1 Wer bin ich, wenn ich „Big Brother“

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1 Wer bin ich, wenn ich „Big Brother“
Wer bin ich, wenn ich „Big Brother“ spiele
Ansätze einer theologisch ethischen Kritik an „Big Brother als Medieninstallation spätmoderner Identitätsdiskurse
Matthias Loretan
Das Format „Big Brother“ trifft das Lebensgefühl eines Erlebnismilieus, das die Kirche mit ihren Botschaften nur schwer erreicht. Aus einer theologisch-ethischen Perspektive fragt der
Autor nach der geistigen Verfassung einer Zeit, die ihre „Helden“ in einen Container sperrt
und zur dauernden medienwirksamen Selbstdarstellung anhält. Er untersucht die sozialen
Orientierungen der Kandidaten von „Big Brother“ und stellt fest, dass sie ihre Handlungen
nicht nach den Leitbegriffen von Gut und Böse, sondern nach jenen von Schön und Hässlich
bzw. von In und Out koordinieren. Die Medieninstallation von „Big Brother“1 kann verstanden
werden als ethisch-existentielles Laboratorium, welches nicht nur das Verhalten der Kandidaten, sondern auch die Rolle der Zuschauenden strukturiert: In der populären Liturgie übernimmt das Publikum die Rolle des Grossen Bruders, welcher mit seinem allwissenden anonymen Blick die kleinen Brüder und Schwestern beherrscht. Wie kann dieser in seiner Immanenz gefangene Mediendiskurs um persönliche und soziale Identität aufgebrochen werden?
1
Das von der holländischen TV-Produktionsfirma Endemol entwickelte Programmformat „Big Brother“ ist 1999
zuerst in Holland und dann in über 20 Ländern inszeniert und verbreitet worden. Mit zeitlicher Verzögerung und
nur mit geringfügigen Änderungen strahlte der Schweizer Privatsender TV3 im Herbst 2000 und im Frühjahr
2001 zwei Staffeln des Formats „Big Brother“ aus. Nach respektablen Erfolgen der ersten beiden Staffeln, strichen die Sender in den meisten Ländern die Serie nach der zweiten oder dritten Staffel wieder aus dem Programm. Für die Game show galten in der Schweiz folgende Regeln:
1. Fünf Frauen und fünf Männer lassen sich während 106 Tagen in einen Container einschliessen (huis clos)
und von 28 Kameras und 60 Mikrofonen rund um die Uhr observieren. Die Gruppe ist von der Aussenwelt
hermetisch abgeschlossen.
2. Die Personen haben sich vor dem Einzug in den Container nicht getroffen. Jeder hat vor dem Start intensive
psychologische und allgemein medizinische Tests erfolgreich durchlaufen. Mediziner und Psychologen stehen während des gesamten Projektes für Betreuungen in Notfällen zur Verfügung.
3. Die Bewohner müssen Wochenaufgaben absolvieren, deren Erfolg über die finanzielle Ausstattung der
Gruppe entscheidet. Bei Gelingen der Aufgabe wird die Preissumme dem Haushaltsgeld zugerechnet, ansonsten abgezogen. Lebensmittel und Kosmetika können nur dem jeweiligen Etat entsprechend von der
Gruppe eingekauft werden.
4. Back to the basic: kein Luxus, kein Komfort. Jeder Bewohner darf nur einen Diplomatenkoffer voll persönlicher Habe mitbringen.
5. Im "Sprechzimmer" geben die Kandidaten täglich vor einer fest installierten Kamera einen persönlichen Bericht ab, über ihre individuellen Erfahrungen und Gefühle. Sie sind dabei von den Mitbewohnern unbelauscht.
6. Alle zwei Wochen muss ein Bewohner die Gruppe verlassen. Jeder Teilnehmer nennt im Sprechzimmer
zwei Mitbewohner, die gehen sollen. Die beiden Kandidaten (in der zweiten Schweizer Staffel waren es drei)
mit den meisten Stimmen werden nominiert. Sie können in der folgenden Woche von den Zuschauern abgewählt werden.
7. Jeder Kandidat kann aus freien Stücken das Big-Brother-Haus verlassen. Einmal draussen, ist das Spiel für
ihn jedoch unwiderruflich aus.
8. Während der letzten Woche sind nur noch drei Kandidaten im Container. Dem von den Zuschauern nominierten Sieger wird eine Preissumme von Fr. 150'000.- übergeben.
1
Am Anfang, im Sinne des Trash-Formats von „Big Brother“: die Geschmacklosigkeit eines
Geständnisses bzw. das Geständnis einer Geschmacklosigkeit. Der Autor gesteht, dass er
sich vor allem die sonntäglichen Wochenzusammenfassungen der beiden ersten Schweizer
Staffeln von „Big Brother“ wenn möglich regelmässig angeschaut hat. Das professionelle Interesse an der Beobachtung des Medien-Phänomens mischte sich mit dem Spass an der Unterhaltung und der Neugierde, wie sich Angehörige jüngerer Lebensstilgruppen untereinander
privat verhalten und sozial orientieren. Mit überheblichem Kopfschütteln flohen Sohn und
Tochter die für Zielgruppen ihres Alters konzipierte Sendung. Noch unangenehmer berührte
sie das Interesse ihres Vaters, der jeweils sonntags vor dem Bildschirm auf die Expedition in
einen ihm unbekannten Kontinent aufbrach: in die Erlebniswelten ihrer Generation. Sie fühlten sich in ihren Geheimnissen verraten und straften den Vater und die kolumbianische Austauschtochter mit bösen und neidischen Blicken, wenn sich der Alte und die Neue vor dem
Fernseher darüber unterhielten, welchen Leuten im Container warum ihre Sympathien galten.
Moralische Kritik dreht sich im Kreise
Der Vater ist Dozent für Medienethik und Geschäftsführer eines kirchlichen Mediendienstes.
Diese Rollen verlangen eine professionelle Distanz und eine politisch oder ethisch korrekte
Sensibilität gegenüber menschlichen Werten und moralischen Normen. Die Bedenken, die in
moralischen und juristischen Diskursen gegen das Format des Programms eingewendet werden, lassen sich in zwei Gruppen von Argumenten zusammenfassen: Zum einen verstosse
die Sendung „Big Brother“ gegen die Menschenwürde, weil sie die Privatsphäre der vorgestellten Personen verletze. Zum anderen mache die Anlage der Sendung ein geächtetes Sozialverhalten, nämlich das Mobbing, zum Spielprinzip.
Doch die moralische Entrüstung kirchlicher und anderer Stellen (etwa vor oder zu Beginn der
ersten Staffel in Deutschland) sowie der Aufruhr vor allem im deutschen Feuilleton2 vermochten weder die Ausstrahlung des Programms zu verhindern noch nachhaltige konzeptionelle
Änderungen des Formats durchzusetzen.3 Im Gegenteil, vor allem die ablehnende Form der
Kritik schürte den medienwirksamen Skandal und wurde als kontraproduktiver Effekt von der
Marketingstrategie der beteiligten Mulitmedia-Unternehmen vereinnahmt.4 Die öffentliche Aufregung gehörte zum Szenario und trug dazu bei, dass „Big Brother“ umso zielsicherer seine
Adressaten in Abgrenzung zur Anspruchskultur der ethisch und politisch Korrekten bzw. zu
2
Goldbeck, Kerstin und Kassel, Susanne: Die Containergesellschaft – Big Brother im Spiegel der Feuilletons. In:
Weber, Frank (Hrsg.): Big Brother: Inszenierte Banalität zur Prime Time. Münster 2000, 233-252. In diesem
Sammelband sind zudem einige Beiträge des deutschen Feuilletons versammelt.
3
Aus der Vielzahl der juristischen und moralisch die Menschenwürde veranschlagenden Stellungnahmen seien
folgende Publikationen hervorgehoben: Bohrmann, Thomas: „Big Brother“: Alles nur ein Spiel? Eine medienethische Anfrage. In: Medienheft Dossier 15 (2001), 7-12
(http://www.medienheft.ch/dossier/bibliothek/d15_BohrmannThomas.html); Thaenert, Wolfgang: Millionen Zuschauer können nicht irren? Rechtliche Fragen zu „Big Brother“. In: Medienheft Dossier 15 (2001), 13-17
(http://www.medienheft.ch/dossier/bibliothek/d15_ThaenertWolfgang.html); Rath, Matthias: Die Pflicht zur Würde. Überlegungen zu einem medienethischen Problem. In: Medienheft Dossier 15 (2001),
http://www.medienheft.ch/dossier/bibliothek/d15_RathMatthias.html; Dörr, Dieter: „Big Brother“ und die Menschenwürde. Frankfurt 2000; Frotscher, Werner: Big Brother und das deutsche Rundfunkrecht. Schriftenreihe
der LPR Hessen, Bd. 12, München 2000; Ring, Wolf-Dieter: Programmfreiheit versus Geschmacksfragen. In:
Weber, Frank (Hrsg.): Big Brother: Inszenierte Banalität zur Prime Time. Münster 2000, 361-368.
4
Meier, Urs: Das Fernsehen kommt zu sich selbst. Kommunikationskultur im Zeichen von „Big Brother“. In: Medienheft vom 28. August 2000, 1-3, http://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/BigBrother.html.
2
den Erlebniswelten älterer Generationen fand. Der moralischen Entrüstung begegneten die
Kandidaten vor der Kamera sowie die Verantwortlichen von „Big Brother“ jedenfalls mit Unverständnis. Gegen die Verletzung der Menschenwürde bzw. der Privatsphäre machten sie
das Prinzip der Freiwilligkeit geltend und propagierten in grossformatigen Inseraten sogar ein
„neues Menschenrecht“ des Publikums: „Sie haben ein Recht auf meine Privatsphäre“ - gemeint ist die Intimsphäre der Selbstdarsteller vor der Kamera - war als Slogan mit Lippenstift
auf eine Toilettenwand gekritzelt.
