Zeitschrift der Föderation Vinzentinischer Frauengemeinschaften

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Transcriptie

Zeitschrift der Föderation Vinzentinischer Frauengemeinschaften
2
Nr.
April
Mai
Juni
2010
Zeitschrift der Föderation
Vinzentinischer
Frauengemeinschaften
350. TODESJAHR
DES HL.VINZENZ UND
DER HL. LOUISE
MARIA IM LEBEN
DES HL. VINZENZ UND
DER HL. LOUISE
Homilie bei der Föderationstagung
im Kloster Frauenwörth 2009
SPIRITUAL
P. ROBERT LACHENSCHMID SJ
Liebe Schwestern und Brüder,
wir feiern Eucharistie heute
an einem Samstag – und
richten dabei unseren Blick
auf Maria. Wir sind am Ende
unserer diesjährigen Föderationstagung, und wir stehen
auch im Jubiläumsjahr der
350-Jahr-Feier des Todes
der heiligen Ordenspatrone
Vinzenz von Paul und Louise
von Marillac. Ich lade Sie
ein, mit mir kurz zu schauen,
wie Maria von Vinzenz und
Louise gesehen und gekündet worden ist.
Vinzenz und auch Louise
hatten eine ganz innige
Marienverehrung. Für Vinzenz waren vor allem drei
Geheimnisse des Lebens
Marias bestimmend:
• die Unbefleckte Empfängnis,
• die Verkündigung,
• die Heimsuchung.
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Alle drei Geheimnisse künden Maria, haben eine Beziehung zu Jesus und haben
eine besondere Bedeutung
für Vinzenz, seine Missionare
und Schwestern – und damit
auch für uns alle.
Aussage über Maria
Die drei Geheimnisse betreffen Maria selbst. – Vinzenz
bekennt sich zur Unbefleckten Empfängnis Marias. Dieses Geheimnis wurde zu
seiner Zeit, also im 17. Jahrhundert, noch diskutiert, war
also noch nicht allgemeine
Glaubenslehre. Aber es gab
schon seit dem 15. Jahrhundert ein Fest zu Ehren Marias
als der Unbefleckten Empfängnis, und diese Verehrung
geht in frühchristliche Zeit
zurück. Sie war im 17. Jahrhundert in Frankreich sehr
lebendig.
Für Vinzenz und Louise ist
dieses Geheimnis sehr bedeutsam. Für Vinzenz besagt
die Unbefleckte Empfängnis
Marias ihre Bereitung durch
Gott zum reinen Gefäß für
die Aufnahme des Sohnes
Gottes in der Menschwerdung. Vinzenz erkennt in der
Unbefleckten Empfängnis
ein Vorrecht, durch das klar
und unfehlbar ausgedrückt
wird, was Gott an »Leere«
und »Reinheit«, an Demut
und Keuschheit verlangt,
damit ein Geschöpf ihn empfangen und sich mit ihm
vereinen kann. Maria ist so
begnadet, um den Sohn
Gottes empfangen zu können.
Und dies ist im zweiten
Geheimnis – in der Verkündigung – ausgesagt: Maria
hört das Wort Gottes und
erklärt sich als die Magd des
Herrn: »Ich bin die Magd des
Herrn, mit mir geschehe, was
du gesagt hast« (Lk 1,38).
Wir haben hier ihre Zustimmung zum göttlichen Ratschluss.
Und das dritte Geheimnis
bedeutet für Maria, dass sie
zu ihrer Base geht, um zu
dienen – und dabei ist sie
Christusträgerin, Monstranz!
Sie ist Überbringerin der
Frohbotschaft. – In allen
drei Geheimnissen erscheint
Maria in ihrer Demut.
Bezug zu Jesus
Alle diese drei marianischen
Geheimnisse stehen in Beziehung zu Jesus. Vinzenz
spricht von Maria immer mit
dem Hinweis auf ihren Sohn.
Sie ist um seinetwillen da!
Fangen wir beim zweiten
Geheimnis, bei der Verkündigung, an. Maria wird von
Gott durch den Engel mitgeteilt, dass sie Mutter des
Sohnes Gottes werden solle.
Und der Sohn Gottes wird in
ihrem Schoß Mensch.
Und es folgt das dritte Geheimnis: Maria geht zu ihrer
Base. Sie trägt den Mensch
gewordenen Sohn Gottes
in ihrem Schoß – sie trägt
ihn zu Elisabeth.
Und das erste Geheimnis,
das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis, liegt
den beiden anderen Geheimnissen zugrunde. Maria
wurde unbefleckt empfangen auf ihre Mutterschaft,
auf die Menschwerdung des
Sohnes Gottes hin. Und sie
wurde unbefleckt empfangen durch die Verdienste
Zum Titelbild
Jeder erfährt in seinem
beruflichen und privaten Leben, wie Nähe
und Distanz zu Menschen immer wieder
neu überprüft werden
müssen. Der hl. Vinzenz scheint darin eine besondere, nachahmungswürdige Begabung gehabt zu haben.
Dieses Titelbild zeigt
uns einiges davon.
ihres Sohnes; sie wurde
vorauserlöst.
Bedeutung für uns
In diesen drei Geheimnissen
sieht Vinzenz eine besondere Bedeutung für sich und
für seine Missionare und
Schwestern – und damit
auch für uns. Wahre Marienverehrung besteht für Vinzenz darin, Maria zu ehren
und von ihr zu lernen und ihr
in ihren Tugenden nachzueifern.
Durch die Betrachtung der
Unbefleckten Empfängnis
Marias wird für Vinzenz vor
allem die Demut als Grundhaltung des Christen erfahrbar. Durch dieses Geheimnis vernimmt Vinzenz den
Appell, Gott Raum zu geben
im eigenen Herzen, immer
mehr leer – ich kann auch sa- Der hl. Vinzenz lässt den Armen ganz nahe an sich
herankommen. Er hat keine Berührungsängste, wie
die linke Hand zeigt. Was seine rechte Hand macht,
können wir nur ahnen. Beide schauen sich an. Sie
werden sich auch gegenseitig zugehört haben. Dazu
sind beide stehengeblieben. Einen Vinzenz, der
Barmherzigkeit nur so im Vorübergehen lebte, kann
ich mir einfach nicht vorstellen.
Was ich gerne wüsste? Was ging bei dieser und bei
vielen anderen Begegnungen mit Menschen in seinem Herzen vor: Mit Gott und vor Gott? Das bleibt
sein Geheimnis. Wie es allerdings um meine Barmherzigkeit bestellt ist, um meine zu große oder zu
kleine Nähe oder Distanz mit Menschen, das weiß
nur ich allein. Doch ich kann es ändern, noch heute,
bei meinen Begegnungen ...
SR. URSULA BITTNER
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Geistliches Wort
LIEBE
SCHWESTERN,
wir stehen mitten im Jubiläumsjahr unserer verehrten Ordensheiligen, Vinzenz
und Louise, da wir ihren
350. Todestag im März und
September feiern können.
Freude, Staunen und Dankbarkeit erfüllt uns, wenn wir
Gottes wunderbares Wirken
in ihrem Leben erneut erkennen dürfen.
Als Einzelne und als Gemeinschaften werden wir mit besonderer Liebe und Verehrung die geistigen Spuren
Louises und Vinzenz’ nachempfinden, sie verinnerlichen und in den eigenen
gen
»frei« – zu werden von
Selbstsucht und Sünde.
Im Geheimnis der Verkündigung sieht Vinzenz die Lehre,
wie Maria den Willen Gottes
geschehen zu lassen und
Christus aufzunehmen.
Im Geheimnis der Heimsuchung verspürt Vinzenz
die Sendung: Christus zu
den anderen zu tragen – den
Armen die Frohbotschaft zu
künden – wie und mit Maria
das Magnificat zu singen:
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Berufungs- und Sendungsweg einfließen lassen. Jede
Schwester mag dabei ihre
ganz persönliche Beziehung
zu den Heiligen reflektieren und in ihrem Herzen
wünschen, von deren Geist
der Gottes- und Nächstenliebe neu entflammt zu werden.
Wie vorbildlich war das
Tugendleben, das Streben
nach Heiligkeit, die Demut
und innere Größe der hl.
Mutter Louise, ihre Tapferkeit
im Ertragen der alltäglichen
Mühen und Anforderungen
im Armendienst wie auch in
»Meine Seele preist die
Größe des Herrn, und mein
Geist jubelt über Gott, meinen Retter« (Lk 1,46 f.).
Liebe Schwestern und
Brüder,
Vinzenz hatte eine sehr innige Marienverehrung. Und
diese seine Marienverehrung
ist für ihn Verehrung Marias
und zugleich Verehrung ihres
Sohnes, unseres Herrn Je-
SR. M. BRIGITTA BUCHLER,
GENERALOBERIN
IN HEPPENHEIM
der Formung und Leitung der
jungen Gemeinschaft.
Welch großartige verwandelnde Gnade Gottes war
am Priester Vinzenz am
Werk!
Seitdem Vinzenz erkannte:
»Erbarmen ist das innerste
Geheimnis Gottes«, konnte
er gar nicht mehr anders
sus Christus, und letztlich
Verehrung Gottes.
Und diese Verehrung erfährt
Vinzenz als Aufruf für sich
selbst und für uns alle: wie
Maria
• leer und demütig zu sein;
• Christus aufzunehmen;
• mit Christus zu den Menschen zu gehen – den Armen
die Frohbotschaft zu künden
– zu dienen – Gott zu preisen!
leben, als sich – wie Jesus –
in der Hingabe an die Menschen aufzuzehren. Er geht
in ihre Not ein, sein Herz
schlägt für die Armen und
wird so dem Herzen Jesu
mehr und mehr ähnlich. Viele
Aussagen des hl. Vinzenz
lassen uns seine Herztöne
erkennen.
Liebe Schwestern, vieles
könnte ich hier aus den
großartigen Lebensbildern
Louises und Vinzenz’ anführen, die Sie aber auch
kennen.
Dankbar möchte ich auf die
Impulse und Betrachtungen
hinweisen, die uns unsere
vinzentinischen Brüder, die
Lazaristen, in diesem Jubiläumsjahr zuschicken. Auch
das Echo, die Zweimonatszeitschrift aus Paris, deutsche Ausgabe, ist eine kostbare Fundgrube, die uns die
Heiligen der vinzentinischen
Familie näher bringen.
Die vielen wertvollen Beiträge unserer Zeitschrift
heute begleiten uns seit
vielen Jahren in vielerlei Hinsicht spirituell, theologisch,
vinzentinisch und aktuell und
stellen uns in bunten Facetten Vinzenz und Louise vor
Augen.
Als einen gewissen Auftakt
zum Jubiläumsjahr muss ich
die »Wallfahrt« der Generaloberinnen der Föderation im
Juli 2009 nach Paris erwähnen. Es waren unvergessliche Tage in der Rue du Bac.
Tage der Begegnung mit
Mutter Louise, Vater Vinzenz,
Schwester Katharina Labouré, dem Gnadenort der
Erscheinung der Mutter
Gottes in der Kapelle – und
nicht zuletzt mit der Generaloberin der Töchter der
christlichen Liebe, Soeur
Evelyn Franc und vielen
Schwestern des Mutterhauses.
Diese wundervollen Erlebnisse haben uns alle tief und
nachhaltig berührt.
