Das alte Stadtrecht von 1285

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Das alte Stadtrecht von 1285
Fritz W ündisch
~on
1285
.....•.
.
~
~
700 JAHRE STADT BRÜHL
J;.".
Herausgegeben von der Stadt Brühl
aus Anlaß der 700-Jahr-Feier im Jahre 1985
Band 5 der Schriftenreihe zur Brühler Geschichte
Das alte Brühler Stadtrecht
Vorwort ................... .
1.
......... 7
Zur Textüberlieferung .
9
1. Uberlieferte Texte
2. Geschichte dieser Texte
3. Zur Wiedergabe dieser Texte
11.
Zum lateinischen Text der Stadtrechtsurkunde von 1285 .
1. Vermutlicher Urtext
2. Anmerkungen dazu
3. Worterklärungen
4. Vergleich mit der Lechenicher Stadtrechtsurkunde
von 1279
14
1lI. Die alte deutsche Ubersetzung der Stadtrechtsurkunde
von 1285
.........
27
IV. Neue deutsche Ubersetzung der Stadtrechtsurkunde
von 1285
.........
33
V.
37
Das Brühler Stadtweistum
1. Vorbemerkung
2. Uberlieferung
3. Text
4. Zeitbestimmung
5. Topographische Bemerkungen
Anlagen:
Wiedergabe der Lechenicher Stadtrechtsurkunde von 1279
Wiedergabe des Textes Ader Brühler Stadtrechlsurkunde von 1285
VORWORT
Am 27. April 1985 jährt sich zum 700. Male einer der bedeutsamsten Tage der
Brühler Geschichte, der Tag, an dem das bis dahin unscheinbare Dörfchen am
Brühl zur Stadt erhoben wurde. Die Stadterhebung hatte zu jenen Zeiten eine unvergleichlich höhere Bedeutung als heute. Durch das Stadtrecht wurden geduckte, stets von der Willkür der erzbischöflichen Amtsträger abhängige Fron ba uern
zu Bürgern erhoben, zu gleichberechtigten Mitgliedern einer selbstverantwortliehen Gemeinschaft.
Äußeres Zeichen und Verkörperung der Stadtrechte war der Schöffenrat, der erstmals von der Bürgerschaft gewählt wurde und sich dann durch Zuwahl ergänzte.
Da diesen sieben Schöffen nicht nur die Rechtsprechung oblag, sondern auch afles das, was heute gemeindliche Selbstverwaftung genannt wird, kann man sagen, daß Brühl als Gemeinwesen am 27. April 1285 geschaffen worden ist.
Diese Schöffen waren so stolz auf ihre Rechte, daß sie sich auf ihrem Siegel, das
zugleich Gerichts- und Stadtsiegel war, selbst abbilden ließen: Ihre sieben Köpfe
umgeben den heiligen Petrus afs Schutzpatron des Erzstifts Köln über einem
Schild mit dem kurkölnischen Kreuzwappen.
Durch die Erhebung zur Stadt und die nachfolgende Befestigung erhielt Brühl eine starke Anziehungskraft: Merreche verödete zunächst vöJlig; jahrhundertelang
erinnerte nur noch eine Kirche daran, daß hier ein Dorf gestanden hatte, die Kirche auf dem Berg, nach der die später dort neu entstandene Siedlung den Namen
Kierberg erhielt. In Vochem, Badorf und Pingsdorf blieben nur einige große Höfe
bewohnt, Keimzellen der später wieder entstehenden Dörfer. Pafmersdorf, Geildorf und Haggendorf - zwischen Meschenich und Immen dorf gelegen - blieben
bloße HofsteIlen.
Die Brühler Bürger hatten ihre Privilegien nicht umsonst erhalten. Mit dem Recht,
sich selbst zu verwalten und Waffen zu tragen, hatten sie die Pflicht übernommen,
ihrem Landesherrn beizustehen in dem großen Kampf um die Vorherrschaft am
7
Niederrhein, der sich zu jener Zeit anbahnte. So wie die Stadt Lechenich ein Bollwerk gegenüber den Graien von Jülich war, so wollle Kurfürst-Erzbischof Siegfried von Westerbwg von Brühl aus der Stadt Köln Schach bieten.
Schon nach drei Jahren scheiterten aber diese hochfliegenden Pläne. Mit der vernichtenden Niederlage, die K wfürst-Erzbischof Siegfried von Westerburg am
5. Juni 1288 in der Schlacht bei Worringen erlill, wurde auch das Schicksai seiner
jüngsten Stadt besiege1/. Die übermächtige Stadt Köln duldete fortan Brühl nurais
unbedeutendes Ackerstädtchen neben sich.
Fünf Jahrhunderte lang blieb aber das Stadtrecht von 1285 das Grundgesetz der
Stadt Brühl, durch Gewohnheitsrecht und spätere Landesgesetze nur wenig abgewandelI. Bis ins 17. Jahrhundert hat jeder Kölner Kurfürst die Zusagen seines
Vorgängers Siegfried von Westerburg feierlich bestätigt.
8
I.
Zur Textüberlieferung
1.
Die Urschrift der Stadtrechtsurkunde vom 27. April 1285 ist verschollen. Erhalten sind nur zwei Abschriften:
A. Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (HStAD) Kurköln Urkunde Nr. 158.
7 Blatt Papier, undatiert. Geschrieben und beglaubigt von dem Notar
Tilmann FeuerpeiJ. Auf der Rückseite des letzten Blattes ist von anderer, späterer Hand vermerkt: ,Copia auscultata Privilegü Brulensi Oppido Anno 1282 (!) concessi".
B. Historisches Archiv der Stadt Köln (HAK) Auswärtiges Nr. 46. Papier, undatiert, Schrift Mitte 18. Jhd. Die letzten Zeilen fehlen.
Zum Textvergleich ist nützlich die Urschrift der Lechenicher Stadtrechtsurkunde vom 15. Sept. 1279, die der Brühler Urkunde als Vorbild
gedient hat. Der Text dieser Urkunde - HAK Domstift Urk. 3/392 - wird
im folgenden mit L bezeichnet. L. Korth hat sie, mit einigenlesefehlern,
in den Annalen Heft 62 S. 196 ff. abgedruckt.
Ferner ist erhalten eine alte deutsche Ubersetzung:
Archiv der Stadt Brühl (StAB) Akten 9. Papier, undatiert. Nach dem Vorspruch ist das Privileg in dieser FassungvonKurfürst-ErzbischofPhilipp
von Daun im Jahre 1509 bestätigt worden. Die Ausdrucksweise dieser
Ubersetzung und der Umstand, daß im Jahre 1509 einige Wörter schon
unverständlich geworden waren, lassen vermuten, daß die Urfassung
schon wesentlich früher entstanden ist.
Ein Auszug aus dieser Ubersetzung liegt in
HStAD Kloster Burbach Akten 11. Papier, undatiert, beglaubigt von dem
Brühler Stadtschreiber Wilhelm Fabri. Der Auszug enthält den Vorspruch, Art. XXXVI und die Schlußformel des Privilegs sowie Ziff. 9 und
11 des Brühler Weiderechts.
Auf einem Zettel hat der Gerichtsschreiber Johann Weisweiler um das
Jahr 1750 den lateinischen Wortlaut des Art. XXV und den Vorspruch
der deutschen Ubersetzung notiert (StAB Akten 9).
Abgedruckt wurde die Brühler Stadtrechtsurkunde von Theod. Jos. Lacomblet in seinem Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins,
2. Bd. Düsseldorf 1846, S. 473 Nr. 802, ,aus einer notariellen Abschrift im
erzbischöflichen Archiv". Im Historischen Archiv des Erzbistums Köln
liegt aber keine derartige Urkunde. Lacomblets Vorlage kann nur die
9
oben als Text A erwähnte Urkunde des HStAD gewesen sein. Das zeigt
ein Lesefehler in Art. XXXV - Roggendorf statt Hoggendorf -, der nur
damit zu erklären ist, daß im Text A der Anfangsbuchstabe dieses
Worts undeutlich geschrieben ist. Gleicher Meinung ist auch - ohne Begründung - W. R. Schleidgen in seinem Nachweis der Uberlieferung 00'
Siegburg 1981, S. 82. Außer diesem Lesefehler enthält Lacomblets Druck
auch noch andere Ungenauigkeiten.
2.
Während die Urschrift des Lechenicher Privilegs vom Domkapitel mitbesiegelt wurde und so in dessen Archiv erhalten blieb und in mehrere
Kopiare übernommen wurde, war die Urschrift des BrühIer Privilegs
nur von Erzbischof Siegfried besiegelt worden. Deshalb wurde sie im
kurfürstlichen Archiv aufbewahrt und ist vermutlich mit diesem im
Truchsessischen Krieg untergegangen.
Das Schicksal der Ausfertigung, die den BrühIer Schöffen nach der
Schlußformel der Urkunde erteilt worden war, ist nicht aufzuklären.
Fest steht nur, daß der Text A vor dem Jahre 1657 entstanden ist, denn
Tilmann Feuerpeil beglaubigte ihn als .notarius immatriculatus" (kurfürstlicher Notar), während er spätestens 1657 bereits kaiserlicher Notar war.
Vielleicht hat Feuerpeil (v gl. über ihn F. Wündisch in Mitteilungen zur
Brühler Geschichte S. 67) den Text A geschrieben im Zuge einiger Prozesse, in denen es darum ging, ob die Stadt Brühl von der Gerichtsbarkeit des Kölner Offizials eximiert sei, weil der Hofrat damals diese Frage
bejahte, wurde der Schultheiß Johann Commeren 1650 abgesetzt, da er
ein Mandat des Offizials vollstreckt hatte.
In dem wenigen, was über diese Prozesse überliefert ist (StAB Akten
27), befindet sich die Abschrift einer Supplik der Stadt aus dem Jahre
1657, in der es heißt:
.Anno 95. am 24. Aug. als vom officialischen Consistorio in Köln die Brülische freiheit questionirt worden, haben aus dero Kurf. Dchlcht hochlöblichster gedächtnuß Ernesti ggsten befehl Bürgermeister, Scheffen
und Rath zu Brüel ihre urkunden von dem Ertzbischoffen Sifrido angezogen und hiebei Philippo (!) gehorsamst eingeliebert".
Demnach war im Jahre 1595 eine Stadtrechtsurkunde dem Kurfürsten
Ernst eingeliefert worden. Das Schreibversehen .Philippo" läßt allerdings vermuten, daß es sich um die Ubersetzung von 1509 handelte.
Daß die Urschrift der Stadtrechtsurkunde bei dem Stadtbrand vom 21.1
10
22. April 1689 vernichtet wurde, ist wenig wahrscheinlich. Mehrere vor
1689 entstandene Papier-Schriftstücke liegen heute noch im Archiv der
Stadt Brühl. Vennutlich haben sie den Stadtbrand in der Sakristei der
Pfarrkirche überstanden, wo man auch später die Schöffenkiste und
wichtige städtische Schriftstücke aufbewahrte. Wenn die Urkunde von
1285 damals noch vorhanden gewesen wäre, hätte man sicherlich auch
dieses ehrwürdige Pergament dort verwahrt.
