Erste Bayerische Modellstadt für Elektromobilität Bad - ME-NES

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Erste Bayerische Modellstadt für Elektromobilität Bad - ME-NES
Erste Bayerische Modellstadt
für Elektromobilität
Bad Neustadt an der Saale
Entwicklungen, Projekte,
Akteure und Institutionen
Fahrzeugschau 2015: 25. und 26. April
Grußworte
Sehr geehrte
Damen und Herren,
Elektromobilität ist die Mobilität der Zukunft: Leise, umweltfreundlich und verbunden mit
enormen Fahrspaß.
Vor dem Hintergrund endlicher fossiler Energien und
den Folgen des Klimawandels
müssen wir verantwortungsvoll mit unseren natürlichen
Ressourcen umgehen. Es gilt
daher innovative und effiziente Antriebsformen unter Nutzung regenerativer Energien
voranzubringen.
Die Bayerischen Automobilhersteller und ihre Zulieferbetriebe haben diese Herausforderung angenommen und
faszinierende Elektrofahrzeuge präsentiert. Nur dank der
Innovationskraft der Unternehmen und der interdisziplinären Zusammenarbeit mit
Sehr geehrte Leserinnen,
sehr geehrte Leser,
seit dem 07. Juli 2010 ist Bad
Neustadt die Erste Bayerische
Modellstadt für Elektromobilität. Diese Auszeichnung ist
das Resultat einer engen und
äußerst erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen der
Stadt Bad Neustadt und dem
Landkreis
Rhön-Grabfeld.
Gleichermaßen stellte die Ernennung die Modellstadt und
ihre Akteure vor große Herausforderungen, denn das Label Modellstadt sollte keineswegs einen Flottenversuch
mit Elektroautos in Bad Neustadt etablieren, sondern den
Entwicklungsstandort
Bad
Neustadt profilieren. Über
die Austauschplattform des
Fördervereines Modellstadt
für Elektromobilität Bad Neustadt - M-E-NES e.V. - konnten
verschiedene relevante Themen identifiziert und Projektpartner gewonnen werden.
In einem intensiven Prozess
wurden Partner der Wirtschaft
und der Wissenschaft einge-
2
unseren erstklassigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen konnte dies gelingen.
Gerade die Modellstadt Bad
Neustadt an der Saale bildet
diese Zusammenarbeit - frei
nach dem Motto: „Gemeinsam
sind wir stark!“ - hervorragend ab. Das enorme Engagement der Unternehmen sowie
der schulischen und wissenschaftlichen
Einrichtungen
gemeinsam mit der Kommunalpolitik sind die Basis für
den wirtschaftlichen Erfolg
der Modellstadt. Mehr als
100 Arbeitsplätze sind in den
letzten Jahren im Bereich der
Elektromobilität am Standort
Bad Neustadt an der Saale entstanden und belegen, welche
Bedeutung diese aufstrebende Technologie inzwischen
besitzt. Gleichzeitig zeigt dies,
dass die Bayerische Staats-
regierung mit ihrer Zukunftsoffensive
Elektromobilität
die richtigen Rahmenbedingungen setzt und ein ausgezeichnetes Investitionsklima
schafft.
Dabei stehen nicht nur das
Elektrofahrzeug selbst und
dessen Wertschöpfungskette
im Fokus, sondern im Sinne
einer systemischen Betrachtung auch das Energie- und
Verkehrssystem. Die Modellstadt Bad Neustadt a.d. Saale
stellt sich dieser Herausforderung mit einer Vielzahl von
unterschiedlichen Projekten.
Sie nimmt sich besonders der
Thematik des intelligenten
Stromnetzes und der Qualifikationsaktivitäten im Zeitalter
der Elektromobilität an.
Die Modellstadt Bad Neustadt
a.d. Saale sowie die beiden
weiteren Modellregionen in
Garmisch-Partenkirchen und
im Bayerischen Wald leisten
damit gemeinsam mit dem
Schaufenstervorhaben „Elektromobilität verbindet“ einen
wichtigen Beitrag, um die Elektromobilität voranzubringen.
bunden. In Zusammenarbeit
mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
konnten
sogar Staatsmittel akquiriert
werden, um ein In-Institut der
Hochschule in Bad Neustadt
aufzubauen. Mit dem Ziel, die
Öffentlichkeit stärker über
Aktivitäten,
Leistungsstand
und Modellpaletten zu informieren, hat das Projektteam
bereits im Oktober 2011 die
Erste Fahrzeugschau Elektromobilität mit dem Highlight
des regnerischen Leistungsrennens auf dem Flugplatz
Bad Neustadt / Salz veranstaltet. Drei weitere Mitarbeiter
des bis dato zweiköpfigen
Management-Teams verstärkten von November 2011 die
Strukturen. Nun waren beste
Voraussetzungen geschaffen,
Projektideen
aufzugreifen,
Projektpartner zu begeistern
und die Umsetzung mittels
einer
professionalisierten
Koordination in die richtigen
Bahnen zu lenken.
Inzwischen ist Bad Neustadt
um 150 Arbeitsplätze im Be-
reich der Elektromobilität
reicher und Standort eines
dynamisch wachsenden Forschungsinstitutes. Unter der
Leitung von Stiftungsprofessor Dr. Ansgar Ackva bindet
das TTZ-EMO bereits über 30
Wissenschaftler in aktuelle
Forschungsvorhaben ein und
übernimmt zunehmend Projektakquisetätigkeiten im Forschungs- und Entwicklungsbereich. Das Management hat
sich entsprechend wieder auf
drei Köpfe verschlankt und
arbeitet nach wie vor an der
Weiterentwicklung der Ersten
Bayerischen Modellstadt für
Elektromobilität.
Diese Sonderausgabe des
Stadtmagazins soll Ihnen einen Überblick über die laufenden Projekte und Aktivitäten in der Modellstadt geben
und einige Blicke in die Zukunft erlauben.
Wir wünschen Ihnen viel
Freude bei der Lektüre und
hoffen, Sie für das Thema begeistern zu können.
Bruno Altrichter,
Erster Bürgermeister der
Stadt Bad Neustadt
Ilse Aigner,
Stellvertretende Ministerpräsidentin / Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie
Thomas Habermann,
Landrat des Landkreises
Rhön-Grabfeld
Die Strategie des Freistaats Bayern für Elektromobilität
Elektromobilität
ist
ein
Megathema unserer Zeit.
Ressourcenverk nappung ,
Klimaerwärmung und die
fortschreitende
Motorisierung der bevölkerungsreichen
Schwellenländer
stellen insbesondere die
Fahrzeughersteller,
aber
auch Energieerzeuger, Netzbetreiber und andere Branchen vor neue Herausforderungen. Die Bayerische
Staatsregierung hat daher
Ende 2008 ihre Zukunftsoffensive Elektromobilität gestartet, um den Wirtschaftsund Wissenschaftsstandort
Bayern auf die Herausforderungen der Mobilität der
Zukunft vorzubereiten. Ziel
der Zukunftsoffensive Elektromobilität ist es vor allem,
•das Thema Elektromobilität als zukunftsweisende
und
umweltfreundliche
Technologie mitzugestalten,
•den Standort Bayern mit
seinen
Premiumherstellern, innovativen Zulieferern und einer weltweit
anerkannten Forschungslandschaft zum Vorreiter
bei der Elektromobilität zu
machen,
•Impulse für Unternehmen
und Wissenschaftler zu geben und
•
der bayerischen Wirtschaft und insbesondere
der Automobilindustrie zu
einem Innovationsschub
zu verhelfen.
Diese Strategie hat eine klare industrie- und technologiepolitische Ausrichtung,
die der Sicherung von Wertschöpfung und Beschäftigung im Zeitalter der Elektromobilität höchste Priorität
einräumt. Konkretisiert wurde diese auf die Stärkung des
Industrie- und Wirtschafts-
standortes Bayern ausgerichtete Zukunftsoffensive
Elektromobilität im Mai 2010
durch eine Fünf-Punkte-Strategie Elektromobilität mit
folgenden Schwerpunkten,
die insbesondere die sogenannte Marktvorbereitungsphase der Elektromobilität
unterstützen sollen:
Wald (E-Wald) als bayerische Modellregionen für
Elektromobilität will der
Freistaat Bayern innovative Anwendungsbeispiele
für die verschiedensten
Bereiche der E-Mobilität
in Verbindung mit der Anwendung von regenerativen Energien im ländlichen
Raum erproben. Hierfür stellt die bayerische
Staatsregierung rd. 37,5
Mio. € zur Verfügung. Auch
die vom Bund ausgewählten Elektromobilitäts-Regionen München und Allgäu werden vom Freistaat
Bayern weiter unterstützt.
Projekte aus beiden Regionen werden im bayerischsächsischen Schaufenster
„Elektromobilität verbindet“ realisiert.
BMW, E.ON, Siemens und
verschiedenen Stadtwerken) als Schaufensterprojekt auf Bundesebene
massiv unterstützt. Die
Bundesregierung hat 2012
bekannt gegeben, dass
vier Regionen gefördert
werden, darunter auch
das bayerisch-sächsische
Schaufenster „Elektromobilität verbindet“. Mit diesem gemeinsamen Schaufenster „Elektromobilität
verbindet“ leisten Bayern
und Sachsen einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Elektromobilität
in Deutschland. Insgesamt
sind über 100 Vertreter
von Unternehmen sowie
öffentlichen und wissenschaftlichen Institutionen
aus Bayern und Sachsen
am Schaufenster beteiligt.
Die Förderung der verschiedenen Projekte des
Schaufensters
„Elektromobilität verbindet“ erfolgt teilweise aus Bundesmitteln, teilweise aus
Landesmitteln. Der Bund
stellt für das Schaufenster
Bayern-Sachsen rund 40
Mio. Euro an Bundesmitteln zur Verfügung. Für die
Förderung der bayerischen
Projekte stellt der Freistaat
Bayern 15 Mio. Euro bereit,
Sachsen weitere 15 Mio.
Euro für die sächsischen
Projekte. Im Schaufenster
Bayern-Sachsen
werden
bis Ende 2015 40 Projekte umgesetzt, die ein Gesamtprojektvolumen von
ca. 130 Mio. € umfassen.
Die Projekte folgen dabei
einem systemischen Ansatz zur Integration von
Elektrofahrzeug, Energiesystem und Verkehrssystem.
• Mit dem Ausbau der bayerischen Forschungslandschaft wird das Ziel verfolgt, Innovationen in den
technologisch relevanten
Bereichen der Elektromobilität zu unterstützen.
Wirtschaft und Wissenschaft sollen Know-how
generieren, damit Bayern
auch bei alternativen Antriebstechnologien
Vorreiter bleibt. Der Freistaat
Bayern
finanziert
mit
über 90 Mio. € Maßnahmen in diesem Bereich,
wie z.B. den Ausbau des
Fraunhofer-Instituts
für
Integrierte Systeme und
Bauelementetechnologie (IISB) in Erlangen im
Bereich der Leistungselektronik, die Errichtung
des E-Drive-Centers in
Nürnberg als bayerisches
Technologiezentrum
für
elektrische Antriebstechnik, die Einrichtung eines
Technologietransferzentrums für Elektromobilität
(TTZ-EMO) in Bad Neustadt
a.d. Saale, die Errichtung
eines
F&E-Kompetenzzentrums Elektromobilität
mit Schwerpunkt Elektrochemie in Garching und
Würzburg, den Aufbau eines Anwenderzentrums für
Karbonfasertechnologie
in Augsburg sowie die finanzielle Ausstattung des
F&E-Programms Elektromobilität seit 2009.
• Die Aktivitäten für Elektromobilität im Rahmen der
Cluster-Offensive wurden
unter Federführung des
Clusters Automotive verstärkt. So wurde ein „Kompetenzatlas
E-Mobilität
Bayern“ erstellt, der das
bayerische Know-how im
Bereich der Elektromobilität von der Forschung bis
zur industriellen Umsetzung abbildet. Es wurde
ein bayerischer Staatspreis
im Bereich Elektromobilität geschaffen. Dieser
wird seit 2009 jährlich auf
der Fachmesse eCarTec
in München vergeben. Es
werden zudem Elektromobilitätskongresse durchgeführt bzw. unterstützt
(z.B. Begleitkonkress auf
der eCarTec oder Conference on Future Automotive Technologies – CoFAT)
und es finden gemeinsame
Auftritte auf (Elektromobilitäts-)Messen statt.
•Mit der Auswahl von Bad
Neustadt a.d. Saale, Garmisch-Partenkirchen und
der Region Bayerischer
•Die Staatsregierung hat
die Bewerbung eines industriegetriebenen Konsortiums (u.a. mit Audi,
Die
Bayerische
Forschungsstiftung
unterstützt ebenfalls Elektromobilitätsaktivitäten
in
Bayern. Sie hat dazu neben
Sonderausgabe 2014
3
Gastbeitrag der bayerischen Staatsregierung
Zukunftsoffensive Elektromobilität
Gastbeitrag der bayerischen Staatsregierung
der Förderung von Einzelprojekten einen Bayerischen Forschungsverbund für Elektromobilität
(FORELMO)
gegründet.
Im Mittelpunkt des Forschungsverbunds steht die
Optimierung des elektrischen Antriebsstrangs als
eine der zentralen technischen Aufgaben für die
erfolgreiche Umsetzung
der Elektromobilität. FORELMO erarbeitet hierzu
neue Lösungen mit den
Schwerpunkten
Elektromotor,
Energiespeicher
und
leistungselektronische Schlüsselkomponenten.
•Unter Federführung des
Bayerischen Wirtschaftsministeriums
hat
die
Staatsregierung eine interministerielle Arbeitsgruppe installiert, um die
Rahmenbedingungen
für die Elektromobilität
zu verbessern. Diese Arbeitsgruppe hat u.a. bayerische Positionen zum
Nachteilsausgleich
bei
der Dienstwagenbesteuerung, zur Verlängerung
der Steuerbefreiung für EFahrzeuge, zur Einführung
von Sonderabschreibungen für Ladeinfrastruktur
und E-Fahrzeuge sowie
zum Austesten straßenverkehrsrechtlicher Sonderregelungen abgestimmt und
vorangebracht.
In Anbetracht der anstehenden Markthochlaufphase ist
eine Anpassung der Zukunftsoffensive
Elektromobilität
erforderlich, um das Ziel
von 1 Million elektrifizierter
Fahrzeuge in ganz Deutschland im Jahr 2020 zu erreichen. Um der Elektromobilität den nächsten Schub zu
geben, müssen daher weitere Instrumente zum Einsatz
kommen, wie z.B.:
• Die forschungs-, bildungsund industriebezogenen
Aktivitäten müssen fortgesetzt und fokussiert werden:
oMit dem überarbeiteten
Technologieförderprogramm „Elektromobilität und innovative Antriebstechnologien für
mobile Anwendungen“
will das Bayerische Wirtschaftsministerium den
Übergang von heutigen
Fahrzeugantrieben hin
zur Elektromobilität und
anderen Antriebstechnologien beschleunigen.
oZugleich soll die Initiative zur stärkeren Elektrifizierung der Luftfahrt
intensiviert werden.
o
Das Bayerische Wirtschaftsministerium wird
im Rahmen seiner Qualifizierungsprogramme
Anstrengungen, um den
Fachkräftebedarf in der
Elektromobilität zu decken, unterstützen.
oDie bestehenden Netzwerkaktivitäten
im
Rahmen der Clusteroffensive sowie des Schaufensters „Elektromobi-
lität verbindet“ werden
fortgeführt und durch
den Aufbau einer Kompetenzstelle für Elektromobilität intensiviert.
•Es soll ein bayernweites
Konzept für den Aufbau
von Ladeinfrastruktur entwickelt werden, damit sowohl im privaten wie auch
im halböffentlichen und
öffentlichen Bereich eine
ausreichende Ladeinfrastruktur entsteht. Bestehende Aktivitäten wie der
Ausbau der Schnellladeinfrastruktur an Autobahnen
sowie der Aufbau von Ladestationen an staatlichen
Liegenschaften
müssen
hierbei integriert werden.
Um den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu verstärken, müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen
überprüft und ggf. Anreizmöglichkeiten geschaffen
werden.
•Im Sinne einer Signalwirkung und Vorbildrolle der
Staatsregierung ist die
staatliche Beschaffungsinitiative für elektrifizierte
Fahrzeuge umzusetzen.
• Es ist zu überprüfen, inwieweit durch Anpassungen in
der Stadt- und Verkehrsplanung (z.B. Anpassung
stadtplanerischer
sowie
baurechtlicher
Aspekte,
Stärkung
intermodaler
Mobilitätsangebote, Aufbau von Ladestationen an
P+R-Parkplätzen) die Rahmenbedingungen für Elektromobilität
verbessert
werden können.
Mit einer angepassten Elektromobilitätsstrategie wollen wir dazu beitragen, dass
sich die Elektromobilität am
Markt durchsetzen kann und
die bayerischen Akteure ihren Vorsprung weiter ausbauen.
4
vor dem Hintergrund politischer Zielsetzungen
Die in der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE)
auf Einladung der Bundesregierung
versammelten
Vertreter von Industrie, Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Gesellschaft in
Deutschland haben sich auf
einen systemischen, marktorientierten und technologieoffenen Ansatz verständigt, mit
dem Ziel, Deutschland zum
Leitanbieter und zum Leitmarkt für Elektromobilität bis
2020 zu entwickeln. „Ziel der
Bundesregierung ist es, bis
2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Bis 2030 sechs Millionen.“
(Quelle:
www.bundesregierung.de)
überzeugen. Denn als Nutzer
betrachtet er Elektromobilität
nicht in Einzelkomponenten,
sondern als ein ganzheitliches
Angebot: von Strom aus erneuerbaren Quellen und schnellem Laden über integrierte
Mobilitätskonzepte bis hin zu
ressourcenschonenden
Fahrzeugen mit alternativen
Antriebskonzepten. In diesem
System sind Elektrofahrzeuge
über Informations- und Kommunikationstechnologien mit
intelligenten Verkehrssystemen vernetzt und integrativer
Bestandteil eines intelligenten
Energiesystems (Smart Grid).
Die komplexen Abhängigkeiten für den Erfolg der Elektromobilität lassen sich im
Anspruch des systemischen
Ansatzes verdeutlichen:
Der Nutzer dieses Gesamtsystems steht im Mittelpunkt.
Um ihn herum ordnen sich die
verschiedenen
Teilsysteme
(Fahrzeug, Energieversorgung,
Verkehrsinfrastruktur), interagieren miteinander und der
Nutzer mit ihnen: Abb. 1
Nur ein funktionierendes Gesamtsystem wird den Kunden von der Elektromobilität
Im Umkehrschluss wird deutlich, dass durch die Vielzahl
der Komponenten, der Infra-
strukturen und Dienste sowie
deren erforderliche Vernetzung noch erheblicher Forschungs-, Entwicklungs- und
Optimierungsbedarf besteht.
Auch neue Formen der Integration von elektrischer Energie vor dem Hintergrund der
Energiewende entlang der
Wirkkette „Regenerativ Erzeugen - Speichern – Laden –
Fahren“ werfen eine Fülle von
Fragestellungen auf. Dabei
bedeutet systemisch natürlich auch immer, dass Lösungen, sollen sie eine Chance
auf Wirtschaftlichkeit haben,
nicht lokale, sondern vor allem globale Akzeptanz finden
müssen. Nur so können die
z.T. massiven Investitionen
gerechtfertigt und nachhaltig Arbeitsplätze geschaffen
bzw. gesichert werden.
