Sonderausgabe Pyronale

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Sonderausgabe Pyronale
Die Teams
Wettbewerber aus sechs
Nationen treten an
Seite 16
Berliner
P Y R O NA L E 2 015
Pyrotechniker
Morgenpost
S O N D E R AU
Wie man ProfiFeuerwerker wird
Seiten 16/17
SGABE
13. AUGUST 2015
Pokal So wird
abgestimmt
Wettkampf
Te ams aus sechs Ländern treten zum
Wettkampf um den Goldenen, Silbernen
und Bronzenen Pokal an. Bewertet werden sie von einer Kreativjury sowie einer
mit Experten besetzten Fachjury. Der
Tagessieger wird vom Publikum ermittelt.
PICTURE ALLIANCE / DPA/SOEREN STACHE
Reglement
Jedes Team erhält Vorgaben für ein Finanzbudget. Die kreative Gesamtkomposition setzt sich aus den folgenden
Punkten zusammen: Die Pflicht besteht
aus zwei Teilen. Im ersten Teil gibt es eine
Minute Feuerwerk ohne musikalische
Begleitung mit der Farbvorgabe ViolettGrün. Im zweiten Teil muss über vier
Minuten eine Musikvorgabe mit einem
Feuerwerk untermalt werden. Es folgt die
zehnminütige Kür, ein Feuerwerk mit
freier Entfaltung und selbst gewählter
Musik unter dem Thema „My Country“.
Zum zehnten Mal sorgt die Pyronale für ein grandioses Farbspektakel über dem Maifeld am Olympiastadion. Bei der Jubiläums-Ausgabe des Wettstreits der Feuerwerker treten wieder sechs Mannschaften gegeneinander an
Rock’n’Roll am Himmel
In diesem Jahr feiert die Pyronale ihr zehnjähriges Jubiläum. Sechs Teams treten am 4. und 5. September zum Wettbewerb an
T VON CHRISTOPH D. FRIESS
41 Feuerwerker-Teams aus 30 Ländern,
mehr als eine halbe Million Besucher und
TV-Berichte über das Event in mehr als
120 Ländern – in den vergangenen neun
Jahren hat die Pyronale eine beachtliche
Erfolgsgeschichte hingelegt. „Das ist kein
Zufall, sondern liegt nicht zuletzt am
Wettbewerbskonzept des Events", ist
Gerhard Kämpfe überzeugt, Künstlerischer Leiter der Pyronale und zusammen
mit Geschäftsführer Mario Hempel und
Mitinitiator Peter von Löbbecke treibende Kraft hinter der Veranstaltung. „An
nur zwei Tagen sechs Teams gegeneinander antreten zu lassen, das ist schon ein
sehr konzentriertes Angebot und damit
attraktiv für die Zuschauer", sagt Kämpfe.
Auch würden die Teilnehmer sehr sorgfältig ausgewählt. „Hinzu kommt, dass
die Pyronale bekannt dafür ist, dass die
Jury viel Wert auf die Erfüllung der Vorgaben angeht, was Musik, Farben und Festi-
valthema angeht, sodass die Teams gefordert sind, wirklich Qualität zu liefern.“ In
Kombination mit der tollen Location seien das Bedingungen, die jedes Jahr für eine fesselnde Show sorgen, die auch beim
Publikum gut ankommt. „Denn Feuerwerk hat nun einmal, wenn es in dieser
Qualität geboten wird, eine unglaubliche
Faszination.“
Jedes Jahr bewerben sich sehr viele
gute Teams für die Teilnahme an der
Pyronale. „Weltweit hat sich in der
Pyrotechnik-Szene herumgesprochen,
dass unsere Jury objektiv urteilt und es
insbesondere keine nationalen Bevorzugungen gibt“, so Hempel. „Dazu finden
die Teilnehmer hier immer ideale Bedingungen, und wir als Veranstalter sorgen ja
auch für die 60.000 Zuschauer, die mit ihrem Applaus und Jubel für eine tolle
Stimmung sorgen.“
Kein Wunder also, dass das Event auch
in diesem Jahr wieder seinem bewährten
Ablauf folgt: Sechs Teams treten auf dem
Maifeld an zwei Tagen mit ausgeklügelten
Pyroshows gegeneinander an. Dabei müssen sie folgende Richtlinien erfüllen: Der
erste Teil der Präsentation ist eine Minute lang, ohne musikalische Begleitung, dafür aber mit der Farbvorgabe „ViolettGrün“. Dann folgt ein vier Minuten langer
Teil mit Musik: Ein Medley aus Verdis „Zigeunerchor“ (Der Troubadour), dem
„Hummelflug“ (Das Märchen vom Zaren
Saltan) von Rimski-Korsakow und Griegs
„In der Halle des Bergkönigs“ (Peer
Gynt). Beim folgenden zehnminütigen
„Am meisten freue ich
mich auf den Applaus
des Publikums“
Mario Hempel Geschäftsführer
Pyronale Events GmbH
Kür-Teil sind die Teams frei bei der
Musik- und Farbwahl, ihre Präsentation
sollte aber unter dem Thema „My
Country“ stehen.
Los geht es am Freitag, den 4. September, mit den Teams aus Spanien, England
und Deutschland. Am Sonnabend, den 5.
September, folgen die Teams aus der Slowakei, Finnland und Mexiko. An jedem
Abend bestimmt wie gewohnt das Publikum per Telefon den Tagessieger, am
Sonnabend dann steht nach einem JuryVotum der Gesamtsieger fest. Er empfängt den Goldpokal, die Pendants in Silber bzw. Bronze gehen an die zweit- bzw.
drittplatzierten Mannschaften.
Und wie geht es die nächsten Jahre
weiter? Wie gewohnt, erklären die Macher praktisch unisono: „Olympiastadion
und Maifeld sind ein idealer Austragungsort für die Pyronale, und wir möchten die
Veranstaltung künftig dort ausrichten“,
sagt Kämpfe. „Zwar haben sich in der Vergangenheit andere Städte bei uns gemel-
det und Interesse bekundet. Aber das haben wir bisher immer abgelehnt, weil wir
unbedingt auf dem wunderschönen Gelände bleiben möchten und das Team des
Stadions sich als hervorragender Partner
erwiesen hat. Die Pyronale soll auf jeden
Fall in Berlin bleiben.“
Ob das klappt, werde derzeit diskutiert, ergänzt Mario Hempel: „Wir verhandeln gerade mit den verantwortlichen
Stellen für die nächsten fünf Jahre“. Alle
Beteiligten seien aber zuversichtlich, da
man grundsätzlich die Unterstützung der
Behörden habe und auch Innensenator
Frank Henkel als Schirmherr und Freund
der Pyronale sich für das Event einsetzt.
