von menschen und medien

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von menschen und medien
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ausgabe nr. 5 / mai 2003
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■ S O L I N O ■ B e r n e r Ta n z t a g e „ L a d a n c e c ‘ e s t l e p i e d “ ■ D i e g e s p r e n g t e E w i g k e i t
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...ensuite – und anderes...
Gere Zbinden
Grafik
Sandrainstrasse 3, 3007 Bern
031 311 13 33
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Kultur in Bern ist etwas wert. Nicht finanziell, aber sie ist bezahlbar und kann sich entwickeln. Das hat ensuite - kulturmagazin
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Foto links und Titelseite: Martin Bichsel
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Reklame........................................... 2
Editorial/ Ticker................................ 3
EDITORIAL
Ich bin froh, dass sich der Winter endlich aus dem Staub gemacht hat und sommerliche Düfte in der Luft hängen bleiben. Wurde auch Zeit. Der Mai bringt neuen Wind
und wir von der ensuite-Redaktion haben die Segel gesetzt. Die Debatte, wie wir
weiterfahren sollen, hat uns über viele Wege zurück zum Ursprung gebracht. Es
sind jetzt mehr Leute involviert, mehr Seiten und ein überarbeiteter Agenda-Teil
vorzufinden.
Der ANSAGER ist ersatzlos verschwunden und der BUND und die BZ sind momentan nicht in der Lage, ein neues Produkt nachzuliefern. Ich verstehe den Entscheid und finde es im Grunde auch richtig, dass die beiden Medienhäuser nicht
auf eigene Kosten, für eine Stadt, ein solches Magazin produzieren müssen. Das
Kulturleben und dessen Bewerbung ist Aufgabe einer Stadt und nicht die, von privaten Medien. Schon gar nicht, wenn es sich nicht ausbezahlt. In diesem Punkt
müsste sich die Stadt Bern mit dem Tourismusbüro ernsthaft überlegen, ob ihnen
an einer solchen Publikation etwas liegt. Der Wille ist da, das Geld fehlt – darin sind
sich alle einig. Wenn ich aber in die Runde schaue, so sehe ich mindestens 10 öffentliche Publikationen, die um die Gunst der AusgeherInnen werben. Vielleicht wäre
es an der Zeit, dass die Stadt Bern alle ProduzentInnen an einen Tisch holt und über
weitere Ziele debattiert. Eure Meinung interessiert uns dazu. Schreibt uns, was für
Bedürfnisse Ihr habt, was Ihr davon denkt und was für Euch eine echte Lösung
wäre. Einsenden an: [email protected] oder an die Postadresse.
Nicht diskutieren müssen wir über die Art und Weise, wie die Medienhäuser
den ANSAGER beendet haben. Es gibt wohl keine entwürdigendere und respektlosere Form. Wir zeigen die rote Karte und bekunden hier unser Bedauern für die
Kollegen, die jetzt auf der Strasse stehen.
Pocket of resistance......................... 4
Die gesprengte Ewigkeit................. 5
Theater: Casting in Kursk............... 6
Film: SOLINO................................... 7
Reklame............................................ 8
KULTURAGENDA......................... 9-12
BE-Jazz/ Cuong Vu Trio
Lukas Niggli Big Zoom................... 13
Berner Tanztage/ Füsse............ 14/ 15
La Cappella/ Rabenschlag.............. 16
20 Jahre Grünes Bündnis/ Timna
Brauer & Elias Meiri Ensemble...... 17
Rod MacDonald/ CD-Tipp............... 18
Von Menschen und Medien
Die Berner Lebensqualität............. 19
Lukas Vogelsang
Die letzte Seite .............................. 20
TICKER
impressum
ensuite – Kulturmagazin erscheint monatlich als Gratiszeitung. Auflage: 10‘000. Adresse: ensuite – Kulturmagazin; Sandrainstrasse 3; 3007
Bern; Tel. und Fax : 031 318 6050; mail: [email protected] Herausgeber: WE ARE – Verein Weltmusik in Bern Produktion: interwerk gmbh,
Bern Redaktion: Lukas Vogelsang (vl), Verena Endtner, Andrea Baumann,
Benedikt Sartorius, Camilla Landbø, Klaus Bonanomi (kb) Gestaltung:
Gere Zbinden; Sandrainstrasse 3; 3007 Bern; 031 311 1333 Fotos/ Bilder: Martin Bichsel; Franz Schwendimann; diverse zVg. Druck: Der Bund
Verlag AG Vertrieb: PGB; Bern Redaktionsschluss ist jeweils am 18.
des Vormonates. Die Redaktion ensuite ist politisch, wirtschaftlich und
ethisch unabhängig und selbständig. Die Texte repräsentieren die Meinungen der Autoren/innen, nicht jene der Redaktion. Copyright bei WE
ARE - Verein Weltmusik in Bern.
Diese Ausgabe wurde freundlicherweise unterstützt von
U
nter dem Namen IG POP hat sich
eine Interesse-gemeinschaft für
die Förderung einer vielfältigen und lebendigen Popmusiklandschaft gebildet. Nach ihren eigenen Angaben haben sie bereits erwirkt, dass die Sendung “SOUNDS” wieder auf DRS3
ausgestrahlt werden soll. Es besteht
also Hoffnung, dass die Radioszene
Schweiz wieder etwas musikalische
Qualität im Programm zu führen beginnt. Weitere Informationen dazu im
Internet: www.igpop.ch.
Eine interessante Podiumsdiskussion mit dem Thema “Welche Museen brauchen wir?” lässt aufhorchen.
Am Dienstag, 13. Mai 2003 (20.00 Uhr)
im ehemaligen Hotel Bellevue Thun,
wird über das Interesse von Publikum
und Öffentlichkeit, Ansprüche und
Wünsche von KünstlerInnen debat-
tiert. Wie können die bestehenden
Institutionen ihren Auftrag erfüllen
und welche neuen Museen sind
wünschenswert? Es diskutieren:
Hans-Peter von Däniken (Tages-Anzeiger), Dr. Matthias Frehner (Kunstmuseum Bern), Franz Gertsch
(Künstler), Madeleine Schuppli
(Kunstmuseum Thun). Interessant
ist diese Diskussion speziell nach
der ersten erfolgreichen Museumsnacht in Bern (März 2003).
Ein kleiner Lapsus ist in der letzten Ausgabe im Ticker gedruckt worden: So ist der neu gewählte Kultursekretär der Stadt Bern, Christoph
Reichenau, nicht der ehemalige Direktor des Bundesamtes für Kultur,
sondern nur der stellvertretende
Direktor. Wir freuen uns trotzdem.
(vl)
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ANDREA BAUMANN
„ P O C K E T O F R E S I S TA N C E “
Container vor dem Burgtheater in Wien
Hinkommen, Zuhören, Mitreden!
D
er seit längerer Zeit befürchtete
Irakkrieg brach aus. Die Informationsfluten schwappten in alle Richtungen über. Die ganze Palette wurde
angeboten von farbigen, spektakulären Bildern einstürzender Bomben
über dem Himmel Iraks, über
Expertendiskussionen und Hintergrundberichten. Eine intelligente Alternative hat sich das Burgtheater in Wien
ausgedacht. Auf Initiative des Ensembles wurde eine Aktion zum Irakkrieg
ins Leben gerufen. Seit dem 31. März
steht vor dem Burgtheater ein Baucontainer mit dem Titel „POCKET OF
RESTISTANCE“, wo täglich Vorträge
von Fachleuten und Ensemblemitglieder gelesen werden. Ziel ist
nicht die täglichen Ereignisse zu diskutieren, sondern Fragen aufkommen
zu lassen, die im Anschluss des jeweiligen Vortrages, beantwortet und diskutiert werden und den Interessierten,
die komplexen Sachverhältnisse im
Nahen Osten veranschaulicht und die
kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeichnet. Im Vordergrund steht das Bedürfnis, sich gemeinsam über historische, kulturelle,
politische und rechtliche Voraussetzungen und Hintergründe zu informieren. Ethnologen, Historiker, Orientalisten und Medienwissenschaftler geben in kurzen Vorträgen und Diskussionsrunden über diese Aspekte der derzeitigen Vorgänge Auskunft. An einigen Abenden lesen die Ensemblemitglieder klassische und aktuelle Texte vor und diskutieren mit dem Publikum. Auch diese Abende stehen im
Zentrum, sich gemeinsam über die
Situation im Orient Gedanken zu machen und Erfahrungen und Eindrücke
auszutauschen - demnach den interaktiven Informationsfluss zu aktivieren
und nicht den herkömmlichen Einbahnweg zu konsumieren.
Es herrscht immer noch Krieg in
Irak. Praktisch jeder Wienbesucher
wird einmal am Burgtheater vorbei
kommen, weil er einen Theaterbesuch
geplant hat oder weil er die imposante Bauart des Burgtheaters und des gegenüberliegenden Rathauses bestaunen will. In dieser Tage steht vor dem
Burgtheater (Landtmannseite) ein Container, der nicht zu übersehen ist. Mancher mag sich fragen, was für Arbeiten getätigt werden, wird aber erkennen, dass keine Baumaschinen noch
Bild: zVg.
sonstiges Werkzeug vorhanden sind.
Plakate und ein Transparent erklären
den Container als temporärer Begegnungsort und lädt interessierte Passanten ein.
An diesem Abend war der Universitätsprofessor für Sozial- und Kulturanthropologie, Prof. Dr. phil. André
Gingrich, von der Universität Wien, zu
Gast. Zur Einstimmung auf das Thema spielte der Musiker Ashir Mirzo ein
traditionelles Stück vor. Mit angenehm
ruhiger Stimme, den Blick zunächst
noch auf das kleine schwarze Notizheft
gesenkt, erklärte Dr. André Gingrich
dem Publikum in verschiedenen Etappen, wie sich die orientalischen Herrschaftsformen bildeten und wie sie
sich entwickelten. Beginnend mit der
Aussage, dass Herrschaften auch gut
sein können, wie wir dies aus der toskanischen Zeit der «guten Herrschaften» kennen, wurde dem Teilnehmer
bewusst, dass wirklich immer beide
Seiten der Medaille betrachtet werden
müssen, um eine möglichst objektive
und somit auch konstruktive Meinung
zu erlangen. Diese Äusserung diente
auch der Entschärfung der simplen
Aufteilung in gut und böse.
Ein weiteres Thema waren die
Familienformen, oder in unserer Terminologie eher benannt als Sippen,
und wie diese funktionieren und regieren. Da es sich bei diesen Konstellationen nicht um Regierungen handelt,
die auf einem Verwaltungsprinzip aufgebaut wurden, ist die manchmal dar-
aus resultierende Willkür schwer zu
verhindern. In diesem Zusammenhang
war auch die Jurisprudenz in den orientalischen Länder ein Themenschwerpunkt, der Unerkanntes erschliessen konnte. Die patriarchalisch
geprägte Gesellschaft, evozierte vor allem bei den Teilnehmerinnen einige
Fragen. Unter Berücksichtigung der
derzeitigen Situation, wollte das Publikum vor allem Einschätzungen über
den Verlauf des Krieges, wie es genau
soweit kommen konnte, auf was für
eine Zukunft der Irak hoffen kann und
ob es den Nachbarländern des Iraks
ähnlich ergehen wird, erhalten.
