Die Maurische Landschildkröte

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Die Maurische Landschildkröte
 Die Maurische Landschildkröte
Ordnung: Halsberger (Cryptodira)
Familie:
Landschildkröten (Testudinidae)
Gattung: Europäische Landschildkröten (Testudo)
Maurische Landschildkröte (Testudo graeca ibera).
Foto: Stefan Kundert
Die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) ist neben der Griechischen
Landschildkröte (Testuo hermanni) in der Schweiz eine der am häufigsten
gehaltenen Landschildkröten. Ihre lateinische Bezeichnung führt oft zur irrigen
Annahme, es handle sich um die "griechische". Die Farbe des Rückenpanzers
variiert von fast olivgrün bis leicht orange-braun. Die Zeichnung kann auffallend
schwarz-gelb oder auch fast einheitlich dunkelbraun sein. Die Zentren der
Rückenschilde sind meist dunkel. Ganz charakteristisch sind die beiden
Hornkegel beidseits der Hinterseite der Oberschenkel. Das Schwanzende ist
rundlich und ohne Hornnagel. Die Randschilde wölben sich bei älteren Tieren
grosszügig nach aussen.
Artenschutzstatus
Liste 2 des Washingtoner Artenschutzabkommens.
Die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) lebt in warmgemässigtem,
mediterranem Klima. Sie wurde vor allem in den achtziger Jahren massenhaft in
mitteleuropäische Länder importiert. Ende der achtziger Jahre nahm der Handel
etwas ab, nachdem Tausende von Tieren an Herpes (hochansteckendes Virus)
verendeten. Maurische Landschildkröten sind sehr wärmebedürftig.
Lebensraum der Maurischen Landschildkröte in Griechenland.
Foto: Stefan Kundert
Haltung
Im Sommer kann die Maurische Landschildkröte der Unterart Testudo graeca
ibera im Freiland gehalten werden. Wir müssen ihr geeignete Infrastrukturen
anbieten, damit sie tagsüber ihre Vorzugskörpertemperatur von 34 °C erreichen
kann. Dies unterstützen wir mit einem Treibhaus oder ähnlichem.
In den Übergangszeiten soll ihnen eine zusätzlich Wärmequelle zur Verfügung
stehen. Tiere aus südlicheren Gebieten sind sehr empfindlich und daher nicht für
die Haltung zu empfehlen.
Das Schildkrötengehege wird im sonnigsten Teil ihres Gartens grosszügig
angelegt. Strukturieren Sie es mit Erdhügeln und Buschwerk aller Art. Die Tiere
brauchen Versteckmöglichkeiten und einen geschützten Platz zum Sonnenbaden.
Die Umzäunung muss sicher sein und darf keine Klettermöglichkeiten bieten.
Halten Sie die Maurischen Landschildkröten von allen anderen Schildkrötenarten
getrennt.
Maurische Landschildkröten sind sehr wärmebedürftig. Sie sind Pflanzenfresser
und dürfen auch ruhig karges Futter erhalten, wie es in ihren Ursprungsländern
im Sommer auch der Fall ist.In ihrer Heimat halten die Tiere zum Teil eine
Sommerruhe. In ihren Verstecken überbrücken sie die heissen und trockenen
Zeiten.
Ein relativ hell gefärbtes, jüngeres Weibchen der Maurischen Landschildkröte
(Testudo graeca ibera) im Osten Griechenlands.
Foto: Stefan Kundert
Fütterung
Beobachtungen in der Natur und der Aufbau des Magen-Darmtraktes bestätigen,
dass Maurische Landschildkröten Pflanzenfresser sind. Sie äsen auf Magerwiesen
und suchen sich Kräuter. In den heissen Sommermonaten ist die Vegetation sehr
karg. Diesem saisonalen Ablauf soll Rechnung getragen werden, wenn wir ein
andauerndes Überfüttern unserer Pfleglinge vermeiden wollen.
Jungtiere: Sie sind gleich wie die erwachsenen zu füttern. Achten Sie auf ein
langsames Wachstum.
Katzen oder Hundefutter jeglicher Art ist zu fett- und eiweissreich. Es führt zu
unnatürlichem Wachstum, Verfettung und Organschäden. Verzichten Sie darauf!
Achtung:
In Gefangenschaft nehmen die Tiere auch nichtartgerechtes Futter zu sich, was
auf die Dauer lebensbedrohende Schäden anrichten kann. Teigwaren,
Haferflocken, Obst oder Milchbrocken gehören nicht auf den Speiseplan. Das im
Fachhandel angebotene Fertigfutter, zum Beispiel Pellets, widerspricht dem
natürlichen Bedürfnis der Tiere und ist meist zu eiweissreich. Heu ist eine ideale
Ergänzung. Eine möglichst natürliche Fütterung macht zusätzliche Vitamingaben
überflüssig.
Winterschlaf
Die Maurischen Landschildkröten aus dem asiatischen Teil halten einen
Winterschlaf. Beobachten Sie Ihre Tiere im Herbst noch eingehender als sonst,
denn kranke Tiere dürfen keinen Winterschlaf halten. Die Tiere aus Nordafrika
halten eine reduzierte Winterruhe. Die Futteraufnahme wird eingestellt,
Temperatur und Licht werden reduziert.
Überwinterung:
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Freiland (Vorsicht: Temperaturschwankungen!)