Größter Fan der Pyronale, so Gerhard
Kämpfe, sei aber immer noch Rudolf
Schenker. Der Scorpions-Gitarrist sei regelmäßig in der Jury und unterbreche
auch schon mal eine Tour, um dabei sein
zu können. „Er hat mal etwas Tolles gesagt“, so der Künstlerische Leiter: „Pyronale ist Rock’n’Roll im Himmel.“
„Seht, wie die Wolken am Himmel ziehen“
Musik soll zusätzliche Emotionen schaffen. In diesem Jahr reicht sie vom Verdi-Chor bis zur mexikanischen Straßenmusik
Markus Katterle ist
Geschäftsführer der
Bielefelder Firma „Flash
Art“. Bei der Pyronale
bewertet er als Mitglied
der Fachjury die Beiträge
der sechs Teams
In Konzerten wird er gern als Zugabe gespielt. Bei der Pyronale ist der „Hummelflug“ in diesem Jahr fester Bestandteil des
Pflichtprogramms. Nach Angaben von Jury-Mitglied Markus Katterle verlangt die
Komposition von Nikolai Rimski-Korsakow nicht nur von Orchestern und deren
Instrumentalisten große Disziplin und
vor allem Schnelligkeit ab, „auch die
sechs Pyronale-Teilnehmer werden zeigen müssen, wie sich das Lebhafte der
Musik in fulminante Feuerwerksbilder
umsetzen lässt“.
Dabei sind bei der farblichen Umsetzung der insgesamt drei vom Veranstalter
vorgegebenen Musikstücke keine Grenzen
gesetzt. Anders beim Einsatz der Effektkörpern, denn bei dem Werk des russischen Komponisten dürften die Teams
laut Katterle vor allem solche nutzen, die
eine sehr hohe Zündfrequenz zulassen
oder unerwartete Bewegungen sowie grafische Muster und schnelle Wellen erzeugen. Denn Bomben beispielsweise, die in
den Himmel steigen, brauchen einige Se-
FLASH ART
T VON MICHAEL POSCH
kunden, ehe sie sich entfalten. Bei dem
Stück aus der Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“ von 1899/1900 geht es nach
Angaben des Chefs der Bielefelder Firma
„Flash Art“ aber nicht um Sekunden, „sondern um Action im Zehntelsekundenbereich“. Vieles werde sich deshalb im Frontbereich der Feuerwerksstafetten und bodennah abspielen, wenn der in eine Hummel verwandelte Prinz Gwidon in dem
Stück, die zwei bösen Schwestern mit ge-
zielten Stichen zum Schweigen bringt. Ein
Feuerwerk der Tempi-Wechsel ist laut
Katterle bei einem Medley aus Giuseppe
Verdis „Zigeunerchor“ zu erwarten. Das
Stück aus dem „Troubadour“ (1853) mit
seinen Amboss-Schlägen gehört zu den
mitreißendsten Chornummern des italienischen Opernkomponisten. Und nomen
est omen: Im Original trägt es den Titel
„Ve di, le fosche notturne spoglie “ (Seht,
wie die Wolken am Himmel ziehen).
Spannend dürfte denn nicht nur für Katterle se in, wie die Teilnehmer auch diesem Anspruch gerecht werden.
Dramaturgisch anspruchsvoll ist laut
Katterle auch Edvard Griegs „In der Halle
des Bergkönigs“ aus der „Peer-Gynt-Suite
Nr. 1“ von 1888. Als langsamer Marsch beginnend, steigert sich das Tempo stetig
bis krachende Cymbals und ekstatische
Paukenwirbel davon künden, dass der
Berg zusammenstürzt und die Trolle, die
Peer verfolgten, unter ihm begraben sind.
Für Katterle ist die Musik ein wichtiger
Bestandteil der Pyronale, denn sie schafft
Emotionalität und zeigt zugleich, wie die
Teilnehmer diese durch ihre Choreografien nicht nur aufnehmen, sondern noch
steigern können. Mit Spannung erwartet
er denn auch, wie die Teams ihr unter dem
Programmpunkt „My Country“ ihr Heimatland vorstellen. Die Lieder können sie
sich selbst aussuchen, doch müssen sie
Rückschlüsse auf ihr Heimatland zulassen.
Die britischen Teilnehmer werden sich aus
dem reichen Rock-Angebot der Insel bedienen. Besonders gespannt ist Katterle
auf die Mexikaner. Denn bei Mariachi-
Klängen werden sie in Europa eher unbekannte Elemente des traditionellen mexikanischen Feuerwerks zelebrieren. Zum
Einsatz kommen Feuerräder, Boden- und
Turmkonstruktionen, an und von denen
Pyrotechnik abgebrannt oder abgeschossen werden kann. Interessant könnte laut
Katterle auch ein Vergleich mit den ebenfalls teilnehmenden Spaniern werden.
Denn diese brachten als Kolonialmacht
neben der Sprache und Religion nicht zuletzt auch das Feuerwerk in das mittelamerikanische Land. Die se wurde zwar
über die Jahrhunderte „mexikanisiert“. Allerdings existieren immer noch Reste der
im Mutterland längst verschwundenen urspanischen Feuerwerkskultur.
Damit auch die Akustik stimmt, gibt es
vor dem Pyronale-Start einen mehrstündigen Soundcheck. Denn die Beschallung
des großen Feldes mit seinen Tribünen
nebst angrenzenden Mauern des Olympiastadions ist eine große Herausforderung. Katterle gibt sich allerdings gelassen. „Der Toningenieur macht diesen Job
schon seit Jahren.“ Erfolgreich, wie Katterle abschließend ergänzt.
Die Be wertung erfolgt in Punkten von „0“
bis „8“. Die höhere Zahl entspricht auch
der höheren Wertung. Die Jury beurteilt
sowohl die einzelnen Programmteile von
Pflicht und Kür als auch das Gesamtkonzept. Die Bewertungskriterien sind u. a.
Kreativität, Vielfalt von Farben und Effekten, die Synchronisation zur Musik sowie
die künstle rische und technische Ausführung. Die telefonische Stimmabgabe
des Publikums fließt mit 30 Prozent in die
Gesamtwertung ein.