Besonders reizvoll an diesem Projekt ist der ausgewählte Standort. Ein
offener Platz, der allen zugänglich ist
und der keine Schwellenangst aufkommen lässt; also nicht ein Zimmer in einer grossen, verwinkelten Universität
oder in einer Hinterstube. Dies garantiert auch eine Publikumsvielfalt in der
Art, dass eine in Pelz gekleidete Dame
neben einem Studenten auf der Holzbank Platz nimmt oder eine Besucherin aus der Schweiz neben einem Iraker sitzt. Diese einzigartige Atmosphäre ermöglicht auch, dass kaum Debatten entstehen, sondern vielmehr Informationen ausgetauscht werden. Diese geistreiche Idee lohnt sich zur Nachbildung.
Im Vordergrund
steht das Bedürfnis, sich gemeinsam über historische, kulturelle,
politische und
rechtliche Voraussetzungen und
Hintergründe zu
informieren.
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VERENA ENDTNER
Die
g e s p r e n g t e
Ewigkeit
“Es ist die
Gleichmässigkeit
ihrer Struktur und
die Stärke des Zusammenhaltes die
mich ansprechen.”
I
n einer geräumigen Lagerhalle im
ehemaligen Brauereiareal in Wabern: der linken Wand entlang drei abgewetzte Ledersessel, im Hintergrund
lange Sitzbänke, rechts, auf dem gekachelten Boden, wie überdimensionale Wollknäuel, Reste der nicht verwerteten Expo.02-Ankerketten, in drei
Haufen geordnet. Der Geruch von geschweisstem Eisen hängt in der Luft
und orange-roter Eisenstaub liegt in
einer fleckigen Schicht auf dem Boden.
Im Hof draussen hört man den Putzwagen seine Runden fahren; tonnenschwere Plastiken werden mit einem
Gabelstapler umgestellt und möglichst
effektvoll positioniert - letzte Vorbereitungen zur Vernissage “Expo.02 Ankerketten” von Marianne Lutz und Adrian Bütikofer. Vernissage und zugleich
Finissage: Finissage einer 6-monatigen
Zusammenarbeit der beiden Künstler
und Vernissage der 8 EisenplastikSkulpturen, die aus 800 Meter Expo.02Ankerketten der Arteplage Murten hervorgegangen sind. Ein Gesamtgewicht
von 20 Tonnen.
Das Motto der Arteplage “Augenblick und Ewigkeit” in ihren Plastiken
aufnehmend, haben die beiden Künstler in enger Zusammenarbeit aus Skizzen, kleine Modelle im Massstab 1:6
entwickelt. Bei der Umsetzung wurde
bewusst auf Fremdbestandteile verzichtet. Technische Probleme mussten
gemeistert, verschiedene Schweisstechniken erprobt und den Umgang
mit dem Gewicht der Ketten, unter Einbezug eines Krans, erlernt werden. Die
Transformation vom kleinen Modell
zur knapp 2 Meter grossen Eisenplastik
ist geglückt. Die Form hat Bestand. Sie
braucht den Raum.
“Ketten haben mich schon immer
fasziniert”, sagt Adrian Bütikofer,
Eisenplastiker aus Dieldorf/ZH. “Es ist
die Gleichmässigkeit ihrer Struktur
und die Stärke des Zusammenhaltes
die mich ansprechen.” Die Beständigkeit, die Monotonie des sich Wiederholenden wird jedoch in den Werken
aufgebrochen – Augenblick und Ewigkeit - Ketten, die gesprengt werden, im
Moment der Entzweiung dargestellt,
der Faltenwurf eines Tuches, im Moment des Falls eingefroren.
Der Anstoss zur Zusammenarbeit
der beiden Künstler kam von Marianne Lutz. Via E-Mail fragt sie Adrian
Bütikofer an, ob er Interesse an dem
Kettenprojekt habe. Intensive Auseinandersetzung zwischen ihm und Marianne folgten. Die umgesetzten Lösungen sieht Bütikofer dabei nicht als
Kompromiss ihrer beiden Ideen, im
Gegenteil: ”Durch die gemeinsamen
Diskussionen und die unterschiedliche
Betrachtungsweise ist eine Qualitätssteigerung entstanden, die Verschmelzung zweier Ansichten in einem Objekt”. So sind auch die Skulpturen
nicht klar dem einen oder anderen
Künstler zuordenbar.
Für Bütikofer ist das Kettenprojekt
in der Form abgeschlossen. Entwicklungsmöglichkeiten sieht er aber direkt
am Bau: Ketten, die über Fassaden herunterhängen, verbindende Kettenmuster zwischen einzelnen Gebäuden,
Bilder, durch verschiedene Kettenschichten übereinander.
Ketten als Verbindung: je stärker
die einzelnen Kettglieder miteinander
verbunden sind, umso sicherer die
Kette und desto stabiler die Gesellschaft.
Bild: zVg.
Expo02-Ankerketten
Plastiken von Marianne Lutz und
Adrian Bütikofer
bis Anfang Mai in der Brauerei zum
Gurten, Gebäude 25,
3084 Wabern-Bern.
Danach bei Weiss & Appetito AG,
Kerzers.
Infos unter:
www.eisenartiges.ch
www.adrian-buetikofer.ch
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CAMILLA LANDBØ
Casting in Kursk
Ein Theaterstück von Alexander Galin
„Drade mein Leben verändern“, sagt
ieses Theaterstück wird nicht ge-
zu mir mein Kollege Frank, der mich
zur Aufführung begleitet hat, „aber gut
fand ich es dennoch.“ Ja, da gibt‘s ein
gemischtes Gefühl, wenn man aus der
Vorstellung rauskommt und dann im
Entrée der Schauspielschule bei einem
Gläschen Wein übers „Casting in
Kursk“ plaudert. Es ist das Gefühl eine
gute Geschichte gesehen zu haben, die
Einblick in das Leben im Osten und in
Castings zeigt. Teils ist es witzig dargestellt – sehr witzig. Zugleich ist aber
das Gefühl da, dass es einige Szenen
hatte, die zu lange dauerten. Solche,
die sich von Zeit zu Zeit ein wenig im
Kreise drehten. „Ich habe manchmal
gedacht, so jetzt könnte mal was Neues kommen“, fährt Frank fort, „Es hatte zwischendurch ein paar Hänger.“
Fünf russische Frauen. Diese haben
durch einen Aufruf erfahren, dass ein
Japaner im Kino Kosmos in Kursk ein
Casting veranstaltet. Ein Casting, wo
junge Frauen gesucht werden für – so
wird’s zu Beginn gesagt – eine künstlerische Arbeit bestehend aus Tanz und
Gesang in Japan. Denn Russinnen sind
Bild: zVg.
in Asien Mode. Fünf Frauen sind es,
die gemeinsam im zu kalten Wartesaal des Kinos hineingesetzt werden.
Ein lustiges Sich-Näher-Kennenlernen fängt an. Die einen haben sich mit
rosa Miniröckchen oder silbernen
Hochplateaustiefeln aufgedonnert,
andere versuchen ein wenig dezenter zu sein mit einem „unsexy“ Ganzkörper-Gymnastikkleid. Als dann
noch die alkoholisierte Mutter zweier
Bewerberinnen reinplatzt, ist die
Frauencrew komplett. Jedoch erfahren die aufgeregten Frauen schon
bald mal, dass sie nicht zu den erwünschten Bewerberinnen gehören.
Denn erstens suchen die Japaner
sehr junge Frauen und zweitens Unverheiratete. Dabei erfahren sie auch,
dass die Gecasteten nicht nach Japan
sondern nach Singapur geschickt
werden. Wo liegt Singapur? Was werden wir dort arbeiten? Eine fragt dann
auch: „Müssen wir uns im Badekleid
vorstellen?“ Jede ahnt, dass es sich
hier um mehr, als nur um eine Arbeit
im „künstlerischen Bereich“ handelt.
Trotz allem, die Frauen wollen sich
eine Absage nicht gefallen lassen, re-
spielen Handharmonika. Nur die zwei jüngsten Frauen, die
Wolkowa-Schwestern wissen, dass hier etwas Anderes gefragt
ist. Sie lassen die Hüllen fallen und tanzen lasziv zu moderner
Musik. Ihre Mutter, die zuschaut, ist entsetzt. In dieser Szene
kommt dann auch die Tragik solcher Castings gut zum Vorschein. Wie dessen Bewerber oder Bewerberinnen sich verkaufen und bis zum Äussersten gehen, um aufgenommen zu
werden. Wie deren Gefühle zwischen Scham und Gewinnenwollen pendeln. Alles aus der Hoffnung heraus auf ein besseres Leben.
Schön an der Frauencrew, ist deren Zusammensetzung.
Das heisst: Die Charakteren sind teils derart unterschiedlich,
dass sie aufeinanderprallen müssen – von konservativ, verklemmt bis zu offen, sexualisiert. Und trotzdem, da sie im selben Boot sitzen, verzweifelt sind, raufen sie sich zusammen.
Und trinken von Zeit zu Zeit einen Wodka. Werden dabei betrunkener und betrunkener. Sie philosophieren über Männer
und über den Westen. Nina Karnauchow, die Konservative,
findet, dass im Westen alles kalt und leer ist. „Aus jedem Fenster schaut dich ein Transsexueller an.“
Der Japaner, gespielt von Gastschauspieler Jong Park aus
Korea, sieht sich die ganze Szenerie mit Geduld an. Sein Übersetzer Albert, ein russischer Student, kann kaum fassen, wie
hartnäckig diese Frauen sind. Verliert ihretwegen fast die Nerven. Und spätestens jetzt erfährt jeder und jede, dass „der
kleine Samurai“ eigentlich Frauen für seinen Nachtclub sucht.
Szenenwechsel: Drei Ehemänner tauchen auf. Betupfte,
tiefst beleidigte Männer, die nicht wahrhaben können, dass
sich ihre Frauen für solch eine Sache hingeben wollen.
„Scheissweiber“, meint Wassili, „Was
seid ihr für Frauen“. Besoffen will dieser mit Fäusten Ordnung schaffen. Sein
gesitteter Leidenskumpane versucht ihn
zu beruhigen und in eigener Sache Haltung zu bewahren. „Wassili habe ich
sehr überzeugend gefunden“, sagt
Frank.
Von da an, wo die Männer auftauchen, fängt eine neue Diskussion an.
