University of Kansas 2014

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University of Kansas 2014
Bochum, 02.02.2015
Erfahrungsbericht
, 2-Fach Bachelor Anglistik/Amerikanistik, Geschichte
Studienaufenthalt an der University of Kansas
im Rahmen des MAUI Utrecht Network Exchange Programs
August – Dezember 2014
Vorbereitung (Planung, Organisation und Bewerbung bei der Gasthochschule)
Da ich neben Geschichte auch Anglistik/Amerikanistik studiere, war mir von Anfang an klar,
dass im Laufe meines Studiums ein längerer Auslandsaufenthalt im englischsprachigen Raum
anstehen würde. So habe ich mich im Wintersemester 2013/2014 intensiv mit Möglichkeiten
auseinandergesetzt und mich dabei vor allem auf Partnerkooperationen der Ruhr-Universität
konzentriert. Dabei bin ich auf das MAUI Utrecht Network Exchange Program aufmerksam
geworden. Ich wollte schon immer mal länger in die USA, um die Kultur des Landes intensiv
kennenlernen zu dürfen, jedoch sah eine Chance bei gerade mal 5 bis 6 Plätzen pro Jahr über
MAUI schlecht aus. Ich habe jedoch erfahren, dass viele gerade deswegen abgeschreckt sind,
sich für MAUI zu bewerben, und man deswegen doch eine größere Chance hat als man denkt.
So hatte ich das Glück, einen Platz über MAUI an der University of Kansas zu ergattern. Also,
nehmt euch die Zeit, bereitet eine gute Bewerbung vor, und probiert’s einfach! ;) Dennoch
würde ich allen empfehlen, sich so viele Möglichkeiten wie möglich offen zu halten.
Für die Bewerbung sollte man sich auf jeden Fall viel Zeit nehmen, um alles Nötige
fristgerecht zu besorgen bzw. anzufertigen (u.a. Empfehlungsschreiben eines
Hochschulprofessors, Motivationsschreiben auf Englisch, etc.). Man sollte sich dabei besonders
im Klaren sein, warum der Aufenthalt wichtig für seinen weiteren Studienverlauf ist. Wenn man
aber erst mal angenommen wurde, dann geht die Arbeit erst richtig los. Man muss sich nochmal
an der Auslandsuniversität „offiziell“ bewerben, ein Visum im amerikanischen Konsulat
beantragen, sich impfen lassen, sich über Auslandskrankenversicherungen informieren, ggf. die
eigene Wohnung vermieten, Kreditkarten beantragen (bei mir hat eine Kombination aus DKB
VISA und den germanwings gold Kreditkarten alles am günstigsten bzw. sogar umsonst
abgedeckt), sich um eine Unterkunft in Lawrence kümmern, sich an der eigenen Universität
beurlauben, usw.
Ein Studium in den USA kann sehr teuer sein und gerne mal 15,000§ pro Semester kosten.
Durch die Kooperation über das MAUI Utrecht Network sind bei mir die Studiengebühren
weggefallen. Den Rest des Semesters habe ich mir mit AuslandsBAföG, Kindergeld, dem
PROMOS Stipendium und Erspartem finanziert. Für die Beantragung des AuslandsBAföG und
die Bewerbung für Stipendien sollte sich frühzeitig viel Zeit genommen werden.
Die ganze Arbeit macht dennoch viel Spaß, denn man bereitet ja das wohl bisher
aufregendste Semester/Jahr seines Lebens vor! ;) Dennoch würde ich im Semester davor nicht
allzu viele Kurse an der RUB belegen, da man doch weniger Zeit hat als man denkt, und vor
allem „frei“ und ohne übriggebliebene Hausarbeiten ins study abroad starten sollte (ich spreche
aus Erfahrung!).
Ankunft
Vorab erst einmal: Warum eigentlich die University of Kansas? Ich habe mich zwischen den
Universitäten der MAUI Kooperation für die KU entschieden, weil diese im Gegensatz zu den
meisten anderen Universitäten ein Department für American Studies hat. Zudem hat mich vor
allem der typische college town flair von Lawrence angesprochen, sowie die hohe Identifikation
der Studenten mit ihrer Universität und den Jayhawks. Außerdem ist der Campus der KU
ziemlich sicher und die Universität bemüht sich durch kostenlose nächtliche Transportservices
für zusätzliche Sicherheit zu sorgen.
