Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos

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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
Single Euro Payments Area (SEPA)
– €uropa grenzenlos –
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Single Euro Payments Area (SEPA)
– €uropa grenzenlos –
Stand: Januar 2007
Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
Inhaltsverzeichnis
1.
2.
3.
Vorwort ................................................................................................................... 4
SEPA – Ein Überblick............................................................................................. 5
Europäische Rahmenbedingungen ........................................................................ 6
3.1.
SEPA-Vision................................................................................................. 6
3.2.
Richtlinie für Zahlungsdienste im Binnenmarkt ............................................ 7
3.3.
European Payments Council (EPC) ........................................................... 10
4.
Komponenten der SEPA ...................................................................................... 11
4.1.
Aufbau der SEPA-Standards...................................................................... 11
4.2.
SEPA Credit Transfer................................................................................. 11
4.3.
SEPA Direct Debit ...................................................................................... 14
4.4.
Ausblick zu geplanten Varianten der SEPA-Verfahren .............................. 18
4.5.
Infrastruktur ................................................................................................ 18
4.6.
Datenformat................................................................................................ 20
5.
SEPA-Implementierung ........................................................................................ 21
5.1.
Europäische Implementierungsplanungen ................................................. 21
5.2.
Implementierungsplanung der deutschen Kreditwirtschaft......................... 22
5.3.
Nationale Testphase .................................................................................. 23
5.4.
Kommunikation........................................................................................... 24
6.
Akteure der SEPA ................................................................................................ 25
6.1.
Kreditwirtschaft........................................................................................... 25
6.2.
Unternehmen.............................................................................................. 26
6.3.
Öffentliche Hand......................................................................................... 28
6.4.
Privatkunden .............................................................................................. 29
7.
Ausblick ................................................................................................................ 30
7.1.
Migration?................................................................................................... 30
7.2.
Evolution nationaler Verfahren in der SEPA............................................... 31
8.
Anforderungen an die SEPA-Kartenstrategie ....................................................... 32
8.1.
Profitabilität SEPA-konformer Lösungen .................................................... 32
8.2.
Anforderungen der EU-Kommission........................................................... 34
8.3.
EPC - SEPA Cards Framework.................................................................. 35
8.4.
Ausblick Standardisierung im Kartenzahlungsverkehr ............................... 37
9.
SEPA-Strategie für deutsche Kartensysteme....................................................... 40
9.1.
Europäisierung des electronic cash-Systems............................................. 41
9.2.
Evolutionärer Implementierungsweg über Allianzen .................................. 42
9.2.1.
„Berlin Group“ als Ausgangspunkt ................................................... 42
9.2.2.
Euro Alliance of Payment Schemes (EAPS) .................................... 43
9.2.3.
Sicht von EU-Kommission und EZB auf die EAPS .......................... 46
9.3.
Co-Branding mit internationalen Zahlungssystemen.................................. 47
10.
Marktauswirkungen der SEPA-Kartenstrategie ............................................... 49
10.1.
Kreditinstitute als Kartenherausgeber ................................................... 49
10.2.
Firmenkunden/Händler.......................................................................... 52
10.3.
Netzbetreiber, Acquirer und Prozessoren ............................................. 55
10.4.
Privatkunden/Karteninhaber.................................................................. 57
10.5.
Geldautomatenbetrieb in der EAPS ...................................................... 59
11.
Fazit................................................................................................................. 61
3
Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands
1. Vorwort
Zu Beginn jedes Projektes steht ein Ziel – so auch beim Projekt zur Verwirklichung der Single Euro Payments Area (SEPA). Das Ziel dieses wohl
umfangreichsten Zahlungsverkehrsprojektes der Geschichte wurde maßgeblich von der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank beeinflusst.
Gemeinsames Ziel von Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und europäischer Kreditwirtschaft ist es, den unbaren Zahlungsverkehr innerhalb Europas zu vereinheitlichen. Die Kunden sollen von ihrem
Konto Zahlungen in das gesamte Eurogebiet zu gleichen Bedingungen und
Konditionen ausführen können.
Derzeit lassen zahlreiche Unterschiede in den nationalen Zahlungsverkehrsstrukturen die Grenzen zwischen den europäischen Staaten innerhalb
der Europäischen Union immer wieder deutlich werden. Die nationalen
Besonderheiten der einzelnen Zahlungsverkehrsräume haben sich über
Jahre hinweg entwickelt. Den Kunden sind die bewährten Verfahren vertraut, eine schnelle Umgewöhnung fällt – nachvollziehbar – schwer.
Die SEPA hebt nun die nationalen Grenzen und Strukturen des Zahlungsverkehrs weitestgehend auf. Sie bringt eine Vielzahl von Änderungen nicht
nur in den Zahlverfahren, sondern auch in den existierenden Zahlungsverkehrsmärkten mit sich.
Die Broschüre gibt erstmals einen umfassenden Überblick zu den Zielen
und Inhalten der SEPA sowohl im konventionellen als auch kartengestützten Zahlungsverkehr. Neben der Historie des SEPA-Gedankens liegt der
Schwerpunkt auf der Darstellung der SEPA-Umsetzung in beiden Zahlungsverkehrsbereichen und ihrer Bedeutung für die jeweiligen Marktteilnehmer. Die Broschüre bringt die Bedeutung und die Auswirkung der
SEPA insbesondere Nicht-Zahlungsverkehrsexperten näher.
Karl-Heinz Boos
Peter Blasche
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2. SEPA – Ein Überblick
Die Single Euro Payments Area (SEPA) – der einheitliche europäische
Zahlungsverkehrsraum – ist das gemeinsame Projekt von Europäischer
Kommission (EU-Kommission), Europäischer Zentralbank (EZB) und dem
European Payments Council (EPC) als Zusammenschluss der europäischen Kreditwirtschaft. Mit der Harmonisierung des Euro-Zahlungsverkehrs
und dem dadurch verstärkten Wettbewerb sollen existierende Schranken
im europäischen Zahlungsverkehrsraum abgebaut werden. Der europäische Binnenmarkt soll auf allen Ebenen gestärkt werden.
Abbildung 1: SEPA-Vision, entnommen aus: „Making SEPA a Reality – Implementing the
Single Euro Payments Area“, EPC, 28. Juni 2006
Die Aktivitäten der europäischen Kreditwirtschaft im EPC fokussieren auf
1
die Einführung der SEPA in den Eurostaaten. Die anderen Mitgliedstaaten
der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraumes sowie
die Schweiz haben die Möglichkeit, SEPA-Standards und -verfahren einzu-
1
Die Eurostaaten sind derzeit: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland,
Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien und seit 1. Januar
2007: Slowenien
5
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führen und dadurch der SEPA beizutreten. Innerhalb der SEPA wird es
Kunden möglich sein, grenzüberschreitende europäische Zahlungen in
Euro und nationale Euro-Zahlungen unter den gleichen Standardbedingungen, Rechten und Pflichten auszuführen und zu empfangen – unabhängig
von ihrem Standort.
Langfristig sollen die heute existierenden verschiedenen nationalen Verfahren und Standards durch einheitliche gemeinsame Verfahren, einheitliche
Datenformate und einheitliche Standards ersetzt werden.
Die Umsetzung der SEPA erfolgt sowohl für die Zahlverfahren Überweisung und Lastschrift als auch für Kartenzahlungen. Aufgrund der verschiedenen Strukturen, Abwicklungsprozesse und Beteiligten bei den einzelnen
Verfahren erfolgt die Umsetzung der SEPA für Kartenzahlungen getrennt
3
von der Umsetzung für Überweisungen und Lastschriften.
Die Kapitel vier bis sieben der vorliegenden Broschüre stellen die Implementierung der SEPA für die Überweisung und Lastschrift dar, die Kapitel
acht bis zehn befassen sich mit der Migration zur SEPA im Kartenbereich.
3. Europäische Rahmenbedingungen
3.1. SEPA-Vision
EU-Kommission und EZB bekräftigten in der Vergangenheit wiederholt ihre
Forderung nach einheitlichen europäischen Zahlverfahren und der Abschaffung fragmentierter nationaler Verfahren. Die Vereinheitlichung des
europäischen Zahlungsverkehrs ist in der Lissabon-Agenda aus dem Jahr
2000 als wesentliche Voraussetzung für die Stärkung des europäischen
Binnenmarktes genannt.
Sowohl EU-Kommission als auch EZB sehen in der SEPA die Möglichkeit,
erhebliche Einsparungspotenziale zu realisieren. In verschiedensten Veröffentlichungen der EU-Kommission werden Kostenersparnisse von 50 Milliarden Euro genannt, die jedoch fast ausschließlich über elektronische Zahlungsabwicklung bei den Kunden erreicht werden. Insbesondere wird als
Beispiel die elektronische Rechnungslegung aufgeführt. Hier verkennen
2
SEPA umfasst die Eurozone sowie alle anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union,
Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz – sofern diese den Rechtsrahmen für Zahlungsdienste im Binnenmarkt konsistent in nationales Recht umsetzen.
3
Die Liste aller für die Implementierung relevanten Dokumente ist als Anlage beigefügt.
6
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EU-Kommission und EZB allerdings, dass diese Einsparungen nicht unmittelbar auf den Zahlungsverkehr zurückzuführen sind. Elektronische Rechnungsstellung und automatisierte Zahlungsverkehrsabwicklung sind zwei
voneinander getrennt zu betrachtende Prozesse. Im Vordergrund der
SEPA steht in einem ersten Schritt die automatisierte Abwicklung europäischer Zahlungen.
Ziel der europäischen Kreditwirtschaft ist es, durch Schaffung und Implementierung einheitlicher Standards und Infrastrukturen eine effiziente
und kostengünstige Abwicklung des europäischen Zahlungsverkehrs zu
ermöglichen. Hierfür wurde im Jahr 2002 von europäischen kreditwirtschaftlichen Verbänden und europäischen Kreditinstituten der European
Payments Council (EPC) gegründet.
Die europäische Kreditwirtschaft wird den Kunden erstmalig zum 1. Januar
2008 paneuropäische Zahlverfahren anbieten. Eine Nutzung der SEPAVerfahren wird sowohl im grenzüberschreitenden als auch im nationalen
Zahlungsverkehr möglich sein. Bereits im Jahr 2010 soll eine kritische
Masse aller europäischen Zahlungen in Form der SEPA-Verfahren abgewickelt werden.
Grundsatz aller Aktivitäten innerhalb des EPC ist die Verwirklichung des
einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraums durch Selbstregulierung, nicht durch Zwang. Allerdings sind einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen innerhalb Europas für die Realisierung der SEPA unabdingbar.
3.2. Richtlinie für Zahlungsdienste im Binnenmarkt
Zur Unterstützung der SEPA-Realisierung hat die EU-Kommission am
1. Dezember 2005 den Vorschlag der „Richtlinie für Zahlungsdienste im
Binnenmarkt“ („Payment Service Directive“, PSD) vorgelegt. Die Richtlinie
dient der notwendigen Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen in den EU-Ländern. Sie regelt die Rechtsbeziehungen zwischen Zahlungsverkehrsdienstleistern und ihren Kunden.
Mit der „Richtlinie über grenzüberschreitende Überweisungen“ und der EUVerordnung 2560/2001, besser bekannt als „EU-Preisverordnung“, existieren bereits einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen für die Abwicklung
von Zahlungen innerhalb Europas. Für die Europäisierung von „electronic
cash“ und die Verknüpfung nationaler Debitzahlungen innerhalb der „Euro
Alliance of Payment Schemes (EAPS)“ (s. Kapitel 9) ist die PSD ebenfalls
nicht zwingend erforderlich.
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Da bislang kein einheitliches europäisches Lastschriftverfahren existiert,
sind in diesem Bereich noch keine Regulierungen durch den europäischen
Gesetzgeber vorgenommen worden. Europaweit einheitliche rechtliche
Regelungen für die Lastschrift sind jedoch unabdingbar für die Einführung
der SEPA-Lastschrift.
Die Entwicklung eines einheitlichen europäischen Verfahrens für die Abwicklung von Lastschriften, die SEPA-Lastschrift, ist für die Realisierung
der SEPA nicht ausreichend. Solange 29 verschiedene nationale Regelungen zur Autorisierung von Lastschriften, d. h. der Gültigkeit des Mandates,
und den Rückgabemöglichkeiten existieren, wird kein standardisiertes
Lastschriftverfahren innerhalb Europas möglich sein. Sowohl Lastschrifteinreicher als auch abwickelnde Kreditinstitute benötigen Rechtssicherheit
bezüglich Autorisierung und Rückgabemöglichkeiten. Diese Rechtssicherheit ist neben dem standardisierten Verfahren der wichtigste Mehrwert für
die Nutzung des SEPA-Lastschriftverfahrens. Für Lastschrifteinreicher ist
wohl kaum realisierbar, die unterschiedlichen nationalen rechtlichen Regelungen zur Lastschrift zu berücksichtigen.
Um ein übergreifendes Rahmenwerk für alle Zahlungsverkehrsdienstleistungen zu schaffen, wird die Richtlinie sowohl die Lastschrift als auch
Überweisungen und Kartenzahlungen regeln. Neben der Ausführung dieser
Zahlungen werden die Informationspflichten im Zusammenhang mit Zahlungsdienstleistungen sowie die Erbringung von Zahlungsdiensten geregelt.
Aus dem derzeit vorliegenden Richtlinienvorschlag würden sich folgende
4
wesentliche Änderungen im Zahlungsverkehrsrecht ergeben:
ƒ
Zulassung von Zahlungsinstituten zur Erbringung von Zahlungsdiensten ohne quantitative und qualitative aufsichtsrechtliche Anforderungen,
ƒ
ab 2012 maximale Ausführungsfrist von einem Tag,
ƒ
Garantiehaftung des erstbeauftragten Institutes für die Zahlungsausführung bis zum Konto des Begünstigten,
ƒ
Wegfall des Beweises des ersten Anscheins bei Kartenzahlungen sowie
ƒ
aktive Informationspflichten des Zahlungsdienstleisters.
4
Vgl. Vorschlag der Europäischen Kommission für eine „Richtlinie des Europäischen Parlamentes und des Rates über Zahlungsdienste im Binnenmarkt und zur Änderung der Richtlinie 97/7/EG, 2000/12/EG und 2002/65/EG“ vom 1. Dezember 2005.
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Dies sind nur einige wenige Beispiele für Änderungen, die sich bei Annahme des Richtlinienvorschlages voraussichtlich ergeben würden. Insgesamt
berücksichtigt der vorliegende Richtlinienvorschlag weder die existierenden
Marktgegebenheiten noch die Praxis der Zahlungsverkehrsabwicklung.
Da die Richtlinie dem Mitentscheidungsverfahren unterliegt, ist sie sowohl
vom EU-Rat als auch vom EU-Parlament zu verabschieden. Um eine fristgerechte Umsetzung in nationales Recht bis zum 1. Januar 2008 zu ermöglichen, sah die ursprüngliche Zeitplanung der EU-Kommission die Verabschiedung der Richtlinie bis Ende 2006 vor.
Der federführende Ausschuss des EU-Parlaments, der Wirtschafts- und
Währungsausschuss (ECON), hat am 12. September 2006 seinen Bericht
zum Richtlinienvorschlag mit entsprechenden Änderungsvorschlägen vorgelegt. Dieser ist nunmehr vom Plenum des EU-Parlaments ggf. mit Änderungen zu verabschieden. Der ECON-Vorschlag berücksichtigt die gängige
Praxis der Zahlungsverkehrsabwicklung und macht den Richtlinienvorschlag in seiner Gesamtheit zu einem konsistenten Regelungswerk des
Zahlungsverkehrsrechts. Auch sieht er eine risikoabhängige Eigenkapitalhinterlegung für Zahlungsinstitute vor.
