Schlauer einkaufen

Commentaren

Transcriptie

Schlauer einkaufen
Schlauer einkaufen
JAHRESBERICHT 2013
PEFC/04-01-01
Vorstand:
Prof. Dr. Ulrich Schraml, 1. Vorsitzender
Prof. Dr. Hans Köpp, stellv. Vorsitzender
Ehrenvorsitzender:
Marian Freiherr von Gravenreuth
Ehrenmitglied:
Hermann Ilaender
Geschäftsstelle:
Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer
Daniel Fritz, Assistent der Geschäftsführung
Catrin Fetz, PR-Referentin
Jan Mertens, PR-Referent
Renate Blaß, Buchhalterin
Mitglieder
Wildapfel,
Baum des Jahres 2013
Fotos:
ALNO AG: S. 19
Andreas Wildauer: S. 38 o. r.
Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung:
1. Umschlagseite o. l.
Dirk Teegelbekkers: Editorial, S. 9; S. 13 m. r.; S. 13 u. ;
S. 24 - 25; S. 33; S. 36 o. ; S. 38 m. l.; S. 39 l.
Forstwirtschaftliche Vereinigung Niederbayern: S. 10
Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e.V.: S. 18 u.
Hannelore Summer: S. 9 m.
FBG Haßberge: S. 12
Ingo Lau: S. 38 u.
Jan Mertens: S. 8 m. ; S. 24; S. 25 u. ; S. 36 u.; S. 37;
S. 38 o. l., o. r.; S. 38 m. m., m. r.
PEFC International: S. 31
PEFC/Ute Kaiser: Titel, S. 6 o. l.; S. 7 o. r.; S. 8 l.; S. 14 - 15;
S. 17; S. 2 0 - 21; S. 26 - 27; S. 30; S. 34 - 35 r.; S. 39 r.;
Umschlagrückseite
Privat: S. 13 m. l.
Prüm-Garant: S. 18 o.
Thünen-Institut: 1. Umschlagseite
AGDW − Die Waldeigentümer
Arbeitsgemeinschaft forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer Niedersachsen
Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft
Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher
Bayerische Staatsforsten
Bayerischer Waldbesitzerverband
Bund Deutscher Forstleute
Deutsche Säge- und Holzindustrie
BHB – Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten e. V.
Bund Heimat und Umwelt Bundesverband
Der Holzring
Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband
Deutscher Forstunternehmerverband
Deutscher Forstverein
Deutscher Forstwirtschaftsrat
Forstkammer Baden-Württemberg
Gesamtverband Deutscher Holzhandel
Hessischer Waldbesitzerverband
Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz
Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt
Ministerium für Ländlichen Raum und
Verbraucherschutz Baden-Württemberg
Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau
und Forsten Rheinland-Pfalz
Niedersächsische Landesforsten
RAL Gütegemeinschaft Wald- und Landschaftspflege
Sächsischer Waldbesitzerverband
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt
und Naturschutz
Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie
Verband Deutscher Papierfabriken
Vereinigung Deutscher Gewässerschutz
Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen
Waldbesitzerverband Brandenburg
Waldbesitzerverband für Rheinland-Pfalz
Waldbesitzerverband Niedersachsen
Vervielfältigung des Berichts oder einzelner
Bestandteile in jedweder Form nur mit schriftlicher
Genehmigung von PEFC Deutschland e. V.
EDITORIAL
Ein Jahr lang waren Wald und Nachhaltigkeit in aller Munde. Landauf und landab kündeten
Sonderdrucke und Festvorträge vom Anspruch der Forstwirtschaft 300 Jahre Erfahrung nutzbar zu machen für die Herausforderungen von heute. Als wichtigstes Waldzertifizierungssystem in Deutschland waren wir mit dabei, haben uns gemeinsam über das Erreichte gefreut und
aus Überzeugung die Schultern von Waldbesitzern, Forstleuten und Mitarbeitern der Forstbetriebe geklopft. Wir haben aber auch die Aufgaben gesehen, die immer noch vor uns liegen.
Die globale Waldzerstörung und der Artenverlust sind nicht gestoppt, der Holzbedarf ist groß
und die Erwartung der Menschen an weitere Leistungen und Produkte aus dem Wald hoch.
Zertifizierung von Forstwirtschaft und Holzprodukten wird daher immer wichtiger. Sie ist die
einzige Garantie für den Kunden, dass Holz nicht nur legal in Verkehr kommt, sondern auch
soziale und ökologische Kriterien erfüllt werden. PEFC bringt daher zentrale Interessengruppen
an einen Tisch, zeigt transparent auf, was wir für gute Forst- und Holzwirtschaft halten und
kontrolliert, ob unsere Standards respektiert werden. 2013 hat PEFC mit seinen internationalen
Partnern weltweit neue Regionen für die Zertifizierung gewinnen können. Auch in Deutschland
steigt die Zahl der zertifizierten Betriebe auf hohem Niveau weiter an. Mit den neuen Standards
wollen wir unser Engagement auch in weitere Bereiche der forstlichen Dienstleistung ausdehnen und noch besser darstellen können, wo das Holz herkommt und wie es produziert wurde.
Damit werden wir zusätzliche Betriebe als Partner gewinnen und vor allem die Verbraucher
noch wirkungsvoller von unserem Anspruch eines nachhaltig bewirtschafteten Waldes überzeugen können.
Damit haben wir uns viel vorgenommen. Der vorliegende Bericht zeigt, wo wir auf diesem Weg
stehen. Sie werden sehen, unsere Geschäftsstelle, die Regionalen Arbeitsgruppen und die
Zertifizierer machen zusammen mit den zertifizierten Betrieben einen guten Job. Sie tun das
aus Tradition und der Überzeugung, dass es dem Wald und den Menschen guttut. Helfen Sie
mit, dass das gelingt!
Ihr,
Prof. Dr. Ulrich Schraml
RUBRIKEN
4_PEFC INTERNATIONAL
1_WALD
Anpfiff zur dritten Revision der PEFC-Standards
Im Gespräch mit Bernhard Bielmeier
Das PEFC-Waldschild
Aus den zertifizierten Betrieben
8
10
11
12
2_PRODUKTKETTE
Eine offene Tür für nachhaltige Waldbewirtschaftung
Nachhaltige Bindung zum Werkstoff Holz
Im Gespräch mit Hubertus Sick
30
31
32
33
5_INTERN
18
18
19
3_ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
Langer Atem ist nötig
In der Wiege der Nachhaltigkeit
Neuer Einkaufsratgeber
Im Gespräch mit Ute Kaiser
EU-Nachhaltigkeitsanforderungen für feste Biomasse
Im Gespräch mit Natalie Hufnagl-Jovy
Im Gespräch mit Johan Vlieger
Der internationale Logogenerator ist da
23
24
25
26
Zurück in die Zukunft
Interessante Informationen und
konstruktiver Austausch
Zwei PEFC-Macher gehen von Bord
Verabschiedung von Frank v. Römer
36
37
38
39
1_WALD
1_WALD
STAND DER WALDZERTIFIZIERUNG
2013 betrug die weltweit zertifizierte PEFC-Fläche 242,1 Mio. Hektar
(2012 waren es 237,4 Mio. ha)
Mitglieder mit anerkanntem System
Mitglieder im Anerkennungsverfahren
Mitglieder ohne anerkanntes System
PEFC in Deutschland – Waldfläche bleibt auf hohem Niveau
PEFC hat im vergangenen Jahr verstärkt private und kommunale Waldbesitzer angesprochen. Diese Mühe hat sich ausgezahlt, denn ein
Großteil der über 100 neuen PEFC-zertifizierten Betriebe stammt aus diesen beiden Waldbesitzarten. Leider konnten größere Flächenabgänge, vor allem vonseiten der Treuhandwälder (BVVG) und der Bundesforsten, nicht vollständig durch den Beitritt der neu gewonnenen Forstbetriebe aufgefangen werden. So belief sich zum Jahresende 2013 die nach den Standards von PEFC Deutschland e. V.
zertifizierte Waldfläche auf 7.391.501 ha. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Flächenverringerung um ca. 2.400 ha.
Besonders stark vertreten ist PEFC nach wie vor im Süden von Deutschland. Hier ist Hessen, wie in den vergangenen Jahren, der Spitzenreiter. Sage und schreibe 87 % der Gesamtwaldflächen sind hier nach den PEFC-Standards zertifiziert. Auf den weiteren Plätzen
folgen Baden-Württemberg mit 82 % und Bayern mit 76 % der Waldfläche.
PEFC | Jahresbericht 2013
41 %
66.631 ha
36 %
192.386 ha
70 %
816.398 ha
32 %
340.829 ha
44 %
216.016 ha
PEFC-zertifizierte Waldfläche
70 %
617.788 ha
Welt
87 %
768.043 ha
69 %
358.879 ha
6,3 %
57 %
289.886 ha
70 %
582.923 ha
Gesamt: 3.869,5 Mio. ha
PEFC: 242,1 Mio. ha
68 %
67.250 ha
Europa
82 %
1.120.183 ha
38,8 %
76 %
1.954.289 ha
Gesamt: 191,4 Mio. ha (ohne Russland)
PEFC: 74,3 Mio. ha (Europa mit Weißrussland)
Region mit gültigem Zertifikat
Gesamtwaldfläche
PEFC-zertifizierte Fläche, Angaben in % und ha
PEFC-Fläche gesamt: 7.391.501 ha (66,7 % der Waldfläche in Deutschland)
Stand: Dezember 2013
Standards wollen kontrolliert sein!
Die Einhaltung der PEFC-Standards ist die Basis für eine vorbildliche Waldbewirtschaftung.
Dies muss PEFC Deutschland e. V. als Standardgeber gewährleisten. Konkret geschieht dies
durch Kontrollen vor Ort durch akkreditierte Zertifizierungsgesellschaften. So wird jedes Jahr
ein repräsentativer Teil der zertifizierten Betriebe begutachtet. Dabei wird darauf geachtet,
dass innerhalb der jeweiligen Region alle Betriebsarten und -größen entsprechend berücksichtigt werden. Forstbetriebe mit einer Fläche von über 35.000 Hektar gelten als gesetzt
und werden somit jedes Jahr sorgfältig überprüft. Im Jahr 2013 waren die Auditoren auf
einer Fläche von 3.599.315 Hektar unterwegs. Dies entspricht einem Anteil von ca. 48,7 %
der PEFC-zertifizierten Waldfläche in Deutschland.
Die festgestellten Verstöße sind für jedermann in den veröffentlichen Auditberichten einzusehen und werden nach den einzelnen Regionen geordnet auf der Website von PEFC
veröffentlicht.
Deutschland
66,7 %
Gesamt: 11,1 Mio. ha
PEFC: 7,4 Mio. ha
Davon werden in Deutschland
jedes Jahr kontrolliert:
48,7 %
Kontrollierte Fläche absolut: 3,6 Mio. ha
7
1_WALD
ANPFIFF ZUR DRITTEN REVISION
DER PEFC-STANDARDS
Die PEFC-Standards werden nach fünf Jahren erneut überarbeitet
Zum Auftakt der dritten Standardrevision hatte PEFC Deutschland e. V. alle am Wald interessierten Gruppen, insbesondere jene, die sich in den vergangenen Revisionsprozessen nicht
aktiv eingebracht hatten, am 17.09.2013 nach Würzburg eingeladen. Als neue Gesichter
konnten Repräsentanten der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, des Deutschen
Jagdverbandes sowie des Bundesverbandes Bio-Energie begrüßt werden. Ziel der Veranstaltung war es, über die Inhalte der Revision, den Zeitplan und die Mitwirkungsmöglichkeiten zu informieren. Das Internet-Forum zur Kommentierung der aktuellen Standards und
Verfahrensanweisungen wurde vorgestellt und die ersten Stellungnahmen gesammelt.