Berechtigt ist dabei nun die
Frage, welche Rolle eine
ländliche Modellstadt im
Konzert der Elektromobilität
überhaupt spielen kann. Die
Antwort findet sich in verschiedenen Aspekten und Be-
Abb.1: Der Nutzer steht im Mittelpunkt (Quelle: Fortschrittsbericht der Nationalen Entwicklungsplattform Elektromobilität (Dritter Bericht))
Sonderausgabe 2014
reichen unseres Umfeldes:
1. Industrie: Die Modellstadt
Bad Neustadt ist geprägt von
starken Industrieunternehmen, welche bereits in der
Vergangenheit durch innovative Komponentenentwicklung auf dem Fahrzeugmarkt
überzeugen konnten. Branchenbekannt sind die Firmen
Preh, Jopp und Siemens. Mit
Ihrem Know-how sind sie
auch zukünftig in der Lage,
Felder der Elektromobilität
erfolgreich zu besetzen. BMW
vertraut zum Beispiel für das
Batteriemanagementsystem
des i3 auf die Lösung der Fa.
Preh, die mit der Entwicklung
und Fertigung von Batteriemanagementsystemen
ein
neues Geschäftsfeld mit der
Aussicht auf nachhaltige Arbeitsplätze in das eigene Unternehmenesportfolio aufgenommen haben. So stellt die
Elektromobilität eine Chance
dar, zur Zukunftssicherung
der Firmen und des Standortes beizutragen, wenn sich
die Produkte hiesiger Firmen
durchsetzen können. Und es
besteht kein Zweifel, dass
diese Möglichkeit genutzt
werden sollte.
2. Forschung- und Entwicklung: Mit der Entscheidung
ein
Technologie-TransferZentrum Elektromobilität in
Bad Neustadt a.d. Saale einzurichten, wurden Voraussetzungen erfüllt, die vorgenannten industriebezogenen
Entwicklungen hochschulseitig zu fördern. Kompetenzen
haben sich zwischenzeitlich
in der Modellstadt angesiedelt, so dass nun Unternehmen in die Lage versetzt werden, ihre Komponenten sehr
individuell auf ihren Bedarf
zuzuschneiden, analysieren,
testen und entwickeln bzw.
optimieren zu lassen. Eigenentwicklungen
bestätigen
wiederum die Leistungsfähigkeit, wie das Projekt des Bidirektionalen Ladens mit der
Fa. Jopp eindrucksvoll zeigt.
5
Die Modellstadt
DIE ERSTE BAYERISCHE MODELLSTADT FÜE ELEKTROMOBILITÄT
Die Modellstadt
Historische Entwicklung der Ersten Bayerischen Modellstadt für Elektromobilität
3. Vernetzung: Es ist von
Beginn an gelungen, eine
überzeugende lokale, aber
auch regionale Vernetzung
der interessierten Akteure herzustellen. Gerade die
Gründung des Fördervereins
M-E-NES e.V. war die Initialzündung dafür, Kräfte zu bündeln, Aktivitäten auf den Weg
zu bringen und der Modellstadt Konturen zu verleihen.
Die Weiterentwicklung des
Netzwerks über die Region
Mainfranken GmbH zeigte
im Grunde sofort Erfolge, da
bisher außerhalb des Fokus
stehende Firmen und Akteure
mit ihren Produkten und Entwicklungsbedarfen bekannt
gemacht und letztlich erfolgreich in die Projektwelt des
TTZ mit eingebunden werden
konnten.
4. Aus- und Weiterbildung:
Fachkräfte bilden eine langfristige Basis. Mit der sehr
frühzeitigen Entscheidung,
die berufliche Ausbildung um
die Komponente Elektromobilität zu erweitern, konnte
ein Alleinstellungsmerkmal
für unsere Region erzielt
werden. Überregionale Bedeutung erreicht die JakobPreh-Berufsschule nun auch
dadurch, dass hier die Lehrerfortbildung für den Bereich
Elektromobilität
platziert
wurde. Durch die Ausrichtung
auf elektromobile Ausbil-
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dungskompetenzen werden
Industrie und Handwerk nun
in die Lage versetzt, auf entsprechend geschultes Personal in diesem Geschäftsfeld zurückzugreifen. Zur
Fachkräftegewinnung
und
-bindung ein wichtiger Mosaikstein für die Bewältigung
zukünftiger Aufgaben in diesem Sektor.
5. Politik: Oft gescholten,
aber hier mit Schulterklappen
auszuzeichnen. Auf allen Ebenen und über Parteigrenzen
hinweg wurde hier beherzt
an einem Strang gezogen und
damit das Signal gesetzt: Wir
sind die richtige Region für
die Modellstadt Elektromobi-
lität im ländlichen Raum und
wir können hier hohe Ansprüche erfüllen. Darauf aufbauend hat sich ein sehr konstruktiver Draht zu Vertretern
des Bayerischen Wirtschaftsministeriums aufgebaut, was
zur Bewertung, Sinnhaftigkeit, Auswahl und Förderung
von Projekten von hoher Bedeutung war - frei nach dem
Motto: „Wir wollen die Dinge
nicht nur richtig machen, sondern vor allem die richtigen
Dinge tun.“
In Summe blicken wir aktuell
auf eine hohe Dynamik der
Entwicklungsarbeit rund um
die Modellstadt und werden
bestätigt durch erste Erfolge
der Firmen und des TTZ. Als
erfolgreich wird man die Aktivitäten im Nachgang beurteilen können, wenn eine Nachhaltigkeit bei den e-mobilen
Arbeitsplätzen erzielt wurde
und das TTZ durch überzeugende Entwicklungsergebnisse weitergehende Projektaufträge akquirieren kann.
Ulrich Leber u. Dr. Jörg Geier
(Projektmanager der 1. Bayer.
Modellstadt Elektromobilität)
Text- und Quellenhinweis:
Soweit nicht gesondert zitiert
sind die kursiv gedruckten Passagen dem Fortschrittsbericht der
Nationalen Entwicklungsplattform Elektromobilität (Dritter
Bericht) entnommen.
Übersicht über die Antriebstechnologien
(Quelle: Fortschrittsbericht der Nationalen Entwicklungsplattform Elektromobilität (Dritter Bericht))
Institutionen der Modellstadt
TECHNOLOGIE-TRANSFER-ZENTRUM ELEKTROMOBILITÄT (TTZ-EMO)
HOCHSCHULE FÜR ANGEWANDTE WISSENSCHAFTEN WÜRZBURG-SCHWEINFURT (FHWS)
Institutsleiter: Prof. Dr.-Ing. Ansgar Ackva
Stellv. Institutsleiter: Prof. Dr.-Ing. Joachim Kempkes
Räumlichkeiten:
Das TTZ-EMO befindet sich
in den Räumlichkeiten der
Jakob-Preh-Berufsschule mit
einer aktuell genutzten Fläche von ca. 300 m² in Form
von Labor- und Büroflächen.
Zusätzlich stehen Versuchsflächen auf dem Außengelände zur Verfügung für Arbeiten
an Fahrzeugen, Batterien und
Ladesystemen. Das TTZ-EMO
nutzt darüber hinaus im Rahmen der Zusammenarbeit mit
Professoren aus Schweinfurt
und Würzburg auch dortige
Räumlichkeiten und Labore.
Ressourcen:
ca. 30 Arbeitsplätze, Elektrische Messsysteme, Lade-
geräte, Batterietestsysteme,
Simulationswerkzeuge, Einrichtungen zur Entwicklung
elektronischer Platinen und
Geräte
Forschung:
Die Organisation des TTZEMO orientiert sich im Wesentlichen an den aktuellen
Forschungsschwerpunkten,
die hier stichpunktartig aufgeführt werden:
Energie:
Fragestellungen und Lösungsansätze im Zusammenhang mit der Elektromobilität,
Energiespeicherung und der
zukünftigen Energieversorgung bzw. der Energiewende
Zahlen/Daten/Fakten
Gründung des Instituts: 2012
Institutsadresse: Poststraße 31, 97616 Bad Neustadt a. d. Saale
Web-Präsenz:ttz.fhws.de
Personal: 36
davon wissenschaftliche Mitarbeiter: 32
mitarbeitende Professoren der FHWS:
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Batterie:
Fragestellungen und Lösungsansätze im Bereich
elektrochemischer Speicher
für die elektrische Mobilität
wie z.B. Batterie-Monitoring
im realen Betrieb, Alterungsuntersuchungen und aktive
Batteriemanagementsysteme
Netzstromrichter:
Fragestellungen und Lösungsansätze für die Ankopplung elektrischer Fahrzeuge an das Stromnetz zum
schnellen Laden und zusätzlich zum Entladen im Sinne
der Spitzenstromreduzierung
und Netzstromregelung
Elektr. Antriebe:
Fragestellungen und Lösungsansätze für elektrische
Motoren und Antriebe, deren
Auslegung und Regelung
Logistik:
Fragestellungen und Lösungsansätze im Zusammenhang mit der Mobilität
von Personen und Gütern im
ländlichen Raum
Kooperationen:
Das TTZ-EMO bearbeitet eine
große Zahl von Forschungsvorhaben mit der lokalen,
bayerischen und deutschen
Industrie. Darüber hinaus kooperieren wir mit benachbarten Hochschulen, dem Fraunhofer Institut ISC in Würzburg
und mehreren Universitäten.
TTZ-EMO-Mitarbeiter unterrichten im Rahmen der Technikerausbildung auch an der
Jakob-Preh-Berufsschule und
schaffen somit die Kopplung
unserer wissenschaftlichen
Einrichtung mit der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
<< Das TTZ-EMO-Team
Sonderausgabe 2014
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Institutionen der Modellstadt
JAKOB-PREH-SCHULE VORREITER IN SACHEN ELEKTROMOBILER AUS- UND FORTBILDUNG
Im Rahmen der Modellstadt
„E-Mobilität“ übernahm die
Jakob-Preh-Schule,
Staatl.
Berufsschule, Bad Neustadt
a. d. Saale, die Aufgabe, für
die Versorgung von Stadt und
Region mit fachkundigem
Personal für Service und Instandsetzung von E-Mobilen
zu sorgen und eine schulische Basis für Aus-, Fort- und
Weiterbildung zum Thema
„E-Mobilität“ zu schaffen.
Im Bereich der Aus-, Fort- und
Weiterbildung sollen Auszu-
bildende der Kraftfahrzeugtechnik und der Mechatronik
für das Thema Elektromobilität sensibilisiert werden.
Im Bereich der Kraftfahrzeugtechnik ist das Thema
Elektromobilität inzwischen
Bestandteil der regulären betrieblichen und schulischen
Ausbildungspläne.
Dabei
beschäftigen
sich
die Schüler(-innen) mit den
grundsätzlichen Anforderungen und Technologien rund
um die Elektromobilität. Sie
lernen Fachbegriffe zu deuten, funktionelle Zusammenhänge zu verstehen und
intensivieren ihren Lernerfolg hierbei durch aktuelle
Anschauungsobjekte, insbesondere mit ausgewählten
Schulungssystemen und Exkursionen.
In Zusammenarbeit mit der
Regierung von Unterfranken
und der zentralen Lehrerfortbildungsakademie
für
Bayern wurden und werden
lokale, regionale und überregionale Fortbildungsangebote zum Thema „Elektromobi-
lität“ für Lehrer angeboten.
Im Schuljahr 2012/13 wurde
an der Jakob-Preh-Schule
eine Fachschule für Fahrzeugtechnik und Elektromobilität angesiedelt. Damit besteht die Möglichkeit, in Bad
Neustadt die Prüfung zum
staatlich geprüften Techniker für Fahrzeugtechnik und
Elektromobilität abzulegen.
Ansprechpartner
Schulleiter OStD Kurt
Haßfurter www.bsnes.de
M-E-NES e.V.: Unterfrankens Schnittstelle für E-Mobilität
Schon vor Ernennung zur Modellstadt formierte sich im
Mai des Jahres 2010 der Förderverein M-E-NES e.V., um
das Thema Elektromobilität
in Bad Neustadt und der ganzen Region zu fördern. Initial
förderte der Verein den Kauf
privater E-Mobile, beteiligt
sich an den Kosten der jähr-
lich stattfindenden Fahrzeugschau und fördert schulischen
und wissenschaftlichen Nachwuchs rund um das Thema
Elektromobilität.
Auf unterfränkischer Ebene
versteht sich der Verein, der
überregional stark mit der
Region Mainfranken GmbH
Vereinsstruktur
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und mit den Wirtschaftskammern zusammenarbeitet, als
Schnittstelle für das Thema
Elektromobilität und als Ideenpool für neue Entwicklungen und regionale Kooperationen in diesem Bereich. Mit
aktuell 90 Mitgliedern aus den
Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie Privatpersonen und Verbänden,
wurde ein solides und kompetentes Fundament geschaffen,
um einen zielführenden und
Projekte generierenden Austausch in Gang zu setzen.
Weitere Informationen zum
Förderverein M-E-NES e.V. sowie das Beitrittsformular finden Sie im Internet unter der
URL: http://www.m-e-nes.de/
de/foerderverein.html
Ansprechpartner
Dr.-Ing. Hubert P. Büchs
Radeln für die Forschung: Pedelec-Testfahrer des FraunhoferInstituts für Silicatforschung ISC in Würzburg. (© Fraunhofer ISC)
Das im Oktober 2013 gestartete Forschungsprojekt
„PEDElEc – Pendler-eBike Dauertest mit elektrischen und
elektrochemischen Untersuchungen“ soll eine fundierte Datenbasis für die Verbesserung von Batterien für die
Elektromobilität schaffen. Im Rahmen des vom bayerischen
Wirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekts
werden bis Ende 2015 insgesamt 19 Elektrofahrräder für
den Pendlerverkehr in und um die beiden Städte Bad Neustadt a. d. Saale und Würzburg eingesetzt. Dabei werden
Fahrtstrecken, Batteriebelastung sowie der Zustand der
Batteriezellen genauestens untersucht.
Eine Million Elektrofahrzeuge sollen bis zum Jahr 2020
auf den deutschen Straßen
unterwegs sein. So sah es
ein Strategieplan der vorigen Bundesregierung im
Rahmen der Reduzierung der
CO2- Emissionen vor. Die
Zulassungszahlen von Elektroautos blieben bisher allerdings weit hinter den hohen Erwartungen zurück. Ein
Grund dafür liegt in den offenen Fragen zur Versorgung
der Fahrzeuge mit Energie.
Teure Batterien, lange Ladezeiten und vergleichsweise
geringe Reichweiten lassen
die elektromobile Zukunft
auf vier Rädern noch wenig attraktiv erscheinen.
Dagegen boomt der Markt
für Elektrofahrräder. Mittlerweile ist jedes zehnte in
Deutschland verkaufte Fahrrad elektrogetrieben. Insgesamt waren Anfang 2013
bereits 1,3 Mio der kräfteschonenden Pedelecs (Pedal
Electric Cycle) unterwegs in
Deutschland. Langzeiterfahrungen und verlässliche Daten hinsichtlich des Einsatzverhaltens der Fahrzeuge
wie auch der Batterien unter
realen Nutzungsbedingungen fehlen jedoch. Für die
gezielte Weiterentwicklung
von Batterien werden deshalb Daten aus dem Alltagsbetrieb gebraucht. Im Zentrum des Forschungsansatzes
steht der Einsatz des Pedelecs als Pendlerfahrzeug und
die Optimierung der Batterie
für dieses Fahrerprofil. Die
Testfahrer setzen die mit
speziellen
Datenloggern
ausgerüsteten Pedelecs im
Pendleralltag ein. So wollen
Forscher und Hersteller die
Alterung der Batterien in
Verbindung mit ihrem Nutzungsprofil aufklären. Dabei
geht es zum einen um die Erfassung und Auswertung der
Nutzungsprofile, zum anderen auch um die elektrochemischen Prozesse, die neben
der Funktionalität der Batterie auch mögliche Quellen
für deren Abnutzung bzw.
Ausfall darstellen können. So
soll am Ende des Projekts ein
Leitfaden im Umgang mit Pedelecs stehen. Des Weiteren
werden die Projektergebnisse genutzt, um eine Grundlage für weitere Entwicklungen
und Innovationen im Batterie und Batteriesysteme zu
schaffen. Das Forschungsprojekt wird im Rahmen der
„Modellstadt Elektromobilität“ Bad Neustadt a. d. Saale
vom Fraunhofer-Institut für
Silicatforschung ISC in Würzburg, dem Fahrradhersteller
Winora Group aus Sennfeld,
dem Batteriesystemanbieter
BMZ aus Karlstein und dem
Technologietransferzentrum
TTZ EMO der Hochschule für
angewandte
Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
durchgeführt.
Übergabe der ersten fünf Elektrofahrräder - mit elf Gängen, dem
Elektromotor sowie einem Smartphone zur Datenübermittlung.
Ansprechpartner
Gesamtkoordinator
Jürgen Schmitz
BMZ Batterien-Montage-Zentrum GmbH
Am Sportplatz 28-30, 63791 Karlstein am Main
Tel: +49 (0)6188 9956-438
E-Mail: [email protected]
Wissenschaftliche Koordinatorin
Jana Müller
Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC
Neunerplatz 2, 97082 Würzburg
Tel: +49 (0)931 4100 244
E-Mail: [email protected]
Jana Müller
Sonderausgabe 2014
9
Projekte der Modellstadt
Mit Rückenwind zu neuen Erkenntnissen:
Pedelec-Projekt in Bad Neustadt und Würzburg
Projekte der Modellstadt
NEEMO: Null-Energie-Elektromobilität
Eigenverbrauchsoptimierung durch vernetzte Strukturen
Gesamtvorhaben zwischen den Firmen MTC Maintronic GmbH, SenerTec, Kraft-WärmeEnergiesysteme GmbH und der Hochschule für angewandte Wissenschaften WürzburgSchweinfurt mit TTZ-EMO in Bad Neustadt.
Projektkoordinator:
Prof. Dr. Ansgar Ackva,
Institutsleiter TTZ-EMO
Kurzbeschreibung:
Ressourcenknappheit
und
globale Erderwärmung sind
Anstöße für ein Umdenken
in der Gesellschaft, das auch
die automobile Zukunft verändern wird. Dazu plant das
Partnernetzwerk
das Forschungsvorhaben
NEEMO.
Regenerative Energien und
Anlagen mit Kraft-WärmeKopplung sollen in Verbindung mit stationären dezentralen Speichern (Hausakku)
zur schnellen häuslichen Ladung von Elektrofahrzeugen
genutzt werden. Da es sich
um volatile, d.h. nichtsteuer-
bare Erzeuger handelt, muss
die Stromabnahme durch
Zwischenspeicherung
von
der zufälligen Erzeugung entkoppelt werden. Entgegen
der Energiewende „von oben
herab“ wird ein „bottom-upAnsatz“ gewählt, bei dem
Verbraucher mittels dezentraler Speicher die Energieversorgung für Ihre elektrischen
Fahrzeuge zum Teil selbst in
die Hand nehmen können. In
Anlehnung an das Null-Energie-Haus entstand der Begriff
und Projektname „Null-Energie-Elektromobilität“,
kurz
NEEMO.
Ansprechpartner
Prof. Dr.-Ing. Ansgar Ackva
Erzeugen - Speichern - Nutzen
Das ganzheitliche, dezentral ausgerichtete, regenerative Energienutzungskonzept verbindet volatile Energieerzeugung
(z. B. PV-Anlagen) mit Speichermöglichkeiten (z.B Batterieakkus) und zeitversetztem sowie bedarfsgerechtem Energieverbrauch im privaten, wie öffentlichen und gewerblichen Raum.
