Legal Highs

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Legal Highs
Legal Highs
Risiko beim Rauchen von Kräutermischungen
BAS – Vortragsreihe 2013 – Würzburg, 09.10.2013
W. Rascher
Kinder- und Jugendklinik
Legal Highs
Konsum von Drogen auf legaler Basis
Herbal Highs
RCs = Research Chemicals
Badesalzdrogen
Drogen, die als Kräutermischungen, Lufterfrischer,
Reiniger als Badesalze angeboten werden.
Experimentelle Substanzen – wie neue Pharmaka
(me too Präparate)
Sie werden auf Kräuter aufgebracht und meist geraucht
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Welchen Warnhinweis kennen wir vom
Rauchen?
Erlanger Nachrichten 03.09.2012
Erlanger Nachrichten
Gibt es Warnhinweise
für Kräutermischungen?
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Fallberichte – Zeitung
15.02.2011
http://www.merkur-online.de/nachrichten/bayern/konsum-gefaehrlicher-kraeuter-drogensteigt-bayern-1125003.html
Ein 18-Jähriger betritt in der Erlanger Innenstadt einen sogenannten
Headshop, in dem Zubehör für die Cannabis-Szene angeboten wird. Er
kauft ein Päckchen Kräutermischung, deklariert mit der Aufschrift „Nur
zum Verräuchern“.
Der junge Mann verlässt den Laden und dreht sich einen Joint - den
Tabak mischt er mit den Kräutern. Nach dem Konsum bricht er
zusammen. Erst am nächsten Morgen kommt er im Krankenhaus
wieder zur Besinnung.
Es ist nur ein Fall, der sich Ende vergangenen Jahres in Bayern ereignet
hat. Wie die Polizei in Nürnberg mitteilt, sind allein im Raum Erlangen
sieben Menschen in den letzten Monaten kollabiert, nachdem sie
Kräutermischungen konsumiert hatten.
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Kräutermischungen
http://www.spice-kraeuterwelt.de/raeuchermischungen-kraeutermischungen.html
Jamaican Spirit (3g)
Die feinsten Aromen der Karibik eingefangen in einer hoch-potenten Räuchermischung. Von den Machern des Top-Sellers Jamaican Gold!
Die Wirkung entsprechend – nur stärker!
Hinweis:
Dieses Produkt wurde in deutschen Laboren getestet und darf legal gehandelt und
erworben werden.
Es ist ausschließlich zur Verräucherung bestimmt.
Für Missbrauch wird keine Haftung übernommen.
Für dieses Produkt liegt ein deutscher Laborbericht vor.
Dieser bestätigt dass kein JWH 018-JWH019-JWH073-CP47,497 enthalten ist.
Aber JWH-210 und JWH-081, Rechtsmedizin Erlangen 10/2010
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Cannabis (Cannabis sativa L.)
 Die Pflanze produziert ein Harz, das Cannabinoide enthält
(Harz – Haschisch; Kraut aus Triebspitzen und Blüten – Marihuana) .
 Wichtigste Substanz: THC (Delta 9-Tetrahydrocannabinol)
 Wirkung psychoaktiv: euphorisierend, entspannend, interessenlos
 Anwendung ist illegal (seit 2011 gibt es Ausnahmen)
 Unerwünschte Wirkung:
verlängerte Reaktionszeit
Konzentrationsschwierigkeit
Problem: Dosisfindung
Menge in Pflanze variabel,
Dosis nicht standardisiert
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Angst, Panik, Halluzinationen
Gang-, Gedächnis- und Schlafstörung
Interessenlosigkeit
Was soll das in der Kinder- und Jugendklinik?
T40.7
F12.0
T40.7 - Vergiftung durch Cannabis (-Derivate)
F12.0 – Psychische und Verhaltensstörung
durch Cannabinoide: Akute Intoxikation [Akuter Rausch]
Jüngste Fälle zeigen, wie gefährlich die Kräuter wirklich sind.
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Anzahl
Fälle der Kinder- und Jugendklinik Erlangen mit akuter
Vergiftung durch Kräuterrauchen (T40.7, F12)
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Patientenberichte
Beim 2. Zug kam es zum Kontrollverlust des Körpers. X habe
Angst bekommen, sich verkrampft.
