Reicenberger Zeitung - Sudetendeutsche Landsmannschaft

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Reicenberger Zeitung - Sudetendeutsche Landsmannschaft
Manfred Kittel: Das kostbare Recht auf Rückkehr (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung
Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung
155. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 68 | Folge 5 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 5. Februar 2016
Diese Woche
KURSE
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Kulturpreisträger
... Professor Klaus Feßmann
und sein Lernkonzept „Resonanz & Akzeptanz“: Hilfe
aus der Flüchtlingskinderfalle.
Seite 4
Pater Paul Heider OT
... zum 70. Todestag: Findiger Förderer der Lehre.
Seite 6
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Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH · Hochstraße 8 · D-81669 München · eMail [email protected]
B 6543
� Münchener Landgericht befaßte sich mit der Satzungsreform
Rechtssicherheit geschaffen
Prag
Bier, Brot und Spielchen:
Tschechische Vernebelungspolitik um den tschechischen Finanzminister
Andrej Babiš.
Seite 3
VOLKSBOTE
Die Reform des Paragraphen 3 der SL-Satzung sei von der XV. Sudetendeutschen
Bundesver­sammlung mit der erforderlichen Mehrheit beschlossen worden und
beinhalte keine Zweckänderung, stellte das Landgericht München I mit Urteil
vom 29. Januar fest.
D
ie Sudetendeutsche Landsmannschaft
nahm diese Feststellungen mit Genugtuung zur Kenntnis. Zwei wesentliche
Aspekte der Satzungsänderung vom Februar 2015 seien „eindrucksvoll bestätigt“
worden, so der Bundesvorsitzende Bernd
Posselt, zugleich Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe. Posselt begrüßte das Urteil, weil es in den für die Landsmannschaft wesentlichen Fragen Rechtssicherheit geschaffen und den Weg für ein
baldiges Inkrafttreten der Satzungsänderung durch Eintragung beim Vereinsregister ebne.
Die von dem im rheinischen Mönchen­
gladbach ansässigen Kläger Ingolf Gottstein, zugleich Pressesprecher des Witikobundes, beantragte Feststellung einer
materiellen (inhaltlichen) Nichtigkeit der
Änderung des Paragraphen 3 der Satzung
wies das Gericht ebenso zurück wie das
Verlangen, die Landsmannschaft müsse ihre Mitteilung vom 1. März 2015 über
den Beschluß ihrer Bundesversammlung
gegenüber allen Empfängern widerrufen.
In der Darlegung seiner Entscheidungsgründe geht das Gericht der Frage
nach, ob der Beschluß zur Satzungsänderung materiell, also inhaltlich, rechtmäßig
oder nichtig sei, und kommt zu dem Ergebnis: Die beschlossene Satzungsänderung stelle keine Änderung des Zwecks
der Landsmannschaft im Sinne des § 33
Absatz 1 Satz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) dar, demzufolge die Zustimmung sämtlicher Mitglieder der SL
erforderliche wäre, „insbesondere, da
hierdurch die grundsätzliche Zweckrichtung [der SL], sich für die Belange und Interessen der Sudetendeutschen einzusetzen, nicht geändert wird“. Damit bestätigt
das Gericht den inhaltlichen Teil der Satzungsänderung.
Bezüglich der Frage, mit welcher Mehrheit die SL Satzungsänderungen zu beschließen habe, bezeichnet das Gericht es
als „unstreitig“, daß die Bundesversammlung die Änderung „mit der Mehrheit der
Anwesenden“ verabschiedet habe.
Kurioserweise bemängelte das Gericht
indes die im Zuge des Beratungsverfahrens der zuständigen SL-Gremien kurzfristig vorgenommenen Änderungen am ursprünglichen Antrag, die dem Bemühen
geschuldet waren, möglichst viele kritische Anmerkungen zu berücksichtigen,
weshalb es den Streitgegenstand letztendlich für unwirksam erklärte. So hatte das
Plenum am 28. Februar 2015 über einen
Wortlaut abgestimmt, der am Tag zuvor
aufgrund von Vorschlägen aus der Mitte
der Bundesversammlung gegenüber dem
form- und fristgerecht versandten Antrag
des Bundesvorstands ergänzt worden war.
Demnach wäre eine Fassung, die die vorgebrachten Bedenken unberücksichtigt
gelassen hätte, vor Gericht durchgegangen.
Weil aber Mitglieder des Bundesvorstandes, die im November in die neue,
XVI. Sudetendeutsche Bundesversammlung gewählt wurden, den Antrag von
2015 wortgleich, form- und fristgerecht in
die erste Sitzung der neuen Bundesversammlung einbringen werden, verzichtet
der Bundesvorstand darauf, den Rechtsweg fortzusetzen und Beschwerde gegen
die Entscheidung einzulegen. Die neue
Bundesversammlung wird sich am 27. Februar in München konstituieren.
� Gedenkgottesdienst für Franz Neubauer in München
„Löst mir die Binden, laßt mich gehen“
Links: Fahnenabordnung der Münchener Böhmerwäldler. Mitte und rechts: Visitator Monsignore Dieter Olbrich, Visitator emeritus Monsignore Karl Wuchterl und Monsignore Anton Otte zelebrieren den Gedenkgottesdienst.
Zu einem Gedenkgottesdienst
für Franz Neubauer, den am
2. Dezember verstorbenen Altsprecher der Sudetendeutschen
und Ehrenvorsitzenden der
Landsmannschaft, fanden sich
am vergangenen Samstag auf
Einladung von Volksgruppensprecher Bernd Posselt mehrere
hundert Landsleute in der Heilig-Geist-Kirche am Münchener
Viktualienmarkt ein.
