Scientology-Aktivitäten des Schauspielers Tom Cruise

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Scientology-Aktivitäten des Schauspielers Tom Cruise
Kleine Anfrage
Dr. Paul-Stefan Mauz CDU
vom 07.08.1996
Drs 12/289
und
Antwort
des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport
Scientology-Aktivitäten des Schauspielers Tom Cruise
Kleine Anfrage
Ich frage die Landesregierung:
1. Ist der Landesregierung bekannt, daß der Schauspieler Tom Cruise bekennender und hochrangiger Scientologe ist
und öffentlich Werbung für die Sekte macht?
2. Wie beurteilt die Landesregierung die Tatsache, daß im Film Mission: Impossible , der diese Woche bundesweit
anläuft, Tom Cruise nicht nur als Hauptdarsteller mitwirkt, sondern auch als Co-Produzent fungiert und damit
vermutlich ein erheblicher Teil der eingespielten Filmgelder der Scientologie zugute kommen?
3. Ist ihr bekannt, welcher Teil der eingespielten Summe dieses Films dem Hauptdarsteller und Co-Produzent
zustehen?
4. Sieht die Landesregierung Möglichkeiten, die Aufführung des Films in BadenWürttemberg zu verhindern bzw.
zum Boykott aufzurufen oder öffentlich vor solchen Filmen zu warnen, in denen bekennende Scientologen wie
Cruise, dessen Ehefrau Nicole Kidman oder auch John Travolta mitwirkten oder -produzierten und die
Einspielsumme daher indirekt zur Finanzierung der Scientology-Sekte benutzt wird?
5. Erkennt sie Möglichkeiten, die öffentliche Förderung von Kinos einzuschränken, die Filme mit bekennenden
Scientologen als Hauptdarsteller oder Produzenten vorführen?
07. 08. 96
Dr. Mauz CDU
Begründung
Der Actionfilm Mission: Impossible hat in den USA in nur fünf Wochen bereits mehr als 164 Millionen Dollar
eingespielt. Tom Cruise als Hauptdarsteller und Co-Produzent ist bekennender, hochrangiger Scientologe. Es ist zu
befürchten, daß damit auch die Einnahmen des Films in Deutschland zu einem erheblichen Teil dazu mißbraucht
werden, die gefährlichen Machenschaften der Scientology-Sekte zu finanzieren.
Antwort
Mit Schreiben vom 2. September 1996 Nr. VI/4 7171.141/406 beantwortet das Ministerium für Kultus, Jugend und
Sport im Einvernehmen mit dem Wirtschafts- und dem Sozialministerium die Kleine Anfrage wie folgt:
Zu 1.:
Die Landesregierung verfügt über keine amtlichen Unterlagen, die deutlich machen würden, welchen Rang der
Schauspieler Tom Cruise bei Scientology einnimmt und inwieweit er öffentlich für die Scientology-Organisation
Werbung betreibt.
Auf die Verbindungen von Herrn Tom Cruise und Scientology wird ausführlich in der Eidesstattlichen Erklärung
des Herrn Andre Tabayoyon vom 19. August 1994 eingegangen, die der Landesregierung vorliegt.
Ernstzunehmende Berichte von Kritikern der Scientology-Organisation beziehen sich auf Darstellungen im Magazin
Premiere , New York, vom September 1993 und im Los Angeles Magazin vom Oktober 1993. Nach diesen Angaben
kann der Schauspieler Tom Cruise als sog. Celebrity der Scientology-Organisation betrachtet werden.
Zu 2. und 3.:
Über finanzielle Abmachungen im Zusammenhang mit der Produktion und Vermarktung des Films Mission:
Impossible sowie über die gezahlte Höhe der Tantiemen und ihre Verwendung liegen der Landesregierung keine
Erkenntnisse vor.
Zu 4. und 5.:
Das Grundgesetz Artikel 5 Abs. 2 läßt unter Beibehaltung des Verbots der Zensur Beschränkungen der Presse- und
Medienfreiheit im Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften (GjS) zu.
Diese Beschränkungen gelten automatisch kraft § 6 GjS nur für gewaltverherrlichende, rassenhetzerische und
pornographische Medien (i. S. von §§ 131 und 184 Strafgesetzbuch) sowie für sonstige Medien, die offensichtlich
geeignet sind, Kinder und Jugendliche sittlich schwer zu gefährden.
Nach dem Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit (JÖSchG) werden der Filmbesuch von Kindern und
Jugendlichen und das Freigabeverfahren von Filmen geregelt. Eine Appellation der Obersten Landesjugendbehörde
bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hinsichtlich der Altersfreigabe des Filmes käme in
Betracht, wenn nachgewiesen werden kann, daß der Film geeignet ist, das körperliche, geistige oder seelische Wohl
von Kindern und Jugendlichen zu beeinträchtigen.
Die Tatsache, daß in dem genannten Film ein Scientologe eine Hauptrolle oder überhaupt eine Filmrolle spielt, ist
kein ausreichender sachlicher Gesichtspunkt für ein Einschreiten des Staates gegen den Film und einzelne
Filmtheater. Im übrigen auch bezüglich der Tatsache, daß Cruise zusätzlich als Co-Produzent des Filmes tätig ist ist
es nicht Aufgabe des Staates, zu wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen in bezug auf wirtschaftliche Vorgänge gleich
welcher Art aufzurufen. Unberührt davon bleibt, daß bei im vorliegenden Fall nicht erkennbaren Verstößen gegen
die Rechtsordnung, immer ein entsprechendes Vorgehen des Staates angebracht ist.
Dr. Annette Schavan
Ministerin für Kultus, Jugend und Sport