Die Diskussionsbeiträge machten eines deutlich: PEFC muss besser kommunizieren, dass
es nicht Ziel der Revision ist, die Standards zu verschärfen, sondern dass es um die Integration neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und um die Berücksichtigung der
Erfahrungen geht, die teilnehmende
Waldbesitzer, Auditoren und Standardsetzer bei der Umsetzung des aktuellen
Standards in den letzten vier Jahren gesammelt haben. Am Ende des Prozesses
sollen Standards stehen, die im Konsens
erarbeitet wurden und die keine Fragen
bezüglich ihrer Interpretation offen lassen.
Das Internet-Forum steht allen Interessierten seit dem 16.09.2013 auf der PEFC-Homepage zur Verfügung. Hier haben Sie die Möglichkeit sich interaktiv am Revisionsprozess
zu beteiligen: Kommentieren Sie die aktuellen Standards und Verfahren und unterbreiten Sie Änderungsvorschläge.
> www.pefc.de
Konstituierende Sitzungen der Arbeitsgruppen
Im Zentrum der inhaltlichen Neugestaltung des deutschen PEFC-Systems stehen zwei Arbeitsgruppen, die konkrete Vorschläge für die Waldstandards sowie die zahlreichen Verfahrensanweisungen ausarbeiten sollen. Ziel ist es, allen Interessengruppen, d. h. Vertretern
aller Waldbesitzarten, forstlichen und Umweltverbänden, Gewerkschaften, Forstunternehmen, der Holzwirtschaft und weiteren Nutzern eine Mitarbeit zu ermöglichen. Keine Interessengruppe soll den Entscheidungsprozess dominieren und alle Entscheidungen sollen im
Konsens getroffen werden. Keine leichte Aufgabe, vor allem wenn eine Arbeitsgruppe, wie
die AG Standards, 52 Mitglieder hat. Für die AG Verfahren berief der Deutsche Forst-Zertifizierungsrat (DFZR) insgesamt 17 Mitglieder. Zum Vorsitzenden der AG Standards wählte der
DFZR Prof. Dr. Andreas W. Bitter, Vorsitzender des Sächsischen Waldbesitzerverbandes, zur
Vorsitzenden der AG Verfahren Natalie Hufnagl-Jovy von der AGDW.
Die konstituierende Sitzung der beiden Arbeitsgruppen fand am 27.11.2013 in Kassel statt.
Informationen zu Ablauf, Beteiligungsmöglichkeiten und Verantwortlichkeiten in Bezug auf
die PEFC-Standardrevision sind dem Dokument PEFC D 2004: 2013 „Verfahren der Standardrevision“ zu entnehmen, das überarbeitet und am 26.11.2013 vom Deutschen ForstZertifizierungsrat verabschiedet wurde.
PEFC | Jahresbericht 2013
FORSTMINISTER PRIVAT
Waldbesitzer Helmut Brunner setzt in seinem Wald
ein Zeichen für Nachhaltigkeit
Der Wald von Land- und Forstwirt Helmut Brunner aus Zachenberg
im Bayerischen Wald, seines Zeichens im Jahr 2013 wiedergewählter Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten, ist nach den Richtlinien von PEFC zertifiziert. Als Mitglied
der Waldbesitzervereinigung Viechtach hat sich Helmut Brunner
bereits im Jahr 2005 freiwillig für dieses Zertifizierungssystem entschieden.
dem Hintergrund des Klimaschutzes und der Energiewende einen
unverzichtbaren Bestandteil einer nachhaltigen Landeskultur bilden. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit gibt es bei der Waldbewirtschaftung seit über 300 Jahren, und es ist eng mit dem Denken
für nachfolgende Generationen verbunden“, so Helmut Brunner.
„Waldbesitzer wissen genau: Wir ernten heute, was unsere Vorfahren gepflanzt haben, und begrünen und pflegen die Wälder für unsere Kinder und Enkel.“
Dies verkündet nun auch ein Hinweisschild, das Waldeigentümer
Brunner im Beisein von PEFC Deutschland sowie der Waldbesitzervereinigung Viechtach, der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern, des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Regen und der unabhängigen Holz- und Waldzertifizierungsgesellschaft HW-Zert in seinem Waldgrundstück befestigt hat.
Bayerische Heimat ohne waldreiche Landschaften und ohne Holz
wäre nicht denkbar, sind sich Brunner und die anwesenden Vertreter der Forstwirtschaft einig. „Die Bewirtschaftung des Waldes
schafft Einkommen und Arbeitsplätze und sichert damit Existenzen.
Bewirtschaftete Wälder und Holznutzung entfalten auf der gleichen
Fläche ökologische, wirtschaftliche und soziale Leistungen, die vor
Georg Huber (l.) assistiert
Staatsminister Helmut Brunner (m.)
im Beisein von Bernhard Bielmeier (r.).
9
1_WALD
,,
IM GESPRÄCH MIT BERNHARD BIELMEIER
Bernhard Bielmeier ist Geschäftsführer der
Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern (FVN)
>> In Sachen PEFC haben Sie dieses Jahr mit Ihrer „Waldoffensive
300“ für Furore gesorgt. Was war da los?
PEFC hat uns in diesem Jahr, da die deutsche Forstwirtschaft 300
Jahre Nachhaltigkeit feiert, 300 PEFC-Schilder zur Verfügung gestellt, die sichtbar an gut besuchten und repräsentativen Waldorten auf die Leistungen bewirtschafteter Wälder hinweisen sollen.
Die FVN und ihre Mitglieder wollen so sichtbar Zeichen setzen für
bewirtschaftete Wälder, das gelebte Nachhaltigkeitsprinzip und für
das gemeinsame, unabhängige und vertrauenswürdige Nachhaltigkeitszeichen PEFC. Die sichtbaren Auszeichnungen sollen aber
auch nach innen auf die Waldbesitzer wirken. Denn nur kontinuierlich bewirtschaftete Wälder, die beständig gepflegt und beizeiten
verjüngt werden, erhalten ihren Wert für Umwelt und Gesellschaft
und auch den Eigentümer.
Die Presseresonanz der Aktion war übrigens sehr erfreulich. Alle
Zeitungen Niederbayerns berichteten mindestens einmal über die
Aktion, und auch in Fachzeitschriften erfolgte eine ausführliche Berichterstattung.
>> Auch das Zertifizierungssystem für Forstunternehmer mit dem Namen „Kompetente Forstpartner (KFP)“ ist Ihr Baby. Was waren Ihre
Motive, Ihr Portfolio in diesen Bereich hinein zu erweitern?
Um Waldbesitzern bestimmte Serviceleistungen anbieten zu können, die über die Aufgaben der FV Niederbayern e. V. hinausgehen,
wurde im Jahr 2012 die Service GmbH der FVN gegründet. Ein Aufgabengebiet ist die Vermittlung von qualifizierten Forstunternehmen
für die Waldarbeit. Denn wer kann besser beurteilen, wie gute Arbeit
aussehen soll und welche Anforderungen wichtig sind, als wir Waldbesitzer als Auftraggeber?
Hinter den PEFC-Standards stehen wir als Waldbesitzer zu 100 %,
weil sie die Grundlagen einer nachhaltigen Bewirtschaftung sind
und diese vernünftig und praxisgerecht umsetzen. Sie sind aber
auch ein Maßstab für qualitativ hochwertige Forstdienstleistungen.
Für die Arbeit in PEFC-zertifizierten Wäldern benötigen Forstunternehmer eine Dienstleistungszertifizierung. Mit dem System KFP
(Kompetente Forstpartner) hat die FVN Service GmbH als Standardsetzer ein solches Zertifizierungssystem etabliert. Bei der Entwicklung des KFP-Systems haben wir daher besonders darauf geachtet,
die Vorgaben von PEFC mit den Bedürfnissen der Forstunternehmer
und der Waldbesitzer zu einem modernen und praxisnahen Zertifizierungssystem zu verbinden.
,,
>> Herzlichen Glückwunsch zum 40-jährigen Bestehen der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern. Stellen Sie uns bitte kurz Ihren Zusammenschluss vor.
Die Forstwirtschaftliche Vereinigung Niederbayern (FVN) ist die
Dachorganisation aller niederbayerischen Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen sowie einiger Forstzusammenschlüsse aus anderen Regierungsbezirken.
Neben der Holzvermarktung bietet sie noch viele weitere Dienstleistungen rund um den Wald an und setzt sich für die Belange der
Waldbesitzer ein. In den insgesamt 23 Mitgliedsorganisationen sind
über 35.000 Waldbesitzer organisiert, die zusammen eine Waldfläche von mehr als 236.000 Hektar bewirtschaften.
War die FVN noch vor wenigen Jahren praktisch nur für die Verhandlung des Papierholzpreises in Niederbayern zuständig, hat sie
sich insbesondere in den letzten 10 Jahren zu einem kompetenten
Dienstleister für die Holzvermarktung aus dem niederbayerischen
Privatwald entwickelt. In Zeiten einer immer stärkeren Konzentration auf der Abnehmerseite, ist eine überregionale Bündelung
der Hölzer auf der Anbieterseite unerlässlich. Ausgehend von den
nunmehr erreichten Vermarktungszahlen der niederbayerischen
Zusammenschlüsse kann von einem stabilen Umsatzvolumen zwischen 45 und 55 Millionen € pro Jahr ausgegangen werden, das
von der privaten Forstwirtschaft im und vor allem für den ländlichen
Raum erwirtschaftet wird.
PEFC | Jahresbericht 2013
DAS PEFC-WALDSCHILD
Landauf, landab entdeckt man es in unseren Wäldern. Es ist aus Aluminium, ca. 30 x 40 cm groß und enthält eine klare Botschaft: das
PEFC-Waldschild. Denn wo das Waldschild mit dem Schwarzspecht hängt, wird der Waldbesucher mit der Botschaft „Dieser Wald ist anders” auf die naturnahe Bewirtschaftung des jeweiligen Waldes hingewiesen.
Das PEFC-Waldschild wird dem zertifizierten Waldbesitzer in dieser Form seit 2009 kostenlos angeboten und ist somit ein fester Bestandteil
der PEFC-Kommunikation. Aus diesem Grund haben wir eine Bilanz gezogen und geschaut, wie viele Waldschilder in den letzten Jahren
produziert worden sind und wo die Schilder angebracht sind. Wie die folgende Grafik eindrucksvoll zeigt, weisen deutschlandweit ca. 9.000
Waldschilder auf einen nachhaltig bewirtschafteten PEFC-zertifizierten Wald hin. Soll Ihr Wald zukünftig auch dazugehören? Wenden Sie
sich bitte unter [email protected] an die Geschäftsstelle.
