Entwicklung der Strompreise seit der Liberalisierung

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Entwicklung der Strompreise seit der Liberalisierung
LANDTAG
NORDRHEIN-WESTFALEN
13. WAHLPERIODE
INFORMATION
13/311
Entwicklung der Strompreise
seit der Liberalisierung
des Strommarktes
Mit diese Ausarbeitung wurde der Parlamentarische Beratungs- und Gutachterdienst (PBGD) beauftragt. Im Einvernehmen mit dem Auftraggeber wird sie nach dem Grundsatz der Allgemeinzugänglichkeit allen Abgeordneten des Landtags NRW zur Verfügung gestellt.
Verfasserin:
Datum:
Claudia Engelhardt
Erstfassung:11. Oktober 2001 / Aktualisierung: 8. November 2001
Inhalt
Seite
1
2
Liberalisierung des Strommarktes...........................................................3
1.1
Stand der Liberalisierung im EU-Vergleich
......................................3
1.2
Der deutsche Strommarkt............................................................4
Entwicklung der Strompreise seit der Liberalisierung des Strommarktes
- in Deutschland und im internationalen Vergleich.....................................5
2.1
Strompreisentwicklung in Deutschland..........................................6
2.1.1 Strompreisentwicklung in Deutschland für private Haushalte............6
2.1.2 Strompreisentwicklung in Deutschland für die Industrie...................7
2.2
Strompreisentwicklung im europäischen Vergleich..........................8
2.2.1
Strompreisentwicklung für private Haushalte im europäischen
Vergleich..................................................................................9
2.2.2
Strompreisentwicklung für die Industrie im europäischen Vergleich.....................................................................................11
2.2.3
Vergleich der Preisentwicklungen für private Haushalte und
Industrie.................................................................................13
3
Stromanbieterwechsel der deutschen Privatkunden................................13
4
Gestaltung der Netznutzungspreise......................................................14
5
Reaktionen des Bundeskartellamtes.....................................................15
6
Einrichtung einer Regulierungsbehörde.................................................16
7
Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen............................................18
8
Quellenverzeichnis und weitere Literaturhinweise..................................19
2
1
Liberalisierung des Strommarktes
1.1
Stand der Liberalisierung im EU-Vergleich
Die EU-Elektrizitäts-Binnenmarktrichtlinie (96/92/EG) zur Liberalisierung des Strommarktes trat am 19. Februar 1997 in Kraft. Die Richtlinie sollte innerhalb von zwei
Jahren in nationales Recht umgesetzt werden. Grundsätzlich kann die Marktöffnung
schrittweise erfolgen. Als Mindestziele fordert die Richtlinie für das Jahr 2000 eine
Marktöffnung, die 30% des Inlandsverbrauchs entspricht, für das Jahr 2003 sollen
dies 35% sein.
In Deutschland ist der Strommarkt seit April 1998 durch das Energiewirtschaftsgesetz liberalisiert. Deutschland gehört mit Schweden, Finnland und Großbritannien zu
den Staaten der Europäischen Union, die ihren Strommarkt nicht stufenweise, sondern zu 100% liberalisiert haben.
Tabelle 1: Vergleich der Öffnung der Strommärkte in den 15 Staaten der Europäischen
Union (Stand 2000):
* neues Energiegesetz seit 2/2000 in Kraft, aber noch
keine Durchführungsverordnung
Quelle: Europäische Union, Bundesratsdrucksache
358/01, 10.05.2001
Land
Marktöffnung in %
Deutschland
100
Schweden
100
Finnland
100
Großbritannien
100
Dänemark
90
Spanien
54
Niederlande
33
Portugal
30
Belgien*
35
Italien
35
Frankreich
30
Österreich
32
Luxemburg
40
Griechenland
30
Irland
30
EU-Mittel
66
Von der Liberalisierung des Strommarktes verspricht man sich seitens der EU eine
höhere Effizienz im Energiesektor und eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit
der europäischen Wirtschaft insgesamt.
Von der Marktöffnung wird u. a. erwartet, dass die Stromkunden von preisgünstigen
Stromangeboten profitieren.
1.2
Der deutsche Strommarkt
Der deutsche Strommarkt gilt laut Marktbeobachtern als verteilt. Als ausschlaggebend werden die Fusionen von RWE und VEW zur heutigen RWE AG und von
PreussenElektra AG (VEBA) und Bayernwerk AG (VIAG) zu e.on Energie AG ange3
sehen. Als der größte der insgesamt ca. 900 Stromversorger in Deutschland gilt die
RWE AG. An zweiter Stelle liegt die e.on Energie AG. In einer Marktanalyse heißt es:
„Gegen die geballte Macht der Energieriesen können nur die ostdeutsche VEAG (eventuell verstärkt durch einen potenten ausländischen Partner) sowie die Energie
Baden-Württemberg mit der französischen EdF im Rücken bestehen.“1
Tabelle 2: Stromabsatz der zehn größten deutschen Stromversorger 1999
Stromversorger
Stromabsatz in Mrd. kWh
Anteil am Stromabsatz der 10
größten Unternehmen
RWE AG *1)3)
209
34,9 %
e.on Energie AG **3)4)
196
32,7 %
EnBW Energie BadenWürttemberg AG 3)
55
9,2 %
VEAG Vereinigte Energiewerke
AG
49
8,2 %
Hamburgische Electricitäts-Werke 21
AG (HEW) 3)
3,5 %
Bewag AG 2)
15
2,5 %
Avacon AG
14
2,3 %
Neckarwerke Stuttgart AG 3)
14
2,3 %
EWE AG
13
2,2 %
envia Energie Sachsen Brandenburg AG 2)
13
2,2 %
Summe
499
100%
* Summe RWE und VEW
** Summe PreussenElektra AG und Bayernwerk AG
1) RWE: Geschäftsjahr 1998/1999; VEW: Geschäftsjahr 1999,
2) Geschäftsjahr 1999/2000
3) Konzern
4) einschließlich Netzverluste
Quelle: VDEW (Verband deutscher Elektrizitätswirtschaft), Oktober 2000
Im August 1999 begannen die Energieunternehmen mit aufwendigen Werbekampagnen; RWE mit der Strommarke Avanza, Energie Baden-Württemberg mit der
100%-igen Kölner Tochter Yello, PreussenElectra mit Avalon, Bayernwerk mit Aquapower. Nach der Fusion von Veba und VIAG kam e.on auf den Markt.
1
„Der Markt der Energieversorgung – Daten, Fakten, Trends“, Focus, Neuauflage Juni 2000, download unter www.focus.de/marktanalysen
4
2
Entwicklung der Strompreise seit der Liberalisierung des
Strommarktes - in Deutschland und im internationalen Vergleich
Drei Jahre nach der Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland liegen nur wenige Informationen über die tatsächliche Preisentwicklung vor.