Wenn es um die Entgegnung des zweiten moralischen Einwandes, dem des sozialen Mobbing ging, gaben sich die Propagandisten der Fun-Gesellschaft erstaunlich realistisch. Auf
das Wunschdenken der wohlmeinenden Elterngeneration, das soziale Leben würde in modernen und damit funktional differenzierten Gesellschaften sanft funktionieren und könne allen Beteiligten gerecht werden, schienen sie wie ungläubig den Kopf zu schütteln. „Big Brother“ hingegen bot ihnen eine einmalige Bühne, die Aufmerksamkeit der Mitspieler und des
Publikums auf sich zu ziehen. Zeit und Ressourcen dazu waren allerdings knapp. Gewinnen
konnten jene, die mit authentischer Selbstdarstellung in Konkurrenz zu anderen Aufmerksamkeit und Sympathie zu binden vermochten.
Das gute Leben im Container als Modell und Laboratorium ethischen Handelns
Die moralische Ablehnung des Formats geht einen Holzweg. Die Berufung auf allgemeine
Werte wie Menschenwürde ist zu abstrakt und trifft jene spezifische Mentalität nicht, mit der
die von „Big Brother“ anvisierten Lebensstilgruppen Fragen ethischer Orientierung praktisch
lösen. In Bezug auf die normativen Konflikte im Container, lässt sich das Format „Big Brother“
als ethisches Modell5 interpretieren. Die Strittigkeit des Modells macht aus, dass Werte nicht
als Prämissen gesetzt sind, sondern ihre Evidenz in konkreten Situationen zu erweisen haben. Im Gegensatz zur Normbegründung fällt das ethische Modell keine Wertvorzugsurteile,
und im Unterschied zur Legende illustriert es nicht den Vorbildcharakter einer idealen Konfliktlösung oder eines heiligen Lebens. Als Reflexionsfigur einer offenen und lernfähigen Sittlichkeit ist das ethische Modell auf den Dialog mit der Kunst und der populären Medienkultur
angewiesen. Diese kreative Form von Moralität ist typisch für moderne multikulturelle Gesellschaften, in der Angehörige verschiedener Religionen, Weltanschauungen und Lebensstile
ihr Zusammenleben auf posttraditionalem bzw. postkonventionellem Niveau koordinieren
müssen. Die Einheit bzw. Integration multikultureller Gesellschaften lässt sich nicht (mehr) an
der Identität einer Tradition festmachen, sondern muss über die Verständigung zwischen den
beteiligten Kulturen weiterentwickelt werden.
Das ethische Modell von „Big Brother“ setzt auf dem postkonventionellen Niveau einer verständigungsorientierten und lernfähigen Sittlichkeit an. Die Werte und Interessen der Bewohner im Container sind heterogen. Durch die räumlichen und zeitlichen Begrenzungen entste-
5
Mieth, Dietmar: Moral und Erfahrung I. Grundlagen zur theologisch-ethischen Hermeneutik. (4. überarbeitete
und ergänzte Neuauflage) Freiburg i. Ue. 1999; besonders Kapitel II: Narrative Ethik – der Beitrag der Dichtung
zur Konstituierung ethischer Modelle; Lesch, Walter: Die Schwere der Gebote und die Leichtigkeit der Kunst.
Wege und Umwege der Modellethik. In: Lesch, Walter und Loretan, Matthias: Das Gewicht der Gebote und die
Möglichkeit der Kunst. Krzysztof Kieslowskis „Dekalog“-Filme als ethische Modelle. Freiburg 1993, 15-46; Loretan, Matthias: Sein-Können geht vor Sollen. Interpretation der Dekalog-Filme Kieslowskis als Modelle moralischer, existentieller und religiöser Erfahrungen. In: Lesch und Loretan, 103-130.
3
hen Konflikt- und Stresssituationen. Zu ihrer möglichst gewaltfreien Auflösung bietet die Anlage von „Big Brother“ institutionalisierte Verfahren auf verschiedenen Ebenen an:
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Verständigungen und Nominationen zwischen den Bewohnern im Container
Inszenierung der „inneren“ Monologe sowie der Nominationen als intime Dialoge mit
dem Grossen Bruder in der Doppelgestalt von Redaktion und Publikum, von Beichtvater und verzeihender göttliche Instanz im „Sprechzimmer“
Studiogespräche mit Fachleuten (Psychologe und Astrologin) und Prominenz vor Publikum über Konflikte und Erfahrungen im Container
Beobachtungen und Diskussionen im Medienverbund: Telefon, E-Mail, Web, affirmative und kritische Diskurse in den Medien
Nomination von Kandidaten und Abwahlmöglichkeiten durch Beteiligung des Publikums
Untersucht man die ethischen Diskurse der multimedialen Installation von „Big Brother“, so
dürfte die moralische Entrüstung schnell abschwellen. In „Big Brother“ gibt es nicht keine oder
gar nur eine verwerfliche Moral. Im Gegensatz zu jenen, die allgemeine, für die ganze Gesellschaft gültige Werte und Prinzipien einfordern, reicht die Moral von „Big Brother“ oder genauer: das ethische Identitätsmodell des Sendeformats nur für bestimmte Lebensstilgruppen.
Konstitutiv für die entsprechenden Milieus ist das Alter beziehungsweise die Zugehörigkeit
zur Generation der heute 15- bis 40jährigen. Diese Erlebnismilieus verhandeln normative
Konflikte aber weniger nach sozialmoralischen Kriterien, wie sie für ältere Generationen typisch sind, die Handlungen nach dem Schema gut / bös bewerten. Der Code, nach dem die
Bewohner des Containers ihr Verhalten beurteilen, richtet sich eher nach den sozialästhetischen Leitwerten von schön / hässlich. Ein typisches Muster, mit dem etwa Bewohner ihr
Handeln rechtfertigen, kann so zusammengefasst werden: „Ich will im Container etwas erleben, eine gute Zeit haben, in der es für mich und die anderen stimmt.“ Ziel ist ein erfülltes,
authentisches Leben im Hier und Jetzt. Die (moralische) Rücksichtnahme auf die Ansprüche
der Anderen ist verschlüsselt im ästhetischen Code. Diese Ästhetisierung des Alltags ist typisch für ein Multioptionen-Gesellschaft, in der Fragen des Überlebens (sozialmoralischer
Code) in solchen des Erlebens (sozialästhetischer Code) aufgehoben sind.6
Die Multimedia-Installation „Big Brother“ bietet einen öffentlichen Spiegel an, in dem Erlebnismilieus jüngerer Generationen ihre Erfahrungen und Optionen reflektieren können. Narrative und szenische Qualitäten nutzend, vermag „Big Brother“ normative Konflikte authentisch
live und mit offenem Ausgang darzustellen. Das ethische Laboratorium erlaubt den anvisierten Zielgruppen eine mit Emotionen und Erfahrungen gesättigte soziale Orientierung, deren
Zielwerte sie selbst mitbestimmen können. Die geniale Erfindung besteht darin, wie mühelos
„Big Brother“ normative Konflikte aufgreift und in eine spielerisch Anlage formt. Der sozialästhetische Code mit der Leitdifferenz schön / hässlich wird übersetzt in den Code des Spieles
mit der Leitdifferenz in / out: Wer darf im Container bleiben, wer muss ihn verlassen? Welche
Selbstdarstellung ist in, welche out?
Gekämpft wird um Prestige, genauer um Aufmerksamkeit und Sympathie. Was zählt sind für
einmal nicht Punkte und Sekunden, Resultate professioneller Leistungen also. Die kleinen
Brüder und Schwestern im Container profilieren sich als authentische und unterhaltsame
6
Vgl. Schulze, Gerhard: Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/Main, New York 1992
4
Selbstdarsteller, indem sie Aufmerksamkeit und Sympathie der Mitbewohner und des Publikums auf sich ziehen. Authentizität und Künstlichkeit bzw. Inszenierung bilden dabei keine
Gegensätze, sondern bleiben aufeinander verwiesen. Es geht nicht darum, eine professionelle Show abzuziehen, welche das Inszenierte der Darstellung leugnet und als Realität frei von
Inszenierung ausgibt. „Big Brother“ bietet mehr oder weniger gewöhnlichen Menschen eine
Bühne, auf der sie sich mit ihren Masken und Inszenierungen selber darstellen können. Die
Herstellung ihrer Masken und Oberflächen: das Schminken, die Gespräche über Körperformate und bevorzugte Markenartikel sowie die Vorbereitung von Auftritten bei der Lösung von
Wochenaufgaben gehören mit zu ihrer Authentizität. Es gibt kein Leben ausserhalb der
Künstlichkeit und des Zwangs zur Selbstdarstellung. Das eigene Selbst möglichst bildtauglich
und medienwirksam zur Schau zu stellen7, scheint zur condition humaine in spätmodernen
Lebenswelten zu gehören. In einer Art höheren zynischen Bewusstseins kann „Big Brother“
als Medieninstallation für sich in Anspruch nehmen, zur gegenseitigen Beobachtung der
Selbstdarsteller eine Beobachtung der Beobachtung, eine Beobachtung zweiten Grades zu
bieten.