Nochmals gab die Stadt Brühl im Jahre 1716 eine Stadtrechtsurkunde
aus der Hand:
Im Protokollbuch des Rats (StAB Akten 5) ist untenn 18. Dez. 1715 eingetragen:
•.. seint auff vorhin beschehene convocation gesambter burg erschafft
dahier auffm rathshauße die privilegia vom ertzbischoffen Syfrido de
ao. 1285 mitt beygefügten achten und scheffen frage undt waß sönsten
wegen herligkeiten dabey notirt /: so auch vorhin ahn statt des weyßthumbs verkündigt worden: / dem mehrern theill erschienener burgern
in senatu durch den stattschreibern zu iedennans wissenschafft offentlich abgeleßen worden".
Vennutlich ist aber der Bürgerschaft damals weder die Urschrift noch
der Text Ader Stadtrechtsurkunde vorgelesen worden. sondern die
1509 benutzte Ubersetzung, die heute in StAB Akten 9 liegt. Die damals
.beygefügte achten und scheffen frage" ist hier im Abschn. V abgedruckt.
Anlaß zu dieser öffentlichen Verlesung der StadtpriviJegien war, daß
tags zuvor der Amtmann J. J. v. Walbott ohne Vorwissen des Rats ein
Herrengeding abgehalten und eigenmächtig zwei Schöffen eingesetzt
hatte. Darüber beschwerte sich dann die Stadt beim kurfürstlichen Hofrat, und als dieser die Beschwerde ablehnte, appellierte sie 1716 allerdings vergeblich - an den Reichshofrat in Wien. Wenn die Urschrift der Stadtrechtsurkunde damals noch vorhanden war, ist sie sicherlich dieser Appellation beigefügt worden. Darüber sagen allerdings die bisher bekannt gewordenen Archivalien nichts aus.
Ende der 1740er Jahre kam es dann wieder zu einem Prozeß darüber, ob
die Stadt von der Gerichtsbarkeit des Offizials eximiert sei (StAB Akten
27, HStAD RKG B. 2300/6911). Am 20. 6.1750 gab der Hofrat der Stadt auf,
sie solle dem Offizial .als bekäntlichem universal richtern im Ertzstifft"
ihre venneintliche Exemption durch Aul1egung ihrer Privilegien oder
sonsten beweisen. Damals hat vennutlich der Gerichtsschreiber und
Notar Johann WeisweiJer den Text B geschrieben. In einer Liste der
dem Offizial eingereichten Dokumente wird aber keine Stadtrechtsurkunde erwähnt.
11
Gegen das abweisende Urteil des Offizials appellierte die Stadt an das
Reichskammergericht in Wetzlar. Ihre Klage wurde abgewiesen, weil
durch die Justizreform Kurfürst Ferdinands vom 1. 3.1602/1. 7.1607 alle
örtlichen Exemptionen aufgehoben worden seien. In den Akten des
Reichskammergerichts befinden sich keinerlei Original-Dokumente;
das Privileg von 1285 wird nur beiläufig in den Schriftsätzen erwähnt.
Zum letzten Mal wurden die Privilegien der Stadt in dem Herrengeding
vom 31. Okt.1772 öffentlich verlesen. Das Ratsprotokoll (StAB Akten 5)
berichtet darüber:
.Coram ihrer excellence Frh. von Bornheimb .. ist das weisthumb vor
der Brülischer gemein abgelesen und dabey von hochgemeltern hn.
ambtmann angemercket und dafür gehalten worden, daß weilen solches im jahre 1282 errichtet, aus der ursach nicht vor gültig anzusehen,
weilen darin von einer Jesuiter wohnung meldung geschehen, dahe
es doch kundbahr, daß der Jesuiten orden erst im 15.ten saeculo errichtet worden, daß solches «;las original nicht seye, mithin solches aufzusuchen befohlen worden".
Diese Eintragung zeigt, welche Verwirrung damals bestand, da der einzige, der sich in diesen Dingen auSkannte, der altbewährte Gerichtsschreiber Johann Weisweiler, am 5. Sept. 1771 gestorben war. Offensichtlich wurden das Stadtrecht von 1285 und das Weistum durcheinandergeworfen und mißverstanden. Die Jesuiten werden nur in dem
Weistum erwähnt, das aber keine Jahreszahl enthält, und die Jahreszahl 1282 findet sich nur in dem Rückvermerk auf dem Text Ader Stadtrechtsurkunde.
In diesem Herrengeding verfügte der Amtmann:
•Weither sollen die vorfindlichen briefschafften in des abgelebten hn.
gerichtsschreiberen (Weisweiler) wohnbehausung consigniret werden, dahe alsdan ein gewiß er terminus anberahmet werden solle, wohe
die gerichts-, ambts- und stattbriefschafften separiret und gehörigen
orths deponiret werden sollen".
Daraufhin hat man offenbar aus dem Wust von .Briefschaften" verschiedenster Art, der noch in der Wohnung Weisweilers lag, den Text
A herausgesucht und als .Original" dem Amtmann eingereicht. Auf diese Weise ist vermutlich dieser Text, der jetzt im HStAD liegt, ins kurfürstliche Archiv gelangt.
Zusammenfassend sei bemerkt:
Die Urschrift der Stadtrechtsurkunde vom 27. April 1285 befand sich
noch um die Mitte des 17. Jhd. in Brühl und ist dann in bisher ungeklärter Weise verschollen.
12
Die Abschrift A ist vor 1657 geschrieben worden und vennutlich 1772
über den Amtmann v. Bornheim ins kurfürstliche Archiv gelangt.
Die Abschrift Bist vennutlich um 1750 durch den Gerichtsschreiber
und Notar Johann Weisweiler gefertigt worden. Wie sie später in das
HAK gelangte, ist ungeklärt.
3.
Der nachstehend abgedruckte lateinische Text beruht auf der Abschrift A, da diese als einzige den Text vollständig bringt. Dabei sind offensichtlich anachronistische Schreibweisen in A - wie ,ae" statt .e" stillschweigend berichtigt und Abweichungen gegenüber den Texten
Bund L in den Anmerkungen angegeben worden.
Im Anschluß an diese Anmerkungen werden die in dem lateinischen
Text vorkommenden deutschen Rechtsausdrücke kurz erläutert und
schließlich einige Unterschiede zwischen dem Brühler und dem Lechenicher Stadtrecht erklärt.
13
11.
1.
Vermutlicher Urtext der
Stadtrechtsurkunde
N
Sifridus 11 dei gratia sancte Coloniensis ecclesie archiepiscopus sacri imperu per Ytaliam archicancellarius notum facimus
universis quod utilitati et commodo dilectorum fidelium nostrorum scabinorum et oppidanorum nostrorum in Brule 21 fideliter intendentes et
ut dictum oppidum procedente tempore melioretur et crescat ad petieionem predictorum scabinorum et oppidanorum de consilio fidelium
nostrorum libertates eis concedimus infrascriptas.
OS
(1.) Inprimis quod ipsi oppidani habeant potestatem eligendi septem
scabinos nobis et ecclesie nostre 31 Coloniensi ac ipsis utiles infra oppidum Brule commorantes, et quandocumque aliquem de predictis septem scabinis mori contigerit seu propter crimen vel aliud nephas "offieium scabinatus demeruerit, scabini superstites 51 huiusmodi criminoso per sententiam scabinorum prout iustum fuerit ab offieio scabinatus
amoto possunt et debent eligere alium probum virum ydoneum et honestum sub iuramento eorum de consilio sculteti nostri in Brule in 10cum premortui vel amoti 51et nos vel officiatus noster ibidem sie electum confinnabimus.
(11.) ltem quod nullus scabinorum deponi possit se invito ab officio suo
nisi hoc propter crimen probabile ab eo commissum demeruerit.
(IJI.) Item quicumque homo cuiuscumque condieionis intraverit oppi-
dum Brule ad manendum et moram fecerit ibidem continue per annum
manendo, nos non permittemus eum deinceps inpugnari dummodo paratus sit domino suo debiturn censum persolvere vel ius illud quod hovereit 61 dieitur.
(N.) ltem nullus oppidanorum in Brule vocari poterit ad pugnam sive
duellern nisi sit de vulnere aperto quod offenwunde 71 dieitur vel de homicidio.
(V.) ltem si committatur homicidium infra oppidum Brule illi qui sunt
conquerentes facient expensas circa pugiles vel ad alia que duellum requirit si habent BI facultates, si vero pauperes fuerint et hoc constiterit
vel hoc iuramento confirmaverint coram iudieio quod expensas ne qua-
15
quam facere possint, nos vel no ster officiatus huiusmodi expensas faciemus, et si huiusmodi homicidium pacificabitur hoc fiat de licencia iudicis, et idem fiat de vulneratis qui ita fuerint vulnerati quod dicitur offene
wunde, quod duellum ita iudicetur sicut pro homicidio, eo excepto si
fuerit pacificatum de licencia iudicis quod propter hoc iudex habebit
quinque marcas nisi velit aliquid re mitte re graciose_
(Vl.) Item de eo quod bluotrunst dicitur va dia bit reus ad graciam iudicis
septem solidos et sex denarios.
(VlL) !tem de minutis querelis iudex non plus recipiet quam decem et 91
octo denarios ad graciam iudicis ut est premissum.
(VlII.) !tem si quis oppidanus trahatur ad iudicium de minutis querelis
se expurgare poterit sola manu.
(IX.) !tem si aliquis conqueratur de hoc quod scinberdait 101 dicitur conquerens conducere debet iudicem ad domum vel domos illius qui hoc
factum commisit et iudex eas secabet et confringet et quicquid sub trabibus domorum fuerit hoc erit iudicis nisi ille cuius fuerit hereditas hoc
defendet suo iure.
(X.) Item quicumque conqueri volunt de hoc quod dicitur hogerithe 111
primo iurabunt tactis reliquiis coram iudice 121 quod nuIIum innocentem trahant ad iudicium super hoc nec causam illius facti imponant
innocenti.
(XL) !tem quod nuIIus oppidanus vocari debeat vel possit ad duellum sive pugnam ubi huiusmodi non est delictum quod dicitur scinberdait 101
sed se suo iure possit defendere melius quam alius eum vocet ad huiusmodi duellum sive pugnam.
(XII.) !tem si aliquis probare voluerit per testes in huiusmodi iudiciis
probare non poterit nisi testimonio duorum scabinorum.
(XIIL) !tem quod quilibet oppidanus tribus vicibus per nuncium ad hoc
deputatum ad iudicium debeat evocari et si prima vice venire neglexerit vel in iudicio non comparuerit ex hoc nuIIam emendam iudici facere
tenebitur. Si vero secunda vice non venerit nec comparuerit decem et
octo denarios tenebitur ad gratiam iudicis pro emenda. Et si tertia vice
fuerit vocatus sub testimonio et non venerit nec comparuerit ad gratiam iudicis quinque solid os solvere tenebitur iudici pro emenda.
