"Mein Zimmer ist meine Welt" - Kunstprojekt mit Paul Huf Capoeira

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"Mein Zimmer ist meine Welt" - Kunstprojekt mit Paul Huf Capoeira
Alltagsprojekte
Unsere pädagogischen Alltagsprojekte sind lebendiger Ausdruck der vielfältigen Interessen und Kompetenzen unserer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Ideen orientieren sich an den Wünschen und Neigungen unserer Zielgruppe. Neben der
Aktivierung von eigenen Ressourcen dienen unsere Projekte auch zur spielerischen Förderung unterschiedlichster Kompetenzen und
beruflicher Perspektiven.
"Mein Zimmer ist meine Welt" - Kunstprojekt mit Paul Huf
Mit großzügiger Unterstützung durch die Münchner BuntStiftung leitete der Künstler und Pädagoge Paul Huf im
August 2009 bei Just M ein innovatives Kunstprojekt, bei dem er die begeisterte Zielgruppe nicht nur durch Museen und Galerien
führte, sondern mit ihnen überzeugende Kunstwerke erstellte.
So entstanden originelle Portraits, die von kreativ gefertigten Schablonen mit bunten Sprayfarben gerahmt worden sind und nun die
Zimmer der jungen Künstler mit einer ganz besonderen Ausstrahlung und persönlichen Note versehen.
Projektbericht Paul Huf.pdf (1,9 MiB)
Capoeira - eine Lebenseinstellung
Capoeira ist ein afro-brasilianischer Tanz und Kampfsport, der Musik, Tanz, Spiel und Kampf spielerisch kombiniert. Bei Capoeira
wird jedoch nicht nur das Bewußtsein für den eigenen Körper entwickelt, sondern auch Gegensätze wie Aggressivität und
Sozialkompetenz sprichwörtlich ausgedrückt und mit Kreativität und Leidenschaft dargestellt.
Insofern ist Capoeira nicht nur ein besonderer Tanz und Kampfsport, sondern vor allen Dingen auch ein Lebenseinstellung.
Das Projekt wird von einer brasilianischen Capoeira-Tanzgruppe geleitet und von mehreren Dienstkräften aus den pädagogischen
Teams von Just M regelmäßig begleitet und unterstützt.
Klettern - im Kontext einer ressourcenorientierten Ausrichtung
erleben
Um mit Spaß und Erlebnis soziale Kompetenzen zu fördern, auszubauen und zu festigen, gehen zwei pädagogische Fachkräfte von
Just M einmal wöchentlich mit den jungen Menschen zum Klettern.
Unter fachkundiger Anleitung erleben sie die Herausforderung, eine Kletterwand bis auf 30 Metern Höhe erklimmen zu können und
durch dieses Wagnis mit eventuell entstehenden Ängsten umzugehen. Durch abwechselndes sich Halten und sich Fallen lassen,
übernehmen die jungen Menschen Verantwortung für einander und erleben gegenseitiges Vertrauen. Sie üben sich in Teamarbeit
miteinander zu kommunizieren, um dabei persönliche Grenzen und Grenzen des Partners zu erkennen und zu respektieren.
Das Klettern trägt dazu bei, Aufgaben kreativ lösen zu lernen und sich zu konzentrieren. Es stellt ebenso durch die Übung
motorischer Fertigkeiten und die Schulung koordinatorischer Fähigkeiten einen Beitrag zur Gesundheitsförderung dar.
Unser Ziel ist es, mit dem Klettern Lernprozesse in Gang zu setzen, die jungen Menschen in ihrem Selbstvertrauen zu stärken,
Zugang zu ihren eigenen Emotionen zu finden und über Spaß am Tun zu lernen, für sich selbst und für die Gemeinschaft
Verantwortung zu übernehmen.
Trommeln - Musik wirkt Wunder
Sie kann entspannen, heilen, Menschen zusammen führen und Hindernisse überwinden. Sie kann helfen, sich selbst zu finden,
andere verstehen zu lernen und Konflikte zu beseitigen.
Die Trommel ist ein Musikinstrument, das keinerlei Notenkenntnisse oder musikalische Grundkenntnisse voraussetzt. Jeder kann
seinen eigenen Rhythmus einbringen und weiter geben. Gerade in den arabischen und afrikanischen Ländern, aus denen ein großer
Teil unserer jungen Menschen stammen, gilt die Trommel schon immer als Überträgerin von Botschaften und als
Kommunikationsmittel.