Übergänge zwischen der präsenten Gemeinschaft und der zerstreuten Gesellschaft
Der Container ist ein Ort der Begrenzung. Die einen empfinden ihn als ein Gefängnis und verlassen vorzeitig die Szene. In der Regel gelten die freiwilligen Aussteiger als Verlierer. Sie
geben ihre Rolle, die gebotene Chance zur Selbstdarstellung auf. Das freiwillige Verlassen
der Gruppe wird als Treuebruch gegenüber der Gemeinschaft wahrgenommen. Die für „Big
Brother“ konstitutive Spannung von Drinnen und Draussen erhält unter dem Vorzeichen der
Freiwilligkeit eine interessante Umpolung: Das Drinnen (Gefängnis) wird zur Gemeinschaft,
das Draussen (Freiheit) zur anonymen Gesellschaft. Die Gemeinschaft fordert Verbindlichkeiten und strebt nach Homogenität. Sie pflegt Rücksichtnahmen und Solidarität, verlangt dafür
aber nach Identifikation mit ihren Werten. - Die Gesellschaft ist nichts Kompaktes. Sie umfasst zwar die Subjekte, belässt sie jedoch in der Beweglichkeit ihrer Überzeugungen, Interessen und Handlungen. Wer das Haus verlässt, wird ausgestossen in die endlose Wüste von
Freiheit und Wohlstand, von Konsum und Spass, in eine zerstreute Welt ohne Sinn und
Verstand.
Die Produzenten von „Big Brother“ verwenden komplexeste und fortgeschrittenste Multimedia-Technologie, im Container schaffen sie allerdings eine Szene, welche die Bewohner zur
Kommunikation im Hier und Jetzt, zur physischen Präsenz zwingt. Den meisten Eremiten im
Container fällt nach ihren eigenen Angaben der Verzicht auf ihre Leitmedien wie Handy, Radio, Musikkonserven und Fernsehen am schwersten. Mit diesen Medien kommunizieren sie in
ihrem Alltag draussen exzessiv, aber unter weitgehendem Verzicht auf die Präsenz im Hier
und Jetzt und somit auf die tradierten Ordnungen von Hören und Sehen. Der Container verwehrt den Singles den Rückzug in ihre Wohnungen und die Abkehr zu den unterhaltenden
Medienprogrammen. Die Sammlung aus der Zerstreuung macht den Container zu einem Hort
der intimen Gemeinschaft. Im Haus der Güte buhlen die physisch Versammelten mit dauerhaftem Wohlverhalten um die Gunst der Mitbewohner drinnen und der Zuschauenden draussen. Im Drinnen entwickelt sich eine Art Puppenstube, in der unentwegt Gefühle und meis7
Wintsch, Dani: Zur Wirklichkeit eines Container-Lebens. Eine Beobachtung der Beobachter. In: Medienheft
vom 3. November 2000. 1-6. http://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/k15_BigBrother_WintschDani.html
5
tens Freundlichkeiten ausgetauscht werden. Aufgehoben in den Raum der Überblickbarkeit
fühlen sich die angesprochenen Zielgruppen weniger angezogen von spektakulären Sexszenen, als von jenen Gesten, an denen sich die Wärme der Gemeinschaft ablesen lässt: vom
Anfassen, Berühren, „Kuscheln“.
Es ist ratsam, den Blick nicht auf das intime Geschehen im Haus zu fixieren, sondern die Übergänge zwischen Drinnen und Draussen, zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft im Gesamtmedienwerk „Big Brother“ zu studieren. Ausgeklammert bleibt das Auswahlverfahren der
selbstdarstellungswilligen Kandidaten. Die Staffeln beginnen jeweils mit der feierlichen Ankunft und Inthronisationen der bis dann unbekannten Helden. Durch die Erwählung wird den
Gewöhnlichen Würde zugesprochen, und indirekt partizipieren alle Betrachter an dieser
Dignität. Über ein komplexes Verfahren wird aus den Kandidaten eine Siegerin oder ein Sieger erkoren und mit den entsprechenden Insignien ausgezeichnet.
Alle Stars bzw. kleinen Brüder und Schwestern müssen die intime Gemeinschaft verlassen,
die einen früher, die anderen später. Sie müssen zurückkehren in die Kälte der Gesellschaft,
für die meisten von ihnen erlischt das Scheinwerferlicht. Die Konkurrenz um Fun, Sympathie
und Aufmerksamkeit wird weiter gehen, aber nun in der Zerstreuung als alltägliches Geschäft.
Alle Kandidaten müssen zum Schluss jene verrufene Ecke passieren: die Schleuse. Ungern
sprechen die Bewohner davon, ängstlich umgehen sie diese Türe. Sie ist eine Höllenpforte,
die den Weg ins Nichts, hinaus in die Zuschauergesellschaft öffnet. Erbärmlich ist es mitanzusehen, wie die kleinen Brüder und Schwestern, deren Abwahl bevorsteht, zittern und
schliesslich in sich zusammenfallen. Die Bewohner versichern sich ein letztes Mal, sich
draussen zu besuchen. Aber sie wissen, es wird nicht mehr sein wie im Container.
In der Regel behalten die abgewählten Kandidaten die heilenden und lustvollen Seiten des
Medienrituals von „Big Brother“ in Erinnerung. Im Container haben sie Freundschaften geschlossen, für ihre Kompetenzen Anerkennung gefunden und als Kandidaten der Gameshow
öffentliche Aufmerksamkeit mobilisieren können. Noch und gerade als „adventure“ bietet „Big
Brother“ eine typische Szene für spätmoderne Identitätsspiele, auf die sich auch die Zielpublika solange einlassen, als sie Spass machen und mit Vergnügen soziales Lernen ermöglichen.8
Religiöse Requisiten und ihre Funktion in der Weltbild-Konstruktion der populären Liturgie: alles sehen, nur keine Unterscheidungen, auf die es ankäme
Die Spannung zwischen der Wärme der Gemeinschaft und der Kälte der Gesellschaft könnte
ein politischer oder ein religiöser Inhalt darstellen. Die Intimität der Szene scheint allerdings
eine solche Thematisierung zu tabuisieren. Ausser den verschiedenen Stilen der Selbstdarstellung gibt es keine Unterschiede (mehr), auf die es im Gesamtmedienwerk ankäme. Es
darf über alles diskutiert werden, aber alle Meinungen beanspruchen nur persönlich zu sein.
Scheinbar folgenlos darf deshalb auch alles öffentlich sein. Abgenabelt von der Tagesaktualität geht Politik als Thema verloren.
8
Vgl. Grimm, Jürgen: Wirklichkeitssplitter im Container. Ergebnisse eines Forschungsprojektes. In: Medienheft
Dossier 15 (2001), 41-56 (http://www.medienheft.ch/dossier/bibliothek/d15_GrimmJuergen.html).
6
Und was religiöse Sprachspiele betrifft, fluchen, schwören und beten die Kandidaten. Doch
alles ist Privatsache. Während einer kurzen Gesprächssequenz, bei der die Teilnehmer der
ersten Schweizer Staffel über ein mögliches Leben nach dem Tod diskutieren, achten sie
sorgsam darauf, dass der Frieden im Haus nicht gestört wird und der Glaube der Einzelnen ja
ihre persönliche Angelegenheit bleibt. Martin Meyer bringt es in seiner Kritik auf den Punkt:
„Dem Zwang zu den Formen folgt freilich ein Verbot: bitte keine Inhalte; nur nicht kühne Meinungen, deutliche Worte. Wer heftig diskutiert, ist selber schuld.“9
Wie um die Immunität des Formats gegenüber Inhalten zu demonstrieren, gab RTL den Kandidaten der ersten Staffel eine Wochenaufgabe, nach der sie einander täglich einen Text aus
der Bibel vorzulesen hatten. Die heikle Aufgabe war mit der expliziten Auflage verbunden,
sich über den (fremden) Text nicht lustig zu machen. Entsprechend korrekt und folgenlos entledigte sich die Gruppe der Aufgabe.
Die Neutralisierung der religiösen und politischen Inhalte ist gekoppelt mit einer Inflation von
religiösen Zeichen. Die erhöhte Kamera im Garten, an die sich die Bewohner richten und über
die sie sich direkt ans Publikum wenden können, sprechen Bewohner in der zweiten Staffel
von TV3 mit dem Namen „Maria“ an. - Ein Kirchengeschädigter wird im „Sprechzimmer“ den
postmodernen Ersatz für das Requisit des Beichtstuhls erkennen. Wenn Bewohner das
Sprechzimmer aufsuchen, verlassen sie die Gruppe, um direkt vor der Kamera ihre geheimen
Gedanken zu äussern und um mit Selbst-Entblössungen „Big Brother“ (in der Doppelrolle von
Redaktion und Publikum) um Vergebung und Anerkennung zu bitten. - Das Leben im Container kann zudem als eine Szene verstanden werden, die ständig schwankt zwischen Himmel
und Hölle, zwischen Paradies und Gefängnis.
In Bezug auf die religiöse Signatur des Formats aufschlussreich ist eine Analyse der Macht.
Gewöhnliche Menschen werden zu Stars und Göttern erkoren. Doch statt auf den Olymp entrückt, werden die kleinen Götter von „Big Brother“ in einen Container verbannt. Dieser ist im
flachen Niemandsland der Vorstadt so angeordnet ist, dass die Zuschauenden die Eingesperrten während 24 Stunden live beobachten können. Die medientechnische Installation
dieser vormals den Göttern zugedachten Blickposition wird den Zuschauenden angedient. Als
grosse Brüder können sie von ihren kleinen Brüdern und Schwestern im Container alles sehen. Mit Eifersucht oder mit Hingabe können die zerstreuten Zuschauer – vermittelt über demokratische Prozesse – anonym Gott spielen: den kleinen Göttern Sympathien als Gnadenmittel zuweisen und sie zur Strafe von der Insel der Glückseligkeit vertreiben – hinaus in die
Finsternis der zerstreuten, aber alternativlosen Gesellschaft. Die Anlage der Medieninstallation ermöglicht keinen dezentrierenden Blick (zum Beispiel von den Höhen des Olymps oder
sub specie aeternitatis), sondern nur noch seine Fixierung auf das Fatum. Darin ist nun auch
das Publikum als Grosser Bruder gefangen: durch anonymes Zuschauen und Mitspielen.