(XIV.) !tem si aliquis hospes occupatur per iudicem super debitis ac
aliis minutis ipse hospes absolvet se per ius statuti 131 et recedet, si autem pro maioribus quod hogerithe 111 dicitur occupatur de hoc faciet
iuxta statutum oppidi memorati.
(XV.) !tem quod non admittantur testes super aliquibus querelis nec testimonium aliquorum valeat nisi scabinorum predicti oppidi nisi forte
16
de arbitrarüs compositionibus et de rebus et de bonis in matrimonio
promissis vel de alüs causis spiritualibus sie hoc legitime per testes ydoneos poterit probari.
(XVI.) Item quod nullus homo deinceps possit vel debeat ponere vinum
quod banwin 141 dicitur ad vendendum in oppido predicto.
(XVI!.) Item quod nullus communiter 151 vendere possit vel debeat vinum ad brocam nisi oppidum ipsum inhabitet tarnquam oppidanus et iura faciat quecumque exigit oppidum predictum 161.
(XVIII) Item si aliquis forte oppidanus vinum alicuius extranei vendiderit infra oppidum pro mercede ille tenebitur solvere quinque solidos et
unarn am am vini pro pena et huiusmodi pene due partes cedent ad opus
oppidi et tertia pars nobis vel iudici nostro.
(XIX.) Item quod in predicto oppido deinceps erit mensura Coloniensis
171 et sextarius vini mensure predicte si bonum fuerit non pretiosius vel
carius quarn pro quatuor 181 denarus vel infra vendetur ad brocarn. Si autem penuria fuerit vini quod vendi debeat tunc secundum quod statuent
scabini 191 ita quod sustinere possint ementes et vendentes vinum taxabitur et emetur.
(XX.) Item quod scabini '91 de consilio oppidanorum predictorum statuent vendi panern, cervisiarn, carnes, pis ces et alia quecumque victualia secundum quod videbitur expedire utilitati tarn ementium quam vendentium, et quicumque ipsorum statuta non servaverit solvet decem et
octo denarios pro emenda cuius emende tertia pars cedet iudici nostro
et alie due partes ad opus oppidi predicti.
(XX!.) Item quicumque hereditatem habuerit infra oppidum constructarn quod ille eque solvet et proportionaliter cum suis convicinis iura
hereditatis et oppidi secundum quod oportet 201.
(XXII.) Item quod nullus oppidanus capi captivitate vel carcere mancipari possit nisi prius convictus fuerit per scabinos de eo quod sibi imponitur et eis mediantibus ista fiant.
(XXIII.) Item quod nundine sint apud BruIe annuatim 221 videlicet die
dominica post exaltationem sancte crucis et quod durent per tres dies
continue videlicet de sabbato antecedente et ipsa die dominica et die
sequenti 221 et volumus quod ita libere sint nundine predicte quod nullus
ibidem veniens illis tribus diebus possit occupari arrestari vel aliquo
modo molestari nisi excedat in foro predictis diebus per homicidium vel
furtum vel per alios excessus emende dignos.
(XXN.) Item quod in predicto oppido habeatur forum ebdomadale qua-
libet tertia feria in septimana, ita quod ibi vendantur et emantur annona
equi panni pecora et alia universa que in communi foro emi vel vendi libere consueverunt.
17
(XXV.) Item quod nullus oppidanus infra terminum qui dieitur bivanc
24 I occupari poterit vel arrestari per aliquem iudicem extraneum, sed si
quis questionem habuerit contra aliquem oppidanorum predictorum
veniat infra oppidum predictum et querelam suam coram iudice deponat ibidem et prosequatur.
(XXVI.) item quandocumque pro urgenti necessitate nostra vel oppidi
campana banni pulsatur illi qui morantur infra terminum qui vocatur bivanc 241 venient sine mora in subsidium oppidi cum armis et aliis ad defensionem oppidi necessariis, et quicumque contumaciter venire neglexerit ex hoc penam quinque marcarum incurret quam requirere poterimus ab eodem.
(XXVII) Quicumque etiam oppidum predictum intrans ad manendum.
sibi hereditatem acquisierit ibidem de ea solvet pro rata sieut alii oppidani hereditatem obtinentes.
(XXVIII.) item quicumque intrare voluerit oppidum predictum ad habendum ius oppidi et oppidanorum dabit pro ingressu tres solid os de
quibus cedent nobis duodecim denarii et duo solidi ad opus oppidi.
(XXIX.) item si aliquis oppidanorum ad presens manens in oppido Brule vel postmodum ad manendum veniens ibidem tenens bona aliqua a
curte nostra decesserit non tenebitur dare pro equo suo meliori ratio ne
iuris quod dicitur cormeda 271 plus quam unam marcam 261 licet forte
tempore obitus sui melior equus suus plus valeat quam unam marcam,
et in optione heredum illius erit si voIuerint dare equum meliorem.
(XXX.) item volumus quod nuIIus deinceps in dote ecciesie in Brule occupari arrestari detineri violenter vel invadi valeat quoquo modo, et si
quis contra premissa venerit no bis ad emendam competentem teneatur.
(XXX!.) item quieumque alteri partem agrorum suorum aratro suo desulcaverit vel sulcando abstraxerit et arando agris suis sie attraxerit sive in silvis partem silve alteri demensuraverit tenebitur ad emendam
quinque solidorum nec propter hoc impeti poterit per iudicium quod
hogerieht 11 I dieitur.
(XXXII) Ipsi quoque oppidani no bis etsuccessoribus nostris solvere tenebuntur no mine petitionis 301 decem marcas in nativitate beate Marie
virginis 30 I •
(XXXIII.) item volumus quod precones oppidi in Brule pronuntient
verba iuramenti in iudicio ibidem sine captione et sub brevis verbis
competentibus et sine narratione facti sive questionis actoris deducti in
iudicium coram nostro iudice.
(XXXIV.) item si precones in pronuntiatione verborum huiusmodi iu-
18
ramenti malignari vellent nec modo debito verba iuramenti dicere ut
superius est expressum unus scabinorum oppidi predicti sine omni pena se intromittere poterit de verbis iuramenti et corrigere verba preconis sine captione.
(XXXV.) !tem volumus et statuimus quod tenninus dictus bivanc 241 oppidi predicti sit infra Honingen, Weis, Surde, Godorp, Immindorp, Hoggindorp, Meschenig, Engendorp, Gildorp, Badorp, Ecdorp et Vochene
321 et homines commorantes infra villas predictas veniant in subsidium
oppidanorum predictorum sub pena predicta sicut superius plenius est
expressum.
(XXXV1.) !tem quod quilibet oppidanus in Brule poterit habere et tenere vaccas boves et oves pro sua voluntate in oppido predicto, nec super
hoc impeti poterit vel gravari a nobis vel iudice nostro seu officiato nostro qui pro tempore fuerit apud Brule.
(XXXVlI.) !tem volumus ut quilibet oppidanus qui posse habet habeat
et teneat platam et alia arma sue persone congruentia, alioquin monitus
infra quindenam si non habuerit incidat penam quinque solidorum qui
cedent oppido memorato.
In cuius rei testimonium et perpetuam finnitatem presens scriptum eisdem oppidanis dedimus sigilli nostri munimine roboratum_
Datum feria sexta ante festum beatorum Philippi etJacobi apostolorum
anno domini M.o Ce. 0 LXXX. 0 quinto.
19
2.
Anmerkungen
I) So L; A und B haben Syfridus
2) So alle zeitgenössischen Urkunden; A hat Brull, B hat Broyle
3) So L; nostre fehlt in A und B
4) So L und A; B hat nefas
5) Statt .. huiusmodi .. amoti" (A undB) hatL.sub iurarnento eorum deconsilio
scn!teti nostri in Lechnich possint et debeant eligere septim um virum probum et ydoneum et honestum".
6) So L; A und B haben hoverecht
7) So L; A und B haben offene wunde
8) Alle Hss haben habeant
9) So L und B; A hat vel, verbessert zu et
10) So L; A hat Schymberthat, B hat Schinberdaet
11) So L; A hat Hochgericht, B hat hogerichte
12) So L; A und B haben judicio
13) So L und A; B hat statim
14) So L; A hat Banwein, B hat branwin
15) So L und A; B hat communitatis
16) So L und A; predictum feWt in B
17) In Lechenich galt Bonner Maß
18) So A und B; L hat octo
19) So A und B; L hat scu!tetus et duo castrenses et scabini
20) So A und B; L hat hinter oportet noch .exceptis solis ostiariis nostris, qui
de bonis que ad presens tenent a nobis et curte nostra nichll occasione
predicta solvere vel facere tenebuntur".
21) Zwischen XXII und XXIll hat L noch: .ltem nullus post decessum uxoris
sue poterit vel debebit hereditatem curtis nostre in Lechnich da re secunde mulieri et pueris suis hereditarie et exheredare pueros priores; simili
modo nec mulierdare poterit secundo viro vel pueris suis post obi turn mariti prioris ll ,
22) Statt. videlicet .. sequenti" (A und B) hat L "annuatim in festo beati Remigii
et quod durent per tres dies continue, videlicet vigilia beati Rernigii predicti et ipsa die Remigii et proxima die sequenti".
23) Zwischen XXIV und XXV hat L noch: .!tem volumus quod theloniurn
quod accisia dicitur eis permaneat perpetue libere et so lu te ad meliorandum oppidum predictum et ad alia quecurnque fuerint oppido necessaria
quamdiu durabitstructura oppidi mernorati, ita tarnen, quod de hiis faciant
computationem legitim am annuatim coram iudice nüstro et castrensibus
ibidem; nec ipsum thelonium exponere poterunt vel obligare si ne consilio
iudicis et castrensium predictorum".
24) L hat banrnile sive bivanc, A hat Beyvanck, B hat byvanck
25) Zwischen XXVl und XXVII hat L noch: .!tem quicumque advena intrave-
20
rit oppidum Lechnich ad manendum, quantumcumque dives fuerit, non
solvet in exactione sive petitione ultra quatuorsolidos, si vero pauperfuerit in gratia iudicis duo rum castrensium et oppidanorum erit quantum solvet'. - Offenbar schloß sich Art. XXVII unmiUelbar an diesen Text an,
denn er ist der einzige Artikel des BrühlerStadtrechts, dernichtmit,Item'
anfängt.
26) Zwischen XXVIII und XXIX hat L noch: ,Item castrenses iuvabunt
fideliteroppidanos et e converso oppidani ipsos castrenses contra quemlibet nisi contra nos et ecclesiam nostram.
Item si guerra vel controversia aliqua intervenerit fortasse inter castrenses et oppidanos predictos volumus quod duo castrenses et duo oppidani
potestatem habeant huiusmodi controversiam componendi et pacificandi.
Item si castrenses non fecerint pactum caram scabinis super debitis, non
sunt trahendi ad iudicium nisi infra iudicium peccaverint manifeste'.