Eine solche Fülle von Begegnungen mit Heiligem im umfassenden Sinn hat in mir erneut den Vorsatz geweckt,
nicht nur für mich selbst und
meine Mitschwestern, sondern auch über das Mutterhaus hinaus den hl. Vinzenz
und die hl. Louise lebendig
werden zu lassen. Denn die
Kraft ihrer Liebe hat doch
die Welt verändert – bis in
unsere Zeit hinein!
Liebe Schwestern, lasst uns
Gott loben und danken für
die großen Heiligen, die er
uns als Patrone und Vorbilder für unsere Berufung
als Barmherzige Schwestern
geschenkt hat. Lasst uns mit
neuer Freude und Hingabe,
heute ihr Charisma leben
und damit bezeugen: Erbarmende Liebe erobert die
Welt.
Schnappschuss
aus dem
Mutterhaus
Hildesheim.
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Schwerpunkt
SR. BRIGITTA BUCHLER
Vinzenz und Louise haben den Menschen ihrer Zeit nicht nur Suppe,
Medizin und äußere Hilfe gegeben. Sie haben mit liebendem Blick tiefer
geschaut, die Not der Seele, der Psyche, der Gottsuche erkannt – sie
sahen immer den ganzen Menschen.
Wenn wir uns fragen, wie wir heute Sinn suchenden, gestressten, ruhebedürftigen Menschen dienen können, so ist dies – neben den bisherigen
Diensten – zunehmend in der Weise, dass wir ihnen Gutes tun für die
Seele, den Körper und den Geist.
Einladen zum Auftanken, Stillewerden, Begegnung mit Gott im stillen
Gebet und in den Gottesdiensten, Dienst des Zuhörens, Gesprächsangebote, Mitteilen von Lebenserfahrungen, Erleben von Gemeinschaft.
Der folgende Bericht möchte davon etwas wiedergeben.
ZEIT DER STILLE
Eine Titelstory in UBI BENE, Winter 2009. Text: Ute Maag. Foto: Christian Dammert.
Sich zurückziehen. Entspannung, Ruhe und Geborgenheit finden. Über Gott und
die Welt reden. Oder einfach
nur schweigen. Die Gründe,
warum immer mehr Menschen im Kloster auf Zeit
Erholung suchen, sind vielfältig. Viele Ordenshäuser
machen Angebote, auch für
nicht religiöse Gäste. Ein Besuch bei den Vinzentinerinnen in Heppenheim an der
Bergstraße.
L
eise fällt die schwere Eingangstür ins
Schloss. Schummriges
Nachmittagslicht dringt durch
die Buntglasscheiben der
Eingangshalle. Der Lärm des
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nahen Heppenheimer Bahnhofs bleibt draußen. Es
herrscht eine Stille, die man
hören kann. Man setzt sich,
wartet und hört auf zu warten, bis eine freundliche
Stimme plötzlich sagt: »Machen Sie doch Licht. Es ist ja
so dunkel hier.« Schwester
Brigitta kommt gerade von
der Vesper aus der angrenzenden Kapelle, eine offene
Frau mit wachen Augen und
einem breiten Lachen. Die
Generaloberin des Mutterhauses begrüßt den Gast auf
das Herzlichste, er fühlt sich
aufgenommen in diese Gemeinschaft, mit der er die
nächsten Tage verbringen
will.
Das Kloster der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul ist
eines von mittlerweile rund
250
Ordenshäusern
in
Deutschland, die Gäste zu
einem Klosterleben auf Zeit
einladen. Die Angebote sind
so vielfältig wie die Lebensweisen der verschiedenen
Kongregationen und reichen
vom Meditationskurs für
ausgebrannte Manager im
Kloster Andechs in Bayern
bis zum Wellness-Aufenthalt
im Kloster Arenberg bei
Koblenz. Besonders beliebt
sind Fastenkurse. Viele Klöster unterhalten Gästehäuser
und nehmen Frauen, Männer
und ganze Familien auf.
Selbst kontemplative, also
der Welt abgewandte Orden
wie Zisterzienser und Trappisten ermöglichen das MitLeben auf Zeit.
Hilfestellung bei der
Suche nach Spiritualität
Auch die Heppenheimer Vinzentinerinnen reagieren auf
immer zahlreichere Anfragen: Sie laden Frauen ein, in
ihre Lebensweise einzutauchen und am Tagesablauf
teilzunehmen. »Der Bedarf
an solchen Möglichkeiten
steigt. Viele Menschen sind
auf der Suche, nach sich
selbst, nach einem Sinn,
nach Spiritualität, nach
Gott«, erklärt Schwester
Brigitta. »Hier wollen wir in
Gesprächen
Hilfestellung
geben.« Im Zuge der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen am Klostergebäude
entstehen derzeit zwölf
Gästezimmer, direkt über der
Kapelle mit Blick auf die
Stadt. Sie sollen im Frühjahr
bezugsfertig sein. »Schlicht,
aber hell und freundlich«, will
die Generaloberin sie gestalten, damit Besucherinnen,
die wenige Tage, aber auch
mehrere Wochen bleiben
können, sich darin geborgen
fühlen.
Die Vinzentinerinnen sind
kein völlig zurückgezogen
lebender Orden – im Gegenteil. Wer das 1927 erbaute
Kloster einmal umrundet,
wird feststellen, dass seine
Mauern keineswegs abwei-
Innenansicht
der Klosterkapelle.
pflege, in Kindergärten und
Waisenhäusern.«
Gestandene Frauen
im Dienst am Menschen
send wirken. Die Kapelle
kann man von der Straße
aus betreten, Heppenheimer
Bürger nehmen an den Messen teil. Im Innern gibt es
einen Gemeinschaftsfernseher und Tageszeitungen.
Einen Kreuzgang sucht der
erstaunte Gast vergebens.
»Unser Kreuzgang sind die
Straßen der Stadt«, erklärt
Schwester Brigitta: »Wir
gehen raus um zu helfen:
in der Alten- und Kranken-
Die 33 Ordensdamen sind
gestandene Frauen, die auf
ein erfolgreiches Berufsleben
im Dienst an den Menschen
zurückblicken.
Schwester
Maria Cäcilia zum Beispiel.
Sie sagt: »Ein rein kontemplativer Orden wäre nichts
für mich gewesen. Ich wollte
immer tätig sein und anderen
helfen.« Die Vikarin und Stellvertreterin von Schwester
Brigitta war elfmal in Indien
und hat dort am Aufbau des 7
Ordens mitgewirkt. In ihrem
Arbeitszimmer, in dem direkt
unter dem Kreuz der Computer steht, glimmen Räucherstäbchen, die ihr indische
Mitschwestern regelmäßig
schicken. »Ich mag diesen
Duft so gern«, gesteht sie
lächelnd.
Oder Schwester Maria Bernadette. Die Schwäbin war
Schneidermeisterin,
doch
schon als junge Frau entschied sie sich gegen die
Modeschule und für ein
Leben als Ordensschwester.
»Ich wollte schon als
Mädchen Nonne werden«,
berichtet sie, und man glaubt
ihr aufs Wort, wenn sie ergänzt: »Und ich habe es keinen Tag bereut.« Nachdem
sie Armut, Keuschheit und
Gehorsam gelobt und die
Ordenstracht übergestreift
hatte, studierte sie Sozialpädagogik, war im Studentenausschuss aktiv und leitete lange Jahre das SchifferKinderheim auf dem Mannheimer Almenhof, ehe sie,
nach einer weiteren Ausbildung, die letzten zwölf Berufsjahre als Krankenhausseelsorgerin in Buchen im
Odenwald verbrachte.
Oder Schwester Edeltraut.
Die kleine Frau ist ein Energiebündel, findet Angela
Merkel toll, leidet mit dem
VfB Stuttgart und fertigt
wunderschön gemalte Geschenkkarten. Ihr Kinderbuch Die großen Herzen kleiner Leute erschien in mehreren Auflagen, und ganz
beiläufig sagt sie Sätze, die
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sich einprägen und über die
man lange nachdenken
kann. »Wenn ich auf mein
Leben zurückblicke, stelle
ich mir ein Rosenfeld vor.
Mit vielen Knospen und wunderschönen, prächtigen Blüten. Aber die Dornen habe
ich auch gespürt.« Oder:
»Das Leben ist eine Schatztruhe voller Erinnerungen,
die uns zu dem gemacht
haben, was wir sind.«
Der Glockenschlag teilt
den Tag ein
Doch es sind nicht nur die
spontanen Unterhaltungen
mit den Ordensfrauen, die
den Gast auftanken lassen.
In Heppenheim wird nicht
erwartet, dass Besucherinnen den Tagesablauf der
Ordensschwestern von morgens bis abends mitleben
oder dass sie das Gespräch
mit ihnen suchen. Sie machen ein Angebot und freuen
sich über Interesse. »Wir hatten schon Studentinnen hier,
die sich auf ihr Examen vorbereitet haben und die in der
Ruhe hier gut lernen konnten«, erinnert sich die Generalvikarin: »Andere Frauen
suchten das seelsorgerische
Gespräch und Lebenshilfe,
wieder andere die Meditation.«
Die Teilnahme am Klosterleben gibt vielen Menschen
neue Impulse. Denn der
Tagesablauf verläuft in festen
Bahnen, mit der Kapellenglocke als Leitplanke.
Mönche und Nonnen sind
keine Langschläfer: Bei den
Vinzentinerinnen erklingt der
Weckruf mit dem Sechs-UhrGeläut, Schlag Viertel vor
Sieben erheben sich alle
Schwestern zum Morgenlob
in der Kapelle. Auch die gemeinsamen Mahlzeiten werden immer zur selben Zeit
eingenommen. Fast feierlich
wird die Stimmung, wenn
alle Gespräche verstummen
und mit dem Glockenschlag
Schwester Felicitas das
Tischgebet spricht. Darüber
hinaus pflegt jede Ordensdame ihre eigenen Rituale –
Schwester Maria Cäcilia
etwa steht jeden Morgen um
fünf Uhr auf und meditiert,
denn »da habe ich die klarsten Gedanken«.
»Aus dem Kloster kann man
vieles in die Welt mitnehmen«, sagt Schwester Brigitta zum Abschied – und
dafür muss man nicht einmal
gläubig sein. Die benediktinische Klosterregel »Ora et
labora« etwa, die mahnt, die
Balance von Arbeit und
Ruhezeiten zu wahren. Das
Sich-Zurückziehen in die
Stille, die den Schritt bremst
und die Stimme senkt. Oder
die klösterliche Ordnung und
Aufgeräumtheit, die den
Blick auf das Wesentliche
lenkt. Und das Gefühl der
erlebten Geborgenheit, das
noch lange nachwirkt, nachdem der Besucher wieder
heraus auf die Straße getreten und die schwere
Eingangstür langsam ins
Schloss gefallen ist.
Berichte aus Mutterund Provinzhäusern
Augsburg
150 JAHRE
CHRISTLICHE
KRANKENPFLEGE
Barmherzige Schwestern
und Diakonissen leben
Ökumene.
Im Rahmen des weltweiten
Jubiläumsjahres zum 350.
Todestag des hl. Vinzenz und
der hl. Louise feierten wir in
Augsburg in der Klinik Vincentinum am 14. Oktober
2009 mit großer Freude ein
»kleines« Jubiläum: Wir
blickten 150 Jahre zurück,
auf den 9. August 1859. Das
damals neue Städtische
Krankenhaus in Augsburg
ging in Betrieb.