Es gibt zwar eine Fülle von Daten, diese unterscheiden sich jedoch erheblich in Aktualität, Detailtiefe und Berechnungsgrundlagen und sind damit nicht miteinander
vergleichbar. Zwar stehen (vor allem im Internet) Vergleiche der aktuellen Strompreise und Netznutzungsgebühren unterschiedlicher Anbieter zur Verfügung. Wie sich
die Preise seit der Liberalisierung im Lauf der letzten drei Jahre entwickelt haben,
lässt sich daraus jedoch nicht ablesen.
Bei verfügbaren Vergleichen wird teilweise mit Preisindizes gearbeitet und nicht mit
absoluten Zahlen. Teilweise liegen lediglich Landes- oder Regionsdurchschnittswerte
vor. Im internationalen Vergleich werden die Strompreise abzüglich der nationalen
Steuern ausgewiesen, was wiederum nationale Rückschlüsse nur bedingt zulässt.
Beim Vergleich zwischen privaten und industriellen Verbrauchern stößt man auf die
Schwierigkeit, dass genaue Informationen über die tatsächlichen Preise für industrielle Abnehmer schon allein deshalb nicht vorliegen, weil sie „individuell“ verhandlungsbzw. vertragsabhängig sind. Zusätzlich verkompliziert wird ein Vergleich durch extrem unterschiedliche Netznutzungsgebühren, die einen erheblichen Anteil an der
Preisgestaltung haben, aber beispielsweise in Stromrechnungen für Privatkunden
nicht generell ausgewiesen werden.
Dementsprechend unterschiedlich fallen auch die Bewertungen aus, ob und um wieviel die verschiedenen Stromabnehmergruppen von der Liberalisierung durch Preissenkungen profitieren.
Während beispielsweise der VDEW (Verband deutscher Elektrizitätswirtschaft) davon ausgeht, dass in Deutschland sowohl industrielle als auch private Verbraucher
von Preissenkungen im Zuge der Liberalisierung profitierten, die Einsparungen aber
durch die Stromsteuer zunichte gemacht würden2, konstatieren Verbraucherverbände, dass die Liberalisierung bislang „nahezu ausschließlich den Großverbrauchern
genutzt“ habe3.
Im folgenden wurden solche Daten zur Strompreisentwicklung herangezogen, die
sowohl einen innerdeutschen Vergleich zwischen einzelnen Nutzergruppen (privaten
Haushalten und Industrie), sowie zwischen den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zulassen. Die Daten geben keine absoluten Preise wieder, sondern zeigen lediglich
Tendenzen auf.
2.1
Strompreisentwicklung in Deutschland
2.1.1 Strompreisentwicklung in Deutschland für private Haushalte
2
„Stromrechnung um 14% niedriger“, Mitteilung des VDEW vom 2. Mai 2000,
www.strom.de/zf_sk_29.htm
3
„Exmonopolisten behindern den Wettbewerb – Bilanz der Verbraucherverbände“, Mitteilung der
Verbraucherverbände NRW und Baden-Württemberg vom 2. Februar 2001, www.vznrw.de/doc1032A.html
5
Betrachtet man die Darstellung des Preisindex für die Lebenshaltung / Strompreisentwicklung das Statistischen Bundesamtes von 1995 bis Juni 2001, haben sich die
Strompreise für private Haushalte seit der Liberalisierung des Strommarktes nicht
signifikant verändert:
Abbildung 1: Entwicklung der Strompreise in Deutschland für private Haushalte von
Januar 1995 bis Juni 2001 (Preisindex, 1995 = 100)
120
100
80
60
40
20
2001
2000
1999
1998
1997
1996
1995
0
Quelle: Grafik auf der Grundlage der Daten: „Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte Deutschlands: Strompreisentwicklung (1995 = 100)“, Statistisches Bundesamt VI A 3,
Wiesbaden, August 2001
Von eurostat, dem Europäischen Amt für Statistik in Luxemburg, stehen Daten ab
1998 zur Verfügung. Dort werden die Strompreise in Deutschland für private Haushalte nach Verbrauchsgruppen aufgeschlüsselt.
Tabelle 3:
Kleinverbr.
Normalverbr.
Großverbr
Strompreise in Deutschland für private Haushalte von Januar 1998 bis
Januar 2001, Durchschnitt der landesweit erhobenen Preise (ohne Steuern)
in Euro je 100kWh
Jan. 1998*
Jan. 1999
Jan. 2000
Jan. 2001
19,86
12,56
11,71
19,66
12,76
11,95
19,22
12,18
11,13
18,94
12,34
11.34
Abweichung
1998-2001
-4,7%
-1,8%
-3,2%
* Für Januar 1998 sind die Preise in ECU zum monatlichen Durchschnittskurs angegeben
Kleinverbraucher:
Jahresverbr. von 600 kWh, vertragl. Abnahme von 3 kWh, Standardwohnung von 50m²
Normalverbraucher: Jahresverbr. von 3500 kWh, vertragl. Abnahme von 4-9 kWh, Standardwohnung von 70m²
Großverbraucher: Jahresverbr. von 7500 kWh, vertragl. Abnahme von 6-9 kWh, Standardwohnung von 90m²
Quelle: eurostat, www.europa.eu.int/comm/eurostat/: Pressemitteilung Nr. 82/2000, 18.Juli 2000; ergänzt durch „Statistik kurz gefasst, Umwelt und Energie, Thema 8-10/2001“ und eigene Berechnungen
6
Was diese Durchschnittswerte allerdings nicht wiedergeben, sind erhebliche Preisunterschiede in den einzelnen Regionen und zwischen einzelnen Anbietern. Ein nicht
unerheblicher Anteil an diesen Preisunterschieden liegt bei den Netznutzungsgebühren (siehe auch Kapitel 4).
Im Jahr 2001 lag in Deutschland die Strompreisspanne für :
Kleinverbraucher:
zwischen 15,39 Euro (München) und 24,83 Euro (Südl. Gebiet)
Normalverbraucher: zwischen 11,08 Euro (Frankfurt/M) und 15,63 Euro (Erfurt)
Großverbraucher:
zwischen 10,10 Euro (Westl. Gebiet) und 14,41 Euro (Erfurt)
pro 100kWh.
2.1.2 Strompreisentwicklung in Deutschland für die Industrie
Die Strompreise für industrielle Stromabnehmer sind nach dem vom VIK (Verband
der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft) berechneten Preisindex seit 1998 in
der Tendenz deutlich gesunken.