27) So L, A hat Churrnuthe, B currnode, Lacomblet corimede
28) So A und B, L hat duas marcas
29) XXXI fehlt in L
30) So A und B, staU,decem .. virginis' hat L ,quinquaginta marcas annuatim
in festo beati Remigii, qui prius tantum triginta marcas solvere consueverune!,
31) XXXIII bis XXXVII fehlen in L
32) Abweichend von A und B sind hier die Ortsnamen in zeitgenössischer Schreibweise eingesetzt. In B fehlt Gildorp.
33) Die Beglaubigungsforrnel von A lautet: ,Pro auscullata et collationata copia Tilmannus Feurpeil Notarius Immatriculatus subscripsit manu propria'. Der Text B endet mit dem Wort ,ante' der Datumszeile, offensichtlich ist das folgende BlaU verloren gegangen. Die Schlußforrnel von L
lautet: ,In cuius rei testimonium et perpetuam firrnilatem sigillum nostrum et sigillum capituli noslri Coloniensis presentibus sunt appensa. El
nos capilulum predictum sigillum nostrum in testimonium hiis litteris duximus apponendum. Actum et datum Lechnich XVII kaien das octobris anno domini Mo. CCo. LXXo. nono'.
21
3.
Worterklärungen
Das Wort "banwin" bedeutet .Wein, der unter Herrenbann steht". Dieser Ausdruck weist ins Mittelalter, in die Zeit der Grundherrschaften,
zurück. Damals waren fast alle Siedlungen am Osthang des Vorgebirges kleine Weindörfchen. Die Lehnsleute der meisten Hanggrundstücke hatten ihren Grundherren nicht Roggen oder Buchweizen, sondern Trauben oder Wein abzuliefern. Unter Bann (Strafandrohung) war
ihnen verboten, Wein an Fremde zu verkaufen, da die Grundherren
überschüssigen Wein für eigene Rechnung in den Handel brachten.
Durch Art. XVI sollte wohl der Bannwein fremder Grundherren vom
Brühler Markt ferngehalten werden, um dem erzbischöflichen Wein
keine Konkurrenz zu machen. Nach dem Zerfall der grundherrschaftlichen Strukturen im 14. Jhd. wurde dann aber das Wort Bannwein unverständlich. Deshalb erscheint dieses Wort 1509 als .branwin"; aber
Branntwein war 1285 sicherlich nicht gemeint.
Das Wort nbivanc" (Beifang) bezeichnete wohl ursprünglich ein Gelände, in dem halbwild weidendes Vieh eingefangen werden konnte. Im 13.
Jhd. hatte dieses Wort ganz allgemein die Bedeutung .Bezirk" erhalten.
Welche spezielle rechtliche Bedeutung der Brühler Beifang hatte, zeigen die Art. XXV und XXVI: Alle, die in diesem Bezirk wohnten, durften nicht von auswärtigen Gerichten behelligt werden, mußten aber
andererseits den Brühler Bürgern gewaffnet zu Hilfe kommen, wenn
diese in Kriegszeiten die Sturmglocke läuteten. Welche Orte zu diesem
Beifang gehörten, ist in Art. XXXV festgelegt. Es fällt auf, daß zwar
Sürth und Weiß erwähnt werden, nicht aber das viel näher bei Brühl gelegene Schwadorf. Vielleicht wirkt hier nach, daß Schwadorf vorzeiten
zum Bonngau gehörte, während die Orte des Beifangs sämtlich im Bezirk des alten Kölngau-Gerichts liegen. Mit Engdorf ist der heutige AltEngeldorfer Hof gemeint. Da der Anfangsbuchstabe des Worts .Hoggendorf" im Text A undeutlich geschrieben ist, hat Lacomblet .Roggendorf" gelesen. Gemeint ist aber zweifellos - so auch Text B - Hoggendorf, ein bei Meschenich gelegener Hof, der zu Anfang des 15. Jhd. zur
Wüstung wurde.
In Art. XXIX ist mit dem Wort "cormeda" die Lehnsabgabe gemeint, die
später meist als .Kurmut" bezeichnet wurde. - Ursprünglich waren alle
Lehen eines Fronhofs höchstpersönlich, mußten also nach dem Tode
des Belehnten mit allem lebenden und toten Zubehör dem Lehnsherrn
zurückgegeben werden. Erst in der Hohenstaufenzeit wurde es Brauch,
daß der Lehnsherr das Lehn wieder an einen Erben des Verstorbenen
austun mußte. Als symbolische Anerkennung der früheren Pflicht, al-
22
les an den Lehnsherrn zurückzugeben, mußte aber nun der Wiederbelehnte seinem Lehnsherrn das beste Zubehörstück seines Hofs abgeben: bei großen Höfen das beste Pferd, bei Bauernstellen ohne Pferdegespanne den besten Pflug. Weil der Lehnsherr das jeweils beste Stück
selbst auswählen - .küren" - konnte und weil man das Entgelt für eine Belehnung .mede" oder .Mut" (~ Miete) nannte, bezeichnete man eine derartige Wiederbelehnungsabgabe als .curmede" -latinisiert .corimeda" - oder .Kurmut".
Die Verpflichtung, den besten Pflug abzugeben, wurde schon seit dem
14. Jhd. durch Geldzahlung abgelöst: anstatt des Pflugs war eine Silbermünze, der .silberne Pflug", zu entrichten. Anders lagen die Dinge bei
den .Pferds-Kurmuten". Bei diesen ließen die Lehnsherren injedem Falle das beste Pferd durch ihre Hofgeschworenen auswählen, und es
stand in ihrem Belieben, ob sie anstatt des ausgewählten Pferds eine
Geldzahlung annahmen. In solchen Fällen forderten anscheinend viele
Lehnsherren willkürlich hohe Zahlungen, auf die sich der Belehnte einlassen mußte, wenn er das Pferd für seine Hofarbeit brauchte. Deshalb
war es eine Vergünstigung für die Brühler Bürger, daß ihnen in
Art XXIX des Stadtrechts gestattet wurde, eine Pferds-Kurmut des erzbischöflichen Fronhofs mit nur einer Silbermark zu bezahlen, wenn sie
das ausgewählte Pferd behalten wollten.
Bei den Lehen des erzbischöflichen Fronhofs Brühl wurde die Kurmutpflicht anscheinend schon sehr früh aufgehoben. Es gibt keine Archivalien, die darüber berichten, und in dem um das Jahr 1440 geschriebenen
lngelden-Register der Baumeisterei Brühl (HStAD Kurköln Kartular 3
S. 129 ff.) werden keine Kurrnuten mehr erwähnt. Dagegen erhoben die
Stifte St. Cäcilien (Palmersdorf), St. Severin (Schwadorf) und St. Georg
(Vochem) noch bis Ende der Kurfürstenzeit Kurmuten. 1777 bezahlte
die Canonie Bödingen die für ein Lehn ihres Brühler Hofs an das St.
Georgs-Stift zu leistende Kurmut - ein Pferd, einen silbernen Pflug und
einen seidenen Beutel - mit Geld (HStAD Bödingen Akten 10 f.
50), und noch am 12.5.1791 wurden bei der Erneuerung zweier vom Palmersdorfer Hof abhängender Lehen des Salweidenhofs in Sechtern dessen 6 Pferde in Palmersdorf aufgetrieben und für die zwei daraus ausgewählten Pferde 8 Goldstücke Kurmut gezahlt. (HAK St. Cäcilien Akten
40 e).
Das Wort "hogericht" bezeichnet .Hochgerichtsbarkeit", also die
Rechtsbefugnis, Todesstrafen zu verhängen und zu vollstrecken. Diese
Befugnis hatte das Brühler Schöffengericht als landesherrliches Gericht; sein Galgen stand bei Godorf am äußersten Rande des Amts
Brühl. Hochgerichtsbarkeit hatte im Jahre 1285 auch das Palmersdorfer
Gericht des St. Cäcilien-Stifts. Sein Galgen stand bis ins 16. Jhd. auf dem
23
"Galgenmorgen", etwa dort, wo heute die Bundesbahn die Falkenluster
Allee überquert. Hochgerichtsbarkeit hatte damals auch das Schwadorfer Gericht des St. Kuniberts-Stifts; allerdings nur im Bereich des
heutigen Weiherhofs. Durch die Justizreform von 1537 wurden die
Strafbefugnisse der beiden letztgenannten Gerichte aufgehoben.
Das Wort "hoverecht" wird in der alten Ubersetzung mit "Herrenrecht"
wiedergegeben. Es bezeichnete die Abgaben. die der Inhaber eines Hofeslehns an seinen Grundherrn zu leisten hatte. Wenn beispielsweise
ein Vochemer Bauer, der Grundstücke des St. Georgs-Stifts zu Lehen
besaß, Brühler Bürger wurde, seine Vochemer Grundstücke aber weiterhin bearbeitete, mußte er selbstverständlich seine Lehnsabgaben meist eine bestimmte Menge Roggen - auch weiterhin im Vochemer
Fronhof abliefern.
Der Ausdruck "offenwunde" bedarf keiner Erklärung. Auch das Wort
"bIutrunst" ist in dem Ausdruck "jemanden blutrünstig schlagen" heute
noch gebräuchlich.
Das Wort "scinberdait" wird gemeinhin als "offensichtliche Gewalttat"
interpretiert (scinber ~ scheinbar ~ augenscheinlich). Diese Bedeutung
kann es aber in Art. IX des Stadtrechts nicht haben. Wenn die Richter in
allen Fällen offensichtlicher Gewalttat das Haus des Täters hätten abbrechen müssen, dann wären in der Wirrnis des ausgehenden 13. Jhd.
wohl nur wenige Häuser stehen geblieben.
Daß dieser Art.IX nicht so zu verstehen ist, zeigt Art. 111.1.1 des Sachsenspiegel-Landrechts:
"Umme nicheynir hande ungerichte sol men up houwen dorphbuw, iz
ne si daz da maget oder wiph inne genodeget werde oder genodeget ingevuret si, da sol men uber richten, oder men untredet daz mit rechte ..
AI lebende dinc, daz in der notnumft was, daz sol men unthoubeden". (K.
A. Eckhardt, Sachsenspiegel, Hannover 1933, S. 108)
In der Ubersetzung von Ruth Schmidt-Wiegand lautet diese Stelle:
"Wegen keinerlei Verbrechen soll man Gebäude im Dorf niederlegen,
es sei denn, daß ein Mädchen oder eine Frau darin vergewaltigt oder
vergewaltigt dorthin gebracht worden ist. Darüber soll man richten,
oder man bestreite es gerichtlich.. Allen Lebewesen, die bei der Vergewaltigung zugegen waren, denen soll man den Kopf abschlagen". (Eike
von Repgow, Der Sachsenspiegel, Manesse-Verlag Zürich 1984, S. 160)
Inhaltsgleich ist Art. 209 des Schwabenspiegel-Landrechts. (W. Wakkernagel, Der Schwabenspiegel, Zürich MDCCCXL, S. 201)
Nur mit dieser einengenden Interpretation - .schandebringende Tat"erhält Art. IX des Stadtrechts einen plausiblen Sinn.