Jury
Schirmherr und Vorsitzender der Gesamtjury: Frank Henkel, Bürgermeister und
Senator für Inneres und Sport der Stadt
Berlin
Kreativjury
Vorsitzender: Rudolf Schenker,
Gründer und Gitarrist der Scorpions
Pierre Besson, Schauspieler
Bernhard Brink, Sänger und Moderator
Daniel Wall, Vorstandsvorsitzender
Wall AG
Carsten Erdmann, Chefredakteur
Berliner Morgenpost
Arno Müller, Programmdirektor
104.6 RTL
Jochen Trus, Programmdirektor
105’5 Spreeradio
Guido Herrmann, Prokurist & Verwaltungsdirektor Friedrichstadt-Palast
Berlin
Hans-Peter Wodarz,
Erlebnis-Gastronom, „Enten-Tainer“
Christin Fischer, General Managerin NH
Hotel Group Berlin Treptow
Dursun Yigit, Geschäftsführer tv.berlin
Peter Hauptvogel, Medienberater und
Geschäftsführer PPH Pressebüro HGmbH
Fachjury
Vorsitzender: Dr. Dietrich Eckhardt,
Leiter der Fachgruppe II.3 Explosivstoffe
der Bundesanstalt für Materialforschung
und -prüfung (BAM), Berlin
Enrico Hadrich, Inhaber Art of Pyrotech,
Chef-Pyrotechniker des FriedrichstadtPalast Berlin
Torsten Sauer, Key-Account Großfeuerwerk - WECO Pyrotechnische Fabrik
GmbH
Jürg Schärer, Teamleiter Spezialaufträge/Pyrotechnik – Wissenschaftl. Forschungsdienst, Zürich
Markus Katterle, Geschäftsführer Flash
Art Special Effects & Show Design GmbH
Peter von Löbbecke, Mitinitiator der
Pyronale
Dirk Cegiel, Leiter Fachbereich Chemie
& Energetische Materialien – Rheinmetall
Leitung der Jury-Gesamtwertung:
Knut Rebholz, Rechtsanwalt Mönning &
Georg Rechtsanwälte Berlin
Publikumspreis
Das Publikum wählt den Tagessieger per
Telefonabstimmung unter
Tel. 0137 855 4411 - * (* als letzte Ziffer wird
die Nummer des Teams eingegeben)
(50 Ct. aus dem deutschen Festnetz/
Mobilfunk gegebenenfalls abweichend)
4. September
Spanien
England
Deutschland
Endziffer Q
Endziffer W
Endziffer E
5. September
Slowakei
Finnland
Mexiko
Endziffer R
Endziffer T
Endziffer Z
Siegerehrung findet an jedem Abend für
den Tagessieger statt. Am zweiten Abend
wird der Gesamtsieger geehrt
EXTRA P YRONALE 2015
„Ein gelungenes
Feuerwerk muss
nachhaltig in Erinnerung
bleiben“
Torsten Sauer
Weco Pyrotechnische Fabrik GmbH
Das ist eine Sicht der Dinge. Peter von
Löbbecke weiß aber auch zu erzählen,
dass in einem der letzten Jahre das Publikum ein Land euphorisch an die Spitze
gebracht hat: ein Teilnehmer, der von der
Fach- und Kreativjury dann aber nicht so
gut bewertet worden ist.
Neben dem Publikum und der siebenköpfige Fachjury geben auch die 13 Juroren der Kreativjury ihre Bewertungen ab.
Darunter Prominente wie Rudolf Schenker, Gründer und Gitarrist der Scorpions,
Schauspieler Pierre Besson, Musiker
Bernhard Brink
, Erlebnis-Gastronom
Hans-Peter Wodarz, Daniel Wall, Vorstandsvorsitzender der Wall AG, und
auch der Chefredakteur der Berliner Morgenpost, Carsten Erdmann. Um nur einige zu nennen.
Auf einem Fragebogen geben sie – ähnlich wie beim Eiskunstlauf – eine
Wertung für bestimmte Elemente zwischen null und acht Punkten ab. Technische Genauigkeit der Abschüsse, exaktes
Arbeiten, Farbgebung, Einhaltung der
Vorgaben, Kreativität in der Umsetzung
zählen hier beispielsweise. Das Publikum
jedoch stimmt rein emotional ab – über
eine Telefonnummer (siehe Seite 1).
Am Sonnabend gibt die Jury dann die
ersten drei Plätze bekannt und ehrt den
Gesamtsieger. Das Ergebnis wird unter
den Augen von Rechtsanwalt Knut Rebholz, Leiter der Jury-Gesamtwertung, ermittelt. Dann liegen zwei funkensprühende Tage hinter Juroren und Publikum.
Wie das Ergebnis ausfallen wird? „Das
wird spannend“
, sagt Peter von
Löbbecke. „Wir erwarten pro Tag 30.000
Besucher.“ Das heißt: Fans auf der einen
Seite – auf der anderen aber auch eine
meinungsstarke Jury.
Zweiter Tag, 5. September
T VON DAGMAR TRÜPSCHUCH
PYRONALE PROMO
Vor knapp 25 Jahren gründete Thomas
Kuchinka die heute in Mötzing bei
Regensburg ansässige Firma PyroflashSpezialeffekte. Der Zauberkünstler, Industrie-Elektroniker, Film- und Bühnenpyrotechniker
, Großfeuerwerker und
Sprengmeister erzählt, wie eine pyrotechnische Inszenierung am Beispiel eines
Musik-Feuerwerks am Computer geplant
und vorbereitet wird.
Spanien Pirotecnia Caballer
Seit 1880 gibt es in Godella bei Valencia
die Firma Pirotecnia Caballer. Firmengründer Vicente Caballer Calatayud verteidigte den Unterhaltungswert von Feuerwerken mit Leidenschaft und harter Arbeit, wie sein Enkel und heutiger Präsident des Unternehmens, Vicente Caballer Ramirez, erzählt. Und diese Einstellung sei immer noch ein wichtiger Teil
der Unternehmensphilosophie. Immer
habe das Unternehmen in seiner 130-jäh-
Slowakei Privatex-Pyro
rigen Geschichte für Kreativität und Innovation gestanden. Spezialisiert ist Pirotecnia Caballer heute auf die Herstellung
und Vermarktung von pyrotechnischen
Erzeugnissen und auf die Inszenierung
von Feuerwerk-Shows und -Events. In der
Vergangenheit hat das Team viele Preise
bei nationalen und internationalen Veranstaltungen erhalten und ist das am
meisten ausgezeichnete Feuerwerksunternehmen in Spanien.
Privatex-Pyro
, im Jahre 1991 von
L’ubomír Masár in Dubnica nad Váhom
gegründet, hat sich die slowakische Feuerwerkstradition zu Eigen gemacht. Das
Unternehmen befasst sich mit hochwertigen Feuerwerk-Shows, dem Verkauf von
kleinen und professionellen Feuerwerksartikeln sowie als einziges Unternehmen
in seiner Heimat mit der Entwicklung
und Produktion neuer Pyrotechnik. Tatsächlich sind die Produktionsanlagen, La-
bors und Lagerhallen die einzigen ihrer
Art in der Slowakei. Der Name PrivatexPyro ist weltweit für hochwertige Feuerwerksprodukte bekannt. Die Pyrotechniker des Unternehmens zeigen ihr Können
regelmäßig mit großformatigen Inszenierungen. Jedes Jahr gestalten die Fachleute mehr als 100 Shows im In- und Ausland. Schon 2010 nahm Privatex-Pyro bei
der Pyronale in Berlin teil und erreichte
den 2. Platz.