Abbildung 2: Entwicklung der Strompreise in Deutschland für die Industrie von März
1998 bis April 2001 (in Pf/kWh / Preisindex)
17,00
15,00
13,00
11,00
9,00
7,00
März'01
Jan.'01
Nov.'00
Sept. '00
Juli '00
Mai '00
März '00
Jan. '00
Nov. '99
Sept. '99
Juli '99
Mai '99
März '99
Jan. '99
Nov. '98
Sept. '98
Juli '98
Mai '98
März '98
5,00
Quelle: Grafik auf der Grundlage der Daten „Dow Jones/VIK-Strompreisindex 1998 bis 2001“, VIK,
www.vik-online.de. Preise in Pf/kWh ohne Stromsteuer und ohne MWSt. Die errechneten Indizes sind Durchschnittspreise von Stromangeboten an Industriekunden mit einer Abnahme
zwischen 100 kW über 1.600 Jahresstunden und 25.000 kW über 7.000 Jahresstunden.
Ein Regions-Index, errechnet aus den Strompreisen einer Auswahl von Versorgungsunternehmen in dieser Region, einschließlich der Preise des in dieser Region ansässigen Verbundunternehmens wird u.a. als Service für Industrielle Abnehmer unter www.vik-online.de
angeboten.
Wie sich die Strompreise für einzelne gewerbliche Verbraucher wie Handwerksunternehmen oder landwirtschaftliche Betriebe entwickelt haben, lässt sich aufgrund
des vorliegenden Datenmaterials nicht darstellen.
Nach Verbrauchsmengen industrieller Abnehmer aufgeschlüsselte Preisvergleiche
seit 1998 liegen ebenfalls von eurostat vor.
7
Tabelle 4:
Strompreise in Deutschland für die Industrie von Januar 1998 bis Januar
2001 - Durchschnitt der landesweit erhobenen Preise (ohne Steuern)
in Euro je 100kWh
Jan. 1998*
Abweichung
1998-2001
16,18
16,19
13,94
13,33
Kleinverbr.
-17,6%
8,29
7,91
6,45
6,72
Normalverbr.
-18,9%
6,98
6,73
5,37
5,57
Großverbr.
-20,2%
*
Für Januar 1998 sind die Preise in ECU zum monatlichen Durchschnittskurs angegeben
Kleinverbraucher:
Normalverbraucher:
Großverbraucher:
Jan. 1999
Jan. 2000
Jan. 2001
Jahresverbrauch von 50 MWh, Höchstabnahme von 50kW, jährliche Benutzungszeit von
1000 Stunden
Jahresverbrauch von 2.000 MWh, Höchstabnahme von 500kW, jährliche Benutzungszeit von
4000 Stunden
Jahresverbrauch von 50.000 MWh, Höchstabnahme von 10.000kW, jährliche Benutzungszeit
von 5000 Stunden
Quelle: eurostat, www.europa.eu.int/comm/eurostat/: Pressemitteilung Nr. 82/2000, 18.Juli 2000; ergänzt durch „Statistik kurz gefasst, Umwelt und Energie, Thema 8-10/2001“ und eigene Berechnungen
Es sei noch einmal betont, dass mit Landesdurchschnittswerten regionale Preisunterschiede, stark variierende Netznutzungsgebühren sowie die Stromsteuern nicht
adäquat wiedergegeben werden.
Im Jahr 2001 lag Deutschland lag für industrielle Stromabnehmer die Preisspanne für
Kleinverbraucher:
zwischen 9,73 Euro (Düsseldorf) und 19,89 Euro (Erfurt)
Normalverbraucher: zwischen 5,16 Euro (Westl. Gebiet) und 9,69 Euro (Erfurt)
Großverbraucher: zwischen 4,23 Euro (Westl. Gebiet) und 8,85 Euro (Erfurt)
pro 100kWh.
Ein grober Vergleich zwischen den Preisentwicklungstendenzen für Haushalte und
Industrie ist aber dennoch möglich. Im Durchschnitt lagen nach diesen Daten die
Preissenkungen seit der Liberalisierung des Strommarktes für industrielle Abnehmer
zwischen ca. 18 und 20% für Privathaushalte dagegen nur zwischen ca. 2 und 5%
(ohne Steuern).
2.2
Strompreisentwicklung im europäischen Vergleich
Vergleiche der Preisentwicklungen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten sowohl für
private als auch für industrielle Abnehmer wurden ebenfalls von eurostat bilanziert. In
zwei Veröffentlichungen liegen Daten über die Entwicklung von 1998 bis 2000 in den
einzelnen Mitgliedsstaaten einschließlich des prozentualen Preisanstiegs bzw. –
abfalls vor. Die ebenfalls von eurostat veröffentlichten Angaben zum Jahr 2001 wurden im folgenden in diese Originaltabellen nachträglich eingearbeitet und der prozentuale Preisanstieg bzw. -abfall selbst berechnet.
Diese aktuellen Werte sind insofern interessant, als dass sich in einzelnen Ländern
die Entwicklungstendenzen der ersten drei Jahre nach der Strommarktliberalisierung
teils noch deutlicher abzeichnen, in anderen Ländern aber wieder relativieren.
8
2.2.1 Strompreisentwicklung für private Haushalte im europäischen Vergleich
Spanien und Großbritannien sind die einzigen Länder, in denen sich ein im Jahr
2000 abzeichnender deutlicher Preisrückgang auch im Jahr 2001 für alle
Verbrauchsgruppen privater Haushalte weiter fortsetzte. Die höchsten Preisrückgänge 2001 im Vergleich zu 1998 verzeichneten Finnland (je nach Verbrauchsgruppe
zwischen -9% und -11,5%), Spanien (-9%) und Großbritannien (-5,5% für Kleinverbraucher, -22,5% für Normalverbraucher und -15% für Großverbraucher). Der
sich im Jahr 2000 in Schweden abzeichnende Preisrückgang zwischen -6,5% und 16% hat sich im Jahr 2001 wieder abgeschwächt (-4,5% bis -13%). In Dänemark, wo
2000 vor allem für Normalverbraucher die Preise stark gesunken waren (-13%), ist
im Jahr 2001 ein starker Preisanstieg (bis zu +15,5%) zu verzeichnen.
In Irland stiegen die Preise deutlich für Großverbraucher (+20%) während sie für die
beiden anderen Kategorien nahezu unverändert blieben. Eine besondere Situation
zeigt sich in Italien: die Preise für Mittel- und Großverbraucher sanken oder blieben
gleich, während sich die Preise für Kleinverbraucher drastisch erhöht haben (2000:
+40% und 2001: +80% im Vergleich zu 1998). Dies wird auf eine neue Tarifstruktur
zurückgeführt (Quelle: eurostat news release Nr. 82/2000). In Belgien haben im vergangen Jahr vor allem die Kleinverbraucher von Preisrückgängen profitiert (-11%).