24
4.
Vergleich mit der Lechenicher
Stadtrechtsurkunde von 1279
Vorlage der Brühler Stadtrechtsurkunde war die Lechenicher Stadtrechtsurkunde vom 15. Sept. 1279. Die Stellen der Lechenicher Urkunde, die nicht übernommen wurden - vgl. die vorstehenden Anmerkungen 20, 21, 23, 25, 26 und 30 - lassen sich wie folgt überset. zen:
20) .. mit alleiniger Ausnahme unserer Torhüter, die von den Gütern,
die gegenwärtig von uns oder unserem Hofe zu Lehen gehen, bei
dem vorerwähnten Anlaß nichts zu bezahlen oder leisten brauchen.
21) Niemand kann oder soll nach dem Tode seiner Frau Güter unseres
Hofs zu Lechenich seiner zweiten Frau und deren Söhnen erblich
unter Enterbung seiner Söhne erster Ehe übertragen; gleicherweise kann auch eine Frau nach dem Tode ihres ersten Mannes solche
Güter nicht auf ihren zweiten Mann und dessen Söhne übertragen.
23) Wir wollen, daß der Zoll, den man Akzise nennt, ihnen ewig frei
und unbeschwert verbleibe zur Verbesserung der vorgenannten
Stadt und für anderenBedarf der Stadt, so lange die Befestigung der
erwähnten Stadt besteht; mit der Maßgabe allerdings, daß sie darüber alljährlich vor unserem Richter und den dortigen Burgmannen ordnungsmäßig Rechnung legen. Auch dürfen sie diesen Zoll
ohne Zustimmung des Richters und der vorgenannten Burgmannen weder verpfänden noch belasten.
25) Kein Auswärtiger, der nach Lechenich kommt, um sich daselbst
niederzulassen - gleichgültig wie reich er ist - braucht als Schatzung oder als Bede mehr als vier Solidi zu zahlen. Wenn er arm ist,
liegt es im Ermessen des Richters, zweier Burgmannen und der
Bürger, zu bestimmen, wieviel er zahlen soll.
26) Die Burgmannen sollen den Bürgern und umgekehrt die Bürger
den Burgmannen getreulich beistehen gegen alle außer uns und
unsere Kirche. Wenn einmal eine Fehde oder ein sonstiger Streit
zwischen den Burgmannen und den vorgenannten Bürgern ausbricht, sollen zwei Burgmannen und zwei Bürger die Macht haben.
den Streit zu schlichten und friedlich beizulegen. Wenn Burgmannen nicht vor den Schöffen einen Vertrag über schuldrechtliche
Verpflichtungen geschlossen haben, dürfen sie nicht vor das
Schöffengericht gezogen werden. es sei denn, daß sie innerhalb
des Gerichtsbezirks offenkundig das Recht verletzt haben.
30) .. fünfzig Mark jährlich am Tage des hl. Remigius (1. Oktober) an-
25
statt der nur dreißig Mark, die sie bisher gewöhnlich gezahlt haben.
Fast alle diese Bestimmungen regeln die Beziehungen zwischen den offenbar genossenschaftlich organisierten - Burgmannen und den Bürgern. Die Nicht-Obernahme dieser Bestimmungen in das Brühler Stadtrecht zeigt, daß die Burg Brühl - anders als einige Autoren meinten erst nach 1285 erbaut worden ist, wahrscheinlich ab 1289. Auch hat es in
Brühl nie eine Burgmannen-Genossenschaft gegeben.
Weiter ist bemerkenswert, daß zwar Lechenich, nicht aber auch Brühl
schon bei Gewährung des Stadtrechts das Recht erhielt, Akzise zu erheben. Daraus kann man schließen. daß für Brühl damals die Akzise-Erhebung belanglos war, weil es - anders als Lechenich - nicht an einer
Durchgangsstraße lag und keine akzise bringenden Händler und Handwerker dort wohnten. Die Bestimmungen des Art. XXXI des BrühIer
Rechts, die im Lechenicher Recht fehlen, zeigen, daß Brühl im Jahre
1285 noch ein reines Bauerndörfchen war. Bezeichnend für die damalige Steuerkraft der bei den Städte ist, daß Brühl nach Art. XXXII nur 10
Mark Bede zu zahlen hatte, während die Lechenicher Bede 1279 von 30
auf 50 Mark erhöht wurde.
26
III.
IDie alte beutfc6e Ü6etfct~ung ber
@)tabtrec6tt3urfunbe uon 1285
tT\
it 110n ~I)fribo btr ~tat! ~rutC gtgtbtne S»ril1i!tgia eonfirmirt im iabr
~ 1509 abm bingftag ~oft conl1trnonia ~. S»auli arebit~lfco~ua s»bIlW'
~ua in l1trbia:
Ilo bal1rn roir Ibntn olltrmitj rait unb mebdong afttrbtebanta, eaVitula unb an'
bmm unfm ratbt unb frunbe brn tbtgtnanttn burgtmrifttr, febtfftn, gan!tr
gemrinbt unb unbtrfaITtn unfer ftat! 110n ~rud confirmirt, btftabigtt, confirmi,
rrn unb btftablgtn ibnrn 011ermit3 bieftm britff aHe ibu ~ril1llegla, fUl)btiten,
mbttn, gut alt btrfommtn, geroonbtn unb btftV, bit nt banbt 110n unfmn Ilor,
fabun ert!bifeboffrn 110n G:oHtn, nt frint ibnen l1trbritfft, l1trntgtlt oft unl1tr'
britfft unb unl1etntgtlt, fo roie nt bit btV abn btutigtn tag gtbatt unb gtbraebt
bant.
)mir ~l)fribual1on 6}0t3 gnabtn btr bl)lgtr G:olfeber .\tircbtn (!rtibifcboff, (!rti'
,ltantiltr beG bl)lgrn momifcbrn ~JUebv burcb malitn, tbonn funbt In bit gtmrin,
bt, bav roir nut! unbt gtmaeb unftr lt!rotr gttrtrotr fcbtffrn unbt burgtr ium
~rud unbt aueb btITtrung btrfdlltr fttbt jur nacbfolgtnbtr !ribt anftbrna mit
ratb unftr gttrtroer uff obgtnanttr febrffen unbt burgtr bitt bema gtfebrrlltn
frel)brit grl1en:
ßum (!rftrn, bav bit burgtr in6 geriebt foHtn balltn !O fieftn ftlltn febtfftn, un6
unbt btr .\tolfebtr .\tirebrn unbt Ibntn fdll6 nüt!lieb, Ne roobnbafftig frinbt bin'
ntn btr ftebe !um ~rutL Unbt na btm bobe rinv fcbefftn6 obtr na mbtlicber
abftt3ung ainv mifttbigtn febtfftn6 foHen unbt mogrn bit anbm febeffen, fo noeb
in ltbtn ftint, mit rabe unfm'l febultbriven !um ~rud mit t!nem anbmn tbrba,
rrn btquemtn turotn mannt btl) ibum al)bt btn febtfftn ftubl!u trfüHrn maebt
babrn, btn roir eonfirmirrn foHtn.
mtm grinen febefftn mag man tnbtfet!rn roibbtr frinen tl)grn roiHen, bt tn ballt
ban bat Iltrbirnt burcb mijibalt be man ricbtlieb bl)bringrn mag.
Ztrm rot!cb menfcb, tr ftl) Ilan roat ftanbt6 tr roiHt, ncb !um ~rut! nibbtrfcblatt
unbt rin iabr bobr Iltrblel)rott unb ift roi!lig frinem btmn frintn mbtrn !ina
ober bat rtcbt bat ba beifcbt ~tmnrrcbt .IU bt!abltn, btn roiHrn roir nit !ulaITtn
fummmn noeb anroerbigen.
Zum geintn burgtr mag man {lringtn 3U 3rotl)ongrn obtr fam~ff ban Ilon eintr
27
offtntn monbtn obtr tobtfeb[agt.
mtm gtfebtbt tin tobtfe~[ag binntn brm mror! fo fo[[rn bir f[agtr bir fofttn [I)'
btn tufebtn bt ftmvrn unbt 30 btn faebtn bt 30 btm famv borrn, man nr bauieb/:
ba~ ift brgutd:/ nnt, ftint nr abtr nit fo bauie~ unb ift bat brl) rl)bt obtr offtn,
babr fünbig uor btm gtrie~t, fo fo[[tn mir bir fofttn boin. Unb a[fo[eb boitfeb[ag
tn fo[[ nit urrfönt merben fonbtr bt~ rie~tm'j or[off, unb ban gtbubrt brm riebttr
funff maref, er en mölbt ban gnab barinnrn botn.
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buft obtr buftr bts itnts btr bat uo[[tnbrae~t bat brrngtn unbt ban fon btr rieb'
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btr btn traUtn ift, ba~ ift btm rlebttr trfaUtn, btr trffbtrrt molbt ban bat mit fri,
nrm mbtt urrtbatigtn.
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uan btn f[tlntn f[agtn tn GaU btt riebttr nit mtbr ban aebt3tbn Vtnningb
btutn 30 bt~ riebttrs gnabtn a[~ uorfebriben.
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ba[brn uor grriebtt 3l)btn.
man fa[[ tn mag gtl)ntn burgtr 30 famv btifebtn ban ftir bit mi~bait br
man ntnt l2>ebimbarbatt, fonbmn mag tr neb mit nnr m~t brfebubbtn brlfer
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mo[br iemanbt3 in a[fo[ebem gtriebt gebrueben
nit be3ugen fonbtr gt3ugrn 3mrl)er febrffrn.
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brrl)mab[ fo[[ man tinrn burgtr fur bat gtriebt btifeben. iStrftimtt bt bat
erfte mabf fo rn ift rr nit bu~ft!!ig fur lltrfaumnis. ,3um 3mtl)trn maM lltrftft rr
btm riebtrr aebt3tbn brnario6 50 bt~ riebttra gnabtn ftir llrrfaumni6. ,3or brittrr
mabnungtn funff febiffing.
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umb f[tintr faebtn minen gtruffrn, brr ~at au~mtnbigr rntbinbt neb bureb ba~
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28
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gtn btl)bringtn mag.
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bafdbft ein burgtt, unbt bat mit fttbt gtwo~nbeit unbt tee~t.
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Zttm bit febtfftn obgtnant mit bmn grmeintn rabt foUtn brn fauff brobtV,
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boiVtn bt britte tbti( Rtbt'ibrt Unfmm riebtrr bit anbm 3Wtl) tbtiU 30r fttbt
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mtm gtintn burgtr tn faU man gnifftn gtftngCieb obtt batwttCfCieb (tgtn umb
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frel)btit btV mart3 bureb boitfeb(ag, btbenl) obtr gtbt'ibrCiebt ftrafffiebt faebtn.