Wieso wollen die Frauen gehen? Was
fehlt ihnen in Kursk? Wieso sollten die
Ehemänner – denn das müssten sie –
das Ja-Wort zu diesem Irrsinn geben?
Das ist dann auch der Abschnitt des
Stückes, wo es für den Zuschauer ein
wenig langwierig wird. Wo man an dramatischen Ausdrücken und Situationen
übersättigt ist. „Wo“, wie Frank es sagt,
„es schneller vorwärts gehen dürfte.“
bellieren, trinken Wodka und weigern
sich nach Hause zu gehen. Sie rebellieren so lange bis der Japaner – „kleiner Samurai“ nennen sie ihn – auftaucht. Und endlich: Sie dürfen ihre
Künste vorführen.
„Das war sehr lustig“, sagt Frank lachend, „insbesondere diejenige im
Gymnastikkleid, die war super.“
Die Frauen geben alles: Zeigen
Zauberstücke, singen, tanzen oder
Ende der Geschichte: Junge, sexy Frauen werden aufgenommen. Die anderen kehren zu ihren Männern zurück.
Aus dem russischen von Susanne Rödel; Regie: Rudolf Koloc
Besetzung: Abschlussklasse der Schauspielschule
Spieldaten: 1./ 2./ 3./ 9./10./11./14./15. und 16. Mai,
jeweils um 19.30 Uhr
Hochschule für Musik und Theater
Grosse Halle; Sandrainstr. 3; 3007 Bern
7
CAMILLA LANDBØ
S O L I N O
E
Ankunft: Duisburg.
Was soviel heisst
wie Stahlwerke,
Kohlegruben und
Schnee – und eine
heruntergekommene Wohnung
mit Klo auf dem
Flur.
in nettes Bild: Gigi (Barnaby
Metschurat) liegt mit der Nachbarstochter Jo im Bett, umarmt sie, daneben sein Bruder Giancarlo (Moritz
Bleibtreu), der es kaum lustige findet
und sich nervt, denn auch er ist in sie
verliebt.
Es ist eine der typischen Situationen dieser zwei italienischen Brüder.
Sie lieben sich und konkurrieren sich.
Giancarlo hat es – wohl bemerkt – nicht
sehr einfach mit Gigi als Bruder. Denn
Gigi ist von klein an, der süsse Junge,
der stets als etwas Spezielles auffällt
und schon als Knirps weibliche Herzen
einnimmt. Giancarlo steht immer ein
bisschen hinter ihm – ist neidisch. Er
will dessen Freundin, dessen Erfolg,
dessen Karriere und dessen Träume.
Die Geschichte beginnt 1964 in Italien im Dorfe Solino. Ein romantisches
Dorf, wo „i bambini“ auf der Strasse
und „i vecchi“ in kleinen Cafés Karten
spielen. Ein urtypisches italienisches
Leben mit Pasta und gestikreichen
Gesprächen. Als jedoch der Opa von
Gigi und Giancarlo nach längerem Leidensweg stirbt, ist dies für die Familie
Amato das endgültige Zeichen als
Gastarbeiter nach Deutschland aufzubrechen.
Ankunft: Duisburg, was soviel
heisst wie Stahlwerke, Kohlegruben
und Schnee – und eine heruntergekommene Wohnung mit Klo auf dem
Flur. Nachdem der Vater Romano nach
einem einzigen Arbeitstag in der Kohlegrube kündigt, ist die schlechte Stimmung komplett.
Die Einwandererfamilie weiss sich
jedoch zu helfen und eröffnet die erste Pizzeria „Solino“ im Ruhrgebiet.
Rosa kocht in der Kellerküche,
Romano, Gigi und Giancarlo servieren.
1974: Wilde Partys, kiffen, Autos,
saufen, sinneserweiternde Drogen –
das übliche Leben rebellischer Jugend.
Gigi und Giancarlo hauen kräftig auf
den Putz bis der Vater sie aus der Wohnung wirft.
Die Geschichte zeigt auf eine gefühlsvolle und realistische Weise das
Leben von Einwanderer. Wie diese sich
eine Welt aufbauen – eine Insel – zwischen zwei Kulturen. Die Frage „Wo ist
meine Heimat?“, beantwortet jeder
einzelne der Amatos schliesslich anders. Nach einem Eklat fällt die Familie auseinander. Gigi bringt seine Mutter zurück nach Italien, Giancarlo und
der Vater bleiben in Deutschland. Es
ist ein leidenschaftlicher Film, bei welchem sein Betrachter oft wieder an
sein eigenes Leben erinnert wird.
Kennt nicht jeder das Gefühl der ersten Verliebtheit? Oder wenn man
müde an einem Tisch sitzt und an einem dicken Joint zieht? Oder wenn
man als Kind einen hinter die Löffel
bekommt, weil man Mist gebaut hat?
Der zweistündige Film führt durch viele
Phasen eines Menschenlebens. Dem
Regisseur Fatih Akin gelingt es, eine
Nähe aufzubauen und witzige Situationen zu schaffen. Die Aufnahmen sind
durchaus schön, teils in Italien gedreht.
Bilder: SOLINO; zVg.
Filmstart: Ende Mai 2003
8
K U L T U R A G E N D A
JAZZ
Freitag, 2. Mai
Sureste Tango Trio
Musikalisches Strandgut der iberischen, kreolischen und osteuropäischen Emigranten - Musik aus argentinischen Kaschemmen, Bordellen und
Variétés, ein entrümpelter, moderner
Tango.
Dampfzentrale Musikkeller/ 21.00 Uhr
Samstag, 3. Mai
Donat Fisch Quartett
In diesem Quartett haben vier markante Persönlichkeiten zusammengefunden, um einen ehrlichen, modernen
Jazz mit Ecken und Kanten zu spielen.
Dampfzentrale Musikkeller/ 20.00 Uhr
Sonntag, 4. Mai
Sylvain Luc Trio SUD
In Frankreich gilt er als einer der ganz
grossen Jazz-Gitarristen : Silvian Luc
füllt in Paris, Strasbourg und Cannes
die grossen Hallen. Das Konzert verspricht Brillanz.
Dampfzentrale Musikkeller/ 20.00 Uhr
Montag, 5. Mai
Jazz am Montag: Les cinq lascars
Swiss Jazz School Schüler melden sich
als „The new guys on the block“. Die
Besetzung verspricht Talent (zum Beispiel mit Colin Vallon am Piano!)
Dampfzentrale Musikkeller/ 20.15 Uhr
Samstag, 10. Mai
Cuong Vu Trio
Trompeten-Jazz, der die Gruppe selber
als „free Funk meets Zen“ bezeichnet.
Funk-Grooves mit Ambientklängen –
erinnern irgendwie an die unheimlichbedrohliche Welt von David Lynch...
Dampfzentrale Musikkeller/ 21.00 Uhr
Samstag, 10. Mai
Sägewerk.01 – Aliens in Paradise
Der Berner Elektro-Geigenvirtuose
Martin Abbühl und eine funkige Band
taufen nach 2 Jahren kontinuierlicher
Entwicklung und Konzerten ihre neue
CD, eben jene der Aliens...
Mühle Hunziken/ 21.00 Uhr
Sonntag, 11. Mai
Lucas Niggli Big ZOOM
ZOOM ist Jazzcombo, Kammermusikensemble und Rockband in einem. CDTaufe.
Dampfzentrale Musikkeller/ 20.00 Uhr
Sonntag, 11. Mai
new jazz – new music
Eine Gruppe von jungen Musikerinnen
und Musikern zwischen 6 und 16 Jahren, unter der Leitung von JalaluKalvert Nelson, präsentiert Eigenkompositionen und Stücke von
Ellington, Davis und Zawinul.
Sous le pont/ 13.00 Uhr
Donnerstag, 15. Mai
Doppelkonzert:
3 Basses Hits & Da geht die Strasse gehen die Leute
Zum 30. Todestag von Ingeborg Bachmann hat WIM ein interessanter
Abend organisiert. Drei Kontrabässe
und eine Frauenstimme, als Antwort
interpretieren 2 Sprecherinnen mit
zwei Stimmen einige Zeilen aus „Das
Buch Franza“.
Dampfzentrale Musikkeller/ 20.00 Uhr
Freitag, 16. Mai
UpTown BigBand
UpTown BigBand – the Original – goes
DownTown
Dampfzentrale Musikkeller/ 21.00 Uhr
Freitag, 23. Mai
Anna Kurz & Benedikt Vetter
Musik eines ungewöhnliches Duos
und erst noch eine Plattentaufe. Balladen, Miniaturen, Klangmalereien und
Stimmungen. E-Gitrarre und Querflöte – zwischen Jazz und Neuem...
Bild: Lucas Niggli; zVg.
Freitag, 23. Mai
Martin Streule Jazz Orchestra
Mit Intelligenz und Fingerspitzengefühl
gestalten die Musiker neue,
kontemporäre Dimensionen des Big
Band Jazz auf. Das neue Programm
heisst „Water“.
Dampfzentrale Musikkeller/ 21.00 Uhr
9
Samstag, 24. Mai
Giancarlo Nicolai
“electric guitar story no 2”
Nach dem erfolgreichen Auftakt der
Berner Gitarrengiganten am BeJazzWinterfestival 2002, geht das Klangspektrum der fünf Stromgitarren und
Rhythmusgruppe in die zweite Geschichte. Feinste Musikerbesetzung!
Dampfzentrale Musikkeller/ 21.00 Uhr
Montag, 26. Mai
Jazz am Montag:
SJS Orchestra – Surprise Night
Bei diesem Überraschungskonzert
wird nur die Leitung (Bert Joris) bekannt gegeben... Aus der Swiss Jazz
School Performance Series.
Dampfzentrale Musikkeller/ 20.15 Uhr
Donnerstag, 29. Mai
Doppelkonzert:
Trio WWW & Codons
Sicherlich ist improvisierte Musik nicht
jedem verständlich. Dieser Abend
könnte aber eindrücklich den Horizont
erweitern. Interessante Instrumente,
Musiker und vor allem die Kombination von all dem...
Dampfzentrale Musikkeller/ 20.00 Uhr
Samstag, 31. Mai
Pedro Javier Gonzalez Trio
Javier Gonzalez (g) hat zwei Musiker
in sein Trio geholt, die mit ihm die Liebe zum Flamenco, Jazz und brasilianischen Musik teilen.
Dampfzentrale Musikkeller/ 21.00 Uhr
KLASSISCHE MUSIK
Freitag, 2. Mai
Die Freitagsakademie:
„...das Herz des Menschen anzusprechen„
J. Fiedler, K. Suske, M. Simarro, V.
Shestakov, A. Torgersen, B. Maurer, R.
Bonavita, M. Würsch, spielen Werke
von Mozart und Boccherini. Davor Bildbesprechung durch Dr. Marc Fehlmann.
