die grazer kärnterstraße

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die grazer kärnterstraße
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kärnterstraße
Anselm Wagner, Petra Eckhard (Hg.)
Anselm Wagner, Petra Eckhard (Hg.)
Extasy Urbanism - Die Grazer Kärntner Straße
Anselm Wagner, Petra Eckhard (Hg.)
Extasy Urbanism - Die Grazer Kärntner Straße
Ergebnisse der Projektübung WS 2011/12
Extasy Urbanism - Die Grazer Kärntner Straße
Leitung: Anselm Wagner, Petra Eckhard
akk Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften
Technische Universität Graz akk.tugraz.at
Impressum
Anselm Wagner, Petra Eckhard (Hg.)
Extasy Urbanism - Die Grazer Kärntner Straße
TeilnehmerInnen
Matej Banozic
Michaela Böllstorf
Florian Engelhardt
Christoph Feindert
Martin Florian
Elisabeth Gaenge
Lisa-Maria Gantschacher
Christoph Gradauer
Eva Hutter
Alicia Sophie Leopold
Luka Lipsinic
Jürgen Patjens
Alja Petric
Andreas Odin Reintsch
Christoph Ringhofer
Susanne Elisabeth Roth
Nedzad Sabanovic
Heinz Tiefenbacher
Sandra Weinrauch
Layout und Satz
Michaela Böllstorf I Toni Levak I Florian Engelhardt
© Copyright 2012 beim Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften der Technischen Universität Graz und den AutorInnen.
All rights reserved. No part of this book may be reproduced or transmitted in any form or by any means, electronic or mechanical, including photocopy, recording or any other
information storage and retrieval system, without the written permission of the publishers.
Inhalt
Vorwort Anselm Wagner, Petra Eckhard6
Learning from Kärntners StraßeMatej Banozic10
StreetLightsMichaela Böllstorf14
Lost in JunkspaceFlorian Engelhardt18
WebStripChristoph Feindert22
Vom Wohnen zum GewerbeMartin Florian26
More and More and More...Elisabeth Gaenge30
Hidden Urban SpaceLisa-Maria Gantschacher34
Idealismus contra RealismusChristoph
Gradauer38
Junkyard in DisguiseEva Hutter42
EinBlick hinter die FassadenAlicia Sophie Leopold46
Kärntner Straße LogotypesLuka Lipsinic50
KakophonJürgen Patjens54
Harmonie des OrtesAlja Petric58
Kärntner Straße in der Kärntner Straße Andreas Odin Reintsch
62
Auto 2000Christoph Ringhofer66
UnExpected BordersSusanne Elisabeth Roth70
.11.11Nedzad Sabanovic 74
Sein und ScheinHeinz Tiefenbacher78
Signal CitySandra Weinrauch82
Zeitungsausschnitt aus „Der Grazer“84
Vorwort
Anselm Wagner, Petra Eckhard
6
Wer als Nicht-Grazer zum ersten Mal durch die Kärntner Straße
fährt, dem verschlägt es meist kurz (oder etwas länger) die
Sprache. Das in Mitteleuropa übliche Erscheinungsbild einer
kommerziell genutzten Ausfallsstraße ist hier in einer Art und
Weise auf die Spitze getrieben, dass man oft nicht weiß, ob man
lachen, weinen, sich indigniert abwenden oder gebannt draufstarren soll. Nun gibt es vielerorts ähnliche Phänomene, und oft sind
sie hinsichtlich Größe und Intensität noch viel überwältigender.
Das Besondere der Kärntner Straße liegt aber in der Tragikomik
einer kleinbürgerlichen, verschlafenen Vorstadtsiedlung mit
bescheidenen Einfamilienhäusern inmitten schmucker Gärten,
die quasi über Nacht von einem Alien namens rollender Verkehr
heimgesucht worden ist, der ihr nicht nur die banalen Gaben Lärm
und Gestank dagelassen, sondern vor allem eine quietschbunte,
laute und vulgäre Werbekette samt aller jener Produkte umgehängt
hat, die – so das unverwüstliche Klischee – der Mann zum Leben
braucht: Autos, Glückspiel und Bordelle. Damit diese Produktkette
nicht zu glamourös erscheint, ist sie von allerlei bodenständigem
Gewerbe durchwachsen, das nolens volens mit derselben Intensität
die Werbetrommel rührt. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich
der Alien aber nicht als fremde Macht vom outer space, sondern
als manifeste Projektion eigener Sehnsüchte: Das biedere Eigenheim, das zum „Autoplanet“, „Laufhaus“ oder „Akkushop“ mutiert,
scheint sich wie unter dem Einfluss enthemmender Drogen seinen
Allmachtsfantasien unbegrenzter Energie und Potenz hinzugeben.
„Pimp My Ride“ („Motze meine Karre auf“) hieß in den 00er-Jahren
eine beliebte Fernsehserie auf MTV, bei der alte schrottreife
Wägen zu PS-starken und extravagant lackierten Straßenkreuzern auffrisiert wurden, was ihre Besitzer zu (ebenso getunten)
Begeisterungsanfällen hinriss. Etwas Ähnliches scheint mit der
Kärntner Straße geschehen zu sein. Einziger Unterschied: Hier gab
es kein Script, nicht einmal einen Plan. Ursprünglich als Wohngebiet gewidmet, „passierte“ die Verwandlung in ein Gewerbegebiet
mehr oder weniger spontan, und jeder Autohändler, der sich hier
niederließ, wirkte wie ein Magnet für Kollegen aus der Branche. Das
Fehlen eines Masterplans ließ aber alles Bisherige, solange es funktionierte, bestehen. Nichts wurde bereinigt, begradigt, angeglichen.
Deshalb ist die Kärntner Straße keine homogene, glatt designte
Kommerzzone wie die Shoppingcenter diverser Speckgürtel, sondern ein äußerst heterogenes, geradezu anarchisches Konglomerat
unauflösbarer Widersprüche, ein Sammelsurium kurioser Details
und ins Kraut schießender Stilblüten.
Eine Projektübung zur Kärntner Straße im Rahmen des Masterstudiums der Architektur konnte deshalb nicht zum Ziel haben,
architektonische Entwürfe zur Verbesserung der gegenwärtigen
Situation oder Lösungen für reale oder angebliche Probleme zu
liefern. Die Kärntner Straße „verbessern“ hieße, ihr ihr Wesen
auszutreiben oder ihr gar à la „My Fair Lady“ gute Manieren beizubringen. Diesen paternalistischen Gestus, in den Archi-tektInnen
zuweilen verfallen, haben wir bewusst hintangestellt, um allein mit
den kunst- und kulturwissenschaftlichen Methoden der Ikonografie,
der Semiotik, der Kulturanthropologie und Stadtforschung (letzteres wurde im Wahlfachseminar von Manfred Omahna vermittelt),
aber auch mit künstlerischen Zugängen zu versuchen, die Kärntner
Straße einer eingehenden Analyse zu unterziehen, mit dem Ziel, das
schon der Begründer der (Stadt-)Soziologie Georg Simmel formuliert hat: „Unsere Aufgabe [ist] nicht, anzuklagen oder zu verzeihen,
sondern allein zu verstehen.“1 Innerhalb der Architekturtheorie
wurde diese Haltung gegenüber einer bis dahin immer nur als min-
7
8
derwertiger kommerzieller Kitsch abgetanen „Baukultur“2 von Robert Venturis, Denise Scott Browns und Steven Izenours vor genau
30 Jahren publiziertem „Learning from Las Vegas“ begründet, das
im zweiten Wahlfachseminar von Petra Eckhard einer eingehenden
Lektüre unterzogen worden ist. Nachdem die Postmoderne derzeit
einer Revision unterliegt, was sich wohl mehr auf die Relevanz
ihrer Theorie und weniger auf ihre Architektur bezieht, schien es
angebracht, den radikalen Ansatz des „Las Vegas Studios“ erneut
zu überprüfen und wenn nötig anzupassen und zu erweitern. Wie
die Projekte im vorliegenden Band zeigen, kam es im Laufe der Projektübung zu einer vorurteilslosen und sogar positiven Neubewertung des kommerziellen Jargons der Kärntner Straße. Vor allem
in der Architektur stellt diese Hinwendung zum Bodenständigen,
Gewöhnlichen und Anti-Elitären eine massive Grenzüberschreitung
dar, die auch gleichzeitig einen Wandlungsprozess signalisiert, der
das Massenpublikum und dessen Architektur nicht mehr strikt von
jener einer Künstlerelite trennt. Auf eine Reflexion der möglichen
Nutzanwendung für die architektonische Praxis wurde bewusst
verzichtet, um den analytischen Blick nicht zu früh durch eigene
Projektionen und Instrumentalisierungen zu trüben. Wir hoffen
aber, dass unsere Methode in einem zweiten Schritt den entwerferischen Zugang der Studierenden verändern wird – und sei es nur
durch die Erkenntnis, dass z.B. Werbung den Stadtraum wesentlich
stärker prägen kann als Architektur.
