Die „Perle des Soonwalds“ hat jede Menge zu bieten

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Die „Perle des Soonwalds“ hat jede Menge zu bieten
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NR. 112 . DONNERSTAG, 16. MAI 2013
SEITE 26
Sommer
redaktion
Die „Perle des Soonwalds“
hat jede Menge zu bieten
Sommerredaktion Einziges Manko: Seibersbacher vermissen Dorfkneipe
Von unseren Redakteuren
Gustl Stumpf und Stephan Brust
schaftshaus Platz nahm, war die naus bekannt. Überhaupt: SeiFreiwillige Feuerwehr.
bersbach lebt und bietet den MenUm die Senioren kümmern sich schen eine gesunde Infrastruktur.
M Seibersbach. Raus zu den Le- Ellen Daum, Doris Kern und Mar- Sportschule, Schwimmbad, Rasensern, rein in die unendliche Vielfalt got Waldhart. Alle vier Wochen la- platz, Dorfladen, Schule, Kindergarten – alles da. Was
unserer Region – schon zum Auf- den sie zum Treff ein
fehlt, ist eine Gaststättakt der diesjährigen Tour konnte und sorgen mit Aktio- „Ohne eine
te. Das wurde in den
sich die Sommerredaktion des nen für Kurzweil und
Gesprächen
immer
„Oeffentlichen“ von der Gast- Abwechslung. Als Ein- Kneipe ist die
wieder deutlich. Vor
freundschaft der Menschen im Kreis zelkämpfer präsentierte Dorfmitte tot.“
zwei Jahren schloss das
Bad Kreuznach überzeugen. Im sich Achim Kühn, der in
Hilla Stärkel, die sich mit
Gasthaus „Zur Linde“.
idyllischen Seibersbach – „der Per- Eigeninitiative für die fünf
weiteren Frauen seit
Ein herber Verlust –
le des Soonwalds“, so der allge- Errichtung eines Boule- Jahren in Seibersbach engerade in einer so agimeine Tenor – wurde das Repor- platzes sorgte, sich nun gagiert. Sie pflegen öflen Gemeinde. Umso
terteam am Dienstagabend mit of- aber etwas mehr Reso- fentliche Grünflächen,
setzen Blumen und bemehr
würde sich Ortsnanz wünschen würde.
fenen Armen empfangen.
dauern die vielen Leerbürgermeisterin Marita
Tierisch ging's auch stände, die ihre Arbeit
Ortsbürgermeisterin
Marita
Spreitzer freuen, wenn
Spreitzer hatte viele interessante zu, zumindest am Tisch nicht gerade erleichtern.
sich wieder jemand
Bürger eingeladen, Männer und des Kollegen Armin SeiFrauen, die sich ehrenamtlich en- bert, denn Seibersbacher Lamas, finden würde. „Das Potenzial ist in
gagieren oder in anderer Weise für Daniels Hühnerhof oder Vorzeige- jedem Fall da“, sind sich alle einig.
die Gemeinde hervortun. Die größ- Bauer Hans-Willi Planz sind weit Kompensiert wird der Verlust zum
te Gruppe, die im Dorfgemein- über die Grenzen der Gemeinde hi- Teil vom Sportverein, dem TuS Seibersbach. Dessen Klubheim ist an
vier Tagen in der Woche geöffnet.
„Da wird auch eine kleine Speisekarte angeboten“, sagt TuS-Vorsitzender Franz-Rudolf Gilsdorf.
Und hinter der Theke: Gemeindearbeiter Karl-Heinz „Charly“ Hofmann und seine Frau Rosi.
Das unterstreicht: Der Zusammenhalt ist groß. Das zeigt sich besonders bei VeranstaltungshöheVerein 75 Mitglieder sind ehrenamtlich engagiert
punkten wie der Fastnacht – sowohl bei der Kinder- und PrunkDer im Jahr 2002 gegründete Feu- der. „Es dürften noch ein paar sitzung als auch beim Umzug –
erwehr-Förderverein des Ortes mehr sein“, zeigte sich der Vorsit- oder der Kerb. Letztere ist in den
spielt in vielerlei Hinsicht, nicht zende dennoch nicht unzufrieden. vergangenen Jahren richtig aufnur für die 18 Aktiven und fünf Zu hören war in der Gesprächs- geblüht – weil alle anpacken und
Nachwuchs-Brandschützer
der runde auch, dass man sich freuen vor allem kreative Ideen miteinSeibersbacher Feuerwehr, sondern würde, wenn mehr als nur ein Ge- bringen. Ob selbst gebaute Stände
darüber hinaus auch für das kul- meinderatsmitglied seinen Beitritt engagierter Bürger wie Ansgar
turelle Leben im Dorf eine ganz be- erklären würde. Bisher haben die Planz, ein Irish-Pub von Daniels
sondere Rolle. Das wurde im Ge- Förderer die Wehr mit Anschaf- Hühnerhof oder ein Cocktail-Stand,
spräch mit Vereinschef Ralf Noch fungen im Wert von rund 20 000 betrieben vom Nachwuchs aus dem
und den Feuerwehrkameraden Euro unterstützt. Dickster Brocken Seibersbacher Jugendraum.