Bei meiner Ankunft fand für alle neuankommenden internationalen Studierenden an die KU
eine orientation week mit vielen Veranstaltungen statt. Im Rahmen dessen wurden u.a. alle
formalen Dinge geklärt und erledigt (Krankenversicherung, Tuberkulose-Test, Test am Applied
English Center, etc.), die Universität vorgestellt und erkundet, und alles Wissenswerte rund um
Essenspläne, die dorms (Studentenwohnheime), die USA und ihre Kultur, und um Anlaufstellen
bei jeglichen Problemen vermittelt. Auch für Gelegenheiten zum Essen und um bei WalMart
einige essenzielle Dinge für das neue Domizil zu besorgen, wurde gesorgt. Vor allem lernt man
in der orientation week aber neue Leute aus aller Welt kennen, und meistens verbringt man dann
mit Ihnen einen großen Teil der Zeit im Semester und freut sich immer, wenn man Sie irgendwo
zufällig wieder trifft. Es gab so viel Programm und gleich am Anfang merkte man, dass
studieren in den USA mehr bedeutet, als einfach nur die Kurse zu besuchen und dann wieder
nach Hause zu gehen.
Am Anfang des Semesters gibt es aber auch viel Programm für die neuankommenden
freshmen, wie z.B. die traditions night, bei der man in alle Traditionen der Universität
eingeweiht wird und lernt, wie man die Universitätshymne singt oder die Jayhawks, die
Sportteams der Universität, anfeuert! Apropos, die University of Kansas darf sich ja damit
brüsten, dass an ihr erstmals ein basketball program eingeführt wurde, sogar vom Erfinder des
Spiels selbst, James Naismith. Entsprechend groß ist da der Hype um das Basketball Team,
welches eines der erfolgreichsten in der Nation ist.
Auch die rush week, die Woche, an der sich die sororities und fraternities, die Studentenund Studentinnenverbindungen, neue Mitglieder aussuchen, ist super interessant mitzuerleben.
Mein roommate nahm an den Bewerbungen für die sororities Teil und erzählte interessante
Sachen über das ganze Verfahren. So durften die Mädels die ganze Woche über nicht mit
Jungen reden, als Beweis der Treue für die Schwesternschaft. ;)
Unterkunft
Während meines Aufenthaltes habe ich in den Jayhawker Towers gelebt, einem
Apartmentkomplex auf dem Campus der KU, und mir dort ein Zimmer mit einer Amerikanerin
geteilt. Dies kann ich wirklich weiterempfehlen, da man gegenüber den meisten Wohnformen in
den dorms ein „eigenes“ Bad und eine Küche hat, was man sich „nur“ mit drei weiteren
Mitbewohnern (des gleichen Geschlechts, natürlich!) teilen muss. Ein vergleichbares Angebot in
den normalen dorms kostet viel mehr, und sogar das traditionelle Doppelzimmer mit
Gemeinschaftsbad auf dem Flur ist teurer als ein Platz im Apartment. Warum, war mir zunächst
ein Rätsel, liegt aber wohl daran, dass freshmen zunächst alle in den dorms leben müssen.
Außerdem liegt die Chance, dass man sich ein Zimmer mit einem Amerikaner teilt beim
Apartmentkomplex m.M.n. höher. In den Jayhawker Towers sind auch traditionell das
Basketball- und Footballteam einquartiert und man kann i.d.R. umsonst drucken! Jedenfalls
kann man sich so auch den sonst obligatorischen dining plan der KU sparen (auch teuer!). Ich
hatte dennoch den „kleinsten“ Plan und hab mich für 10 Mahlzeiten/Woche in der Cafeteria
entschieden. Das war kulinarisch zwar kein großes Erlebnis (dafür aber viel Auswahl), aber da
man in Lawrence ohne Auto nicht so schnell zum Supermarkt kommt, würde ich das
weiterempfehlen.