Wir danken all jenen, die an dieser Lehrveranstaltung mitgewirkt
haben, vor allem den Studierenden, die sich auf mit viel Engagement auf ein ungewöhnliches Thema eingelassen haben, und
unserem Kollegen Manfred Omahna für seinen fachkundigen Input.
Die Abschlusspräsentation am Parkplatz der Imbissstube „Würst’l
Hannes“ möglich gemacht haben Sigrid Pflanzer und Harald Gaube,
das Zelt stellte uns die Pfadfindergruppe Graz 12 und das technische Equipment der Zentrale Informatikdienst der TU Graz zur Verfügung. Als GastkritikerInnen unterstützten uns Daniel Gethmann
(Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften,
TU Graz), Leo Lippert, Klaus Rieser (beide Institut für Amerikanistik,
Karl-Franzens-Universität Graz) und Johanna Rolshoven (Institut
für Volkskunde und Kulturanthropologie, Karl-Franzens-Universität
Graz). Ihnen allen sei für ihre Hilfe herzlich gedankt.
1
2
Simmel, Georg: „Die Großstädte und das Geistesleben“ [1903], in: ders., Aufsätze und Abhandlungen 1901–1908, Bd. 1, Gesamtausgabe Bd. 7, Frankfurt a. M. 1995, S. 116–131, hier S. 131.
Dieser seit einiger Zeit zur Hebung architektonischer Qualität gebrauchte Begriff wird hier bewusst gegen seine Intention gewendet, da er auf dem von den Cultural Studies längst überholten
Kulturbegriff als Distinktionsbegriff abzielt, nur die eigene (Hoch-)Kultur als Kultur gelten zu
lassen.
9
Fiktion und Kärntner Straße
Im ersten Teil der Arbeit werden die fiktionalen Strukturen erforscht, welche unsere Erfahrungen der Realität beinhalten und deren chaotische
Unterwelt der wilden Triebe und Begehren untergraben. Es soll gezeigt werden, wie die visuelle Sprache der Kärntner Straße unsere tiefsten Ängste und
Begierden weckt und gleichzeitig auf einem sicheren
Abstand hält, sie domestiziert und spürbar macht.
10
Die Kärntner Straße ist nichts anderes als ein Ort, auf
den wir unseren Glauben und unsere Ängste, Dinge
aus unserem Innersten projizieren können. Formen,
die wir in der Kärntner Straße sehen können, sind
Marker von Zeit, welche die materielle Textur unserer
Realität zeichnen. Die Funktionsweise der Kärntner
Straße ähnelt der der Zone aus Andrei Tarkowskis Film „Stalker“ (1979). Die Zone ist ein Ort, wo eine
bestimmte Grenze gesetzt wird. Stalker sind ortskundige Führer, die Andere in diese Zone führen, welche die
Erfüllung von Begehren verspricht. Da man aber in
der Lage sein muss, diese zu formulieren, werden diese
Begehren nicht erfüllt. Diese experimentellen Stätten
werden gebraucht, da durch sie plötzlich alles möglich ist.
Die Spannung der Realität erschließt sich durch die
Fiktion, die uns auf einer viel tieferen Ebene beeinflusst als
die gängigen visuellen Motive, an welche wir gewöhnt sind.
Die Kärntner Straße bietet uns genau diese Fläche der
Learning from Kaerntner strasse
„The Perverts Guide to the forgotten Symbolism of Architectural Form“
Fiktion, erweitert und verfestigt das Vokabular unserer Wahrnehmung. Symbolische architektonische Formen erzeugen Fiktionen, wie im Beispiel der Kärntner
Straße, die das Glück in Form von Wettcafes, Casinos
oder Sex in Form von Laufhäusern verräumlichen. Insofern ist es interressant, dass scheinbar jede ideologische,
geistige oder soziale Haltung funktioniert, die den Gesetzen des Marktes folgt, wodurch bestimmte Verfahren
für die Auswahl kultureller Produktion ablesbar werden.
„The Perverts Guide to the forgotten Symbolism of
Architectural Form“ ist ein kurzer Dokumentarfilm,
der die Kärntner Straße als Ort der Projektionen für
strukturelle Fiktion veranschaulichen soll. Für den
Matej Banožic
Titel und das filmerische Konzept ist „THE
PERVERT‘S GUIDE TO CINEMA“ eine Vorlage, ein
Film, der eine Einführung in einige Ideen Slavoj Žižek
über Fantasie, Realität, Sexualität und Begehren bietet.
11
12
The Decorated She-Duck
Ein Beispiel für eine architektonische Form, die jeglicher symbolischen Effizienz beraubt ist, ist „The
Decorated She-Duck“, die man in der Abbildung
links erkennen kann. Durch die Zusammenlegung der
architektonischen Systeme aus Venturis, Scott Browns
und Izenours Learning from Las Vegas von „The Duck
and The Decorated Shed“, entsteht eine dritte Form,
welche in der Kärntner Straße vorgefunden werden kann.
Bezeichnend für dieses System des „the decorated she duck“ ist die plötzliche Überproduktion von
Form, deren Charakteristik durch Unbestimmtheit
der Bedeutung und Verspiegelung definiert wird.
Der Gebrauchswert der architektonischen Form
ist aufgehoben und kann somit symbolisiert werden, denn jede Architektur welche mit Kom-
munikation
gleichzusetzen
ist,
symbolisiert
gleichzeitig die Tatsache der Kommunikation.
Die architektonische Form transportiert niemals nur eine Botschaft, sie bekräftig immer
auch die symbolische Relation zwischen den
kommunizierenden Elementen einer Struktur.
Weil jedoch beraubt von jeglicher symbolischer
Effizienz verweist „The Decorated She-Duck“ nur
auf sich und versperrt jegliche erweiternde substanzielle Bedeutung. Diese Analogie lässt sich auch
auf die Geräuschkulisse der Kärntner Straße übertragen: Es ist formal eine Fülle an Geräuschen wahrnehmbar, aber ohne jegliche Bearbeitung und daher
auch ohne jegliche weitere symbolische Bedeutung.
13
14
StreetLights
Michaela Böllstorf
Die Arbeit „StreetLights“ sucht nach dem zweiten, dem nächtlichen Gesicht der Kärntner
S t r a ß e . S i e z e i g t a u f, w e l c h e r S ta d t r a u m d u r c h
d a s L i c h t b z w. d a s Fe h l e n v o n L i c h t a u s g e b i l d e t
w i r d u n d i n w i e w e i t d i e s e s L i c h t, w e l c h e s d e n
Zu g a n g z u r K ä r n t n e r S t r a ß e b e i N a c h t ü b e rh a u p t e r s t m ö g l i c h m a c h t, e i n e R o l l e s p i e l t. D i e
S t r a ß e w i r d a u f e i n e a n d e r e A r t p r ä s e n t i e r t,
als die, die wir bereits kennen. Es soll eine
n e u e S i c h t w e i s e a u fg ez e i g t, d i e S t r a ß e d a durch vielleicht sogar erst korrekt dargestellt
werden; ganz im Sinne von: StreetLights - Die
K ä r n t n e r S t r a ß e i n s r e c h t e L i c h t g e r ü c k t.
Hierzu sind unterschiedliche, für die Kärntner
S t r a ß e c h a r a k t e r i s t i s c h e S p o t s a u s g e w ä h l t, fo tografiert und analysiert worden.
D i e j e w e i l s l i n k e B u c h -S e i t e e i n e s S p o t s ( s i e h e
auch nächste Doppelseite) bildet dabei die rein
emotional-subjektive Ebene aus. Eine allein für
sich stehende Fotografie des Spots soll dem
B e t r a c h t e r e i n e e i g e n e I n t e r p r e ta t i o n u n d A n a lyse ermöglichen.
Die rechte Seite hingegen bildet den analytischo b j e k t i v e n Te i l a u s . H i e r s p r e c h e n Fa k t e n , d i e
d e m L e s e r H i n t e r g r u n d i n fo r m a t i o n e n z u d e m
S p o t u n d d e m d o r t g e n u t z t e n L i c h t l i e fe r n .
D i e s e S e i t e b e i n h a l t e t e b e n fa l l s e i n e G r a f i k d e r
Lichtverteilung, einen Lageplan, welcher die
S ta n d o r t e d e r L i c h t q u e l l e n d a r s t e l l t, s o w i e e i n e
e i g e n e I n t e r p r e ta t i o n d e s v o r a n g e g a n g e n e n
Bildes.
