Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (parteinahe Stiftung)

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Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (parteinahe Stiftung)
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Erfahrungsbericht Auslandspraktikum & Abschluss-/Studienarbeit
Persönliche Angaben
Name, Vorname:
Mirschberger, Martin
Studiengang an der FAU:
Ökonomie/Politikwissenschaften
E-Mail:
[email protected]
Gasteinrichtung:
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Gastland:
Südkorea
Art des Aufenthaltes (z.B.
Praktikum
Praktikum)
Aufenthaltszeitraum
März-April 2015
(WS, SS oder Jahr):
1. Vorbereitung
Durch ein politikwissenschaftliches Studium kommt man oft in den Kontakt mit den
großen deutschen politischen Stiftungen, welche alle hier in Deutschland aber auch
weltweit politische Arbeit und Förderung westlicher Werte betreiben. Die fünf großen
politischen Stiftungen sind die Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU-nah), Friedrich-EbertStiftung (SPD-nah), Heinrich-Böll-Stiftung (Grünen-nah), Friedrich-Naumann-Stiftung
(FDP-nah), Hans-Seidel-Stiftung (CSU-nah) und die Rosa-Luxemburg-Stiftung
(Linke-nah). Für mich war klar, dass ich deren Arbeit mindestens einmal während
meines Studiums kennenlernen wollte und habe mich deshalb dazu entschieden,
mich um ein Praktikum bei einer der Stiftungen zu bewerben. Ich wollte unbedingt für
ein paar Monate nach Korea (Ich kannte das Land ein wenig und habe gute Freunde
dort) und hatte mir die Semesterferien zwischen dem WS und SS dafür ausgesucht.
Etwa 6 Monate bevor das Praktikum anfangen sollte, habe ich im Internet über die
dort tätigen Stiftungen recherchiert und Praktikumsanfragen versendet. Für mich
persönlich hat die Ausrichtung der jeweiligen Stiftung keine große Bedeutung gehabt,
da ich in keiner Partei oder politischen Organisation aktiv bin und mich eher mittig auf
der politischen Ideologieskala einschätzen würde. Außerdem muss hier darauf
aufmerksam gemacht werden, dass keiner der Stiftungen eine reine Parteienstiftung
ist, letztlich fördern alle das gleiche Ziel in Korea: Demokratieförderung,
Friedensförderung,
Pressefreiheit,
Förderung
der
deutsch-koreanischen
Beziehungen, usw. Alle dort tätigen Stiftungen bieten Praktika an und hätten mich
auch durchaus genommen, jedoch verlangen die meisten eine Mindestdauer von 3
Monaten. So viel Zeit hatte ich zwischen den Semestern jedoch nicht. Die KonradAdenauer-Stiftung und die Friedrich-Naumann-Stiftung (FNF) hatten mir letztlich
angeboten, dass ich auch kürzer bleiben könne, und so ist es geschehen: Kurz vor
Weihnachten habe ich meinen Praktikumsvertrag bei der FNF unterschrieben.
Zu der Bewerbung: Alle Stiftungen haben ein Motivationsschreiben, den Lebenslauf
und einen Notenspiegel verlangt, welche meist in Englisch und Deutsch ca. 3 Monate
vor Beginn des Praktikums eingereicht werden mussten. Kurz darauf wurde ich zu
einem etwa einstündigen telefonischen Vorstellungsgespräch eingeladen. Wichtig
hier ist das Interesse an dem Land und seiner Kultur, der Stiftung und was sie vertritt
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UND ein perfektes Englisch (Koreanisch war nie eine Einstellungsvoraussetzung).
Die Bewerbung ist also mehr oder weniger das gleiche wie auch bei Praktika im
Inland.
2. Anreise
Seoul, meine neue Heimat für zwei Monate, verfügt über einen der größten und
geschäftigsten Flughäfen der Welt in der Nachbarstadt Incheon. Alle großen
Fluglinien steuern diesen an und dementsprechend groß ist die Auswahl. Direktflüge
von Frankfurt und München kosten ca. 800 €, ich persönlich bin jedoch wegen eines
weiteren Aufenthalt in Südasien mit Emirate Airlines von München über Dubai für ca.
1100 € geflogen.
