Morgens Nationalhymne singen?

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Morgens Nationalhymne singen?
Morgens Nationalhymne singen?
Pro
Kontra
„Brüh im Lichte …“ Dieser peinliche Moment bei der Eröffnung der
Münchner Allianz-Arena, als Sarah Connor die deutsche Nationalhymne
umdichtete, dürfte noch vielen bekannt sein. Gewiss, sehr amüsant,
aber die daraus folgenden Straßenumfragen in den Medien (besonders
im Fernsehen) haben gezeigt, dass Sarah Connor offenbar nicht allein ist
mit ihrer Unwissenheit über den Text unserer Hymne: „Einigkeit und Recht und ähh … wie ging das noch gleich weiter?“
war nicht selten eine Aussage der Passanten, die von den
Fernsehteams befragt wurden. Das zeigt, dass das bisherige
Behandeln unserer Hymne im Unterricht scheinbar nicht ausreicht.
Aber warum muss man denn eigentlich die Nationalhymne
kennen? Um sie alle paar Jahre bei einer WM grölen zu können? Nein, es gehört einfach zur Grundbildung, die deutsche
Nationalhymne singen zu können. Das fördert den Patriotismus, von dem ja alle (auch ich!) während und nach der Fußball-WM so
begeistert waren. Patriotismus ist nicht zu verwechseln mit
Nationalismus: denn Nationalismus ist der Hass auf das Andere, währen
Patriotismus die Liebe zum Eigenen ist. Während in Deutschland dieser
neue Patriotismus schon nach kurzer Zeit wieder verebbt ist, ist er in
ziemlich allen anderen Staaten alltäglich. Besonders hervorzuheben sind
hier u.a. die USA und Frankreich. In den USA ist es nicht gerade selten,
dass eine Nationalflagge ständig vor dem Haus weht, während die in
Deutschland sofort als untrügliches Zeichen für einen National
(-sozial)listen gedeutet werden würde.
Darum fordere ich, die Nationalhymne nicht unbedingt täglich, aber
zumindest regelmäßig an der Schule zu singen, z.B. jeden Montag oder
vor/nach allen Ferien.
Jeden Morgen vor dem Unterricht die Nationalhymne anstimmen,
gemeinsam. Alle singen dieselben Worte, man ist eine Gemeinschaft.
Wer hat dieses Bild nicht im Kopf? Das Gefühl einer Gemeinschaft, ein
Teil eines Ganzen zu sein.
Hört sich doch ganz gut an! Die ganze Geschichte hat aber leider nur
einen kleinen Haken, und zwar, dass dadurch das Gemeinschaftsgefühl nicht wirklich gefördert wird…
Um es mit einem Beispiel zu verdeutlichen: In den USA
wird jeden Morgen vor dem Unterricht die Nationalhymne gesungen. Und leben die Amerikaner wirklich in einer
Gemeinschaft? Nach Angaben des „Nationalen Center for
Education Statistics“ (NCES) wurden im Schuljahr 2002/03
15 Schüler getötet, zwei Millionen Verbrechen begangen,
darunter 150 000 schwere Verbrechen wie Vergewaltigung oder Körperverletzungen. Tendenz steigend. Das Gemeinschaftsgefühl muss sich wohl irgendwo zwischen all den Verbrechen versteckt haben…
Um wieder Bezug auf Deutschland zu nehmen, möchte ich ein Beispiel
aus dem vergangenen Jahr geben: die Fußball-Weltmeisterschaft. Wir
haben sie alle hier in Deutschland miterlebt, vor jedem Deutschlandspiel
wurde die Nationalhymne gesungen. Alle mit der rechten Hand auf dem
Herzen, alle sind vor Respekt auf die Beine gesprungen. In diesem
Moment waren sie alle eins. Und danach? Danach wurde von vielen
wieder rumgegrölt und getrunken, bis der Arzt kommen musste. Und in
dieser „Besoffenen-Phase“ gab es Schlägereine, Verletzungen und
ähnliches. Der Bericht des Polizeipräsidiums in Stuttgart fasst nur die
kurze Phase auf, als einige Spiele
zumindest regelmäßig an der Schule zu singen, z.B. jeden Montag oder
vor/nach allen Ferien.
Der Einwand, dies könnte von anderen Staaten als Zeichen des Nationalismus missverstanden werden, ist unberechtigt, da es in vielen anderen
Staaten selbstverständlich ist, morgens die jeweilige Nationalhymne zu
singen.