Unterschieden wurden die unterschiedlichen
Spots mittels ihrer lichttechnischen Charaktere: SEHEN, ANSEHEN, HINSEHEN und NICHTSEHEN
bilden die vier Kategorien der analysierten Orte
und zeigen damit vorab schon, dass es durchaus unterschiedliche Nutzungsarten des Lichtes
g i b t. Zu s a m m e n e r g e b e n d i e s e S p o t s d a s r e p r ä s e n ta t i v e B i l d d e s z u u n t e r s u c h e n d e n S t r e i fe n s
der Kärntner Straße und leiten in eine abschließende Analyse des Lichtes, des gebildeten
S ta d t r a u m e s u n d d a m i t d e s z w e i t e n G e s i c h t e s
d e r K ä r n t n e r S t r a ß e ü b e r.
15
16
46
O h n e L i c h t w ä r e d i e s e r u n te r i r d i s c h e „ S c h l a u c h “
w e d e r be i Ta g n o c h be i N a c h t f ü r F u ß g ä n g e r z u gänglich. Der eigentlich schon unheimlich anmute n d e G a n g w i r k t d u r c h d i e G r a f fi t i s , G l a s s c h e rbe n u n d d e m u n a n g e n eh m e n U r i n g e r u c h w e n i g
e i n l a d e n d . A l s F u ß g ä n g e r i s t m a n fr o h , w e n n
m a n d u r c h d i e s e n „ U n te r g r u n d “ h i n d u r c h i s t.
J e w e i l s z w e i s e n k r e c h t g e r i c h te te L e u c h te n h e l fe n i h m s i c h a u f d e r Tr e p p e z u r e c h t z u fi n d e n .
A c h t ebe n fa l l s s e n k r e c h t g e r i c h te te , fa s t s c h o n
a n K r a n k e n h a u s be l e u c h t u n g e r i n n e r n d e , s y m m e t r i s c h a n g e o r d n e te N e o n r ö h r e n b i l d e n d i e g r e l l e
B e l e u c h t u n g d e r U n te r f ü h r u n g a u s . W i e W e g w e i s e r l e u c h te n s i e r h y t h m i s c h v o n e i n e m E n d e z u m
a n d e r e n ; e i n e g e s ta l te n d e F u n k t i o n h a be n d i e s e
a be r n i c h t. D r e i L e u c h te n s i n d j e d o c h d e fe k t.
Auch wenn sich dunklere Bereiche ausbilden, ist
e i n e v o l l s t ä n d i g e , fu n k t i o n a l e B e l e u c h t u n g d e r
U n te r f ü h r u n g g e w ä h r l e i s te t, s o d a s s s i c h d e r
N u t ze r n i c h t u n s i c h e r f ü h l e n m u s s .
E i n e n g r o ß e n A n te i l d a r a n h a be n s i c h e r l i c h d i e
z u m Te i l l i c h t r e f l e k t i e r e n d e n , s p i e g e l g l a t te n
W a n d o be r f l ä c h e n . Vo r a l l e m d a s G r a f fi t i a n d e r
R ü c k s e i te d e r U n te r f ü h r u n g s c h e i n t r e f l e k t i e r e n d e Pa r t i k e l z u be s i t ze n .
E i n e A u s l e u c h t u n g d e r U n te r f ü h r u n g h a t
w e i te r h i n d e n S i n n , j e d e n W i n k e l f ü r d i e V i d e o ü be r w a c h u n g s i c h t b a r z u m a c h e n u n d d a m i t
t r o t z w i l d e r G r a f fi t i - K u n s t f ü r e i n g e s te i g e r te s
Sicherheitsgefühl zu sorgen.
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LOST IN JUNKSPACE
Eine postmoderne Wanderung
Florian Engelhardt
Etwas schief steht er da. Dort wo er steht wuchert das Gras. Bei
einer Höhe von eineinhalb Metern misst er an seiner schmalsten
Stelle 75 Zentimeter und ist 35 Zentimeter tief. Ab ungefähr zwei
Drittel seiner Höhe laufen die Außenkanten bis zu einer Breite von
95 Zentimetern konisch auseinander. Oben ist er vom mittleren
Grat aus zu beiden Seiten leicht abgeschrägt. An seiner Vorderseite befindet sich eine rechteckige Vertiefung mit oberem, bogenförmigem Abschluss. Die Nische ist einen Meter hoch, 45 Zentimeter breit und 12 Zentimeter tief. Sie beginnt bei einer Höhe
von 45 Zentimetern. Seine Oberfläche ist fugenlos, hellgrau und
im oberen Drittel dunkel verfärbt. Sie weist zwei Risse auf. Beide
befinden sich an der Vorderseite, der Kleinere unmittelbar über,
der Größere am unteren rechten Ende der Nische. Der große Riss
beginnt drei Zentimeter unter der Kante und reicht bis zum Boden.
Eine braune Masse quillt daraus hervor und breitet sich in winzigen
Sprenkeln aus. Der kleine Riss liegt frei und spaltet ihn vom Rundbogen der Nische bis zu seiner Oberkante. Auch die Rückwand
der Nische ist überzogen von Rissen. Die weißgelblich glänzende
Glasur ist teilweise abgeplatzt. Der Mann in der Nische ist etwa 65
Zentimeter groß, in seinem Relief wirkt er kräftig gebaut und trägt
einen dunklen Bart. Ebenso dunkel ist sein kurzes Haar. Auch das
gegürtete Hemd ist dunkelbraun und fast bis zum Bauch ausgeschnitten. Es reicht ihm beinahe bis zu den Knien und ist an den
Rändern mit einem hellen Saum abgesetzt. Mit einem Stock in der
Rechten steht der Mann bis zu den Waden im Wasser, hinter ihm
ist dichter Pflanzenwuchs auszumachen. Auf seiner linken Schulter
sitzt ein kleiner Junge, er ist nackt und hält eine goldene Kugel in
der rechten Hand. Konzentriert schaut das Kind auf den Stau der
hupenden Autos, den linken Zeigefinger erhoben. Über ihm ein
weißes Metallschild, schwarz umrandet. „Parkplatz nur für EniKunden. Zuwiderhandeln bewirkt Besitzstörungsklage“, steht da in
schwarzen Buchstaben. Das grelle Neonlicht der Tankstelle färbt den
Stein gelb, lässt den Schein hinter dem Kopf des Jungen leuchten.
ILLARD CAFE OPEN TAEGLICH OPEN NON STOP OP
Z, MO - DO, 18 UHR
19
den Nieselregen sichtbar. Ich spuere eine leichte
Gaensehaut und im naechsten Augenblick wirkt das Gefuehl von Waerme wie berauschend. Ein letztes Mal gibt
Mr. Slowhand sein Bestes: „If your thing is gone
and you wanna ride on. Cocaine. Don’t forget
this fact, you can’t get it back. Cocaine.“
RostigerDrahtZigarettenstummelKlingeCutterMesserZigarettenstum-
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20
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G
relle Scheinwerfer. Die Ränge
sind gefüllt. Bis auf den letzten Platz.
Es stinkt. Nach Schweiß, billigem
Parfum, nach Mösen und Schwänzen,
nach verdammt vielen Mösen und
Schwänzen. Hysterisches Frauenlachen, Gemurmel, rotziges Husten
und Krächzen aus geschwollenen,
fettleibigen Kehlen. Das Licht geht
aus. Bühne frei. Spot an. Der rote
Vorhang fällt. KLACK, KLACK...
KLONG
.
Jemand betritt die Bühne. KLACK,
KLACK... KLONG. Zylinder,
Frack, Spazierstock, Lederstiefel. Die
Menge tobt. KLACK, KLACK...
KLONG. Ganz plötzlich dreht
sich alles, ich versuche
mich festzuhalten. Doch
alles ist auf einmal weit
weg, entfernt sich. Ich
stürze, falle. Überall Explosionen, Blitze. Ich höre
mich schreien, kralle die
Finger in die Haare, das
Gesicht, versuche mir dieses
Feuerwerk aus meinem Schädel
zu reißen. Dann wird alles
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22
WebStrip
Christoph Feindert
Das Gewimmel von Fahrzeugen – vor allem PKWs, Busse
und Lastwagen – mit der scheinbar zufällig entstandenen
Mischung an Geschäftslokalen, Wohnhäusern und Brachen
ergeben einen inhomogen wahrgenommenen Eindruck,
was im innerstädtischen Bereich von Graz nicht der Fall
ist. Die Kärntner Straße ist eine Schichtung verschiedener
Wahrnehmungs- und Funktionsebenen, die nur getrennt
voneinander wirklich betrachtet werden können.
Als alles dominierendes Objekt scheint das Auto eine
besondere Rolle in der Kärntner Straße innezuhaben. Nicht
nur, dass es das wichtigste Fortbewegungsmittel ist, viele
der Dienstleistungsbetriebe haben mit dem Thema KFZ zu
tun.