Kunstmuseum Bern/ 19.30 Uhr
Reservation: 031 311 54 77
Sonntag, 18. Mai
Werke von Claude Debussy
& Songs von George Gershwin
Zwei sehr unterschiedliche Komponisten an einem Abend – der Vergleich
klingt spannend.
Haberhuus Köniz/ 17.00 Uhr
10
MUSIK DIVERSES
Freitag, 2. Mai
GUZ & die Avarells
GUZ erinnert anscheinend an Udo
Lindenberg, mit dem feinen Unterschied, in Würde und ohne Peinlichkeit zu altern. Die Avarells ist die Begleitung (g, b, kb, dr).
CAFE KAIRO/ 21.00 Uhr
Samstag, 17. Mai
Peña Flameca los caracoles:
Ricardo Espinosa y su grupo
feat. Leonor Moro
Könnte durchaus das Highlight dieser
Konzertserie werden! Power-Flamenco mit Power-Besetzung...
Dampfzentrale Musikkeller/ 21.00 Uhr
2. & 3. Mai
zapzarap auf Gartenfahrt
A-Cappella frech, bluesig, zum Heulen,
spannend und scheu. Ein einzig andersartiges A-Cappella-Programm mit
Schweizer Lieder.
Kellertheater Katakömbli/ 20.15 Uhr
Montag, 19. Mai
Jazz am Montag:
Simon Fankhauser Quartett
Swiss Jazz School Studenten mit dem
Trompeter Daniel Woodtli – der Abend
verspricht nicht nur...
Dampfzentrale Musikkeller/ 20.15 Uhr
Freitag, 5. Mai
Rod MacDonald
Ein bemerkenswerter Singer-/Songwriter aus dem Herzen der Greenwich
Village Szene mit neuer Heimat Florida und einer wunderbaren Begleitung.
Mehr dazu auf Seite 18.
Mahogany Hall/ 21.00 Uhr
Donnerstag, 22. Mai
tandem tinta blu
Liebeslieder usw. Musik und Geschichten aus dem Mittelmeerraum und vom
Weg dorthin. Eine der wohl wertvollsten Juwelen der Theater und
Kleinkunstszene!
Villa Bernau/ 21.00 Uhr
Freitag, 9. Mai
Rita Chiarelli
Eine gewaltige kanadische Blues- und
Rockstimme von einer Frau, die über
ihre eigene Geschichte singt und deswegen mit einer intensiven Offenheit
überzeugt. (CNC-Bluesaward 2002)
Bären Buchsi/ 21.30 Uhr
Samstag, 24. Mai
Timna Brauer & Elias Meiri
– Musik für den Frieden
Im Rahmen der Jubiläumsfeier der
Grünen Partei Schweiz, ist dieses Konzert der Höhepunkt des Anlasses. Mehr
Infos dazu in dieser Ausgabe.
Theater National/ 21.00 Uhr
Freitag, 9. Mai
30 Jahre Stiftung Terra Vecchia
Das schweizweit grösste Sozialwerk im
stationären Suchtbereich macht ein
alkoholfreies Fest. Eine Nacht, die aber
bestimmt süchtig macht: Shoppers,
MO*, Juice & DJs Diferenz, Girl %
Boba Fett. Klar das wir alle dabei sind...
Dampfzentrale Kesselhaus/ 20.30 Uhr
Sonntag, 25. Mai
World Woman Voices:
Kamilya Jubran
Die palästinensische Sängerin und
Oud-Spielerin beschreibt in ihrer Musik die verschiedenen Stationen Ihres
musikalischen Werdegangs. Das Programm heisst deswegen „Stationen
einer Palästinenserin“.
Soul le pont/ 21.00 Uhr
Samstag, 10. Mai
Dänu Brüggemann
Sympathische Lieder vom Berner Liedermacher in seinem neuen Programm „Bschysse gilt...!“ Gitarre,
Stimme und verwegene Texte...
Bäre Buchsi/ 21.30 Uhr
Sonntag, 11. Mai
Tonight & Only
Wädi Gysi und Michael Morris bewegen sich als Duo zwischen Weltmusik
und Impro. Akustische Miniaturen und
rhythmische Kapriolen.
CAFE KAIRO/ 20.00 Uhr
Mittwoch, 28. Mai
Blast
Normalerweise tourt die Gruppe durch
USA und Japan. Jetzt machen sie einen Zwischenhalt in KAIRO. Ein Avantgarde-Rock-Quartet mit einen neuen
Album.
CAFE KAIRO/ 21.00 Uhr
THEATER/ PERFORMANCE
3./ 4./ 10./ 11. Mai
PAFF Theater:
Amor, Venus & Koller
Ihr Arbeitsort ist der Hypothalamus,
das oberste Steuerorgan zwischen
Körper und Hirn. Sie schalten Emotionen, walten mit Hormonen und lenken
„ihren Mann“ quer durch den Tag.
Theater Remise/ SA 20.00 Uhr;
SO 17.00 Uhr
4. – 6. Mai
Lesculesuroses: Game Over
Ein Projekt der Hochschule für Theater. Ein Stück Familie, die Familie als
Schlachtfeld und das Schweigen für
die Liebe.
Schlachthaus Theater/ 20.30 Uhr
8./ 10. und 11. Mai
Antischublade aus Raum 33:
Revolution
Zwei Männer erklären die Welt: Hauptsache beim Reden flexibel zu bleiben
und ganz nebenbei an weibliche Geschlechtsteile zu denken...
Schlachthaus Theater/ 20.30 Uhr
11. Mai bis 27. Juni
Rose Bernd
Ein Kaff, religiös und moralisch dominiert, eine Frau, die am falschen Ort
geboren, zum hoffnungslosen Objekt
einer Gesellschaft wird. Eigentlich
wollen alle nur das Beste... Ein Stück
von Gerhard Hauptmann, Musik von
Simon Hostettler.
Stadttheater Bern/ 19.00/ 19.30 Uhr
13. Mai – 5. Juni
Martin Walser – Der Abstecher
Hubert besucht Frieda, seine ehemalige Geliebte. Liebesbeziehungen hören
nie auf, immer bleibt ein kleiner Rest
unaufgearbeiteter Gefühle. Doch Frieda ist nun mit Erich verheiratet. Eine
knallharte Diskussion entbrennt. Die
Absichten der drei undurchsichtigen
Personen liegen nicht auf der Hand
und so nimmt der Besuch eine völlig
unerwartete Wendung.
Theater an der Effingerstrasse
DI – SA 20.00 Uhr; SO 17.00 Uhr
15. - 17. Mai
Jugendtheaterclub U18:
Texteile fehlen
Vierzehn Girls – tot oder lebendig –
werden berühmt. Rollentausch, wenn
die Identität nicht gefällt. Waschen,
schleudern, ausgewrungen und
hübsch weichgespühlt.
Schlachthaus Theater/ 20.30 Uhr
11
Donnerstag, 22. Mai
SPOT: Theater Zamt & Zunder:
Cowboy, Cowboy
Ein Theaterstück über Gewalt (ab 14
Jahren). ...da taucht unvermutet der
Held auf und das Duell zwischen Gut
und Böse beginnt. Der Held wird dabei genauso kritisch betrachtet wie der
Schurke.
Dampfzentrale Kesselhaus/ 20.30 Uhr
Samstag, 24. Mai
Montag, 26. Mai
SPOT: Junges Theater Basel:
Held der westlichen Welt
Christian hat seinen Vater erschlagen
und befindet sich auf der Flucht.
Überraschenderweise bewundern
Fremde seine Tat und er glaubt
schliesslich selber an sein Heldentum.
Dampfzentrale Kesselhaus/ SA 20.30
Uhr; MO 10.30 und 14.00 Uhr
Mittwoch, 28. Mai
TAP: Theatersport
Theater am Puls ist seit Februar 2001
eine Improvisationstheatergruppe aus
Bern. Verschiedene Theaterformen
treffen auf ein miteiferndes Publikum.
Spannende neue Bühneneroberung.
Schlachthaus Theater/ 20.30 Uhr
DIVERSES
Freitag, 2. Mai
RAUM - Eröffnungsvernissage
Die Geschichts- & Kulturwerkstatt Bern
hat einen RAUM im Breitenrain und eröffnet ihn mit der Ausstellung von Fritz
Sauter (Drucker, Gestalter und Autor –
prix suisse 2002).
RAUM/ 18.00 Uhr
(Militärstrasse 60, 3014 Bern)
Freitag und Samstag, 2./ 3. Mai
Spiegelbild und Schatten
Herr Thiel hat sich die Haare gewaschen. Er ist etwas romantischer geworden. Und Herr Sassine mausert
sich und blickt ins Publikum. Eine Art
Liebeserklärung an die Freiheit oder
eine Geschichte um Christentum, Animismus, Totemismus und Kulturgüterraub. Ach, und es geht auch um SIE!
Haberhuus Köniz/ 20.30 Uhr
Bild: Rodolfo A. Abella
zVg.
Freitag, 9. Mai
Richard Reich
Richard Reich liest Texte aus seinem
Buch „Ovoland“, die grösstenteils als
Kolumnen im Sportteil der NZZ
erschienen sind – und das in der Wander-Villa!
Villa Bernau/ 20.30 Uhr
Sonntag, 11. Mai
Muttertagsessen
Anmeldung bis 7.5.03 unter Telefon
031 371 28 22. Organisiert vom
ALLWO-Club Bern (Freizeitveranstaltungen für Alleinerziehende sowie
Wochenendväter und -mütter).
Villa Bernau/ 11.30 Uhr
Mittwoch, 14. Mai
Sonntag, 18. Mai
Der glückliche Berg
Nomen est omen? Das wollte Hugo
Sigrist auf dem Beatenberg am Nordufer des Thunersees erkunden: Er hat
eine überraschende Reihe von spirituell und auch ganz irdisch motivierten
AnsiedlerInnen getroffen, um sie erzählen zu lassen von ihrem Sinn und
ihrem Ort in dieser Welt. Ein Hörbild
eines Berges, gezeichnet von einigen
seiner suchenden Menschen.
chrüz u quer/ Radio Rabe 95.6 MHz/
21.00 Uhr
Samstag, 31. Mai
Trafo-Lesung: Klingende Eisen,
Spangen und Gleise: Vier Maultrommeln
Anton Bruhin, der Meister der Maultrommel, wird mit seinen Mitmaultrommlern Bodo Hell, Michel Mettler
und Peter Weber, den Gaumen zur
Landschaft, die Landschaft zum Gaumen verwandeln.
Dampfzentrale Kesselhaus/ 20.00 Uhr
AUSSTELLUNGEN / MUSEEN
1. Mai – 26. Oktober
Anne und Patrick Poirier
Die Ausstellung im Wocher-Panorama
Thun zeigt Modelle und Architekturen,
welche aus Elementen industrieller
Maschinerien entwickelt worden sind.
Urbane Lanschaftsszenerien.
