08.06.2013 SZ Süddeutsche Zeitung "Lofts in der

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08.06.2013 SZ Süddeutsche Zeitung "Lofts in der
R4
MÜNCHEN
Samstag/Sonntag, 8./9. Juni 2013, Nr. 130 DEFGH
3
Ehemalige Hochbunker in München Martialische Schutzräume aus der Nazizeit werden nach und nach neu genutzt
Umstrittenes
Pilotprojekt
Betonskelett
für ein Hotel
Mit diesem Projekt an der Claude-LorrainStraße in Untergiesing, begann vor zehn
Jahren die Debatte über neue Nutzungen
der alten Hochbunker: Wie weit darf man
die kommerzielle Verwertung und die damit einhergehende architektonische Umgestaltung dieser Relikte aus Deutschlands Kriegsvergangenheit treiben? Die
Meinungen von Kommunalpolitikern und
Architekten gingen auseinander. Während
die einen von den Chancen der interessanten neuen Bunkerkreativität schwärmten,
mahnten die anderen einen eher zurückhaltenden Umgang mit den Beton-Ungetümen an. Der Bunker am Schyrenbad steht
zwar nicht unter Denkmalschutz, trotzdem sei er ein „erhebliches Zeitdokument“, argumentierten die Denkmalschützer. An die Kriegszeit erinnere ja sonst
nicht mehr viel. Ein Bunker habe als „Wehrbau“ eine so hohe Aussagekraft wie eine etwa eine alte Stadtmauer oder eine Burg.
Das Büro Binnberg Planungen mit Architektin Donata Eberle stockte den Bunker
mit einer zweigeschossigen Glaskrone auf,
schnitt Fenster in die dicken Mauern, beließ aber den Sockel in der ursprünglichen
Form, um den Charakter des Bauwerks zu
wahren (FOTO: ROBERT HAAS ). Ein außergewöhnliches Gebäude mit Wohn- und Büroflächen ist so entstanden. Vom Bunker allerdings sei nicht mehr viel zu erkennen, sagen Kritiker. Das neue Erscheinungsbild
könnte genauso gut etwa aus einem alten
DÜ.
Wasserturm hervorgegangen sein.
Noch braucht es einige Vorstellungskraft,
um das Bild eines schmucken Hotels vor
sich zu sehen. Denn der Bunker am Allacher Oertelplatz, direkt dort, wo bald das
Zentrum des Stadtviertels entstehen soll,
dominiert den Platz momentan als kolossales Gerippe (FOTO: ALESSANDRA SCHELLNEGGER).
Doch die Vorarbeiten sind bereits geleistet,
die einst 2,60 Meter dicken Wände sind bis
auf einen Meter abgefräst worden. Bis zum
Frühjahr 2014 könnte das Hotel fertig werden, geplant sind 15 Zimmer und eine Dachterrasse als Krone des Gebäudes. Im Erdgeschoss soll zusätzlich ein gastronomischer
Betrieb Platz finden, auch um das bisher
eher triste Umfeld des Allacher S-Bahnhofs zu beleben, wie Eigentümer Johann
Lindner sagt. Lindner ist Geschäftsführer
der Bavaria Bau & Boden GmbH, er hat den
Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in den
Neunzigerjahren gekauft. Zuerst probten
dort Bands, dann legte Lindner erste Pläne
zum Umbau vor. Bei der Stadtgestaltungskommission fielen die jedoch durch. Lindner holte sich dann Donata Eberle ins Boot.
Die Architektin hatte bereits 2003 den Umbau des Bunkers in der Claude-LorrainStraße am Schyrenbad in einen lichten
Wohnblock mitgestaltet. So verfolgte auch
Lindner zwischendurch die Idee, im Bunker große Loftwohnungen zu bauen. Doch
davon kam er wieder ab, weil sich Luxuswohnungen im Viertel schlecht vermarkten ließen, wie er sagt. Also soll es doch wiePA
der ein Hotel werden.
Auf dem Dach entsteht eine der drei Penthouse-Etagen mit phänomenalem Blick über die Stadt.
SIMULATIONEN (3): BÜNCK+FEHSE FÜR EUROBODEN
Lofts in der Trutzburg
Der Immobilienunternehmer Stefan Höglmaier baut einen siebenstöckigen, fensterlosen Klotz an der Ungererstraße
zu einem modernen Wohngebäude um. In den obersten drei Stockwerken will er selbst einziehen
VON ALFRED DÜRR
chöner wohnen in einem Bunker? In
einem mächtigen, trutzigen Komplex
aus der Nazizeit, mit meterdicken
Wänden, an einer stark befahrenen Straße?
Man glaubt es kaum, aber es funktioniert.
Die Verwandlung eines massiven und einst
hermetisch nach außen abgeschotteten Betonblocks in eines der ungewöhnlichsten
neuen Wohnhäuser ist im Rohbau abgeschlossen. Vom Klotz zum Glanz: Ende des
Jahres ist die Transformation des Hochbunkers an der Ungererstraße 158 in ein modernes Loftgebäude vollbracht.