Erste Gespräche mit in der Straße arbeitenden Menschen
haben ergeben, dass die Kärntner Straße seit Jahrzehnten
bekannt für den Gebrauchtwagenhandel und eine große
Anzahl von Autohändlern ist seit bis zu 30 Jahren dort
angesiedelt. Es lässt sich aber sonst auch beinahe jedes
andere Gewerbe finden - vom Blumenmarkt bis hin zum
Versicherungsmakler. Diese scheinbare Beständigkeit der
Unternehmen lässt auch den Straßenraum als Ganzes recht
beständig wirken.
Die Situation dieser Unternehmen hat sich in den letzten fünf Jahren dramatisch verändert, wie Interviews der
vorangegangenen Feldforschung bestätigen. Neue Technologien der Informationsverarbeitung haben zu einer Loslösung vom jeweiligen Standort des Unternehmens geführt,
vor allem wenn nur mit physischen Waren gehandelt wird.
Der gebaute Raum ist davon beinahe gar nicht betroffen,
aber Internetplattformen wie „autoscout24“ oder „ebay“
machen beispielsweise den Gebrauchtwagenmarkt transparent und Angebote von verschiedenen Standorten in
Sekundenschnelle direkt vergleichbar.
23
24
Diese virtuelle Ebene ist im realen Straßenraum kaum
ablesbar, sie ist auch nicht verortet. Das Internet ist nonlinear im Aufbau, ortsungebunden und zeitunabhängig.
Eine Darstellung dieser Ebene, verortet im gebauten Raum,
wird mittels der Überlagerung der virtuellen Straße auf den
gebauten Raum erreicht.
Im Video sollen beide Ebenen miteinander verschmelzen.
Die Vorwärtsbewegung erfolgt aus der Autoperspektive
entlang der Straße und stellt so eine gewisse Linearität dar,
die der Hyperlink eigentlich aufbrechen würde. Anstatt
der Gebäude entlang der Straße stehen leere Kuben als
Platzhalter. Diese werden nun mit digitalen Inhalten, den
Homepages des jeweiligen Unternehmens, gefüllt. Obwohl
die Straße etwas idealisiert und auf geometrische Grundfiguren vereinfacht wird, ist sie dank der Individualisierung
der Homepages doch auch ein heterogener Raum.
Es wird versucht, eine Überlagerung eines gebauten und
rein virtuell existierenden Raumes sichtbar zu machen. Da
das Internet nicht als herkömmlicher Raum begriffen
werden kann und auch keine Hierarchie oder Gliederung
im Sinne einer linearen Abfolge besitzt, dient das Modell
der Kärntner Straße nur der Verortung der virtuell repräsentierten Straße. Neue Technologien stellen den Standort
an sich für beinahe alle Geschäftsfelder in Frage und der
Umgang damit wird sich erst bewähren müssen. Wie das
Beispiel der Kärntner Straße zeigt, findet eine allmähliche Verlagerung zugunsten des Virtuellen auf Kosten des
herkömmlichen Raums statt.
Als Beispiel sei www.Akkushop.at genannt: Es gibt dort sehr
wenig Verkaufsfläche, dafür wird mit einem großen OnlineShop das Suchen der richtigen Produkte deutlich vereinfacht. Die direkte Vergleichbarkeit mit Mitbewerbern ist
immer vorhanden.
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Vom Wohnen zum Gewerbe
Martin Florian
Die Kärntner Straße , früher auch als Köflacher Bundesstraße be-
Mittlerweile ist das Gebiet entlang der Kärntner Straße in allen
kannt, war seit ihrer Entstehung eine wichtige Verbindungsstraße
drei Flächenwidmungsplänen (die es seit 1982 gibt) als Gewerbe-
vom Grazer Stadtkern aus in Richtung Süd-Westen.
und Industriegebiet gekennzeichnet.
Allerdings hatte sie nicht immer den Charakter einer Gewerbe-
Die Wohnnutzung hat sich hauptsächlich in die hinteren Grund-
und Industriestraße, den sie heute besitzt.
stücke, welche sich von der Kärntner Straße entfernen, zurück-
Im Generalbebauungsplan von Groß-Graz aus dem Jahre 1947
entwickelt. Die Wohnbauten entlang der Kärntner Straße werden
war die Kärntner Straße noch als Gebiet für Wohnbebauung vor-
von Firmen nun als Gewerbebau verwendet, zeigen jedoch noch
gesehen. So fanden sich dort zu dieser Zeit hauptsächlich Wohn-
den klassischen Charakter von Wohnbauten.
häuser, Bauernhöfe und großflächig Wiesen und Ackerflächen.
Doch aufgrund des steigenden Individualverkehrs, sowie des
Ein herzlicher Dank für die Unterstützung bei den Recherchen geht an das
ebenfalls steigenden Fernverkehres, der ab ca. 1970 die Straße
Steiermärkische Landesarchiv, sowie das Stadtplanungsamt Graz, welche mir
prägte, verlor der Standort immer mehr an Attraktivität für die
Luftbilder und Flächenwidmungspläne zur Verfügung gestellt haben.
dort wohnhafte Bevölkerung. Dies führte zum Trend, dass vom
Nordosten ausgehend immer mehr Lagerhäuser und Gewerbebauten entlang der Kärntner Straße entstanden.
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Schilderwald Kärntner Straße__Graz__2011
Kreuzung Shibuya__Tokio__2010
More and More and More...
Elisabeth Gaenge
Kommerzielle Stadträume gehören zu unserem kommerzialisierten Leben wie abgepacktes Rindfleisch und Fertigteilhäuser. Sie
sind Teil einer Sache, die wir ‚unsere Kultur‘ nennen. Sie wird genau dann zu einem festen Bestandteil unseres täglichen
Lebens, wenn wir aufhören sie bewusst wahrzunehmen. Jeden Morgen kann man beobachten, wie sich Menschen in allen Städten
der Welt ihre Scheuklappen aufsetzen und sich ohne jede Anteilnahme durch den Stadtraum bewegen. Das Gesehene um einen
herum wird einfach ausgeklammert aber dennoch unterbewusst wahrgenommen!
Die Aussenwerbung ist ein Phänomen, das sich mit der aufkommenden Industrialisierung bis zu seinem heutigen Ausmaß entwickelt hat. Erst der Kapitalismus hat aus den kleinen Schildern an Ladenfassaden überdimensionale Giganten gemacht, ohne
die wir uns eine moderne Großstadt schon gar nicht mehr vorstellen können. Wir sind aufgewachsen mit der Flut an Bildern
und Botschaften. Sie sind unsere tägliche Orientierung durch den Großstadtdschungel.
Im 21. Jahrhundert hat man es geschafft die Werbeflut in europäischen Innenstädten einzudämmen. Ausfallstraßen, mit ihrer
hohen Frequenz an potentiellen Kunden, sind daher zu einem sehr beliebten Standort für Werbetreibende geworden. Auch die
Stadt ist mit diesem Standort-Kompromiss zufrieden. Immerhin will die öffentliche Hand nicht auf die Einnahmen aus der
Aussenwerbung verzichten. In Österreich wurden 2010 rund 205 Millionen Euro genau dafür ausgegeben. Der Markt boomt!
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Megaposter Potsdamer Platz__Berlin__2012
Nebenstraße Shibuya__Tokio__2010
Abendlicher Times Square__New York__2010
Plakatwerbung__Kärntner Straße__Graz__2011
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Dietrichsteinplatz__Graz__2011
Kommerz am Times Square__New York__2010
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Werbung überwuchert Architektur__New York__2010
Gestaffelte Werbung__Kärntner Straße__Graz__2011
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HIDDEN URBAN SPACE
Lisa-Maria Gantschacher
Mit dem Titel „HIDDEN URBAN SPACE“, übersetzt „versteckter Stadtraum“, versuche ich einen von
Zeichen gereinigten, neuen Stadtraum zu beschreiben.
Unsere Städte sind von Zeichen, Logos und Werbereklamen überzogen. All diese Zeichen haben sich
längst in unser Unterbewusstsein eingebrannt und wir
nehmen den Stadtraum nur mehr durch leitende und
beschreibende Zeichen wahr. Uns ist allerdings nicht
bewusst, dass wir bereits von diesen Zeichen abhängig
sind, d.h. wir verlieren unsere Orientierung, wenn alle
Anhaltspunkte, die wir normalerweise gewöhnt sind,
plötzlich gänzlich fehlen. Unsere Wahrnehmung verändert sich, viele Gebäude mit Werbung waren früher
für uns interessant und werden nun, durch das Fehlen
der Werbung, langweilig. Allerdings gibt es auch den
umgekehrten Fall, dass ein Gebäude sogar ohne Werbung interessanter wirkt und ein völlig neuer Stadtraum dort entstehen kann. Fakt ist aber, dass uns eher
Gebäude mit riesigen Werbereklamen in Erinnerung
bleiben, als Gebäude mit unauffälligen Fassaden. Unser Stadtraum ist also zu einen „literarischen Raum“
mutiert, in dem wir uns erst zurecht finden müssen.
