die pinion s - Tout Terrain

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die pinion s - Tout Terrain

report Pinion-Getriebe
Die Pinion
18 Gänge kompakt im Tretlager verstaut – Das Pinion-Getriebe hat die Gene, die
Rohloff-Nabe vom Thron zu stoßen. Endlich waren erste Räder zum Test fertig.
s kommen
23
Die erhöhte Agilität durch zwei gleich schwere Laufräder spürt man bei jedem Antritt.
Text
Jochen Donner
Fotos
Daniel Simon
Alles fing mit einem Porsche an. Oder besser, beim
Porsche-Machen. Denn als sich Wirtschafts-Ingenieur
Michael Schmitz und Diplom-Ingenieur Christoph Lermen anlässlich eines Praktikums bei Porsche über den
Weg liefen, fand das – ausgerechnet – in der Abteilung
für Getriebe-Entwicklung statt. Sie entdeckten bald
eine weitere, gemeinsame Begeisterung neben dem
Motorsport: die fürs Mountainbiken. Damit waren sie
im Kollegenkreis nicht die einzigen. In diesem Umfeld
war dann der daraus resultierende Gedanke nur folgerichtig: Warum nicht ein wettbewerbsfähiges Getriebe
nach Automotive-Standards fürs Fahrrad entwickeln, um
damit die anfällige Kettenschaltung zu ersetzen?
Bis zum ersten Prototyp war der Weg von da an
jedoch noch lang. Doch aus diesem Gedanken hat sich
mittlerweile die Firma Pinion GmbH in Denkendorf bei
Ein einfacher, etwas kantiger Drehgriff (90
Gramm) gebie­tet doppelzügig über 18 Gänge.
Die Rasterung findet im Getriebe statt.
24
TREKKINGBIKE 4-2012
An speziellen Aufnahmen für Stahl- oder
Alurahmen (ca. 410/250 Gramm) wird der
Getriebeblock stabil verschraubt.
Stuttgart mit etwas mehr als Vollzeit-Arbeitsplätzen für
die Gründer und weitere Mitstreiter entwickelt. Und
natürlich deren erstes Produkt: das universell am Fahrrad einsetzbare Stirnradgetriebe P 1.18.
Was diese Sache so revolutionär macht, sind im
Wesentlichen zwei Dinge: Erstens ist mit dem P 1.18
ein voll gekapselter Antrieb entstanden, der mit 636
Prozent Übersetzungsbandbreite sogar noch die einer
herkömmlichen Kettenschaltung (circa 620 Prozent)
übertrifft, zudem noch regelmäßig gestufte 18 Gänge
und eine hermetische Abschottung gegen Schmutz,
Feuchtigkeit und mechanische Störungen bietet. Zweitens ist dieses Getriebeaggregat an optimaler Stelle im
zweirädrigen, einspurigen Fahrzeug „Fahrrad“ platzierbar: am Tretlager. Dort konzentriert sich in allen drei
Dimensionen mittig, damit also in idealer Lage alles, was
sich bis dato am oder im Hinterrad befand: Schaltzüge,
Schaltwerk, Kassette, Getriebenabe. Ein Pinion-Hinterrad kann mit einfacher Nabe und einzelnem Ritzel mit
Freilauf breiter und damit stabiler eingespeicht werden.
Und es wird wesentlich leichter als bisher. Dadurch lässt
es sich sowohl mit weniger Kraft in Rotation versetzten
als auch daraus abbremsen. Auch gefederte Fahrwerke
lassen sich effektiver umsetzen, da Hinterbau und -rad
dank geringerer Masse sensibler einfedern und von
Antriebseinflüssen durch wechselnde Ansatzpunkte des
Kettenzugs befreit sind. Durch verbesserte Gewichtsverteilung und etwa gleich schwere Laufräder erreichen
Agilität und Handling des Bikes ein höheres Niveau:
Die gleichmäßiger verteilte rotierende Masse und der
vertiefte Schwerpunkt in der Mitte der Fahrzeuglänge
Das zentrale 18-Gang-Getriebe hat das
Zeug, das Fahrrad zu revolutionieren.
lassen das Bike kraftsparender, ruhiger und stabiler rollen.
Nach fast 200 Jahren ist ein Grad an Symmetrie im System erreicht, die das Fahrrad perfektioniert. Viel mehr
lässt sich prinzipiell daran nicht mehr verbessern.
