehrere Minuten mit sich selbst. Den Ausschlag gab, dass der junge Mann
sich einredete, dass es auch zum Besten für den Commander sei, wenn er
sie beurteilte.
Also entschied er sich für das kleinere Übel: „Okay Admiral, ich mache es.“
Samantha Jones nickte: „Okay nun zu ihren Missionsparametern. Sie
werden au0er mit mir, mit niemanden über diesen Auftrag sprechen. Weder
mit ihren Captain, noch mit ihrer Freundin, noch mit jemanden anders
Nahestehenden, geschweige den jemanden aus der Crew der Community
und um Himmels Willen nicht mit Commander Kyle. Verstanden?“ Jerry
nickte. „Sie werden mir ein Mal im Monat einen Bericht zusenden, Es sei
denn, man hat ein paar Sonderfragen. Auf den Padd was sie haben, stehen
alle Codes die sie brauchen. Es soll ja schließlich keiner mitbekommen.“
„Sonderfragen?“, hakte Jerry nach.
„Ja, Sonderfragen.“, wich die Admiralin aus. Sie erhob sich: „Lieutnant, ich
weiß nicht was sie denken. Und ich will es offen gestanden auch nicht
wissen. Aber ich möchte etwas klarstellen. Ich mache das nicht, weil ich
Commander Kyle unbedingt aus der Flotte verschwinden sehen will. Für
mich als Frauenbeauftragte der Sternenflotte, ist sie eigentlich ein gutes
Beispiel, dass ich vorzeigen könnte, wenn es um die Ängste von weiblichen
Angehörigen geht, die nicht glauben könne, dass man Karriere und Kinder
unter einen Hut bekommen kann. Nur leider hat Commander Kyle
mittlerweile mehrere dunkle Flecken in ihrer schon immer nicht makellosen
Dienstakte. Und selbst ich habe Vorgesetzte die Antworten darüber
verlangen, ob sie wirklich noch fähig ist, als Offizier der Sternenflotte zu
dienen. Und was die Geschichte mit dem beobachten angeht, wurde ich bei
der Untersuchung von den anderen bei Ausschussmitgliedern überstimmt.“
Und verließ dann grußlos das Haus.
Als Hanni etwa eine Viertelstunde später zurückkam, fand sie Jeremiah
nachdenklich in einen Sessel sitzen. „Alles in Ordnung , Hase. Was wollte
der Admiral von dir denn.“ „Darf ich dir nicht sagen.“, grummelte der jedoch
nur.
Jerry tritt auf Hoshi's Bitte die Nachfolge von Paul Bennet an.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Aug 12 2005, 08:36
Der Mann mit den hellbraunen Haaren aktivierte den Sichtschirm, als das
Terminal eine Commverbindung meldete.
„Sir!“ grüßte er respektvoll den älteren Mann und spürte zugleich einen
tiefen Widerwillen gegen diese Person. Immer wenn er diesem in die Augen
sah, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Dieser Admiral war ein
äußerst unangenehmer Mensch. Kalt, berechnend, ohne das geringste
Mitleid – das wusste er aus eigener Erfahrung.
„Bericht!“, forderte der Admiral mit ungehaltener Stimme.
„Keine neuen Vorkommnisse“, erklärte der Mann. „Fähnrich Anquenar
verhält sich vollkommen unauffällig.“
„Das ist unbefriedigend, Lieutenant“, herrschte der Ältere ihn an.
„Ich weiß, Sir. Aber sie verhält sich unverdächtig. Sie verrichtet ihren Dienst
pflichtbewusst und tadellos. Sie arbeitet ausgezeichnet mit Commander
Orsen und den restlichen Crewmitgliedern zusammen. Ich kann Ihnen nichts
Negatives über Anquenar berichten, Admiral. So weit ich es beurteilen kann,
ist sie ein fähiger Offizier und eine ausgezeichnete Pilotin“, erklärte der
Mann, der sich wieder einmal fragte, was in aller Welt die Haliianerin getan
haben könnte, um dieses zornige, intensive Interesse des Admirals auf sich
zu ziehen.
„Ich habe sie nicht um ihre Meinung gefragt, Lieutenant“, erwiderte der
ranghöhere Offizier mit eisiger Stimme. „Mit wem steht sie in Kontakt?“
„Sie erhält regelmäßig Nachrichten von Nahima Nerves, der Frau des
Commodore. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Anweisungen für ein
Trainingsprogramm. Außerdem haben ihr einige Freunde von der Akademie
geschrieben - darunter befinden sich auch mehrere Nachrichten von einem
gewissen Dorian Gray. Nichts Besonderes, er erzählt ihr von seinem
Medizin-Studium.“
„Woher kennt sie diesen Gray? Haben Sie ihn überprüft?“
„Gray war bei der letzten Mission Councelor an Bord der Community. Ich
vermute, sie war bei ihm in Behandlung aufgrund ihrer Erlebnisse. Seine
Akte war in Ordnung. Keine Verbindung zu den anderen.“
„Ich werde das nochmals überprüfen. Sonst noch jemand?“
„Sie verbringt viel Zeit mit Fähnrich Bjoern Niels van Richthoven, einer der
Überlebenden des Absturzes.“
„Stehen die Beiden sich nahe?“
Der Jüngere stutzte. Inwiefern war das denn wichtig? Die Fragen des
Admirals nach dem persönlichen Umfeld Anquenars erschienen ihm immer
seltsamer. Er schien regelrecht davon besessen zu sein, herauszufinden,
mit wem sie sich traf oder wer ihr nahe stand? Mehr noch als zu erfahren,
wie sie sich als Offizier verhielt. Dabei war dies doch der eigentliche Grund
für diese Observierung.
„Meiner Meinung nach sind sie nur enge Freunde. Einige Crewmitglieder
wollen aber gesehen haben, wie van Richthoven sie mehr als nur
freundschaftlich auf seinen Armen vom Holodeck getragen haben soll.“
„Ich wiederhole mich nur ungern, Lieutenant: Ihre MEINUNG interessiert
mich nicht!“, fuhr der Admiral ihn an. „Überprüfen Sie diesen van
Richthoven!“
„Aye, Sir“, bestätigte der jüngere der Beiden, während sich seine Zweifel an
der Richtigkeit der Beobachtung verstärkten.
„Weitere Kontakte?“
„Vor kurzem unterhielt sie sich längere Zeit über eine Commverbindung mit
einem Lieutenant John Gilmore. Er ist Arzt in der Sternenflotte und ein
weiterer Überlebender des Absturzes. Zum Zeitpunkt des Gesprächs befand
er sich auf Betazed und wurde psychologisch betreut.“ Der Mann zögerte
ein wenig, was dem Admiral nicht entging.
„Was ist?“, fragte er während in seinen Augen begannen bedrohlich zu
funkeln.
„Die Beiden scheinen sich sehr gut zu kennen. Das Gespräch war
ungewöhnlich vertraut. Ich hatte das Gefühl, als wären die Beiden
Geschwister oder ein Liebespaar“, erklärte der Lieutenant zögerlich.
„Interessant“, bemerkte der Admiral. Das wenig Gutes verheißende Funkeln
in seinen Augen hatte sich verstärkt.
Der Lieutenant rang nur einen Moment mit sich, dann setzte er seinen
Bericht fort. „Gilmore kam einen Tag nach dem Gespräch an Bord und
verbrachte den Abend und die Nacht in dem Quartier des Fähnrichs. Einige
Crewmitglieder haben ihn am Morgen aus ihrem Quartier kommen sehen. Er
soll recht verkatert ausgesehen haben.“ Er spürte wieder den kleinen Stich,
wie auch schon beim ersten Mal, als er es gehört hatte. Waren die beiden
zusammen? Seit wann? Was ging ihn das eigentlich an? Warum? Warum
konnte sie nicht ihn .. ?
„Ich werde diesen Gilmore überprüfen lassen“, erklärte der Admiral und sah
die nachdenkliche Miene des jungen Mannes. „Was ist mit Ihnen,
Lieutenant?“, fragte er ihn kalt.
Aus seinen Gedanken gerissen, die sich nur um die Haliianerin drehten, sah
er erstaunt auf und suchte nach einer ausweichenden Antwort, die dem
Admiral seine wahren Gedanken nicht offenbarten.
„Sir, ich habe Bedenken. Nichts in der Akte von Anquenar weist darauf hin,
dass sie eine Verräterin ist. Auch ihr Verhalten..“
„Sie haben ihre Akte gelesen?“, polterte der Ranghöhere wütend.
Der Lieutenant war erschrocken über die unerwartet heftige Reaktion. „Ich
habe Informationen benötigt, um unauffällig in ihre Nähe gelangen zu
können, Sir.“
„Ich habe Ihnen weder gestattet noch befohlen, Einblick in ihre Akte zu
nehmen. Ihre Autorisation galt ausschließlich für die Installation der
Überwachungs- und Abhörgeräte. Sie haben ausschließlich Befehlen zu
gehorchen und nicht selbstständig zu denken. Haben Sie mich verstanden,
Lieutenant?“, wies der Admiral den jungen Mann ärgerlich zurecht.
Dieser nickte wortlos.
„Gut!“, erklärte der Admiral hämisch. „Überprüfen Sie van Richthoven und
Gilmore und bewachen Sie Anquenar weiterhin. Melden Sie mir jede
Begebenheit - auch wenn sie Ihrer MEINUNG nach noch so unauffällig sein
sollte! Und vergessen Sie nie, Lieutenant. Ich weiß ES!“
Der Sichtschirm wurde dunkel.
Vergessen? Wie könnte er es je vergessen? Er träumte mittlerweile wieder
beinahe jede Nacht davon. Und jedes Mal, wenn er mit dem Admiral sprach,
erinnerte er ihn daran.
Vergessen? Er würde es nie vergessen können.
Geschrieben von: Bjørn Niels van Richthoven am Aug 14 2005, 19:33
Niels betrat das Büro des Commanders. Eigentlich wollte er Scans und
Analysen der Systeme durchführen, doch der Commander hatte ihn zu sich
bestellt. Niels nahm Haltung an. "Ensign van Richthoven meldet sich zur
Stelle, Sir!" verkündete er. Orsen sah hinter seinem Schreibtisch sitzend zu
ihm auf. Auf der anderen Seite des Tisches saß noch jemand, der Niels
unbekannt war. "Fähnrich, sie haben eine gültige Flugerlaubnis?" begann er.
Niels nickte bestätigend. "Gut," dann stellte er vor, "dies ist Lieutenant Haley
aus der Transporterabteilung der Community." Dabei deutete er auf den
Fremden. Dieser drehte sich zu Niels um und schaute ihn freundlich an.
Niels schätzte ihn auf etwa 30 Jahre wegen seiner deutlichen
Geheimratsecken, an sonsten sah er recht junggeblieben aus. Er reichte
Niels die Hand zur Begrüßung. "Da nun alle miteinander bekannt sind,
komme ich jetzt zum Wesentlichen: Auf den Eridani Schiffswerften wurden
in zusammenarbeit mit dem Vulcanischen Forschungszentrum neue
Transportereinheiten für die Community gebaut. Was genau verbessert
wurde kann ihnen Mr. Haley später erklären." fuhr er fort, "Wegen einiger
Schwierigkeiten konnten die Einheiten nicht mit dem vorgesehenen
Transport hierher befördert werden. Daher hat die Werftleitung entschlossen
sie abzuholen. Ich wurde gebeten, jemanden von meinen Leuten dafür
abzustellen, aber ich brauche alle meine Piloten hier. Da sind sie mir
eingefallen, Ensign. Ich möchte das sie diese Aufgabe übernehmen! Melden
sie sich in 1 1/2 Stunden auf dem Shuttledeck. Das Runabout wird
abflugbereit sein." Während seiner Ausführungen war Commander Orsen
aufgestanden, hatte ein PADD von seinem Schreibtisch genommen und um
eben diesen herumgegangen. "Hier sind ihre Befehle ausführlich, gehen sie
sie noch einmal durch." Mit den Worten reichte er Niels das PADD. "Aye,
Sir!" entgegnete er und nahm es an sich. "Gut, dann können sie wegtreten,
Mr. van Richthoven!" "Commander, Lieutenant!" verabschiedete er sich und
verließ den Raum.
Sein Weg führte ihn zunächst in den Maschinenraum, wo er gearbeitet
hatte, als er gerufen wurde. schnell überspielte er die Scanergebnisse auf
PADDs und beendete dann alle Computerprogramme, die hatte laufen
lassen. Mit seinem Stapel von PADDs belanden machte er sich auf zu
seinem Übergangsquartier. Dort angekommen legte er diese erst einmal auf
sein Bett. Dann machte er sich daran die wenigen Sachen, die er bisher mit
auf die Community gebracht hatte aus dem Schrank auszuräumen und auch
diese auf dem Bett zu platzieren. Von unter seinem Schreibtisch nahm er
eine Tasche und räumte dann seine Sachen ordentlich ein, zunächst die
Textilien und dann die PADDs. Da hab ich bestimmt genug Zeit auf dem
Flug um die durchzuarbeiten, dachte er. Als soweit alles gepackt war nahm
er das PADD mit seinen Befehlen zur Hand und studierte es. Es enthielt die
Schiffsspezifikationen, eine genaue Reiseroute und ein Ladeverzeichnis. Da
kann ja nix mehr schiefgehen, dachte und verstaute es ebenfalls. Es war
noch etwas Zeit übrig, so entschloss er sich Milseya noch schnell ein
Nachricht zu hinterlassen:
Hey, Mili!
Ich bin für ein paar Tage weg, der Orsen hat mich auf 'nen Transportflug
geschickt. Ich hoffe du langweilst dich nicht während ich weg bin.
Niels
Als Niels den Hangar betrat, stand das Runabout schon auf den
Startmarkierungen. Er paar Leute von der Hangarcrew wuselten herum und
machten das kleine Schiff startbereit. Niels durchschritt den Raum bis zu der
Einstiegsluke des Shuttles und kletterte hinein. Für ein Shuttle war dieses
Gefährt relativ geräumig. Es bot im vorderen Teil einen Operationsbereich,
im der Mitte Lademodule und im Heck einen großzügigen
Aufenthaltsbereich mit Kojien und Sitzgelegenheiten. Eben dorthin ging
Niels zunächst. Beim eintreten bemerkte Niels einen jungen Mann, der mit
dem Oberkörper in die rechte obere Kojie gebeugt vor sich hinfluchte.
"Sch*** Bettlaken....das passt doch wieder nicht....so ein Mist!" konnte Niels
vernehmen. "Hallo, wo liegt denn das Problem?" grüßte er den Fluchenden.
"Au!" erklang es, als jener sich beim auftauchen den Kopf an der Decke der
Kojie stieß. Dann sah er ihn an: "Oh, hallo, Niels!" Verwundert fügte er
hinzu: "Was machst du denn hier?" "Hey, Nick! Ich fliege nach Eridani, wie
du warscheinlich auch." erklärte Niels. "Und wozu braucht man einen BioTechnologie Spezialisten für einen Transportflug?" wunderte sich Crewman
DiNozzo weiter. "Ich fliege das Schiff." bemerkte Niels. "Haben die keine
richtigen Piloten mehr!" stichelte Nick und bekam nur einen gespielt bösen
Blick als Antwort. "Ist Lieutenant Haley schon da?" erkundigte er sich. "Er
war schon einmal kurz hier und hat seine Sachen gebracht. Er ist noch mal
weg um was zu erledigen." informierte ihn DiNozzo und zeigte auf die
verhengte Kojie auf der anderen Seite des Raums. Dann legte er seine
Tasche auf die untere Pritsche und meinte im vorbeigehen: "Ich geh dann
mal nach Vorne und bereite den Start vor."