Er kann auch gut mit einem „undurchdringlichen
Dschungel aus Zeichen und Symbolen“ verglichen
werden. Wie wir den Stadtraum mit und ohne
Werbung erfahren, also der Vergleich bzw. Kontrast
zwischen einem zeichenentleerten Raum und einem
zeichenüberfüllten Raum, war das Ziel meiner Projektarbeit. Durch die An- und Abwesenheit der Zeichen
entstehen neue Raum- und Wahrnehmungsmuster.
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36
Meine Arbeit besteht aus zwei Teilen:
1.Teil - FOTOBUCH:
Das Fotobuch soll Aufschluss darüber geben, wie
sich der Stadtraum mit und ohne Werbung verändern
kann, wie verbaute Architektur trotzdem interessant
sein kann und wie der Stadtraum neu interpretiert und
erlebt werden könnte. Ich habe versucht aus der
Perspektive des Fußgängers ein virtuelles
Durchwandern der Kärntner Straße zu ermöglichen
und dabei einen von Zeichen gereinigten Raum einem
Zeichen überladenen Stadtraum gegenüber zu stellen.
2.Teil - MEMORY:
Das Memory verkörpert den postmodernistischen
Spiel- und Konsumcharakter der Kärntner Straße und
ist aus ihren markantesten Motiven und
Gebäuden zusammengesetzt. Es geht darum, alle
markanten Motive zu analysieren, einzufangen und in
einen Spiel zu verarbeiten. Man soll durch die Analyse
von Einzelmotiven besser verstehen lernen, wie die
Kärntner Straße wirklich funktioniert.
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Idealismus contra Realismus
Christoph Gradauer
Jede Epoche der Vergangenheit definierte für sich selbst ein oder mehrere Ideale deren Erreichen als erstrebenswert
angesehen wurde. Sei es das sterile Reinheitsideal der klassischen Moderne, oder die darauf reagierenden Bewegungen
der Postmoderne, die versuchten der Sterilität ein Ende zu setzen. Jede Zeit verfolgte bestimmte Prinzipien, die sich
sowohl in der fertig gebauten Umwelt als auch in den Medien der Architekturvermittlung widerspiegelten. Das Ideal,
das Medium und schlussendlich die daraus resultierende Realität entsprechen einander dabei nicht immer. Anhand des
Mediums Fotografie soll ein Bogen zwischen den verschiedenen Prinzipien, Strömungen und Idealen der Moderne,
der Postmoderne und der heutigen Zeit gespannt werden. In einem ersten Schritt wird je eine charakteristische Strömung der jeweiligen Epochen hervorgehoben. Bezugnehmend auf Reinigungen: Vom Abfall der Moderne zum Kompost der
Nachmoderne von Roger Fayet wird als Charakteristikum der Moderne die Reinigung beziehungsweise Sterilisation mit
ihren Folgen gewählt. Der Drang zu ordnen führte zu einem rigorosen Ausscheiden von unwerten Dingen aus dem
Bereich des Wertvollen. Dies wiederum lässt den Bereich der wertvollen Dinge immer weiter verarmen. „Wenn alles
Unkraut entfernt ist verarmt der Boden.“1
Zur Definition eines typisch postmodernen Phänomens wird Learning from Las Vegas von Venturi, Scott Brown und
Izenour herangezogen. In einem Kapitel werden die Schilder von Las Vegas thematisiert und die Kommerzialisierung des Raumes an sich zieht sich als roter Faden durch das Buch.
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Als präsentes Phänomen der Gegenwart würde ich die Diskrepanz zwischen Darstellung und Wirklichkeit
definieren. In Zeiten digital bearbeitbarer Bilder beziehungsweise digital erstellter Renderings weicht die Erscheinung
des idealisierten Objekts auf dem Papier und des gebauten Objekts in der Wirklichkeit oft stark voneinander ab.
Anhand einer Bilderstrecke von bearbeiteten Fotografien wird versucht, sich den Idealen der jeweiligen Zeit anzunähern, deren Potentiale, Probleme, Charakteristika zu erfassen und gegenüber zu stellen. Das Originalbild stellt als
Ist-Zustand den kommerzialisierten Raum dar. Die erste Manipulation thematisiert die Reinigung bzw. Sterilisation.
Der nächste Schritt zeigt eine mögliche Variante des idealisierten Renderings der Gegenwart.
1
Douglas, Mary: Reinheit und Gefährdung. Eine Studie zu Vorstellungen von Verunreinigung und Tabu,
Frankfurt a. M. 1988 (London 1966), S. 212; zit. n. Fayet, Roger: Reinigungen. Vom Abfall der Moderne
zum Kompost der Nachmoderne, Wien 2003, S. 21.
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42
Junkyard in Disguise
Eva Hutter
Kärntner Straße, as we know it usually,
represents a sorry sight with poor architectural
language.
When taking a step back and looking at the
structures on this street, there is an alarming
element, which can be found on and next to
every building – it‘s decor in form of signs,
panels and decorative walls.
Being unappealing to almost every person,
it still can be compared to Las Vegas, where
advertising overrules the modest architectural
image of The Strip.
It is when the combination of light and darkness
blur the reality, when »important« segments are
being accentuated.
My portrayal of the Kärntner Straße shows, that
even poorly executed architectural language
can be shown in another light.
The projects purpose is to show, that depending on our point of view even this street can be
illustrated as a beautiful lane with lots of quality.
Here it is a beautiful street.
So when is it, that places like this seem to get
enigmatic and appealing?
It‘s in disguise.
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Kärntnerstrasse as we know it usually represents a sorry sight with poor architectural language.
When taking a step back and looking at the structures on this street, there is an alarming element, which can be found on and next to every building –
it's decor in forms of signs, panels and decorative walls. Being unappealing to almost every person, it is still compared to Las Vegas, where advertising
overrules the modest architectural image of The Strip.
So when is it that places like this seem to get enigmatic and appealing? It is when the combination of light and darkness blur the reality,
when »important« segments are being accentuated.
My portrayal of the Kärntnerstrasse shows that even poorly executed architectural language can be shown in another light. The projects purpouse is to
show, that depending on our point of view even this street can be illustrated as a beautiful lane with lots of quality.
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Here it is a beautiful street.
It's in disguise.
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dressup
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build
coverup
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2011
1971
EinBlick hinter die Fassaden
Alicia Leopold
Mein Forschungsthema behandelt den Einfluss der
diesen Vergleich wird ersichtlich, dass sich viele Bewoh-
Kärntner Straße auf die dortigen Einfamilienhäuser und
ner in den letzten 40 Jahren von der Kärntner Straße als
deren Bewohner. Um die Lebenssituation letzterer besser
Wohnort entfernt haben. Zu diesem Wandel trug auch der
zu begreifen, führte ich Interviews.
in den 60er Jahren entstandene Autobahnzubringer bei,
Während meiner Arbeit vor Ort stellte ich relativ schnell
mit dem die Kärntner Straße mehr und mehr für Ansied-
fest, wie augenscheinlich sich manche Bewohner von die-
lungen kommerzieller und gewerblicher Funktionen ge-
ser Straße abgrenzen: Diese Distanzierung passiert nicht
nutzt wurde.
nur rein äußerlich, sondern wird auch durch das Verhalten
Um die geschichtliche Entwicklung besser fassen zu kön-
der Bewohner vermittelt. Einige von ihnen besitzen z. B.
nen, habe ich mich in weiterer Folge mit der Architektur
keine Klingel an der Straßenseite, wiederum andere wollen
der Einfamilienhäuser beschäftigt, zu welcher Zeit sie ent-
keinen Einblick in ihre privaten Räumlichkeiten gewäh-
standen sind, in welchem Stil sie gebaut wurden und wie
ren, indem sie keine Auskunft geben etc. Die räumliche
sie sich mit der Zeit verändert haben. Aus dieser architek-
Abgrenzung ist durch Plakatwände oder hohe Hecken vor
tonischen Analyse zog ich Rückschlüsse auf den Wandel
den Häusern teilweise sehr markant.
des Gebäudestils in Abhängigkeit der dortigen Umge-
Im weiteren Verlauf meiner Recherchearbeit habe ich die
bungsveränderung.
jetzige Wohnsituation mit der von 1971 verglichen. Durch
47
48
Für mein Projekt habe ich Haustypen der Straße gewählt,
den Aussagen der durchgeführten Interviews, auf ihrem
die diese repräsentieren und markante Merkmale auf-
Erscheinungsbild und auf dem Zustand der Straße.
zeigen, in Hinsicht auf Architektur und Wesenszüge.