PV-Anlage
Stromspeicher (Akku)
Akku
BHKW
Elektrogeräte
kWh
Datennetz
Stromnetz
Prof. Dr.-Ing. Ansgar Ackva
Technologie-Transfer-Zentrum Elektromobilität Bad Neustadt
Ulrich Leber
Stadtwerke Bad Neustadt
Ganzheitliches Energienutzungskonzept: Verbindung volatiler Energieerzeugung und dezentraler Speicherung
zur zeitversetzten Nutzung für bedarfsgerechten Verbrauch regenerativer Energien
10
und Hemmnisse der Nutzer von e-Fahrzeugen auf! Institut für angewandte Logistik der FHWS
Mit dem Forschungsprojekt
„ANEvE“ wird in der Modellstadt für Elektromobilität
der nächste Schritt hin zum
möglichen Mobilitätswandel
getan. Das Forschungsprojekt
unter der Leitung von Prof. Dr.
Ulrich Müller-Steinfahrt wird
vom Institut für angewandte
Logistik (IAL) der Hochschule
Würzburg-Schweinfurt, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern in und um
Bad Neustadt, durchgeführt
und beschäftigt sich mit der
„Analyse der Nutzerakzeptanz von Elektrofahrzeugen
in verschiedenen Einsatzszenarien“.
ANEvE soll Aufschluss darüber geben, wie die Idee eines
integrativen e-Mobilitätsma-
nagements - ein System, welches auf einfachstem Weg
die effizienteste Fortbewegung eines jeden Einzelnen
möglich macht – umgesetzt
werden kann. Um die Akzeptanz zu erforschen, wurde die
elektromobile Nutzung in vier
Themengebiete aufgeteilt: In
Privatnutzung, den Einsatz in
Unternehmen, die kollektive
Nutzung, z. B. in Fahrgemeinschaften oder Car-SharingKonzepten sowie Einfluss der
Technik auf unser Verhalten.
Im privaten Bereich steht
die fehlende Erfahrung des
Einzelnen im Mittelpunkt.
Durch Befragungen, u. a. bei
der Nutzung des seit einigen
Wochen nutzbaren Bürgermobils soll festgestellt wer-
den, welche Informationen
für Käufer/innen wirklich von
Bedeutung sind.
Diese sind natürlich sehr
unterschiedlich zu den Bedürfnissen von Unternehmen
hinsichtlich ihrer Flotten.
Daher werden hier aus Versuchsfahrzeugen Daten erhoben, die Aufschluss über eine
sinnvolle Einbindung der EMobilität geben sollen.
Schüler der Jakob-Preh-Schule sind derweil dabei behilflich, Erkenntnisse im Bereich
der Verhaltensänderung zu
gewinnen. Sie nahmen an einer Versuchsreihe teil, in der
sie auf ihr eigenes Fahrzeug
verzichteten und eine zeitlang auf die E-Technik angewiesen waren.
Bereits abgeschlossen sind
Untersuchungen im Bereich
der gemeinsamen Nutzung
im städtischen Umfeld. Die
beobachteten Effekte sind
Verkehrsentlastung,
ökologische und ökonomische
Verbesserungen, die auch in
ländlichen Regionen bedeutsam sind. Nun sollen gezielt
Maßnahmen und Konzepte
erarbeitet werden, die diese
Erfahrung zur Akzeptanzsteigerung für Gemeinden nutzund umsetzbar machen.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Ulrich
Müller-Steinfahrt
Dipl. Betriebswirtin
Petra Germer
Projektabschluss Jakob-Preh-Schule:
v.r. Maximilian Kästel (IAL) und Petra Germer (IAL) mit den Schülern und Schulleiter Hr. Hassfurter (rechts)
Sonderausgabe 2014
11
Projekte der Modellstadt
eMobilität ist nichts ohne den Menschen – Forschungsprojekt deckt die Hürden
Projekte der Modellstadt
Auf anderem Wege – Lasten (per) Rad
Institut für angewandte Logistik der FHWS
Den Moment, an dem eine Privatperson das Auto stehen lässt
und sich aus Umweltgedanken
für öffentliche Verkehrsmittel
entscheidet, gibt es bei Paketdienstleistern nicht. Pakete können leider nicht in den
Bus gesetzt werden und erst
recht nicht an ihrem Bestimmungsort selbstständig aussteigen. Ganz im Gegenteil:
Jeden Tag fährt jeder einzelne
Paket-Dienstleister (DHL, DPD,
Hermes, GLS, UPS, uvm.) mit
seinen Lieferwagen mehrfach
Unternehmen und Haushalte an. Genau hier möchte das
TTZ-EMO gemeinsam mit dem
IAL – beides Institute der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt – ansetzen. Das Ziel dabei
ist Möglichkeiten aufzuzeigen,
dabei ist die Paketversorgung
von Bad Neustadt so gestaltet
werden könnte, dass die Auslieferung nachhaltig und wirtschaftlich erfolgt.
12
Um Alternativen zu eruieren
und Potentiale aufzudecken
führte das IAL (Institut für
angewandte Logistik) unter
Leitung von Prof. MüllerSteinfahrt eine Befragung
von 70 Unternehmen aus den
Bereichen Dienstleiser, Industrie und Handel durch, um
die Menge und Häufigkeit der
Paketein- und -ausgänge der
Stadt zu ermitteln.
Aufgrund der bereits bestehenden Organisation sowie
der Größe und Infrastruktur
der Stadt, mussten nach Analyse der Daten bereits einige
Ideen ausgeschlossen werden. Am vielversprechendsten hat sich das Konzept der
Mini-HUBB
(Mini-Hol-undBring-Box) erwiesen.
Diese Mini-HUBB soll als paketdienstübergreifende Sammelstelle für alle Pakete dienen, was zur Folge hat, dass
die Zusteller nur noch einen
Standort in der Stadt anfahren
müssen und somit Verkehrsaufkommen und Emissionsausstoß reduzieren. Nach einer
wegeoptimierten Sortierung
sollen die Warensendungen
dem Kunden dann per E-Lastenrad zugestellt werden. ELastenräder zeichnen sich besonders dadurch aus, dass von
ihnen keine Luft- und Lärmbelastung ausgeht, dank der
elektrischen
Unterstützung
dennoch selbst in hügeligen
Gegenden Güter bis zu 300
kg transportiert werden können. Aufgrund des reduzierten
Verkehrsaufkommens, würde
die Lebensqualität der Stadt
durch verminderte Emissionen
langfristig verbessert werden.
Zudem birgt die Idee auch
wirtschaftliche Vorteile, da
die Nutzung von teuren Lastkraftwägen samt Treibstoffverbrauch wegfallen würde.
Die Auslieferung per Lastenrad wäre aber nicht der einzi-
ge Vorteil dieser Mini-HUBB:
Die Mini-HUBB würde den Bürgerinnen und Bürgern von Bad
Neustadt durch ein Schließfachsystem zusätzlich die
Möglichkeit geben, 24 Stunden am Tag und sieben Tage
die Woche Pakete abzugeben
und entgegenzunehmen.
„Aktuell versuchen wir DPD,
Hermes und GLS von unserer
Idee zu überzeugen und sind
zudem auf der Suche nach Fördergeldern, um die Umsetzung
unseres Konzepts finanzieren
zu können“ sagt Projektleiterin Rebekka Bilke. Sie und ihr
Team arbeiten das Konzept gerade im Detail aus und hoffen
auf eine positive Reaktion der
Paketdienstleister.
Kontakt:
Institut für angewandte
Logistik (IAL):
[email protected]
Projekte der Modellstadt
Fort- und Weiterbildung
Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw)
Im Rahmen einer Initiative
der Bundesregierung, dem
Schaufenster Elektromobilität Bayern – Sachsen und
der Aktivitäten der Modellstadt „E-Mobilität“ in Bad
Neustadt, übernahm das Bildungswerk der Bayerischen
Wirtschaft (bbw) die Aufgabe, Beschäftigte, Schüler/
-innen und die Öffentlichkeit (für alle Teile der Bevölkerung) zum Thema Elektromobliltät weiterzubilden
und zu sensibilisieren.
In Workshops setzen sich
Schüler/-innen der Realschule, Gymnasium und Grundschule mit der Energiegewinnung, Energieleitung und
Energiespeicherung auseinander. Durch den Einsatz
eines Schulbaukastens für
Elektromobilität können die
Schüler/-innen experimentell die Zusammenhänge von
Stromgewinnung und -speicherung kennenlernen.
Ansprechpartner bbw Unterfranken
Mira Bernhart, Seniorberaterin
bbw Unterfranken | Londonstraße 20 | 97424 Schweinfurt
Telefon: 09721 – 1724 43 | Fax: 09721 – 1724 50 |
Mobil: 0160 90521465
[email protected] | www.bbw-seminare.de
In Informationsveranstaltungen sollen interessierte Bürger Elektromobile kennenlernen und live erleben.
In einem 3-tägigen Sequenzlehrgang, in Kooperation mit
der Feuerwehrfachschule und
der Jakob-Preh- Berufsschule,
sollen Mitarbeiter/-innen der
Freiwilligen Feuerwehr des
Landkreises Rhön-Grabfeld
mögliche Gefahren und Probleme bei verunfallten Elek-
trofahrzeugen kennenlernen
und in die Lage versetzt werden, darauf angemessen zu
reagieren. In Zertifikatslehrgängen sollen Beschäftigte
zu qualifizierten Fachkräften
für die Anforderungen einer
elektromobilen Zukunft weiterentwickelt werden.
Die bayerischen Metall- und
Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm unterstützen
dieses Projekt.
Mit praktischen Versuchsaufbauten wurden Schülerinnen und Schüler in das Thema Energieerzeugung und -umsetzung eingeführt.
Sonderausgabe 2014
13
Projekte der Modellstadt
Am 20. März 2014 hat das
Bürger E-Mobil der ersten
Bayerischen Modellstadt für
Elektromobilität seinen Betrieb auf genommen.
Das Bürger E-Mobil ist eine
Initiative der Modellstadt und
dient dem Ziel, den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt
Bad Neustadt und der Region
unabhängige und unverbindliche Testfahrten elektrischer
oder teilelektrisch angetriebener Autos kostenfrei anzubieten.
Im Rhythmus von zwei Wochen werden die Fahrzeuge
regelmäßig getauscht, so
dass in den nächsten Mona-
ten verschiedene Fahrzeuge
unterschiedlicher Marken für
die Öffentlichkeit zum Testen
bereitstehen.
Mit der Auftaktveranstaltung
am 20. März brach förmlich
ein „Run“ auf die Testfahrten
los. Nach nur drei Wochen lagen bereits über 70 Buchungen in der Zeit bis Oktober vor.
Hervorgehoben werden muss,
dass tatsächlich alle Altersgruppen - Frauen wie Männer
- von dem Angebot Gebrauch
machen. Gelobt wurde von den
Interessenten durchweg die
unbürokratische Abwicklung:
Anrufen - Termin vereinbaren vorbeikommen - fahren. In der
Ansprechpartner
Ulrich Leber, Technischer Leiter der Stadtwerke, Goethestrasse 7/9, 97616 Bad Neustadt, Tel. 09771 6220-19,
Fax: 09771 6220-25, Email: [email protected]
Regel können die Fahrzeuge
rd. 2 Stunden am Vor- oder am
Nachmittag sowie über Nacht
und am Wochenende gebucht
werden. Dies ist allerdings
von Fahrzeug zu Fahrzeug unterschiedlich. Ein dickes Lob
gebührt den Fahrzeughändlern, die aktuell 15 Fahrzeuge
im Wechsel, meist jeweils für
zwei Wochen zur Verfügung
stellen und damit das Gerüst
des Angebotes bilden. Durch
die Bank berichten die Test-
fahrer über völlig neue und
beeindruckende
Fahrerlebnisse mit den E-Fahrzeugen
und konnten sich somit ein
persönliches Bild über die
Rahmenbedingungen
aus
Fahrzeugleistung, Reichweite, Ladeprozesse und Komfort
machen. Und wenn die persönlichen
Einsatzszenarien
dazu passen, ist das nächste
Fahrzeug vielleicht ein elektrisches.
Bürger E-Mobil / Fahrzeugangebot
vom 20. März 2014 bis 19. Oktober 2014:
15 verschiedene E- und Hybrid-Fahrzeuge
01 Sa
02 So
03 Mo
04 Di
05 Mi
06 Do
07 Fr
08 Sa
09 So
10 Mo
11 Di
12 Mi
13 Do
14 Fr
15 Sa
16 So
17 Mo
18 Di
19 Mi
20 Do
21 Fr
22 Sa
23 So
24 Mo
25 Di
26 Mi
27 Do
28 Fr
29 Sa
30 So
31 Mo
14
März 2014
Rosenmontag
April 2014
01 Di
02 Mi
03 Do
04 Fr
05 Sa
06 So
07 Mo VW e-Up!
08 Di
09 Mi
10 Do
11 Fr
12 Sa
13 So
14 Mo
15 Di
16 Mi
17 Do
18 Fr
19 Sa
20 So
21 Mo
22 Di
23 Mi
24 Do
25 Fr
26 Sa
27 So
28 Mo Nissan Leaf
29 Di
30 Mi
Karfreitag
Renault Fluence
Ostersonntag
Ostermontag
Mai 2014
01 Do
02 Fr
03 Sa
04 So
05 Mo
06 Di
07 Mi
08 Do
09 Fr
10 Sa Fahrzeugschau
11 So Fahrzeugschau
12 Mo Ford Focus electric
13 Di
14 Mi
15 Do
16 Fr
17 Sa
18 So
19 Mo
20 Di
21 Mi
22 Do
23 Fr
24 Sa
25 So
26 Mo BMW i-3
27 Di
28 Mi
29 Do
30 Fr
31 Sa
Maifeiertag
Chr. Himmelf.
Juni 2014
01 So
02 Mo
03 Di
04 Mi
05 Do
06 Fr
07 Sa
08 So
09 Mo
10 Di Mitsubishi i-Miev
11 Mi
12 Do
13 Fr
14 Sa
15 So
16 Mo
17 Di
18 Mi
19 Do
20 Fr
21 Sa Sommeranfang
22 So
23 Mo Toyota Prius
24 Di
25 Mi
26 Do
27 Fr
28 Sa
29 So
30 Mo
Pfingstsonntag
Pfingstmontag
Fronleichnam
Juli 2014
01 Di
02 Mi
03 Do
04 Fr
05 Sa
06 So
07 Mo Renault ZOE
08 Di
09 Mi
10 Do
11 Fr
12 Sa
13 So
14 Mo
15 Di
16 Mi
17 Do
18 Fr
19 Sa
20 So
21 Mo Mitsubishi Outlander
22 Di
23 Mi
24 Do
25 Fr
26 Sa
27 So
28 Mo
29 Di
30 Mi
31 Do
August 2014
01 Fr
02 Sa
03 So
04 Mo E-Golf
05 Di
06 Mi
07 Do
08 Fr
09 Sa
10 So
11 Mo
12 Di
13 Mi
14 Do
15 Fr
16 Sa
17 So
18 Mo Toyota Auris
19 Di
20 Mi
21 Do
22 Fr
23 Sa
24 So
25 Mo
26 Di
27 Mi
28 Do
29 Fr
30 Sa
31 So
Maria Himmelfahrt
September 2014
01 Mo Renault Kangoo
02 Di
03 Mi
04 Do
05 Fr
06 Sa
07 So
08 Mo
09 Di
10 Mi
11 Do
12 Fr Opel Ampera
13 Sa
14 So
15 Mo
16 Di
17 Mi
18 Do
19 Fr
20 Sa
21 So
22 Mo Toyota Yaris
23 Di Herbstanfang
24 Mi
25 Do
26 Fr
27 Sa
28 So
29 Mo
30 Di
Oktober 2014
01 Mi
02 Do
03 Fr
04 Sa
05 So
06 Mo Nissan e-NV 200
07 Di
08 Mi
09 Do
10 Fr
11 Sa
12 So
13 Mo
14 Di
15 Mi
16 Do
17 Fr
18 Sa
19 So
20 Mo
21 Di
22 Mi
23 Do
24 Fr
25 Sa
26 So Sommerzeit Ende
27 Mo
28 Di
29 Mi
30 Do
31 Fr
Dt. Einheit
Reformationstag
Das Elektromotorenwerk von
Siemens in Bad Neustadt,
gilt im Siemens—Konzern
seit Jahrzehnten als eines
der Stammwerke für die Herstellung von Elektromotoren.
Innovationen im Bereich der
Asynchron- und Hauptmotoren sowie bei Synchronmotoren sichern bis heute die
Wettbewerbsposition im Bereich der Antriebstechnik.
Im Februar 2012 fiel die Entscheidung, die Motorenfertigung der neu gegründeten
Business Unit „Inside e-Car“
in Bad Neustadt anzusiedeln,
um die jahrzehntelang auf-
gebaute fachliche Expertise
auf die Entwicklung und Fertigung von Elektromotoren für Hybrid- und
Elektrofahrzeuge zu
übertragen. Dabei
gilt es, die
hohen Anforderungen der
Automobilindustrie zu berücksichtigen. Dies
betrifft sowohl die Qualität,
Lebensdauer und Verfügbarkeit der Komponenten als
auch die Prozess- und Teile-
von Elektromotoren für Hybrid- und Elektrofahrzeuge
zu eröffnen. Damit wird ein
wichtiger Meilenstein für die
Elektromobilität gesetzt: Die
neuen Produktionsanlagen
in Halle 6, Siemensstraße 15
in Bad Neustadt, decken den
gesamten Wertschöpfungsprozess von der Komponentenherstellung bis zur Endmontage ab.
Die neue Motorenfertigung
umfasst zudem eine vollautomatisierte Rotorlinie, die als
sehr kompakte Einheit die gesamte Wertschöpfungskette
des Rotors abdeckt. Diese ist
wiederum Teil der Motorlinie,
die ebenso den kompletten
Wertschöpfungsprozess abbildet.
Die Fertigung ist für 46.000
Einheiten pro Jahr ausgelegt.
Sonderausgabe 2014
15
Dokumentationen sowie Prozess-Stabilität.
Nach Aufbau
der
personellen
und
maschinellen
Kapazitäten ist
geplant, im September 2014 eine
neue
Fertigungslinie zur Produktion
Michael Frank, Standortleiter
Elektromotorenwerk Bad Neustadt
E-Motorenfertigung in Bad Neustadt für Volvo
Projekte der Modellstadt
Elektromotorenfertigung der SIEMENS AG, Standort Bad Neustadt
Projekte der Modellstadt
Generator X der Firma FGB
- Fertigungsgerätebau Adolf Steinbach GmbH & Co. KG
Ansprechpartner FGB
Thorsten Steinbach
Fertigungsgerätebau A. Steinbach GmbH & Co. KG
Strahlunger Straße 18, 97616 Salz bei Bad Neustadt
Tel: +49 (0) 9771 68877-174 |
Fax: +49 (0) 9771 68877-502
[email protected]
Die Firma FGB ist ein mittelständischer
Hersteller
von Sondermaschinen und
elektrischen Antrieben. Im
Rahmen der Aktivitäten und
Projekte der ersten Modellstadt Elektromobilität Bad
Neustadt wird das Unternehmen einen leistungsfähigen
10kW-Generator entwickeln,
bauen und diesen in eine
Standard-Kleinwindkraftanlage integrieren. Die Windturbine versorgt über einen
zwischengeschalteten Energiespeicher, der mit einer
Ladestation verbunden ist,
die firmeneigenen E-Mobile
mit Energie. So entsteht eine
rein regenerative Versorgungskette: Die elektrisch
betriebenen Fahrzeuge fahren somit ausschließlich mit
Strom, der aus Windkraft gewonnen wird.