Im Cockpit war mittlerweile Evan Haley anwesend. Er saß an einer Station
und gab etwas in den Computer ein. "Hallo, Lieutenant! Ich lasse dann die
Triebwerke warmlaufen." meinte Niels und setzte sich auf den Pilotensitz.
"Gut, Ensign. Da Crewman DiNozzo auch schon da ist, können wir starten,
wenn sie soweit sind." erwiederte Haley. Niels bediente einige Kontrollfelder.
Zünächst war ein Surren mit steigender Frequenz zu vernehmen, als die
Vorstartsequenz des Impulsantriebs aktiviert wurde. Doch schon bald wurde
dieses durch ein Zischen übertönt, als die Steuerdüsen zündeten. Durch die
Geräusche angelockt erschien DiNozzo im Cockpit und setzte sich an eine
der seitlichen Stationen. Niels nickte Haley zu, der neben ihm saß, und er
aktivierte die Kommunikation. "Shuttle Tigris an Hangarkontrolle, wir sind
bereit für den Start." gab er durch. "Tigris, sie haben Starterlaubnis. Gute
Reise!" tönte es aus den Lautsprechern. Durch die vorderen Sichtfenster
konnten die Drei gut beobachten, wie sich die großen Hangartore der
Community öffneten. Niels gab ein wenig Schub auf die vertikalen
Steuerdüsen und das Runabout erhob sich vom Deck. Mit geringer
Geschwindigkeit flog er aus dem Hangar heraus. Dann heulten die
Impulstriebwerke auf und Niels erhöhte die Geschwindigkeit auf vollen
Impuls. Der Kurs führte zunächst an der Erde vorbei, durch den
Asterioidengürtel und zwischen Saturn und Pluto hindurch aus dem
Sonnensystem heraus. Als der Warpreaktor gestartet wurde erklang das
vertraute, pulsierende Geräusch. Niels kontrollierte die Anzeigen. Auf einem
Display wurde ihm angezeigt, dass ein stabilens Subraumfeld vom
Warpantrieb erzeugt worden war. Daraufhin setzte er Kurs auf 40 Eridani-A,
dem Stern, der vom Planeten Vulcan umkreist wird, und stellte den
Warpfaktor ein. "Kurs eingegeben, Warpfaktor 5." meldete er.
"Beschleunigen!" ordnete Lieutenant Haley an. Niels berührte die kleine rote
Taste oben rechts und das Shuttle beschleunigte, bis es in einem Blitz die
Lichtgeschwindigkeit überschritt.
Jetzt konnte das Runabout mit Autopilot weiterfliegen. Daher entschied sich
Niels die Hecksektion zu begeben und ein wenig zu arbeiten. Er kramte ein
paar PADDs aus seiner Tasche und breitete dann alles auf dem Tisch aus.
Da waren Daten von Scans für seine Doktorarbeit, Vorgaben, wie die Arbeit
formal aussehen sollte, Baupläne, Fachliteratur und Ähnliches. Auch wenn
noch keine Veränderungen zu analysieren waren, hatte er schon gut zu tun,
da zunächst einmal die Ausgangssituation gründlich untersucht und
beschrieben werden um eine Grundlage für eine Entwicklung zu schaffen.
Niels war so in die Arbeit vertieft, dass er nicht merkte wie die Zeit verstrich
und irgendwann Lieutenant Haley die Kabine betreten hatte. "Ich hoffe ich
störe sie nicht, Ensign!" begann er. "Sie sitzen jetzt schon mehr als 4
Stunden hier Hinten, da wollte ich mal fragen, ob sie nicht mitessen wollen,
Niels? Ich darf sie doch mit Niels anreden?" Der Angesprochene sah von
den PADDs auf. Erst jetzt bemerkte er, dass er Hunger bekommen hatte. Er
wunderte sich jedoch, wie der Lieutenant darauf gekommen war ihn Niels zu
nennen und nicht Bjørn, da Niels schließlich nur sein 2. Vorname war und in
seiner Akte beide Namen standen. "Ich könnte wirklich einen Bissen
vertragen." antwortete er und fügte hinzu: "Wenn schon Vornamen, dann
auch 'du'." "Ok, ich bin der Evan" meinte er und streckte Niels die Hand hin.
Niels ergriff sie und schüttelte sie. "Du kennst Crewman DiNozzo wohl
schon länger?" Jetzt begriff er, Nick hatte das mit den Namen erzählt. "Wir
haben uns bei dem Absturz kennengelernt und ich habe mit ihm auf dem
Rückflug ein Qaurtier geteilt." erklärte Niels. Plötzlich wurden sie durch
Nicks Stimme aus dem Komm-System unterbrochen: "Lieutenant, kommen
sie bitte nach Vorne, wir empfangen einen Notruf!" Haley lief sofort los und
Niels folgte ihm.
to be continued...
Geschrieben von: Vinara Shral am Aug 15 2005, 21:41
Lange hatte Vinara sich nicht mit dem Nebel beschäftigen können welcher
die Kommunikation beeinträchtigte. Schon bald hatten sie das betreffende
Gebiet verlassen und Kurs auf eine wesentlich langweiliger anmutende
Gaswolke genommen - dafür gab es in ihrer Nähe auch keine Interferenzen.
Eine Abwechslung kam immerhin in Gestalt eines Ferengi-Marauders,
dessen Besatzung glaubte Spuren von Latinum in der Wolke ausgemacht
zu haben. Captain Barnhelm lachte den Daimon wegen seiner Gier aus und
meinte, dass das Latinum, wenn es denn überhaupt vorhanden war in so
geringen Mengen vorkäme und noch dazu so stark verteilt sei dass es die
Mühe nicht lohne.
"Kümmern Sie sich um Ihre eigenen Geschäfte, Mensch! Und in Ihrem
Interesse hoffe ich wir werden fündig, ansonsten könnten wir uns
gezwungen sehen die Ausgaben für unsere Expedition anderweitig wieder
zu beschaffen..."
"Soll das eine Drohung sein?", fragte Barnhelm, nun nicht mehr so gut
gelaunt.
Aus dem Hintergrund auf dem Schirm meldete sich ein weiterer Ferengi:
"Lass es gut sein, Ak'man, dieses Schiff ist so alt dass wir bei seiner
Entsorgung glatt noch draufzahlen müssten!"
"Was? Die Schweizer mag zwar alt sein, aber wertlos ist sie..."
"...für uns auf jeden Fall noch lange nicht", ergänzte Vinara den wütend
gewordenen Captain, "allerdings gibt es für Leute wie Sie in der Tat nichts
Nennenswertes bei uns zu holen."
"Nichts Nenneswertes, sagen Sie? Ich denke Sie dürften eine
ausgezeichnete Sklavin abgeben!"
"Das reicht!", brüllte Barnhelm, "wenn Sie Vinara auch nur einen Nanometer
zu nahe kommen..."
"Lass gut sein, wir sollten uns nicht auf deren Niveau herablassen", meinte
die Andorianerin und befahl gleich darauf die Verbindung abzubrechen.
"Lieutenant, wie ist deren Bewaffnung?", erkundigte sich der Captain.
"Der unseren leicht überlegen", meldete der Trill, "ich halte es nicht für klug
sich unnötig von diesen Ferengi provozieren zu lassen. Ich schlage vor wir
überlassen ihnen das Feld, so spektakulär ist der Nebel hier ohnehin nicht."
"Aber hier geht es ums Prinzip!", rief Barnhelm, "wir bleiben solange sie sich
ruhig verhalten."
"Dann sollten wir uns aber nicht allzu dicht in deren Nähe aufhalten", schlug
Vinara vor.
"Damit die noch meinen wir wären Angsthasen?"
"Fred, du musst mir nichts beweisen und dem Rest der Crew ebensowenig.
Was wäre wenn wir stärker bewaffnet wären und sie mit Gewalt in die Flucht
schlagen könnten, wäre das soviel besser?"
"Nnnn.....nnnaja, irgendwie schon, aber andererseits ist unsere Mission eine
friedliche, also... Fähnrich, gehen Sie auf Abstand, aber nicht so sehr dass
die Ferengi das irgendwie falsch interpretieren könnten!"
"Zu spät, sie rufen uns schon", meldete Lieutenant Madrik.
"Ignorieren!", befahl Vinara, "solange es keinen Hinweis darauf gibt dass sie
sich in einer Notlage befinden sollte jede Kommunikation unterbleiben.
Teilen Sie ihnen meinetwegen das mit und dann ist Ruhe!" Auf jedem
anderen, vor allem größeren Schiff wäre dieser informelle Befehlston
unangebracht gewesen, aber auf der familiären Schweizer war die
Besatzung gar nichts anderes gewohnt.
"Sie haben verstanden", meldete der Trill wieder, "sie teilen uns obendrein
mit dass sie sich eine Woche hier aufhalten werden."
"Eine Woche... Wie gut dass ich noch ein paar Bücher habe", brummte
Barnhelm.
"Das Holodeck ist auch wieder frei", ergänzte Vinara, "meine neuesten
Simulationen habe ich schon gestern beendet."
"Klingt doch nicht schlecht... Aber die Ferengi laden wir nicht ein!"
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Aug 15 2005, 22:55
Issey-Nahyarto-Sikkah (Alpha)
T -18
Morgen war es also endlich soweit! Morgen würde der allerletzte Testflug
mit der neuen Community durchgeführt werden. Und danach..
Milseya seufzte. Sie hatte immer noch keine Antwort von der Sternenflotte
bezüglich ihrer Versetzung auf die Community erhalten. So sehr sie das
Angebot von Orsen reizte, dieses Schiff hier war trotz aller Vertrautheit (oder
vielleicht gerade deshalb?) noch ein kleines Bisschen verlockender. Sie griff
nach ihrer Tasse Tee und sah sich im Casino um. Welch ein Unterschied!
Noch vor einer Woche war hier so gut wie nichts los gewesen und jetzt
wimmelte es hier geradezu von Menschen. Einige Gesichter kamen ihr
bekannt vor, andere waren Fremde für sie.
„Darf ich?“ Lt. jg. McNaughton stand wie aus dem Nichts vor ihr. „Sicher“,
antwortete Milseya lächelnd und bot ihm mit einer Handbewegung den
freien Platz ihr gegenüber an. „Was ist mit Ihnen? Nervös wegen morgen?“,
fragte Nathanel überrascht über die freundliche Einladung. Milseya grinste.
„Ihnen sollte schon aufgefallen sein, dass gerade das Fliegen mich nicht
nervös macht, Lieutenant.“ In Gedanken stimmte er ihr zu. Er hatte sie bei
den Testflügen genau beobachtet. Egal, was die Leute über ihr impulsives
Temperament erzählten, wenn sie an der Conn saß, war die Haliianerin
äußerst ruhig und agierte mit kühlem Kopf. Ihr Verhalten auf der Brücke
hatte ihn überrascht - ebenso wie ihr fliegerisches Können. Allein schon wie
sie scheinbar völlig gelassen durch einen Asteroidengürtel geflogen war..
„Und warum sitzen Sie dann so nachdenklich hier herum?“, fragte er so
harmlos wie möglich. Milseya musterte ihn. Wieder begannen sämtlich
Alarmsirenen in ihrem Kopf zu schrillen. TRAUE IHM NICHT!! SAG IHM
NICHTS!!
„Ab und zu denken auch Haliianer nach“, gab sie zurück und bemühte sich
humorvoll zu klingen. Er grinste und nahm einen großen Schluck Kaffee aus
seiner Tasse. Doch er fragte nicht weiter.
„Ach, da fällt mir etwas ein. Commander Orsen bat mich, Ihnen das zu
geben. Sieht aus wie der Flugplan für morgen.“ Nathanel reichte ihr ein
Padd und wartete auf ihre Reaktion.
Milseya nahm das Padd und warf einen Blick darauf. Ihre Augen weiteten
sich vor Schreck, als sie erkannte, was der Commander plante. „Was?“
hauchte sie entsetzt. Sie rief die Daten ab. Das Entsetzen wandelte sich um
in Verärgerung, diese in pure Wut. „Dieser gottverdammte Bastard“, brüllte
sie und rannte ohne sich zu verabschieden aus dem Casino.
Geschrieben von: Solak am Aug 16 2005, 19:24
Wie viele Tage war er jetzt hier?
Solak wusste es nicht. Solems Schergen hinderten ihn am Schlaf. Jedes
Mal, wenn sein Kopf gen Brust zu sinken begann weckten sie ihn wieder.
Natürlich benötigte er als Romulovulkanier weit weniger Schlaf als andere
Rassen, doch kombiniert mit all dem, was sie ihm sonst noch zumuteten...
Keine Nahrung. Nur abgestandenes Wasser um den ärgsten Durst zu
stillen. Nackt. Festgebunden an einem Stuhl. Kaltes Wasser tropfte
unablässig auf seinen Kopf. Durchfroren. Keine Möglichkeit, sich
angemessen zu erleichtern, die Füße in den eigenen Fäkalien (die von Zeit
zu Zeit mit einem Schlauch weggespritzt wurden). Elektroschocks, Schläge,
hin und wieder Holzsplitter unter seinen Fingernägeln. Beschimpfungen.
Drohungen.
Und immer wieder die Fragen. Solaks dröhnte der Kopf von all den Fragen.
War er ein Spion der Föderation? War Latta eine Spionin für die Föderation?
Warum war er hier im Reich? Was waren seine Aufgaben? Lebte sein Onkel
noch? Lebte sein Vater noch? Welche Rolle spielte er in dem Angriff Lattas
auf den Cäsar (Cäsar? Wer war der Cäsar? Dieser Fremde, der von Zeit zu
Zeit kam und vor dem alle kuschten? Wer war er?) War er hier um den
Cäsar zu töten? War er die Geheimwaffe Lattas?
Solak wiederholte immer wieder seine einstudierte Geschichte. Wort für
Wort. Die Geschichte war sein Überlebensmantra. Aber mit jeder
Wiederholung klang sie selbst in seinen eigenen Ohren immer
unglaubwürdiger.
Er war nicht stolz auf seinen Widerstand. Er fühlte sich in keiner Weise
heroisch. Er fühlte sich nur geschunden, dreckig, frierend. Doch was sollte
er Solem stattdessen antworten? Die Wahrheit klang nicht weniger
unglaubwürdig als seine Geschichte. Seine Antwort würde weder ihn retten
noch seine Familie. Sie würde nur noch mehr töten.
Wie lange würde er noch durchhalten können?
Aber all das - so sehr es auch an seinen Kräften zehrte und so sehr mit
jeder Stunde schwächer wurde - war nicht das Schlimmste.
Denn sie hatten Sta'el.
Sie hatten Sta'el hineingeschleift. Blutend. Zusammengeschlagen. Die
Augen zugequollen unter Ergüssen.
Hätten sie Sta'el noch ein weiteres Mal geschlagen, hier vor seinen Augen Solak hätte ihnen alles gesagt. Alles.
Aber aus irgendeinem Grund war Solem zu dumm dafür gewesen. Er hatte
Solak nur seinen Triumph vorführen wollen, hatte ihn zeigen wollen, wozu er
fähig war. Hatte die Schmerzen seiner Gefangenen so lange wie möglich
auskosten wollen.
Solems Ineffizienz hatte Sta'els Leben und Solaks Schweigen gerettet.
Bisher.