Alle übrigen Mitgliedstaaten verzeichneten Rückgänge von weniger als -5%.
9
Tabelle 5:
Land
Strompreise (ohne Steuern) für private Haushalte in der EU von Januar
1998 bis Januar 2001
Verbraucher- Jan.
Gruppe
1998
In Euro* je 100 kWh
Belgien
Kleinverbr.
17,10
Normalverbr.
11,86
Großverbr.
10,81
Deutschland
Kleinverbr.
19,86
Normalverbr.
12,56
Großverbr
11,71
Spanien
Kleinverbr.
12,10
Normalverbr.
9,46
Großverbr.
8,68
Frankreich
Kleinverbr.
13,14
Normalverbr.
9,61
Großverbr.
9,29
Irland
Kleinverbr.
13,78
Normalverbr.
7,96
Großverbr.
6,37
Italien
Kleinverbr.
4,50
Normalverbr.
16,69
Großverbr.
15,25
Luxemburg
Kleinverbr.
21,22
Normalverbr.
10,60
Großverbr.
10,29
Niederlande
Kleinverbr.
12,90
Normalverbr.
8,68
Großverbr.
8,16
Österreich
Kleinverbr.
12,09
Normalverbr.
9,69
Großverbr.
9,86
Portugal
Kleinverbr
12,58
Normalverbr.
12,51
Großverbr.
11,11
Finnland
Kleinverbr.
13,11
Normalverbr.
7,05
Großverbr.
6,03
in nationaler Währung je 100 kWh
Dänemark
Kleinverbr.
107,45
Normalverbr.
50,66
Großverbr.
44,07
Griechenland
Kleinverbr.
2449
Normalverbr.
1959
Großverbr.
2205
Schweden
Kleinverbr.
149,04
Normalverbr.
58,67
Großverbr.
59,60
Großbritannien Kleinverbr.
13,08
Normalverbr.
6,91
Großverbr.
6,25
Jan.
1999
Jan.
2000
Abweichung
1998-2000
17,18
11,82
10,77
19,66
12,76
11,95
11,88
9,29
8,52
13,06
9,46
9,17
13,76
7,95
7,64
4,61
15,81
14,35
21,55
10,76
10,45
13,27
8,84
8,30
12,21
9,79
9,88
12,09
12,02
10,67
11,97
6,55
5,47
16,64
11,71
10,77
19,22
12,18
11,13
11,45
8,95
8,21
12,82
9,26
8,96
13,76
7,95
7,64
6,33
15,11
13,71
21,14
10,56
10,24
14,81
9,13
8,48
11,82
9,49
9,57
12,02
11,95
10,61
11,59
6,44
5,42
-2,7%
-1,3%
-0,4%
-3,2%
-3,0%
-5,0%
-5,4%
-5,4%
-5,4%
-2,4%
-3,6%
-3,6%
-0,1%
-0,1%
19,9%
40,7%
-9,5%
-10,1%
-0,4%
-0,4%
-0,5%
14,8%
5,1%
4,0%
-2,2%
-2,1%
-2,9%
-4,5%
-4,5%
-4,5%
-11,6%
-8,7%
-10,1%
112,05
50,69
43,45
2522
2017
2271
150,70
59,33
57,07
12,78
6,79
6,14
116,96
43,96
41,79
2333
1866
2103
139,15
54,79
50,11
12,74
6,77
6,12
8,9%
-13,2%
-5,2%
-4,7%
-4,7%
-4,6%
-6,6%
-6,6%
-15,9%
-2,5%
-2,1%
-2,1%
Jan.
2001
Abweichung
1998-2001
15,20
11,84
11,08
18,94
12,34
11.34
10,99
8,59
7,88
12,84
9,12
8,83
13,76
7,95
7,64
8,12
15,78
15,34
20,45
11,21
10,19
11,77
9,45
9,52
12,17
12,00
10,65
11,85
6,36
5,33
-11,1%
-0,2%
2,5%
-4,7%
-1,8%
-3,2%
-9,2%
-9,2%
-9,2%
-2,3%
-5,1%
-5,0%
-0,1%
-0,1%
19,9%
80,4%
-5,5%
0,6%
-3,6%
5,7%
1,0%
/
/
/
-2,6%
-2,5%
-3,4%
-3,3%
-4,1%
-4,1%
-9,6%
-9,8%
-11,6%
116,74
58,27
50,92
2402
1922
2162
142,17
55,98
51,74
12,36
5,36
5,31
8,6%
15,0%
15,5%
-1,9%
-1,9%
-1,9%
-4,6%
-4,6%
-13,2%
-5,5%
-22,4%
-15,0%
Daten z.
Zeitp. der
Veröfftlg.
nicht vorh
*
Für Januar 1998 sind die Preise in ECU zum monatlichen Durchschnittskurs angegeben
Kleinverbraucher:
Jahresverbr. von 600 kWh, vertragl. Abnahme von 3 kWh, Standardwohnung von 50m²
Normalverbraucher: Jahresverbr. von 3500 kWh, vertragl. Abnahme von 4-9 kWh, Standardwohnung von 70m²
Großverbraucher: Jahresverbr. von 7500 kWh, vertragl. Abnahme von 6-9 kWh, Standardwohnung von 90m²
Quelle: eurostat, www.europa.eu.int/comm/eurostat/: Pressemitteilung Nr. 82/2000, 18.Juli 2000; ergänzt durch „Statistik kurz gefasst, Umwelt und Energie, Thema 8-10/2001“ und eigene Berechnungen
10
2.2.2 Strompreisentwicklung für die Industrie im europäischen Vergleich
In den meisten EU-Ländern, von denen Daten vorhanden sind, sanken die Strompreise für industrielle Verbraucher. An der Spitze steht Schweden (-40% für Kleinverbraucher, -18% für Normal- und -21,5% für Großverbraucher) gefolgt von
Deutschland (-17,5% für Klein-, -19% für Normal- und -20% für Großverbraucher)
und Portugal (etwa -9% für alle Verbrauchskategorien). Während in Schweden die
Preise im Vergleich zu 2000 für alle Verbrauchskategorien noch einmal deutlich sanken, hat sich in Deutschland der Preisrückgang gegenüber dem Vorjahr für Normalund Großverbraucher leicht abgeschwächt. In Österreich und Belgien sanken die
Preise für Kleinverbraucher (Österreich: -30%, Belgien: -15%) in Finnland für Großverbraucher (-18%). Während im Jahr 2000 in Großbritannien die Preise für Kleinverbraucher im Vergleich zu 1998 deutlich gesunken waren (-10,5%) stiegen sie
2001 wieder an (+4%). In Italien haben sich für Normal- und Großverbraucher Preisrückgänge um 2,5-3% vom Jahr 2000 nicht fortgesetzt. Im Jahr 2001 stiegen die
Preise für diese beiden Verbrauchergruppen im Vergleich zu 1998 um etwa +30%.
