Es gibt (vielleicht) ein neues Tarifwerk

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Es gibt (vielleicht) ein neues Tarifwerk
MediaMaker Nr. 1 / 2014
Organ der Fachgruppe Medien Baden-Württemberg
Es gibt (vielleicht) ein neues Tarifwerk
Die Onliner sind verankert, der Preis dafür ist hoch,
ein erster Schritt für Pauschalisten, aber noch sehr viel zu tun.
n Erste Meinungsbildung nach dem Abschluss
n Tarifrunde 2016 Tageszeitungen: Wir holen uns die Kürzungen zurück!
n Sorgfältige tarifliche Umsetzung des „Tarifwerks Zukunft“ bei
Pauschalisten, on-linern und Neueinstellungen in Planung!
n Hand in Hand mit den neuen Betriebsräten die Einhaltung der
Arbeitszeit umsetzen!
n OT-Verlage in die Arbeit einbeziehen
Aber auch der Dank an alle, die
streikten und auch mit ihren finanziellen Opfern und ihrer Entschlossenheit zu diesem Ergebnis
beitrugen. Danke. Es hat losgelöst
von dem Stress und der Mühe in
dieser Zeit, die alle hatten, Freude
gemacht, miteinander zu arbeiten
und zu sehen, dass Vertrauen
n Lobbyarbeit und Mitbestimmung in der Redaktion im Focus
n Einladung an alle: Unser Netzwerk wird noch besser, unsere
Zusammenarbeit noch enger!
Das ist ein Arbeitsprogramm mit
hohen Ansprüchen, aber unsere
Erfahrungen aus der Tarifrunde für
Redakteure, Pauschalisten und
Freie Journalisten an Tageszeitungen seit August 2013 bis zum
Abschluss des „Tarifwerks
Zukunft“ legen dies nahe.
Die erste Meinungsbildung der
Streikverantwortlichen aus den
baden-württembergischen
Streikverlagen, aus OT-Zeitungen
und Pauschalisten brachte das
Bild: Es gibt ein neues Tarifwerk.
Die Onliner sind im Tarifwerk verankert, der Preis dafür ist hoch.
Ein erster Schritt für Pauschalisten, aber noch sehr viel zu tun.
Das Wort Zufriedenheit fiel nicht.
Eher sehr nüchtern und sachlich
die Einschätzung der eigenen
Kräfte, auch in den beiden
Journalisten-Organisationen in
den jeweiligen Bundesländern.
In eigener Sache
Der nächste MediaMaker
erscheint voraussichtlich im
Juli. Änderungen scheinen
zurzeit nicht ausgeschlossen zu sein.
Falls die Tarifvereinbarung
nach der Weigerung der
Nordverleger, den Vertrag
zu unterschreiben, hinfällig
sein sollte, und es zu neuen
Verhandlungen kommen
sollte, werden wird aktuell
berichten.
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unter uns herrscht und das
Netzwerk in die Redaktionen und
in die Gewerkschaft funktioniert.
Das ist die Grundlage für das
anspruchsvolle Programm, wie es
in Schlagworten in der Überschrift
skizziert wird.
Die ersten zwei Wochen in den
Redaktionen zeigen sehr unterschiedliche Erlebnisse:
In der einen Zeitung scheint die
Geschäftsleitung auf „Harte Hand“
und „keine Zugeständnisse mehr“
zu setzen.
Die in den vergangenen Jahren
eingesetzten RedaktionsManagement-Puffer funktionieren
ohne Widerspruch. Was von oben
kommt, wird durchgesetzt. Ein
gemeinsamer Widerstand gegen
diese Pläne: Zuarbeiten für neue
Produkte über die eigene Zeitung
hinaus etc. ist (noch) nicht sichtbar. Ein Teil schrubbt seine
Arbeitszeit runter und geht in den
Feierarbeit. Ein anderer Teil verlässt die Zeitung oder plant dies
gezielt. Es werden die Einsparquoten des Managements schon
ohne Abfindung erreicht. Das sagt
alles über das Betriebsklima.
In anderen Zeitungen regt sich
das Bewusstsein gegen die unbezahlte tägliche Mehrarbeit.
Ein O-Ton, der in Begeisterung
versetzt: Auf die Frage an das
Management, wie es die
Mediamaker 1 / 2014
Ungleichbehandlung, freie Tage
dort und unbezahlte Mehrarbeit
hier, denn beurteile, die schöne
Antwort: „Aber Sie begleitet unser
Wohlwollen.“ Was für ein elender
Zynismus. Nicht minder zynisch
ist der Umgang in einer Reihe von
Verlagen mit den sogenannten
Pauschalisten.
Das sind keine klassischen freie
Journalisten, die auf Zeilengeld
und Bildhonorar arbeiten, sondern
arbeitsrechtlich gesehen „Tagelöhner“ und angesichts ihrer Eingebundenheit in den redaktionellen Ablauf Scheinselbständige,
die, sofern sie mit einer Statusklage sich einklagten, mit hoher
Wahrscheinlichkeit eine Festanstellung in Teil- oder Vollzeit
erhielten.