Wirkkette von der Erzeugung über die Speicherung bis zur Nutzung in E-Fahrzeugen
16
Mit diesem Ansatz beschreitet das Sälzer Unternehmen
Neuland im Bereich der Elektromobilität, denn bislang
gibt es am Markt noch keine abgestimmten Lösungen
zwischen Kleinwindkraftanlage, Energiespeicher und
Ladesäule.
Informationen
über das Windaufkommen,
den Ladezustand des Energiespeichers und den Fahrzeugstatus sind jederzeit
online abrufbar, sodass eine
bedarfsgerechte
„Betankung“ der E-Mobile mit grünem Strom gewährleistet ist.
Mit dem langfristig angelegten Projekt testet FGB die
Gesamteffizienz dieser Wirkkette. Die Ingenieure von
FGB gehen davon aus, dass
die Effizienz um 5% bis 10%
im Vergleich zu bislang gängigen Lösungen gesteigert
werden kann.
JOPP - Group
Firmen Smart Grid der Firma Jopp Automotive GmbH
Als 2012 in einem großen
Workshop Projekte für die
Modellstadt Elektromobilität
gesucht wurden, hat Jopp das
bidirektionale und induktive
Laden im Firmennetz der Firma Jopp vorgeschlagen. Dieses Projekt wurde genehmigt
und der Genehmigungsbescheid wurde vom damaligen
bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil im Rahmen
der Fahrzeugschau Elektromobilität im Mai 2013 öffentlich an Dr.-Ing. Hubert P.
Büchs übergeben.
In diesem Projekt sind außer Jopp das TechnologieTransfer-Zentrum (TTZ) der
Fachhochschule WürzburgSchweinfurt in Bad Neustadt,
das Überlandwerk Rhön und
die Firma A. Eberle aus Erlangen eingebunden.
Im Projekt geht es um verschiedenen Vorhaben mit innovativem Charakter.
1. Bidirektionales Laden
von Elektrofahrzeugen im
Firmennetz. Firmen haben
im Tagesverlauf einen bestimmten Lastgang mit Leistungsspitzen. Da die Firma
für solche Leistungsspitzen
zusätzliche Kosten zahlt, ist
es ratsam, diese zu vermeiden. Dies gelingt, indem die
Batterien von Elektrofahrzeugen auf dem Firmenparkplatz
Leistung in das Firmennetz
abgeben. Danach können sie
wieder geladen werden. Dies
ist schwierig sowie bisher
nicht realisiert und nicht erprobt. Das TTZ hat für diesen
Zweck die zu den Fahrzeugen
passende Ladebox entwickelt
und gebaut. Weitere Ladeboxen werden bei Jopp gebaut
und zum Einsatz gebracht.
Auch die Versuchsfahrzeuge,
die für diesen Testbetrieb
eingerichtet sein müssen,
werden von Jopp beschafft
und von Mitarbeitern betrieben.
Ansprechpartner Jopp Automotive GmbH
Dr. Wolf Goetze, Leiter Elektronikentwicklung /
Manager Electronic Engineering
JOPP Automotive GmbH | Kastanienallee 11
97616 Bad Neustadt | Deutschland
Phone +49 9771 9105-265 | Fax: +49 9771 9105-130
E-Mail: [email protected]
2. Jopp betreibt in Bad Neustadt drei Werke: Zwischen
diesen gibt es einen Pendelverkehr, der auch mit Elektrofahrzeugen erfolgt. Da
das konduktive Laden mehr
Aufwand erfordert als das
induktive, ist auch das induktive Laden Gegenstand des
Projektes.
3. Ein Teil des Produktprogramms von Jopp wäre bei einer Änderung der Antriebsart
von Kraftfahrzeugen betroffen. Deshalb werden bei Jopp
Baugruppen und Systeme
untersucht, die auch in Elek-
trofahrzeugen
eingesetzt
werden können. Auch derartige Systeme werden im
Rahmen des Projektes entwickelt, gebaut und erprobt.
Die Projekte sollen bis Ende
2015 abgeschlossen sein. Es
ist davon auszugehen, dass
die Ergebnisse zu neuen Erkenntnissen und entsprechenden Neuprodukten führen werden.
Sonderausgabe 2014
17
Projekte der Modellstadt
J
Projekte der Modellstadt
Mobilitätsmanagement: Mit dem E-Fahrzeug zur Arbeit – ja, aber...
Institut für angewandte Logistik der FHWS
Wie gestalten die Arbeitnehmer und Arbeitgeber im
Raum Bad Neustadt ihren
täglichen Arbeitsweg? Welche Verkehrsmittel nutzen
sie? Wie bewerten sie mögliche Alternativen? Dies sind
einige der Fragen, die mehr
als 1800 Arbeitnehmer aus
elf Unternehmen in Bad Neustadt bei einer Befragung
beantworteten. Ziel der Untersuchung ist es deren Mobilitätsverhalten zu verstehen,
um Maßnahmen abzuleiten,
die die CO2-Belastung in der
Innenstadt verringern sollen.
Von der Hochschule für
angewandte
Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
(FHWS) beschäftigt sich das
Institut für angewandte Logistik (IAL), unter der Leitung
von Prof. Müller-Steinfahrt,
seit geraumer Zeit mit richtungsweisenden Möglichkeiten hin zu einer CO2-minimierten Innenstadt. Hierzu
werden die beiden Bereiche
Personen- und Gütermobilität betrachtet. Unerlässlich
ist hierfür die Kooperation
mit dem Technologie-Transfer-Zentrum Elektromobilität (TTZ-EMO), wie auch mit
Vertretern der Kommune
und Bad Neustädter Unternehmen. Außerdem wird ein
Anschlussvorhaben mit dem
Fokus auf elektromobile
Möglichkeiten innerhalb des
geplanten Mobilitätskonzeptes angestrebt.
Das Leitbild der Bundesregierung, mit e-mobilen
Lösungen Meilensteine in
Richtung CO2-Minimierung
setzen zu können, scheint in
der Praxisumsetzung langwieriger als gedacht. Auch
in der Modellstadt Bad Neustadt tankt der überwiegende Anteil der genutzten Fahrzeuge Benzin oder Diesel
anstelle von Strom. Über 60
Prozent von 1540 Arbeitnehmern gaben zwar an, sich die
Anschaffung oder Nutzung
eines elektrobetrieben Fahrzeuges vorstellen zu können,
für den täglichen Gebrauch
zur Arbeit müssten sich jedoch noch einige Bedingungen ändern. Das größte
Manko stellen die als zu hoch
empfundenen Anschaffungspreise dar, dicht gefolgt vom
Wunsch der höheren Reichweite und einem flächendeckenden E-Tankstellennetz.
Um dem Ziel CO2-Minimierung trotz der vorwiegenden
Nutzung von Verbrennungsmotoren näher zu kommen,
wird ein Integriertes betriebliches Mobilitätsmanagement
(IBMM) konzipiert. Dieses soll
Streckenwünsche Einzelner
optimal verknüpfen – es berücksichtigt: Wer will wann
wohin und welches Verkehrsmittel wird benutzt? Konkret
beinhaltet das Gesamtpaket
IBMM beispielsweise die Bereitstellung einer Pendlerplattform für die Region. Hier
sollen sich Menschen mit
gleichen Wegen finden und
zusammentun. Eine Grundprämisse ist dabei das einfache und benutzerfreundliche
Bedienen der Pendlerplattform. Weiterhin ist die optimale Einbindung und Anpassung des ÖPNV-Angebots
Teil des Maßnahmenpaketes.
Auch die Förderung des Radund Fußverkehrs sind zentrale
Entwicklungspunkte.
Zielführend für die Umsetzung
der Maßnahmen ist, dass alle
Beteiligten, sprich Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Stadt und
Landratsamt, gewillt sind,
tatkräftig daran mitzuwirken
die CO2-minimierte Mobilität
zu verbessern. Die Herausforderung liegt darin, trotz eines
veränderten
Mobilitätsverhaltens die individuelle Bewegungsfreiheit zu garantieren. Das IBMM ist eine Chance,
mit der neben umweltbewusster Fortbewegung auch
andere wichtige Veränderungen vorangetrieben werden:
Erhöhung der Lebensqualität
durch bessere mobile Vernetzung, der Rückgang von Lärm,
die tiefere Verbundenheit mit
der Region sowie ein Zusammenrücken durch gemeinsames Fortbewegen.
Handfeste Maßnahmen werden zurzeit mit den verantwortlichen Beteiligten erarbeitet, um Möglichkeiten der
Umsetzung zu finden, die von
allen Seiten unterstützt werden. Bereits erfolgte Treffen
mit den Herren Dr. Geier und
Ziegler (Landratsamt) und den
Herren Leber und Schmöger
(Stadtwerke) stießen auf positive Resonanz und Unterstützungswillen. Darüber hinaus
folgen Termine mit Unternehmern und Arbeitnehmervertretungen. Der Wunsch vom
Projektteam Bettina Weber
und Peter Walker ist die Mitarbeit aller Betroffenen um
das gemeinsame Ziel nachhaltiger Fortbewegung zu erreichen. Die Zukunft gestaltet
jeder Einzelne mit.
18
Kontakt:
Institut für angewandte
Logistik (IAL):
[email protected]
[email protected]
Projekte der Modellstadt
Elektromobilität mit Batteriemanagement der Firma Preh GmbH
Michael Bischoff,
Bereichsleiter Batteriemanagement und E-Mobilität
bei der Preh GmbH
Jüngst hat sich die Preh
GmbH mit dem neuen Produktbereich „Batteriemanagement und E-Mobilität“
in einem wichtigen Zukunftsmarkt noch breiter
aufgestellt. Der Vermarktungsschwerpunkt liegt derzeit noch eindeutig auf Anwendungen in Automobilen.
So liefert Preh beispielsweise Steuergeräte für das
Batteriemanagement
von
BMW
Hybrid-Fahrzeugen
sowie für den „E-Scooter“
C evolution und die Elektrofahrzeuge BMW i3 sowie
i8. Mittelfristig sollen aber
auch zunehmend Vermarktungsmöglichkeiten außerhalb der Automobilindustrie
genutzt werden.
Michael Bischoff, der den
Bereich E-Mobility leitet, erklärt: „Insgesamt steht das
Marktsegment Elektromobilität erst am Anfang seiner
Entwicklung. In der Technologieentwicklung
werden
wir hier auch weiterhin ganz
vorn dabei bleiben, denn
global gesehen ist das Potenzial des Batteriemanagements riesig.“ Bischoff darf
über neue Kundenprojekte
noch nicht sprechen, doch er
sagt, dass man allein an den
Mitarbeiterzahlen ablesen
könne, wie erfreulich sich
der Bereich E-Mobility bei
Preh entwickelt. Vor etwa einem Jahr, als die Aktivitäten
noch nicht in einem eigenen
Bereich gebündelt waren,
waren etwas mehr als 30
Mitarbeiter mit dem Thema
Batteriemanagement und EMobilität beschäftigt. Heute
sind es bereits 50 Mitarbeiter und bis zum Ende dieses
Jahres soll sich die Mitarbeiterzahl zum vergleichbaren
Vorjahreswert verdoppelt
haben. Bischoff: „Derzeit ist
es die größere Herausforderung, weitere top-ausgebildete Mitarbeiter zu finden,
als neue Kundenprojekte zu
gewinnen.“
Ganz im Zeichen der Modellstadt für Elektromobilität
hat der Bad Neustädter Automobilzulieferer kürzlich
auch drei Schnell-Ladesäulen auf dem Betriebsgelände installiert. Eine davon
ist für Geschäftspartner des
Unternehmens vorgesehen.
Wer mit einem Elektrofahrzeug oder Plug-in Hybrid
anreist, der bekommt seinen
Parkplatz an der E-Lade-
säule zugewiesen und kann
Strom tanken. Für schnelles
Aufladen verfügt die Ladestation über jeweils zwei 22
kW-Anschlüsse, aber auch
über eine herkömmliche
220V-Steckdose.
Seit einigen Wochen auch
privat mit einem Elektrofahrzeug mobil ist Dr.
Joachim Wagner, der die
Steuergeräteentwicklung
bei Preh leitet. „Ich bin der
Marke BMW treu geblieben,
und vom Cabrio auf den
elektrischen i3 umgestie-
gen. Als Bad Neustädter, mit
sehr kurzem Weg zur Arbeit,
macht ein E-Auto für mich
absolut Sinn – nicht nur, weil
ich mit meinem Team die
Technik dafür entwickle.“
Funktionen der Preh-Steuergeräte im E-Fahrzeug
Die Aufgaben der Preh Steuergeräte haben
vier Kernaspekte. Im ersten Schritt messen
als CSSUs* bezeichnete Steuergeräte bei
jeder Batteriezelle die Spannung
sowie die Temperatur und
übermitteln diese Daten
an das BMU** Steuergerät. Die Temperaturmessung ist wichtig,
weil ein Überhitzen der
Batteriezellen die Lebensdauer verkürzen kann.
Daher
wird
die
Batterie bei Überschreiten des Normbereichs von 25 Grad
Celsius gekühlt. Außerdem wird zur Angabe
der Reichweite des Fahrzeugs der Ladezustand errechnet, also wieviel Energie in
den Batteriezellen vorhanden ist und
vom Elektromotor entnommen werden kann. Und schließlich ermitteln
die Preh Steuergeräte auch den
Status der noch verfügbaren
Batteriekapazität, denn Batteriezellen altern im Zeitverlauf, abhängig von der
Zellenchemie und weiteren
Einflüssen. Sollte die Batteriekapazität nach 8 Jahren unter 80 %
liegen, ersetzt der E-Fahrzeughersteller
die Batterie als Garantieleistung.
*CSSU = Cell Supervising Sensor Unit
**BMU= Battery Management Unit
Sonderausgabe 2014
19
Gastbeitrag
Elektromobilität im Fokus - Welche Rolle Kommunen und Gemeinden spielen
können und sollten (Gastbeitrag von Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität e.V.)
In den letzten Monaten wurde eines immer deutlicher:
die Elektromobilität ist bereit für den Endkunden. Die
Produkt-Palette der deutschen
Automobilhersteller
sowie
der zahlreichen Importeure
und der weiterhin boomende
Elektrozweirad-Bereich zeigen
deutlich, dass nachhaltige Antriebskonzepte unser Mobilitätsverhalten zunehmend prägen werden. Neben den bereits
vorhandenen
Serien-Elektrofahrzeugen von u.a. Mitsubishi,
Renault, Tesla und Opel gibt
es nun endlich auch die ersten
deutschen Elektroautos beim
Autohändler Ihres Vertrauens.
Hinzu kommen fallende Kosten
für Lithium-Ionen-Akkus und
eine stetig wachsende Ladesäulen-Infrastruktur. Seit Dezember 2013 baut etwa das BEMMitgliedsunternehmen
Tesla
Motors sein Netz an Superchargern in Deutschland sukzessive
aus und auch deutsche Automobilhersteller beginnen ein
bundesweites Ladenetz aufzubauen.
Status Quo:
Ausbau der Ladeinfrastruktur
Infrastruktur-Lösungen für den
öffentlichen Raum - von der
klassischen Ladesäule am Straßenrand oder in Parkhäusern
über Schnellladesäulen entlang
frequentierter Verkehrsadern
bis hin zu Parkscheinautomaten
und Straßenlaternen mit integrierten Ladepunkten - gibt es
bereits zu genüge. Und auch die
Fragen rund um Abrechnung,
Roaming und Diskriminierungsfreiheit werden sukzessive in
branchen- und länderübergreifenden Netzwerken beantwortet.
Neben den bereits erwähnten
Bemühungen der Elektroauto-Hersteller, Stück für Stück
Ladeinfrastruktur aufzubauen,
wurden bereits in fast allen größeren deutschen Städten Ladepunkte unterschiedlichster Hersteller installiert. Diese müssen
nun in einem ersten Schritt auch
tatsächlich von Elektrofahrzeug-Haltern genutzt werden.
Im Jahr 2013 wurden hierzulande laut Kraftfahrt-Bundesamt
6.051 rein elektrische Pkw neu
zugelassen. Bei insgesamt 2,95
Millionen Pkw-Neuzulassungen
im Jahr 2013 entspricht dies
einem Anteil von 0,205 Prozent.
Die Zahlen machen deutlich,
dass sich der weitere Ausbau
der Ladeinfrastruktur an den
aktuellen Zulassungszahlen orientieren sollte, um nicht Gefahr
zu laufen, in Städten und Gemeinden verwaiste Ladesäulen
als abschreckende Beispiele
vorzufinden. Außerdem müssen die Ladesäulen-Betreiber
verstärkt für die Wartung der
bereits installierten Ladesäulen
sorgen. Hier haben in den letzten Monaten vermehrt Meldungen von nicht funktionierenden
Ladepunkten zu Unmut und
Verunsicherung geführt. Von einem solchen schrittweisen und
nachhaltigen LadeinfrastrukturAusbau - auch seitens der Kommunen und Gemeinden - profitiert dann die gesamte Branche.
Energie- und Mobilitätswende
müssen gemeinsam gedacht
werden
Die Verkehrsströme in Deutschland wachsen stetig. Der KfzBestand hat sich hierzulande
seit 1970 auf über 50 Millionen
Fahrzeuge verdreifacht. Die
Zahlen
machen
deutlich:
Deutschland braucht eine Verkehrswende, die langfristig
CO2-neutral ist, die Lebensqualität durch Lärm und Abgase nur
geringfügig beeinträchtigt, die
Mobilität bezahlbar hält und
auch die Erreichbarkeit in ländlichen Regionen gewährleistet.
Ein wesentlicher Ansatzpunkt,
um eine solche Verkehrswende erfolgreich und nachhaltig
einzuleiten, ist die sukzessive
Elektrifizierung der Flotten von
Bund, Ländern und Kommunen.
Das Beschaffungsvolumen der
öffentlichen Hand liegt Schät-
zungen zufolge bei etwa 480
Milliarden Euro im Jahr. Die Politik kann damit gezielte Nachfrageimpulse nach innovativen
und nachhaltigen Produkten
setzen und ihnen so den Weg
zum Massenmarkt ebnen. Gegenwärtig sind in Deutschland
etwa drei Millionen Fahrzeuge in öffentlichen Flotten und
Fuhrparks unterwegs. Wenn die
öffentliche Hand hier auf saubere Antriebe umsteigt, setzt sie
damit ein sichtbares Zeichen für
eine nachhaltige, bereits heute
alltagstaugliche Neue Mobilität.
Von der EU bis zu den Kommunen sind die verschiedenen
Regierungsebenen mittlerweile
bemüht, durch rechtliche Vorgaben Rahmenbedingungen zu
etablieren, die die Beschaffung
von Fahrzeugen mit alternativen
Antrieben in öffentlichen Fuhrparks erleichtert und dadurch
die Entwicklung eines Marktes
für saubere und energieeffiziente Fahrzeuge beschleunigt.
Durch einen auf diese Weise gesteigerten Absatz können letztlich auch die Kosten der Fahrzeuge sinken (Skaleneffekte)
und diese für die breite Masse
preislich attraktiver werden.