England Pyrotex Fireworx
Pyrotex Fireworx, ursprünglich 1999 von
Mark Kelsall gegründet, hat sich als
erfolgreiches
Familienunternehmen
etabliert. So wie jeder gute Cocktail die
richtige Mischung aus guten Zutaten hat,
besitzt diese Mannschaft eine feine Mischung aus über 35 Jahren Erfahrung,
Kreativität und explosivem Enthusiasmus. Sie präsentieren ihre Shows mit einzigartigen Effekten und einer ehrlichen
Leidenschaft
,
um dem Publikum
unvergessliche Momente zu bescheren.
Es war ein lang gehegter Traum von Pyrotex Fireworx, für „am Nachthimmel tanzende Kunststücke“ bekannt zu werden.
Dieser Traum wurde Wirklichkeit, als das
Unternehmen 2010 und 2011 die britische
Musikfeuerwerksmeisterschaft gewann.
Mit zwei Siegen beim Internationalen
Musikfeuerwerkswettbewerb in Monaco
2012 und 2014 setzten es seine Erfolgsserie fort.
Finnland Pyrostar Finland
Pyrostars Geschichte geht ins Jahr 1946
zurück, als die Firma Ilotulitus Oy gegründet wurde. Das Unternehmen ist die
einzige Feuerwerksfabrik in den nordischen Ländern. Im Jahr 2010 haben zwei
der größten Feuerwerksunternehmen in
Finnland, Ilotulitus Oy und Lohjan Ilotulitus Oy, fusioniert und Suomen Ilotulitus
Oy-Finnisch Fireworks Ltd. wurde gegründet. Das Unternehmen verwendet
den Namen „Pyrostar Finland“ als Han-
Deutschland Potsdamer Feuerwerk
Potsdamer Feuerwerk gestaltet seit 25
Jahren weltweit Feuerwerke und Lasershows. Das in Berlin ansässige Unternehmen versucht immer wieder, Farben und
Formen so perfekt zu arrangieren und auf
musikalische Klänge abzustimmen, dass
unvergessliche Momente für das Publikum entstehen. Häufig erweitert Potsdamer Feuerwerk die Shows mit Flammeneffekten und Laserkunst sowie pyrotechnischen Spezialeffekten. Im Zusammen-
spiel mit der Musik ergibt dies eine ganz
besondere Faszination. Potsdamer Feuerwerk verantwortet jedes Jahr Inszenierungen beispielsweise beim Hamburger
Hafengeburtstag, den AIDA-Taufen, beim
Bürgerfest des Bundespräsidenten oder
bei der amerikanischen Botschaft zum
Independence Day. Auch auf internationalen Feuerwerksevents wie in Macau,
Vietnam und Singapur konnte das Team
seine Fähigkeiten unter Beweis stellen.
delsmarke für professionelle Feuerwerke.
Mit über 60 Jahren Erfahrung organisiert
das Team jährlich über 200 Shows und
hat insgesamt fast schon 10.000 Feuerwerke gezündet. In den letzten 20 Jahren
hat das Unternehmen an vielen Wettbewerben teilgenommen und mehr als 30
Großfeuerwerke außerhalb Finnlands
inszeniert. Seine größte Show hatte Pyrostar bis jetzt beim „International Music
Fireworks Festival“ in Shanghai 2005.
Repertoire der Pyrotechniker gehören
heute Feurwerkshows in allen Größen
und Variationen. Vor wenigen Jahren hat
sich das Unternehmen mit der italienischen Firma „Martarello“ zusammengetan. Vor allem, um auch international
aktiv zu werde und um die Produktion
von typisch italienischen Pyro-Bomben
zu erlernen. Bei der Pyronale gehen sie
gemeinsam als Fireworks Martarello
Ramos an den Start.
IMPRESSUM Eine Veröffentlichung der Berliner Morgenpost |Redaktion Sonderthemen, WeltN24 GmbH
Leitung: Astrid Gmeinski-Walter (V.i.S.d.P)| Redaktion: Christoph D. Frieß |Gestaltung: Jaques Bagios
Gesamtanzeigenleiter Berliner Morgenpost: Jan Schiller, Verkauf: Matthias Keppel| Verlag: Berliner Morgenpost GmbH| Druck: Axel Springer SE | Erscheinungstag: 13. August 2015
Wie wird die Musik auf die Abschüsse abgestimmt?
Die Musik wird gar nicht auf die Abschüsse abgestimmt, sondern es sind die Effekte, die zur Musik ausgesucht werden müssen. Nachdem die fertig geschnittene Musik in die Software geladen wurde, wird
diese zuerst Probe gehört und die markanten Stellen, die besonders deutlich zu
hören sind und deshalb gut in Szene gesetzt werden können, mit sogenannten
Beruf mit Knall
Praktische Erfahrung und
T VON MARIE-THÉRÈSE NERCESSIAN
Mexiko Fireworks Martarello Ramos
Pirotecnia Rogelio Ramos ist mit einer
Erfahrung von mehr als vier Generationen eine Institution, wenn es um traditionelle mexikanische Pyrotechnik geht. Gegründet wurde das Unternehmen von
José Ramos im Jahr 1930 in San Pedro de
la Laguna. Feuerwerke haben in der Region eine lange Tradition und der Ort gilt
als Wiege der örtlichen Pyrotechnik.
Über die Jahre hat sich Pirotecnia Rogelio
Ramos stetig weiterentwickelt und zum
Berliner Morgenpost: Was s ind die ersten
Schritte, um ein mit Musik unterlegtes Feuerwerk vorzubereiten?
Thomas Kuchinka: Für den Pyrotechniker
ist es einerseits wichtig, dass die Musik
deutlich hörbare Takte und Höhepunkte
enthält, zu denen sich Effekte punktgenau
schießen lassen. Andererseits soll sie aber
trotzdem abwechslungsreich bleiben und
auch ruhigere Passagen enthalten. Alle
ausgesuchten Titel werden zu einem kompletten Musikstück zusammengeschnitten. In dieser Phase kann man langweilige
Passagen rausschneiden, zu lange Teile
kürzen oder auch die Lautstärke an einigen Stellen nachregeln.
Und das Feuerwerk wird dann an einem
Computer vorbereitet?
Ja. Die für die Planung verwendete Software stammt in der Regel vom Hersteller
des zugehörigen Zündsystems. Alle Programme bauen aber auf die drei gleichen
Ebenen auf. Das ist zum einen eine Effektdatenbank, die alle technischen Daten der
verwendeten Effekte enthält, wie beispielsweise das Kaliber, die Dauer, Farbe
und Steighöhe der Feuerwerkskörper. In
einem zweiten Bereich wird die Musik
grafisch dargestellt und in einem dritten
Bereich wird schließlich das Script erstellt, in dem die Effekte aus der Datenbank den jeweiligen Zeitpunkten in der
Musik zugeordnet werden.
PYRONALE PROMO
PICTURESBERLIN/CHRISTIAN BEHRING
Zum zehnten Mal findet am ersten
September-Wochenende im Berliner
Olympiastatdon die Pyronale statt, zum
zehnten Mal entscheidet eine große Jury
darüber, welche Feuerwerker das beste
Feuerwerk schießen. Ins Rennen gehen
sechs Länder, über die sowohl die Fachund die Kreativjury als auch das
Publikum – mit einer Stimmgewichtung
von 30 Prozent – entscheiden werden.