59
62
MecklenburgVorpommern
Schleswig-Holstein und
Hansestadt Hamburg
Niedersachsen
Brandenburg
899
893
62
830
Sachsen-Anhalt
NordrheinWestfalen
10
Thüringen
RheinlandPfalz
Sachsen
1.262
1.058
485
Gesamt:
8.995
Hessen
22
Saarland
BadenWürttemberg
1.891
1.459
Bayern
11
1_WALD
AUS DEN ZERTIFIZIERTEN BETRIEBEN:
FBG HAßBERGE
Bericht FBG Haßberge w. V. zur Kampagne ”Dieser Wald ist anders“
Geschäftsführerin Birgitt Ulrich (m.)
präsentiert in Beisein von Revierleiter
Bernhard Streck (l.) und Hofheims
1. Bürgermeister Wolfgang Borst (r.)
stolz das PEFC-Schild.
Die FBG Haßberge w. V. ist ein Zusammenschluss von privaten und kommunalen
Waldbesitzern im Landkreis Haßberge. Sie
schloss sich im Jahre 2006 aus den Forstbetriebsgemeinschaften Eltmann und Haßberge zusammen, um den Waldbesitzern
auch in Zukunft ein kompetenter Partner
sein zu können. Heute ist sie mit 21.000 ha
und rund 900 Mitgliedern die größte Forstbetriebsgemeinschaft in Unterfranken. Vermarktet werden jährlich bis zu 40.000 fm
Holz. Die FBG Haßberge setzt seit Beginn
ihrer Entstehung auf nachhaltige Waldwirtschaft, die ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogen ist. Deshalb steht sie seit
dem Jahr 2000 voll zur PEFC-Zertifizierung,
und hat erreicht, dass mittlerweile alle Mitgliedsflächen zertifiziert sind. Die Besonderheit der FBG Haßberge liegt in ihrer
Mitgliederstruktur, welche mit einem Drittel
Kommunalwald, einem Drittel Großprivatwald und einem Drittel Kleinprivatwald in
dieser Konstellation einzigartig in Unterfranken ist. Die vielseitigen Aufgaben, wie Beratung, Waldpflege und Bewirtschaftung, aber
auch die Holzvermarktung, werden von der
Geschäftsführerin Birgitt Ulrich und Forstassessor Christian Mehlhorn durchgeführt.
„Hauptanliegen der FBG ist es, die Waldbesitzer bei der nachhaltigen Pflege und
Bewirtschaftung ihrer Wälder und der InWert-Setzung des Holzes bestmöglich zu unterstützen“, erklärt Geschäftsführerin Ulrich.
Im Jahr 2013, dem Jahr der Nachhaltigkeit,
hat sich die FBG Haßberge das Ziel gesetzt,
den Waldbesitzern und der breiten Öffentlichkeit die PEFC-Zertifizierung als Nachweis der nachhaltigen Waldbewirtschaftung
näherzubringen.
Aus diesem Grund stattete die FBG medienwirksam ihre zertifizierten Mitglieder mit
PEFC-Schildern aus, welche an stark frequentierten Waldorten platziert wurden. Gestartet wurde die Aktion im Herbst 2013 mit
dem im FBG-Gebiet großflächig vertretenen
Kommunalwald.
Bewusst wurde die Aktion im Stadtwald Hofheim begonnen, da der Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst auch Erster Vorsitzender der FBG Haßberge w. V. ist.
„Der Stadtwald Hofheim mit seinen rund
760 ha, der in den Haßbergen sowie den
Ausläufern der Fränkischen Platte liegt, ist
mir als Vertreter unserer Bürger sehr wichtig. Uns als Stadtverwaltung war es schon
vor der PEFC-Zertifizierung ein wichtiges
Anliegen, unseren Stadtwald nachhaltig zu
bewirtschaften. In den letzten Jahren wurde die Pflege des Stadtwaldes Hofheim verstärkt auf den Waldumbau im Hinblick auf
den Klimawandel ausgerichtet, damit die
Bürger, die letztendlich Besitzer des Waldes
sind, auch in Zukunft ihren Nutzen aus dem
Wald ziehen können. Aus diesen Gründen
haben wir bewusst auf eine Bewirtschaftung nach PEFC-Kriterien Wert gelegt, da
dadurch die ökologische und ökonomische
Nachhaltigkeit gesichert ist und gleichzeitig
die sozialen Herausforderungen im Wald
berücksichtigt werden“, berichtet der Bürgermeister.
PEFC | Jahresbericht 2013
PEFC AUF EXKURSION NACH SCHWEDEN
PEFC Deutschland besucht mit Studenten die ELMIA WOOD
„Auf nach Jönköping“, hieß es für uns und etwa 30 weitere Studenten der Forstwirtschaft der Hochschule für nachhaltige Entwicklung
Eberswalde (HNEE). Mit der Unterstützung von PEFC Deutschland
war ein Besuch auf der Elmia Wood, der größten Forstmesse der
Welt, möglich gemacht worden. Unter der Leitung von Herrn Prof.
Dr. Dr. h.c. Michael Mussong wurde bereits der Anreisetag genutzt,
um den Teilnehmern einen PEFC-zertifizierten Privatwald, welcher
Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft SÖDRA ist, vorzustellen. Dafür ging es mit der Eigentümerfamilie und den Beratern auf eine
Wanderung durch die schönen Wälder Mittelschwedens. Waldbauliche Maßnahmen sowie Zertifizierungsvorgaben wurden genauestens erläutert, sowohl von den schwedischen Gastgebern als auch
von Dirk Teegelbekkers von PEFC Deutschland.
Highlight der Reise war unbestritten der Besuch der Elmia Wood.
Bei bestem Wetter konnten sich die Studenten über neueste Entwicklungen in allen Bereichen des Forstwesens informieren. Neben Großtechnik (und damit sind die wirklich großen Maschinen
gemeint) gab es auch interessante Neuheiten beim Waldschutz oder
der Waldpflege.
Am Rückreisetag wurde noch der Nationalpark Store Mosse besichtigt, bevor es zurück nach Deutschland ging.
Wir möchten uns herzlich im Namen aller Studenten bei PEFC
Deutschland für diese großartige Exkursion nach Schweden bedanken.
Kathrin Müller-Rees und Sebastian Loose
(Frau Müller-Rees war von November bis Januar Praktikantin im Sekretariat von PEFC International in Genf; Herr Loose absolvierte von
Januar bis Februar ein zweimonatiges Praktikum in der Geschäftsstelle von PEFC Deutschland e. V.)
Kathrin Müller-Rees
und Sebastian Loose
13
2_PRODUKTKETTE
2_PRODUKTKETTE
DIE PEFC-PRODUKTKETTENZERTIFIZIERUNG
Konstante Nachfrage nach CoC-Zertifikaten
Mit der „PEFC-Produktkettenzertifizierung“ können die Betriebe der
Wertschöpfungskette Holz und Papier belegen, dass der verwendete
Rohstoff Holz, aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Weiter
wird sichergestellt, dass kein Holz aus illegalem Holzeinschlag oder
Raubbau den Weg in die Produktkette findet. Dies alles kontrollieren
unabhängige Zertifizierungsstellen jedes Jahr. Das ist die Grundlage
für einen glaubwürdigen und nachvollziehbaren Herkunftsnachweis.
Auch im Jahr 2013 konnte PEFC-Deutschland erneut eine Steigerung der CoC-Zertifikate verbuchen. Zum Jahresende 2013 sind in
Deutschland 1.962 Betriebe (1.508 Einzelzertifikate, 385 in 69 MultiSite-Zertifizierungen) PEFC-zertifiziert. Dass der Anstieg nicht noch
BRANCHE
deutlicher ausgefallen ist, ist einerseits auf technische Umstellungen
in der Zertifikatswahl zurückzuführen, weil Betriebe mit mehreren
Standorten zum größten Teil nun zentral als eine Organisationseinheit
erfasst werden, und andererseits auf einen Rückgang von zertifizierten Betrieben im Bereich der Holzeinschlagsunternehmen.
Alles in allem wird jedoch sehr deutlich, dass eine erhöhte Nachfrage
nach PEFC-zertifizierten Produkten zu einer weiteren Nachfrage nach
CoC-Zertifikaten führt. Besonders interessant ist, dass neben den bereits etablierten Branchen wie dem Holzhandel, den Druckbetrieben
und der Sägeindustrie die größten Zuwächse im Bereich der Möbelindustrie und des Holzbaus lagen. Hier kam es zu einer Steigerung der
Anzahl der Zertifikate um 27 % bzw. 24 %.
CoC-ZERTIFIKATE
STAND 31.12.2012
CoC-ZERTIFIKATE
STAND 31.12.2013
VERÄNDERUNG
IN %
HOLZHANDEL
664
598
- 11,0 %
SÄGEINDUSTRIE
300
303
+ 1,0 %
87
94
+ 7,4 %
PAPIER- UND ZELLSTOFFINDUSTRIE
152
157
+ 3,2 %
DRUCKEREIEN UND VERLAGE
515
520
+ 1,0 %
FURNIERINDUSTRIE
19
23
+ 17,4 %
MÖBELINDUSTRIE
47
62
+ 24,2 %
HOLZBAU
32
44
+ 27,3 %
INNENAUSBAU
58
66
+ 12,1 %
ENERGIE / PELLETS
23
28
+ 17,9 %
SONSTIGE VERWENDUNGEN
56
67
+ 16,4 %
1953
1962
+ 0,5 %
HOLZWERKSTOFFINDUSTRIE
GESAMT
2000
1953
1776
1800
1600
1537
1400
ANZAHL DER CoC-ZERTIFIKATE
1962
1305
1200
1029
1000
800
778
637
600
525
400
374
200
0
683
172
19
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
PEFC | Jahresbericht 2013
17
2_PRODUKTKETTE
EINE OFFENE TÜR FÜR
NACHHALTIGE WALDBEWIRTSCHAFTUNG
Die Prüm-Garant-Gruppe erhält ihr PEFC-Zertifikat
Im Rahmen der BAU-Messe in München erhielten im Januar die
Prüm-Türenwerk GmbH und die Garant Türen und Zargen GmbH
ihre PEFC-CoC-Zertifikate aus den Händen von Jobst Düstersiek von
der unabhängigen Zertifizierungsstelle LGA InterCert. Die Prüm-Garant-Gruppe gehört mit ihrem breiten Portfolio an Echtholztüren zu
den führenden Türenherstellern. Der Geschäftsführer Stefan Burlage
unterstrich bei der Zertifikatsübergabe, an der auch PEFC-Geschäftsführer Dirk Teegelbekkers teilnahm, die Bedeutung der Zertifizierung für die Unternehmensgruppe: „Uns ist es wichtig, unseren
Händlern und Kunden glaubhaft versichern zu können, dass unsere
verwendeten Hölzer nicht zulasten des Waldes gefällt wurden. Das
Thema Nachhaltigkeit hat für unsere Unternehmen eine große Bedeutung und zieht sich durch sämtliche Bereiche – bis zur eigenen
Ausbildung in unseren Lehrwerkstätten.“ Lutz Brauneck, Leitung
Zentralentwicklung der Prüm-Garant-Gruppe, ergänzte: „Unseren
Kunden dokumentiert das Siegel auf den ersten Blick, dass sie guten Gewissens ein Holzprodukt aus ökologisch, ökonomisch und
sozial verantwortungsvoller Herstellung kaufen.“
PEFC-Zertifikatsübergabe im
Rahmen der BAU in
München:
Rolf Baetz, Berater;
Stefan Burlage,
Geschäftsführer
Prüm-Garant;
Dirk Teegelbekkers,
Geschäftsführer
PEFC Deutschland;
Jobst Düstersiek,
LGA InterCert GmbH
(v. l. n. r.).