Genau nach den beiden
großen Konfessionen getrennt, übernahmen Barmherzige Schwestern auf der
katholischen Abteilung und
Diakonissen auf der evangelischen Abteilung die
Betreuung und Pflege der
Kranken.
Beide Bereiche begannen
ihre Tätigkeit in ihrer jeweiligen Kapelle mit einem Gottesdienst, räumlich getrennt,
doch im tiefsten verbunden
im Dienst am Menschen in
der Nachfolge Jesu Christi.
150 Jahre Krankenpflege in
christlichem Geist. Dies feierten wir jetzt dankbar in
einem ökumenischen Gottesdienst. Sr. M. Michaela,
Generaloberin der Barmherzigen Schwestern, begrüßte
fast 30 Diakonissen mit ihrer
Oberin, Frau Pfarrerin Christiane Ludwig. Diese und Herr
Regionaldekan Hubert Ratzinger leiteten den Gottesdienst.
Schwester Oberin M. Luithildis von der Klinik Vincentinum berichtete, wie es zu
einem neuen Krankenhaus in
Augsburg und zum Einsatz
von Barmherzigen Schwestern und Diakonissen kam:
Das Krankenhauswesen lag
in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts arg danieder. In der Säkularisation
wurde der Dienst aus christlicher Motivation verworfen,
krankenpflegende Gemeinschaften wurden vertrieben.
Der Ersatz war kläglich. Für
Kranke und Sterbende war
meist nur mangelhaft gesorgt.
So war es auch in Augsburg.
Deshalb wurde der Ruf nach
einem neuen Krankenhaus
und nach Barmherzigen
Schwestern, wie sie in München und in anderen Städten
Bayerns bereits tätig waren,
unüberhörbar. Der Magistrat
konnte sich jedoch wegen
der paritätischen Verhältnisse in Augsburg lange 9
nicht einigen. Schließlich
brachte 1852 eine Stiftung
über 100 000 Gulden Bewegung in die Angelegenheit.
An das Geld war die Bedingung geknüpft, innerhalb
von zehn Jahren Barmherzige Schwestern einzuführen
und in Augsburg ein eigenes
Mutterhaus zu bauen.
Für die evangelischen Kranken sollten Diakonissen nach
Augsburg geholt werden.
Auch dafür gab es bedeutende Spenden von namhaften Bürgern.
Nach langem Hin und Her
entschloss sich der Augsburger Magistrat, »ein neues
Krankenhaus zu bauen und
so anzulegen, dass die Kranken beider Konfessionen in
demselben
untergebracht
werden können, jedoch so
voneinander getrennt, dass
jeder Theil die ihm zusagende Pflege für seine Kranken ohne Einmischung des
anderen Theils ausüben
könne«. So steht es in einer
Schrift aus dieser Zeit.
So wurde zwischen 1856
und 1859 das neue Städti10
sche Krankenhaus gebaut.
An einen Mittelbau mit Funktionsräumen schloss sich
westlich der evangelische
Teil an. Richtung Osten war
der katholische Teil. Nach
der feierlichen Übergabe am
9. August 1859 wurden jeweils im 1. Stock die Männer,
im 2. Stock die Frauen untergebracht. Entsprechend
dem damaligen Anteil der
Bürger mit 2/3 katholischem
und 1/3 evangelischem Bekenntnis, waren die »katholischen« Gebäudeteile größer.
Seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 herrschte
in der freien Reichsstadt
Augsburg das Recht auf
paritätische Besetzung und
Aufteilung, das im Westfälischen Frieden 1648 bestätigt und festgeschrieben
wurde.
Im neuen Städtischen Krankenhaus waren außer der je
eigenen Kapelle und den
getrennten Krankenabteilungen auch die Küche und
deren Bevorratung und die
Wäscherei paritätisch getrennt. Nur das Leichenhaus
und die Sektionsräume
konnten gemeinsam genutzt
werden.
In den folgenden Jahren erweckten Meinungsverschiedenheiten unter den Bürgern
und im Magistrat den Eindruck, dass Barmherzige
Schwestern und Diakonissen
die Kranken unzulänglich
versorgten und den Religionsfrieden störten. Diesen
Verleumdungen setzten am
16. Mai 1862 die Dekane der
beiden Konfessionen gemeinsam ein Ende. Sie erklärten, dass der konfessionelle Friede im Krankenhaus
noch nie und von keiner
Seite gestört worden sei.
So war es auch. Barmherzige
Schwestern und Diakonissen
arbeiteten
jahrzehntelang
Seite an Seite aus derselben
christlichen Motivation und
mit ganzem Einsatz ihrer
körperlichen und geistigen
Kräfte zum Wohl der Kranken.
Erst in den Jahren 1935 bis
1937 wurde im Städtischen
Krankenhaus die »reinliche«
Trennung der Konfessionen
aufgehoben. Einige Jahre
später beendeten die Diakonissen dort ihren guten
Dienst. Im Nationalsozialismus, in den Kriegswirren und
auch danach hielten die
Barmherzigen Schwestern
im Städtischen Hauptkrankenhaus die Stellung. Erst
als 1982 die Kranken in das
neue Zentralklinikum Augsburg umzogen, beendeten
auch die Barmherzigen
Schwestern ihren Dienst in
den Städtischen Häusern.
Ungeachtet dessen gab und
gibt es weiterhin das gute
und menschlich angenehme
Miteinander von Diakonissen
und Barmherzigen Schwestern. In den beiden, von
den jeweiligen Schwesterngemeinschaften errichteten
und bis heute geprägten Kliniken »Diako, die Stadtklinik«
und »Klinik Vincentinum«,
gibt es viele Berührungs-
punkte und eine gute Zusammenarbeit. Von Anfang
an nahmen beide Kliniken
Kranke beider Konfessionen
auf, und in beiden Kliniken
werden die Patienten nicht
nur fachlich sehr gut behandelt und gepflegt, sondern
auch in ihren religiösen Bedürfnissen gut betreut.
So war es uns ein Bedürfnis
– und damit schließt sich der
Kreis, an diese 150 Jahre
dauernde gute Verbindung
zu denken und miteinander
zu feiern. Nach dem Gottesdienst waren die Diakonissen
in das Refektorium der
Schwestern zu Begegnung
und einem kleinen Imbiss
eingeladen. Groß war die
Freude aneinander, und von
vielen Schwestern wurde der
Wunsch geäußert, dass es
wieder eine solche Zusammenkunft geben möge.
und kamen aus dem Staunen
nicht heraus. Dem Trompetenbaum und seinem Schöpfer, dem dieses Fest galt,
wurde großes Lob und inniger Dank zuteil.
Eigens kam ein Trompeter,
der mit seinen Klängen die
Herzen verzauberte.
Unsere Sinne kamen voll auf
die Rechnung: die Pracht
des Baumes, mitten drinnen
sogar noch ein Amselnest,
die herrlichen und tiefen
Gedanken und Gedichte,
bestens vorgetragen von Sr.
M. Purissima, Brigitte und
Sr. M. Paula. Dazwischen immer wieder die melodischen
Weisen des Trompeters – ein
Ohrenschmaus von besonderer Art! Für das Auge waren die Tänze mit Stäben und
Tüchern eine Augenweide!
Danke, Sr. M. Purissima, für
die wunderbare Choreografie und Einstudierung. Die
Technik machte es möglich, Innsbruck
EIN
TROMPETENBAUM-FEST
Alles hat gepasst. Das Wetter, das Programm, die vielen
Schwestern und Gäste von
außerhalb. Mit einem Wort:
Es war ein sehr gelungenes
Fest, so mitten im Sommer.
In den Arkaden und im Gras,
rund um den Brunnen, vor
allem im Schatten saßen wir
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dass die Musik und die
Reden gut verstanden wurden. Was unser Haustechniker Karl zustande brachte,
war ein Kunststück sondergleichen. Er stand oben
unter dem Kirchturm und
ließ Luftballons kunterbunt
herunterschweben. Nicht nur
die Kinder hatten damit ihre
Gaudi, auch die Herzen aller
schlugen höher. Diese feine,
besinnliche Feierstunde wurde mit dem Lied Großer Gott
abgerundet. Dankbar, ob der
Schönheit des Erlebten,
stimmten alle mit ein. Orgelklänge drangen durch das
Tor ins Freie.
Sr. Cäcilia hatte uns damit
erfreut. Es war auch schön,
zuzuschauen, wie die Kinder und einzelne Schwestern
die Luftballons verteilten. Die
Gesichter strahlten Glanz
und Freude aus. Sr. Pia
Regina dankte allen, die mitgewirkt haben und die anwesend waren. Ein besonderer Dank galt unserer Oberin
Sr. M. Purissima für ihre Idee
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und die tatkräftige Durchführung des Festes. Es hätte
sich sehen lassen können für
ein größeres Publikum, aber
dann wäre kein Platz mehr
vorhanden gewesen.
Der Einladung zur Grillparty
im Garten folgten sehr
viele. Unser Koch Herbert
setzte sich persönlich ein
und stand am Grillapparat.
Es schmeckte vorzüglich,
und nette Gespräche kamen
zustande.
Viele Hände machten der
Arbeit wieder ein Ende. Das
Echo war nur positiv, und alle
gingen erfüllt und gestärkt an
Leib und Seele nach Hause.
Der Trompetenbaum wird
sich auch gefreut haben, und
zum Dank erblüht er noch
üppiger. Was er alles zustande brachte! In den Herzen der Menschen wird das
Fest noch lange widerhallen.
SR. HILDEGARDIS
EIN BRIEF
AUS DEM
KOSOVO
Dort arbeitet Sr. M. Martha
Fink aus der Innsbrucker
Kongregation
Liebe Mitarbeiter,
liebe Wohltäter!
Die Zeit, die Realität eines
wieder verflossenen Jahres
gibt mir die Gelegenheit,
meinem großen Bedürfnis,
Ihnen zu danken und zu erzählen, nachzukommen.
Es war ein sehr arbeitsintensives Jahr. Die Situationen
und die Maßnahmen, die zu
treffen waren, haben sehr oft
die Grenzen des noch Möglichen erreicht. Ich darf Sie
aber im selben Atemzug wissen lassen, dass Gottes Hilfe
umso näher und spürbarer
war. Als Werkzeug für diese
Hilfe Gottes sind Sie wohl
alle in verschiedenster Form
ganz wesentlich mit dabei.
Die Hauskrankenpflege
Es werden zur Zeit 350
Patienten regelmäßig betreut
– damit ist das Maß des
noch zu erfüllenden Dienstes erreicht. Dieser Dienst
wird stets intensiver, zunehmende Nachfragen zwingen uns, immer wieder die
nicht so notwendigen Hilfen
zurückzustellen. Noch fehlt
uns die Finanzierungsmöglichkeit, eine vierte Pflegekraft einzustellen. Die drei
Schwestern, Najqi, Hera und
Fatime leisten bereits über-
dimensionale Dienste. Sie
sind nicht nur Krankenschwestern, sondern für viele
wie eine Mutter und Begleiterin. Sie verstehen ihren
Dienst umfassend und ganzheitlich.
Das Kinderprogramm
mit den 41 Kindern im Alter
zwischen fünf und 17 Jahren
macht uns große Sorge. Die
so unterschiedlichen, individuellen Bedürfnisse des je
einzelnen Kindes verlangen
vom Personal sehr viel Einfühlungsvermögen, Initiative,
Kreativität und Geduld.