Die Trommel verleiht ein neues Körpergefühl. Jeder Teilnehmer hat die Möglichkeit seinen eigene Ausdruck zu finden und einen
Vertrauenspunkt zu seinem Gegenüber zu fassen. Oft nutzen unsere jungen Flüchtlinge die Musik als stimmungsvollen Weg zurück
in ihre Heimat, aus der sie dann berichten. Mal heiter und fröhlich, mal mit Schwermut und Melancholie. Doch die Musik holt sie
auch wieder zurück und verbindet sie im Wissen, nicht alleine zu sein.
Die Trommelgruppe von Just M wird durch mehrere pädagogische Fachkräfte getragen und durch einen jungen Musiker und
Schauspieler fachlich unterstützt.
Move & Meet
Tanz ist neben dem Rhythmus die älteste Kommunikationsform überhaupt. Vermutlich existierte der
Tanz als Gemeinschafts- und Sinn stiftendes Medium schon lange vor der Sprache.
Durch das Projekt Move & Meet erlebt unsere Zielgruppe den Tanz als kommunikatives Medium für die
subjektive Darstellung von Gefühlen. Körper und Seele stehen in einer engen Verbindung zueinander und
wollen ihren Ausdruck finden.
Unsere Zielgruppe kommt aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen, Erfahrungen und
Eindrücken. Das Projekt betont die Unterschiede in der Kultur aber auch die Gemeinsamkeiten in der
Bewegung, denn durch das Tanzen werden Ähnlichkeiten und Besonderheiten erst erfahren.
Das Projekt wird von Frau Eva-Maria Seiler geleitet. Sie arbeitet als Erzieherin in den
Außenwohngruppen von Just M und absolviert eine Ausbildung zur Tanztherapeutin.
Deutsch lernen leicht gemacht!
"Deutsche Sprache - schwere Sprache!" könnte man meinen, gäbe es nicht den Deutschkurs bei Just M.
In intensiven Einzel- und Gruppentrainings können unbegleitete aber nicht nur minderjährige Flüchtlinge
entweder zur Überbrückung von Wartzeiten bis eine Aufnahme in die Alphabetisierungs- und
Deutschkurse bei Anbietern wie dem SchlaU-Projekt, FLÜB&S oder KOMM möglich sind oder als
individuelle Ergänzung zum laufenden Unterricht den Sprachkurs bei Just M nutzen.
Unterrichtet wird an Vor- und Nachmittagen. Der Einstieg in den gebührenfreien Kurs ist ohne
Vorlaufzeiten jederzeit möglich.
"Deutsch lernen leicht gemacht" wird durch die Lichterkette e.V. unterstützt.
Anti-Aggressivitäts-Training®
Ich mach‘s ohne Gewalt, ist das Motto des Anti-Aggressivitäts-Trainings® für männliche Jugendliche und Heranwachsende des
Jugendhilfeverbundes Just M.
Das Anti-Aggressivitäts-Training® ist eine soziale Interventions- und Trainingsform, die sich an junge Menschen im Alter
zwischen 14 und 21 Jahren mit einer niedrigen Frustrationstoleranz und einem (latent) aggressiven, gewaltbereiten und -erfahrenen
Verhalten richtet.
Das Programm ist delikt-, defizit- und ressourcenorientiert und fordert die jungen Menschen, sich konsequent mit ihren destruktiven
Handlungen und ihrem Wesen kritisch auseinanderzusetzen, um daraus konstruktive Alternativen zu entwickeln und einzuüben.
Langfristige Zielsetzung ist es, auch bei Provokationen gewaltfrei reagieren zu können. Um dies zu erreichen, werden die jungen
Menschen mit den Folgen Ihrer Aggressionen für die Opfer konfrontiert. Dadurch lernen sie, Verantwortung für ihr Handeln zu
übernehmen. Neben der kritischen Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Person werden ihre positiven Ansätze gegenüber gestellt
und verstärkt.
Das mittlerweile auch für externe Interessenten geöffnete Anti-Aggressivitäts-Training® wird durch einen zertifizierten Trainer von
Just M in Kooperation mit dem internen Fachdienst angeboten.
Schul- und Arbeitsprojekt
Das Schul- und Arbeitsprojekt ist ein individuelles Angebot zur Bildung, Erziehung und Betreuung leistungsdistanzierter und
schulferner Jugendlicher. Es richtetet sich an junge Menschen im schulpflichtigen Alter zwischen 14 und 18 Jahren, die von Just M
bereits betreut werden und aufgrund ihrer massiven Verhaltensauffälligkeiten der regulären Schule bereits über einen längeren
Zeitraum ferngeblieben sind und deshalb einen besonderen Rahmen zur individuellen und intensiven Beschulung und Betreuung
benötigen.