Die wenigen Sekunden, die Solem die Eheleute einander vorgeführt hatte,
hatten sie genutzt. Genutzt für sich. Der Romulaner hatte vergessen, wozu
vulkanische Paare in der Lage waren, hatte ihre Verbindung unterschätzt. In
den wenigen Sekunden hatten sie alles miteinander geteilt. Den Schmerz,
die Angst, Niklans Verschwinden, die Fragen. Solak hatte Sta'el davon
überzeugt, sich in Trance zu begeben, den Besinnungslosen zu spielen denn der Vulkanier hätte die Folter nicht überstanden. Er hatte keinen Vater
gehabt, der ihn auf das hier vorbereitet hatte. Er war noch nie derartiger
Gewalt ausgesetzt gewesen. In Trance war er für Solem keine Trophäe
mehr, war nur noch als Drohung gegen Solak zu gebrauchen. Alles, was
Solem dann noch mit Sta'el tun könnte war ihn zu töten.
Solak wurde bei diesem Gedanken kalt. Kälter als körperliche Kälte jemals
dringen konnte. Doch war es die einzige Möglichkeit gewesen. Sta'el lebte noch. Er konnte seine Wunden heilen, neue Kraft tanken. Und er lebte.
Alles andere zählte nicht.
Außer.... Niklan
Solak fühlte, dass sein Sohn lebte. Dass er keine Schmerzen hatte. Zu mehr
reichte die Verbindung nicht. Er wusste nicht, wo das Kind war. Ob der
Kleine Hunger hatte, ob er fror, ob er Angst hatte. Sein Vater konnte ihn
nicht erreichen, ihn nicht trösten.
Alles, was Solak tun konnte, war beten. Dass Latta seinen Sohn vor Solem
finden würde.
Tränen flossen über Solaks Gesicht. Leise schluchzte er auf. Emotionale
Kontrolle und der Einschein, dass er nichts weiter als ein braver Vulkanier
war, waren ihm gleichgültig geworden.
Er wollte einfach nur noch heim - wo immer das sein mochte.
Warum war er nicht auf der Community geblieben? Warum hatte er seine
Familie dem hier ausgesetzt?
Er wusste warum. Er hatte Romulus sehen wollen. Das goldene Reich, von
dem ihm seit Kindheit an vorgeschwärmt worden war. Seine heimliche
Heimat. Seine potentielle Zuflucht. Romulus, von dem er immer geträumt
hatte.
Was er stattdessen gefunden hatte....
Diese Seite der Grenze war nicht anders als die andere Seite. Beide Seiten
hatten ihn gefangenen genommen und 'verhört'. Beide Seiten begegneten
ihm mit Misstrauen und Angst. Beide Seite fürchteten einander. Ließ man
kulturelle Unterschiede und divergierende Gesellschaftssysteme beiseite,
was blieb dann noch? Nirgends war das Gras grüner.
Vulkan und Romulus - es gab keine heimliche Heimat mehr für Solak. Jeder
der beiden Planeten war Solak, ein Teil von Solak.
Er hatte das Leben seiner Familie riskiert um herauszufinden, dass es keine
Antwort auf seine ganz persönliche Frage gab.
War es das wert gewesen?
Solak schloss die Augen und legte seinen Kopf in den Nacken. Die
Wassertropfen fielen nun auf seine Nase, einige rannen bis in seinen Mund.
Gierig sog er sie auf.
Falls..... Nein, wenn er das hier überlebte. Wenn er seinen Mann und seinen
Sohn befreit hatte. Wenn er Solem getötet hatte. Dann würde Schluß sein.
Genug der Geheimnisse. Er wusste noch nicht wie. Aber alles würde anders
werden. Genug der Geheimnisse.
Wenn... Ja, wenn.... Bei allen Elementen.... Bitte!
Geschrieben von: Solak am Aug 16 2005, 22:01
Selina tanzte wild auf der Tanzfläche. Ja wäre der Grund ihres Hierseins
nicht so ernst, dann hätte sie ihren Aufenthalt hier doch tatsächlich ein
wenig geniessen können! Sie wusste schon gar nicht mehr wie lange es war
wo sie so ausgelassen tanzen konnte. Nach einer Stunde auf der
Tanzfläche zog es Selina zur Theke. Dort bestellte sie Romulanisches Ale.
Langsam ließ sie das in der Föderation verbotene Getränk ihre Kehle
hinunterlaufen.
Er leckte sich die Lippen und musterte das junge Mädchen genau. Sie war
neu hier. Dessen war er sich sicher. Wenn sie vorher schon einmal in
diesem Club gewesen wäre, er hätte sie nicht nur bemerkt. Er hätte sie
schon längst besessen. Er musste sie einfach haben! Sie strahlte eine
solche Unschuld aus! Und das an einem Ort wie diesem!
Schon stand er neben ihr. "Hallo."
Selina vernahm wie sie jemand ansprach. Mit dem Glas an den Lippen
drehte sie sich um und sah in das hässliche, abstoßende Gesicht von
Solem. Selina unterdrückte ein Würgen und lächelte den Romulaner
unschuldigst an. "Hi!"
Solem strich der jungen Romulanerin vor sich eine Haarsträhne aus dem
Gesicht. "Was suchst du hier? Du bist jung für einen solchen Ort."
Selina stellte das leere Glas auf der Theke ab. "Ich suche ein wenig Spaß!
Und ich bin überhaupt nicht jung! Du klingst wie mein Vater!" Trotzig
stampfte Selina mit dem rechten Fuß auf und streckte Solem die Zunge
entgegen.
"Aber, aber, wie dein Vater will ich wirklich nicht klingen! Im Gegenteil, ich
bin auch hier um ein bißchen Spaß zu finden." Der Romulaner lachte. "Wie
alt bist du denn?"
Selina kramte einen Lolli hervor und steckte sich ihn den Mund. Mit ihren
großen Augen musterte sie den Romulaner für eine Weile. "Alt genug für ein
bißchen Spaß!"
Er musste dieses Mädchen haben! Sofort! Alle Flirtkonventionen beiseite
schiebend sagte Solem: "Nun, Spaß wirst du hier nicht finden. Was hälst du
davon, wenn wir zu mir gehen? Ich verspreche dir, dass du dort Dinge
erleben wirst, die man dir hier nicht bieten kann!"
Selina neigte den Kopf ein wenig zur Seite und strich den Lolli an ihren
Lippen hin und her. "Na gut aber wehe du langweilst mich! Dann geh ich
gleich wieder!"
Wie vorwitzig die Kleine war! Solem lächelte sie erneut an. "In Ordnung.
Aber nun komm." Er bezahlte das Getränk des Mädchens und führte sie
dann hinaus zu seinem Gleiter, der er gut versteckt einige Straßen weiter
geparkt hatte. Sie stiegen ein und der Mann fuhr los. "Erzähl mir ein bißchen
von dir."
Selina folgte dem Romulaner zu seinem Gleiter. Der pure Ekel stieg in ihr
hoch. Nur Gedanke daran diesen Widerling zu töten hielt sie bei Laune und
natürlich die Chance Solak zu retten. Der Gleiter flog los und Selina blickte
kurz nach draussen. Nur die Lichter der Stadt erhellten die Schwärze der
Nacht. "Mein Name ist Nyssa und gehe in die Oberstufe. Und du?"
"Du kannst mich Juras nennen. Ich arbeite als Beamter des
Bildungsministeriums. Ein langweiliger Beruf, darum komme ich abends in
die Bar. Und manchmal habe ich Glück und treffe dort jemanden wie dich....
Wir sind da." Der Gleiter hielt vor einem dunklen Haus, das tot und leblos
aussah.
Selina hüpfte aus dem Gleiter und stellte wiedereinmal fest, daß ihr
Röckchen viel zu kurz war. Immer noch den Lolli im Mund lutschend
betrachtete sie das Haus von 'Juras'. Es sah so aus wie er. Solem öffnete
die Türe und Selina folgte ihm.
Das Haus - sein heimlicher Rückzugsort - lag in der Nähe der Villa seines
alten Herren. Niemand außer diesem hatte von diesem Haus gewusst. Und
nur sehr wenige wussten, was darin geschah. Noch weniger hatten es
gesehen und konnten davon berichten... Solem nahm Nyssa bei der Hand
und führte sie eine Treppe hinunter. Immer weiter und weiter gingen sie, bis
sie weit unterhalb der Erde ware. Von hier drang kein Licht und kein Laut
nach außen.
"Ich werde jetzt das Licht anschalten. Bleib einfach stehen wo du bist." Er
ließ die Hand das Mädchens los. Einige Sekunden später wurde die Höhle
von einer schwachen Beleuchtung erhellt. Man konnte diverse
Gerätschaften sehen, die von manchen zur Lust, von Solem aber nur für
den Schmerz benutzt wurden. "Gefällt es dir?"
Wie ein Kleinkind vor dem Tannebaum stand Selina spielend staunend vor
all diesen Gerätschaften und war wieder von der Abartigkeit dieses Mannes
überzeugt. Kichernd klatschte sie die Hände zusammen. "Das ist ja cool!
Welches ist dein Liebling?"
Solem ging zu einer metallenen Liege, die an einen gynäkologischen Stuhl
erinnerte wie man ihn früher benutzt hatte. Doch statt der Bügel, in die
Frauen ihre Beien legen konnten, waren an dieser Liege Fußfesseln
angebracht. Auch Armfesseln und eine Halsfessel waren vorhanden.
Außerdem hatte die Liege Löcher, unter ihr stand eine Wanne, deren
Aufgabe auf den ersten Blick nicht ersichtlich war. Neben der Liege stand
ein schwarzer Koffer, der momentan noch verschlossen war. Solem
streichelte versonnen über die Fußfesseln. "Das hier mag ich besonders
gerne. Möchtest du sie einmal ausprobieren?"
"Oh ja! Das sieht spannend aus!" Strahlend wie ein Honigkuchenpferd
setzte sich Selina auf den Stuhl. Das ganze würde Solak und den Rest
seiner Familie teuer zu stehen kommen. Selina fragte sich, ob sich Solak
auch in diesem Gebäude aufhielt. Sie konzentrierte ihre Gedanken auf ihn.
Vielleicht konnte er sie ja wahrnehmen?
Er konnte sein Glück kaum fassen! Ohne Zögern erklomm sie seine Liege...
Solems Träume schienen sich zu erfüllen. Sie schien es wirklich zu wollen!
Schnell schloß er die Fesseln um die Glieder des Mädchens. Dann öffnete
er den Koffer. Silberne Gegenstände, Spekuli, Dildos, Skalpelle, Schläuche,
Knebel kamen zum Vorschein.
Selina spürte wie sich ihr Magen zusammenkrampfte. Wie krank war dieser
Kerl eigentlich? Mit neugierigem Blick sah Selina zu Solem. "Na los, fang
schon an! Worauf wartest du?"
Mit vor Gier zitternden Fingern griff Solem nach einem Dildo. Doch war
dieser nicht glatt, sondern mit Dornen gespickt. Seine bisher ruhige Miene
verzerrte sich zu einer Grimasse perverser Lust. Er riss die Kleidung des
Mädchens auf. Er brüllte sie an. "Sag mir, dass du es willst!"
Selinas Augen wurden immer größer und sie war so dankbar für die voll
funktionierende Tarnvorrichtung. "Jaaaa!" Kaum hatte sie dies
herausgeschrien sah sie Solem durchdringend an. "Aber erst du! Los! Mach
ihn richtig heiß für mich!"
Über diese Aufforderung stolperte Solem. Aber erst du! Glaubte sie wirklich,
dass ER sich dieses Ding einführen würde?! Er war doch nicht wahnsinnig!
Aber heiß machen konnte den Dildo für sie... Zum Glück war das gute Stück
aus Stahl. Der Mann griff nach einem Bunsenbrenner und heizte das Metall
an bis einige der Dornen begannen, rot zu glühen.
Selina hatte genug. War dieser Kerl denn völlig bekloppt? Da stand er nun
vor ihr und hatte tatsächlich vor ihr dieses glühende Ding sonstwo
reinzuschieben. "Okay, ich denke du hattest lange genug deinen Spaß. Jetzt
bin ich dran." Die Miene des Schulmädchen verfinsterte sich und ohne
Probleme riß sie sich von den Fesseln los.
Jetzt war Solem wirklich verwirrt. DAS war so nicht geplant!
Selina packte die Hand in der der glühende Dildo steckte und übte Druck
auf die Knochen aus. Solem ließ mit schmerzverzerrtem Gesicht den
glühenden Dildo fallen. Selina deaktivierte die Tarnvorrichtung und drückte
den Romulaner zu Boden.
Was... Was passierte hier?! Gerade noch... Wo war Nyssa? Wer war dieser
Menschenfrau?! Vor Schmerzen jaulend wand Solem sich in dem
eisenharten Griff.
"Na? Tut das weh? Ich glaube du kannst noch mehr vertragen!" Selina
erhöhte die Kraftaufwendung und konnte förmlich hören und spüren wie der
Unterarmknochen anfing zu bersten. "Ich weiß wer du wirklich bist und es
gibt da etwas, was du hast und ich gerne haben möchte."
Unüberhörbar brach der Knochen. Der Romulaner kreischte vor Pein. "Wer
sind Sie? Was wollen Sie von mir?!"
Selina näherte sich seinem Gesicht und schnaubte ihn verächtlich an.
"Solak! Wo ist er?"
Solak? Woher wusste die Fremde von Solak? War das ein Test des
Cäsars? Wollte er seine Loyalität prüfen? "Ich weiß nicht, wovon du
sprichst!"
"Oh doch! Das weißt du ganz genau! Sag es mir!" Selina freie Hand griff
nach der Kehle des Mannes und hob ihn über den Boden. "Sprich!"
Solem japste nach Luft. "Wenn der Cäsar mich prüfen will, dann sag ihm,
dass ich nichts verraten werde! Sein Geheimnis ist bei mir sicher!"
Selina fletschte die Zähne. "Ich hab mit deinem Cäsar nichts zu tun. Sag es
mir freiwillig. Ich komme an die Informationen die ich will. Jetzt hast du noch
die Chance das ganze fast unbeschadet zu überstehen."
Obwohl er so langsam grün anlief und ihm das Atmen immer schwerer fiel
blieb Solem stoisch. "Nein! Sag mir erst, wer du überhaupt bist!"
"Ich bin der Geist und die Dunkelheit, der Morgen- und der Abendstern. Man
nennt mich Jade."
Jade? Der Name kam ihm bekannt vor. Sein alter Herr hatte einmal von
einer Frau erzählt, die... Nach und nach fiel ihm alles ein. Sein Japsen
wurde lauter, seine Augen riesig. "Nein! Das kann nicht sein!"
Selina neigte den Kopf leicht zur Seite und lächelte ihn hämisch an. "Oh
doch, es ist wahr und nun sag mir was ich wissen will, oder ....."
Solem zappelte in ihrem Griff um sich zu befreien. "Nein, nein! Er wird mich
töten wenn ich es verrate!"
Selina drückte fester zu. "Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du dir wünschen
tot zu sein! Ich frage dich ein letztes Mal: WO IST SOLAK?" Ihre Stimme
hatte sich zu einem tiefen Grollen verändert und man konnte meinen die
Temperatur im Raum hatte sich rapide abgekühlt.
Seine Angst schlug in Panik um. Was tat sie hier?! Dem Ersticken nahe rang
Solem nach Luft und Worten.
Selina lockerte ein wenig den Griff um Solem die Chance zu geben zu
reden. Das war seine letzte Chance.
Die Stimme des eben noch geifernden Mannes war nicht mehr als ein
klägliches Fiepsen. "In einem alten Bauernhaus. Vor der Stadt. In
nordöstlicher Richtung, eine Stunde mit dem Gleiter. Ein... ein toter Baum
steht vor der Einfahrt."