Als deutscher Staatsangehöriger benötigt man bei einem Aufenthalt von unter 90
Tagen und ohne Vergütung seitens des Arbeitgebers kein Visum. Man reist einfach
als Tourist ein, d.h. vorherige Besuche im Konsulat sind unnötig. Man fliegt einfach
hin, füllt ein Anmeldeformular im Flugzeug aus und bekommt seinen Stempel in den
Reisepass (Kosten: 0 €). Sollte man jedoch länger in Korea verbleiben, kann ein
Visum auch relativ einfach vor Ort verlängert werden, hierbei aber besser nochmal
an die koreanische Botschaft in Berlin wenden.
3. Unterkunft
Eine Wohnung bzw. ein Zimmer in Seoul zu finden ist leider leichter gesagt als getan.
Das Angebot ist auf der einen Seite riesig, auf der anderen Seite ist es jedoch wichtig
so nah wie nur möglich an dem zukünftigen Arbeitsplatz zu wohnen. Für Leute wie
mich, die kein Wort Koreanisch sprechen, fallen die meisten Angebote außerdem
sowieso weg. Daher empfehle ich Portale wie AirBnb, Craigslist und HostelWorld,
dort inserieren auch viele internationale Gastgeber kurzfristig und günstig Zimmer für
ein paar Monate. Korea hat ein für unsere Begriffe sehr seltsames System von
Kautionen, d.h. Kautionen sind oft lächerlich hoch und extrem schwer zu stemmen,
wenn man eben kein Koreaner mit entsprechendem koreanischem Bankkonto ist.
Davon, eine eigene Wohnung zu mieten, rate ich entschieden ab! Mitbewohner in
Korea sind oft der erste und leichteste Weg Leute kennenzulernen und in die
koreanische Kultur einzutauchen. Außerdem muss bedacht werden, dass Seoul,
mein Einsatzort, das teuerste Pflaster Koreas ist und dementsprechend
Wohngemeinschaften die billigste Art der Unterkunft ist. Wie schon zuvor gesagt ist
der Standort der Wohnung extrem wichtig für ein einfaches Leben in Seoul. Die Stadt
ist unglaublich groß und weitläufig, und obwohl eine ausgezeichnete Infrastruktur
existiert, kann es schnell passieren, dass man mehrere Stunden pro Arbeitstag in der
U-Bahn verbringt. Ich hatte durch meine Wohnungswahl den Luxus eines nur 15minütigen Arbeitsweges, dies spart unglaublich viel Zeit und Nerven.
Die Lehre von der Geschichte: Bereiten Sie sich intensiv auf die Wohnungssuche
vor, indem Sie so viele Anfragen wie möglich versenden und immer den Stadtplan
vor Augen halten. Die Wohnungssuche ist äußerst anstrengend, eine gute Wahl
beeinflusst Ihr Leben in Seoul aber maßgeblich. Fragen Sie deshalb auch mal bei
Ihrem zukünftigen Arbeitgeber nach, ob dieser womöglich ein paar Tipps hat bzw.
irgendwelche Stadtteile empfehlen kann.
Ich persönlich habe mir eine kleine Wohnung mit einem koreanischen Paar geteilt
und für mein Zimmer ca. 300 € bezahlt. Ich hatte jedoch großes Glück mit der
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Nachbarschaft und v.a. mit meinen Mitbewohnern, welche zu meinen engsten
Freunden in Seoul wurden.
4. Praktikum
Mein Praktikum bei der FNF war einfach klasse. Die Arbeit umfasste
Recherchetätigkeiten,
Projektvorbereitung,
Übersetzungen
und
sonstige
Bürotätigkeiten. Ich habe in einem kleinen deutsch-koreanischen Team gearbeitet
und mich auf Anhieb mit all meinen Kollegen bestens verstanden. Das Büro der FNF
in Seoul war für Süd-, sowie Nordkorea und Japan zuständig und dementsprechend
war mein Aufgabenbereich äußerst abwechslungsreich. Den Hauptteil meiner Arbeit
hatte jedoch mit Nordkorea zu tun, weil wir während meiner Zeit kurzfristig ein
größeres Projekt in Pjöngjang vorbereiten mussten und ich anschließend eine
politische Analyse zu nordkoreanischer Außenpolitik verfassen durfte. Diese wurde
später sogar von der FNF veröffentlicht.