D
as 1392 vollendete, von 1724
bis 1730 barockisierte, im
Zweiten Weltkrieg zerstörte und
ab 1946 wiederaufgebaute Gotteshaus bot dafür einen sehr würdigen Rahmen. Der von Visitator Monsignore Dieter Olbrich,
seinem Vorgänger Monsignore
Karl Wuchterl sowie Monsignore Anton Otte, Propst emeritus
des Kollegiatskapitels auf dem
Wyschehrad in Prag, zelebrierte
Messe war eine Sitzung des SLBundesvorstandes vorausgegangen, so daß die Volksgruppenführung mit Bernd Posselt (auch
SL-Bundesvorsitzender), Reinfried Vogler, dem Präsidenten
der Sudetendeutschen Bundesversammlung, und Ortfried Kotzian, dem Vorstandsvorsitzenden
der Sudetendeutschen Stiftung,
bereits in München weilte. Zu
den prominenten Gottesdienst-
teilnehmern gehörten der lang- schmied, der das beliebte „Segne Leben überführt worden. Franz himmlischen Herrlichkeit schenjährige Bayerische Ministerprä- du, Maria“ als Sologesang dar- Neubauer wurde mit 16 Jah- ken wird.“
sident und Schirmherr der Sude- bot. Die Karpatendeutschen wa- ren aus seiner Egerländer HeiDer zweite Gruß kam vom Sutendeutschen, Karls­preisträger ren durch ihre Bundesvorsitzen- mat vertrieben.“ Hauke erinner- detendeutschen
Priesterwerk.
Edmund Stoiber, mit seiner Frau de Brunhilde Reitmeier-Zwick, te an den Päpstlichen Gregorius- Er würdigte Neubauers VerbunKarin, Sudetendeutsche und Eh- die Pommern durch ihren Lan- orden, den Franz Neubauer 2003 denheit zur sudetendeutschen
renmitglied der Landsmann- desvorsitzenden Ernst Schröder zum Dank für seine Verdienste Priestergemeinschaft und zum
schaft, sowie die frühere Schirm- vertreten.
für die Kirche erhielt, aber auch Haus Sankt Johann in dem seiherrschaftsministerin
Christa
Monsignore Olbrich verlas die an den Karlspreis der Sudeten- nen Wohnort Stephanskirchen
Stewens. Das Ministerium, das Grußworte des Vertriebenenbi- deutschen. „Letztlich aber zählt benachbarten Brannenburg in
Franz Neubauer von 1984 bis schofs Reinhard Hauke (Erfurt), vor Gott das, was wir an Werken Oberbayern.
1986 führte, vertrat Amts­chef in dem es hieß: „Das irdische Le- der Barmherzigkeit getan haOlbrich sagte, er sei zu kurz im
Michael Höhenberger. Die Wit- ben eines Mannes, der sich für ben. Ich bin sicher, daß Gott, Amt, um Franz Neubauer noch erwe Erika Neubauer begleiteten die Fragen der Vertriebenen mit der Herr davon viele bei Franz lebt zu haben. Er bezog sich desFranz Neubauers Sohn Rainer ganzer Kraft eingesetzt hat, ist Neubauer finden und dem lie- halb auf das Evangelium, das das
und seine Tochter Erika sowie nun beendet und in ein neues ben Verstorbenen Anteil an der Schicksal des Lazarus von Bethaweitere Familinien (Johannes,
enangehörige.
11,1–45)
beFahnenabordschreibt. Die fronungen hatten
he Botschaft diedie Landsmannses Evangeliums
schaft, die Egersei: „Der Tod hat
länder und die
nicht das letzBöhmerwäldler
te Wort. Für das
entsandt.
Leben sind wir
Lieder aus der
geboren, nicht
Deutschen Mesfür den Tod, für
se von Franz
ein Leben jenSchubert wurseits des Grabes.
den orchestriert
Der Gott, an den
von
Musikern
wir alle glauben,
der Gartenberverhindert nicht
ger
Bunkerden Tod. Aber
Blasmusik aus
Gott hat uns für
Geretsried unter
ein Leben beruLeitung von Ro- Die erste Reihe mit Witwe Erika Neubauer und Familienangehörigen, Christa Stewens, Bernd Posselt, Karin und fen jenseits des
Bilder: Herbert Fischer Todes, ein Leland Hammer- Edmund Stoiber.
ben, das dann keinen Tod kennt,
keine Trauer, keinen Schmerz.“
Das Evangelium ende seltsam:
Jesu Wort „Löst ihm die Binden
und laßt ihn gehen“ sei eine Aufforderung an uns alle. „Das ist
die Trauerarbeit, die zu leisten
ist. Wenn wir es gut mit dem Verstorbenen meinen, müssen wir
ihn loslassen, müssen wir ihn
freigeben. Wenn wir wirklich an
das Ewige Leben glauben, dann
müssen wir es dem Heimgegangenen auch gönnen. Jesus weinte ja auch am Grab seines Freundes. Wir trauern oft nicht um
den Verstorbenen, sondern mehr
um und selbst. Wir bedauern oft
nicht die Toten, sondern eher uns
selbst. Und vielleicht – ich glaube es sicher – ruft uns der Verstorbene zu: ,Ich habe nun endlich mein Ziel erreicht, zu dem
ich unterwegs gewesen bin. Laßt
mich. Ich bin glücklich, zufrieden. Und vertraut Euch in Eurem Leben und in Eurem Sterben Jesus an, dessen Liebe stärker ist als der Tod.‘ Vielleicht ruft
er uns heute zu ,Löst mir die Binden, laßt mich gehen.‘“
Die Fürbitten galten auch
Franz Neubauer: „Unser Gott
komme ihm voll Liebe entgegen
und gebe ihm den Frieden, den
diese Welt nicht geben kann.“
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