Selina lächelte Solem schief an. "Na also, es geht doch." Sie ließ ihn auf
den Boden fallen. "Du wirst mich natürlich begleiten!"
Solem rollte sich wimmernd zusammend wie ein Baby. Ein großer, feuchter
Fleck auf seiner Hose sprach für sich. Er wimmerte. "Nein, nein! Er wird
wissen, dass ich ihn verraten habe!"
"Nein! Ich werd ihm nichts verraten und falls er es doch weiß, suche ich dir
ein nettes Plätzchen im Exil."
Der Romulaner kreischte vor Panik. "Er wird es wissen! Er weiß alles! Er
weiß, dass ich der einzige bin, der es verraten könnte!"
Selina rollte mit den Augen. "Hör auf zu heulen, das ist ja widerlich!" Sie
packte ihn am linken Fuß und schleifte ihn hinter sich her.
Sie warf den noch immer heulenden Mann in den Kofferraum des vor dem
Haus geparkten Gleiters. Das Fahrzeug kurzzuschließen war für sie kein
Problem. Solem gab ihr unter Tränen 'bereitwillig' Auskunft über den Weg.
Nach etwas über einer Stunde Flugzeit passierte sie dann endlich den toten
Baum. Einige Söldner sahen von ihren Wachposten auf als Solems Gleiter
vor dem alten Haus hielt, aber niemand reagierte. Sie alle kannten das
Gefährt. Doch dann hörten sie Schreie aus dem Kofferraum. Keine
gewöhnlichen Schreie, nein, Solems Schreie...
[hoshi und idic schwitzen untermalt von U_Es Stimme in der Lasterhölle]
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Aug 16 2005, 22:34
Issey-Nahyarto-Sikkah (Beta)
T- 17
„Was zur Hölle soll das werden?“ Wutentbrannt war Milseya in den
Bereitschaftsraum von Orsen gerauscht und knallte das Padd auf seinen
Tisch. Der Lt. Commander schaltete den Sichtschirm aus, nahm das Padd
und sah es sich an. „Das sieht wie der morgige Testflug aus, Fähnrich“,
antwortete er ihr ruhig. Er hatte sich schon gefragt, wie lange sie brauchen
würde, um hier aufzutauchen.
„Das kann doch nicht Ihr Ernst sein!“, erwiderte Milseya aufbrausend. „Mein
voller Ernst, Fähnrich“, erklärte Orsen, während er sich gemütlich in seinen
Sessel lehnte. „Haben Sie ein Problem damit, Anquenar?“ „Verflucht und ob!
Das Oberkommando kann das unmöglich genehmigt haben!“, entgegnete
die Haliianerin aufgebracht. „Im Gegenteil, Fähnrich. Das Oberkommando
war von meinem Vorschlag fast schon begeistert. Er wurde sofort
genehmigt!“, grinste Orsen. „Bei allem Respekt, Sir - dann ist das
Oberkommando genau so verrückt wie Sie!“
Orsen überhörte die Bemerkung. Das hatte er schon öfter gehört.
„Was ist mit Ihnen, Anquenar? Angst, dass Sie es nicht schaffen?“ Milseya
schnaubte. „Verdammt, nein! Aber es gibt einen guten Grund, weshalb
dieses Manöver nur in einem Shuttle mit nur einer Person an Bord geflogen
wird.“
Orsen nickte. „Das Trägheitsdämpfungsfeld.“
„Sehr richtig! Bei einem Schiff dieser Größe kann man die Ausfälle des
Feldes nicht kompensieren, da sich der Pilot voll auf das Manöver
konzentrieren muss. An Bord dieses Schiffes befinden sich mittlerweile an
die 100 Personen und das in den verschiedensten Abteilungen. Sie können
nicht allen Ernstes von mir verlangen, dass ich dieses Manöver fliege und
diese damit in Gefahr bringe.“
„Im Weltraum zu fliegen, bedeutet sich ständig einer Gefahr auszusetzen.
Das wissen Sie, das weiß ich, dass weiß die Besatzung!“, antwortete Orsen
gelassen, was den Ärger der Haliianerin noch mehr anfachte.
„Aber doch nicht bei einem Testflug und schon gar nicht bei diesem
Manöver. Niemand fliegt dieses Manöver mit einem Schiff der PrometheusKlasse! Es dient keinem Zweck. Es wird da draußen nie geflogen. Man kann
damit weder täuschen oder angreifen noch fliehen. Es ist ein reines
Prüfungsmanöver.“
„Sehr richtig! Und Sie werden prüfen, ob die Community diesem Manöver
stand hält“, erklärte der Commander.
„Ganz sicher nicht, Sir!“, kam es entschlossen zurück.
„Sie verweigern also einen direkten Befehl, Fähnrich?“ Orsen hatte sich
vorgebeugt. Seine Augen hatten sich zu kleinen Schlitzen verengt. Die
Haliianerin stand vor ihm und dachte nach. Er war äußerst gespannt auf ihre
Antwort. Inständig hoffte er darauf, dass sie es tun würde. Das sollte auch
für die Sternenflotte ausreichend sein als Beweis, dass sie die richtige für
die Conn war.
Milseya sah den Lt. Commander ernst an und atmete kurz tief durch, bevor
sie antwortete. „Unter diesen Bedingungen - ja! Es tut mir leid, Commander!“
Zufrieden lehnte er sich in seinen Sessel zurück. Doch er musste sicher
gehen, jeden Zweifel ausräumen. „Fähnrich, dieses Manöver wird geflogen
werden. Ob mit Ihnen oder ohne Sie!“ Seine Stimme wurde honigsüß - ihm
wurde schier schlecht, als er sich selber hörte. „Ich kann mir nicht vorstellen,
dass es Sie nicht reizt als Erste dieses Manöver auf einem Schiff der
Prometheus-Klasse zu fliegen - und möglicherweise die Erste zu sein, die es
auch schafft.“
Die Pilotin seufzte. Orsen hatte Recht - die Vorstellung war äußerst
verführerisch. Nicht wegen des ’Ruhmes’ - das war nie wichtig gewesen.
Auch nicht beim ersten und einzigen Mal, als sie das Issey-NahyartoSikkah-Flugmanöver geflogen hatte. Es war dieses unbeschreibliche Gefühl
gewesen an die Grenzen des eigenen Könnens zu stoßen. Der
berauschende Adrenalinstoss.. die überwältigende Euphorie.. der
hauchdünne Grat zwischen Kontrolle und Katastrophe. Und dann die
Vorstellung es mit diesem Schiff zu fliegen! Ja! Es war äußerst reizvoll! Und
dennoch...
„Darum geht es doch gar nicht!“ Sie setzte sich unaufgefordert auf den
Sessel gegenüber von Orsen. „Himmel ja! Es ist überaus verlockend. Jeder
Pilot würde alles für eine Chance wie diese geben - ich eingeschlossen.
Aber der Preis, den ich... wir... möglicherweise dafür zahlen müssten, ist mir
eindeutig zu hoch, Commander.“
Orsen sah sie nachdenklich an. „Ab wann wäre der Preis denn
angemessen, Anquenar?“ Verdutzt blickte sie auf. „Wie bitte?“ „Wie ich
bereits sagte, Fähnrich, das Manöver wird auf jeden Fall geflogen. Und SIE
werden es fliegen!“ Milseya setzte zu einer Antwort an, doch Orsen kam ihr
zuvor. „Keine Widerrede! Ich habe keine Zeit einen adäquaten Ersatz zu
finden. Also, - was muss geschehen, damit wir morgen starten können?
Was wollen Sie?“
Milseya starrte den Lt. Commander ungläubig an. Was SIE wollte? War die
Frage wirklich ernst gemeint? „Na los, Fähnrich. Ich habe nicht den ganzen
Tag Zeit!“, drängte Orsen. In ihrem Gehirn begannen die Rädchen auf Warp
zu gehen.
„Keine Besatzung an Bord. Nur Conn und Ops sind besetzt, ein Techniker
und ein Kommandant“, platzte es als erstes aus ihr heraus. Orsen nickte.
„Sagen wir fünf Mann“, stimmte er zu. „Meinetwegen, solange alle
permanent mit einem Transporterstrahl erfasst werden“, entgegnete
Milseya. „Selbstverständlich. Was noch?“
„Das Testgebiet muss geändert werden.“ Orsen schüttelte mit dem Kopf.
„Der Flugplan wurde bereits genehmigt, Anquenar. Ich kann jetzt doch nicht
noch einen neuen einreichen!“ Sie lachte leicht hämisch auf. „Commander,
wenn es Ihnen gelungen ist, dieses Manöver durchzusetzen, dann bin ich
mir sicher, dass Sie auch ohne Probleme ein neues Testgebiet bekommen
können.“ Orsen schwieg. Sie hatte Recht. Man würde jedes Testgebiet
akzeptieren. „Machen Sie einen Vorschlag, Fähnrich!“ Milseya dachte nach
und nannte die Koordinaten eines Gebiets zwischen der Erde und Altair.
„Unsere Flugzeit dorthin würde sich verdoppeln!“, entrüstete sich Orsen.
„Richtig! Aber dieser Sektor gehört zu den am wenigsten frequentierten in
der Nähe. Wir könnten natürlich auch in die Nähe des Paulsonnebels
fliegen, Commander. Dann wären wir in - nun sagen wir - vier Wochen
wieder zurück! Sie haben die Wahl!“ Er verzog das Gesicht und fluchte
innerlich. „Was noch?“, fuhr er sie ungehalten an.
Milseya atmete durch. Beim nächsten Punkt würde er nicht nachgeben.
„Absolute Kontrolle über das Schiff. Das beinhaltet die Kontrolle über die
Sicherheitsbackups... ebenso über die Selbstzerstörung.“ „Vollkommen
unmöglich!“, rief Orsen aus. „Dann vergessen Sie es, Commander!“,
entgegnete Milseya ruhig. „Sie wissen, dass das nicht geht, Fähnrich.“ „Oh
doch, damals war es möglich. Diese letzte Option muss der Pilot bei diesem
Manöver haben. Nur er weiß, wann das Schiff außer Kontrolle gerät. Und er
hat keine Zeit, darauf zu warten, bis der Kommandant sich entscheidet.
Nicht in diesem Fall!“ erklärte sie zufrieden. Damit war der Fall erledigt,
dachte sie - bis sie Orsens Blick sah. Oh nein, er wird doch nicht..
„Einverstanden, Fähnrich. Sie erhalten die komplette Kontrolle über das
Schiff, kurz bevor Sie das Manöver fliegen.“
Milseya sackte in sich zusammen. Das war unmöglich! Sie verstand die Welt
nicht mehr! Verflucht, was ging hier vor? So etwas hatte es noch nie
gegeben. So wichtig war dieses verdammte Manöver doch nicht! Sie
schloss ihre Augen. Das wars! Ihre letzte Option war verpufft.. Sie würde
dieses gottverfluchtete Manöver fliegen MÜSSEN...
„Noch etwas?“ durchbrach Orsens Stimme die Dunkelheit. Sie öffnete ihre
Augen. „Nur noch eins“, antwortete sie mit leiser Stimme. Erwartungsvoll
sah er sie an. „Den Mann an der OPS suche ich selber aus.“ „In Ordnung“,
stimmte er zu.
„Wäre das dann alles, Commander? Ich möchte mich vorbereiten.“ Milseya
war aufgestanden. Ihre Knie zitterten. „Ja. Wegtreten.“ Die Haliianerin
drehte sich um.
„Van Richthoven ist aber nicht mehr an Bord“, erklärte Orsen, bevor sie die
Tür erreichte. Milseya drehte sich um. „Ich weiß, Sir. Aber ich dachte nicht
an van Richthoven. Ich werde einen Freund nicht dieser Gefahr aussetzen,
Commander.“ Überrascht zog Orsen eine Augenbraue hoch. „Wer dann?“
Ein undefinierbares Lächeln umspielte auf einmal ihre Lippen. „Sie!“
.................................................
Er gehörte nicht zu den Menschen, die leicht zu überraschen waren. Dafür
hatte er schon zuviel gesehen und miterlebt. Aber jetzt saß der Lt.
Commander perplex mit offenem Mund in seinem Sessel und versuchte
seine Fassung wieder zu erlangen. Nachdem der Fähnrich den Raum
verlassen hatte, dauerte es einige Momente, bis Orsen sich wieder im Griff
hatte. Dann aktivierte er den Sichtschirm.
„Sagte ich es Ihnen nicht?“, fragte er zufrieden.
„Ich bin nicht überzeugt. Noch nicht!“, lautete die Antwort. Orsen seufzte.
Was wollte er denn noch? „Sie hat alle Aufgaben dieses Tests bestanden,
Sir! Ohne Ausnahme. Auch Ihnen dürfte aufgefallen sein, dass die
Sicherheit der Crew bei ihr an oberster Stelle stand.“ „Korrekt, aber sie sich
hat einverstanden erklärt, es zu fliegen. Mir ist nicht klar, ob es sich dabei
um fliegerischen Hochmut handelt oder ob sie lediglich einen Befehl
ausführt.“
Orsen sah den Mann auf dem Sichtschirm an. So langsam hatte er gehörig
die Schnauze voll von diesen Mätzchen.
„Bei allem nötigen Respekt, Admiral. Sie haben das Manöver befohlen! Sie
unterziehen sie diesem Test! Sie bestimmen alle Regeln! Sie haben ihr das
Leben so schwer wie nur möglich gemacht. Und dennoch hat sie alles
hingenommen und alle bisher gestellten Aufgaben eindeutig bestanden. Ich
habe es langsam satt, den Fähnrich zu hintergehen. Verflucht! Sie können
ihr nicht das Geringste vorwerfen. Im Gegenteil! Sie hält sich an alle
Auflagen. Die Berichte des Councelors belegen das. Ebenso die des
Sicherheitsoffiziers“, brüllte er sein Gegenüber an.
„Halten sie sich zurück, Commander!“, fauchte der Admiral. „Wir besetzen
doch nicht die Conn eines Schiffes mit jemandem, dem wir nicht vertrauen!
Schon gar nicht auf der Community!“
Orsen sah ihn wütend an, biss sich aber auf die Zunge.
„Beruhigen Sie sich, Commander“, fuhr der Admiral versöhnlich fort.
„Morgen fällt unsere Entscheidung.“ „Und wovon hängt diese ab, Sir?“,
fragte Orsen das Schlimmste ahnend.
„Ob sie das Manöver fehlerfrei fliegt.“
„Sie wissen, dass das unmöglich ist!“, rief Orsen entrüstet aus.
„Dann freuen Sie sich doch! Sie werden ihre neue Testpilotin bekommen,
Commander!“
Der Bildschirm wurde dunkel.
Entsetzt sank Orsen in den Sessel zurück. Verdammt, er hatte es geahnt.
Das Oberkommando gab dem Fähnrich nicht die geringste Chance. So gut
war auch sie nicht! Er verfluchte diesen Admiral. Und er verfluchte sich
selbst, dass er sich nicht geweigert hatte an diesem hinterhältigen Spiel
mitzumachen.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Aug 17 2005, 21:31
Issey-Nahyarto-Sikkah (Gamma)
T -12
Das Padd in ihrer Hand fühlte sich an, als würde es Tonnen wiegen. Damals
war es noch leicht wie eine Feder gewesen. Milseya stöhnte auf.