Für diesen Dienst beschäftigen wir zur Zeit eine Pädagogin, eine Psychologin,
einen Studenten der Universität für Erziehung, eine
geprüfte Schneiderin, eine
Köchin und fünf Lehr-Hilfskräfte. Mit den Kindern lernen wir gruppenweise, wie
im Vorschulalter und je nach
Fähigkeit des je einzelnen
Kindes klassenorientiert, wobei aber bei vielen der Wissensstand von 16 Jahren
dem eines 6–7-Jährigen
gleichkommt. Wir geben
Nachhilfe in schulischem
Lernen, Computer und
Nähen. Unsere Kinder im Sozial-Programm sind Kinder
aus den Familien der Hauskrankenpflege-Besuche.
Weil wir in der Hauskrankenpflege das Privileg haben,
die Ärmsten zu berücksichtigen, können darum auch
die so stark zurückgebliebenen und sozial geschädigten
Kinder in unser Programm
aufgenommen werden. Ohne
unsere Hilfe wären sie ohne
jede Perspektive für die Zukunft, ausweglos der Kriminalität ausgeliefert.
Eine besondere Sorge waren
und sind die Kinder, die bereits aus der Pflichtschule
entlassen bzw. das 10.
Schuljahr ohne jedes Wissen
der Pflichtschule erreicht haben. Da realisiert sich zu
gegebener Zeit ein Angebot
aus Österreich: Fr. Dr. Edith
Kaslatter und Hr. Prof. Michael Engele kommen ehrenamtlich in ungefähr Halbjahresabständen, um unsere
Kinder, die Eltern und wer
immer Interesse hat und
natürlich zugleich das Personal in Perma-Kultur zu
informieren und anzulernen.
Es ist dies eine ganz wesentliche Werte-Vermittlung in 13
Bezug auf die Schöpfung.
Fast alle Eltern der Kinder in
unserem Programm haben
eine kleine Landwirtschaft,
sodass sie auf diesem Weg
den Wert und ihre eigene
Möglichkeiten, mehr daraus
zu machen, finden können.
Es dient somit dem Prinzip
»Hilfe zur Selbsthilfe«.
Anträge für Behandlungen
im Ausland
Die Ansuchen dafür waren
dieses Jahr enorm hoch.
Durch das so große Entgegenkommen der Barmherzigen Schwestern in WienGumpendorf wurde es möglich, dass wir drei Kinder mit
Knochentumoren sowie ein
Kind mit einem Knieschuss
in ein orthopädisches Spital
kostenlos zu einer sehr komplizierten, operativen Therapie bringen durften, ebenso
ein weiteres Kind zu den
Barmherzigen Schwestern
im Krankenhaus Linz zur
Therapie eines sehr ausgedehnten Haemangioms.
Einem Vater konnte (ebenso
kostenlos) im Klinikum der
Kreuzschwestern in Wels
durch die Koronarangiographie und die Implantation
14
eines Stent lebensrettende
Maßnahmen gesetzt werden.
Neben der hohen Qualität
der fachspezifischen, ärztlichen Behandlung erfuhren die Kinder mit ihren
Begleitpersonen, was auch
menschliche Zuwendung auf
einer Krankenstation bedeuten kann. Wenn auch gewissenhafte Disziplin aufgrund
der medizinischen und pflegerischen Notwendigkeiten
herrschte, so war doch eine
familiäre, vertrauensvolle Atmosphäre gegeben.
Es ist allen, die so Großes ermöglicht haben, großer Dank
auszusprechen, besonders
den Barmherzigen Schwestern in Wien und den Kreuzschwestern in Wels. Gott
vergelte es!
Unser neues Zentrum
nimmt auch mehr und mehr
Gestalt an, sodass, wie wir
hoffen, Anfang 2010 bessere
Arbeitsbedingungen
gegeben sein werden. Die
Arbeitsintensität und der
Arbeitseinsatz sind enorm.
Einige der Mitarbeiter erweisen sich schon sehr mitverantwortungsbewusst – Gott
sei Dank. Dies ist sehr zukunftsverheißend ... Damit
wächst in mir die Hoffnung
und Zuversicht.
Ich denke, wo Wege gefunden werden können, nur
einem Menschen die Würde
wieder zurückzugeben, ihm
ein »Gesicht« zu geben, ihm
eine Basis einer Lebensperspektive aufbauen zu helfen, da hat sich das Antlitz
der Erde erneuert. Ich hoffe
und wünsche, dass diese
unsere Dienste an den
Armen, Kranken und Kindern
nie versiegen werden. Solange ich um Ihre Hilfsbereitschaft und Zuwendung zu
unserer Initiative wissen darf,
ist mir nicht bange. Ist doch
alles, was wir bis jetzt erreichen durften, nur durch
Ihre Hilfe möglich geworden.
Gott allein kann es Ihnen
vergelten! Es fehlen mir die
Worte, Ihnen gebührend zu
danken.
Ich wünschte: dass, wenn
wir einen Kranken durch den
Hausbesuch getröstet zurücklassen, wenn wir einem
die eitrigen Wunden gereinigt, seine Schmerzen gelindert haben, wenn aus den
Augen der Kinder, die in so
erschütternden Verhältnissen ihren Alltag verbringen
müssen, ein so herzliches
Lachen aufleuchtet, Sie tiefster Dank und Bereicherung
erreichen möge.
Ich grüße Sie im Namen aller
Betreuten, im Namen des
Vorstandes und aller Mitarbeiter sehr herzlich und
dankbar, Ihre
SR. M. MARTHA
Graz/Köln
»PROPHETIE
UND
HOFFNUNG,
JETZT UND
ÜBERALL«
Generalversammlung der
Töchter der christlichen
Liebe 2009 in Paris
(Aufschlussreich, wie die
weltweite Gemeinschaft
der TdcL ihr Generalkapitel vorbereitet und
durchführt. Kkl.)
Im Auftrag der Kirche und
ganz im Geist des II. Vaticanums halten wir, die Töchter
der christlichen Liebe vom
heiligen Vinzenz von Paul,
alle sechs Jahre unsere
Generalversammlung ab.
Folgen wir ein wenig unseren
Konstitutionen und Statuten.
Denn sie verweisen uns auf
den Zweck und auf den Weg
unserer Versammlungen:
»Zweck der Versammlungen
... ist es, die Treue zum besonderen Charisma und die
apostolische Lebenskraft zu
überprüfen und zu fördern«
(K 84 a).
»Es gibt drei Arten von Versammlungen: die Haus-, die
Provinz- und die Generalversammlung. Diese Versammlungen werden gemäß
den approbierten Richtlinien
vorbereitet und abgehalten«
(K 84 b).
1. Die Vorbereitung der
Generalversammlung
Zwischen den Generalversammlungen treffen sich
wenigstens einmal alle Provinzoberinnen, um verschiedene praktische, rechtliche,
spirituelle, ... Fragen zu behandeln und den Austausch
zu pflegen. Dabei wird auch
eine Liste möglicher Themen
für die nächste Generalversammlung erarbeitet.
Vor Beginn der Versammlungen werden von einer Arbeitsgruppe ein Terminkalender, eine Arbeitshilfe für das
gewählte und von der Generaloberin mit ihrem Rat angenommene Thema sowie Fragebögen erstellt. Die Hausversammlungen senden ihre
Ergebnisse an die Provinzleitung. Deren Synthese wird
neben anderen Fragen und
Vorschlägen in der Provinzversammlung studiert; sie
legen der Generalversammlung oder dem Generalrat
auch ihre Postulata oder Vorschläge vor.
Bis zu einem vorgegebenen
Datum müssen alle Dokumente der Provinzen im Generalat eingetroffen sein. Die
Erstellung einer weltweiten
Synthese wird dann einer
Kommission anvertraut. Sie
hat die große Verantwortung,
eine gute Synthese zu erarbeiten, die die Anliegen der
ganzen Genossenschaft widerspiegelt und zugleich eine
unabdingbare Hilfe für eine
fruchtbringende Arbeit der
Generalversammlung
bedeutet.
Das Thema für diese Versammlungen auf allen Ebenen lautete: »Prophetie und
Hoffnung, jetzt und überall.«
2. Die Generalversammlung vom 18. Mai bis
13. Juni 2009
Eine Vorbereitungskommission studiert diese Generalsynthese und erarbeitet eine
Arbeitsgrundlage, das Programm und die Arbeitsmethode für die Generalversammlung.
Eine Generalversammlung
umfasst alle Mitglieder von
Amts wegen und von jeder
Provinz, je nach deren Größe
eine oder zwei Delegierte.
Alle zusammen waren wir
diesmal 183 Mitglieder. Der
Generalsuperior und der
Generaldirektor waren immer
anwesend.
Vor der eigentlichen Generalversammlung kamen wir zu
8-tägigen Exerzitien zusammen, um unsere Herzen zu
erneuern und ganz offen zu
sein für den Willen Gottes.
Das war oft und oft auch die
Einladung unserer Gründer,
des heiligen Vinzenz von
Paul und der heiligen Louise
von Marillac, an unsere ersten Schwestern. Unser Generaldirektor griff im täglichen Vortrag Schwerpunkte
unseres vinzentinischen Lebens auf und machte uns
Weiter auf Seite 18
15
Foto: Heidi Bittner
AUF
16
DEM WEG IN
DAS HAUS
GOTTES
GOTTES
SR. URSULA BITTNER
W
er in die Pfarrkirche St. Johann in
Rapperswil/Schweiz
eintreten möchte, muss
durch diese kleine Vorhalle
gehen. Sie bietet Schutz vor
Regen und Schnee und
Schatten bei Sonne: Eine
praktische Begründung für
die überdachten Säulen vor
der Kirchtür. Gleichzeitig wird
der Besucher auf den
Kirchraum eingestimmt und
die Haltung, die diesem heiligen Ort entspricht. Das
Kreuz auf dem Dach erinnert
daran.
Einige schon oft gesprochene oder gesungene
Psalmverse können eine
neue Tiefe erfahren bei der
Betrachtung dieses Bildes.
– »Tretet mit Dank durch
seine Tore. Kommt mit
Lobgesang in die Vorhöfe
des Tempels. Dankt ihm
und preist seinen Namen«
(Ps 100,4).
Was überwiegt bei mir, wenn
ich in die Kirche gehe? Der
hl. Vinzenz gibt einen Hinweis: »Man muss ebenso viel
Zeit aufwenden, um für alle
erhaltenen Gnaden zu danken, wie Gott um neue zu
bitten.
– »Lobet den Namen des
Herrn, lobt ihn ihr Knechte
des Herrn, die ihr steht im
Hause des Herrn, in den
Vorhöfen am Haus unseres Gottes« (Ps 135,1–2).
Die Taufe hat für mich die
Möglichkeit eröffnet, wie
durch eine Vorhalle zu Gott
zu kommen. Dort kann ich
Lob und Dank und Bitte vorbringen.
– »Wohl denen, die wohnen
in deinem Haus, die dich
allezeit loben« (Ps 84,5).
Dieser Psalmvers stellt einen
sehr hohen Anspruch. Gott
allezeit loben fällt schwer. Es
liegt an mir, Zeiten für mich
festzulegen, um sie für das
Lob Gottes von allem freizuhalten.
– »Ein einziger Tag in den
Vorhöfen deines Heiligtums ist besser als tausend andere« (Ps 84,11).
Dieser Vers macht mir die
Kostbarkeit und Einmaligkeit
deutlich, wie Gottesdienst
und Gebetszeiten für mich
werden können.
