Bahnhof Hirschsprung

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Bahnhof Hirschsprung
Galt das Schwergewicht der ersten MM-Beitragsfolge über Dr. Rohmanns bemerkenswerte Z-Modulanlage der technischen Ausstattung, so finden sich diesmal vielfältige
Aufbau- und Detaillierungstips. Zahlreiche
Hinweise lassen sich durchaus für nahezu
alle denkbaren Nenngrößen anwenden,
obwohl sich der Erbauer natürlich vorrangig
aufgrund des begrenzten Z-Zubehörangebotes für Selbstbauten und Abwandlungen
entschied.
Mit neuem Elan ging es anschließend an den
Bau des zweiten Moduls, das den größten Teil
der „hauseigenen" Modulanlage bildet. Als
Vorbild diente der Bahnhof „Hirschsprung",
den ich mehrmals mit Skizzenblock und Fotoapparat besuchte. Freundlicherweise erhielt
ich bei einer dieser Gelegenheiten einen alten
Feuerlöschplan (Abb. 3), aus dem ich die Gleisnutzlängen abgreifen konnte (vielen Dank!).
Diesen Gleisplan zeichnete ich auf die Z-Gleisgeometrie um (s. Abb. 4), wobei fast ausschließlich Flexgleise eingesetzt wurden, urn
den eleganten „Schwung" der Gleisführung
auch im Modell nachzuempfinden. Diese Ausführung wurde im Gleisplan zeichnerisch noch
nicht berücksichtigt, weil es für mich schwieriger ist, solche weiten Gleisbogen zu zeichnen
als sie entsprechend zu verlegen. Nach
entsprechender
Farbbehandlung
in
„Rostoptik" folgte die Gleisverlegung auf Korkbettungen und die Gleisfixierung mit kleinen
Gleisnägeln. Der Unterbau entstand exakt wie
beim Bw-Modul. Statt eines exakten Nachbaus
der Bahnhofs- und Nebengebäude paßte ich
handelsübliche Bausatzhäuser durch geänderte Plattenzuschnitte und Aufbauzusammenstellungen dem Vorbildeindruck an.
Bahnhof Hirschsprung
Ausgangsbasis bildet der Bausatz „Chateau
d'eaux" von KIBRI (B-6712), der farblich nachbehandelt und mit zwei Lichteinsätzen ausgestattet wurde- An die Stelle des kleinen angeschlossenen Lagerschuppens fügte ich die
Güterhalle (KIBRI B-6744) an. Nach farblicher
Angleichung beider Modelle und geringfügigen
(aber Geduld erfordernden) Größenveränderungen an den Dachüberständen erscheint
jetzt der Gebäudekomplex wie aus einem Guß.
Noch vor dem Aufsetzen des Dachs wurden die
Passanten (PREISER, MERTEN) angeklebt. Der
ursprüngliche kleine Kiosk wurde zur Stellwerksbude umgebaut, indem die Vorderwand
entfernt der Fußboden und die Seitenwände
mit feinsten Holzleisten verkleidet und 10 Stell-
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werkhebel mit Bank (Firma D. Beier, Bremen)
eingebaut wurden. Von hier aus zieht ein Kanal
zu den beweglichen(!) Signalspannwerken und
Zugdrahtnachbildungen über feinste Kabelrollenhalter zu den badischen Länderbahnsignalen, deren Signalflügel in Ätztechnik elffach durchbrochen sind (alles Anfertigungen
von Detlev Beier]. Für das Eisenbahnerwohnheirn mit angeschlossener Werkstatt verwendete ich den Bahnhof „Rodach" (KIBRI B6706), der seiner Bahnhofsattribute beraubt
wurde und statt dessen eine zur neuen
Verwendung passende Beschriftung erhielt,
sowie einen kleinen Anbau, in dem jetzt
die Signalmeisterei untergebracht ist. Seitlich hinter dem Bahnhof liegt der Gasthof
„Zum Hirschsprung", der aus dem Bahnhof
„Neuffen" (VOLLMER 9510) entstand. Auch hier
wurde der Lagerschuppenanbau entfernt, die
entstandenen Hauswand-Aussparungen mit
einer paßgenau zugeschnittenen Polystyrolplatte verschlossen und die Partie durch „Efeu"
kaschiert (MZZ-Astteilchen mit aufgetragener
Befleckung). So erhält man ein imposantes
Fachwerkgebäude, das ein größeres Gasthaus
mit Fremdenzimmern glaubhaft erscheinen
läßt. Zwei Hirschköpfe (aus der PREISER NSpur Packung) rahmen das Gasthof-Schild
stilgerecht ein.