Auf unseren Test-Touren mit den brandneuen „Pinionisten“ von Tout Terrain und Patria stellte sich schnell
eine Vertrautheit mit der neuen Technik ein. Der
Drehschalter arbeitet sehr ähnlich wie das RohloffBedienelement; ein wenig härter, mit ein wenig kürzeren
Schaltwegen, vielleicht. Doch das kann auch an den
kürzeren Zügen und dem ungedehnten Neuzustand
derselben liegen. Die Zahl des eingelegten Gangs war an
den Testrädern schlecht abzulesen: Die helle Oberfläche
des Zahlenrings glänzt im Tageslicht. Der Seriengriff soll
jedoch einen schwarzen Ring mit hellen Zahlen erhalten.
Der Griff selbst ist ein wenig kantig, doch das sollte sich
bei nächster Überarbeitungs-Gelegenheit verbessern. Die
Gänge schalten sich alle mit gleich großen Wegen und
Kraftaufwand, egal, ob im Stand oder in Fahrt, unter
Last gelegentlich einen Hauch schlechter – die Mechanik
wird sich mit zunehmendem Gebrauch noch einlaufen.
Wie bei Rohloffs Getriebenabe kann man erst nach
1500 bis 2000 Kilometern und eingelaufenem Zustand
endgültig urteilen. Zudem sind die Test-Exemplare in
beiden Bikes noch immer Vorserien-Modelle, die den
beiden Herstellern zu Anpassungs-Zwecken zur Verfügung gestellt sind. Allerdings ist „die Performance schon
sehr, sehr seriennah“, wie Michael Schmitz, einer der
Gesellschafter-Geschäftsführer von Pinion, attestiert.
Unterschiede zur Serie bewegen sich hier im Bereich
einiger Dichtungsringe, die noch auf einem Stahlring
etwas rauer laufen, als später auf poliertem, gehärtetem
Material in Serie. Oder dass die Kurbeln mit eigenem
Wellenmaß hier aus dem Vollen CNC-gefräst sind, die
Zukünftigen dagegen aus einem Schmiedeteil herausgeschält werden sollen.
Diese Un-Perfektheiten sollten also wenig bis keinen
Einfluss auf das Fahrgefühl an unseren Pinion-Pionieren
haben. Beim Fahren gefällt der flüssige Gangwechsel,
auch über mehrere Stufen, es überrascht jedoch die
kaum wahrnehmbare Geräuschkulisse. Selbst unter
Höchstlast wird das Getriebe nie laut. Es gibt auch hier
„Ein Wirkungsgrad für das Pinion-Getriebe ist
schwer anzugeben, da der von vielen Kriterien
abhängt. Nach unseren Prüfstandsmessungen liegen
wir etwas besser als bei einer Rohloff-Nabe in
Gängen, bei denen mindestens zwei Planetengetriebe
im Eingriff sind. Aber etwas schlechter als eine neue
Kettenschaltung mit gerade laufender Kette. Beim
Pinion 1.18 bleibt der Wirkungsgrad jedoch über alle
Gänge hinweg konstant.“
Statement
Michael Schmitz
Geschäftsführer Pinion
die „Geräuschgänge“ 7 und 13, ähnlich der gegenläufig
rotierenden Rohloff, doch hörbar nur im Montageständer mit dem Ohr neben dem Getriebe: Auch ein Indiz
für extrem genaue Arbeit und geringste Toleranzen bei
der Herstellung. „Automotive-Standards“ bedeutet eine
Menge DINs, ISOs und Zertifikate aller Art, dazu eigene
Prüfstände mit aufwändigen Prüfzyklen sowohl einzel-
✱ www.vsf-qualitaetssiegel.de
Oft sind es Details, die den Unterschied machen. Mit dem all-ride Qualitätssiegel
sorgt der VSF für Orientierung im Fahrradmarkt. Ausgesuchte und nach klaren
Kriterien bewertete Produkte und Werkstätten finden Sie auf unserer Website.
ner Baugruppen wie auch der gesamten Aggregate. Es
bedeutet aber auch: Zulieferer für Pinion sind dieselben
Leute, die im Raum Stuttgart für Porsche, Daimler und
Bosch produzieren. Gut für die exorbitanten Qualitätsansprüche von Pinion und deren Kundschaft. Schlecht
jedoch, wenn, wie derzeit, durch sprunghaft gestiegene
Auftragslage in der Autobranche der Kunde Pinion bei
seinen Zulieferern dank geringerer Stückzahlabnahme
Fahreindruck
Jochen Donner
TestLeiter
trekkingbike
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TREKKINGBIKE 4-2012
Einige -zig intensive Kilometer konnte ich auf beiden
Testrädern mittlerweile sammeln. Ich muss sagen:
Pinion macht Freude!