Mit dieser Darstellung soll die Situation der Kärntner
Diese Häuser werden zuerst durch eine einleitende
Straße im Hinblick auf die Bewohner besser begriffen
Erzählung ihres Charakters beschrieben und in weiterer
werden und zudem aufzeigen, was ihre Beweggründe
Folge treten sie in ein Gespräch untereinander.
sind, dort weiterhin zu leben, aber auch ihre Ängste be-
In der Charakterisierung wird näher auf den Haustypus
züglich der weiteren Entwicklung beschreiben.
der einzelnen Häuser eingegangen. Die Erläuterungen
beinhalten nähere Informationen über ihre Entstehungsgeschichte, charakterbildende Wesensmerkmale ihrer
Architektur und in weiterer Folge ihre Eigenschaften, die
auf Grund ihres Erscheinungsbildes erkennbar wurden.
Im darauf folgenden Gespräch berichten sie, wie sie sich
in ihrer Umgebung fühlen, wie sich ihre Umgebung
verändert hat und wie sie mit der Situation der Veränderung umgegangen sind. Ihre Argumentation beruht auf
49
50
Kaerntner strasse Logotypes
Luka Lipsinic
I want to present Kärntner Straße through the Logotypes, that one can find there. The idea was to gather
all the different Logotypes of Kärntner Straße, to
analyse them and than, at the end, to try to put them
into the context of the street itself, maybe in a form
of a “Marketing Forest“, “Wilderness of Logos“,
“Forest of Logos“, or to just show where and how
these Logos stand in relation to the urbanized space
of Kärntner Straße.
The research and analysis would consist of a few
main categories: position of the Logo (in Kärntner
Straße), size, shape, color, popularity of the Logo (in
global terms), history (if it has any)...
51
52
The final product would be a text analysis of the
logos in a combination with a 3D model of Kärntner
Straße. The model would not be a typical 3D
presentation of the street, but a 3D presentation of
the gathered data and the logotype analysis in the
combination with the layout of the street. This would
give the reader a different view of the street itself,
and would create a silhouette of this “Forest of
Logos“.
At the end the Logos of Kärntner Straße would build
another Logo, the “Kärntner Straße Logo“.
53
KAKOPHON
Jürgen Patjens
Dieses Projekt stellt die Übersetzung meiner Wahrnehmung der Kärntner Straße in ein anderes Medium dar.
Die Kärntner Straße war in ihrem Grundwesen
eine von Wohntypologien umgebene Straße, welche sich sukzessive mit dem Aufkommen des Verkehrs in Richtung Strassgang in
einen multitypologischen Hybrid ‚morphte‘.
Die Struktur der Kärntner Straße ist dem
einer Kakophonie sehr ähnlich - die Kakophonie ist aus sprachwissenschaftlicher
Sicht eine schlecht klingende Folge von
Lauten; die Musik definiert den Begriff als
Dissonanz, sie spricht von einem Zusammenklang von Tönen, der als nicht harmonisch, nicht als Wohlklang empfunden wird.
Der Kärntner Straße wohnt dieselbe Charakteristik inne. Jedes Grundstück spielt, um in
der Musikanalogie zu bleiben, seinen eigenen, individuellen Ton/Laut. Je nachdem, ob
es sich dabei um eine rein private, öffentliche oder um eine Misch- Typologie handelt, ändert sich die Intensität / Lautstärke
oder das Tempo. Letzteres wird bestimmt
von der jeweiligen Besucher/Nutzerfrequenz, also jenen, die von der Kärntner
Straße auf ein Grundstück übertreten
und damit den Ton/Laut erst anregen.
Weiters ermöglicht diese Lesart der Kärntner Straße auch die bauliche Manifestation
der im Jahre 1987 in einem Interview gefallenen Aussage von Margret Thatcher - „Es
gibt nicht so etwas wie Gesellschaft, nur
Individuen“ und, wie sie hinzufügte, „Familien“.1 Alle Formen der sozialen Solidarität sollten zugunsten von Individualismus,
Privateigentum, persönlicher Verantwortung und Familienwerte aufgelöst werden.
Diesen interdisziplinären Querschuss erfuhr auch der Begriff der Kakophonie,
als Gerhard Schröder 2004 damit die
rot-grüne Regierungsarbeit bezeichnete, der er selbst auch angehörte. Auch
in der Gegenwart gibt es solche Dissonanzen in der politischen Landschaft.
All diese Disharmonien in den für
den Städtebau und die Architektur so
wichtigen
Randbedingungen
können
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56
zu kaum einem anderen Straßenbild
füh- ren als dem der Kärntner Straße.
Dies soll nicht als eine Rechtfertigung des
Status Quo dienen, sondern viel eher dazu
ermuntern den gegenwärtigen Ist-Zustand
nicht bloß auszublenden oder verbal in
eine Werteschublade zu stecken, sondern ihn versuchen zu verstehen und mit
ihm zu arbeiten und ihn zu transformieren.
All diese einleitenden Gedanken liegen meinem Projekt zu Grunde, das versucht eben
Geschildertes in ein anderes Sensorium
des Menschen zu übersetzen - dem Hören.
Die auditive Wahrnehmung gilt als eine, die
man nicht ausschalten kann und auch eine
Schmerzgrenze besitzt. Hässliches schmerzt
unserem Auge per se nur rhetorisch, während Töne / Laute durchaus Gefühle und
Schmerz erzeugen, welche die Wahrnehmungsintensität stark beeinflussen und tiefgehendere Reaktionen hervor rufen können.
P r o j e k t b e s c h r e i b u n g
Die Drehorgel ist seit Beginn des 18. Jahrhunderts in allen Ländern Europas als Instrument der Straßenmusiker und
Gaukler, aber auch namentlich in
England und Frankreich als Kirchen- und
Saloninstrument bekannt. Viele Drehorgelspieler platzieren heute einen Plüschaffen bei ihrem Instrument. Dies soll an
die Zeit erinnern, als umherziehende Musikanten oft von einem Kapuzineräffchen
begleitet wurden. Das Äffchen war eine
zusätzliche Attraktion besonders für Kinder und hatte meist die Aufgabe, Münzen
bei den Umstehenden einzusammeln.
Im Allgemeinen lässt eine Drehorgel die
Erwartung einer Melodie aufkeimen und
repräsentiert eine Gesamtkomposition.
Hier wird das Projekt einer Drehorgel soweit adaptiert, als sie den Bauplan der Kärntner Straße repräsentiert.
Dabei wird in erster Linie darauf geachtet, dass keine vordefinierte Melodie als Endprodukt erzeugt
wird
klassisches
„Button-up“
Prinzip
Einzelne
Bestandteile
der
Kärntner Straße werden in die Einzelteile
der
Drehorgel
überführt.
Klangrelevante Bauteile werden nach einer einfachen Programmatik kompiliert.
1
Harvey, David: Räume der Neoliberalisierung. Zur Theorie
der ungleichen Entwicklung, Hamburg 2007, S.15f.
58
Harmonie des Ortes
Alja Petric
Heutzutage ist es fast unmöglich einen Ort ohne künstliche
räusch einzufangen. Die Aufzeichnungen mehrerer Ebenen
Geräusche zu finden. Das Transportnetz ist weit verzweigt,
der Kärntner Straße gemeinsam bilden eine Melodie, die
die meisten Orte erreichen wir problemlos mit dem Auto
mit Genauigkeit ihren einzigartigen und unübertragbaren
oder einem anderen Kraftfahrzeug. In den Städten begleitet
Charakter definiert.
uns überall ein leises Rauschen, auch „weißes Rauschen“
genannt, eine Kombination aller Geräusche, die uns umge-
Im Alltag haben wir uns daran gewöhnt, dass uns Laute
ben. Unser Ohr nimmt dieses fast nicht mehr wahr.
und auch der Lärm lenken. Wir hören, wann der Bus und
Die Geräusche und auch der Lärm lenken, verbinden, ver-
die Müllabfuhr kommen oder wann man über die Straße
einen, warnen und belasten uns im Alltag. Die Geräusche
darf. Der Sonntag ist leiser als der Montag, so wie auch der
auf Makroebene verleihen den verschiedenen Orten, Stra-
Verkehr am Morgen lauter ist als der Nachtverkehr.