Welche der Feuerwerker aus Spanien,
Deutschland, Mexiko, Slowakei, Finnland
und England sind kreativer und technisch
ausgereifter? Wer von ihnen absolviert
den Pflichtteil aus einer Performance in
Grün und Violett sowie einem Musikfeuerwerk professioneller? Und wer kann
mit der Kür – einer Performance zum
Thema „My Country“ –, die große Jury
am meisten begeistern?
„Alle Teilnehmer sind hochkarätige Feuerwerker“
, sagt Peter
von
Löbbecke,
Mitinitiator der
Pyronale, Jurymitglied und Geschäftsführer des
Olympiastadions.
Die Jury auf der
anderen Seite sei
Jury-Mitglieder Frank
ebenfalls hochHenkel (l.) und Rudolf
Schenker mit Pyronale- professionell.
Pokal und einem Feuer- „Viele Mitglieder
in der Fachjury
werkskörper
sind seit Jahren
dabei.“ Den Vorsitz über die sechsköpfige
Gruppe hat Dietrich Eckhardt von der
Fachgruppe Explosivstoffe der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. „Also ein sehr erfahrener Mensch
auf diesem Gebiet“
, sagt Peter von
Löbbecke. Unter den Juroren ist auch
Torsten Sauer von der „Weco Pyrotechnische Fabrik GmbH“. „Ein gelungenes
Feuerwerk muss nachhaltig in Erinnerung bleiben“, sagt er. „Für mich sind dafür Emotionen sehr wichtig. Viele Feuerwerke der letzten Jahre waren zwar technisch perfekt choreographiert, aber somit
auch sehr berechenbar.“ Für ihn persönlich muss beispielsweise nicht jeder Takt
in der Musik kommentiert werden. „Ich
mag eher das verspielte Feuerwerk mit
seinen Überraschungsmomenten. Wenn
die Spannung soweit aufrecht erhalten
werden kann, dass ich mich darin verliere, spreche ich von einem gelungenen
Feuerwerk.“
Erster Tag, 4. September
PYRONALE PROMO
T VON DAGMAR TRÜPSCHUCH
Der Erfolg einer
Pyroshow ist vor allem
eine Frage des Timings.
Herausforderung dabei
ist die Geschwindigkeit
des Schalls. Eine
ausgetüftelte Software
hilft bei der Planung
Sechs Mannschaften aus sechs Ländern streiten laut und farbenprächtig um den Pyronale-Pokal.
Es sind die Top-Player der weltweiten Pyrotechnikszene, und jedes Team hat seinen eigenen Stil
PYRONALE PROMO
Um zu gewinnen, müssen die
Pyrotechniker nicht nur das
Publikum begeistern, sondern
vor allem auch die Jury
Die Champions-League der Feuerwerker
PYRONALE PROMO
Eine Jury
unter Feuer
DONNERSTAG, 13. AUGUST 2015 | BERLINER MORGENPOST
PYRONALE PROMO/DB
16
Kaum ein Großevent im Freien kommt
ohne Feuerwerk aus. Die Inszenierungen
am Himmel sind technische Meisterleistungen und erfordern von den Fachleuten, den Pyrotechnikern, handwerkliches
Geschick, Kraft und auch Mut. Vor allem
zu erfreulichen Anlässen, wie Festivals,
Hochzeiten und Jubiläen lassen sie es
krachen. Dabei hat das Feuerwerk seinen
Ursprung im militärischen Bereich: Holländische Seefahrer brachten das
Schwarzpulver – eine explosive Mischung
aus Salpeter, Schwefel und Holzkohle –
im 13. Jahrhundert aus China nach Europa, wo es hauptsächlich in der Kriegsführung eingesetzt wurde.
Martin Kowallik verballert in manchen
Nächten 5000 Euro. Der studierte Wirtschaftsingenieur organisiert als Pyrotechniker Feuerwerke im Raum Magdeburg. „Ich habe für das Hotel meiner Mutter an Silvester immer das Feuerwerk organisiert. Und da habe ich mir irgendwann gedacht: Komm, mach’ das Ganze
professionell.“ Der Job ist anstrengend
und das schnelle Geld macht man damit
nicht. „Aber ich kann anderen Menschen
eine Freude machen“, sagt Kowallik.
Pyrotechniker ist in Deutschland kein
Ausbildungsberuf, erklärt Dirk Abolins
vom Berufsverband für Pyrotechnik &
Kunstfeuerwerk aus Bielefeld. Wer die
Tätigkeit ausüben möchte, muss den
Grundlagenkurs Großfeuerwerke an einer Spreng- und chemieindustriellen
Schule besuchen, körperlich geeignet und
zuverlässig sein. Ausbildung und Schulabschluss spielen keine Rolle. Abolins rät
dazu, eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker zu absolvieren. „Feuerwerke werden meist bei Großveranstal-
P YRONALE 2015 EXTRA
BERLINER MORGENPOST | DONNERSTAG, 13. AUGUST 2015
17
Kleines ABC rund
ums Feuerwerk
Arten Zum Höhenfeuerwerk gehören alle
Feuerwerkskörper, die in die Luft geschossen
werden oder über einen Eigenantrieb verfügen und in großer Höhe ihre Effekte erzeugen. Hierzu gehören Bomben, Zylinder
oder Raketen. Bodenfeuerwerke, auch Barockfeuerwerke genannt, bestehen aus fest
am Boden befestigten Feuerwerkskörpern.
Dazu zählen Fontänen, Vulkane, Springbrunnen u.ä.
AP/GERO BRELOER
Gruppen und Klassen Großfeuerwerke
(Klasse IV) dürfen nur von ausgebildeten
Pyrotechnikern abgebrannt werden. Dasselbe
gilt für Mittelfeuerwerke (Kl. III). Sie sind
jedoch beschränkt bei der Aufstiegshöhe der
Feuerwerkskörper und deren verwendeter
Menge. Kleinfeuerwerke (Kl. II) dürfen auch
von nicht in Pyrotechnik ausgebildeten erwachsenen Personen abgebrannt werden.
Kleinstfeuerwerke (Kl. I) sind etwa Feuerwerksscherzartikel oder Tischfeuerwerke,
deren Gebrauch keiner gesetzlichen Einschränkung unterliegt.
Hinter einem guten Feuerwerk – wie hier bei der Pyronale 2014 – steckt ein Zusammenspiel aus präziser Planung und einer kreativen Dramaturgie
Wie Feuer und Musik miteinander vermählt werden
Cues markiert. Diese Cues werden dann
im weiteren Verlauf der Planung mit passenden Effekten aus der Effektdatenbank
besetzt. Zudem wird die genaue Abschussposition und der Abschusswinkel
der Effekte festgelegt, sowie das verwendete Abschussgestell. Dann wird der verwendete Empfänger des Zündsystems bestimmt. Im letzten Schritt wird das fertige Script in den Zündcomputer und die
Musikdatei in ein spezielles Audiomodul
übertragen.
