Auerbachs Keller

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Auerbachs Keller
Auerbachs Keller.
Es war ein Arzt und auch Professor,
Verstand des Arztes Kunst viel besser
Als die meisten der Kollegen,
Und darum der Gesundheit wegen
Richtet er in seinem Heim
Mit Verstand die Gaststub’ ein.
Er stammte her aus Auerbach
Und so hieß man ihn gemach,
Nannt’ sein Wirtshaus auch danach.
Heinrich Stromer hieß er auch,
Doch dieser Name war nicht Brauch.
Es ging ihm gar nicht um die Taxe.
Weine schienen Prophylaxe
Gegen jegliches Gebrechen.
Drum hieß er die Studenten zechen.
Das ließen die sich gerne sagen,
Schlürften Wein mit viel Behagen.
Wen man nicht im Hörsaal sah,
Na, der saß dann eben da.
Wann der Keller ward gegründet,
Wo auch viel Genie sich findet,
Das war 1525.
Aber Wein wird ja nicht ranzig.
Pate war Kurfürst von Sachsen,
Für den war auch der Wein gewachsen.
Stromer war der Leibarzt dessen.
So war der Wein auch angemessen.
Die Gaststub’ war bald übervoll
Und von Studenten überquoll.
So ward ein größ’res Haus gebaut,
Das aus drei Etagen schaut.
Da hohe Gäste weltbekannt,
Sind später dann danach benannt:
Lutherzimmer, Goethezimmer,
Bach, ja, den vermisst man immer,
Hexenküche, Fasskeller,
Ach, was will man denn noch mehr?
Es war 1626,
Dass ein Maler fleißig wandt sich,
Hat zwei Bilder hergestellt:
Faust da gleich ins Auge fällt,
Reitet da auf dem Weinfass.
Ja, sag einmal, wie geht denn das?
Die Bilder sind auf Holz gemalt,
Die Pokerei mit Saufen prahlt.
Was ist das für ein toller Schmuck!
Der gibt erst den rechten Ruck.
Student Goethe war noch jung,
Kriegt erst da den rechten Schwung.
Sein Geist will vom Bild nicht lassen.
Erst spät muss er’s in Verse fassen,
Ach, es wird zum Drama gleich
Mit Gedanken überreich.
Auch den Keller muss er sichten,
Schelmisch drüber zu berichten.
Dabei hat er doch indessen
Sein „Ergo bibamus“ nicht vergessen.
„Mich ruft mein Geschick
Von den Freunden hinweg,
Ihr Redlichen: Ergo bibamus!“
Das Lied ging ins Commersbuch ein.
Ich wollte, solches Buch wär’ mein.
Wie säße man so manche Stunde
Gesellig da in froher Runde.
Und wenn ich rückwärts mich versenke,
Auch wohl an den Keller denke,
So auch an die Junkernschänke,
Wo wir uns so oft getroffen
In Göttingen so voller Hoffen,
Erfüllt mit jugendlichenTräumen:
Nur das Leben nicht versäumen!
Ergriffen von dem höchsten Sehnen,
Geist und Seele zu verwöhnen.
Wie oft ist da das Lied erklungen,
Mit großer Freude da gesungen:
Drum, Brüderchen, ergo bibamus!
Und dann auch das andre nur:
Gaudeamus igitur!
Iuvenes dum sumus!
So gab richtig Mumm es.
Vivat academia, vivant professores,
Öffner vielen Wissens Tores!
Und so dichten wir es weiter,
Da wir sind vom Weine heiter:
Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun,
Drum, Brüderchen, ergo bibamus!
Wie gerne war’n wir da versammelt.
Doch manchmal ist die Welt verrammelt.
Das Leben wird zur harten Nuss.
Drum, Brüderchen, ergo bibamus!
Ach, wäre man in Auerbachs Keller,
Da schlügen gleich die Herzen schneller,
Ertränken würd’ man allen Frust,
Drum, Brüderchen, ergo bibamus!
Was möchte man am liebsten tun?
Reisen weit und nimmer ruhn:
Sterne möchte man einfangen.
Zum höchsten Gipfel auch gelangen.
Ja, das wäre Hochgenuss.
Drum, Brüderchen, ergo bibamus!
Man möchte jedes Wesen kennen,
Zur Gottheit hin die Augen brennen,
Möchte wissen,“was die Welt
Im Innersten zusammenhält“.
Die Seele möchte sich erlaben.
Man möchte mit den Pferden traben.
Man möchte alles, alles haben.
Doch immer wieder gibt’s ein Muss.
Drum, Brüderchen, ergo bibamus!
Kein Mensch muss müssen, sprach der Meister,
Dass man drüber sich begeister.
Aber hör’ doch, wer da rief:
Der kategorische Imperativ!
Aber der ist ein Genuss,
Hält die Menschheit voll im Fluss.
Drum, Brüderchen, ergo bibamus!
Leipzig ist ne schöne Stadt.
Nur sie allein den Keller hat.
Hier ging Herr Goethe ein und aus.
Da sah er pokulierend Faust.
Der ritt auf dem Fass zur Tür hinaus.
Das macht’ dem jungen Mann Verdruss.
Drum, Brüderchen, ergo bibamus!
Da stellt sich keck Mephisto ein.
Denn auch der Teufel trinkt gern Wein.
Das ging dem Goethe auf die Brust.
Drum sagt er: Jetzt ist endlich Schluss
Mit: Brüderchen, ergo bibamus!
Doch immer lasst uns weiter singen:
Lasst immer noch die Gläser klingen!
Wenn auch die Gespräche ruhn,
Lasst nicht ab von eurem Tun:
„Beherziget: Ergo bibamus!“
Immer ist’s noch Hochgenuss,
Wehret oftmals dem Verdruss.
Dazu sag ich auch mal Schluss.
Auch der Götz ist mal ein Muss.
Über Götz von Berlichingen
Mögen auch die Gläser klingen.
Da wird es gleich im Kopf ganz hell,
Ist auch der mal ein Gesell.

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