NACHHALTIGE BINDUNG
ZUM WERKSTOFF HOLZ
KRUG Holzsystembinder erhält PEFC-Zertifikat
Die KRUG Holzsystembinder GmbH ist ein mittelständisches Familienunternehmen, das im Holzbau tätig ist. Zum Baustoff Holz hat die Firma dabei ein ganz besonderes Verhältnis, wie das Firmenporträt zeigt.
In den vergangenen 64 Jahren hat sich die Produktpalette erheblich
erweitert. Neben der Produktion, welche von Anfang an bestand, gehören heutzutage alle Fertigungsstufen – von der Idee bis zur Montage
– zum Portfolio. Schon vor der Zertifizierung war PEFC eine Herzensangelegenheit für Marketingleiterin Elke Krug-Hartmann. In Broschüren
hatte das Unternehmen bereits über PEFC und die Wichtigkeit einer
nachhaltigen Waldbewirtschaftung informiert. Bis zur eigenen Zertifizierung war es da gedanklich nur noch ein kleiner Schritt. Die Zertifikatsübergabe erfolgte im Rahmen einer von der Agentur KOLLAXO
veranstalteten Pressereise der Gütegemeinschaft Nagelplattenprodukte e. V.. Zahlreiche Fachjournalisten waren anwesend, als PEFC
Geschäftsführer Dirk Teegelbekkers umfassende Informationen zu PEFC
lieferte und das Zertifizierungssystem an Bord des Reisebusses präsentierte. Als letzter Exkursionspunkt stand die Übergabe des PEFC-Zertifikats an. Aus den Händen von Horst Gleißner von der Zertifizierungsstelle
HW-Zert erhielten die Inhaber, Elke Krug-Hartmann und Udo Hartmann, das immer begehrtere PEFC-CoC-Zertifikat. KRUG verarbeitet
für seine Nagelplattenbinder zu 100 % PEFC-zertifiziertes Holz. Das
darf die Firma nun auch offiziell publik machen und auf Nachahmer
hoffen.
PEFC | Jahresbericht 2013
IM GESPRÄCH
MIT HUBERTUS SICK
>> Bitte beschreiben Sie das Unternehmen
ALNO und seine Leistungen kurz.
Die ALNO AG zählt zu den führenden Küchenherstellern Deutschlands. An vier nationalen Produktionsstandorten bedient der
Konzern den deutschen wie internationalen
Markt mit einem Küchenvollsortiment. Zur
ALNO AG gehören neben der Kernmarke
ALNO auch Wellmann (klassisch-modern),
Impuls (minimalistisch) und Pino (Einstiegspreis-Segment). Der ALNO Konzern ist mit
zirka 6.000 Vertriebspartnern in mehr als
64 Ländern der Welt aktiv. Im Geschäftsjahr
2012 erwirtschafteten rund 1.800 Mitarbeiter einen Umsatz von 446 Millionen Euro.
Der Auslandsanteil am Umsatz betrug rund
29 Prozent.
>> Welche Notwendigkeit/Chancen sehen
Sie darin, Ihre erfolgreiche und bekannte
Marke mit dem Thema Nachhaltigkeit „aufzuladen“?
Beim Thema Nachhaltigkeit geht es aus
unserer Sicht nicht um Marketing. Es geht
darum, sorgsam mit der Umwelt und ihren
Ressourcen umzugehen. Schließlich sollen
ja auch nachfolgende Generationen in einer
gesunden Umgebung leben und arbeiten
können. Dass Nachhaltigkeit derzeit „in“ ist,
schadet aber natürlich auch nicht.
>> Was waren die Beweggründe, sich nach
den Kriterien von PEFC zertifizieren zu lassen?
PEFC bietet für uns das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Versorgungsstabilität
ist gewährleistet und das System ist in unserer Branche bekannt und etabliert. Zudem wird es auch von unseren Lieferanten
verwendet. Die gute Zusammenarbeit hat
uns in unserer Entscheidung bestätigt.
>> Was versprechen Sie sich von Ihrem
PEFC-Zertifikat?
Vor allem auf dem internationalen Markt ist
es für uns wichtig nachzuweisen, dass das
von uns verwendete Holz aus nachhaltigen
und gesicherten Quellen stammt. Insofern
wird sich das Zertifikat auch verkaufsfördernd auswirken.
>> Wie planen Sie Ihre PEFC-Zertifizierung
zu kommunizieren?
In unseren Verkaufsunterlagen und Prospekten stellen wir die PEFC-Zertifizierung
im Rahmen des ALNO-Umweltmanagementsystems für unsere Kunden dar. Auch
auf unserer Homepage werden wir für das
Thema Nachhaltigkeit werben.
>> Wie schätzen Sie die derzeitige Marktlage und die Entwicklung der Nachfrage nach
zertifiziertem Holz in Ihrer Branche ein?
Der Möbelmarkt ist derzeit kein Wachstumsmarkt. Gleichzeitig aber wird immer häufiger in Immobilien als sichere Geldanlage
investiert. Insofern wird der Markt künftig
mindestens auf einem stabilen Niveau bleiben. Genau lässt sich das im Moment aber
nicht abschätzen. Die Nachfrage nach zertifiziertem Holz wird aber zunehmen, denn
die Kunden unserer Branche verlangen
ebenso wie deren Kunden einen Nachweis
dafür, woher die verwendeten Materialien
kommen.
,,
,,
Hubertus Sick ist Leiter Qualitätsmanagement
des Küchenherstellers ALNO AG
19
3_ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
3_ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT 2013
Überblick über das Geschehene
Die Einteilung der Zielgruppen in gewerbliche (B2B) und Endverbraucher (B2C) seit dem Jahr 2011 hat sich als sinnvoll herausgestellt und dazu beigetragen, dass in der Öffentlichkeitsarbeit in
dieser Zeit erfolgreiche Entwicklungen gemessen werden konnten:
Die Bekanntheit des PEFC-Logos bei den Endverbrauchern ist kontinuierlich gestiegen, die Berichterstattung über PEFC entwickelte
sich quantitativ und qualitativ sehr erfreulich, und auch im Bereich
der neuen Medien ist PEFC zumindest dem Mitbewerber eine Nasenlänge voraus. Besonders im Fokus der Öffentlichkeitsarbeit von
PEFC Deutschland standen dieses Mal die Zielgruppen Do it yourself (DIY; Heimwerker), Werbeagenturen, Architekten, Möbelhandel
und Verpackungsindustrie.
Die Pressearbeit
PEFC setzte auch 2013 seine Kooperation mit der Fachzeitschrift
proWald fort und präsentierte in jeder Ausgabe auf einer Doppelseite aktuelle Themen. Auch das bewährte Instrument der Redaktionsreisen wurde fortgeführt, und einige interessante Projekte mit neuen Partnern wurden realisiert (s. unten). Insbesondere
der PEFC-Print-Einkaufsratgeber „Schlauer Einkaufen“ (s. Artikel
S. 25) ist hier zu nennen. Seit Jahresbeginn kooperiert PEFC mit
dem CPZ-Verlag und präsentiert in regelmäßigen Abständen in dessen Publikationen Profi-Tipps für Heimwerker, um die Zielgruppe
auf PEFC aufmerksam zu machen. Die Geschäftsstelle veröffentlichte im Jahr 2013 17 Pressemitteilungen. Auch die bewährte Zusammenarbeit mit der PR-Agentur KOLLAXO brachte erneut zahlreiche weitverbreitete Presseveröffentlichungen hervor. Besonders
erfolgreich waren hierbei: „Das richtige Holz für den Heimwerker“
(Reichweite: 2.999.681 Rezipienten) und die noch aktuelle Mitteilung „Reinigungstipps für Holz“ (Reichweite Stand Dezember 2013:
1.007.903 Empfänger). In einer weitgestreuten Pressemitteilung trat
PEFC im Dezember zudem den nicht haltbaren Aussagen von WWFWaldreferent Johannes Zahnen entschlossen entgegen und forderte
„alle am Wald interessierten Akteure dazu auf, sich wieder auf das
Wesentliche zu konzentrieren“. Die Analyse der Medienresonanz
hatte für die letzten Jahre eine überaus positive Entwicklung der
Pressearbeit gezeigt, und wir sind sehr zuversichtlich, dass dieser
Trend nach Auswertung der Daten für 2013 bestätigt werden kann.
Unerfreulich war der häufige Abdruck einer Pressemitteilung zur Eröffnung des Thünen-Instituts in Hamburg, welche am Rand ein Interview
mit Robin-Wood-Fachreferent Rudolf Fenner enthielt, in dem dieser
abwertende Aussagen zu PEFC tätigte. Die positiven Ergebnisse der
2012 zum ersten Mal durchgeführten Waldoffensive, in der zu auditierende Forstbetriebe von der Geschäftsstelle bei der Medienarbeit unterstützt werden, konnten 2013 nicht in dieser Höhe erreicht werden.
Für das Jahr 2014 müssen Geschäftsstelle und Auditoren bei diesem
Thema wieder mehr an einem Strang ziehen, um die Waldaudits wieder
stärker in die regionale Berichterstattung bringen zu können.
Onlineaktivitäten und weitere Projekte
Im Onlinebereich wurde das Bildangebot auf FLICKR auf den neuesten Stand gebracht. Besonders Journalisten können hier geeignete Motive für ihre Arbeit finden. Die PEFC-Präsenz auf Facebook
wurde dahingehend optimiert, dass sämtliche Waldbesitzer und
CoC-Betriebe aus unserer Datenbank nach Facebook-Accounts abgeklopft wurden. So konnte eine breitere thematische Verknüpfung
erreicht werden. Ein weiteres Novum stellte die Liveberichterstattung von der PEFC Forest Certification Week und der General Assembly in Kuala Lumpur dar, die mit der freundlichen Unterstützung der
Spezialisten von KaiserCommunication aus Berlin durchgeführt wurde.
PEFC hatte sich zum Ziel gesetzt, Werbeagenturen als eine sog.
Gatekeeper-Zielgruppe für den Bereich Druckpapier und Verpackung per Informationsmailing anzusprechen. Das Projekt wurde in
Kooperation mit einem Papiergroßhändler konzeptioniert. Aufgrund
der hohen Ansprüche der Zielgruppe in puncto Optik und Haptik
eines solchen Mailings beschlossen die Verantwortlichen schlussendlich, das Projekt 2014 mit einem größeren Budget umzusetzen.
Realisiert werden konnte stattdessen jedoch ein Informationsmailing an kirchliche Beschaffungsstellen und Medien. Zum ersten Mal
wurde diese Zielgruppe, für die der Wert Verantwortung eine besonders große Rolle spielt, gezielt angesprochen und über PEFC
informiert. Wir erhoffen uns von diesem Schritt gerade im Hinblick
auf Kooperationen mit kircheneigenen und -nahen Medien eine
vielversprechende Zukunft.
PEFC | Jahresbericht 2013
DRINGEND BENÖTIGT
Neue Bilder für die Öffentlichkeitsarbeit
Bilder sind ein unverzichtbarer Bestandteil
der Öffentlichkeitsarbeit. Auch für die Veröffentlichungen von PEFC, ob Pressemitteilungen, Newsletter oder Onlineartikel,
werden so einige Bilder benötigt. In den
vergangenen Jahren haben wir den vorhandenen Bildfundus stark beansprucht, und
es wurde Zeit, neue Bilder produzieren zu
lassen, die unseren Ansprüchen genügen
und an denen wir alle benötigten Bildrechte
besitzen. Aus diesem Grund ging es im Mai
für Waldbilder in den Schurwald nach Göppingen und anschließend in das BAUHAUS
Fachcentrum Untertürkheim, um dort „Live-
bilder“ aus einem Baumarkt zu schießen.