Demgegenüber konnte im EU-Rat noch keine Einigung erzielt werden, da
die nationalen Positionen insbesondere bei der Regelung von Zahlungsinstituten und den Regelungen zur Ausführung von Zahlungen stark voneinander abweichen. Eine fristgerechte Verabschiedung der Richtlinie und
somit Umsetzung in nationales Recht bis zum 1. Januar 2008 wurde verfehlt. Dies bedeutet, dass entsprechend der vorangegangenen Darstellungen die SEPA-Lastschrift nicht fristgerecht zum 1. Januar 2008 eingeführt
werden kann. Die technischen Einführungsmaßnahmen bei den Instituten
werden zwar durchgeführt; die Firmenkunden werden die SEPA-Lastschrift
jedoch erst nach Vereinheitlichung der rechtlichen Rahmenbedingungen
nutzen. Eine bilaterale Vereinbarung zur Nutzung der SEPA-Lastschrift
zwischen Kreditinstituten wird jedoch möglich sein.
Ein konkreter Termin für die Verabschiedung und Umsetzung der Richtlinie
ist noch nicht genannt. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hat sich die
Verabschiedung der Richtlinie in ihrer Amtszeit im ersten Halbjahr 2007
zum Ziel gesetzt. Die für die SEPA-Lastschrift erforderliche Umsetzung in
nationales Recht dürfte dann bis Ende 2008 erfolgen.
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3.3. European Payments Council (EPC)
Der EPC wurde als Standardisierungsgremium für die europäische Kreditwirtschaft geschaffen. In den EPC-Arbeitsgruppen wurden die Regelwerke
der paneuropäischen Lastschrift (SEPA Direct Debit) und paneuropäischen
Überweisung (SEPA Credit Transfer) sowie das Rahmenwerk für europäische Kartenzahlungen (SEPA Cards Framework – SCF) erarbeitet.
Als einheitlicher Standard für die Abwicklung von SEPA-Transaktionen wird
das SEPA-Datenformat, als Anwendung des UNIFI ISO 20022 Standards,
genutzt werden. Als Implementierungsrichtlinien wurden die „Implementation Guidelines“ für Lastschriften und Überweisungen erstellt. Diese definieren die Nutzung des zu Grunde liegenden ISO20022-Standards für SEPAZahlungen.
Am 13. Dezember 2006 wurden die Regelwerke der SEPA Überweisung
(SEPA Credit Transfer) und der SEPA Lastschrift (SEPA Direct Debit) in
der Version 2.2 vom EPC-Plenum verabschiedet. Sie bilden die Grundlage
für die Implementierung bei den Kreditinstituten.
Kernaufgabe des EPC ist nun nicht mehr die Standardisierung sondern
vielmehr Implementierung und Kommunikation. Zur Begleitung der Implementierungsarbeiten wurde innerhalb des EPC das Roll-Out Committee
(ROC) gegründet, das unter anderem den einheitlichen europäischen Meilensteinplan sowie Testszenarien und Testphasen definiert.
Der EPC hat im Jahr 2007 unter anderem zur Aufgabe eine einheitliche
und marktgerechte Implementierung der SEPA-Standards in den Mitgliedsstaaten sicher zu stellen und die Verfahren in der Kommunikation mit anderen Marktteilnehmern vorzustellen. Insbesondere das SEPA-Lastschriftverfahren stellt als einziges neues paneuropäisches Verfahren eine große
Herausforderung bei der Einführung im Markt dar.
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4. Komponenten der SEPA
4.1. Aufbau der SEPA-Standards
Die SEPA intensiviert den Wettbewerb der Banken für Zahlungsverkehrsprodukte sowie der Infrastrukturanbieter für Abwicklungsdienste und Netzwerke. Dieser Ansatz spiegelt sich im Aufbau der SEPA-Dokumente (insbesondere EPC-Regelwerke und EPC-Resolutionen) wider.
Produkte und Dienste bilden als erste Ebene die geschäftspolitischen
Anforderungen ab und unterliegen im Rahmen des Wettbewerbs der institutsindividuellen Ausgestaltung.
Die zweite Ebene, Schemata, basiert hingegen auf einer einheitlichen Unterstützung der vom EPC vorgegebenen Standards, Regularien und Prozesse. Die Schemata bilden die Basis für Interoperabilität.
Die Infrastruktur als dritte Ebene umfasst gemeinsame Standards für die
SEPA-konforme Abwicklung von Zahlungen über so genannte Clearing &
Settlement Mechanismen (CSM) und unterliegt vorrangig dem Wettbewerb
zwischen verschiedenen Zahlungsverkehrsnetzen.
Jedes SEPA-Regelwerk definiert Standardservices, so genannte CoreServices, die von allen Kreditinstituten einheitlich zu unterstützen sind.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass Kreditinstitute ihren Kunden
so genannte Additional Optional Services (AOS) anbieten, die jedoch nicht
im Fokus der EPC-Implementierungsarbeiten zum Jahr 2008 liegen. Kreditinstitute haben sicher zu stellen, dass bei Unterstützung von AOS nicht die
Abwicklung der Standardverfahren eingeschränkt wird.
4.2. SEPA Credit Transfer
Allgemein
Die europäische Kreditwirtschaft nahm bereits die EU-Preisverordnung
zum Anlass, einen einheitlichen Standard für grenzüberschreitende EuroÜberweisungen innerhalb der Europäischen Union zu schaffen. Der Standard spiegelt sich in den Selbstverpflichtungserklärungen „Credeuro“ und
„Interbank Charging Principles“ wider. Es handelt sich unter anderem um
eine Selbstverpflichtung zur Einhaltung einer dreitägigen Maximallaufzeit
und bestimmter Regelungen zur Interbankenbepreisung von Zahlungen,
wie zum Beispiel den „Straight Trough Processing (STP)“-Kriterien. Die
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EU-Preisverordnung und die Selbstverpflichtungen wurden von der deutschen Kreditwirtschaft in Form der EU-Standardüberweisung umgesetzt.
Im Regelwerk der SEPA-Überweisung sind die im vorangegangenen Abschnitt genannten Selbstverpflichtungen zur Überweisung konsistent zusammengefasst. Die neue SEPA-Überweisung gleicht im Wesentlichen der
heutigen EU-Standardüberweisung.
Prozess der SEPA-Überweisung
5
Der Überweisungsprozess unterliegt dem Vier-Parteien-Schema:
1
Grundverhältnis
Rechnung
Auftraggeber
Begünstigter
2
5
Überweisungsauftrag
3
Belastung Konto
Auftraggeber &
Senden Überweisungsnachricht
Bank des
Auftraggebers
Clearing &
Settlement
Mechanismus
Gutschrift auf
Konto des
Begünstigten
4
Weiterleitung
Überweisungsnachricht
Bank des
Begünstigten
Abbildung 2: Credit Transfer Scheme Relationship Model, in Anlehnung an: SEPA
Credit Transfer Rulebook, Version 2.2
Der Überweisungsvorgang ist, wie bei der EU-Standardüberweisung, unabhängig von dem bestehenden Grundverhältnis (1) zwischen Zahlungspflichtigem (Auftraggeber) und Gläubiger (Begünstigter).
5
Der detaillierte Überweisungsprozess ist der Anlage 1 („Rulebook SEPA Credit Transfer,
Version 2.2) zu entnehmen.
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Der Auftraggeber vervollständigt den Überweisungsauftrag und leitet ihn an
sein kontoführendes Kreditinstitut, das Auftraggeberinstitut, weiter (2). Die
Auftraggeberbank prüft den Überweisungsauftrag auf Vorlage aller für die
Ausführung erforderlichen Daten sowie die Unterschrift. Darüber hinaus
prüft es die Plausibilität der internationalen Kontonummer (IBAN) und der
internationalen Bankleitzahl (BIC).
Am Akzeptanztag (D) belastet die Auftraggeberbank das Konto des Auftraggebers und sendet die Zahlungsanweisung in Form eines Clearingdatensatzes an den ausgewählten Clearing & Settlement Mechanismus
(CSM) (3).
Das CSM stellt dem Kreditinstitut des Begünstigten den Clearingdatensatz
zur Verfügung und führt das Settlement des Überweisungsbetrages spätestens an D+2 durch (4). Das Kreditinstitut des Begünstigten erhält den Clearingdatensatz spätestens zum Tag des Settlements, d. h. spätestens D+2.
Nach Prüfung des Clearingdatensatzes schreibt das Kreditinstitut des Begünstigten den Überweisungsbetrag auf dem Konto des Begünstigten gut
(5) und stellt diesem die Informationen zur Buchung zur Verfügung. Die
Gutschrift hat spätestens einen Tag nach Settlement zu erfolgen, d. h. spätestens D+3. Handelt es sich bei D+3 nicht um einen Bankarbeitstag, hat
die Gutschrift spätestens am darauf folgenden Bankarbeitstag zu erfolgen.
Abbildung 3: SEPA Credit Transfer Time Cycle, entnommen aus: SEPA Credit Transfer
Rulebook, Version 2.2
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Exception Handling
Neben den Standardverfahren definiert das Regelwerk der SEPAÜberweisung die Prozesse zur Abwicklung von Nicht-Standard-Zahlungen.
Ziel ist es, auch bei diesen Zahlungen ein Straight-Through-Processing
(STP) zu ermöglichen.
Rejects sind Rückgaben vor Durchführung des Interbankensettlements,
sofern die Zahlung nicht abgewickelt werden kann. Der Transaktionsbetrag
des Rejects entspricht immer dem Betrag der Originalnachricht.
Returns treten hingegen auf, wenn die Zahlung nach Interbankensettlement ausgesteuert wird und der Betrag dem Begünstigten nicht gutgeschrieben werden kann. Ursachen hierfür können unter anderem sein: falsche Kontonummer, Konto geschlossen. Auch bei Returns entspricht der
Rückgabebetrag dem Originalbetrag.
4.3. SEPA Direct Debit
Allgemein
Mit der SEPA-Lastschrift wird erstmalig ein einheitliches europäisches
Lastschriftverfahren eingeführt. Die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Zahlungsverkehrsgewohnheiten in den einzelnen Ländern führten
nachvollziehbar zu einer Vielzahl verschiedener Anforderungen an die
SEPA-Lastschrift.
Das deutsche Einzugsermächtigungslastschriftverfahren ist eines der effizientesten Lastschriftverfahren Europas. Derzeit werden jährlich ca. sechs
Milliarden Zahlungen in Deutschland per Lastschrift abgewickelt. Die Funktionsfähigkeit des Einzugsermächtigungsverfahrens beruht stark auf dem
Vertrauen der Nutzer – sowohl auf Firmen- als auch auf Privatkundenseite
– in das Verfahren. Der Zahlungspflichtige und die Zahlstelle vertrauen
heute auf die Rückgabemöglichkeiten.
Zwar konnten die Grundzüge des deutschen Einzugsermächtigungslastschriftverfahrens in die SEPA-Lastschrift eingebracht werden, doch die
Anforderungen anderer Länder führten zu einem insgesamt aufwändigeren
Prozess, sowohl technisch als auch bei Verwaltung und Organisation.
Eine der wesentlichsten Neuerungen in der SEPA-Lastschrift ist die Ausrichtung des gesamten Prozesses am Belastungstag. Dies ist im Vergleich
zum heutigen Einzugsermächtigungsverfahren, das eine Sichtlastschrift
14
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darstellt, ein vollkommen anderer Ansatz. In der SEPA-Lastschrift muss der
Lastschrifteinreicher ein konkretes Datum angeben, an dem das Konto des
Lastschriftschuldners belastet werden soll – das Fälligkeitsdatum (Due
Date). Es gilt der Grundsatz: Fälligkeitsdatum = Settlement-Datum = Belastungsdatum.
Prozess der SEPA-Lastschrift
Voraussetzung für den Einzug einer SEPA-Lastschrift ist das Vorliegen
eines gültigen Mandates. Dieses neue SEPA-Lastschrift-Mandat unterscheidet sich von der deutschen Einzugsermächtigung insofern, als dass
es neben der Ermächtigung des Lastschriftgläubigers (im EPC-Regelwerk:
Creditor) zum Einzug einer Lastschrift via erste Inkassostelle auch eine
Weisung zur Bezahlung der gezogenen Lastschrift für die Zahlstelle enthält. Somit liegt eine Autorisierung der Zahlstelle zur Belastung des Kontos
des Zahlungspflichtigen (im EPC-Regelwerk: Debtor) vor.
Mandat (18 Monate)
(0)
- Ermächtigung Gläubiger
- Ermächtigung Zahlstelle
Unterschrift / el. Signatur
Lastschriftschuldner
(Debtor)
Lastschriftgläubiger
(Creditor)
Vorabinformation
D-14 CD*
(4)
Belastungsbuchung
optional: Prüfung mandatsbezogene Daten
D = Fälligkeitstag
(3)
Einzug per „Clearing & Settlement
Mechanismus“
(1)
Einreichung der
Daten
- transaktionsbezogen
- mandatsbezogen
frühestens D-14 CD
(2)
Bezogenes
Kreditinstitut
(Debtors Bank)
Weiterleitung + Vorlage
der Daten
- transaktionsbezogen
- mandatsbezogen
Erstlastschrift:
D-5 TD**
Folgelastschrift:
D-2 TD**
1. Inkassostelle
(Creditors Bank)
Abbildung 4: SEPA Direct Debit Prozessmodell, in Anlehnung an: SEPA Direct Debit Rulebook, Version 2.2
Das Mandat ist dem Lastschriftgläubiger vom Lastschriftschuldner schriftlich in Papierform oder in elektronischer Form zu erteilen. Die vom EPC
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vorgegebenen Mindestinhalte des Mandates sind einzuhalten . Das signierte Mandat ist vom Lastschriftgläubiger entsprechend der jeweiligen gesetzlichen Aufbewahrungspflichten aufzubewahren. Die Inhalte des Mandates
sind von ihm ohne Änderungen in einen elektronischen Datensatz zu überführen und der Zahlstelle als Teil der Lastschrifteinreichung zu übermitteln.
Vierzehn Tage vor Belastung des Lastschriftschuldners hat der Lastschriftgläubiger diesem – sofern nicht anders vereinbart – eine Vorabinformation zuzusenden (0). Danach kann der Lastschriftgläubiger bei seinem Kreditinstitut, der ersten Inkassostelle, die Lastschrift initiieren (1).
Hierbei hat er Vorlauffristen zu beachten, die sich nach Art der Lastschrift
unterscheiden. Für eine Erst- bzw. Einmallastschrift muss die Transaktion
mindestens fünf Tage vor Belastung des Lastschriftschuldners bei der ersten Inkassostelle eingereicht werden. Bei wiederkehrenden Lastschriften
verkürzt sich die Mindestvorlaufzeit auf zwei Tage. Aufgrund der unterschiedlichen Vorlaufzeiten sind die Lastschriften entsprechend als Einmal-,
Erst- oder wiederkehrende Lastschrift zu kennzeichnen.
Die Lastschrifttransaktion wird von der ersten Inkassostelle über den Clearing & Settlement Mechanismus an das bezogene Kreditinstitut weitergeleitet. Hierbei ist sicherzustellen, dass die Lastschriftdaten spätestens zwei
bzw. fünf Tage vor Belastungsbuchung beim Institut des Bezogenen eintreffen (2) (3).
Das bezogene Kreditinstitut kann innerhalb der Vorlauffrist seinen Kunden,
den Lastschriftschuldner, kontaktieren und die Belastungsbuchung genehmigen lassen. Dies ist jedoch nicht verpflichtend im Regelwerk festgelegt.
Am vorgegebenen Belastungstag (Due Date) wird das Konto des Lastschriftschuldners durch dessen Bank mit dem in der Lastschrift vorgegebenen Betrag belastet (4).