Notarzt
Herzrasen und Schmerzen in der Brust und im linken Arm
(wie beim Herzinfarkt)
Notarzt
War von Passanten bewusstlos aufgefunden worden
Notarzt
Schwindel, Zittern. Körper nicht gespürt, Herzrasen
Notarzt
Nach Rauchen kollabiert, Krampfanfall beobachtet, hat eingenässt
(vor 8 Jahren Epilepsie bekannt)
Notarzt
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Cannabinoide
Problem: Konsum von am Menschen unerforschten Substanzen
mit hohen Risikopotential
 Entwicklung als Medikament
 Von der Substanz zum Medikament
 Unerwünschte Wirkungen
 Akute Toxizität
 Chronische Toxizität
 Reaktion der Ordnungsgeber
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Cannabinoide als Medikamente
 Cannabinoide auf Rezept: Hanfpflanze als
Inhaltsstoff für Medikamente bei Multipler
Sklerose sind legal.
 Auch in Deutschland ist ab 8. Mai 2011, eine
Zulassung für Fertigarzneimittel mit Cannabis
möglich. Multiple Sklerose-Erkrankte könnten
von dieser zusätzlichen Therapieoption bei
spastischen Schmerzen profitieren.
 Wirkung an endogenen Cannabisrezeptoren
 CB1-Gehirn
 CB2-Gefäße
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Phasen der Arzneimittelentwicklung
Präklinische
Prüfung
Phase IV
Phase I
Phase II
Phase III
(Humanpharmakologie)
(Therapeutische
Erprobung)
(Therapeutische
Bestätigung)
(Therapeutische
Anwendung)
Wirkung
Verträglichkeit
Dosis-Wirkung
Wirkmechnanismus
Indikationsbezogen
Pharmakodynamik
Dosisfindung
Toxikologie
Pharmakokinetik
Darreichungsform
Nutzen-Risiko
bestimmter
Gruppen o.
bestimmter
Umstände
Verstoffwechselung
Vorstudien
Verstoffwechselung
Wirksamkeit
Verträglichkeit
Nutzen-Risiko
seltene UAW
Überprüfung
Dosierung
Dosis-Wirkung
Bioverfügbarkeit
Zellkultur
Tierexperiment
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Gesunde
Probanden
Studienpatienten
Patientengruppen
Patientenpopulation
Welche Parallelen gibt es?
Arzneimittelprüfung nach
AMG
Arzneimittelprüfung ohne
„Kontrolle“
Substanz tierexperimentell
geprüft:
Substanz unbekannt, i.d.R. neues
Cannabinoid
Wirksamkeit vorhanden,
Schädigungspotential niedrig
Keine Tierversuche oder Toxikologie,
Phase I: Erstanwendung am
Menschen
Menschenversuch ohne Kontrolle
Medizinische Versorgung
gewährleistet
Medizinische Versorgung nicht
gewährleistet
Arzt anwesend
Kein Arzt anwesend
Patient versichert
Patient nicht versichert
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Schädigungspotential unbekannt
TeGenero-Skandal Alptraum per Injektion
www.stern.de, 13.03.2007
Es sollte schnelles Geld sein: 2000 Pfund für eine Spritze, drei Tage
Krankenhaus und ein paar Kontrolltermine. Was aber sechs Männer
vor genau einem Jahr in London bei einem Arzneitest der Pharmafirma
TeGenero erlebten, hätte aus einem Horrorfilm stammen können.
David Oakley war an jenem 13. März 2006 der erste von sechs bis
dahin völlig gesunden Männern, die das neu entwickelte Mittel
TGN1412 in den Körper gepumpt bekamen.
Eine halbe Stunde später bekam Oakley Kopfschmerzen, die sich bis
zum Irrsinn steigerten. Dann spielte sein Immunsystem verrückt: Das
Herz raste, das Blut klumpte, die Lungen und die Nieren schmerzten.
Die Fachwelt nennt das, was sich in seinem Körper abspielte, einen
Zytokin-Sturm. Oakley spuckte einen Liter Galle, bevor er auf die
Intensivstation kam. Tagelang musste er um sein Leben bangen.
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TGN1412 – Zytokin-CD28 Agonist
 Aktiviert regulatorische T-Zellen (Aufpasserzellen)
 Dämpft und reguliert die Immunreaktion
 Sollte gegen Multiple Sklerose und rheumatische Krankheiten
wirksam sein.
 Zellkultur
 Tierversuch (Ratten)
 Tierversuche (Affen)
 1. Versuch am Menschen
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Verbraucherschutz
Bundeskriminalamt?