Im August erfolgte eine zweite Runde in der
Rossmannfiliale in der Stuttgarter Kronenstraße, um Bilder von Supermarktprodukten
in deren Alltagsumgebung zu bekommen.
Mehr zum Ergebnis sowie ein Interview mit
der Fotografin Ute Kaiser finden Sie auf der
Doppelseite 26/27.
Wir bedanken uns herzlichst bei Förster
Markus Mönich, der BAHAG Baus Handelsgesellschaft AG, der Dirk Rossmann GmbH
und den Mitarbeitern der Filialen vor Ort für
ihre tolle Unterstützung!
IM NAMEN DES WALDES
PEFC besucht Verlage und Redaktionen
in Deutschland
Wie in den vergangenen Jahren organisierte die PR-Agentur KOLLAXO auch 2013 wieder
Besuche bei Verlagen und Redaktionen im ganzen Bundesgebiet. Dieses Jahr standen
sechs Redaktionen in vier Städten auf dem Programm. Der gegenseitige Austausch erwies
sich dabei durchaus als fruchtbar, so sind auf die Redaktionsbesuche u. a. die Beilage des
PEFC-Print-Einkaufsratgebers in „natur“, Ein Gewinnspiel in „ratgeber bauen“, ein Beitrag
in „Landleben“ und ein 2014 erscheinender Artikel in Landfrau zurückgegangen. Genauso
wichtig wie die realisierten Projekte und die daraus resultierende mediale Berichterstattung
sind auch die persönlichen Kontakte und die Beziehungspflege mit Redakteuren und Verlagsmitarbeitern. Das Instrument der Redaktionsreise hat sich in der Vergangenheit bewährt
und wird in Zukunft sicher noch viele interessante Projekte initiieren.
1. NÜRNBERG Ritthammer Verlag (12.03.2013) 2. ETTLINGEN Dähne Verlag (18.06.2013)
3. KÖLN BHB - Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten; Maenken Kommunikation
(09.07.2013) 4. MÜNCHEN ipm Verlag; natur (konradin Verlag) (11.07.2013)
3.
1.
2.
4.
Langer Atem ist nötig
Um die Endverbraucherkommunikation von
PEFC auf ein neues Niveau heben zu können, wurde auf der letzten Sitzung des
Deutschen Forst-Zertifizierungsrates im Dezember in Köln beschlossen, hierfür mehr finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Die
Finanzierung sollte jedoch über ein „Sponsoringkonzept“ realisiert werden, welches
die Werbeagentur „die INSEL“ als Projekt
„Waldpatenschaft“ ausarbeitete. Befürworter im DFZR erklärten sich bereit, ihre
persönlichen Kontakte in die Wirtschaft zur
Verfügung zu stellen.
Neben dem Einwerben von zusätzlichen
Geldmitteln stand auch eine Steigerung der
Bekanntheit von PEFC durch die Ansprache
von neuen Zielgruppen im Lastenheft.
Zusätzlich zu den etablierten Partnern von
PEFC sollten verstärkt Unternehmen angesprochen werden, die mit PEFC bisher noch
keine Berührungspunkte hatten, wie Banken
und regional verankerte Unternehmen
(zum Beispiel Brauereien). Die Ansprache der Zielgruppen sollte zum einen
durch PEFC-Stakeholder und ihr persönliches Netzwerk und zum anderen durch
ein Mailing an rund 2.000 Betriebe erfolgen.
Die ehrgeizigen Ziele konnten nicht erreicht
werden. Bis auf ein Unternehmen, welches
die Geschäftsstelle akquirierte, konnten keine Waldpaten gefunden werden.
Das häufigste Feedback lautete, dass es der
Kampagne an einem regionalen Anstrich
gefehlt habe. Da sämtliche Unterlagen
bereits produziert sind und vorliegen, kann
die Kampagne in den folgenden Jahren bei
Bedarf kostenneutral fortgeführt werden
und steter Tropfen höhlt ja bekannterweise
den Stein.
23
3_ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
IN DER WIEGE DER NACHHALTIGKEIT
Die sächsische Universitätsstadt Freiberg ist die PEFC-Waldhauptstadt 2013
Freiberg hat die Wahl zur Waldhauptstadt 2013 gewonnen. Anders
als in den vergangenen Jahren sollte in Freiberg ein neues Konzept
für die PEFC-Aktionstage, die immer in der aktuellen Waldhauptstadt stattfinden, umgesetzt werden. Statt wie bisher einen zentralen Stand in der Stadt aufzubauen, organisierte die Geschäftsstelle
eine Aktionswoche mit dezentralen Programmpunkten. Ziel war es,
den Aufwand zu reduzieren und gleichzeitig die Teilnehmerzahlen
zu steigern.
Den Startschuss für die Aktionstage, die vom 27.6. bis 6.7.2013
stattfanden, setzte das Gewinnspiel „Bäume bestimmen“, bei dem
die Mitspieler in 14 teilnehmenden Ladengeschäften ausgestellte Forstpflanzen korrekt bestimmen mussten. Am Dienstag, den
2.7.2013, zeigte der mehrfach ausgezeichnete Naturfotograf Klaus
Echle in seinem Vortrag „Wildnis vor der Haustür“ einem interessierten Publikum seine beeindruckenden Tiermotive. Der Mittwoch
begann mit einer Sitzung des Deutschen Forstzertifizierungsrates
(DFZR) und einem parallel dazu stattfindenden Workshop mit dem
Titel „Ausgewählte Aspekte forstlicher Kommunikation“, bei dem
praxiserprobte Referenten zu wichtigen Themen der Öffentlichkeitsarbeit im Forstsektor sprachen. Vor der folgenden Mitgliederversammlung (s. Artikel auf Seite 36) wurden die beiden Gewinnerklassen des Schülerkreativwettbewerbs „Dein Bild von Deiner Stadt:
Freiberg ist Waldhauptstadt“ durch Freibergs Oberbürgermeister
Bernd-Erwin Schramm ausgezeichnet.
Am Abend desselben Tages folgte ein Vortragsabend mit renommierten
Hochschullehrern von der Forstfakultät im benachbarten Tharandt.
Die Gewinner des Malwettbewerbs (v.)
zusammen mit dem PEFC-Vorsitzenden
Frank v. Römer (h. l.), Oberbürgermeister
Bernd-Erwin Schramm (h. m.) und
PEFC-Geschäftsführer Dirk Teegelbekkers
(h. r.).
PEFC | Jahresbericht 2013
Waldexkursion mit
Bürgerinitiative
Nach Bekanntgabe der Urkundenübergabe
an die PEFC-Waldhauptstadt 2013 nahm die
Freiberger Bürgerinitiative Pro Wald, welche gegen eine geplante Umgehungsstraße
protestiert, Kontakt mit der Geschäftsstelle
auf. Der Bau der Straße berühre auch Teile des Freiberger Stadtwaldes, weshalb die
Initiative die Auszeichnung Freibergs kritisch
betrachtete. Am Donnerstag, den 4.7.2013,
fand deshalb ein gemeinsamer Waldspaziergang mit Vertretern von PEFC Deutschland
und Pro Wald statt. Zum Abschluss begrüßte
der stellvertretende PEFC-Vorsitzende Prof.
Dr. Hans Köpp ausdrücklich, dass sich Freiberger Bürger für die Belange ihres Waldes
einsetzen. Er wies aber auch darauf hin, dass
der Sachverhalt außerhalb des Geltungsbereiches der PEFC-Standards liege und PEFC
keine Position in Bezug auf die geplante
Ortsumgehung einnehmen könne und werde.
NEUER EINKAUFSRATGEBER
Neue Broschüre gibt Tipps für den
nachhaltigen Einkauf von Holz- und
Papierprodukten
Viele Anfragen in der Geschäftsstelle von PEFC Deutschland beschäftigen sich damit, welche Holz- und Papierprodukte bereits
PEFC-zertifiziert sind und wo diese bezogen werden können. Um
Verbrauchern die Entscheidung beim Einkaufen zu erleichtern, zu
welchen Holz- und Papierprodukten sie bedenkenlos greifen können, erschien Ende 2013 die PEFC-Broschüre „Schlauer Einkaufen“. Neben vielen allgemeinen Informationen zu nachhaltig hergestellten Produkten gibt es persönliche Tipps von sechs Profis aus der
Forst- und Holzbranche, was beim Einsatz von Holz und Holzprodukten zu beachten ist. Dabei werden auch die unterschiedlichen
Einsatzbereiche von Holz- und Papierprodukten, wie etwa Bauen,
Heizen, Büroartikel oder Spielzeug, näher beleuchtet.
Parallel dazu wurde 2013 ein weiterer großer Schritt bei der Entwicklung des PEFC-Online-Einkaufsratgebers getan. Unter https://
pefc.de/einkaufsratgeber können im Frühjahr 2014 ergänzend zur
Einkaufsbroschüre auch konkrete PEFC-zertifizierte Artikel mit Produktnamen und Bezugsquelle recherchiert werden. Der Online-Einkaufsratgeber wird ständig erweitert.
Die Broschüre steht zum Download auf der Homepage von PEFC
Deutschland bereit und kann kostenlos in der PEFC-Geschäftsstelle
bestellt werden.
25
3_ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
IM GESPRÄCH MIT DER LANGJÄHRIGEN
PEFC-FOTOGRAFIN UTE KAISER
>> Was hat Sie dazu bewogen, Fotografin zu werden?
Zu Schulzeiten stand schon immer für mich fest, dass ich was Kreatives machen möchte. Nach dem Abitur bin ich dann als Au-pair
nach London gegangen und habe dort immer mehr fotografiert. Und
nach meiner Rückkehr habe ich mir dann ein Praktikum gesucht
und mich danach entschieden, Fotografin zu werden.
>> Was ist der besondere Reiz am Fotografieren in der Natur?
In der Natur zu fotografieren, bedeutet, sich immer wieder mit anderen Motiven auseinanderzusetzen. Abhängig von der Jahreszeit
und der Tageszeit, sieht es draußen in der Natur immer anders aus.
Dies muss man berücksichtigen, um ein perfektes Bild zu machen.
>> Was für ein Equipment verwenden Sie?
Canon 5D Mark III / Hasselblad H5D 50MP
>> Was muss ein Fotograf bedenken, wenn er Bilder im Wald machen
möchte?
Man sollte immer die Tageszeit berücksichtigen, besonders im Sommer. Wenn die Sonne zu hoch steht, werden die Schatten zu lang
und der Wald ist dunkel. Motive am ganz frühen Morgen oder am
Abend fotografiert, sehen oftmals auch interessanter aus.
>> Welche Tipps können Sie unseren waldaffinen Lesern für das Fotografieren im Wald noch geben?
Man sollte sich jedes Motiv immer in verschiedenen Perspektiven
anschauen und erst dann fotografieren. Ein Bild sieht oft spannender aus, wenn man aus der Froschperspektive fotografiert. Oder
wenn man ein Bild gestaltet nach Vorder-, Mittel- und Hintergrund.