Ein Blick in die Praxis
Doch wie sieht das in der praktischen Umsetzung bei Ländern
und Kommunen aus? FuhrparkVerantwortliche der öffentlichen Hand sind in besonderem
Maße von den zur Verfügung
stehenden finanziellen Ressourcen abhängig. Das Vergaberecht verpflichtet Sie außerdem
dazu, im Rahmen öffentlicher
Ausschreibungen das wirtschaftlich günstigste Angebot
zu berücksichtigen. Dies bedeutet jedoch nicht zwingend,
dass das in der Anschaffung
günstigste Produkt gekauft
werden muss. Vielmehr lassen
sich hier alle Kosten, die über
den gesamten Lebenszyklus
(Total Cost-of-Ownership, TCO)
anfallen - einschließlich der Betriebskosten - mit einrechnen.
Da z.B. Elektrofahrzeuge im Betrieb deutlich günstiger sind, als
konventionelle Fahrzeuge, kann
die TCO-Analyse durchaus zu
Gunsten eines Elektrofahrzeugs
ausfallen. In der Praxis wird das
jedoch meistens ignoriert. Hier
ist dringend ein Umdenken im
Sinne einer weitsichtigeren und
nachhaltigeren Beschaffungspolitik erforderlich.
Ein positives Beispiel liefert
aktuell die Stadt Hamburg, die
in ihre Beschaffungsrichtlinien eine Begründungsklausel
aufgenommen hat, die die „Beweisführung“ umkehrt. So muss
ein Hamburger Beschaffungsmanager zukünftig darlegen,
warum statt eines emissionsarmen Fahrzeugs mit alternativem Antrieb ein herkömmlich
motorisiertes Fahrzeug angeschafft werden soll. Es bleibt zu
hoffen, dass weitere Kommunen
diesem Beispiel folgen und sich
eine emissionsarme Mobilität
auf diese Weise flächendeckend in unseren öffentlichen
Fuhrparks durchsetzt.
Fazit
Kommunen und Gemeinden
können eine wichtige Rolle einnehmen, wenn es darum geht,
Elektromobilität als realistische
Mobilitätsalternative auf die
Straße zu bringen. Der Ausbau
der Ladeinfrastruktur allein
wird jedoch nicht dazu führen,
die gesteckten Ziele der Bundesregierung von einer Million
Elektrofahrzeuge im Jahr 2020
zu erfüllen. Sehr viel weitreichendere Maßnahmenpakete
an monetären und nicht-monetären Maßnahmen, die sinnvoll ineinandergreifen und die
in der Summe die notwendige
Dynamik entfachen, sollten
hier auch auf Kommunalebene
initiiert werden. Bei der konkreten inhaltlichen Ausgestaltung
kommt es wesentlich darauf
an, alle relevanten Akteure aus
Wirtschaft, Politik und Verbänden mit einzubeziehen.
Kurt Sigl,
Präsident des Bundesverbands eMobilität e.V. (BEM), Oranienplatz 5, 10999 Berlin | [email protected] | www.bem-ev.de
20
Das Schaufensterprogramm Elektromobilität
Ein Förderprogramm der Bundesregierung
Die Bundesregierung hat im April 2012 vier Regionen in Deutschland als „Schaufenster Elektromobilität“ ausgewählt und fördert
hier auf Beschluss des Deutschen Bundestags die Forschung und
Entwicklung von alternativen Antrieben. Insgesamt stellt der Bund
für das Schaufensterprogramm Fördermittel in Höhe von 180 Mio.
Euro bereit. In den groß angelegten regionalen Demonstrationsund Pilotvorhaben wird Elektromobilität an der Schnittstelle von
Energiesystem, Fahrzeug und Verkehrssystem erprobt.
Bayern und Sachsen – starke Partner
in der Elektromobilität
www.schaufenster-elektromobilitaet.org
Bayern und Sachsen sind optimale Standorte für Elektromobilität.
In den beiden Freistaaten kann die gesamte Wertschöpfungskette
der Elektromobilität abgebildet werden. Neben einer starken Automobilhersteller- und Zulieferstruktur verfügen die Bundesländer
über eine langjährige Erfahrung mit neuen Technologien. Bereits
seit 2009 werden in beiden Freistaaten Projekte im Bereich Elektromobilität umgesetzt. Des Weiteren besitzen beide Freistaaten zusätzliche Schlüsselkompetenzen u.a. im Bereich Metall- und FaserLeichtbau, Batterietechnologie, Motorenfertigung, Batterierecycling
und Elektrotechnik.
Das Schaufenster Bayern-Sachsen
ELEKTROMOBILITÄT VERBINDET
40 Projekte
über 100 Partner
ca. 130 Millionen Euro
39 Millionen Euro Bundesmittel
je 15 Millionen Euro von den beiden Freistaaten
ca. 60 Millionen Euro von der Industrie
Die Projektergebnisse sollen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten,
relevante Technologien praxisorientiert weiterzuentwickeln und die
breite Markteinführung der Elektromobilität mit vorzubereiten.
Das bayerisch-sächsische Schaufenster wird von der gemeinsamen
Projektleitstelle, bestehend aus der Bayern Innovativ GmbH und
der Sächsischen Energieagentur – SAENA GmbH koordiniert. Die
Aufgaben der Projektleitstelle liegen in der Vernetzung, Integration
und Koordination der Projektpartner, der Sicherstellung eines projekt- und länderübergreifenden Wissensaustausches sowie in der
übergeordneten Öffentlichkeitsarbeit.
Gefördert durch:
Koordiniert durch:
Sonderausgabe 2014
21
Die bayerischen Modellregionen
ELEKTROMOBILITÄT IM ALLGÄU
Mit ihrem Forschungszentrum Allgäu (FZA) und dem
neuen Technologie Netzwerk
Allgäu (TNA) steht die Hochschule Kempten interessierten Unternehmen als Partner
für gemeinsame öffentlich
geförderte Projekte und Auftragsforschung als erfahrene
Forschungseinrichtung zur
Seite. Durch eine Vielzahl
von Forschungsprojekten mit
regionalen, nationalen und
Europäischen Partnern hat
sich die Hochschule in ihren
Forschungsschwerpunkten
zu einem überregional anerkannten Forschungsstandort
entwickelt.
In der Modellregion Allgäu
werden
Elektrofahrzeuge
unterschiedlicher Hersteller
im privaten, kommerziellen
und kommunalen Einsatz erforscht. Im Rahmen mehrerer
durch den Bund, Bayern und
EU finanzierter Projekte wurden die Akzeptanz und die
Grenzen der Nutzung dieser
Fahrzeuge im Rahmen von
Flottenversuchen in unterschiedlichsten Szenarien untersucht.
- eE-Tour Allgäu - effiziente
Elektromobilität im Tourismus
-IRENE – Integration regenerativer Energien und
Elektromobilität
-econnect Germany – 7
Deutsche Stadtwerke verbinden E-Mobilität
- Schaufenster Bayern-Sachsen - E-Lieferungen im Allgäu
-ENEVATE – Elektromobilität für die nächste Generation
Im Rahmen mehrerer Verbundprojekte mit Partnern
aus Forschung und Industrie werden deutschlandweit
Elektroautos und vergleichende Verbrennerfahrzeuge untersucht. GPS- und
CAN-Daten der Fahrzeuge
werden dabei mit modernsten Messgeräten aufgezeichnet und analysiert. Im Zuge
dieser Untersuchungen ist
mit den Jahren eine umfangreiche Datenbank mit
Bewegungs- und Nutzungsdaten von Elektro- und konventionellen Fahrzeugen zur
Vergleichsanalyse entstanden. Alle Fahrzeuge sind mit
Messtechnik ausgerüstet, die
die Nutzung der Autos, die
Geschwindigkeits- und Be-
Ansprechpartner:
Professor Dr.-Ing. Andreas Rupp
Hochschule Kempten
Bahnhofstraße 61, D-87435 Kempten
www.hs-kempten.de
schleunigungsprofile sowie
die elektrischen Be- und Entladevorgänge aufzeichnen
und an einen Server übermitteln. In dieser Datenbank
sind mittlerweile mehr als
130 verschiedene Fahrzeuge
von unterschiedlichen Herstellern hinterlegt, mit denen
mehr als 600.000 km im Allgäu und den angebundenen
Partnerregionen zurückgelegt wurden. Um die Vielfältigkeit der Einsatzbereiche
und die Umsetzung benutzerspezifischer
Use-Cases
zu gewährleisten, wurde ein
besonderes Augenmerk auf
die Auswahl der Probanden
gelegt. So sind Einsätze der
Fahrzeuge im Taxidienst, als
Gemeindefahrzeug, im Flotteneinsatz, im Lieferverkehr,
als Schüler- und Studentenfahrzeuge, im Car-Sharing,
als Fahrschulauto, im privaten Einsatz, als touristischer
Mietwagen sowie Pendlerund Alltagsfahrzeuge in der
Datenbank hinterlegt. Wich-
tig ist dabei auch ein großes
Spektrum an Szenarien mit
unterschiedlichen
Altersschichten (17-80 Jahre). Ein
besonderes Augenmerk liegt
auf der Integration junger
Nutzer(gruppen) von Elektromobilität in die Untersuchungen. Mit der Einbeziehung dieser stark vernetzten
Generation ergeben sich viele neue Fragestellungen und
Herausforderungen in Bezug
auf die Anforderungen an
Mobilität.
Die an der Hochschule Kempten entwickelten Energiemodelle für die verschiedenen
E-Autos konnten so verifiziert und unter Berücksichtigung gegebener topographischer Bedingungen und
der witterungsabhängigen
Batteriekapazität für eine
zuverlässige Reichweitenberechnung herangezogen
werden. So lassen sich der zu
erwartende Energiebedarf
und die verfügbare Reichweite der Fahrzeuge für navigierte Strecken bei einem
beobachteten Fahrverhalten
auf unterschiedlichen Straßen zuverlässig berechnen.
Um einer der wichtigsten
Einschränkungen bei der
Nutzung von Elektroautos
zu begegnen, wurden die
Modelle in ein Assistenzsystem zur Online-Anzeige der
Reichweite auf navigierten
Routen oder als Spiegeleikarte entwickelt und als Applikation auf Android 4.0.
Tablets implementiert.
hs-kempten.de/forschung
22
Das zentrale Ziel des Forschungsprojekts
„e-GAP
Modellkommune Elektromobilität“ ist ein ganzheitliches
Elektromobilitätskonzept,
mit dem geprüft werden soll,
ob die innovativen Technologien auch tatsächlich im
Alltag eingesetzt werden
können. Eine Vielzahl von
starken Industrie- und For-
schungspartnern
arbeitet
auf der e-GAP Plattform an
der (E-)Mobilität von morgen.
Das e-GAP Forschungsprojekt besteht aus verschiedenen
Verbundvorhaben,
die durch die Koordination
ineinander vernetzt werden.
Damit entsteht ein ganzheitliches Bild der Elektromobilität in einer besonderen,
ländlich-touristischen Kommune. Sowohl der Kauf eines
Elektrofahrzeugs, die Miete,
als auch das Sharing werden
als Modelle betrachtet.
Im Bereich der Elektromobilen Flotte und der Micromobilität untersuchen zudem
verschiedene Hersteller, wie
BMW und Audi, aber auch
Forschungseinrichtungen,
wie die TU München und die
Universität Passau, elektromobile Fahrzeugkonzepte im
Alltagseinsatz bei Touristen,
Bürgern und Gewerbetreibenden.
Die infrastrukturelle Basis
hierfür ist eine intelligente
Ladeinfrastruktur, die unter
anderem von Fraunhofer IAO
in Garmisch-Partenkirchen
vorangetrieben wird. Die
Auslegung und Optimierung
des kommunalen Stromnetzes wird von GE und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft gemeinsam mit
den lokalen Gemeindewerken bearbeitet.
Doch neben den Fahrzeugund Infrastrukturprojekten
stellt das durch die DB Fuhrpark und das InnoZ erstellte
Projekt „e-GAP intermodal“
eine Besonderheit von eGAP dar. In dieser Projektgruppe werden auf der Basis
neuer Antriebe intelligente
Kompetenzzentrum Elektromobilität
Garmisch-Partenkirchen
Kompetenzzentrum Sport Gesundheit Technologie GmbH
Mittenwalderstr. 39 • 82467 Garmisch-Partenkirchen
Mobilität sowie Karten- und
IT-Lösungen auf Basis einer
Realbetrachtung des Verkehrskonzepts in GarmischPartenkirchen entwickelt.
Die Projekte in e-GAP:
Das regionale Kompetenzzentrum
Elektromobilität
als Teil der Kompetenzzentrum Sport Gesundheit Technologie GmbH koordiniert
alle Projekte und bereitet
für die Nachhaltigkeit der
Forschungsthemen
einen
fruchtbaren Boden. Zusätzlich unterstützt es die Forschungsbeteiligten
durch
Netzwerkarbeit, Kommunikation und Veranstaltungen.
sun2car: Klima- und kosteneffiziente Mobilität mit elektromobilem Zweitwagen
Die Modellkommune Elektromobilität Garmisch-Partenkirchen hat sich damit als
Plattform für die (Weiter-)
Entwicklung von E-Mobilität
etabliert. Sie bietet für zukünftige Forschungs- und
Entwicklungsvorhaben hervorragende Voraussetzungen für Unternehmen und
Forschungseinrichtungen.
e-GAP intermodal: barrierefreie Vernetzung von ÖPNV
und elektromobilem Angebot
MINI-E: Kurzzeitvermietung
attraktiver Elektrofahrzeuge
im touristischen Umfeld
Quadrad: Entwicklung und
Erprobung einer innovativen
Mobilitätsform
Intelligente Ladeinfrastruktur: Management und Kommunikation eines innovativen Ladeinfrastrukturnetzes
Smart Grid: Netzstabilisierung und Netzmanagement
für die elektromobile Zukunft
Kompetenzzentrum Elektromobilität: Koordinations und
Kommunikation für elektromobile Kompetenz in und
aus Garmisch-Partenkirchen
Ansprechpartner Koordination e-GAP
Dr. Christoph Ebert
Telefon +49 (0) 8821 -96697710 • Mail: [email protected]
Weitere Informationen: www.e-gap.de
gefördert durch:
Sonderausgabe 2014
23
Die bayerischen Modellregionen
e-GAP Modellkommune Elektromobilität Garmisch-Partenkirchen
Die bayerischen Modellregionen
E-WALD
ELEKTROMOBILITÄT BAYERISCHER WALD
Bei
dem
Gesamtprojekt
„E-WALD“ handelt es sich
um ein vom Freistaat Bayern gefördertes Verbundforschungsprojekt unter der
Projektleitung und Koordinierung der Technischen Hochschule Deggendorf.
Das Modellprojekt ist ein
integriertes Projekt zur Demonstration der Funktionsfähigkeit
Elektromobilität
im ländlichen Bereich auf
einer Fläche von insgesamt
7.000 km² in den Landkreisen
Freyung- Grafenau, StraubingBogen, Regen, Cham, Deggendorf und Passau. Es handelt
sich um das flächenmäßig
größte Demonstrationsprojekt für Elektromobilität in
Deutschland.
Ziel des Projektes ist das
Fördern und Umsetzen der
Elektromobilität und deren
Einbindung in Verkehrs- und
Tourismuskonzepte im ländlichen Raum und das Nachweisen der Machbarkeit von
Elektromobilität in diesem
Raum durch geschickte Vernetzung und Steuerung mit
derzeit verfügbarer Basistechnologie.
E-WALD GmbH
Tel. 09923 / 8045 – 310
oder 474
http://e-wald.eu/
[email protected]
Geschäftsführer:
Otto Loserth
24
Hauptziele:
–
Nachweisen der praktischen Realisierbarkeit der
Elektromobilität im ländlichen Raum
– Integrieren von ÖPNV, öffentlichen Einrichtungen
und Tourismus
–
Aufbauen einer innovativen Standortstruktur von
Ladesäulen
– Schaffen intelligenter neuer
Steuerungs-, Regelungs- und
Kommunikationskonzepte
– Sicherstellen der Nachhaltigkeit des Energiekonzeptes
mit erneuerbaren Energien
Mit dem Projekt E-WALD soll
der Nachweis erbracht werden, dass Elektromobilität im
ländlichen Raum funktioniert
und den Menschen nachhaltig nützt.
Die Flotte umfasst derzeit
über 180 Fahrzeuge. Zu den
Fahrzeugmodellen zählen das
Model S von Tesla, der Tesla
Roadster, Nissan LEAF, Mitsubishi i-MiEV, Smart, Renault Fluence, Renault ZOE, Peugeot iOn
und der Renault Twizy. Außerdem können die Transporter
Renault Kangoo, Peugeot Partner und Citroen Berlingo sowie
Hybridfahrzeuge des Typs Opel
Ampera genutzt werden.
Gesamtleitung: Prof. Dr. Peter Sperber, Präsident
Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Johannes Klühspies
Projektkoordination: Katrin Juds
Geschäftsführer E-WALD GmbH: Otto Loserth
Informationen zur gesamten
E-WALD Fahrzeugflotte inklusive technischen Angaben
finden Sie unter:
http://e-wald.eu/fahrzeuge/
Die Fahrzeuge stehen im Carsharing und zur Kurz- und
THD Technische Hochschule Deggendorf
Edlmairstraße 6 + 8, 94469 Deggendorf
www.th-deg.de/
www.th-deg.de/e-wald
Projektkoordinator: Katrin Juds
Langzeitmiete zur Verfügung:
www.e-wald.eu/fahrzeugbuchung/
Aktuell können die Fahrzeuge
an 100 Ladestandorten mit
ca. 395 Ladepunkten geladen
werden.
Die Standorte für verfügbare
und geplante Ladesäulen und
der Plan für den Roll-Out der
Ladestationen sind auf der EWALD Internetseite einsehbar:
http://e-wald.eu/ladesaulen/
Weitere Informationen zum
Projekt: www.th-deg.de/e-wald
Interviews / Meinungen / Statements
Pioniere braucht das Land
Elektromobilisten der „ersten“ Stunde berichten über Anfänge und Entwicklungen
Noch vor wenigen Jahren
waren
Elektrofahrzeuge
so gut wie unbekannt. Und
wenn man einem begegnete, war schon das gewagte
Design ein Hingucker. Mangels technischer Breitenanwendung, Komfort und Lademöglichkeiten befassten
sich eher Idealisten mit dem
Thema der elektromobilen
Fortbewegung. In der Regel
erkannten diese aber schon
sehr früh, dass auch die Erzeugung und Nutzung regenerativen Stroms beinhaltet
sein muss, um über eine umweltgerechte Mobilität zu
verfügen.
Zwei langjährige Akteure
der hiesigen Elektromobilität, welche den monatlichen
Stammtisch der Modellstadt
organisieren, geben uns Einblicke in Ihre Erfahrungen
und Motivationen.
Rudi Seefried
aus Hendungen:
Ende der 80er Jahre war die
Zeit der Tour de Sol in der
Schweiz, einem Rennen für
solar angetriebene Fahrzeuge. Zu diesem Zeitpunkt
kamen Solarzellen und -module erstmals auf den Markt,
die allerdings noch sehr
teuer waren. Bastler bauten
Fahrzeuge, die sich erstmals
nur mit Kraft der Sonne fortbewegten. Mich faszinierte
die Möglichkeit ein „Auto“
zu haben, das ohne weitere
Kosten für Benzin fuhr. Also
entschied ich mich 1991 für
den Kauf eines City- el aus
dänischer Fertigung, damals
das erste in Serie gebaute
Elektromobil. Dieses City- el
ergänzte ich mit zusätzlichen
Solarzellen auf dem Fahrzeug. Im Sommer war es damit möglich, am Tag etwa 10
km rein solar zu fahren. Bei
einer gesamten Reichweite
von 40 km lag der Aktionsradius bei knappen 20 km.
