EE-Kreissportbund lehnt Gebietsreform ab Vorstand

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EE-Kreissportbund lehnt Gebietsreform ab Vorstand
25.05.2016
EE-Kreissportbund lehnt Gebietsreform ab
Vorstand: Neue Organisationsformen schaden der
Sportentwicklung / KSB will eigene Strukturen beibehalten
Finsterwalde Der Kreissportbund Elbe-Elster (KSB) hält nichts von einer Kreisgebietsreform
und will alles daran setzen, in seinen derzeitigen Strukturen bestehen zu bleiben. Der
Vorsitzende des KSB, Detlev Leissner, übt scharfe Kritik am Landessportbund.
Viele Kinder und Jugendliche – hier Felix Marschhausen, Lena Schülzke und Annika Richter
vom SV Linde Schönewalde- schnüren in den im Kreissportbund Elbe-Elster organisierten
Vereinen ihre Lauf-, Handball- oder Turnschuhe. Der KSB Elbe-Elster ist auch im Sinne der
Jugendarbeit gegen eine Vergrößerung der Strukturen. Foto: Christian Modla
Der Vorstand des Kreissportbundes Elbe-Elster hat sich ausführlich mit den Folgen einer
Kreisgebietsreform in Brandenburg für den organisierten Sport befasst. "Die momentane
Organisationsstruktur der Kreis- und Stadtsportbünde im Land bietet eine gerade noch
optimale Betreuungsmöglichkeit für die organisierten Sportvereine", sagt Leissner.
Trotz hauptamtlicher Mitarbeiter seien es aber vor allem die geschäftsführenden
ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder, die die Vereine betreuen. "200 Vereine sind genug.
Nach einem möglichen Zusammengehen, ob nun mit OSL oder Teltow-Fläming, wären es
doppelt so viele. Dann sind eine angemessene Betreuung und Unterstützung nicht mehr zu
gewährleisten", sagt er. Seit 18 Jahren ist er Vorsitzender des Kreissportbundes Elbe-Elster.
"Wir vertreten mehr als 15 000 Mitglieder in 197 Vereinen und sind der Kreissportbund mit
dem höchsten Organisationsgrad und steigenden Mitgliederzahlen."
Detlev Leissner führt auch dann kaum zu bewältigende Entfernungen ins Feld. Zwar könnten
viele Fragen und Aufgaben mit Hilfe der neuen Medien erledigt werden. Diese ersetzten aber
nicht den persönlichen Kontakt und den Meinungsaustausch vor Ort, so der Vorsitzende.
Er macht eine weitere Rechnung auf: "197 Vereine im Landkreis, das bedeuten bereits heute
Fahrtstrecken von bis zu 90 Kilometern für eine einfache Strecke. Nach einer Gebietsreform
würden es im Extremfall bis zu 160 Kilometer sein", sagt er.
Der KSB Elbe-Elster kritisiert vor allem ein Papier des Landessportbundes Brandenburg
(LSB) mit Forderungen an die Politik nach einer erfolgten Kreisgebietsreform.
Fußball als negatives Vorbild
"Wir haben es mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, denn damit geht der LSB davon
aus, dass es eine Gebietsreform geben wird. Wir fordern den LSB aber auf, sich mit all
seinen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die geplante Kreisgebietsreform einzusetzen.
Denn diese Reform verschlechtert die Strukturen des organisierten Sports in den
großflächigen und bevölkerungsschwachen Kreisen in Brandenburg" so Leissner. Schon die
Neustrukturierung des Fußball-Landesverbandes Brandenburg und die damit verbundene
Reduzierung der Fußballkreise habe mehr Nach- als Vorteile mit sich gebracht, so Leissner.
Der Vorsitzende kündigt an, dass der Kreissportbund Elbe-Elster bereits auf seinem
nächsten Kreissporttag im Herbst die Weichen dafür stellen wird, dass der KSB Elbe-Elster
auch künftig unabhängig von den politischen Kreisstrukturen in seinen jetzigen
Organisationsstrukturen bestehen bleibt. Das sei möglich, auch wenn es wirklich zu einer
Gebietsreform kommen sollte, sagt er. Denn im Gegensatz zu den Fußballkreisen als
unselbstständige Verwaltungseinheiten des Fußball-Landesverbandes seien die
Kreissportbünde selbstständige eingetragene Vereine, die über ihre Organisationsstruktur
selbstständig entscheiden könnten. "Die Kreissportbünde sind freiwillige Mitglieder im LSB.
Der kann uns keine Weisungen erteilen", so der Vorsitzende.
Überzogene Forderungen
Detlev Leissner hält auch erste Vorstellungen des Landessportbundes für die finanzielle
Mindestförderungen des Sports in den künftigen Großkreisen für völlig überzogen. Diese
lägen weit über dem, was derzeit praktiziert wird. Zum Beispiel bei 10 Euro Vereinsförderung
pro Mitglied. In Elbe-Elster unterstütze der Landkreis die Vereine im KSB derzeit mit 1,20
Euro pro Mitglied. "Welcher Kreis soll diese Forderungen denn erfüllen können und wollen?
Schon heute bedarf es eines enormen Verhandlungsaufwandes und
Verhandlungsgeschicks, um eine realistische und für beide Seiten akzeptable Förderung des
Sports zu erreichen", sagt er. Im Elbe-Elster-Kreis funktioniere die Zusammenarbeit von
Kreisverwaltung, Kreistag und Sport gut.
Mit einer Kreisgebietsreform und neuen, größeren Kreissportbünden würden die Strukturen,
die sich über Jahrzehnte entwickelt und bewährt haben, ohne Not zu Grabe getragen,
befürchtet der KSB-Chef.
Birgit Rudow