Ich wurde immer unterstützt und gefördert und nie nur als Praktikant gesehen,
sondern als Teil des Teams. Außerdem haben meine Kollegen und der Chef immer
darauf geachtet, mir alle Aspekte der Stiftungsarbeit zu zeigen und Input meinerseits
ernst genommen. Letztlich wurde mir persönlich zwar klar, dass die Tätigkeit in einer
politischen Stiftung zwar unglaublich interessant und vielseitig ist, wegen der
Parteiennähe jedoch nichts für mich als Job nach dem Studium ist. Ich kann jedoch
trotzdem jeden politisch interessierten ein Praktikum in einer unserer deutschen
Stiftungen wärmsten empfehlen.
5. Betreuung und Ausstattung
Die Betreuung bei der FNF war wie oben schon beschrieben klasse, ich kann hier
absolut gar nichts kritisieren. Sie haben mich um Unterstützung für Projekte gebeten
aber auch eigene kleine Projekte machen lassen.
Mein Büro habe ich mit dem Techniker der Stiftung geteilt, gleich neben dem Büro
des Südkoreareferendariats und der Sekretärin. Die FNF war in Räumlichkeiten des
obersten Stock der Hanyang University College of Social Science, direkt am Han
River, von wo man einen unglaublich schönen Blick auf eine Skyline Seouls (Seoul
hat einige Skylines) und das Universitätsgelände hatte. Außerdem durften wir alle
Vorteile des Universitätsbetriebes nutzen, vom Hausmeister bis hin zu den besten
Unimensen, die ich je gesehen habe.
6. Alltag und Freizeit
Der Alltag in Seoul ist in keiner Weise vergleichbar mit dem in Erlangen oder sonst
wo in Deutschland. Die Metropolregion Seoul mit seinen 25 Millionen Einwohnern
bietet unzählige Freizeitaktivitäten. Man ist jedoch immer auf den öffentlichen
Nahverkehr angewiesen, welcher zuerst etwas verwirrend ist, nach ein bisschen Zeit
hat man den Dreh jedoch raus (dringend den U-Bahn-App runterladen).
Es existiert an sich kein Stadtzentrum im europäischen Sinne, sondern verschiedene
Stadtteile, welche für verschiedenes bekannt sind. Zum Feiern geht man nach
Hongdae nahe der Hongik University, zum Einkaufen nach Itaewon und Gangnam
und zum Sightseeing der Paläste und Museen nach Jonggak. Hier muss man sich
auf jeden Fall erstmal einen Überblick schaffen und gegebenen Falls Empfehlungen
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von Freunden, Kollegen oder dem Internet einholen. Wirkliche Freizeit hatte ich leider
nur am Wochenende, da es nach der Arbeit in dieser riesigen Stadt schwer war noch
etwas Längeres zu unternehmen.
Restaurants gibt es wie Sand am Meer, v.a. die koreanische Küche alla Bibimbab
und Korean BBQ sind verbreitet, aber auch köstliches Streetfood wie Rice Cake und
Fish Sticks kann man überall bekommen. Ich persönlich habe das Essen in Korea
und die Auswahl in Seoul geliebt und bin daher oft noch nach der Arbeit mit
Freunden oder Kollegen essen gegangen. Auch der ein oder andere Abend mit
Chicken&Beer und anschließendem Karaoke darf für ein echt koreanisches
Ausgeherlebnis nicht fehlen.
Mein Alltag in dieser Megacity war von late-night shopping, coffee-to-go und
Gedränge in der Ubahn und auf den Straßen bestimmt. Man muss nun mal wissen,
worauf man sich hier einlässt. Einen Samstagnachmittag habe ich deshalb auch
gerne bei mir in der Nachbarschaft in einen der zahllosen kleinen Kaffees und Parks
mit Freunden oder einem guten Buch verbracht.