In Spanien haben sich für Normal- und Großverbraucher vor allem im vergangenen
Jahr die Preise deutlich reduziert (-11% bzw. -8%).
Griechenland ist der einzige Mitgliedstaat, in dem die Preise für alle industriellen
Verbrauchskategorien gestiegen sind (+6 bis+7%).
11
Tabelle 6:
Strompreise (ohne Steuern) für die Industrie in der EU von Januar 1998
bis Januar 2001
Land
VerbrauchsJan.
gruppen
1998
In Euro* je 100 kWh
Belgien
Kleinverbr.
14,79
Normalverbr.
7,45
Großverbr.
4,99
Deutschland
Kleinverbr.
16,18
Normalverbr.
8,29
Großverbr.
6,98
Spanien
Kleinverbr.
10,01
Normalverbr.
6,20
Großverbr.
5,23
Frankreich
Kleinverbr.
9,15
Normalverbr.
5,96
Großverbr.
5,23
Irland
Kleinverbr.
12,64
Normalverbr.
6,62
Großverbr.
5,34
Italien
Kleinverbr.
11,90
Normalverbr.
7,15
Großverbr
5,60
Luxemburg
Kleinverbr.
13,64
Normalverbr.
7,25
Großverbr.
4,81
Niederlande
Kleinverbr.
9,13
Normalverbr.
5,66
Großverbr.
4,99
Österreich
Kleinverbr.
16,06
Normalverbr.
7,57
Großverbr.
6,19
Portugal
Kleinverbr.
11,52
Normalverbr.
7,13
Großverbr.
5,21
Finnland
Kleinverbr.
5,79
Normalverbr.
4,01
Großverbr.
3,21
In nationaler Währung je 100 kWh
Dänemark
Kleinverbr.
40,28
Normalverbr.
38,55
Großverbr.
34,33
Griechenland Kleinverbr.
2697
Normalverbr.
1835
Großverbr.
1443
Schweden
Kleinverbr.
59,90
Normalverbr.
34,20
Großverbr.
28,30
Großbritannien Kleinverbr.
6,98
Normalverbr.
4,10
Großverbr.
/
Jan.
1999
Jan.
2000
Abweichung
1998-2000
Jan. 2001
Abweichung
1998-2001
14,84
7,39
4,86
16,19
7,91
6,73
9,77
6,24
5,26
8,91
5,81
5,26
12,63
6,62
5,34
11,35
6,51
4,97
13,85
7,36
4,92
9,24
5,76
5,09
16,23
7,64
5,62
10,45
6,47
4,73
5,57
3,88
2,80
14,30
7,34
4,85
13,94
6,45
5,37
9,77
6,36
5,37
8,69
5,65
5,37
12,63
6,62
5,34
11,89
6,97
5,44
13,34
7,09
4,35
7,79
6,79
/
15,67
/
/
10,39
6,43
4,70
5,47
3,76
2,66
-3,3%
-1,5%
-2,8%
-13,8%
-22,2%
-23,1%
-2,4%
2,6%
2,7%
-5,0%
-5,2%
2,7%
-0,1%
0,0%
0,0%
-0,1%
-2,5%
-2,9%
-2,2%
-2,2%
-9,6%
-14,6%
20,1%
/
-2,4%
/
/
-9,8%
-9,8%
-9,8%
-5,5%
-6,2%
-17,1%
12,54
7,52
5,04
13,33
6,72
5,57
9,77
5,50
4,81
8,52
5,55
/
12,62
6,62
5,33
8,67
9,25
7,13
/
/
/
11,19
/
/
10,52
6,51
4,76
5,34
3,72
2,64
-15,2%
0,9%
1,0%
-17,6%
-18,9%
-20,2%
-2,4%
-11,3%
-8,0%
-6,4%
-6,9%
/
-0,2%
0,0%
-0,2%
-27,1%
29,4%
27,3%
/
/
/
/
/
/
-30,3%
/
/
-8,7%
-8,7%
-8,6%
-7,8%
-7,2%
-17,8%
39,35
36,09
31,87
2778
1890
1486
57,20
31,60
24,90
6,93
4,19
/
41,51
37,53
/
2778
1890
1486
48,03
32,21
24,88
6,25
3,98
/
3,1%
-2,6%
/
3,0%
3,0%
3,0%
-19,8%
-5,8%
-12,1%
-10,5%
-2,9%
/
48,00
/
/
2861
1947
1531
35,90
27,90
22,20
7,26
4,19
3,54
19,2%
/
/
6,8%
6,1%
6,1%
-40,1%
-18,4%
-21,5%
4,0%
2,1%
/
Daten zum
Zeitp. der
Veröffentlg.
nicht vorh.
* Für Januar 1998 sind die Preise in ECU zum monatlichen Durchschnittskurs angegeben.
Kleinverbraucher:
Normalverbraucher:
Jahresverbrauch von 50 MWh, Höchstabnahme von 50kW, jährliche Benutzungszeit von
1000 Stunden
Jahresverbrauch von 2.000 MWh, Höchstabnahme von 500kW, jährliche Benutzungszeit von
4000 Stunden
12
Großverbraucher:
Jahresverbrauch von 50.000 MWh, Höchstabnahme von 10.000kW, jährliche Benutzungszeit
von 5000 Stunden
Quelle: eurostat, www.europa.eu.int/comm/eurostat/: Pressemitteilung Nr. 82/2000, 18.Juli 2000; ergänzt durch „Statistik kurz gefasst, Umwelt und Energie, Thema 8-10/2001“ und eigene Berechnungen
2.2.3 Vergleich der Preisentwicklungen für private Haushalte und Industrie
Für Schweden und Deutschland lässt sich sagen, dass alle industriellen Verbrauchergruppen von den Preisrückgängen deutlich mehr profitiert haben als alle privaten
Verbrauchergruppen.
Tabelle 7:
Vergleich der Preisabweichungen zwischen 1998 und 2001 für verschiedene Nutzergruppen
private Haushalte
Industrie
KleinNormalGroßKleinNormalGroßverbraucher verbraucher verbraucher verbraucher verbraucher verbraucher
Schweden -4,6%
-4,6%
-13,2%
-40,1%
-18,4%
-21,5%
-4,7%
-1,8%
-3,2%
-17,6%
-18,9%
-20,2%
Deutschland
3
Stromanbieterwechsel der deutschen Privatkunden
Die jüngsten verfügbaren Daten zur Bereitschaft privater Stromkunden in Deutschland, den Anbieter zu wechseln, sind in einer Marktanalyse eines internet-Magazins
(strommagazin) im Jahr 2000 veröffentlicht.