Doch das Verlagsmanagement
weiß sehr genau mit der Existenzangst dieser Kolleginnen und
Kollegen zu spielen. Als Gewerkschaft begleiten wir die Bemühungen der Betriebsräte und Betroffenen in mehreren Verlagen des
Landes schon lange. Mal sind es
65, mal zwei, mal sieben, mal 30.
Gemein ist ihnen allen: Sie werden gemessen an dem für sie
zutreffenden Tarifvertrag für Redakteurinnen an Tageszeitungen
übel ausgebeutet. Da gibt es
schon Betroffene, die vier oder
sechs oder gar acht Jahre zu
einer Tagespauschale von 140,
160, in wenigen (Alt-)Fällen mal
200 Euro verdienen.
Es gibt auch welche, die noch bei
der Künstlersozialkasse versichert
sind. Doch würde dieser Betrug
bei der Rentenversicherung angezeigt, wären die Betroffenen am
nächsten Tag auf der Straße. So
die ungeschminkte Einschätzung
gegenüber dem Betriebsrat.
2011 gingen die Pauschalisten
nach dem Abschluss der Tarifrunde Tageszeitungen leer aus,
weil die Arbeitgeber sie nicht wie
die Festangestellten behandeln
wollten und den Tarifvertrag für
arbeitnehmerähnliche Freie an
Tageszeitungen mit seiner Formulierung, dass bei Erhöhungen
eventuelle Pauschalen zu überprüfen seien, so auslegten, die
alte Höhe sei genug. Verbitterung,
Frust, Zorn sind die berechtigte
Antwort auf die Asozialität, die
den Verlagen die Bilanzen
schwärzt. Denn die Honoraretats
sind seit Jahren ein begehrtes
Kürzungsobjekt.
Nun haben wir in dieser Tarifrunde
unsere Tarif- und Verhandlungskommissionen eingeschworen,
dass die gleich Praxis wie 2011
nicht mehr passieren darf.
KIar, ist es angesichts der tarifrechtlichen Zwitterstellung der
Betroffenen nicht leicht eine
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Tarifpolitik ist Lobbyarbeit nach
innen!
Am 2. Juni veranstaltet die Friedrich-Ebert-Stiftung in Esslingen
wieder einen Versuch die Zukunft
der Kultur und der Medien zu verorten. Unser Journalisten-Tag im
Lande wird dem Thema zum
Jahresende gewidmet sein. Die
Landesregierung hat medienpolitisch noch nichts vorzuweisen: Da
können wir mit Themen und
Inhalten helfen.
achten. Auch und erst recht in
Verlagen im Land, die im OhneTarifzustand sind. Der Schwarzwälder Bote wurde aufgefordert,
für die Neueinzustellenden das
Tarifwerk Zukunft als Haustarifvertrag zu übernehmen. Der
Böblinger Bote-Verleger steht im
Wort seinen Haustarifvertrag beim
Gehalt und der Struktur zu Ende
zu bringen. Im Ulm schauen wir
gespannt darauf, ob und wie die
Onliner eingruppiert werden. Die
Kolleginnen und Kollegen sind
wieder sensibel geworden in dieser Tarifauseinandersetzung. Und
das soll nicht wieder einschlafen.
Wenn die Unternehmensgruppe
Schickler schon wieder neue
Werbe-Märkte für Zeitungen
eruiert und mit der Ippen-Gruppe
neue On-Line Produkte in der
Planung sind müssen wir dabei
auf die Qualität im Journalismus
Die Umfrage zum Tarifergebnis ist
verschickt. Bitte unbedingt ausfüllen und zurücksenden. Auch dies
gehört zu einer Tarifrunde: Bilanz
zu ziehen. Das macht unsere
Bundes-Tarifkommission am
10. Juni. Wir werden berichten.
Lösung zu finden. Pauschalisten
sind erstmals im Tarifwerk Freie
verankert. Das ist ein Durchbruch.
Das darf auch als Erfolg benannt
werden, wenn wir zum Vergleich
herbeiziehen, dass es uns seit
den siebziger Jahren nicht gelungen ist, den Verlegerverband
Hessen zum Beitritt in den Tarifvertrag für freie Journalisten zu
zwingen. (Die dju hat alleine in
Hessen zweimal dafür gestreikt).
Die Pauschalen werden um zweimal 1,8 Prozent in der Laufzeit bis
2016 erhöht und im Volumen
gedeckelt.Die Betroffenen sind
nicht zufrieden und wir haben eine
klare Einschätzung auf unserer
Tarifkonferenz nach dem
Abschluss getroffen:
Alle Pauschalisten, die mitmachen
können und wollen, die festangestellten Kollegen und Kolleginnen
die Redaktion, die Betriebsräte
und die Gewerkschaften werden
sich ein Konzept aus Öffentlichkeit, Tarifarbeit, Mitbestimmung
der Betriebsräte und Solidarität
aller einfallen lassen, um dieser
Gruppe von Beschäftigten eine
bessere Beschäftigung und mehr
Sicherheit zu verschaffen. Das ist
unser gemeinsamer Auftrag.