2010 kaufte ich mein zweites
City-el, da es auf dem Markt
nichts anderes bzw. bezahlbares gab. Davor, 1996 hatte ich meinen ersten City-el
verkauft, fuhr ich meinen
PKW-Diesel mit Pflanzenöl.
Ich realisierte, dass ich für
meine jährliche Fahrleistung
von 25.000 km etwa einen
Hektar Feld für den Anbau
von Pflanzenöl benötigte.
Würde jeder so verfahren
wollen, wäre unsere Erde viel
zu klein. Um mit einem Cityel etwa die gleiche Fahrleistung zu erreichen, reicht eine
Photovoltaikanlage auf dem
Hausdach eines Einfamilienhauses. Mein zweites Cityel hatte dann bereits auch
Lithium- Batterien. Hiermit
waren bei einer Spitzengeschwindigkeit von 63 km/h
Reichweiten von ca. 100-120
km mit einer Batteriefüllung
möglich. Im ersten Jahr fuhr
Rudi Seefried in seinem City-El
ich dann mit diesem City-el
ca. 17.000 km.
2011 baute ich meine eigene Photovoltaikanlage. In
diesem Jahr schaffte ich es
auch meinen eigenen CO2Ausstoß auf 4 Tonnen pro
Jahr zu reduzieren, der Bundesdurchschnitt liegt bei
11 Tonnen pro Person. Das
City-el ist ideal für kleinere
Besorgungen bis ca. 25 km.
Dann ist man auch nicht viel
langsamer als mit dem Pkw
unterwegs. Angesichts der
heute verfügbaren Elektroautos bin ich mit meinem
City-el nicht mehr ganz up
to date, möchte an ihm aber
noch eine Weile festhalten.
Zurückblickend muss ich sagen, dass ich Anfang der 90er
Jahre noch ein echter Einzel-
kämpfer war, da kaum Service geboten wurde und ich
meinen City-el selber reparieren musste. Dies änderte
sich schon mit meinem zweiten City-el. Der Händler kümmerte sich fortan um Reparaturen. Problematisch blieb
allerdings die Suche nach Lademöglichkeiten außerhalb
der heimischen Steckdose.
Fündig wurde ich dabei häufig auf Wohnmobilstellplätzen und Campingplätzen. Die
Ladesäulen, wie wir sie in
Bad Neustadt haben, wurden
erst später installiert. Jedoch
gab es zu dieser Zeit bereits
das LEMnet, ein Verzeichnis
im Internet mit Lademöglichkeiten. Meist stellen dabei
auch Fahrer von Elektromobilen die heimische Steckdose
zur Verfügung.
Sonderausgabe 2014
25
Interviews / Meinungen / Statements
2011 half ich mit, die erste
Fahrzeugschau zu organisieren. Wir wollten eigentlich der Bevölkerung nur
zeigen, wie Elektroautos/mobile aussehen. Nur gab
es zu dieser Zeit nicht viele
Elektroautos. Ich hatte die
Aufgabe, Gleichgesinnte zu
suchen, in der Hoffnung, sich
mit Ihrem Fahrzeug auf der
Fahrzeugschau zu präsentieren. Daraus entstand dann
etwas später die Idee, einen
Stammtisch ins Leben zu rufen. In den 1990er Jahren
traf man sich auf Solarrallyes
einmal im Jahr. Heute gibt
es wesentlich mehr Menschen, die ein Elektroauto
fahren und ich wollte dafür
sorgen, dass sich Kontakte
unter den Elektromobilisten
bilden konnten. Auch wollte
ich den Verein M-E-NES mit
etwas Leben erfüllen. Zusammen mit Eberhard Mayer
luden wir dann im Spätsommer 2012 zu unserem ersten
Stammtisch im Café Swiss neben der ersten Ladesäule
in Bad Neustadt - ein.
bei blickt auch er auf eine
langjährige Erfahrung mit
E-Fahrzeugen zurück, welche
bis Anfang der 90-Jahre mit
dem Hotzenblitz und dem
EV-1, Fa. AC-Propulsion mit
T-Zero (Vorläufer vom TeslaRoadster) zurückreichen:
Mit dem Kauf eines Tesla
Roadsters 2011 eröffneten
sich mit einer Reichweite von
über 300 km völlig neue Dimensionen. Dabei schließen
sich eine enorme Antriebspower und Umweltfreundlichkeit nicht aus. Denn auch für
mich steht die ressourcenschonende Stromerzeugung
mit einer eigenen PV-Anlage
an vorderster Stelle.
Neue Konzepte haben ebenfalls dazu beigetragen, dass
Elektromobilität zunehmend
marktfähig wurde. Zum Beispiel hat sich durch meinen
Beitritt zur Drehstromliste
die Reichweitenproblematik
für mich entspannt, denn damit sind Fernreisen problemlos möglich. Die Grundidee
der Drehstromliste ist die
gegenseitige Bereitstellung
leistungsstarker
Stromanschlüsse ohne Voranmeldung. Das bedeutet, dass
jeder, der einen Ladehalt
zur Verfügung stellt, die Ladehalte des Netzwerkes für
seine Fahrziele nutzen kann.
Das gesamte Netz ist dabei
nicht-kommerziell, d.h. nicht
auf Gewinn ausgerichtet.
Wenn man an einem fremden
Ladehalt lädt, so gibt man
freiwillig eine kleine Geldspende, die der entnommenen Strommenge entspricht.
Auf diese Weise entfällt ein
Abrechnungssystem. Jeder
finanziert seinen eigenen
Ladehalt und jeder zahlt für
den Strom, den er an anderer
Stelle verbraucht. Über 300
Ladepunkte sind bereits gemeldet.
Gewandelt hat sich für uns
Elektromobilisten auch der
Erfahrungsaustausch.
War
früher der persönliche Kontakt von enormer Bedeutung,
erleichtern diesen heute öffentliche Foren im Internet.
Damit können sich Interes-
sierte oder von Problemen
Betroffene schnell umfänglich informieren. Allerdings
ist aus meiner Sicht auch
der von mir mitorganisierte Stammtisch wichtig, um
sich über Erfahrungen mit
E-Fahrzeugen und den Neuentwicklungen mit Kollegen
aus erster Hand austauschen
zu können. Dabei werden
auch technische Optionen
diskutiert, für die die Hersteller nicht immer passende
Angebote verfügen.
Um energetisch einen möglichst hohen Anteil selbst
erzeugten Stroms nutzen
zu können, rüste ich derzeit
meine 14.4 kWp-PV- Anlage mit intelligenter smartPVCharge-Technik aus. Damit kann der Ladevorgang
so gesteuert werden, dass
ein möglichst hoher Anteil
selbst erzeugten Stroms in
das Fahrzeug gelangt und
der Bezug über das Netz
zeitlich weit möglichst nach
hinten verlagert und damit
minimiert wird.
Seit Schließung des Cafés
treffen wir uns nun im Ristorante Mediterraneo in
der Spörleinstraße in Bad
Neustadt. Zur Zeit sind wir
etwa zehn Teilnehmer, die
sich regelmäßig treffen. Der
Stammtisch findet immer
am zweiten Donnerstag im
Monat statt und wird immer
aktuell auf der Homepage
unter www.m-e-nes.de bekannt gegeben.
Eberhard Mayer aus Großwenkheim hat sich ebenfalls
als profunder Kenner elektromobiler Technik, aber auch
als stolzer Besitzer eines Teslas einen Namen gemacht.
In den spektakulären Rennen 2011 auf dem Grasberg
und 2012 auf der Meininger
Straße landete er jeweils im
Finale und konnte 2011 den
Sieg für sich verbuchen. Da-
26
Eberhard Mayer (rechts, mit Ulrich Leber, technischer Werkleiter) mit seinem Tesla-S an der
Stadtwerke - Ladesäule
...UND DAS SAGEN DIE LOKALEN FACHHÄNDLER ZU DIESER ENORMEN ENTWICKLUNG:
Das Thema Elektromobilität
wird häufig direkt mit der Automobilbranche in Verbindung
gebracht. Dabei verfügt gerade
der 2-Radsektor bereits über
eine enorme Entwicklung und
bedient schon heute einen
Massenmarkt. Die zurückliegenden Fahrzeugschauen haben deutlich gemacht, welche
Anziehungskraft die elektrisch
unterstützte
Fortbewegung
besitzt und welches Interesse
den E-Bikes entgegengebracht
wird.
Was sagt der Fachhandel in der
1. bayerischen Modellstadt Bad
Neustadt zum aktuellen Stand
und zu der Nutzung elektrisch
angetriebener Fahrräder? Im
Ergebnis stellt sich heraus,
dass seit Beginn der Modellstadtaktivitäten die Entwicklung einhellig positiv beurteilt
wird, die Zielgruppe Zug um
Zug auch jüngeres Publikum
umfasst und neue Nutzungserfahrungen mit den E-Bikes
einhergehen. Dies beweisen
exemplarisch
nachfolgende
Zitate „neuschter“ E-Bike-Anbieter:
Seit Bestehen der Modellstadt
hat sich die Nachfrage nach
E-Bikes aus meiner Sicht sehr
stark erhöht. Durch die permanente Medienpräsenz werden die Kunden viel stärker
im Bereich Elektromobilität
sensibilisiert. Sie setzen sich
intensiver mit dem Thema
Elektromobilität auseinander,
damit auch automatisch mit
dem Thema E-Bikes. Für mich
als Händler ist das natürlich
deutlich spürbar. Weil sich die
Kunden auch bewusst informieren und Freude an E-Bikes
haben, macht es mir natürlich
auch richtig viel Spaß, den
Kunden ihre Fragen zu beantworten und generell mit ihnen
in Sachen E-Bikes in Dialog zu
treten. (Bernhard Wolf; DERWOLF).
Der Kenntnisstand der E-BikeInteressenten ist im Vergleich
zu vor Beginn der Modellstadtaktivitäten sprunghaft
angestiegen, gerade
bei der letzten
Fahrzeugs c h a u
Elektromob i li t ä t
konnte
m a n
dies sehr
gut beobachten,
da die Beratungsgespräche
deutlich niveauvoller und hochkarätiger von statten
gingen. (Matthias
Bock; Bock e.K.)
Die Nutzung von
E-Bikes ist ist im
Grunde für jede
Zielgruppe interessant, denn ob man
schnell mal mit einem E-Mountainbike
auf den Kreuzberg
fahren oder eine lange Tour durch die
Rhön unternehmen
möchte. Ein E-Bike
vergrößert für jeden
Sportler oder Freizeitfahrer die Reichweite und der Spaß bleibt
nicht auf der Strecke. (Jürgen
Gaul; Gaul und Klamt GmbH &
Co. KG)
Während sich noch vor 3 Jahren eher die Altersgruppe 60+
für E-Bikes interessiert hat,
sehen wir gerade eine deutliche Verjüngung der Zielgruppe. In den letzten Jahren
lag der Durchschnitt etwa bei
50+, die Tendenz steigt derzeit allerdings in Richtung
30+. Wir erschließen hier eine
völlig neue Zielgruppe. Viele
jüngere Kunden empfinden es
sogar als schick, ein E-Bike zu
fahren. Hier hat sich die Denkweise drastisch verändert,
was mit einem Imagewandel
bei E-Bikes einhergeht. Während man sich früher nicht
mit dem E-Mountainbike auf
den Kreuzberg getraut
hat, sieht man dort heute immer mehr
entsprechendes
Publikum. Dabei
ver wenden
die
Kunden E-Bikes
aus unterschiedlichsten Beweggründen:
Beispielsweise fahren sie damit
zur Arbeit. Nicht zu
unterschätzen ist natürlich der Spaßfaktor – durch E-Bikes
haben sie die Möglichkeit, Gegenden
abzufahren, die sie
mit einem normalen
Fahrrad nicht mehr
erreichen können,
beispielsweise Strecken mit vielen Steigungen –, E-Bike-Nutzer
haben einen viel größeren Radius, innerhalb
dessen sie sich bewegen.
Natürlich spielt der Gesundheitsaspekt auch eine große
Rolle. E-Bikes ermöglichen
es Leuten, die sich normalerweise keine langen Radtouren
zutrauen, sich an der frischen
Luft zu bewegen. (Bernhard
Wolf; DERWOLF).
der Batterien an jeder Haushaltssteckdose möglich und
die Elektroantriebe sind praktisch wartungsfrei. In Summe
erschließen sich damit sämtliche Vorteile des elektrisch
unterstützten Fahrradfahrens
auch für den technischen Laien. Und wer sich erst einmal
damit vertraut machen will,
kann selbstverständlich unverbindlich ein E-Bike testen.
Gerade dann stellt sich ein
„Aha-Effekt“ ein, wenn sich
selbst im untrainierten Zustand nach kurzer Einweisung
größere Anstiege völlig problemlos bewältigen lassen. Der
sportlich ambitionierte Fahrer kann entsprechend seines
Trainingszustandes natürlich
die elektrische Unterstützung
wahlweise auch drosseln. Und
wer sich um den Akku Sorgen
macht: In der Regel halten diese ca. 1000 Voll-Ladezyklen
und sind bei richtiger Behandlung (Laden/Lagerung) auch
sehr langlebig. Alles in allem
finden wir zufriedenste Kunden gleichermaßen bei Männern wie Frauen mit einem
zunehmenden Anteil an jüngeren Fahrern. Entscheidend
ist dabei natürlich auch die
fachlich fundierte Beratung,
um für den jeweiligen Einsatzzweck die richte Wahl zu
treffen. (Walter Raab, Radhaus
Raab)
Aus meiner Sicht sind E-Bikes
vor allem für Kurzstreckenpendlern zur Arbeitsstätte
und bei den Senioren für tägliche Besorgungs- und Bewegungsfahrten
interessant.
(Matthias Bock; Bock e.K.)
Einvernehmen herrscht auch
über die Einschätzung wie sich
Marktanteil der E-Bikes in den
nächsten 10 Jahren entwickeln
wird. Und diese unterstreicht,
dass gerade an einer Erfolgsstory geschrieben wird, denn
man geht davon aus, dass jedes 2. Fahrrad elektrisch angetrieben sein wird.
Was viele Kunden nicht wissen:
E-Bikes vereinen ausschließlich nur Vorteile. Die elektromotorische Unterstützung
erfordert keine gesonderte
Fahrerlaubnis (Führerschein).
Darüber hinaus ist das Laden
Wie steht es um Ihre konkreten
Erfahrungen mit einem E-Bike?
Am besten einmal beim Fachhandel beraten lassen und testen. Vielleicht ergibt sich für
Sie damit ein erster Einstieg in
die elektromobile Welt.
Sonderausgabe 2014
27
Interviews / Meinungen / Statements
E-Bikes: Ein echter Hit in der Modellstadt Elektromobilität
Interviews / Meinungen / Statements
Wie entwickelt sich die Elektromobilität
durch die Modellstadt im ländlichen Raum?
Eine hohe Aufmerksamkeit
erfahren die Modellstadt und
die damit verbundenen Aktivitäten in den Medien. Das
Thema gewinnt an Dynamik
und Bedeutung - die hiesigen
Unternehmen schlagen sich
erfolgreich im Wettbewerb.
Aber welche Veränderungen und Nutzungspotentiale
gehen mit diesen Entwicklungen am Fahrzeugmarkt
einher? Dazu haben wir 5
Fragen an regionale E-Fahrzeughändler gerichtet, die
sehr unterschiedlich beantwortet wurden:
1.Wie bewerten Sie die
Nachfrageent w icklung
nach Elektro bzw. Hybridfahrzeugen seit Bestehen
der Modellstadt?
2. Wie stufen Sie den Kenntnisstand der Kunden zum
Thema Elektromobilität
ein und haben sich seit
28
den Modellstadtaktivitäten besondere Interessen
entwickelt?
3.Für welche Zielgruppen
und
Anwendungsfälle
sehen sie im ländlichen
Raum
Entwicklungspotential für Elektrofahrzeuge?
4.Wie ordnen Sie die Aktivitäten wie das Bürger EMobil zur Verbreitung der
Kenntnisse zur Elektromobilität ein?
5. Wie hoch wird in unserer
ländlichen Region der
Marktanteil in 5 und in
10 Jahren an rein elektrischen und Hybridfahrzeugen nach Ihrer Einschätzung sein?
6.Werden andere Technologien Optionen darstellen?
Hier die redaktionell zusammengeführten Antworten:
Insgesamt wird von allen
Fahrzeughäusern eine sehr
positive Nachfrageentwicklung seit Bestehen der Modellstadt festgestellt. Allerdings fiel diese Zeit auch
zusammen mit der Markteinführung vieler Modelle, die
für sich bereits eine hohe
Aufmerksamkeit erzeugen
konnten. Die Modellstadt hat
in jedem Fall zu einem positiven Image dieser Antriebstechnologie beigetragen und
dem Thema damit einen zusätzlichen Schub verliehen.
„Dabei sind die Kenntnisse
über die Elektromobilität bei
den wirklichen Interessenten
bereits sehr ausgeprägt. Es
ist nicht nur die Reichweite
von besonderem Interesse,
sondern auch die Möglichkeit
diese durch Rekuperation zu
verlängern. Auch die unterschiedlichen Ladetechnologien und Fragen zu den unterschiedlichen Netzsteckern,
zur Wallbox (Anm.: Heimladestation) oder zu CCS-Schnellladestationen sind von großem Interesse.“ (H. Raube,
VW-Kehm, Bad Neustadt)
Unterschiedlich werden je
nach Angebotsschwerpunkte
der Autohäuser die Anwendungsfälle und Zielgruppen
gesehen:
„Gerade im ländlichen Raum
werden für jeden Nutzer eines
Hybridantriebs die Vorteile
deutlich spürbar. Immer ein
vollwertiges Fahrzeug – egal
ob als Erst- oder Zweitwagen.
Unsere verschiedenen ToyotaHybridmodelle eignen sich z.
B. als Firmenwagen auch für
Langstrecken sehr gut, als
Familienwagen mit sehr großem Platzangebot oder als
Hier sieht Guido Vorndran,
Renault-Vorndran, Bad Neustadt, die rein elektrisch betriebenen Fahrzeuge auch
hinsichtlich der Reichweite
in Kürze auf Augenhöhe. „In
wenigen Monaten wird die
Renault-Produktreihe um einen Zoe mit 420 km Reichweite nach NEFZ-Zyklus erweitert.
Spätestens dann sind Elektrofahrzeuge aus meiner Sicht
vollwertige Alternativen zu
den klassischen Angeboten
inkl. Hybrid.“
Eher
nutzungsabhängig
beurteilt Fr. Steinmüller,
M i t s u b i s h i - S t e i n m ü l l e r,
Windshausen die richtige Wahl: „Für mich gibt es
keine bestimmten Zielgruppen. Viele Bürger legen zwar
teilweise recht lange Wege
zur Arbeit, zum Arzt oder für
Besorgungen zurück, diese
können jedoch bereits heute problemlos elektrisch
bewältigt werden. Insofern
lohnt sich ein Elektro- bzw.
Hybridfahrzeug sowohl für
Gewerbebetriebe als auch
für viele Privatkunden. Sind
längere Strecken gefragt, so
kann man diese mit einem
Hybridfahrzeug wie dem Mitsubishi Plug In Hybrid Outlander meistern, ohne Angst vor
langen Ladepausen oder fehlenden Ladesäulen haben zu
müssen. Für Familien, die neben dem Familienauto noch
auf ein in der Regel kleineres
Zweitfahrzeug angewiesen
sind, würde sich auch ein reines Elektrofahrzeug anbieten,
um so nicht nur die Kosten für
Kraftstoff , Wartungen und
Verschleißteile zu reduzieren
sondern auch noch an der KfzSteuer zu sparen.“
Für H. Czink, BMW Rhein
Rhön-Saale stehen dagegen
als Zielgruppe definitiv Firmen mit ökologischem Gedanken/Hintergrund als auch
innovative Firmen und Einzelpersonen im Vordergrund.