Danach haben Umfragen zur Wechselbereitschaft der deutschen Stromkunden ergeben, dass zwischen 30 und 64% der Deutschen nach der Öffnung des Strommarktes generell dazu bereit gewesen sind, ihren Stromanbieter zu wechseln. Nach Brancheneinschätzungen haben bisher nur 2-3% der Privatkunden dies tatsächlich getan
(Stand 2000).
Als Gründe für die zögerliche Haltung der Kunden werden vor allem die Befürchtung
unangenehmer Konsequenzen, undurchsichtige Strukturen, Blockade und Drohungen der alten Versorger, Erhebung von Wechselentgelten, aber auch Loyalität zum
kommunalen Versorger angeführt.4
Eine Umfrage des Verbrauchermagazins „Stiftung Warentest“ ergab, dass es bei fast
jedem zweiten Anbieterwechsel Probleme gab.5
Wirtschaftsminister Müller nannte in seiner Rede beim VDEW-Kongress im Juni 2001
zahlreiche Beispiele für bei ihm eingehende Beschwerden wechselwilliger Kunden
über die Schikanen der Regionalversorger, mit denen sie konfrontiert wurden. Private
4
„Marktstudie 2000 - Analysen zum Liberalisierten Strommarkt“, Target AG, Wetzlar
vgl. Stiftung Warentest: „Ärger mit dem Stromanbieterwechsel schreckt ab“. Internet:
www.warentest.de, Stand 21.6.2000
5
13
Kunden, die den Stromanbieter wechseln wollten, würden „offenbar in einen
Dschungel undurchsichtiger Machenschaften geschickt.“6
4
Gestaltung der Netznutzungspreise
Im Zuge der Liberalisierung soll den Marktteilnehmern ein fairer Zugang zu den Übertragungs-/Fernleitungs- und Verteilernetzen einschließlich aller damit verbundenen, erforderlichen Hilfseinrichtungen gewährt werden („Netzzugang Dritter“). Im
Rahmen der EU-Richtlinie wird den Mitgliedstaaten die Wahl gelassen zwischen einem System des Netzzugangs Dritter auf der Grundlage veröffentlichter, standardisierter Tarife, die für alle Kunden gelten („geregelter Netzzugang“), und einem System, das auf Verhandlungen zwischen den Parteien mit der Veröffentlichung der wesentlichen Geschäftsbedingungen beruht („verhandelter Netzzugang“).
Die meisten Mitgliedstaaten entschieden sich für den geregelten Netzzugang und für
die Schaffung unabhängiger Regulierungsbehörden. Mit Ausnahme von Deutschland, Österreich und Irland wurde die Regulierungsfunktion einer eigenen unabhängigen Behörde übertragen bzw. gibt es konkrete Absichten, dies in der nächsten Zeit
zu tun7.
Das deutsche Energierecht sieht den verhandelten Netzzugang vor. In Deutschland
gilt die sogenannte Verbändevereinbarung. Sie wurde zwischen den Verbänden der
Elektrizitätsversorger (VDEW, Verband deutscher Elektrizitätswirtschaft), der Industriekunden (BDI, Bundesverband der deutschen Industrie) und der industriellen Kraftwerksbetreiber (VIK, Verband der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft) geschlossen. Die Verbändevereinbarung enthält Vorgaben für die Gestaltung von
Netznutzungsverträgen und für die Ermittlung von Netznutzungsentgelten.
Die Realität zeigt jedoch, dass die Vereinbarungen häufig ebenso unterlaufen werden wie der in Artikel 6 Absatz 1 des Energiewirtschaftgesetzes begründete Rechtsanspruch auf Netzzugang gegen angemessenes Entgelt für jedermann.
Im Oktober 2000 veröffentlichte der VIK einen ersten Vergleich der Netznutzungsentgelte und stellte fest, dass zwei Drittel der Preisangebote der Netzbetreiber über
den Richtpreisen der Verbändevereinbarung lagen, „obwohl diese nach Auffassung
des VIK und der Kartellbehörden als Obergrenze zu verstehen seien“.8 Preisunterschiede von über 120% gäben nach Ansicht des VIK Anlass zu der Befürchtung,
dass die Preisangebote nicht auf einheitlichen Kalkulationsgrundlagen beruhten und
netzfremde Kostenbestandteile in die Kalkulation eingeflossen seien. Kosteneinsparungen der letzten Jahre – insbesondere beim Netzbetrieb – hätten sich bisher noch
nicht in den Netznutzungspreisen niedergeschlagen.
Im August 2001 kommt der Bundesverband der Energieabnehmer (VEA), ein Zusammenschluss von Energiekunden aus mittelständischen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, zu einem ähnlichen Ergebnis. In einer umfangreichen Daten6
Rede des Bundeswirtschaftsministers Müller anlässlich eines VDEW-Kongresses „Strommarkt
Deutschland – Energie für Europa“ am 31. Mai 2001 in Hamburg, www.bmwi.de Presseforum
www.strommagazin.de
7
„Der liberalisierte Strommarkt – Stand in den EU-Ländern“,
www.eva.wsr.ac.at/projekte/liberalisierung.htm
8
„VIK-Preisvergleich Stromnetze – Netznutzungsentgelte vielfach überhöht“, VIK, Essen, 2. Oktober
2000, www.vik-online.de
14
bank veröffentlichte und verglich der Verband die Netznutzungsentgelte von etwa
700 Netzbetreibern und stellte fest, dass „die Netznutzungsentgelte im Einzelfall um
mehr als 300% differieren“.9
5
Reaktionen des Bundeskartellamtes
Das Bundeskartellamt hat im Juli 2001 eine neue Beschlussabteilung für den Elektrizitätsmarkt eingerichtet. Damit soll, laut Kartellamtspräsident Böge, „ein unmissverständliches Signal gegeben werden, dass das Kartellamt keine Wettbewerbsbehinderungen akzeptieren werde“. Die neue Abteilung ist zuständig für die Durchsetzung
des Missbrauchs- und Diskriminierungsverbotes, die Gewährleistung des Netzzugangs und Überprüfung der Angemessenheit von Netznutzungsentgelten in der Elektrizitätswirtschaft. „Wir wollen dafür sorgen, dass die Vorteile des Wettbewerbs
beim Verbraucher ankommen." Nach Böge bedarf es zwar keiner grundsätzlichen
Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Zur schnelleren Durchsetzung
der kartellrechtlichen Entscheidungen wäre es aus seiner Sicht aber wünschenswert,
wenn der Gesetzgeber Verfügungen gesetzlich für sofort vollziehbar erklären würde.