Ansätze einer theologisch-ethischen Kritik an „Big Brother“ als Medieninstallation
spätmoderner Identitätsdiskurse
9
Meyer, Martin:Höhlenbewohner. „Big Brother“ – wie lange noch? In: Neue Zürcher Zeitung, 24./25. Februar
2001, 65.
7
Eine diskursethisch verfahrende Kritik geht davon aus, dass ethisch existentielle Fragen wie
die Bildung individueller und kollektiver Identitäten in modernen Gesellschaften nicht allgemein und gesellschaftsweit gelöst, sondern im Rahmen von Traditionen und Lebensstilgruppen beantwortet werden. Im multikulturellen und posttraditionalen Kontext stellt „Big Brother“
eine besondere Herausforderung dar. Das strittige Modell bietet jungen und kaufkräftigen Lebensstilgruppen eine Bühne zur medienwirksamen Inszenierung ihrer Identität und formiert
scheinbar zwanglos Trends einer auf Jugendlichkeit und Mobilität fixierten Gesellschaft. Eine
generelle Kritik an „Big Brother“ verbaut Möglichkeiten des Dialogs mit Menschen, die über
diese Formatierung ihr Weltbild bzw. ihre Identität konstruieren. Und sie unterschätzt das
technologische Raffinement der Medieninstallation von „Big Brother“, in welchem die Rollen
des Publikums und der Kritik komplex vorstrukturiert sind. Um nicht ins Ghetto elitärer Anspruchskultur abgedrängt zu werden, empfiehlt sich eine geduldigere Interpretation der populären Medienliturgie.
1. Zeitgeist versus Menschenwürde: moralische und rechtliche Verurteilungen verfehlen das Niveau der Identitätsdiskurse
Multikulturelle Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass Fragen des alltäglichen Zusammenlebens nicht (mehr) im Horizont einer allgemeinen Moral oder Weltanschauung, sondern im Dialog zwischen den Traditionen und Moden gelöst werden müssen. Um ein friedliches Zusammenleben zwischen den Kulturen zu garantieren, bleiben aber auch moderne
Gesellschaften auf einen Rest allgemein gültiger Verbindlichkeiten angewiesen. Solche Minima moralia stellen insbesondere Regeln dar, welche verständigungsorientierte Konfliktregelungen zwischen den Beteiligten garantieren. Sie konkretisieren sich in einer chancengleichen
Verteilung von Artikulations- und Entwicklungsmöglichkeiten (z.B. in der Formulierung von
Menschenrechten und in der rechtsstaatlichen Garantie von freiheitlichen, politischen und
sozialen Rechten), in deren Rahmen sich die Traditionen und Moden frei entwickeln können.
Diskurstheoretische Begründungen von Moral und Recht in pluralen Gesellschaften zeichnen
sich dadurch aus, dass sie (moralischen) Fragen der Gerechtigkeit, welche alle Beteiligten
betreffen, eine Priorität einräumen, vor (ethisch existentiellen) Fragen des Guten, welche in
Prozessen individueller und kollektiver Identitätsentwicklung praktisch entschieden werden10.
Die moralischen Bedenken, welche mit Berufung auf die verfassungsmässig garantierten
Rechte gegen das Format von „Big Brother“ vorgetragen wurden, sind in einer diskursethischen Perspektive durchaus ernst zu nehmen. Sie dürfen nicht vorschnell abgetan werden
als Herrschaftsanspruch einer Lebensstilgruppe gegen die kulturelle Artikulation einer anderen Mode. Nach diesem relativistischen Schema argumentierten jeweils Interessenvertreter
von „Big Brother“. Pragmatisch benutzten sie die als elitär und autoritär gebrandmarkte Entrüstung der politisch und moralisch Korrekten, um ihr populäres Format als Unterhaltung und
Orientierung ohne Zeigefinger (just fun) dem anvisierten Zielpublikum zu empfehlen.
Werden allerdings die moralischen und rechtlichen Argumente, welche die Gegner von „Big
Brother“ vorgebracht haben, genauer untersucht, so erweisen sie sich in diskursethischer
10
Zur Differenzierung von ethischen und moralischen Diskursen bzw. zum Vorrang des Gerechten vor dem Guten vgl. Loretan, Matthias: Grundriss einer Medienethik als Theorie kommunikativen Handelns. In: Holderegger,
Adrian (Hrsg.): Kommunikations- und Medienethik. Interdisziplinäre Perspektiven. Freiburg i. Ue. 1999, 153-183,
besonders 164ff, sowie Habermas Jürgen: Vom pragmatischen, ethischen und moralischen Gebrauch der praktischen Vernunft. In: Habermas, Jürgen: Erläuterungen zur Diskursethik, Frankfurt 1991, 100-118.
8
Perspektive vor allem dann als nicht stichhaltig, wenn mit ihnen das Verbot oder die Absetzung des Formats begründet werden soll. So kommt etwa der Medienethiker Andreas Greis11
zum Schluss: „Nicht moralische Gültigkeiten wurden begründet, sondern moralische Geltungen sollten durchgesetzt werden, meistens in weitgehender Unkenntnis des Formats.“ Greis
wählt sich den Münchner Sozialethiker Thomas Bohrmann12 als moralisch anspruchsvoll und
medienästhetisch sensibel argumentierenden Kontrahenten. In Greis Untersuchung der
moralisch und rechtlichen Vorbehalte, die Bohrmann gegen das Format von „Big Brother“
erhebt, verlieren die Bohrmannschen Argumente ihren allgemeinen Geltungsanspruch und
werden zu streitbaren Wertvorzugsurteilen, die ihre Evidenz nur in kulturell spezifischen
Kontexten beanspruchen können.
2. Bohrmanns erstes Argument der Freiheitseinschränkung, welches dieser mit der fehlenden Transparenz der Spielregeln begründet, gewichtet Greis nicht als stichhaltig, da Freiheitsentscheidungen immer Freiheitseinschränkungen nach sich ziehen. Mit der freiwilligen Entscheidung, beim Spiel im Container mitzumachen, unterwerfen sich die Konkurrenten gewissen Regeln. Wenn diese Regeln geändert werden oder im Verlaufe des
Spiels schwer voraussehbare negative Folgen für die Beteiligten entwickeln, müssen diese die Möglichkeit haben, aus dem Spiel auszusteigen. Da diese Möglichkeit bestand und
von den Teilnehmenden genutzt wurde, trifft nach Greis Bohrmanns erster Vorbehalt nicht
zu.
3. Gegen Bohrmanns zweites Argument der manipulativen Werbemassnahmen, verweist
Greis auf die weit verbreitete Praxis des Product Placements und vertraut auf die Kompetenz der Zuschauenden beim Entschlüsseln der Werbebotschaften.
4. Auch das dritte Argument Bohrmanns, „Big Brother“ würde Mobbing als sozial geächtetes
Verhalten unkritisch zu Unterhaltungszwecken präsentieren, sticht für Greis nicht. Er kann
darauf verweisen, dass die Mitspieler im Container Mobbing ablehnten und dass das Publikum erkennbar taktisches Verhalten in der Regel negativ sanktionierte.
5. Am stärksten ins Gewicht fällt nach Greis Bohrmanns viertes Argument. Bohrmann wirft
dem Sender vor, er verletze die personale Würde der Beteiligten, indem er sie für seine
kommerziellen Zwecke instrumentalisiere und auf bestimmte Typen reduziere. Insbesondere bei den Tages- und Wochenzusammenfassungen würden Images der Kandidaten
nach Kriterien der ökonomischen Verwertbarkeit konstruiert und damit verfälscht. So würden jene Nominierten positiv dargestellt, von denen sich der Sender hohe Einschaltquoten
erhofft, negativ dagegen jene, die aus der Sicht des Senders abgewählt werden sollten.
Dieses Setting wiederum verführt die Kandidaten dazu, sich im Hinblick auf den vermuteten Erfolg beim Publikum möglichst medienwirksam zu inszenieren. – In der (marktorientierten) Typisierung der Kandidaten erkennt Greis umgekehrt die Personalisierung von
Wertmustern, die im Spiel über Verfahren der Beobachtung, der Diskussion und der Wahl
getestet werden. Für Greis leistet „Big Brother“ einen sowohl empirisch als auch agogisch
interessanten Beitrag zur aktuellen Wertediskussion.
Trotz der positiven Möglichkeiten der Rezeption vermag Gleich Bohrmanns ethisch ästhetischen Vorbehalt, die Sender würden mit ihren redaktionell bearbeiteten Zusammenfassungen den Kandidaten nicht gerecht und würden sie instrumentalisieren, nicht vollständig
11
Greis, Andreas: „Big Brother“ – Personalisierung und Demokratisierung von Wertediskursen? In: forum medienethik 1 (2001), 80-83.
12
Bohrmann, Thomas: „Big Brother“: Alles nur ein Spiel? Eine medienethische Anfrage. In: Medienheft Dossier
15 (2001), 7-12 (http://www.medienheft.ch/dossier/bibliothek/d15_BohrmannThomas.html).