Jede Kirche und jede Klosterkapelle hat auf verschiedene Weise ihren »Vorhof«:
einen Vorraum und Eingangsbereich, ein Atrium,
eine Statio, wo diese Psalmverse das Eintreten zum heiligen Ort bewusster machen
können, auch die Erinnerung
an einen dieser Psalmverse ...
17
Fortsetzung von Seite 15
wieder bewusst, wie herausfordernd das Leben in der
Nachfolge Jesu ist und wie
sehr unsere Sendung das
Zeugnis der Freude braucht.
Die
Generalversammlung
selbst stellt für uns die
unmittelbare Vertretung der
ganzen Genossenschaft dar
(K 87 a) ist für uns oberste
Autorität (K 87 d) für:
– die Wahlen (Generaloberin,
Generalassistentin, Generalrätinnen),
– die Behandlung der vorgelegten Themen und Fragen, die dann in Statuten
oder Dekreten zusammengefasst werden können.
Während dieser Generalversammlung waren der erste,
zweite und dritte Mittwoch
Vorträgen gewidmet, die sich
mit Prophetie aus biblischer
und vinzentinischer Sicht,
mit Prophetie und Zusammenarbeit und Prophetie und
gemeinschaftlichem Leben
beschäftigten.
Die Generaloberin zeigte uns
in ihrem Bericht den Weg der
Genossenschaft
während
der letzten sechs Jahre auf,
und die Generalökonomin
sprach über die großen Fragen der weltweiten Armut
und über die Verwaltung der
Finanzen.
Die Bearbeitung der vier
großen Themenkreise aus
der Generalsynthese erfolgte
in 16 Arbeits- und Sprachgruppen. Ihre Ergebnisse
wurden in einem eigenen
18
Prozess zusammengefasst
und dem Plenum vorgestellt.
Den Beiträgen in den Plenarsitzungen wurde viel Zeit
gewidmet.
Der Pfingstsonntag war ein
Tag des Betens für die ganze
Genossenschaft, denn er
bereitete uns auf die Wahl
der Generaloberin am 1. Juni
2009 vor; am 8. Juni wurden
dann die zehn Generalrätinnen gewählt (für Afrika,
Asien, Lateinamerika spanischer und portugiesischer
Sprache, Spanien, Italien, übrige anglophone Provinzen,
übrige frankophone Provinzen, »deutsche« und »slawische« Provinzen). Aus diesen
wählten wir am 11. Juni die
Generalassistentin.
Vor dem festlichen Schlussgottesdienst mit unserem
Herrn Generalsuperior stimmten wir über das Grundsatzpapier ab, aus dem der
Generalrat ein ZwischenzeitDokument (2009 bis 2015)
erarbeiten sollte. Natürlich
durfte auch das große Familienfoto aller Teilnehmenden
nicht fehlen.
3. Das ZwischenzeitDokument (2009 bis 2015)
Das Dokument liegt uns im
A5-Format vor. So passt es
gut zu unserem Lebensbuch,
den Konstitutionen und Statuten. Jede Schwester hat es
inzwischen – wenn irgend
möglich – in ihrer Sprache in
der Hand.
Sein Titel weist es deutlich
als Frucht der Generalversammlung aus. Er gibt uns
die Richtung für unseren
Weg in den kommenden
Jahren vor: »Lassen wir uns
umgestalten vom Geist, der
Quelle der Prophetie und der
Hoffnung.« Unter dem Titel
entdecken wir das Siegel
unserer Genossenschaft in
seiner ältesten uns erhaltenen Gestalt. Das ist ein
starker Hinweis auf unsere
geistlichen Quellen, das
Charisma unserer Gründer,
des heiligen Vinzenz und der
heiligen Louise. In einer von
Flammen umgebenen Herzform wird das Kreuz sichtbar.
Die Umschrift lautet: »Die
Liebe Jesu, des Gekreuzigten, drängt uns« (vgl. 2 Kor
5,14).
Nach einem Präsentationsschreiben unserer Generaloberin folgt eine Einleitung.
Sie erinnert daran, dass
während der Versammlung
viel Elend und Not (Zeugnisse, Berichte, ...), aber
auch viele Zeichen des Wirkens Gottes in den Menschen an unseren inneren
Augen vorübergezogen sind.
Das hat in unseren vinzentinisch geprägten Herzen im
Licht des Heiligen Geistes
Reaktionen und Wünsche
ausgelöst: größere Nähe zu
unserem Herrn und Gott;
gemeinsam näher bei den
Armen sein; neue Nöte
sehen und im Geist der Zugehörigkeit zur Genossenschaft handeln.
Zwei Kapitel bilden den
Hauptteil: »Anrufe« und »Antworten«; es sind Appelle
und Reaktionen auf die vier
Andachtsbildchen
aus dem
Mutterhausarchiv
Augsburg.
Themen, die ähnlich schon
in der Arbeitsgrundlage formuliert waren:
• Auf erneuerte Weise unsere Verwurzelung in Jesus Christus, »Quelle und
Vorbild aller Liebe« leben
(Allgemeine Regeln I,1).
• Das »gute Zusammenleben« fördern, damit es
eine Prophetie der Liebe
und ein Weg der Hoffnung
sei (hl. Louise, Geistliches
Testament, S. 823).
• Dienen im »Kommen und
Gehen« mit Kreativität und
Klugheit, um so die Liebe
Gottes für die Armen
kundzutun (vgl. hl. Louise,
Pfingsterleuchtung, Geistliche Schriften, S. 3).
• Unsere Zugehörigkeit zur
Genossenschaft vertiefen
und uns verantwortlich
fühlen für die »Genossenschaft der Zukunft« (vgl.
K. 59).
Zu jedem Thema wurden in
beiden Kapiteln 3 bis 8 wesentliche Punkte festgehalten. Sie sollen den Provinzen
als Anstöße für ihre konkrete
Situation, für das Erkennen
neuer Nöte und möglicher
Wege zu deren Abhilfe
dienen. Gut ausgewählte
Schriftworte begleiten die
Anrufe.
Als Abschluss und Ausblick
führe ich hier ein Beispiel an:
Beim Thema zwei lautet ein
»Anruf«: »In der Konsum-
gesellschaft einen einfachen,
ausgeglichenen Lebensstil
pflegen, der auf die Umwelt
Rücksicht nimmt (vgl. St 8d).«
Unter den »Antworten«
schlägt das ZwischenzeitDokument unter anderem
vor: »Überprüfen wir unsere
Provinzund
Gemeinschaftspläne und sehen wir
in ihnen vor: ...
– konkrete Punkte für einen
einfachen Lebensstil und
eine größere Nähe zu den
Armen,
– entsprechendes Handeln
zur Bewahrung der Ressourcen der Erde und für den
Umweltschutz.«
Solche Anregungen sollen
uns helfen, am Puls der Zeit
zu bleiben, konkrete Umsetzungen vor Ort zu diskutieren, und diese immer »unter
der Führung des Heiligen
Geistes« und im Geist unserer Gründer zu realisieren,
damit wir in einfacher und
demütiger Liebe den Armen
dienen. Es kann gar nicht anders sein, als dass wir unser
Mühen um den rechten
Armendienst und um eine
lebendige
missionarische
Haltung, geführt vom Wort
Gottes und im Licht des
Heiligen Geistes am Ende
dieses Dokumentes der mütterlichen Liebe Marias, der
einzigen Mutter der Genossenschaft, anvertraut haben:
»Nehmen wir in Freude und
Dankbarkeit die Einladung
an: ›Was er euch sagt, das
tut!‹«
SR. CHRISTA BAUER
(GRAZ), PARIS
19
Untermarchtal –
Region Mbinga in Tansania
SCHULBILDUNG
UND MEDIZINISCHE
BETREUUNG
schaffen Zukunft, Licht und Hoffnung für körperbehinderte Kinder im Heim St. Loreto, Mbinga
Das Kinderheim St. Loreto in
Mbinga, Tansania, ist nach
dem italienischen Wallfahrtsort Loreto benannt. Eine Legende berichtet, dass Engel
das Haus der Heiligen Familie von Nazareth dort hingebracht hätten.
Mit der Wahl des Namens
»St. Loreto« verbanden unsere Schwestern beim Einzug in das Heim 1998 den
Wunsch, dass Jesus Christus inmitten der körperbehinderten und armen elternlosen Kindern wohnen möge
und auch dass die Tradition
unserer vinzentinischen Gemeinschaft fortgesetzt wird
wie vor 150 Jahren, als in
Schwäbisch Gmünd St. Loreto gegründet wurde.
In der kleinen Provinzstadt in
Mbinga im Süden von Tansania können körperbehinderte
Kinder keine Schule besuchen, weil sie allein den bis
zu fünf Kilometer weiten Weg
zur Schule nicht bewältigen
können. Da in den Jahren
nach 1990 auch gesunde
Kinder wegen fehlender
Schulgebäude nicht einge20
schult werden konnten und
die Kinder oft mit 8 bis 9 Jahren in den Kindergärten unserer Schwestern verblieben,
wollte unsere Gemeinschaft
mit der Errichtung der Schulgebäude zunächst dieser
Not begegnen. Es wurde
die »Huruma«-Schule – die
Schule der Barmherzigkeit –
gegründet und heute werden
in der 7-klassigen Primary
School ca. 350 Schüler unterrichtet.
Wie glücklich die Eltern und
Kinder über diese private
Schule sind, kann man sich
nur vorstellen, wenn man die
örtlichen Verhältnisse kennt
und sieht. In den öffentlichen
Schulen ist es nicht selbst-
verständlich, dass die Kinder
in ordentlichen Schulbänken
sitzen, Bücher haben und an
die Tafel schreiben können.
Auch können sich die Schüler der Huruma-Schule glücklich schätzen, dass die Fenster und Türen gut schließen
und das Dach bei Regenwetter dicht ist.
Wenn Lehrer und Schüler
sich in diesen schlichten,
einfachen Gebäuden in einer
geordneten,
wohltuenden
Atmosphäre wohl fühlen
können, dann ist das die
beste Voraussetzung für
gute Leistungen. Dies wird
Jahr für Jahr in den überdurchschnittlich guten Abschlussprüfungen bestätigt.
In der Nähe der HurumaSchule wurde von den
Schwestern das Heim St.
Loreto gebaut. Der Verbindungsweg ist behindertengerecht angelegt, und so ist
es möglich, dass die Kinder
trotz ihrer Behinderungen mit
einer Gehhilfe oder mit einem Rollstuhl den Schulweg
meistern und somit wie ihre
Altersgenossen zur Schule
gehen können, wenn sie in
St. Loreto untergebracht
sind. Nicht genug wundern
kann man sich, dass sowohl
die gesunden wie die behinderten Kinder es ganz
selbstverständlich und normal finden, dass sie gemeinsam auf einer Schulbank sitzen und von allen die gleichen schulischen Leistungen
erbracht werden. Gegenseitige Rücksichtnahme und
gesundes Selbstbewusstsein werden so täglich gefördert und gepflegt.
Nach der Einweihung des
ersten Gebäudes von St.
Loreto im Jahr 2001 mit
40 Plätzen zeigte sich schon
sehr bald, dass das Heim zu
klein war. Daher wurde es
bereits im Jahr 2003 um
40 Plätze erweitert, zumal
auch elternlose arme Kinder und Straßenkinder in
St. Loreto aufgenommen
werden.