Die neue Beschlussabteilung hat bereits gegen 22 Netzbetreiber – Stadtwerke und
regionale Energieversorgungsunternehmen (EVU) eine Untersuchung eingeleitet
wegen des Verdachts, dass sie fremden Stromhändlern für die Durchleitung durch ihr
Netz ein höheres Nutzungsentgelt berechnen als gerechtfertigt. Das Kartellamt will
ferner prüfen, ob diese Stadtwerke ihren eigenen Strompreis mit Hilfe überhöhter
Nutzungsentgelte „quersubventionieren“. Ein Vergleich auf der Basis einer vom Bundesverband der Energie-Abnehmer e.V. (VEA) veröffentlichten Netzentgeltuntersuchung für Industrie- und Gewerbekunden zeigt, dass die Netzentgelte der 22 betroffenen Unternehmen zwischen 10 % und 80 % höher liegen als die zum Vergleich herangezogenen Entgelte z.B. der Netzbetreiber RWE und Energie BadenWürttemberg. Im Tarifkundenbereich ergeben Netzentgeltvergleiche Unterschiede
bis zu 30%. Die Netzbetreiber haben vier Wochen Zeit, um ihre Durchleitungspreise
zu erklären, dann droht ihnen ein Missbrauchsverfahren und die Veröffentlichung ihres Namens.10,11
6
Einrichtung einer Regulierungsbehörde
Der Bundesverband der Energieabnehmer (VEA) sowie die Arbeitsgemeinschaft der
Verbraucherverbände (AGV) fordern die Einrichtung einer Regulierungsbehörde
auch in Deutschland 12,13. Manfred Panitz vom geschäftsführenden Vorstand des
9
„Energieabnehmer fordern Vorgehen gegen hohe Durchleitungsgebühren“, dpa-Meldung vom
5.8.2001
vgl. auch : „Aktueller Netznutzungsentgeltvergleich (Strom) – gewaltige Preisunterschiede bei den
Netznutzungsentgelten“, VEA Bundesverband der Energieabnehmer e.V. Stand 16.Juli 2001,
www.vea.de
10
„Die Netzbetreiber in der Zielfahndung“, Rheinische Post, 29.09.2001, Redaktion Wirtschaft und
Verbraucher
11
„Untersuchung gegen 22 Netzbetreiber wegen überhöhter Netznutzungsentgelte eingeleitet“ Pressemeldung des Bundeskartellamtes vom 27.09.2001 (www.bundeskartellamt.de/27_09_2001.html)
12
„Energieabnehmer fordern Vorgehen gegen hohe Durchleitungsgebühren“, dpa-Meldung vom
5.8.2001
13
„Zwei Jahre liberalisierter Strommarkt – Bilanz der Verbraucherverbände“, Stand 02.02.2001
www.verbraucherzentrale-nrw.de,
15
VEA:„Bleibt es allein beim Kartellrecht, müssen erst langwierige Verfahren abgewickelt werden“.
Die EU-Kommission hat einen Vorschlag zur Änderung EU-Richtlinie 96/20/EG vorgelegt, in dem sie unter anderem vorsieht, alle Mitgliedstaaten dazu zu verpflichten,
unabhängige Regulierungsbehörden einzurichten. Zu deren Aufgaben soll unter anderem die Festlegung bzw. Genehmigung von Tarifen und Bedingungen für den Zugang zu den Verteilungs- und Übertragungsnetzen gehören. In dem Vorschlag heißt
es: „Trotz ihrer Unabhängigkeit müssen diese Einrichtungen eng mit anderen Regierungsstellen wie den Wettbewerbsbehörden zusammenarbeiten, da letztere weiterhin
für die Beilegung anderer Arten von Streitigkeiten im Zusammenhang mit dem Netzzugang Dritter zuständig sind, wie die Untersuchung diskriminierenden Verhaltens in
Einzelfällen.“ 14
Die Vorschläge der Kommission sind vom Europäischen Rat am 23. und 24. März
2001 zur Kenntnis genommen worden. Der Rat bat um möglichst baldige Prüfung der
Vorschläge. Auf Initiative Frankreichs mit Unterstützung Deutschlands wurde davon
abgesehen, einen konkreten Zeitplan abzustecken, wie in den Vorschlägen der
Kommission vorgesehen. Die Kommission soll bis Frühjahr 2002 einen Bericht über
die Lage auf dem Energiemarkt erstellen.15
Die Kommission hat auf ihrer Sitzung am 20.06. 2001 bekräftigt, die Liberalisierung
des Energiemarktes zügig vorantreiben zu wollen. Dazu sei es notwendig, die Vorschläge möglichst bald zu beschließen.
In Deutschland wurde die Vorlage in den Fachausschüssen des Bundesrates (Fachausschuss für Fragen der Europäischen Union – federführend -, Fachausschuss für
Innere Angelegenheit, Fachausschuss für Umwelt und Fachausschuss für Wirtschaft)
beraten. 16, 17
Mit seinem Beschluss der 768. Sitzung am 19.10.2001 bittet der Bundesrat die Bundesregierung, bei den Verhandlungen auf europäischer Ebene über die Vollendung
des Energiebinnenmarktes u.a. darauf hinzuwirken,
-
„dass regulierende Elemente – darin stimmt der Bundesrat mit der Bundesregierung überein – in den gemeinsamen Vorschriften für den Elektrizitätsbinnenmarkt und den Erdgasbinnenmarkt auf das notwendige Maß beschränkt
werden.“
-
„dass die Mitgliedstaaten nicht zur Schaffung einer nationalen Regulierungsbehörde verpflichtet werden.“18
14
Vorschlag einer Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Netzzugangsbedingungen für den grenzüberschreitenden Stromhandel“ Bundesratsdrucksache 358/01
15
EU-Vorlage 13/110 des Landtags Nordrhein-Westfalen, Stellungnahme des MWMEV zur Bundesratsdrucksache 358/01 „Beteiligung des Landtags NRW in EU-Angelegenheiten, hier: Vorschlag einer
Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Netzzugangsbedingungen für den
grenzüberschreitenden Stromhandel“
16
EU-Vorlage 13/110 des Landtags Nordrhein-Westfalen, Stellungnahme des MWMEV zur Bundesratsdrucksache 358/01 „Beteiligung des Landtags NRW in EU-Angelegenheiten, hier: Vorschlag einer
Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Netzzugangsbedingungen für den
grenzüberschreitenden Stromhandel“
17
„ Empfehlungen der Ausschüsse zu der 768. Sitzung des Bundesrates am 19.Oktober 2001“ vom
07.11.01, Bundesratsdrucksache 358/1/01
18
Bundesrats-Drucksache 358/01 (Beschluss) vom 19.10.01
16
Der Bundeswirtschaftsminister hat sich ebenfalls gegen die Einrichtung einer Regulierungsbehörde ausgesprochen19.