Gemäß Regelwerk haben die Kunden die Möglichkeit, ihr Konto für SEPALastschriften sperren zu lassen. In diesem Fall würden sie keine SEPALastschrift auf ihr Konto durchgereicht bekommen.
6
Die erforderlichen Inhalte des Mandates können der Anlage 2 („Rulebook SEPA Direct Debit“) Kapitel 4.7.2 entnommen werden.
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Exception Handling
Die Rückgabe einer Lastschrift ist durch alle am Prozess beteiligten Parteien aus den verschiedensten Gründen möglich. Die Rückgabeprozesse
werden unter dem Begriff „R-Transaktionen“ zusammengefasst. Das Regelwerk definiert sieben R-Transaktionen, die nach Zeitpunkt der Rückgabe
vor oder nach dem Settlement unterschieden werden.
Rückgabe vor Settlement
Die Aussteuerung von Zahlungen vor Settlement wird als Reject bezeichnet. Ein Reject kann aus technischen Gründen auftreten, aber auch wenn
die Bank des Bezogenen nicht in der Lage ist, Lastschriften entgegenzunehmen oder der Lastschriftschuldner vor Settlement bereits der Lastschrift
widersprochen hat.
Der Lastschriftgläubiger hat die Möglichkeit, Lastschrifteinreichungen zurückzurufen. Erfolgt der Rückruf vor der Akzeptanz des Zahlungsauftrages
durch die erste Inkassostelle, handelt es sich um eine Revocation.
Als Request for cancellation werden Rückrufe durch die erste Inkassostelle bezeichnet, die vor Akzeptanz durch den Clearing & Settlement Mechanismus erfolgen. Als bilaterale Vereinbarung zwischen erster Inkassostelle und CSM ist dieser nicht vom Regelwerk abgedeckt.
Der Widerspruch des Lastschriftschuldners vor Belastung wird als Refusal
bezeichnet. Dem bezogenen Kreditinstitut ist freigestellt, ob es die Rückgabe der widersprochenen Lastschrift vor Interbanksettlement, als Reject,
oder nach Interbanksettlement, als Refund, vornimmt.
Rückgabe nach Settlement
Eine Rückgabe, die vom bezogenen Kreditinstitut nach Settlement veranlasst wird, wird als Return bezeichnet.
Unter Refund ist eine Rückgabe des Lastschriftgläubigers nach Belastung
zu verstehen. Der Refund entspricht dem heutigen Widerspruch durch den
Lastschriftschuldner.
Der Lastschriftgläubiger kann die Lastschrifteinreichung auch nach Akzeptanz durch die erste Inkassostelle spätestens jedoch zwei Tage nach Settlement in Form eines Reversals zurückrufen. Die erste Inkassostelle ist
nicht verpflichtet, ihren Kunden die Möglichkeit anzubieten, Reversals
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durchzuführen. Sollte sie es dennoch tun, ist sie zu keinerlei Prüfungen
verpflichtet.
4.4. Ausblick zu geplanten Varianten der SEPA-Verfahren
Die in den vorangegangenen Abschnitten dargestellten Standardprozesse
der SEPA-Lastschrift und SEPA-Überweisung sind nach derzeitiger Planung zum 1. Januar 2008 zu implementieren und zu unterstützen. Um den
Markterfordernissen in den einzelnen SEPA-Staaten gerecht zu werden,
erörtert man innerhalb des EPC bereits zum jetzigen Zeitpunkt die Einführung zusätzlicher, gegebenenfalls optionaler, Varianten der SEPAVerfahren.
Für die SEPA-Lastschrift erarbeitet der EPC ein Verfahren mit alternativem
Mandatsfluss sowie ein Verfahren für den „Business-to-Business“-Bereich
(B2B-Verfahren). Der alternative Mandatsfluss sieht die Einreichung des
Mandates durch den Lastschriftschuldner bei der bezogenen Bank vor.
Diese leitet die Mandatsdaten über die erste Inkassostelle weiter an den
Lastschriftgläubiger. Das Verfahren des alternativen Mandatsflusses ähnelt
dem deutschen Abbuchungsauftragsverfahren, generiert allerdings keine
Prüfpflichten für das bezogene Kreditinstitut. Dieses hat den Vorteil, dass
es bei Widerspruch wegen nicht autorisierter Lastschrift das Mandat nicht
erst bei der ersten Inkassostelle anfordern muss, da es ihr bereits vorliegt.
Im B2B-Verfahren gelten eine verkürzte Vorlauffrist von einem Tag sowie
die Finalität der Zahlung einen Tag nach Settlement. Aufgrund der fehlenden Rückgabemöglichkeiten wird das bezogene Kreditinstitut vor Belastung
des Lastschriftschuldners eine Prüfung vornehmen. Das B2B-Verfahren
kann als Standardverfahren oder als Verfahren mit alternativem Mandatsfluss abgewickelt werden.
4.5. Infrastruktur
Die Abwicklungsstrukturen innerhalb der SEPA werden als Clearing & Settlement Mechanismen (CSM) bezeichnet. Sie unterliegen dem „Framework
for the Evolution of the Clearing and Settlement of Payments in SEPA –
including the Principles for SEPA Scheme Compliance and Re-Statement
of the PE-ACH Concept” (PE-ACH/CSM-Framework).
Ziel der europäischen Kreditwirtschaft ist es, die vollständige Erreichbarkeit
aller europäischen Banken sicherzustellen. Eine Bank soll jede andere
Bank innerhalb der SEPA erreichen können und gleichzeitig sicherstellen,
18
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
dass sie von allen SEPA-Banken erreicht werden kann. Dennoch unterliegt
die Wahl der Abwicklungsstruktur dem Wettbewerb. Die Kreditinstitute
können zwischen verschiedenen Abwicklungsformen, die alle SEPAkonform sein müssen, wählen.
Die Erreichbarkeit aller Banken in der SEPA soll über so genannte PanEuropean Automated Clearing Houses (PE-ACH) sichergestellt werden.
Ein PE-ACH ist eine Ausprägung eines CSM, die alle Anforderungen an
SEPA-konforme CSM erfüllt und zusätzlich alle SEPA-Banken an den
SEPA-Zahlungsverkehr anbindet.
Hauptmerkmale PE-ACH
ƒ
Länderneutral in Bezug auf Zugang, Steuerung und Regelungen
ƒ
garantierte offene und transparente Zugangskriterien für alle SEPABanken
ƒ
SEPA-weite Erreichbarkeit aller SEPA-Banken, direkt oder indirekt
ƒ
Interoperabilität sowie Clearing und Settlement-Services für SEPA Credit
Transfer und SEPA Direct Debit
ƒ
klare Aussage zu den Services, keine Eintrittsbarrieren
ƒ
offene Steuerungsstrukturen
ƒ
faire und transparente Preisbildung, keine Diskriminierung, Staffelung –
Gleichbehandlung nationaler und SEPA-weiter Zahlungen
ƒ
stabile operative Regelungen in Bezug auf Risikomanagement, Clearing,
Settlement, Ausführung und Sicherheit
Automated Clearing Houses (ACH), die (noch) nicht alle Kriterien eines PEACH erfüllen, jedoch SEPA-Zahlungen innerhalb eines definierten Marktes
abwickeln, werden als SEPA Scheme-Compliant ACH bezeichnet.
Multilaterale CSM wickeln SEPA-Zahlungen innerhalb eines definierten
Marktes in einer dezentralisierten Form des multilateralen Clearing und
Settlement ab.
Daneben sind vom PE-ACH/CSM-Framework auch bilaterales und Verbundclearing erfasst.
Die genannten Abwicklungsstrukturen agieren innerhalb des SEPA-Marktes
in einem Wettbewerbsumfeld, in dem Banken sich frei für einen Abwicklungsweg, der ihre Bedürfnisse am besten abdeckt, entscheiden können.
19
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
4.6. Datenformat
Die Spezifikationen für das bei SEPA-Zahlungen zu verwendende Datenformat werden vom EPC vorgegeben. Darüber hinaus werden die Euro
Banking Association (EBA) und die Deutsche Bundesbank gemäß der
EPC- und ISO-Vorgaben eigene Konkretisierungen für die Abwicklung in
ihren Systemen veröffentlichen.
Der „Universal Financial Industry message scheme“-Standard (UNIFIStandard), ISO 20022, definiert die Vorgaben für die internationale Belegung von Zahlungsverkehrsnachrichten im XML-Format. Genaue Belegungsrichtlinien werden nicht vorgegeben.
Die Regelwerke des EPC definieren die Daten, die für die Abwicklung der
jeweiligen Prozesse erforderlich sind, auf abstrakter geschäftspolitischer
Ebene. Die Verbindung der Regelwerke zum Datenformat erfolgt über das
SEPA-Datenmodell, das die abstrakt definierten Datenelemente aus den
Regelwerken und die ISO 20022-Datenelemente zusammenführt.
Die Nutzung der ISO 20022-Nachrichten im SEPA-Zahlungverkehr wird in
den EPC-Implementation Guidelines definiert. Neben den verpflichtend
zu unterstützenden Core-Feldern („gelbe“ Felder) enthalten die Implementation Guidelines auch so genannte AOS-Felder („weiße“ Felder). Diese
sind im Standardverfahren nicht zu unterstützen, können jedoch von Bankengemeinschaften (AOS-Gemeinschaften) für die Übermittlung zusätzlicher Daten genutzt werden. Die zusätzlich unterstützten Felder sind nur in
der jeweiligen AOS-Gemeinschaft relevant. Sie müssen von anderen
SEPA-Banken nicht unterstützt werden. Sollte eine Bank außerhalb der
AOS-Gemeinschaft eine Zahlung mit belegtem AOS-Feld erhalten, kann es
diese Belegung bei der Weiterleitung ignorieren.
Die Spezifikationen der Nachrichten in den Implementation Guidelines sind
im Interbankenzahlungsverkehr verpflichtend zu unterstützen. Im KundeBank-Verhältnis hat der EPC lediglich eine Empfehlung zur Unterstützung
der Implementation Guidelines ausgesprochen. Hauptgrund hierfür ist,
dass die Kunde-Bank-Schnittstelle in einem Großteil der SEPA-Staaten als
Wettbewerbsfaktor angesehen wird. Die deutsche Kreditwirtschaft hat einen einheitlichen Standard für die Kunde-Bank-Schnittstelle auf europäischer Ebene bislang nicht durchsetzen können, plant diesen jedoch zumindest national.
20
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
EBA veröffentlicht für die Abwicklung von SEPA-Zahlungen, die über EBA
abgewickelt werden, ergänzende Spezifikationen. Diese sind von den angeschlossenen Instituten verpflichtend zu unterstützen. Bei der Spezifikationserstellung hat sich EBA strikt am EPC-Standard ausgerichtet, um
SEPA-konforme Abwicklungen zu garantieren. AOS-Felder werden in der
Standardspezifikation von EBA nicht unterstützt.
Die Deutsche Bundesbank wird über das EMZ-System (Elektronisches
Massenzahlungsverkehrs-System) einerseits nationale SEPA-Zahlungen
abwickeln und andererseits die Anbindung indirekter Teilnehmer an EBA
sicherstellen. Vor diesem Hintergrund wird auch die Deutsche Bundesbank
im ersten Quartal 2007 ergänzende Spezifikationen für die Abwicklung von
SEPA-Zahlungen veröffentlichen.
5. SEPA-Implementierung
5.1. Europäische Implementierungsplanungen
Der EPC hat Anfang 2006 folgenden Zeitplan zur Implementierung der
SEPA vorgelegt.
Abbildung 5: Meilensteinplan des EPC, entnommen aus: „SEPA Milestones and Actions“,
Internetauftritt des EPC7
7
www.europeanpaymentscouncil.eu
21
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Die Implementierungsarbeiten liegen primär in der Verantwortung der nationalen Bankengemeinschaften. Der EPC hat ein SEPA Programme Management Office (PMO) eingerichtet, das die nationalen Bankengemeinschaften bei der Implementierung unterstützt, die Implementierungsarbeiten überwacht sowie gemeinsam mit den Testaktivitäten koordiniert und synchronisiert.
Im Rahmen der Implementierungsarbeiten definiert der EPC derzeit Akzeptanzkriterien, anhand derer die nationalen Bankengemeinschaften ihre SEPAKonformität überprüfen können.
SEPA Scheme Compliance
Eine SEPA-konforme Zahlung ist gekennzeichnet durch:
Die Einhaltung der Regelungen aus den SEPA-Regelwerken sowie die
Ende-zu-Ende Unterstützung des SEPA-Datenformates, des UNIFI-Standards und der Implementation Guidelines.
Das PMO wird gemeinsam mit den nationalen Implementierungsorganisationen ein Kontaktnetzwerk bilden, in dem sich die nationalen Bankengemeinschaften über den Fortschritt ihrer Implementierungs- und Testplanung austauschen. Durch diesen Austausch wird die Überwachung und
Koordinierung der Implementierungsarbeiten erleichtert.
5.2. Implementierungsplanung der deutschen Kreditwirtschaft
Die deutsche Kreditwirtschaft hat ihre Implementierungsplanung an dem
Zieldatum 1. Januar 2008 ausgerichtet. Es ist vorgesehen, die Beitrittserklärungen zu den EPC-Regelwerken in 2007 durch die Verbände zeichnen
zu lassen, wodurch die gemeinsame Vorgehensweise der deutschen Kreditwirtschaft nochmals explizit verdeutlicht wird. Mit Zeichnung der EPCBeitrittserklärungen verpflichtet sich die deutsche Kreditwirtschaft, die
SEPA-Verfahren parallel zu den nationalen Verfahren zu unterstützen und
die in den EPC-Regelwerken niedergelegten Regularien einzuhalten.
Dementsprechend arbeitet die deutsche Kreditwirtschaft derzeit mit Hochdruck an der technischen Umsetzung der SEPA-Verfahren. Die nationale
Testphase soll bereits im Oktober 2007 beginnen – dies sind nicht einmal
mehr zehn Monate für die Kreditinstitute, um die SEPA-Verfahren zu implementieren und die institutseigenen Tests durchzuführen.
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
Die deutsche Kreditwirtschaft plant auch für SEPA-Verfahren, die bekannte
Multibankfähigkeit (einheitliche Kunde-Bank-Schnittstelle) aufrechtzuerhalten. Jeder Kunde wird zu den gleichen technischen Bedingungen bei
den deutschen Banken SEPA-Zahlungen einreichen können. Multibankfähigkeit beginnt bei der elektronischen Schnittstelle zur Einreichung von
Zahlungen und endet bei einem einheitlichen SEPA-Überweisungsbeleg.
Im Rahmen der elektronischen Kundeneinreichung plant die deutsche Kreditwirtschaft, den internetbasierten Standard für die Datenfernübertragung
mit Kunden (EBICS) sowie den FinTs-Standard an SEPA anzupassen. Als
Grundlage werden die nationale Spezifikation für die SEPA-Zahlungsabwicklung im Interbankenverhältnis sowie die EPC-Implementation Guidelines dienen.
Des Weiteren wird voraussichtlich zum Januar 2008 ein einheitlicher Überweisungsbeleg, der für grenzüberschreitende und nationale SEPA-Zahlungen genutzt werden kann, eingeführt werden. Dieser lehnt sich an den
existierenden Beleg der EU-Standardüberweisung an, berücksichtigt jedoch auch die Erfordernisse des nationalen Zahlungsverkehrs. Der Kunde
hat auf diesem Beleg statt Kontonummer und Bankleitzahl IBAN und BIC
anzugeben.
Es ist vorgesehen, den heutigen Beleg für die Inlandsüberweisung durch
den SEPA-Überweisungsbeleg vollständig abzulösen. Dies wird allerdings
erst dann möglich sein, wenn IBAN und BIC für die Kunden selbstverständlich sind.