Davon haben wir noch mehrere
auf unserer Konferenz formuliert,
die schon jetzt in Arbeit sind: Zur
Eingruppierung der Onliner zum
1. Oktober wird es eine Handreichung für Betriebsräte zur
Eingruppierung geben. Unsere
Arbeitszeitbroschüre wird überarbeitet: Mehrarbeit wird geltend
gemacht. Das gebietet die
Qualität des Journalismus. Alles
hat seinen Preis. Unser bisheriges
Netzwerk wird ausgebaut.
Jährlich wie immer mindestens
zwei Tarifkonferenzen im Lande.
Ein Ziel stand schon fest, ehe die
Unterschrift unter der Tarifvereinbarung trocken war: Wir holen uns
die eingesparten Euro aus der
Minderung des Urlaubsgelds und
des 13. Monatsgehaltes ab dem
Auslaufen des Gehaltstarifvertrags
Ende 2015 zurück. Das haben wir
uns versprochen und daran müssen wir uns messen.
Nach außen wollen wir einen breiten Dialog mit der Politik und der
Öffentlichkeit beginnen.
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Mediamaker 1 / 2014
Tarifabschluss im herstellenden Buchhandel
3,9 Prozent tabellenwirksame Gehaltserhöhung / Laufzeit 25 Monate
In der zweiten Verhandlungsrunde
für den herstellenden Buchhandel
in Baden-Württemberg konnte am
6. Mai in Stuttgart ein
Tarifergebnis erzielt werden:
1. Ab dem 1. Mai 2014 werden
die Gehälter um linear 2,2 Prozent
erhöht (der Monat April ist ein
sogenannter Nullmonat);
2. Ab 1. Mai 2015 werden die
Gehälter noch einmal um linear
1,7 Prozent erhöht;
3. Für die Ausbildungsvergütungen gilt der Abschluss entsprechend;
4. Der Tarifvertrag ist frühestens
zum 30. April 2016 kündbar.
Damit haben wir ein wichtiges Ziel
der diesjährigen Tarifrunde
erreicht:
Eine tabellenwirksame Erhöhung
der Gehälter. Eine Kombination
aus linearer Erhöhung und
Einmalzahlung, wie vom
Börsenverein gefordert, konnte
abgewehrt werden.
Der Abschluss wurde allerdings
erst dadurch möglich, weil wir in
der Frage der Laufzeit ein deutliches Zuge-ständnis gemacht
haben.
Gefordert haben wir eine zwölfmonatige Laufzeit, der Börsenverein wollte eine 27monatige
Laufzeit, geeinigt haben wir uns
dann bei 25 Monaten.
Das ist uns nicht leicht gefallen,
da die künftige Entwicklung der
Inflationsrate noch sehr unsicher
ist. Nur wenn sie in den kommenden zwei Jahren auf dem jetzigen
Niveau verbleibt, wird am Ende
ein spürbares Reallohnplus stehen.
Trotz dieser Unsicherheiten hat
die Tarifkommission das Verhand-
lungsergebnis einstimmig angenommen. Im Wissen darum, dass
aus anderen Tarifbereichen höhere Abschlüsse vorliegen. Aber die
Buchverlage bewegen sich als Teil
der Medienwirtschaft in einem
Umfeld, das von starken Strukturveränderungen geprägt ist.
Besonders die aktuellen Tarifabschlüsse der Druckindustrie
und der Redakteure an Tageszeitungen wurden uns vom
Börsenverein vorgehalten. Daran
gemessen ist diese Tarifergebnis
sogar leicht (Druck) bzw. deutlich
(Redakteure) besser ausgefallen.
„Spurensuche –
unsere Stadt zum Hören“
gewinnt den LFK Medienpreis 2014
Bereits zum zweiten Mal in Folge
hat das Freie Radio für Stuttgart
mit einem Beitrag in der Sparte
„Nichtkommerzielle Veranstalter“
den Medienpreis der Landesanstalt für Kommunikation (LFK)
gewonnen. Das Projekt „Spurensuche“ teilt sich den Preis mit der
UniWelle Tübingen, die gleichermaßen ausgezeichnet wurde.
„Spurensuche“ macht Stuttgarter
Geschichte und interessante
Personen erlebbar. Jugendliche
haben sich unter erfahrener
Anleitung auf den Weg gemacht,
ihre Stadt neu zu entdecken und
dies medial aufzubereiten.
Bei der „Spurensuche“ wurden
verschiedene geschichtlich oder
gesellschaftlich interessante Orte
aufgesucht, wie z. B. die WaldorfAstoria Zigarettenfabrik in der
Stuttgarter Hackstraße und die
daraus resultierenden Waldorfschule auf der Uhlandshöhe.
Weitere Themen waren bereits die
neue Stadtbibliothek, die Standseilbahn zum Waldfriedhof und
die Weißenhofsiedlung, einer in
Deutschland einmaligen architektonischen Modellsiedlung aus den
20er Jahren. Für diesen Beitrag
wurden die Jugendlichen nun ausgezeichnet.