Man wächst einfach irgendwan in diese Stadt hinein und merkt dann gar nicht mehr,
wie stressig das Leben dort sein kann. Trotzdem empfehle ich, die Stadt das ein oder
andere Mal zu verlassen und in Korea einen Wochenendausflug zu machen. Dank
des großartigen Bahnsystems ist man schnell und billig auf einer der zahlreichen
Inseln, in den Bergen oder an der Küste. Die etwas abenteuerlustigeren von Ihnen
wollen eventuell auch mal das Grenzgebiet zu Nordkorea besuchen. Zum Thema
Nordkorea lässt sich übrigens sagen, dass es das Leben in Seoul nicht wirklich
beeinflusst, dass weniger als 100 km nördlich nordkoreanisches Militär steht, dafür ist
der Konflikt schon viel zu sehr in der Normalität busy Seouls eingewachsen. Für den
Fall, dass Sie gerne mal Nordkorea von Innen erleben wollen, empfehle ich Ihnen
sich früh darüber Gedanken zu machen, Informationen darüber entnehmen Sie am
besten von der Seite der nordkoreanischen Botschaft in Berlin oder einer der
nordkoreanischen Reiseveranstalter in Deutschland. Hier ist zu beachten, dass Sie
keine Chance haben von Südkorea aus nach Nordkorea zu kommen, es muss immer
über Peking oder Shanghai geflogen werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Alltag und die Freizeit in Seoul
dieselbe, wie in jeder Megacity ist: anstrengend aber aufregend. Es gibt immer was
zu unternehmen, manchmal will man jedoch dem Stress der Großstadt entfliehen,
und dafür bietet der Rest Koreas einiges an.
7. Finanzielles
Korea und v.a. Seoul ist aus der Kostenperspektive relativ ähnlich zu Deutschland.
Ich hatte das große Pech, dass zu meiner Zeit der Eurokurs relativ niedrig war und
somit alles etwas teurer war. Wie es bei geisteswissenschaftlichen Praktika nun mal
leider ist, habe ich außerdem nichts verdient. Daher musste ich die ca. 1000 € pro
Monat für Miete, Essen, Ausgehen, Rauchen, öffentlichen Nahverkehr (ca. 100 € pro
Monat), Reisen und tägliche Ausgaben selbst tragen. Stipendienmöglichkeiten bieten
hier v.a. PROMOS und der Internationale Hochschulfond.
Bezahlt habe ich hauptsächlich mit Kreditkarte und Bargeld (v.a. für Nahverkehr
notwendig). Bargeld kann gegen eine kleine Gebühr an jedem Bankautomaten
bekommen werden. Aber trotzdem: Ohne Kreditkarte ist man in Korea
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aufgeschmissen, deshalb sorgen Sie bitte dafür, dass Sie über eine mit
ausreichendem Limit verfügen.
8. Interkulturelles
Das Büroklima bei der FNF war ähnlich zu dem in Deutschland, v.a. weil alle
koreanischen Mitarbeiter meist selbst schon längere Zeit in Deutschland verbracht
haben und dementsprechend die deutschen Arbeitsabläufe übernommen haben.
Hier musste ich also nichts Besonderes beachten. Für das Leben in Korea muss
gesagt werden, dass dieses in vielen Situationen anders ist als hier in Deutschland.
Ein paar Eigenarten sind die folgenden:
• Man gibt nie, absolut nie Trinkgeld (Es wird als Beleidigung aufgefasst)
• Man sollte die höflichen Floskeln wie Hallo, wie geht’s, danke, tschüss
unbedingt auf Koreanisch drauf haben
• In der U-Bahn oder dem Bus sollte man keine Leute offensichtlich anstarren
oder beobachten, dies gilt als sehr unhöflich. Nehmen Sie deshalb immer
Musik oder ein Buch mit.
• In der konfuzianischen Tradition Koreas muss man älteren Mitbürgern immer
mit Respekt gegenüber handeln, z.B. den Platz in der U-Bahn anbieten.
• Wer Koreanisch zumindest lesen kann, ist klar im Vorteil ;)
• Schuhe werden vor dem Betreten einer Wohnung IMMER ausgezogen
• Rauchen ist gesellschaftlich nicht so akzeptiert wie in Europa
• Rempeln und Schubsen gehören zu dem täglichen Leben in Seoul, hier muss
man sich nicht jedes Mal entschuldigen, wenn man mal jemanden etwas
härter erwischt. Man darf selbst jedoch auch keine Entschuldigung von
jemand anderen erwarten.
• Die Beziehung zwischen den Koreanern und ihren Smartphones mag für uns
etwas seltsam wirken. Akzeptieren Sie aber einfach, dass in der U-Bahn alle
auf ihr Handy schauen anstatt miteinander zu reden oder ein Buch zu lesen
oder auf den Straßen mit Selfie-Sticks 1000te Selbstporträts geschossen
werden.
9. Fazit
Hier möchte ich mich kurz halten, v.a. weil jeder anders auf das Leben in Korea bzw.
Seoul reagieren wird, abhängig von Praktikum, Persönlichkeit und interkulturellen
Kompetenzen. Deshalb werde ich an dieser Stelle nur meiner besten und
schlechtesten Erfahrung während meiner Zeit in Seoul teilen.