 Lebensgefährliche Nebenwirkungen ruft den Verbraucherschutz
auf den Plan
 Ursachenforschung nötig:
 Beispiele:
Rinderwahn,
Gammelfleisch,
Durchfall (EHEC),
Medikamententestung (TeGenero),
BKA: kriminelle Handlung im Spiel?
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Spice:
JWH 018
CP 47,494
Kraeuterwelt:
kein
JWH 018
JWH 019
JWH 073
CP 47,497
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Synthetische Cannabinoide
 Was ist das?
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Natürliche und synthetische Cannabinoide
JWH
J.W. Huffman et al:
Bioorganic and
Medical Chemistry
2003
delta 9-Tetrahydrocannabinol
HU
Hebrew University
CP
Pfizer GmbH
(neue Analgetika)
WIN
Winthrop
AM
A. Makryannis
Biosynthese Tetrahydrocannabinol
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Synthetische Cannabinoide
1. Klassische Cannabinoids (THC und Abkömmlinge) wie HU-210, AM906, AM-411, O-1184)
2. Nicht-klassische Cannabinoids (Cyclohexylphenole or 3Arylcyclohexanols wie CP-47,497-C8, CP-55,940, CP-55,244)
3. Hybrid Cannabinoids (Kombinationen von 1 und 2 wie AM-4030)
4. Aminoalkylindole (AAIs), - Naphtoylindole (z. B. JWH-018, JWH-073,
JWH-398, JWH-015, JWH-122, JWH-210, JWH-081, JWH-200, WIN55,212); - Phenylacetylindole (JWH-250, JWH-251); - Naphthylmethylindole and Benzoylindole (z. B. Pravadoline, AM-694, RSC-4).
5. Eicosanoide (Endocannabinoide wie Anandamid und synthetische
Analoga (z. B. Methanandamide)
6. Andere, wie Diarylpyrazole (selektive CB1 Antagonist Rimonabant®),
Naphtoylpyrrole (JWH-307), Naphthylmethylindene oder Derivative von
Naphthalen-1-yl-(4-pentyloxynaphthalen-1-yl)methanone (CRA-13).
Nachweis synthetischer
Cannabinoide in
Kräutermischungen
12/2008: JWH-018
03/2010: JWH-081
09/2010: JWH-210
Verbot der synthetischer Cannabinoide
(nach Betäubungsmittelgesetz)
Entdeckt:
12/2008: JWH-018
03/2010: JWH-081
09/2010: JWH-210
Verboten:
01/2009: JWH-018
01/2011: JWH-081
05/2011: JWH-210
Betäubungsmittelgesetz (BtMG)
 Regelung durch Betäubungsmittelverschreibungsverordnung
(BtmVV) – Anlage III
 Anlage I: Nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel
 Anlage II: Verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige
Betäubungsmittel
 Anlage III: Verkehrsfähige und verschreibungsfähige
Betäubungsmittel
 Sachverständigenausschuss Betäubungsmittelgesetz tagt 2 x
pro Jahr
 Folge: Änderung Betäubungsmittelgesetz (bisher 26.)
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Betäubungsmittelgesetz (BtMG)
 Alle 6 Monate werden die neuen synthetischen Cannabinoide
und ähnliche psychotropen Substanzen, die in Kräutern
nachgewiesen werden und „Unfälle“ verursachen, nach dem
Betäubungsmittelgesetz verboten. Ab diesem Zeitpunkt ist der
Vertrieb und der Gebrauch illegal.
 Das rasche Verbot erfordert immer schnellere neue Synthese
von Cannabinoiden mit unklarer und gefährlicher Wirkung.
Neues Cannabinoid
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Verbot - BtmVV
Ausblick:
Das Karussell dreht sich immer schneller
 Das Risiko für eine falsche Dosis (Über- wie
Unterdosis) steigt
 Legale Drogen mit geringem Gefährdungs-
potential wird es nicht geben.
 Der Handel mit Legal Highs blüht weiter, da
extrem viel Geld verdient wird.
 Aus den „Unfällen“ gelernt, Dosis (zu) niedrig?
Kräuter-Drogen sind Menschenversuche
Wolfgang Rascher, Leiter der Erlanger Kinder- und
Jugendklinik, warnt - 16.02. 17:25 Uhr NZ
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