Die drei Jugendlichen, Hendrik
Ströhle, Leonard Wolfarth und
Julius Keinath sind begeistert.
„Radiosendungen produzieren
macht sowieso Spaß, aber so hat
sich die Arbeit natürlich noch
mehr gelohnt“ sagt Hendrik.
Die Erstellung der Beiträge bei
„Spurensuche“ ist Gruppenarbeit.
Es gibt keine ausgewiesene
Arbeitsteilung. Gemeinsam
recherchieren die Jugendlichen
Hintergründe, erarbeiten Fragestellungen, machen Aufnahmen
vor Ort und gestalten schließlich
die komplette Sendung. Fachlich
begleitet werden die jungen Leute
durch Elena Maslovskaya, die seit
langem im Freien Radio aktiv ist .
Das Projekt ist eine Kooperation
zwischen dem interkulturellen
Medienverein Multicolor e. V. und
dem Freien Radio für Stuttgart
und wird gefördert aus dem
Projektmittelfonds „Zukunft der
Jugend“ der Stadt Stuttgart.
„Nach der Anerkennung unserer
Arbeit würden sich die Jugendlichen über eine Projektverlängerung um ein weiteres Jahr freuen,
da wir noch viele neue interessante Plätze in Stuttgart entdeckt
haben“, meint Elena Maslovskaya
Mediamaker 1 /2014
„Das Feature hat die digitale
Herausforderung angenommen“
40. International Feature Conference in Leipzig
Bei der 40. International Feature
Conference in Leipzig auf dem
„Mediencampus Villa Ida“ diskutierten 140 Experten von RadioStationen, Internetunternehmen,
Print-Produkten und Hochschulen
aus der ganzen Welt die Zukunft
des Hörfunk-Features.
Im Mittelpunkt stand der Übergang des Features auf digitale
Plattformen und die Verknüpfung
mit den interaktiven und audiovisuellen Möglichkeiten des
Internet: „Das Radio-Feature, die
Königsdisziplin des HörfunkJournalismus, hat die digitale
Herausforderung angenommen“,
erklärte Ulf Köhler, Feature-Leiter
bei MDR Figaro.
Davon zeugten kontroverse
Diskussionen, die mit ImpulsVorträgen zur Digital-Strategie der
englischen Tageszeitung „The
Guardian“, zum interaktiven
Hörfunkprojekt „Menschen an der
M10“ des Rundfunks Berlin
Brandenburg oder zur weltweit
größten Online-Audio-Plattform
„Soundcloud“ befeuert wurden.
„Deutlich wurde: Die digitale Welt
sucht nach Inhalten – auch nach
anspruchsvollen längeren
Inhalten, wie sie das AudioFeature bieten kann“, so Köhler.
Aufgabe der Konferenz sei es
auch gewesen, Autoren für die
neuen technischen Möglichkeiten
des Erzählens und Berichtens zu
begeistern. Auch Dr. Wolfram
Wessels, Feature-Autor, Redakteur und Hörfunkhistoriker, der für
den SWR unter anderem den
„Doku-Blog“ verantwortet, betonte
die Notwendigkeit, das Internet
als Verbreitungsplattform zu nutzen:
„Dabei darf aber nicht vergessen
werden, dass hier ein zusätzlicher
technischer und auch finanzieller
Aufwand entsteht, den Radio-
Autoren allein nicht immer bewältigen können.“
Darüber hinaus wurden intensiv
„herkömmliche“ Radio-Features
von Autoren aus aller Welt analysiert: „Die Qualität der Arbeiten ist
durchgehend hoch, aber die
Macharten sehr unterschiedlich“,
so Wolfram Wessels, SWR. Hier
wirkten unterschiedliche Erzähltraditionen fort. Darüber hinaus
wurden Fragen der Themenfindung, der Dramaturgie und der
akustischen Gestaltung von
Features besprochen.
„Die International Feature
Conference dient immer auch
dem Austausch und der
Vernetzung der Radiomacher aus
aller Welt – diesem Anspruch ist
sie auch bei ihrer 40. Ausgabe in
Leipzig gerecht geworden“, so Ulf
Köhler, MDR.
Ein Höhepunkt der Konferenz war
die Verleihung des Axel-Eggebrecht-Preises an den deutschen
Feature-Autor Paul Kohl. Er
wurde für sein Lebenswerk von
über 100 Radio-Features geehrt.
Jens Jarisch, Feature-Redakteur
des RBB, lobte den Preisträger in
seiner Laudatio: „Paul Kohl untersucht die Welt aufs Genaueste,
ohne sie uns zu erklären. Er
recherchiert so gewissenhaft wie
kaum ein anderer, indem er
Fragen stellt, indem er nahe legt,
indem er Kritik übt, doch er sagt
nie: so und so ist die Welt“.
