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45 29.08.2005
08.09.05 16:39:16
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Tages-Anzeiger · Montag, 29. August 2005
45
Auf das richtige Pferd gesetzt
DVD-Nachfolge bleibt
ein Hickhack
Die beiden von Sony (Blueray) und
Toshiba (HD-DVD) angeführten Lager im Streit um den künftigen Datenträger für Filme und anderes haben
ihre Verhandlungen über einen einheitlichen Standard definitiv beendet,
ohne sich zu einigen. Die Konsumenten müssen nun abwarten, welches
System sich durchsetzt. Dabei hat die
Blueray von Sony & Co. die grössere
Gefolgschaft von Herstellern und
Filmstudios hinter sich.
In nur drei Jahren mauserte sich
die Games Convention Leipzig
zur grössten europäischen
Spielmesse – ausgerechnet im
Land der Spielmuffel.
Von Marc Bodmer
Es gibt ein Wort, das man in Zusammenhang mit der dritten Games Convention
(CG) im ostdeutschen Leipzig immer wieder hört: Erfolg. Gelegentlich heisst es
auch Riesenerfolg. 134 000 Besucher
strömten vom 18. bis 21. August durch die
Hallen. Die Messeleitung hatte etwas über
110 000 erwartet – die waren schon am
dritten Ausstellungstag da.
Diese Tatsache ist umso erstaunlicher,
gelten doch die Deutschen im europäischen Vergleich eher als Gamemuffel, was
eine kürzlich im Auftrag von Electronic
Arts Deutschland erstellte Studie bestätigte. So bekundeten nur gerade 1 Prozent
der befragten Nachbarn im Norden, dass
sie «Videospiele mögen oder sich dafür
interessieren», während in Grossbritannien jeder Zehnte zu seinem interaktiven
Vergnügen steht. Wie erklärt sich nun,
dass die Leipziger Messe zum IndustrieEvent herangewachsen ist, während das
britische Pendant, die ECTS in London,
trotz Reanimationsversuchen nicht mehr
existiert?
Nokia unangefochten
Der grösste Hersteller von Handys
bleibt Nokia. Die Finnen halten einen
weltweiten Marktanteil von 31,9 Prozent, gefolgt von Motorola (17,9 Prozent), Samsung (12,8 Prozent), LG
(6,5 Prozent) und Sony Ericsson
(6,2 Prozent). Aus den Top fünf ausgeschieden ist Siemens, die weniger
als die Hälfte an Handys verkauften
als im Vorjahr. Insgesamt wurden
190,5 Millionen Handys verkauft, 21,6
Prozent mehr als vor Jahresfrist.
Sags per Google
Betont europäisch
«Massgebend ist die Zweiteilung in
Business-Center für die Fachbesucher und
die grossen Hallen fürs Publikum», findet
Susanne Heusler, Pressesprecherin der
Leipziger Messe. «Darüber hinaus verfügt
Leipzig über das modernste Messegelände
Europas, und es ist eine Stadt, die mit ihren
Messen mitlebt.» Für Markus Willi, Geschäftsführer von ABC Software aus
Buchs SG, spielen noch andere Faktoren
eine Rolle: «In Grossbritannien, dem
BILD ANDREAS RENTZ/GETTY IMAGES
Der Himmel hängt voller Spiele. Die Games Convention beschert Leipzig ein Erfolgserlebnis.
grössten Markt für Videospiele in Europa,
hat man es verpasst, die Branche richtig zu
positionieren. England ist eher mit den
USA vergleichbar und nicht so sehr Teil
Europas. Die Games Convention kommt
aber als betont europäische Messe daher.»
Darüber hinaus findet Willi, dass die gute
Die Besten von der GC 2005
Aus 102 Nominierungen wurden die
Sieger in neun Kategorien gekürt. Nintendo liess Drittherstellern keine
Chance und gewann in den Kategorien
Gameboy mit «Fire Emblem: The Sacred Stones», Nintendo DS mit «Nintendogs» und Gamecube mit «The Legend of Zelda: Twilight Princess».
Wie schon an der E3 in Los Angeles
heimste Electronic Arts für «Burnout:
Revenge» einen Preis ein (bestes XboxSpiel). Als bestes Mobile Game wurde
«Sims 2» ausgezeichnet. Die Awards für
Playstation 2 und Playstation Portable
gingen an Ubisoft für «Peter Jackson’s
King Kong» respektive die Namco-Produktion «Ridge Racer». Auf dem PC
beeindruckte Vivendis Actiontitel
«F. E. A. R.» die Juroren. Zum innovativsten Produkt wurde Ataris cineastisches Action Adventure «Fahrenheit»
gewählt. (mbo)
BILD PD
King Kongs jüngste Inkarnation.