Und das bekommen die Zuschauer dann
Eins zu Eins zu s ehen?
Da die Schallverzögerung von den Lautsprechern zum Publikum Einfluss darauf hat, wie synchron die Effekte zur
Musik gesehen werden, muss auch die
Entfernung der Zuschauer zur Beschal-
lungsanlage ermittelt werden, damit der
Zündcomputer sie berücksichtigen und
die Effekte entsprechend später zünden
kann, damit sie für das Publikum auch
synchron zur Musik zu sehen sind.
Kann man den ganzen Ablauf des Feuerwerks vorab auf dem Bildschirm sehen?
Der Pyrotechniker benötigt keine genauere Visualisierung, da er die Effekte, die er
verwendet, in der Regel bereits kennt.
Was er benötigt, ist der genaue Zeitpunkt
in der Musik, an dem ein Effekt gezündet
wird, und die Dauer des Effektes. Beides
wird ihm in der Software auch grafisch angezeigt und der Zeitpunkt der Zündung
wird dabei zusätzlich akustisch simuliert.
Eine vollständige Visualisierung des Feuerwerkes am Bildschirm ist aber möglich,
wenn der Kunde das wünscht.
Am Computer
programmiert Thomas
Kuchinka die Zündsysteme und bestimmt
so den Ablauf des
Feuerwerks auf die
Millisekunde genau –
passend zur Musik
Wird die Software abgespielt, um das Feuerwerk zu schießen?
Beim Schießen des Feuerwerkes wird die
Software nicht benötigt, da die Zündanlagen autark arbeiten, nachdem das
Script übertragen wurde. Die Software
kann aber vor und nach dem Feuerwerk
eine große Hilfe sein, den Aufbau und
die durchgeführten Zündungen zu überprüfen.
Kugelbomben werden aus einem Bombenrohr geschossen. Dabei zündet zuerst der
Treibsatz der Bombe, der sie aus dem Rohr
katapultiert. Der eingebaute Verzögerer sorgt
dafür, dass die Bombe zuerst an Höhe gewinnt, bevor sie am Himmel explodiert (diverse Formen und Farben).
Feuertopf Der Effekt zündet gleichzeitg mit
der Treibladung und sorgt so dafür, dass der
Effekt bereits beim Austritt aus dem Rohr zu
sehen ist. Danach sind verschiedene Effekte
möglich, wie zum Beispiel eine anschließende
Zerlegung.
Römer Die Form ist ein längliches Rohr. In ihm
sind abwechselnd Effekt und Verzögerer
eingebaut, die nach und nach zünden. So wird
zuerst ein variabler Effekt geschossen, anschließend brennt der Verzögerer für einige
Sekunden durch, es folgt der nächste Effekt
und so weiter.
Raketen werden bei der Pyronale aus Sicherheitsgründen nicht abgeschossen. Die Abdrift
durch den Wind und der Eigenantrieb der
Raketen bergen ein zu großes Risiko, dass die
Flugbahn nicht mehr zu kontrollieren ist.
Hinzu kommt, dass die Stäbe, an denen die
Raketen gezündet werden, nach dem Abschuss herunterfallen.
PYROFLASH-SPEZIALEFFEKTE
ANZEIGE
leffekt
d ein Grundlagenkursus sind Voraussetzung, um Pyrotechniker zu werden
Viele Pyro-Effekte werden aus speziellen Abschussrohren in die Luft geschossen. Beim Laden
der so genannten Mörser-Racks ist Sorgfalt nötig, damit die Kettenzündung funktioniert
PA/EDDIE MOORE
tungen wie Konzerten oder Volksfesten
gezündet, und da ist es sehr hilfreich,
wenn man auch über Licht- und Tontechnik Bescheid weiß.“
Voraussetzungen für eine Kurs-Teilnahme sind ein Mindestalter von 21 Jahren und die Vorlage einer Unbedenklichkeitsbescheinigung. Außerdem muss man
bei 26 Großfeuerwerken als Praktikant
mitgeholfen haben. Das kann dauern,
denn die meisten Großfeuerwerke finden
an Wochenenden statt und im Winter ist,
abseits von Silvester, kaum etwas zu tun.
Für ein Praktikum sollte man sich an große Eventfirmen wenden, rät Abolins. Eines der größten Unternehmen auf dem
Markt ist Flash Art aus Bielefeld, das auch
Feuerwerke in Dubai oder Monaco
zündet. „Wir bilden im Schnitt im Jahr
ein bis zwei Veranstaltungstechniker mit
Schwerpunkt Pyrotechnik aus“, sagt Projektleiter René Hofmeister. Bewerber
sollten körperlich fit und handwerklich
geschickt sein. „Man muss schwere Kisten schleppen und auch mal spontan ein
Holzgestell umbauen können.“ Außerdem seien Sorgfalt und Genauigkeit wichtig, betont Abolins. „Man muss sich bewusst sein: Das Material, mit dem ich arbeite, kann Menschen töten.“
Sicherheitsstandards spielen deshalb
eine wichtige Rolle beim vier- bis fünftägigen Lehrgang für Großfeuerwerke. Zudem werden Chemie und Elektrotechnik
gelehrt: Wie funktioniert ein Funkzünder, wie ist eine Reihenschaltung aufgebaut? Und welches Metall explodiert rot,
welches blau? Auch Recht steht auf dem
Lehrplan: „Das Sprengstoffgesetz ist in
Deutschland sehr genau geregelt“, sagt
Abolins. Abgeschlossen wird der Lehrgang mit je einer theoretischen und
praktischen Prüfung.
Einer der größten Anbieter für die
staatlich anerkannte Ausbildung zum behördlich geprüften Großfeuerwerker ist
die Pyrotechnikerschule Hummig Effects
im bayrischen Peißenberg. Hier gibt es
auch spezielle Kurse, wie den zum Bühnen-Feuerwerker. Um die 1000 Euro sollte man für den Grundlagenkurs für Kursgebühren
,
Sicherheitskleidung oder
Übernachtungskosten schon rechnen.
Und spätestens zur Prüfung muss man
das Sprengstoffgesetz, die Fachkunde
und den Umgang mit der Pyrotechnik beherrschen. Mit dem Zeugnis kann dann
der Befähigungsschein nach § 20 des
SprengstoffG beantragt werden und man
darf dann als verantwortlicher Pyrotechniker Feuerwerke abbrennen.
Wichtig ist eine konstante Weiterbildung, betont Hofmeister von Flash Art.