Wer etwas Geld sparen und off-campus leben möchte, dem würde ich nur den Bereich östlich
der Universität empfehlen (d.h. zwischen Ohio und Massachusetts Str, und 10th-16th Str.). Dort
wohnen sehr viele Studenten und es sind viele Bars anzufinden. Sowohl die Universität als auch
„Downtown“, d.h. die Massachusetts Street, kann von dort leicht und schnell zu Fuß erreicht
werden. Ansonsten gibt es in Lawrence zwar Busse, auch zu privaten Apartmentkomplexen,
aber die fahren alle meistens nur wochentags und bis 18 Uhr und danach kommt man ohne Taxi
schwer irgendwo hin. Außerdem muss der Mietvertrag meist für zwei Semester/ein Jahr
abgeschlossen werden.
Studieren an der KU
An der KU muss man mindestens vier Kurse à 3 CP absolvieren, um als Vollzeitstudent zu
gelten (und für höchstens fünf werden die Studiengebühren übernommen). Die Kurse sind
meistens 50 Minuten lang und finden dreimal pro Woche statt. Im Vergleich zu einer deutschen
Universität sind die Kurse, insbesondere Level 100-300 Kurse, vom Niveau her sehr einfach –
gemessen an den Leistungsanforderungen, nicht unbedingt am vermittelten Inhalt. Allerdings
sind dafür die Hausaufgaben sehr umfangreich und die Note für die Kurse wird meistens aus
vielen verschiedenen Prüfungsformen zusammengesetzt, u.a. tests, exams, orals, papers, usw,
die über das ganze Semester (teilweise wöchentlich) verteilt sind. Das hat zwar auch seine
Vorteile, denn so bekommt man schnell und oft Feedback zu seinem aktuellen Lernstand, jedoch
gefällt mir die Selbstständigkeit, die an den deutschen Universitäten erwartet wird, besser. Ich
musste mir immer sehr viel Zeit für die Hausaufgaben und diverse papers nehmen, und würde
deswegen künftigen Studierenden raten, auch mindestens einen weniger arbeitsintensiven Kurs
zu wählen, wie z.B. acting oder fiction writing.
Insgesamt hatte ich aber als Anglistik-Studentin kein Problem mit den Amerikanern
mitzuhalten. Meistens schnitten die internationalen Studierenden sogar notentechnisch besser ab
und man hatte das Gefühl, dass diese das Studium oft ernster nahmen als die Amerikaner.
Obwohl das Niveau meistens eher niedrig war, haben sich die Dozenten immer gefreut, wenn
man weiterführende Fragen stellte, waren immer verfügbar um über fachliche Themen zu reden,
und ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass sie bei Bedarf auch alternative Aufgaben geben,
um „besseren“ Studierenden mehr Herausforderung zu bieten (auf Wunsch nur, natürlich!) bzw.
auch daran interessiert sind, etwas zu finden, was für die Person im Rahmen des eigenen
Lernstandes oder des zukünftigen Studiums auch Sinn macht. Außerdem haben meine Dozenten
mir neue und interessante Lernformen bzw. Herangehensweisen an z.B. Hausarbeiten vermittelt,
die ich auf jeden Fall beibehalten möchte. Insgesamt hab ich trotz des niedrigeren Niveaus viel
gelernt, da ich mir Kurse ausgesucht habe, die vom Thema her „neu“ für mich waren.
Alltag und Freizeit
Im Alltag dreht sich natürlich in Lawrence viel um die KU und die Jayhawks. Man verbringt
nicht nur viel Zeit mit Hausaufgaben, sondern auch damit das Basketball- und das Footballteam
in ihren Stadien anzufeuern! Sehr viele Studenten laufen auch mit Kleidung der Universität
herum und man kann sich in zahlreichen Klubs engagieren um noch aktiver am
Universitätsleben teilzunehmen und neue Leute kennenzulernen.
Wenn man nicht gerade an den zahlreichen Veranstaltungen der Universität teilnimmt, wie
z.B. der traditionellen Homecoming Parade, trifft man sich meistens mit Freunden und erkundet
Lawrence. Meistens wandert man dann die Massachusetts Street rauf und runter und shoppt dort
in den kleinen Läden oder geht in eine der zahlreichen Bars. Man kann in Lawrence super gut
und günstig Abends ausgehen (meine Empfehlung ist da die „Brothers“ Bar) – jedoch natürlich
erst ab 21 Jahren und nur bis ca. halb 2 Uhr Nachts. Dann geht’s nach Hause – meist zu Fuß,
oder aber mit dem unieigenen Nachtbus oder Nachttaxi (beides kostenlos).