Infrastruktur «für Aussteller noch bezahlbar ist». Eine besondere Stärke sieht Daniel Hess, Chef Xbox Schweiz, in der
«Sprache» Leipzigs: «Die Messe bietet
eine gute Plattform, auch Laien und nicht
Englisch Sprechenden die Faszination der
Videospiele näher zu bringen, und zeigt,
was Weihnachten wirklich verspricht.»
Roger Frei, Managing Director von Sony
Computer Entertainment Schweiz, glaubt
eher an das Timing: «Die interaktive Unterhaltung spielt bei den Menschen eine
immer grössere Rolle, daher ist es kaum
verwunderlich, dass immer mehr Leute an
die GC pilgern.»
Familien im Fokus
Nebst der Unterteilung in Fach- und Publikumssektoren hat die Messeleitung mit
der «GC family» einen cleveren Coup gelandet. Gezielt werden hier Familien angesprochen und Schwellenängste im Umgang mit interaktiven Medien abgebaut.
Farbige, dem Alter entsprechende Armbändchen sorgen dafür, dass die Kinder
nur Software anspielen können, die für sie
gedacht ist. «Games ab 18 Jahren dürfen
bloss in separaten Kabinen gezeigt werden. 60 Studentinnen und Studenten der
Uni Leipzig nahmen sich der Kinder-
betreuung an», freut sich Heusler und,
«das Publikum war so bunt gemischt wie
noch nie», sagt Professor Hartmut Warkus, Leiter des Zentrums für Medien und
Kommunikation in Leipzig und GC-family-Experte. «Aus ganz Deutschland kamen Lehrer und Pädagogen, um sich über
neue Medien zu informieren. Verblüfft haben mich vor allem die vielen Mädchen,
die bei uns stundenlang an den Rechnern
spielten.»
Der Erfolg weckt bereits Neider
Gerade der Erfolg des medienpädagogischen Sektors der Gamemesse, die ganz im
Zeichen der bevorstehenden Europa-Premiere der Sony Playstation Portable (siehe
Artikel unten) stand, kann als typisch
deutsch bezeichnet werden. So finden 58
Prozent der befragten Deutschen, dass
Computer- und Videospiele den Zugang
zu neuen Kulturtechniken erleichtern.
Mit dem Erfolg kommen natürlich auch
Neider, und schon sollen Köln und München die Games Convention abspenstig
machen, doch Susanne Heusler gibt sich
zuversichtlich: «Die GC 2006 ist gesetzt,
und der Verband spricht nicht von einem
Standortwechsel. Die Games Convention
bleibt in Leipzig.»
Kleiner Liebling der Gamer und Hacker
Mit ihrer portablen Spielkonsole
PSP will Sony nun auch den
hiesigen Markt erobern und die
Konkurrenz von Nintendo
übertrumpfen.
Von Christian Bütikofer
Diese Woche landet die tragbare Spielkonsole PSP (Playstation Portable) nun auch
in Europa. Die Konsole kommt fast ein
Jahr nach ihrer Einführung in Japan sowie
ein halbes nach der in den USA am 1. September in die Schweiz. Mit der PSP will
Sony den führenden Hersteller in diesem
Bereich – Nintendo – das Fürchten lehren.
BILD SONY
Sonys Antwort auf den Gameboy kommt endlich in die Schweiz.
Gamen, hören, gucken
Dies soll vor allem durch den Bildschirm geschehen – die PSP ist die einzige
portable Konsole, die über einen vernünftig grossen Bildschirm verfügt. Auf anderen Kleinkonsolen schaut man in ein Fenster, hier versinkt man in den Spielen, vor
allem, wenns so richtig rasant zu und her
geht. Es verwundert daher nicht, dass zwei
der drei mitgelieferten Games («Ridge Racer» und «Wipeout Pure») reine Rennkracher sind. Die analoge Taste und der breite
Screen eignen sich beide hervorragend für
Rennspiele. So viel Bildschirm hat seinen
Preis: Die PSP ist ein richtiger Spielprügel,
der nicht in jede Westentasche passt. Die
mitgelieferte Schutzhülle erinnert eher an
eine Neoprensocke und ist wahrlich dürftig ausgefallen. Als einzige portable Konsole bietet die PSP MP3-Unterstützung –
doch damit wird ein MP3-Player wie der
iPod noch lange nicht überflüssig. Ebenso
verhält es sich mit der Foto- und der
Videounterstützung: nette Gimmicks, die
eigenständige Lösungen für diesen Bereich nicht abzulösen vermögen.