19
„ Rede des Bundeswirtschaftsministers Müller anlässlich eines VDEW-Kongresses „Strommarkt
Deutschland – Energie für Europa“ am 31. Mai 2001 in Hamburg, www.bmwi.de Presseforum
17
7
Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen
Tabelle 1:
Vergleich der Öffnung der Strommärkte in den 15 Staaten der Europäischen Union (Stand 2000):
Tabelle 2:
Stromabsatz der zehn größten deutschen Stromversorger 1999
Tabelle 3:
Strompreise in Deutschland für private Haushalte von Januar 1998 bis
Januar 2001 - Durchschnitt der landesweit erhobenen Preise (ohne Steuern)
in Euro je 100kWh,
Tabelle 4:
Strompreise in Deutschland für die Industrie von Januar 1998 bis Januar
2001 - Durchschnitt der landesweit erhobenen Preise (ohne Steuern)
in Euro je 100kWh
Tabelle 5:
Strompreise (ohne Steuern) für private Haushalte in der EU von Januar
1998 bis Januar 2001
Tabelle 6:
Strompreise (ohne Steuern) für die Industrie in der EU von Januar 1998
bis Januar 2001
Tabelle 7:
Vergleich der Preisabweichungen zwischen 1998 und 2001 für verschiedene Nutzergruppen
Abbildung 1: Entwicklung der Strompreise in Deutschland für private Haushalte von
Januar 1995 bis Juni 2001 (Preisindex, 1995 = 100)
Abbildung 2: Entwicklung der Strompreise in Deutschland für die Industrie von März
1998 bis April 2001 (in Pf/kWh / Preisindex)
18
8
Quellenverzeichnis und weitere Literaturhinweise
•
„Der Markt der Energieversorgung – Daten, Fakten, Trends“, Focus, Neuauflage Juni
2000, download unter www.focus.de/marktanalysen
•
„Stromrechnung um 14% niedriger“, Mitteilung des VDEW vom 2. Mai 2000,
www.strom.de/zf_sk_29.htm
•
„Exmonopolisten behindern den Wettbewerb – Bilanz der Verbraucherverbände“, Mitteilung der Verbraucherverbände NRW und Baden-Württemberg vom 2. Februar
2001, www.vz-nrw.de/doc1032A.html
•
„Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte Deutschlands: Strompreisentwicklung (1995 = 100)“, Statistisches Bundesamt VI A 3, Wiesbaden, August 2001
•
eurostat: www.europa.eu.int/comm/eurostat/: Pressemitteilung Nr. 82/2000, 18.Juli
2000
•
eurostat:„Statistik kurz gefasst, Umwelt und Energie, Thema 8-10/2001“
•
„Dow Jones/VIK-Strompreisindex 1998 bis 2001, vik, www.vik-online.de
•
„Marktstudie 2000 - Analysen zum Liberalisierten Strommarkt“, Target AG, Wetzlar
•
„Ärger mit dem Stromanbieterwechsel schreckt ab“, Stiftung Warentest
www.warentest.de, Stand 21.6.2000
•
Rede des Bundeswirtschaftsministers Müller anlässlich eines VDEW-Kongresses
„Strommarkt Deutschland – Energie für Europa“ am 31. Mai 2001 in Hamburg,
www.bmwi.de Presseforum
•
„Der liberalisierte Strommarkt – Stand in den EU-Ländern“, www.eva.wsr.ac.at/ projekte/liberalisierung.htm
•
„VIK-Preisvergleich Stromnetze – Netznutzungsentgelte vielfach überhöht“, VIK, Essen, 2.Oktober 2000, www.vik-online.de
•
„Energieabnehmer fordern Vorgehen gegen hohe Durchleitungsgebühren“, dpaMeldung vom 5.8.2001
•
„Aktueller Netznutzungsentgeltvergleich (Strom) – gewaltige Preisunterschiede bei
den Netznutzungsentgelten“, VEA Bundesverband der Energieabnehmer e.V. Stand
16.Juli 2001, www.vea.de
•
„Die Netzbetreiber in der Zielfahndung“, Rheinische Post, 29.09.2001, Redaktion
Wirtschaft und Verbraucher
•
„Untersuchung gegen 22 Netzbetreiber wegen überhöhter Netznutzungsentgelte eingeleitet“ Pressemeldung des Bundeskartellamtes vom 27.09.2001
(www.bundeskartellamt.de/27_09_2001.html)
•
„Zwei Jahre liberalisierter Strommarkt – Bilanz der Verbraucherverbände“, Stand
02.02.2001 www.verbraucherzentrale-nrw.de,
•
Vorschlag einer Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die
Netzzugangsbedingungen für den grenzüberschreitenden Stromhandel“ Bundesratsdrucksache 358/01
•
EU-Vorlage 13/110 des Landtags Nordrhein-Westfalen, Stellungnahme des MWMEV
zur Bundesratsdrucksache 358/01 „Beteiligung des Landtags NRW in EUAngelegenheiten, hier: Vorschlag einer Verordnung des Europäischen Parlaments
und des Rates über die Netzzugangsbedingungen für den grenzüberschreitenden
Stromhandel“
19
•
Empfehlungen der Ausschüsse zu der 768. Sitzung des Bundesrates am 19.Oktober
2001“ vom 07.11.01, Bundesrats-Drucksache 358/1/01
•
Bundesrats-Drucksache 358/01 (Beschluss) vom 19.10.01 = EU-Vorlage des Landtags 13/130.
Weitere Informationen:
•
www.strommagazin.de
•
„Liberalisierung im Elektrizitätssektor“, MWMTV, www.mwmtv.de
•
VDEW (Verband deutscher Elektrizitätswirtschaft), www.strom.de
•
Verbraucherzentrale NRW, www.verbraucherzentrale-nrw.de
•
RWI-Mitteilungen www.rwi-essen.de
•
Verbändevereinbarung, 13.12.1999, www.stromtarife.de/specials/Vereinbarung.html
•
„Wer jetzt nicht spart, ist selber schuld“, Stern-Archiv, Ausgabe 46, Seite 146,
www.stern.de
•
„Stromkrise in Kalifornien – ein Warnzeichen für Europa?“ Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Wochenbericht 32/2001, 9. August 2001, 68. Jahrgang
•
„Preisbrecher gibt es nicht mehr – Liberalisierung des Strommarktes führte in Schweden nicht zu mehr, sondern zu weniger Wettbewerb“, taz, 24.08.2001
20