Silence - Vain, A Tribute To A Ghost

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Silence - Vain, A Tribute To A Ghost
Silence - Vain, A Tribute To A Ghost
VÖ: 22. November 2004
Zeit: 58:56
Label: Chrom Records
Homepage: www.vaintribute.com
Langsam schlage ich die Augen auf. Ich schwebe - um mich herum ist nichts. Entspannt richte ich mich auf und werfe
einen Blick in alle Richtungen. In einiger Entfernung durchziehen silberne Fäden das bläuliche Nichts, weiter weg sind
vereinzelte, unförmige Gebilde zu erkennen. Leise Musik ist zu hören. Sphärische, zerbrechlich wirkende Klänge
dringen an meine Ohren, eine hypnotische Stimme erklingt, zieht mich zurück in den Schlaf...
Der eine oder andere wird sich jetzt denken: Ist der jetzt besoffen oder was hat der geraucht? Nichts dergleichen,
Kameraden. Das ist einzig und allein das Ergebnis von 45 Minuten Silence. Das slowenische Duo liefert mit seinem
neuesten Werk Vain - A Tribute To A Ghost eine Hommage an das Leben des 1998 unter mysteriösen Umständen
verstorbenen Künstlers Vain (Matej Smolnik) ab. Ebenso wie die Werke besagten Herren, sind auch die Lieder des
Albums sehr mystisch und poetisch gehalten, wirken zerbrechlich und verletzlich zugleich. Die einzelnen Songs glänzen
durchweg durch die Abwesenheit aller Instrumente, die man mit Metal und Rockmusik verbindet. Personen, die auf eine
E-Gitarre nicht verzichten können, hören am Besten hier auf zu lesen.
Jeden anderen erwartet eine Reise in eine melancholisch düstere und fragil erscheinende Welt. Die Kompositionen sind
durchweg sehr minimalistisch gehalten und erleichtern es dem Hörer dadurch nicht unbedingt sich mit der Musik
anzufreunden. Es ist schon einiges an Zeit und Muße nötig um sich auf die Musik einzulassen. Den Rahmen für die
einzelnen Stücke bilden Klavier, Streicher (aus Fleisch und Blut), akustische Gitarren und ein Drumcomputer.
Musikalisch angereichert werden die Stücke durch häufig eingesetzte Synthies, sowie orientalische und exotischere
Instrumente. Erwähnenswert ist hier vor allem der Einsatz einer Gu Zheng, wodurch ein asiatischer Hauch durch das
heimische Wohnzimmer zieht. Ebenfalls erwähnt werden sollte das Kraftwerk Cover "Hall Of Mirrors", bei dem Anne
Clark den Gesang übernimmt. Die übrigen Songs der CD bewegen sich allesamt zwischen charttauglicher, leicht
verdaulicher Popmusik ("Runalong", "Belief" oder "Surrender") und klassisch angehauchter Filmmusik ("Murder", "Pitaju
Me Pitaju"), schaffen es aber selten im Ohr hängen zu bleiben und verschwinden irgendwo im musikalischen Nichts.
Stellt sich noch die Frage, was man mit dieser CD nun machen soll. Menschen, die ein Fable für exotisch angehauchten
Gothic Pop haben, können hier ruhig ein Ohr riskieren. Ich für meinen Teil kann mich mit dem hier dargebotenen
Material nicht wirklich sonderlich anfreunden, da ich kein Fan von synthetisch dargebotener Unterhaltungs- und
Einschlafmusik bin. Als Hintergrundberieselung für einen Couchnachmittag bei Kaffee, Tee oder heißer Schokolade ist
Vain - A Tribute To A Ghost aber vielleicht gerade noch brauchbar.
JR
2 von 6 Punkten
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