Beherrscht man dazu noch die Blendenreihe, kann das Bild nur
gut werden. Wichtig ist beim Fotografieren, dass man seine Augen
schult für verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten und dies in Kombination mit der richtigen Blende umsetzen kann. Es nützt nichts,
5 Kameras, 15 Objektive und einen super Computer zu haben,
wenn man das Bild nicht richtig ”sieht“. Ein langweiliges Motiv wird
immer langweilig bleiben.
>> Was unterscheidet ein Projekt für und mit PEFC von Ihren anderen
Projekten?
Aufgrund der langen Zusammenarbeit mit PEFC und dem Vertrauen,
das der Kunde mir schenkt, kann ich immer sehr frei in meiner Bildgestaltung arbeiten und dadurch immer das beste Ergebnis erzielen. Auch bin ich oft im Vorfeld schon bei der Motiventwicklung mit
eingebunden und kann dadurch viele Vorschläge mit einbringen.
>> Warum ist es wichtig, die Nachhaltigkeit unserer Wälder durch
ein Zertifikat bestätigen zu lassen?
Durch das Zertifikat und die damit verbundene Präsenz von PEFC,
wird der Verbraucher immer mehr auf die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung hingewiesen. Jeder Einzelne sollte sich für die
Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung einsetzten und sich bevorzugt für den Erwerb eines zertifizierten Produktes entscheiden.
,,
,,
PEFC | Jahresbericht 2013
27
4_INTERNATIONAL
4_INTERNATIONAL
EU-NACHHALTIGKEITSANFORDERUNGEN
FÜR FESTE BIOMASSE
Bund fördert Studie zum Abgleich der Kriterien – PEFC-Standard kann sich sehen lassen
Im Gegensatz zu flüssiger Biomasse muss Holz bislang in der Europäischen Union keinen speziellen Nachhaltigkeitsanforderungen
genügen, um im Sinne des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zur Erzeugung von Strom oder Wärme eingesetzt zu werden. Nichtsdestotrotz wollte PEFC Deutschland e. V. wissen: Genügt das von uns
zertifizierte Holz den europäischen Anforderungen an nachhaltig
erzeugte Biomasse? Die Frage ist berechtigt, denn in Zukunft könnte sich die gesetzliche Vorschrift zur Nachhaltigkeit durchaus auch
auf das Holz ausdehnen. Deswegen ist zu Beginn der dritten Standardrevision ein Abgleich des PEFC-Standards mit den Nachhaltigkeitsverordnungen gemäß der EU-Richtlinie ein wichtiger Schritt
in die Zukunft. Er wurde im Rahmen des vom BMBF geförderten
Projekts „Nachhaltige Energie aus dem Wald“ vollzogen, und das
Ergebnis kann sich sehen lassen:
Die detaillierte Analyse der Standards hat ergeben, dass sich das
deutsche wie auch das internationale PEFC-System sowohl inhaltlich wie auch hinsichtlich des Zertifizierungs- und Anerkennungsverfahrens in hohem Maße mit den EU-Kriterien deckt. Es eignet
sich also sehr gut dafür, EU-weit gültige Nachhaltigkeitsstandards
– seien sie nun bindend oder freiwillig – zu definieren und zu kontrollieren. Voraussetzung dafür ist eine geringfügige Anpassung der
Standards, um die wenigen identifizierten Lücken zu schließen. Eine
der wichtigsten Ergänzungen, die auf internationaler wie nationaler
Ebene nötig werden, betrifft das Treibhausgasminderungspotenzial.
Denn Biomasse, die zur Erzeugung von Strom oder Wärme verwendet wird, muss in Zukunft 60 % der Treibhausgasemissionen einsparen, die für dieselbe Menge an Energie aus fossilen Ressourcen
ausgestoßen werden würde. Nach den PEFC-Standards sind solche
Berechnungen bislang nicht erforderlich. Dazu müsste zunächst
der Treibhausgasausstoß des Holzes entlang seiner gesamten Verarbeitungskette berechnet und anschließend mit dem von fossilen
Energieträgern ins Verhältnis gesetzt werden. Aber auch hier ist
PEFC vorbereitet: Die Zentrale in Genf hat bereits ein Projekt angestoßen, durch welches ein Kalkulationstool identifiziert werden
soll, das zur Berechnung von Treibhausgasemissionen entlang der
PEFC-Chain-of-Custody geeignet ist. Nach der Entscheidung und
gegebenenfalls Adaption eines Systems wird dieses in das IT-System von PEFC integriert und allen Chain-of-Custody-Zertifikathaltern
zur Verfügung gestellt.
Sämtliche Anpassungsvorschläge werden im Rahmen des laufenden Revisionsprozesses in den Stakeholder-Dialog eingebracht und
zur Diskussion gestellt. Die Studie liefert eine Grundlage für die Anpassungen im Sinne der EU-Kriterien – damit PEFC weiterhin die
Nase vorn hat.
PEFC | Jahresbericht 2013
IM GESPRÄCH MIT
NATALIE HUFNAGL-JOVY
>> Herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Vize-Präsidentin von PEFC International. Ganz
neu ist Ihnen die Arbeit auf internationalem
Parkett und im Vorstand von PEFC International nicht, oder?
Bereits seit 2008 darf ich als Vertreterin
der Waldbesitzer meine Erfahrungen in die
Arbeit von PEFC International einbringen.
Meine Erfahrungen habe ich als Geschäftsführerin des Zentralverbandes der Europäischen Waldbesitzer (CEPF) gesammelt.
Diese Tätigkeit hat mich sowohl auf die Mitarbeit im Vorstand der Internationalen Allianz der Familienforstwirtschaft (IFFA), als
auch im Vorstand von PEFC International
sehr gut vorbereitet.
>> Es wird hierzulande immer wieder beklagt, dass im internationalen Vorstand nur
noch wenige Repräsentanten des Waldbesitzes vertreten sind. Sind Sie die Letzte dieser
Spezies?
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass die
Waldbesitzer, die PEFC einst mit aus der
Taufe gehoben haben, mit wachsender Sorge auf die Repräsentanz ihrer Vertreter im
Vorstand von PEFC International blicken.
Jedoch haben die Belange der Waldbesitzer einen sehr hohen Stellenwert in unserer Strategie. Allen Vorstandsmitgliedern ist
sehr wohl bewusst, auf welchem Fundament PEFC gebaut ist.
>> Können wir mit Ihnen darauf setzen, dass
die Interessen der deutschen Waldbesitzer in
der PEFC-Politik angemessen berücksichtigt
werden? PEFC Deutschland ist immerhin der
viertgrößte Beitragszahler.
Seit meiner Berufung in den PEFC-Vorstand
habe ich wiederholt erfahren, welches
hohe Ansehen Deutschland als Wiege der
nachhaltigen Waldbewirtschaftung genießt.
Die Zusammenarbeit zwischen PEFC Deutschland und PEFC International ist konstruktiv
und lösungsorientiert. PEFC International
muss sich aber noch mehr als Dienstleister
für die nationalen Zertifizierungssysteme
verstehen. Unsere Stärke ist ja gerade die
dezentrale Organisationsstruktur, die unter
einem gemeinsamen Schirm jedem Land
die erforderliche Flexibilität bei der Umsetzung nachhaltiger Waldbewirtschaftung
einräumt.
>> Die diesjährige Generalversammlung fand
erstmalig in Asien statt. Sollte dies auch ein
Zeichen sein?
Die Märkte in Asien unterliegen einem rasanten Wachstum. Es kann für eine ursprünglich europäische Initiative wie PEFC
nur von Vorteil sein, wenn sich das Verständnis für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung auch außerhalb Europas durchsetzt. Bei der Generalversammlung war es
sehr ermutigend zu sehen, wie viele Länder
aus Asien Interesse an PEFC bekunden.
Das chinesische Zertifizierungssystem steht
kurz vor der Anerkennung und Indonesien
hat auf dieser Generalversammlung offiziell sein System an den PEFC-Präsidenten
überreicht.
>> Wo will PEFC in den nächsten Jahren hin?
Was sind Ihre Ziele?
Wir wollen in den relevanten Ländern präsent sein und ein „level playing field“ für die
nachhaltige Waldbewirtschaftung schaffen.
In den nächsten Monaten wird PEFC International eine Vertretung in Brüssel einrichten, die die politischen Prozesse analysiert
und entsprechend agiert und reagiert. Das
ist für uns ein großer Schritt, um in die Entscheidungsprozesse auf europäischer Ebene eingebunden zu sein.
Weiterhin ist es uns ein großes Anliegen, die
Arbeit des Asia-Promotions-Projekts weiter
zu unterstützen. Das Mitwirken von China
und Indonesien bei PEFC sind die ersten
Ergebnisse dieses Engagements.
,,
,,
Natalie Hufnagl-Jovy ist Vizeprädsidentin
von PEFC International und
Fachreferentin für europäische und
internationale Fragestellungen der
Forstpolitik
31
4_INTERNATIONAL
IM GESPRÄCH
MIT JOHAN VLIEGER
Johan Vlieger ist Technical Officer
bei PEFC International
,,
>> Der überarbeitete CoC-Standard steht vonseiten der deutschen
Holz- und Papierindustrie in der Kritik. Was entgegnen Sie den Kritikern? Warum waren die Änderungen denn nötig?
Die Änderungen an der PEFC-Chain-of-Custody waren erforderlich,
weil sich die weltweite Einstellung zu illegalen Einschlägen rapide
wandelt. Das deutlichste Beispiel ist natürlich die EU-Holzhandelsverordnung (EUTR). Aber es ist wichtig, dass wir uns im Klaren darüber sind, dass die EUTR nicht die einzige Gesetzgebung in diesem
Bereich ist. Auf globaler Ebene werden wir Zeuge der Entstehung
zahlreicher nationaler Gesetze zur illegalen Holznutzung, wie in den
USA, in Australien oder Japan. Es gibt keinen Zweifel daran, dass
weitere Länder folgen werden. Darüber hinaus sehen wir, dass von
Unternehmensseite, aber auch von Verbraucherseite die Nachfrage
nach mehr Transparenz in der Lieferkette wächst: Einzelhandelsunternehmen verlangen zunehmend von ihren Lieferanten, Maßnahmen der „Sorgfaltspflicht (”Due Diligence“)– umzusetzen und In-
formationen zur Herkunft des Materials zu liefern. Ein gutes Beispiel
hierfür ist die klare Rückmeldung, die PEFC vonseiten der deutschen
Baumarktbranche gegeben wurde. Die PEFC-CoC reagiert auf diese
aktuellen und künftigen Forderungen, indem sie die notwendigen Informationen an jedem Punkt der Lieferkette verfügbar macht.
>> Was tun Sie, um Zertifikatsnutzer und Zertifizierungsstellen mit
den Änderungen vertraut zu machen und zu verhindern, dass die Vorgaben unterschiedlich ausgelegt werden?