Im Heim sind nur drei
Schwestern und zwei Angestellte beschäftigt. Alle leichten Arbeiten werden von den
Kindern selbst übernommen,
und es ist erstaunlich, wie
flink und wie geschickt sich
auch die behinderten Kinder
einsetzen beim Putzen, Waschen, Bügeln, in der Tierzucht, beim Gießen des
Gartens, im Speisesaal und
in der Küche. Durch diese
tatkräftige Mithilfe wird Personal eingespart, und die
Kinder werden für das spätere Leben vorbereitet. Denn
nach der Schulzeit dürfen die
Kinder nicht damit rechnen,
dass sie bedient werden.
Sonst werden sie in der
Familie als Last empfunden
und auch so behandelt.
Manchmal kann man den
Kindern mit physiotherapeutischen Maßnahmen helfen.
Eine weit wirksamere Hilfe
ist jedoch, wenn Schwester
Dr. Gabriele Winter z. B. bei
Klumpfüßen eine Operation
planen und durchführen lassen kann. Durch operative
Eingriffe oder Narbenkorrekturen konnte sie schon sehr
vielen Kindern helfen, dass
die Behinderung beseitigt
oder wesentlich erleichtert
wurde. Die Kinder und die
Eltern sind natürlich überglücklich, wenn auf diese
Weise ein sonst bleibendes
Handicap überwunden wird.
Da es in Tansania keine
Krankenversicherung gibt,
und die Eingriffe in der über
1000 km entfernten Stadt
Daressalaam durchgeführt
werden müssen, ist die Planung, Organisation und
Durchführung dieser Operationen nicht einfach und
überdies eine sehr kostspielige Angelegenheit, die sich
die Eltern der Kinder nicht
leisten können.
Für viele wird der Traum vom
aufrechten Gang trotz der
Operationen und auch nicht
mit Prothesen an Händen
oder Füßen Wirklichkeit.
Trotzdem sind die Kinder
stets froh, dankbar und zufrieden, auch wenn sie mit
manchen
Schwierigkeiten
klar kommen müssen. In
Spiel und Tanz freuen sie
sich ihres Lebens und wissen dankbar, dass sie die
Liebe Gottes durch die Hilfe
der Schwestern und vieler
Wohltäter täglich konkret
spüren dürfen.
SR. JOHANNA MARIA
METZGER, UNTERMARCHTAL
21
KEINE
»MISSION« MEHR?
V
iele Jahre habe ich
eine Zeitschrift bezogen: DIE KATHOLISCHEN MISSIONEN 2. Auf
einmal wurde der Titel geändert: FORUM WELTKIRCHE.
FORUM WELTKIRCHE –
wieso das? Gibt es keine
Mission mehr? Aber wir haben doch die Indien-Mission!
Kurz gesagt: Das II. Vatikanische Konzil hat ein neues
Verständnis von Mission entwickelt, genauer gesagt: das
biblische Verständnis wieder
entdeckt.
Dem uns geläufigen Verständnis von Mission/Missionierung/Missionar haften
– leider – viele Missverständnisse an; Fehlentwicklungen
waren zu beklagen. Es würde
zu lange dauern, dies nachzuweisen. Um von der belasteten Vorstellung von Mission wegzukommen, redet
man heute gern von Evangelisierung / Neuevangelisierung; man verwendet auch
den Begriff Dialog mit anderen Religionen und spricht
von Inkulturation des christlichen Glaubens bei anderen
Völkern. Man muss freilich
1 Sup. W. Kurzschenkel, Predigt am
Weltmissionssonntag, 25. Okt. 2009.
2 Ein Organ des Internationalen Katholischen Missionswerkes, Aachen.
22
1
2 MÄRZ/APRIL 2010
auch diese neue Sichtweise
erklären; aber sie trifft zu.
Tatsache ist, dass Missionierung im klassischen Verständnis weithin zum Stillstand gekommen ist: Konversion von Einzelnen – ehemalige Stichworte: Bekehrung von »Ungläubigen«,
»Heidenkinder kaufen«. Etwas ungeschützt lässt sich
sagen: Die Zahl der Katholiken/der Christen nimmt nur
durch natürliches Wachstum
zu, kaum noch durch Bekehrungen.
Mission als Glaubenszeugnis
wird heute verstärkt geleistet
als caritatives und soziales
Engagement, und zwar ohne
den Hintergedanken der
Konversion. Wenn Gott hierbei (oder auf andere Weise),
etwas blumig formuliert,
»Mutter Kirche neue Kinder
schenkt«, dann ist es sein
Wille, nicht unser Wollen und
Vollbringen (Phil 2,13).
Das gewandelte Verständnis
von Mission ist auch abgerückt von der Vorstellung
von Missionsgebieten. Es
gibt deren nur noch wenige;
sie unterstehen der Vatikanischen Kongregation DE
PROPAGANDA FIDE (zur
Ausbreitung des Glaubens).
Überall, wo (sogenannte)
ordentliche Diözesen eingerichtet sind, hat der Status
von Mission aufgehört. Dies
gilt von allen Ländern, wo
unsere Schwestern wirken.
Viele dieser Kirchen sind jetzt
selbst missionarisch tätig:
Es kommt Missionspersonal
aus Indien, aus Afrika, aus
Korea, aus den Philippinen
nach Europa und in andere
Länder. Die ganze Kirche,
sagt das II. Vatikanische Konzil, ist missionarisch tätig –
durch Wort und Tat: Die
ganze Kirche evangelisiert.
Was das Christentum in
Afrika und Lateinamerika in
keiner Weise; sie bezeugen
den Glauben durch ihre vinzentinischen Dienste – und
das ist nicht wenig.
Bei der Föderationstagung 3
habe ich (im Zusammenhang
mit der Zeitschrift heute) auf
diese Tatsachen hingewiesen. Es ist überholt und unzutreffend, zum Beispiel von
Indien-Mission zu reden. Es
handelt sich dort wie in
den anderen Ländern um
Partnerkirchen, um unsere
Schwesterkongregationen in
Indien und in Korea: eigen-
Indien betrifft, so ist die
Kirche in Kerala, aus der unsere Schwestern stammen,
(wahrscheinlich) viel älter als
die in Deutschland; die ursprünglichen Christen nennen sich ja Thomaschristen
und führen ihren Ursprung
auf diesen Apostel zurück.
Schon aus diesem Grund
kann dort nicht von Mission
gesprochen werden. Seit
dem 16. Jahrhundert hat
dann an der Südwestküste
von Indien (unsere) Lateinische Kirche missioniert – in
klassischer Manier, mit zum
Teil fatalen Folgen.
Mission im klassischen Sinn
betreiben unsere Schwestern in Indien, in Korea, in
ständige, selbstbewusste Ordensgemeinschaften – und
in Tansania um die Regionen
von Untermarchtal und Innsbruck/Meran, und in Peru
um die Regionen der Mutterhäuser Hildesheim und Zams.
Rein statistisch gesehen,
liegt in diesen Ländern die
Zukunft der Vinzentinischen
Föderation. Und so geht es
nicht mehr an, die Vertretungen dieser Mutterhäuser bei
der Föderationstagung zum
Rapport antreten zu lassen:
»Berichte aus der Mission.«
Dies ist überholtes europazentriertes Denken. Wir müssen uns da etwas anderes
überlegen. Es handelt sich
um die jungen Kongregatio-
nen, die mit unserer Hilfe
entstanden und gewachsen
sind und erwachsen geworden sind: um die Kongregationen in Übersee/in anderen Erdteilen oder, genau
gesagt: um die Mutterhäuser
in Suwon, in Mananthavady,
um die Regionen in Tansania:
Mitundu und Mbinga sowie
die Regionen in Peru: Lima
und Moro.
Die Zeitschrift heute ist angeblich ein Bindeglied der
Föderation, ist ein Kommunikationsorgan, vor allem in
spiritueller Hinsicht. Aber
nach Korea, Tansania, Peru
gehen jeweils nur wenige
Exemplare, nach Indien 40
Exemplare. Dies hat natürlich
mit dem Sprachproblem zu
tun. Aber muss darunter die
Kommunikation leiden? –
Auch in diesem Punkt müssen wir uns etwas einfallen
lassen. Vielleicht kann eine
Internetausgabe von heute 4
helfen.
Dies waren einige Klarstellungen anlässlich des heutigen »Weltmissionssonntags«.
Weiter auf Seite 26
3 Sowie bei der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Indienmission – Vinzentinische Partnerschaft.
4 Diese Internetausgabe kann vor Ort
(in Korea, Indien, Afrika, Lateinamerika) bearbeitet werden. Hierzu können Beiträge ausgewählt und übersetzt werden, auch auszugsweise
oder als Zusammenfassung. Bilder
können übernommen werden. Davon
lässt sich ein sogenannter Mantel
anfertigen (mit zum Beispiel acht
Seiten). In diesen Mantel der Föderationsausgabe können (ähnlich wie es
bei manchen Kirchenzeitungen praktiziert wird) Beiträge aus der eigenen Kongregation / Region eingefügt
werden.
23
Bildbetrachtung
SR. M. KARIN WEBER
DER REGENBOGEN –
E
in farbenfrohes Bild,
das uns vor Augen
gestellt wird. Es sprüht
direkt von Farbe, Licht, Leben, Kraft und Dynamik und
verbreitet gleichzeitig eine
stille Innigkeit, Sammlung
und Ruhe. Das Bild ist reich
an Symbolik und lädt ein zur
Betrachtung. Einige Gedanken dazu möchte ich Ihnen
vorlegen.
Zunächst zu den Farben:
Licht bricht sich in einem
Prisma so, dass die Spektralfarben sichtbar werden.
So spalten im Regenbogen
kleinste
Wassertröpfchen
das Licht, und die Farben
des Regenbogens kommen
zum Leuchten. Die Schönheit seiner Farben hat die
Menschen aller Zeiten zum
Staunen und Bewundern
gebracht, sodass im Regenbogen schon immer ein
göttliches Zeichen gesehen
wurde. Seine Bogenform
schafft eine Brücke zwischen
Himmel und Erde. So wie es
in der Sintfluterzählung heißt:
»Dann sprach Gott zu Noah:
›... Meinen Bogen setze ich
24
in die Wolken, er soll das
Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde ...
Das ist das Zeichen des
Bundes, den ich zwischen
mir und allen Wesen aus
Fleisch auf der Erde geschlossen habe‹« (Gen 9).
Das Licht der Herrlichkeit
Gottes bricht sich in jedem
Menschen, der sich in dieses
Licht stellt und sich davon
durchdringen lässt. Durch sie
wird die Güte, Liebe und
Barmherzigkeit Gottes sichtbar wie in einem Regenbogen.
Auf unserem Bild spannt
sich von Säule zu Säule ein
Regenbogen, selbst die vier
Personen sind jeweils umfangen von den Farben des
Regenbogens. Wie bei Noah
der Regenbogen Zeichen
des Bundes war, den Gott
mit ihm geschlossen hat, so
ist er hier auf diesem Bild
Zeichen der Erwählung, der
Zuwendung, der Freundschaft Gottes. Wenn Sie das
Bild genauer anschauen, sehen Sie in den Bögen zwischen den Säulen die Namen
der dargestellten Personen:
ganz links Franziska von
Chantal, dann Franz von
Sales, Vinzenz von Paul und
Louise von Marillac. Von allen vier Heiligen können wir
sagen, dass sie wie ein
Prisma waren für die Barmherzigkeit und Liebe Gottes.
