Klavierabend Koffler. Ein verdrängter Komponist der polnischen

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Klavierabend Koffler. Ein verdrängter Komponist der polnischen
Klavierabend
Koffler. Ein verdrängter Komponist der polnischen Moderne
Martin von der Heydt
Pianist
Józef Koffler
1896-1944
In Deutschland hat es seit den 80er Jahren viele Bemühungen gegeben, das Werk von Komponisten wieder
ins Bewusstsein zu bringen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, indem sie ins Exil gezwungen
wurden oder ihr Leben verloren. Weitestgehend unbeachtet blieb dabei leider der polnische Komponist
Józef Koffler. Koffler studierte während Schönbergs Zeit in Wien, gehörte zwar nicht zu dessen direkten
Schülern, korrespondierte aber mit seinem Kreis und rezipierte eifrig die damals neue Zwölftontechnik.
Koffler wurde dann der erste polnische Komponist, der die Zwölftontechnik verwendete (wenn auch
nicht ausschließlich, ebenso wenig wie Schönberg selbst!) und in zahlreichen Publikationen propagierte.
Das vorliegende Programm rückt Kofflers Schaffen in den Fokus.
Die 40 polnischen Volkslieder setzte Koffler mit eigenwilligen Harmonisierungen für Klavier, vergleichbar
mit ähnlichen zeitgenössischen Werken etwa von Bartók, wenn auch mit völlig verschiedenem Material.
Man muss zugeben, dass es sich dabei um eine in Kofflers Schaffen eher untypische Arbeit handelt,
doch begründen die Schönheit der Arrangements und ihre völlige Unbekanntheit ihren Platz in diesem
Programm - Lieder ohne Worte. Über Felix Mendelssohn-Bartholdy schrieb Koffler übrigens bei Guido
Adler seine Doktorarbeit.
Neben Schönberg war Karol Szymanowski, der Vater der neueren polnischen Musik und einer der
bedeutendsten Klavierkomponisten seiner Zeit, ein lebenslanger Bezugspunkt für Koffler. Szymanowskis
Opus 1, zum Teil bereits im Alter von 16 Jahren komponiert, sind 9 noch vom Vorbild Chopin beeinflusste
Préludes - überaus melancholische, alle mit einer Ausnahme in der Molltonart stehende Stücke. Die
Mazurki op.62 sind Szymanowskis letztes Werk überhaupt. Szymanowski gewidmet ist Kofflers Musique
quasi una sonata, die schon zwölftönig ist. Die Dodekaphonie merkt man Kofflers Sonatine op.12 hingegen
kaum an, denn im Unterschied zu Schönbergs strengen Kompositionsregeln erlaubt Koffler tonale
Zentren, Oktaven und Ostinati. Es ist der historisch interessante wie musikalisch höchst wirkungsvoll
gelungene Versuch, die Zwölftontechnik mit dem Neoklassizismus in einer französisch beeinflussten,
klaren Textur zu verbinden und vom deutschen Expressionismus wegzuführen.