S
Der ursprüngliche
Bau hatte außer der Tür keine
einzige Öffnung
Aufwendiger
Abriss
An der Ecke Steiner-/Plinganserstraße in
Obersendling stand bis vor drei Jahren der
größte Hochbunker der Stadt. Auch eine
Möglichkeit: Wenn man das bauliche
Monstrum nicht mehr braucht, reißt man
es einfach ab. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. In mühevoller Arbeit wurde
das mächtige Gebäude, das im Krieg allen
Bomben getrotzt hatte, dem Erdboden
gleichgemacht (FOTO: ALESSANDRA SCHELLNEGGER).
Die Sana-Klinik Solln Sendling GmbH, die
auf der anderen Seite der Steinerstraße bereits über ein Krankenhaus verfügt, nahm
die Mühe auf sich. Man wollte das Bunkergrundstück für einen Erweiterungsbau haben. Nun entsteht auf dem Areal der Neubau des Sana Gesundheits Campus Sendling, ein moderner Klinik-Komplex, nach
einem Entwurf des Dresdner Architektenbüros Wörner und Partner. Die Stadtgestaltungskommission hat das Vorhaben gerade positiv beurteilt. Vom Bunker, der früher auch einmal als Lagerraum diente und
der sogar als Unterkunft für Asylbewerber
vorgesehen war, redete niemand mehr.
Ein Stück Zeitgeschichte ist von der BildfläDÜ.
che verschwunden.
Im Erdgeschoss und im ersten Stock
wird dann die Berliner Galerie AEA Art et
Architecture ihr neues Domizil in München
finden. In den drei Etagen darüber entstehen großzügige Lofts mit jeweils 120 Quadratmeter Wohnfläche, die zur Miete angeboten werden. Das Ganze wird gekrönt von
einer Penthouse-Wohnung. Deren 400
Quadratmeter Fläche erstrecken sich über
drei Stockwerke. Sie schließt ab mit einem
zurückgesetzten Terrassengeschoss und einem Dachgarten – mit phänomenalem
Blick auf die Altstadt, den Nordfriedhof
und den Englischen Garten.
Um 1943 entstand der Bunker im Norden Schwabings, am Rand des Nordfriedhofs und schräg gegenüber der Siedlung Alte Heide, wohl nach Plänen des Städtischen
Hochbauamts. Es war ein siebengeschossiger Massivbetonbau mit Flachdach und Naturstein-Quadern an den Ecken. Schmale
Blindfenster „zierten“ die Fassade. Außer
der Zugangstür und den Ventilationsschächten gab es keinerlei Öffnungen in
dem Gebäude, sodass der Bunker für maximal 650 Personen auch als Schutzraum vor
chemischen oder atomaren Angriffen genutzt werden konnte.
„Zwei Meter dicke Wände und kein Tageslicht. Das war ein unglaublich bedrückendes Gefühl“, sagt Stefan Höglmaier,
38, der Gründer und Chef des architektonisch ambitionierten Münchner Immobilienunternehmens Euroboden. Mit dem
Ende des Kalten Krieges brauchte man
solche ABC-Bunker nicht mehr. 2010 bot
die Liegenschaftsverwaltung des Bundes
das Bauwerk zum Verkauf an. Was aber
macht man aus so einer Burg? Der Markt
gierte nicht gerade nach solch einer Immo-
Granit-Küchen
Schon als Baustelle ein Hingucker: In die zwei Meter dicken
Wände des ehemaligen Bunkers in der Ungererstraße wurden große
Fenster gebrochen. FOTO: ROBERT HAAS
Herausforderung für Architekten
Über ganz München verstreut prägen heute
noch 16 Hochbunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs das Stadtbild. Immer wieder
gibt es Diskussionen und Vorschläge, was
man mit den eher abweisenden Trutzburgen
anfangen soll. Der Bund ist zumeist Eigentümer dieser speziellen Bauwerke. Zum Teil
könnte man sie noch immer als Schutzräume nutzen. Mit dem Ende des Kalten Krieges
haben sie jedoch ihre Funktion weitgehend
verloren. Während einige Betonklötze recht
nutzlos herumstehen, bieten andere hinter
ihren dicken Mauern heute Räume etwa für
soziale oder kulturelle Zwecke. Musikgruppen können dort beispielsweise üben, ohne
die Nachbarschaft zu belästigen.