Damals war sie völlig unbedarft in diese Prüfung gegangen und hatte sich
keinerlei darüber Gedanken gemacht, was es bedeutete. Jeder der
Kandidaten hatte es versucht - allein schon ausgewählt worden zu sein, galt
als besondere Ehre unter den Kadetten. Sie erinnerte sich daran, wie sie
sich gemeinsam vorbereitet hatten, diskutiert hatten, wie der Wechsel vom
Trudeln in den schnellen Sternangriff zu erfolgen hatte oder wie sie darüber
debattiert hatten, ob es irgendeinen 'Trick' gab - bis sie schließlich aufgaben,
danach zu suchen. Es gab keinen.
Auch Milseya hatte das geglaubt, bis sie ihre Mitbewerber am Tag der
Prüfung bei ihren Flügen beobachtete. Da hatte sie die Lösung, den 'Trick'
erkannt.. Es war so simpel gewesen, dass es ihr schier den Atem
verschlagen hatte...
Sie hob das Padd und begann erneut den Text zu lesen:
Das Issey-Nahyarto-Sikkah-Flugmanöver beginnt mit einem ImmelmannTurn, an den sich ein Formatting anschließt. Dann hat eine Barrel-Rolle zu
erfolgen, der ein Hitman folgt. Direkt im Anschluss soll das Schiff mit
Rollbewegungen trudeln, woraus ein schneller Sternangriff zu erfolgen hat.
Nach einem großen Looping soll ein Deadeye geflogen werden, dem ein
Zoom folgt, sowie anschließend ein negativer Immelmann. Danach hat das
Schiff wieder exakt an der Ausgangsposition zu stehen.
Was damals bereits mit einem Shuttle eine schier unlösbare Aufgabe
darstellte, war heute mit einem Schiff der Prometheus-Klasse ein
unüberwindbares Problem. Sie schüttelte den Kopf und las weiter... keine
Computerkontrolle.. Punktlandung ohne Toleranz... 2 Minuten Zeit... nur ein
einziger Versuch erlaubt...
Es war vollkommen UNMÖGLICH! Worauf hatte sie sich da nur
eingelassen? Verdammt, sie hätte sich von Orsen nicht verführen lassen
sollen! Wütend warf Milseya das Padd in die Ecke des Raumes. Sie schloss
ihre Augen.
Denk nach!! Es gibt eine Lösung! Es gibt immer eine Lösung! Du hast es
schon einmal gesehen! Wir alle haben es gesehen! WIR?
Überrascht öffnete sie ihre Augen. Aber natürlich! Warum hatte sie nur nicht
früher daran gedacht?
Die Haliianerin stand auf und ging zu ihrem Terminal. Sie aktivierte eine
Comm-Verbindung, deren Frequenz nur zwölf Menschen inklusive ihr selber
kannten und die nicht aufgespürt werden konnte. Es dauerte einige
Momente, bis sie drei Bestätigungen erhielt. Sie setzte sich an das Terminal
und gab die Nachricht ein, von der sie wusste, dass sie nur von diesen drei
Personen verstanden werden würde. Diese Sprache war seit Jahrhunderten
ausgestorben. Und sie hatten sie so modifiziert, dass auch ein
Dechiffriercomputer nicht in der Lage war, es zu übersetzen. Sie hatten es
unzählige Male getestet - jedes Mal war ein Kauderwelsch aus sinnlos
erscheinenden Sätzen und Zahlen herausgekommen Es dauerte etwa fünf
Minuten, bis sie drei gleichlautende Antworten erhielt. Zwei Stunden.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------Der Mann sah überrascht zu seinem Terminal, als es piepste. Am Ton
erkannte er, dass es sich um eine Transmission handelte, die von dem
überwachten Terminal ausging. Er öffnete den Kanal. Während er dem
Computer den Befehl gab, die Empfänger der Transmission zu lokalisieren,
öffnete er die Nachricht und sah er verdutzt auf die ihm unbekannten
Wörter. Ein Code, dachte er und startete die Dechiffrierungsmatrix. Der
Computer begann seine Arbeit. Er wartete. Als der Computer piepste,
grinste er unwillkürlich. Jetzt hab ich dich! Er öffnete die Übersetzung und
begann zu lesen.
Die Sonne ist heiß. Trauer beugt die Schultern der Unwissenden. 94367.
Hemden sollten kariert sein. Unbekannte Dimensionen sind mit einem
einzigen Sprung zu erreichen. Perlendes Wasser umgibt uns. Glas ist
durchsichtig. Die Früchte der Erde nähren uns. 900. Wir wissen, welchen
Namen wir preisen. 4. Überlasse das Handeln den Denkern. 3465 ...
Der Mensch runzelte mit der Stirn. Was war das? Der Computer musste
einen Fehler gemacht haben. Noch einmal gab er den Befehl zum
Dechiffrieren ein. Das gleiche Ergebnis. Mit wem sprach sie da? Was war er
Inhalt der Botschaft? „Computer, Empfänger dieser Nachricht identifizieren“,
sagte er laut. „Befehl nicht ausführbar!“ kam es nach Sekunden zurück.
Nicht ausführbar! So etwas gab es nicht! „Fehlerquelle suchen!“ „Es ist kein
Fehler erkennbar!“ Das Terminal piepste erneut. Sie hatte eine Antwort
erhalten. Er öffnete die Nachricht und ließ sie decodieren.
Schinken schmeckt gut.
Ratlos lehnte sich er zurück und starrte auf den Schirm. Verdammt, was
sollte das bedeuten?
----------------------------------------------------------------------------------
T -10
Zwei Stunden lang hatte die Haliianerin mit geschlossenen Augen auf dem
Boden gesessen. Ihre Hände lagen auf einer Kiste vor ihr. Ihre Finger
bewegten sich auf unsichtbaren Eingabetasten. Ihre Lider bewegten sich
rasch, wie bei jemandem, der in die REM-Phase eingetreten war. Doch
Milseya träumte nicht. Sie war hellwach. Sie flog.
Wie schon damals hatte sie ihre Übungen begonnen. Zuerst war sie jedes
Element einzeln geflogen, bis sie damit zufrieden war. Dann hatte sie
bestimmte Elemente zusammengefügt und deren Kombination geübt. Immer
und immer wieder, solange bis sie spürte, dass es mit diesem Schiff
funktionieren würde. Dabei hatte sie die Schwachstellen erkannt und diese
sofort auf einem Padd notiert. Anschließend simulierte sie in Gedanken
Lösungen für diese, bis sie schließlich die geeignete fand. Auch diese
notierte sie sich auf dem Padd. Kurz bevor die zwei Stunden vorüber waren,
hatte sie das komplette Manöver drei Mal durchflogen - fehlerfrei. Sie öffnete
ihre Augen und betrachtete ihre Notizen. Sie hatte vier Probleme erkannt drei konnte sie lösen. Das letzte - die Zeit - nicht.
Das Piepsen ihres Nachrichtenterminals unterbrach ihre Gedanken. Sie
erhob sich und aktivierte den Schirm. Zufrieden stellte sie fest, dass die
anderen drei die gleichen Probleme erkannt hatten wie sie und die gleichen
Lösungen vorschlugen.
Doch nur eine von ihnen hatte eine Lösung für das Zeitproblem gefunden.
Sie war ebenso so einfach wie verrückt. Als Milseya schließlich die Lösung
mit Hilfe der Andeutungen (Das war die einzige Hilfe, die es gab. Es
verstand sich von selbst, dass jeder der 'Zwölf' die Lösung alleine
herausfinden musste) begriff, schüttelte sie den Kopf. Und das von einer
Vulkanierin! Sie dankte den Dreien und schaltete das Terminal aus.
Dann setzte sie sich wieder auf den Boden und begann von neuem mit der
Simulation in ihrem Kopf. Eine Stunde später öffnete sie ihre Augen und
begann lauthals zu lachen...
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Aug 18 2005, 20:14
Issey-Nahyarto-Sikkah (Delta)
T -4
Orsen hatte Wort gehalten. Das Schiff war wie ausgestorben, als Milseya
zur Brücke ging. Nur kurz fragte sie sich, wie er das angestellt haben
mochte. Doch eine Antwort darauf war ihr nicht wichtig genug, um es zu
vertiefen... nicht im Moment.
„Sind Sie bereit?“
Orsen hatte die Pilotin als erster auf der Brücke gesehen und hielt sich nicht
lange mit Höflichkeiten auf. Er war nervös. Seit gestern hatten sich seine
Zweifel verstärkt, dass die Haliianerin es möglicherweise trotz allem
schaffen könnte. Er hoffte zwar, dass ihr etwas eingefallen war, aber er
glaubte nicht wirklich daran. Vielleicht konnte sie den 'Trick' (Verflucht! Es
musste einen Trick geben!) von damals auch hier und heute anwenden. So
sehr er sich Anquenar in seinem Team wünschte, so sehr hoffte er, dass die
Pilotin der Sternenflotte - nein, diesem Admiral vor allem - ein Schnippchen
schlagen würde...
Milseya sah Orsen mit ruhigem Gesichtsausdruck an, rührte sich aber nicht.
„Computer, wie viele Personen befinden sich an Bord der Community?“,
fragte sie mit lauter Stimme. „Fünf.“ „Identifizieren!“ „Fähnrich Milseya
Anquenar. Lt. jg Nathanel McNaughton. Lt. Joshua Smith. Lt. Commander
Marcus Olsen. Captain Vartik Tanrim.“
Verdutzt sah sie zum Stuhl des Captains. Dort saß ein Zakdorn und
betrachtete die Pilotin eingehend. Wer immer er sein mochte, im Moment
war ihr das vollkommen gleichgültig. Wenn er hier sein wollte, dann war das
seine Entscheidung. Orsen hatte auf fünf bestanden. Sie hatte zugestimmt.
Milseya stieg die drei Stufen herab, nahm das Transporterband, das ihr
Orsen reichte, und legte es um ihren Arm. Dann setzte sich an ihre Station.
„Bereit - wenn sie es sind“ erklärte sie mit emotionsloser Stimme. Orsen
drehte sich zum Captain um. Dieser nickte. „Bringen Sie uns zum
Testgebiet, Fähnrich“, befahl Orsen der Haliianerin. „Aye, Commander.“ Sie
löste die Andockklammern. Das Schiff setzte sich in Bewegung...
Der Flug dauerte genau 3 Stunden und 49 Minuten. Kaum ein Wort fiel in
dieser Zeit auf der Brücke. Alle waren zu beschäftigt mit den Spezifikationen
oder hingen ihren Gedanken nach. Die Anspannung in der Luft war deutlich
fühlbar, mit den Händen greifbar. Schließlich waren auch die letzten Sätze
gesagt. Nervöse Stille kehrte ein, die irgendwann keiner mehr zu brechen
wagte.
Milseya hatte sich nicht mehr um die anderen um sie herum gekümmert. In
dem Augenblick in dem das Schiff die Werft verließ, hatte sie sich
vollkommen auf das bevorstehende Manöver konzentriert. Sie hatte
unbemerkt von den anderen das Flugverhalten des Schiffes getestet und es
mit ihren 'Simulationen' verglichen, sie angepasst, verbessert. Dann hatte
die Pilotin damit begonnen die erlaubten Spezifikationen für das IsseyNahyarto-Sikkah-Manöver einzugeben. Sie hatte den Warpantrieb drei Mal
überprüft, ebenso Impuls und die Steuerdüsen.
Das Schiff war schließlich bereit. Sie war es schon seit Stunden.
„Wir haben die Zielkoordinaten erreicht.“ Ihre Stimme klang unwirklich.
Orsen sah zum millionsten Mal nervös zu der Pilotin hinüber. Sie wirkte so
unglaublich ruhig. Gerade so, als ob sie hier einen völlig normalen Testflug
vor sich hätten. Er war überrascht und zugleich beunruhigt über ihre
Gelassenheit. Das passte nicht zu dem Fähnrich. Er fragte sich, wie es wohl
in ihrem Inneren aussah.
Auf einmal war er froh darüber, dass sie nicht wusste, wie wichtig dieser
Flug für sie in Wirklichkeit war. Doch zugleich rief er sich wieder ins
Bewusstsein, dass das Ganze hier völlig sinnlos war. Sie konnte diesen Test
nicht bestehen. Da war er sich sicher. Egal, wie sehr sie sich anstrengte
oder konzentrierte - letzten Endes würde sie als Testpilotin in seinem Team
arbeiten. Auch wenn sie eigentlich auf den Platz gehörte, wo sie gerade
saß. Das war ihre .. Seine Gedankengänge wurden unterbrochen, als er in
seinen Augenwinkeln bemerkte, dass die Haliianerin ihn fixierte. Er drehte
sich zu ihr.
„Die Kommandocodes, Sir!“ Orsen seufzte. „Computer! Alle
Kommandocodes inklusive Sicherheitsbackups und Selbstzerstörung an
Fähnrich Milseya Anquenar transferieren.“ Der Computer akzeptierte.
Milseya betrachtete ihre Konsole und überprüfte, ob sie tatsächlich Zugang
zu allen Kommandofunktionen hatte. Sie nickte, ordnete die Konfiguration
auf ihrer Konsole neu an und begann mit dem Prozedere.
„Computer, ist die Ganges in Transporterreichweite?“ „Bestätigt.“
„Computer, werden alle Personen auf der Community von einem
Transporterstrahl erfasst?“ „Bestätigt.“
„Computer, entsprechen die eingegebenen Spezifikationen denen des
Issey-Nahyarto-Sikkah-Manövers, so wie sie die Sternenflotte vorschreibt?“
„Bestätigt.“
„Flugplan sowie Fluglage während des Manövers auf dem Sichtschirm
anzeigen.“ „Bestätigt.“
„Computer! Auf Tasteneingabe folgende Befehle in dieser Reihenfolge
durchführen: Deaktivieren der Computerflugkontrolle mit Ausnahme des
Flugschreibers. Bestimmen der exakten Startposition des Schiffes,
Flugschreiber aktivieren. Antrieb aktivieren.“ „Bestätigt.“
Sie drehte sich um. Alle hatten sich hingesetzt - bis auf den
Sicherheitsmann. „Setzen Sie sich, Lieutenant“, befahl sie ihm. Erstaunt sah
McNaughton sie an. Sie gab ihm Befehle? „Sofort!“ Ihre Stimme klang hart
und ließ nicht den geringsten Zweifel daran, wer jetzt im Moment das Sagen
hatte. Ohne Widerrede setzte er sich langsam auf den Stuhl links neben
dem Captain. Sie drehte sich wieder um.
Milseya schloss sie ihre Augen und atmete drei Mal tief durch wie ein
Langstreckentaucher. Ihr Zeigefinger glitt langsam zur Starttaste. Sie öffnete
ihre Augen und blickte auf ihre Konsole. Sie aktivierte die Taste...
T–0
Das Schiff ging auf volle Impulsgeschwindigkeit, während Milseya zum
ersten Manöver, dem Immelmann, ansetzte. Gleich zu Beginn gab es die
ersten beiden Problempunkte - wenn sie diese wie in ihrer 'Simulation' lösen
konnte, dann war der Rest an sich nur noch ein Kinderspiel.
Das Schiff hob sich wie bei einem Looping in die Höhe. Am höchsten Punkt
flog das Schiff gerade aus weiter. Dann mit einem Ruck, hob sie das Schiff
um 180 Grad an um nur Momente später wieder eine Richtungsänderung
um minus 90 Grad durchzuführen. Das Schiff gehorchte augenblicklich.
Problem 1 war erledigt! „Auf dem Rücken fliegend“ stieg die Pilotin in den
erweiterten Immelmann - dem so genannten Formatting - auf.