Der Antritt ist stets definiert und direkt, die
Gänge schalten sauber und exakt, prima die riesige
Übersetzungsbreite. Manchmal muss man in den
schweren Gängen einen winzigen Moment Last vom
Pedal nehmen, damit der nächste Gang einrastet.
Das dürfte sich verlieren, wenn das Getriebe ein- bis
zweitausend Kilometer eingelaufen ist. Dies und das
Schalten per Drehgriff erinnert stark an Rohloff.
Auffällig, und akustisch angenehm anders, ist jedoch
die Laufruhe des Pinion. Abgesehen von den zwei
Freiläufen (am Kettenblatt und am Hinterrad-Ritzel)
ist vom Getriebe selbst in Fahrt und beim kettenlosen Probekurbeln in der Werkstatt nichts zu hören.
Am besten gefiel mir das superbe Handling der Bikes
durch den perfektionierten Schwerpunkt. Jetzt ist
das Fahrrad zu Ende entwickelt: Sein Schwerpunkt ist
optimiert, Vorder- und Hinterrad sind gleich schwer.
Darin steckt noch grandioses Potenzial!
Pinion P1.18 – die Fakten
Am Tretlager zentral angeordnetes Stirnradgetriebe mit 18 gleichmäßig gestuften Gängen und
636% Gesamtübersetzung. Geschaltet per Drehgriff am Lenker mit zwei Pull-Pull-Zügen.
# Die Gangsprünge variieren (unfühlbar) zwischen
10,6 und 12%, ähnlich einer eng gestuften
Rennradschaltung, doch ohne deren Doppelungen.
# Eine Lebensdauer von 60.000 km unter härtesten
Bedingungen ist derzeit prüfstandsverifiziert.
# Ein Ölwechsel alle 10.000 km oder einmal jährlich
wird empfohlen.
# Garantie 2 Jahre.
# Gewichte:
Getriebeblock ohne Kurbeln, mit Kettenblatt: 2,7 kg.
Am Fahrrad: Etwa 400-700 Gramm schwerer als ein
vergleichbares Rohloff-Rad, rund 2 kg schwerer als
ein vergleichbares XT-Kettenschaltungs-Rad.
ans Ende der Liefer-Prioritätsliste rutscht. Das führt
bei Redaktionsschluss zu einem weiteren Aufschub bei
der Auslieferung der ersten Seriengetriebe auf Ende Juli
2012. Schon dass die Pinion GmbH seit fünf Jahren
arbeitet, ohne ein einziges Produkt verkauft und Umsatz
gemacht zu haben, und dennoch existiert, ist ein kleines
Wunder. Zum Glück fand sich ein vom Produkt begeisterter Investor, der neben Geld auch ein gewisses Maß
an Technik- und persönlichem Interesse mit einbringt.
Beim Test mit unseren 20 Kilo Standardgepäck zeigten
sich die Segnungen der Primärübersetzung 30 zu 26: Die
„30/26 ist ideal für
steile Rampen und
für Tempo bergab.“
ähnlich großen Zahnräder reduzieren einerseits den Verschleiß. Andererseits ist damit die Übersetzung für ein
gepäckbeladenes Tourenrad sinnvoll abgestimmt: „Ich
habe überlegt, wo mir bei der Rohloff noch was fehlt
und habe da hinein das Pinion übersetzt“, sagt Oliver
Römer. Patria-Kleinebenne hat es ebenso gemacht.
Denn auch Pinion selbst empfiehlt diese Übersetzung,
neben der etwas leichteren, eher MTB-tauglichen 24
zu 21-Kombi. Mit 28-Zöllern ergibt das am Patria eine
Entfaltung von 1,42 Metern im ersten, und exakt 9
Metern im 18. Gang. Auf dem Tout Terrain kurbelt
man dementsprechend mit 1,31 bis 8,35 Metern durch
die Lande: Ein großzügiges Spektrum, mit Gepäck Pass
aufwärts wird man dafür richtig dankbar.