Durch Veränderungen, Anbauten und selbstgefertigte Zutaten,
entstand aus dem Kibri-Bausatz B-6712 der Bahnhof Hirschsprung
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Die Bahnsteige waren im Vorbild Schüttbahnsteige, die ich mit Hilfe des folgenden
Verfahrens nachbildete: Als Bahnsteigkörper
dienen maßgenau zugeschnittene Korkplatten, in deren mittleren Teil der KIBRI-Bahnsteig (B-6720) eingelassen wurde. Dies war
notwendig, weil sich kein Industrieprodukt
dem leichten Gleisbogen anpassen läßt
Anschließend wurde Schotter feinster Körnung vorsichtig bis 0,5 mm unterhalb der
Schienenoberkante gestreut. Mit Hilfe einer
eigens zu diesem Zweck angefertigten
Messinglehre formte ich den Anstieg auf die
Bahnsteigoberkante. Insgesamt waren fünf
Schotterlagen erforderlich (fixiert mit der
schon in der ersten Folge beschriebenen
Sprüheinschotterungs-Methode). Wiederholte
Fahrproben mit den längsten verwendeten DZug-Wagen sind hierbei unbedingt vorzusehen, um ein späteres Anecken der Fahrzeuge mit den speziell bei Drehgestell-Personenwaggons sehr niedrig angebrachten
Trittbrettern
sicher
auszuschließen.
Vorbildgemäß verbindet eine kleine Fußgängerbrücke die gegenüberliegenden Bahnhofsseiten. Ausgangsbasis war die MärklinFußgängerbrücke, deren Dach einem scharfen
Skalpell zum Opfer fiel. Gegenüber den Bahnhofsgebäuden liegt die Holzverladung, der ich
etwas mehr Platz zubilligte als dies in Wirklichkeit der Fall ist. Aber auf der Modellbahn bildet
eine solche Anlage eben ein willkommenes
Spielmoment, das jede Anlage belebt und dem
Bahnhof eine weitere Funktion zuordnet. Einige
Holzkutschen (PREISER) und Rampen (WESTMODEL) vervollständigen das Bild.
Für das Eisenbahnerwohnheim wurde der Kibri-Bf „Rodach"
zweckentfremdet. Nur wenig daneben findet sich der Kohle'ansen
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Das Betriebswerk
Während der Vorbildbahnhof nur eine
einständige Lokomotivremise besaß, findet
sich bei mir ein zweiständiger Bau. Hierfür
verwendete ich zwei einständige MärklinLokschuppen (8981), die ich etwas versetzt
anordnete. Vom zweiten Lokschuppen führt
ein Gleis an der Bekohlung vorbei zur
Werkstatt; so bieten sich noch weitere
Abstellmöglichkeiten. Das Bw Hirschsprung
ist als Außenstelle nur für kleinere
Reparaturen eingerichtet, denn größere
Arbeiten wurden im Mutter-Bw erledigt.
Deshalb ist die Ausstattung bewußt einfach
gehalten: Die Schlacke wird einfach neben
das Gleis geworfen; für die Besandung
steht
ein
winziger
Hochbehälter
(WESTMODEL) zur Verfügung, und die
Bekohlung übernimmt ein kleiner Drehkran
(WESTMODEL) mit Kohlenhunt. Handarbeit
ist also Trumpf! Stationiert ist hier nur die BR
75 (Umbausatz WESTMODEL). Die BR 85
frischt im Bf Hirschsprung nur ihre Vorräte
auf oder wartet als LZ den Gegenzug ab.