Klavierabend
Koffler. Ein verdrängter Komponist der polnischen Moderne
Józef Koffler (1896-1944)
Variationen über einen Walzer von Johann Strauss op.23
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)
7 Lieder ohne Worte
op. 67/1 Es-Dur Andante - op. 38/2 c-moll Allegro non troppo - op. 38/6 As-Dur „Duetto“ Andante con
moto - op. 67/3 B-Dur Andante tranquillo - op. 102/5 A-Dur Allegro vivace - op. 102/1 e-moll Andante,
un poco agitato - op. 67/2 fis-moll Allegro leggiero
Karol Szymanowski (1882-1937)
2 Mazurki op.62
Józef Koffler
40 Polnische Volkslieder op. 6 (Auswahl)
Wieją wiatry - Którędy Jasiu? - Porównaj Boże - Oj, kołyszże się, kołysz - Wśród nocnej ciszy - Bóg się
rodzi - Lulajże Jezuniu - Hej tam w polu - Oj! idzie se Janiczek - Koło mego ogródecka - Albośmy to jacy
tacy - Hejze ino! fijołecku leśny! - Czarna Kura - Poczekaj Hanka - Rzucam chatę - Przykazali mi matula Miała baba koguta
-PauseKarol Szymanowski
9 Préludes op.1
Andante ma non troppo - Andante con moto - Andantino - Andantino con moto - Allegro molto
impetuoso - Lento. Mesto - Moderato - Andante ma non troppo - Lento, mesto
Józef Koffler
Musique quasi una sonata op.8
Andante maestoso / Più vivo - Vivace con brio - Allegretto, à la polonaise - Ben mosso - Sostenuto
molto
Józef Koffler
Sonatine op.12
Allegro con spirito - Adagio cantabile - Vivace
Martin von der Heydt
eröffnet in seinen Recitals den Zuhörern neue Horizonte und ungewohnte, faszinierende Perspektiven
auf das Klavierrepertoire. Dessen unerschöpflichen Reichtum erforscht er in neuartigen, überraschenden
Programmkonzeptionen und in Zusammenstellungen, die Bekanntes anders beleuchten und zu fesselnden
Wieder- und Neuentdeckungen einladen. Er widmet sich mit Vorliebe selten gespielten Werken (z.B. von
Alkan, Busoni, Jolivet und Szymanowski) oder stellt Beispielen aus dem klassisch-romantischen Kanon
zeitgenössische Kompositionen gegenüber. Er zählt zu den wenigen Pianisten, die es wagen, extrem
komplexe Werke von Xenakis, Ligeti oder Nancarrow auswendig vorzutragen.
Außerdem betätigt er sich umfassend als Liedbegleiter und Kammermusikpartner. Aufgrund seiner
intensiven Beschäftigung mit neuer Musik werden ihm viele Uraufführungen solistischer und
kammermusikalischer Kompositionen anvertraut. 1999 war er Mitbegründer des E-MEX-Ensembles, das
seine Arbeit auf zeitgenössische Werke konzentriert und dem er bis heute angehört.
Martin von der Heydt absolvierte sein Klavierstudium an der Folkwang Hochschule Essen bei Prof. Till
Engel. 1998 legte er seine Künstlerische Reifeprüfung summa cum laude ab, 2000 das Konzertexamen.
Darüber hinaus erhielt er wesentliche Impulse durch Meisterkurse bei Vitaly Margulis, Pierre-Laurent
Aimard, Jean-Philippe Collard und Leonard Stein, Liedbegleitung außerdem bei Axel Bauni und Norman
Shetler.
Zu den Komponisten, mit denen er gearbeitet hat, gehören zahlreiche international renommierte Namen
wie Henri Pousseur, Juan Allende-Blin, Aribert Reimann, Cristobál Halffter, Akira Nishimura, Michael
Denhoff, Sidney Corbett, In-Sun Cho, Karin Haußmann, Gerald Eckert, Carola Bauckholt, Sven-Ingo Koch,
Kilian Schwoon, Jin-Ah Ahn, Gordon Kampe, Jeffrey Roberts, Valerio Sannicandro und Sarah Nemtsov.
Martin von der Heydt erhielt mehrere Preise bei angesehenen internationalen Wettbewerben. Seine
Engagements führten ihn in die meisten europäischen Länder sowie nach Japan, Korea, China, Brasilien,
Chile und in die USA. Er gab zahlreiche Workshops und Meisterkurse an deutschen und internationalen
Hochschulen. Martin von der Heydt unterrichtet an der Folkwang Universität Essen und leitet seit Ende
2011 eine eigene Klavierklasse an der Hochschule für Künste Bremen. CD-Produktionen bei den Labels
Wergo, cybele, neos und coviello und Rundfunkmitschnitte u.a. beim Deutschlandfunk, WDR, SWR und
DeutschlandRadio Berlin dokumentieren die Vielfalt seiner pianistischen Interessen.
Martin von der Heydt
Sommerburgstraße 97
45149 Essen
T 0201-275104
0176-332917729
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www.martinvonderheydt.com