9
zu entkräften: Denn die Reality-Show bedient sich für ihre kommerziellen und / oder agogischen Zwecke nicht fiktiver Figuren, sondern eben der Selbst-Darstellungen realer Menschen. Ihre professionellen Macher bleiben deshalb auf ein prekäres Einvernehmen mit
den Selbst-Darstellern angewiesen. Ob und wie das Format „Big Brother“ dem Anspruch
gerecht geworden ist, die Beteiligten in ihrem Selbstverständnis zu treffen und in den täglichen und wöchentlichen Zusammenschnitten authentisch zu verdichten, bleibt eine praktische und damit offene Frage, die im Einzelfall geklärt werden muss. In diesem Zusammenhang sind die Vorbehalte jener Kandidaten ernst zu nehmen, die a posteriori die Videoaufnahmen mit den fiktionalisierenden Zusammenschnitten visionierten und deren Authentizität - mit durchaus auch eigennützigen Motiven - in Frage stellten.
2. Das Phänomen „Big Brother“ als Anlass für einen zeitdiagnostischen Dialog zwischen generationsspezifischen Lebensstilmilieus
Für die Kritik an „Big Brother“ empfehlen sich aus diskursethischer Perspektive weder eine
pauschale moralische Verurteilung noch ein rechtliches Verbot. Ratsamer wären die offene
und geduldige Interpretation des Phänomens „Big Brother“ sowie der kritische Dialog mit jenen Lebensstilgruppen, für die das Programmformat entwickelt wurde und die sich für die
Dauer von ein paar Staffeln dafür interessierten. Kritische Auseinandersetzungen mit den
Verantwortlichen von „Big Brother“ waren unmittelbar vor, während und nach der Ausstrahlung dadurch belastet, dass Stellungnahmen für oder gegen das Format umgehend für Marketingzwecke ausgeschlachtet wurden. Nach der vorläufigen Einstellung der Sendung scheinen auch die Verantwortlichen für eine kritische zeitdiagnostische Debatte zugänglicher und
für die Anerkennung ethisch-ästhetischer Verantwortung empfänglicher zu werden. Mit abschwellender Medienresonanz nehmen auch gewisse publizistische Eitelkeiten von Vertretern
des Feuilletons und der Wissenschaft ab, so dass nach dem Event „Big Brother“ die Chancen
für das Gelingen eines Dialogs zwischen den Beteiligten steigen.
In der spätmodernen Multioptionen-Gesellschaft kann „Big Brother“ gedeutet werden als
Formatierung eines spezifischen ethisch-existentiellen Milieus. Menschen in pluralistischen
Gesellschaften, die ihre Präferenzen nach jeweils unterschiedlichen Lebensstilen ausrichten,
darf entsprechend zugemutet werden, dass sie sich zuweilen mit den Werten und Formaten
anderer Milieus auseinandersetzen. Im offenen Dialog können Angehörige der verschiedenen
Milieus Gemeinsamkeiten und Differenzen entdecken und sich über die akzeptierten Unterschiede hinaus verständigen. Wie „Big Brother“ Anlass zur Auseinandersetzung zwischen
verschiedenen Milieus werden kann, soll die folgende Episode aus der Bildungsarbeit mit älteren Menschen veranschaulichen.
Eine Gruppe älterer Menschen in einer Kirchgemeinde von Zürich entschied sich im vergangenen Frühjahr für ein Bildungsprogramm unter dem Titel: Welche Werte nehmen wir ins anbrechende Jahrhundert mit? Die Beschäftigung mit den Medien hätte als bestätigende Folie
für ein Weltbild dienen sollen, das die aktuelle gesellschaftliche Umwelt als feindlich wahrnimmt und einen sozialen Wertezerfall diagnostiziert. „Big Brother“ sollte den Beweis für diese
These liefern. Wohl etwas borniert und kleingläubig hätte die Seniorengruppe ihre Werte und
ihren Glauben gegen das fremde Andere hochhalten wollen.
Doch es kam anders. Die Gruppe fragte offener und neugieriger: Was fasziniert ältere Menschen an dieser Sendung, was stösst sie ab? Welche Fernsehformate bevorzugen sie (Na10
tursendungen und Tagesschau) und warum? Was könnte ihre Enkel an „Big Brother“ faszinieren, und warum interessiert sich die Enkelgeneration kaum für die Fernsehformate ihrer
Grosseltern? Überraschende Einsichten kamen auf: Viele Teilnehmer stellten fest, dass sie
über wenig Kontakte verfügen sowohl zur Generation ihrer Enkel als auch zur Generation der
aktiv im Erwerbsleben Stehenden. Unvertraut sind ihnen ihr Lebensstil und ihre Fernsehformate. Diese Fremdheit kann ältere Menschen ängstigen, zumal sie wirtschaftlich von den
Generationen im Arbeitsleben abhängig sind. Gerade weil sie die soziale Orientierung der
Enkelgeneration nicht kennen, nehmen sie die augenfälligen Unterschiede im Konsumverhalten wahr. So kommen Zweifel auf, ob die eher hedonistisch orientierte Generation der Jugendlichen sich an den Gesellschaftsvertrag halten oder sich egoistisch nach ihrem eigenen
Vorteil in der Konkurrenzgesellschaft orientieren wird.
Die im geschützten Umfeld einer Kirchgemeinde geführte Auseinandersetzung mit „Big Brother“ liess die Beteiligten zu versöhnlichen Einsichten kommen: Für die Bewohner im Container ist Solidarität ein Thema. Sie haben nicht keine Moral, sondern eine andere ethischexistentielle Orientierung. Diese unterscheidet sich vor allem in ihren ästhetischen Leitwerten
vom Erlebnismilieu der Senioren. Und mit durchaus wohlwollendem Befremden stellten die
Angehörigen der älteren Generation fest, wie aufwendig die jüngeren Zeitgenossen ihr (Freizeit-)Verhalten im Container koordinieren und selbst unter Stress nach möglichst verständigungsorientierten Lösungen zwischen den Beteiligten suchen. Solche Beobachtungen können zu neuen Dialogversuchen zwischen den Generationen ermutigen.
3. Ethische und ästhetische Formate der Container-Gemeinschaft
Die Identitätsprofile der Bewohner im Container sind stark individualisiert. Die von den meisten Protagonisten geteilte Wertorientierung ist die Selbstverwirklichung. Ihre inhaltichen Optionen sind ästhetisch imprägniert und lassen sich generationsspezifischen Formatierungen
zuordnen. Nach der Typologie von Gerhard Schulze13 kann das dominante Identitätsmuster
zumindest in den Schweizer Containern als Unterhaltungsmilieu charakterisiert werden. In
ihm sind Menschen vor allem der jüngeren Generationen (unter 40) mit niederer bis mittlerer
schulischer Bildung vertreten. Ihre Wertorientierung lässt sich unter das Motto zusammenfassen: Ich bin, was ich gerade will, unbeschwert vom Ehrgeiz inneren Wachstums. Der Entzug
von leichter Unterhaltungsmusik und von Medien als Stimulationsapparaten macht den Vertretern des Unterhaltungsmilieus im Container besonders zu schaffen. So konzentrieren sie
sich auf Sport und körperbetonte Konkurrenz. Sie akzentuieren die Unterschiede der Geschlechterrollen, rauchen ausgiebig und verabscheuen Politik.
Das für jüngere Generationen ebenfalls typische Selbstverwirklichungsmilieu, korrelierend
mit höherer schulischer Bildung, ist im Container weniger ausgeprägt vertreten. Auch dieser
Lebensstil ist Ich-verankert, orientiert sich aber am Hochkulturschema. Angehörige des
Selbstverwirklichungsniveaus streben nach innerer Selbsterfahrung und sind offen für zeitweilige Engagements in sozialen und politischen Bewegungen. Ihr ästhetischer Stil pendelt zwischen Bach und Rock, Kontemplation und Action, Jeans und besonderem Outfit. Gewahrt
wird eine gewisse Reserve gegenüber Boulevardmedien und Fernsehen.
13
Schulze, 1992, 277-333.
11
Das Zusammenleben im Container kann für die Protagonisten aus den genannten Lebensstilmilieus als eine Extremsituation beschrieben werden: Neben der permanenten Beobachtung durch die Kameras müssen die Singles auf engstem Raum zusammenleben, auf ihre
Leitmedien verzichten und die Chancen präsentischer Kommunikation möglichst souverän
nutzen. „Big Brother“ bietet den kleinen Brüdern und Schwestern eine Szene, in der sie auf
einen Zustand vor den Medien, auf eine reale Präsenz im Hier und Jetzt verwiesen sind. Die
Primärgruppenkommunikation provoziert soziale Konflikte und testet im Beziehungsstress, ob
und wie die Beteiligten ihre Identitäten wahren, aufgeben oder verändern.
Der Container von „Big Brother“ bietet eine intime Bühne zur Inszenierung der individuellen
und kollektiven Selbstdarstellungen. Die Transparenz der Szene für das Publikum beraubt die
Bewohner räumlicher und zeitlicher Rückzugsmöglichkeiten. Die kleinen Brüder und Schwestern antworten auf den Verlust der Privatsphäre mit kulturell eingespielten Mustern der SelbstDarstellung. In ihnen verschmelzen Authentizität und Künstlichkeit.14 Das Spiel mit dem
Schein und der Fiktion hält Fluchtmöglichkeiten offen. Der ironische und mitunter zynische
Gestus birgt einen unverfügbaren Kern menschlicher Subjektivität. Die Kostüme und Masken
können gewechselt werden. Sie schützen in öffentlichen und privaten Sphären, rücken aber
ihrer räumlichen Ungebundenheit wegen auch näher auf den Leib (vgl. KörperInszenierungen an der Street Parade), so dass Künstlichkeit und Authentizität schwer zu
trennen sind. Den Container-Bewohnern jedenfalls bietet die Maske der Künstlichkeit einen
internalisierten Rückzug, die Aura eines fast schon offenen Geheimnisses.
