Nigeria – auf einen Blick

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Nigeria – auf einen Blick
Nigeria – auf einen Blick
A. Eckdaten
Entfernung: Lagos ca. 6.700 km (90 Stunden mit dem Auto)
Lage: Nigeria ist ein Bundesstaat in Westafrika, der an Benin, Niger, Tschad und Kamerun grenzt. Es
ist das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas.
Größe: 925.000 qkm, 152 Mio. Einwohner, 165 Einwohner/qkm
BIP/Einwohner: 1.500 US-Dollar/Einwohner (Rang 134)
Sprachen: Gesprochen werden über 500 verschiedene Sprachen und Idiome. Amtssprache ist
Englisch. Weitere Amtssprachen sind Igbo, Yoruba und Haussa.
Religionen: In Nigeria besteht eine kaum überschaubare Vielfalt an religiösen Gemeinschaften. Eine
nigerianische Studie ermittelte Anteile von 50 Prozent Muslimen (vor allem im Norden) und 48 Prozent
Christen (im Süden), davon sind 14 Prozent Katholiken, 15 Prozent Protestanten und 20 Prozent
andere, meist Mitglieder evangelikaler und pfingstlicher Kirchen.
Bildung: Der Alphabetisierungsgrad in Englisch beträgt 53 Prozent (bei Männern 61 Prozent, bei
Frauen 45 Prozent). Es gibt eine neunjährige Schulpflicht vom 6. bis zum 15. Lebensjahr. Die
Einschulungsrate von 93 Prozent ist im Vergleich zu Nachbarstaaten relativ hoch. Dennoch besuchen
nur etwa 50 Prozent aller Kinder im Schulalter eine Schule. Vor allem in den Städten Lagos und Abuja
wächst die Zahl privater Bildungseinrichtungen, die versuchen, den Erwartungen der aufstrebenden
Mittelschicht gerecht zu werden. Allerdings befinden sich Schulen und besonders Hochschulen in
außerordentlich schlechtem Zustand. Hinzu kommen – als Folge ausbleibender Gehaltszahlungen –
die geringe Motivation der Lehrkräfte und die hohe Zahl an Streiks, weswegen der Unterricht oft
unterbleibt. In einigen Bundesstaaten des Nordens sind alle Schulen geschlossen. Hier finden sich nur
noch Koranschulen.
Gesundheit: Kranke, Arme und Alte sind auf Familienhilfe angewiesen, nur Regierungsbedienstete
kommen in den Genuss öffentlicher Fürsorge. Niedrige Einkommen, die schnell wachsende
Bevölkerung und die leere Staatskasse ließen alle Pläne scheitern, ein funktionierendes Gesundheitsund Rentensystem zu schaffen. Epidemien fordern unter der unterernährten und schlecht versorgten
Landbevölkerung oft Tausende von Opfern. Der Ebola-Ausbruch von 2014 konnte jedoch recht
schnell eingedämmt werden.
Die Trinkwasserversorgung ist wie in den Nachbarstaaten Niger und Tschad sehr schlecht. Zugang zu
sauberem Trinkwasser besitzt laut WHO nicht einmal jeder zweite nigerianische Bürger.
B. Zur aktuellen Lage
Laut einer Neuberechnung des Bruttoinlandsprodukts von 2013 ist Nigeria mit umgerechnet 372
Milliarden Euro die größte Volkswirtschaft Afrikas, gefolgt von der Republik Südafrika. Das
Wirtschaftswachstum ist für westafrikanische Verhältnisse sehr hoch, das Pro-Kopf-Einkommen aber
äußerst ungleich verteilt. Ein weiteres gravierendes Problem stellt die Korruption dar. Zudem ist die
Wirtschaft wenig diversifiziert und stark von der Rohölausfuhr abhängig.
Zu den florierenden Gebieten zählen die Millionenmetropole Lagos sowie neuerdings die Hauptstadt
Abuja. Da der Süden besser entwickelt ist, ziehen viele Menschen aus anderen Landesteilen dorthin.
Aufgrund der weiterhin grassierenden Korruption in Nigeria geht der wirtschaftliche Aufschwung an
der einheimischen Bevölkerung nahezu komplett vorbei. Betrug und Schmiergeldzahlungen sind bis
heute weit verbreitet: Nigeria liegt im Korruptionsindex 2010 von Transparency International auf Platz
134 von 178 Ländern.
Die politische Führung bereichert sich seit Jahrzehnten durch Korruption, während die
Bevölkerungsmehrheit verarmt: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in extremer Armut und muss
mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen. Wegen des hohen Bevölkerungswachstums
von fast 3 Prozent jährlich dürfte sich dieser Trend weiter verschärfen.
Die Sicherheitslage in Nigeria ist trotz der vergleichsweise stabilen politischen Lage kritisch. Während
im Norden islamistische Tendenzen, unterstützt von Saudi-Arabien und Sudan, weiter zunehmen und
die christlich-animistische Minderheit im Norden immer stärker bedrängen, gibt es im Süden des
Landes – vor allem im Nigerdelta – Probleme mit verschiedenen Befreiungsbewegungen, die den
dortigen Machthabern und Konzernen vorwerfen, die Gewinne aus den Erdölexporten ausschließlich
sich selbst zukommen zu lassen und die Natur durch die Ölproduktion zu zerstören.
Besonders grausam entwickelt sich der Terrorfeldzug der Sekte Boko Haram, die für einen
islamischen Gottesstaat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias kämpft. Seit dem Jahr 2009
tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 15.000 Menschen.
Mehr als eine Million Menschen sind durch Boko Haram in die Flucht getrieben worden. Unzählige
Kinder, Frauen und Männer sind entführt und viele als Kämpfer zwangsrekrutiert worden. Besonders
grausam gehen die Dschihadisten gegen Frauen vor: Die Kämpfer töten Nigerianerinnen, die zuvor
einen Dschihadisten heiraten müssen; Mädchen und Frauen werden zudem als Sklaven gehalten und
missbraucht. Kinder werden als „Kanonenfutter“ und als „menschliche Bomben“ eingesetzt. Das
nigerianische Militär wird im Kampf gegen Boko Haram mittlerweile von Truppen aus den
Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad unterstützt.
Die Situation der Häftlinge in den Gefängnissen ist nach Angaben von Amnesty International alles
andere als zufriedenstellend. Unmenschliche oder erniedrigende Behandlungen auf Polizeiwachen
und in Gefängnissen gehören zur Tagesordnung. Die Gefängnisse sind überbelegt. Aufgrund der
schlechten hygienischen Verhältnisse und mangelhafter Ernährung erkranken viele Insassen an
Tuberkulose und anderen schweren Infektionen. Daher ist die Sterblichkeitsrate in den Anstalten sehr
hoch. Folter und Misshandlung von politischen Gefangenen und auch von Straftatverdächtigen sind in
Nigeria eher die Regel als die Ausnahme. Die Opfer werden bereits bei der Verhaftung gefoltert oder
misshandelt.
Die Anzahl der Hinrichtungen in Nigeria ist nach wie vor hoch, speziell im Norden des Landes. Seit
1983 wurden über 1.200 Todesurteile vollstreckt. Im muslimisch geprägten Norden Nigerias kann die
Todesstrafe auch bei Minderjährigen angewandt werden, da dort seit der Jahrtausendwende das
islamische Recht, die Scharia, gilt.
Quellen: Wikipedia, Spiegel
R. Pausch, April 2015

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