„Nur dann können sie etwa Feuerwerke
auf Stadiondächern anbringen oder größere Mengen Gefahrgut transportieren.“
Pyrotechniker verdienten als Einsteiger
1500 bis 1800 Euro brutto im Monat. Wer
sein eigenes Veranstaltungsunternehmen
aufmachen will, sollte auch mit Computerprogrammen zur Visualisierung und
musikalischen Synchronisierung der Feuerwerke umgehen können. „Feuerwerke
sind Kunst, die vom Pyrotechniker erschaffen wird“, sagt Abolins. Ganz ohne
Probe. „Man hat nur einen Versuch, und
wenn es dann klappt, ist es fantastisch.“
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EXTRA P YRONALE 2015
DONNERSTAG, 13. AUGUST 2015 | BERLINER MORGENPOST
Zehn Jahre voll
feuriger Erlebnisse
Das Feuerwerk von „Rhein in Flammen“ lässt sich
vom Ufer, hier Blick vom Rheinsteig, oder auch vom
Deck eines der vielen teilnehmenden Schiffe genießen
Der Künstlerische Leiter der Pyronale Gerhard Kämpfe erzählt von
dramatischen bis komischen Erlebnissen vor und hinter den Kulissen
geben“, sagt Gerhard Kämpfe. Die vielleicht wichtigste Entscheidung danach
war, die Pyronale von einem normalen
Feuerwerk abzugrenzen. „Wir haben deswegen den Wettbewerbscharakter in den
Vordergrund gestellt.“
Dass das ernst gemeint und die daran
geknüpften Vorgaben nicht nur leere
Worte waren, musste ein Team schon
beim zweiten Contest leidvoll erfahren –
das italienische von Parente Fireworks.
„Das ist eine große Firma, die schon seit
rund 150 Jahren existiert. Sie sind wirklich fantastisch, und die Wettbewerbe,
an denen sie teilnehmen, gewinnen sie
im Normalfall“, so der künstlerische Direktor. Nicht so in Berlin 2007. Der Auftritt war zwar schön anzusehen, dennoch
ein Rohrkrepierer, weil gegen sämtliche
Vorgaben verstoßen wurde.
Es begann mit den Farben. „Sie missachteten die Vorgaben und schossen
SERGEJ GLANZE
Zehn Jahre Pyronale – das ist eine Erfolgsstory mit Knalleffekt. Eine, die jedoch eher zufällig zustande kam. „Es war
bei Cinema for Peace 2005“, erinnert
sich Gerhard Kämpfe. „Mein Geschäftspartner Mario Hempel saß dort zusammen mit den Scorpions und dem Geschäftsführer des Olympiastadions, Peter Löbbecke. Es ging um die Frage, was
man in diesem wunderschönen sanierten
Stadion nach der Fußball-WM 2006 alles
veranstalten könnte.“ Der FeuerwerkerWettbewerb war eine der daraufhin mit
Mario Hempel entwickelten Ideen. Inspiration dafür war das Classic Open Air
auf dem Gendarmenmarkt mit Feuerwerk am ersten Abend. „Ich muss da
wirklich Mario Hempel herausstellen.
Hätte er nicht umgehend reagiert und
mit der Gründung der Firma Pyronale
Events die Grundlagen geschaffen,
würde es die Pyronale heute gar nicht
Mario Hempel und Gerhard Kämpfe (r.) bei Pyronale-Vorbereitungen auf dem Maifeld
stattdessen ihre nationalen Farben. Eine
weitere Vorgabe war, fünf Boden-Elemente zu integrieren. Sie hatten nur drei.
Und schließlich war es verboten, Blitzknalleffekte einzusetzen, also Effekte,
die nur laut sind, aber keine Leuchtbilder
erzeugen. Sie zündeten gleich vier. Dafür
gab es von der Jury kräftige Punktabzüge,
und das Team kam nicht einmal unter die
Top-Drei.“
Das Los der daraufhin leicht verstimmten Italiener hatte aber für die Pyronale einen positiven Effekt. Dass man
strikt auf die Einhaltung der Regularien
achte und Gewinner nicht nach deren
Popularität küre, habe sich weltweit sehr
schnell herumgesprochen. „Seitdem hatten wir so etwas auch nicht mehr. Alle
Teams sind immer extrem gut vorbereitet“, erinnert sich Kämpfe.
Das gilt auch für die Technik. Diesbezüglich konnten nachfolgende Mannschaften vom Schicksal der bedauernswerten Briten von Pyrovision Ltd. lernen. Gleich bei der Pyronale-Premiere
wollte die Truppe zeigen, warum man
unter anderem alle großen pyrotechnischen Events für das britische Königshaus ausrichtet. Ein kleiner, das Feuerwerk zündende Computer verhinderte
den vollständigen Exzellenz-Beweis. Bei
der Kür machte er schlapp. Zwar war die
über das separate Mischpult gesteuerte
Musik rund um das Maifeld zu hören, jedoch zündete keine einzige Rakete: Der
Akku des Computers war nicht aufgeladen und hatte schlapp gemacht.
Noch etwas Herzerwärmendes: „Bei
der dritten oder vierten Pyronale hatte
sich ein junger Mann bis zu mir durchgefleht“, so Kämpfe. „Er wolle unbedingt
hier und heute seiner Herzdame einen
Heiratsantrag machen. Normalerweise
machen wir so etwas nicht, aber er war so
sympathisch, dass wir nicht ‚nein’ sagen
konnten. Also machte er vor der Show
von der Bühne seinen Heiratsantrag.“
Und die Angebetete? Sie sagte „ja“! cle
Grenzenloser Lichterglanz
PA/ROLF KOSECKI
Wo und wann Feuerwerk-Fans sonst noch auf ihre Kosten kommen
Wem die Pyronale nicht genug ist, der
findet unzählige weitere FeuerwerkTermine. Einen Überblick über die
Veranstaltungen hierzulande gibt die
Internetseite www.feuerwerk-fanpage.de. Tausende Events bis zum
Jahresende sind hier gelistet – vom
kleinen Schützenfest über Volks- und
Stadtfeste bis hin zur farbenprächtigen
Erleuchtung von Schlössern, Seen und
Flüssen. Ausgewählte Veranstaltungen
in Deutschland finden sich zudem unter www.feuerwerk-kalender.de.
Zu den Highlights des Jahres in
Deutschland gehört sicher „Rhein in
Flammen“ am 19.August. Die Veranstaltungsreihe rund um die Loreley
existiert schon seit 1949. Natürlich
kann man das Spektakel von den Ufern
des sagenhaftetesten aller deutschen
Flüsse genießen, doch den besten Blick
haben diejenigen, die einen Platz auf einem der mehr als 70 Schiffe ergattern.