4. Dialektik der Intimisierung des Öffentlichen und der Veröffentlichung des Privaten
Die Kritik an „Big Brother“, das Format verletzte die Privatsphäre der Kandidaten greift zu
kurz. Sie reklamiert ein Sozialisationsmodell, dessen normativer Anspruch der klassischen
bürgerlichen Aufklärung verpflichtet ist und vor allem von älteren Generationen vertreten wird.
Sie nimmt nicht zur Kenntnis, dass spätmoderne Identitätsmodelle auf den durch permanenten Wandel bedingten Anpassungsdruck flexibler reagieren müssen. Die Privatsphäre als
räumlicher Schutz für die Integrität menschlicher Subjektivität wird in Massengesellschaften
deshalb zunehmend poröser.15 Die vergesellschafteten Individuen wollen selbst bestimmen,
wann und wie weit sie die Grenzen des Privaten öffnen und über ihre Selbst-Inszenierungen
öffentliche Anerkennung und Aufmerksamkeit generieren wollen. Wer ihnen Hedonismus,
Narzissmus und / oder Exhibitionismus vorwirft, verkennt, dass die mobilen oder multiplen
Persönlichkeiten ihre Identitätsmuster über die entweder ablehnenden oder zustimmenden
Reaktionen auf ihre Selbstdarstellungen bilden.
14
Willems, Herbert und Jurga, Martin (Hrsg.): Die Inszenierungsgesellschaft. Opladen / Wiesbaden 1998; Fischer-Lichte, Erika und Pflug, Isabel (Hrsg.): Inszenierung von Authentizität. Tübingen 2000; Hallenberger, Gerd
und Schanze, Helmut (Hrsg.): Live is Life. Mediale Inszenierung des Authentischen. Baden-Baden 2000; Bleicher, Joan Kristin: Zwischen Menschenzoo, Panoptikum und Dauertheater. Inszenierungsstrategien im „Big
Brother“-Container und ihre gesellschaftliche Funktion. In: Medien- und Kommunikationswissenschaft 48 (2000),
518-536.
15
Im Gegensatz zum Container, wo die Kandidaten über wenig räumliche Rückzugsmöglichkeiten verfügen,
schützen sich aktuelle Zeitgenossen durchaus auch in räumlichen Sphären. Statistisch lässt sich dieser Trend
belegen mit dem Anstieg der Wohnfläche pro Kopf der Bevölkerung sowie mit der Zunahme von Singelhaushalten.
12
Zur Rechtfertigung ihrer Subjektivität beziehen sich die kleinen Brüder und Schwestern weder
auf die grossen Erzählungen von der Heilsgeschichte Gottes bzw. auf die korrespondierenden theologischen Diskurse über die Gnade, noch auf die Programmatik des autonomen und
verantwortlichen Subjektes. Die Tradition der klassischen liberalen Aufklärung setzt für die
Bildungsprozesse eines autonomen Subjektes die räumliche Ausdifferenzierung der privaten
und öffentlichen Sphären voraus: Die private Sphäre bietet den bürgerlichen Subjekten jenen
Raum, den sie brauchen, um angesichts der vielfältigen Optionen ethisch-existentielle Modelle des Selbst zu entwickeln, auszuprobieren und mit der Konsequenz ihres Lebens für deren
Authentizität einzustehen. In der öffentlichen Sphäre haben die Akteure Verantwortung sowohl für die willentlichen als auch für die nicht-beabsichtigten Folgen ihres Handelns in professionellen und politischen Rollen zu übernehmen und über demokratische Prozesse an der
Willensbildung und Steuerung der Gesellschaft mitzuwirken. Die Differenzierung der privaten
und der öffentlichen Sphäre ist für offene plurale Gesellschaften von hoher normativer Bedeutung und wird deshalb im Rahmen der Menschenrechte und der verfassungsmässigen
Grundlagen insbesondere durch die Garantie der Freiheitsrechte geschützt.
In spätmodernen Kontexten ist die Differenzierung der Spähren zuerst politisch in Frage gestellt worden. Der Feminismus und die politische Linke nach 68 haben diese Trennung der
Spähren kritisiert, um mit dem Slogan der Politisierung des Privaten die als konservativ gebrandmarkten Institutionen der Ehe und der Familie der öffentlichen Kritik und damit einem
rascheren Wandel auszusetzen. Nachhaltiger als über die Politik ist die Grenze zwischen Privat und Öffentlich verwischt worden durch die Einführung neuer Technologien (Digitalisierung, Vernetzung, Videokameras) sowie durch die Marktorientierung der Medien und insbesondere des Fernsehens. Dieses wertete seit den 80-er Jahren die Programmfunktion der
Unterhaltung auf und entdeckte dabei den Unterhaltungs- und Informationswert des Privaten.
Seither verdichtet sich die gegenseitige Vermischung der privaten und der öffentlichen Sphäre zu einem für spätmoderne Gesellschaften typischen Trend. Insbesondere die Medien veröffentlichen Privates und intimisieren das Öffentliche bzw. die Politik.16
Die spätmodernen Modelle der Sozialisation oder der persönlichen Identitätsentwicklung sind
gefährdeter und damit wohl anspruchsvoller oder aufwendiger geworden. Der institutionelle
Schutz der Privatsphäre hat sich verflüchtigt. Sein Äquivalent ist die Maske der Ironisierung
und Fiktionalisierung. Sie sollte nicht vorschnell mit Oberflächlichkeit verwechselt und als
postmoderne Beliebigkeit gescholten werden. Die Maske eröffnet im Spiel mit Rollen und
Marken eine gewisse Unverfügbarkeit. Sie legt die Spieler nicht auf die Szene fest. Solange
sie spielen, können sie ihr Geheimnis wahren. So überleben die Kandidaten von „Big Brother“
scheinbar unbeschadet ihre Abwahl bzw. den Entzug der Gnadenmittel durch das Publikum.
Nach soviel leiblicher und seelischer Entblössung abgewählt worden zu sein, würden Menschen mit einem realistisch stilisierten Identitätskonzept als Schmach empfinden. Sie hätten
den Eindruck, ihr Innerstes preisgegeben zu haben. Genau das aber haben die Kandidaten
der intimen Container-Szene getan. Aber ob und wie ihr Innerstes mit der Oberfläche, mit der
Maske und dem Kostüm zusammenhängt, bleibt das Geheimnis der kleinen Brüder und
Schwestern. Solange ihr Code, wie Authentizität und Künstlichkeit zusammenspielen, nicht
16
Imhof, Kurt: Die Privatisierung des Öffentlichen. Zum Siegeszug der Primärgruppenkommunikation in den
Medien. In: Honegger, Claudia / Hradil, Stefan / Traxler, Franz (Hrsg.): Grenzenlose Gesellschaft? Opladen
1999, 717-732; Lesch, Walter: Medienethik zwischen Öffentlichem und Privatem. In: ZOOM Kommunikation und
Medien Nr. 11 (1998), 40- 46.
13
geknackt ist, können sie ohne grossen Schaden weiter leben. Erst die indikativische Feststellung wäre ihr (symbolischer) Tod.
5. Theologisch ethische Kritik an der geschlossenen Immanenz des Medienrituals
Eine theologische Ethik, die sich auf eine kritische Auseinandersetzung mit der Medieninstallation „Big Brother“ einlässt, kann Diagnosen über Formatierungen des spätmodernen Zeitgeistes gewinnen und gegen ihre geschlossene Immanenz Möglichkeiten kommunikativer
Kompetenz und ethischer Verantwortung zur Geltung bringen. Um die Totalisierungstendenzen der Medieninstallation herauszuarbeiten, werden die Tabus des Formats und die Funktion der inflationären religiösen Zeichen untersucht. Dabei wird auf Texte und Medienprodukte
verwiesen, die das in seiner Immanenz gefangene Medienritual aufbrechen.
Die Wirklichkeitskonstruktion von „Big Brother“ kreist um zwei strukturelle Tabus: den Tod
und die Politik. Die Tabus gelten nicht thematisch: Im Container kann über alles gesprochen
werden. Sie sind strukturell, und das heisst: Die Möglichkeiten der Thematisierung sind so
formatiert, dass diese Themen zum einen nur selten aufgegriffen werden, und zum anderen
als private Meinungen immer schon verharmlost sind. Der Grund für die Beschneidung von
Tod und Politik als private Angelegenheiten liegt in der Anlage des Medienrituals. Die verdrängten Themen verweisen auf schwarze Flecken in der Wirklichkeitskonstruktion von „Big
Brother“. Als Lücken würden sie störend bewusst machen, dass die Medieninstallation nicht
die ganze Wirklichkeit zu fassen vermag. Die Tabus übernehmen die Funktion, diese Irritation
auszublenden. Die Lücke wird mit religiösen Stilisierungen und rituellen Überhöhungen verbrämt.