Bereits während des Revisionsprozesses haben wir Zertifikatshaltern, Zertifizierungsstellen und anderen interessierten Gruppen die
Möglichkeit gegeben, den Standard im Entwurfsstadium zu kommentieren. Wir waren erfreut über die große Anzahl an Personen
und Institutionen, die nützliche Kommentare beigesteuert haben,
welche von der zuständigen Arbeitsgruppe bei der Erstellung des
endgültigen Entwurfs in Betracht gezogen wurden. Wir haben eine
Reihe von Webinaren organisiert, um über die Änderungen im Standard zu informieren. Obwohl bei diesen Webinaren die bedeutendsten Änderungen angesprochen wurden, wurden dort keine Hinweise
gegeben, wie die Vorgaben auszulegen sind. Weil uns aber bewusst
ist, dass verschiedene Themen, wie der Zugang zu Informationen
oder die Risikobewertung, zusätzlicher Interpretationshilfen und
Erläuterungen bedürfen, arbeiten wir gerade an einem Leitfaden,
der rechtzeitig vor Ablauf der Übergangsfrist am 24. Februar 2014
verfügbar sein wird. Um besonders die interessierten Gruppen in
Deutschland anzusprechen, haben Mitarbeiter der Technischen Abteilung von PEFC International im letzten Jahr zu unterschiedlichen
Anlässen Deutschland besucht. Dr. Michael Berger, Leiter der Abteilung, nahm persönlich an einer Diskussionsrunde mit Vertretern
der deutschen Holz- und Papierindustrie teil. Ich war zwei Mal in
Deutschland: einmal habe ich auf dem Zertifiziererseminar in Kassel im April einen Ausblick auf die zu erwartenden Änderungen im
PEFC-CoC-Standard gegeben, ein anderes Mal habe ich in Fulda im
Rahmen des sechsten Chain-of-Custody-Forums PEFC-zertifizierten
Unternehmen den neuen Standard vorgestellt.
,,
>> Bis Oktober 2012 waren Sie Geschäftsführer von PEFC Nederland.
Nun arbeiten Sie in der Technischen Abteilung von PEFC International
in Genf. Das hört sich schrecklich langweilig an. Was sind die spannenden Aspekte Ihrer Tätigkeit?
Für PEFC auf nationaler Ebene zu arbeiten bedeutet, sich im Zentrum vielfältiger Aktivitäten zu befinden: Werbung für PEFC im weitesten Sinne machen, Firmen besuchen, Seminare organisieren, die
Internetseiten pflegen etc. Die Arbeit bei PEFC International befindet sich definitiv auf einer anderen (höheren) Ebene, weiter weg von
direkten Maßnahmen. Trotzdem ist es mir bisher nicht ein einziges
Mal langweilig geworden, weil ich sofort in das „kalte Wasser“ der
Revision des PEFC-Chain-of-Custody-Standards gesprungen bin.
PEFC InternationaI hat mich speziell als ”Training Officer“ eingestellt. Deshalb beschäftige ich mich zu großen Teilen mit der Organisation von Schulungen für verschiedene Zielgruppen. Bislang
arbeiten wir noch an der Entwicklung und Konzeptionierung von
Schulungsprogrammen für Zertifizierungsstellen und Auditoren, für
die nationalen PEFC-Stellen, für die von PEFC anerkannten Gutachter, für die Zertifikatsnutzer und so weiter. Im Jahr 2013 haben wir
bereits Elemente des Schulungsprogrammes umgesetzt und einige
Webinare zum überarbeiteten CoC-Standard sowie ein Zertifiziererseminar während der PEFC-Woche in Kuala Lumpur durchgeführt.
Gerade komme ich von Auditorenschulungen in Peking und Tokio
zurück. Diese Schulungen betrachten wir als sehr wichtige Aufgabe,
um sicherzustellen, dass PEFC-Zertifizierungen weltweit auf einer
einheitlich hohen Qualitätsstufe durchgeführt werden.
PEFC | Jahresbericht 2013
DER INTERNATIONALE LOGOGENERATOR IST DA
PEFC-Logos können in mehreren Sprachen
erstellt werden
Die Nutzung des PEFC-Logos auf Produkten im Handel oder auf
der Geschäftskorrespondenz von zertifizierten Unternehmen und
Waldbesitzern ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Steigerung
der Bekanntheit von PEFC. Es gibt aber auch dem Endverbraucher Sicherheit beim Erwerb von Produkten aus dem Rohstoff Holz.
Zertifizierte Betriebe in Deutschland können bereits seit einigen
Jahren für die Erstellung ihrer individuellen PEFC-Logos den PEFCLogogenerator auf www.pefc.de nutzen. Seit diesem Jahr ist die Logonutzung für Betriebe, die ihre Ware auch im Ausland vertreiben
und daher auf PEFC-Logos in verschiedenen Sprachen angewiesen
sind, noch einfacher. PEFC International hat hierzu eine Plattform
entwickelt, mit der sich die eigenen PEFC-Logos in verschiedenen
Sprachvarianten erzeugen lassen. Alle Waldbesitzer, CoC-Unternehmen oder sonstigen Nutzer mit einer gültigen PEFC-Logolizenz
sind berechtigt, die internationale Variante des Logogenerators zu
verwenden.
Die Nutzung des Logogenerators von PEFC Deutschland
ist selbstverständlich weiterhin möglich.
PEFC, NATÜRLICH INTERNATIONAL
Delegation aus Taiwan besucht
PEFC Deutschland
Eine vierköpfige Delegation aus Taiwan war
am 22.3.2013 bei PEFC Deutschland e.V.
zu Gast. Die Besucher hatten sich am Vortag bei PEFC International in Genf u. a. über
das Verfahren zur Anerkennung nationaler
Forstzertifizierungssysteme informiert und
den Wunsch geäußert, vor Ort mehr über
die PEFC-Zertifizierung in Deutschland zu
erfahren. Die Reisegruppe bestand aus Repräsentanten des Taiwan Forest Research Institutes sowie der National Chiayi University.
Nach dem Besuch der Stuttgarter Geschäftsstelle wurden den Gästen die konkreten Anforderungen des deutschen PEFC-Systems
im Wald veranschaulicht.
Unter fachkundiger Leitung von Felix Reining, Forstamtsleiter im Landkreis Esslingen, besichtigte die Delegation fünf Waldbestände im nahe gelegenen Schönbuch.
Neben den zahlreichen Eindrücken aus
dem Wald dürfte den Besuchern auch die
Einkehr in einem urigen Lokal in bester Erinnerung geblieben sein.
33
5_INTERN
5_INTERN
ALLE JAHRE WIEDER
Die Mitgliederversammlung von PEFC Deutschland
Freibergs Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm eröffnete die
Mitgliederversammlung von PEFC Deutschland mit einem Grußwort.
Er dankte darin „allen, die in der Forstwirtschaft, in Wissenschaft
und Politik einen Beitrag leisten, um sowohl die Vielschichtigkeit
und Bedeutung der Nachhaltigkeit als auch die Persönlichkeit von
Hans Carl von Carlowitz ins rechte Licht zu setzen.“ Prof. Dr. Hubert
Braun, Geschäftsführer des Staatsbetriebes Sachsenforst, erschien
als Vertreter des Staatsministers Frank Kupfer und bezeichnete die
Zertifizierung von Freiberg bereits im Juni 2001 – als einer der ersten Waldbesitzer in Sachsen – als großen Erfolg der sächsischen
Landesforstverwaltung.
Nach dem Grußwort des Vorsitzenden des Sächsischen Waldbesitzerverbands Prof. Dr. Andreas W. Bitter folgte ein besonderer
Moment: Stellvertretender PEFC-Vorsitzender Prof. Dr. Hans Köpp
würdigte in seiner Laudatio Engagement und Leistungen des scheidenden Vorsitzenden Frank v. Römer (s. Artikel auf S. 39).
Wenn ein Vorsitzender sein Amt niederlegt, bedarf es eines Nachfolgers. Bei der Auswahl eines solchen gilt es einiges zu beachten.
Fachlich qualifiziert muss er sein. Am besten sollte er auch einen
Namen in der Branche haben, und ganz nebenbei muss der Kandidat auch den Mitgliedern von PEFC zusagen. Das einstimmige
Wahlergebnis für Prof. Dr. Ulrich Schraml, Inhaber des Lehrstuhls
für Forst- und Umweltpolitik an der Universität in Freiburg, darf als
Ausdruck dafür gewertet werden, dass der neugewählte Vorsitzende
in den Augen der PEFC-Mitglieder all dies mitbringt.
Nachhaltig kommunizieren
Der scheidende PEFC-Vorsitzende Frank v. Römer (links)
zusammen mit seinem Nachfolger Prof. Dr. Ulrich Schraml (Mitte)
und seinem Vorgänger Marian Frhr. v. Gravenreuth (rechts) vor
dem Wohnhaus von Hans Carl von Carlowitz in Freiberg.
Parallel zur Sitzung des Deutschen Forstzertifizierungsrates (DFZR)
veranstaltete PEFC einen Kommunikationsworkshop mit dem Titel
„Ausgewählte Aspekte forstlicher Kommunikation“, bei dem praxiserprobte Referenten aufzeigten, wie forstliche Themen erfolgreich kommuniziert werden. Wir bedanken uns bei unseren Referenten Klaus
Dominik, Berater des Vorstandes Waldbauernverband NRW, Lars
Langhans, Geschäftsführer KOLLAXO Markt- und Medienkonzepte
und Guntram Kaiser, Geschäftsführer KaiserCommunication GmbH.
ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT
Strategieworkshop mit neuem Vorsitzenden weist den Weg
Dem neugewählten PEFC-Vorsitzenden Prof. Dr. UIrich Schraml war
es ein großes Anliegen, gemeinsam mit dem Deutschen Forstzertifizierungsrat in einem Strategieworkshop die Ausrichtung von PEFC
für die nächsten Jahre festzuzurren. Am Mittwoch, den 18.9.2013,
wurde zunächst die Analyse von Stärken, Schwächen, Chancen und
Risiken aus dem Jahre 2006 auf den Prüfstand gestellt und aktualisiert. Auf der einen Seite hat die eine oder andere damals festgestellte Schwäche, wie die fehlende Bekanntheit des PEFC-Labels
beim Endverbraucher, ihre Relevanz verloren; auf der anderen Seite
sind zusätzliche Risiken, wie z. B. die „Politisierung“ des Marktinstruments Forstzertifizierung, hinzugekommen.
In einem zweiten Schritt wurden zukünftige Handlungsfelder identifiziert und Prioritäten festgelegt. Hohe Priorität genießt nach Meinung der Teilnehmer die Neuausgestaltung der regionalen Zertifizierung vor dem Hintergrund, dass bestimmte Elemente, wie die
regionalen Waldberichte, einen erheblichen Aufwand mit sich bringen, aber weder vom Markt noch von der Öffentlichkeit entsprechend gewürdigt werden. Als Handlungsfeld von großer Bedeutung
wurde ferner die Überzeugungsarbeit in Richtung der Waldbesitzer
herausgearbeitet, sowohl in Regionen mit geringen PEFC-Anteilen
als auch bei Waldbesitzern, deren Enthusiasmus für ihre Zertifizierung sich umgekehrt proportional zu den erzielten Holzerlösen entwickelt hat. Ein weiteres Ergebnis des Strategieworkshops war die
Entscheidung, im Rahmen des Revisionsprozesses über eine Ausweitung des PEFC-Portfolios in drei Richtungen zu beraten: erstens
in Bezug auf Weihnachtsbaumkulturen auf Waldflächen, zweitens
in Bezug auf den Nachhaltigkeitsaspekt „Erholungsfunktion“ und
drittens in Bezug auf einen Herkunftszusatz, um den Mehrwert von
„Holz aus der Region“ zu betonen.