Wer gleich an ganzes Meer in Flammen sehen möchte, der sollte sich den
28. August merken. Die „Ostsee in
Flammen“ bildet auch in diesem Jahr
den krönenden Abschluss des Grömit-
zer Lichtersommers. Das weithin
sichtbare Höhenfeuerwerk wird um
22.45 Uhr gezündet.
Last but not least Silvester: Die
größte Open-Air-Party der Welt
steigt auch 2015 wieder am Brandenburger Tor in Berlin, wo inzwischen
traditionell rund eine Million Menschen aus aller Welt den Jahreswechsel
feiern. Höhepunkt ist das exorbitante
Feuerwerk zwischen Brandenburger
Tor und Siegessäule. Im Vorjahr verwandelten rund 6000 Raketen den
Nachthimmel über Berlin für elf Minuten in eine spektakuläre Märchenwelt
aus Licht, Farben, Blitz und Donner.
Auch international brennt die Luft:
Ein Tip für Großbritannien-Urlauber
und kurzentschlossene Feuerwerk-Enthusiasten sind die „British Firework
Championships“, die in diesem Jahr
zum 19. Mal ausgetragen werden. Veranstaltungsort am 18. und 19. August
ist die südwestenglische Hafenstadt
Plymouth. Sechs britische Pyrotechnik-Unternehmen liefern sich eine
ebenso lautstarke wie farbenprächtige
Materialschlacht. Nach dem Einsatz
von rund vier Tonnen Feuerwerksgütern wird am zweiten Abend der „British Firework Champion“ gekürt.
Wer sich zufällig im Herbst in Macau aufhält, kann ihn gar nicht verpassen geschweige denn übersehen: den
jährlich zwischen Mitte September
und dem 1. Oktober ausgetragenenen
Wettbewerb „Macau International
Fireworks Display“. Er gilt als einer
der spektakulärsten weltweit. Über die
Jahre haben schon mehr als 100 Teams
aus vieler Herren Länder ihre pyrotechnischen Künste vor der exotischen
Kulisse der rund 50 Kilometer westlich
von Hongkong gelegenen chinesischen
Halbinsel bewiesen.
Nach dem Feuerwerk ist vor dem
Feuerwerk, das gilt hier speziell für
Montreal: Seit 1985 ist die jährliche
„Montreal International Fireworks
Competition“ eine der Top-Attraktionen der Millionenstadt im Südwesten
der kanadischen Provinz Québec. Die
Veranstaltung gilt als weltweit größte
ihrer Art, sie beginnt im Juni und endet
Anfang August. Das wird auch 2016 so
cle
sein.
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Wir gratulieren
zu 10 Jahren Pyronale
Termin: Freitag, den 4. und Sonnabend,
den 5. September 2015 auf dem Maifeld am
Olympiastadion
Eintrittskarten an allen bekannten Vorverkaufstellen; unter der Hotline 01806
999 000 909 (0,20 €/Anruf aus dem Festnetz, maximal 0,60 €/Anruf Mobil); online
über www.ticketmaster.de ; VIP-Tickets nur
beim Veranstalter unter Tel. 030 / 31 57 54
13; Die Abendkassen am Osttor und Südtor
des Olympiastadions sind an beiden Veranstaltungstagen ab 14 Uhr geöffnet; es
kann nur bar bezahlt werden. Tickets
können auch direkt beim Veranstalter
geordert werden: Tel. 030 / 31 57 54 13.
Tickets,
Tipps &
Termine
Besucher mit Handicap Rollstuhlfahrern
und Begleitern steht auf dem Veranstaltungsgelände ein gesondertes Areal zur
Verfügung; Zugang mit Stehplatzticket.
Preise Ein Stehplatz kostet 23 Euro, ein
Tribünenplatz 43 Euro zzgl. Vorverkaufsgebühr (und eventuelle Versandkosten).
Stammkunden exklusive Rabatte und
vieles mehr unter www.pyronale.de.
Programmheft kann direkt auf dem Veranstaltungsgelände erworben werden.
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Foto- und Filmaufnahmen für private
Zwecke sind erlaubt und mit dem Hinweis
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Einlass Ab 18.30 Uhr können die Besucher
auf das Veranstaltungsgelände. Beginn der
Show ist um 20.45 Uhr. Sie endet am Freitag
gegen 22.30 Uhr und am Sonnabend gegen 23
Uhr.
Parken Am Süd-Tor des Olympiastadions
befindet sich ein gebührenpflichtiger Parkplatz; rund um das Olympiastadion gibt es
öffentliche Parkplätze, die auch (z.T. gebührenpflichtig) genutzt werden können.
Gewerbestraße 32
15366 Dahlwitz-Hoppegarten
Olympiastadion
Olympiastadion
Rückgabe/Umtausch von Eintrittskarten
ist nicht möglich.
Anfahrt Der Veranstalter rät dringend zur
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln,
da die Anzahl der Parkplätze stark begrenzt
ist; das Pyronale-Ticket berechtigt nicht zur
Fahrt mit der BVG oder Bahn.
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Ermäßigungen für Schüler, Studenten
oder Rentner werden nicht gewährt.
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VIP-Ticket kostet 155 Euro pro Tag.
• Schul- und Kita-Service
• Betriebsrestaurants
• Event-Catering
auf die Pyronale zu versehen; dies gilt eben
falls für Hobbyfotografen und Videofilmer,
die die Aufnahmen für nichtkommerzielle
Zwecke auf der eigenen Homepage oder
anderen Internetportalen veröffentlichen;
jegliche Ton-, Foto-, Film- und Videoaufnahmen der Veranstaltungen zur kommerziellen Nutzung sind nicht gestattet;
kleine Kompaktkameras dürfen mitgeführt
werden, das Mitbringen von professionellen
Foto- und Filmausrüstungen etc. ist untersagt.
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Süd-Tor
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Stehplätze
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Block B
Tribüne 2
Olympiastadion
Eingang
Ost-Tor
U-Bhf. Olympiastadion
Bitte nicht Das Mitbringen von Klappstühlen, Hockern, Stativen, sperrigen Gegenständen etc. ist aufgrund von behördlichen Auflagen nicht erlaubt. Selfie-Stangen
sind dagegen erlaubt.
Wetter Der Veranstalter ist bemüht, die
Veranstaltung auch bei zweifelhafter
Witte- rung bzw. bei Regen durchzuführen, allerdings kann es zu Verzögerungen
oder Unterbrechungen kommen; eine
Absage erfolgt grundsätzlich erst vor
Beginn am Veranstaltungsort selbst und
wird ausschließlich vor Ort von der Veranstaltungsleitung ausgesprochen; Allgemeine Geschäftsbedingungen auf
www.pyronale.de/faq.
Regenschirm darf mitgeführt werden.
Gegen das Mitbringen von wärmenden
Decken gibt es keine Einwände.
Hotel Beim Veranstalter können keine
Übernachtungen gebucht werden; Hotels
bieten aber spezielle Pyronale-Arrangements an.
Ansprechpartner vor Ort An den Veranstaltungstagen steht Ordnungspersonal
für alle Fragen und Probleme zur Verfügung.
Tickethotline 01806 999 000 909
www.ticketmaster.de
0,20 €/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 0,60€/Min. aus dem dt. Mobilfunknetz
Infos im Internet unter www.pyronale.de E-Mail [email protected]

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