Darüber hinaus zeichne er sich
durch eine weitere Eigenschaft
aus: „eine Haltung, gegenüber der
Welt, der Geschichte, den Menschen, die Vertrauen schafft, die
ein Gefühl für Takt und Anstand
einschließt, von dem jede Ebene
seiner Features durchwirkt ist.
Deshalb vergeben wir den AxelEggebrecht-Preis nicht nur für ein
fulminantes Lebenswerk, sondern
für und an: eine Persönlichkeit.“
5
Zur Person:
Wir trauern um
Gisela Kessler
Gisela Kessler ist am 14. Mai in
ihrer Wahlheimatstadt Nürnberg
nach schwerer Krankheit im Alter
von 78 Jahren gestorben ist.
Vor ihrem Eintritt in den Ruhestand war sie von 1992 bis 1995
stellvertretende Vorsitzende der
IG Medien - Druck und Papier,
Publizistik und Kunst, nachdem
sie über 20 Jahre als Frauensekretärin im Hauptvorstand der
IG Druck und Papier und der IG
Medien gewirkt hatte.
In ihrer Heimatstadt Frankfurt am
Main entfaltete die junge kaufmännische Angestellte schon
während ihrer Ausbildung gewerkschaftliche Aktivitäten, wurde freigestellte Jugendvertreterin beim
Fernmeldeamt 1 in Frankfurt und
später stellvertretende Personalratsvorsitzende bei der Deutschen
Bundespost. Die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) schickte sie
zum Studium nach Dortmund an
die Sozialakademie und an die
Frankfurter Akademie der Arbeit.
Danach arbeitete Gisela von 1967
bis 1971 als Rechtsschutzsekretärin beim DGB in Wiesbaden,
bevor sie als Frauensekretärin zur
IG Druck und Papier nach
Stuttgart wechselte.
Untrennbar mit ihrem Namen verbunden bleibt die Solidaritätsbewegung mit den Heinze-Frauen
und deren Kampf um gleichen
Lohn für gleiche Arbeit: 29 weibliche Angestellte der Gelsenkirchener Firma Photo-Heinze
klagten vor Gericht ihr Recht ein.
Die Bewegung erregte bundesweit
Aufsehen. Die Heinze-Frauen
gewannen ihre Prozesse 1981 in
letzter Instanz. Gisela Kessler
hatte zur Urteilsverkündung des
Bundesarbeitsgerichts in Kassel
eine Demonstration organisiert, an
der 7000 Menschen teilnahmen.
Sie hat die gewerkschaftliche
Frauenarbeit weiterentwickelt.
Es gab spektakuläre Aktionen wie
6
das "Tribunal gegen Flexibilisierung und ungeschützte Arbeitsverhältnisse" 1988 in Wiesbaden.
Gisela Kesslers „Ideen, ihr Feuer,
ihre Ausdauer wurden und werden
geschätzt und bewundert“, schrieb
die Journalistin Marina Achenbach
in einem Porträt über die Gewerkschafterin.
Gedächtnisveranstaltung:
Samstag, 31. Mai, 13 Uhr im
Gewerkschaftshaus Nürnberg, 7.
Stock, Kornmarkt 5-7, 90402
Nürnberg
Wir gedenken einer kämpferischen Kollegin und Genossin
mit Detlef Hensche sowie
Menschen, Liedern und Bildern
aus ihrem Leben. Damit die
Veranstaltung ordnungsgemäß
organisiert werden kann
(Bestuhlung etc.), bitten wir darum
sich vorher anzumelden bei:
[email protected]
Spenden anlässlich Giselas
Gedenkveranstaltung an
Peter-Sodann-Bibliothek e.V.
Stichwort G.Kessler
IBAN DE35850550003150005000
BIC SOLADES1MEI, Sparkasse
Meißen
Impressum:
Der MediaMaker ist das Organ
der Fachgruppe Medien in BadenWürttemberg, zur Diskussion und
Information in der Fachgruppe,
über dieFachgruppe und das
gewerkschaftliche und berufliche
Umfeld.
Titel Copyright: Rolf Johannsen,
Kommunikationsagentur
MediaMaker, Ulm
V.i.S.d.P.: Gerhard Vohs i.V.
Redaktion: Werner Jany, Gerhard
Manthey
ver.di Baden-Württemberg
Fachbereich Medien, Kunst und
Industrie (FB 8)
Theodor-Heuss-Straße 2 / Haus
1, 70174 Stuttgart
Postfach 10 10 45, 70009
Stuttgart
Telefon: 07 11 / 88 7 88 - 08 04
Fotos (sofern nicht anders
angegeben): GRAFFITI Stuttgart
Mediamaker 1 / 2014
Rechte der Kreativen
uneingeschränkt schützen!
VS-Vorsitzender Imre Török
zum UNESCO-Welttag des Buchs
„Kreativität ist ein nachwachsender Rohstoff, vergleichbar
mit den Wäldern. Werden
Wälder lediglich ausgebeutet
und abgeholzt, setzt die
Verwüstung ein. Eine Gesellschaft, die das Urheberrecht
infrage stellt, akzeptiert eine
fortschreitende geistige
Verödung“, erklärte Imre Török,
VS-Vorsitzender, zum UNESCOWelttag des Buches.