Die „Rheingold“-Sondertahrt bewältigen die 85er in
Zweiertraktion
Zahlreiche Umbaufahrzeuge auf Märklin mini-clubBasis bestimmen das Bild
Die Abendstunden führen zu tiefer Schattenbildung und zum Dienstschluß kehrt auch der Gleistransportzug zurück
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Fahrbetrieb
Auf meiner Anlage verkehren vor allem Personenzüge, die von Loks der Baureihen 85 und
75 gezogen werden. Bei der Planung der
Steigungsstrecken berücksichtigte ich bei
Vorversuchen die Lokzugkraft im Zusammenhang mit den vorgesehenen Wagengarnituren.
Aber auch Güterzüge werden eingesetzt, wobei
umgebaute (auf Epoche 2 getrimmte) BR 50
oder BR 78 zum Einsatz kommen. Auch im
Modell ist es faszinierend, wenn die Doppeltraktion der beiden 85 oder 50 langsam mit
ihrem Güterzug das Einfahrsignal passiert.
Man wartet förmlich auf die heftigen Auspuffschlage und das dumpfe Wummern der
Maschinen (an nur einer Lok pro Zug ist jeweils
ein kleiner, aber starker WOLFRAM-Magnet
eingebaut, der über Reed-Kontakte die einzelnen Fahrstraßen selbständig schaltet). Die
Laufruhe und Zugkraft der BR 50 als auch der
mit dem BR 50-Fahrwerk ausgestatteten BR 85
sind auch als Z-Modelle beeindruckend. Meine
beiden eingespielten „Teams1' (Doppeltraktion
BR 50 bzw. 85) ziehen problemlos 30 vierachsige Kohlewagen Eaos 106 DB sogar über eine
leichte Steigung, ohne daß die Räder durchdrehen oder „Vollgas" erforderlich ist. Ich halte
diese BR 50 für eine der funktionell gelungensten Z-Dampfloks. Vielleicht könnten bei
manchen Modellen Faulhaber-Motoren die
Fahreigenschaften noch weiter verbessern.
Die ersten Kleinserienmodelle weisen diesbezüglich in eine vielversprechende Richtung
(z.B. die BR 10 von Michael Bahls).
Ist für H0 schon Vorsicht am Platze, wenn es um
den Einbau ausgedehnter Steigungsstrecken
geht, so setzte sich bei mir die Erkenntnis
durch, daß man in der Baugröße Z Steigungen
weitgehend vermeiden oder wenigstens so
gering wie möglich halten sollte. Außerdem
möchte ich auf das Vorgehen von Z-Club-92Mitglied Martin Krüger hinweisen, der bei
seinen Modellen die Kohlebürsten verkleinert
und genau angepaßt hat und schon damit eine
spürbare Verbesserung der Laufeigenschaft
erreichte. Vor allem bei älteren Modellen
erscheint eine Optimierung der Stromabnahme erfolgversprechend. Ich persönlich
bezweifle jedoch, daß dazu eine zusätzliche
Stromabnahme von den Rädern des Tenders wie z.B. bei der BR 01 von RAILEX - der geeignete Weg ist. Praxistests am gleichen Modell
mit und ohne zusätzliche Stromabnahme zeigten keine definierbaren Unterschiede. Weitaus
effizienter ist dann schon eine Erhöhung des
Lokgewichtes z.B. mit Gardinenblei.
Das linke Bahnhofsfeld in der Gesamtansicht Und wieder sind es Figuren sowie Kleinteile die zu hoher Wirklichkeitsnähe führen
Kaum zu glauben ist die präzise Kleinszenen-Gestaltung
auch in Z
Der rechte Bahnhofsbereich zeigt hinter dem einfahrenden
Zug den zum Gasthaus umfunktionierten Vollmer-Bahnhof
Neuffen
Resümee
Ich kann jedem Modellbahninteressenten nur
empfehlen, auch bei nur wenig verfügbarem
Platz für eine Eisenbahn eine betriebsfähige
Anlage anzustreben. Erst wenn Bewegung in
die Fahrzeuge kommt, können sie ihr ganzes
Flair zeigen. Zugegeben, auch von meinen
Loks stehen die meisten in Vitrinen. Wenn es
mir jedoch in den Fingern juckt, dann erlauben
es meine Vitrinen-Module, irgendeine Lok in
ansprechender Umgebung auf die Reise zu
schicken und der Maschine bei der Arbeit
zuzusehen. Das bereitet mir stets großes Vergnügen!
Dr. Sven Rohmann
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