5.3. Nationale Testphase
Der EPC stellt im ersten Quartal 2007 ein „SEPA Testing Framework“ zur
Verfügung. Dieses definiert die Rahmenbedingungen für nationale und
grenzüberschreitende Tests, Akzeptanzkriterien für SEPA-Zahlungen und
gibt einen minimalen Satz von Testszenarien vor.
Aufgabe der nationalen Bankengemeinschaften ist es, eigene Testszenarien und detaillierte Testfälle zu entwickeln sowie die Testphase zu organisieren. Die Terminplanung sieht diese Testphase der europäischen Bankengemeinschaften von September bis November 2007 vor.
Die nationalen Tests in Deutschland werden über das EMZ-System der
Deutschen Bundesbank abgewickelt. Die Bundesbank wird mit allen EMZTeilnehmern die Abwicklung von SEPA-Zahlungen entsprechend einem
23
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
8
noch zu definierenden Testkonzept testen. Da der EMZ frühestens im Oktober 2007 für externe Tests zur Verfügung stehen wird, kann erst zu diesem
Zeitpunkt mit den nationalen Tests in Deutschland begonnen werden.
Grenzüberschreitende Tests sind über EBA durchzuführen. Die direkten
EBA-Teilnehmer haben sicherzustellen, dass die über sie angeschlossenen indirekten Teilnehmer die Tests entsprechend absolvieren. Die Deutsche Bundesbank wird die grenzüberschreitenden Tests über EBA für ihre
indirekten Teilnehmer sicherstellen.
Die Rückmeldung über erfolgreich absolvierte Tests der Mitgliedsinstitute
erfolgt voraussichtlich über die jeweiligen Verbandsbereiche an den Zentralen Kreditausschuss (ZKA). Dieser wird eine so genannte „ReadinessErklärung“ der deutschen Kreditwirtschaft an den EPC abgeben.
5.4. Kommunikation
Im Mittelpunkt der SEPA-Vision von EU-Kommission und EZB stehen die
Privatkunden. Der einheitliche europäische Binnenzahlungsverkehr soll
insbesondere ihnen die Abwicklung von Euro-Zahlungen erleichtern.
Der Erfolg der SEPA steht und fällt mit der Akzeptanz und Nutzung durch
die Kunden. Daher wird im Jahr 2007 eine Hauptaufgabe in der Information
der Kunden liegen. Privatkunden sind mit den Auswirkungen der SEPA
vertraut zu machen, IBAN und BIC sind ihnen näher zu bringen.
Firmenkunden sind über die Neuerungen und zusätzlichen Möglichkeiten
der SEPA-Zahlverfahren zu informieren. Neue Spezifikationen für die
Kunde-Bank-Schnittstelle sind ihnen frühzeitig für die Implementierung zur
Verfügung zu stellen.
8
Das Testkonzept der deutschen Kreditwirtschaft befindet sich derzeit in der Erarbeitung und
wird voraussichtlich im ersten Quartal 2007 finalisiert. Darüber hinaus wird eine Testdatenbank, die alle definierten Testfälle und Testszenarios enthält, erstellt.
24
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6. Akteure der SEPA
Abbildung 6: Implementation – Roles and Responsibilities, entnommen aus: „SEPA-Players“,
Internetauftritt des EPC
6.1. Kreditwirtschaft
Für die Kreditwirtschaft ergeben sich mit der SEPA neue Möglichkeiten,
den Zahlungsverkehr als Produkt anzubieten und nicht als selbstverständliches Angebot im Zusammenhang mit der Kontoführung. Mit SEPAProdukten können den Kunden Mehrwerte geboten werden, die über die
heutige Standardabwicklung von Zahlungsdienstleistungen hinausgehen.
Die einheitlichen Standards werden den Wettbewerb in Europa erhöhen,
da der Preis-Leistungs-Vergleich für Kunden viel einfacher wird. Nationale Kreditinstitute haben die Möglichkeit, Kunden anderer europäischer Länder zu gewinnen. Europäische Institute dürften in den deutschen Markt
eindringen. Der Wettbewerb um die Kunden wird zunehmen.
Die deutsche Kreditwirtschaft besitzt derzeit innerhalb Europas die effizientesten Zahlverfahren und Abwicklungswege. Das niedrige Preisniveau auf
dem deutschen Zahlungsverkehrsmarkt dürfte ein entscheidender Marktvorteil deutscher Kreditinstitute sein.
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
Die Wertschöpfungskette im Zahlungsverkehr wird sich von der reinen
Basisdienstleistung der Zahlungsverkehrsabwicklung hin zu einem Mehrwertprodukt für Unternehmens- und Privatkunden entwickeln müssen. Der
Mehrwert kann beispielsweise in der bereichsübergreifenden Prozessoptimierung für den Kunden – vom Rechnungswesen über das Cash Management bis zum Bezahlprozess – liegen.
Sicher wird die SEPA-Implementierung einen erheblichen Investitionsaufwand bei den Kreditinstituten verursachen. Rationalisierungseffekte werden
sich in einem ersten Schritt nicht realisieren lassen. Aber gerade vor diesem Hintergrund müssen Kreditinstitute Strategien entwickeln, um die Potenziale der SEPA zu nutzen und den Investitionen langfristig entsprechende Erträge entgegenstellen zu können.
Europaweit agierende Kreditinstitute haben darüber hinaus die Möglichkeit,
ihre Abwicklungsplattformen innerhalb Europas zu konzentrieren und somit
Rationalisierungspotenziale zu nutzen.
6.2. Unternehmen
Für Unternehmen bedeutet eine Umstellung auf SEPA-Verfahren die Umstellung auf eine neue Zahlungsverkehrswelt. Inlands- und Auslandszahlungsverkehr sowie MT-Formate und DTAUS werden sich langsam auflösen und in einheitliche europäische Zahlungen übergehen. In Europa wird
Inlandszahlungsverkehr gleich Auslandszahlungsverkehr und die relativ
starre DTAUS-Struktur wird durch ein flexibles XML-Format abgelöst. Dies
wird für eine Vielzahl der Unternehmen einen einschneidenden Umstellungsprozess bedingen, der sowohl Vor- als auch Nachteile bringt.
Einheitliche Zahlverfahren
Mit den SEPA-Verfahren stehen den Unternehmen einheitliche Zahlverfahren innerhalb Europas zur Verfügung. Dies bietet insbesondere bei der
Lastschrift erhebliche Vorteile. Die einheitlichen Rückgabebedingungen
und die Regelungen zur Gültigkeit des Mandates machen den Zahlungseinzug per Lastschrifteinreichung in den SEPA-Staaten kalkulierbarer.
Mit der einheitlichen Rückgabefrist, die voraussichtlich bei sechs Wochen
nach Belastungsbuchung liegen wird, erreichen die Zahlungen im Vergleich
zur heutigen Einzugsermächtigungslastschrift eine frühere Finalität.
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Die SEPA-Lastschrift erfordert allerdings auch ein Umdenken bei der Einreichung von Zahlungen. Die derzeitige Sichtlastschrift wird sich zu einer
Lastschrift wandeln, deren Prozesse sich am Belastungstag ausrichten.
Dies bedeutet, dass die Lastschrifteinreicher ihre Zahlungen künftig entsprechend der vorgegebenen Vorlauffristen einzureichen haben. Werden
die Vorlauffristen nicht eingehalten, so werden die Zahlungsaufträge spätestens von den Clearing & Settlement Mechanismen, d. h. den
Dienstleistern für die Zahlungsverkehrsabwicklung im Interbankenzahlungsverkehr, zurückgegeben. Die erste Inkassostelle hat noch die Möglichkeit, den Belastungstag in Absprache mit dem Lastschrifteinreicher zu
ändern. Dennoch wird bei den Unternehmen ein entsprechendes Einreichungsmanagement erforderlich sein, insbesondere bei Einmallastschriften. Auch werden alle Mandatsdaten bei der Lastschrifteinreichung zu
übermitteln sein, was einen höheren Datenaufwand seitens der Lastschrifteinreicher bedeutet.
Konsolidierung der Zahlungsverkehrsabwicklung
Die größte Umstellung ergibt sich mit dem SEPA-Datenformat. Interne
Systeme und Schnittstellen zu den Kreditinstituten sind XML-fähig zu machen. Ist dieser Umstellungsaufwand einmal vorgenommen, so ergeben
sich, insbesondere für europaweit agierende Firmenkunden, immense Vorteile.
Der gesamte europäische Zahlungsverkehr, inklusive des nationalen Zahlungsverkehrs, kann auf eine Zahlungsverkehrsplattform des Unternehmens gebündelt werden. Dies bringt den Firmenkunden Einsparungspotenziale unter anderem bei Back-Office-Systemen und Zahlungsverkehrssystemen.
Darüber hinaus kann der gesamte europäische Zahlungsverkehr bei einem
Kreditinstitut gebündelt werden. Aufgrund der einheitlichen europäischen
Standards kann der Zahlungsverkehr über einen Zahlungsverkehrsdienstleister abgewickelt werden. Mehrere Kontoverbindungen in Europa können
zu einer Kontoverbindung zusammengeführt werden. Unternehmen haben
die Wahl, bei welchem Kreditinstitut und in welchem Land sie ihr Zahlungsverkehrskonto führen.
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Bankverbindung
Land
Abbildung 7: Auswirkung der SEPA auf Unternehmen; in Anlehnung an: „Making SEPA
Reality“9
Für die verschiedenen Unternehmen werden sich auch die unterschiedlichsten Vorteile aus der SEPA generieren lassen.
Unternehmen mit Kunden im europäischen Ausland, die ihre Rechnungen
bislang per Überweisung beglichen haben, können diese per SEPALastschrift einziehen.
Die Zahlungen von Tochterunternehmen im Ausland können mit Hilfe eines
einheitlichen Cash Managements und einheitlicher Zahlverfahren, ggf.
auch durch Konten bei einer Bank, einfacher gesteuert werden.
Dies sind nur einige wenige Beispiele für Vorteile, die sich aus einheitlichen
europäischen Zahlverfahren ergeben. Zusammengefasst ist zu sagen,
dass die SEPA Vorteile für jeden bringt, der bereits heute grenzüberschreitenden europäischen Zahlungsverkehr betreibt oder in verschiedenen europäischen Ländern Konten unterhält.
6.3. Öffentliche Hand
Die Realisierung der SEPA ist auch eine Forderung der europäischen Politik. Daher wäre zu erwarten, dass die Öffentliche Hand zu den ersten Nutzern der SEPA-Verfahren gehört.
Bedauerlicherweise hat die Öffentliche Hand sowohl in Deutschland als
auch in anderen europäischen Staaten die Investition in SEPA-Verfahren
bisher abgelehnt. Eine Investitionsentscheidung könne erst getroffen werden, wenn der aufgezeigte Nutzen der SEPA die entstehenden Kosten
überwiegt.
9
www.europeanpaymentscouncil.eu
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Die Unterstützung der SEPA-Verfahren durch die Öffentliche Hand hätte
eine entscheidende Signalwirkung, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen sowie Verbraucher. Darüber hinaus gehört die Öffentliche Hand in Deutschland zu den größten Zahlungsverkehrsnutzern. Mit
ihrer Hilfe kann erreicht werden, dass eine kritische Masse an Transaktionen in Deutschland per SEPA-Zahlungen abgewickelt wird.
Selbst die Öffentliche Hand scheint zu verkennen, dass die SEPAVerfahren nicht nur für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr konzipiert wurden. Vielmehr sind sie für die Nutzung sowohl im grenzüberschreitenden als auch im nationalen Zahlungsverkehr gedacht.
6.4. Privatkunden
Konfrontiert man einen Privatkunden mit dem Begriff SEPA, so wird man
die unterschiedlichsten Erklärungen hören. Nur eine wird mit Sicherheit
nicht darunter zu finden sein: der einheitliche europäische Zahlungsverkehrsraum. Die Ursache hierfür ist einfach zu benennen: Ein Privatkunde
hat derzeit wenig Berührungspunkte mit dem europäischen Zahlungsverkehr.
Kunden, die bereits heute die EU-Standardüberweisung nutzen, werden
mit der Umstellung auf die SEPA-Überweisung kaum merkbare Unterschiede wahrnehmen. Die größte Neuerung dürfte daher die Nutzung der
SEPA-Überweisung auch für nationale Zahlungen ab Januar 2008 sein.
Neu wird die SEPA-Lastschrift sein, mit der der Kunde erstmals grenzüberschreitende Rechnungen innerhalb Europas nicht nur per Überweisung sondern auch per Lastschrift bezahlen kann.
Die grenzüberschreitende SEPA-Lastschrift gestaltet nicht nur den Einkauf
per Internet leichter. Privatkunden, die am Zahlungsverkehr in anderen
europäischen Ländern teilnehmen, müssen künftig dort kein Konto mehr
eröffnen. Zahlungsverpflichtungen in anderen Ländern, z. B. aus dem Besitz eines Ferienhauses in Spanien, können über das deutsche Konto beglichen werden.
Der Privatkunde hat aufgrund der einheitlichen Zahlverfahren und Standards künftig die Wahl, bei welchem Kreditinstitut und in welchem Land er
sein Zahlungsverkehrskonto führt. Nicht mehr Landesgrenzen werden entscheidend sein, sondern Preis- und Leistungsverhältnis sowie Praktikabilität.
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
Mit der SEPA-Lastschrift und auf Grundlage des einheitlichen Rechtsrahmens lassen sich für den Privatkunden die Rückgabemöglichkeiten einfacher identifizieren. Neu wird für den Lastschriftschuldner die Übermittlung
einer eindeutigen Mandatsreferenz sein. Mit deren Hilfe kann der Lastschriftschuldner den Einzug eindeutig einem zugrundeliegenden Vertrag
zuordnen.
Die größte Umstellung bei den SEPA-Verfahren wird die Nutzung von IBAN
und BIC. Daher sind die Kunden frühzeitig an IBAN und BIC zu gewöhnen,
und ihnen ist die Struktur näher zu bringen. Der Privatkunde hat sich statt
seiner 10stelligen Kontonummer eine 32stellige IBAN zu merken. Die 32
Ziffern, bestehend aus Kontonummer, Bankleitzahl und einer zweistelligen
Prüfziffer, sind ein gängiges Argument verschiedenster Interessengruppen
gegen die Verwendung der IBAN. Doch viele Privatkunden kennen bereits
heute ihre Kontonummer und Bankleitzahl oder nutzen ihre Debitkarte, um
die Kontonummer zu erfahren. Ein Großteil der Banken vermerkt die IBAN
bereits auf Kontoauszügen. Die Herausforderung besteht weniger darin,
dass der Kunde sich seine IBAN und BIC merkt, als dass er deren Zusammensetzung versteht und sie anzuwenden weis.
7. Ausblick
7.1. Migration?
Zum 1. Januar 2008 werden die Kreditinstitute die SEPA-Verfahren parallel
zu den existierenden nationalen und grenzüberschreitenden Verfahren
implementieren. Es sind erhebliche Investitionen erforderlich, um bestehende Zahlungsverkehrssysteme an die SEPA-Standards und SEPAVerfahren anzupassen. Demgegenüber steht ein vermehrter Wettbewerb
am europäischen Zahlungsverkehrsmarkt. Die viel gelobten Rationalisierungseffekte der SEPA lassen sich in einem ersten Schritt wohl kaum realisieren. Insbesondere das enorme Beharrungspotenzial der Kunden auf
alten Standards verhindert einen kurzfristigen Übergang vom Zahlungsverkehr nationaler Prägung zur SEPA.
Das Aufrechterhalten mehrerer Systeme zur Unterstützung unterschiedlicher Datenformate und Verfahren erfordert von den Instituten einen erhöhten Aufwand. Rationalisierungspotenziale lassen sich nur realisieren, wenn
nationale Systeme auslaufen. Das bedeutet, dass nationale Verfahren auf
SEPA migriert werden müssen. Migration ist hier nicht als Abschaffung
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
nationaler Verfahren zu sehen, vielmehr ist sie gleichzusetzen mit dem
Übergang nationaler Verfahren in die SEPA.