mehr als deutlich.
dabei waren die 10 000 Euro, die
In all den Jahren seit der Ver- zur Anschaffung des neuen Eineinsgründung bringt sich der noch satzfahrzeuges beigesteuert wurjunge Verein mit Verkaufsständen den. Immer wieder werden diverse
beim Weihnachtsmarkt und der Ausrüstungsgegenstände
finanKirmes ein, unterstützt die Ge- ziert. Aktuell soll ein Nasssauger Bücherei Viel Arbeit für
meinde beim Verkauf der Weih- angeschafft werden.
nachtsbäume und sammelt die ausAuch die Geselligkeit kommt viele Ehrenamtliche
gedienten Tannen zu Beginn des nicht zu kurz. So auch beim Feuneuen Jahres auch wieder ein. erwehrfest, das am 28. und 29. Juni Von unserer Redakteurin
Beim traditionellen Fastnachtsum- im Dorf ausgerichtet wird. Hier Cordula Kabasch
zug ist man mit einem Wagen ver- steht das vereinseigene Festzelt
treten. Vor einigen Tagen wurden zur Verfügung, das bei Bedarf ge- Schmökerfreunde gibt es in SeiObstbäume für die Gemeinde an- gen einen Obolus auch ausgelie- bersbach mehr als genug. Zum
gepflanzt. 2011 wurde das 75-jäh- hen wird. Großer Beliebtheit er- Glück geht ihnen der Lesestoff
rige Bestehen der Wehr ausge- freuen sich die von Harald Lappe nicht aus, denn dafür sorgen zwölf
richtet. Dass von den erzielten Ein- organisierten Jahresausflüge. Dann fleißige ehrenamtliche Helfer in der
nahmen ein Teil für die Hallenbe- sind auch die Kameraden der be- Katholischen öffentlichen Bücherei
nutzung hingeblättert werden nachbarten Dörrebacher Wehr da- (KÖB). Dort verwalten sie rund 3000
musste, liegt den Förderern noch bei. Diesmal geht's am 7. Dezem- Bücher, CDs, Spiele, Zeitungen und
heute schwer im Magen. Derzeit ber zum Barock-Weihhnachts- Hörbücher. Sie erstellen den Katazählt der Förderverein 75 Mitglie- markt nach Ludwigsburg.
nn log, behalten die Rücknahme und
Feuerwehrförderer
bereichern auch das
kulturelle Leben im Dorf
Die evangelische Kirche von Seibersbach ist ein wahres Schmuckstück, vor allem jetzt, wo alles grünt und blüht. In
der Gemeinde wird der Zusammenhalt großgeschrieben.
Foto: Benjamin Stöß
Leih' dir was: Lesestoff gibt's in Seibersbach genug
Ausleihe im Blick, kaufen neue Literatur ein, kümmern sich um die
Buchhaltung. Das klingt nach viel
Arbeit? Ist es auch.
Büchereileiterin
Maria-Anna
Thiel kann ein Lied davon singen:
„Eigentlich ist das hier ein Vollzeitjob“, sagt sie. Auch ihre Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun.
Schließlich nutzen rund 250 Seibersbacher die Bibliothek. Im vergangenen Jahr verzeichnete die
Bücherei rund 45 neue Nutzer. Als
Leiterin musste Maria-Anna Thiel
denn auch erst einmal einen
Schnellkurs absolvieren, um sich
Kenntnisse im Bibliothekswesen
anzueignen. Doch das ist noch
längst nicht alles. Denn mit der Erledigung der alltäglichen Arbeiten
ist es nicht getan. Die Bibliothek in
Seibersbach arbeitet mit der
Grundschule und dem Kindergarten zusammen, veranstaltet jedes
Jahr im Herbst eine Buchausstellung und im Sommer einen Maloder Schreibwettbewerb, es gibt
Verlosungen und Feste.
Damit das alles klappt, ist die
Liste der Helfer denn auch lang.
Silvia Silbernagel, die sich ebenfalls
sehr für die Bücherei einsetzt, weiß:
„Ohne die Ehrenamtlichen und unsere Gemeindearbeiter wäre das
hier nicht zu stemmen.“ Letztlich
läuft so eine Einrichtung wie die
Bücherei eben nur, wenn viele mit
an Bord sind, und ohne die tatkräftige und auch finanzielle Unterstützung von Verbands- und Kirchengemeinde, Bistum, Borromäusverein und all den anderen Büchereifreunden gäbe es in Seibersbach wohl keine Literatur auszuleihen – zumindest nicht so viel.