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29
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auff gtmeintn marten frtl) \)legtn l1trtaufft 10 Illtrbtn.
3ttm aueb faU gein u~llltnbig riebttr maebt ban IU beUigen noeb IU tummmn
el)nieben burger 10m mrud umb tl)nieber faeben Illirren binnen bem termint ben
man ntnt ml)fanf, obtr binntn mruder ambt, fonbtr aUt an\l.lraebtn antrtffenbe
einige burgtr foHtn ul)~QttraQen Illtrbtn Mr bem gtrieMe binntn mrud.
3ttm Illdeb mtnfeb Illontnbt bl)nnen bem obQtnanten bl)fanet l1an mrud in
Unfen unbt ber ftebe notben mit gtllla\)tnber banbt 10 bdfftn nit en tom\)t 50 ber
bantcoettn unb frtlllentlieb au~blitfft, btr ift funff maret bot~ faHiQ.
3ttm ein nellle burgtr balllift Illtrben unb gtbruebe fttbe rrcbt6, btr faU 110r f\)ntn
inganet gtl1tn breI) feblHinQ, bt~ faH un~ erfebintn 51ll0lff benart unb illltl) febif'
ling jor fttbe Illeret.
3ttm Illdeb burgtr un~ boffs gubt balbtr turmotbig Illert, btr maQ f\)n beft \)trt
loefen mit einer maret, Illie gurt bat it Illtrt, unbt off bt trfftn bat gdbt obtr \)trt
IllI)Utn, gellen Illir ibntn beim.
3tem fo Illirrtn Illir aueb bat btnfortb nltmanbtj U\) ber tirebtn Qubt 30m mrud
btbtHiebt, getummtrt offt gtllldtlieb angtfaUtn Illtrbt in aUtrltl) Illl)ft. Unbt
Illiirbt emanbt barin briieblieb, btn faU man btHigen 30 unfer rlebttr btlftrongb.
3tem Illtr btn anber mit btm \)logt Ol1trl1otr ein~ anbmn lanbt ab3untbmen unbt
bat f\)n 3U mtbrtn unbt einen anbmn f\)ntn bufeb ol1ermtlfen, ber ift trfaHen filr
funff febiHing, unbt barumQ en faU man Ibn nit anllltnbtn bureb baß geriebt, ba~
gnant Illirbt bOQtriebt.
3tem foHen un~ unbt aueb unftn natommelinQtn bie obgenantt biirgert jabrs
.lor betben gel1tn Itbtn maret U\) unftr ltl1tr frallltn tag natil1itatiß iJJlariae.
3ttm Illir IllI)Htn aueb bat bt geriebtß bobbtn 10m mrutlt in btm gtriebt bafdffs
bie Illortb bt~ anbtß 110rtragtn obnl1trfanglieb tn mit btqutmtn turten Illortten
fonbtrn bt~ tlaQer6 faebt unb fraQe fur unfem riebter.
3ttm Illm e~ faeb, bap ben l1ur\l.lrrcbtr ober bep gtriebta bobbtn in furtragung
btr Illortb foleben anbt6 ncb fcbelmen unb Ne fdl1t l10rQtfaQttr ma~en nit aup,
\l.lrrcl)tn Illurbt, fo mag btr fcbefftn tl)ntr fonbtr boip in f\)ne rtbt faUen unb bt
btlfertn obnt llal,re I: ba~ ift obngtftbrbt:1
3tem Illir llliUtn unbt ftt,ltn, bat btr tbgtnanttr ttrmin gnanbt bl)fancr btr obQt,
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31
IV.
Neue deutsche Ubersetzung der
Stadtrechtsurkunde von 1285
W
ir, Siegfried, von Gottes Gnoden Erzbischof der heiligen Kölnischen Kirche, Erzkanzler des heiligen Römischen Reiches für Italien, tun männiglich kund, daß wir,
Nutz und Frommen unserer lieben und getreuen Schöffen und Bürger in Brühl getreulich
erwägend, damit diese Stadt in kommenden Zeiten wachse und gedeihe, auf Bitten dieser
Schöffen und Bürger nach Beratung mit unseren Getreuen ihnen die nachstehenden Freiheiten gewähren:
I. Zuvörderst sollen die Bürger das Recht haben, sieben Schöffen zu erwählen, die uns,
der Kölnischen Kirche und ihnen selbst genehm sind und in der Stadt Brühl wohnen. Und
wenn einer dieser sieben Schöffen vom Tade ereilt wird ader sich durch ein Verbrechen
oder eine sonstige Untat des Schöffenamtes unwürdig erweist, dann dürfen und sollen die
übrigen Schöffen den Unwürdigen, wenn es die Gerechtigkeit erheischt, durch ihren Richterspruch aus seinem Amt entfernen und an die Stelle des Verstorbenen oder Ausgestoßenen unter ihrem Eide und mit dem Rate unseres Schultheißen einen anderen angesehenen,
tüchtigen und ehrenhaften Mann wählen, und wir oder unser Amtmann werden den sa
Gewählten in seinem Amte bestätigen.
11. Kein Schöffe kann gegen seinen Willen seines Amtes entsetzt werden, wenn er dies nicht
durch ein nachweislich van ihm begangenes Verbrechen verdient hat.
111. Wir werden nicht zulassen, daß irgend jemand, welchen Standes er auch sei, der in die
Stadt Brühl gekommen ist, um sich hier niederzulassen, und sich hier ein Jahr lang ununterbrochen aufgehalten hat, fortan irgendwie behelligt werde, sofern er bereit ist, seinem
Herrn den schuldigen Zins zu entrichten oder die Abgabe, die man Hofrecht nennt.
IV. Kein Brühler soll zum gerichtlichen Zweikampf gezwungen werden können, außer wegen einer Körperverletzung, die man Offenwunde nennt, oder wegen Totschlags.
V. Wenn in der Stadt Brühl ein Totschlag begangen wird, sollen die Kläger die Kosten
der Kämpfer und alles dessen, was zu einem Zweikampfe nötig ist, aufbringen, wenn sie
dazu in der Lage sind. Wenn sie aber arm sind und dies allgemein bekannt ist ader sie vor
Gericht unter Eid erklären, daß sie in keiner Weise die Kosten aufbringen können, dann
werden wir oder unser Amtmann die Kosten tragen. Wenn man sich ober in einem solchen
Falle gütlich versöhnt, so bedarf es dazu der Genehmigung des Richters. Wenn jemand
klagt, der durch Offenwunde verletzt ist, so soll das gleiche gelten, daß nämlich der Zweikampf so betrachtet werde, als ginge es um einen Totschlag; es sei denn, daß der Streit mit
Genehmigung des Richters gütlich beigelegt wird. In solchen Fällen soll der Richter fünf
Mark erhalten, wenn er nicht einen Teil dieser seiner Gebühr gnadenhalber erläßt.
VI. In den Fällen, die man Blutrunst nennt, soll der Angeklagte nach Ermessen des Richters
sieben Schillinge und sechs Denare erlegen.
VII. Für kleine Streitigkeiten soll der Richter nicht mehr erhalten als achtzehn Denare, und
auch hierbei kann er wie in den vorgenannten Fällen von der Erhebung der Gebühr nach
freiem Ermessen absehen.
33
VIII. Ein Bürger, der wegen kleiner Streitigkeiten vor Gericht gezogen wird, soll den Reinigungseid allein leisten dürfen.
IX. Wenn jemand wegen einer sogenannten Schinbertat Klage erhebt. soll der Kläger den
Richter zu dem Hause oder zu den Häusern dessen führen, der diese Tat begangen hat,
und der Richter soll das Haus aufbrechen und abbrechen, und alles, was unter den Dachbalken des Hauses ist, soll dem Richter verfallen sein, wenn nicht der Eigentümer dieser Sachen seine Rechte darauf geltend macht.
X. Wer eine sogenannte Hochgerichtsklage erheben will, der soll zuvor unter Berührung
der Reliquien vor dem Gericht schwören, daß er damit keinen Unschuldigen vor Gericht
ziehe und die Verantwortung für diese Tat keinem Unschuldigen aufbürde.
XI. Kein Bürger darf und kann zum gerichtlichen Zweikampf entboten werden, wenn es
sich nicht um eine sogenannte Schinbertat handelt. Vielmehr soll er sich besser nach seinem
Rechte verteidigen als daß ihn ein anderer zu einem solchen gerichtlichen Zweikampf entbietet.
XII. Wenn jemand in solchen Fällen den Zeugenbeweis erbringen will, soll nur dos Zeugnis
zweier Schöffen Beweiskraft hoben.
XIII. Jeder Bürger, der vor Gericht geladen wird, soll durch den hierzu bestellten Boten
drei Mol geladen werden. Wenn er dos erste Mol säumig ist oder nicht vor Gericht erscheint, soll er hierfür keine Buße zu entrichten brauchen. Wenn er ober dos zweite Mol
nicht kommt oder auftritt, dann soll er noch Ermessen des Richters achtzehn Denare Buße
entrichten. Und wenn· er zum dritten Mole nicht kommt oder auftritt, obwohl er nachweislich geladen worden war, dann soll er noch Ermessen des Richters als Buße dem Richter
fünf Schillinge zahlen müssen.
XIV. Wenn ein Fremder wegen irgendwelcher Schuldverpflichtungen oder anderer geringfügiger Sachen vor Gericht gezogen wird, so mag er sich nach seinem Rechte verantworten und frei von dannen ziehen. Wenn es sich ober um eine sogenannte Hochgerichtssache handelt, dann soll noch dem Rechte der Stadt Brühl verfahren werden.
xv.
In keiner Streitsache sollen Zeugen zugelassen werden und kein Zeugnis soll beweiskräftig sein außer dem der Brühler Schöffen, es sei denn, dies sei gütlich vereinbart worden
oder es handele sich um Ehegüterrecht oder andere geistliche Sachen und dies könne
durch geeignete Zeugen in rechter Form bewiesen werden.
XVI. Niemand kann und darf fortan sogenannten Bonnwein in der Stadt Brühl zum Verkauf stellen.
XVII. Niemand kann oder soll Wein öffentlich im Einzelhandel verkaufen, wenn er nicht als
Bürger in der Stadt wohnt und der Stadt die vorgeschriebenen Abgaben entrichtet.
XVIII. Wenn ein Bürger im Auftrage und für Rechnung eines Auswärtigen dessen Wein in
der Stadt verkauft, so soll er als Buße entrichten fünf Schillinge und ein Ohm Wein, und
zwei Drittel dieser Buße sollen der Stadtkasse zustehen und ein Drittel uns oder unserem
Richter.
XIX. In der Stadt Brühl soll fortan kölnisches Maß gelten, und ein Sester Wein vorgenannten Maßes soll, wenn er gut geraten ist, höchsten für vier Denare im Kleinhandel verkauft
werden. Wenn ober der Wein knopp ist, der verkauft werden soll, dann sollen die Schöffen den Preis des Weines so festsetzen wie es den Verkäufern und den Käufern zugemutet
werden kann.