Es scheint, als hätte sich Sonys gewagte
Strategie, zum Launchbeginn vor allem
eigene, ziemlich ähnliche Lizenztitel der
grossen Konsolen Playstation 1 und 2 auf
die PSP zu portieren, nicht zu ihrem Nachteil gewendet.
Liebling der Hackerszene
Allen anderen portablen Konsolen um
Meilen voraus ist die PSP vor allem in einem: Dank der leistungsfähigsten Hardware aller portablen Spielkonsolen und
der Möglichkeit, die PSP auch mit USBMemorysticks zu füttern, ist sie rasch zum
Liebling der Hacker geworden. Diese
bauen mit ausgeklügelten Programmen
ältere Spielkonsolen auf der PSP nach
(Emulation). So ist es möglich, Konsolen-
klassiker wie NES, SNES, Gameboy, MegaDrive, PC Engine oder auch den Computer
Amiga auf der PSP zu simulieren. Damit
stehen einem plötzlich Hunderte von älteren Spielen dieser Konsolen zur Verfügung. Die Games werden meist übers
Internet heruntergeladen.
Daraus entstanden aber nicht nur Vorteile – bereits ist es einigen Programmierern gelungen, auf der PSP raubkopierte
Spiele laufen zu lassen. Sie machen sich einen externen USB-Speicher zu Nutze und
umgehen damit die proprietären kleinen
Silberscheiben, auf denen die Spiele verkauft werden.
Natürlich will die PSP auch vielseitig
vernetzbar sein – via Bluetooth und
WLAN soll das möglich werden, neu gibt
es sogar einen Webbrowser. Doch Spiele,
die diese Funktionen unterstützen, sind
Mangelware, und bis man unverhofft auf
einen anderen PSP-Spieler trifft, mit dem
man direkt über Bluetooth zocken kann,
dürften ein paar Wochen vergehen.
Die Playstation Portable kostet hier
knapp 400 Franken, jedes Spiel um die
80 Franken. Die PSP ist momentan zwar
die stärkste Kleinkonsole – doch ihr Erfolg
ist damit noch nicht garantiert: Entscheiden werden die Qualität und die Masse der
verfügbaren Spiele – die sind bisher noch
Mangelware. Darum dürfte es noch eine
Weile dauern, bis Sony hier 400 000 verkaufte PSPs melden kann, wie dies
Nintendo mit dem Gameboy bereits gelang.
Google Talk heisst die Gratissoftware
für Windows, mit der Nutzer von
Gmail, dem E-Mail-Service von Google, untereinander chatten und telefonieren können. Text-Chat (IM) ist
mit allen anderen IM-Programmen
möglich, die das Opensource-Protokoll Jabber unterstützen, darunter
iChat, Trillian oder Psi, nicht jedoch
mit dem populären MSN. Telefonieren ist eingeschränkt auf andere Google-Talk-Nutzer. Google tritt damit in
einen weiteren Markt ein und konkurriert sowohl Microsoft (MSN, wovon ebenfalls ein Update vorliegt) als
auch andere VoIP-Anbieter wie
Skype.
www.google.com/talk
Windows 95 wird 10
Vor zehn Jahren lancierte Microsoft
unter Fanfaren und Trompeten Windows 95. Damit legte Bill Gates’ Firma
den Grundstein zu ihrer bis heute anhaltenden Dominanz im Markt der
Betriebssysteme.
«Halo» wird verfilmt
Universal und Fox haben mit Microsoft vereinbart, das Videospiel
«Halo» zu verfilmen. Im Sommer
2007 soll der Masterchief auf der
Leinwand erscheinen.
Computer schrumpfen
auf Korngrösse
Gemäss einer Vision des FraunhoferInstituts werden in einigen Jahren getreidekorngrosse Computer
drahtlos miteinander kommunizieren
und Netzwerke bilden. Bereits haben
Forscher einen vollständigen Computer von der Grösse eines Würfelzuckers in einen Golfball integriert.
www.izm.fhg.de
US-Airforce gehackt
Bei der US-Airforce wurden persönliche Daten wie Schulabschluss, Anzahl Kinder oder den Zivilstand von
33 000 Soldaten gestohlen. Der Vorfall passierte bereits im Mai. Die Datendiebe konnten sich mit regulären
Passwörtern einloggen. (TA)
«Digital-Sushi»
Im Gadget-Weblog
des «Tages-Anzeigers» schildern Redaktoren aus verschiedenen
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