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09.06.2004
1:59 Uhr
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WIEN MUSEUM
KARLSPLATZ
RIVIERA
AN
DER
DONAU
SOMMERFRISCHE KRITZENDORF
22.07. BIS 26.09.2004
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ZUR AUSSTELLUNG
Um 1930 war das Strombad Kritzendorf als Wiener Naherholungsgebiet so beliebt, dass sich
dort an den Wochenenden bis zu 15.000 Sonnenhungrige einfanden. Kritzendorf galt als Synonym
für sommerliche Erotik und unbeschwerte Körperkultur. Man gab sich mondän, träumte von
der Riviera und nannte die Sommerkolonie „Krize-les-bains“.
Der 15 Kilometer nördlich von Wien gelegene und heute zu Klosterneuburg gehörende Ort wurde
im späten 19. Jahrhundert durch den Bau der Franz Josephs-Bahn für das Großstadtpublikum
interessant. Es entstanden Ausflugslokale, Sommerfrischen-Quartiere und im Jahr 1903 eines
der ersten Freiluftstrombäder an der Donau. Hugo Breitner, der sozialdemokratische Wiener
Stadtrat, besaß in Kritzendorf ebenso eine Villa wie der reiche Bankier Carl Schelhammer.
In den zwanziger und dreißiger Jahren erreichte das Kritzendorfer Sommerleben einen gesellschaftlichen Höhepunkt. 1928 war das Strombad durch den Architekten Heinz Rollig zu einem
imposanten Bau im modernen Stil erweitert worden, zugleich entstand eine architektonisch
bemerkenswerte Kolonie von Sommerhäusern. Im Musikpavillon spielten Mitglieder der Wiener
Symphoniker Arien aus „Aida“, am Abend tanzte man zu heißen Tangorhythmen. Bei Hilde Spiel und
Heimito von Doderer, bei Erika Mitterer und Friedrich Torberg kann man nachlesen, wie fröhlich
und frivol es an der Wiener Riviera damals zuging. „Ich hab mein Herz in Kritzendorf verloren“
hieß ein Film der Zeit, „Bubi, fahr mit mir hinaus nach Kritzendorf“ ein Schlager von Karl Farkas.
1938 kam es zu einem radikalen Einschnitt. 80 Prozent der Ferienhäuser wurden durch die
Nürnberger Rassengesetze als „jüdischer Besitz“ enteignet. Durch die Emigration etlicher
ehemaliger Badegäste gelangte der Ruf von Krize-les-bains bis nach Amerika. Bemerkenswertes trug sich 1945 zu. Der Sozialdemokrat Hans Reif, Bäderverwalter und provisorischer
Bürgermeister von Kritzendorf, enteignete in einer österreichweit einzigartigen „Rückarisierung“,
wie er es nannte, die nationalsozialistischen Bewohner. Bis zur Bearbeitung der Rückstellungsanträge übergab er die Badehäuser an Opfer des Nationalsozialismus. Doch trotz weitgehender
Rückstellungen der Häuser kehrte kaum jemand zurück. Legendär ist das Bad an der Donau
bis heute: man erinnert sich an ein Paradies zwischen Auromantik und Sandbänken, an eine
bunte Wochenend-Gesellschaft zwischen Natursehnsucht und Chic. Gegenwärtig präsentiert
sich Kritzendorf mit seinem unkonventionellen Flair zwischen Naturfreiheit und Kulturraum
als nostalgischer Geheimtipp.
Die Ausstellung zeigt zahlreiche Objekte aus Privatsammlungen in Kritzendorf, Wien, Steyr und
St. Gilgen sowie aus den Beständen des Wien Museums. Sie wird durch großzügige Leihgaben
von den Archiven der Stadt und des Stiftes Klosterneuburg, dem Niederösterreichischen
Landesmuseum und dem Niederösterreichischen Landesarchiv unterstützt.
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ, ATRIUM
ÖFFNUNGSZEITEN
DIENSTAG BIS SONNTAG UND FEIERTAG: 9 BIS 18 UHR
EINTRITT FREI
BESUCHERINFORMATION
TEL.: +43 1 505 87 47-0
WWW.WIENMUSEUM.AT, E-MAIL: [email protected]
VERKEHRSVERBINDUNGEN
WIEN MUSEUM KARLSPLATZ U1, U4, 4A, D, 71
AUSSTELLUNGSTEAM
KURATORINNEN: LISA FISCHER, MICHAELA LINDINGER
AUSSTELLUNGSGESTALTUNG: BERNHARD DENKINGER
AUSSTELLUNGSGRAFIK: PURPUR
DAS BUCH ZUR AUSSTELLUNG
LISA FISCHER: DIE RIVIERA AN DER DONAU.
BÖHLAU VERLAG, WIEN 2004.
IMPRESSUM
WIEN MUSEUM, DIREKTION WOLFGANG KOS
GRAFIK: PURPUR, DRUCK: DIE DRUCKER, AGENS UND KETTERL GMBH
FÜHRUNG DURCH DIE AUSSTELLUNG MIT DER KURATORIN LISA FISCHER: SAMSTAG, 24. JULI 2004, 14 UHR
Bildnachweis: Mädchen in Kritzendorf, um 1930,
Zeitungsausschnitt, Wien Museum

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