Der Unterschied zwischen den beiden Manövern war nur die Ausgangslage
danach. Beim Immelmann war es entgegengesetzt der ursprünglichen
Flugrichtung, beim Formatting in Flugrichtung. Und hier lag das zweite
Problem. Sie musste bei der Wende wieder in die ursprüngliche Fluglage
zurückkehren, denn den Hitmann durfte sie nur in der 'richtigen' Lage
durchführen. Dabei durfte sie die volle Impulsgeschwindigkeit auf keinen Fall
drosseln, sonst würde sie kostbare Zeit verlieren.
Ohne Rücksicht auf die Passagiere, die kräftig durchgeschüttelt wurden, als
die Pilotin das Schiff drehte, dabei gleichzeitig auf Warp ging, und
anschließend die vollständige Barrel-Rolle durchführte, verband sich Milseya
mit diesem Schiff. Es ächzte, wehrte sich gegen die Befehle. Doch Milseya
blieb unerbittlich. Ich verlange nicht mehr von dir, als du im Stande bist zu
leisten!
Die Zeit verrann unerbittlich, doch jegliches Zeitgefühl war der Pilotin
abhanden gekommen. Sie war vollkommen gefangen in der unerbittlichen
und zugleich bittersüßen Aneinanderreihung der einzelnen Manöver. Nichts
um sie herum existierte mehr. Nichts hatte mehr wirklich eine Bedeutung nur das Schiff und das nächste Manöver waren wichtig.
Sie spürte, wie das Adrenalin durch ihren Körper schoss. Das euphorische
Glücksgefühl verstärkte sich von Manöver zu Manöver, bereitete ihr
Befriedigung. Und zugleich Pein. Denn die Gier nach mehr verstärkte sich
ebenfalls mit jedem einzelnen Manöver. Augen, Hände Gedanken, das
Schiff - alles verschmolz zu einer einzigen Einheit, die nur einem Ziel diente.
Perfektion. Vollkommene Harmonie. Vollendung...
... Chaos. Katastrophe. Sie hatten soeben die unaussprechliche Grenze
überschritten. Nur einen Herzschlag lang waren sie alle auf der anderen
Seite. Milseya durchzuckte der Gedanke, dass sie es einfach dabei
belassen hätte - wenn die anderen nicht an Bord gewesen wäre. Entsetzen
über diese Erkenntnis. Aber keine Verzweiflung.
Instinktiv verkürzte die Pilotin das Manöver um eine einzige Rollbewegung.
Das Schiff begriff und ließ sie alle wieder ins Leben zurückkehren.
Auf dem Rücken fliegend folgte der schnelle Sternangriff - erlaubt und von
Vorteil. Die Haliianerin drehte das Schiff bei der schnellen Wende nicht,
sondern flog auch den zweiten Angriff auf dem Rücken. Am höchsten Punkt
angekommen zündete sie die Steuerdüsen, drehte das Schiff wieder in die
normale Position und begann mit der finalen Sequenz. Den Looping flog sie
mit Warp, um dann den Deadeye mit voller Impulsgeschwindigkeit zu
absolvieren. Senkrechtflug mit Warp. Negativ gerichteter Immelmann.
Antrieb deaktiviert. Stillstand...
... Stille
Milseya hatte ihre Augen geschlossen und gab sich den letzten Resten der
Euphorie in ihrem Kopf hin. Sie würde so schnell verschwinden, wie sie
gekommen war. So wie damals..
„Computer! Zeit der Durchführung.“ brach Milseya mit immer noch
geschlossenen Augen das Schweigen auf der Brücke.
„Eine Minute 59 Sekunden und 58 Millisekunden.“
„Wurden alle Manöver korrekt geflogen?“
„Bestätigt.“ Sie atmete tief durch.
„Computer. Abweichung der Endposition zur Startposition bestimmen!“
„Keine Abweichung feststellbar.“
„Sind sie identisch?“
„Bestätigt!“
Keuchend klappte ihr Körper zusammen. Milde bedeckten die Hände ihr
Gesicht, während ihre Gedanken wie auf einem außer Kontrolle geratenen
Karussell herumwirbelten.
Bestätigt! Identisch! - die Worte hallten wieder und wieder in ihrem Kopf Formatting, Barrel, Deadeye - vermischten sich mit den Bildern des Fluges Perfektion! Chaos! - angefüllt mit dem unbeschreiblichen Gefühl während
des Manövers.
Sie wichen nach und nach dem letzten, dem einzigen Gedanken: Sie war
'Eins'.
Es war Orsen, der die Anspannung auf der Brücke auflöste. „JA!“ brüllte er
plötzlich laut auf und haute mit der Hand auf seine Konsole. Alle zuckten
zusammen. Dann sprang er auf und klopfte der Pilotin mit einem lauten
„Verdammt gute Arbeit!“ kräftig auf die Schulter, bevor er sich mit dem wohl
stolzesten Gesicht, das je ein Mensch aufgesetzt hatte, den anderen
zuwandte. „Verdammt! Das muss begossen werden“, rief er ihnen zu und
lud sie für den Abend ins Casino ein. Nach und nach fanden auch die
Anderen ihre Sprache wieder, lachten und sprachen über den Flug.
Vartik Tanrim reihte sich nicht ein in das Treiben der anderen. Er
beobachtete die Haliianerin, die noch immer vorne über gebeugt auf ihrem
Stuhl saß und das Ganze scheinbar auch jetzt noch nicht fassen konnte.
Dann sah er, wie ihre Hände begannen unkontrollierbar zu zittern. Das
Zittern wurde von Moment zu Moment schlimmer, erfasste ihre Schultern
und schließlich ihren gesamten Körper. Er erhob sich langsam und schritt
auf die Pilotin zu. Tanrim blieb neben ihr stehen und betrachtete den
Sichtschirm. „Alles in Ordnung, Fähnrich?“, fragte er leise. „Eeeessss iiisst
gleieieich vooorrrbeieieiei, Sssssiiiiiiirrrrrrr“, kam er zurück „Lassen Sie sich
Zeit.“
Als er sich ein paar Momente später zu ihr umdrehte, hatte sie sich wieder
ein wenig beruhigt. Er sah der Haliianerin direkt in die Augen, erkannte darin
immer noch ein ungläubiges Staunen gepaart mit tiefer Erschöpfung. „Das
war der außergewöhnlichste Testflug, den ich je miterlebt habe“, erklärte er
ruhig. Es war eine Feststellung, kein Lob. Beinahe so, als ob er nichts
anders von ihr erwartet hatte. Milseya nickte, wusste aber nicht, ob man es
von dem Zittern unterscheiden konnte. Sprechen konnte sie nicht mehr. Das
Zittern ließ immer mehr nach. Sie fühlte sich auf einmal unsagbar müde...
Geschrieben von: Lucas Bishop am Aug 19 2005, 22:53
CRASH
Ein PADD schmetterte laut krachend gegen die Wand und zersplitterte in
tausend Bruchstücke. „ENDE“ schimmerte noch lesbar auf einem dieser
Splitter.
"Blödes Ende" brüllte ein Stimme wütend. Sie gehörte keinem anderen als
dem Sicherheitsoffizier der Community. Lt. Bishop.
Maßlos verärgert über das Buch "Onkel Toms Hütte" griff Lucas Bishop
nach der Flasche jamaikanischen weißen Rum, die neben ihm auf dem
Nachttisch stand. Doch als er diese an seine Lippen setzte, kam kein
einziger Tropfen heraus. "VERFLUCHT! Alles leer", fluchte er lallend, bevor
auch die Flasche mit einem wütenden Wurf an der Wand zerschellte.
KLIRR
Lucas ging es nicht gut. Das war die Untertreibung des Jahres. Es ging ihm
verdammt schlecht. Er machte eine Glaubenskrise durch und war zu allem
Unglück auch noch allein.
Seine Freundin Nanni war wieder unter das Meer auf die Triton Station
zurück befohlen worden. Sie hatte ein Wal-Pärchen zu beobachten und
deren Paarungszyklus zu überwachen.
Nanni wusste, wie mies es Lucas ging, und es hatte ihr das Herz zerrissen,
als sie sich von ihm verabschieden musste. Aber sie musste ihre Aufgabe
Ernst nehmen – zudem hätte sie auch gegen einen direkten Einsatzbefehl
verstoßen.
Allein mit seiner Wut verließ Lucas Bishop seine Wohnung in Brisbane,
Australien. Er tat das Gleiche, was er schon seit Jahren tat, wenn er wütend
war: Er ging ans Meer. Minuten später stand er an der Küste und blickte auf
die tosende See. Die Wellen türmten sich auf und zerbrachen wieder, doch
am Strand kamen nur leichte Ausläufer der Wellen an. Lucas schaute die
ganze Zeit übers Wasser in Richtung Horizont, ab und zu fixierte er eine
einzelne Welle und beobachte deren Aufbäumen, den höchten Punkt und
das Zerbrechen. Der Himmel war leicht bewölkt und es sah so aus, als ob
bald ein Sturm aufziehen würde. Ein leichter Wind blies schon über die See.
Lucas fühlte sich einsam und so leer wie das weite, blaugraue Meer vor ihm.
Dann auf einmal konnte ihn nichts mehr halten, er zog seine Schuhe aus
und lief ins Wasser. Es fühlte sich eisig an. Lucas zuckte einen Moment
zusammen, dann aber befahl er seinem Körper die Kälte zu akzeptieren.
Für einen kurzen Augenblick musste er lächeln - sein Vater war früher oft
mit ihm hier hergekommen und Lucas war stundenlang im Wasser gewesen.
Am Anfang hatte er nie ins Wasser gewollt, es war ihm zu kalt gewesen.
Sein Vater hatte ihm dann immer gesagt: „Befehl deinem Körper sich an die
Kälte zu gewöhnen“. Hier an der Küste von Brisbane hatte Lucas
schwimmen gelernt und immer wenn er wütend war, kam er hier her und
schwamm bis zur Erschöpfung. Dann ließ er sich an die Küste zurück
treiben und blieb solange im nassen Sand liegen, bis er fror und sein Körper
wieder genug Kraft hatte, um sich an Land zu schleppen.
Heute war wieder so ein Tag, an dem Lucas schwimmen musste, um alles
zu vergessen. Langsam ging er weiter ins Wasser, bis er mit die Kälte des
Meeres an seinen Knien spüren konnte. Er zog sein T-Shirt aus und warf es
auf den trockenen Sand. Lucas schritt weiter hinein und schwamm los. Sein
Körper zitterte vor Kälte und auch wegen des Alkohols, aber Lucas
ignorierte es. Er zwang seinen Körper weiter zuschwimmen.
Bislang war ihm noch nie etwas passiert, er hatte es immer rechtzeitig
zurück ans Ufer geschafft. Doch nicht heute. Alles war gegen ihn: das
Wetter (ein Sturm zog auf), seine Schwimmkünste (er war schon lange nicht
mehr im offenen Meer geschwommen), der Alkohol, der seine
Sinneswarnehmung störte und seine Wut, die ihn förmlich auffraß. Lucas
war schon eine viertel Stunde geschwommen, als er die
Ermüdungserscheinungen ignorierend, vollkommen weggetreten ...
unterging.
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„Beobachtungsturm 47 an Küstenwache Boot 3. In eurer Nähe ist gerade
ein Schwimmer untergegangen“ ging ein Funkspruch bei Malik Jamal
Jefferson ein und die Besatzung von Boot 3 handelte sofort. 2
Rettungsschwimmer nahmen ihre Rettungsbojen und sprangen ins Wasser.
Das Boot fuhr langsam den Schwimmern hinterher und hielt nach dem
Untergegangenen Ausschau.
Urplötzlich kam Lucas wieder zu sich und versuchte aufzutauchen, aber er
hatte vollkommen die Orientierung verloren. Er schwamm nach vorne,
wieder zurück, dann nach oben, aber er geriet immer tiefer. Langsam ging
ihm die Luft aus und sein Körper hatte keine Kraft mehr. Dennoch - Lucas
kämpfte weiter und weiter, wieder schwamm er nach oben. Bis ihm die Luft
ausging. Er wurde ohnmächtig. Sein Körper sank leblos nach unten und es
sah so aus, als ob es das Ende unseres Sicherheitschefs wäre…
Zu seinem Glück hatten die beiden Rettungsschwimmer Lucas gerade
entdeckt. Sie holten ihn wieder an die Meeresoberfläche, als auch das Boot
3 der Küstenwache an die Rettungsstelle kam. Malik Jamal Jefferson half
seinen beiden Kollegen den schweren und großen Afro-Amerikaner an Bord
zu hieven.
„War er lange unter Wasser?“ erkundigte sich Malik und schaute seinen
Kollegen an.
„Keine Ahnung, ich denke nicht…“ antwortete sein Kollege Steven und
klemmte ein Kissen unter den Kopf von Lucas. Malik holte einen Tricorder
und scannte die Herzfunktionen des fast Ertrunkenen. „Er hat noch Wasser
in der Lunge“ erklärte Malik den anderen Beiden. Steven begann sofort mit
einer Herzmassage, die auch schnell Wirkung zeigte. Lucas hustete. Schnell
drehten ihn die drei Küstenwächtler auf die Seite, so dass er das Wasser
heraus husten konnte. Lucas kam wieder zu Bewussstsein und fragte leise:
„Wo bin ich denn?“
„Du bist auf Boot 3 der Küstenwache, Bruder“ meinte Malik Jamal Jefferson
und schaute Lucas böse an. „Bruder? Ich bin nicht ihr Bruder, ich bin Lt.
Lucas Bishop - Mitglied der Sternenflotte“, entgegnete Lucas und sah sich
sein Gegenüber nun genauer an. Dieser Malik hattte auch Rastas, nur
etwas länger und er trug einen Vollbart, sowie ein rot-gelb-grünes Halstuch.
Bekleidet war er mit der Standarduniform der Küstenwache.
„Hey Jerome, wir haben einen Sternenflottler gerettet“ freute sich Steven
und ging eine Decke für Lucas holen. Bishop schaute den beiden
Rettungsschwimmern hinterher, dann versuchte er aufzustehen, was ihm
aber erst beim zweiten Versuch gelang.
„Du hast ja Alkohol getrunken! Was bist du bloß für ein Rastafari?“ brüllte
ihn Malik an und hielt strafend die Hand in die Luft.
„Ein was soll ich sein?“ fragte Lucas verblüfft zurück.
„Ach, dann bist du gar kein Rastafari…“ stellte Malik erstaunt fest und wurde
freundlicher. „Was ist denn Rastafari?“ wollte Lucas wissen und schaute
gespannt Malik an.
„Rastafari ist benannt nach Prinz Ras Tafari Makkonnen, dem späteren
Kaiser von Äthiopien, Haile Selassi der Erste. Wir sind eine
Glaubensgemeinschaft und die wichtigste Quelle unserer Religion ist die
Bibel, vor allem die Offenbarung des Johannes im Neuen Testament“,
erklärte ihm Jefferson voller Stolz.
„Na, ich glaube, sowas ist nichts für mich. Ich glaube an nichts“ versuchte
Lucas das Gespräch zu beenden. In diesem Moment kam Steven wieder
und gab dem Geretteten eine Decke. Das Boot bewegte sich auch langsam
wieder Richtung Küste.
„Jeder kann ein Rastafari werden, er muss nur seinen Glauben finden…“
sprach Malik weiter und glaubte fest daran in Lucas einen neuen
Glaubensbruder gefunden zu habe.
10 Minuten später legte Boot 3 im Hafen von Brisbane an und Lucas wollte
gerade von Bord gehen, als ihm Malik Jamal Jefferson eine Visitenkarte in
die Hand drückte und meinte: „Machs gut Bruder Lucas und wenn du deinen
Glauben und eine Gemeinschaft finden willst, gehe nach Jamaika und
melde dich bei Bubba Thompson!“ Lucas sagte keinen Ton, drehte sich um
und ging von Bord.