7.2. Evolution nationaler Verfahren in der SEPA
Die Migration kann nur mit Unterstützung der Kunden erreicht werden. Eine
zwanghafte Umstellung des nationalen Zahlungsverkehrs auf SEPA ist
weder für Kunden noch für Kreditinstitute zielführend. Nur wenn die SEPAVerfahren eine breite Akzeptanz am Markt erfahren und ein Großteil der
Zahlungen per SEPA-Verfahren abgewickelt wird, kann eine Migration in
Betracht gezogen werden. Hierfür ist zwingende Voraussetzung, dass die
SEPA-Verfahren die Bedürfnisse der Marktteilnehmer abdecken.
Bereits heute zeichnet sich ab, dass die derzeitige SEPA-Lastschrift noch
nicht die Bedürfnisse aller Endkunden für die Zahlungsverkehrsabwicklung
abdeckt. Für eine möglichst kurze Parallelphase ist eine frühzeitige Berücksichtigung zusätzlicher Anforderungen aus der heutigen Zahlungsverkehrswelt von entscheidender Bedeutung.
Insbesondere erweist sich die Vorlauffrist von fünf bzw. zwei Tagen vor
Belastungsbuchung in den Geschäftsfeldern als problematisch, die heute
die Sichtlastschrift nutzen. Beispielhaft können hier die Wertpapierabwicklung aber auch Kartenzahlungen genannt werden. In vielen Bereichen ist
eine sofortige Zahlung erforderlich. Die Vorlauffrist birgt hier viele Risiken
oder ist wirtschaftlich inakzeptabel.
Die Problematik zeigt, dass die Migration zur SEPA nur erreicht werden
kann, wenn es gelingt, die derzeitigen nationalen Verfahren zu SEPAVerfahren weiterzuentwickeln. So ist die Erfordernis einer SEPASichtzahlung im EPC zu platzieren. Es kann auch angedacht werden, diese
bis zu einer europäischen Lösung als nationalen Zusatzservice zu etablieren.
31
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
8. Anforderungen an die SEPA-Kartenstrategie
8.1. Profitabilität SEPA-konformer Lösungen
Zirka 98 % Anteil an den Debitzahlungen nehmen ausschließlich nationale
Transaktionen ein und haben im Jahr 2005 mehr als 150 Millionen Euro an
Entgelten für die Zahlungsgarantie im „electronic cash“-System zugunsten
der kartenausgebenden Institute eingebracht. Wachstumspotenzial ist ausreichend vorhanden – gerade ca. zwölf Prozent der im Handel getätigten
Zahlungen sind „electronic cash“-Zahlungen, mit stark steigender Tendenz.
Diesen Erträgen stehen als Transaktionskosten hauptsächlich die Kosten
für Autorisierung und Routing gegenüber.
Hoher Kostendruck auf die Systeme
Grenzüberschreitende Transaktionen mit deutschen Debitkarten sind seit
der Umsetzung der EU-Preisverordnung aus dem Jahr 2001 defizitär. Für
Karteninhaber gilt der gleiche Preis für nationale (derzeit „electronic cash“)
und grenzüberschreitende (derzeit Maestro) Transaktionen trotz unterschiedlicher Kostenstrukturen:
Abbildung 8: Auswirkungen der EU-Preisverordnung
Gemäß der von MasterCard festgelegten Interchange (traditionell das
Transaktionsentgelt von der Händlerbank an den Kartenherausgeber), die
ab 1. Januar 2008 gelten und einseitig zu Lasten der Issuer gehen, wird
32
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
sich dieser Effekt noch erheblich verstärken und dann gegebenenfalls auch
für nationale Maestro-Transaktionen gelten.
Darüber hinaus sind Einbrüche bei den Erlösen aus grenzüberschreitenden
Transaktionen zu erwarten, auch wenn sie nicht unter die neue Entgeltregelung von MasterCard fallen, da die Wettbewerbsbehörden die Festlegungen zur Interchange der internationalen Kartenorganisationen überprüfen.
Wie nahezu jedes Wirtschaftsunternehmen streben auch die deutschen Institute dauerhaft hohe Erträge an. Hierfür muss die deutsche Kreditwirtschaft sicherstellen, dass sie
ƒ
ƒ
ƒ
die Hoheit über die Abwicklung nationaler Transaktionen behält,
individuelle Freiheiten bei der Gestaltung der Produktpolitik in
Anspruch nehmen und
Einfluss auf die wesentlichen Strukturen im nationalen und
grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr ausüben kann.
Weitere Rahmenbedingungen
Die EU-Kommission fordert die Einstellung nationaler Systeme nach dem
Jahr 2010. Sollten die deutschen Kartenzahlungssysteme nicht bis zu diesem Zeitpunkt „SEPA-konform“ sein, so müsste die „Hoheit“ über die Abwicklung nationaler Transaktionen, insbesondere die des bisher auf den
deutschen Raum beschränkten „electronic cash“-Systems, an andere Kartenorganisationen abgegeben werden.
Bei dieser Option bliebe den deutschen Instituten zunächst nur die Alternative, nationale und grenzüberschreitende Debit-Zahlungen über VISA oder
MasterCard abzuwickeln. Beide Organisationen bieten Debitzahlungen unter
eigener Marke an und weisen einen enormen Verwaltungsapparat nebst
umfangreichen, einzuhaltenden Regularien auf. Schon heute zahlen die
deutschen Kartenherausgeber jährlich ca. 20 Millionen Euro allein für
„Maestro“-Markenentgelte an MasterCard.
Tatsächlich ziehen einige europäische Länder als Lösung für die Umsetzung der SEPA die ausschließliche Ausgabe reiner „Maestro-Karten“ und
damit das Einstellen ihres nationalen Systems oder das Co-Branding des
bestehenden nationalen Kartenzahlungssystems mit der Marke eines inter-
33
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
nationalen Systems in Erwägung. Eine akzeptable Alternative ist dies jedoch nicht, wie das Beispiel der Schweiz zeigt: Die Schweizer Kartellbehörden haben die Anwendung der von MasterCard geplanten „domestic
Interchange Fee“ für Maestro, das heißt dem vom Händler über MasterCard an das kartenausgebende Institut zu zahlenden Entgelt, ausgeschlossen.
Eine Verbesserung, das heißt insbesondere die Verbilligung von Kartentransaktionen auf Kartenherausgabe- und Akzeptanzseite, durch Schließen
des nationalen Systems, ist nicht zu erwarten. Zudem hat sich die Gesellschaftsstruktur MasterCards von einer Organisation, die von Mitgliedern für
Mitglieder tätig war, zu einem börsennotierten Unternehmen verändert.
Heute bestimmt das Management die Strategie der Kartenorganisation. Die
ehemaligen Mitglieder können über eine Beraterfunktion nur sehr eingeschränkt Einfluss auf Management-Entscheidungen nehmen.
Die Anforderungen der deutschen Kreditwirtschaft insbesondere in
Bezug auf die Profitabilität würden durch das Ablösen des nationalen
Debit-Systems durch ein internationales System nicht erfüllt werden.
Der Verbund aus existierenden europäischen effizienten kartengestützten
Zahlungsverkehrssystemen innerhalb der Euro Alliance of Payment Schemes (EAPS) wird sich neben und in Ergänzung zu MasterCard und VISA
auf dem europäischen Markt etablieren und bietet der Kreditwirtschaft und
dem Handel eine geschäftspolitisch wertvolle Alternative. Die deutschen
Banken haben damit die Chance, weiterhin die Profitabilität des Kartengeschäfts sicherzustellen und sich dauerhaft im Wettbewerb der kartengestützten Zahlungssysteme im europäischen Binnenmarkt zu behaupten.
Insoweit ist die Europäisierung des „electronic cash“-Systems unter der
Regelungshoheit der deutschen Kreditwirtschaft innerhalb der EAPS das
einzige akzeptable Geschäftsmodell.
8.2. Anforderungen der EU-Kommission
Ziel der EU-Kommission und der EZB ist die Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrsraumes zur Stärkung des europäischen Binnenmarktes.
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Mit den Forderungen wird ein marktgetriebener Ansatz zur Förderung des
Wettbewerbs verfolgt:
ƒ
„Any card at any terminal – under the same condition“: Auch nach
dem Verständnis der EU-Kommission ist eine 100 %ige Umsetzung
dieser Forderung für das Kartengeschäft praktisch nicht möglich. Es
kann jedoch erreicht werden, dass der Karteninhaber seine Debitkarte
europaweit an möglichst vielen Akzeptanzstellen einsetzen können
soll.
ƒ
Beseitigung von Wettbewerbsschranken und Sicherstellung von Interoperabilität: Die heute weitestgehend nationalen Technologien und
Schnittstellen sollen durch europaweite Standards ersetzt werden.
ƒ
Ein Auslaufen oder Absterben der effizienten, nationalen Systeme
zugunsten der internationalen Kartenorganisationen soll vermieden
werden. Insbesondere das Oligopol von MasterCard und VISA wird
abgelehnt.
Auch EU-Kommission und EZB haben inzwischen verstanden, dass ein
Händler nicht zur Akzeptanz aller Kartensysteme gezwungen werden kann.
Händlern soll die Akzeptanz von Karten aller SEPA-konformen Zahlungssysteme ermöglicht werden.
Der Händler wird in Zukunft mit dem für seinen Markt relevanten EAPSSystem und gegebenenfalls internationalen Kartensystemen einen Akzeptanzvertrag abschließen.
Bereits ab 2008 sollen Banken ihren Kunden so genannte SEPA-konforme
Karten anbieten. Eine Debitkarte, die als Co-Branding-Karte sowohl eine
EAPS-Karte als auch eine Karte der internationalen Kartensysteme ist,
bietet dem Karteninhaber die größtmögliche Anzahl von Akzeptanzstellen
in Europa bei wirtschaftlich attraktiven Bedingungen für Kreditwirtschaft
und Handel.
8.3. EPC - SEPA Cards Framework
Das „SEPA Cards Framework (SCF)“ des European Payments Council
(EPC) bildet das Rahmenwerk, in dem Zahlungssysteme, ihre Mitglieder
und alle Beteiligten sowie Allianzen von Zahlungssystemen künftig zwingend operieren müssen.
Das SCF definiert auf hoher Ebene Prinzipien und Regeln für Banken und
Zahlungssysteme im SEPA-Raum. Die Anforderungen gelten einheitlich für
35
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Single Euro Payments Area (SEPA) – €uropa grenzenlos
alle Karten-Zahlungssysteme. Rein nationale Zahlungssysteme können ab
2011 nicht mehr genutzt werden.
Das SCF wurde am 8. März 2006 vom EPC-Plenum in der Version 2.0
10
verabschiedet . Die Anforderungen der deutschen Kreditwirtschaft für
künftige SEPA-Kartenzahlungen konnten in das SCF eingebracht werden.
Sowohl „electronic cash“ als auch das Geldautomatensystem der deutschen Kreditwirtschaft erfüllen beide die Anforderungen des SCF. In Bezug
auf die Technologie werden beide Zahlungssysteme bis Ende 2010 auf den
internationalen EMV-Standard (ein hauptsächlich durch MasterCard, VISA
und JCB entwickelter Chiptechnologie-Standard) umgestellt.
Die wichtigsten Inhalte des SCF sind:
1. Freier Wettbewerb
ƒ
Mit dem SCF wurde ein Markt getriebener Ansatz zur Umsetzung der
SEPA erarbeitet. Die Ausdehnung des Akzeptanzbereiches gegenwärtig nationaler Kartensysteme, Allianzen mit anderen Zahlungssystemen oder auch das Co-Branding mit anderen SEPA-kompatiblen Kartenssystemen ermöglichen einen freien Wettbewerb zwischen den
Zahlungssystemen und somit auch eine weitestgehende Akzeptanz ihrer Karten.
ƒ
Das SCF enthält weiterhin ein so genanntes Diskriminierungsverbot.
Dieses garantiert, dass kein Kartensystem einem Acquirer verbieten
darf, andere Kartensysteme zu nutzen.
ƒ
Eine wichtige Festlegung des SCF ist die technische Standardisierung
innerhalb Europas. Ein freier Wettbewerb zwischen technischen
Dienstleistern wird hierdurch gewährleistet. Das SCF regelt somit,
dass kein Wettbewerb zwischen Kartensystemen über die Standards
erfolgt.
2. Anerkennung verschiedener Geschäftsmodelle der Kartensysteme
ƒ
Das SCF bietet den Kartensystemen die Möglichkeit, am Markt verschiedene Produkte auf Grundlage unterschiedlicher Geschäftsmodelle anzubieten.
ƒ
Die Händler werden künftig jedoch einheitliche Entgelte für nationale
und SEPA-Transaktionen eines gleichen Produktes zahlen.
10
Das Rahmenwerk ist in elektronischer Fassung beigefügt (Anlage 6).
36
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Das SCF referenziert darüber hinaus drei Optionen, die den Zahlungssystemen für eine Umsetzung offen stehen. Neben der ausschließlichen Auswahl eines oder mehrerer internationalen Kartenzahlungssysteme und
Abschalten des bestehenden Systems werden die Optionen zur SCFUmsetzung innerhalb des bestehenden Zahlungssystems und/oder das
Eingehen von Allianzen sowie als dritte Option das Co-Branding eines bestehenden Kartenzahlungssystems mit einem der internationalen Systeme
nach Beschluss des European Payment Council (EPC) ermöglicht.
8.4. Ausblick Standardisierung im Kartenzahlungsverkehr
Die Kartensysteme in den einzelnen Ländern als auch jene von MasterCard und VISA unterstützen heute zumeist proprietäre Standards. Relevant
sind neben der Schnittstelle zwischen Karten und Terminals auf Basis der
EMV-Technologie (Initiative CIR – Common Implementation Recommendations) die Schnittstellen zwischen Terminal und Netzbetreiber/Acquirer
(Initiativen ERIDANE/EPAS), Acquirer und Issuer (Initiative Berlin Group)
sowie die europäische Vereinheitlichung von Sicherheits- und Zulassungsanforderungen (Initiative CAS – Common Approval Scheme):
Abbildung 9: Standardisierungsinitiativen in Europa
37
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Zahlungsverkehrsumsätze werden heute überwiegend über bestehende
nationale Systeme bzw. den nationalen Zahlungsverkehr abgewickelt. Hier
ist der Ansatz für eine einheitliche europäische Lösung für die Abwicklung
von Kartenzahlungen und des Zahlungsverkehrs, insbesondere in den
Ländern der EAPS.
Heute ist der Wechsel eines Netzbetreibers durch einen Händler technisch
aufwändig, so dass dieser allein deshalb häufig über mehrere Jahre gebunden ist. Terminalhersteller entwickeln und produzieren Terminals zurzeit nach unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Zahlungssysteme
einschließlich entsprechender Zulassungsverfahren. Die Gründe liegen in
den heute vorhandenen zahlungssystem-spezifischen Anforderungen und
ihrer proprietären Schnittstellen. Sie erschweren Migrationen und verursachen Kosten in nicht abschätzbarer Höhe.
Die Lösung im Sinne der Erhöhung des Wettbewerbs auf allen Ebenen ist
die Standardisierung über alle Zahlungssysteme und ihre Komponenten hinweg. Wir begleiten die Standardisierungsaktivitäten seit Jahren aktiv: denn nur die Interoperabilität von Karten, Terminals und den anderen
relevanten Schnittstellen von Kartenherausgebern und Acquirern bis hin
zur Vereinheitlichung von Sicherheitsanforderungen und des Zulassungsverfahrens fördert Innovation, erschließt neue Märkte, schafft Vertrauen
und Zuversicht in die Produkte. Kosten, Aufwände und Entwicklungszeiten
werden reduziert.