Das zuweilen aufgekratzte Spiel der Kandidaten im Container kann als Tanz um das verdrängte Tabu des Todes gelesen werden. Das Format ermöglicht den kleinen Brüdern und
Schwestern allerdings keine Einsichten in die Endlichkeit ihrer Selbstdarstellungen bzw. in die
Begrenztheit des menschlichen Tuns. Die Stilisierung der „Wirklichkeit“ als mediale LiveSzene favorisiert die Zeitform des Präsens. Getestet werden die Kandidaten auf ihre Präsenz;
auf ihr Vermögen also, die eigene Existenz publikumswirksam und damit unterhaltsam in
Szene zu setzen. Das Bewusstsein der Endlichkeit würde die auf Jugendlichkeit und Gefälligkeit getrimmte Präsentierung hohl erscheinen lassen. Die Gewissheit (Realität) des eigenen
Todes muss deshalb von der medialen Live-Bühne verdrängt werden.17
Kritik an der Live-Totalität einer Medieninstallation übt der Film „The Truman Show“ von Peter
Weir18. Um die Biografie eines „wirklichen“ Menschen für eine TV-Show live verfügbar zu machen, ist eine kleine Welt in einem grossen Studio nachgebaut worden. Alle Beteiligten ausser dem Titelhelden wissen um die Show und spielen als Schauspieler in der Inszenierung
von Trumans echtem Leben eine Rolle. Als der durch Medienaufmerksamkeit geklonte
17
Die Einsicht in die eigene Sterblichkeit wird durch die arbeitsteilige und genretypische Darstellungsweise des
Todes im Fern-Sehen tendenziell erschwert: Die Darstellung von Krisen mit tödlichem Ausgang bleibt fiktionalisierenden Genres sowie Informationssendungen vorbehalten. Über Sinn und Zweck von Live-Übertragungen
des Sterbens wird vor allem in Bezug auf die Vollstreckung von Todesurteilen in den USA heftig diskutiert. Allerdings sind weder die Funktionalisierung von Todes-Darstellungen zur präventiven Abschreckung noch ihre Stilisierung als ultimatives Event im Kommerzfernsehen dazu angetan, die Einsicht in die eigene Sterblichkeit zu
fördern.
18
Weir, Peter und Niccol, Andrew: Die Truman Show: Drehbuch mit Einleitung von Peter Weir. Frankfurt 1998.
14
Mensch sich seines Lebens als Simulation bewusst wird, indem er an die Studiowand als
räumliche Grenze seiner Medienbiografie stösst, lässt der Film offen, ob die Tür ins Freie zum
Tod oder zu einem neuen Anfang im realen Leben führt.
Was an diesem kommerziellen Spielfilm nicht überzeugt, ist die Personalisierung der Macht in
der gottähnlichen, aber in seiner Anmassung eben bösen Figur des TV-Impresarios. In diesem Punkt fällt die Kritik hinter die Raffinesse von „Big Brother“ zurück. Die wirkliche Reality
Show lässt sich als Manipulation eines durchtriebenen Impresarios nicht hinreichend verstehen. Die Medieninstallation als Formation des Zeitgeistes reserviert die entscheidende Rolle
des Grossen Bruders dem Publikum. Seine Anonymität hebt das medientechnologisch innovative Arrangement auf, indem es den Zuschauenden eine Vielzahl von Repräsentations- und
Partizipationsmöglichkeiten anbietet. Sie reichen von der Identifikation mit den kleinen Heroen, über die verschiedenen Institutionalisierungen von Beobachtungen, Diskursen und Wahlverfahren bis hin zur gottähnlichen und allwissenden Position des Grossen Bruders.19 Das
erforderliche Engagement des Grossen Bruders ist nicht aufwändig: bloss zuschauen und
mitspielen. Wer zuschaut und mitspielt, nimmt teil an der über medientechnologische Verfahren und demokratische Rituale installierten Souveränität: sich von der Live-Show göttlich unterhalten zu lassen.
Die Installation von „Big Brother“ steht für das Ritual einer medientechnologisch hergestellten
Integration der zerstreuten Zuschauergesellschaft. Diese Beobachtung führt zum zweiten
strukturellen Tabu des Programmformates: der (zivilgesellschaftlich fundierten) Politik. Durch
die Intimisierung des Öffentlichen fokussiert die Medieninstallation das Soziale auf Primärgruppenkommunikation und blendet politische Bühnen und Sprachspiele aus. Der Gemeinschaft im entpolitisierten Container fehlt deshalb der Anschluss an die Gesellschaft. Sozialpolitische oder ökologische Stellungnahmen verkommen zu mehr oder weniger folgenlosen privaten Meinungen.20 Das strukturelle Tabu der Politik wäre voraussichtlich auch dann nicht
gebrochen worden, wenn politische Prominenz auf der intimen Medienbühne aufgetreten wäre. Dankbar hätten ihre versierten Vertreter die angebotene Rolle zur publikumswirksamen
Selbst-Inszenierung genutzt, aber wohlweislich darauf verzichtet, gegen die Logik der Installation utopische Gehalte der Container-Gemeinschaft und Defizite der ZuschauerGesellschaft so aufeinander zu beziehen, dass sich daraus spezifisch politische Diskurse hätten entwickeln können.
Eine gesellschaftspolitisch sensibilisierte Medienkritik deckt das entpolitisierende Muster der
Medieninstallation „Big Brother“ auf und hält nach Alternativen Ausschau. Anregende Anschlüsse an die Gruppenkommunikation im Container wären denkbar über die biblische Er19
Das Raffinement der Repräsentations- und Partizipationsrollen von „Big Brother“ lässt sich ermessen, wenn
man zum Vergleich etwa die Rolle des Publikums bei Gottesdienst-Übertragungen veranschlagt. Neben verschieden Formen der Anrede wird die Gemeinde in der Regel repräsentiert als das in die Kirchenbänke gepferchte Volk Gottes, welches mit schleppendem Kirchengesang und wenigen aktiven Laienrollen vor allem bei
jugendlichen Erlebnismilieus eine wenig attraktive und deshalb wohl exkommunikative Wirkung haben dürfte.
20
Vor allem marktorientierte Medien spiegeln die Politik zunehmend in Kategorien des Privaten und erzeugen
einen Druck auf das politische System, Programme und Lösungen so zu entwickeln, dass sie unterhaltsam präsentiert werden können. Zum kritischen Trend symbolischer Politik vgl. Meyer, Thomas / Ontrup, Rüdiger / Schicha, Christian (Hrsg.): Die Inszenierung des Politischen. Zur Theatralik medialer Diskurse. Wiesbaden 2000;
Schicha, Christian: Öffentlichkeit unter Medienbedingungen. Zur Diskrepanz zwischen normative Konzepten und
der Praxis der Politikberichterstattung. In: Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.): Medienethik zwischen
Theorie und Praxis. Normen für die Kommunikationsgesellschaft. Münster 2000,173-194.
15
zählung von der Rettung des Lebens in Noahs Arche. Ungefähr gleichzeitig wie „Big Brother“
entwickelte der englische Public service-Sender BBC das Programmformat „Castaway 2000“.
In diesem Robinson-Experiment wird eine Gruppe von dreissig Männern, Frauen und Kindern
während eines Jahres auf einer unwirtlichen Insel der äusseren Hebriden ausgesetzt, um
gemeinsam das Überleben und Zusammenleben in der Natur zu proben. Im Gegensatz zu
„Big Brother“ verzichtet die Redaktion von „Castaway 2000“ auf Live-Ausstrahlungen. Sie
zeigt und begründet das Auswahlverfahren der „Schiffsbrüchigen“ und porträtiert sie in ihren
biografischen und politischen Kontexten. Die Protagonisten gehören unterschiedlichen Generationen und Lebensstilgruppen an. Die Kontinuität und die Brüche ihrer Lebensgeschichten
werden insofern für das Experiment wirksam, als die Gestrandeten ihre persönlichen und beruflichen Erfahrungen sowie ihre Bindungen (z.B. als Paare oder Familie, als Mitglieder religiöser Denominationen und Sympathisanten politischer Parteien) ins Spiel einbringen können.
Daraus ergeben sich vielfältige Bezüge zwischen der Gemeinschaft der Gestrandeten und
der Gesellschaft der Zuschauenden.
In den lebensgeschichtlichen Kontextualisierungen der britischen Robinsone liegt ein entscheidender ästhetischer Unterschied zu den im Container annähernd live- und gleich(-zeitig)
geschalteten Single-Inszenierungen. „Big Brother“ interessiert sich für die Biografien seiner
kleinen Brüder und Schwestern nur insofern, als diese ihre Erfahrungen medienwirksam und
das heisst unterhaltsam in Szene zu setzen vermögen. Die Aufhebung der Geschichte im
Live-Test entwertet die biografische Erfahrung und engt sie auf ihre Präsentierbarkeit ein.
Ungeschützt werden die Kandidaten der Konkurrenz um das originellste Self-Marketing21
ausgesetzt. Im Wettbewerb um Akzeptanz und Aufmerksamkeit ist es für die Konkurrenten
schwierig, über die Selbst-Inszenierungen hinaus Inhalte und Unterschiede zu finden, über
die zu kommunizieren Sinn machen würde.
Eine moralisierende Kritik der Inhalte von „Big Brother“ greift zu kurz. Erst die Analyse des
Sendeformates als Ritual22 vermag dessen totalitären Züge aufzuzeigen. Die Mixtur verschiedener Genres (z.B. Realitätsfernsehen, daily life soap, Game-Show), die Mobilisierung und
Vernetzung verschiedener Öffentlichkeiten (die 100 Tage dauernde Life-Szene der Selbstdarsteller, die Versammlungen um den Container und im Studio, die fiktionalisierenden Zusammenschnitte sowie die Durch- und Überblicke der übrigen Medien) und deren Fokussierung auf eine intime Szene ergeben ein komplexes, aber inhaltsleeres Ensemble. Dennoch
installiert das populäre Ritual eine immanente, medientechnologische Utopie. Sie stattet die
Konsumenten mit göttlicher Übersicht aus. Physisch zerstreut, aber medial zum Publikum als
Grossem Bruder versammelt, können sie den kleinen Brüdern und Schwestern im Container
zuschauen und sich an ihrem Primärgruppenknatsch unterhalten und (privat) orientieren. Die
gesellschaftlichen Verhältnisse sind zu kompliziert, als dass es sich für geschmeichelte Zuschauer lohnen würde, sich (als kleine Brüder und Schwestern) von unten auf sie politisch
einzulassen. Was bleibt ist Unterhaltung als immanente Utopie: Sie hat ihren privaten Ort im
Container der Fun-Gemeinschaft. Und sie ist den Zuschauern der zerstreuten Fernsehgesell21
Zum Begriff des „Self-Marketings“ als bedingungslose Inszenierung der Person und der eigenen Fähigkeiten
zum Ziel der ökonomischen Verwertbarkeit vgl. Rademacher, Lars: „Zeig mir, wer Du wirklich bist ...“. Was wir
sehen, wenn wir Big Brother sehen – Sieben Lesarten eines Medienereignisses. In: Communicatio Socialis.