Z
Die Bücherei in der Schulstraße
ist montags von 17 bis 18.30
Uhr und donnerstags von 8.30 bis
9.30 Uhr geöffnet. Weitere Infos:
www.buecherei-seibersbach.de
Kaum Bauern, aber viele Tiere in Seibersbach
Strukturwandel Hühner, Milchvieh und jede Menge Pferde im Hunsrückort – Lamas bereichern die Landschaft
Mit Lamas auf Tour: Julia und Petra Buss bieten Wanderungen mit den
gutmütigen Andentieren an. Entschleunigung ist das Motto.
Obwohl es längst kein Bauerndorf
mehr ist, wird Seibersbach auch von
Tieren geprägt. Daniels Hühnerhof
mit 5000 Legehennen ist der größte
Freilandbetrieb im Land, das Hofgut Bange (140 Kühe) vertreibt
Milchprodukte. Und es gibt Pferde
und Exoten wie Lamas oder Alpakas im Ort. Tiere sind ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor des Dorfes
geworden, ob als Eier- oder Milchlieferanten oder eben als Freizeitpartner.
Beispiele, die bei der Sommerredaktion aufs Tapet kamen: Daniel
Elsner (35) begann mit 18 die Eierproduktion. Mit 25 Hühnern und
einem Hahn. Heute liefert er Freilandeier bis Frankfurt, beliefert
Sterneköche und natürlich die Region, darunter den Dorfladen mit
Eiern und Suppenhühnern. Elsner
kauft Hennen im Alter von 18 Wochen, die drei, vier Wochen später
beginnen zu legen und nach 16
Monaten in die Suppe wandern.
„Hühner und Eier schmecken exzellent“, kommentieren die Ge-
sprächspartner am Tisch. Elsner
bestätigt es selbstbewusst: Die Eier
im Supermarkt sind billiger, aber
die lässt man links liegen, wenn
man mal Freilandeier gekostet hat.
Um frische Produkte geht es auch
auf dem Milchhof von Christian und
Sandra Bange, die 2007 eine Hofmolkerei mit Lieferservice (Frischmilch, Joghurt, demnächst frischer
Quark) aufgebaut haben. Die Hoffeste sind weithin beliebt. Banges
Kühe wurden vielfach prämiert. Bei
Hofführungen sind die Besucher oft
überrascht vom technischen Aufwand – computergesteuerte Melkund Massageanlagen sorgen für
Wohlfühlcharakter.
Wohlfühlatmosphäre soll beim
Reiten in der Hunsrücklandschaft
an erster Stelle stehen. Einerseits ist
die Verkehrsinfrastruktur mit der
nahen A 61 optimal, andererseits
locken die Wälder. Ideale Bedingungen für Pferdepensionen. Nebenerwerbslandwirt und Gemeindearbeiter Karl-Heinz Hofmann
betreibt eine mit drei Dutzend Pfer-
den. Reitstunden werden angeboten, Pensionspferde fühlen sich
wohl, es wird für Turniere trainiert.
In der Pferdepension Enders geht’s
um Western- und Schulreiten. So
wird das ganze Programm angeboten.
Pferde haben auch Jennifer
Friedrich nach Seibersbach gezogen.
„Pferdeknochenbrecherin“
nennt sich die 31-Jährige scherzhaft. Aus Partenheim zog sie im
2012 mit ihrem Mann auf einen Hof
im Ort, fühlt sich wohl in Seibersbach. Hauptberuflich ist sie als Uhrenvertreterin unterwegs, doch
nach einer über zweijährigen Ausbildung ist sie auch Physiotherapeutin, Osteopathin und Akupunkteurin für Pferde und Hunde. Rückenprobleme sind’s vor allem, die
die Pferde plagen. Oft sei nur ein
Wirbel blockiert, und es genügen
einige kleine Akupunkturnadeln,
damit es den Riesen wieder gut
geht. Nein, Pferdeflüsterer müssten
keine Riesen sein, sagt Jennifer
Friedrich und lacht. Auch zierliche
Persönchen wie sie können dank
richtiger Technik schnell helfen.
Eine außergewöhnliche Therapie bieten Julia und Petra Buss an,
die in ihrem Institut für lösungsorientierte Existenz- und Lebensgestaltung mit Lamas und Alpakas arbeiten. Vor drei Jahren fanden sie
auf dem Autishof das richtige
Grundstück. Die Gäste, die mit den
Andentieren auf Tour gehen, kommen aus ganz Deutschland, genießen Ruhe, tolle Landschaft, Gelassenheit der Tiere. Lamas und Alpakas heilen, helfen gestressten Menschen, zurückzuschalten, zu entschleunigen. Das Angebot der Praxisgemeinschaft reicht von Psychotherapie und Hypnose bis zur
Zahnbehandlung. Die Tiere sind
aber die Grundlage in der „Villa
Autland“. Es gibt Schnupper- und
Tagestouren. Jetzt ist eine Benefiztour „Tiere für Tiere“ geplant. Am
15. September startet die Aktion,
deren Erlös anerkannten Tierschutzorganisationen in der Region
zugutekommen soll. Armin Seibert