Da ich im fall semester da war, konnte ich auch Halloween und Thanksgiving in Amerika
feiern. Da ist in Lawrence definitiv viel los und bei solchen kulturellen Sachen wird auch viel
für internationale Studierende organisiert. Allgemein gibt es mindestens zwei Organisationen
die sich um internationale Studierende kümmern und jede Woche Treffen organisieren, wo man
z.B. nicht nur die amerikanische Kultur, sondern auch andere Kulturen aus aller Welt
kennenlernen kann.
Insgesamt kann man in Lawrence schon Einiges unternehmen oder bei Bedarf ins ca. eine
Stunde entfernte Kansas City fahren. Doch internationale Studierende tun sich auch oft
zusammen und reisen an den Wochenenden oder z.B. über die fall break oder Thanksgiving
break durch ganz Amerika. Beliebte Ziele mit dem Auto von Kansas aus waren Chicago,
Colorado, oder sogar New Orleans. Mit dem Flugzeug kann man vom Flughafen in Kansas City
dann relativ günstig noch weiter fliegen. Meistens reist man aber (auch) vor der Ankunft an die
KU oder eben nach dem Semester. Ich habe vor meiner Ankunft an die KU die Ostküste
erkundet (New York City, Philadelphia, und Washington D.C.) und bin dann Ende Dezember an
die Westküste gereist (San Francisco, Los Angeles, und Las Vegas). Wenn man schon mal
drüben ist und es finanziell geht, sollte man auf jeden Fall ausnutzen, dass man so günstig
zwischen so tollen Städten reisen kann! Die Städtetrips bzw. auch mein Besuch des Grand
Canyons und Yosemite National Parks waren definitiv ein großes Highlight meines
Auslandssemesters.
Das Wetter in Lawrence war von August bis Oktober sehr heiß bzw. warm (die
Höchsttemperatur war 38°C) und wurde dann immer kälter. Bei meiner Abreise war es dann ca.
2°C. Mit Tornados gab es übrigens keine Probleme ;)
Fazit
Insgesamt war das Auslandssemester in den USA eine meiner bisher besten Erfahrungen.
Besonders hat es mir gefallen, die amerikanische Kultur in vielen ihrer Facetten hautnah
miterleben zu können und an einer amerikanischen Universität mit all ihren Besonderheiten zu
studieren. Es hat Spaß gemacht, Leute aus aller Welt kennenzulernen und einfach mit Ihnen
ganz normale Dinge zu tun. Ich darf mich jetzt über Einladungen nach Schweden, Argentinien,
Chile, Tschechien und den Niederlanden freuen! Ich durfte viel von den großen USA sehen und
bin dafür sehr dankbar. Auch denke ich, dass es für mich als Anglistik-Studentin sehr wichtig
war, mal eine Zeit lang nur Englisch zu reden.
Dennoch bin ich auch froh, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Das selbstständige
Studium an einer deutschen Universität gefällt mir doch besser und auch für die ehrliche
deutsche Art bin ich dankbar. Amerikaner sind zwar immer freundlich, jedoch sind
Konversationen oft oberflächlich und man kann in Amerika eben schwer über (für mich)
interessante Themen wie Politik o.Ä. reden. Außerdem wird an einer amerikanischen
Universität selten wirklich konstruktiv kritisiert, sondern eben Vieles, wie auch die hohen
Studiengebühren, nicht hinterfragt. Obwohl wir in Europa zwar denken, dass wir eine sehr
ähnliche Lebensweise zu den Amerikanern haben, fallen einem nach einem Semester doch
immer mehr Unterschiede auf, und man freut sich einfach wieder auf die Vertrautheit des
eigenen Landes – und gesünderes Essen! ;)
P.S. Falls irgendwer noch Fragen hat oder Tipps für den eigenen Auslandsaufenthalt möchte,
der kann sich gerne beim International Office der RUB melden und dort meine Kontaktdaten
bekommen!