34
XX. Auch sollen die Schöffen nach Anhörung der Bürger den Verkauf von Wein, Bier,
Fisch, Fleisch und anderen lebensmitteln so regeln, daß sowohl die Käufer als auch die
Verkäufer auf ihre Rechnung kommen; und wer die Anordnungen der Schöffen nicht befolgt, der soll als Buße achtzehn Denare zahlen, wovon ein Drittel unserem Richter zusteht
und die anderen zwei Drittel in die Stadtkasse fließen.
XXI. Wer Grundstücke in der Stadt besitzt, der soll nach dem Wert dieser Grundstücke
gleich seinen Nachbarn die Abgaben an den Grundherrn und an die Stadt nach den jeweils maßgebenden Bestimmungen entrichten.
XXII. Kein Bürger darf verhaftet oder eingekerkert werden, bevor er nicht von den Schöffen der Tat, deren er bezichtigt wird, überführt ist und die Schöffen seine Verhaftung angeordnet haben.
XXIII. Alljährlich soll zu Brühl ein Markt stattfinden, und zwar am Sonntag nach Kreuzerhähung (14. September), und dieser Markt soll drei Tage hintereinander abgehalten werden,
nämlich am Samstag zuvor, am Sonntage selbst und am folgenden Tage. Und wir wollen,
daß dieser Markt die Freiheit genieße, daß niemand, der in diesen drei Tagen dahin
kommt, belangt, verhaftet oder in sonstiger Weise belästigt werden kann, wenn er nicht an
den drei Tagen die Marktfreiheit durch Totschlag, Diebstahl ader eine andere strafbare
Ausschreitung gebrachen hat.
XXIV. Auch soll in der Stadt Brühl am dritten Tage jeder Woche ein Wochenmarkt gehalten werden, auf dem man Feldfrüchte, pferde, Tuche, Kleinvieh und alles das verkaufen
und kaufen kann, was auf einem öffentlichen Markte gewöhnlich gekauft und verkauft
wird.
XXV. Kein Bürger darf in dem Bereich, den man Bivanc nennt, von einem auswärtigen
Richter belangt oder verhaftet werden; vielmehr muß jeder, der einen klagbaren Anspruch
gegen einen Brühler Bürger hat, nach Brühl kommen und seine Klage hier vor dem Richter
anbringen und verfolgen.
XXVI. So oft die Sturmglocke geläutet wird, weil wir oder die Stadt in Kriegsnot sind, müssen alle, die innerhalb des sogenannten Bivancs wohnen, unverzüglich der Stadt zu Hilfe
kommen mit Waffen und allem, was zur Verteidigung der Stadt nötig ist; und wer böswillig
zu kommen versäumt, verfällt deswegen in eine Strafe von fünf Mark, deren Bezahlung
wir von ihm verlangen können.
XXVII. Wer in die Stadt Brühl kommt, um sich daselbst niederzulassen, und hier Grundstükke erwirbt, der soll davon anteilig ebensoviel Abgaben entrichten wie die anderen Bürger,
die Grundstücke besitzen.
XXVIII. Wer in die Stadt Brühl ziehen und das städtische Bürgerrecht erwerben will, der
soll als Aufnahmegebühr drei Schillinge zahlen, von denen uns zwölf Denare und der
Stadtkasse zwei Schillinge zustehen.
XXIX. Wenn ein Brühler Bürger, mag er jetzt schon in Brühl wohnen oder erst spöter zuziehen, stirbt, so soll man für die Güter, die er von unserem Hofe zu Lehen gehabt hat, auf
Grund des Rechts, das man Kurmede nennt, für sein bestes pferd nicht mehr als eine Mark
zahlen, auch dann, wenn bei seinem Tode sein bestes pferd mehr als eine Mark wert war.
Und seine Erben dürfen wählen, ob sie das beste pferd abgeben oder eine Mark zahlen
wollen.
XXX. Wir wollen, daß fortan niemand auf dem Gelände der Kirche in Brühl behelligt, ver-
35
haftet, gewaltsam festgeha~en oder in irgendeiner Weise belästigt werden dorf. Und
wenn jemand dem zuwiderhandelt, so ist er geholten, uns eine angemessene Buße zu entrichten.
XXXI. Wer einem anderen mit seinem PFluge ein Stück seines Ackers abfurcht oder durch
furchen abnimmt und so seinem Acker zufügt oder im Walde den Wald seines Nachbarn
durch falsche Grenze verkleinert, der soll als Buße fünf Schillinge zahlen, ober er dorf deswegen nicht vor dos sogenannte Hochgericht gezogen werden.
XXXII. Auch sind die Bürger geholten, uns und unseren Nachfolgern als Bede am Tage
Marien Geburt zehn Mark zu entrichten.
XXXIII. Ferner wollen wir, daß die Stadtboten in Brühl vor dem Gericht da selbst die Worte
des Eides ohne Arglist vorsprechen, dabei nur die gehörigen kurzen Worte gebrauchen
und nicht den Sachverhalt des Klägers erärtern, der vor unserem Richter rechtshängig ist.
XXXIV. Wenn Boten beim Vorsprechen einer solchen Eidesformel arglistig handeln und
die Formel nicht, wie oben erwähnt, in gehöriger Weise sprechen, so soll jeder Schöffe, ohne sich damit bußfällig zu machen, in die Eidesleistung eingreifen und die Worte des Boten
ohne Arglist berichtigen dürfen.
XXXV. Wir wollen und bestimmen, daß zu dem sogenannten Bivanc gehören sollen Hönningen, Weiß, Sürth, Godorf, Immendorf, Hoffendorf, Meschenich, Engdorf, Geildorf, Badorf, Eckdorf und Vochem und daß olle, die in diesen Dörfern wohnen, den Brühler Bürgern zu Hilfe kommen müssen unter der genannten Strafe, wie oben bereits ausführlicher
bestimmt worden ist.
XXXVI. Jeder Brühler Bürger dorf in der Stadt Kühe, Ochsen und Schofe hoben und holten, so viel er will, und darf deswegen nicht belangt oder belästigt werden van uns oder unserem Richter ader unserem jeweiligen Amtmanne in Brühl.
XXXVII. Auch wollen wir, daß jeder Bürger, der dazu in der loge ist, hoben und holten soll
einen Plottenharnisch und andere ihm gemäße Waffen. Wenn er ober diese Waffen trotz
Mahnung nicht binnen vierzehn Tagen beschafft, verfällt er in eine Strafe von fünf Schillingen, die der Stadt Brühl zustehen.
Zum Beweis und zur Festigung dieser Anordnungen auf ewige Zeiten hoben wir diese Urkunde mit unserem Siegel bekräftigt den Bürgern erteilt.
Gegeben am sechsten Tage vor dem Feste der heiligen Apostel Philippus und Jakobus im
Jahre des Herrn zwölfhundert und fünfundachtzig.
36
v.
Das Brühler Stadtweistum
1.
Im Mittelalter bestand in jeder Grundherrschaft ein Gericht, in dem die Inhaber der größeren Hofeslehen als .Geschworene· unter Vorsitz eines vom Grundherrn eingesetzten
.Schultheißen· im Nomen ihres Grundherrn Recht sprachen. Wenn ein solches Hofesgericht Hochgerichtsbarkeit besaß, also Todesstrafen verhängen konnte, nannten sich die
Geschworenen meist .Schäffen". Jahrhundertelang entschieden diese Gerichte noch
mündlich überliefertem Gewohnheitsrecht. Seit dem 15. Jhd. wurde es dann üblich, ob und
zu von den Geschworenen/Schöffen ein Gutachten über wichtige Punkte des von ihnen
angewandten Gewohnheitsrechts einzuholen und als .Weistum" (Bekundung von Rechtswissen) oufzuzeichnen.
Ein solches Weistum der Brühler Schöffen ist die nachstehend abgedruckte ..Achten und
Scheffen Fruge der Statt Bruel". Jahrhunderte noch dem Privileg von 1285 aufgezeichnet,
zeigt dieses Weistum teils, wie einige Bestimmungen des Privilegs weiterentwickelt wurden,
teils enthält es spätere Nochbarrechts-Regelungen.
Die Geschichte der erzbischöflichen Gerichtsbarkeit in Brühl kann mangels schriftlicher
Oberlieferung nur grob skizziert werden. Sicherlich bestanden bei den Tafelhöfen Pingsdorf und Merreche schon von alters her Gerichte mit Hochgerichtsborkei!. Als diese Höfe
um dos Jahr 1185 zu dem Fronhof Brühl zusammengefaßt wurden, wurde ihre Gerichte zu
dem Schöffengericht Brühl zusammengefaßt, und aus diesem ging dann noch 1285 dos
"Stadt- und Amtsgericht· Brühl hervor, dessen Zuständigkeitsbezirk nicht nur dos Stadtgebiet, also dos Gelände des vormaligen Fronhofs Brühl, sondern auch die Amtsdörfer umfaßte.
Ohne Beziehung zu diesem Schöffengericht hotten ober noch wie vor 14 Lehen des Fronhofs Brühl- je 7 vormals Mercher und vormals Pingsdorfer Hofeslehen - Geschworene zu
stellen. Diese .Geschworenen-Güter" sind noch in den Ingelden-Registern der Baumeisterei
Brühl von 1593 (HStAD Kurköln 11.5689), von 1610 (aaO.IV.2414) und letztmals 1652
(aaO.lV.2416) erwähnt. Welche Aufgaben diese Geschworenen hotten, ist nicht bekannt,
da keinerlei Aufzeichnungen über ihre Tätigkeit überliefert sind. Art. 14 des Weistums mit dem dorin verwendeten Ausdruck .der geschworen" ist die Gesamtheit der Geschworenen gemeint -läßt vermuten, daß sie ursprünglich wie bei ollen Hofesgerichten die Rechte des Lehnsherrn gegenüber seinen Lehnsleuten und deren Rechte gegenüber dem Lehnsherrn zu wahren hotten. Mit dem Zerfall des Lehnswesens entfiel ober diese Aufgabe. In
dem vorgenannten Art. 14 werden die Geschworenen des Fronhofs Brühl letztmals erwähnt.
2.
Dos Brühler Stadtweistum ist überliefert in einem undatierten und unsignierten Schriftstück
(StAB Akten 9), dos außerdem noch die alte deutsche Obersetzung der Stadtrechtsurkunde
und eine Aufzeichnung über dos Brühler Weiderecht enthält. Dieses Schriftstück istvermutlich um dos Jahr 1670 von Tilmann Feuerpeil geschrieben worden. Dos Weistum wird darin
als ..Achtenn und Scheffen Fruge der Statt Bruel" bezeichnet. Hierbei bedeutet ..Achten"
37
zweifelsfrei das, was man heute "Gutachten" nennt. Das Wort "Fruge" bedeutet aber nicht
.Froge" - wie es später, im Jahre 1715, mißverstanden wurde, als man die ursprüngliche
Bedeutung dieses Worts vergessen halle -, sondern "Wruge" (Rüge); es weist in die Zeit zurück, als die Hofesgerichte das bröuchliche Gewohnheitsrecht zu wahren und etwaige
Verstöße dagegen zu rügen hallen. Verölfentlicht wurde das Stadtweistum von H. Aubin
in seinen Weistümern der Rheinprovinz Bd.11.2 Amt Brühl, Bann 1914, S. 29.