Kühler, dunkler Innenraum
Kühlschrank
Achten Sie auf eine genügend hohe Substratfeuchtigkeit!
Jungtiere:
Sie halten ab ihrem ersten Lebensjahr einen Winterschlaf.
Temperatur:
+ 4° bis + 6°C
Dauer:
3 - 5 Monate
Krankheiten
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Zu kühle Haltung führt häufig zu therapieresistentem Nasenausfluss.
Viele Maurische Landschildkröten sind klinisch unauffällige Träger von
Herpesvieren. Wenn sie andere Schildkröten anstecken, kann es sehr
schnell zu einem seuchenartigen Verlauf mit Todesfällen kommen.
Vor allem Jungtiere aus südlichen Verbreitungsgebieten können bei zu
kühler Haltung Ohrabszesse bilden.
Merkmale der Maurischen Landschildkröte: Fehlender Hornnagel beim
Schwanz, deutliche Hornkegel seitlich des Schwanzes. Zwei Zecken haften
am Hinterteil des Tieres.
Foto: Stefan Kundert
Zucht und Aufzucht
Männchen können sich gegenseitig arg bedrohen und sollten, wenn nötig,
getrennt gehalten werden können. Eine paarweise Haltung kann in guter
Harmonie erfolgen.
Eiablage:
Schaffen Sie im Freilandgehege für die Weibchen die Möglichkeit, im sonnigsten,
wärmsten Teil die Eiablageplätze zu graben. Nach erfolgter Ablage von meist 6
bis 8 Eiern baggern die Weibchen mit den Hinterbeinen die Grube wieder fein
säuberlich zu. In unserem Klima gelingt es meist nicht, Naturbruten zu erhalten.
Die Eier werden daher in Brutapparaten ausgebrütet. Bedenken Sie, dass die
Eier, wie alle Reptilieneier, in ihrer Lage möglichst unverändert bleiben sollen (im
Gegensatz zu Vogeleiern).
Schlupf:
Nach 60 bis 90 Tagen befreien sich die Schlüpflinge aus ihrer runden Wiege. Mit
der Eischwiele am Oberkiefer schaben sie die Eischale auf und drücken sie mit
ihrem im Baupanzer noch quergefalteten Körper auseinander. Dieser Vorgang
kann bis zu 2 Tage dauern. Der Eidotter sollte beim Schlupf ganz in die
Bauchhöhle eingezogen sein. Er versorgt das Jungtier während der nächsten
Monate mit hochwertigen Nährstoffen.
Schlüpflinge:
Sie werden wie die erwachsenen Tiere gefüttert. Das Wachstum soll langsam
vorangehen. Das Geburtsgewicht kann nach einem Jahr verdoppelt sein.
Die Maurischen Landschildkröten bewohnen oft sehr trockene und heisse
Habitate.
Foto: Stefan Kundert
Wichtiges in Kürze
Vorkommen
Vom Kaspischen Meer bis nach Südspanien und Marokko, Algerien und Tunesien.
Die bei uns am häufigsten gehaltenen Maurischen Landschildkröten stammen aus
der Türkei. Tiere aus südlicheren Herkunftsgebieten sind wesentlich heikler und
gehören nicht in Gefangenschaftshaltung. Lassen Sie Ihre Unterart von einem
Kenner bestimmen.
Quelle: ETI-Expert Center for Taxonomic Identification, Amsterdam,
CD-ROM "Turtles of the World",
Grösse:
Gewicht: bis 2.8 kg.
Länge: bis 32 cm.
Besondere Merkmale:
Oberschenkel: deutlicher Hornkegel seitlich des Schwanzes.
Schwanz: ohne Hornnagel
Bebrütung:
Temperatur: 28° - 31,5°C.
Feuchtigkeit: 80 - 90 %.
Dauer: 60 - 90 Tage.
Ernährung:
Futter: pflanzlich, mit Heu
Wasser: immer anbieten.
Unterarten:
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Testudo
Testudo
Testudo
Testudo
Testudo
Testudo
Testudo
graeca
graeca
graeca
graeca
graeca
graeca
graeca
ibera
zarudny
terrestris
armeniaca
anamurensis
nikolski
graeca
Winterschlaf:
auch Jungtiere!
Temperatur: 4° - 6° C.
Dauer: 3 - 5 Monate
Verfasser: Ursula Eggenschwiler
Schildkröten aus Nordafrika
Verkauf von Schildkrötenpanzern auf einem Marktplatz auf Tunesien.
Die auf den nordafrikanischen Märkten angebotenen Landschildkröten stellen
sehr hohe Anforderungen an die Haltung. Werden sie wie die mediterranen
Landschildkröten gehalten, haben sie keine Überlebenschance. Wenn überhaupt,
sollten sie nur vom erfahrenen Haltern, die über das nötige Fachwissen und die
entsprechende Infrastruktur verfügen, gepflegt werden.
Alle Landschildkröten sind im CITES Anhang II gelistet und dürfen ohne die
nötigen Papiere weder aus- noch eingeführt werden. Kaufen Sie auf keinen
Fall Schildkröten aus den nordafrikanischen Märkten und weisen Sie
bitte auch Bekannte darauf hin. Für jede verkaufte Schildkröte wird
mindestens eine weitere der Natur entnommen. Dies gilt auch für Präparate aus
Schildkröten wie lackierte Schildkrötenpanzer etc.