Durch sie kam Farbe, Lebendigkeit und Wärme in das
Leben vieler Menschen, die
im »Dunkel und Todesschatten saßen«.
Woher sie die Kraft für ihr
Engagement nahmen, wird
auf dem Tisch vor ihnen
deutlich. Brot, Fisch und
Wein stehen für Jesus Christus, der sich in den eucharistischen Gaben schenkt und
genau dies für uns werden
will: Nahrung, Kraft, Speise,
Freude. Das Herz in der
Hand der hl. Franziska von
Chantal deutet an, woher sie
alle die Kraft zur Liebe haben, die sich im gemeinsamen Mahl am Tisch des
Herrn immer neu entzündet.
Der Heilige Geist in der
Gestalt der Taube ist der
Inspirator für die vielfältigen
SYMBOL EINER
FREUNDSCHAFT
Werke, die durch Vinzenz
und Louise geschaffen wurden. So konnte jeder dieser
großen Heiligen SEIN Licht
zu den Menschen tragen.
Diese wenigen Gedanken
zum Bild mögen Sie anre-
gen, selbst weiter zu denken
und zu meditieren. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie
sich ansprechen und bewegen lassen von diesem
Bild!
Das Bild habe ich auf einer
CD von Pater Jernej CM
entdeckt, auf der viele Darstellungen von Vinzenz und
Louise aus aller Welt festgehalten sind.
25
In dieser und in den folgenden Ausgaben
der Zeitschrift heute werden die Länder
Tansania, Indien, Peru, Korea kurz vorgestellt:
die Geschichte sowie die gegenwärtige
soziale und religiöse Situation; es folgen
Anregungen für Dank und Fürbitte sowie
ein Gebet, welches in dem betreffenden Land
formuliert wurde* (Kkl.).
TANSANIA
Statistik
Bevölkerung: 38,3 Mio.;
Staatsform: Föderative
Präsidialrepublik;
Sprachen: Swahili, Englisch;
Alphabetisierung: Männer
78 %, Frauen 62 %;
Religionen: Christen ca.40 %,
Muslime ca. 30 % (95 % auf
Sansibar), Sonstige ca. 30 %
(indigene Religionen,
Minderheit von Hindus);
Mitgliedskirchen im Ökumenischen Rat der Kirchen:
Anglikanische Kirche von
Tansania, Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania,
Brüder-Unität in Tansania.
Fortsetzung von Seite 23
ferenz hat schon lange eine
Unterabteilung eingerichtet:
KOMMISSION
WELTKIRCHE, wo unter anderem die
kirchlichen Hilfswerke MISSIO, MISEREOR, ADVENIAT,
RENOVABIS sowie der Missionsrat der Ordensgemeinschaften zusammengefasst
sind.
Ich denke, das Stichwort
Weltmissionssonntag muss
nicht unbedingt reflexartig
den Geldbeutel öffnen; es
kann auch einmal dazu dienen, das Herz zu öffnen und
Ich denke, dass man wegen
der Erwartungen einer guten
Kollekte noch bei dieser
traditionellen Bezeichnung
geblieben ist. Auch in diesem Punkt müsste man
sich eigentlich etwas Neues
überlegen. Die Bezeichnung
FORUM WELTKIRCHE (wie
der geänderte Titel der Zeitschrift DIE KATHOLISCHEN
MISSIONEN lautet) weist da
in die richtige Richtung.
Die Deutsche Bischofskon26
* Aus: IN GOTTES HAND. GEMEINSAM BETEN FÜR DIE WELT. Gebete
aus der weltweiten Ökumene, Lembeck/Bonifatius, 2008.
T
ansania liegt in Ostafrika am Indischen
Ozean. Es grenzt im
Süden an Mosambik, Malawi
und Sambia, im Westen an
die Demokratische Republik
Kongo, Burundi und Ruanda
und im Norden an Uganda
und Kenia.
Seit ungefähr dem 8. Jahrhundert errichteten arabische Händler Außenposten
für notwendiges Umdenken
bereit zu machen. Der sogenannte Missionsbefehl Jesu
(Mt 28,18: »... geht zu allen
Völkern und macht alle
Menschen zu meinen Jüngern ...«) hat in der Vergangenheit zu den verschiedenen Formen der klassischen
Missionierung geführt. Heutzutage weisen die Zeichen
der Zeit diesbezüglich in
Richtung einer Metánoia: Ein
neues, gewandeltes Denken
und Handeln von Mission.
entlang der Küste Tansanias.
Ende des 19. Jahrhunderts
wurde das Gebiet kolonisiert:
Von den Briten, die die Insel
Sansibar übernahmen, und
von den Deutschen, die das
Festland von Tanganjika beanspruchten. 1905 bis 1907
wurde der Maji-Maji-Aufstand brutal niedergeschlagen, 120 000 Afrikaner starben. 1918 übernahm Großbritannien die bisherige
deutsche Kolonie.
1964, ein Jahr nach der Unabhängigkeit, schlossen sich
Sansibar und Tanganjika zusammen und bildeten die
Vereinigte Republik Tansania. Tansania wurde von einer republikanischen Einparteienregierung unter Führung
von Julius Nyerere bis 1985
regiert. Der Gründer der tansanischen Variante des Sozialismus »Ujasmaa« (das
Wort bedeutet auf Swahili
»Familie«) verzichtete 1985
auf die Fortsetzung seiner
Präsidentschaft – was bis
heute in Afrika Seltenheitswert hat.
Mit seinem Nachfolger erfolgte der Übergang zu
marktwirtschaftlichen Verhältnissen und zu einem
Mehrparteiensystem. Im Dezember 2005 konnte das
Volk Präsidentschaftskandidaten aus zehn Parteien
wählen – 80 Prozent entschieden sich für Jakaya
M. Kikwete.
Tansania ist eines der ärmsten Länder der Welt mit mehr
als der Hälfte der Bevölkerung unter der Armuts-
grenze. Das HIV/AIDS-Virus
ist ein wachsendes Problem,
laut UNICEF waren 2005
schätzungsweise 6,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung infiziert oder bereits
erkrankt. Hinzu kommt ein
massiver Strom an Flüchtlingen aus den Nachbarländern
Ruanda und Burundi aufgrund der Kriege in den
1990er-Jahren.
Christliches Wirken begann
in Tanganjika im 16. Jahrhundert mit der Ankunft portugiesischer römisch-katholischer Priester; bis heute
sind die meisten Christen römisch-katholisch. Während
des späten 18. Jahrhunderts
wurden deutsche Missionsstationen errichtet und von
den Herrnhutern geleitet.
Heute lebt die weltweit
größte Gemeinschaft von
Herrnhutern in Tansania.
Nach der Römisch-Katholischen Kirche ist die Evangelisch-Lutherische Kirche
die nächstgrößte, gefolgt
von der Anglikanischen Kirche. Es gibt auch mehrere
afrikanische indigene Kirchen. Mit Hilfe des Christenrates von Tansania, der 1934
ins Leben gerufen wurde,
haben sich die Kirchen stark
in der sozialen und entwicklungspolitischen Arbeit des
Landes integriert.
ANREGUNGEN
FÜR DANK
UND FÜRBITTE
Wir danken für:
• das Zeugnis der christlichen Kirchen und Organisationen und die Beziehung
zwischen den Brüdern und
Schwestern in Christus, die
verschiedenen Konfessionen
angehören;
• die Chöre, die viele Stunden proben, um Gott zu
loben;
• die Gottesdienste mit freudigem Tanzen, begleitet von
Trommeln und Rasseln;
• die Kleinbauern, die hart
arbeiten, um ihre Familien zu
ernähren;
• Ugali (Maismehl), Tapioka
(Maniok), Reis, Chapatis (indisches Fladenbrot);
• gastfreundliche
Menschen, die das, was sie haben, mit Fremden aus den
Nachbarländern teilen;
• den Kilimandscharo und
den weiten Indischen Ozean.
Wir bitten um/für:
• die Flüchtlinge aus benachbarten Ländern, dass
sie Nahrung und Obdach finden und bald in ihre Heimat
zurückkehren können;
• alle, die von der Dürre
betroffen sind, dass sie sauberes Trinkwasser haben 27
und ihr Getreide anpflanzen
können;
• Frieden unter den ethnischen Gruppen und Stämmen, dass sie zusammenarbeiten, um eine gerechte
Gesellschaft zu schaffen;
• die Kirchen und ihre Führer in ihrem Kampf gegen
Korruption und ihren Einsatz
für Demokratie und eine gute
Regierung;
• alle, die an HIV und AIDS
leiden, für Kinder, die durch
die Pandemie verwaist sind,
und für die, die sie versorgen;
• alle, die in unsäglicher Armut leben, und die sich oder
ihre Familien nicht ernähren
können;
• Erleichterung der internationalen Schuldenlast für die
Menschen in Afrika.
• junge Frauen, die in die
Prostitution gezwungen wurden;
GEBET AUS TANSANIA
All, ihr großen Dinge, lobet Gott.
KiIimandscharo und der Viktoriasee,
du, großer Grabenbruch, und die Ebene der Serengeti,
dicke Affenbrotbäume und schattige Mangobäume,
alle Eukalyptus- und Tamarindbäume,
preiset den Herrn.
Lobet und rühmet ihn auf ewig.
All, ihr kleinen Dinge, lobet Gott.
Emsige schwarze Ameisen und springende Flöhe,
zappelnde Kaulquappen und Moskitolarven,
fliegende Heuschrecken und Wassertropfen,
Pollenstaub und Tsetsefliegen,
Hirsesamen
und getrocknete Dagaa (kleine Sardinenfische),
preiset den Herrn.
Lobet und rühmet ihn auf ewig.
28
In der Zeitschrift heute Nr.
1/2010 schrieb P. Wiel Bellemakers:
Die Zwölf des 31. Juli 1634
»Die göttliche Vorsehung hat
euch Zwölf zusammengerufen«, sagt Vinzenz. In der
Konferenz vom 31. Juli 1634
werden einige namentlich
genannt. Jean Morin macht
über einige dieser zwölf
ersten Töchter der Liebe
biografische Notizen. Ich
möchte fast sagen, dass
diese Seiten für neuernannte
Ober/-innen der Vinzentinischen
Kongregationen
Pflichtlektüre ist. Es sind
Perlen der Pädagogik und
der
Verwaltungswissenschaft! – Hier nun der vollständige Text, ins Deutsche
übersetzt von P. Alexander
Jernej CM, Graz
A
m letzten Tag des
Juli 1634 gab Herr
Vinzenz in einer dritten und letzten Konferenz
der kleinen Gemeinschaft
der Barmherzigen Schwestern die Regeln und die
Anweisung zur ihrer Ausführung. Folgendes wurde
bei dieser Gelegenheit aufgezeichnet: Herr Vinzenz
kniete mit der ganzen Versammlung nieder, betete das
VENI SANCTE und begann:
Meine lieben Töchter, gestern sprach ich davon, dass
Sie sich vor längerer Zeit
zusammengefunden haben,
um ein gemeinsames Leben
zu führen. Dennoch hatten
Sie bis jetzt noch keine
Vinzentinische
Spiritualität
VINZENZ VON PAUL:
KONFERENZ
VOM 31. JULI 1634
(Coste IX, 1; Comb.1)
Regeln für Ihre Lebensform.
Bisher hat Gott Sie so geführt, wie er einstmals sein
auserwähltes Volk geführt
hatte, das von der Erschaffung an mehr als tausend
Jahre lang kein Gesetz
kannte.