Vor dem Hintergrund der komplexen Wirkungszusammenhänge entwicklungshemmender familiärer, gesellschaftlicher und
politischer Faktoren, die die Unterbringung eines jungen Menschen bei Just M stets begleiten, ist der Bedarf für ein internes
Schulprojekt qualitativ permanent gegeben. Eine anhaltend hohe Versorgungslage hinsichtlich der Betreuung von diesen oftmals
auch selbst- und fremdaggressiven jungen Menschen, deren Motivation, Teilnahme und Leistungsverhalten bei schulischen
Anforderungen sich allenfalls zur öffentlichen Inszenierung von Verweigerung Raum nimmt, lässt zudem auch einen quantitativen
Bedarf bestätigen, dem mit einem schulischen Regelangebot nicht adäquat entsprochen werden kann. Unserer Erfahrung sind
schulferne Jugendlichen für strukturierte und leistungsorientierte Anforderungen allenfalls im Setting einer homogenen Kleingruppe
oder gar nur im Einzelkontakt zu erreichen.
Modeatelier - „Stich für Stich zum erfüllten Ich“
Das Modeatelier gibt jungen Flüchtlingen ein Stück Heimat. Wer schon einmal auf einem fernöstlichen Basar war, kennt das
faszinierende Bild, das sich dort dem Betrachter bietet: Gold- und Silberschmiede fertigen kunstvolle Schmuckstücke. Glasbläser
formen geschickt ihre filigranen Gefäße. Weber preisen ihre fein gewirkten Stoffe an. Und Schneider nehmen vor Ort Maß für
handgenähte Kleider. Bei Touristen weckt das bunte Treiben meist ein Gefühl der Fremde. Viele „Fremde“, die bei uns leben,
verbinden damit jedoch ein vertrautes Stück Heimat und Selbstwert.
Vor dem Hintergrund solcher Impressionen und Erfahrungen hat Just M ein eigenes „Modeatelier“ eingerichtet. Seit Mai 2007
treffen sich einige der minderjährigen Flüchtlinge aus der Einrichtung einmal in der Woche, um unter Anleitung von Dorothea
Hugle ihre Kreativität, vom ersten Entwurf bis zum fertigen Kleidungsstück zu demonstrieren. Die Modedesignerin weist die
Heranwachsenden Schritt für Schritt in die Kunst des Schneiderns ein. Inzwischen beherrschen die Buben einfache
Änderungssarbeiten wie das Kürzen oder enger Nähen von Hosen ebenso wie das Erstellen von Taschen, Bettwäsche und
komplizierteren Kleidungsstücken wie Hosen und Hemden.
Manche kamen bereits mit Erfahrung in die Gruppe, wie Yousef*, der früher im Betrieb seiner Eltern mitgeholfen hat. „Wenn ich
hier nähe, fühle ich mich ein ganzes Stück mehr wie zu Hause“, meint der junge Iraker. Mit seinem Vorwissen konnte er den
anderen schon oft helfen und hat dadurch neue Freunde gewonnen, die ihm jetzt das ungewohnte Leben in München leichter
machen. Auch Najib* aus Afghanistan ist begeistert von dem Projekt: „Ich kann meine Kleidung selber machen, wenn ich mal
alleine lebe. Das finde ich toll.“ Inzwischen denkt der 17-Jährige sogar darüber nach, das neu entdeckte Hobby zum richtigen Beruf
zu machen. „Schneider werden? Warum nicht?“, meint er. Bei Just M findet er Unterstützung für seine Pläne: Die Einrichtung hat
bereits gute Kontakte zu Schneidereien geknüpft, die Praktikanten Einblick in das vielseitige und kreative Aufgabengebiet geben.
Karin Zinsberger, die als Erzieherin in der sozialpädagogischen Gruppe für minderjährige Flüchtlinge tätig ist und als interne
Betreuung und Ansprechpartnerin für das Projekt fungiert, freut sich über die dynamische Entwicklung und die kreativen Ergebnisse
der Jugendlichen. Auch die Mitbewohner zeigen offen ihre Bewunderung, und das tut den entwurzelten Buben sichtbar gut: Sie
gewinnen neues Selbstwertgefühl und beginnen – fernab der Heimat – endlich wieder Perspektiven für ihre Zukunft zu entwickeln.
Ziel des neuen Projektangebotes ist es, interessierte und talentierte Jugendliche beiderlei Geschlechts durch praxisnahes Lernen
bestmöglich für das Berufsfeld des Modeschneiders/Modenähers zu qualifizieren. Außerdem werden die Jugendlichen dieses Jahr
erstmals die Möglichkeit haben, ihre Kreationen im Rahmen einer Modenschau vorzuführen.
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