Internationale Zeitschrift für Kommunikation in Religion, Kirche und Gesellschaft, Heft 1 2001, 30-51, besonders
33f.
22
Zur Interpretation des Fernsehens als Ritual sowie zur Entwicklung entsprechender Untersuchungsmethoden
vgl. Thomas, Günter: Medien – Ritual – Religion. Zur religiösen Funktion des Fernsehens. Frankfurt 1998, besonders 141-349.
16
schaft nicht für eine ferne Zukunft versprochen, sondern kann subito und live im Fernsehen
erlebt werden.
Mit einem Paradoxon kann das Modell „Big Brother“ zeitdiagnostisch auf den Punkt gebracht
werden: Mit komplexester Technologie installieren marktorientierte Medien eine immanente
Utopie der Unterhaltung. Ihre entpolitisierende Wirkung besteht in der Inthronisation des Publikums als Kundenkönig und in einer Schwächung der Bürgergesellschaft bzw. der zivilgesellschaflich fundierten Politik. Eine theologisch und sozialwissenschaftlich nüchterne Aufklärung
wird deshalb andere Modelle zur Rechtfertigung individueller und sozialer Identität in Erinnerung rufen und die Spannung zwischen privater Unterhaltung und politischem Engagement
kritisch aufeinander beziehen. Gegen die falsche Versöhnung des Medienrituals „Big Brother“
ist an das Projekt einer aufgeklärten Moderne und ihrer (noch) nicht eingelösten Gehalte zu
erinnern. Sie stellt sich gesellschaftliche Integration als einen zuweilen mühsamen Prozess
politischer Willensbildung und verständigungsorientierter Begründung zwischen den Beteiligten vor. In ihn können sich Bürger, die um ihre existentielle und politische Begrenztheit wissen, praktisch und politisch einmischen. Mit ihren politischen Stellungnahmen (von unten)
können sie die Strukturen des Zusammenlebens in funktional differenzierten Gesellschaften
immerhin schwach beeinflussen. Erst wenn diese Gehalte verspielt sind, gilt das Modell einer
Gesellschaft als Medieninstallation, die ihre Klienten schmeichelnd mit Sinn und Unterhaltung
versorgt.
Die Option der in ihrer Immanenz gefangenen Trivialkultur ist selbst nicht trivial. So votiert die
postmodernisierte Moderne für den Vorrang der Demokratie vor Kunst, Philosophie und Religion. Die eher angenehme Konsequenz hieraus: „Friedliche Koexistenz aller Botschaften ohne Gewalt und ohne Gehalt; die Kultur der Bestenlisten als ewige Wiederkehr des geringfügig
Anderen; Selbstbeschallung der Mediengesellschaft mit dem immergleichen immerneuen
Gemisch aus Nosense und No-Nonsense; Freiheit der Wahl zwischen verschiedenen Handelsformen derselben Dekadenz; Emanzipation der Sprecher von der Zumutung, etwas zu
sagen zu haben.“23
Was die unangenehmen Konsequenzen des freien Botschaftenmarktes angeht, Franz Kafka
hat sie um 1914 in einer kleinen Parabel beschworen:
Sie wurden vor die Wahl gestellt, Könige oder Kuriere zu sein. Nach Art der Kinder wollten sie
alle Kuriere sein, deshalb gibt es lauter Kuriere. Und so jagen sie, weil es keine Könige gibt,
durcheinander und rufen einander selbst ihre sinnlos gewordenen Meldungen zu. Gerne würden sie ihrem elenden Leben ein Ende machen, aber sie wagen es nicht wegen des Diensteides.
23
Sloterdijk, Peter: Sphären II: Globen. Frankfurt 1999, 787. Zur indifferenten Identität in der medial organisierten Masse vgl. insbesondere auch: Sloterdijk, Peter: Die Verachtung der Massen. Versuch über Kulturkämpfe in
der modernen Gesellschaft, Frankfurt 2000.
17
Literatur:
Bleicher, Joan Kristin: Zwischen Menschenzoo, Panoptikum und Dauertheater. Inszenierungsstrategien im „Big
Brother“-Container und ihre gesellschaftliche Funktion. In: Medien- und Kommunikationswissenschaft 48 (2000),
518-536.
Bohrmann, Thomas: „Big Brother“: Alles nur ein Spiel? Eine medienethische Anfrage. In: Medienheft Dossier 15
(2001), 7-12 (http://www.medienheft.ch/dossier/bibliothek/d15_BohrmannThomas.html).
Dörr, Dieter: „Big Brother“ und die Menschenwürde. Frankfurt 2000; Frotscher, Werner: Big Brother und das
deutsche Rundfunkrecht. Schriftenreihe der LPR Hessen, Bd. 12, München 2000.
Fischer-Lichte, Erika und Pflug, Isabel (Hrsg.): Inszenierung von Authentizität. Tübingen 2000.
Greis, Andreas: „Big Brother“ – Personalisierung und Demokratisierung von Wertediskursen? In: forum medienethik 1 (2001), 80-83.
Grimm, Jürgen: Wirklichkeitssplitter im Container. Ergebnisse eines Forschungsprojektes. In: Medienheft Dossier 15 (2001), 41-56 (http://www.medienheft.ch/dossier/bibliothek/d15_GrimmJuergen.html).
Habermas Jürgen: Vom pragmatischen, ethischen und moralischen Gebrauch der praktischen Vernunft. In: Habermas, Jürgen: Erläuterungen zur Diskursethik, Frankfurt 1991, 100-118.
Hallenberger, Gerd und Schanze, Helmut (Hrsg.): Live is Life. Mediale Inszenierung des Authentischen. BadenBaden 2000.
Imhof, Kurt: Die Privatisierung des Öffentlichen. Zum Siegeszug der Primärgruppenkommunikation in den Medien. In: Honegger, Claudia / Hradil, Stefan / Traxler, Franz (Hrsg.): Grenzenlose Gesellschaft? Opladen 1999,
717-732.
Lesch, Walter: Medienethik zwischen Öffentlichem und Privatem. In: ZOOM Kommunikation und Medien Nr. 11
(1998), 40- 46.
Lesch, Walter: Die Schwere der Gebote und die Leichtigkeit der Kunst. Wege und Umwege der Modellethik. In:
Lesch, Walter und Loretan, Matthias: Das Gewicht der Gebote und die Möglichkeit der Kunst. Krzysztof Kieslowskis „Dekalog“-Filme als ethische Modelle. Freiburg 1993, 15-46.
Loretan, Matthias: Grundriss einer Medienethik als Theorie kommunikativen Handelns. In: Holderegger, Adrian
(Hrsg.): Kommunikations- und Medienethik. Interdisziplinäre Perspektiven. Freiburg i. Ue. 1999, 153-183.
Loretan, Matthias: Sein-Können geht vor Sollen. Interpretation der Dekalog-Filme Kieslowskis als Modelle moralischer, existentieller und religiöser Erfahrungen. In: Lesch, Walter und Loretan, Matthias: Das Gewicht der Gebote und die Möglichkeit der Kunst. Krzysztof Kieslowskis „Dekalog“-Filme als ethische Modelle. Freiburg 1993,
103-130.
Meier, Urs: Das Fernsehen kommt zu sich selbst. Kommunikationskultur im Zeichen von „Big Brother“. In: Medienheft vom 28. August 2000, 1-3 http://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/BigBrother.html.
Meyer, Martin:Höhlenbewohner. „Big Brother“ – wie lange noch? In: Neue Zürcher Zeitung, 24./25. Februar
2001, 65.
Meyer, Thomas / Ontrup, Rüdiger / Schicha, Christian (Hrsg.): Die Inszenierung des Politischen. Zur Theatralik
medialer Diskurse. Wiesbaden 2000.
Mieth, Dietmar: Moral und Erfahrung I. Grundlagen zur theologisch-ethischen Hermeneutik. (4. überarbeitete
und ergänzte Neuauflage) Freiburg i. Ue., 1999; besonders Kapitel II: Narrative Ethik – der Beitrag der Dichtung
zur Konstituierung ethischer Modelle.
Rath, Matthias: Die Pflicht zur Würde. Überlegungen zu einem medienethischen Problem. In: Medienheft Dossier 15 (2001), (http://www.medienheft.ch/dossier/bibliothek/d15_RathMatthias.html).
18
Rademacher, Lars: „Zeig mir, wer Du wirklich bist ...“. Was wir sehen, wenn wir Big Brother sehen – Sieben Lesarten eines Medienereignisses. In: Communicatio Socialis. Internationale Zeitschrift für Kommunikation in Religion, Kirche und Gesellschaft, Heft 1 2001, 30-51.
Ring, Wolf-Dieter: Programmfreiheit versus Geschmacksfragen. In: Weber, Frank (Hrsg.): Big Brother: Inszenierte Banalität zur Prime Time. Münster 2000, 361-368.
Schicha, Christian: Öffentlichkeit unter Medienbedingungen. Zur Diskrepanz zwischen normative Konzepten und
der Praxis der Politikberichterstattung. In: Schicha, Christian / Brosda, Carsten (Hrsg.): Medienethik zwischen
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