Um erfolgreich am Markt zu sein, muss ein Standard:
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
ƒ
„relevant“ für die beabsichtigte Nutzung sein,
existierende technische Voraussetzungen berücksichtigen,
„von unten”: Entwicklung unter Einbindung möglichst aller betroffenen
Parteien,
„von oben”: verlässlicher Schutz der Interoperabilität,
auf der Grundlage eines breiten Konsens geschaffen werden,
ohne Einschränkung zugänglich sein,
auf etablierten Standards aufbauen und
zu zeitlichen Bedingungen, die den Anforderungen des Marktes und
der geschäftspolitischen Planung gerecht werden verfügbar sein.
Die europäischen Standardisierungsinitiativen, deren Ergebnisse künftig
vom EPC koordiniert werden, setzen bei diesen Anforderungen an.
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Die Arbeiten zur Festlegung einheitlicher europäischer Standards auf Basis
bestehender Spezifikationen von vorhandenen Standardisierungs-Initiativen sind bereits begonnen worden. Im Ergebnis werden Spezifikationen
und Anforderungen als SEPA-Standards vom EPC verabschiedet werden.
Diese werden damit verbindlich für alle SEPA-konformen Kartensysteme
und die im SEPA-Raum agierenden Institute.
So wird künftig der Vertragsabschluss eines Händlers mit einem neuen
Netzbetreiber erleichtert, indem technisch das Terminal lediglich neu zu
konfigurieren ist. Hersteller von Terminals benötigen nur noch ein gemeinsames europäisches Standardwerk für die Entwicklung.
EAPS-Transaktionen und die Europäisierung von „electronic cash“
erfordern die Implementierung von EMV bei den Terminals (POSTerminals, Geldautomaten) und Karten. Gründe für die Harmonisierung
sind:
Interoperabilitäts-Probleme aufgrund unterschiedlicher Anforderungen
der Zahlungssysteme (internationale und nationale) und „weißen Flecken” in der EMV-Spezifikation, die in unterschiedliche Interpretationen
und Implementierungen münden,
ƒ
unterschiedliche terminal-spezifische Benutzerführung,
ƒ
hoher Grad der kundenspezifischen Anpassungen für die Integration
von EMV-Spezifikationen in ein spezifisches Terminalnetzwerk,
ƒ
mehrfache Terminaltests aufgrund unterschiedlicher Anforderungen,
ƒ
zusätzliche Kosten für Issuer (Interoperabilitäts-Probleme) und Acquirer (kundenspezifische Anpassungen), die langsamere Verbreitung im
Markt zur Folge haben,
ƒ
Performance-Probleme und
ƒ
fragmentierter Markt für Terminalhersteller, der durch acquirer-spezifische Anforderungen bestimmt wird, die einfache Portierung von Terminallösungen für einen anderen Acquirer behindern.
Die oft genannten hohen Investitionskosten für die EMV-Umstellung dürften
mittelfristig durch die Auflösung der bestehenden Probleme zu (Kosten-)
Vorteilen in der Gesamtbetrachtung führen.
ƒ
39
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9. SEPA-Strategie für deutsche Kartensysteme
Auf der Grundlage des SCF wurde folgende SEPA-Strategie für die deutschen Kartensysteme entwickelt:
Geografische
Ausbreitung
Allianzen
Co-Branding
Domestic
Scheme
Domestic
Scheme
Domestic
Scheme
Domestic
Scheme
Abbildung 10: SEPA-Strategie der deutschen Kartensysteme
1) Nutzung von „electronic cash“ auch im SEPA-Raum, sofern es sich um
ein „electronic cash“-Terminal handelt,
2) Nutzung bi-/multilateraler Allianzen, d. h. Akzeptanz der deutschen
Karten an POS-Terminals alliierter Systeme zu den Entgelten des
„electronic cash“-Systems und
3) Nutzung eines internationalen Debit-Zahlungssystems mittels CoBranding, sofern 1. und 2. am Terminal nicht unterstützt werden.
40
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9.1. Europäisierung des electronic cash-Systems
Das 1989 von der deutschen Kreditwirtschaft eingeführte „electronic cash“System arbeitet bei jährlich steigenden Transaktionszahlen effizient und ist
für die Zahlungsgarantie abgebenden Kartenherausgeber ertragreich. Die
Verfügbarkeit ist hoch: Mit mehr als 90 Millionen ausgegebenen deutschen
electronic cash-Karten wurde an den 520.000 electronic cash-Terminals
mehr als 63 Mrd. Euro Umsatz getätigt. Mit steigender Tendenz. Potenzial
ist ausreichend vorhanden, bedenkt man, dass Deutschland im Vergleich
zu anderen europäischen Ländern bei Kartenzahlungen an hinterer Stelle
liegt. Im Einzelhandel wurden 2005 gerade 36 % aller Einkäufe mit Karten
getätigt.
20 % ELV
electronic cash
credit cards
POZ
retail cards
15 %
10 %
5%
0 %
1998 1999 20 0 0 20 0 1 20 0 2 20 0 3 20 0 4 20 0 5 20 0 6 20 0 7 20 0 8
Abbildung 11: Entwicklung; Quelle: EHI
Eine Einstellung von „electronic cash“ per 2010 wäre verantwortungslos
gegenüber den Händlern und Netzbetreibern. Getätigte Investitionen wären
vernichtet, Kartenzahlungen dürften zu Lasten teurerer Systeme abgewickelt werden. Für kartenausgebende Institute würden sich im Verhältnis die
Kosten erhöhen und die Einnahmen verringern.
Das Geschäftsmodell „electronic cash“ hat auch die Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommission überzeugt. In ihrer Branchenuntersuchung
wird das System als „SEPA-kompatibel“ und wettbewerbsfördernd eingeschätzt.
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Der Zwischenbericht der Branchenuntersuchung „Zahlungskarten“ der Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommission vom 12. April 2006 führt
aus:
ƒ
Die Forderung nach Trennung zwischen Regelungshoheit und technischen Prozessingleistungen ist durch den ZKA und die verbandsspezifischen Kopfstellen als auch die Netzbetreiber gegeben.
ƒ
Wettbewerb existiert auf der Ebene der Netzbetreiber, die häufig die
Funktion eines Acquirers übernehmen.
Insofern musste sich die deutsche Kreditwirtschaft für die Fortführung von
„electronic cash“ im europäischen Binnenmarkt als Teil der SEPAStrategie für die deutschen Kartensysteme entscheiden.
9.2. Evolutionärer Implementierungsweg über Allianzen
9.2.1. „Berlin Group“ als Ausgangspunkt
Die fünfzehn Teilnehmer an der Berlin Group aus acht Ländern der EuroZone erarbeiteten erstmals einheitlich, übergreifend und für alle Interessierten offen die relevanten Spezifikationen für die Schnittstelle zwischen Kartenausgeber und Acquirer eines Zahlungssystems.
Die deutsche Kreditwirtschaft arbeitet bereits an der Implementierung der
„Berlin Group“-Spezifikationen im Rahmen von bilateralen Allianzen zwischen dem „electronic cash“- bzw. dem Geldautomatensystem der deutschen Kreditwirtschaft und zukünftigen Allianzpartnern. Dadurch sollen die
proprietären Schnittstellen von MasterCard abgelöst werden. Die „Berlin
Group“-Spezifikationen bilden somit die technische Grundlage für bi- bzw.
multilaterale Allianzen. Die Spezifikationen stehen auch anderen Zahlungssystemen und Dienstleistern zur freien Verfügung.
Der enorme Druck auf die Profitabilität der Debitkartensysteme sowie die
Anforderungen an die SEPA waren Auslöser für die Gründung der Berlin
Group (www.berlin-group.org) im Jahr 2004, benannt nach dem ersten
Sitzungsort „Berlin“. Diese Kooperation von Experten mehrerer europäischer Debitkartensysteme hat neben der Arbeit an den Spezifikationen
auch eine Studie über die Machbarkeit und die Wirtschaftlichkeit geschäftspolitischer Alternativen für die Abwicklung europäischer Kartentransaktionen erstellt.
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Das Ergebnis dieser Studie belegt:
1. Durch die direkte Verknüpfung der Debitkartensysteme und somit
die Einsparung des Umweges über ein internationales Kartensystem bei grenzüberschreitenden Transaktionen ergibt sich ein erhebliches Potenzial zur Kostenreduzierung für alle Beteiligten.
2. Die Realisierung der SEPA ist damit schneller, besser und kostengünstiger möglich.
9.2.2. Euro Alliance of Payment Schemes (EAPS)
Die „Euro Alliance of Payment Schemes“ (EAPS) ist ein „Zusammenschluss“ von Zahlungssystemen. Im August 2006 haben sechs Mitglieder
den EAPS-Konsortialvertrag unterschrieben und sich auf die konkrete Umsetzung der Verknüpfung ihrer Debitsysteme verständigt und damit die
notwendigen Arbeiten zur Initiierung von Allianzen begonnen. Die sechs
Vollmitglieder, die im Konsortialvertrag ihrer gemeinsamen Arbeit einen
Rahmen gegeben haben, sind:
ƒ
SIBS (Portugal) für die Bereiche automatisierte Kassen (Point of Sale POS) und Geldautomaten,
ƒ
Ceca/Euro 6000 (Spanien) für die Bereiche POS und Geldautomaten,
ƒ
CoGeBan (Italien) für die Bereiche POS und Geldautomaten,
ƒ
Link (UK) für den Bereich Geldautomaten,
ƒ
Eufiserv für den Bereich Geldautomaten und
ƒ
die deutsche Kreditwirtschaft (ZKA) für die Bereiche POS und Geldautomaten („electronic cash“ und Geldautomatensystem der deutschen
Kreditwirtschaft).
Die geschäftsführenden Vertreter dieser sechs Gründungsmitglieder bekräftigten am 4. September 2006 in der „Wiesbaden Deklaration“ den
eingeschlagenen Weg mit Nachdruck:
EAPS-Zahlungen sind für die Unterzeichner die einzige akzeptable Alternative, unabhängige pan-europäische Debit-Kartenzahlungen neben den
Angeboten der internationalen Kartenorganisationen für Handel und Karteninhaber kostengünstig und effizient anzubieten. Die geschlossene Alli-
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anz europäischer Kartensysteme ist offen für alle Systeme, die ihre Systeme unter Berücksichtigung des SEPA Cards Framework weiterentwickeln
möchten. Karten der beteiligten Issuer werden innerhalb der Allianz an
allen POS-Terminals und Geldautomaten der beteiligten Acquirer und unter
einheitlichem Akzeptanzlogo akzeptiert.
Das Konzept der EAPS
Bezahlt ein deutscher Karteninhaber heute mittels Maestro an einem Terminal in Spanien, wird die Transaktion kostenpflichtig zumeist über das
EPS-Net von MasterCard geroutet. Bei einer EAPS-Transaktion entfällt
MasterCard als Intermediär komplett. Die jeweiligen Übergabestellen in
Spanien und Deutschland kommunizieren unmittelbar miteinander. Genutzt
werden die „Berlin Group“-Spezifikationen für die Autorisierungs- und Clearing-Schnittstellen.
Zurzeit wird die Verbindung jeweils zweier nationaler Debitkartensysteme
untereinander auf der Grundlage bilateraler Verträge hergestellt. Im Jahr
2008 sollen die bilateral vereinbarten Allianzen in ein vertragliches Gesamtkonstrukt überführt werden.
Zahlungen innerhalb der EAPS werden künftig unter einem neuen, einheitlichen Akzeptanzlogo erkennbar sein. Auf den Karten sowie den Terminals
und Geldautomaten kann das neue Logo die Akzeptanzmöglichkeiten in
Europa neben den bestehenden Akzeptanzzeichen signalisieren. Die nationalen Logos bleiben weiterhin erhalten. Die EAPS setzt hierbei auf das
Vertrauen der Nutzer in die etablierten Kartensysteme. Das neue Logo, das
Anfang 2007 bekannt gegeben werden wird, unterstützt die Kommunikation
für Karteninhaber und Handel.
Das künftige EAPS-Regelwerk, das im Frühjahr 2007 verabschiedet werden soll, umfasst demzufolge nur Regelungen über die gegenseitige Kartenakzeptanz. Die EAPS selbst schafft kein neues Zahlungssystem und
versteht sich als keine neue Kartenorganisation. Die EAPS unterscheidet
sich daher grundlegend von den bekannten internationalen Kartenorganisationen und wird eine schlanke, kosteneffiziente Organisationsstruktur
erhalten.
Fazit
Die EAPS ist Veränderung und Fortschritt. Sie ist eine aufgrund von beherrschbarer Technik, Effizienzvorteilen und der möglichen eigenen Mit-
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gestaltung sowie aufgrund der politisch geforderten europäischen Lösung
die sinnvolle und zielgerichtete Umsetzung einer mittel- bis langfristig wirkenden Kartenstrategie im SEPA-Raum neben der Europäisierung von
„electronic cash“.
Dennoch werden die Treiber der EAPS mit verschiedenen Vorwürfen konfrontiert:
Vorwurf – Protektionismus der nationalen Systeme
Dem Händler wird es freigestellt, welches Kartenzahlungssystem oder
welche -systeme er anbietet. Die bisher nationalen Dienstleister drängen
auf den europäischen Markt und stehen mehr denn je im Wettbewerb.
Letztlich dürften Konditionen und Service entscheidend sein. Für Deutschland bedeutet das umgekehrt: europäische Dienstleister kommen nach
Deutschland.
Vorwurf – zu hohe Investitionskosten
Jeder Marktteilnehmer wird seinen Business Case überprüfen müssen. Zu
Recht fordern auch die EU-Kommission und die EZB Standardisierung auf
allen Ebenen. Mit dem europäischen Binnenzahlungsverkehr werden der
Vielzahl proprietärer Lösungen, die technische Migrationen einschränken
und kostenpflichtig sind, künftig europäische Standards angeboten. Der
ZKA hat ein universelles EMV-Terminal geschaffen, das bereits ab Ende
2007 betrieben werden kann.
Vorwurf – keine gemeinsame Marke
Die EAPS benötigt analog zu internationalen Zahlungssystemen keine
gemeinsame Marke. Markenbezogene Kosten entfallen. Lediglich ein Akzeptanzzeichen zur Wiedererkennung wird eingeführt. Solange die nationalen Systeme europaweit weiter existieren, werden diese auch ihre Marke
beibehalten und vermarkten. Die EAPS ist kein eigenständiges System, die
bestehenden Kartensysteme werden lediglich verknüpft.
Vorwurf – keine oder zu niedrige Interchanges
Das an den Kartenherausgeber zu zahlende Transaktionsentgelt wird bilateral und individuell verhandelt. Lediglich ein Referenzwert soll innerhalb
der EAPS als Durchschnittswert festgelegt werden. Bei „electronic cash“
gelten b.a.w. unverändert 0,3 % mindestens 0,08 EUR. Dieses Entgelt für
die geleistete Zahlungsgarantie wird in Deutschland seit Jahren als Marktpreis akzeptiert. Bestätigt wird dies dadurch, dass viele Händler von dem
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nicht-garantierten und vom Handel betriebenen Elektronischen Lastschriftverfahren (ELV) zu „electronic cash“ wechseln.
Vorwurf – zu komplex und daher zu teuer
Es ist richtig, dass die Vielzahl bilateraler Verbindungen auf Dauer kompliziert ist. Bilaterale Verträge sind jedoch in der Übergangsphase erforderlich. Mit Fertigstellung und Umsetzung des multilateralen Vertragswerkes
durch die EAPS werden die teilnehmenden Systeme technisch über ein
„Virtuell Private Network“ (VPN) verbunden. Die Nutzung der „Berlin
Group“-Standards führt zu Interoperabilität, Interoperabilität führt zu Kostenreduzierung. Eine zentrale Institution existiert nicht und es müssen keine Dienste wie bei den internationalen Kartensystemen abgenommen werden. Zudem ist bereits heute mit „electronic cash“ ein System mit ca. 2.500
Instituten und ca. 520.000 Terminals, ca. 90 Millionen Karten und 23 Netzbetreibern, ohne Probleme beherrschbar.