Tja, Negatives gibt es – bis jetzt – beim besten Willen
nicht zu berichten. Das Potenzial, das in diesem Getriebe steckt, ist immens. Lassen wir also 5 bis 10 Jahre ins
Land gehen, wünschen wir der Pinion GmbH und den
Anwendern in der Fahrradindustrie viel Glück, Erfolg,
langen Atem und Durchhaltevermögen. Vermutlich werden wir das Fahrrad dann nicht mehr wiedererkennen.
Anzeige_Westfalia-Fahrradtr ger BC 60_210x136.qxd
Tout-Terrain-MAcher Oliver Römer war mit Pinion in Vietnam
„Gut 1500 Kilometer
war ich inzwischen mit
dem Pinion-Getriebe
in unterschiedlichstem
Terrain unterwegs:
Zu Hause auf AlltagsWegen und auf einer
Vietnam-Reise im
Februar. Deutlich positiv
macht sich der tiefe und
zentrale Schwerpunkt
im Bike bemerkbar. Auch die geringere rotierende Masse
des befreiten Hinterrads verschafft mehr Agilität beim
Fahren. Das höhere Gesamtgewicht von etwa 2 Kilo zum
gleichen Rad mit XT-Schaltung wird durch den wesentlich
besseren Schwerpunkt des Pinion-Bikes relativiert. Die
Primärübersetzung von 30 zu 26 Zähnen war ideal –
genug für steile Rampen wie für Tempo bergab. Vor- und
Nachteil zugleich: Auf ein Pinion-Rad muss man sich
hundertprozentig ein- und verlassen. Nachträglich gibt es
keine Alternative mehr, weil das Rad ausschließlich auf
diesen einen Antrieb festgelegt ist.“
12.03.2012
11:58
Oliver Römer,
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Pinion 1.18-Getriebe, 18
Schaltung
Gänge, Drehgriff, 30/26 Z.
Shimano XT Disc,
Bremsen
180/160 mm
Ausstattung Rahmenfester Edelstahlträger, 40 kg; Lenkanschlag;
E3-Lichtanlage, SONDynamo; Esge-HB-Ständer;
Ergongriffe; Kettenspanner
Vertrieb
Fernost-Shuttle
Von Anfang an hat die Pinion-Idee Oliver Römer
beschäftigt. Er hat deshalb auch den Weg des Getriebes bis zum Serienprodukt begleitet, und dafür einen
universellen Getriebeflansch für Stahlrahmen entwickelt. Den bietet er auch anderen Stahlrahmenbauern
an. Das erste eigene Pinion-Modell kurbelte der kreative Kopf von Tout Terrain persönlich durch Vietnam
– die Feuerprobe für Rad und Antrieb. Das Silkroad
ist ein solides Reiserad, mit 26-Zöllern wendig und
kompakt, auch für härtesten Einsatz gebaut. Der integrierte Gepäckträger besteht unter dem Lack aus Edel-
stahl und kann nicht rosten. Potente Scheibenbremsen
verzögern auch unter Volllast sicher. Die kompakten
Laufräder sind betont robust aufgebaut und beschleunigen leicht. Von der verbesserten Speichensymmetrie
profitiert besonders das „erleichterte“ Hinterrad. Der
USB-Lader „The Plug“ kann ein iPhone laden oder ein
GPS-Gerät speisen. Preise starten bei ca. 3900 Euro.
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- –
Fazit: Reiserad für allerhöchste Ansprüche. Und ein wendiges,
zuverlässiges Vielfahrer-Rad. Mit seiner erprobten Spitzenquali­­tät
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Triton hervorragend bedient.“ schreibt die RADtouren in ihrem
Testbericht. Hierfür sorgt der kräftige, harmonisch auf die
Muskelkraft abgestimmte Boschmotor genauso wie die
Premiumausstattung: Integrierte Busch&Müller Beleuchtung,
Shimano Deore XT Schaltung und Scheibenbremsen sowie die
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echten Kombi. Mehr Pedelecs unter: www.stevensbikes.de

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