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Aug 19 2005, 23:01
Issey-Nahyarto-Sikkah (Zeta)
Die Kommandocodes waren zurück transferiert worden.
Es war das Erste gewesen, das Milseya getan hatte, bevor sie den Rückflug
angetreten waren. Kurs und Geschwindigkeit waren eingegeben. Das Schiff
kannte seinen Weg. Sie lehnte sich müde auf ihrem Stuhl zurück - sie
musste so gut wie nichts mehr tun.
Die anderen auf der Brücke unterhielten sich, lachten. Sprachen von einem
Flug, der in die Geschichte eingehen würde. Erschöpft - zu erschöpft, um
sich darüber aufzuregen - schloss Milseya für ein paar Sekunden die Augen.
Was, verflucht, hatte ein Testflug mit der Geschichte zu tun? Kriege,
Kolonisierungen, Friedensverträge, der erste Warpflug, Supernovae, die
Entdeckung neuer Vakzine gegen bislang unheilbare Krankheiten - das
waren gesichtsträchtige Momente. Aber ein gottverfluchter Testflug, der
nicht einmal zwei Minuten gedauert hatte? Absurd! Und wie abwertend für
die wirklich herausragenden Leistungen!
So außergewöhnlich das Manöver auch war, so besonders die Tatsache,
dass sie etwas geschafft hatte, was bislang noch nie jemanden geglückt war
- auch weil es nie zuvor jemand gewagt hatte - das Ganze war nichts weiter
gewesen als ein geglückter Versuch.
Und Glück hatte eine Menge damit zu tun. Hatten die anderen, die gerade
scherzten und lachten, eigentlich die geringste Ahnung, wie nahe sie dem
Tod gekommen waren? Milseya bezweifelte es. Sie selbst hatte es nur für
den Bruchteil einer Sekunde gesehen und instinktiv das getan, was man ihr
beigebracht hatte - das Schiff hatte es sofort „verstanden“, hatte
augenblicklich ihren Befehl durchgeführt und sich damit selbst gerettet.
Ansonsten säßen sie alle jetzt auf der Ganges und würden den Trümmern
der Community beim Fliegen durch das All zusehen. Ihr Finger hatte bereits
auf der Selbstzerstörung gelegen..
Urplötzlich durchströmte sie wieder das unglaubliche Machtgefühl dieses
einen Moments. Für Sekunden, etwas außer Kontrolle Geratenes zu
beherrschen. Für Momente über Leben und Tod zu bestimmen. Und dann
mit einem Wimperschlag das Chaos zur Ordnung zurückzuführen...
Das Schiff hatte angedockt. „Wo wollen Sie hin, Anquenar“, rief Orsen ihr
nach, als sie im Begriff war die Brücke zu verlassen. „In mein Quartier, Sir“,
kam es müde zurück. „Auf gar keinen Fall. Sie müssen mit uns anstoßen.“
„Sir, ich.. ich... können Sie das nicht ohne mich tun?“, wehrte sich die
Haliianerin, die sich vor Müdigkeit kaum mehr auf den Beinen halten konnte.
„Spinnen Sie? Ab ins Casino mit Ihnen! Zwingen Sie mich nicht, Sie dahin
zu tragen“, befahl ihr Orsen in einem Ton, der zwar freundlich war, aber
keinen Widerspruch zuließ...
Orsen reichte jedem der Anwesenden ein Glas Champagner. „Auf das erste
Issey-Nahyarto-Sikkah-Manöver, das mit einem Schiff der PrometheusKlasse geflogen wurde!“, sprach er einen Toast aus. Alle anderen hoben
ihre Gläser - bis auf Milseya. Erstaunt warteten die anderen darauf, dass sie
es ihnen gleich tat. „Darauf, dass wir alle noch am Leben sind“ verbesserte
sie den Toast, stieß mit den anderen an, trank ihr Glas mit einem Zug leer
und verließ ohne jede weitere Erklärung oder sich zu verabschieden das
Casino...
Schlafen! Das war ihr einzige, was sie jetzt wollte. Als sich die Türen ihres
Quartiers hinter ihr geschlossen hatten, begann sie sich auf dem Weg zu
ihrem Bett zu entkleiden und ließ einfach alles dort, wo sie stand, auf den
Boden fallen. Nur aus den Augenwinkeln entdeckte sie das blinkende Licht
an ihrem Nachrichtenterminal, das den Eingang neuer Nachrichten
signalisierte. Sie schwankte - Neugier und Müdigkeit lieferten sich einen
Kampf in ihrem Kopf, bei dem die Neugier - wie meist - oblag.
Müde setzte sie sich vor das Terminal und aktivierte es. Ihre Vorahnung
wurde bestätigt: 11 Nachrichten waren von den anderen...
Die 12. war von der Sternenflotte.
Sie öffnete diese zuerst und erfuhr, dass ihrem Versetzungsantrag auf die
Community statt gegeben wurde. Sie atmete tief durch. So sehr sie es sich
gewünscht hatte, so wenig konnte sie sich im Moment darüber freuen. Der
langsam in ihr aufkeimende Verdacht verdichtete sich. Das Ganze war nur
ein Test gewesen. Und nur einer konnte Interesse daran gehabt haben,
dass sie es flog - und scheiterte.
Trotz der bleiernden Müdigkeit musste sie grinsen, als sie sich vorstellte, wie
er wohl getobt haben musste, als er von dem erfolgreichen Manöver
erfahren hatte. Doch ihre Schadenfreude darüber hielt nicht lange an. Sie
hatte seine Pläne durchkreuzt - und er würde es ihr mit allem, was ihm zur
Verfügung stand, "vergelten".
Doch darüber musste sie morgen nachdenken. Heute würde sie keinen
klaren Gedanken mehr zuwege bringen.
Sie öffnete nur die erste der anderen elf Nachrichten. Sie wusste, dass alle
gleich lauten würden. Sie bestand nur aus einem einzigen Wort.
Milseya deaktivierte das Nachrichtenterminal, ging zu ihrem Bett und ließ
sich einfach fallen. Noch bevor ihr Kopf das Kissen berührte, war sie
eingeschlafen. Ihr letzter Gedanke war erfüllt gewesen von diesem Wort:
"Eins".
Geschrieben von: O'Tra am Aug 20 2005, 19:27
Ohne Probleme waren O’Tra, T’Andorla und Brexen Ijoula getrennt
voneinander an Bord des Müllfrachters gelangt, denn offiziell kannten sich
Sub-Lieutenant T’Rikol, Sub-Lieutenant Torla und Ulan Noral, deren
Identität die drei angenommen hatten, nicht. O’Tra fielen mehrere
Planetoiden vom Herzen, als die umfangreichen Kontrollen überstanden
waren und der Frachter Kurs auf den Müllplaneten setzte…
17-01, so die offizielle romulanische Bezeichnung für die interstellare
Müllkippe, war ein karger Wüstenplanet mit hohen Temperaturen und einer
dünner Atmosphäre, die durch das Abladen von Giftmüll hochgradig
radioaktiv verseucht war. Die radioaktive Strahlung ließ weder das Beamen
noch einen getarnten Orbitalflug zu. Außerdem verstärkten die
Partikelverwirblung der Atmosphäre die Signatur jedes Flugobjektes, das in
diese eindrang. Ein einfliegendes Schiff konnte somit mit entsprechend
modifizierten Waffen sehr leicht erfasst werden, während es selbst aufgrund
von Sensorstörungen fast blind war. Von Spionagesatelliten der Förderation
aufgezeichnete Energiesignaturen auf den umgebenden Monden und
Asteroiden wiesen zudem auf zusätzliche stationäre
Verteidigungseinrichtungen hin und bei den Romulanern konnte man fast
sicher sein, dass irgendwo auch noch 1-2 getarnte Schiffe lauerten.
Der einzige Weg unbemerkt auf den Planeten zu kommen, war der
Müllfrachter. Während die Monitor mit Ijoula, T’Andorla und O’Tra Trion nach
Trion unterwegs war, hatte die Besatzung der USS Incursion dafür gesorgt,
dass auf Trion drei bestimmte Personen an Bord des Müllfrachter erwartet
wurden. Dazu waren Captain Refelians Away-Teams in etliche
Einrichtungen eingedrungen und hatten dort Dateien und Dokumente
gefälscht. Als schwierigstes Unterfangen hatte sich dabei das Infiltrieren der
Uplink-Station auf dem Mond des Müllplaneten herausgestellt, wo es den
Datenstrom mit den neuen Personalakten abzufangen und auszutauschen
galt. Letztendlich mussten dann auch noch die Personen, deren Identitäten
O’Tra, Ijoula und T’Andorla annehmen sollten ‚verschwinden’.
Anscheinend waren alle Manipulationen unbemerkt geblieben, denn die
Reise auf dem Müllfrachter verlief bisher ohne Zwischenfälle…
Sub-Lieutenant T’Rikol, O’Tras Tarnidentität, war lediglich Passagier auf
dem Schiff und hatte keine offizielle Aufgabe. Da ein dauerhaftes
Verkriechen im Quartier zu auffällig gewesen wäre, beschloss O’Tra in der
Messe ein romulanisches Ale zu trinken. Laut seiner Akte war T’Rikol ein
tüchtiger Kommunikationsoffizier, der es noch weit hätte bringen können.
Allerdings hatte er einem Schwachpunkt: Frauen. Eine Liaison mit der
gerade 18-jährigen Tochter seines Commanders hatte ihm die StrafVersetzung auf den Müllplaneten eingebracht, wo er als Fluglotse die
Müllfrachter einweisen sollte...
Als O’Tra die Messe betrat, entdeckte er zwei ausgesprochen attraktive
Romulanerinnen an einem der Tische. Da sicherlich Tal’Shiar-Spione an
Bord waren, beschloss er T’Rikols Ruf gerecht zu werden und gesellte sich
zu den beiden.
Etliche romulanische Ale’s später verließen die drei die Messe in Richtung
O’Tras Quartier. Neidisch blickte ihm er Romulaner hinter dem Tresen
hinterher…
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Aug 20 2005, 22:51
Issey-Nahyarto-Sikkah (Eta)
Obwohl sie mindestens 9 Stunden lang geschlafen hatte, fühlte sich Milseya
immer noch wie gerädert. Minutenlang hatte sie unter der heißen Dusche
gestanden - doch das hatte nur wenig gegen ihre völlig verspannte
Nackenpartie geholfen. Sie beschloss nach dem Frühstück zur
Krankenstation zu gehen und den Holodoc um Hilfe zu bitten.
In Gedanken versunken war Milseya zum Kasino gegangen und hatte es
nicht bemerkt. Erst als sie den Raum betrat, fiel es ihr auf - womöglich, weil
es schlagartig still war. Erstaunt hob sie den Kopf und sah sich um. Sie
starrten sie an! Peinlich berührt senkte sie kurz den Blick und schimpfte im
Stillen mit sich. Was hattest du denn geglaubt? Dass es niemand erfahren
würde? Dass es nicht auffallen würde, wenn man beinahe 100 Leute
kurzerhand von Bord schickt? Sie straffte ihre Haltung, hob den Kopf und
lächelte. „Guten Morgen“, sagte sie mit ruhiger Stimme, ging dann zum
Replikator und versuchte die Blicke in ihrem Rücken, die wie tausend kleine
Nadeln pieksten, zu ignorieren. Sie hasste es, angestarrt zu werden!
„Raktajino!“ Sie nahm das Gebräu aus dem Ausgabefach, sah sich um und
entdeckte einen freien Tisch direkt am Fenster.
Nachdem sie sich hingesetzt hatte, starrte sie zunächst für ein paar
Momente nach draußen, bevor sie das heiße Getränk vor sich fixierte. Sie
mochte keinen Kaffee und Raktajino schon gar nicht. Aber sie wusste, dass
es ihr Gehirn regelrecht „frei pusten“ würde - und nachdem was sie entdeckt
hatte, brauchte sie dringend einen freien Kopf, um nachzudenken.
Mein Terminal wird überwacht! Ich werde überwacht! Es ist nicht vorbei!
Alles fängt wieder von vorne an!
Zögerlich griff sie zu der Tasse und führte diese zum Mund. In Gedanken
bereitete sie sich auf den Schmerz vor, der gleich durch ihre Stirn zucken
würde. Sinnlos - mit Lichtgeschwindigkeit jagte der brennende Dolchstoß
durch ihre Stirn. Milseya holte stöhnend Luft, während sie mit den Fingern
die verzerrte Stirn massierte – während sich der erste Lichtstreif am
Horizont zeigte. Nur noch zwei, drei Schlucke und sie wäre wieder voll da!!
Doch zuvor ..
Wieso tue ich mir das bloß an, fragte sich Milseya, als die nächste
Schmerzattacke nachließ. Ich hätte doch einfach um einen Tag Urlaub bitten
können. Ein paar Stunden Schlaf mehr, ein wenig entspannen, lesen, zum
Friseur gehen... Sie seufzte. Ja, das wäre schön gewesen! Auf der anderen
Seite - hatte sie nicht schon genügend Urlaub und Entspannung gehabt?
Unwillkürlich musste die Haliianerin grinsen, als sie an ihren letzten
Urlaubstag dachte. Diesen hatte sie mit Niels auf dem Holodeck verbracht ..
und sie war sich sicher, dass das bestimmt nicht das letzte Mal gewesen
war.
Sie schloss ihre Augen, holte tief Luft und nahm einen großen Schluck von
dem widerlichen Gebräu. Ein riesiger glühender Nagel durchbohrte
regelrecht ihre Stirnplatte, ließ ihren Kopf regelrecht explodieren. Vor ihren
geschlossenen Augen tanzten Lichtpunkte. Pulsierend ließen die
peinigenden Stöße nach, die sie mit den Fingerspitzen versuchte
wegzumassieren. Sie atmete tief durch, versuchte ihren rasenden
Herzschlag zu beruhigen. Atemzug um Atemzug wurde der Nagel langsam
herausgezogen.
„Raktajino?“ fragte eine laute, ihr nicht unbekannte Stimme neben ihr. „Sie
trinken keinen Kaffee, aber Raktajino?“, fragte Orsen, der sich ihr gegenüber
an den Tisch setzte.
„Nur wenn ich einen klaren Kopf bekommen will“, erwiderte Milseya und
lächelte ihn an.
Er schüttelte ungläubig grinsend den Kopf. „Wie fühlen Sie sich, Anquenar?“
„Ich bin immer noch müde. Und mein Nacken und meine Schultern sind hart
wie Stein“, seufzte Milseya.
„Ich empfehle Ihnen ein paar Kilometer Schwimmen dagegen, Fähnrich“,
kommentierte Orsen ironisch.
„Sehr freundlich von Ihnen, Sir!“ kam ebenso ironisch zurück. Beide grinsten
sich an.
„Ich glaube, ich werde Sie ein wenig vermissen, Anquenar. Es hat mir selten
so viel Spaß gemacht, jemanden anzubrüllen, wie bei Ihnen“, sagte Orsen
mit ein wenig Wehmut in der Stimme.
„Sie werden schon bald ein neues Opfer finden“, meinte Milseya.
„Aber das wird wahrscheinlich nicht so schön zurück motzen wie Sie!“,
erklärte der Lt. Commander.
„Sir, wenn Sie es wünschen, dann kontaktiere ich Sie ein Mal pro Woche
und wir brüllen uns dann gegenseitig an“, grinste Milseya.