Die EAPS versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern bietet Kreditinstituten in der SEPA eine effiziente Ergänzung der Reichweite der Zahlungssysteme im Debit-Kartenbereich für ihre Kunden.
9.2.3. Sicht von EU-Kommission und EZB auf die EAPS
Mehrfach haben EU-Kommission und EZB betont, dass ihre Hoffnungen
auf eine erfolgreiche SEPA im Kartengeschäft durch die Allianz erfüllt werden könnten.
Die EZB versteht die SEPA als Innovation und Modernisierung von Zahlungsverfahren und -produkten zur Reduzierung von Bargeld. Sie befürwortet die EAPS als europäische Lösung im kartengestützten Zahlungsverkehr.
Auf der „Cards and Payments Conference and Expo Paris” am 20. September 2006 wurde durch Frau Gertrude Tumpel-Gugerell, Mitglied des
Vorstandes der EZB, nochmals ausdrücklich dargestellt, dass das Eurosystem neutral gegenüber den möglichen SCF-konformen Modellen ist, sofern
Wettbewerb gewährleistet wird. Das bedeutet eine SEPA, in der neben
internationalen auch effiziente nationale Systeme eine Rolle spielen. CoBranding wird lediglich in der Übergangsphase für möglich gehalten. Als
Weg zu mehr Wettbewerb werden Allianzen bzw. die Erweiterung der bestehenden Kartensysteme gesehen.
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In ihrem Bericht „The Eurosystem´s View Of A ´SEPA for cards´“ vom November 2006 spricht sich die EZB verstärkt für europäische Allianzen, die
auch von der EAPS propagiert werden, aus. Die EAPS ist für die EZB eine
Option zur Bildung eines „Europäischen Kartenzahlungssystems“.
9.3. Co-Branding mit internationalen Zahlungssystemen
Anfang Dezember 2006 hat MasterCard für das Debit-Zahlungssystem
Maestro das Absenken der Interchange ab Januar 2008 angekündigt. Aus
unserer Sicht kann diese neue Gestaltung sowie die davon getrennte häufige Steigerung der markenbezogenen Entgelte lediglich als Druckmittel
gegen andere SEPA-Zahlungssysteme in Europa verstanden werden. Dies
gilt vor allem gegenüber den größeren Maestro-Karten ausgebenden Kreditwirtschaften in Deutschland und Österreich, wo die Relevanz dieser Absenkung am größten ist. Generell soll das vom Acquirer an den Issuer zu
zahlende Entgelt (Interchange) die Kosten zwischen diesen beiden im
4-Parteien-Modell Beteiligten ausgleichen. Dieses System ist bei der von
MasterCard angekündigten Absenkung der Interchange bei zuletzt erhöhten markenbezogenen Entgelten, wie z. B. der „Card Fee“, nicht mehr in
der Form möglich.
Bei einem durchschnittlichen Zahlungsbetrag von 60 EUR wird diese Interchange für eine chip- und PIN-gestützte Transaktion nahe an dem Entgelt
für die Zahlungsgarantie im „electronic cash“-System liegen.
Doch die Zielgruppe von MasterCard liegt eindeutig bei den „großen Händlern“. Bei über 20 Millionen Maestro-Transaktionen in Europa wird der Acquirer künftig eine deutlich geringere Interchange an den Issuer zahlen
müssen, sofern es national keine abweichende Regelung aufgrund einer
Einigung zwischen Kartenherausgebern und Acquirern gäbe.
Die neue Regelung klingt zunächst wirtschaftlich attraktiv – für den Händler
in Europa und vor allem in Deutschland. Doch es gilt zu berücksichtigen:
ƒ
Für den Issuer sind Maestro-Transaktionen bereits heute defizitär. Die
Absenkung der Interchange bei gleich bleibenden oder erwarteten
steigenden Markenentgelten führt zu zunehmenden Verlusten.
ƒ
Auch der Acquirer wird weiterhin seine an MasterCard zu zahlenden
Processing- und Assessment-Fees auf den Händler umlegen.
ƒ
Es besteht die Gefahr von Akzeptanzschwierigkeiten, wenn Issuer
aufgrund der deutlich höheren Verluste für Maestro-Transaktionen von
47
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der Herausgabe von Maestro-Karten absehen und große Händler aus
Kostengründen ausschließlich auf die Akzeptanz von Maestro setzen
würden.
Ob und inwieweit kleine und mittelständische Unternehmen die Diskriminierung gegenüber großen Handelsunternehmen hinnehmen werden bzw. ob
nicht sogar die EU-Kommission Handlungsbedarf sieht, ist derzeit noch
offen. In einer ersten Reaktion hat sich EuroCommerce kritisch zu den
veröffentlichten neuen Interchangeregeln geäußert und „electronic cash“ im
Vergleich hierzu positiv hervorgehoben. EuroCommerce befürchtet, dass
die Initiative von MasterCard dazu dient, effiziente nationale Zahlungssysteme abzulösen und im Ergebnis höhere Kosten auf den Handel zu kommen als heute.
Eine interessante Alternative für deutsche Issuer könnte ein Co-Branding
mit Vpay von VISA sein. Neben den „electronic cash“-Transaktionen und
den Transaktionen innerhalb der EAPS könnte die Kartenakzeptanz zu
akzeptablen Preisen außerhalb der EAPS im restlichen Europa abgedeckt
werden.
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10. Marktauswirkungen der SEPA-Kartenstrategie
EAPS-Transaktionen sind Debitkarten-Transaktionen an POS-Terminals
und/oder Geldautomaten, die auf Grundlage von zunächst bilateralen und
später multilateralen Verträgen direkt zwischen den teilnehmenden Kartensystemen abgewickelt werden.
Gleichzeitig können einzelne Institute oder Bankengruppen in Europa
„electronic cash“-Karten ausgeben; „electronic cash“-Terminals können europaweit betrieben werden. An diesen Terminals werden EAPS-Karten zu
den Konditionen von „electronic cash“ (Händlerentgelt 0,3 %, mindestens
8 Cent) abgewickelt.
Ausgehend von diesen organisatorischen und technischen Veränderungen
bieten sich für die Marktteilnehmer in Deutschland und Europa neue Handlungsoptionen.
10.1. Kreditinstitute als Kartenherausgeber
Für Institute, die „electronic cash“-Karten in Deutschland herausgeben,
ändert sich mit der EAPS Folgendes: Durch den Ersatz von MaestroTransaktionen durch Allianz-Transaktionen entfallen die entsprechenden
Maestro-Entgelte. Auf Basis der Maestro-Preise von 2006 ergeben sich
somit schon deutliche Kostenvorteile für Kartenherausgeber pro Karte und
Jahr. Erhebliche Kostenvorteile entstünden, wenn auf ein Co-Branding von
Debitkarten mit Maestro generell verzichtet werden würde. Die Gesamtkosten für Kartenherausgeber einer „electronic cash“-Transaktion variiert je
nach Instituts-Dienstleister und liegt jedoch immer unter den MaestroKosten, da markenbezogene Kosten bei „electronic cash“ nicht erhoben
werden und die alleinige Betrachtung der Interchange ein unvollständiges
Bild ergäbe. Gerade Transaktionen mit „electronic cash“-Karten in den
bedeutenden europäischen Urlaubsländern sind interessant, da sie den
größten Anteil an grenzüberschreitenden Transaktionen darstellen.
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Dienstleister
Konto Karteninhaber in
Deutschland
Ausländische
Übergabestelle
Kopfstelle
Abbildung 12: Kreditinstitute als Kartenherausgeber
Im Beispiel wird eine „electronic cash“-Karte an einem „Euro6000“-Terminal
eingesetzt. Das spanische „Euro6000“-System ist Konsortialpartner der
EAPS. Der Standort des Terminals spielt hierbei keine Rolle. Der Kartenherausgeber erhält für diese Transaktion das Entgelt von „electronic cash“
in Höhe von 0,3 % (mind. 0,08 EUR). Das „Euro6000“-System muss das
„electronic cash“-Händlerentgelt an den Kartenherausgeber weiterleiten.
Für Transaktionen mit „electronic cash“-Karten an EAPS-Terminals anderer
Systeme muss der deutsche Kartenherausgeber eine Übergabestelle für
Autorisierungs- und Clearingnachrichten festlegen, die mit der jeweiligen
Übergabestelle im Ausland kommuniziert. Möglich sind im Wesentlichen
folgende Varianten zur Festlegung einer Übergabestelle von Allianztransaktionen:
ƒ
Beibehaltung der existierenden Übergabestellenregelung, wie dies
bisher für Maestro-Transaktionen deutscher Karteninhaber im Ausland
praktiziert wird.
ƒ
Festlegung einer zusätzlichen, separaten Übergabestelle z. B. durch
Auswahl eines existierenden europäischen oder internationalen
Dienstleisters durch den Kartenherausgeber bzw. eine ihn vertretende
Organisation (z. B. Spitzenverband).
ƒ
Beauftragung der bisherigen POS- bzw. Geldautomatenkopfstelle
durch das kartenausgebende Institut im nationalen Online-Verbund,
die auch als Übergabestelle für den grenzüberschreitenden Kartenzahlungsverkehr fungieren könnte. Eine Beauftragung Dritter als technische Dienstleister durch die Kopfstelle wäre zudem möglich.
Potenzial zur Kostenreduzierung kann sich ergeben, wenn die heutige
Kopfstelle direkt mit der jeweiligen Übergabestelle im Ausland kommuni-
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ziert. Insofern müssen sich sowohl die heutigen Übergabestellen als auch
die Kopfstellen in ihrem Dienstleistungsangebot neu ausrichten, um unter
den SEPA-Bedingungen langfristig die Wettbewerbsfähigkeit wahren zu
können.
Der Zeitplan ist eng: Ab 1. April 2007 müssen für POS-Transaktionen alle
kartenausgebenden Institute in der Lage sein, im „Berlin Group“-Format
generierte Autorisierungsnachrichten aus dem Ausland (passiv) über eine
von ihnen zu benennende Übergabestelle entgegenzunehmen und zu verarbeiten, ab 1. November 2007 auch für Transaktionen von Ausländern an
„electronic cash“-Terminals (aktiv).
Weiterhin sind festzulegen:
ƒ
Autorisierung
ƒ
ƒ
Nach der Festlegung der Übergabestelle durch jede Bank oder
Sparkasse bzw. eine sie vertretende Organisation (z. B. Spitzenverband der Kreditwirtschaft) ist zwischen Kopfstelle und Übergabestelle, sofern nicht identisch, eine Vereinbarung über die Technologie zur wechselseitigen Kommunikation zu treffen, z. B. die
Formate der Berlin Group.
Clearing
ƒ
Für das Clearing ist analog zum Verfahren bei der Autorisierung
eine Übergabestelle zu definieren. Sinnvoller Weise könnte die
gleiche Institution, die die Übergabestelle für die Autorisierung von
Transaktionen darstellt, auch die Abwicklung des Zahlungsverkehrs (Clearing) übernehmen. Entsprechende Angebote müssten
von technischen Dienstleistern eingeholt werden.
In Zukunft wird die proprietäre Clearingabwicklung über das
DTAUS-Format durch ein SEPA-Zahlungsverkehrsinstrument
ersetzt werden, da die gleiche Infrastruktur für nationale und
grenzüberschreitende Transaktionen genutzt werden wird und eine
Unterscheidung nicht mehr sinnvoll erscheint.
ƒ
Es ist ein Verfahren zur Meldung der Kundenentgelte an die Übergabestelle mit Angabe der Gebührenregeln pro Transaktionstyp,
Land, Betreiber etc. zu definieren.
51
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ƒ
Entgeltverrechnung
ƒ
Für die Entgeltverrechnung können aus Effizienzgründen die existierenden Entgeltkopfstellen genutzt werden. Sofern dies separat
erfolgen soll, muss eine Festlegung der Schnittstelle zwischen
Übergabestelle und Entgeltkopfstelle zur Information und Verrechnung von Entgelten (vereinnahmte Interchange, gezahltes Geldautomaten-Service-Entgelt, vereinnahmte Kundenentgelte, Gebühren
der Übergabestelle etc.) erfolgen.
EAPS-Transaktionen sind immer PIN-gestützte Zahlungen an POSTerminals bzw. Verfügungen am Geldautomaten und nutzen die EMVChiptechnologie bzw. Spur2-Verarbeitung als Basis.
Schäden, wie sie heute gehäuft mittels Dubletten an ausländischen Geldautomaten entstehen, dürften sich mittelfristig verringern.
Die künftige „electronic cash“-Vereinbarung des ZKA ermöglicht durch Beitritt zur Vereinbarung auch ausländischen Bankengruppen bzw. einzelnen
Instituten die Ausgabe von „electronic cash“-Karten. Insbesondere für kleine europäische Zahlungssysteme, für die sich die Umstellung auf SEPA
gemäß SCF nicht lohnt, kann der Umstieg auf „electronic cash“ in der Zukunft attraktiv sein.
Kartenherausgeber, die über ihre Karten „electronic cash“ und das deutsche Geldautomatensystem unterstützen, könnten auch auf das CoBranding mit einem internationalen Zahlungssystem verzichten, um SEPAfähig zu sein. Denn sowohl „electronic cash“, das deutsche Geldautomatensystem und Allianzen im Rahmen der EAPS stellen eine SCF- und
SEPA-fähige Lösung dar. In diesem Zusammenhang bestünde auch die
Möglichkeit der Produktdiversifizierung im Debitkartenbereich. Entsprechend verschiedenartige Produkte mit unterschiedlichem Leistungsumfang
könnten auch verschieden preislich kalkuliert werden.
10.2. Firmenkunden/Händler
Für den Handel führen die SEPA und die EAPS zu vielfachen Verbesserungen. Institute werden ihr Angebot im Zahlungsverkehr und Kartengeschäft an die Firmenkunden überprüfen und ggf. neu ausrichten müssen.
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Die Hindernisse im grenzüberschreitenden, kartengestützten Zahlungsverkehr werden weitestgehend beseitigt durch:
ƒ
die Migration des „electronic cash“-Systems auf den EMV-Standard,
ƒ
die europaweite Ausrichtung von „electronic cash“ und
ƒ
die Schaffung von standardisierten Schnittstellen für die Zahlungsverkehrsabwicklung (anstelle des DTAUS-Formates).
Welche Vorteile erfährt der Händler durch die EAPS und ein europaweites
„electronic cash“?
Der heute bereits und ausschließlich „electronic cash“-Karten akzeptierende Händler in Deutschland wird künftig zusätzlich automatisch sämtliche
EAPS-Karten zu den Bedingungen des „electronic cash“-Systems akzeptieren.
Zu den ca. 90 Millionen „electronic cash“-Karten deutscher Kartenherausgeber kommen mit den derzeitigen EAPS-Mitgliedern noch einmal ca.
210 Millionen hinzu. Mit jedem weiteren Kartensystem, das Mitglied der
EAPS wird, erhöht sich die Kartenanzahl.