Schadaupark Thun
DI – SO 10.00 – 17.00 Uhr
3. Mai – 24. Mai
Rodolfo A. Abella
Skulpturen vom argentinischen Künstler Rodolfo A. Abella.
Arte y cultura/ DO & FR 13.00 – 18.00
Uhr; SA 11.00 – 17.00 Uhr
10.– 31. Mai
Eveline Stauffer und
Mariann Zbinden
Bilder und Objekte von zwei nicht unbekannten Frauen. Eine spannende
und farbenfrohe Begegnung.
Kultur Arena Wittigkofen/ MO – FR
14.00 – 18.00 Uhr; SA 11.00 – 16.00 Uhr;
SO 14.00 – 17.00 Uhr
Samstag 24. Mai – 14. Juni
Der behelmte Mann
Installationen, Objekte und Texte von
Bernhard Gerber und Lukas Hartmann
– zwei Berner Künstler reagieren auf
Krieg, Gewalt und den eigenen Schatten.
Kornhausforum Bern/ DI – FR 10.00 –
19.00 Uhr; DO bis 20.00 Uhr;
SA 10.00 – 17.00 Uhr
26. April – 18. Mai
Augen-Blicke
Eine andere Sicht der Dinge werden
uns in dieser Ausstellung vor Augen
geführt. Augen sind das Thema von
verschiedenen Künstlern und Veranstaltungen.
Alte Schmiede, Werkstatt für Kultur,
Üttligen
Kunstmuseum Bern
Hodlerstrasse 8 – 12
3011 Bern
MO geschlossen
DI 10.00– 21.00 Uhr
MI – SO 10.00 – 17.00 Uhr
• Paul Klee
15.02.2002 – 31.05.2003
• Johannes Itten
Wege zur Kunst
14.02.2003 – 05.05.2003
• Michael von Graffenried
04.03.2003 – 25.05.2003
• Albert Anker
23.05.2003 – 31.08.2003
Naturhistorisches Museum Bern
Bernastrasse 15
3005 Bern
Mo14 – 17 Uhr
Di/Do/Fr 9 – 17 Uhr
Mi 9 – 18 Uhr
Sa/So 10 – 17 Uhr
Historisches Museum Bern
Helvetiaplatz 5; 3005 Bern
MO geschlossen
DI – SO 10.00 – 17.00 Uhr
MI 10.00 – 20.00 Uhr
• Archäologie:
Steinzeit, Kelten, Römer
31.10.2002 – 31.12.2003
• Von Krieg und Frieden
Bern und die Eidgenossen
08.03.2003 – 30.11.2003
Museum für Kommunikation
Helvetiastrasse 16; 3000 Bern 6
MO geschlossen
DI – SO 10.00 – 17.00 Uhr
• Telemagie – 150 Jahre Telekommunikation in der Schweiz
13.09.2002 – 27.07.2003
12
• Werbung für die Götter
Heilsbringer aus 4‘000 Jahren
28.02.2003 – 25.01.2004
Kunsthalle Bern
Helvetiaplatz 1; 3005 Bern
MO geschlossen
DI 10.00 – 19.00 Uhr
MI – SO 10.00 – 17.00 Uhr
• Serge Spitzer – Elsbeth Böniger
10.05.2003 – 22.06.2003
Schweizerisches
Alpines Museum
Helvetiaplatz 4; 3005 Bern
MO 14.00 – 17.00 Uhr
DI – SO 10.00 – 17.00 Uhr
• Kinder reisen um die Welt
Auf den Spuren des Bergsteigers
und Fotografen Dölf Reist.
06.03.2003 – 09.06.2003
• Klimawandel und Lebensraum
Alpen
Aus Anlass des 54. Deutschen
Geographentages in Bern.
04.09.2003 – 31.05.2003
Kornhausforum
Kornhausplatz 18; 3000 Bern 7
MO geschlossen
DI- FR 10.00 – 19.00 Uhr
DO 10.00 – 17.00 Uhr
SA 10.00 – 16.00 Uhr
• Food Design
18.04.2003 – 08.06.2003
Psychiatrie-Museum Bern
Bolligenstrasse 111; 3000 Bern 60
MI – 14.00 – 16.00 Uhr
• „The mad brain“ - Hundert
Jahre Hirnforschung in der
Psychiatrie
08.05.2002 – 01.06.2003
Centre Dürrenmatt Neuchâtel
Chemin du Pertuis-du-Sault 74
2000 Neuchâtel
MI – SO 11.00 – 17.00 Uhr
DO 11.00 – 19.00 Uhr
• Dieter Roth: La Bibliothèque
06.04.2003 – 26.10.2003
• Friedrich Dürrenmatt „Endspiele“
06.04.2003 – 19.10.2003
Museum Franz Gertsch
Platanenstrasse 3; 3401 Burgdorf
MO geschlossen
DI – FR 11.00 – 19.00 Uhr
SA & SO 10.00 – 17.00 Uhr
• Horizonte
26. 04. – 27. 07.2003
CentrePasquArt
Seevorstadt 71 – 75; 2502 Biel
MI – FR 14.00 -18.00
SA – SO 11.00 – 18.00
• In diesen Zeiten – c’est le
moment
29.03. – 25.05.2003
Kunstmuseum Thun
Hofstettenstrasse 14; 3602 Thun
DI – SO 10.00 – 17.00 Uhr
MI 10.00 – 21.00 Uhr
• Louise Aeschlimann und Mar
gareta Corti Stipendium 2003
Stipendiumsausstellung junger Berner Künstler/innen
9.05. – 1. 06.2003
VORTRÄGE/ DISKUSSIONEN
Dienstag, 6. Mai
Architekturforum Bern
– Carte blanche
Jürg Sulzer, Stadtplaner der Stadt
Bern, orientiert über den Stand
grösserer Planung- und Infrastrukturprojekte. Parallel ist eine Ausstellung
zum Entwicklungspotential Gaswerkareal zu sehen. Ein Projekt mit der TU
Dresden, dem Stadtplanungsamt Bern
und Studierenden.
Kornhausforum Bern/ 18.30 Uhr
Sonntag, 25. Mai
Fördern und Fordern
Eine Gesprächsplattform der Bernischen Kunstgesellschaft. Künstler und
Förderer schildern und diskutieren im
Rahmen der Ausstellung des
Aeschlimann Corti Stipendiums ihre
Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit Förderinstitutionen.
Kunstmuseum Thun/ 11.00 Uhr
KINDER
Mittwoch, 21. Mai
SPOT: Theatre am Stram Gram:
Le pays de rien
Der König im Lande Nichts liebt seine
einzige Tochter sehr und will sie vor
allem beschützen. Er hat das Reich von
allem befreit, damit nichts mehr da ist.
Aber die kleine Prinzessin will nicht
Königin dieses Landes werden... (französisch gesprochen).
Dampfzentrale Turbinensaal/ 14.00 Uhr
Donnerstag, 22. Mai
Freitag, 23. Mai
SPOT: Theatre de la grenouille:
Nickel, der mit dem Fuchs tanzt
Eine Freundschaft zwischen einem
Hasen und einem Fuchs nach einem
überraschenden Rezept, welches
scheinbar unumkehrbare Naturgesetze umstösst...
Dampfzentrale Turbinensaal
DO 10.30 Uhr; FR 16.00 Uhr
SPOT
21. Schweizer
Theaterfestival für
ein junges Publikum.
Infos: www.
astej.ch/spot
Zirkus Wunderplunder in Bern:
3. Mai Ankunft in Köniz
Vorstellung 9. Mai 14.30/ 19.30 Uhr
Theater 7. Mai 19.00 Uhr
10. Mai Ankunft in Obersteckholz
Vorstellung 16.Mai 14.30/ 19.30 Uhr
Theater 14. Mai 19.00 Uhr
CIRCUS – Himmel über Bern
Betreutes Spielprogramm für Kinder
ab 4 Jahren, beim Zirkuswagen.
Gurtenwiese, DI, MI und SA 14.00 –
17.00 Uhr
Berner Ludothek
Monbijoustrasse 14; 3011 Bern
DI – FR 14.00 – 18.00 Uhr
SA 11.00 – 15.00 Uhr
Ludothek Lorraine
Lorrainestrasse 14; 3013 Bern
MI 14.00 – 18.00 Uhr
SA 11.00 – 15.00 Uhr
Chinderchübu
Kapellenstrasse 22; 3001 Bern
MI – SA 13.30 – 17.30 Uhr
Kinderatelier Kleefeld
Mädergutstrasse 62; 3018 Bern
MI – FR 13.30 – 17.30 Uhr
Kindertreff Mali
Melchiorstrasse 12; 3027 Bern
MI & FR 13.30 – 17.30 Uhr
DO 14.00 – 18.00 Uhr
Kindertreff Tscharnergut
Waldmannstrasse 49 A; 3027 Bern
MI – FR 9.00 – 12.00 Uhr
Diese Kulturagenda hat
keinen Anspruch auf
Vollständigkeit. Es ist
vielmehr eine Selektion
Längmuur Spielplatz
Langmauerweg 20 A; 3011 Bern
MI – SA 14.00 – 18.00 Uhr
von Veranstaltungen,
die uns wichtig erscheint und die speziell
hervorgehoben werden
Spielplatz Länggasse
Neufeldstrasse 20; 3012 Bern
MI/ FR/ SA 14.00 – 17.00 Uhr
sollte. Informationen für
diese Kulturagenda mit
detaillierten Pressebeschreibungen bitte an
Spielplatz am Schützenweg
Allmendstrasse 21; 3014 Bern
DI – SA 14.00 – 17.00 Uhr
[email protected]
oder an die Postadresse
der Redaktion.
BeJazz | Dampfzentrale
Marzilistr. 47, CH-3005 Bern
[email protected]
Tel. 031 311 82 03
Büro: MI & DO jeweils 14.00 - 17.00h
13
Cuong Vu Trio
PROGRAMM
MAI 2003
Fr 02.05. 21:00
Sureste Tango Trio
Nuevo Tango
Musikkeller
Sa 03.05. 20:00
Donat Fisch Quartett
Modern Jazz. ”Mr. Goodman” - Tour.
Musikkeller
So 04.05. 20:00
Sylvain Luc Trio SUD
Jazz brillant, c’est le trio SUD de
France
Musikkeller
Sa 10.05. 21:00
Cuong Vu Trio
Trumpet Jazz on the top!
Musikkeller
So 11.05. 20:00
Lucas Niggli Big ZOOM
New Jazz. CD-Release ”Big Ball”!
Musikkeller
Fr 16.05. 21:00
UpTown BigBand
Big Band Jazz
Musikkeller
Fr 16.05. 23:00
THE NIGHT OF THE BLUE NOTES
Zuckerhut Beats feat. Tim B (Major
Boys) & Soulsource
Foyer International, Kesselhaus
Fr 23.05. 21:00
Martin Streule Jazz Orchestra
Big Band Jazz. New program
”WATER”!