Orsens Lachen war laut und klang rau. „Vielleicht komme ich irgendwann
mal darauf zurück!“
Für einen kurzen, seltenen Moment kehrte Stille zwischen den Beiden ein.
„Ich wollte Ihnen das hier wieder geben!“, unterbrach schließlich Orsen das
Schweigen und schob ihre Gürteltasche über den Tisch. Milseya rührte sich
nicht. „Es ist ein wundervoller Stein“, fügte der Lt. Commander an.
Sie nickte zustimmend und sah den Canar in Gedanken vor sich. Er war
neu. Sie hatte ihn noch nie benutzt. Sie kannte nicht seine Möglichkeiten.
Zum ersten Mal seit langer Zeit spürte sie wieder das Verlangen einen
Canar zu benutzen - und fürchtete sie sich zugleich davor. Die Gürteltasche
lag immer noch unberührt vor ihr.
Sie sah Orsen an. Ob er ihr helfen würde? Ob er sein Wissen preis geben
würde?
„Warum?“ fragte sie ihn leise.
„Weil die Reparaturen und Anpassungen in Kürze abgeschlossen sein
werden und ich dann von Bord gehen werde“, erklärte der Lt. Commander.
„Nein“. Sie schüttelte den Kopf und wiederholte die Frage. Eindringlicher.
Bestimmter. Da begriff er, worauf sie hinauswollte.
„Was wissen Sie?“, fragte er unruhig.
„Ich weiß gar nichts.“ flüsterte sie.
Orsen war verwirrt. „Fähnrich, wie ..“
„Es war nicht Ihre Idee, das Manöver zu fliegen, nicht wahr?“, unterbrach ihn
Milseya.
„Wie kommen Sie darauf?“
„Sie waren viel zu nervös.“
„Natürlich war ich aufgeregt...“
„Nein, Sie waren nervös. Das ist ein Unterschied, Commander“, fiel sie ihm
wieder in Wort.
Er schwieg. Was konnte er ihr darauf antworten?
„Darf ich offen sprechen, Sir?“
Er zögerte, doch dann nickte er.
„Man hat Ihnen das Manöver befohlen, nicht wahr? Und man hat befohlen,
dass ich es fliege?“ An seinem Blick konnte Milseya erkennen, dass sie
Recht hatte. „War es eine Art Wette?“, fragte sie.
Er schüttelte den Kopf. „Nein, es war ein Test“, erklärte er.
„Ein Test? Meiner Fähigkeiten? Meiner Vertrauenswürdigkeit?“, fragte
Milseya.
„So sagte man es mir“, antwortete Orsen.
Die Haliianerin atmete tief durch - ihr Verdacht (mehr war es bis zu diesem
Zeitpunkt nicht gewesen) hatte sich bestätigt. „Man hat Sie belogen“,
erklärte sie ruhig. Der Lt. Commander sah sie überrascht an. „Es hat nicht
das Geringste mit mir zu tun. Ich bin nur das schwächste Glied in der Kette,
Sir.“
„Ich verstehe nicht, Fähnrich“,
„Es ist eine lange Geschichte, Commander. Und je weniger Sie darüber
wissen, um so besser ist es für Sie. Nur noch eine Frage. War es Admiral
Cayman, der Ihnen den Befehl gab?“
Orsen lehnte sich langsam in seinen Stuhl zurück, während er ungläubig die
Frau ansah. Hatte sie es etwa die ganze Zeit über geahnt? Gar gewusst?
Was ging hier vor? Er fühlte sich auf einmal äußerst unwohl in seiner Haut.
Hatte sie Recht? Bereits seit längerem hegte er den Verdacht, dass die
Erklärungen des Admirals nicht stimmten - vor allem nachdem der Fähnrich
sich als völlig anders entpuppte, als von Cayman beschrieben. Hatte dieser
ihn belogen und unter einem Vorwand für einen Zweck ausgenutzt von dem
er nichts ahnte? Und sollte er dem Fähnrich, der scheinbar eh alles wusste,
die Wahrheit (wenn es denn die Wahrheit war!) erzählen? Er atmete tief
durch, bevor er antwortete: „Ja.“
Ungerührt saß Milseya da, doch in ihrem Inneren brodelte es. Ihre
Gedanken drehten sich wie ein Zyklon um einen einzigen Namen IMADRO.
Sie hatte geglaubt, dass die Vergangenheit ruhen würde, dass er es
vergessen hatte ... aber es war noch lange nicht vorbei ...wofür das alles?
„Ich danke Ihnen, Commander“, wisperte sie.
Orsen stand auf. „Es tut mir leid, Fähnrich. Ich hatte keine Wahl.“
„Ich weiß, Sir. Es gibt nichts, wofür Sie sich entschuldigen müssten“, erklärte
die Halianerin, die sich ebenfalls erhob.
„Ich wünsche Ihnen alles Gute, Milseya“, verabschiedete er sich. Sie ergriff
seine ausgestreckte Hand. „Danke für Ihr Vertrauen in mich, Sir“, erwiderte
sie und sah in seinem Blick einen Hauch von Bedauern. Sie lächelte und
nickte. Dann griff sie nach ihrer Gürteltasche und verließ das Casino.
Sie musste nachdenken.
Sie musste herausfinden, was Cayman wusste.
Sie musste unter allen Umständen die Gemeinschaft schützen.
Geschrieben von: Selina Kyle am Aug 21 2005, 18:45
Solems Schreie halten durch die Nacht und zogen die Neugier der Wächter
auf sich. Auf leisen Sohlen schlichen sie sich an den Gleiter heran. Die Türe
des Gleiters öffnete sich und zu ihrer Überraschung stand plötzlich eine
Menschenfrau vor ihnen. Zu lange wunderten sie sich über diese
Erscheinung. Im nächsten Augenblick glitten ihre kopflosen Körper zu
Boden. Selina starrte auf ihr Schwert. „Bäh, romulanisches Blut. Nichts ist
klebriger.“ Angewidert wischte sie die Klinge an der Kleidung der beiden
toten Wächter ab und ging auf das Haus zu.
Solem war stets ein bedachter Romulaner gewesen und er hatte stets dafür
gesorgt, daß ihn genug Söldner umgaben die für Bezahlung sofort bereit
waren im Ernstfall ihr Leben für seine Sicherheit zu geben.
Selina öffnete die Türe des alten Hauses und starrte in die Dunkelheit des
Raumes. Mehrere Söldner hatten in der Dunkelheit oder hinter Möbeln
Schutz gesucht. Selinas Blick durchstreifte den Raum und ihr entgingen die
sich in Deckung haltenden Männer nicht.
„Mammi ist da, lasst uns feiern!“ Kaum hatte Selina diese Worte
ausgesprochen durchzuckten grüne Disruptorstrahlen die Dunkelheit des
Raumes. Selina ging in Deckung und rollte sich nach vorne ab. Sie kroch
auf dem Boden ein Stück nach vorne um an den ersten der Söldner zu
kommen. Immer noch zuckten grüne Disruptorstrahlen den Raum. Für
Selinas Geschmack reichlich ziellos aber Romulaner waren noch nie gut im
Zielen gewesen. Die Männer riefen sich aufgeregt zu, ob irgendeiner sie
getroffen habe oder sie sehen konnte. „Mein Gott, was sind das für
Anfänger!“ dachte Selina bei sich und baute sich vor einem der Männer auf.
Durch sein Nachtsichtgerät konnte er zwar Selina direkt vor sich sehen aber
reagieren oder gar seine Kameraden warnen konnte er nicht mehr. Selinas
Schwert hatte ihn längsseits durchschnitten wie ein Messer weiche Butter
und beide Körperhälften kippten zur Seite. Mit einem Salto sprang Selina
zum nächsten der Söldner und schlug ihm den Disruptor aus der Hand. Als
Reaktion grub sich seine Faust tief in Selinas Magengegend. Selina
strauchelte nicht und wich keinen Schritt zurück. Sie ignorierte den
aufkeimenden Schmerz und schlug ihrerseits zu. Ihre Faust traf den Söldner
im Gesicht und der Mann flog auf den Boden. Stöhnend rieb er sich den
angebrochenen Kiefer. Selina beugte sich über ihn. „Du schlägst wohl gerne
Frauen, was?“ Selina gab dem Mann keine Möglichkeit zu antworten. Ihre
Faust schnellte nach unten und traf ihn mitten ins Gesicht. Ein gequälter
Schrei kam aus dem Mund des Söldners hervor. Wieder raste Selinas Faust
auf die gleiche Stelle im Gesicht zu und beim nächsten Treffer konnte man
deutlich das Brechen der Gesichtsknochen hören.
Die zwei übrigen Söldner hatten den Schrei gehört, konnten ihren
Kameraden aber nicht sehen. Leise krochen sie in Richtung der komischen
Geräusche die sich anhörten, als würde jemand in Brei herummantschen.
Selinas Faust ging immer und immer wieder auf den Kopf des Romulaners
nieder. Gewebeteile und Blut spritzen umher. Wie im Wahn schlug Selina
immer weiter zu. Nur das Herannahen der letzten zwei Söldner veranlasste
sie von ihrem Opfer abzulassen. Die beiden Romulaner krochen um das
große Sofa herum. Überall im Raum hatten sie nachgesehen. Die
Angreiferin konnte sich nur noch hinter dem Sofa aufhalten. Vorsichtig
spähte einer der beiden hinter das Sofa und sah die grausig zugerichtete
Leiche. Er erstarrte vor Schreck und wusste zugleich, daß er auf diese Art
nicht sterben wollte. Ihm war das Geld egal. Er wollte nur noch raus hier!
Vorsichtig kroch er in Richtung Türe und ignorierte dabei den anderen
Söldner der an einer Komode kauerte. Plötzlich standen zwei Stiefel in
seinem Weg. Langsam blickte er nach oben und sein Blick traf sich mit dem
Selinas.
„Du willst doch nicht schon gehen?“ Der Mann schrie laut auf um den
anderen Söldner aufmerksam zu machen. Einen Augenblick später flog sein
Kopf auf das Sofa und sein Körper sackte in sich zusammen. Der übrige
Romulaner hatte blitzschnell reagiert und ein grüner Disruptorstrahl zischte
durch die Luft. Selina schaffte es gerade noch sich wegzudrehen und so
wurde sie nur leicht am Arm gestriffen. Selina ließ sich keine Zeit über den
Schmerz nachzudenken und sprang mit einem Schrei in Richtung des
letzten Söldners. Ein gezielter Kick schleuderte den Disruptor aus der Hand
des Romulaners und ein Schwall aus Fäusten prasselten auf den Mann ein.
Selina packte den schon halb bewusstlosen Söldner am Genick und schlug
seinen Kopf gegen die Wand. Sie wiederholte diese Bewegung so lange, bis
sie fast nur noch Gewebebrei in ihrer Hand hielt. Angewidert wischte sie ihre
Hand an einem Vorhang ab und lauschte in die vermeindliche Stille des
Hauses. Schritte. Sie konnte deutlich Schritte hören die eine Treppe
hinaufschlichen. Selina schlich in Richtung der Schritte und gelangte in die
Küche. Eine große Eisentüre führte wohl zum Keller des Hauses. Mit einem
Quietschen öffnete sich die Türe und ein Romulaner streckte vorsichtig
seinen Kopf hinaus. Sein Blick wanderte durch die Küche und er erspähte
Selina am Eingang der Küche. Sie hatte sich nicht die Mühe gemacht in
Deckung zu gehen. Kaum hatte er sie gesehen fiel die Eisentüre auch
schon wieder zu. Durch ein lautes Klicken wurde klar, daß die Türe von
Innen verriegelt worden war. Selina zuckte mit den Schultern und nahm den
Disruptor den Latta ihr gegeben hatte aus dem Halfter. Sie stellte sich vor
die Türe und hielt den Disruptor auf den Bereich, in dem sich das Schloß
befand. Mit ruhiger Hand laserte sie dank des Disruptors ein Loch in die
massive Türe. Mit einem kraftvollen Kick schlug Selina die Türe aus den
Angeln und die Treppe hinab. Ein grüner Strahl zuckte durch die Dunkelheit
und knapp an Selinas Ohr vorbei. Wutentbrannt sprang Selina auf den
Romulaner der am der Treppe stand und auf sie gefeuert hatte. Für einen
weiteren Schuß hatte es ihm nicht mehr gerreicht. Zu schnell war die
Menschenfrau auf ihn gesprungen und zu schnell hatte sie ihm ihre Faust
durch den Mund in den Hinterkopf geschlagen. Mit aufgerissenen Augen
war jedes Leben aus dem Mann gewichen und das innerhalb weniger
Millisekunden. Selina zog ihre Faust aus dem Kopf des Romulaners zurück
und ließ ihn zu Boden sinken.
Ihr Blick wanderte durch den Kellerraum. Allerhand Getränke und
Lebensmittel waren dort in Regalen gelagert. Selina sah sich nach einer
Türe um. Solak musste hier sein! Sie lief im Keller umher und ihre Hände
suchten die Wände nach einer Art Geheimtüre ab. Plötzlich blieb sie stehen.
Hatte sich ihr letzter Schritt nicht gerade sehr hohl angehört. Sie blickte zu
Boden und trat nochmal auf die selbe Stelle. „Tatsächlich! Hohl!“ Sie kniete
sich nieder und suchte nach einem Mechanismus der die Türe öffnete. Ihr
Blick fiel auf eine unscheinbare kleine Kiste gefüllt mit romulanischem Ale.
Vorsichtig hob sie die Kiste hoch und ein Zischen ließ die Türe im Boden zur
Seite gleiten. Selina blickte nach unten. Licht wurde automatisch aktiviert
und wieder fanden sich Treppen vor. Auf leisen Sohlen ging Selina die
Treppen hinab ....
Geschrieben von: Milseya Anquenar am Aug 21 2005, 20:36
Issey-Nahyarto-Sikkah (Theta)
Leuchtendes Safrangelb, feuriges Chillirot, frisches Avocadogrün .. Little
India war wohl mit Abstand der farbenprächtigste Markt der Erde. Ein
Farbenrausch für die Augen und zugleich ein Sinnesfest für die Nase:
Zitronengras, Minze, Curry, Thymian, Safran, Ingwer ... die Aromen aller
Kräuter und Gewürze vermischten sich und verliehen dem Markt in Singapur
diese außergewöhnliche Atmosphäre.
Aber Milseya war nicht hier um einzukaufen – auch wenn ihr voll beladener
Seegraskorb dem widersprach.
Sie wartete auf ihn.
Die Haliianerin schlenderte über den weltberühmten Markt und wartete
dabei geduldig. Wenn er gekommen war, dann würde er mit ihr Kontakt
aufnehmen.
Sie hatte die anderen gewarnt, ihnen erklärt, dass sie beobachtet wurde.
Und dennoch hatte sie um dieses Treffen hier gebeten, um zu erfahren, was
geschehen war - und was sie tun sollte. Er hatte dem zugestimmt.
Sie beide kannten diesen Ort gut. Sie wussten um die vielen Menschen. Es
würde kaum auffallen, wenn sie miteinander reden würden. Und sie beide
kannten Wege aus diesem Wirrwarr, um schnell zu verschwinden für den
Fall, dass man sie entdecken würde.
Milseya entdeckte einige Bekannte unter den Verkäufern und Passanten.
Sie hielt stets an, unterhielt sich mit diesen. Man lachte, erzählte sich
Geschichten, fragte nach der Familie. Niemandem würde es auffallen, wenn
er sie ansprechen würde. Er wäre einfach ein weiterer alter Bekannter.
Dennoch musste