Ebenso handelte auch Unser
Herr in der jungen Kirche. Solange er noch auf Erden weilte, gab es noch kein neues,
geschriebenes Gesetz. Erst
danach haben die Apostel
die Lehren und Anordnungen
Christi gesammelt.
Die göttliche Vorsehung hat
Sie alle Zwölf, wie mir
scheint, zu dem Zweck hier
zusammengeführt, damit Sie
das Leben Christi ehren, das
er als Mensch auf Erden
geführt hat. Wie vorteilhaft ist
es doch, in einer Gemeinschaft zu leben! Jedes einzelne Glied nimmt teil an
dem Guten, das der ganze
Leib wirkt, und empfängt
durch seine Vermittlung reichere Gnaden. Unser Herr
hat es uns versprochen, als
er sagte: »Wenn Ihr auch nur
zu zweien in meinem Namen
versammelt seid, so bin ich
mitten unter Euch« (Mt 18,20).
Wenn Sie aber in noch viel
größerer Zahl in derselben
Absicht zum Dienst Gottes
vereinigt sind, dann gilt umso
mehr, dass mein Vater und
ich kommen und bei Ihnen
Wohnung nehmen werden,
wenn Sie uns lieben (Joh
14,23). Für diejenigen, die
eins sind im Geiste und die
in diesem Geist einander helfen, Gott die Ehre zu geben,
hat der Sohn im letzten Gebet vor seinem Leiden gebetet mit den Worten: »Vater,
ich bitte dich, lass sie, die du
mir gegeben hast, eins sein,
so wie du und ich eins sind«
(Joh 17,11). Wir wollen nun
sehen, liebe Töchter, auf welche Weise Sie die vierundzwanzig Stunden verbringen
sollten, die den Tag ausmachen, und die Tage, die Monate und die Jahre, die Sie
zur Ewigkeit führen werden.
Sie müssen, soweit Sie kön-
nen, die Stunden festlegen.
So wird es Ihnen ein großer
Trost sein, beim Aufstehen
zu denken: »Alle meine Mitschwestern, an welchem Ort
sie auch seien, erheben sich
jetzt zum Dienst Gottes.« Sie
sollten also um fünf Uhr aufstehen, soweit die Tätigkeiten der »Charité« Ihnen ermöglichen, um zehn Uhr zur
Ruhe zu gehen,denn Sie müssen sich für den Armendienst
erhalten und Ihrem Leib das
Notwendige zugestehen.
Ihr erster Gedanke muss sich
auf Gott richten. Danken Sie
ihm für seinen Schutz in der
Nacht, überlegen Sie, ob Sie
ihn nicht beleidigt haben,
danken Sie ihm oder bitten
Sie ihn um Verzeihung, opfern Sie ihm alle Gedanken,
die Regungen Ihres Herzens,
Ihre Worte und Werke. Nehmen Sie sich vor, nichts zu
tun, was ihm missfallen
könnte. Und alles, was Sie
über Tag tun werden, möge
aus dieser ersten Aufopferung an Gott seine Kraft 29
Andachtsbildchen
aus dem
Mutterhausarchiv
Augsburg.
schöpfen, denn – sehen Sie,
meine Töchter – wenn Sie
nicht alles Gott aufopfern,
verlieren Sie den Lohn für
Ihre Handlungen. Der hl.
Paulus sagt, wie viel Sie
verlieren, wenn Ihr Geist sich
mit seinen ersten Gedanken
anderen Dingen als Gott
zuwendet. Der Teufel tut bei
Ihrem Erwachen sein Möglichstes, um Ihnen andere
Gedanken einzugeben. Halten Sie sich deshalb an diese
heilige Übung, als gute
Christinnen
und
wahre
Barmherzige
Schwestern.
Wenn Sie aufgestanden und
ein wenig angekleidet sind,
sollten Sie als erstes niederknien, um Gott anzubeten.
Was bedeutet das: Gott anbeten? Es heißt, ihm eine
30
Ehre erweisen, die niemand
anderem gebührt und ihn als
Ihren Schöpfer und alleinigen
Herrn anerkennen. Dann bitten Sie ihn um seinen heiligen Segen und verneigen
sich ein wenig, um ihn mit
Andacht zu empfangen und
in dem Gedanken, er möge
all Ihr Denken, Reden und
Handeln seiner göttlichen
Majestät wohlgefällig machen und Ihnen den Willen
geben, alles zur Ehre seiner
allerheiligsten Liebe zu tun.
Nachdem Sie sich angekleidet und Ihr Bett gemacht
haben, begeben Sie sich zur
Betrachtung. O meine Töchter, das ist das Herzstück der
Frömmigkeit, und Sie müssen sehr bestrebt sein, sich
gut daran zu gewöhnen. Nein,
fürchten Sie nicht, dass arme
Dorfmädchen,unwissend, wie
Sie zu sein glauben, nach
dieser heiligen Übung nicht
streben dürften. Gott ist so
gut und hat Ihnen schon so
viel Güte erwiesen, da er Sie
zur Übung der Nächstenliebe
berufen hat; warum – denken
Sie – würde er Ihnen die
Gnade verweigern, die Ihnen
hilft, Ihre Betrachtung gut
zu machen? Das sollen Sie
niemals annehmen. Ich war
heute sehr erbaut bei einem
Gespräch mit einem guten
Dorfmädchen, das inzwischen eine der größten Seelen ist, die ich kenne.
Beginnen Sie immer alle Ihre
Gebete im Gedanken an die
Gegenwart Gottes, andernfalls kann es geschehen,
dass ihm eine Handlung
nicht wohlgefällig ist. Sehen
Sie, meine Töchter, wenn wir
Gott auch nicht sehen, so
lehrt der Glaube uns doch
seine heilige Allgegenwart,
und das ist eines der Mittel,
das wir uns zurechtlegen sollen, ich meine diese Gegenwart an allen Orten, die zuinnerst alle Dinge und selbst
unsere Herzen durchdringt,
und das ist wahrer und gewisser als zu glauben, dass
wir hier alle versammelt sind,
denn unsere Augen können
uns täuschen, aber die
Wahrheit, dass Gott allerorten zugegen ist, ist unfehlbar gewiss.
Ein anderes Mittel, uns in die
Gegenwart Gottes zu versetzen, ist, uns im Geiste vor
das heiligste Altarsakrament
Heft 2/2010
INHALT
42. Jahrgang
Zum 350. Jubiläum des Todesjahres
von Vinzenz und Louise
2
Zum Titelbild
3
Geistliches Wort:
Sr. M. Brigitta Buchler, Heppenheim
4
Schwerpunkt: Zeit der Stille
6
Berichte aus Mutter- und Provinzhäusern
Augsburg
Innsbruck
Innsbruck – Kosovo
Graz/Köln
9
11
13
15
Bildmeditation
16
Untermarchtal – Mbinga
20
Keine »Mission« mehr?
22
Bildbetrachtung
24
Tansania – vorgestellt
26
Vinzentinische Spiritualität: Konferenz vom 31. Juli 1634
28
Inhaltsverzeichnis
31
Bildmeditation
32
zu begeben. Dort, meine lieben Töchter, werden wir die
größten Beweise seiner
Liebe empfangen. Lieben wir
ihn und denken wir daran,
dass er auf Erden gesagt
hat: »Wenn jemand mich
liebt, werden wir zu ihm
kommen« (Joh 14,23). Er
sprach von seinem Vater und
dem Heiligen Geist; und die
Seelen werden durch seine
heilige Vorsehung geführt
wie ein Schiff durch seinen
Steuermann.
Seien Sie darauf bedacht,
über Ihre Betrachtung, sobald Sie es können, Rechen-
schaft zu geben. Sie werden
sehen, wie viel Nutzen Ihnen
das bringt. Sagen Sie einander ganz einfach Ihre Gedanken, die Gott Ihnen eingegeben hat, und halten Sie gut
die Vorsätze, die Sie gefasst
haben. Die selige Maria von
der Menschwerdung (Madame Acarie) hat sich dieses Mittels bedient, um in
der Vollkommenheit rasch
voranzuschreiten. Sie gab
ihrer Dienerin sorgfältig Rechenschaft. O, meine Töchter, Sie glauben nicht, wie
viel Nutzen Ihnen das bringt
und welche Freude Sie Gott
heute
herausgegeben im Auftrag der Föderation
Vinzentinischer Frauengemeinschaften
von Superior Dr. Winfried Kurzschenkel,
Kanalstraße 22, 36037 Fulda,
Tel.: (06 61) 2 85 -1 33, Fax: -200 / 7 06 68.
E-Mail: [email protected]
Erscheinungsweise vierteljährlich.
Die Zeitschrift kann bezogen werden über
obige Adresse. Das Jahresabonnement
kostet einschließlich Versand 8,– € und wird
im 1. Quartal erbeten: Mutterhaus Fulda,
Sparkasse Fulda 41 026 414 (BLZ 530 501 80).
Abbestellung nur zum 31. Dezember mit
einmonatiger Kündigungsfrist.
Korrespondentinnen in den
Mutterhäusern / Provinzhäusern:
Augsburg: Sr. M. Beatrix Franger
Freiburg: Sr. Anna Lioba Fackler
Fulda: Sr. Felizitas Renkel
Heppenheim: Sr. Christine Lorey
Hildesheim (mit Region in Peru):
Sr. Regina Maria Lührsen
Innsbruck (mit Region in Tansania):
Sr. Pauline Thorer
Mananthavady: Sr. Lucy Antony Manthara
Meran: Sr. Klara Rabensteiner
München: Wolfgang Dausch
Paderborn: Sr. Ursula Bittner
Straßburg: Sr. Marguerite Schwein
Suwon (Korea): Sr. Katharina Cha
Treviso: Sr. Lorenza Sponton
Untermarchtal (mit Region in Tansania):
Sr. M. Karin Weber
Wien: Sr. Sigharda Leitner
Zams (mit Niederlassungen in Peru):
Sr. Dr. M. Gerlinde Kätzler
Provinz Graz TdcL:
Sr. Angela Platzer, Sr. Donata Hampel
Provinz Köln TdcL: Sr. Alfonsa Richartz
Gestaltung: Jürgen Weber, Limburg
E-Mail: [email protected]
Druck: Limburger Vereinsdruckerei GmbH,
Senefelderstraße 2, 65549 Limburg
auf diese Weise bereiten.
Sehen Sie, die heilige Magdalena barg in ihrem Herzen
die guten Gedanken, die sie
den Worten Unseres Herrn
entnahm; dasselbe wird von
der heiligen Jungfrau gesagt.
Die guten Gedanken, die der
Herr Ihnen im Gebet gibt,
sind Kostbarkeiten. Fassen
Sie sie sorgfältig zusammen,
um sie in die Tat umzusetzen,
und Sie werden das Herz
Gottes erfreuen; Sie werden
die Freude Gottes sein, und
alle Heiligen freuen sich mit.
Fortsetzung folgt
31
Text: Sr. Ursula Bittner · Foto: Heidi Bittner
Wie gut ist es,
wenn sich trotz
mächtiger Mauer
Ausblick auftut,
Durchblick zeigt
und Weitblick
zum Himmel weist.
Es ist dann so
wie bei einem Lied
mit der Zusage:
»Der Himmel geht
über allen auf,
auf alle über,
über allen auf!«
Das macht stark
im Gottvertrauen.