Musikkeller
Sa 24.05. 21:00
Giancarlo Nicolai
”electric guitar story no 2”
Future Guitar Jazz. New program
”STORIE SALATE”!
Musikkeller
Mi 28.05. 23:00
SOULSTREAM
Soulful Grooves a few among others
– clubnight
Foyer International
Bild: Cuong Vu Trio, zVg.
D
a kommt ein Trompeter nach
Bern, der von sich selber sagt,
“dass ich den Klang der Trompete
nicht besonders mag. Ich suche nach
anderen Dingen auf der Trompete... Ich
suche nach einem grossen, dunklen
Sound. Ich liebe es, mein Spiel mit
Farben zu versehen”, erklärte Cuong
Vu in einem Interview der deutschen
Fachzeitschrift “Jazzthetik”. In der Tat:
Hört man sich die aktuelle CD “Come
Play With Me” seines Trios an, dann
fällt sofort der besondere, eigenwillige Klang von Cuongs Trompete auf.
Mal klingt sie wie warm und voll, dann
wieder düster, schwermütig und melancholisch, mal gar wie ein Alphorn.
Da ist nichts Grelles in Cuongs Instrument; er muss sich nicht mit halsbrecherischen Soli profilieren, und auch
vom ätherisch-coolen Trompetenklang
eines Niels Petter Molvaer ist bei ihm
nichts zu hören. Doch bloss besinnlich
und beschaulich ist die Musik des
Cuong Vu Trios keineswegs: Mit dosiert eingesetzten elektronischen Hilfsmitteln und mit einer Rhythm Section,
die für groovende Ambient-Patterns
und rockige Einschübe sorgt, ist der
Sound auf der Höhe der Zeit – und erinnert gleichzeitig an die Fusion-Experimente eines Miles Davis der späten
Sechziger Jahre. Wohl kaum ein Zufall, dass auch das Album-Cover von
Cuong Vus CD “Come Play With Me”
an die psychedelischen Gemälde von
Mati Klarwein erinnert, die die Plattenhüllen von Miles‘ “Bitches Brew” oder
Santanas “Abraxas” zieren...
“Free Funk Meets Zen”, so beschreibt
Cuong Vu die Musik seines Trios. Als
Sohn einer Popsängerin und eines Saxophonisten in Vietnam geboren, lebt
Cuong Vu seit seinem sechsten Lebensjahr in den USA; 1994 zog er nach
New York und wurde dort rasch vom
Geheimtipp zu einem gefragten Mitspieler in der “Knitting-Factory”-Szene um Dave Douglas, Jim Black und
Chris Speed. Douglas, der zurzeit wohl
bedeutendste Trompeter überhaupt,
holte Cuong Vu 1997 als zweiten Trompeter in seine “Sanctuary”-Band, “weil
er all das spielen kann, was ich nicht
kann”, wie er einmal sagte. Auch mit
der Multimedia-Performerin Laurie
Anderson arbeitete Cuong Vu zusammen, und einem noch breiteren Publikum wurde Cuong Vu bekannt durch
sein Mitwirken auf Pat Methenys letztjähriger CD “Speaking of Now”, die
kürzlich mit einem Grammy für das
beste Contemporary-Jazz-Album ausgezeichnet wurde.
Da kommt ein Trompeter nach Bern,
dessen eigenwillige Stimme Gehör
verdient. (kb)
Cuong Vu (tp), Stomu Takeishi (b), Joe
Tomino (dr). Samstag 10. Mai/ 21.00 h,
Dampfzentrale
Lucas Niggli Big Zoom
Fr 30.05. 23:00
THE NIGHT OF THE BLUE NOTES
Vienna Scientists feat. DJ Jürgen
Drimal
Dancefloor- & NuJazz
Foyer International, Kesselhaus
Sa 31.05. 21:00
Pedro Javier Gonzalez Trio
Flamenco Jazz from Spain
Musikkeller
Detaillierte Programme sind bei BeJazz oder in der Dampfzentrale erhältlich! Reservationen: 031 312 1206
L
ucas Niggli war schon immer einer,
der mehr wollte, als einfach hinter
seiner Schiessbude zu sitzen und den
Takt zu halten. Der vor 35 Jahren in Kamerun geborene, seit langem in Uster
lebende Niggli hat sich als Drummer
und Perkussionist, immer mehr aber
auch als Komponist, Arrangeur und
Bandleader mittlerweile weit über die
Schweiz hinaus einen guten Namen
geschaffen – ob mit dem Trio
“Steamboat Switzerland” oder in Kooperationen mit Fred Frith oder Tom
Cora, in Projekten mit seinen “Amtskollegen” Pierre Favre und Fredy
Studer oder nun mit seiner aktuellen
Band Big Zoom. Basierend auf dem
Trio Zoom (mit dem Gitarristen Philipp Schaufelberger und dem Posaunisten Nils Wogram), welches 2001 mit
seinem Erstling “Spawn of Speed” für
Aufsehen sorgte, und ergänzt durch
den Klarinettisten Claudio Puntin und
den Bassisten Christian Weber, ist Big
Zoom laut Eigendefinition “Jazzcombo, Kammermusikensemble und
Rockband in einem”. Am letztjährigen
Festival von Willisau sorgte Big Zoom
für einen Höhepunkt; der Konzertmitschnitt ist soeben als CD (“Big
Ball”) erschienen. (kb)
Lucas Niggli Big Zoom,
Sonntag 11.5./ 20.00h, Dampfzentrale
14
ANNE JAEGGI
«La danse c’est le pied»
(Mathilde Monnier)
Bild links: Jonathan Burrows, zVg.
Bild unten: Carlos Orta, zVg.
15
«Feet are as
important as a
cunt, just that you
have two of
them.»
Wim Vandekeybus
D
«One arrives ever
to the one foot in
front of the other
from here to there.
The moved
moment.»
Carolyn Carlson
ie Berner Tanztage starten nach einer Denkpause neu vom 13. bis
28. Juni 2003. Neben dem Festivalzentrum in den Kulturhallen Dampfzentrale und den bewährten Spielorten
Schlachthaus Theater und Kornhausforum sorgen weitere Schauplätze wie
ein Zelt auf dem Gaswerkareal und das
Kino Cinématte für die Verbreitung des
Tanzfiebers in der ganzen Stadt. Bereits ab dem 17. Mai bis zum Ende der
Tanztage ist in der Treppenhausgalerie
des Kaufhauses Loeb eine Fotoausstellung von berühmten Füssen zeitgenössischer Tänzerinnen und Choreografen zu sehen.
Nach einer Zwischensaison im
Jahr 2002 setzen die Berner Tanztage
neu im Frühsommer und mit frischen
Impulsen ihren Fuss wieder aufs internationale Festival-Parkett. Und würdigen diesen Fuss, den Tanzfuss, diesmal ganz speziell: Als Festivalsujet fordert er das Publikum zum Tanz auf, und
bereits im Vorfeld der Tanztage bis zum
Ende des Festivals ist ihm eine Ausstellung unter dem Titel «Füsse zeitgenössischer Choreografinnen und
Choreografen» in der Loeb Treppenhausgalerie gewidmet.
Fussporträts
Dieses aussergewöhnliche FotoShooting wurde gemeinsam von dem
Choreografen Willi Dorner und der
Fotografin Lisa Rastl aus Österreich
realisiert. Die beiden haben die Füsse
illustrer Choreografinnen und Choreografen fotografiert, die ihrerseits für
die Aufnahme eine spezielle Position
oder Bewegung ausgewählt haben.
Ergänzt mit kurzen Statements der
Porträtierten, sind berührende und
sehr intime Bild-«Texte» über die einzelnen Persönlichkeiten und das Verhältnis der Tanzschaffenden zu ihrem
essentiellen «Werkzeug» - ihren
Füssen eben - entstanden. So vielfältig und eigenwillig wie die Künstlerinnen und Künstler sind auch die eingefangenen Bilder. Nir Ben Gal etwa
wäscht sich seine Füsse, Amanda
Miller studiert die ihren vor der Kameralinse und meint lakonisch: «My feet
are big», der Schwarzafrikaner Koffi
Koko steht auf Naturboden, um seine
Erdverbundenheit zu demonstrieren.
Rastls Fotos zeigen die – oft bis zur
Deformierung geschundenen – ausdrucksstarken Tänzerfüsse mit
grossem Respekt, der den Betrachter
nie zum Voyeur werden lässt. In die
Ausstellung reihen sich die Füsse zahlreicher Choreografinnen und Choreografen, die auch an den Berner Tanztagen zu Gast waren, unter ihnen Steve
Paxton, Meg Stuart, Wim Vandekeybus, Amanda Miller und Jorma
Uotinen.
Tanz in allen Facetten
Dynamisch wie in den Anfängen sorgen die Berner Tanztage auch nach ihrem Neustart für Überraschendes.
Lust- und Anspruchsvolles soll unterhalten wie zur Auseinandersetzung
herausfordern. Neu ist neben dem früheren Festivaltermin eine offenere
Anlage der Tanztage mit Veranstaltungen an verschiedensten, teilweise neuen Orten, die zusammen das Gesamterlebnis Festival ergeben. Bewährt
bleibt die einmalige Atmosphäre in
den Kulturhallen Dampfzentrale. Und
fortgesetzt wird die zum Teil radikale
Erforschung vom Tanz in all seiner Dynamik, seinen Facetten und
Grenzgängen. Packende Publikumsrenner, irritierende Performances,
sinnliche Körperbilder und Varianten
von Tanzformen über den Bühnenrand
hinaus bilden ein Festivalprogramm,
das den Tanz in seiner Vielfalt an ein
breites Publikum bringt, die Gemüter
anregt oder schlicht einmal auf heissen
Sohlen daherkommt...
Füsse zeitgenössischer
Choreografinnen und
Choreografen
Fotoausstellung von Willi Dorner und
Lisa Rastl Loeb, Treppenhausgalerie
Vernissage Sa 17. Mai, 10.30 h
Sa 17. Mai bis Sa 28. Juni
Mo bis Mi & Fr 9.00 - 18.30 h
Do 9.00 – 21.00 h
Sa 8.00 – 16.00 h
Eintritt frei
Zu sehen sind Fuss-Porträts von
Jérôme Bel, Nir Ben Gal, Jonathan
Burrows, Carolyn Carlson, Nigel
Charnock, Charles Cre-Ange, Koffi
Koko, Susanne Linke, Louise
Lecavalier, Amanda Miller, Ko
Murobushi, Mathilde Monnier, Loyd
Newson, Carlos Orta, Steve Paxton,
Steven Petronio, Alain Platel, Meg Stuart, Mark Tompkins, Jorma Uotinen
und Wim Vandekeybus.