Auch gegen den Einwand, ausländische Schüler könnten sich ausgeschlossen fühlen, kann etwas eingewendet werden und zwar, dass sich
die ausländischen Schüler in die deutsche Gesellschaft schneller einpassen, da durch das gemeinsame Singen der Nationalhymne sich das
Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Schule/Klasse
erhöht. Dies alles zeigt, dass es nicht nur nichts gegen das gemeinsame Singen der Nationalhymne einzuwenden gibt, sondern dass es auch einen triftigen Grund dafür gibt: die Förderung des Patriotismus. Außerdem gibt es vor und nach den Ferien scheinbar auch genug Zeit, um einen Gottesdienst abzuhalten, dem die Mehrheit der Schüler nicht einmal beiwohnt…
Yannik Bach, 8b
kurze Phase auf, als einige Spiele in Stuttgart ausgetragen wurden:“1134
Straftaten mit Bezug zur Weltmeisterschaft sind der Polizei bekannt
geworden, 358 davon waren Diebstähle und 295 Körperverletzungen
sowie 72 Sachbeschädigungen und 70 Beleidigungen. … Die Polizei
nahm 282 Personen vorübergehend oder längerfristig fest. 630
Personen kamen in Gewahrsam.“ Auch wenn es so schien, als ob die
Menschen wären der WM eins geworden wären: so war es nicht.
Hier wird von einem brüderlichen Miteinander und von der Einigkeit
gesprochen. Ohne diese Werte ist ein Zusammenleben in einem Land
nicht möglich. Daher sollten wir die Gesellschaft von heute näher
betrachten. Das brüderliche Miteinander kann nicht erzwungen werden, das ist etwas, was man freiwillig hervorbringen muss. Und nur, wer dieses Gefühl in sich entwickelt hat, ist in der Lage aus wahrem Herzen diese
Hymne zu singen. Eine Hymne steht symbolisch für ein
Land, daher muss sie aus den Herzen der Menschen heraus gesungen werden. Ist das heute möglich?
Bevor man Schüler dazu auffordern kann, das Lied jeden
Morgen zu singen, sollte man in ihnen das Gefühl der
Brüderlichkeit und Einigkeit wach werden lassen. Und
hierbei kommt es nicht darauf an, wer Deutscher, wer
Italiener, wer Russe ist.
Ein weiteres Problem ist, dass wir in Deutschland eine multikulturelle
Gesellschaft haben, das heißt, dass viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenleben, was natürlich auch viele Probleme und
Schwierigkeiten mit sich bringt. Eines dieser Probleme ist, dass viele
dieser so genannten „Immigranten“ in einer Doppelkultur leben. Das
heißt nichts anderes, als dass sie weder „richtige“ Deutsche werden
können, noch „richtige“ Immigranten, so entsteht eine neue Kultur, auch
wenn sie das nicht zugeben. Wenn man diese Immigranten fragt, welche
Nationalität sie haben, werden viele die ihres Ursprungs nennen und
abstreiten, Deutsche zu sein.
abstreiten, Deutsche zu sein.
Von einer Person, die so denkt und so fühlt, kann man nicht erwarten,
dass sie jeden Morgen vor dem unterrichtsbesuch die deutsche Nationalhymne singt. Um die Sache mit einem Beispiel zu verdeutlichen: Ich
selber bin türkischer Abstammung und habe auch viele Kurden in meiner
familie. Die erzählen mir natürlich von ihrer Schulzeit in der Türkei. Hier
wird jeden Montag und jeden Freitag jeweils vor Schulbeginn die
Nationalhymne gesungen und eine Art Vers aufgesagt, der mit den
Worten „Ich bin Türke, aufrichtig, etc.“ beginnt. Wie nicht anders zu
erwarten ist, weigern sich viele Kurden, diesen Vers und die türkische
Nationalhymne aufzusagen, auch wenn diese Entscheidung
viele unangenehme Konsequenzen mit sich bringt. Ist aber
verständlich, sie sind nämlich keine Türken!
Bevor so etwas von allen Schülern verlangt wird, sollte
man erst einmal andere Probleme aus dem Weg räumen.
Um ein Beispiel zu nennen: Berlin-Neukölln. Wenn man
von den Jugendlichen, vor allem mit Migrationshintergrund erwartet, dass sie morgens die deutsche Nationalhymne singen, werden sie sich ganz gewiss weigern.
Vielleicht noch nicht einmal verstehen, was denn gemeint
ist. Was jetzt vielleicht witzig klingt, ist genauer betrachtet
gar nicht witzig, sondern ein ernsthaftes Problem. Bevor von diesen
Schülern erwartet werden kann, die deutsche Nationalhymne zu singen,
sollte man diesen Immigranten eine Hand reichen und ihnen helfen, sich
zu Deutschland gehörig zu fühlen.
Ilkem Sakar, 12c

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