Übergabestelle Euro6000
Netzbetreiber
electronic cash
Übergabestelle Cetrel
Konto Karteninhaber in
Deutschland
Kopfstelle /
Übergabestelle
Standort Terminal: z. B. Berlin
Abbildung 13: Beispiel für eine EAPS-Transaktion auf Basis des „electronic cash“-Systems
Technisch hat ein Händler zwei allgemeine Umsetzungsvarianten:
ƒ
Entweder er setzt bereits ab November 2007, gemäß der „electronic
cash“-EMV-Migrationsplanung, ein universelles EMV-Terminal ein oder
ƒ
er muss beginnend mit der Spur 2-Migration ab November 2007 auch
noch weiterhin bis zum Auslauftermin Ende 2010 parallel die bisherigen proprietären Anwendungen wie „electronic cash“ mit Chip („ecc“)
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für Offline-Transaktionen unterstützen. Für die Spur 2-Migration muss
der Händler ein Software-Update der Terminals vornehmen.
Die erste Alternative des Einsatzes eines universellen EMV-Terminals ab
diesem Zeitpunkt dürfte, wie bereits oben ausgeführt, kostengünstiger im
Betrieb und Unterhalt sein, als die bisherigen Terminals. Aufgrund einer
geringeren Anzahl zu unterstützender Anwendungen ist die Konfiguration
einfacher. Der Aufwand für die erforderlichen Änderungen ist dafür aber
erheblich größer. Es bietet sich insbesondere für Händler an, die erstmals
„electronic cash“ akzeptieren möchten oder die eine neue Investitionsentscheidung treffen. Insofern werden die Einstiegsbedingungen in „electronic
cash“ für Händler erleichtert.
Des Weiteren ist die Unterzeichnung der erweiterten Händlerbedingungen für „electronic cash“ erforderlich. Das Unternehmen ist verpflichtet,
auch die im System eines Kooperationspartners von einem Kreditinstitut
ausgegebenen Debitkarten für die bargeldlose Zahlung an „electronic
cash“-Terminals zu den im „electronic cash“-System geltenden Bedingungen zu akzeptieren. Der Netzbetreiber wird das Unternehmen entsprechend unterrichten.
Der Betrieb von „electronic cash“-Terminals und die Zahlungsgarantie des
kartenausgebenden Instituts ist im Vergleich zu anderen Systemen kostengünstig. Das seit Jahren jährlich um ca. 20 % steigende Transaktionsund Umsatzvolumen von „electronic cash“ allein in Deutschland bestätigt
die Attraktivität für den Handel. Die Abschaffung der proprietären Standards und des individuellen Zahlungsverkehrs sowie deren Ersatz durch
ein europäisch einheitliches Verfahren sollten mittel- bis langfristig wirtschaftlich vorteilhafter sein. Der Vorteil für deutsche Firmenkunden-Institute
liegt in den günstigen Konditionen für Lastschrifteinreichung bei europäischen Händlern.
Auf dem Weg für eine europäische Zahlungsverkehrsabwicklung kartengestützter Transaktionen sind noch einige Anstrengungen erforderlich. Tatsächlich wird das in Deutschland genutzte DTAUS-Verfahren nur für nationale Transaktionen verwendet. Ähnlich ist dies in anderen europäischen
Ländern mit den dortigen Verfahren. Wenn ein Händler in Spanien deutsche EAPS-Karten zum Clearing bei seiner spanischen Hausbank einreicht, muss dieser b.a.w. den deutschen Zahlungsverkehrsabkommen
beitreten oder über eine Korrespondenzbank abrechnen. Dieses „Handicap“ versucht die Clearing Task Force der Berlin Group durch eine europäische Lösung zu beseitigen.
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Ziel ist die Überführung der Zahlungsverkehrsabwicklung von DebitKartentransaktionen in die SEPA-Verfahren (Clearing & Settlement).
Kartentransaktionen sollen weiterhin über Verfahren des konventionellen
Zahlungsverkehrs abgewickelt werden. Dafür muss ein an die SEPALastschrift (SDD – SEPA Direct Debit) angelehntes Verfahren geschaffen
werden. Auf der Karte müssten ggf. die derzeit nicht vorhandenen IBAN
und BIC ergänzt werden, damit auch direkt und eindeutig die Einleitung
einer Transaktion in den Zahlungsverkehr möglich ist. Derzeit ist lediglich
die Primary Account Number (PAN) auf der Karte vorhanden. Die Berlin
Group plant die Fertigstellung der Spezifikationen 2007, die – wie alle Spezifikationen der Berlin Group – frei genutzt werden können.
Institute sind aufgefordert, für ihre Kunden den Weg in die SEPA zu ebnen
und sich europäisch aufzustellen. Sie stehen dabei mit ihren Produkten,
Dienstleistungen und den entsprechenden Preisen im direkten Wettbewerb
mit anderen europäischen Banken im gesamten SEPA-Raum.
10.3. Netzbetreiber, Acquirer und Prozessoren
Wettbewerb auf allen Ebenen ist die Folge des europäischen Zahlungsverkehrsbinnenmarktes auch für die heutigen „electronic cash“-Netzbetreiber,
Acquirer, Prozessoren und sonstigen technischen Dienstleister.
Die Grenzen des nationalen Zahlungsverkehrs werden auf ganz Europa ausgeweitet. Geschäftsgrundlagen ändern sich, Geschäftsmodelle
sind zu überprüfen, eine europäische Ausrichtung – auch über Kooperationen – dürfte dauerhaft unvermeidbar sein, wenn die betreffenden Marktteilnehmer eine bedeutende Rolle wahrnehmen wollen.
Wie bereits ausgeführt, dürfte sich der Händler für das günstigere Zahlungssystem entscheiden, bei dem er die meisten Karten akzeptieren kann.
Je nach Ausrichtung und regionalem Standort seines Geschäftes kann das
die Unterstützung eines oder mehrerer (konkurrierender) Systeme sein.
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Netzbetreiber mit Sitz in
Deutschland oder den
Niederlanden
Konto eines
electronic cashKarteninhabers
irgendwo im
SEPA-Raum
Terminal-Standort: z. B. Amsterdam
Abbildung 14: Beispiel für die Europäisierung von „electronic cash“
Im Beispiel kann ein heute zugelassener „electronic cash“-Netzbetreiber
„electronic cash“-Terminals in den Niederlanden betreiben. Gleichzeitig
kann ein Terminalbetreiber in den Niederlanden nach Durchlaufen des
ZKA-Zulassungsverfahrens „electronic cash“-Terminals in den Niederlanden betreiben.
„electronic cash“-Netzbetreiber haben neben den Firmenkundeninstituten
in den vergangenen Jahren eine Acquirer-Funktion im deutschen Handel
eingenommen. Diese Funktion könnten viele Netzbetreiber ausbauen.
Für den Händler und Karteninhaber wird sich künftig folgende Frage stellen:
Wer hat wann die Wahl, welches System für welche Karte angeboten wird?
Bisher muss eine „electronic cash“-Karte eines deutschen Kartenherausgebers an einem „electronic cash“-/Maestro-Terminal immer als „electronic
cash“-Transaktion abgewickelt werden. Künftig kann diese Karte auch als
Maestro-Transaktion abgewickelt werden, wenn sich der Händler dafür
entscheidet und es sich um eine Co-Branding-Karte handelt. Der Händler
wird auch die Wahl des auf der Karte vorhandenen Zahlungssystems
haben, wenn deutsche Institute künftig eine „electronic cash“-Karte mit
einem Co-Branding mit der VISA-Marke VPay herausgeben. Voraussetzung ist, dass das ausgewählte Zahlungssystem bzw. dessen Zahlungsanwendung sowohl vom Terminal als auch der Karte unterstützt wird.
Der Händler wird demzufolge das für ihn attraktivste Zahlungssystem
wählen. Hauptsächlich stehen ihm electronic cash/EAPS, ELV, Maestro,
VPay oder Kreditkarten sowie die anderen SCF-konformen europäischen
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Debitsysteme zur Auswahl. Die Entscheidung dürfte vor allem aus Wirtschaftlichkeitsgründen als auch aus Gründen der Kundenbindung und
-akzeptanz getroffen werden.
Die Entscheidung des Händlers für die Unterstützung des für ihn attraktivsten Zahlungssystems oder mehrerer Systeme dürfte sich auch auf die Geschäftstätigkeit der Acquirer, die ausschließlich Transaktionen der internationalen Zahlungssysteme abwickeln, auswirken. Gleiches gilt für Übergabestellen und Prozessoren. Auch Kreditinstitute werden ggf. neu entscheiden, welche Dienstleistungen bei welchem Dienstleister in Anspruch genommen werden sollen.
10.4. Privatkunden/Karteninhaber
Der Karteninhaber steht bei der EU-Kommission und der EZB im Vordergrund. Die zentrale Forderung der EU-Kommission lautet „any card at any
terminal“.
Zunächst ist festzustellen, dass mit der EAPS die Anzahl der eingebundenen Akzeptanzstellen für Karteninhaber in Europa zunehmen wird. Wie
bereits dargestellt, wird der heute ausschließlich „electronic cash“ akzeptierende Händler künftig auch alle an der EAPS beteiligten Karten verarbeiten.
EAPS-Terminals werden durch ein einheitliches Akzeptanzlogo gekennzeichnet sein. Das für den Karteninhaber vertraute deutsche „electronic
cash“-System bleibt erhalten und wird ihm häufiger auch an anderen
Standorten in Europa begegnen. Zirka 1,1 „electronic cash“-Transaktionen
pro Monat tätigt der deutsche Karteninhaber durchschnittlich. 1999 war es
zirka eine Transaktion innerhalb von drei Monaten.
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Entw icklung der electronic cash-Transaktionen
(seit 08/2005 einschließlich Chip-Offline-Transaktionen)
160.000.000
140.000.000
120.000.000
100.000.000
80.000.000
60.000.000
40.000.000
20.000.000
0
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
2006
Abbildung 15: Entwicklung „electronic cash“-Transaktionen; Quelle: ZKA
Die aus den Zahlungen mit Karte und PIN gewohnte Zahlungsabwicklung
wird für alle EAPS-Transaktionen gelten; wesentliche Unterschiede im reinen Zahlungsablauf wird es nicht geben.
Die Erweiterung der Akzeptanzstellen ist die entscheidende Veränderung
und der entscheidende Vorteil im SEPA-Raum für den Karteninhaber.
Die Kartenausgabe ist zumindest in Deutschland eng mit der Führung des
Girokontos verbunden. Die Debitkarte ist i. d. R. das Zugangsmedium zum
Gehaltskonto. Welches Zahlungssystem bzw. welche Zahlungsanwendungen das kartenausgebende Institut auf die Karte bringt, hängt von der jeweiligen Produktstrategie ab.
Ebenso wenig wie ein kartenausgebendes Institut zur Unterstützung aller
möglichen Kartensysteme auf einer oder mehrerer Karten verpflichtet werden kann, wird auch der Händler das Akzeptanzterminal nach Wirtschaftlichkeits- und Kundenbindungsüberlegungen konfigurieren. Dementsprechend gibt der Händler die Möglichkeiten für die Kartenakzeptanz – neben
der Barzahlung – vor. Die bestehende Vorrangregelung für „electronic
cash“ an deutschen Maestro-fähigen Terminals entfällt mit der Migration
auf EMV.
Insofern kann weder ein Zahlungssystem noch eine Kartenorganisation
oder Kartenallianz die Akzeptanz aller Karten an jedem Terminal in jedem
Land sicherstellen. Selbstverständlich streben alle Zahlungssysteme eine
größtmögliche Akzeptanz an. Allein durch die sechs Konsortialpartner der
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EAPS werden in der Startphase ca. zwei Millionen Terminals (davon in
Deutschland ca. 520.000 „electronic cash“-Terminals) eingebunden.
10.5. Geldautomatenbetrieb in der EAPS
Die EAPS steht nicht nur für Allianzen im POS-Bereich, sondern auch für
die Akzeptanz von Debitkarten an Geldautomaten. Auch für AllianzGeldautomatentransaktionen entfällt der Intermediär MasterCard und vor
allem die entsprechenden markenbezogenen MasterCard-Entgelte, da die
Transaktionen direkt bi- bzw. multilateral mit dem entsprechenden ausländischen Partner abgewickelt werden.
Geldautomat PagoBancomat in Italien
GA-Betreiber in
Frankreich oder
Italien
Kopfstelle / ÜS
Konto Karteninhaber in
Italien
Konto Karteninhaber in
Deutschland
Abbildung 16: Geldautomatenbetrieb in der EAPS
Das Beispiel zeigt den Betrieb eines Geldautomaten des PagoBancomatSystems in Italien, dessen Eignergesellschaft COGEBAN Konsortialpartner
der EAPS ist. Karten des eigenen Systems werden wie bisher autorisiert,
Kartentransaktionen deutscher Kartenherausgeber werden von der italienischen Übergabestelle direkt an die deutsche Übergabestelle bzw. Kopfstelle des kartenausgebenden Instituts weitergegeben und online autorisiert.
Nicht-EAPS-Karten werden in der Regel wie bisher über die internationalen
Netze abgewickelt, sofern keine andere Regelung getroffen wurde.
Die Zahlungsverkehrsabwicklung für Allianz-Transaktionen erfolgt über die
„Berlin Group“-Schnittstelle.
Für Geldautomatenbetreiber innerhalb des Geldautomatensystems der
deutschen Kreditwirtschaft sieht der ZKA ab dem 1. Juli 2007 eine neue
Geldautomatenvereinbarung vor. Ab diesem Zeitpunkt soll auch die Mög-
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lichkeit beginnen, EAPS-Karten zu akzeptieren. Parallel will die deutsche
Kreditwirtschaft bis Ende 2010 alle Geldautomaten auf EMV umgestellt
haben. Gemäß der neu abzuschließenden Geldautomatenvereinbarung
sind Institute auch, vergleichbar mit „electronic cash“, verpflichtet, die Karten der EAPS-Partner zu akzeptieren. Die Interchange soll jeweils bilateral
vereinbart werden, allerdings soll innerhalb der EAPS ein Referenzwert
benannt werden.
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11. Fazit
Die SEPA rüttelt an den Grundfesten des Zahlungsverkehrs. Das SichLösen von alten Denkmustern und die Erkenntnis, dass die SEPA soviel
mehr an Wettbewerb auf allen Ebenen generiert, scheinen unumgänglich.
Die nationalen Zahlungsverkehrsgrenzen fallen in weniger als zwölf Monaten. Die Einführung der SEPA-Überweisung und der SEPA-Lastschrift
sowie die Europäisierung von „electronic cash“ und der Aufbau der Euro
Alliance of Payment Schemes sind evolutionäre Ansätze im Zahlungsverkehr.
Das Jahr 2007 wird in dieser Hinsicht eine Herausforderung für alle Marktteilnehmer. Wir werden die Entwicklungen intensiv begleiten und gemeinsam mit den anderen kreditwirtschaftlichen Verbänden dafür Sorge tragen,
dass diese den Marktbedingungen in Deutschland Rechnung tragen sowie
den Kreditinstituten Investitionssicherheit gewähren.
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Anlagen
(in elektronischer Form auf beigefügter CD)
ƒ
Anlage 1:
SEPA Credit Transfer Scheme Rulebook, Version 2.2
ƒ
Anlage 2:
SEPA Direct Debit Scheme Rulebook, Version 2.2
ƒ
Anlage 3:
SEPA Credit Transfer Scheme Implementation Guidelines,
Version 2.2
ƒ
Anlage 4:
SEPA Direct Debit Scheme Implementation Guidelines,
Version 2.2
ƒ
Anlage 5:
SEPA Datenmodell, Version 2.2
ƒ
Anlage 6:
SEPA Cards Framework, Version 2.0
ƒ
Anlage 7:
Framework for the Evolution of the Clearing and Settlement of Payments in SEPA – including the principles for
SEPA Scheme Compliance and Re-Statement of the
PE-ACH Concept (PE-ACH/CSM Framework), Version 1.0
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Herausgeber:
Bundesverband Öffentlicher
Banken Deutschlands, VÖB
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Telefax 0 30/81 92-2 22
E-Mail: [email protected]
Internet: www.voeb.de
Stand: Januar 2007
Herstellung:
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