16. Berner Tanztage 2003
13. – 28. Juni 2003
Festivalprogramm und Vorverkauf ab
8. Mai: «Der Bund»-TicketCorner,
Bubenbergplatz 8 (Bern),
alle TicketCorner der Schweiz
Telefon 0848 800 800
oder www.ticketcorner.ch
Info: www.tanztage.ch
16
Alles wird anders
E
in Nachkriegssatiriker wird musikalisch interpretiert von einem, mit
dem Namen Rabenschlag – geht das?
Anscheinend klingend. Der aus Heidelberg stammende und in Basel lebende Thomas Rabenschlag ist schon lange angetan vom deutschen Urvater der
Nachkriegssatire, Robert Gernhardt,
und hat dessen Gedichte für die Musik entdeckt. Seit 1983 ist Rabenschlag
freischaffender Komponist, Musiker
und Pädagoge. Seine Liebe zu
Gernhardt entdeckte er vor 25 Jahren
und es ist nicht das erste Mal, dass er
sich mit seinen Liedern und Texten auf
die Bühne wagt: Bereits 1980 spielte
er mit 2 Schauspielern “Der Mensch
ein Abgrund – Ein Ja zu Leben” mit
Texten von ihm. Rabenschlag war
langjähriger pianistischer Weggefährte von Wolfram Berger. Die Gedichte
von Gernhardt hat er 2002 auf einer CD
(Alles wird anders/ RecRec Zürich) vertont mit bekannten Musikern, wie: Max
Lässer, Michael Zisman, Björn Meyer,
Kaspar Rast und vielen mehr. Der
Rhythmus und die Melodie von
Gernhardts sprachlich-poetischen Miniaturen werden erst durch Rabenschlag so richtig hörbar. Herausgekommen ist ein Programm mit Ohrwürmern, vielfältigem Witz und einem
unverwechselbaren Rabenschlaghumor. Robert Gernhardt meinte selber überdies: “...nicht nur zuträglich,
sondern diese sogar steigert.”
Robert Gernhardt wurde 1937 in
Reval (heute Tallin/ Estland) geboren
und studierte Malerei und Germanistik
in Stuttgart und Berlin. Danach war er
Redakteur der Satire-Zeitschrift
“pardon” und war auch Mitglied der
“Neuen
Frankfurter
Schule”.
Gernhardt hat zahlreiche Auszeichnungen für sein umfangreiches Schaffen
als Schriftsteller, Maler, Zeichner, Satiriker, Drehbuchautor und Kulturkritiker erhalten. Seit 1964 lebt er in
Frankfurt am Main. (vl)
Oh Mensch, vergiss den Lerchenschlag!
Der Rabenschlag tönt reiner.
Hört seinen Sang und stimmt mit ein:
So schön klang selten einer. (Robert Gernhardt)
Programmübersicht Mai
Thomas Rabenschlag singt Robert Gernhardt
Alles wird anders
Dienstag 29. April bis Samstag 3. Mai/ 20.00 Uhr
Nicole D. Käser
Anleitung zum Herz, Diät, Sex, Wahnsinn
Seminarkabarett nach Bernhard Ludwig
Dienstag 6. bis Samstag 10. Mai/ 20.00 Uhr
Les Soirées Musicales – Europe meets Latin
Montag 12. Mai/ 19.30 Uhr
SingTonic – geschüttelt und gerührt
Vocal Comedy
Donnerstag 15. bis Samstag 17. Mai/ 19.30 Uhr
LesArten - Das Ding mit dem Sachbuch
Montag 19. Mai/ 19.30 Uhr
Angela Buddecke – mein ist mein ganzes Herz
Klavierkabarett
Dienstag 20. bis Samstag 24. Mai/ 19.30 Uhr
Bild: Thomas Rabenschlag mit Flügel; zVg.
Christine Lather: Liebes Leben – Lieder für den Tod
Dienstag 27. bis Samstag 31. Mai/ 20.00 Uhr
Vorschau Juni
Unsere Lieblinge – Deutschlands charmantestes
Kammerorchester
Dienstag 10. bis Freitag 13. Juni/ 20.00 Uhr
17
Timna Brauer
& Elias Meiri
Ensemble
Programm 24. Mai 2003 – Jubiläumsfest
13.30
Begrüssung durch Therese Frösch, Finanzdirektorin der Stadt Bern; Eröffnungsreden von Ruth Genner und Patrice Mugny, Co-Präsidium, der
Grünen Schweiz; Rede des Gründungsmitgliedes und heutigen Lausanner Stadtpräsidenten Daniel Brélaz; Auftritt von Grünen der jungen Generation
K u r z e s Z w i s c h e n s p i e l m i t E u g è n e B o n j o u r, Z a u b e r o l o g e
15.00
Pause: Musik mit dem Klezmer-Trio Goylem
15.30
Podiumsdiskussion: “Die Grünen: Kraft der Zukunft!?”
Moderation: Cécile Bühlmann; Teilnahme zugesagt haben bis jetzt: Hil
degard Fässler, Fraktionspräsidentin der SP; Susann Boos, Journalistin
WoZ; P.M., Schriftsteller; René Longet, Präsident „equiterre“; Florian
Irminger, Gymnasiast
K u r z e s Z w i s c h e n s p i e l m i t E u g è n e B o n j o u r, Z a u b e r o l o g e
17.30
Apèro, offeriert von der Grünen Partei Schweiz und der Stadt Bern auf
dem Hirschengrabenplatz
18.30
Nachtessen im Hotel Theater National (auf Anmeldung), weitere
Verpflegungsmöglichkeiten auf dem Hirschengrabenplatz
19.45
Konzert mit Baldrian: bio-dynamisches Kraftfutter aus dem Zürcher Oberland, freche Mundartlieder aus dem Leben fürs Leben! (www.baldrian.ch)
21.00
Konzert mit Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble aus Wien.
Auf dem Hirschengrabenplatz
12.00 bis 21.00
Markt mit Ständen grüner BiobäuerInnen und HandwerkerInnen, befreundeter Organisationen und der Grünen Partei der Schweiz. Verpflegungsmöglichkeiten, Attraktionen für Kinder und Erwachsene.
Bild: zVg.
J
üdische Musik wird meistens mit
Klarinette, Jiddisch und Klezmer
assoziiert. Dies ist vor allem die Kultur
der Juden, die aus Zentraleuropa stammen. Doch durch die Geschichte der
Vertreibungen sind asiatische, nordafrikanische und spanische Einflüsse
eingedrungen. Jemenitische Hymnen
zum Beispiel erinnern an gregorianische Chöre und orientalische
Phrasierungen wirken wie ein Bindeglied zwischen chassidischen Melodien und arabischer Kadenz. Das Timna
Brauer & Elias Meiri Ensemble schafft
mit seinem Programm “Music for
Peace”, Bezüge zwischen jüdischer,
christlicher und muslimischer Welt. Die
Musik schafft, was den Menschen
sonst nicht zu gelingen scheint: Das
Überwinden von Gegensätzen in Kulturen und Religionen, indem man Rollen tauscht und sich doch nicht fremd
fühlt. “Nur mit Respekt und Toleranz
schaffen wir einen, in unserem Fall musikalischen Dialog”, sagt Timna Brauer. Sie spricht aus Erfahrung. Sie ist
Tochter einer jemenitischen Mutter
und eines österreichischen Architekten, mit zwei kulturell verschiedenen
Grossvätern: Simon Brauer stammte
aus Litauen, und Yechil Dahabani wanderte im vorigen Jahrhundert zu Fuss
von Jemen ins “heilige Land” ein. Beide waren hervorragende Sänger und
ihre Lieder, beim Einen europäisch und
beim Anderen orientalisch, haben
Timna Brauers musikalische und kulturelle Entwicklung stark geprägt. Aber
sie schafft noch andere Spagate: 1988
ist sie am gleichen Abend wie Miles
Davis und Herbie Hancock in Montreux
aufgetreten. Nichts an diesen musikalischen Fusionen wirkt gekünstelt und
oder gesucht. Ihre Konzerte beschreiben Totalität und Utopie. Die Totalität
zeigt sich in Trauer und Traurigkeit, die
Utopie in Farben und kulturellen
Grenzüberschreitungen. Es ist vor allem die stilistische Vielfalt, diese
gleichzeitige Allah- Anbetung und
Marien-Verehrung, die synagogische
Liturgie, die das Publikum einnimmt.
Ihr Begleiter und Gatte, Elias Meiri,
stammt aus Israel, und ist Jazzpianist.
In dieser kulturellen Vielfalt begeistern
sie – darüber ist sich sogar die Presse
einig. (vl)
Konzert: 24. Mai
Theater National/ 21.00 Uhr
18
BENEDIKT SARTORIUS
The World Loves Its Balance
– Rod MacDonald
Bild: zVg.
N
ein, Rod MacDonald hebt die Welt auf seinem mittlerweile fünften Album
für das kleine “Brambus Records” Label nicht aus den Angeln. Dies wäre
vermessen und widerspräche der Bescheidenheit, die er in seinen Songs musikalisch wie auch textlich preisgibt.
Auf “Recognition” finden sich unprätentiöse Folksongs, entspannter
Südstaatenrock ohne verschwenderische Gitarrensolos und bluesig angehauchte
Balladen, die verrauchte Kneipenstimmungen einfangen. Getragen wird diese
Stilvielfalt durch die optimistische, stark an Dougie McLean erinnernde Stimme
von MacDonald.
Der Ende der neunziger Jahre zum Kern der Fast-Folk und Greenwich Village
Künstlerkolonie um Suzanne Vega gehörende Sänger, scheint mit sich in Frieden zu sein. “We got it good and that ain’t bad” lautet etwa ein Satz. Und man
glaubt ihm. So besteht denn auch der grössere Teil seines Liedguts aus sensiblen Liebesliedern. “I feel a recognition not of habit or right or wrong but a
feeling of arriving at the place where I belong,” singt MacDonald im wunderbaren Opener “You who sleep beside me”. Die Welt liebt das Gleichgewicht, das
Unaufgeregte, das in der gegenwärtigen Weltsituation kaum zu finden ist.
Denn zu stark wiegen die Heucheleien und Verfehlungen der Politiker (“For
the good of America”) und die sozialen Missstände. Zu viele Leute suchen das
schnelle Geld und flüchten in künstliche Scheinwelten, die diese als Realität
ansehen („Mickey World“). In diesen Themen findet der seit einigen Jahren in
Florida lebende MacDonald Stoff für eine Handvoll Protestsongs ohne Pathos.
Mit Einfühlungsvermögen zeichnet er die Leben der Attentäter während den
Vorbereitungen der Terroranschläge von New York nach. Der Mann taucht auf,
der damals die Atombombe über Hiroshima abwarf und sein “one big thing”
als einfachen Befehl verstand und versteht. Lakonisch gibt dieser zu Protokoll:
“All I ever did was serve my country.”
Mit seiner vierköpfigen Begleitband sucht Rod MacDonald nun Bern auf. Ein
schöner Abend wird’s werden und trotz den Protestsongs wird die Welt, zumindest im Konzertsaal, ihre Balance finden...