„Außerdem werden sich die
Anwendungsfälle mit steigender Reichweite der Fahrzeuge
deutlich vermehren.“
Konkret sieht H. Raube, VWKehm, Bad Neustadt die Zielgruppe für Elektromobilisten
bei Kunden, die bis zu 100
Kilometer am Tag fahren.
„Für alle anderen Interessenten bietet Volkswagen seine
Hybridfahrzeuge, wie zum
Beispiel den Golf GTE an.
Entwicklungspotential sehe
ich besonders in der Ladegeschwindigkeit und dem Ausbau des CCS Schnellladenetzes.“
Als Kooperation von den
Stadtwerken Bad Neustadt
a. d. Saale und dem Projektmanagement
Elektromobilität wurde das „Bürger
E-Mobil“ ins Leben gerufen.
Ohne Zögern sagten die hier
zitierten Autohäuser zu, jeweils für 14 Tage ein E- oder
Hybridfahrzeug für die Bevölkerung zu Testzwecken
zur Verfügung zu stellen
(siehe hierzu eigenen Bericht). Dass mit auf diesem
Wege Brücken zu elektrisch
und hybrid angetriebenen
Fahrzeugen gebaut wurden,
unterstreichen die verschiedenen Aussagen:
„Gerade für Interessenten
die noch sehr wenig Kenntnisse über Hybrid und Elektrofahrzeuge haben ist das
Bürger E-Mobil eine perfekte
Möglichkeit die Fahrzeuge
auszuprobieren und sich eine
eigene Meinung darüber zu
bilden, ohne gleich in ein Verkaufsgespräch einzutauchen.
Die Mitarbeiter der Stadtwerke wurden vor jeder Periode
von den Autohäusern gut
geschult und konnten somit
wichtige Fragen beantworten.“ (H. Harth, Toyota)
„... das Bürger E-Mobil sehe
ich als sehr gute Möglichkeit
um den Bürgen die neue Technik näher zu bringen...“ (H.
Raube, VW-Kehm)
„Zur Verbreitung der Kenntnisse über E-Fahrzeuge ein
sehr gutes Instrument.“ (H.
Vorndran, Renault)
„Mit einem solchen Angebot
konnten Ängste und Zweifel
am besten beseitigt werden.“
(F. Steinmüller, Mitsubishi)
Bei den Angaben/Schätzungen zur Marktentwicklung
elektrisch oder hybrid angetriebener Fahrzeuge spielen naturgemäß die bereits
eingeschlagenen Unternehmensstrategien eine wesentliche Rolle. So liegt der Hybridanteil bei Toyota-Harth im
Verkauf bereits heute angabegemäß bei 25 Prozent und
könnte in 5 Jahren verdoppelt werden. Die Anbieter
rein elektrischer Fahrzeuge
stehen hier noch im Markthochlauf, was eine Prognose
eher erschwert. RenaultVorndran peilt hier in 5 Jahren eine Größenordnung von
20% verkaufter E-Fahrzeuge
an - Mitsubishi-Steinmüller
auch unter Berücksichtigung
der Hybridmodelle von 25%.
Allerdings wird auch darauf
hingewiesen, dass viele unterschiedliche Einflussfaktoren, wie gesetzliche Bedingungen, Fördermaßnahmen,
technische und preisliche
Entwicklungen sowie Rohstoffverknappungen nur eine
vage und wenig gesicherte
Prognose zulässt.
E-Fahrzeug sein. Der jetzige
Verbrenner wird nach seiner
Meinung zukünftig gar keine
Rolle mehr spielen (außer
Oldtimer mit der Kennzeichnung „H“).
Mit der Fokussierung auf den
elektrischen Antrieb geht
H. Czink, BMW Rhein RhönSaale nicht davon aus, dass
andere Technologien kurzfristig gesehen eine Option
darstellen werden.
Obgleich Volkswagen an
der Brennstoffzellentechnik
entwickelt, sieht H. Raube
noch Potentiale in der Hybridtechnik, welche zunächst
noch technologische Lücken
schließen werden.
H. Harth verweist darauf,
dass ab 2015 das erste
Brennstof fzellenfahrzeug
von Toyota auf dem europäischen Markt eingeführt
wird. Mit 136PS und einer
Reichweite von 500km sowie einem Tankvorgang von
wenigen Minuten schlagen
Daten zu Buche vergleichbar
mit heutigen benzin- oder
dieselgetriebenen Fahrzeugen. Dabei kann dieses Fahrzeug im Falle eines Stromausfalls im eigenen Haus als
Notstromaggregat genutzt
werden.
Anmerkung der Redaktion: Dieser
Artikel beinhaltet Aussagen und
Statements, die auszugsweise
verwendet oder in einer zusammenfassenden Form verdichtet
wurden. Es soll damit ausdrücklich keine Wertung und Werbung
für einzelne Aussagen hinsichtlich Fahrzeughersteller, -modelle
oder Antriebstechnologien seitens der Redaktion einhergehen.
Dabei wird lt. Guido Vorndran die Wasserstoff-Brennstoffzellentechnik in Zukunft
die einzige Alternative zum
Sonderausgabe 2014
29
Interviews / Meinungen / Statements
Stadtfahrzeug mit kompakten
Abmessungen. Die Vorteile
sind immer die drastisch reduzierten Verbrauchswerte und
Unterhaltskosten.“(H. Harth,
Toyota, Heustreu)
Interviews / Meinungen / Statements
Interview mit Prof. Dr. Ansgar Ackva
Thema: Technologie-Transfer-Zentrum Elektromobilität („TTZ-EMO“)
Das TTZ-EMO wurde im Januar 2012 eingerichtet, seit
August 2012 sind Sie Leiter
des Institutes. Welche Projekte wurden bzw. werden
seitdem bearbeitet und wie
viele Mitarbeiter sind im TTZ
aus welchen Fachbereichen
beschäftigt?
Wir bearbeiten mit 36 Mitarbeitern an drei Standorten
aktuell 12 Forschungsprojekte rund um die Elektromobilität und deren nachhaltige
Energieversorgung. Einer unserer Schwerpunkte liegt in
der Leistungselektronik, bei
der es darum geht, Energie
effizient, zuverlässig, sicher
und wie für eine spezielle
Anwendung nötig umzuwandeln. Das passiert beispielsweise in Industrieantrieben,
im Elektrofahrzeug bei 400
Volt und 400 A, in Ladegeräten, in Solarwechselrichtern
und Windkraftanlagen aber
auch in der Energieübertragung bei bis zu 800 Kilovolt.
In einem zweiten Schwerpunkt
des
TechnologieTransfer-Zentrums beschäftigen wir uns mit Fragen rund
um Lithium-Ionen Batterien,
die in Elektrofahrzeugen,
Hausgeräten, E-Bikes und als
Solarspeicher zum Einsatz
kommen. Es geht beispielsweise um sachgerechte Ladeverfahren, Untersuchungen
zur Alterung und die Lebensdauerbestimmung. Mit der
Batteriechemie selbst beschäftigen wir uns nicht.
Welche besonderen Qualitäten hat der Standort Bad
Neustadt a. d. Saale einerseits und welche e-mobilen
Themenfelder (z.B. Batteriechemie, -technik und -steuerung, Elektromotoren, Akzeptanzstudien) sind beim
TTZ-EMO besonders gefragt?
Ich bin seit fast zwei Jahren
in Bad Neustadt und habe
schnell gespürt, dass wir
in dieser Stadt sehr will-
30
kommen sind. Wir erfahren
immer wieder sehr aktive
Unterstützung durch die örtliche Industrie, die Stadtverwaltung, den Landkreis, die
Jakob Preh Schule, Verbände
und viele weitere Akteure. Es
ist schön, zu sehen, wie alle
an einem Strang ziehen und
somit die Elektromobilitätsstadt insgesamt und gemeinsam voranbringen.
In der Jakob Preh Schule haben wir ein ideales Umfeld
mit sich gegenseitig ergänzenden Interessen und Fähigkeiten. Viele Projekte wie
z.B. die Stiftungsprofessur,
die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die Kooperation mit drei großen Firmen in
Bad Neustadt bestätigen die
besonderen Qualitäten der
Stadt und Region.
Nachdem wir unsere Büros
und Labore aufgebaut haben, werden unsere Kompetenzen verstärkt nachgefragt. Beispielhaft kann ich
unsere Datenlogger nennen,
die während einer E-Bike
Fahrt Batteriedaten zur späteren Auswertung aufzeichnen, spezifische hochpräzise
B at ter ieuntersuchungen,
komplexe dreidimensionale
Motorberechnungen zu deren Optimierung, neuartige
Ladegeräte und Akzeptanzstudien zur Elektromobilität.
Wo ergeben sich aus heutiger Sicht noch Potentiale?
Die größten Potenziale aber
auch
Herausforderungen
stecken sicher in der Speicherung regenerativ erzeugten
Stroms für die Elektromobilität. Das beginnt mit der
Speicherung im Rahmen der
Energiewende und natürlich
speziell der Speicherung von
Energie im Fahrzeug. Die
Energiedichten sind noch zu
niedrig, die Kosten zu hoch.
Hier wird es noch massive
Veränderungen geben.
Wie stufen Sie aktuell neu
aufgelegte Aktivitäten rund
um die Elektromobilität aus
Brennstof fzellen/ Wasserstofftechnik ein?
Wie jede neue Technologie
bietet Wasserstoff in Verbindung mit einer Brennstoffzelle gewisse Vorteile und
Nachteile gegenüber herkömmlichen Elektrofahrzeugen. Hier verspricht man sich
in erster Linie die Überwindung der begrenzten Reichweite heutiger Elektrofahrzeuge. Was in der Theorie
und mit Musterfahrzeugen
funktioniert, muss aber, um
erfolgreich zu sein, für den
Massenmarkt tauglich sein.
Bis dahin ist es noch ein sehr
weiter Weg, der noch nicht
absehbar ist. Denken Sie nur
an die nicht vorhandene Infrastruktur für Wasserstoff.
Batteriebetriebene Fahrzeuge können Sie hingegen heute als Serienfahrzeuge beim
Händler kaufen, den Strom
gibt‘s auch überall, z.B. von
den Stadtwerken.
Die Förderung des TTZ-EMO
ist für einen Zeitraum von 5
Jahren angesetzt. Wie kann
es gelingen, für die Zeit danach durch z.B. industrielle
Aufträge den Standort auch
längerfristig zu sichern?
Universitäten, Hochschulen
und Institute sind grundsätzlich darauf angewiesen,
Forschungsaufträge zu erhalten. Das gelingt dauerhaft nur durch exzellente
Forschungsarbeit auf hohem
wissenschaftlichem Niveau,
gute Vernetzung und mit
den Jahren wachsenden Industriekooperationen. Wir
sind dabei auf einem guten
Weg. Schon heute stammen
unsere Projektmittel nicht
nur aus der eigentlichen
TTZ-Förderung sondern auch
aus anderer öffentlicher und
industrieller Hand. Wir streben an und sind davon über-
Prof. Dr. Ansgar Ackva
zeugt, nach der fünfjährigen
Förderung erfolgreich weiter
arbeiten zu können. Dennoch
wird eine Grundförderung
wie an jeder Universität und
jeder anderen Forschungseinrichtung weiterhin notwendig sein.
Was hat Sie, H. Prof. Ackva
daran gereizt, im Rahmen
einer Stiftungsprofessur die
Leitung des TTZ-EMO übernehmen?
Es waren am Ende der Entscheidungsfindung mehrere
Dinge: Durch meine fünfzehnjährige Berufstätigkeit
bei Siemens in Würzburg im
Bereich elektrischer Antriebe und Leistungselektronik
im Automobilbereich, insbesondere auch für Elektrofahrzeuge, war ich fachlich
geeignet. Ich hatte in dieser
Zeit bereits Gelegenheit, Bad
Neustadt kennen und schätzen zu lernen. Zudem bot die
Stelle als Stiftungsprofessor
die Möglichkeit, Forschung
viel intensiver zu betreiben
als auf einer normalen Professorenstelle in Schweinfurt. Die Arbeit mit jungen
Forschern ist erfrischend, die
Neuheit der Aufgabe und das
Thema selbst sind Ansporn
für kreative Ideen.
Welche e-mobile Zielsetzung möchten Sie auf jeden
Fall im Rahmen Ihres Engagements realisiert sehen?
Können Sie eine Fortsetzung
Ihres Engagements über den
31. Juli 2017 (Dauer der Stiftungsprofessur) als Leiter
des TTZ-EMO vorstellen.
Meine Aufgabe ist formal auf
fünf Jahre begrenzt. Das bedeutet aber sicher nicht, dass
unsere Hochschule ihr Engagement damit beenden wird.
Wir sind vielmehr an einer
langfristigen Perspektive interessiert, die das Institut in
der Region und für die Region
weiter trägt. Das TTZ-EMO
wird quasi „auf der grünen
Wiese“ von Grund auf neu er-
richtet. Es gab keinerlei Vorarbeiten oder Forschungsstrukturen, die darin hätten
aufgehen können. Und dieser
Aufbau benötigt Zeit. Es würde keinen Sinn machen, ein
Institut nach einer fünfjährigen Aufbauarbeit einfach
wieder zu schließen. Ich habe
persönlich noch keine Pläne
für das Jahr 2017, könnte mir
ein weiteres Engagement im
TTZ aber sehr gut vorstellen.
Ich würde mich freuen, wenn
das in München, in unserer
FHWS und in der Region in
2017 auch so gesehen wird.
Welche Wahrnehmung genießt das TTZ-EMO in Bayern
und darüber hinaus?
Das TTZ-EMO ist eine relativ
neue Einrichtung, die inzwischen in Bayern und in den
benachbarten Regionen etwas bekannt ist. Dazu haben
sicher auch die bayerischen
Modellregionen insgesamt
beigetragen. Unsere Aktivitäten werden zudem in den
bayerischen
Ministerien
sowie im Landtag wahrgenommen und beobachtet.
Schließlich fließen bayeri-
sche Steuergelder als Förderung in das Institut. Darüber
hinaus sind wir durch technische Berichte in der Fachwelt
präsent. Genannt sei hier z.B.
die Power-Box zum bidirektionalen Laden von Elektrofahrzeugen. Hierzu erreichen
uns viele Anfragen aus dem
In-und Ausland. Ein dritter
Weg in die Fachwelt sind
unsere wissenschaftlichen
Veröffentlichungen in der
globalen Fachpresse und auf
entsprechenden Kongressen.
Welche
Bedeutung
und
Chancen ergeben sich daraus?
Unsere Bekanntheit und Anerkennung sind aufgrund
unseres zarten Alters von
gerade mal zwei Jahren zwar
noch niedrig, weiten sich
aber aus. Wir arbeiten täglich
daran, unsere Forschungsarbeit zu vertiefen, zu professionalisieren und somit
die Bedeutung des Instituts
zu steigern. Wir sind davon
überzeugt, dass uns dies gelingen kann. Dazu bedarf
es einer motivierten Mann-
schaft, eines geschulten
Blicks in die technische Zukunft, um innovative Trends
zu erkennen und schließlich
auch etwas Glück. Chancen
sehe ich dabei insbesondere in langfristigen Partnerschaften mit der Industrie.
Wie fällt Ihr Fazit zur Entwicklung der Elektromobilität in der Modellstadt und
zur Nachhaltigkeit hierzu
aus?
Die bayerischen Modellregionen, zu denen Bad Neustadt
gehört, sind eine politische
Maßnahme, um Elektromobilität in Bayern nach vorne zu bringen. Es freut mich
besonders, dass in Bad Neustadt viele technologisch
orientierte Projekte bearbeitet werden und wir in diesen
Projekten junge Ingenieure,
Physiker und Wirtschaftswissenschaftler auf hohem
Niveau ausbilden können.
Nachhaltigkeit entsteht insbesondere in diesen Technologiebereichen und natürlich
in den Köpfen der Menschen.
Interview mit Dr.-Ing. Hubert P. Büchs
Thema: Förderverein M-E-NES e.V.
Der Förderverein M-E-NES
e.V. wurde 2010 gegründet.
Was war die Idee hierzu?
Am 27.05.2010 traf sich der
Informationskreis der regionalen Wirtschaft und zahlreiche Gäste im großen Sitzungssaal des Landratsamtes
in Bad Neustadt mit dem Ziel,
die Bewerbung der Stadt Bad
Neustadt zu unterstützen,
die die Ernennung zur Modellstadt für Elektromobilität zum Ziel hatte. Das Ergebnis war, dass von den 50
teilnehmenden Firmen und
Privatpersonen 34 die Mitgliedschaft für in einem noch
zu gründenden Förderverein
und 16 sich als Unterstützer
eines solchen Fördervereins
erklärten.
dies die Technologie der Zukunft sein würde.
Ziel des Fördervereins, der
am 16. September 2010 gegründet wurde, war zunächst
die Unterstützung der Bewerbung der Stadt Bad Neustadt
und auch die Unterstützung
der Elektromobilität, da
schon damals klar war, dass
Der Förderverein hat sicherlich mit dazu beigetragen,
dass Bad Neustadt die erste
Modellstadt für Elektromobilität geworden ist.
Was konnte der Förderverein
in der Zwischenzeit bewegen
und welche Rolle nimmt dieser in der Modellstadt ein?
In mehreren Informationsveranstaltungen und einem
Sonderausgabe 2014
Dr.-Ing. Hubert P. Büchs
31
Interviews / Meinungen / Statements
Es würde mich freuen, wenn
die Elektromobilität zur
Normalität wird und wir uns
nicht mehr über ein Elektroauto auf unseren Straßen
wundern. Dazu möchten
wir im TTZ beitragen. Ich
strebe an, kompetente Forschergruppen aufzubauen,
die sich im wissenschaftlichen Wettbewerb um Ideen,
Methoden und Fähigkeiten
behaupten, selbst weiter
entwickeln und von interessierten Unternehmen in Anspruch genommen werden.
Interviews / Meinungen / Statements
Innovationstag mit hochrangigen Referenten, konnten
die Bevölkerung und interessierte Fachleute sich intensiv
mit dem Thema Elektromobilität auseinandersetzen.
Durch die überregionale Berichterstattung wurde die
Stadt Bad Neustadt und auch
der Landkreis Rhön-Grabfeld
in das Licht der Öffentlichkeit
gerückt.
Der Förderverein versteht sich
nach wie vor als Unterstützer
für die Elektromobilität im
Allgemeinen insbesondere in
der Region. Das wichtigste
Ziel, Bad Neustadt zur Modellstadt zu machen, ist erreicht.
Nun gilt es, hochgesteckte Erwartungen zu erfüllen. Dies
gilt insbesondere für die Abarbeitung der genehmigten Projekte. Einige Mitglieder des
Fördervereins haben für das
ebenfalls in Bad Neustadt angesiedelte Technologie-Transfer-Zentrum der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt
eine Professur gestiftet und
damit den Grundstein für dessen Erfolg gelegt.
Über 80 Mitglieder engagieren sich im Förderverein. Wie
sieht die Mitgliederstruktur
aus, welche Erwartungen haben die Mitglieder und wie
können diese erfüllt werden?
Die Mitgliederzahl ist seit
Gründung gestiegen. Die Mitglieder sind Unternehmen,
Organisationen und Privatleute, die alle dazu beitragen
wollen, die Elektromobilität
zu fördern und daran interessiert sind, aus erster Hand
zu erfahren, wie es mit dieser
Technik weitergeht.