Zu meinen besten Erfahrungen gehört auf jeden Fall die Vielzahl an
Unternehmungen, welche Seoul bzw. Korea bieten. Es wird einen nie langweilig und
für jeden Geschmack ist was dabei. Meine Zeit war aber hauptsächlich so großartig,
weil ich ein unglaubliches Glück mit meiner Arbeitsstelle und meinen Mitbewohnern
hatte. Sie und die Freunde, welche ich schon vorher in Seoul hatte, haben mir
ermöglicht die Stadt außerhalb der Touristenpfade zu entdecken. Kein Tag war wie
der vorherige, und es gab immer neue Situation und Abenteuer, die gemeistert
werden mussten (manche waren erst im Nachhinein lustig ;)). Einer der
nachhaltigsten Eindrücke auf mich hat jedoch die Stadt an sich gemacht. Das Gefühl
mit seinen Kaffee auf dem Weg zur Arbeit jeden Morgen unzählige Hochhäuser und
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Wolkenkratzer zu passieren und ein Teil der Menschenmassen zu sein, welche
täglich die U-Bahn-Stationen überfällt, hat bei mir pure Glücksgefühle ausgelöst.
Meine schlechten Erfahrungen in Seoul kann ich dank der wenigen solchen relativ
kurz zusammenfassen. Erstens rate ich jeden davon ab länger (> 6 Monate) in Korea
zu wohnen, ohne ein Wort Koreanisch zu sprechen oder zumindest lesen zu können.
Man sollte denken, man könne in einem so wirtschaftlich weit entwickelten und
bildungsorientierten Land wie Südkorea mit Englisch gut zurechtkommen, dies
stimmt aber außerhalb der Büroräume nicht. Ich persönlich hatte das Glück Koreaner
als Freunde zu haben, ohne Sie wäre ich einige Male öfters aufgeschmissen
gewesen. Im alltäglichen Leben kommen so zwar recht lustige Situationen zustande,
wenn es aber mal wirklich ernst wird, kann man auf den Spaß von Verzweiflung
wegen unzureichenden Verständigung jedoch gut und gerne verzichten.
Ein anderes Problem für mich persönlich war meine Körpergröße in dem doch recht
klein gewachsenen Korea. Mit meinen 1,90 darf ich von ausgedehnten
Shoppingtouren in Korea nur träumen, aber auch in der U-Bahn oder dem Bus hatte
ich des Öfteren Probleme, weil die Sitzplätze manchmal einfach zu klein waren und
ich mir täglich irgendwo den Kopf gestoßen habe.
Letztlich lässt sich sagen, dass Seoul all die Vor- und Nachteile einer Megacity hat
und jeder persönlich entscheiden muss, ob er für ein solches Leben gemacht ist. Ich
empfehle jeden zumindest mal einen Einstiegskurs für Koreanisch zu besuchen, dies
wird sich dort als äußerst nützlich erweisen. Ohne Freunde in Korea, wie ich sie
hatte, kann ein Leben dort trotz der vielen Menschen sehr einsam sein, denn
Koreaner sind nicht unbedingt die warmherzigsten und offensten Menschen auf
diesen Planeten. Deshalb sollten Sie dringend Kontakt zu anderen Ausländern oder
englisch sprechenden Koreanern aufsuchen und dies geht nun mal am besten über
die Arbeit oder die Wohnsituation.
Auf jeden Fall hoffe ich für Sie, dass Sie Seoul bzw. Korea so sehr genießen, wie ich
das getan habe und wünsche Ihnen viel Erfolg für ein eigenes Leben in diesem
großartigen Land.
Falls Sie noch irgendwelche Fragen haben, zögern Sie nicht sich zu melden.
Annyeong hi gyseseyo
Martin Mirschberger
10. Hilfreiche Links
http://www.fnfkorea.org/ (Dr. Lars-André Richter als Ansprechpartner)
http://german.visitkorea.or.kr/ger/index.kto
https://www.airbnb.de/
http://korail.kr/
http://seoul.de.craigslist.co.kr/
http://www.tommyooi.com/seoul-attractions/
http://deu.mofa.go.kr/worldlanguage/europe/deu/main/
http://www.smrt.co.kr/program/cyberStation/main2.jsp?lang=e (U-Bahn-Karte)
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