PEFC | Jahresbericht 2013
INTERESSANTE INFORMATIONEN
UND KONSTRUKTIVER AUSTAUSCH
Zertifiziererseminar in Kassel-Wilhelmshöhe
Eine lange Tradition bei PEFC Deutschland hat das PEFC-Zertifiziererseminar. So fand im April in Kassel bereits das 15. Seminar für
Auditoren in den Bereichen Wald- und CoC-Zertifizierung statt.
Die Teilnehmer der Waldzertifizierung starteten am ersten Tag mit
einem intensiven Erfahrungsaustausch und bewerteten Fallbeispiele, mit dem Ziel einer Harmonisierung der Vorgehensweise auf
der Fläche. Ein Höhepunkt war die Podiumsdiskussion mit Repräsentanten der von PEFC anerkannten Forstunternehmerzertifikate.
Unter Moderation von Petra Trimmel (impulse), diskutierten Bernhard Bielmeier, Geschäftsführer des KFP-Zertifikates, Daniel Haupt
vom Deutschen Forst-Service-Zertifikat (DFSZ), Klaus Wiegand von
der RAL-Gütegemeinschaft Wald und Landschaftspflege und Dirk
Teegelbekkers, Geschäftsführer von PEFC Deutschland. Ziel der
Podiumsdiskussion war es, über die spezifischen Inhalte der verschiedenen Systeme zu informieren und gegenseitiges Verständnis
und Vertrauen zwischen Wald- und Forstunternehmerzertifizierern
zu schaffen.
Als externer Referent konnte Joachim Morat vom Kuratorium für
Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) gewonnen werden. Sein Vortrag
zu den „Standards für Motorsägenkurse“ griff ein hoch aktuelles
Thema innerhalb der PEFC-Waldzertifizierung auf.
Für den zweiten Teil des Seminares kamen am Folgetag die Rekordzahl von über 80 Auditoren der PEFC-Produktkettenzertifizierung
aus ganz Deutschland zusammen. Den Schwerpunkt des Chainof-Custody-Teils stellte der neue PEFC-CoC-Standard dar. PEFC
Deutschland war es gelungen, mit Johan Vlieger einen Experten aus
der technischen Abteilung von PEFC International zu gewinnen, um
die Neuerungen im CoC-Standard vorzustellen. In der folgenden
Diskussion konnten Fragen zum Standard und der zukünftigen
Anwendung aus erster Hand beantwortet werden. Weitere Punkte auf der Tagesordnung waren neben dem klassischen Erfahrungsaustausch auch Gruppenarbeiten zur PEFC-Logonutzung
und Diskussionen zu konkreten Fallbeispielen aus den Audits
der Zertifizierer.
Aufgrund der stetig ansteigenden Teilnehmerzahlen und der teilweise weiten Anfahrtswege für die teilnehmenden Auditoren, wurde
vereinbart, das Zertifiziererseminar in Zukunft zu splitten. So werden in 2014 erstmals zwei Seminare – in Norddeutschland und in
Süddeutschland – abgehalten. Auf diese Weise will PEFC nicht nur
den Vorgaben von PEFC International nachkommen, sondern auch
sicherstellen, dass jeder Zertifizierer die Möglichkeit hat, an den
Schulungen teilzunehmen und bestmöglich von den Veranstaltungen zu profitieren.
37
5_INTERN
BLICK ÜBER DEN TELLERRAND
Exkursion von PEFC Deutschland in die Schweiz
und nach Österreich gibt neue Einblicke
Knapp 20 Teilnehmer nahmen vom 18.7. bis 21.7.2013 an einer von PEFC Deutschland organisierten Exkursion in die Schweiz und nach
Österreich teil, um sich ein Bild von den dortigen PEFC-Systemen und der Waldbewirtschaftung vor Ort zu machen.
In Zürich begutachtete die Reisegruppe den
Neubau des Elefantenhauses mit seiner
6.000 m² großen Holzdachkonstruktion.
Im Kanton Bern erläutert Förster Hansjörg
Habegger die Besonderheiten der Waldbewirtschaftung der Region und der Schweiz.
Gruppenbild mit Ausblick:
Waldbegehung in den Innsbrucker Alpen.
Die Bregenzer Festspiele zeigen Mozarts
Zauberflöte auf der berühmten Seebühne.
Einkaufsleiter Werner Zwingmann zeigt der
Reisegruppe die Produktion von Egger in
St. Johann.
Förster Andreas Wildauer (m.) verschafft der
Reisegruppe einen Überblick über die Waldbewirtschaftung im alpinen Umfeld.
ZWEI PEFC-MACHER GEHEN VON BORD
Verabschiedung von Hans Baur
und Werner Erb
Gründungsmitglieder von PEFC Deutschland sind sie beide. Auch hatten beide von Beginn an
den Vorsitz einer regionalen PEFC-Arbeitsgruppe in Süddeutschland inne. Und beide werden
nun pensioniert und verlassen die PEFC-Gremien. Hier enden die Gemeinsamkeiten aber
dann auch schon. Der eine, Hans Baur, Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, war mit seiner extrovertierten Art oft Leiter der Abteilung „Attacke“ und immer mit
kreativen Kampagnenideen bei der Hand – angefangen beim PEFC-Video über einen Holzturm auf der Wiesn bis hin zu zahlreichen Protestaktionen. Der andere, Werner Erb, Forstpolitiker im Ministerium in Stuttgart, war der bedachte „Mastermind“ von PEFC. Er leitete beim
ersten und zweiten Revisionsprozess die Arbeitsgruppen „Standards“ bzw. „Verfahren“ und
brachte zahlreiche PEFC-Dokumente auf den Punkt. Außerdem prüfte er jährlich die Kasse
von PEFC Deutschland e. V. im Rahmen eines Abendessens am 17.9.2013 in Würzburg aus
Anlass der Verabschiedung dankte PEFC-Vorsitzender Prof. Dr. Ulrich Schraml den beiden
„PEFC-Machern“ für ihre Verdienste. Die Laudatio hielt Martin Bentele vom Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband, ein langjähriger Weggefährte beider Persönlichkeiten.
Laudator Martin Bentele (1. v. l.) würdigte die Leistungen von Hans Baur (m.) und
Werner Erb (r.) im Beisein des PEFC-Ehrenvorsitzenden Marian Frhr. v. Gravenreuth (2. v. l.)
und des amtierenden Vorsitzenden Prof. Dr. Ulrich Schraml (2. v. r.).
PEFC | Jahresbericht 2013
VERABSCHIEDUNG VON
FRANK V. RÖMER
Nach acht Jahren sagt Frank v. Römer
PEFC leise servus
Am 8.8.2000 hatten sie sich kennengelernt: PEFC und Frank v.
Römer, damals Forstdirektor bei der Stadt Augsburg. Es war bei einer
Veranstaltung, die von der Stadt gemeinsam mit der ortsansässigen
Papierfabrik Haindl (heute UPM) und PEFC unter dem Motto „Vom
Baum zum Papier“ durchgeführt wurde und auf sehr großes Interesse stieß. PEFC war damals erst ein paar Monate jung und unerfahren;
die Stadt Augsburg einer der ersten zertifizierten Forstbetriebe. In
den folgenden Jahren bis zu seiner Wahl zum Vorsitzenden von PEFC
Deutschland e. V. war Frank v. Römer als Mitglied von PEFC Bayern
ständig am Puls des Zertifizierungsgeschehens.
Im öffentlichen und privaten Forstwesen Deutschlands machte sich
der neue PEFC-Vorsitzende rasch einen Namen. Als Kenner der hiesigen föderalen forstlichen Verhältnisse hat er sich nie dominierend
in den Vordergrund gedrängt, sondern auch und gerade in kontroversen Debatten zunächst erst zugehört, andere Meinungen aufgenommen, gelten lassen und dann für sich verarbeitet. So haben ihn vor
allem die Mitglieder des Deutschen Forst-Zertifizierungsrates erlebt
– sozusagen als Primus inter Pares. In seiner Amtszeit hat sich vor
allem die CoC-Zertifizierung in Deutschland erheblich weiterentwickelt. Dafür durfte er – nicht ohne Stolz – von PEFC International zu
Recht Auszeichnung und Anerkennung entgegen nehmen. Und es
muss an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt werden, dass sich Frank
v. Römer auch in der weltweiten PEFC-Familie rasch Anerkennung
und Wertschätzung verschafft hat. Die Erklärung von Rio trägt seine
Unterschrift.
Durch sein Ausscheiden nach achtjähriger Amtszeit wird Frank
v. Römer nun mehr Zeit haben – insbesondere für seinen privaten
Waldbesitz in der Nähe von Markneukirchen, der natürlich als Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft Plauen-Vogtland gemäß denPEFC-Vorgaben bewirtschaftet wird.
PEFC Deutschland e. V. bedankt sich bei seinem Vorsitzenden a. D.
herzlich für sein Engagement und wünscht ihm für die kommende
Zeit alles Gute.
AUSBLICK
So viel steht fest: Das Jahr 2014 wird ganz im Zeichen der
Überarbeitung unseres deutschen PEFC-Systems stehen.
Nach 2004 und 2009 ist dies bereits der dritte Revisionsprozess, zu dem PEFC seine „Stakeholder“ einlädt. Die
meiste Verantwortung wird wieder auf den Schultern zweier Arbeitsgruppen lasten, welche die Aufgabe haben, die
entsprechenden Entwürfe anzufertigen. Dass dabei die Arbeitsgruppe Standards attraktiver als die AG Verfahren ist,
war aus den letzten Revisionen bekannt. Dass aber über 50
Fachleute an den Standards mitarbeiten wollen, ist neu. So
wird es diesmal besonderes Geschick erfordern, die Diskussionen auf die Erstellung eines verständlichen, praktikablen
und anspruchsvollen Standardentwurfs zu fokussieren und
am Ende einen Konsens unter allen Arbeitsgruppenmitgliedern zu erreichen. Die ersten Entwürfe werden am 2.7.2014
in Würzburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Merken Sie sich
den Termin für diesen „Würzburg+15“-Kongress schon heute vor, damit wir auch Ihre Meinung bei der Ausarbeitung der
neuen Dokumente angemessen berücksichtigen können.
Im Zentrum unserer diesjährigen Öffentlichkeitsarbeit soll das
Thema „Schlauer einkaufen“ stehen. Die wachsende Zahl an
Produkten mit PEFC-Logo in den Regalen der Discounter
und Baumärkte wollen wir zum Anlass nehmen, mit gezielten
Werbemaßnahmen den Endverbraucher für die Botschaft,
die hinter unserem Logo steht, zu sensibilisieren. Im Zentrum dieser Kampagne soll wieder ein Gewinnspiel stehen, an
dem jeder teilnehmen kann, der ein PEFC-Produkt erwirbt
oder entdeckt und uns ein Foto von diesem zuschickt.
39
Impressum:
Programm für die Anerkennung
von Forstzertifizierungssystemen
PEFC Deutschland e.V.:
PEFC Deutschland e.V.
Tübinger Str. 15
70178 Stuttgart
Tel. 0711 24840-06
Fax 0711 24840-31
[email protected]
www.pefc.de
Verantwortlich:
Dirk Teegelbekkers
Druck:
Media Cologne Kommunikationsmedien GmbH
Diese Broschüre wurde auf Tauro 150 / 250 g/m²,
einem PEFC-zertifizierten Papier gedruckt.
Wir bedanken uns für die Unterstützung bei: SAPPI
Grafikdesign:
Büro Katharina Martini,
Düsseldorf
PEFC/04-01-01