ßen oder Märkten ihren einzigartigen Charakter. Sie geben
Die Laute (oder der Lärm) bringt manchen Profit und
den Rhythmus des Alltags an und definieren die Architektur
Freude, manchen bietet er Sicherheit, für andere wiederum
und umgekehrt.
ist er die einzige Art, um zu überleben. Einigen Menschen
Mit meinem Projekt „Harmonie des Ortes“ im Sinn bin ich
ist Stille unangenehm und belastet sie, einige können sich
durch die Kärntner Straße spaziert, habe ihre bekanntesten
noch an die Stille der Vergangenheit erinnern, einige ken-
und geheimsten Ecken erforscht und versucht, ihr Ge-
nen sie überhaupt nicht, andere haben sie vergessen.
59
60
Der Lärm kann einem das Geschäft zerstören, andere kön-
ein Mittel zur Entspannung und bietet einen Weg, um dem
nen es dank ihm ausbauen. Eine gute Wurst in dem nahege-
Alltag zu entfliehen.
legenen Fastfood Restaurant wird durch einen lustigen und
gesprächigen Chef schnell zum gewinnbringenden Ge-
Jeder Ort bildet eine eigene Melodie, die eine langjähri-
schäft; wie auch die Möglichkeit eines geheimen Besuches
ge Transformation der gesellschaftlichen Entwicklung
des Bordells oder Casinos irgendwo um die Ecke.
nachweist. Ob sie ihr zustimmt, fragte keiner. Sie geschah
Dann sind hier noch die Laute auf der Makroebene. Das
einfach.
sind die Laute, welche die Charakteristik des Gebietes
bestimmen. Im Kaffeehaus hören wir die Geräusche der
Kaffeemaschine, die gerade einen heißen Espresso bereitet,
im Casino erfreuen wir uns an der Musik, die den Gewinn
eines Spielautomaten signalisiert, so wie wir im Billardhaus
an einen Zusammenprall der Billardkugeln gewöhnt sind.
Im Nachtleben dient die Musik als Verbindungsglied von
Subkulturen wie auch Nationalitäten. Künstlich hergestellter „Lärm”, wie z.B. Musik in den Diskotheken, ist für viele
…Und Zukunft? Wo sind die Grenzen des Schalls? Wo
wird ein Klang der uns belastete kaum wahrnehmbar, einer,
an den wir uns gewöhnt haben? Wird die Zukunft den
Lärm reduzieren (elektrische Automobile, technologische
Entwicklung...)? Welche Konsequenzen hat die Transformation der verbalen Kommunikation (Facebook, Internet,
Unfähigkeit der persönlichen Kommunikation)? Gehen wir
vielleicht zurück in die Zukunft – Stummfilm?
61
VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT
VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT
VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT
62
VON EINEM AUTODESK-SCHULUNGSPRODUKT ERSTELLT
Kaerntner strasse in der Kaerntner strasse
Andreas Odin Reintsch
Warum
Im Rahmen des angehängten Wahlfaches analysierten wir den Standort Kärntner Straße, wobei wir das
Thema der Analyse frei wählen durften. Durch eben
diesen Freiraum entstand eine Vielfalt von Projekten,
die von dem Verfassen einer Geschichte in der Kärntner Straße bis hin zu einer Aufnahme der Geräusche
der Straße reichten. Während ich anfangs Jugendkultur
als Gegenstand meiner Arbeit wählte, wurde ich durch
diverse Erfahrungen im Feld auf ein ganz anderes
Thema sensibilisiert: Unseren eigenen Einfluss, den
wir auf die Kärntner Straße ausübten, indem wir sie
analysierten. Folglich änderte ich meinen Schwerpunkt
und konzentrierte mich nun auf die verfälschenden
Elemente unserer Feldforschung, sowie den Grad
in dem wir unser Umfeld veränderten. Heraus kam
eine Umfrage, die von meinen KommilitonInnen in
Selbstreflexion auszufüllen war und ebendiese Effekte
widerspiegeln sollte. Als Konsequenz daraus entschied
ich mich, in meinem Projekt wiederum diese Entfremdung des Themas durch die Analyse aufzugreifen und
entwickelte das Konzept einer Selbstreflexion in der
Endpräsentation: Wir Studenten erarbeiten unsere
Projekte in der Kärntner Straße und stellen diese wiederum genau dort vor – und nicht, wie üblich, im kleinen Kreis, sondern öffentlich zugänglich, so dass den
Bewohnern und damit Experten der Kärntner Straße
ein Einblick gewährt werden kann, wie ihr Umfeld von
außen analysiert wurde.
63
Wer
Es ist mir wichtig, eben jenen Anrainern und Personen mit Bezug zur Kärntner Straße eine Stimme zu geben. Ich möchte
den Elfenbeinturm einreißen. Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass sich keine Scharen von Mitteilungsbedürftigen zu
Wort melden werden, doch vertraue ich auf das Prinzip der Beschwerdebriefe: Obgleich nur wenige Menschen tatsächlich
einen solchen Brief verfassen, stehen diese wenigen oft für eine größere Zahl, die zu bequem oder zu scheu ist, sich für
etwas stark zu machen. Um einem öffentlichen Austausch den Weg zu bereiten, habe ich mich im Vorfeld mit der Pfarre,
der Polizei und auch den Geschäften abgesprochen. So wird in der Agape auf unsere Endpräsentation hingewiesen werden
und Betriebe wie der Friseur und der Tattooshop werden unser Plakat aufhängen. Zusätzlich dazu wird die Präsentation auf
dem Parkplatz des „Würst´l Hannes“ abgehalten werden und dieser erfreut sich einer regen Stammkundschaft, die an
unserem Vortrag vorbei promenieren muss.
64
Wo & Wie
Abgehalten wird die Endpräsentation auf besagtem Parkplatz der Kärntner Straße 150. Wir haben drei Partyzelte mit je drei
mal sechs Metern zur Verfügung, die sich zu einem neun mal sechs Meter großen Raum verbinden lassen. Die Zwischenwände sind abnehmbar, um zu gewährleisten, dass wir uns unterschiedlicher Witterung anpassen können. Darüber hinaus
wird es zwei Heizkörper geben, die den Vortrag erträglicher machen. Die Bedürfnisse meiner MitstudentInnen konnte ich
auf einen Beamer, einen Tisch für Modelle, Wände für Plakate und Fotos sowie eine Soundanlage präzisieren. Außerdem
wird es einen Scheinwerfer geben, der die Vorstellenden hervorhebt. Um Kommentare von Passanten und Interessierten
zu ermöglichen bzw. zu erleichtern, wird es für die StudentInnen und KritikerInnen persönliche Namensschilder geben
und zusätzlich genormte für eben jene Schaulustigen. Letztere vereinfachen es, einer fremden Person das Wort zu erteilen.
Weiters gibt es auf Nachfrage T-Shirts mit dem Logo „Kärntner Straße in der Kärntner Straße“.
Wann
Die Schlusspräsentation findet am 24. und 25.1. 2012 statt und dauert jeweils von 17.00 bis ca. 21.00 Uhr. Freundlicherweise wird die Belegschaft des „Würst´l Hannes“ ihre Pforten extra für uns zwei Stunden früher öffnen! Der Aufbau wird
allerdings bereits am Tag davor stattfinden müssen, da das Verlegen der Kabel und Aufstellen der Zelte etwas Zeit in Anspruch nimmt. Für den Transport sämtlicher Ware werde ich von IKEA einen kleinen Van ausborgen und ich habe bereits
Mitarbeiter für den Aufbau gefunden. Der Abbau erfolgt, falls möglich, noch am selben Tag.
65
66
auto 2000
christoph ringhofer
[auto 2000 - der Einfluss des Automobils
auf die Formensprache der Kärntner Straße]
Der Titel meines Forschungsgegenstandes leitet
sich bezeichnenderweise von einem Foto ab, das ich
in der Kärntner Straße aufgenommen habe. Diese
Foto, welches ich auch als Titelbild gewählt habe,
zeigt auf einfache Weise, was mich an dieser Straße
so fasziniert: das Nebeneinander zweier verschiedener „Welten“. Das Wohngebiet auf der einen
Seite und der Automobilkommerz auf der anderen.
Ich finde dieses Thema deshalb spannend, weil das
Automobil die Kärntner Straße geradezu für sich
einnimmt. Nicht nur in Bezug auf ihre Funktion
als stark befahrene Straße, die man benutzt um aus
Graz raus oder nach Graz rein zu kommen. Auch
das Gewerbe, die Werbung und die Wahrnehmung
werden vom Auto beherrscht. Wohin man auch
blickt, werden verschiedene Marken oder Dienste
angepriesen und die meisten Menschen, die hier arbeiten sind entweder mit dem Verkauf, der Reperatur oder der Vermietung von Autos beschäftigt. Sei
es in den zahllosen Autohäusern, bei Gebrauchtwagenhändlern oder sonstigen Geschäften, die
Ersatzteile oder Ähnliches anbieten. Die Dimensionen und die Gestaltung (Werbung etc.) der Kärntner Straße scheinen völlig auf das Vermarkten von
Mobilität bzw. auf die Wahrnehmung aus dem
fahrenden Auto ausgelegt zu sein. Wie ein knallbuntes Tuch hat sich der Automobilkommerz auf
diese Straße gesenkt und sie für sich beansprucht.