Der 23. April erinnere zu recht
daran, dass Bücher und Urheberrecht unabdingbar zusammengehören, und dass sie in jeder
Gesellschaft, zu jeder Zeit schützenswert sind. Es macht für
Autorinnen und Autoren dabei keinen Unterschied, ob ihr Werk in
gedruckter Form oder als e-Book
gelesen wird, ob es gekauft oder
in Bibliotheken ausgeliehen
wurde. Die geistige, schöpferische
Leistung ist stets dieselbe, und
gleichwohl wollen und müssen
professionelle Worturheber ihren
Lebensunterhalt mit ihrer kreativen Arbeitskraft bestreiten.
Der heraufbeschworene
Interessengegensatz zwischen
Verbraucherschutz und
Urheberrecht oder zwischen
Informationsfreiheit und Schutz
der Kreativität ist kontraproduktiv
und geht an tatsächlichen gesellschaftlichen Bedürfnissen vorbei.
Denn nur florierende und hochgradig fundierte Kreativität unterstützt und garantiert die gesellschaftlichen Bedürfnisse nach
bestmöglicher Unterhaltung,
Bildung und Informationsbreite.
Der Verband deutscher
Schriftsteller (VS) und die
Autorenschaft fordern den uneingeschränkten Schutz des
Urheberrechts. Auch in der digitalen Literaturwelt dürfen
Neuregelungen keinesfalls zu
Lasten der Worturheber gehen.
„Die Werke der Autorinnen und
Autoren sind Grundpfeiler des
gesamten Literaturbetriebs, also
Brücke zur Leserschaft. Wir
Worturheber erwarten ein solidarisches Zusammenwirken mit allen
Literaturverwertern und
Literaturvermittlern, damit wir
auch in Zukunft gemeinsam mit
unseren Lesern würdige Welttage
des Buches und des
Urheberrechts jederzeit feiern
können“, forderte Török.
Buchhandlungen, Bibliotheken,
das Internet ließen sich auch billigst mit Inhalten auffüllen. Wer
jedoch hochwertige und ansprechende Werke fördern will und
wer die Zukunftschancen einer
vielfältigen literarischen
Produktion schützen wolle, dürfe
nicht der Gratismentalität das
Wort reden und das Urheberrecht
zum Nachteil der Wortschöpfer
verändern.
Die Digitalisierung wirft neue
Fragen auf, so z. B. im Bereich
der „onleihe“ für e-Medien.
Irreführend, enttäuschend und
wenig zielführend ist dabei aber
die Behauptung im Rahmen einer
europäischen Kampagne, durch
das geltende Urheberrecht würde
der Kernauftrag der Bibliotheken,
allen Bürgerinnen und Bürgern
Bildung und Information zu einfachen und kostengünstigen
Bedingungen zu ermöglichen,
unterlaufen.
„Der Zauber des Worts, die Magie
der Sprachgewalt, das kulturelle
und politische Engagement in den
Büchern sollen und müssen auch
weiterhin in großer Vielfalt eine
breite Leserschaft erreichen“,
erklärte Török.
Mediamaker 1 / 2014
Willi-Bleicher-Preis
2014 ausgeschrieben
IG Metall BadenWürttemberg prämiert
herausragende Beiträge
zur Arbeitswelt
Die IG Metall im Südwesten verleiht dieses Jahr zum dritten Mal
den Willi-Bleicher-Preis. Noch bis
zum 31. Mai 2014 können sich
Journalistinnen und Journalisten
dafür bewerben. Ausgezeichnet
werden Beiträge, die sich mit der
Arbeitswelt und ihrem Wandel
auseinandersetzen sowie verständlich und eindrücklich die
Konsequenzen und Herausforderungen für die Beschäftigten aufzeigen.
IG Metall-Bezirksleiter Roman
Zitzelsberger: „Die Arbeitswelt
befindet sich im Umbruch, mit
neuen Technologien und neuen
Absatzmärkten im Ausland steigen die Anforderungen an die
Belegschaften. Das spüren insbesondere auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den
exportstarken Branchen BadenWürttembergs, von ihnen wird
eine immer größere Flexibilität
abverlangt, zugleich nimmt der
Leistungsdruck zu. Wie die
Beschäftigten diese Herausforderungen meistern, welche
Sorgen und Ängste sie haben
oder welche Missstände ihnen
womöglich bei der täglichen
Arbeit begegnen – solche
Beispiele wollen wir mit dem
Willi-Bleicher-Preis sichtbar
machen und die besten darunter
auszeichnen. Wir freuen uns auf
zahlreiche Bewerbungen.“
Zulassungsbedingungen und
Einsendeschluss:
Gesucht werden Beiträge, die
zwischen dem 1. April 2013 und
dem 31. Mai 2014 in deutscher
Sprache gesendet oder veröffentlich worden sind. Dazu gehören
Hörfunk und Fernsehsendungen
ebenso wie Beiträge, die in
Zeitungen, Zeitschriften oder im
Internet erschienen sind. Formatbeschränkungen gibt es keine.
