Die Bedeutung der Nettoverzinsung und des Rechnungszinses für

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Die Bedeutung der Nettoverzinsung und des Rechnungszinses für
Die Bedeutung der Nettoverzinsung und des Rechnungszinses für die private
Krankenversicherung
Das Versicherungsjournal beleuchtet mit der Ausgabe vom 08.08.2012 die Krankenversicherer mit der
besten Nettoverzinsung 2011 am Markt. Das Ergebnis: Die durchschnittliche Nettorendite sinkt seit
dem Jahr 2009 stetig. Erfahren Sie hier, was das für Sie und Ihre Kunden bedeutet.
Die Nettoverzinsung: Eine wichtige Kennzahl in der privaten Krankenversicherung
Die Nettoverzinsung ist die Verzinsung, die das Versicherungsunternehmen in einem Geschäftsjahr
mit seinen Kapitalanlagen erzielt hat – nach Abzug der Kapitalanlagekosten. In der PKV bestehen
diese Anlagen zum größten Teil aus Alterungsrückstellungen. Die Nettoverzinsung ist in der PKV für
zwei Aspekte wichtig:
a) zum einen wird hieraus der Rechnungszins bedient. Gemäß §4 Kalkulationsverordnung (KalV) darf
dieser Rechnungszins 3,5 Prozent nicht überschreiten.
b) zum anderen wird der Anteil, der über dem Rechnungszins liegt, im Wesentlichen zur
Beitragsstabilisierung von älteren Versicherten verwendet. Die Differenz zwischen Rechnungszins und
Nettoverzinsung wird im Fachjargon als „Überzins“ bezeichnet.
Beispiel
Nettoverzinsung
- Rechnungszins
= Überzins
4,0%
3,5%
0,5%
Zusammenhang zwischen Nettoverzinsung und Alterungsrückstellung
Die Alterungsrückstellung und damit auch ihre Verzinsung sind wesentlicher Bestandteil der
Beitragskalkulation in der privaten Krankenversicherung.
Die Alterungsrückstellung soll gewährleisten, dass die Beiträge unter ansonsten gleichen
Voraussetzungen grundsätzlich über die gesamte Vertragslaufzeit konstant bleiben. Das heißt: Der
Versicherte erwirbt in jüngeren Jahren eine „Anwartschaft“ darauf, dass sein Beitrag im Grundsatz
über die gesamte Vertragslaufzeit unverändert bleibt.
Die Alterungsrückstellung wird aus dem entsprechenden Beitragsanteil des PKV-Beitrages gebildet,
dem sog. Sparanteil. Wie das ganze vereinfacht läuft, zeigt folgende Grafik:
Bei der Bildung der Alterungsrückstellung ist der sog. Rechnungszins mit zu berücksichtigen. Das
heißt: Es wird unterstellt, dass die Alterungsrückstellung mit diesem Rechnungszins, also derzeit 3,5%
verzinst wird.
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Zusammenhang zwischen Nettoverzinsung und Überzinsen
Seit 2001 sind die Krankenversicherer verpflichtet, die sog. Überzinsen zur Beitragsstabilisierung im
Alter einzusetzen. Gemäß §12a VAG gilt dies für 90% der Überzinsen. Die anderen 10% stehen für
andere Maßnahmen, z.B. für Beitragsrückerstattung oder Limitierung von Beitragsanpassungen zur
Verfügung. Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Regelung galt ein Zinsniveau von ca. 7%. Dieses
Zinsniveau ist bekanntermaßen seit mehreren Jahren rückläufig. Konsequenz ist, dass die Überzinsen
sinken und damit auch die Beträge, die man zur Beitragsstabilisierung im Alter einsetzen kann.
Welche Nettoverzinsung erzielen die PKV-Unternehmen derzeit?
Gemäß der Auswertung des Versicherungsjournals sind dies durchschnittlich 3,85%. Im Vergleich zu
dem 2010er Wert (4,17%) ist dies ein Rückgang von 0,32% Punkten.
Prinzipiell kann man den Markt in drei Gruppen teilen:
1. PKV-Unternehmen mit einer Nettoverzinsung von 4% und mehr
Zu dieser Kategorie gehören die Unternehmen der SIGNAL IDUNA Gruppe, SIGNAL Kranken
(4,1%) und Deutscher Ring Krankenversicherung (4,0%)
2. PKV-Unternehmen mit einer Nettoverzinsung von 3,5% bis 3,99%
3. PKV-Unternehmen mit einer Nettoverzinsung von unter 3,5%
(Bitte beachten Sie die Anlage 1, in der die größten PKV-Unternehmen mit der jeweiligen
Nettoverzinsung aufgeführt sind.)
(Bitte beachten Sie die Anlage 1, in der die größten PKV-Unternehmen mit der
jeweiligen Nettoverzinsung aufgeführt sind.)
Daraus kann man zwei Erkenntnisse ableiten:
1. Der Großteil des Marktes hat kein Problem, den Rechnungszins zu erzielen, so dass die
Finanzierung der Alterungsrückstellung gesichert ist.
2. Die Überzinsen sinken kontinuierlich, so dass die zusätzlichen Mittel für die Beitragsstabilität
im Alter zurück gehen.
Für die Krankenversicherer der SI-Gruppe bedeutet das folgendes:
1. Im Bestand sind keine Veränderungen erforderlich, da auch für die nächste Zukunft eine
Verzinsung oberhalb des Rechnungszinses zu erwarten ist. Hier bleibt alles, so wie Sie es
kennen.
2. Im Neugeschäft ist die Absenkung des Rechnungszinses mit einer entsprechenden Erhöhung
der Beiträge eine Option, um die Mittel für die Beitragsstabilität im Alter zu erhöhen. Deshalb
gibt es im Zusammenhang mit der neuen Unisex-Tarifwelt die Überlegung, für diese Welt den
Rechnungszins zu reduzieren.
Über weitere Einzelheiten werden wir Sie in den nächsten Wochen noch ausführlich informieren.
Fazit: Die Absenkung des Rechnungszinses, die nur für das Neugeschäft greifen würde, führt in
einem ersten Schritt zu höheren Beiträgen. In einem zweiten Schritt wirkt diese Maßnahme - auf die
gesamte Laufzeit betrachtet - insgesamt beitragsstabilisierend im Alter. Somit wären die
Auswirkungen für die Versicherten in Summe überschaubar.
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