Rod MacDonald “Recognition” (Brambus Records)
Konzert: 2. Mai, Mahogany Hall Bern/ 21.00 Uhr
CD-TIPP
Silje Nergaard – at first light
Spätestens nach Nora Jones hat die
Suche nach Frauenstimmen im Jazz
die Runde gemacht. Eigentlich hat das
Konzept schon immer Erfolg gehabt –
doch jetzt sind diese Produktionen in
den Pop-Hitparaden zu finden. So auch
das vorliegende, nicht mehr ganz
neuste Album von Silje Nergaard „at
first light“. Eine Art Main-stream-Jazz,
ohne zu intellektuell zu sein, eine
Frauenstimme, die in der Weiblichkeit
kaum zu übertreffen ist und dazu noch
aus Norwegen stammt, welches ein
musikalisches Mekka zu sein scheint.
Es wäre aber schändlich, diese neue
Generation von Frauenjazz zu banalisieren und als reines Marketing zu be-
schreiben. Silje Nergaard hat zwar über Wochen in Norwegen den Platz Nummer 1 in den Charts besetzt, doch zu Recht.
Sie hat eine kräftig-weibliche, natürliche, verträumte Stimme
und zusammen mit den intelligenten Eigenkompositionen,
macht dies weiche Knie. Speziell die Ballade “two sleepy
people” ist in der Frische und Emotionalität kaum noch zu
übertreffen. Ein Stück für Verliebte, Verheiratete oder davon
Träumende. Sicher, ich bin ein hoffnungsloser Romantiker,
doch dies ist eine CD die man immer wieder hören will, weil
sie uns eine liebevolle und lebenswerte Welt zurückgibt. (vl)
www.siljenergaard.com
Silje Nergaard – at first light
2001; Universal Music
KLAUS BONANOMI
19
VON MENSCHEN UND MEDIEN
Was hat Bern mit Lebensqualität zu tun?
D
ie rhetorische Frage zu stellen
heisst sie zu beantworten: Nichts
natürlich. Jedenfalls sieht es so der
Trendguru Tyler Brûlé. „Was hat Bern
mit Lebensqualität zu tun?“ fragte
Brûlé unlängst in seiner Kolumne in
der Sonntags-Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung aus Anlass einer Umfrage über die Lebensqualität in verschiedenen Städten der Welt. Dass Städte
wie Bern und Genf bei dieser Umfrage unter den besten zehn landeten, hat
laut Brûlés Wort zum Sonntag damit
zu tun, „dass die Leute, die diese Liste
aufstellen, höchstwahrscheinlich um
halb sieben zu Abend essen, um neun
ins Bett gehen, einen Volvo-Diesel fahren, mit einem ausgesprochen grauenhaften Haarschnitt herumlaufen und
in ebenso geschmacklosen Schuhen
herumlaufen. Ach ja, und natürlich nie
Sex haben.“
Kein Wort an dieser Stelle gegen
die NZZ - schliesslich ist sie es, die sich
in Bern für die Pressevielfalt einsetzt
und als „Bund“-Besitzerin die jährlichen Defizite der Zeitung begleicht (allein acht Millionen Franken im letzten
Jahr). Dafür erlaube ich mir an dieser
Stelle ein Wort gegen den NZZ-Kolumnisten Tyler Brûlé, der - wie sein Text
nahelegt - höchstwahrscheinlich seit
zwanzig Jahren nie mehr einen Fuss
in unsere Stadt gesetzt hat. Wer wie
der coole Kanadier und Wahlzürcher
Brûlé nur in Weltklasse-Hubs wie Zürich-Kloten umzusteigen pflegt, ist natürlich für die Out-of-Africa-Romantik
der Belpmoos-Empfangsbaracken
nicht empfänglich; wer in den schicksten Hotels dieser Erde ein und aus
geht, dem ist ein Schweizerhof zu rustikal, und wer bei Phillip Johnsons
„Four Seasons“ in New York zu tafeln
beliebt, dem ist wohl ein „Wein und
Sein“ halt zu wenig fashionable.
Für alle andern aber gilt: In Sachen
Lebensqualität kann es Bern mit vielen Grossstädten aufnehmen. Natürlich hocken in unseren Sandsteinmauern noch zähe zähringische Überreste, schleichen unfrohe Überbleibsel
des Ancien Régime durch unsere Gassen, und man kann durchaus Menschen in sehr geschmacklosen Schuhen begegnen: Aber auch Bally, eine
von Tyler Brûlés Lieblingsmarken, ist
in Bern an bester Lage vertreten. Natürlich kann man in Bern ausgesprochen grauenhafte Haarschnitte kriegen, man kann aber auch zum „Frisör“
gehen. Und vor allem kann man in
Bern eine Lebensqualität geniessen,
die sich nicht an möglichst exklusiven
Etiketten und teuren Preisschildern
misst.
Bern ist klein, aber pro Quadratmeter gibt’s in kaum einer anderen Stadt
mehr Kultur-Tatorte als in Bern. Wo
anders als im Marian´s Jazzclub in der
Inneren Enge kann man an der Bar mit
Paquito d´Rivera höchstpersönlich
plaudern, wo anders als in Don Lis Tonus-Labor den atemberaubenden Tanz
von Ania Losinger auf ihrem Xala-Xylophon hautnah mitverfolgen? Von der
Galerie im Altstadt-Keller bis zum neuen Stage-Container, vom ReitschulKino bis zum Lichtspiel bietet Bern so
einiges für neugierige Leute, die sich
lieber auf ihre eigene Spürnase verlassen, anstatt irgend einem ach-so-coolen Trendsetter nachzuplappern.
Das einzige, was wirklich fehlt, ist
das Meer - den freien Blick aufs Mittelmeer gibt´s in Bern noch immer
nicht, die Bewegung zur Abschaffung
der Alpen ist gescheitert. Dafür haben
wir den Nachtzug nach Barcelona, und
der fährt aus dem neuerdings gar nicht
mehr so hässlichen Bahnhof, der nun
frisch umgebaut mit neuer Glasfassade, dem Tibits-Strassencafé und
dem Restaurant Coté Sud doch immerhin ein bisschen Heiterkeit und mediterranen Charme versprüht, wie auch
die NZZ kürzlich zu loben wusste (auch
wenn dieser Text „nur“ vom Berner
Korrespondenten der Zeitung stammte und nicht von Edelfeder Brûlé). Jetzt
nur noch den Autoverkehr am Bubenberg- und Bahnhofplatz etwas eindämmen, etwas weniger Volvo-Diesel dann könnte Bern sogar einem Tyler
Brûlé gefallen!
ensuite-Kolumnist Klaus Bonanomi
arbeitet für die Sendung Rendez-vous
von Schweizer Radio DRS und präsentiert auf Radio RaBe die Jazz-Sendung
Flyin‘ Bird.
Bild: Was steckt eigentlich dahinter?
Franz Schwendimann
RESTAURANTS
20
Dona Flor
Im Bären Frieswil
3035 Frieswil/ BE
Telefon 031 825 6112
ensuite IM ABONNEMENT
Wer Mitglied ist beim Verein WE ARE, dem Trägerverein, erhält ensuite gratis nach Hause
zugestellt. Kosten tut das nicht die Welt, aber uns erleichtert es das Leben ungemein. Unsere
Arbeit ist vorerst gratis und wir sind für jede Einzahlung dankbar:
Geniessen, essen und überhaupt: In dieser Saison, bei dem milden Wetter und
bei dieser Aussicht ist es ein Ausflug allemal wert.
Restaurant Du Nord
1 Jahr WE ARE (immer für ein ganzes Kalenderjahr vom 1.1. – 31.12.03)
Einzelmitgliedschaft
Studenten/ IV/ AHV
Familien-/ Paarmitgliedschaft
Firmenmitgliedschaft
Gönner ab...
Fr. 45.Fr. 25.- (Ausweise einsenden)
Fr. 60.Fr. 200.Fr. 300.-
Viele Münzen überweisen an: WE ARE-3007 Bern; PC- 30-651204-6
Lorrainestrasse 2
3013 Bern/ BE
Telefon 031 332 2338
Das Mittagessen ist vorzüglich und günstig. Am Abend ist das Restaurant
Esstempel, Kulturstätte und Begegnungsort für alle. Gibt es ein Leben nach dem
Du Nord?
Restaurant Dampfzentrale
Marzilistrasse 47
3005 Bern/ BE
Telefon 031 312 3300
DER TALON
ensuite – kulturmagazin im Abonnement
❏
❏
❏
Ja, für ein unabhängiges Kulturmagazin in Bern.
Ich wünsche Unterlagen für die Inserierung.
Ich wünsche ensuite viel Überlebenskraft.
Eigentlich ist es überflüssig, über diesen
Ort etwas zu sagen. Aber die neue
Menukarte übertrifft, was hier versprochen - wir treffen uns hier sicherlich...
Vorname ........................................................................
■
Name .............................................................................
Liebe Restaurants: Sendet uns einen Gutschein für ein Essen für 2 Personen und
wir drucken Euch hier ab. Die Gutscheine gehen an die freiwilligen MitarbeiterInnen von ensuite. Essen müssen wir
schliesslich auch.
Infos: Telefon 031 318 6050
Adresse .........................................................................
PLZ/ Ort .........................................................................
Ausschneiden und einsenden an: ensuite – kulturmagazin; Sandrainstrasse 3; 3007 Bern
Nationale Gross-Events
Mory Kante,
Samstag, 3. Mai, KKL Luzern
SHRI & DJ Badmarsh
Donnerstag, 5. Juni, Kaufleuten Zürich
Susheela Raman
Dienstag, 24. Juni, Kaufleuten Zürich
Massive Attack
Donnerstag, 8. Mai, Hallenstadion Zürich
Chick Corea Electric Band
Dienstag, 10. Juli, Volkshaus Zürich
Chick Corea Electric Band
Dienstag, 10. Juli, Volkshaus Zürich
Ibrahim Ferrer, Montag
12. Mai, Volkshaus Zürich
Bobby McFerrin
Samstag, 24. Mai; Stadtcasino Basel
– Musiksaal
und Montag, 10. November, Tonhalle Zürich
Berner Tanztage
Freitag, 13. bis Samstag, 28. Juni 2003
Peter Gabriel
Donnerstag, 15. Mai, Zürich Hallenstadion
Lou Reed
Samstag, 17. Mai, Kongresshaus Zürich
Cesaria Evora
Sonntag, 25. Mai, Victoria Hall Genf;
26. Mai Volkshaus Zürich
SHRI & DJ Badmarsh
Donnerstag, 5. Juni, Kaufleuten Zürich
Los de abajo
Mittwoch, 4. Juni, Kaufleuten Zürich
Gurtenfestival
20‘er Geburtstag!
Freitag,18. bis Sonntag, 20. Juli 2003