Bewerben können sich alle
Journalisten, die für Medien in
Baden-Württemberg arbeiten.
Zugelassen sind zudem
Einreichungen aus überregionalen
Medien, die einen klaren Bezug
zur Arbeitswelt im Südwesten und
den dortigen Betrieben und
Beschäftigten haben.
Einsendeschluss ist der
31. Mai 2014 (Poststempel)
Preisgeld und Jury:
Der Willi-Bleicher-Preis wird in
den drei Kategorien Fernsehen,
Hörfunk und Print/Online vergeben. Das Preisgeld beträgt jeweils
1500 Euro. Zusätzlich wird ein mit
1000 Euro dotierter Nachwuchspreis für Bewerber bis zum Alter
von 30 Jahren verliehen.
Die Auswahl der Preisträger
erfolgt durch eine unabhängige
3-köpfige Jury aus Prof. Dr. Frank
Brettschneider vom Institut für
Kommunikationswissenschaft an
der Universität Hohenheim,
Barbara Roth, Redakteurin
Hintergrund - Innenpolitik beim
Deutschlandfunk und dem
Schriftsteller Wolfgang Schorlau.
Namensgeber und
Preisverleihung:
Benannt ist der Preis nach dem
1981 verstorbenen ehemaligen
IG-Metall-Bezirksleiter Willi
Bleicher. Er stand Zeit seines
Lebens für soziale Gerechtigkeit
und Menschlichkeit, als Bezirksleiter für den Südwesten (1959 bis
1972) ebenso wie in seiner Haft
unter den Nazis im KZ Buchenwald. Dort hat er Anfang der 40erJahre den dreijährigen Stefan
Jerzy Zweig vor dem Tod bewahrt
und wurde durch die Rettung des
„Kindes von Buchenwald“ weit
über Baden-Württemberg und
Deutschland hinaus bekannt.
Verliehen wird der Willi-BleicherPreis am 22. Oktober in Stuttgart
("Rosenau" – Lokalität & Bühne).
Sämtliche Beiträge werden im
Internet sowie in einer Broschüre
veröffentlicht.
Weitere Informationen sowie das
Teilnahmeformular unter:
www.willi-bleicher-preis.de
7
Politische Kultur im
Umbruch? Die Medien
von morgen!
Montag, 2. Juni, von 18 bis 20
Uhr „Altes Rathaus“ Esslingen
Das Fritz-Erler-Forum BadenWürttemberg und „Mehr
Demokratie e.V.“ laden einzu
einer öffentlichen Diskussion in
der Reihe „Quergedacht in
Baden-Württemberg“.
Welche Rolle spielen die klassischen und die neuen Medien bei
der politischen Willensbildung, der
Politikvermittlung und der
Darstellung von Politik(ern)?
Wie groß ist der Einfluss der
Medien auf politische Entscheidungen? Wie groß darf er sein?
Welchen Einfluss haben
Konzentrationsprozesse in den
Printmedien bzw. wirtschaftliche
Verflechtungen von Medienbetrieben auf die Willensbildung?
Wie ist mit der Beschleunigung
des medialen Informationsaustausches einerseits und den eher
behäbig arbeitenden Institutionen
andererseits umzugehen?
Wie können komplexe politische
Themen in den Medien allgemein
verständlich dargestellt werden?
Wer sollte und wer kann
‚Moderator‘ öffentlicher politischer
Diskussionen innerhalb der
Gesellschaft sein?
Darüber diskutieren:
Gerd Manthey, Mediensekretär
ver.di im Fachbereich Medien,
Kunst und Industrie
Ulla Fiebig, Strategische
Unternehmensentwicklung,
Südwestrundfunk SWR
Prof. Dr. Bernhard Pörksen,
Lehrstuhl für Medienwissenschaft,
Universität Tübingen
Ulrike Winkelmann, Leiterin des
Innenressorts der taz
Moderation: Prof. Dr. Thorsten
Faas, Universität Mainz
8
Das Allerletzte
AfD bekämpft
Pressefreiheit nicht
nur verbal und steht
damit außerhalb des
Grundgesetzes
"Kurz vor dem Internationalen Tag
der Pressefreiheit 3. Mai hat ein
auch körperlicher Angriff auf
Medienvertreterinnen bei einer
AfD-Veranstaltung in Bremen
gezeigt, dass diese Gruppierung
nicht nur eine scheinbar harmlose
Protestpartei ist, sondern
Grundrechte des Grundgesetzes
aktiv bekämpft," kritisiert der
Bremer dju-Sprecher Friedrich
Siekmeier.
Bei einem Europawahlkampfauftritt des AfD-Bundesvorsitzenden hatte der AfD-Saalschutz
zwei dju-Mitglieder von der
Veranstaltung ausgeschlossen,
die vielfach ausgezeichnete
Rechteextremismus-Expertin
Andrea Röpke und auch einen
Fotografen; andere Medienvertreter dagegen durften bleiben.