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[auto > invasion > dekoration > assimilation]
Wandert man die Straße entlang und lässt die Flut der
unzähligen Werbetafeln, -fahnen und -plakate auf sich
wirken, bekommt man nach und nach den Eindruck einer Invasion. Es beschleicht einen das Gefühl, als hätte
eine gewisse Automobilität hier regelrecht Besitz ergriffen. Auch die vorhandenen Einfamilienhäuser entlang
der Straße wurden in diesen Prozess miteingebunden
und werden auf subtile Weise zum Sportwagencenter
oder zum Gebrauchtwagenpark umdekoriert. Doch erweckt es den Anschein, als hätte diese Einverleibung
hier nicht Halt gemacht, sondern, im Gegenteil, als
wäre sie noch weiter vorangeschritten. So scheint nicht
nur die vorhandene Struktur zu reagieren, sondern auch
die Architektur hat den Versuch unternommen, sich zu
assimilieren. Des Öfteren erblickt man einige Bauten,
die in ihrer Erscheinung dem Automobil nicht mehr so
unähnlich sind. Mit der Zeit lässt sich eine eigene Form
von Charme und Ästhetik darin erkennen! Wenn das
Jugendzentrum einer streng geschnittenen Karosserie
nicht mehr so unähnlich ist und aus dem niedlichen
Einfamilienhaus ein „Autoplanet“ wird, überkommt einen unweigerlich das Gefühl, dass in der Kärntner Straße eine ganz eigene Sprache und Form entsteht. Genau diese besondere Formensprache ist es, die mich an
dieser Straße so fasziniert. Ich will sie nicht kritisieren,
nicht verbessern oder umgestalten. Ich möchte versuchen, diese besondere Form von Kommerz- oder Automobilästhetik zu analysieren, um sie in Bild und Wort
darzustellen und ihre Eigenheiten hervorzubringen.
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frei Fläche
bebaute Fläche
Schwarzplan mit Grenzen
private Fläche
halbprivate Fläche
kommerzielle Fläche
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Parkfläche
Brachfläche
freie Fläche
Nolli - Plan mit Nutzungsunterscheidung
UNEXPECTED BORDERS
Susanne Roth
Die Ansiedlungen an der Kärntner Straße sind sehr
heterogen ausgebildet. Früher eine ländliche Gegend
mit Wohnfunktion, ist sie durch den Autobahnzubringer, dem der Zuzug an Gewerbe, Industrie und
Dienstleistung folgte, zu einem Mischgebiet geworden.
Auf Grund der Fixierung auf das Auto werden die
Dienste und Waren der ansässigen Betriebe durch eine
hohe Anzahl an Reklametafeln beworben. Dem Auto
wird eine sehr große Fläche an Fahrbahn und Parkmöglichkeiten vor den Geschäften zugestanden.
Viele der früheren Einfamilienhäuser werden zu Werbeflächen umgestaltet. Das führt zu einer Umnutzung
des Bestandes, der gegebenenfalls durch Zu-, Um- und
Anbauten erweitert wird.
Die bestehenden Wohnbauten grenzen sich von der
Kärntner Straße durch heruntergelassene Rollläden,
Mauern und Zäune ab, was auf die hohe Lärmbelästigung zurückzuführen ist. Diese vereinzelten Wohnhäuser lassen noch den ursprünglichen Charakter der
Straße erahnen. Auch durch einen Blick in die hinteren
Häuserreihen wird dieser Eindruck noch verstärkt.
Im Gegensatz dazu öffnen sich die Betriebe und Geschäfte der Straße. Durch Schaufenster und Werbung
versuchen sie Kunden anzulocken.
Diesen extremen Unterschied im Verhalten gegenüber
der Straße kann man am Nolli - Plan erkennen.
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Um dem Charakter der Kärntner Straße Rechnung zu
tragen, befasst sich das Konzept mit der Grenzsituation der Anrainer.
In der überspitzten Darstellung der Grenze soll die
vorherrschende Situation aufgezeigt werden. Im
nebenstehenden Plan kann man den Verlauf als rote
Linie deutlich erkennen.
Die Einfamilienhäuser ohne gewerbliche Funktion
verschwinden dahinter und verschließen sich der
Kärntner Straße. Ihre Privatsphäre bleibt erhalten.
Die gewerblich genutzten Gebäude öffnen sich der
Straße und die Fassaden der Geschäfte können noch
mehr zur Werbeflächen werden, da sie Teil der Grenze
sind.
Die Kärntner Straße wird von der Werbung umschlos-
sen und markiert einen ganz anderen Nutzungsraum
als die dahinter liegenden Einfamilienhäuser. Das
gezeigte Bild ist ein Beispiel, wie es aussehen könnte.
Es entsteht ein Band, das die Straße zu beiden Seiten
abgrenzt und somit die Privatsphäre sowie die Öffentlichkeit akzentuiert und akzeptiert.
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.11.11
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EIN FILM VON NEDZAD SABANOVIC
MIT BIRGIT DORN • HORIA BRAD • GERD JOCHUM • MATEJ BANOZIC
DREHBUCH PRODUKTION REGIE SCHNITT KAMERA & POSTPRODUKTION
NEDZAD SABANOVIC
TON & TONMISCHUNG • NEDZAD SABANOVIC & GERD JOCHUM
MUSIK • MATEJ BANOZIC & GERD JOCHUM
PARKPLATZ VOM WÜRSTL HANNES • AB 27. JÄNNER 2012
IN KOOPERATION MIT DEM institut für architekturtheorie kunst- und kulturwissenschaften
Auswahl - „Victoria´s Secret“ - Transkript aus dem Film
Nedzad Sabanovic
[...]
N: Alle möglichen, ja. Und wie geht das, was macht
man eigentlich? Wie macht ihr das? Ich hab das Gefühl, dass ihr Frauen telepathisch Kunden auswählt?
V: Mhm, das ist so, so geht! Ihr kommt, wir sind dort
im Raum und wir wählen.
N: Ja, aber ist es nicht umgekehrt, dass die Kunden
wählen?
V: Ja, die Kunden wählen … wir.
N: Ja und wie merkt man das?
V: Wir sind viele Leute hier. Es ist das Haus, und wir
sind hier a paar Leute und wir machen Arbeit.
N: Ok. Andersgefragt: Du bist direkt zu mir gekommen. Habt ihr das ausgemacht zwischen euch, ohne
dass ich etwas bemerkt habe?
V: In deinen Augen hab ichs gesehen. [...]
[...]
N: Wie alt bist du?
H: Ich bin 29.
[...]
N: Was musst du mit deinem Körper machen, dass du
wie eine Frau ausschaust? Das kann ich mir als Mann
nicht vorstellen.
H: Na, ja...
N: Wie schafft man das?
H: So seh ich aus.
N: Und wie fühlst du dich? Als Mann? Schon als
Mann? Nicht als Frau? Aber du siehst wie eine Frau
aus.
H: Das ist meine Arbeit. Ich bin Frau, ich verdiene
hier.
[...]
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Sein und Schein
Heinz Tiefenbacher
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Signal City
Sandra Weinrauch
„Das graphisch-zweidimensionale Zeichen wird zur Architektur dieser Landschaft.“1
Wird das graphisch-zweidimensionale Zeichen auch in der Kärntner Straße zur Architektur? Schafft es diese
Reklamearchitektur einen Raum aufzuspannen? Was bleibt, wenn man alle Gebäude entfernt? Sind auf
Abschnitten der Kärntner Straße die Bauten zu „Behältern“ geworden, so wie es von Venturi in Las Vegas beobachtet
wurde?
(K)eine Antwort gibt ein Roadmovie mit comichaften Zwischensequenzen. Diese sind abstrahierte Darstellungen der
Straße. Der Abstraktionsgrad wird nochmals durch das Schwarz-Weiß-Konzept und das Fehlen des detaillierten Hintergrundes verstärkt. Mittels dieser Gestaltung soll auf die Künstlichkeit der Straße (denn in dieser Form gibt es diese
nicht) aber auch auf die Konstruiertheit unseres zuvor geführten Diskurses hingewiesen werden.
1
Venturi, Robert/ Scott Brown, Denise/ Izenour, Steven: Lernen von Las Vegas. Zur
Ikonographie und Architektursymbolik der Geschäftsstadt, Basel-Gütersloh-Berlin 2001, S. 20.
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extasydie grazer
urbanism
kärnterstraße
Anselm Wagner, Petra Eckhard (Hg.)

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