Aber der Bund hat auch bereits einzelne
Objekte verkauft. Wohnen hinter dicken
Mauern kann nach den allerdings sehr aufwendigen Umbauarbeiten zum interessan-
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Stefan Höglmaier hat
den Hochbunker an
der Ungererstraße 158
mit seiner Immobilienfirma gekauft. Ganz
oben will der 38-Jährige
selbst leben, wenn der
Umbau abgeschlossen
ist. FOTO: JENS PASSOTH/OH
Leerstehender
Solitär
Er ist der vielleicht bekannteste Bunker in
der Innenstadt. 1941 wurde das frei stehende sechsgeschossige Bauwerk (FOTO: ALESSANDRA SCHELLNEGGER ) nach den Plänen des damaligen Stadtbaurats Karl Meitinger an
der Blumenstraße errichtet. Der unter
Denkmalschutz stehende Koloss neben
der Schrannenhalle kann zu bestimmten
Terminen, wie etwa dem jährlich stattfindenden Tag des offenen Denkmals, besichtigt werden. Dieses Angebot stößt immer
auf sehr großes Interesse. Deshalb gab es
die Idee, in dem zentral gelegenen Bunker
ein Luftschutz-Museum einzurichten.
Dort sollte auch die Geschichte der Münchner Bunker dargestellt werden. In Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum könnte
man Führungen, Ausstellungen und andere Veranstaltungen anbieten, so der Vorschlag. Das Kulturreferat prüfte das Konzept, lehnte es jedoch ab. Für einen ganzjährigen Museumsbetrieb sei das Gebäude
nicht geeignet, so die Argumentation. Weil
der Umbau einen „unverhältnismäßigen
baulichen und finanziellen Aufwand “ auslösen würde, verfolgte man die Idee nicht
DÜ.
weiter.
Öffentliche Pfänderversteigerung
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schon ab
ten Thema werden: Vom Bunker mit düsterer Geschichte zum modernen Loft-Turm. Gerade für Architekten ist das eine große Herausforderung, denn die Bunker dokumentieren auf ihre Art auch die jüngere deutsche
Vergangenheit mit dem Zweiten Weltkrieg
und den Luftschutz. Damit sie aus Kampfflugzeugen nicht als Schutzeinrichtungen erkannt werden konnten, erhielten sie Stilzitate von Häusern aus verschiedenen Epochen.
Einige Bunker sind deshalb als Baudenkmäler ausgewiesen.
Die Stadtplaner wünschen sich eine neue
Nutzung sehr. Doch der Umbau in Wohnungen oder Büros ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten immer mindestens grenzwertig. Oft können die Projekte die baurechtlichen Auflagen zum Brandschutz oder den
Stellplatznachweis gar nicht oder nur mit
sehr hohen Kosten erfüllen.
DÜ
bilie. Aber Höglmaier griff zu. Eine verwegene Aktion, könnte man meinen: Der Bunker stand als Zeugnis aus der Zeit des Nationalsozialismus unter Denkmalschutz, eine
Umbaugenehmigung gab es noch nicht,
und sich hier Luxuswohnungen vorzustellen, erforderte schon einiges an Phantasie.
Jetzt steht Höglmaier vor seiner exquisiten Baustelle und freut sich über das mutige Projekt: „Ein Unikat mit hohen architektonischen Werten. Das macht es zu etwas
Besonderem.“ Dafür lohne es sich, sehr viel
Geld zu investieren. Wie viel genau? Kein
Kommentar! Die Erhaltung geschichtlicher Substanz gepaart mit hohem gestalterischen Anspruch – hier lasse es sich erfüllen. Dabei solle der Bunker nicht zu einem
„hübschen oder gefälligen“ Wohnhaus werden. Beim Gang über die Baustelle zeigt der
Investor markante Stellen: Die nackten Betonwände des Treppenhauses, das ursprüngliche Geländer, die alten Stufen und
zum Beispiel auch die Decken in den großzügigen Wohnräumen bleiben in ihrem rohen Urzustand erhalten.
Nicht verändert wird auch die Fassade
in ihren Grundzügen. Ohne Tageslicht sind
aber keine Wohnungen möglich. Deswegen wurde in jede Außenwand und in jede
Etage mit schwerem Gerät jeweils eine annähernd raumhohe Fensteröffnung geschnitten. Entstanden sind in der meterdicken Wand gemütlich wirkende Raumnischen. Fränzi Essler, Tim Sittmann-Haury
und Walter Waldrauch vom Büro Raumstation Architekten in Starnberg haben es als
große Herausforderung gesehen, dem Bauwerk eine neue Nutzung zu geben, dabei
aber die Figur des Bunkers nicht infrage zu
stellen. Vor gut zwei Jahren begutachtete
die Architekturfachleute der Stadtgestaltungskommission das Projekt, und sie waren voll des Lobes. Beispielhaft werde der
sensible Umgang mit einem denkmalgeschützten Gebäude demonstriert.
Ein engagierter Bauherr hat sich hier seinen Traum vom schöner Wohnen erfüllt.
Höglmaier zieht nämlich selbst ins Penthouse ein, in seinen Bunker.
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Mittwoch, 12. 6. 2013 Ab 9.30 Uhr. Vorbes. ab 8.30 Uhr
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