"Wenn eine Partei bei öffentlichen
Veranstaltungen selektiert, wer
berichten darf und wer nicht, dann
stellt sie sich damit außerhalb des
Grundgesetzes," kritisiert
Siekmeier.
Die "laue Ausrede" des Bremer
AfD-Sprechers, der den
Ausschluss mit "womöglich unprofessionellen" Verhalten verteidigte,
verkenne, dass es sich um einen
Angriff auf die im Grundgesetz
verbürgte Medienfreiheit gehandelt habe. Wählerinnen und
Wähler sollten daher bei ihrer
Entscheidung am 25. Mai nur solche Parteien wählen, die zweifelsfrei die Grundrechte ernst nähmen.
Nachfragen bitte an
Friedrich Siekmeier,
Telefon 01 71 / 3 62 87 60.
Mediamaker 1 / 2014
Hüter des Worts: Die NachDenkSeiten
Darf man von Gleichschaltung der Medien
sprechen? Und davon, dass die Demokratie
höchst gefährdet ist?
In einem Beitrag für die Wochenzeitung „Kontext“ hat Albrecht
Müller Anfang April im Blick auf
das Netz von US-nahen Medienvertretern in Deutschland davon
geschrieben, wir hätten es hier „mit
einem gut ausgeklügelten System
der Gleichschaltung zu tun“.
Daraufhin hat sich der frühere
Stuttgarter FR-Korrespondent
Peter Henkel mit einer Mail bei ihm
beklagt. In den Nachdenkseiten
vom 15. Mai schreibt Müller:
„Henkel hält die Verwendung des
Begriffs Gleichschaltung für eine
Beleidigung; Henkel meint, wir
würden in den NachDenkSeiten
dramatisieren, wir würden die
Arbeit der Journalisten und Medien
viel zu kritisch sehen. Und wenn
ich schreibe, was sich bei uns an
Manipulation abspiele, ruiniere den
Rest an Demokratie, den wir noch
haben, dann sei dies ‚ödester
Stammtisch' und ‚paranoid'. Und
wenn ich schreibe, ‚die Oberen
bestimmen mit Meinungsmache,
wo es langgehen soll’, dann sei
das eine ‚konspirative
Scheindiagnose’.
Da es hier um ein zentrales
Thema der NachDenkSeiten und
auch meiner Arbeit als Autor
("Meinungsmache", "Die
Reformlüge", "Von der Parteiendemokratie zur Mediendemokratie") geht, veröffentlichen wir
den Text der Mail/des Briefes von
Peter Henkel wie auch meine
Antwort in der Form eines Artikels
zum Thema. Da es um ein grundlegenderes Problem geht, ist der
Text lang geworden. Pardon.
Leider ist er zu lang für den
MediaMaker.
Wir dokumentieren auszugsweise.
Der ganze Text ist zu finden auf
den NachDenkSeitgen unter
http://www.nachdenkseiten.de/?
p=21735#more-21735
... Wenn ich zum Beispiel ... im
Heute Journal Claus Kleber über
den Ukraine-Konflikt moderieren
höre und sehe, wenn ich eine
halbe Stunde später den Tagesthemen-Moderator Thomas Roth
verfolge, dann kann ich Gleichschaltung am lebenden Objekt studieren: Der Russe ist das böse,
der Westen ist das gute. Das
Schema liegt fest. Und nicht nur
bei diesen öffentlich-rechtlichen
Sendern, sondern auch beim Gros
der anderen Medien. Was nicht in
dieses Schema passt, wird weggelassen. So z. B. Informationen
über das Engagement der USA in
der Ukraine mit 5 Milliarden $ und
mit Militär und die Promotion des
jetzigen Ministerpräsidenten durch
die USA. Das Böse in Moskau wird
mit Hähme überzogen. Nicht
berichtet wurde und wird vieles,
was darauf hindeutet, dass die
neue Konfrontation zwischen Ost
und West von westlicher Seite
angetrieben worden ist.
... Der Kern dessen, was wir beobachten und beschreiben, ist folgender: Bei vielen wichtigen Fragen
unserer Zeit in der Außen- und
Sicherheitspolitik wie auch in der
Innen-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik gibt es eine große
Linie, für deren Penetration das
große Heer der Journalistinnen
und Journalisten schreiben und
senden, und dann gibt es einige
aufmerksame kritische Kolleginnen
und Kollegen, die gegen den
Strom schwimmen. Ihnen verdanken wir viel. Aber oft sind sie wie
wir, die NachDenkSeiten selbst,
auch nur eine Art Alibi für den
angeblich demokratischen Disput.
Und viele Journalistinnen und
Journalisten der gerade von
Henkel genannten und bewunderten Medien wie die Frankfurter
Rundschau, Panorama, TAZ und
Süddeutsche Zeitung dienen leider
der Erhöhung der Glaubwürdigkeit
des Mainstreams in ihren eigenen
Blättern und Sendern ...

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