Welche Wahrnehmung genießt der Förderverein mit
der Modellstadt in Bayern
und darüber hinaus?
Bedingt durch die umfangreiche Berichterstattung in
den regionalen und überregionalen Medien durch die
jährliche
Fahrzeugschau
und Veranstaltungen und
Podiumsdiskussionen
ist
sichergestellt, dass die Bevölkerung über Projekte und
Technik auf dem aktuellen
Stand ist, sofern sie sich dafür
interessiert. Dabei kommt es
nicht so sehr darauf an, dass
der Förderverein bekannt ist,
sondern die Modellstadt mit
ihren vielfältigen Aktivitäten und Potentialen.
Welche Bedeutung und Chancen ergeben sich daraus?
In einer Region, deren Einwohnerzahl laut Prognose
in den nächsten Jahren stark
zurückgehen wird, müssen
alle Anstrengungen unternommen werden, dass die
Prognosen sich nicht erfüllen. Dies gelingt, wenn die
Region viel zu bieten hat –
insbesondere attraktive Arbeitsplätze. Diese entstehen
in Firmen, die Elektromobilität auf ihre Fahne geschrieben haben und sich dynamisch weiterentwickeln. Es
gibt gute Zeichen, dass dies
gelingen könnte.
Welche Entwicklungen zur
Elektromobilität sind in Bad
Neustadt besonders hervorzuheben?
Da ist zunächst die Motorenentwicklung bei Siemens in
Bad Neustadt, Batteriesteuerungsmodule bei Preh und
Shift-by-Wire-Schaltungen
bei Jopp. Steinbach entwickelt
Windkraftgenerato-
ren usw. Es gibt zahlreiche
weitere Firmen, die Beiträge
zur Elektromobilität leisten
und leisten können. Es ist
noch nicht zu spät. Das Thema gewinnt erst langsam an
Fahrt. Entscheidend ist, dass
der Anfang gemacht ist und
großes Interesse vorhanden
ist. Ein großer Erfolg ist das
Technologie-Transfer-Zentrum mit seinen vielen Projekten und zahlreichen Mitarbeitern.
Wo ergeben sich aus heutiger Sicht noch Potentiale?
Auf allen Ebenen und bei
allen Technologien, die mit
dem Fahrzeug verbunden
sind, denn der weltweite Bedarf an Fahrzeugen wird sich
in den kommenden Jahren
weiter schnell erhöhen.
Wie fällt Ihr Fazit zur Entwicklung der Elektromobilität in der Modellstadt und zur
Nachhaltigkeit hierzu aus?
Die Bewerbung hat sich gelohnt. Wir sind auf einem guten Weg. Elektromobilität ist
nachhaltig.
Interview mit OStD. Kurt Haßfurter
Thema: Elektromobilität – Aus- und Weiterbildung
Welche neuen Herausforderungen bringt die Elektromobilität hinsichtlich der
Aus- und Weiterbildung von
Fachpersonal mit sich?
Für das Fachpersonal gilt es,
sich in neue Themenfelder
einzuarbeiten. U.a. sind dies
das Thema Hochvolttechnik,
die Leistungselektronik und
Elektrische Maschinen. Dabei darf das wichtige Thema
Sicherheit nicht vergessen
werden. Auch die Rettungskräfte müssen sensibilisiert
und der Umgang mit den Sicherheitsdatenblättern muss
32
auf eine breite Basis gestellt
werden.
Inwieweit sind Fachkräften
ohne e-mobile (Zusatz-)Ausbildung Arbeiten an Elektrofahrzeugen verwehrt bzw.
untersagt?
Prinzipiell ist erst einmal alles verboten, wenn man nicht
„elektrisch unterwiesen“ ist.
Im Speziellen ist das Arbeiten an Hochvoltbauteilen
(Generator, Inverter, Batterie, …) untersagt!
Wie sieht das Aus- und Weiterbildungsangebot im Bereich der Elektromobilität in
Bad Neustadt hierzu aus?
Hier muss man unterscheiden:
Im Rahmen der Neuordnung
der KFZ-Ausbildung hat das
Thema
„Elektromobilität“
schon Einzug in die schulischen Lehrpläne gehalten.
Es wird verstärkt bei der aus
unserer Sicht in der Zukunft
sinnvollsten
Ausbildungsrichtung „Kraftfahrzeugmechatroniker für System- und
Hochvolttechnik“
berücksichtigt und beschult.
Kurt Haßfurter
Die Ausbildung für Kraftfahrzeugmechatroniker aller
Fachrichtungen und die Technikerausbildung sind staatlich geregelt und schließen
mit entsprechenden Zertifikaten ab.
Im Bereich der Weiterbildungsangebote bieten wir
Berufsschullehrern aus dem
Bereich Kraftfahrzeugtechnik (u.a. aus ganz Bayern)
in Zusammenarbeit mit der
Regierung von Unterfranken
und der zentralen Lehrerfortbildungsakademie für Bayern Fortbildungen zum Thema Elektromobilität an.
Die schulischen Angebote
zum Thema „Elektromobilität“ sind zum Glück kein
Alleinstellungsmerkmal von
Bad Neustadt. Die Inhalte
im Rahmen der Ausbildung
werden ab dem kommenden
Schuljahr
flächendeckend
in ganz Deutschland umgesetzt. In Bayern wurden 2012
insgesamt 15 neue Technikerschulen gegründet, darunter 5 für Fahrzeugtechnik
und Elektromobilität. Damit
wurde flächendeckend eine
breite Grundlage für eine positive Entwicklung der Elektromobilität geschaffen.
Um die Angebote noch zu erweitern, ist die Jakob-PrehSchule eine Kooperation mit
einem namhaften Lehr- und
Lernmittel-Hersteller
eingegangen, um Schülern im
Rahmen des Unterrichtes und
Lehrern weitere Fort- und
Weiterbildungsangebote im
Bereich des elektrischen Antriebsstranges machen zu
können.
Inwieweit handelt es sich um
staatlich anerkannte Ausbildungsberufe und Zertifikate?
Ist das Angebot ein Alleinstellungsmerkmal für die Modellstadt?
Wie ist es überhaupt gelungen, solche Aktivitäten gerade
in Bad Neustadt zu entfalten?
Im Rahmen der Aktivitäten
der Modellstadt hat sich die
Jakob-Preh-Schule von Anfang stark engagiert, u.a.
wurde ein Wahlfach „Elek-
tromobilität“
angeboten.
Durch das große Engagement
aller Beteiligten (Stadt, Landkreis,
Projektmanagement
und Schule) konnte ein Förderantrag mit einem überzeugenden Konzept erstellt
werden. Dieser Antrag wurde
vom Projektträger genehmigt
und gleichermaßen von Wirtschaftsministerium und Kultusministerium unterstützt.
Auf wie viele Kursteilnehmer
pro Jahr sind die Angebote
und Einrichtungen momentan
ausgelegt?
An der Berufsschule bilden
wir entsprechend der Schülerzahl für den Ausbildungsberuf
„Kraftfahrzeugmechatroniker“ Klassen. An der Technikerschule sind wir mit 32
Schülern pro Jahr gedeckelt.
Die Weiterbildungsangebote
richten sich nach Bedarf und
Anfrage, z.Z. ca. 4-5 Lehrgänge mit bis zu 25 Teilnehmern und maximal 3 Tagen
Kursdauer.
Welche Bedeutung hat die
Vernetzung mit anderen Bildungseinrichtungen und welche sind dies?
Die Jakob-Preh-Schule unterstützt die bbw/bfz-Weiterbildungsangebote für die allge-
meinbildenden Schulen, die
Rettungsdienste und die breite Öffentlichkeit durch eine
Kooperation im Rahmen des
Förderantrages durch Räume,
Ausstattung und Lehrkräfte.
Mit dem TTZ (TechnologieTransfer-Zentrum
der
Hochschule für angewandte
Wissenschaften,
Schweinfurt) haben wir die Möglichkeit, dass die neuesten
Forschungsergebnisse und
Erkenntnisse speziell in
den Unterricht an der Technikerschule einfließen. Es
unterrichten aktuell drei
Mitarbeiter des TTZ’s an der
Technikerschule.
Wie fällt Ihr Fazit zur Entwicklung der Elektromobilität
in der Modellstadt und zur
Nachhaltigkeit hierzu aus?
Die Elektromobilität ist auf
einem guten Weg, sich nachhaltig in den Köpfen der Autofahrer zu etablieren. Man
muss ein Emobil fahren, um
die Faszination eines solchen
Fahrzeuges und einer stillen
Fortbewegung zu begreifen.
Die Jakob-Preh-Schule sorgt
für die entsprechenden Fachkräfte in der Region, damit
die steigende Zahl von Emobilen gewartet werden kann.
Interview mit Landrat Thomas Habermann (TH) und Bürgermeister Bruno Altrichter (BA)
Thema: Bedeutung der Elektromobilität für die Modellstadt und den Landkreis
Was hat sich mit der Auszeichnung als 1. Bayerische
Modellstadt Elektromobilität
für Bad Neustadt geändert
und wie konnte die Modellstadt davon profitieren?
(BA) Bad Neustadt hat seit
2010 an Zentralität sowie an
Bedeutung gewonnen. Durch
eine mittlerweile etablierte
Fahrzeugschau blickt jährlich die gesamte Region auf
uns. Zudem ist der Standort
um ein Hochschulinstitut bereichert worden, was uns zu
einem Wissenschaftsstandort macht.
Was erfüllt Sie nach 4 Jahren
zurückblickend mit Stolz, wo
sehen Sie noch Defizite?
(BA) Stolz macht mich die
wirtschaftliche Entwicklung
unserer Stadt, immerhin
sind alleine im Bereich Elektromobilität in den letzten
Jahren weit über 100 neue
Arbeitsplätze
entstanden.
Diese Entwicklung zeigt,
dass trotz den aktuellen Problemstellungen des Demographischen Wandels und
des Fachkräftemangels ein
beachtliches Wachstum angestoßen werden kann, wenn
man sich auf passende Optionen konzentriert. Allerdings
bedaure ich, dass es uns,
trotz vielfacher Anstrengungen, nicht gelungen ist, einen
der großen Bayerischen Automobilkonzerne, wie BMW
oder Audi, als Projektpartner
einbinden zu können.
Sonderausgabe 2014
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Die Bewerbung wurde 2010
in einer politischen Blitzaktion gestartet.
Interviews / Meinungen / Statements
An der Jakob-Preh-Schule
gibt es seit dem Schuljahr
2012/13 eine Fachschule
(Technikerschule) für Fahrzeugtechnik und Elektromobilität. Hier bieten wir
jungen
Fachkräften
die
Möglichkeit, sich zum staatlich geprüften Techniker für
Fahrzeugtechnik und Elektromobilität weiterzubilden.
Interviews / Meinungen / Statements
Was hat den Landrat so sicher gemacht, dass die Stadt
Bad Neustadt und die Region
hierfür prädestiniert sind?
(TH) Die Idee des Ministerpräsidenten, eine Modellkommune für Elektromobilität in
Bayern identifizieren zu wollen, kam spontan und dynamisch. Vor dem Hintergrund
der technischen Qualität des
Standortes
Rhön-Grabfeld,
einer noch nicht ausgestandenen Krise der Firma Siemens vor Ort und dem festen
Glauben daran, dass man dem
Aufruf gleichermaßen spontan und dynamisch begegnen
muss, habe ich diese sich uns
bietende Chance ergriffen und
unseren Hut, nach einem kurzen telefonischen Austausch
mit dem Bürgermeister, gemeinsam mit unserer Bundestagsabgeordneten Dorothee
Bär in den Ring geworfen. Erfreulicherweise hat sich unsere Initiative gelohnt.
Welche Erwartungshaltung
knüpfen Sie an die vorgenannte Auszeichnung für den
Landkreis?
(TH) Uns geht es gut, weil RhönGrabfeld einen starken industriellen Kern aufweist. Um sich
zukünftig im Standortwettbewerb durchsetzen zu können,
müssen wir Themen finden, die
es uns zum einen erlauben, uns
in überregionale Netzwerke
einzubringen, und zum anderen gestatten, dass sich diese
industriellen Kerne profilieren
und weiter wachsen können. Je
mehr Standbeine ein Standort
ausbilden kann, desto stabiler
wird er wirtschaftliche Krisen
kompensieren können. Das
Label Elektromobilität bietet
uns einen Zugang zu den gewünschten Entwicklungsmöglichkeiten und ich freue mich,
dass viele unserer mittelständischen Unternehmen diese
Chance ebenso erkannt und
Initiative ergriffen haben.
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Was spricht dafür, dass es
sich bei den elektromobilen
Aktivitäten nicht um ein gefördertes Strohfeuer handelt
sondern Nachhaltigkeit über
die Förderzeiträume hinaus
erreicht wird?
(BA) Von Beginn an war es
nicht unser Ansatz, einen zeitlichen befristeten Flottenversuch zu wagen. Wir haben uns
gezielt bemüht, aus Bad Neustadt einen Hochschul- und
Bildungsstandort zu machen
und unserer regionalen Industrie Entwicklungsanreize zu
geben, die angenommen und
innovativ weitergedacht wurden. Die Staatliche Fachschule
für Fahrzeugtechnik und Elektromobilität sowie das Technologie-Transfer-Zentrum für
Elektromobilität, beides in
unserer Jakob-Preh-Berufsschule untergebracht, haben
auch nach Durchführung der
initialen
Industrieprojekte
und des Förderzeitraumes ein
klares Zukunftspotential.
Die Vernetzung über den
M-E-NES e.V., aber auch über
die Mainfranken GmbH ist sicher eine wichtige Grundlage
für erfolgreiche Entwicklungen und Projekte. Wie schätzen Sie den Wert dieser Vernetzung ein?
(TH) Kooperation ist heute
wichtiger denn je. Der gesamte Wirtschaftsraum Mainfranken ist im internationalen
Standortwettbewerb aufgerufen, abgestimmt zu agieren.
Die Teilräume müssen ihre
jeweiligen Kompetenzen profilieren und sich gegenseitig
unterstützen, will man einer
positiven Entwicklung entgegen sehen. So versteht sich
Bad Neustadt als unterfränkische Modellstadt für Elektromobilität, die in die ganze Region ausstrahlt. So fungierten
der Förderverein M-E-NES, der
viele überregionale Mitglieder zählt, und das Fachforum
Elektromobilität der Region
Mainfranken GmbH als Plattformen, die regionale Projektpartner in den Modellstadtprozess einbinden konnten.
Der Landkreis investiert wie
auch die Stadt nicht unerheblich in Strukturen für die Elektromobilität. Welche Indikatoren zeigen Ihnen und uns,
dass die Beträge zukunftsträchtig angelegt sind?
(TH) Die Investitionen des
Landkreises in Bezug auf Elektromobilität konzentrierten
sich bislang primär auf den
Bereich Bildung. Diese Investitionen sind eine Investition
gegen den Fachkräftemangel,
denn unsere Unternehmen
haben enormen Bedarf an gut
ausgebildeten Fachkräften.
Durch die Ausbildung eines
der drei Berufschulsprengel
für Elektromobilität, bleiben
wir langfristig mit dem Thema verknüpft und bringen uns
ein.
Welche Möglichkeiten sind
für kommunales Engagement
im Zuge eines solchen Modellprojektes gegeben, wo
stößt es an Grenzen?
(TH) Zu Beginn der Modellstadtinitiative wurden immer
wieder die Rufe nach anwendungsbezogenen Flottenversuchen laut, die aber erstens
nicht unsere Aufgabe sind, und
zweitens im eigentlichen Sinne
keinen Mehrwert bieten. Entsprechend lag unsere Aufgabe
darin, nachhaltige Strategien
zu entwickeln, die die Ansiedlung eines Hochschulinstitutes
am Standort ermöglichten und
die Jakob-Preh-Berufsschule
um Kompetenzen im Bereich
Elektromobilität zu erweitern.
Darüber hinaus ist es unsere
Aufgabe, unternehmerische
Akteure in den Prozess einzubinden und durch Veranstaltungen, wie beispielsweise die
Fahrzeugschau für Elektromobilität über das Thema zu informieren.
Die Kreisstadt Bad Neustadt
mit rd. 13.000 versicherungspflichtigen
Arbeitsplätzen
und Großunternehmen in der
Automobilbranche ist u.a. industriell geprägt. Wie wichtig ist der Titel Modellstadt
für die Firmen, wie sieht die
Zusammenarbeit
zwischen
Kommune und Unternehmen
konkret aus und welchen Nutzen zieht man daraus?
(BA) Der Titel Modellstadt ermöglichte unseren industriellen Akteuren zunächst Zugriff
auf Fördermittel, die im Bereich von Forschung und Entwicklung zum Thema Elektromobilität zu akquirieren. Wo
wir konnten, haben wir durch
Gespräche und Vermittlungen
zwischen Projektinteressierten, dem Projektträger Jülich
und dem Wirtschaftsministerium versucht, eventuelle
Hemmnisse abzubauen. Darüber hinaus pflegen wir im
Zuge des Projektes Bürger-EMobil eine enge Kooperation
mit unseren regionalen Fahrzeughändlern.
Wie fällt Ihr Fazit zur Entwicklung der Elektromobilität in
der Modellstadt und zur Nachhaltigkeit hierzu aus?
(BA) In der Modellstadt für
Elektromobilität
wurden
durch das TTZ-EMO, die Erweiterungen in unserer Berufsschule und durch die Etablierung unserer Fahrzeugschau
nachhaltige Akzente gesetzt.
Auch die unternehmerischen
Akteure haben Mitarbeiter
oder sogar Abteilungen in
den Bereichen rund um die
Elektromobilität profilieren
können, so dass davon auszugehen ist, dass Bad Neustadt
seinem Charakter als Erste
Bayerische Modellstadt für
Elektromobilität noch lange
über den Förderzeitraum hinaus gerecht werden kann.
Impressum
Herausgeber:
Projektmanagement der ersten Bayerischen
Modellstadt für Elektromobilität
Rathausgasse 2
97616 Bad Neustadt an der Saale
inhaltlich verantwortlich:
Dr. Jörg Geier und Ulrich Leber
gedruckte Auflage:
12.000 Exemplare
Druck: kraus print & media
Satz: Kreativbüro GuteZeichen
Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung von
Inhalten ist nur nach schriftlicher Genehmigung
durch den Herausgeber gestattet.
Das Copyright © sämtlicher Texte, Bilder sowie
Grafiken liegt bei den jeweiligen Urhebern.
Keine Haftung bei Satz- oder Druckfehlern.
Ihre Ansprechpartner der Ersten Bayerischen Modellstadt für Elektromobilität (von links):
Ulrich Leber
Bianca Benkert
Dr. Jörg Geier
Technischer Werkleiter
Stadtwerke Bad Neustadt a.d.Saale
Eigenbetrieb der Stadt Bad Neustadt a.d.Saale
Goethestr. 17/19, 97616 Bad Neustadt an der Saale
Büro Projektmanagement
Erste Bayerische Modellstadt für Elektromobilität
Bad Neustadt an der Saale (M-E-NES)
Rathausgasse 2, 97616 Bad Neustadt an der Saale
Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung
Landkreis Rhön-Grabfeld
Spörleinstraße 11
97616 Bad Neustadt an der Saale
Telefon:09771-622019
Telefax:09771-622025
e-mail: [email protected]
Telefon:09771-622036
Telefax:09771-622025
e-Mail: [email protected]
Telefon:09771-94306
Telefax:09771-9481306
e-Mail: [email protected]