3.
Achtenn und scheffen fruge der StaH Bruel
(1) Anfenglich und zum ersten erkennen wir schelfen unseren gnedigsten herren ertzbischolfen zu Collen und churfürsten vor einen gewaldt und grundtherren, dem sei bigen
klockenklang, wildtlangk, wassergangk, geboll undt verboll sambt allem, waß gewaldt
.
betrelfen thuet, zuständig ist.
(2) Zum zweylen soll ihre churfürstl. dchlcht. dieses orths haben ein besatz gericht mit einem schultheißen undt sieben schelfen. und im fall, daß einiger von den schelfen durch
schickung golleß ablievich wurde, so sollen undt mugen die andere schelfen, so noch im leben sein, macht haben, zweye tugendthallte persohnen ihrer churfürstl. dchlcht. zu ernennen undt vorzustellen, darouß einer mit roth der ernannter schelfen erwehlet soll werden,
so dem gericht bequem seye.
(3) Item die schelfen sollen schetzen alle leibsfuederung und wahr, drug und naß, undt
daß nach Colner kaulf, laulf undt wehrung.
(4) Item alle dingstagß soll in dieser stall frey marck gehalten werden, undt welcher außwendiger oder heimscher, so vor fünlf schillingk werth alda feil brengt, derselb soll kummerloß undt unbeschwerdt sein von iederman, außbehalten wer gegen die hohe obrigkeit
verwirckt hall, soll kein beschudden haben.
(5) Item eß haben die schelfen dieses gerichts die freyheit in ihren haußeren im fall iemandts mit kummeren oder sonst beschwerdt würdt, daß derselb in der schelfen haußer
queme, soll er sechß wochen und drey tage freyheit haben, undt im fall er nah verlaulf derselbiger zeit drey fueß auß deß schelfen hauß queme undt alßdan widerumb darin, so soll
die genante freyheit abermahls anfangen; eß hab den jemandts gegen die hohe obrigkeit
gethan, so hat die Ireyheit kein stall.
(6) Item sollen der stall mauren frey von allen gebewen sein undt zur noth gehalten werden also, daß man dahin ruhelich fahren undt wand elen mäge, undt im fall einig gebow
darohn hinderlich sein würdt, soll man in der noth abzubrechen macht haben ohne iemandts gegenredt.
(7) Item die Ipenbach soll auch frey undt unbebawt sein und gehalten werden, also daß
man zu beyden seylhen ieder mensch zur noth mit zweyen emmeren waßers ruhelich dalangß gehen moge; im fall einig gebaw darahn hinderlich, solches mag abgebrochen werden in der noth sonder einige wiederredt.
(8) Item eß soll sein ein olfen goß zwischen Thomas Schumacher, nun Johan von Schwadorll, undt Severin Brewer, nun Simon Bodefee underkeller, biß uII die genante Ipenbach,
undt im fall einiger hinder darahn were, soll abgeschallt werden in der noth.
38
(9) Deßgleichen soll auch ein olfen goß sein und geholten werden zwischen Johan Blankkenheims erben, nun Jacob Reulfer, und Severin Schaulf, vorhin Joachim Schencks erben,
behaußungen biß ufI den pohl im Forster, nun Lutzerathß, holf, undt zur noth forth biß ahn
den wohl und statmaur.
(10) Item die Giesenmahr erkennen wir schelfen der gantzer gemeinden zu gebruchen in
oller noth, doch ist dieselbe von den herschafften von Hersei zu Vochem gefreyet, daß niemandt darin soll macht hoben. floß zu rusten. schaalf zu waschen noch fisch zu fangen.
(11) Item die sandtkull ulf dem Vochemer path in der Alter Straßen ahn dem Burbacher
land! gelegen ist gantz gemein, einem jederen zu seiner nath zu gebruchen.
(12) Item erkennen wir schelfen, daß die jungferen deß gotteshauß zum Benden ulf dem
Kirchenbroich undt darumbhero, wohe daß die gemeinde zum Bruell von nothen hoben
würdt, underholten undt im baw holten sollen sieben brücken darüber zu fahren undt zu
dreiben mit dem viehe und anders. Und im fall derhalben iemandtem einiger schadt zustundt, eß were ahn menschen, pferdten oder ander viehe, so sollen die jungferen und gotteshauß zum Benden ollen schaden ulfrichten und erstatten.
(13) Item die goß hinder Jacob Schenck, Goddert Cantzier und Kaarsten p. und zwischen
unsers gnädigsten herren mußgarten stehet im behalt der geschworen.
(14) Item wirdt gefrugt, daß unser gnädigster herr ahn dem bow deß schalfstahls neben
Evert schultißen, nun Gerhardt Brewers platz, hot drey fueß platzen unbebowet liggen
laßen, deßalb hell der geschworen in hueden im fall zukunfftiger zeit der lediger platz bebawet wurde, daß alsdon unserem gnedigsten herren daran kein abbruch geschehe.
(15) Item erkennen wir schelfen undt geschworen, daß dos regenwaßer und! ander überflüßig gewäßer, so sich ulf der Collner straßen in der statt versorniet, zum halben theill umb
Johan Palmerstorff, nun Dioniss Bodefee, behaußung in den Burbacher holf und daß ander theililangs Jesuiter, nun Buschmons erben, hauß durch die goß auch in den Burbacher
holf undt don forth under mauren in den statgraben laulfen soll.
(16) Item dos gewäßer, so sich ulf dem Marck versomblet, soillaulfen zum aiden oder
burgholf zu in daß Buflelsbath, dah es ober ohn endtgeltnuß über den marck in die bach
kommen kont, soll auch gestattet werden.
(17) Waß die Pingstorffer bach belangendt, sollen beyderseiths anerben dieselbigeftüßig
unden im grundt zwey fueß, oben vier fueß weith holten, von der thiergardtenmaur ahn
biß oben ahn die Wenendahlsmüllen. Diese bach sollen die geschworen in huthen holten
und waß dorahn seumig, oll und iedesmahl ohnbringen, fruegen und die schuldige stralfen
hellfen.
4.
Wann und aus welchen Anlässen dieses Weistum aufgezeichnet wurde, ist noch ungeklärt.
Noch den darin erwähnten Personennomen sind zwei Fassungen zu unterscheiden.
Zur älteren Fassung gehären: Thomas Schumacher, erwähnt 1592/93; Severin Brewer, erwähnt 1549-1591; Jacob Schenck, erwähnt 1571-1601,; Johann (Meiler) von Palmersdorf,
erwähnt 1556-1590. Dos in Art. 15 erwähnte Jesuiterhaus ist dos Haus .zum Stern", heute
Markt Nr. 28, dos die Societas Jesu zwischen 1570 und 1593 erwarb und 1664 on den
39
Amtsverwalter und Oberkellner Solentin Buschmann verkaufte.
Zur jüngeren Fassung gehören: Johann von Schwadorf, erwähnt 1652-1677; Simon Bodife (d.Ä.), erwähnt 1645-1688: Jacob Reuffer, erwähnt 1667-1678; Severin Schauff, erwähnt 1667-1691: Gerhard Breuer, erwähnt 1663-1697; Dionys Badife, erwähnt 16551675. Die in Art. 15 erwähnten ,Buschmanns erben' waren die Erben des 1666 verstorbenen Salentin Buschmann.
Nach diesen Daten läßt sich vermuten, daß die ältere Fassung des Weistums um das Jahr
1590 aufgezeichnet wurde, nachdem die Wirren des Truchsessischen Kriegs, in dem Brühl
schwere Schäden durch die Spanier erlitten hatte, abgeklungen waren. Die zweite Fassung
kännte um das Jahr 1670 entstanden sein, vielleicht im Anschluß an die Erstellung des Großen Simpel-Katasters.
5.
Die topographischen Angaben lassen sich wie folgt identifizieren:
Die in Art. 8 erwähnte Brandgasse lag zwischen zwei Häusern an der Westseite des
Markts, an deren Stellen heute das Haus Markt Nr. 5 steht. Sie wird in Archivalien der kurfürstlichen Zeit mehrmals erwähnt, ist aber in der Kataster-Urkarte von 1821 nicht mehr eingetragen.
Auch die in Art. 9 erwähnte Brandgasse ist in der Kataster-Urkarte nicht mehr eingezeichnet. Sie lag zwischen den Häusern Uhlstraße 20 und 22. Der ,pohl", zu dem sie führte, war
ein Weiher, an dem der Lutzerather Hof lag, der später Janshaf genannt wurde. An der
Stelle dieses Weihers befindet sich heute der Janshof-Parkplatz. Als im 12. Jhd. der Verbindungsweg zwischen den Fronhöfen Brühl und Pingsdorf - der heutige Straßenzug Uhlstraße/Pingsdorfer Straße - angelegt wurde, mußte man einen Bogen um diesen Weiher machen. Deshalb verläuft die Uhlstraße nicht gradlinig vom Markt zur Pingsdorfer Straße.
Die in Art. 10 erwähnte ,Giesenmahr" erstreckte sich vorzeiten von dem späteren Uhltor bis
zum heutigen Südfriedhof. Archivolisch läßt sich gut verfolgen, wie dieser Weiher im Lauf
der Johrhunderte allmählich verlandete. Heute erinnert nur noch der Straßenname.ln der
Maar" an jene nach einem Ritter Gyso von Lützelburg, der zu Anfang des 15. Jhd. einen
Hof in Brühl besoß, benannte Maar.
An der Stelle des in Art. 14 erwähnten Schafstalls des kurfürstlichen Burghofs stehen heute
die Häuser Markt Nr. 6 und Nr. 8.
In Art. 15 ist bestimmt, daß die Abwässer der Kölnstraße einerseits an "Dioniss Bodefee behaußung", dem House Kölnstr. 28, durch die Burgstraße und ondererseits langs Buschmanns Erben Haus, dem Hause Markt 28, zum Burbacher Hof, heute Belvedere-Porkplatz,
oblaufen sollten. Doß diese Abwässer von dort "under mouren in den statgraben lauffen"
sollten, ist der einzige bekannte Beleg über die Befestigung der Ostseite der Stodt Brühl.
Nach Art. 16 sollten die Abwässer des Morkts om kurfürstlichen Burghof, heute Markt Nr. 2
und Nr. 4, vorbei durch die heutige Schloßstraße in das .Büffelsbad" abloufen. Dieser Weiher, Zubehör des Burghofs, wurde 1729 zusommen mit den Schloßgräben zugeschüttet.
Heute liegt an seiner Stelle der Jordin Secret' des Schlosses Augustusburg.
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Das Schöffensiegel von Brühl, 1324

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